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KAY VOGES KÜNSTLERISCHER DIREKTOR

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→  S.20

Wien-Premiere von Regie

SZENISCHES GEDICHT FÜR BELEUCHTER UND TONTECHNIKER von Ernst Jandl Regie Kay Voges

→  S. 34

Samuel Beckett Kay Voges

→  S.40 →  S.22 PHANTOMTHEATER FÜR EINE PERSON von Stefan Kaegi// Rimini Protokoll

→  S.36 nach Regie

Fjodor Dostojewski Sascha Hawemann

oder L.O.L.I.T.A.D.Z.I.O. (Zardoz fliegt wieder!) oder L.O.L.I.T.A. DE LARGE (Das 3. Baby) oder DIE BARBARENLOLITAS (Kampf um Kunst) oder DR. ERZLOLITA DE L.O.L.I.T.A. (ZARDOZ LEBT) oder DIE ZARDOZLOLITAS (Keine Angst) Universums-Uraufführung Regie, Bühne, Kostüm Jonathan Meese

→  S.24

→  S. 42

→  S. 28 Wien-Premiere von Regie

Uraufführung von Regie Thomas Bernhard Kay Voges

→  S.26 Wien-Premiere von nach Regie

Lydia Haider Kay Voges

Österreichische Erstaufführung von Wolfram Lotz Regie Kay Voges

→  S.38

→  S. 30

→  S. 44

Mozarts finale Arie aus DIE HOCHZEIT DES FIGARO als zwölfstündige Oper Screening des HD-Mitschnittes aus Los Angeles Wien-Premiere von Ragnar Kjartansson Regie Ragnar Kjartansson

Susanne Kennedy Anton Tschechow Susanne Kennedy

von Regie

Elfriede Jelinek// Fiston Mwanza Mujila Claudia Bossard

COMPOSITION FOR TEN BODIES AND A CAR Wien-Premiere von Florentina Holzinger Regie Florentina Holzinger

→  S. 32 von Regie

Gerhart Hauptmann Jan Friedrich

→  S. 53 kuratiert von

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Christoph Gurk und Matthias Seier


Spezial

Uraufführung von und mit

→  S.74

Fronte Vacuo (Marco Donnarumma, Margherita Pevere, Andrea Familari)

Wien-Premiere von Regie

→  S. 88 →  S. 76

→  S. 63

Nick Payne Péter Sanyó

von Regie

Neil Simon Doris Weiner

→  S. 89

– EINE POLYPHONIE von Robert Musil Das gesamte Ensemble liest den Roman im ganzen Haus

→  S. 64 Wien-Premiere//Gastspiel von Thomas Melle und Stefan Kaegi// Rimini Protokoll Regie Stefan Kaegi// Rimini Protokoll

von Regie

Richard Alfieri Andy Hallwaxx

→  S. 90 Uraufführung von Regie

Uraufführung von Regie

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Kreation Kollektiv Ed. Hauswirth

→  S. 94 Calle Fuhr Calle Fuhr

Konzert im Volkstheater


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Unter der Künstlerischen Leitung von Kay Voges erforscht das Volkstheater die Figur der „Wiederholung“ und der – vor allem in HipHop, House und Techno zu künstlerischer Blüte geratenen – Kulturtechnik des „Loop“. Zur Eröffnung des frisch sanierten Hauses war eine Wiederaufnahme von EINSTEIN ON THE BEACH geplant, eine aufwendige und überbordende Feier der gleichnamigen Oper von Philip Glass und Robert Wilson in der Regie des neuen Intendanten. Die Pandemie hat diese Pläne vorerst zunichte gemacht. Das Thema wird sich dennoch, in Arbeiten von Künstler*innen wie Florentina Holzinger oder Ragnar Kjartansson, Susanne Kennedy oder Jonathan Meese, wie ein roter Faden durch unsere erste Spielzeit ziehen. Im folgenden Gespräch gehen der Kulturtheoretiker Diedrich Diederichsen und der Dramaturg Christoph Gurk den ästhetischen, geschichtsphilosophischen und politischen Dimensionen der „Wiederholung“ nach. Ergänzt um exklusiv für diese Publikation verfasste Statements von Menschen, deren Arbeit wir schätzen.

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GESPRÄCH DIEDRICH DIEDERICHSEN GURK: Wie begegnet Dir die Wiederholung im Alltag? Welche Aspekte daran gefallen Dir – und welche eher nicht? Was nervt? DIEDERICHSEN: Wenn ich im Alltag mit Sachen konfrontiert bin, die ich deute, und dann zu dem Schluss komme: „Ach, schon wieder das!“ Das ist Frust, richtig unangenehm, ganz furchtbar. Wenn ich den Wiederholungscharakter gar nicht erst zur Kenntnis nehme und daraus direkt eine Alltagshandlung mache, sieht das schon anders aus. Weil ich meistens gerade nicht darüber nachdenke, dass die Schwerkraft immer noch herrscht und ich nach wie vor im 2. Stock wohne, empfinde ich das nicht als Problem. Das Nervige an ihr beginnt, wenn sie an eine kognitive Tätigkeit im Hinblick auf ihren Wiederholungscharakter geknüpft ist. GURK: Ist es, immer noch auf der Alltagsebene, nicht auch angenehm, dass es Dinge gibt, auf die ich mich verlassen kann, gerade weil sie immer wiederkehren? Es lässt sich doch auch bewusst genießen, dass ich nicht für jede Handlung immer wieder das Rad neu erfinden muss, mir Entscheidungen abgenommen werden. Rituale funktionieren so. Geburtstage und Familienfeste. DIEDERICHSEN: Das ist dann ein Ritual, das ist das Gegenteil des eingangs Beschriebenen. Es gibt keine konkrete Aussage des Rituals, die man* interpretieren kann. Es hat keinen Grund – man* tut es trotzdem, und das ist sein Sinn, beglaubigt seine Bedeutung, ohne dass sie genannt werden muss. Das im Alltag Nervende läuft im Gegenteil so, dass ein Wort, Bild oder Ereignis etwas Neues verspricht, aber nicht erhält. Beim Ritual wird nichts

Neues versprochen, aber sein Vollzug setzt eine Idee, einen Zusammenhalt oder so neu ins Recht. Die Ware simuliert Neuheit und blamiert sich durch ihr Alter, das Ritual dissimuliert Neuheit und ermöglicht sie so. Auf jedem Familienfest trifft man* neue Personen. Na ja. Meistens. GURK: Die Wiederholung ist für Dich seit Beginn Deiner Tätigkeit als Journalist und Kulturtheoretiker ein wichtiges Thema, auf das Du immer wieder zurückgekommen bist, abwechselnd und einander ergänzend in drei Zusammenhängen. Als Element der formalen Gestaltung vor allem von Musik, aber auch in anderen künstlerischen Disziplinen, als Beschreibungsfolie bürgerlicher und subkultureller Modelle von Sozialisation und Vergesellschaftung und als Deutungsansatz geschichtsphilosophischer und politischer Prozesse. In allen drei Feldern scheint Musik ein wichtiges Ausgangsmaterial und das Schlüsselmedium Deiner Begriffsbildung zum Thema der Wiederholung geblieben zu sein. DIEDERICHSEN: Musik erhält ihren Sinn durch Wiederholung, man* versteht sie nur, wenn man* sie wiederhört – oder in ihr etwas wiedererkennt. Das geschieht auf unterschiedliche Weisen. Zum einen kann dies die Aufführung von etwas sein, das ich bereits kenne. Hier ist mir die musikalische Struktur bereits bekannt. Das kann eine Melodie oder die Komposition sein, die aber in der Aufführung, die ich gerade erlebe, vielleicht unterschiedlich interpretiert wird. Bei diesem Hören geht es darum, dass die mir bereits bekannte Struktur mit der aktuellen Realisierung spannungsreich oder dialektisch vermittelt ist. Dann gibt es den Fall, dass ich mich 10

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an die konkrete Aufnahme eines Musikstücks wieder erinnere. Das ist der Sinn von Pop-Musik. Diese Möglichkeit, in die das Wiedererkennen der musikalischen Struktur natürlich immer auch hineinspielt, aber weniger entscheidend ist, gibt es nur in der Recorded Music. Das Wiederhören einer Aufnahme ist aber eine neuartige ästhetische Erfahrung unter den Bedingungen der – grosso modo – im 20. Jahrhundert entstandenen Aufzeichnungstechnologien. Man* hört nicht ein ideell und zeichenhaft festgehaltenes Werk, sondern ein konkretes Recording Date. Den Zeitraum der Aufnahme. GURK: In einem Deiner Hauptwerke ÜBER POP-MUSIK schließt Du das Recording Date mit der von Roland Barthes entwickelten Theorie des Punktum kurz. Der kontingente, unwiederholbare, also einzigartige Moment, in dem ein Mensch, ein Objekt fotografiert wird, ist in dem so entstehenden Bild erkennbar und für die Nachwelt festgehalten. Das Punktum steht in enger Verbindung zur „Wahrheit“ eines Bildes. DIEDERICHSEN: Ein klangliches Detail einer ganz bestimmten Aufnahme erkenne ich nicht als „so etwas wie“ oder als Vorschlag, Interpretation, Idee, sondern als „genau das“ wieder: einen konkreten, realen und vergangenen Moment. Die Erfahrung, die ich mit einem bestimmten Recording Date mache, ähnelt dem notorischen MadeleineEffekt von Proust. Ein ganz konkreter Geschmack oder eine Abfolge von Tönen, die ich auf dieser Aufnahme wieder zur Kenntnis nehme, löst eine andere, dann weniger plötzliche, sondern eher narrativ strukturierte Erinnerung aus. Nicht unbedingt, weil


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das Klangmaterial selbst attraktiv ist, sondern weil es eine Erfahrung wachruft, die ich gemacht habe, als ich dieselbe Aufnahme (nicht einfach dasselbe Stück) schon einmal gehört habe. Das sind im Falle von Pop-Musik oft Sachen, die in ihrem sozialen Umfeld stattgefunden haben: Parties, Lokale, Städte, Personen. Vielleicht so etwas wie ein Lebensgefühl. Oder Erfahrungen, die mit dem ersten Hören in Verbindung standen und die mit Musik selbst gar nicht so viel zu tun haben. GURK: Wie verhält sich denn das Wiederhören zur Wiederholung als ästhetische Strategie, als Technik der bewussten Gestaltung von künstlerischem Material? DIEDERICHSEN: Da sprechen wir von einer immanenten Wiederholung. Sie ist als Strukturelement in einen bestimmten ästhetischen Plan eingebaut. Auch das ist ein weites Feld, in dem viele unterschiedliche Sachen möglich sind. Eine gängige Strategie wäre: Ich möchte, dass durch die Wiederholung eine Differenz erkennbar wird. Indem ich einen Takt identisch wiederhole, immer wieder, tritt der Umstand hervor, dass das hörende Subjekt sich während dieser Wiederholung im Verhältnis zur „gleich“ gebliebenen Musik verändert hat. Im Gegensatz zum Konzept „Melodie verfolgen“: Da wird das Subjekt als stabil und unveränderlich gesetzt, weil es ja dasselbe bleiben muss im Verhältnis zu einer sich verändernden Musik. Repetitive Musik ermöglicht es mir, mich selbst vor diesem identischen Hintergrund anders zu erkennen, in mir eine Entwicklung wahrzunehmen. Das wäre das Prinzip Techno. Ich tanze zu einer bestimmten „gleich“ bleibenden Musik, vor der ein mentaler Vordergrund entsteht, der nur als Veränderung und Dynamik empfunden werden kann, weil die repetitive Musik als Kontrastfolie eben gleich bleibt.

GURK: Wie würdest Du im Vergleich zu Techno das Prinzip von Minimal Music beschreiben? DIEDERICHSEN: Die ist, historisch gesehen, in Abgrenzung zum Dogma der absoluten Entwicklung, also der maximalen Nichtwiederholung entstanden. Die Zwölftonmusik oder generell das serielle Komponieren, die Darmstädter Schule, haben im Laufe der 1950er eine Musik definiert, die sich radikal und normativ als eine Zeitkunst verstanden hat, die genau das nur sein kann, wenn sie jede Wiederholung so weit wie möglich ausschließt, die Zeit realisiert, indem sie sie als möglichst langes Nacheinander konzipiert. Tut sie das nicht, fällt sie in Ungnade und wird „räumlich“ – dann hat sie ihre gut modernistisch gedachte Medienspezifik verfehlt. Die Minimal Music tut dann absichtlich das für die Darmstädter maximal Böse. La Monte Young1) sagt konkret dagegen: Ich will Stasis, also Verräumlichung der Zeit, Stillstand, nicht Bewegung. Das Ziel war damals, einen Klang zu schaffen, der wie ein Raum war, ein „Dream House“. Der ist nicht als Sukzession und auch nicht als Entwicklung konzipiert – oder wie Techno als Dialektik von Differenz und Wiederholung.

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Aber Wiederholung kann im Minimal auch eine große Rolle spielen: wenn man nicht wie La Monte Young und seine Mitstreiter*innen wie John Cale, Tony Conrad oder Marian Zazeela die Klänge so lange wie möglich stehen lässt, sondern die Stasis durch Repetition erzeugt. GURK: Der Gedanke der Wiederholung als Folie der Beschreibung politischer und historischer Prozesse bekommt spürbar wieder Auftrieb. Das macht sich an sehr unterschiedlichen Phänomenen fest – von den Vergleichen der CoronaPandemie mit dem Ausbruch der Spanischen Grippe zu Beginn des 20. Jahrhunderts, über die in periodischen Abständen sich ereignenden Zusammenbrüche an den internationalen Finanzmärkten bis hin zu der Analyse, dass sich mit dem Aufstieg des Populismus eine Dynamik wiederholt, die in Deutschland zum Untergang der Weimarer Republik geführt und die Welt in Faschismus und in einen Weltkrieg gestürzt hat. Der Gedanke der Wiederholung selbst scheint zyklisch wiederkehrende Konjunkturen zu erleben. Welche Relevanz haben für Dich die einschlägigen geschichtsphilosophischen Konzepte?


DIEDERICHSEN: Tja, es gibt Historiker*innen, also Menschen, die große Zeiträume untersuchen, mitleidende und mitempfindende Zeitgenoss*innen, die hin und wieder zu der Beobachtung kommen, dass sich etwas wiederholt, dass es eine Konstellation gibt, die es schon einmal gegeben hat. Wir alle kennen dieses reichlich überstrapazierte und letztlich dumme Bonmot, dass jedes Ereignis immer zweimal seinen Auftritt auf der Bühne der Weltgeschichte hat, beim ersten Mal als Tragödie – und dann noch einmal, als Farce. Die Beschreibung von Geschichte als linearem Fortschritt, für die Namen wie Hegel und Marx stehen, wird sowohl von linken wie auch rechten Strömungen immer öfter zurückgewiesen. Im ersteren Fall kann das so aussehen, dass diese Denkweise mit Hinweis auf die Kolonialgeschichte als eurozentrische Konstruktion erkannt wird – und so ist sie ja auch oft aufgetreten. Die Rechte spricht einer Geschichte als Fortschritt gern den Sinn ab, um ein bestehendes Unrechtsverhältnis als traditionell und damit legitim zu klassifizieren. In letzter Zeit gibt sich dieses Denken zunehmend auch gewissermaßen revolutionär. Da geht es dann um die radikale Wiederherstellung vermeintlich traditioneller Verhältnisse: Das Spektrum reicht von White Supremacy bis hin zum Islamismus. Natürlich ist die bekannteste Sinngebung der Geschichte, der Begriff des Fortschritts, diskreditiert. Insbesondere durch die Ersetzung von gesellschaftlichem Fortschritt durch technischen und durch seine Rolle in einem extraktiven Kolonialismus. Es ist aber nicht nur nicht möglich, politisches Handeln ohne einen Begriff von Fortschritt zu konzipieren, es ist auch nicht angemessen, reale gesellschaftliche Fortschritte zu leugnen, nur weil sie sich simultan mit Rückschritten ereignen.

GURK: Wie genau kommst Du denn von der Kritik an kognitiven Prozessen, die eine Wiederholungsstruktur aufdecken, zu der Annahme, dass Fortschritt möglich ist? DIEDERICHSEN: Veränderungen können oft nicht wahrgenommen werden, weil wir sie nicht in Bezug zu Kontrastfolien anschauen: neu im Verhältnis zu was? Die vielversprechendste Methode, eine andere Sicht auf eine vermeintlich stagnierende oder sich wiederholende Welt zu gewinnen, ist der Blick auf die Frage, was es wann noch nicht gab. Also Dinge, Alltagsgegenstände, bestimmte historische Perspektiven oder eigene Sprachgepflogenheiten, die mich in der Gegenwart mit großer Selbstverständlichkeit umgeben. Die Frage wäre dann: Seit wann gibt es das eigentlich? Seit wann ist das überhaupt möglich? Natürlich gibt es auch Phänomene, bei denen man* sinnvollerweise von einer Wiederholung sprechen kann. Aber bevor ich das mache, kann es hilfreich sein, der eigenen Beobachtung mit einer gewissen Skepsis zu begegnen. GURK: Ich habe den Eindruck, dass nicht nur die von Dir angesprochenen kulturpessimistischen Strömungen, sondern auch progressive Bewegungen wie Fridays For Future, Black Lives Matter und MeToo die Zerstörung ökologischer Systeme, struktureller Rassismus, Heteronormativität und Machtmissbrauch als Wiederholungsstrukturen wahrnehmen, die vorangegangene Generationen ihren Nachkommen hinterlassen haben. Deren Macht, als Teil eines auszutragenden Generationskonflikts, muss hier und jetzt gebrochen werden, wenn es weitergehen soll, mit dem Weiterleben für die Menschen auf diesem Planeten. Öffnet das nicht wieder auch den Raum für Kategorien wie den

Der amerikanische Komponist La Monte Young zählt neben Philip Glass, Steve Reich und Terry Riley zu den bedeutendsten Begründer* der Minimal Music. Das DREAM HOUSE ist eine bahnbrechende Installation aus Licht und Klang, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Marian Zazeela konzipiert hat.

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LYDIA HAIDER Hausautorin des Volkstheaters Die Viren sollen krepieren. Die Leichen sollen sich schleichen. Die Wehen sollen vergehen. Die Flausen sollen sich brausen. Die Erben sollen nun sterben. Die Muffen sollen verpuffen. Die Heiden sollen verscheiden. Die Zecken sollen verrecken. Die Lenden sollen verenden. Die Samen kriegen kein Amen.

CLEMENS J. SETZ Schriftsteller Ich hab mal ein Fake-Motto für einen Roman formuliert. „Am Anfang war die Wieder­holung“ – Jacques Derrida. Der Satz fiel mir einfach so ein, und ich fand, er klang sehr nach Derrida. Hinterher sagten mir einige Menschen, dieser Satz wäre ihr absoluter Lieblingssatz von Derrida. Einer bestand sogar, als ich ihm gestand, ihn bloß erfunden zu haben, darauf, dass es den Satz wirklich gebe, und zwar nicht in einem von Derridas geschriebenen Werken, sondern in einer TV-Dokumentation über ihn. Da sagt er ihn angeblich. Ich hab mir seither die Dokus über Derrida angeschaut (alle etwas mühsam), aber der Satz kam nicht vor. Aber vielleicht muss man* sie einfach oft genug anschauen, und dann kommt er, in Nachahmung seiner eigenen Aussage, plötzlich wirklich vor.

MARCO DONNARUMMA Choreograph, Performer, Programmierer Einer der wichtigsten Aspekte der Wiederholung ist meiner Meinung nach, wie die Wiederholung mit dem Ritual und der Gemeinschaft in Verbindung steht, ob im Altertum oder der Gegenwart. Mit dem Aufkommen algorithmischer Gesellschaften im letzten Jahrzehnt habe ich begonnen, über Wiederholung und Loops als Mittel einer neuen Form von Gewalt nachzudenken. Sie bilden mittlerweile die Grundfesten digitaler Gesellschaften: die Gewalt der Befehle, der Computersysteme, der Infrastrukturen, die gezielt dafür geschaffen wurden, Lebewesen zu misshandeln. Menschen geben Instruktionen, Maschinen wiederholen Instruktionen, Lebewesen durchleiden Instruktionen. Wieder und wieder und wieder.


„Bruch“, die „Revolution“, vielleicht sogar für die ambivalente zeitliche Kategorie der „Plötzlichkeit“? Welchen Horizont siehst Du gegenwärtig für Veränderung, die den Namen verdient? DIEDERICHSEN: Das alles sind sehr unterschiedliche Themen, die wir uns jeweils einzeln anschauen müssten. Was in den kapitalozänen Jahrhunderten zum Klimawandel geführt hat, lässt sich vielleicht in eine Abfolge von Wiederholungen zerlegen – aber was ist damit gewonnen? Das zähe Nichtvergehen des Rassismus ist tatsächlich ein sich täglich wiederholender Alptraum. Da ist jede Ungeduld angebracht und notwendig. Ich glaube im Gegensatz zu vielen anderen alten Männern wie Badiou2 nicht an einen bestimmten Typus von Veränderung. Ganz gleichgültig, ob wir nun einen Gegensatz zwischen Kairos und geduldigem Weben aufbauen, zwischen Revolution und Reform, zwischen Plötzlichkeit und anarchistischen Maulwürfen. Ich denke, Inhalte und vor allem die Arbeit an Koalitionen, die Veränderung ermöglichen, sind relevanter. GURK: In Deinen Veröffentlichungen taucht immer wieder die Figur des Weiter auf. Verstanden als eine gerichtete Bewegung, die vielleicht auf Fortschritt zielt, aber auch auf Mobilität und Fortbewegung selbst, im weitesten Sinne. Wenn vor allem in den 60er und 70er Jahren die Figuren des Aufbruchs für das Selbstbild vieler Subkulturen so wichtig waren – warum ist Wiederholung als Gestaltungsprinzip in den Künsten und in der Musik in den vergangenen Dekaden

immer wichtiger geworden? War das auch eine Reaktion auf die Tatsache, dass der Spielraum für utopische Gesellschaftsmodelle und Zukunft als Fluchtpunkt politischer Umgestaltung immer enger geworden ist? Wiederholung war auf einmal ein Modus der Gestaltung und Erfahrung, der sich auch genießen ließ. DIEDERICHSEN: Kein Aufbruch funktioniert, ohne gleichzeitig auszustellen, wovon man* aufbricht. Grundsätzlich bin ich

skeptisch, was die Übertragung von utopischen Gesellschaftsmodellen auf musikalische Strukturen betrifft. GURK: Was Du hier über den Zusammenhang von Wiedererkennen und Wiederholung sagst, orientiert sich überwiegend am Paradigma notierter, live gespielter und aufgenommener Musik. Wie bewertest Du in diesem Zusammenhang den Übergang ins Digitale Zeitalter? Was verändert sich, wenn Musik nicht nur elektronisch generiert werden kann, sondern auch die nunmehr digitalen Vertriebswege, in Form von Streamingdiensten wie Spotify, mehr denn je einer Logik der Monopolisierung folgen … DIEDERICHSEN: … was nicht zwingend so sein müsste, aber eindeutig geschieht … GURK: … und in einem nie gekannten Ausmaß die Verbreitung und die

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Entwicklung von Musik steuern und Einfluss auf die ästhetische Form selbst nehmen? Bedeuten diese Entwicklungen das Ende von Recorded Music? DIEDERICHSEN: Um die medienontologische Seite dieser Frage gibt es einen Streit. Ist unter digitalen Bedingungen noch Aufzeichnung möglich? Enthält DDD, also Digital to Digital to Digital noch eine Form der Indexikalität, kann es Bezug auf außerhalb ihrer selbst liegende kulturelle Daten und Erinnerungen

nehmen? Da bin ich Pragmatist. Wenn etwas als indexikal erlebt werden kann und so gemeint ist, Alain Badiou ist ein vom Maoismus beeinflusster Philosoph aus Frankreich. In seiner vor drei Jahren auf Deutsch im Suhrkamp Verlag erschienen Schrift VERSUCH, DIE JUGEND ZU VERDERBEN ruft er nachwachsende Generationen zum revolutionären Bruch mit den bestehenden Verhältnissen auf.

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dann ist es völlig gleichgültig, ob der Aufzeichnungsprozess tatsächlich im strengen Sinne von Außenweltdaten verursacht wurde. Solange das so verstanden wird und so ankommt, solange Du also mit einer Digitalaufzeichnung aufnehmen kannst, wie jemand auf einer Banane ausrutscht, ohne dass er das wollte, leben Indexikalität und auch Aufzeichnung. Die Tatsache wiederum, dass es unter digitalen Bedingungen möglich ist, ein Ereignis verlustfrei zu kopieren,

das ist natürlich für alle möglichen Wiederholungsphänomene relevant. Solange Wiederholung tatsächlich gespielt werden musste, von lebendigen Menschen, die da sitzen und eine Phrase immer wieder gleich reproduzieren, und zwar möglichst exakt, wie eben in der Minimal Music, bestand ein Teil des Hörgenusses darin, die Präzision eines Menschen, der hierzu eigentlich kaum in der Lage sein müsste, zu würdigen. Auch darin liegt ein Teil der Faszination, der von diesem Genre ausgeht.

RAGNAR KJARTANSSON Performer, Musiker, Künstler Wiederholung ist die Grundlage vieler meiner Arbeiten und für mich von großer Faszination. Sie entfesselt rituelle Magie. Durch sie wird narratives Zeugs skulptural oder malerisch. Nichts wird nie mehr wieder gleich, wenn es analog ist. Deshalb hatte ich in meinem Leben nie das Gefühl von Wiederholung. Wahrscheinlich sehne ich mich danach. Alles strebt hin zum Sturm und Drang.

STEFAN KAEGI Regisseur Je einmaliger und kollektiver, desto mehr ist Theater Theater – und nicht Kino. So scheint es. Aber was hilft es, wenn die Einmaligkeit sich weit von uns auf einer entfernten Bühne abspielt, so dass wir seine Einmaligkeit kaum überprüfen können. Je kleinformatiger und immersiver das Theater, desto öfter die Wiederholung der Show, um überhaupt genügend Publikum zu erreichen. Desto zentraler aber auch die Rolle der Zuschauer*innen darin. So spielen interaktive Stücke rund um das Publikum herum. Mit dem Publikum. So individualisiert und wiederholt wird Theater immer mehr zu Theater über uns. Wie ein Algorithmus, der uns immer genauer kennenlernt. Oder wie ein Spiel, das man* selbst als Theater spielt.

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Es ist kein Zufall, dass in der Minimal Music meistens vermieden wird, auf die „Eins“ zu schlagen. Da gibt es kein Vierviertel, das auf „Eins-Zwei-Drei-Vier“ eingetaktet ist, sondern gleichwertige Pulse: „Pap-Pap-Pap-Pap“. Unter digitalen Bedingungen wäre in diesem Pulsschlagen kein artistischer Hochseilakt mehr zu erkennen. Deshalb ist es für unseren Zusammenhang bezeichnend, dass die nun entstandene repetitive Musik, nämlich House und Techno, die „Eins“ wieder brauchen – weil sie die technisch-technologisch eigentlich nicht benötigen. Die in der Betonung sich ausdrückende Intentionalität musste künstlich in eine überwiegend maschinell erzeugte Musik wieder eingeführt werden. Das sind für mich Phänomene von Digitalität. Die werden vom technologischen Wandel nicht direkt erzeugt. Es sind aber durch ihn motivierte und von ihm

abgeleitete Folgeerscheinungen. Sie werden durch die Digitalisierung sozusagen „um die Ecke“ auf den Weg gebracht. GURK: Das Problem, dass die Zukunft in der herrschenden Ordnung zum Ort der Wiederholung der Vergangenheit geworden sein könnte – auch das beherrscht die Diskussion um den gegenwärtigen Siegeszug von Digitalität und Technologie. Algorithmen sagen kommende Ereignisse auf der Grundlage von Datensätzen voraus, die aus der Auswertung vorangegangener Handlungen gewonnen worden sind. So funktioniert Racial Profiling, aber auch die Kultur der Playlists auf Spotify und ähnlichen Plattformen. In die Auswahl kommen vorwiegend Stücke, die ähnlich klingen wie die bereits von uns gehörten Tracks. In der Vergangenheit liegende

Diedrich Diederichsen ist Professor für Theorie, Praxis und Vermittlung von Gegenwartskunst an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Zu seinen letzten Veröffentlichungen zählen: EIGENBLUTDOPING. SELBSTVERWERTUNG, KÜNSTLER– ROMANTIK, PARTIZIPATION (Köln 2008), ÜBER POP-MUSIK (Köln 2014) und KÖRPERTREFFER. ZUR ÄSTHETIK DER NACHPOPULÄREN KÜNSTE. FRANKFURTER ADORNO-VORLESUNGEN 2015 (Frankfurt am Main 2017).

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Entscheidungen werden zu einem individuell geformten Datensatz, der in der Zukunft liegendes Verhalten beeinflusst. Es gibt Leute, die sich intensiv mit Unternehmensmodellen wie Spotify beschäftigen und ihnen unterstellen, auf der Basis einer sich immer vergrößernden Menge an User*innendaten an einer Form der künstlich intelligenten Musik zu arbeiten. Zum Zweck des ultimativen Mood Enhancemements wird nicht mehr ein bereits existierender Track einfach nur vorgeschlagen, sondern in Echtzeit generiert. Ein individuell für Dich, im Moment des Hörens erzeugtes Stück, in das alle Vorlieben, alle Soundfetische der jeweiligen Benutzer*innen eingeflossen sind und von Algorithmen nachkomponiert werden. Der wirtschaftliche Vorteil dieses Modells läge auf der Hand: Es müssen keine Urheber*innenrechte mehr abgegolten werden. Der Mensch als Schöpfer*in von Musik wird weitgehend ersetzt oder zumindest ergänzt. Er*sie wird nur noch als zahlende*r Konsument*in gebraucht. Ist das eine Verschwörungstheorie? Oder eine realistische Perspektive? DIEDERICHSEN: Ein solches Modell könnte sich nur dann durchsetzen, wenn es beim Musikhören darum ginge, Musik zu hören. Das stimmt aber nicht. Was uns Hörer*innen interessiert, sind Ursachen. Ich will nicht etwas besonders intelligent Komponiertes, sondern hören, wie ganz bestimmte Leute, Un- und Zufälle aus ganz bestimmten Gründen diese Klänge erzeugen. Meinetwegen können auch Roboter und Künstliche Intelligenzen solche Klangereignisse verursachen. Aber nicht als eine Instanz, die mir meinen Geschmack ableitet und an mich zurückliefert … GURK: … mich in meinem Hörverhalten spiegelt … DIEDERICHSEN: … sondern als „The Other“, als jemand, die oder der oder das ein*e Andere*r, ein Anderes ist. Ich will nicht mich


selbst hören, sondern die Welt oder meinetwegen zur Not auch eine Subjektivität.

RAPHAELA MAYERHOFER Neurowissenschaftlerin und wissenschaftliche Autorin

GURK: Die Abschaffung von Autor*innen wäre keine realistische Option, die Dir Sorgen bereitet? DIEDERICHSEN: Die treibende Kraft in der Pop-Musik sind oft genug eben nicht Autor*innen, im emphatischen Sinne, sondern ein Zufall, eine nichtmenschliche Entität, etwas typisch Historisches, eine mittlerweile überkommene Technik, die vielleicht sogar bescheuert war, eine Mode, eine Mangelwirtschaft, was auch immer. Es muss nur, wie bereits betont, eine Klangursache sein. Menschliche Intelligenz, menschliches Empfindungsvermögen, auch das kommt dafür in Frage. Als eine Möglichkeit – oder als ein Co-Faktor – unter vielen.

Wiederholung, oder Replikation, ist die Basis der Wissenschaft. Rhythmisch wiederkehrende Sequenzen, die Stück für Stück ein Geheimnis lüften. Als Wissenschaftlerin liebe ich die Verlässlichkeit der Wiederholung, als Autorin ist sie mein Metronom.

ELFRIEDE JELINEK Schriftstellerin Ich BIN die Wiederholung selbst! Jeder Tag muss genauso ablaufen wie der vorherige, es muss alles immer wiederholt werden, jeden Tag, und zwar um genau dieselbe Uhrzeit. Wenn da eine Störung auftritt, gerate ich in Panik. Wenn ich je meinem Original, dessen Wiederholung ich bin, begegne, dann werde ich ihm an die Kehle gehen. Es soll endlich was andres machen, damit auch ich etwas andres machen kann.

HASNAIN KAZIM Autor und Journalist Als Jugendlicher dachte ich: Ist Demokratie erst einmal erreicht, bleibt sie. Weil sie die beste unter allen – schlechten – Herrschaftsformen ist, das geringste Übel. Aber das ist ein Irrtum. Demokratie muss ständig neu eingeübt werden, damit sie von Bestand ist. Wir erleben das heute immer wieder, siehe Trump, siehe Rechtspopulisten, siehe seltsame Demonstrationen. Demokratie lebt von der Wiederholung. Alle paar Jahre Wahlen, immer wieder, Legislaturperiode für Legislaturperiode. Aber das ist nur das Eine. Auch demokratische Werte müssen immer wieder neu vermittelt werden, damit sie uns nicht entgleiten. Was bedeutet die Herrschaft der Mehrheit? Haben Minderheiten also nichts zu melden? Was ist Meinungsfreiheit? Dürfen wir alles, wirklich alles sagen? Ist alles verhandel- und abstimmbar? Wie weit darf individuelle Freiheit reichen, wo hört sie auf? Überhaupt: Welcher Grenzen bedarf es, um ein zivilisiertes und friedliches Leben miteinander zu ermöglichen? Der Streit um die besten Antworten auf diese Fragen ist Pflichtübung, die wir regelmäßig wiederholen, regelmäßig neu vermitteln müssen. Sonst geht die Demokratie vor die Hunde.

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SUSANNE KENNEDY Regisseurin Das „Ewig-in sich-selbst-einmündende“ ist für uns, den westlichen Menschen, nur schwer auszuhalten. Wir denken in Anfang und Ende. Alpha und Omega. Der ewige Loop ist für uns eine Fessel; eine Art Fegefeuer. Ja vielleicht sogar eine Hölle. Wir alle sind gefangen in unseren eigenen Loops. Situationen, Traumata, Alpträume, die uns immer wieder einholen. Immer wieder stolpern wir in die gleiche Falle und lernen nicht daraus. Die Figuren auf der Weltbühne tun es uns vor: immer wieder ermordet Medea ihre Kinder, kommen die drei Schwestern nicht nach Moskau und verzweifelt Hamlet an der Frage: Sein oder Nicht-sein. Aber ich sehe den Loop auch als Chance, die einem immer wieder aufs Neue geboten wird. Eine Wiederholung, die rettet und heilt, aber eben nur dann, wenn sie in vollem Bewusstsein erlebt wird. Die Aufgabe des Lebens besteht darin, all diese Wiederholungen (in einem Raum?) koexistieren zu lassen und sie bewusst zu durchleben und sie/sich damit zu verändern. So wird man selbst vom Opfer des Loops zum*r Schöpfer*in seiner eigenen Realität.

THERESE TERROR Kuratorin und DJane Four to the Floor ist die andauernde Konstante im Referenzrahmen elektronischer Musik. Der ist entweder etwas entgegenzuhalten, oder sie will wiederholt werden, oder auch gebrochen. Konstant waren auch die Abende, die ich in Clubs verbracht habe. Seit sechs Jahren, Woche für Woche, 1-2-3-4. Jetzt ist alles anders, und ich bin froh darüber, den Emergency Loop verlassen zu können. Um mehr Zeit zu haben, alles abseits von 1-2-3-4 kennenzulernen. Und schlussendlich besser zu verstehen, was Leute meinen, wenn sie den Loop absichtlich verlassen.


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1 zuschauerraum hell bühne hell 2 zuschauerraum weniger und weniger hell bühne heller und heller

SZENISCHES GEDICHT FÜR BELEUCHTER UND TONTECHNIKER

3 zuschauerraum total dunkel (bleibt) bühne hellstens

von Regie

4 keine veränderung …

Ernst Jandl Kay Voges

im Volkstheater

So beginnt Ernst Jandls Text, eine Ode auf den Theaterraum und seine Technik. Etwas über 130 Jahre nach seiner ersten Eröffnung erstrahlt das Volkstheater in neuem Glanz. Der erste Abend unter der Intendanz von Kay Voges soll diesen durch und durch sanierten Raum auch ins Zentrum der Betrachtung setzen. Jandls kurzes Stück wird gleich mehrfach hintereinander gespielt. Trotz eingeschränkter Kapazität haben alle Interessierten auf diese Weise die Möglichkeit, sich der Schönheit der Architektur, des Lichts, des Klangs, der Farben auszusetzen – bevor sich alles im Verlauf der kommenden Tage und Wochen, Monate und Jahre mit Spieler*innen und Inhalten füllt. DER RAUM ist ein Experiment, das nur sehr selten aufgeführt wird. Es ist eine faszinierend durchdringende Beschäftigung mit dem Medium Theater. Nun wird dieses Werk zum ersten Mal in Wien zu sehen sein. Was vielleicht bleiben wird, ist die Erkenntnis, das nicht wir es sind, die den Raum bestimmen, sondern der Raum uns.

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Sound Lightdesign Dramaturgie

MICHAEL STURM VOXI BÄRENKLAU PAUL GRILJ HENNING NASS


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Phantomtheater für eine Person von Stefan Kaegi// Rimini Protokoll im Volkstheater Konzept, Skript und Inszenierung STEFAN KAEGI // RIMINI PROTOKOLL Sounddesign NIKOLAS NEECKE Dramaturgie ALJOSCHA BEGRICH CHRISTOPH GURK

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Monatelang standen die Theater leer. Aufführungen vor gefüllten Sälen waren bis auf weiteres verboten. Ausstellungsbesuche durch Einzelpersonen waren dagegen erlaubt. Folgerichtig wurde das Black-Box-Theater zum White-Cube-Museum und stellt sich selbst aus: Das Phänomen, dass hier Menschen zusammenkamen, um Kunst zu sehen. In den leeren Räumen hallte nach, was die Menschen hier verband – Gefühlsstürme, Lacher, Tränen und Applaus. Aber was bleibt von einer flüchtigen Theateraufführung überhaupt zurück? Aufzeichnungen, Kritiken und selbst Regiebücher bilden nur einen Teil der Aufführung ab. Hormone, Gerüche, Textur haben andere Spuren hinterlassen. In ihrer Leere entwickeln Zuschauer*innenräume, Bühne, Garderoben und Lichtbrücken den Charme von Ruinen:   Post-Spektakel. Die Bühne und ihre Umgebung als temporäre Ruine einer rituellen Versammlungsstätte. Eine Archäologie der Repräsentation von Gesellschaft. Schicht für Schicht abgetragen gibt das Gebäude den Blick frei auf das, was Theater war, ist, sein kann.  Wieviel davon ist technisch simulierbar, reproduzierbar, synchronisierbar? Was ist, wenn sich die Weltsimulationsmaschine Theater von selbst in Bewegung setzt und das Publikum ins Zentrum des Geschehens rutscht?  COVID-19 hat möglich gemacht, was sich sonst kein Schauspielhaus erlauben könnte: ein ganzes Haus spielt für eine Person. Wie in Andrei Tarkoswkis Film STALKER geht alle fünf Minuten ein*e Besucher*in vorsichtig durch die Flure, mit Kopfhörern und Handschuhen treten sie durch die leeren Reihen im Zuschauer*innenraum auf die Hinterbühne und betreten das Labyrinth der Fiktionsmaschine. Die Black Box öffnet sich den rekonstruierenden Forscher*innen und stellt die Frage: Wo sind die anderen? In Zeiten von sozialer Distanz und Isolation gilt es hier zu entdecken, was Gemeinschaft bedeutet.  Erinnerung funktioniert wie ein Palimpsest aus vielen Schichten. Stefan Kaegi von Rimini Protokoll nimmt Expert*innen für politische Gemeinschaft, Simulation und Erinnerung auf; Menschen, deren Leben mit diesen Räumen und der Idee von Theater verbunden sind: Maskenbildner*innen und Souffleur*innen, Ensemblemitglieder und Philosoph*innen…. Zwischen ihren binaural im Raum inszenierten Stimmen und ortsspezifischen Klängen entsteht eine Fährte durch den Körper des Theaters, die en passant zu einem Gang ins Unterbewusste der Gesellschaft werden könnte. Für das Volkstheater, das nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch für eine Grundsanierung ein ganzes Jahr geschlossen war, entwickelt Stefan Kaegi den Ansatz seines Stücks BLACK BOX weiter. Die ursprüngliche Idee entstand im Théâtre Vidy in Lausanne, dessen Räumlichkeiten kurz darauf abgerissen wurden und Platz für ein neues Gebäude machten, wurde danach im Staatsschauspiel Stuttgart fortgeführt, einem Haus, das den Spielbetrieb über Monate hinweg vollständig einstellen musste. Niemand weiß, auf welche Situation die Adaption von BLACK BOX in Wien treffen wird. Wird das Stück das Erwachen des Volkstheaters aus dem Dornröschenschlaf reflektieren, das Publikum – als Audiowalk – erstmals durch die in neuem Glanz erstrahlenden Räumlichkeiten führen und die Frage stellen, welche Spuren seiner wechselhaften Geschichte getilgt und welche noch wahrnehmbar sind? Oder drängen die zur Zeit nicht vorhersehbaren Bedingungen dem Stück erneut eine mehr forensisch-archäologische Per­ spektive auf: Theater, was es einmal war – und was es, wenn wir diese dunkle Zeit hinter uns gebracht haben, in Zukunft wieder sein könnte?

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Der heruntergekommene Gasthof inmitten des verschlafenen Dörfchens Utzbach: Ausgerechnet hier macht Bruscon, der legendäre und gerühmte Staatsschauspieler, während seiner Theatertournee Station! Bruscon, der sich neuerdings auch zum Dramatiker und Regisseur berufen fühlt, will hier mit der Aufführung seiner so epochalen wie verwirrenden Menschheitskomödie DAS RAD DER GESCHICHTE triumphieren. Kierkegaard, Cäsar, Metternich, Hitler – selbstredend spielt Bruscon alle Hauptrollen, auf und hinter der Bühne wird er von seiner Gattin sowie den Kindern Sarah und Ferrucio unterstützt. Und doch spricht alles hier in Utzbach von der ersten Sekunde an gegen ihn: Der Bühnenboden ist laut Bruscon zu morsch, die Luft zu schwül, der Gastwirt zu faul, das Landpublikum zu blöd, die Kinder zu unfähig und die Ehefrau zu hypochondrisch. Die größte Katastrophe wäre es aber, wenn die Utzbacher Feuerwehr darauf bestünde, das Notlicht im Saal auch am Ende des Stücks brennen zu lassen – denn dann wäre seine Inszenierung endgültig vernichtet! DER THEATERMACHER von Thomas Bernhard, längst ein moderner Klassiker, ist genau genommen ein wunderbares Paradoxon: ein endloser Hassmonolog auf das Theater von einem, der nur für und von Theater lebt. Im tiefsten Innern ist es eine große Liebeserklärung an die Bühne, an all diese lächerlich verzweifelten Theatermenschen – und an ihren unbeirrbaren Glauben an die Notwendigkeit der Kunst. Denn egal wie aussichtslos die Lage ist: Der Vorhang muss hoch, DAS RAD DER GESCHICHTE sich weiterdrehen. Wäre gute Kunst ohne echten Größenwahn über­ haupt denkbar? Bruscon ist ein Paradebeispiel des Bernhardschen Figurenkabinetts: am Rande des Wahnsinns, unwiderstehlich missgelaunt und rechthaberisch, und dabei ungebremst in der Sinnlichkeit seiner Sprache. 35 Jahre nach der Uraufführung bei den Salzburger Festspielen haben sich die Echoräume des Stücktexts spürbar verschärft: Die letztgültigen Meinungen des Kunsttyrannen Bruscon platzen mitten hinein in gegenwärtige und notwendige Debatten um Kunstfreiheit und Machtmissbrauch. Gleichzeitig erleben wir im Netz immer wieder jene Rants und rückkoppelnden Empörungsschleifen, die Bruscon so sehr auszeichnen. Online kann mittlerweile jede*r zum ganz eigenen Bruscon im ganz eigenen Utzbach werden – Empörung für alle, bis auf Facebook die Weltkugel glüht! Kay Voges’ Neuinszenierung des THEATERMACHERS (u.a. Longlist zum Berliner Theatertreffen 2019, Einladung NRW Theatertreffen 2019) lädt ein zum großen Showdown: Wird all die Entrüstung in Utzbach, auf der Straße und im Netz zum unkontrollierbaren Sprengsatz – oder verpufft sie im Nichts? Ist es vielleicht mit Bruscons grenzenloser Hybris möglich, die unfreiwillige Komik der pausenlosen EmpörungsLoops zu bemerken?

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Wien-Premiere Komödie von Regie

Thomas Bernhard Kay Voges

im Volkstheater Bühne Kostüm Musik

DANIEL ROSKAMP MONA ULRICH T.D. FINCK VON FINCKENSTEIN Video Art MARIO SIMON Dramaturgie MICHAEL EICKHOFF MATTHIAS SEIER


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Wien-Premiere von nach Regie

Susanne Kennedy Anton Tschechow Susanne Kennedy

im Volkstheater Bühne LENA NEWTON Kostüm TERESA VERGHO Sounddesign RICHARD JANSSEN Licht RAINER CASPER Video RODRIK BIERSTEKER Künstlerische Mitarbeit RODRIK BIERSTEKER RICHARD JANSSEN Dramaturgie HELENA ECKERT

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Die drei Schwestern Masja, Olga und Irina träumen sich von der russischen Provinz in ein aufregenderes Leben: „Nach Moskau!“. Während sich die Gesellschaft im Umbruch befindet, verharren sie in der Angst vor der eigenen Endlichkeit und in der Furcht, dass sich ihr Leben nicht ändern wird. Zukunft bleibt für sie das große Versprechen. Niemand weiß, was sie bringen wird. Seit 1901 wird der Klassiker DREI SCHWESTERN von Anton Tschechow inszeniert und oft als Zeugnis der Dekadenz der vorrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft interpretiert. Immer wieder werden die Protagonistinnen auf die Bühne gerufen, um zu sehen, wie sie sich sehnen, ihrer Gegenwart entfliehen zu können. „Is this now? – It’s a story that happened yesterday, but I know it’s tomorrow.“ Susanne Kennedy will die Schwestern von ihrer unerfüllten Sehnsucht befreien und schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Was, wenn die Zeit ein Kreis ist und wir jeden einzelnen Augenblick unseres Lebens immer wieder leben werden? Für Nietzsche bedeutete die Idee der ewigen Wiederkehr, ständig bereit zu sein – die absolute Bejahung. Vielleicht sind Menschen grundsätzlich nicht die Produzent*innen ihres Schicksals. Vielleicht sind ganz andere Kräfte im Spiel. Wenn wir, Nietzsche folgend, so lebten, als müssten wir das Leben endlos wiederholen, würden wir dann andere Entscheidungen treffen? Weniger beeinflusst von dem Wunsch nach Kontrolle der Zukunft als vielmehr dem Wunsch nach Befreiung? Nach erfolgreichen Vorstellungen an den Münchner Kammerspielen geht DREI SCHWESTERN in der Bearbeitung von Susanne Kennedy ins Repertoire des Volkstheaters über. Ihre trickreiche geschichtsphilosophische Umdeutung dieses klassischen Stoffs – in einer von den Kritiker*innen der Fachzeitschrift Theater heute ausgezeichneten Szenographie von Lena Newton – ist damit erstmals in Wien zu sehen. Als Auftakt einer längerfristigen Zusammenarbeit mit Susanne Kennedy.

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Haben Sie nicht auch manchmal daran gedacht, irgendjemandem, von dem Sie so richtig entnervt waren, einfach mal die Fresse zu polieren, oder einen Spritzer ins Gesicht zu schütten, oder halt schlicht, wie es in diesem Stück gewünscht wird, das Kreuz zu brechen? André Heller, Andreas Gabalier, Jesus Christus, Thomas Bernhard, Philipp Hochmair, der Bierkavalier, Dietrich Mateschitz und noch viele, viele mehr werden – vielleicht als Stellvertreter – gekreuzigt, gevierteilt, mit Scheiße bedeckt und vernichtet. Nach einem wundervollen Theaterabend gehen Sie nach Hause und schlachten sich selbst … harte Zeiten! Was, wenn wir nicht mehr wissen, wer jetzt die Guten und die Bösen sind, oder die Schützenswerten, oder die, die zu vernichten sind? In diesem Stück ist es so. Was passiert hier? Ist es Willkür? Darf man* das? Lydia Haider ist eine radikale und sprachgewaltige Stimme der österreichischen Literatur. Sie nimmt eine literarische Extrem­ position ein, die selten geworden ist. In ihren Erzählungen, die keine sind, bleibt oft nur Sprache. Die Leser*innen pendeln von de Sade zu Genet, von Mallarmé zu Artaud, doch am ehesten grüßt der große Pierre Guyotat: Es ist ein unendlicher, emotionaler, obszöner Strom der Wörter, in dem wir wie gefangen sind. In der Inszenierung dieses ersten Teils ihres mehrteiligen Werks ZERTRETUNG trifft Roger Corman im Grand Guignol auf die TWO THOUSAND MANIACS von Hershell Gordon Lewis. Fortunas Rad des Lebens, das Schicksalsrad, dreht sich, es fährt dahin und walzt und vernichtet einfach alle. Erbarmen gibt es nicht. Darum wird aber auch gar nicht erst gebeten. Vielleicht wollen sie ja auch sterben? Wer sagt denn, dass es nicht so ist? Lydia Haider, die mit Beginn der Spielzeit 20/21 am Volkstheater als Hausautorin sichtbar sein wird, schreibt ihr erstes Theaterstück. Es wird unerhörtes Theater: Dornen, Kreuze, Schweiß, Blut, Speichel, Exkremente in einem goldenen Raum der endlos veränderlichen, wandelbaren Dinge und Körper.

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SPIELZEIT 20/21

Uraufführung von Regie

Lydia Haider Kay Voges

im Volkstheater Bühne

MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Kostüm MONA ULRICH Musik PAUL WALLFISCH Dramaturgie HENNING NASS


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Wien-Premiere

Mozarts finale Arie aus DIE HOCHZEIT DES FIGARO als zwölfstündige Oper Screening des HD-Mitschnittes aus Los Angeles von und mit Ragnar Kjartansson Regie Ragnar Kjartansson im Volkstheater Bühne

Kostüm Dirigent Orchester

CHRISTOPH FISCHER CAMILLA HÄGEBARTH JULIA KRAWCZYNSKI ANDA SKREJANE EMMA KINGSBURY CHRISTOPHER ROUNTREE WILD UP ENSEMBLE

Von Mittag bis Mitternacht drei der bewegendsten Minuten der Musik Mozarts, zwölf unendliche Stunden lang ... BLISS ist eine zwölfstündige Oper. Die delirierende finale Arie aus DIE HOCHZEIT DES FIGARO – eines der schönsten Stücke Musik, das Mozart je komponierte – wird ohne Unterbrechung endlos wiederholt; kleinere Ab­weich­ungen ergeben sich nur dann, wenn die Aufführenden Erfrischungen benötigen. Durch die scheinbar endlose Dehnung des knapp fünf­minütigen musikalischen, erzählerischen und visuellen Höhepunkts nähern sich die Zuschauer*innen, genauso wie die Künstler*innen, einem euphorischen Zustand, der den letzten emotionalen Zustand der Protagonist*innen in Mozarts Werk bei weitem übertrifft. Die Aufführung imitiert den Stil der Verschwendung in traditionellen Opern, mit einem kompletten Orchester, einer aufwendigen Rokoko-Kulisse, einem großen Ensemble (dem auch Kjartansson selbst angehört) und dem berühmten isländischen Tenor Kristján Jóhannesson, den Kjartansson kennen und bewundern lernte, als er als Teenager hinter der Bühne des isländischen National­ theaters arbeitete. Für die Live-Aufführung seiner Performance BLISS erhielt Ragnar Kjartansson 2011 den renommierten Performa Award in New York. Das Volkstheater präsentiert nun den aufwendig produzierten HD-Mitschnitt einer Live-Aufführung im Redcat Los Angeles, 2019. So kehrt die Oper zurück nach Wien, in die Stadt, in der sie 1786 uraufgeführt wurde. Die Zuschauer*innen können zwölf Stunden dauernd entspannen oder auch nicht – ein permanenter Ein- und Ausstieg aus dem Delirium ist möglich. Courtesy of i8, Reykjavik / Luhring Augustine, New York

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von Regie

Gerhart Hauptmann Jan Friedrich

im Volkstheater Bühne ALEXANDRE CORAZZOLA Kostüm VANESSA RUST Musik FELIX RÖSCH Dramaturgie MATTHIAS SEIER JENNIFER WEISS

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Das Kammerspiel EINSAME MENSCHEN hat Gerhart Hauptmann im Jahr 1890 geschrieben, im Alter von 27 Jahren. In einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche und kulturellen Wandels sinniert er über Menschen, die aus ihren Abhängkeitsverhältnissen nicht mehr herausfinden. Sein Drama über eine Beziehung, die für alle Beteiligten nach und nach zum Gefängnis wird, stellt immer noch Fragen an unsere Art zusammenzuleben. Es geht um den radikalen Rückzug ins Private, häusliche Langeweile, die Sehnsucht nach innerer Freiheit. Stagnierende Eheverhältnisse als eine Form der Quarantäne: Der junge Akademiker Johannes Vockerat führt mit seiner Ehefrau Käthe ein zurückgezogenes Leben im Landhaus seiner Kindheit. Von der anfänglichen Verliebtheit ist fast nichts mehr zu spüren: Käthe fühlt sich mit dem neugeborenen Sohn allein gelassen, während Johannes über Schreibblockaden klagt. Die häusliche Vereinsamung nimmt plötzlich eine Wende, als sein alter Freund Braun ihm die junge Studentin Anna Mahr vorstellt. Sie ist in den Augen von Johannes das genaue Gegenteil von Käthe: belesen und weltgewandt, schlagfertig und emanzipiert und auch noch voller Begeisterung für seine philosophischen Manuskripte. Frisch verliebt geht Johannes nun alles leicht von der Hand, auch das Schreiben. Gleichzeitig kann und will er sich nicht von Käthe lösen, die er ebenfalls weiterhin liebt – eine unheilvolle Dreiecksgeschichte nimmt ihren Lauf. Zu wieviel Aufopferung bin ich für mein Gegenüber bereit? Wie stark poche ich auf meine Selbstverwirklichung? Wie kann ich einer geliebten Person Hingabe schenken, wenn – aus heutiger Sicht – das noch viel spannendere Match nur einen Chatverlauf entfernt scheint? Warum sehnen sich die einen nach dem Rückzug ins private Biedermeier, in die Heirat in jungen Jahren, während die anderen so flexibel wie schwerelos mit offenen Beziehungen, Trennungen auf Zeit, polyamoren Partner*innenschaften hantieren? Der junge Regisseur Jan Friedrich überführt Gerhart Hauptmanns unerbittliche Geschichte in seinen grotesken und bildstarken Kosmos. Seine Inszenierung kreist um die verschiedensten Formen des Verlorenseins, das Festhalten an Traditionen und die Suche nach neuen Beziehungsmodellen – und um das persönliche Glück, das sich zwischen diesen Positionen einen Weg schlagen muss.

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Befinden wir uns am Ende der Zeit – oder kurz vor Beginn eines erneuten Anfangs? Eine menschenleere Landschaft mit unendlichem grauen Meer. Und ein Zimmer. Darin ein clowneskes Duo, das feststeckt: Hamm, mit gelähmten Beinen und blind, kommandiert seinen Diener Clov herum. Der kann laufen. Aber eben nicht fliehen. Auch wenn er es wieder und wieder versucht. Runde für Runde findet Clov die Türklinke, Runde für Runde droht er den endgültigen Abschied an, ist kurz davor, durch den Türrahmen zu treten – um dann doch zu bleiben. Draußen hat irgendeine finale Katastrophe stattgefunden, drinnen nehmen sich die zwei Übriggebliebenen wieder und wieder aufs Korn: geistreich, intelligent, mit Ernst und Unernst, ohne Ende oder Anfang zu kennen, fassungslos ob der offenbaren Ausweglosigkeit – und der Sinnlosigkeit ihres Daseins. Zwischen 1954 und 1956, kurz nach dem großen Erfolg mit WARTEN AUF GODOT, schrieb der spätere Literaturnobel­ preisträger Samuel Beckett (1906–1989) in Paris sein grandioses ENDSPIEL. Ein Jahr später wurde der Einakter am Londoner Royal Court Theatre uraufgeführt, begann seinen Siegeszug durch die Länder und Jahrzehnte dieser Welt und gilt heute als Klassiker des Absurden Theaters. Die grotesk-tragische Geschichte einer Welt ohne Anfang und Ende verfestigte Becketts Ruf als Pionier der lustvollen Erforschung von Ritual, Wiederholung und Kreislauf. Inhaltlich geht es dabei um nichts weniger als die Unfassbarkeit der menschlichen Existenz – jenes absurden Zustands, leben zu sollen in dem Bewusstsein, dass man* verfällt, dass es jederzeit vorbei sein kann, dass es irgendwann vorbei sein wird, dass das Nichts bereits wartet, immer schon gewartet hat. Immer weiter warten wird. Die ENDSPIEL-Inszenierung von Kay Voges untersucht die messer­ scharfe Poetik der Beckettschen Wiederholungen in einem Raum der Gegenspannungen: das Laute und das Leise, Helligkeit und Dunkelheit, darinnen zwei Menschen, die ge­ meinsam-einsam gegen ihr Schicksal anrennen. Das Ich zwischen Unendlichkeit und Endlichkeit, gefangen in einem ewigen Kreislauf: Gibt es überhaupt irgendetwas zu verstehen – oder nur viel zu erleben?

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Wien-Premiere von Deutsch von Regie

Samuel Beckett Elmar Tophoven Kay Voges

im Volkstheater Bühne

MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Kostüm MONA ULRICH Sounddesign MARIO SIMON Dramaturgie DIRK BAUMANN THORSTEN BIHEGUE ANNE-KATHRIN SCHULZ


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nach dem gleichnamigen Roman von Fjodor Dostojewski Regie Sascha Hawemann im Volkstheater Bühne WOLF GUTJAHR Kostüm HILDEGARD ALTMEYER Musik XELL Dramaturgie ANNE-KATHRIN SCHULZ

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Menschen in den Fängen einer Großstadtwelt, in der jeder Erfolg, Zentimeter für Zentimeter, hart erkämpft werden muss. Im Zentrum kurz die Möglichkeit eines Glücks: Natascha liebt Aljoscha, Aljoscha liebt Natascha, sie ziehen zusammen. Die Väter sind dagegen. Sein Vater ist Fürst, ihr Vater ehemaliger Gutsbesitzer, nun verarmt. Aljoschas Vater will seinen Sohn standes­ gemäß mit einer reichen Erbin verheiraten. Die Zerreißung beginnt – mit Intrigen, Gier, Verführungslust und böser Machtkraft. Wunden werden geschlagen, erhaltene schnell übertüncht, ein neues Lächeln wird aufgesetzt – und weiter, und weiter. Wer verliert, dem droht Totalschaden. Wie beim armen Waisenmädchen, das eigentlich eine Prinzessin wäre. Und dann ist da noch Iwan, ein todkranker Schriftsteller, der sich an alles erinnert. „Splitter­ menschen“ nennt Regisseur Sascha Hawemann diese Bewohner*innen des in ERNIEDRIGTE UND BELEIDIGTE entfalteten Kosmos, „angepasst und zusammengerissen, an und für sich, das ewige, gottgewollte, unabänderliche Ausbeuten. Mensch­bleiben letzter Auftrag der verpassten Revolution“. Vierzig Jahre alt war Fjodor Dostojewski und noch lange nicht einer der berühmtesten Literaten Russlands, als er ERNIEDRIGTE UND BELEIDIGTE schrieb, inspiriert von Schillers KABALE UND LIEBE und Goethes WILHELM MEISTER. Gerade aus acht­ jähriger sibirischer Verbannung (wegen „Subversion“) nach St. Petersburg zurückgekehrt, veröffentlichte er seinen dritten Roman 1861, zunächst in Fortsetzungen, in der von ihm und seinem Bruder gegründeten Zeitschrift Wremja. Getrieben von Geldnot und dem Wissen, die ersten Kapitel einer Geschichte veröffentlichen zu müssen, ohne das Ende zu kennen. Einer Geschichte voller Seinsdruck, Liebesdruck, Habensdruck, in einer Welt ohne Utopien, in der Überleben nicht nur Taktik, Kraft und Gier erfordert, sondern auch die Lust dazu.

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Das Kapruner Bergbahnunglück bleibt eine der größten Katastrophen, die sich in jüngerer Vergangenheit in diesem Land ereignet haben. Niemand wurde bis heute zur Rechenschaft gezogen. Ausgehend von den tragischen Ereignissen des 11. November 2000 zeichnet Elfriede Jelinek in ihrem kurz darauf entstandenen Stück IN DEN ALPEN ein Panorama der alpenländischen Frühgeschichte hin zur Maschinerie des Massentourismus. Sportfanatismus, nationalistische Heimatideologie und die technische Zähmung der Natur werden durch tote Stimmen der 155 Todesopfer angeklagt, die mit ihren Plastik-Skianzügen verschmolzen und verbrannt sind. An einer geisterhaften Talstation treffen Figuren aus unterschiedlichen Zeiten aufeinander. Der Berg tritt als Sinnbild menschlichen Größenwahns hervor, alles zu besteigen und zu besiegen, als koloniale Vereinnahmung von Landschaften, die mit Seilbahnen und Gondeln bestückt werden. Die Schweizer Regisseurin Claudia Bossard hat sich bereits während ihres Studiums intensiv an Elfriede Jelinek und für das Kosmos Theater im Jänner 2020 an dem mittleren Stück ihrer Alpen­trilogie, DAS WERK, präzise und humorvoll abgearbeitet. Am Volkstheater führt sie diese Arbeit mit einer Übertragung von IN DEN ALPEN in zeitgenössische Themen und Kontexte fort. Eine aus Joseph Conrads Novelle HEART OF DARKNESS entlehnte Gruppe von Forscher*innen und Intellektuellen begibt sich ins Herz und in die Tiefen der alpinen Kulturgeschichte. Von Jelineks IN DEN ALPEN gelangen die Protagonist*innen an einen Ausblickspunkt, der erahnen lässt, was „Nach den Alpen“ kommen könnte. Dieser Teil, APRÈS LES ALPES, wird exklusiv für diese Produktion von Fiston Mwanza Mujila verfasst. Vor drei Jahren feierte der in Graz lebende Schriftsteller und Dramatiker mit TRAM 83 ein international beachtetes Romandebüt. Mujila schaut auf die Herkunftsgeschichte des österreichischen Alpenkosmos. Die Berglandschaft entstand vor 25 Millionen Jahren durch das Zusammenprallen der Kontinente Europa und Afrika – und wurde so zum eurozentralen Grenzraum. Der noch im Entstehen befindliche Text nimmt Bezug auf die Themen des Jelinekschen Alpentribunals und geht in einem fiktionalen Modus der Frage nach, was im post-alpinen Zeitalter passieren könnte: Zurück zur grenzenlosen Wüstenlandschaft? Gletscherschmelze – und nie mehr Après-Ski?

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von Regie

Elfriede Jelinek// Fiston Mwanza Mujila Claudia Bossard

im Volkstheater Bühne ELISABETH WEISS Kostüm MONA ULRICH Video und Sound ANNALENA FRÖHLICH Dramaturgie JENNIFER WEISS


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Jonathan Meese zeigt sein neues Theaterprojekt in Wien. Es wurde 2020 für das Schauspiel Dortmund entwickelt und konnte in den Zeiten von Corona nur ein einziges Mal aufgeführt werden. Für das Volkstheater wird die Produktion des bildenden Künstlers und Performers überarbeitet und in kleiner, exklusiver Serie aufgeführt. Basierend auf dem gleichnamigen und umstrittenen wie weltberühmten Roman des russischen Autors Vladimir Nabokov, stellt Meese den Mythos Lolita ins Zentrum seiner Kunst und überführt die Romanvorlage in seinen eigenen mythologischen Kosmos: Lolita als die einzige Alternative zu allem, Lolita als Utopie und als Idealbild der Frau, die perfekte Verkörperung einer zu errichtenden neuen Ordnung. Lolita wird angestarrt und rückhaltlos bewundert und verehrt. Sie löst bei Betrachter*innen die Revolution aus. „Lo-li-ta: Die Zungenspitze unternimmt eine Reise von drei Schritten den Gaumen herunter, um beim dritten an die Zähne zu stoßen ...“ (Nabokov). Lo. Li. Ta. Das ist das ideale, bloße Bild einer Sache, die reine Waffe, die kein Mensch mehr ist, sondern ein Zustand, wie – für Meese – Marquis de Sade, Oscar Wilde, Scarlett Johansson, Adolf Hitler oder auch die Kaiserin Sissi. Alle Darsteller*innen sind alle Figuren des Romans gleichzeitig: Jede*r ist eine Lolita oder eine Dolly oder eine Dolores oder einfach nur eine Lo. Natürlich sind sie auch Lolitas Mutter, Dolores Haze oder Hauptprotagonist Humbert Humbert sowie sein Konkurrent Clare Quilty, als auch Zardoz, Captain Spock, Robespierre und SS Obersturmbandführer Tanz … Ohne feste Absprachen oder Spielanleitungen entsteht an jedem Abend – mit Gästen wie Lilith Stangenberg, Bernhard Schütz, Maximilian Brauer und natürlich Jonathan Meese selbst auf der Bühne – eine neue Erzählung. Die so entstehenden Bilderwelten verbinden sich mit Wörtern oder kurzen Texten zu einem dichten Netz von Informationen und verleihen diesen speziellen Abenden emblematischen Charakter. Es gilt das Prinzip der Sporttasche: Pack ein, was Du zum Spielen brauchst!

oder L.O.L.I.T.A. DE LARGE (Das 3. Baby) oder DIE BARBARENLOLITAS (Kampf um Kunst) oder DR. ERZLOLITA DE L.O.L.I.T.A. (ZARDOZ LEBT) oder DIE ZARDOZLOLITAS (Keine Angst) Universums-Uraufführung Regie, Bühne, Kostüm

Jonathan Meese

im Volkstheater Bühnenbildmitarbeit Kostümmitarbeit Dramaturgie, Soundtrack

LOUISA ROBIN NANE THOMAS MONA ULRICH HENNING NASS

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Er gilt nicht umsonst als eine der aufregendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik. Die Texte von Wolfram Lotz stimulieren Hirn und Herz, stellen die Wirklichkeit auf den Kopf, verweben existenzielle Sinnsuche mit Lebensbanalitäten, durchforsten klug und kühn das Menschensein – und halten das Theater auf Trab. „Wolfram Lotz bedient das Theater nicht, er fordert es heraus.“, so Wolfgang Kralicek 2014 anlässlich der Wiener Uraufführung von DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS am Akademietheater „Nicht, weil er dem Medium misstraut, im Gegenteil: Er traut dem Theater alles zu.“ So ist es sicher nicht verwunderlich, dass auch das neueste Werk von Wolfram Lotz lustvoll und virtuos alle möglichen bekannten Rahmen unterläuft. DIE POLITIKER ist eine Kaskade aus Worten, die den Kreislauf anschmeißt. Blut reinpumpt in eine festgefahrene politisch-gesellschaftliche Debatte, in verhärtete Fronten zwischen Resignation und Kampfansage. Alleine der Stücktitel: DIE POLITIKER – ein einfaches Ausrufezeichen hinzugedacht, und schon ist man* mitten im zeitgenössischen Sprachsoundtrack. Lotz nimmt den Gegenwartskrach und lässt eine poetische Flut los: Gedanken, Gefühle, Vermutungen, Beobachtungen – über die, die gewählt werden, und die, die wählen, über die, die nicht zu­ hören, während sie anderen vorwerfen, ihnen nicht zuzuhören, über Einsamkeit, über Erwartungshaltungen, über Politik und Privates, über Katzen, Elementarteilchen, Risse in der Welt und das Nichts, über das Können, Müssen, Dürfen, Wollen, Sollen. Ein komponierter Chor der Jetztzeit, die Menschheitsgeschichte im Rücken. Nochmal neu, alles auf Anfang? Und los. Dieser Suche widmet sich Kay Voges mit dem gesamten Volkstheater-Team und Ensemble: Im November 2020 starten die Proben in Form eines vierwöchigen, kollektiven Trainingslagers und fließen im April 2021 in die Inszenierung ein, die den Abschluss der neuen Saison feiert.

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Österreichische Erstaufführung von Regie

Wolfram Lotz Kay Voges

im Volkstheater Bühne

MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Kostüm MONA ULRICH Musik PAUL WALLFISCH Dramaturgie CHRISTOPH GURK HENNING NASS ANNE-KATHRIN SCHULZ MATTHIAS SEIER JENNIFER WEISS


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Eine Etüde ist ein Übungsstück, das helfen soll, eine technische Schwierigkeit auf einem Instrument zu beherrschen. Was könnte das heißen, wenn dieses Format auf das Theater übertragen wird? Kann ein*e Schauspieler*in, ein*e Performer*in durch Wiederholung erlernen, die vielleicht schwierigste aller Aufgaben zu meistern – das Sterben auf der Bühne? Für Handlungen, die Ungeübten im schlechtesten Fall die Gesundheit oder das Leben kosten könnten, gibt es in Film und Fernsehen eine darauf spezialisierte Berufsgruppe. Stuntwomen und Stuntmen vollbringen ungewöhnliche und schwierige körperliche Akte. Was Stunts in Action-Filmen sind, kann in der Oper die Arie sein. Mit einer gemischten Besetzung aus Stuntfrauen, Opernsängerinnen und Performerinnen kreiert Holzinger eine musikalische Studie für zehn Körper und ein Auto. Für die Gefühlsindustrie hergestellte Bilder werden mit anatomischer Präzision seziert und allein auf ihre technischen Aspekte heruntergebrochen – bis nichts als der klangproduzierende Körper übrig bleibt. Florentina Holzinger zieht und zerrt mit voller Absicht an den Grenzen zwischen Hochkultur und „bloßer“ Unterhaltung. Es entstehen brutale Parodien sensationsheischender Momente, die aus Film, Theater und Oper oder aus dem Internet bekannt sind. In einer Reihe gemeinsamer opernhafter Rituale und orchestrierten Crashtests lernen die Performerinnen, ihre Körper und Stimmen zu beherrschen und bereiten sich für den „Emergency“ vor. Für welchen Notfall? In Wien waren Florentina Holzinger und ihr Ensemble zuletzt mit TANZ zu sehen. ÉTUDE FOR AN EMERGENCY. COMPOSITION FOR TEN BODIES AND A CAR ist an den Münchner Kammerspielen entstanden und ihre erste Arbeit für ein Stadttheater. Infolge des Lockdowns kam die Produktion dort nur zweimal zur Aufführung. Für das Volkstheater entwickelt die Choreographin nun eine adaptierte Version. Erneut lenkt sie den Blick auf den Körper als Spektakel – und auf seine Disziplinierung. Eine Produktion der Münchner Kammerspiele Internationale Distribution: Something Great

Florentina Holzinger

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COMPOSITION FOR TEN BODIES AND A CAR Wien-Premiere von Regie

Florentina Holzinger Florentina Holzinger

im Volkstheater Bühne und Kostüm NIKOLA KNEŽEVIĆ Künstlerische Mitarbeit Bühne NICOLE MARIANNA WYTYCZAK Musik STEFAN SCHNEIDER Musikcoach SIBYLLE FISCHER Licht MAX KRAUSSMÜLLER Stunt-Coordinator MARC SIEGER PETR DVORAK Dramaturgie RENÉE CORPAIJ HELENA ECKERT


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ESSAY von und

MATTHIAS SEIER CHRISTOPH GURK

EIN FESTIVAL ZU NATUR UND NICHT-MENSCHLICHEN EXISTENZWEISEN

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Mag sein, dass sich das alles von unserer Warte aus in extremer Zeitlupe abspielt, doch die Folgen sind bereits jetzt immens: 23 Prozent aller Säugetiere, zwölf Prozent der Vögel, 25 Prozent aller Nadelbäume und 31 Prozent der Amphibien sind akut bedroht. Das vom Menschen ausgelöste Artensterben steht den Folgen des Meteoriteneinsturzes vor 65 Millionen Jahren in nichts nach. Das Gewicht der menschlichen Nutztiere – Kühe, Schweine, Ziegen, wir kennen sie alle – übertrifft das Gesamtgewicht aller wild lebenden Säugetiere um ein Zwanzigfaches.

die Flugscham, der Schulstreik und das Plastiksackerlverbot. Er verändert unsere Leben, unsere Landschaften, unsere Biosphären, unsere Politik, unsere Wirtschaft, unseren Alltag. Und er stellt unsere sorgsam gepflegten Gewissheiten und Annahmen über unsere Teilnahme an der Welt radikal in Frage. Die Denkfigur des Homo Sapiens, der mit seinen acht Milliarden Individuen unerbittlich diesen Planeten dominiert, markiert die Notwendigkeit für eine neue Erdpolitik, Klimaphilosophie, Naturgeschichte und Biokunst. Die in der Geschichte der Philosophie gesetzte Demarkationslinie zwischen Natur und Kultur verschwimmt. Es gibt kein Außen mehr, von dem aus sich „die Natur“ oder „die Zivilisation“ oder „die Erde als solche“ kontaminationsfrei betrachten ließe. Die „Schiffbruch mit Zuschauer*innen“-Perspektive gibt es nicht mehr. Der Kahn, der da absäuft, das sind wir.

KLIMA Während wir diesen Text schreiben, schlagen die Ornitholog*innen Alarm, weil es nun selbst auch die Blaumeise schwer haben wird, mit dem Überleben. Die gestiegene Meerestemperatur führt zur dritten Korallenbleiche im Great Barrier Reef. Land- und Forstwirtschaft haben gerade den dritten Dürresommer in Folge hinter sich gebracht. Dann wäre da noch COVID-19 – bei Redaktionsschluss hat die Zahl der Infizierten weltweit die Marke von 33 Millionen überschritten. Wäre der Mensch nicht so auf Fleisch versessen, das Virus hätte es nie in unsere Körper geschafft und eine derart steile Karriere hingelegt. Die vom Homo Sapiens ausgelösten Naturkatastrophen ereignen sich überall. Gleichzeitig scheinen sie fern und unkontrollierbar zu sein. Der amerikanische Philosoph Timothy Morton hat für dieses kognitive Problem den Begriff des Hyperobjects geprägt. Darunter zu verstehen sind Phänomene, die so dermaßen durchdringend Zeit und Raum im Griff haben, dass sie unser Fassungsvermögen übersteigen und sich schon gar nicht mehr wie eine Entität anfühlen. Der Klimawandel – das ist sowohl das Schmelzen der Polkappen wie auch die schwindende Biodiversität, die Auslöschung ganzer Ökosysteme, die Vermüllung und Überfischung der Ozeane, die globale Erwärmung, das erhöhte Potenzial von Pandemien, die Waldbrandgefahr, das Sterben der Bienen, 54

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Wer die hier thematisierten Verwüstungen verstehen möchte, wird sich früher oder später mit der Theoriebildung zum Anthropozän beschäftigen müssen. Ursprünglich handelte es sich um einen Namensvorschlag zur Benennung einer neuen geologischen Epoche – rückdatiert auf den Zeitpunkt, ab dem sich die Menschheit als dominanter Faktor in die Erdgeschichte einschrieb – durch großflächige Umgestaltung von Landflächen, Umweltverschmutzung oder tief ins Erdreich vordringende Baumaßnahmen. Im kommenden Jahr 2021 soll eine Arbeitsgruppe einen Vorschlag zur exakten geologischen Definition dieser Epoche für die International Commission on Stratigraphy erarbeiten.

Längst gibt es lautstarke Gegenstimmen, die der Denkfigur des Anthropozäns eine präzisere Positionierung abringen wollen. Wie sehr ist – beispielsweise – das Konzept des Anthropozäns historisch mit dem Imperialismus und der damit einhergehenden kolonialen Ressourcenausbeutung im Globalen Süden verknüpft? Die bereitwillige An- und Ausrufung des Anthropozäns sei ein Vorgang, der – so ungefähr formulieren es Theoretikerinnen wie Kathryn Yusoff oder Eileen Crist – von finanziell gut situierten Intellektuellen und Technokrat*innen aus Industrienationen ausgeübt wird. Indigene Erfahrungsräume werden oftmals ausgeblendet. Wäre es also nicht deutlich treffender, vom Kapitalozän zu sprechen?

„Der Kampf der Silberfische in meiner Neubauwohnung zum Beispiel: Es sind wenige, aber manchmal, wenn ich in das Bad komme, hat sich gerade wieder einer die Wanne hochgearbeitet. Den spüle ich dann weg; drei Tage später ist wieder einer da. Für die Silberfische ist, was sich da abspielt, Geschichte. Bleibt die Frage, wer wohnt gegen uns. Stört unser höheres Streben, spült uns weg. Oder machen wir das wirklich selber.“ HEINER MÜLLER

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Ist nicht der Kapitalismus – angefeuert durch fossile Brennstoffe – der eigentliche Auslöser der hier angesprochenen erdgeschichtlichen Transformationen?

MENSCH Bis in ihren Lebensalltag hinein haben die Menschen während der vergangenen Monate zu spüren bekommen, wie sehr sie auf diesen Planeten und seine ökologischen Prozesse angewiesen sind. Aber es sind nicht nur Viren und Bakterien, sondern ebenso Insekten und Pflanzen, Tiere und Wetterphänomene, die in einem systemischen Zusammenspiel komplexe und von Menschen nicht zu kontrollierende Dynamiken entfalten. Zu revidieren ist daher eine in der Geschichte der Philosophie spätestens seit Kant vorherrschende Ideologie, die allein dem Menschen den Status eines denkenden und handelnden Subjekt zuerkennt und alles andere als ontologisch irrelevante Objekte behandelt. Die Gegenwart, so drücken es Autor*innen wie Graham Harman oder Jane Bennett aus, spricht nicht mehr bloß zu uns – bisweilen bellt, zwitschert, miaut, wiehert und grunzt sie, auch lauthals. Oder sie kommuniziert in für das menschliche Ohr nicht hörbaren Frequenzen. Nicht zu vergessen die zunehmende Anzahl nicht-menschlicher Akteure im Feld der Technologie: Cyborgs, Roboter, Androiden, Chatbots. Der Wiener Philosoph und Künstler Fahim Amir mahnt, es sei dringend an der Zeit, Tiere als politische Akteur*innen zu verstehen. Es gehe nicht mehr bloß darum, wie bei Karl Marx, die Gesellschaftsordnung vom Kopf auf die Füße, sondern stattdessen auf die Hufe und Pfoten zu stellen. Das Leben der Zukunft müsste ein interdependentes Leben zwischen den Arten sein, getragen von politischer Solidarität für nicht-menschliche Existenzformen im weitesten Sinne – oder es wird auch für die Menschen selbst kein lebenswertes Leben mehr geben. Donna Haraway, die Vordenkerin der wuselnden Grenzbereiche und auch Begründerin des Cyberfeminismus, schlägt daher den


Begriff des Chthuluzän vor. Er verwebt das Chaos stiftende Monster „Cthulhu“ aus den Horrorgeschichten H.P. Lovecrafts mit dem altgriechischen Begriff „Chthōn“ für die Unterwelt. Die Epoche des Chthuluzäns ist geprägt von der respekteinflößenden Einsicht, mit unzähligen Organismen und Kreisläufen verschränkt zu sein, symbiontisch verknüpft wie ein Hypertext. „Human beings are with and of the earth”, schreibt Haraway. Leben heißt immer Mitleben. Die „Natur“, und wie wir sie verstanden wissen wollen, war immer auch ideologischer Kampfbegriff. In der Sprache des Rechtspopulismus wird immer wieder auf das Versiffte und Feuchte, auf Tümpel und Feuchtgebiete hingewiesen, in denen gottlose neue Spezies und Mischformen sprießen. Der Sumpf war immer schon eine Metapher für Korruption, also erneut für ein verflochtenes, scheinbar regellos wucherndes System, das sich der menschlichen Einflussnahme entzieht. Nicht von ungefähr lautet

der Slogan der amerikanischen AltRight daher „Drain the Swamp!“ – die unüberschaubar mäandernden Flussläufe müssen wieder be56 gradigt, die Sümpfe trockengelegt, die Myzele und Rhizome zum fest verfugten Wurzelwerk werden. Haraway schlägt das genaue Gegenteil vor: Das Tentakelhafte, Schleimige und Pulsierende birgt gerade die Möglichkeit eines auf utopische Weise miteinander verflochtenen und feucht blubbernden Daseins aller Akteur*innen auf Augenhöhe. Das Chthuluzän liefert vielleicht – fruchtbaren Klärschlamm für eine bessere Welt?

VIRUS Dass der Mensch nicht Herr*in im eigenen Haus (in diesem Fall der Erde) ist, zeigt sich in seiner ganzen Dramatik im aktuellen pandemischen Geschehen. Das Virus (lat. virus: zähe Feuchtigkeit, Schleim), weder lebendig noch tot, weder Organismus noch Maschine,

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unfähig zur Häme oder zur Reue, verfolgt nur ein Ziel – seine eigene Vervielfältigung. Es denkt und handelt nicht. Ohne seine*n Wirt*in SPIELZEIT 20/21 wäre es vollkommen wirkungslos. Sobald es mich über meine Schleimhäute infiziert, repliziert es sich immer weiter und weiter, fügt seine Informationen meinem Gencode hinzu – und macht sich zum Co-Autor*innen meiner selbst. Tatsächlich besteht die Hälfte unseres Gencodes aus verstümmelten Vireninformationen. Die Geschichte der Menschheit ist immer auch eine unserer Kontakte mit Viren. Wie kaum ein anderes Ereignis der jüngeren Geschichte wird COVID-19 unser Verständnis der Natur und der Welt, in der wir leben, grundlegend verändern. Gnadenlos legt die Pandemie den Blick auf Defizite unserer Zivilisation frei, nicht zuletzt auf beschämende Ungleichheitsverhältnisse, die wir schon vorher hätten erkennen können, wenn wir uns nur dafür interessiert hätten – und spitzt sie weiter zu. Nahezu alle relevanten Debatten der Gegenwart erhalten durch die Pandemie eine verstörende Brisanz. Hierzu zählt auch der unter den Bedingungen der Pandemie sich beschleunigende Siegeszug von Digitalität und Technologie. Corona hat den Menschen zum Sicherheitsrisiko für Unternehmensmodelle gemacht, die sich – noch – auf Humanressourcen verlassen. Dementsprechend schnellen die Aktienkurse der Technologiekonzerne in die Höhe, die den Homo Sapiens durch automatisierte Arbeitsprozesse perspektivisch entweder ganz ersetzen oder, wie schon ein kurzer Blick in die kafkaesken Lagerhallen bei Amazon oder Ali Baba zeigt, in prekäre bis subhumane Beschäftigungsverhältnisse zwingen. An den Börsen wird nicht mehr und nicht weniger als auf die Abschaffung des Menschen als Arbeitskraft spekuliert. Selbstverständlich sind die Unternehmen, die sich nun mehr denn je im Aufwind befinden, die gleichen, deren Produkte den Alltag mit COVID-19 zu bewältigen helfen und ihn auch ein Stück weit erträglicher machen – vom Homeschooling mit den Tools von


VNS MATRIX „Cyberfeminist Manifesto“ (1991)


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Microsoft bis hin zur Screentime auf Netflix, die begonnen hat, uns den Verzicht auf den Besuch im Theater und im Kino zu versüßen.

TECHNIK Gleichzeitig lenkt die Pandemie unsere Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass das Bild, das wir uns von der Natur machen, und die Strategien, mit denen wir auf sie einwirken, zunehmend von digitaler Datenverarbeitung gesteuert wird. In seinem Buch NEW DARK AGE weist der britische Journalist und Künstler James Bridle überzeugend nach, dass bereits Mitte des 20. Jahrhunderts eine maßgebliche Triebfeder für den Prozess der umfassenden Computerisierung aller Lebensbereiche das archaische und bis heute unstillbare Bedürfnis des Menschen gewesen ist, das Wetter vorhersagen zu können.

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So beunruhigend der faustische Pakt mit Technologie im Lichte der aktuellen Entwicklungen erscheint – es muss klar sein, dass wir auf sie angewiesen sind, wenn wir einen Weg auch aus der Krise finden wollen. Die Rückverfolgung von Infektionsclustern wird genauso mit Hilfe von lernenden Maschinen möglich wie die Modellierung und Prognose des pandemischen Geschehens durch prädiktive Algorithmen. Selbst wenn die im Umlauf befindlichen Corona-Apps den Nachweis ihrer Nützlichkeit zur Eindämmung der Seuche bislang weitgehend schuldig geblieben sind. Der Soziologe Armin Nassehi hat unseren Umgang mit COVID-19, wie mit Naturereignissen überhaupt, treffend als einen Vorgang „digitaler Selbstbeobachtung“ beschrieben. Die Welt kann sich nur deshalb – hoffentlich berechtigte – Hoffnung auf wirksame Medikamente zur Behandlung von COVID-19 und auf die zeitnahe Bereitstellung von Impfstoffen machen, weil mit Künstlicher Intelligenz arbeitende Systeme in der Lage sind, dafür in Frage kommende Substanzen in unvorstellbarer Geschwindigkeit zu analysieren und zu identifizieren. Die unüberschaubare Flut von Studien, in denen sich Fachleute verzweifelt bemühen, das Virus zu verstehen, wäre ohne digitale Netzwerke, die den weltweiten Austausch wissenschaftlicher Datensätze ermöglicht, kaum denkbar.

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Es ist kein Widerspruch, sondern erhellt die Komplexität der auch in ethischer Hinsicht durchaus ambivalenten Rolle, die Technologie innerhalb dieser Gemengelage spielt, dass Programmierer*innen gegenwärtig an der Entwicklung einer Applikation arbeiten, die den Vorgang der Triage – die Entscheidung, welche COVID-19-Patient*innen mit Aussicht auf Erfolg behandelt werden, und wer, wie im vergangenen Frühjahr in Italien, zum Sterben nach Hause geschickt werden muss, ein wahr gewordener Alptraum für jede*n Mediziner*in – dem Urteil von Algorithmen überlässt. All diese Themen – Klimawandel, Cthuluzän, Corona, Technologie – bedingen einander, sie sind ineinander verzahnt. Sie erzählen uns mit erschlagender Detailfülle von einer Welt des Nicht-Menschlichen. Im Rahmen eines mehrtägigen und disziplinübergreifenden Festivals wollen wir sie im Juni 2021 am Volkstheater erkunden und in die Nahaufnahme gehen. Welche Impulse gehen von ihr in Richtung von Politik, Gesellschaft und Kunst aus? Wie schärfen wir unsere Sinne für eine post-pandemische Politik? Wie lässt sich einem Hyperobject wie der Klimakatastrophe mit Mitteln des Aktivismus und der Kunst begegnen? Wie strecken wir unsere Fühler und Tentakel für ein neues Verständnis von Natur und non-humanen Existenzformen aus? Die Lage ist ernst. Die Rede von der Möglichkeit des Aussterbens, schreibt Donna Haraway sinngemäß, ist nicht einfach nur eine Metapher, Systemzusammenbruch kein Thriller: „Ask any refugee of any species.“


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Das Volkstheater hat eine neue Spielstätte. Wie alles in diesem Haus hat auch dieser Raum eine lange und wechselvolle Geschichte. Unter dem Dach im 4. Stock gelegen, war er schon einmal für längere Zeit als Plafond und als Schwarzer Salon schon für das Publikum geöffnet. In den vergangenen Jahren wurde er dem Probebetrieb zugeführt. Nun verwandelt er sich in eine Studiobühne mit 65 Sitzplätzen. In einen Ort, an dem chemische Prozesse vor unseren Augen ein Bild zur Erscheinung bringen. Die Dunkelkammer ist der Raum für Experimente mit Performance, Literatur und Digitalität. Ein Brutkasten, an dem Ideen für die Zukunft entstehen. Der enge Kontakt zwischen Publikum und Spieler*innen rückt den prinzipiell verletzlichen Körper ins Zentrum des Geschehens. Als Medium jeder Art von Verständigung – und als Schauplatz, auf dem Denken und Begehren sich begegnen.

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Wien-Premiere von Nick Payne aus dem Englischen von Corinna Brocher Regie Péter Sanyó in der Dunkelkammer Bühne DAINA KASPEROWITSCH Kostüm FRIEDERIKE WÖRNER Musik PC NACKT Dramaturgie ROMAN SENKL

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Marianne ist Quantenphysikerin. In ihrer Arbeit sucht sie nach Beweisen für parallele Universen. Roland ist Imker. Er blickt mit dem rational-bodenständigen Blick eines Biologen auf die Welt. Auf einer Grillparty gemeinsamer Freunde treffen und verlieben sie sich. Aber nochmals von vorn: Marianne ist Quantenphysikerin. Roland ist Imker. Auch die Grillparty gibt es, man* wechselt ein paar freundliche Sätze – doch diesmal funkt es nicht. Aber nochmals von vorn: KONSTELLATIONEN ist ein Stück für zwei Figuren und Dutzende alternative Schicksale. Anhand einer einzigen Beziehung und ihrer zahllosen möglichen Verläufe deutet der britische Dramatiker Nick Payne das menschliche Drama um Leben, Liebe und Schicksal immer wieder neu. Denn wenn Mariannes quantenphysikalische Forschungen über das Multiversum stimmen, dann existiert jede auch nur irgendwie denkbare Variation unserer Leben in einem gigantischen Ensemble paralleler Welten: Ja und Nein, tot und lebendig, Für und Wider – in der Quantenphysik ist beides gleichzeitig denkbar. So führt uns KONSTELLATIONEN durch den Garten der Pfade, die sich unendlich verzweigen: Mal schafft es die Beziehung von Marianne und Roland nicht mal bis zum ersten Kuss, mal ziehen die beiden direkt zusammen und planen die Hochzeit. Mal geht er fremd, mal sie. Mal trennen sie sich, mal bleiben sie sich treu. Eine metaphysische Paarkomödie, ein kubistisches Beziehungsdrama, eine Ode an all die verpassten Chancen und kleinen Glücks­momente: Mit Leichtigkeit, Humor und Raffinesse stellt das Stück, das 2012 in London zur Premiere gekommen ist, jahrhundertealte lineare Erzähltraditionen auf den Kopf. Ganz nebenbei rüttelt KONSTELLATIONEN an den großen Fragen: Wie sähe unser Leben aus, wenn wir nach entscheidenden Weggabelungen die Zeit hätten zurückdrehen können? Welches Glück ist uns entgangen, welches Unheil hat uns verschont, welche Alternativen hätten wir gehabt? Und was, wenn Zeit und Raum nicht bloß Hintergrundrauschen unseres Lebens sind – sondern aktive Mitspieler*innen?

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Wien-Premiere// Gastspiel von Thomas Melle und Stefan Kaegi// Rimini Protokoll Regie und Konzept Stefan Kaegi/ /Rimini Protokoll in der Dunkelkammer Text / Körper / Stimme THOMAS MELLE

Ausstattung EVI BAUER Animatronik CHISCREATURES FILMEFFECTS GMBH Herstellung und Art Finish des Silikonkopfes / Koloration und Haare TOMMY OPATZ Musik NICOLAS NEECKE Licht Design / Touring ROBERT LÄSSIG MARTIN SCHWEMIN LISA ESSWEIN Video Design MIKKO GAESTEL Sound- und Video Design / Touring JAROMIR ZEZULA, NIKOLAS NEECKE Produktionsleitung Rimini Protokoll / Touring EPONA HAMDAN Dramaturgie MARTIN VALDÉS-STAUBER

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Wir kennen Roboter vor allem als Arbeitsmaschinen, als effiziente und präzise Vollstrecker. In der deutschen Industrie sehen sie Menschen kaum ähnlich. Emotionale Verstrickungen sind so ausgeschlossen. In Asien hingegen werden schon länger humanoide Roboter entwickelt, etwa für die Alten­pflege oder als Sexpartner*innen. Die äußerliche Ähnlichkeit zu Menschen – von japanischen Roboterforscher*innen „Uncanny Valley“ genannt – soll die Akzeptanz der Maschine erleichtern. Das Unheimliche daran liegt in einer visuellen Täuschung, die den Unterschied zwischen Mensch und Maschine mehr und mehr auflöst. Für die Produktion UNHEIMLICHES TAL haben Rimini Protokoll vom Schriftsteller und Stückeschreiber Thomas Melle (DIE WELT IM RÜCKEN) ein animatronisches Double erstellt. Dieser Humanoide tritt an der Stelle des Autors als Soloperformer in Erscheinung und wirft Fragen auf: Stehen Kopie und Original in einem Konkurrenzverhältnis zueinander? Oder helfen sie sich gegenseitig? Kommt sich das Original durch sein Double näher? Wer spricht, und was ist sein Programm? Thomas Melle beobachtet, und Stefan Kaegi dokumentiert in einer auf der Bühne zugeschalteten Videoprojektion, wie Ingenieur*innen aus Servomotoren und Silikon seinen Körper neu zusammensetzen und so programmieren, dass die Motoren sein Bewegungsrepertoire übernehmen. Durch Feinmechanik, Maske und Kostüm wird dieser Roboter zu einem Darsteller, dessen Mimik, Gestik und Sprache womöglich Empathie auslösen könnte – doch Empathie mit wem? Mit Melle selbst, der ja nicht mehr da ist? Oder doch schon mit dem Roboter? Wer spricht im unheimlichen Tal? Auf diese Weise wird die Maschine zur Projektionsfläche für eine Zukunft, in der das menschliche Original irgendwann nicht mehr auszumachen ist. Ein solcher Humanoide ist kein*e industrielle*r Arbeiter*in, sondern eine Bezugsperson, wie wir ihr womöglich selbst bald im Altersheim begegnen. Der Autor Thomas Melle wird bei Rimini Protokoll zum Schöpfer seines Ebenbildes. Er gibt die Kontrolle an einen Doppelgänger ab, der ihn verdrängt und über das wechselseitige Verhältnis reflektiert. Dieses Nachdenken – als vielfach gespaltener Vorgang – wird so Abend für Abend wiederholbar gemacht. Diese Rimini Protokoll Produktion ist ein Gastspiel der Münchner Kammerspiele. Entstanden in Koproduktion mit  Berliner Festspiele – Immersion, donaufestival (Krems),  Feodor Elutine (Moscow), FOG Triennale Milano Performing Arts (Milano),  Temporada Alta -  Festival de Tador  de Catalunya (Girona), SPRING Utrecht

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Die Rote Bar ist nicht nur mit ihrer Wandfarbe das exakte Gegenstück zur Dunkelkammer. Mit ihren Kronleuchtern, Textiltapeten, Seidenvorhängen und Marmor­böden atmet sie das Flair eines Salons des frühen 20. Jahrhunderts. So nimmt der Pausenbereich des Volkstheaters seit Jahren einen festen Platz im Wiener Kulturleben ein. Als ikonischer Ort, an dem Literatur und Diskurs, Musik und Partykultur miteinander in Kontakt treten. Wir haben nicht vor, das zu ändern. Nur die plüschige Atmosphäre wurde im Zuge der Generalsanierung behutsam versachlicht. Selbstverständlich wird das Team um Kay Voges der Programmierung seinen Stempel aufdrücken und das Geschehen für subkulturelle Strömungen öffnen. Mit gleicher Hingabe arbeiten wir an einer signifikanten Erweiterung der Cocktailkarte. Hereinspaziert – und am frühen Morgen wieder herausgestolpert.

Lecture Performance – ist das nicht eine Tautologie? Wie kann es möglich sein, einen Vortrag zu halten, ohne dass Mimik, Gestik, Sprachstil, Selbstinszenierung, also vieles, was auch Schauspie­ ler*innen und eigentlich alle Darsteller*innen auszeichnet, auch im Alltag, eine entscheidende Rolle spielen? Das Volkstheater möchte an diesem Begriff festhalten und ins Zentrum einer Reihe stellen. Er bezeichnet ein Genre, das in den vergangenen Jahren eine beispiellose Blüte erlebt hat. Das nicht ganz unschuldige Wort „Performance“ zeigt an, welche Be­ deutung die künstlerischen Gestaltungsmittel in dieser Form der Produktion und Vermittlung von Wissen haben. So sehr, dass sie inzwischen mit Recht als eigenständige Disziplin gelten kann. Der Erfolg der Lecture Performance hängt sicherlich damit zusammen, dass sie sich mit relativ einfachen Mitteln und da­ her relativ überschaubarem finanziellen Aufwand realisieren lässt. Dies ist sicher auch der Grund, warum sie sich sowohl in der Freien Szene als auch unter Künstler*innen im Mittleren Osten, in Asien und im „Globalen Süden“ zu einer favorisierten Ausdrucksform entwickelt hat. Unter dem Titel ENJOY COMPLEXITY laden wir regelmäßig Künstler*innen und Protagonist*innen aus den unabhängigen, nicht institutionell gebundenen Darstellenden Künsten aus der ganzen Welt ein. Wir nutzen die „Performance Lecture“ als ein „schnelles Medium“, das es erlaubt, zeitnah und ohne langwierige Produktionsvorläufe auf Themen und Fragestellungen zu reagie­ ren, die in der Luft liegen – oder auf die wir, in unseren vielfältigen professionellen Deformationen, von selbst vielleicht nicht gekom­ men wären. Soziale Netzwerke und populistische Regierungen verdanken ihren wachsenden Einfluss der Tatsache, dass sie einem immer unüberschaubarer und schwerer zu verstehenden Weltgefüge mit einer Reduktion von Komplexität begegnen. Sie bieten Narrative an, die Menschen in falsche Sicherheiten wiegen. ENJOY COMPLEXITY – wie das Volkstheater überhaupt – macht genau das Gegenteil. Es kann Spaß machen, aufs Detail einer Problemlage zu schauen, widersprüchliche Beschreibungen der Wirklichkeit auszuhalten und sie vor allem für das eigene Tun und Handeln produktiv zu machen. Diese Veranstaltungsreihe wird da­ her keinen festen Ort haben, sondern sich immer da niederlassen, wo es jeweils sinnvoll erscheint. In der Roten Bar, in der Dunkel­ kammer, im Weißen Salon – und sogar im Großen Theatersaal.

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Lecture Performances zu Themen der Zeit


Late Nights zwischen 20 und 20.000 Hertz mit Paul Wallfisch und special guests

„Sowohl in der Musik als auch der Prosa ist das Wesentliche der Rhythmus. Dein Stil muss einen guten, natürlichen, regelmäßigen Rhythmus haben, sonst lesen die Leute nicht weiter. Die Bedeutsamkeit des Rhythmus hat mir die Musik beigebracht – hauptsächlich der Jazz. Als nächstes folgt die Melodie – bezogen auf Literatur also das zum Rhythmus passende Arrangement von Worten. Wenn das Zusammenspiel von Worten und Rhythmus leicht und wunderbar gelingt – mehr kann man* sich nicht wünschen. Dann folgt die Harmonie, der innere mentale Klang, der die Worte stützt. Und dann der Teil, den ich am liebsten mag: freie Improvisation. Durch irgendeinen seltsamen Kanal beginnt dann eine Geschichte, frei von innen nach außen zu quellen. Und alles, was ich machen muss, ist mitzuschwimmen.“ (Haruki Murakami)

Ob Murakami, Patti Smith, Sexton, Beckett, Shange, Hughes, Pico, Puccini, Punkrock, Gamelan, Grime, Drill, Techno, Kpop oder Kesselpauke – der New Yorker Paul Wallfisch, neuer Musikalischer Leiter des Volkstheaters, lädt in seiner ersten LateNight-Reihe zu anarchischen Remixen aus Musik und Literatur. Der Frequenzbereich beträgt 20 bis 20.000 Schwingungen pro Sekunde. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen Autor*innen, die schrei­ ben, während sie hören: Was waren ihre Playlists? Was die ihrer Figuren? Oder – was könnten sie sein? Für jede Folge wählen Paul Wallfisch und seine Gäste aus Schauspiel und Musik eine*n Autor*in aus und legen los. Es entstehen Late Nights mit Songs und Texten, immer live, jenseits von Epochen und Kontinenten, auf der Suche nach ungewöhnlichen Sound­ tracks für die Gegenwart! Ausgangspunkt der Eröffnungsfolge ist der für 2021 anstehende 100. Geburtstag von Ilse Aichinger. Die Schweizer Schauspielerin, Chansonsängerin und Rezitatorin Anne Bennent bringt bringt Texte der Autorin mit, für die Musik ist an diesem Abend die amerikanische Theremin-Virtuosin und Wahlwienerin Pamelia Stickney bei Paul Wallfisch zu Gast! Danach immer einmal pro Monat, immer in der Roten Bar!

Singvögel im Park, die sich anhand des Östrogengehalts im Abwasser dopen. Termiten, die anhand alter kolonialer Handelsrouten in europäische Hafenstädte einfallen und ganze Regalmeter von Akten wegknuspern. Stadttauben, die nach der Französischen Revolution aus ihren Taubenschlägen befreit wurden und nun auf das Karl LuegerDenkmal defäkieren. In seiner neuen Reihe eröffnet der Wiener Philosoph und artistic researcher Fahim Amir (SCHWEIN UND ZEIT) neue Zugänge zur Fauna unserer Städte und weit darüber hinaus: Anstatt Tiere wie sonst zu bloßen Opfern und kapitalistischer Ressource zu erklären oder romantischen Vorstellungen einer unberührten Natur anzuhängen, wird bei Fahim Amir die Tierwelt zum Schauplatz der Renitenz und Revolte. Es gilt, unser Verhältnis zu Tieren zu entstauben und sie als politische Artgenoss*innen und widerspenstige Gefährt*innen in den Blick zu nehmen. In einer losen Folge von Lecture Performances in der Roten Bar zeigt Fahim Amir die komplexen Verstrickungen von Tier und Mensch in einer beschädigten Welt – und gestaltet so ein neues Bestiarium für unsere verwilderte Gegenwart.

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Tierkunde für eine beschädigte Welt von und mit Fahim Amir


Einmal im Monat kleschen die Worte, Klänge und Spritzer in der Roten Bar zusammen. Das Publikum ist herzlich eingeladen: zum Zuhören, Diskutieren, Tschechern, Tanzen. Das Volkstheater hostet die schreibende Szene – Autor*innen, Dramatiker*innen und Wissenschaftler*innen, Verlage und Magazine. Sie alle präsentieren sich mit ihren aktuellen Werken und Texten. Spezial­ausgaben und relevante Diskurse, österreichische Neuerscheinungen und internationale Entdeckungen finden in dieser Reihe ihren Stammplatz. So begrüßen wir unter anderem das aus Puneh Ansari, Lydia Haider, Mercedes Kornberger, Barbi Markovic, Maria Muhar und Stefanie Sargnagel bestehende Autorinnenkollektiv Wiener Grippe/ KW 77. Ausklingen können die Gespräche mit Musik. Wechselnde Ensemblemitglieder, Profi-DJ*anes und Musiker*innen aus Wien legen auf, manchmal auch die Lesenden selbst. Im monatlichem Loop wird die Rote Bar so zum Raum für wildes Probieren und Assoziieren mit Sprache und Musik.

Die Speakers Corner der Stadt von Philip Pramer und Calle Fuhr

Text, Musik, Alkohol, spät ausgeschenkt

Die öffentliche Debatte ist polarisiert. Permanent wird Haltung gefordert. Jede*r soll zu jeder Zeit Stellung beziehen können. Dass wir von vielen Themen gar kein umfassendes Bild haben, scheint unwichtiger zu werden. Viermal jährlich öffnen wir daher unsere Türen, um mit WIEN GESTALTEN einen Raum für analoge Streitkultur zu schaffen. In Kooperation mit der Edition Zukunft des Standard nehmen wir uns jedes Mal ein großes Thema vor und arbeiten uns über unterschiedliche Zugänge daran ab: Durch Frag-mich-alles-Runden mit eine*r Expert*in, in 1-zu-1 Diskussionen und in moderierten Debatten, wo jede*r seine*ihre Gedanken teilen kann. Wir laden lokale Initiativen ein, die sich ganz praktisch mit dem jeweiligen Thema beschäftigen. So widerstehen wir der Versuchung, in der Theorie stecken zu bleiben, und schlagen Wege ein, die unseren neu gewonnenen Gedanken vielleicht auch Taten folgen lassen. Mit WIEN GESTALTEN wollen wir die harten Fronten im öffentlichen Diskurs abbauen und suchen nach dem, was uns und unsere Gesellschaft zusammenhält.

Die Redakteur*innen von Dossier geben einen exklusiven Einblick in die Welt des Investigativ-Journalismus. Sie erzählen von ihren Recherchen, bitten Politiker*innen und Künstler*innen zu öffentlichen Vier-Augen-Gesprä­chen und diskutieren mit ihnen die Lage der Nation. Die Rote Bar wird so zum Hinterzimmer für politische Aufklärungsarbeit.

Ein Blick hinter die Kulissen des Investigativ-Journalismus 70

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Film-Lektionen zu zwielichtigen Welten mit Jörg Buttgereit und Christian Fuchs Wenn die Angstlust zu Fleisch wird! Menschen, Monster, Invasionen: Arthouse-Horrorfilmregisseur Jörg Buttgereit, unter anderem berühmt-berüchtigt für den Super-AchtStreifen NEKROMANTIK, und Filmjournalist und FM4Radiomacher Christian Fuchs, Autor des Bandes KINO KILLER: MÖRDER IM FILM, laden zu einer neuen Gesprächsreihe in die Rote Bar. Cineastisch-diskursive Kurztrips in Bild und Ton. Mainstream trifft Trivialkultur. Mitten rein ins Unbehagen, das jenseits der Vernunft lauert! Ob ANGRY PLANETS, TENTAKEL, TODESSTRAHLEN AUS DEM WELTALL oder UNGEHEUER VON NAH UND FERN: Was ist diese Finsternis jenseits von Wissenschaft und Logik, die menschliche AngstSynapsen zum Schwingen bringt? Nur für Erwachsene! Jörg Buttgereit ist Regisseur und Autor diverser Arthouse-Horror­filme (NEKROMANTIK, DER TODESKING, SCHRAMM, FINAL GIRL, SCHWEINCHEN), Hörspiele, TV-Dokumentationen und Theaterstücke. Er lebt in Berlin. Christian Fuchs ist als Film- und Musikexperte Radio­ macher bei FM4 (u.a. FILMPODCAST, HOUSE OF PAIN) sowie Musiker (u.a. Bunny Lake, Black Palms Orchestra, Die Buben im Pelz). Er lebt in Wien.

Gespräche zur Pandemie und ihren Folgen Als Anfang dieses Jahres, nur scheinbar aus dem Nichts, die Welt, wie wir sie kannten, aus den Angeln gehoben wurde, setzte sich schnell die Erkenntnis durch, dass Corona bereits bestehende strukturelle Ungleichheiten verstärkt. Von welchen Erlebnissen haben Leute zu berichten, die sich infiziert haben oder auf andere Weise betroffen waren, ob direkt oder indirekt? Was sagen diese Geschichten über die Funktionsweisen der Gesellschaften aus, in denen sie sich ereignen? In regelmäßigen Abständen laden wir unterschiedliche Menschen zu einem Gespräch über die vielfältigen Gesichter der Pandemie ein. Virologe*innen und Konzertveranstalter*innen, Lehrer*innen und Klimaforscher*innen, Geflüchtete und Superhosts, Mütter und Statistiker*innen, Theatermacher*innen und Mediziner*innen erstellen für die Dauer dieser Reihe eine Bilanz der Verluste. Es wird nicht gestreamt, damit ein geschützter Raum des Austauschs möglich wird. Der Eintritt zu den Veranstaltungen kostenlos. 71

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Uraufführung Eine interaktive Autopsie menschlicher Gewalt von Fronte Vacuo (Marco Donnarumma, Margherita Pevere, Andrea Familari) im Volx Regie, Konzept, Choreographie, Musik, Robotik MARCO DONNARUMMA Konzept, Choreographie, Symbionten MARGHERITA PEVERE Interaktives Licht- und Videodesign, Technical Direction ANDREA FAMILARI KI und Machine Learning Research BAPTISTE CARAMIAUX KI-Engineering MEREDITH THOMAS Skulptur ANA RAJCEVIC Bühne und Kostüm ANNA CINGI Producer RENÉ DOMBROWSKI With special participation of 4RUDE Dramaturgie ANNE-KATHRIN SCHULZ

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Ist das Tanz, Dauerperformance, Schauspiel, biologischtechnologische Installation oder ein kollektives Experiment? Vermutlich alles zusammen. Die Künstler*innengruppe Fronte Vacuo (Marco Donnarumma, Margherita Pevere, Andrea Familari) blickt in ihrer neuesten Produktion HUMANE METHODS [∑XHALE] auf Menschen, Maschinen und Algorithmen. Sie spielt in einer Welt, in der systemische Intoleranz, Umweltzerstörung und unethische Tech­no­logieentwicklung eine alles durchdringende Gewaltstruktur gebildet haben. Diese Gewaltstruktur ist sichtbar und unsichtbar zugleich. Sie betrifft sowohl biologische Akteur*innen auf Kohlenstoffbasis (wie Menschen, Tiere und Pflanzen) – als auch nicht-biologische Akteur*innen. Ein Beispiel ist die in der Entwicklung künstlichintelligenter Maschinen verwendete Methode der „Brute Force“. Die hier zum Einsatz kommenden neuronalen Netzwerke „lernen“, indem sie manisch wieder und wieder die gleiche Aktion durchführen. Um etwa einen bestimmten Bildinhalt erkennen zu können, durchlaufen sie Trial-and-Error-Loops, die so oft wiederholt werden müssen, bis sie ein Muster identifizieren können. Mit Intelligenz, wie wir sie beim Menschen antreffen, hat dieser Ansatz nichts zu tun. Er baut auf reine Kraft: auf die Rechenleistung zusammengeschalteter Maschinen im Dauerfeuer der Loops. Die neue Performance von Fronte Vacuo greift die Prinzipien des Dauerloops und der Zusammenschaltung auf und bildet einen Mensch-Maschine-Knoten, der die „Brute Force“ – als Manifestation kapitalistischer Brutalität gegenüber allem Existierenden – untersucht und sichtbar macht. Die Akteur*innen auf der Bühne sind Tänzer*innen, Performer*innen und Schauspieler*innen und eine für diese Produktion erschaffene KI. Sie beobachtet den Raum und steuert die Dramaturgie des Abends – und damit auch die an diesem Geschehen beteiligten Menschen und Maschinen. Wieder und wieder, jeden Abend aufs Neue, lassen die Menschen und Maschinen im Raum immer neue Wirklichkeiten entstehen. In diesem Multiversum an Möglichkeiten läuft die Narration jedes Mal auf einen anderen Endpunkt zu. Wie kann der Kreis der Gewalt durchbrochen werden? Eine Kooperation zwischen dem Volkstheater Wien, Fronte Vacuo und der Akademie für Theater und Digitalität, in Koproduktion mit dem CTM Festival Berlin und dem Tanzhaus NRW, gefördert u. a. von La Diagonale, Paris. In wissenschaftlicher Partnerschaft mit dem Centre National de Recherche Scientifique (CNRS) und dem Laboratoire de Recherche en Informatique (LRI) der Universität Paris-Saclay. Diese Liste ist vorläufig, da zu Redaktionschluss noch nicht über alle Förderanträge entschieden ist.


Die Handlung beginnt an einem Tag im August des Jahres 1913, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der dann schnell zum Zweiten Weltkrieg führte, das Ende der Monarchie in Österreich bedeutete, die Welt bis in die Gegenwart hinein prägt. Der Ort: Kakanien. Dahinter verbirgt sich die „Kaiserlich und Königliche Kaiserlich-Königliche Österreichische und Ungarische Österreichisch-Ungarische Doppelmonarchie“ – schon dieses Wortmonster ist so lang und verworren wie das Buch und das Leben selbst. Damals wie heute: Eine Weltordnung scheint zusammenzu­ brechen, Dinge, die geordnet zu sein scheinen, geraten in Bewegung, Normen und Überzeugungen verlieren an Festigkeit, alles kommt aus dem Gleichgewicht. Robert Musils Hauptwerk DER MANN OHNE EIGENSCHAFTEN ist wohl Österreichs wichtigster Beitrag zur Weltliteratur. Doch so berühmt der Roman auch ist, so wenig Leser*innen dürften ihn jemals komplett gelesen haben. Dieses Projekt war ein einziges Schreib­experiment. Es beschäftigte Musil zwanzig Jahre seines Lebens. Geldmangel, Krankheit, die politischen Umstände und das Scheitern an den eigenen Ansprüchen hatten zur Folge, dass das Mammutwerk unvollendet blieb. So hinterließ Musil ein einfluss­ reiches und brillantes, aber eben auch fragmentarisches Werk, das an Ideenfülle kaum zu überbieten ist. So wie sich Ulrich, der Hauptprotagonist in diesem Buch, ein Jahr Urlaub nimmt, in einen fiktiven Modus eintaucht, um zu begreifen, in welcher Zeit und unter welchen Umständen er lebt, können sich die Zuschauer*innen einen Abend lang in Musils Welt begeben, um dann die Welt und damit sich selbst schärfer zu sehen. Mit vereinten Kräften bringt das Ensemble des Volks­ theaters den ersten Teil von Musils Werk zu Gehör. Vorträge von Literaturhistoriker*innen, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Musiker*innen zeigen, wie aktuell und amüsant der Roman für uns heute noch ist. Das gesamte Theatergebäude, auch an den unzugänglichsten Winkeln, wird zum Ort der Begegnung mit einem ungeheuren Roman und einem neuen Ensemble. Die Zeit läuft ...

Das gesamte Ensemble liest den Roman im ganzen Haus von

im Volkstheater Dramaturgie

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Robert Musil

HENNING NASS


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Text von

CHRISTOPH GURK

WAS THEATER VON POPKULTUR LERNEN KANN Seit Peter Zadek für seine Inszenierung ANDI die Einstürzenden Neubauten auf die Bühne des Hamburger Schaupielhauses holte, hat es immer wieder Versuche gegeben, Popkultur und Theater aufeinander zu beziehen. Viele von ihnen haben zweifelhafte Resultate hervorgebracht, weil oftmals übersehen wird, was beide Disziplinen trennt. Die Protagonist*innen der Popkultur erwarten, dass sich das Publikum in einem quasi-religiösen Ritual mit ihnen identifiziert. Im Theater hingegen spielen Menschen eine Rolle. Interessant wird es immer dann, wenn Mischformen entstehen – und zwar solche, die diesen Unterschied nicht leugnen, sondern sichtbar und produktiv machen. Selbst eine Konzertveranstaltung, präzise in Szene gesetzt, verändert sich, wenn sie auf eine Theaterbühne verlegt wird. Der Ort selbst, mit seinen geheimnisvollen Gesetzmäßigkeiten, führt 79

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einen oftmals erhellenden Verfremdungseffekt herbei. Das gleiche Geschehen, das im Musikclub von sich behaupten kann, „natürlich“ und kulturell voraussetzungsfrei zu sein, wird unter den Bedingungen des Theaters als eine Form der Inszenierung sichtbar. Als Resultat von Entscheidungen, die alles andere als unschuldig sind. Umgekehrt kann das Theater von der Popkultur lernen. Das betrifft nicht einfach nur musikalische Idiome oder visuelle Signale, Stile oder Outfits, die mal mehr, mal weniger erfolgreich ihren Weg in eine Inszenierung finden können. Auf einer tiefer liegenden Ebene gilt es in vollem Umfang zu verstehen, dass die Entwicklung von Popkultur, als Kunstform, den Gesetzen des Marktes unterliegt. Genommen wird, was sich verkauft. Das trägt ihr seit jeher den Vorwurf ein, nicht viel mehr als das kulturelle Gesicht des Kapitalismus selbst zu sein.


Genau das hat auch Vorteile: Die Zugangsbeschränkungen und Barrieren, die sicherstellen, dass im Theater die Privilegierten unter sich bleiben, sind hier ein Stückweit außer Kraft gesetzt. Angetrieben von der Logik symbolischer und finanzieller Tausch­ geschäfte, zwei­­fel­hafter Deals, bei denen es Gewinner*innen und Verlierer*innen gibt, kann Popkultur viel sensibler, oft mit seismographischer Genauigkeit auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. Sie bringt Sprechweisen und Subjektivitätsmodelle ins Spiel, lange bevor sie auf den Radarbildschirmen der Hochkultur erscheinen. So waren Rock und Punk immer auch Manifestationen einer für vielfältige Einflüsse offenen proletarischen Kultur. Die Geschichte der Schwarzen Musik, in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit, hat schon vor der Entstehung von Rap und HipHop viele der Fragen vorweggenommen, die heute am Theater im Zusammenhang mit Themen wie „Diversität“ oder „Identitätspolitik“ diskutiert werden.

Nicht umsonst spricht der französische Ökonom Jacques Attali im Zusammenhang mit Musik von einem prophetischen Medium. Sie ist ein immaterieller kultureller Code. Die in der Welt der Gegenstände noch unsichtbaren Umrisse kommender Ordnungen sind ihr bereits eingeschrieben. Wir können die Welt von morgen nicht sehen, aber vielleicht schon hören. Das gilt mehr denn je für Popkultur unter den Bedingungen des digitalen Zeitalters. Wer erfahren möchte, wie Algorithmen die Funktionsweisen und Erscheinungsformen der Kulturwirtschaft, von Fragen des Urheber*innenrechts bis hin zur Rolle des Menschen für den kreativen Prozess, verändern werden, erfährt es in der Beschäftigung mit Streamingplattformen wie Bandcamp oder Spotify. In den nächsten Jahren wird sich das Volkstheater mit seiner geschichtlich gewachsenen Rolle als Ort einer genuin „nicht-aristokratischen“ Kultur auseinandersetzen. Das bedeutet auch, dass Pop – und marginalisierte Ausdrucksformen überhaupt – den Spielplan

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prägen. Verschiedene Individuen und gesellschaftliche Kräfte formulieren sich in unterschiedlichen Medien. Es gibt viel zu sehen – und zu hören. Mit Paul Wallfisch hat das Theater einen Musikalischen Leiter, der das Haus und seine Inszenierungen zum Klingen bringt. Ein von Christoph Gurk kuratiertes Konzertprogramm bringt aktuelle Strömungen aus Clubkultur und Independent-Pop, Song­writing und Jazz, Avantgarde und Weltmusik in alle Spielstätten. In der Roten Bar verbindet sich das Volkstheater mit der Wiener Subkultur und widmet sie, mehrfach im Monat, in eine Partyzone um. Feiern als Form der Selbstermächtigung höchst verdächtiger Kollektive und Subjekte.

Paul Wallfisch


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V V V V V V V

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T/ /Volksth eater T/ /Bezirke T/ /RoteB ar T/ /WeiĂ&#x; erS alon T/ /Dunkelkam mer T/ /Vol x T/ /Fansektor

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New York City, Greenwich Village, Winter. Undichtes Dachfenster. Fünf Stockwerke ohne Aufzug. Tropfende Wasserhähne. Minusgrade. Schräge Nachbar*innen. Schräge Situationen. Paul und Corie Bratters erstes Apartment ist weit davon entfernt perfekt zu sein – und ihre sechs Tage alte Ehe ist weit davon entfernt, ruhig zu verlaufen. Die beiden lieben sich, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Er ist ambitionierter Anwalt, überkorrekt, solide. Corie hingegen ein Freigeist, impulsiv und freiheitsliebend. Nach dem stürmischen Honeymoon im Plaza Hotel beginnen die Wirklichkeit und das Eheleben. Eigentlich steht ihrem Glück nichts im Wege, wären da nicht: eine plötzlich wieder jung gewordene Mutter, ein extravaganter und flirtender Nachbar – und … und … und … Eine harte Probe für eine junge Ehe … Funken sprühen in dieser geistreichen Komödie von Neil Simon. Die alte Wahrheit „Gegensätze ziehen sich an“ zeigt sich erneut. Nicht nur das: Sie führt zum Dauerschmunzeln.

von Deutsch von Regie

auf Bezirke-Tournee Bühne HANS KUDLICH Kostüm TINA PRICHENFRIED Dramaturgie SUSANNE ABBREDERIS mit

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Neil Simon Jessica Higgins Doris Weiner

MICHAEL ABENDROTH EVI KEHRSTEPHAN SÖREN KNEIDL DORIS WEINER GÜNTHER WIEDERSCHWINGER


„Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ nennt sich die Agentur, bei der Lily Harrison einen Lehrer „mietet“. Doch die pensionierte Schulpädagogin, Gattin eines Predigers, rechnet nicht mit dem hitzköpfigen Michael. Zwischen den beiden kracht es schon beim allerersten Treffen. Lily will den Tanzlehrer auf der Stelle stornieren. Um seinen Job nicht zu verlieren, erfindet er eine kranke Ehefrau und gewinnt ihr Mitgefühl. Dass seine Wirklichkeit eine andere ist, verrät er lieber nicht. Aber auch Lily hat einiges zu verbergen … Bei Swing, Tango, Cha-Cha-Cha und Twist kommen sich die beiden ungleichen Temperamente langsam näher. Sie entdecken immer mehr Gemeinsamkeiten. Es sind Lektionen in Toleranz, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft – und die Entdeckung eines der charmantesten Tanzpaare seit Ginger Rogers und Fred Astaire.

von Deutsch von Regie

Richard Alfieri Johan Grumbrecht Andy Hallwaxx

auf Bezirke-Tournee Bühne Kostüm Choreografie Dramaturgie mit

HANS KUDLICH TINA PRICHENFRIED ROSITA STEINHAUSER SUSANNE ABBREDERIS ALEXANDER JAGSCH DORIS WEINER

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Ein Mensch mit viel Macht und mit noch mehr Geld. Einer, der damit radikal in die Öffentlichkeit eingreift. Und dessen globale Verstrickungen grenzenlos wirken. Geheime Machenschaften und undurchsichtige Verbindungen – dies ist seit jeher das Aufgabengebiet des gemeinnützigen Recherchekollektivs Dossier. Ob es um das millionenschwere Finanzierungsnetzwerk der Kronen Zeitung, die nebulösen Politkontakte des Waffenkonzerns Glock oder den Skandal um die Geschäfte mit den Eurofightern geht: Seit 2012 sorgt die Redaktion mithilfe von investigativem und datengestütztem Journalismus für radikale Enthüllungen. Nun kommt eine ihrer größten Recherchen erstmals auf die Bühne! In Zusammenarbeit mit dem Theater im Bahnhof Graz erarbeiten die Journalist*innen von Dossier und das Volkstheater im eigens dafür geschaffenen Writers’ Room eine erlebbare Reportage. Als Gastgeberin im Zentrum des Abends: Pia Hierzegger. Die mit dem Österreichischen Filmpreis 2020 ausgezeichnete Autorin und Schauspielerin arbeitet seit Jahrzehnten als Ensemblemitglied des Theaters im Bahnhof Graz mit Regisseur Ed. Hauswirth zusammen. Gemeinsam mit weiteren Spieler*innen wird sie auf die Bezirke-Tournee gehen und die Geschichte erzählen! Das exakte Thema wird hier noch nicht verraten. So ist sichergestellt, dass die investigative Arbeit von Dossier weiterhin im Geheimen stattfinden kann und bis zur Premiere neue Erkenntnisse und aktuelle Entwicklungen in das Stück einfließen.

Uraufführung von Regie

auf Bezirke-Tournee Bühne

MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Kostüm MONA ULRICH Dramaturgie CALLE FUHR JENNIFER WEISS Basierend auf einer Recherche von

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Kreation Kollektiv Ed. Hauswirth

DOSSIER www.dossier.at


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CALLE FUHR IM GESPRÄCH MIT DEN MACHERN DES INVESTIGATIVEN MAGAZINS DOSSIER Florian Skrabal ist Chefredakteur, Georg Eckelsberger sein Stellvertreter. Die beiden haben Calle Fuhr, den Künstlerischen Produktionsleiter vom Volkstheater in den Bezirken, in ihre Redaktion eingeladen – an den Ort, von dem aus die korrupten Machenschaften der Wiener Boulevardzeitungen, die Causa Toni Sailer oder die Verstrickungen der FPÖ und der Waffenfirma Glock enthüllt wurden. Schon einige Monate zuvor wurde die Zusammenarbeit zwischen Dossier und dem Volkstheater beschlossen. Bei einem Glas Wasser und 25 Grad Außentemperatur kommen die drei ins Gespräch. Über unerwarteten Zuspruch der FPÖ, Dresscodes in der Hochkultur und das, was Theater und Journalismus miteinander verbindet. FUHR: Geht ihr oft ins Theater? ECKELSBERGER: Ich hab mir schon gedacht, dass die Frage kommt! Letztes Jahr bin ich drei Mal gegangen, allerdings nie in eines der großen Häuser. Ich weiß nicht, ob das nur in Wien so ist, aber Theater ist hier oft ein offizielles Ereignis, es fordert einen Dresscode und ist einfach nicht so ein Teil meines Alltags. FUHR: Das ist schon komisch, oder? Von außen sieht es schnell nach Hochkultur aus, was wir da treiben – gerade hier in Wien mit diesen riesigen Palästen. Wir wollen das Theater als offenen Raum denken, an dem jeder und jede 92

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willkommen ist, egal wie sie oder er angezogen ist. Es ist ein Ort für alle, die Lust darauf haben, sich mit der Realität auseinanderzusetzen und sie, übersetzt in die symbolischen Formen des Theaters, anders zu betrachten. SKRABAL: Der investigative Jour­nalismus, den wir betreiben, soll sich grundsätzlich auch an alle richten. Wir müssen so schreiben und unser Magazin so gestalten, dass niemand durch abgehobene Sprache ausgeschlossen wird. Die Hauptsache ist, dass wir belegbare Fakten liefern und uns dafür auch die Zeit nehmen. Beim „SchnellerMachen“ überholen sich eh alle. ECKELSBERGER: Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen unserer Arbeit und tagesaktueller Berichterstattung. Da sollst du heute auf die Schnelle ein Abbild dessen schaffen, was gerade vor sich geht. Morgen dann wieder. Und so geht es immer weiter. Du produzierst eine Story nach der anderen. Je nach dem, wann der*die Leser*in ein- oder aussteigt, ist er*sie anschließend verwirrter als vorher. SKRABAL: Es gibt den Begriff des „entschleunigten Journalismus“. Dem haben wir uns verschrieben. Denn wir haben es als eine Lücke empfunden, dass du dich als Journalist*in nur sehr selten über einen längeren Zeitraum mit einem Thema auseinandersetzen kannst.

dem Punkt mit deiner Arbeit aufhörst, wo du dir eine gute Story zusammenbasteln kannst. Wir gehen genau andersrum vor. Und wir leisten uns den Luxus, Ambivalenzen zuzulassen. FUHR: Das sehen wir im Theater auch so. Erst die Suche nach den Ambivalenzen macht uns relevant. Von der Bühne schreien, wie blöd ein*e Politiker*in oder eine Partei ist, das wäre doch zu einfach. Wir wollen die Welt in ihrer Komplexität annehmen und uns Fragen stellen, die alles womöglich noch vielschichtiger werden lassen. Wir sind kein Sprachrohr einer politischen Gesinnung, sondern auf der Suche nach etwas, das wahr sein könnte. ECKELSBERGER: Unsere erste große Recherche hat sich mit der Inseraten-Vergabe der Stadt Wien und damit auch mit den damals regierenden Parteien SPÖ und Die Grünen auseinandergesetzt. Daraufhin haben wir großen Beifall aus FPÖ-Kreisen bekommen. Als wir eine Story zu den Missständen in Asylheimen veröffentlichten, haben wir diese Follower wieder verloren. Die hatten wohl erwartet, dass wir gezielt gegen linke Parteien vorgehen. Das ist natürlich nicht der Fall. Wir beschäftigen uns mit denjenigen, die an der Macht sind, die darüber bestimmen, wie wir leben. Da macht Kritik wirklich Sinn.

In der Regel bist du mehr damit beschäftigt Agenturmeldungen umzuschreiben, anstatt das zu tun, was unseren Job ausmacht: Recherchieren, hinterfragen und einordnen. ECKELSBERGER: Wir wollen eben nicht einfach darüber berichten, was er oder sie mal zu jenem Thema gesagt hat. Unter Kolleg*innen gibt es sogar die Maxime: Recherchiere deine Geschichte nicht tot. Dahinter steckt der Gedanke, dass du einfach an

FUHR: Das Volkstheater ist aus einem Oppositionsgedanken entstanden. Als bürgerliches Gegenmodell zur Aristokratie. Da haben wir wieder was gemeinsam! SKRABAL: Ja, im Zweifel stehen wir immer auf der Seite der Schwächeren.

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Was behalten wir im Gedächtnis, was nicht? Wir sind, was wir sind, weil wir uns erinnern. Eigentlich hat Theresa Frieden geschlossen. Mit sich, mit ihrer lieblosen Kindheit in der österreichischen Provinz, mit dem frühen Tod des Bruders, Pepi. Der wollte Skiläufer werden, wie Toni Sailer, der österreichische Mehrfach-Olympia­ sieger und Mehrfach-Weltmeister, der auch jenseits der Pisten die Menschen verzauberte. Denn Sailer konnte nicht nur Slalom, Abfahrt und Kombination, sondern machte auch hocherfolgreich Karriere als Sänger und Schauspieler. Sein Film DER SCHWARZE BLITZ aus dem Jahre 1958 steht im Zentrum der wichtigsten – weil schönsten – Erinnerungen Theresas. Immer, wenn die Familie in gewisser Harmonie zusammenkam, dann, um Sailer dabei zuzuschauen, wie er als Kunsttischler Michael auf Skiern die Damenwelt verzauberte und alpinen Konkurrenten schwungvoll lächelnd davonfuhr. Toni Sailer, Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, das Vorbild für Generationen, der Nationalheld, der sich Zeit seines Lebens im Skisport engagierte – und Theresas lebenslanges Idol. Wer aber will sich wirklich erinnern? Das erfordert eine bewusste Entscheidung. Denn vieles ändert sich, als 2018 Vergewaltigungsvorwürfe aus dem Jahre 1974 gegen Sailer neu aufgerollt werden. Theresa muss sich der Frage stellen, auf wessen Kosten sie ihre glücklichen Erinnerungen aufrechterhält – und gerät in einen Kampf zwischen sich und ihrem eigenen Gedächtnis. Erfundene Biografie trifft Realgeschichte, Theater trifft Journalismus: Autor und Regisseur Calle Fuhr blickt in seinem neuesten Monolog auf unsere Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen, nach Vorbildern, nach den Großen im Ganzen. Und darauf, wie deren Leben mit der eigenen Biographie verknüpft ist – in guten wie in schlechten Zeiten. Was bedeutet es für uns selbst, für unsere innere Sicherheit, wenn unsere Held*innen demaskiert werden?

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Uraufführung von Regie

Calle Fuhr Calle Fuhr

auf Bezirke-Tournee Bühne Dramaturgie

CALLE FUHR MATTHIAS SEIER


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Künstlerische/ Kaufmännische Direktion Künstlerischer Direktor KAY VOGES Kaufmännischer Direktor CAY STEFAN URBANEK

Künstlerische Leitung/ Dramaturgie Stellvertreterin des Künstlerischen Direktors MIRJAM BECK Referentin der Künstlerischen Direktion LISA KERLIN Dramaturg*innen CHRISTOPH GURK HENNING NASS ANNE-KATHRIN SCHULZ MATTHIAS SEIER JENNIFER WEISS SUSANNE ABBREDERIS (Gast)

Künstlerisches Betriebsbüro

Ensemble

Künstlerischer Betriebsdirektor ALBERT HELD Chefdisponentin DANIELA NEUBAUER Mitarbeit Künstlerisches Betriebsbüro CHRISTA WACKENREUTHER

V°T//Bezirke

Leitung DORIS WEINER Mitarbeit ELISABETH BALOG BETTINA WISSER

V°T//Bezirke

ab Jänner 2021 Künstlerischer Produktionsleiter CALLE FUHR Mitarbeit SOPHIA FISCHER

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ANDREAS BECK CLAUDIO GATZKE FRANK GENSER EVI KEHRSTEPHAN BETTINA LIEDER HASTI MOLAVIAN LAVINIA NOWAK NICK ROMEO REIMANN GITTE REPPIN JULIA FRANZ RICHTER ANNA RIESER UWE ROHBECK CLAUDIA SABITZER UWE SCHMIEDER CHRISTOPH SCHÜCHNER SAMOUIL STOYANOV STEFAN SUSKE FRIEDERIKE TIEFENBACHER DORIS WEINER GÜNTHER WIEDERSCHWINGER ANKE ZILLICH

Gäste MICHAEL ABENDROTH MAX BRAUER MARIE GROOTHOF PIA HIERZEGGER ALEXANDER JAGSCH SÖREN KNEIDL EVA LÖBAU JONATHAN MEESE BENJAMIN RADJAIPOUR BERNHARD SCHÜTZ LILITH STANGENBERG ANNA MARIA STURM LOUISA STROUX

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Presse und Öffentlichkeitsarbeit Leitung PATRIZIA BÜCHELE ENNA ZAGORAC Mitarbeit SOPHIE BACKHAUSEN Online-Kommunikation ULRIKE SCHILD Mitarbeit Community Building CORINNA GOLLMAYR Grafik TINA KNOLL MARKUS GÖBL (Gast) Fotografie BIRGIT HUPFELD (Gast) MARCEL URLAUB (Gast)

Ausstattung Ausstattungsleitung MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH Leitung Kostümbild MONA ULRICH Mitarbeit Bühne PATRICK LOIBL JANE ZANDONAI Mitarbeit Kostüm ELEONORE CARRIÈRE FRIEDERIKE WÖRNER

Regie CLAUDIA BOSSARD MARCO DONNARUMMA ANDY HALLWAXX SASCHA HAWEMANN JAN FRIEDRICH CALLE FUHR ED. HAUSWIRTH FLORENTINA HOLZINGER STEFAN KAEGI //RIMINI PROTOKOLL SUSANNE KENNEDY RAGNAR KJARTANSSON JONATHAN MEESE PÉTER SANYÓ KAY VOGES DORIS WEINER


Bühne

Lightdesign

ANNA CINGI ALEXANDRE CORRAZOLA WOLF GUTJAHR CALLE FUHR DAINA KASPEROWITSCH HANS KUDLICH JONATHAN MEESE LENA NEWTON ANA RAJCEVIC DANIEL ROSKAMP MICHAEL SIEBEROCKSERAFIMOWITSCH ELISABETH WEISS

VOXI BÄRENKLAU RAINER CASPER ANDREA FAMILARI PAUL GRILJ

Kostüm HILDEGARD ALTMEYER ANNA CINGI JONATHAN MEESE TINA PRICHENFRIED VANESSA RUST MONA ULRICH TERESA VERGHO FRIEDERIKE WÖRNER

Musik Musikalische Leitung PAUL WALLFISCH Musiker*innen ALJOSCHA BEGRICH MARCO DONNARUMMA ANDREA FAMILARI T.D. FINCK VON FINCKENSTEIN ANNALENA FRÖHLICH RICHARD JANSSEN PC NACKT FELIX RÖSCH MARIO SIMON MICHAEL STURM PAUL WALLFISCH XELL

Technische Abteilungen Technischer Direktor MICHAEL MAYERHOFER

Video RODRIK BIERSTEKER ANNALENA FRÖHLICH MARIO SIMON JAN VOGES

Coding und Engineering BAPTISTE CARAMIAUX MARCO DONNARUMMA MARGHERITA PEVERE ANA RAJCEVIC MARIO SIMON MEREDITH THOMA

Choreographie MARCO DONNARUMMA MARGHERITA PEVERE ROSITA STEINHAUSER

Regie-Assistenz LISA ANETSMANN BARBARA SEIDL

Szenischer Dienst Inspizienz SIGMAR KUSDAS MARIO SCHOBER Soufflage INGRID HEDBAVNY JÜRGEN M. WEISERT

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Assistent des technischen Direktors HANNES LEITER Leitung Einkauf für Dekorationsbau JÜRGEN POGATS Bühnentechnik Bühnenmeister HAMIT ERBAY PHILIPP GAFLER MARC MESSUTAT Vorarbeiter Bühnentechnik THOMAS FITZL THOMAS FISCHER MANFRED GANSER ALEXANDER HÄUSLER CHRISTIAN MESSINGER CHRISTOPH TAITS Bühnentechnik MARTIN DELTL ZORAN DOKMANOVIC REINHOLD HAFFNER RUDOLF HERZER ROLAND JANU SASCHA KNISCH MANUEL KROTENDORF STEFANO MACHALEK PHILLIP SCHMID MARKUS SCHWAIGLER HARALD SEEBACHER ANDREAS STORCH Leitung Schlosserei und Maschinisten KARL BIRKENAU Vorarbeiter GERHARD MIKITZ Schlosser und Maschinisten MARKUS RASPOTNIG MAHMUT SAKIZCI CIHAN SEMIZ JAKOB WURNIG

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Licht Leitung PAUL GRILJ Stellvertretende Leitung JENNIFER KUNIS (Karenz) Mitarbeit MARKUS HIRSCHER FRANZ JAKUBEC FERDINAND KROTTENDORFER JULIAN PAGET MARTIN SCHWAB MICHAEL WURMITZER Ton Leitung MICHAEL STURM Stellvertretung SEBASTIAN HARTL Mitarbeit ROMAN FISCHER GIORGIO MAZZI Video Künstlerische Leitung MAX HAMMEL Technische Leitung MAURITIUS LUCZYNSKI Künstlerische Mitarbeit MARVIN KANAS Technik V°T//Bezirke Leitung HANS KUDLICH Tourneeleitung, Beleuchtung BERNHARD FÜRNKRANZ Ton, Technik CHRISTOF SEIDL Technik LLUIS LIPP ANDREAS STOCKINGER NICOLAS TWERDY ALEXANDER ÜBLACKER


Kostümwesen Leitung TINA PRICHENFRIED Assistentin ANNA SCHELMBERGER Werkstattleitung SUSANNE PRÖGLHÖF Damengewandmeisterinnen BRIGITTE SPIELAUER ANDREA PAUSCHITZ Herrengewandmeisterin THERESIA SCHMALFUSS (Karenz) Schneider*innen KLAUDIA FRITTUM CHRISTIAN HELLER MARIA KOHOUTEK TATJANA KOSIĆ CHRISTINE NEUNINGER Fundusverwaltung (Damen) BRIGITTE SPIELAUER Fundusverwaltung (Herren) THERESIA SCHMALFUSS (Karenz) Ankleiderinnen HEIDEMARIE GLASER EDITH GRATZ RENATE HOFMANN Maske Leitung Maske SABINE PIES Stellvertreterin Leitung Maske JUDITH WIESER Maskenbildnerinnen MARTA EIDLER MARINA JURIC KATHARINA GUEGUEN KERSTIN SCHROTTER BIANCA FITZL (Karenz) HANNAH WOLF

Verwaltung

Hausverwaltung

Assistentin des Kaufmännischen Direktors ASTRID KAULICH Leitung Stabstelle MARKUS TSCHANETT Projektleitung der Kaufmännischen Direktion MICHAELA SEEBÖCK Controlling CHRISTA HUBER Leitung Personalbüro MARTINA MERIL Mitarbeit Personalbüro GABRIELE ECKSTEIN SILVIA MAYER Leitung Buchhaltung MARIANNE ROHRINGER Mitarbeit Buchhaltung EDITH RUTHNER Botin FRIEDERIKE BRAUMANN Archiv GREGOR DRAGOSTINOFF Leitung Kartenservice ANDREA GELDNER Stellvertretung Kartenservice GABRIELA SATTLER Mitarbeit Kartenservice EVA MITTERMANN LAURA SCHILLER NICOLE TONNER BARBARA VEITSCHEGGER Hauptkasse UWE OITZINGER

Leitung und Leitung der EDV ROBERT LEITHNER Stellvertretung Hausverwaltung MICHAELA LOTZ Haustechnik ROBERT JOUANOVIC Hausarbeit / Brandschutz BIRGIT KAPPEL FELIX KRIBALA LORENZ KUGLER RICHARD PANZER MANFRED ROTTER BERNHARD RUTHE MICHAEL SCHÖLL BARIS ÜNAL ANDREAS URBANEK Vorarbeiterin Reinigung DRAGICA DZIJAN Reinigung ZORICA DJORDJEVIC RUZICA KEIL ADRIANA VELEA BRANKA VIDOVIC MONIKA YILMAZ SONJA WEISSHÄUPL

Sicherheitsfachkraft WILHELM RANITS HEALTH CONSULT Rechtsbeistand PLOIL KREPP BOESCH

Betriebsrat Künstler*innen und Verwaltung GÜNTHER WIEDERSCHWINGER STEFAN SUSKE CLAUDIA SABITZER NICOLE TONNER

Betriebsrat Technik ROBERT LEITHNER MANFRED GANSER HEIDEMARIE GLASER LORENZ KUGLER

Ehrenmitglieder KSCH. HEINZ PETTERS (†) KSCH. PROF. DR. HILDE SOCHOR (†) EMMY WERNER DR. RAINER MORITZ

Maske V°T//Bezirke VIKTORIA SCHÄFER ISABELLA GAJCIC Requisite Leitung LUKAS GEIHSLER Requisiteur*innen EDITH BAUER CHRISTOPH KROJER MANUEL PRANDL MARIA WIEBERSINSKY

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Theaterärztin DDR. EMILIA NAGY

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V T/ /Fansektor

Das Volkstheater ist für alle da! Nicht

nur als theatraler Begegnungsort für das Volk, sondern auch als Ort der Partizipation, des Zusammenkommens und des Austausches mit den Menschen der Stadt. Egal wie alt Sie sind und woher Sie kommen. Egal wie viel (oder wenig) Theatererfahrung Sie haben. Egal, ob Sie alleine, zu zweit oder mit Ihrer Firma, Ihren Schüler*innen, Ihrem Verein zu uns kommen. Im Volkstheater ist es egal, ob Sie zu alt oder zu jung, zu langweilig oder zu pop sind. Denn Theater, Kunst und Kultur gehen uns alle an und sind ein ständiger Bestandteil, Begleiter*innen und Motor unseres Zusammenlebens. Wir strecken unsere Arme in die Stadt aus und laden alle Menschen, die hier leben oder auch nur kurzfristig verweilen, dazu ein, gemeinsam mit uns die Bretter, die die Welt bedeuten, zu erleben!

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Freuen Sie sich auf unsere zahlreichen Angebote in unserem Fansektor. Von Führungen durch das generalsanierte Theaterhaus bis hin zu Vor- und Nachgesprächen zu unseren Theaterproduktionen, Probenbesuchen, Diskussionsveranstaltungen – schauen Sie mit uns auf, unter, hinter und neben die Bühne! Regelmäßig veranstaltet das Volkstheater unterschiedliche partizipative Projekte für alle interessierten Besucher*innen. Interessiert? Dann werden Sie Fan vom Volkstheater! Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und infor­ mieren Sie sich im Fansektor-Bereich unter www.volkstheater.at über unsere aktuellen Angebote.

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Ein Projekt von Occupy Culture in Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus Wiener Jugendzentren, Produktionsschulen und Lehrwerkstätten. Occupy Culture macht sich zusammen mit 80 Wiener Jugendlichen auf die Suche nach der Zukunft in unsicheren Zeiten. Wie wollen wir in Zukunft arbeiten und leben, wie sehen unsere Städte aus? Muss das eigentlich alles immer so bleiben oder geht es auch anders? Und wenn ja, was sind wir selbst bereit dafür zu tun – gerade dann, wenn wieder einmal alles alternativlos ist, wie es gerade scheint? Zukunft. TRÄUMEN versteht sich als Labor, das Jugendliche einlädt, künstlerische Ideen zu Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen, zu formulieren, weiterzuspinnen und in einem professionellen Rahmen umzusetzen. In Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus den Bereichen Theater, Performance, Tanz, Film, Medienkunst und Musik kreieren sie neue künstlerische Formate und werden zu Autor*innen, Performer*innen, Choreograf*innen und Regisseur*innen ihrer eigenen Geschichten.

Künstlerische Leitung AIRAN BERG UND VERENA SCHÄFFER Mit ROMY KOLB, BETÜL KÜPELI, LIESA KOVACS, JOHANNA JONASCH, JENNY GAND, CONNY ZENK, HELGE HINTEREGGER, JULES MEKONTCHOU, TINA RAUTER, THOMAS HICKS und vielen anderen. Mehr Infos auf: www.occupyculture.at In Kooperation mit Jugend am Werk Bildungs:Raum GmbH, AusbildungsFit spacelab, Stand 129, Caritas preWork, Jugentreff Eleven, Bahnfrei Mobile Jugendarbeit, Jugendzentrum Hirschstetten und dem Volkstheater. Zukunft. TRÄUMEN ist ein Projekt von Occupy Culture im Rahmen von KulturKatapult – eine Initiative der Stadt Wien in Kooperation mit wienXtra und OeAD.

Im März 2021 kommen die Beteiligten im Rahmen eines Abschlusscamps zusammen und erobern das Volkstheater. Dazu gibt es ein umfangreiches Programm aus Pop-Up-Workshops, Präsentationen der beteiligten Gruppen und Auftritten von Überraschungsgästen.

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Das Volkstheater ist mit Beginn der Spielzeit 20/21 vollständiges Mitglied in der ETC, der European Theatre Convention. Das ETC wurde 1988 gegründet und ist mittlerweile mit mehr als 40 Mitgliedstheatern in über 20 Ländern das größte europäische Theaternetzwerk. Es unterstützt und initiiert zahlreiche Projekte, spiegelt die Diversität der europäischen Theaterlandschaft und bietet eine lebendige Plattform für den demokratischen Austausch und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen. Die Idee hinter dem Projekt ist nicht nur die Theater- und Kunstschaffenden, sondern auch die Zuschauer*innen aus den unterschiedlichsten Ländern miteinander zu verbinden.

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Als Abonnent*in des Volkstheater genießen Sie freien oder ermäßigten Eintritt in allen Bühnen, die sich dem Netzwerk angeschlossen haben. Es reicht von Berlin bis Prag, von Amsterdam nach Tel Aviv, von Tiflis und Oslo bis nach Lissabon. Die Kartenreservierung erfolgt über das Ticketzentrum des ETC. Die vollständige Liste der Mitgliedstheater finden Sie unter: www.etc-cte.org

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V T/ /Volksth eater

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Preisgruppe

Preise I 1)

Preise II

I

Cercle Tribüne Balkon-Logen

1.–4. Reihe 1.–3. Reihe

58,–

52,–

II

Tribüne Rang-Logen

4.–7. Reihe

52,–

47,–

III

Tribüne

8.–10. Reihe

46,–

41,–

IV

Tribüne Balkon

11.–12. Reihe 1. Reihe

40,–

34,–

V

Balkon

2.–3. Reihe

34,–

29,–

VI

Balkon

4.–5. Reihe

31,–

26,–

VII

Balkon Rang

6.–8. Reihe 1.–3. Reihe

21,–

15,–

VIII

Säulenplätze Sitze mit Sichteinschränkung

Balkon Rang

10,–

Sitze mit Sichteinschränkung

Balkon

18,–

13,–

X

Rang Blocksitze

4.–8. Reihe

15,–

11,–

XI

Stehplätze 2)

6,– 5,–

XII

Rollstuhlstellplätze

9,–

IX

9,–

7,–

Alle Preise in Euro, inkl. Garderobe, inkl. gesetzlicher MwSt  Die Kategorie-Einteilung entspricht dem Saalplan auf Seite 112 (A). Die Preise für die Nebenspielstätten entnehmen Sie bitte dem Monatsspielplan bzw. der Website www.volkstheater.at Änderungen vorbehalten Preise I gelten bei Premieren und Sonderveranstaltungen. Geltende Preise entnehmen Sie der Webseite www.volkstheater.at oder unserem Monatsspielplan. 2) Aufgrund der geltenden Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus können Stehplätze momentan nicht verkauft werden. 1)

113

SPIELZEIT 20/21


On line

Vorverkauf

Karten schnell und einfach online kaufen unter www.volkstheater.at

Am 10. eines Monats beginnt der Vorverkauf für alle Vorstellungen des Folgemonats, für Abonnent*innen am 5. des Monats (fällt der 10. bzw. 5. auf einen Samstag, Sonn- oder Feiertag, beginnt der Vorverkauf am darauffolgenden Werktag).

Online gekaufte Karten können Sie mit p r i n t @ h o m e bequem zuhause ausdrucken oder mit der Auswahl „Ab­holung an der Abendkassa“ direkt vor der Vorstellung abholen.

Vorgezogene Vorverkaufsdaten entnehmen Sie bitte der Webseite unter www.volkstheater.at oder dem Monatsspielplan.

Kartenservice

Karten kaufen und reservieren

Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien Tel +43 1 52 111-400 kartenservice@volkstheater.at Bis Dezember 2020 finden Sie das Kartenservice noch im Ausweichquartier in der Museumstraße 5, 1070 Wien (hinter dem Volkstheater).

Ab Vorverkaufsstart erhalten Sie Karten an der Tageskassa für alle Spielstätten des Volkstheaters. Während der Öffnungszeiten haben Sie auch die Möglichkeit, telefonisch zu reservieren oder mit Kreditkarte zu kaufen. Reservierte Karten müssen bis zwei Tage vor dem Termin abgeholt werden (Sonderveranstaltungen vorgezogener Abholtermin).

Öffnungszeiten Tageskassa

Abholung von Gruppenreservierun­gen gesammelt bis sieben Werk­tage vor dem Termin. Bis 3. Jänner 2021 Montag bis Samstag

von 10:00 bis 18:00 Uhr (ausgenommen Sonn- und Feiertage, Karfreitag und Heiliger Abend).

Am Vorstellungstag selbst werden keine Reservierungen mehr angenommen. Bei telefonischer Buchung mit Kreditkarte können Sie Ihre Karten während der Öffnungszeiten oder direkt vor der Vorstellung an der Abendkassa abholen.

Neue Öffnungszeiten ab Jänner 2021 entnehmen Sie bitte der Webseite unter www.volkstheater.at oder dem Monatsspielplan.

Bitte beachten Sie, dass online nicht alle Ermäßigungen verfügbar sind, nehmen Sie dazu bitte Kontakt mit dem Kartenservice auf.

Öffnungszeiten Abendkassa Im Haupthaus und im Volks­­theater in den Bezirken öffnet die Abendkassa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Für die Dunkelkammer, die Rote Bar und im Volx öffnet die Abendkassa eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn.

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SPIELZEIT 20/21


Ermäßigungen an der Tageskassa

Weitere Ermäßigungen nur an der Abendkassa

• 45 % auf Einzelkarten mit Ö1 Intro-Card1) • 30 % Gruppen ab 30 Personen 2) • 20 % Gruppen ab 20 Personen2), Abonnent*innen des Volkstheaters und des Volkstheaters in den Bezirken, Dossier-Mitglieder1) • 10 % Gruppen ab 10 Personen 2), Mitglieder von Club Ö1 (nach einmaliger Registrierung an der Tageskassa auch online einlösbar!) und ClubWien.at, aktive Lehrer*innen1) • EUR 10,– für alle Besucher*innen unter 27; Arbeitssuchende, Zivil- und Präsenzdiener1)

Aktion Hunger auf Kunst und Kultur

F ür Schulklassen Es gibt vergünstigte Eintrittskarten zu EUR 10,– (ab Kategorie II) pro Schüler*in. Je Schulklasse ab 10 Schüler*innen ist eine Lehrer*innenkarte g r a t i s . Eine zweite Begleitperson erhält den Gruppenpreis, jede weitere Begleitung 10 % Ermäßigung auf den Kartenpreis. Buch- und bezahlbar sind die Karten ab dem 10. des Vormonats bis eine Woche vor dem Vorstellungstermin.

Senior*innenbonus Jeden Sonntag 25 % für Senior*innen ab dem 60. Lebensjahr1)

Kulturpassinhaber*innen erhalten Freikarten nach Verfügbarkeit – an der Abendkassa der Roten Bar, der Dunkelkammer, des Volx und des Volkstheaters in den Bezirken. Arbeitssuchende (ohne Kulturpass); Zivil- und Präsenzdiener1) erhalten ebenfalls im Haupthaus Restkarten um nur EUR 7,– an der Abendkassa

U27 Alle Besucher*innen unter 27 Jahren1), erhalten im Haupthaus Restkarten an der Abendkassa um nur EUR 7,– In der Dunkelkammer, der Roten Bar und im Volx gilt für alle Besucher*innen unter 27 Jahren1) ein ermäßigter Eintrittspreis von EUR 9,– bzw. EUR 6,–. Erhältlich sowohl im Vorverkauf an der Tageskassa des Volkstheaters als auch an der Abendkassa der jeweiligen Spielstätte.

Menschen mit besonderen Bedürfnis sen Menschen mit besonderen Bedürfnissen1) erhalten an der Tages- und Abendkassa -50% in allen Spielstätten des Volkstheaters.

Weitere Ermäßigungen und Angebote entnehmen Sie der Webseite www.volkstheater.at oder unserem Monatsspielplan. Gilt nicht für Premieren, Gastspiele und Sonderveranstaltungen.

1) 2)

Die Vorlage eines gültigen Ausweises ist erforderlich. Bei Gruppenermäßigungen: Abholung der Karten bis 18.00 Uhr an der Tageskassa

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SPIELZEIT 20/21


Abopreise neu

WA 5

35 %

Ersparnis ca.

U27

Nachkauf 1

fast 70% 35%

Kat I

169,–

85,–

34,–

Kat II

153,–

76,–

31,–

Kat III

133,–

67,–

27,–

Kat IV

111,–

55,–

22,–

Kat V

94,–

47,–

19,–

Kat VI

85,–

42,–

17,–

Kat VII

49,–

24,–

10,–

Ein Wahlabonnement beinhaltet fünf Wahlabo-Schecks. Sie haben volle Flexibilität und können die Schecks für alle Volkstheater-Vorstellungen einlösen (ausgenommen Premieren, Gastspiele und Sonderveranstaltungen). Die Schecks können an der Tageskassa sowie am Vorstellungstag auch an der Abendkassa gegen Karten eingetauscht werden, je nach Verfügbarkeit in der gewählten Preiskategorie. Für alle unter 27 Jahren gibt es das U27-Abo mit fast 70 % Ermäßigung auf den Wahlabo-Preis. Fünf Wahlabo-Schecks ab nur EUR 24,–!

Wahlabonnement

Alle Preise in Euro, inkl. Garderobe, inkl. gesetzliche MwSt. Die Kategorie-Einteilung entspricht dem Saalplan auf Seite 112 (A). Änderungen vorbehalten

Wahlabonnement 20/21

• ca. 35 % Ersparnis gegenüber dem Einzelkartenpreis • Nachkauf von Wahlaboschecks mit 35 % Ermäßigung in Einser-Schritten möglich (gleiche Kategorie) • Freier oder ermäßigter Eintritt bei allen PartnerTheatern der European Theatre Convention (beispielsweise Landestheater Linz, Schauspielhaus Graz oder Deutsches Theater Berlin) • Vorkaufsrecht ab dem 5. des Monats für den gesamten Folgemonat • Ein Gratisabonnement der Zeitschrift Bühne

1)

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Die Vorlage eines gültigen Ausweises ist erforderlich.

SPIELZEIT 20/21


V°T//Volkstheater

Audiodeskription

Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien Die Abendkassa im Volkstheater ist eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

An ausgewählten Spieltagen bietet das Volks­theater in Kooperation mit der Hilfsgemeinschaft der Blinden und dem Audio2Team eine Audiodeskription an. www.theater4all.at

V°T//Bezirke 18 Spielstätten in 14 Wiener Bezirken – eine Liste aller Spielstätten und weitere Informationen zum Abonnement des Volkstheaters in den Bezirken finden Sie auf den Seiten 118 bis 121.

V°T//Rote Bar Zugang über den Haupteingang des Volkstheaters oder Seiteneingang Burggasse (Zugang Kaffeehaus). Die Abendkassa in der Roten Bar ist eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn geöffnet.

Barrierefreier Zugang Das Volkstheater verfügt über bis zu acht Rollstuhlstellplätzen im Erdgeschoss. Voranmeldung bitte bis eine Woche vor dem jeweiligen Termin unter Tel +43 1 52 111-400. Die Rampe auf der Seite der Neustiftgasse ermöglicht den barrierefreien Zugang in den Theatersaal. Je zwei Behindertenparkplätze befinden sich in der Neustiftgasse 1 (08:00–22:00 Uhr). NEU: Die Rote Bar, der Weiße Salon und der Balkon sind durch einen Aufzug für Rollstuhlfahrer*innen erreichbar.

V°T//Weißer Salon Induktionsschleife

Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien

V°T//Dunkelkammer Zugang über den D u n k e l k a m m e r e i n g a n g (gegenüber Museumstraße 3 / Würstelstand). Die Abendkassa in der Dunkelkammer ist eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

V°T//Volx

NEU: Das Volkstheater hat ab der Spielzeit 20/21 eine Induktionsschleife im Haupthaus, die einen barrierefreien Theaterbesuch auch Personen mit induktionsfähiger Hörhilfe den Theaterbesuch ermöglicht. Die Plätze können über das Kartenservice gebucht werden, mehr Informationen erhalten Sie ebendort oder online auf www.volkstheater.at

Margaretenstraße 166, 1050 Wien Die Abendkassa im Volx ist eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn geöffnet.

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SPIELZEIT 20/21


V T/ /Bezirke

BARFUSS IM PARK von Regie Premiere

Neil Simon Doris Weiner 25. September 2020

VHS WIENER URANIA

#01 Do–Fr, 29.–30.10. #02 Mi–Do, 21.–22.01. #03 Do+Mi, 18.+24.03. #04 Do–Fr, 20.–21.05.

11. Bezirk, Simmeringer Hauptstr. 96a

#01 So, 11.10. #02 So, 20.12. #03 So, 07.03. #04 So, 09.05.

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

VZ LEPOLDSTADT 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

THEATER AKZENT

4. Bezirk, Theresianumgasse 18

#01 Fr, 16.10. Mi–Do, 21.–22.10.

#02 Mi–Fr, 06.–08.01. #03 Mi–Fr, 10.–12.03. #04 Mi–Fr, 21.–23.04.

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

118

15. Bezirk, Schwendergasse 42

#01 Sa, 10.10. #02 Sa, 19.12. #03 Sa, 06.03. #04 Sa, 29.05.

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

VHS OTTAKRING

#01 Mi, 07.10. #02 Mi, 25.11. #03 Mi, 17.02. #04 Mi, 28.04.

#01 So, 01.11. #02 So, 24.01. #03 So, 28.03. #04 So, 16.05.

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

19:00 Uhr 19:00 Uhr 19:00 Uhr 19:00 Uhr

VZ HEILIGENSTADT

13. Bezirk, Hofwiesengasse 48

19. Bezirk, Heiligenstädter Str. 155

#01 Sa, 03.10.

#01 Sa, 24.10. #02 Sa, 05.12. #03 Sa, 27.03. #04 Sa, 22.05.

16:00 /19:30 Uhr

Mo , 05.10. 19:30 Uhr Di, 06.10. 19:30 Uhr #02 Sa, 12.12. 16:00 /19:30 Uhr Mo , 14.12. 19:30 Uhr Di, 15.12. 19:30 Uhr #03 Sa, 20.02. 16:00 /19:30 Uhr Mo , 22.02. 19:30 Uhr Di, 23.02. 19:30 Uhr #04 Sa, 05.06. 16:00 /19:30 Uhr Mo , 07.06. 19:30 Uhr Di, 08.06. 19:30 Uhr

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

VZ RUDOLFSHEIMFÜNFHAUS

16. Bezirk, Ludo-Hartmann-Platz 7

VZ PAHO

Richard Alfieri Andy Hallwaxx 20. November 2020

12. Bezirk, Längenfeldgasse 13–15

VHS HIETZING

10. Bezirk, Ada-Christen-Gasse 2

#01 Di, 03.11. #02 Di, 05.01. #03 Di, 30.03. #04 Di, 18.05.

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

THEATERSAAL LÄNGENFELDGASSE

2. Bezirk, Praterstern 1

#01 Mo, 28.09. #02 Mo, 23.11. #03 Mo, 15.02. #04 Mo, 19.04.

von Regie Premiere

SiMM CITY

1. Bezirk, Uraniastraße 1

SECHS TANZSTUNDEN IN SECHS WOCHEN

SPIELZEIT 20/21

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr


WAS? WANN? WO?

DIE RECHERCHE-SHOW

HELDENPLÄTZE

von

von Regie Premiere

Ed. Hauswirth Pia Hierzegger Ed. Hauswirth 12. Februar 2021

Regie Premiere

VZ DÖBLING

VZ GROSSJEDLERSDORF

Calle Fuhr Calle Fuhr 16. April 2021

VZ ERLAA

19. Bezirk, Gatterburggasse 2a

21. Bezirk, Siemensstraße 17

23. Bezirk, Putzendoplergasse 4

#01 Mi, 14.10. #02 Mi, 09.12. #03 Mi, 17.03. #04 Mi, 19.05.

#01 Fr, 02.10. #02 Fr, 11.12. #03 Fr, 26.02. #04 Fr, 07.05.

#01 Do, 08.10. #02 Do, 03.12. #03 Do, 18.02. #04 Do, 29.04.

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

VZ BRIGITTENAU

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

VZ GROSSFELDSIEDLUNG

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

VZ LIESING

20. Bezirk, Raffaelgasse 11–13

21. Bezirk, Kürschnergasse 9

23. Bezirk, Liesinger Platz 3

#01 Fr, 25.09. #02 Fr, 20.11. #03 Fr, 12.02. #04 Fr, 16.04.

#01 So, 27.09. #02 So, 22.11. #03 So, 14.02. #04 So, 18.04.

#01 Do, 15.10. #02 Do, 17.12. #03 Do, 25.03. #04 Do, 27.05.

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

VZ FLORIDSDORF

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

VZ DONAUSTADT

21. Bezirk, Angerer Straße 14

22. Bezirk, Bernoullistraße 1

#01 Di, 27.10. #02 Di, 01.12. #03 Di, 16.03. #04 Di, 11.05.

#01 So –Mo, 18.–19.10. #02 So –Mo, 17.–18.01. #03 So –Mo, 21.–22.03. #04 So –Mo, 30.–31.05.

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

119

SPIELZEIT 20/21

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr

19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr 19:30 Uhr


Werden Sie Bezirke-Abonnent*in und besuchen Sie die Vorstellungen bei Ihnen ums Eck! • 4 Vorstellungen des Volkstheaters in Ihrem Bezirk • 1 Zusatzkarte für eine weitere Produktion im Volkstheater1) • 20 % Rabatt auf Vorstellungen im Volkstheater, der Roten Bar, der Dunkelkammer und im Volx1) • Vorkaufsrecht für Vorstellungen im Volkstheater ab dem 5. des Monats für den gesamten Folgemonat • Freier oder ermäßigter Eintritt bei allen PartnerTheatern der European Theatre Convention (beispielsweise Landestheater Linz, Schauspielhaus Graz oder Deutsches Theater Berlin) • Herbst-Special: eine Vorstellung zum Vorteils­preis von EUR 12,– für Vorstellungen gültig ab1) Saisonbeginn 21/22. Einlösbar für Vorstellungen bis 30. Dezember 2021.

… sind für Kurzentschlossene an der Abendkassa der jeweiligen Spielstätte beziehungsweise an der Tageskassa des Volkstheaters erhältlich.

Ermäßigungen V°T//Bezirke • 50 % für Menschen mit besonderen Bedürfnissen2) • 20 % für Volkstheater-Abonnent*innen, Dossier Mitglieder2) • 10 % Mitglieder von Club Ö12) (2 Karten pro Mitglied), aktive Lehrer*innen2) • EUR 10,– Schulgruppen (ausgenommen Institutionen der Erwachsenenbildung); alle Besucher*innen unter 27; Arbeitssuchende, Zivil- und Präsenzdiener2) • EUR 7,– Restkarten für alle unter 27 Jahren2) an der Abendkassa Kategorie Abo-Preis Einzelkarte

Abo-Bestellung und Beratung Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien Tel +43 1 52 111-77, bezirke@volkstheater.at Von Montag bis Freitag von 10:00 bis 14:00 Uhr (ausgenommen Feiertage, Karfreitag und Heiliger Abend)

A

88,– 28,–

B

74,– 24,–

C

56,– 19,–

D

35,– 14,–

Alle Preise in Euro. Abo-Preise zuzüglich EUR 3,– Verwaltungsgebühr

1) 2)

Gilt nicht für Premieren, Gastspiele und Sonderveranstaltungen. Die Vorlage eines gültigen Ausweises ist erforderlich.

120

SPIELZEIT 20/21


N

O

M

J

P

K L B A I

C

H F

E

G

D

Q

R

1. Bezirk VHS Wiener Urania / A Uraniastraße 1 2. Bezirk VZ Lepoldstadt / B Praterstern 1 4. Bezirk Theater Akzent / C Theresianumgasse 18 10. Bezirk VZ PAHO / D Ada-Christen-Gasse 2

121

11. Bezirk SiMM City / E Simmeringer Hauptstr. 96a 12. Bezirk Theatersaal Längenfeldgasse / F Längenfeldgasse 13–15 13. Bezirk VHS Hietzing / G Hofwiesengasse 48 15. Bezirk VZ Rudolfsheim Fünfhaus / H Schwendergasse 42

16. Bezirk VHS Ottakring / I Ludo-Hartmann-Platz 7 19. Bezirk VZ Heiligenstadt / J Heiligenstädter Str. 155 VZ Döbling / K Gatterburggasse 2a 20. Bezirk VZ Brigittenau / L Raffaelgasse 11–13

SPIELZEIT 20/21

21. Bezirk VZ Floridsdorf / M Angerer Straße 14 VZ Großjedlersdorf / Siemensstraße 17

N

VZ Großfeldsiedlung / Kürschnergasse 9 22. Bezirk VZ Donaustadt / P Bernoullistraße 1 23. Bezirk VZ Erlaa / Q Putzendoplergasse 4 VZ Liesing / R Liesinger Platz 3

O


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IMPRESSUM VERLEGER, HERAUSGEBER Volkstheater Ges.m.b.H. Arthur-Schnitzler-Platz 1, 1070 Wien info@volkstheater.at, Tel +43 1 52 111-0 Künstlerische Direktion KAY VOGES Kaufmännische Direktion CAY STEFAN URBANEK Redaktion KAY VOGES, CALLE FUHR, CHRISTOPH GURK, HENNING NASS, ANNE KATHRIN SCHULZ, MATTHIAS SEIER, JENNIFER WEISS Textredaktion CHRISTOPH GURK Chefin vom Dienst ENNA ZAGORAC Fotos Umschläge und Fotos zu den Stücken MARCEL URLAUB, marcelurlaub.com (S.6–17, 24–29, 32–39, 42, 43, 53–63, 66–68, 72, 73, 77–80, 86–95, 119–111, 122) Die diesjährigen Ensemblefotos wurden vom Ensemble selbst fotografiert – in Wien, München, Berlin, Göttingen und Dortmund. In Hamburg verwandelte Fotograf Marcel Urlaub die digitalen Dateien dann in analoge Sofortbild-Unikate. MARCEL URLAUB, marcelurlaub.com (S.2, 5, 45–52, 81–84, 101–118) Illustration S. 31 von RAGNAR KJARTANSSON Illustration S. 40 von JONATHAN MEESE Étude for an Emergency S. 44 NICOLE MARIANNA WYTYCZAK Uncanny Valley S. 64 GABRIELA NEEB Humane Methods [∑xhale] S. 74 PIERO TAURO Humane Methods [∑xhale] S. 75 GIADA SPERA Fotos im Volkstheater ULRIKE SCHILD (S. 18–23) Nackt & Mutiert Shutterstock (S. 71) Coronavirus Shutterstock (S. 71) Himmel über dem Volkstheater LUPI SPUMA (S. 85) Architekturfotos Baustelle WOLFGANG THALER wolfgangthaler.at (S. 96) Wienplan Adobe Stock (S. 121) Portraits Jonathan Meese RENE PÄPKE (S. 41) Florentina Holzinger APOLLONIA THERESA BITZAN (S. 44) Fahim Amir JAKOB GSÖLLPOINTNER (S. 69) Paul Wallfisch PHILIP LETHEN (S. 80) Grafik MARKUS GÖBL, TINA KNOLL Druck WALLA DRUCK Stand 1. Auflage, 02.11.2020 Druck- und Satzfehler sowie Änderungen vorbehalten


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