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nach dem gleichnamigen Roman von Fjodor Dostojewski Regie Sascha Hawemann im Volkstheater Bühne WOLF GUTJAHR Kostüm HILDEGARD ALTMEYER Musik XELL Dramaturgie ANNE-KATHRIN SCHULZ

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Menschen in den Fängen einer Großstadtwelt, in der jeder Erfolg, Zentimeter für Zentimeter, hart erkämpft werden muss. Im Zentrum kurz die Möglichkeit eines Glücks: Natascha liebt Aljoscha, Aljoscha liebt Natascha, sie ziehen zusammen. Die Väter sind dagegen. Sein Vater ist Fürst, ihr Vater ehemaliger Gutsbesitzer, nun verarmt. Aljoschas Vater will seinen Sohn standes­ gemäß mit einer reichen Erbin verheiraten. Die Zerreißung beginnt – mit Intrigen, Gier, Verführungslust und böser Machtkraft. Wunden werden geschlagen, erhaltene schnell übertüncht, ein neues Lächeln wird aufgesetzt – und weiter, und weiter. Wer verliert, dem droht Totalschaden. Wie beim armen Waisenmädchen, das eigentlich eine Prinzessin wäre. Und dann ist da noch Iwan, ein todkranker Schriftsteller, der sich an alles erinnert. „Splitter­ menschen“ nennt Regisseur Sascha Hawemann diese Bewohner*innen des in ERNIEDRIGTE UND BELEIDIGTE entfalteten Kosmos, „angepasst und zusammengerissen, an und für sich, das ewige, gottgewollte, unabänderliche Ausbeuten. Mensch­bleiben letzter Auftrag der verpassten Revolution“. Vierzig Jahre alt war Fjodor Dostojewski und noch lange nicht einer der berühmtesten Literaten Russlands, als er ERNIEDRIGTE UND BELEIDIGTE schrieb, inspiriert von Schillers KABALE UND LIEBE und Goethes WILHELM MEISTER. Gerade aus acht­ jähriger sibirischer Verbannung (wegen „Subversion“) nach St. Petersburg zurückgekehrt, veröffentlichte er seinen dritten Roman 1861, zunächst in Fortsetzungen, in der von ihm und seinem Bruder gegründeten Zeitschrift Wremja. Getrieben von Geldnot und dem Wissen, die ersten Kapitel einer Geschichte veröffentlichen zu müssen, ohne das Ende zu kennen. Einer Geschichte voller Seinsdruck, Liebesdruck, Habensdruck, in einer Welt ohne Utopien, in der Überleben nicht nur Taktik, Kraft und Gier erfordert, sondern auch die Lust dazu.

SPIELZEIT 20/21

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