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Arbeit f체r den Frieden

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Ausgabe Oktober

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Volksbund Deutsche Kriegsgr채berf체rsorge e. V.


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Schwerpunkt Was bleibt?

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Serie: Suchdienste Ich bin so dankbar

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Grenzenlos Gemeinsam an den Gr채bern

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Aktuell Ein Tag wie kein anderer

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Gedenktag Heute erwacht die Vergangenheit


Vorwort

Inhalt

4/2012 Ausgabe Oktober

Schwerpunkt 4 Was bleibt? 10 Jahre Kriegsgräberstätte Groß-Nädlitz Maurice Bonkat Redakteur Stimme & Weg

Serie: Suchdienste 8 Ich bin so dankbar Internationaler Suchdienst übergibt Füllfederhalter Grenzenlos 10 Inneren Frieden gefunden Besuch auf dem Kriegsgefangenenfriedhof 12 Gemeinsam an den Gräbern 10 Jahre Kriegsgräberstätte Budaörs in Ungarn Jugendarbeit 15 Bildung für morgen Internationales Francas-Forum in Toulouse Bundeswehr 16 Wir können ein Zeichen setzen Bundeswehr arbeitet auf jüdischem Friedhof Workcamp 17 Alle zusammen! Internationales Workcamp in Karlsruhe 18 Ein Lied der Freundschaft 50 Jahre Jugendbegegnung in Cannock Chase Aktuell 20 Ein Tag wie kein anderer 50 Jahre Kriegsgräberstätte Andilly Leserreise 22 Unter einem guten Stern Kriegsgräberreise nach Königsberg Erzählen ist Erinnern 23 Buchreihe Band 105 – 109 Leserbriefe 24 Leserbriefe unserer Mitglieder Ein ganz besonderer Geburtstag Gedenktag 26 Heute erwacht die Vergangenheit Volksbund-Aktionen zum Weltfriedenstag 27 Coupons Namen & Nachrichten 28 Termine & Meldungen Namen, Nachrichten, Meldungen und Fotos 30 Impressum Danke für Ihre Hilfe! 30 Sie haben geholfen Spenden anstelle von ...

Liebe Leserinnen, liebe Leser, dies ist die letzte Ausgabe in der bisherigen, Ihnen bekannten Form. Aus Kostengründen haben wir uns dazu entschlossen, die Mitgliederzeitschrift des Volksbundes ab 2013 zweimal pro Jahr herauszugeben und bitten dafür um Ihr Verständnis. Das nächste Heft soll Anfang April 2013 herauskommen. Gleichzeitig werden wir aber dafür sorgen, dass Sie wie bisher alle wichtigen Informationen über die umfangreiche Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge erhalten. Dies geschieht künftig noch stärker als bisher über unsere Internetseite www.volksbund.de oder ganz klassisch per Brief. Zudem werden die beiden verbliebenen Ausgaben mit leicht erhöhter Seitenzahl erscheinen. In dieser Ausgabe lesen Sie mehr über die wichtigsten Veranstaltungen des Volksbundes auf verschiedenen deutschen Kriegsgräberstätten Europas, dem Wirken anderer Suchdienste wie des International Tracing Service (ITS) aus Bad Arolsen, von der internationalen Jugendarbeit des Volksbundes, der tatkräftigen Unterstützung durch die Bundeswehr und vieles mehr. Herzlichen Dank!

Ihr

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Spendenkonto: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Kontonummer: 3 222 999 • Commerzbank Kassel • Bankleitzahl: 520 400 21

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Beitrag und Spende per Telefon: 0561 – 7009 – 0 Bitte halten Sie Ihre Mitgliedsnummer bereit! Danke für Ihre Hilfe!

Maurice Bonkat

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Schwerpunkt

Was bleibt? 10 Jahre Kriegsgräberstätte Groß-Nädlitz

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anchmal ist es erschreckend. Hört man heute die Berichte der Angehörigen von Kriegstoten und Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges, ist das unendliche Leid auf allen Seiten kaum zu fassen. Immer wieder stellt sich die Frage: Warum? Auch die Tatsache, dass – und auf welche Weise – bis heute nach den Toten aus dieser dunklen Epoche gesucht wird, ist vielen nicht klar. Zumindest darauf geben die Volksbundmitarbeiter schon im Vorfeld der Gedenkveranstaltung anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Kriegsgräberstätte GroßNädlitz (Nadolice Wielkie/Polen) erhellende Antworten.

Umbetter informieren Was als erstes auffällt, ist der scharfe Kontrast zwischen der gepflegten Kriegsgräberstätte und ihrer Vorgeschichte. Davon hört man schon am Vorabend der Veranstaltung im Konferenzsaal eines nahe gelegenen Breslauer Hotels. Hier informieren die Volksbundumbetter Wolfgang Dietrich und Eric Goese Angehörige der Kriegstoten sehr konkret über ihre Arbeit. Übrigens kommen allein mit einer vierzigköpfigen Reisegruppe, die von Kassel aus anreist, neun Söhne, vier Töchter, ein Bruder und zwei Schwestern von Gefallenen nach Groß-Nädlitz. Sie sind beson-

ders an der Arbeit der Umbetter interessiert. Und die ist im Gegensatz zum heutigen Idyll der Friedhofsanlage nicht immer ansehnlich. In ihrem Diavortrag sieht man stattdessen völlig verwilderte Grablagen, verrostetes Kriegsmaterial und vor allem zahllose menschliche Gebeine. Diese liegen – wenn nicht wie zur Anfangszeit der Volksbundarbeit in Osteuropa offen verstreut oder in geplünderten Gräbern – häufig an Stellen, wo man sie nicht vermutet und die zudem einer Grabanlage nicht würdig sind. „Ohne die Hilfe von ortsansässigen Zeitzeugen, die uns die alten Grablagen

Etwa 250 Gäste kommen zu der Volksbund-Veranstaltung anlässlich des zehnjährigen Bestehens der deutschen Kriegsgräberstätte Groß-Nädlitz (Nadolice Wielkie/Polen) in Gedenken an die hier bestatteten Kriegstoten und als Mahnung zum Frieden. Fotos: Maurice Bonkat

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zeigen, würden wir wohl ohnehin kaum noch Gräber finden“, gibt Gruppenleiter Wolfgang Dietrich offen zu. Das Exhumieren inzwischen überwucherter Wehrmachtsgrablagen sei dabei noch das Leichteste. Schwierig werde es, wenn über den Gräbern im Laufe der vergangenen Jahrzehnte Straßen oder Bauwerke errichtet worden sind. Aber auch hier versuchen sie im Auftrag des Volksbundes und der Angehörigen noch das Unmögliche zu erreichen.

Alles hilft Haben sie Erfolg, ist der Ablauf immer der gleiche: Bei Genehmigung der Ausbettung, welche die polnische Partnerorganisation Pamiec (deutsch: Gedenken) erwirkt, wird nach Hinweisen des Volksbund-Gräbernachweises, der Deutschen Dienststelle in Berlin sowie der Zeitzeugen die vermutliche Stelle möglichst genau lokalisiert. Danach beginnen die Probegrabungen und schließlich die eigentliche

Beim Vortrag für die Angehörigen, an dem auch der Volksbund-Vizepräsident Prof. Volker Hannemann teilnimmt, ist es sehr still. Keiner ruckelt mit dem Stuhl, niemand bestellt Getränke oder blättert in irgendwelchen Prospekten. Auch als der Umbetter zum Thema der Erkennungsmarken kommt, ist ihm die allseitige Aufmerksamkeit gewiss. Denn die aus unterschiedlichen Materialien gefertigten und mit unterschiedlichen Kennzeichnungen beschrifteten Metallscheiben sind für die Identifizierung der Toten der wichtigste Anhaltspunkt. Doch leider sind sie manchmal nach Jahrzehnten im feuchten oder sauren Milieu des Bodens nicht mehr zu lesen. Außerdem fehlen sie häufig infolge von Grabplünderung. Daher richtet Dietrich einen dringenden Appell an die Angehörigen und alle Leser der Stimme&Weg: „Kaufen Sie keine Erkennungsmarken. Wenn Sie durch Grabräuber von den Toten entfernt werden, sind diese nicht mehr zu identifizieren. Ihr Schicksal wird dann für immer ungeklärt bleiben!“

Die Volksbundmitarbeiter Wolfgang Dietrich, Eric Goese und Robert Zaka (von links) informieren die Angehörigen über die Arbeit des Volksbundes.

Ausbettung. Dabei werden alle Gebeine sowie weitere Fundsachen sorgfältig geborgen und protokolliert. „Jeder Ring, jede Brille, jeder nach einem früheren Bruch wieder verheilte Knochen, jeder in das Kochgeschirr eingeritzte Name ist ein Hinweis, der vielleicht am Ende zur Identifizierung der Toten beiträgt. Alles kann uns helfen.“, erklärt Wolfgang Dietrich.

lagen, Umbettungen und heutiger Lage der Gräber auf der Kriegsgräberstätte in Groß-Nädlitz dabei. Manchmal erhält aber auch er von den Angehörigen neue Informationen. So kann er nach dem Gespräch mit den beiden Brüdern Dieter und Rudi Jedan den richtigen Geburtsort ihres Vaters Hermann in den Unterlagen ergänzen. Zugleich erfährt Prof. Dr. Dieter Jedan, der extra aus seiner neuen Heimat in Cape Girardeau (USA) angereist ist, erst hier das Todesdatum seines Vaters.

Zwei Brüder, zwei Schwestern Am Folgetag trifft man die Brüder auf der Kriegsgräberstätte wieder, über die der Volksbund-Landesverband Sachsen die Patenschaft übernommen hat. Noch kurz bevor dessen Vorsitzender, Prof. Dieter Landgraf-Dietz, die sächsische Landtags-Vizepräsidentin Andrea Dombois, Generalkonsul Dr. Gottfried Zeitz, Volksbund-Vizepräsident Prof. Volker Hannemann, Vizewoiwodin Ewa Mankowska

Dieter Jedan ist extra aus den Vereinigten Staaten angereist, um das Grab seines Vaters Hermann zu besuchen.

Erst nach dem beeindruckenden Vortrag, der aufgrund seiner teils schockierenden Bildern nicht für jedermann geeignet sein dürfte, stellen die Angehörigen ihre Fragen. Viele kann Robert Zaka vom Volksbund-Gräbernachweis beantworten. Manches wird wohl niemals endgültig geklärt werden. Dennoch hat Robert Zaka zahlreiche Unterlagen zu Ursprungsgrab-

und der Gemeinde-Bürgermeister Stefan Debski zu den Besuchern sprechen, stehen die Brüder vor der Stele mit dem Namen ihres Vaters. Dabei kommen die Erinnerungen hoch. Von dem Vater, den ihnen der Krieg viel zu früh genommen hat, wissen sie kaum etwas. Doch an die Vertreibung aus ihrer ursprünglichen Heimat und die leidvolle Zeit danach können sie

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sich schmerzlich erinnern. Auch dieses Leiden und der Verlust der Heimat sind in letzter Konsequenz für die Menschen, die heute zumeist in Wohlstand und Frieden leben, kaum zu begreifen. Ähnlich ist es auch mit dem Schicksal von Lieselotte Maisch und ihrer Schwester Elfriede Maisch-Doss. Für die Kriegsgräberstätte Groß-Nädlitz haben sie sogar einen der 600 Friedensbäume gespendet. Am Tag der Veranstaltung schmücken sie eine Kreuzgruppe unweit der Namenstele in Gedenken an ihren Bruder Robert Gustav Maisch mit Blumen, Tannenzweigen aus der Heimat und einem großen Foto. Als der große Bruder starb, war Elfriede bereits im Kindesalter und Lieselotte eine junge Frau. So erinnern sie sich noch sehr gut an ihn. „Ich weiß noch, wie ich ihm während seines Heimaturlaubes aufgrund von Erfrierungen immer die Füße einbalsamiert habe – und er mir dafür zehn Pfennige gegeben hat“, sagt Elfriede und kann dabei kaum ein erschütterndes Schluchzen unterdrücken. Dennoch ist sie froh, dass sie ihn noch so gut in Erinnerung hat. Seine Feldpostbriefe hütet sie wie einen Schatz. Auch der Volksbund ist ihr sehr wichtig. So hat sie schon zweimal mit großem Erfolg anlässlich eines runden Geburtstages um Spenden für den Volksbund gebeten. Übrigens war ihr verstorbener Mann, der zwei Brüder im Krieg verloren hat, bereits seit 1942 Mitglied im Volksbund. Auch die Gräber seiner Brüder möchte sie bald besuchen.

Es lohnt sich! Viele Informationen darüber hat Elfriede Maisch-Doss über die Gräbersuche des Volksbundes im Internet auf www.volksbund.de erhalten. Dazu rät sie auch den anderen Angehörigen: „Und wenn Sie keinen eigenen Internetanschluss haben, dann fragen sie doch einfach jüngere Verwandte oder Freunde – es lohnt sich!“ Jugendliche vom Sankt-Benno-Gymnasium Dresden sind heute ebenfalls unter den 250 Gästen der Gedenkveranstaltung. Lieselotte Maisch und ihre Schwester Elfriede Maisch-Doss haben das Grab ihres Bruders Robert Gustav Maisch aufwändig und sehr liebevoll geschmückt.

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und den polnischen Kameraden niedergelegten 25 Kränzen den Friedhof mit ihrer Farbenpracht schmücken.

Ein langer Weg

„Da ist er ja!“ – Diese Worte hört man häufig, wenn die Angehörigen die Namen ihrer verstorbenen Verwandten in den Namenbüchern entdecken.

In ihrer Schule gibt es Unterricht in deutscher und polnischer Sprache. So tragen Alexandra Kloppe und Elisabeth Sitzlack zwei Gedichte des Breslauers Tadeuzs Rozewicz zweisprachig vor. Freundschaftliches Verständnis hatten zuvor bereits die Soldaten der 5. und 8. Kompanie des Wachbataillons beim Bundesministerium für Verteidigung aus Berlin und des polnischen 1. Pionierregiments aus Brieg (Brzeg) bewiesen. Sie haben unter anderem den Friedhof gemeinsam für die Veranstal-

tung vorbereitet, die Bäume des Friedensparks beschnitten, neue Namenstelen gesetzt und auch die Blockkennzeichnungen erneuert. Diese unscheinbaren Kopfsteine sind für die Angehörigen sehr wichtig. Denn anhand der Informationen des Einbettungsplans kann man mit ihrer Hilfe die genauen Grablagen bestimmen. So sieht man verteilt auf dem Gelände kleine Metallschildchen mit den Namen der Kriegstoten, davor schöne Blumensträuße, die neben den vom Wachbataillon

Vielleicht erinnern sich die Angehörigen am Ende der ergreifenden Veranstaltung bei der offiziellen Verlesung der Namen ihrer verstorbenen Lieben wieder an den Kontrast zum Umbetter-Vortrag, an die zerschlagenen, teils verkohlten Knochen im freien Feld. Es ist ein langer Weg von dort bis zu diesem würdigen Ort. Viele Räder müssen präzise ineinander greifen, damit er gelingt. Doch am Ende steht die Frage, was bleibt? Was bergen diese Gräber neben den Gebeinen und ein paar wenigen Erinnerungsstücken? Gäste der Gedenkveranstaltung in Groß-Nädlitz und Förderer des Volksbundes können darauf womöglich eine Antwort geben: Denn was bleibt, ist nicht nur die individuelle Erinnerung – sondern auch die Aufforderung, die eindringliche Mahnung zum Frieden in den Mittelpunkt unserer Anstrengungen zu stellen. Maurice Bonkat

Blumengrüße für die Gefallenen: Am Ende der Gedenkveranstaltung liegen insgesamt 25 Kränze am Hochkreuz der Kriegsgräberstätte. Sie kommen von zahlreichen deutschen sowie polnischen staatlichen und humanitären Organisationen – sowie von den Angehörigen selbst.

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Serie: Suchdienste

Ich bin so dankbar Internationaler Suchdienst übergibt Füllfederhalter Vom KZ Sachsenhausen gelangten die beiden Onkel über das KZ Neuengamme schließlich in das zugehörige Außenlager KZ Watenstedt/Leinde und mussten in den Stahlwerken Braunschweig Schwerstarbeit leisten. Von dort kehrte nur einer der beiden Onkel völlig entkräftet zurück. Am Ende wog er 33 Kilogramm. Aufgrund der Folgen der Zwangsarbeit und Inhaftierung lebte er nur noch wenige Jahre. Er starb zwei Monate vor der Geburt seines Neffen, der schon lange versucht, das Schicksal seiner Familie zu klären.

Ein besonderer Moment: Manfred Kesting (rechts) vom Internationalen Suchdienst übergibt den Füllfederhalter eines Konzentrationslager-Insassen an den Angehörigen Dr. Willy Huybrechts.

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er Volksbund startet mit diesem Bericht eine Serie über die Suchdienste in Deutschland, die einen wichtigen Dienst leisten: Sie geben den Menschen Gewissheit – und die Möglichkeit, zumindest etwas Licht der Hoffnung in das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu bringen. Denn noch 67 Jahre nach Kriegsende gibt es in Europa Menschen, die im Ungewissen leben. Das Schicksal vieler NSund Kriegsopfer ist bis heute ungeklärt. Neben dem Volksbund gibt es zahlreiche Institutionen, die dabei helfen wollen. Dazu zählen auch der Internationale Suchdienst (International Tracing Service – ITS) aus Bad Arolsen sowie die Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Drütte im niedersächsischen Salzgitter.

Diesen beiden Organisationen gelang es, den Füllfederhalter des Konzentrationslager-Insassen Franciscus Broothaers an

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dessen Angehörigen Dr. Willy Huybrechts zu übergeben. Es war ein ergreifender Moment für alle Beteiligten.

Festgenommen und deportiert Alles begann vor nunmehr über 70 Jahren. Zunächst waren die beiden Onkel und der Großvater von Dr. Willy Huybrechts schon im Jahr 1941 als freiwillige Arbeitskräfte nach Deutschland gegangen, da es in ihrem Heimatort, der etwa 15 Kilometer südlich von Antwerpen liegt, keine Möglichkeit gab, die Familie ausreichend zu versorgen. Im September 1944 wurden sie dann festgenommen und in das KZ Sachsenhausen deportiert. Wahrscheinlich war es reine Willkür, welche sie dem ebenso ausgeklügelten wie grausamen Konzentrationslager- und Zwangsarbeitersystem der Nationalsozialisten auslieferte. So wurden auch Willy Huybrechts’ Verwandte ungewollt ein Teil der berüchtigten Herrmann-Göring-Werke.

Die Gebeine seines Onkels Franciscus wurden damals auf dem Friedhof mit dem bezeichnenden Namen „Jammertal“ bei Salzgitter beerdigt und auch von den Behörden verzeichnet. Davon wusste Willy Huybrechts nichts. Doch in den 80er-Jahren bemühten sich engagierte Bürger aus Salzgitter, das dunkle Erbe der Konzentrationslager und ihrer Opfer aufzuarbeiten. Aus dem 1983 gemeinsam mit dem Betriebsrat der bis heute bestehenden Stahlwerke gegründeten Arbeitskreis entstand 1994 schließlich eine Gedenk- und Dokumentationsstätte. Dessen Leiterin Elke Zacharias bemühte sich fortan um die Schicksalsklärung der Insassen. Zudem sorgte sie im Verbund mit dem Betriebsrat dafür, dass die Namen der Opfer in würdigen Gedenkbüchern aus Metall für die Nachwelt erhalten blieben. Neben zahlreichen Aufgaben der pädagogischen Geschichtsvermittlung betreibt sie aber dank der Unterstützung der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten auch wichtige Forschungsarbeit. Hier kommt der Internationale Suchdienst (ITS) ins Spiel. Als Elke Zacharias und ihre Mitarbeiterin Maike Weth Anfang Mai in den umfangreichen Archiven des in Bad Arolsen ansässigen ITS forschen, ereignet sich ein bemerkenswerter und zugleich glücklicher Zufall. Denn in diesem Moment erreicht sie über ihren mitgebrachten Lap-


Serie: Suchdienste

gendwie ist sein Grab übersehen worden. Hier ist wohl ein tragischer Fehler passiert“, sagt die Gedenkstättenleiterin. Dann bekommt Willy Huybrechts von Manfred Kesting neben den Kopien sämtlicher Dokumente auch ein unendlich wertvolles Erinnerungsstück. Es ist der Füllfederhalter seines Onkels Franciscus. „Ich kann es gar nicht fassen, dass er über so viele Jahre erhalten blieb. Das alles ist so unglaublich. Es zugleich erschreckend und beeindruckend. Ich bin Ihnen so unendlich dankbar, was Sie für mich getan haben!“, sagt Willy Huybrechts.

Das Foto zeigt den Füllfederhalter von Franciscus Broothaers samt den zugehörigen Auszügen aus den Lagerakten, die beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen archiviert sind. Fotos: Maurice Bonkat

top eine E-Mail des Angehörigen Willy Huybrechts aus Belgien. „Ich hatte nur wenige Anhaltspunkte“, sagt er heute. „Neben den Fotos aus dem Schlafzimmer meiner inzwischen verstorbenen Mutter gab es nur eine Todesmeldung der belgischen Administration und einen Rückumschlag aus dem KZ Sachsenhausen, auf dem es hieß, dass mein Großvater jetzt in Neuengamme sei. So nahm ich schließlich Kontakt mit der Gedenkstätte KZ Drütte auf. Was daraus letztlich werden würde, hätte ich nie zu hoffen gewagt“, erinnert er sich heute. Willy Huybrechts berichtet über das Schicksal seiner Familie im Zweiten Weltkrieg.

2 900 Effekten vorhanden Als Elke Zacharias seine Mail liest, gibt sie sofort die Daten seiner Verwandten in das System des ITS ein – mit Erfolg. Es gibt zahlreiche Informationen und sogar eine so genannte Effektentüte. Die Effekten sind Gegenstände, welche den KZInsassen bei ihrer Inhaftierung abgenommen wurden. „Etwa 2 900 sind bis heute erhalten“, sagt Manfred Kesting vom ITS. Er ist Abteilungsleiter für Auswertung und Dokumentation, also Experte für die Unterlagen, welche die Schicksale der Opfer des Nationalsozialismus festhalten. Und heute sitzt er in den hellen Räumen der Gedenkstätte KZ Drütte an der Seite von Willy Huybrechts. Es ist ein beeindruckender, ein ergreifender Moment, als er die über viele Jahrzehnte aufbewahrten historischen Papiere vor ihm ausbreitet: Häftlingsnummer, Lagerlisten, Todesursache, Bestattungsliste und vieles mehr sind bis heute erhalten geblieben. Huybrechts muss schlucken. Man merkt ihm an, dass er versucht, seine Gefühle zu ordnen. Es fällt ihm sichtlich schwer. Schon am Morgen hatte er gemeinsam mit Elke Zacharias das Grab seines Onkels auf dem Friedhof Jammertal bei Salzgitter besucht. „Von dort hätte die belgische Regierung bereits in der damaligen Aktion von 1954 die Gebeine seines Onkels wie so viele andere exhumieren und nach Belgien überführen sollen. Doch ir-

In den Broschüren des ITS, deren 30 Millionen Dokumente und 50 Millionen Hinweiskarten umfassende Namenkartei zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen für Angehörige und Forschung zur Verfügung stehen, liest man einen bemerkenswerten Satz: „Wenn die Zeitzeugen eines Tages verschwunden sein werden, sind es die Dokumente, die über das Schicksal der Opfer des nationalsozialistischen Schreckensherrschaft Auskunft geben müssen.“ Dies konnte man am Beispiel von Willy Huybrechts konkret erleben – und vor allem in besonderer Weise mitfühlen. Maurice Bonkat

International Tracing Service (ITS) In seinem Leitbild bekennt sich der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen (ITS) zum Dienst für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und deren Angehörige, indem er ihr Schicksal mit Hilfe seines Archivs dokumentiert und auswertet. Diese Bestände sind einzigartig in ihrem Umfang und ihrer Bedeutung. Der ITS bewahrt diese historischen Zeugnisse, beantwortet Anfragen von Überlebenden sowie Familienangehörigen und macht das Archiv für Forschung und Bildung nutzbar. Mit Hilfe der Dokumente können auch heute noch viele Schicksale aufgeklärt werden. Internationaler Suchdienst (ITS) Große Allee 5 - 9 • 34454 Bad Arolsen Tel.: 05691 – 629 – 0 • Fax: – 501 E-Mail: email@its-arolsen.org Internet: www.its-arolsen.org

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Inneren Frieden gefunden Besuch auf dem Kriegsgefangenenfriedhof

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s ist ein weiter Weg von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku bis in den Südringgau. Iman Zeynalov hat ihn Anfang Juli zum vierten Mal auf sich genommen. 1985 war es noch eine Sensation, als er zum ersten Mal das Grab seines Vaters Dadash auf der sowjetischen Kriegsgräberstätte in Herleshausen aufsuchte. 1989 und 1991 kam er wieder. Jetzt bei seiner vierten Reise begleitet ihn erstmals seine Frau Sujahat, und das Verhältnis zu seinen Gastgebern ist nahezu familiär geworden. Der mittlerweile 71-jährige pensionierte Lehrer aus Aserbaidschan hat über die Jahre hinweg Freunde und Bewunderer in der nordhessischen Gemeinde gefunden. Der Empfang ist überaus herzlich und alle

freuen sich, dass Zeynalov auch schon etwas Deutsch spricht.

Erinnerung an die Vergangenheit und die Opfer der Kriege pflegt“, sagt Zeynalov.

Trotz der Sommerferien sind etliche Schülerinnen und Schüler der Südringgauschule auf den Friedhof gekommen. Sie haben Blumen mitgebracht und beobachten etwas verunsichert das muslimische Trauerritual, das die Gäste am Grab von Dadash Zeynalov abhalten. Diese Art des Totengedenkens ist ihnen nicht vertraut. Anschließend stellen sie Fragen über das Leben im fernen Aserbaidschan und begleiten das Paar fast eine Stunde lang über den Friedhof. Zum Abschied stimmen sie, ohne dass es abgesprochen war, ein Lied zu Ehren der beiden an. „Sujahat und ich sind sehr dankbar und wir sind gerührt, dass die junge Generation die

Bürgermeister Helmut Schmidt hat Schilder mit Fotos und Lebensdaten an mehreren Gräbern aufstellen lassen, er trägt einen Kanister mit Wasser für die Blumen mit sich und erläutert die Geschichte des Friedhofes. Sein Amtsvorgänger Uwe Hartmann, den seit 1985 eine enge Freundschaft mit Zeynalov verbindet, filmt alle Einzelheiten des Zusammentreffens. Denn in Baku erwartet man einen ausführlichen Bericht, der auch im Fernsehen gezeigt werden soll.

Bei seiner vierten Reise nach Herleshausen begleitet ihn erstmals seine Frau: Sujahat und Iman Zeynalow beten am Grab. Rechts sieht man ihn im Gespräch mit Jugendlichen. Fotos: Fritz Kirchmeier

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In Herleshausen sind 1 593 Kriegsgefangene aus der ehemaligen Sowjetunion begraben, die nach jahrelanger Zwangsarbeit 1942 bis 1945 an Krankheiten und Auszehrung starben. Dank der Hartnäckigkeit des damaligen Bürgermeisters Karl Fehr wurden sie ordentlich bestattet und es sind auch fast alle Namen und Lebensdaten bekannt. Dennoch konnte Iman Zeynalov erst 1976 in Erfahrung bringen, dass sein Vater in Herleshausen begraben war. Im November 1985 klopfte er schüchtern an die Tür der Gemeindeverwaltung. Niemand war auf seinen Besuch vorbereitet, aber noch am gleichen Tag ging der


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jahrzehntelang gehegte Wunsch eines Mannes in Erfüllung, der seinen Vater nie kennengelernt hat. Endlich stand er an seinem Grab.

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Nach seiner Rückkehr berichtete die aserbaidschanische Presse über seine Reise. Es erreichten ihn Anfragen aus dem ganzen Land, in denen er um Hilfe bei der Suche nach den Gräbern von Angehörigen in Deutschland gebeten wurde. Zeynalov half, so gut er konnte, und veröffentlichte alle aserbaidschanischen Namen, die er in Herleshausen notiert hatte. So erfüllt er bei seinem jetzigen Besuch auch die Bitte eines über 80-jährigen Angehörigen, dessen Bruder ebenfalls in Herleshausen begraben ist. Er heißt Farman Jusejnow und liegt in Reihe 44. Stellvertretend für den Bruder betet Zeynalov an Farmans Grab, lässt die Namenplatte fotografieren und nimmt ein Blumenglas voll Erde mit nach Hause. Zehn Tage war Zeynalov alt, als sein Vater zur Sowjetarmee eingezogen wurde. Es hat lange gedauert, bis der vaterlos aufwachsende Junge begriff, dass er das Schicksal von Millionen teilte. Doch in Herleshausen fand er inneren Frieden. Der Krieg aber holte ihn wieder ein. Vor 19 Jahren, während des Konfliktes um die Region Bergkarabach wurde sein Haus nahe der Kreisstadt Fizuli zerstört, er und seine Familie wurden vertrieben. Das erklärt auch die lange Zeit bis zu seinem vierten Besuch in Herleshausen. Fritz Kirchmeier

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Gemeinsam an den Gräbern 10 Jahre Kriegsgräberstätte Budaörs in Ungarn

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emper Communis – der lateinische Leitspruch des Objektschutzregiments der Luftwaffe aus Schortens bedeutet immer gemeinsam. Diese Worte beschreiben sehr gut, was sich bei der Gedenkveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der deutsch-ungarischen Kriegsgräberstätte Budaörs ereignet: Es ist ein durch das Zusammenspiel von freiwilligen Helfern der Bundeswehr, hochrangigen Vertretern beider Länder sowie vor allem der Angehörigen der Kriegstoten bewegender Tag. Dieses eindrucksvolle Gedenken erleben und gestalten alle gemeinsam.

Seite an Seite Schon lange bevor die ersten Stühle und Bänke für die Gäste auf der malerischen Kriegsgräberstätte zurechtgerückt werden, machen sich die zehn Soldaten aus dem Norden Deutschlands ans Werk. Sie haben einiges vor. Neben den umfangreichen Maler-, Metall- und Wegebauarbeiten wollen sie die Namenszüge auf fast 300 Grabsteinen nachzeichnen. Die etwa 350 Gäste, die am 23. Juni erwartet werden, sollen deutlich lesen können, wer

hier beerdigt wurde. Insgesamt sind es über 14 000 Kriegsopfer aus Deutschland und Ungarn. Hier finden sich ihre Gräber in direkter Nachbarschaft, Seite an Seite. Einer, der diese Nähe aus seinem persönlichen Lebensweg nachvollziehen kann, ist der Soldat Adam Ambrus. Er ist einer der Freiwilligen und wurde vor 26 Jahren im ungarischen Ort Mosonmagyaróvár geboren, bevor er als Kind mit seiner Familie nach Deutschland übersiedelte. Seit 2008 ist er Zeitsoldat der Bundeswehr. „Hier zu sein war für mich bewegend, denn im Herzen bin ich Ungarn immer verbunden“, sagt der 26-Jährige. Für seine andauernde sprachliche Hilfe im anfänglich noch fremden Land erhält er von Vorgesetzen und Kameraden großes Lob: „Er hat nicht nur wörtlich übersetzt, was wir gesagt, sondern auch was wir gedacht haben“, meint sein Kamerad Robert Ziemann, der übrigens in Polen geboren wurde. Zufälligerweise bilden diese beiden auch die Ehrenformation während einer Gedenkstunde an den Gräbern ungarischer Kriegstoter in einem kleinen Ort unweit der großen Kriegsgräberstätte.

Die gemeinsame deutsch-ungarische Gedenkveranstaltung auf der Kriegsgräberstätte in Budaörs wird den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben.

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Fremde als Freunde Hauptmann Karsten Senne, der den freiwilligen Arbeitseinsatz leitet, spricht seinen Soldaten für den gesamten Einsatz die größte Anerkennung aus: „Hier hat wirklich ein Rädchen ins andere gegriffen. Alle haben sich hervorragend eingebracht und so gemeinschaftlich zum Gelingen beigetragen. Dabei waren es neben der reinen Arbeit vor allem die zahlreichen zwischenmenschlichen Begegnungen, die in Erinnerung bleiben. Wir kommen sicher wieder!“ Dies liegt auch daran, dass sie während ihrer umfangreichen Tätigkeiten unerwartete Hilfe erhalten. Denn der Ungar Tibor Szebes und zwei seiner Freunde besuchen zufällig die Kriegsgräberstätte und kommen mit den Deutschen ins Gespräch. Spontan entscheiden sie sich zur Mitarbeit – und ihre Hilfe wird gerne angenommen. Drei Tage lang bleiben sie und sprechen am Ende zusätzlich noch persönliche Einladungen aus. So werden aus Fremden schließlich Freunde. „Dieselbe Gastfreundschaft haben wir auch in der Kaserne des Budapester Wachbataillons erfahren, wo sogar die deutsche Flagge gehisst wurde“, sagt Stabsfeldwebel Dirk Jacob. Auch heute wehen auf der Kriegsgräberstätte deutsche und ungarische Flaggen nebeneinander. Dies sehen auch die zahlreichen Besucher, unter denen sich auch Nachkommen der Kriegstoten befinden. Einer dieser Angehörigen ist zugleich als politischer Repräsentant Deutschlands hier. Denn dem Großvater des deutschen Staatssekretärs Michael Büge hat der Volksbund hier ein würdiges Grab gegeben. Gemeinsam mit den anderen Angehörigen nutzt der Staatssekretär daher noch vor der Veranstaltung die Gelegenheit, vor den Gräbern innezuhalten. Michael Büge hat selbst viel dazu beigetragen, dieses Gedenken zu ermöglichen: Denn die Deutsche Dienststelle für die


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Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (kurz: Deutsche Dienststelle) ist seiner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales angegliedert. Gemeinsam mit dem Volksbund sorgt die Deutsche Dienststelle dafür, dass die Toten ihre Namen zurückerhalten.

Danke für die Friedensarbeit Dies würdigt auch der ungarische Verteidigungsminister Csaba Hende in seiner Rede, die er teils in deutscher Sprache hält. Unter anderem zitiert er dabei die Lieder „Maikäfer flieg!“ und „Ich hatt’ einen Kameraden“, welche die Gefühle vieler Angehörigen treffend beschreiben. Zugleich bedankt er sich bei der Deutschen Dienststelle und dem Volksbund: „Die von Ihnen geleistete Arbeit hat uns alle hier im Glauben und in der Hoffnung auf Frieden zusammen gebracht. Ich danke Ihnen für Ihre Friedensarbeit!“ Den gleichen Dank äußern auch der deutsche Botschafter Dr. Matei Ion Hoffmann und Bri-

gadegeneral Dieter Dammjacob, die sich nach der Veranstaltung gemeinsam mit Volksbundpräsident Reinhard Führer noch persönlich bei den fleißigen Soldaten aus Schortens für ihre Arbeit auf der deutschungarischen Kriegsgräberstätte bedanken. Auch Tamasz Wittinghoff, der Bürgermeister von Budaörs (ehemals: Wudersch), findet lobende Worte: „Ich bin froh, dass sie hier sind – und stolz, dass sich diese Kriegsgräberstätte in meiner Gemeinde befindet.“

Gräbernachweis die dabei erstellten Umbettungsprotokolle und senden sie zur amtlichen Bestätigung an die Deutsche Dienststelle in Berlin. So werden – wenn möglich – auch ihre Identitäten wiederhergestellt und die Angehörigen benachrichtigt. Die so gesicherten Namen werden dann wiederum vom Volksbund auf den Grabsteinen, Namenstelen und in Gedenkbüchern verewigt.

Die gute Zusammenarbeit von Ungarn und Deutschen zeigt sich nicht nur während der Gedenkveranstaltung, sondern auch in der Gräbersuche vor Ort. Verkürzt gesagt stellen dabei die Deutsche Dienststelle und der Volksbund jene Unterlagen und Informationen zur Verfügung, welche die Umbetter mit Unterstützung der ungarischen Armee und fachkundiger Ortskräfte in die Lage versetzt, die Kriegstoten aus verstreuten und teils unwürdigen Grablagen zu bergen. Anschließend bearbeiten die Volksbundmitarbeiter im

Diesen Weg von der Grabsuche bis hin zur den Grabsteinen erläutern die Volksbundumbetter Wolfgang Dietrich und Eric Goese einigen interessierten Angehörigen übrigens bereits vorab in einem ausführlichen Vortrag: „Wir finden die Gräber überall, verstreut auf freiem Feld, neben den Straßen, in Gärten und sogar unter Spielplätzen. Manche werden wir aber wohl nie mehr bergen können“, sagen sie ganz offen. Später nutzen viele Angehörige die Möglichkeit, die Fachleute nach den Details ihrer ebenso schwieri-

Wir finden die Gräber überall!

Über 14 000 Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges aus Deutschland und Ungarn sind auf der idyllisch gelegenen Anlage bestattet. Im Vordergrund sieht man ein besonders schön gestaltetes Namenbuch. Fotos: Maurice Bonkat

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Volksbundpräsident Reinhard Führer und der ungarische Verteidigungsminister Csaba Hende (v. l.)

Die freiwilligen Helfer des Objektschutzregiments der Luftwaffe aus Schortens arbeiten bis kurz vor der Veranstaltung auf der Kriegsgräberstätte Budaörs. Foto: Bundeswehr

gen wie umfangreichen Arbeit zu befragen. Zudem steht auch der Gräbernachweis-Experte Robert Zaka am Folgetag den Angehörigen während der Veranstaltung in Budaörs hilfreich zur Seite.

er am 19. November 1944 auch fiel. Tragischerweise hatte seine Mutter an ihrem Geburtstag von diesem Unglück geträumt. Sein Bruder Paul hatte von einem seiner Enkel erst am Sterbebett von der neuen Grablage erfahren und keine Möglichkeit mehr gehabt, von seinem Lieblingsbruder Abschied zu nehmen. Dies holt nun sein Enkel Arne Schrader mit einem Blumengruß der Familie und einem stillen Gebet nach. Er ist zugleich Organisator und Moderator der gemeinsamen Gedenkveranstaltung in Budaörs und zutiefst dankbar für die Gastfreundschaft, die er hier erlebt.

Tränen nach 70 Jahren Während der Gedenkveranstaltung in Budaörs wird die humanitäre Bedeutung dieser umfangreichen Bemühungen spürbar. Überall auf der sehr idyllisch gestalteMichael Büge ten und weitläufigen Kriegsgräberstätte samt gestiftetem Friedenspark sieht man die Menschen innehalten. Sie stehen vor den Gräbern, machen Fotos, tauschen sich aus oder beten. Auch manche Träne fließt noch nach nunmehr 70 Jahren. Michael Büge hat sich ebenfalls intensiv mit dem Schicksal seines Großvaters auseinandergesetzt. Zuhause hat er sogar die Erkennungsmarke, Fotos und Feldpost von Wilhelm Büge. Gemeinsam mit Ehefrau Melanie legt er Blumen nieder. „Das ist für mich ein bewegender Moment. Ich bin sehr glücklich darüber, dass dies möglich geworden ist“, sagt er. Ähnlich geht es auch einem anderen Beteiligten der Veranstaltung, dessen Großonkel Kurt Herrmann hierher umgebettet wurde. Überraschenderweise diente dieser als gebürtiger deutscher Oberschlesier bis zu seiner Gefangennahme durch die Rote Arme zwangsweise zunächst als polnischer Soldat. Nach seiner Entlassung trug er dann die deutsche Uniform, in der

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Busreisen zu den Gräbern Einige deutsche Gäste haben zuvor mit ihren Bussen auch an anderen deutschen Kriegsgräberstätten Halt gemacht. „Diese Reisen sind für die Angehörigen sehr wichtig. Einige kommen auf diese Weise zum ersten Mal an die Gräber, andere sind bereits Stammgäste“, sagt Kaspar Becher. Er ist der Bezirksgeschäftsführer des Volksbund aus der Oberpfalz. Zuvor hatte er mit seiner Gruppe bereits die Kriegsgräberstätten in Böhönye und Székesfehérvár (ehemals: Stuhlweißenburg) besucht. In Böhönye übergab Rupert Faltermeier aus Steinsberg, der mit seiner Reservistengruppe vergangenes Jahr die Wege auf der Kriegsgräberstätte vollständig renoviert hatte, eine Erinnerungsplakette an den ortsansässigen Georg Schwarz. Der hatte sich während des Arbeitseinsatzes liebevoll um die oberpfälzischen Reservisten gekümmert. Ähnliches leistet heute auch Kaspar Becher für seine Reisegruppe. Wie so oft fungiert er nicht nur als Reiseleiter, son-

dern vor allem als zuvorkommender und herzlicher Betreuer. Dies kann nicht nur Familie Wechselberger bestätigen. Willibald, seine Ehefrau Magdalene sowie die Schwestern Maria, Elfriede und Therese sind schon seit 1999 regelmäßig am Grab ihres Vaters Johann. Deswegen haben sie auf der schönen Anlage von Budaörs sogar einen Friedensbaum gespendet. Die 35-jährige Birgit Bender ist dagegen erstmals hier. Als sie am Grab ihres Großonkels steht, den sie über die Gräbersuche auf www.volksbund.de fand, muss sie plötzlich weinen. Dabei hat sie Johann Binder niemals kennen gelernt. „Ich weiß auch nicht, warum die Tränen kamen. Aber es war so ein überwältigendes Gefühl – und ich finde es einfach super, dass es diesen Ort überhaupt gibt“, sagt sie. Neben der 91-jährigen Marie-Louise Hellion aus dem französischen Briancon, die hier das Grab ihres ersten Ehemannes Walter Grünewald besucht, ist Leopold Kanus der älteste Teilnehmer. Der ehemalige Bataillonskommandeur der Bundeswehr ist 87 Jahre alt und kommt in Gedenken an seinen in Ungarn gefallenen Bruder Emil nach Budaörs. Noch gut erinnert er sich daran, dass der Bruder nur sehr ungern und mit trauriger Stimmung in den Krieg zog. Vor allem die Trennung von der Familie habe ihn sehr belastet. Am Ende stehen sie alle – Jung und Alt, Deutsche und Ungarn, Soldaten, Politiker und Angehörige – vor dem Hochkreuz zum Gebet und Gedenken. Ein friedliches Europa kann Wirklichkeit sein – wenn wir alle es wollen. Maurice Bonkat


Jugendarbeit

Bildung für morgen Internationales Francas-Forum in Toulouse

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ildung für morgen – so lautete für über 1 500 Bildungsakteure aus ganz Frankreich, Europa, Amerika und Afrika Ende Juni das Motto des FrancasForums in Toulouse. Dazu lud der Nationalverband der Francas (Les Francas), eine französische Bewegung der außerschulischen Bildung, zu vier Tagen Austausch, Begegnung, Fortbildung und Diskussion ein. Wesentlicher Bestandteil dieser Veranstaltung waren neben täglichen Vorträgen so genannte Projektagoren, in denen sich 250 Bildungsprojekte lokaler Initiativen und internationaler Partner vorstellten. Zusätzlich gab es zahlreiche Workshops zu aktuellen Bildungsfragen.

Bildungsansatz des Volksbundes Joëlle Krieger, stellvertretende Leiterin unserer internationalen Begegnungs- und Bildungsstätte (JBS) Albert Schweitzer im französischen Niederbronn und Konstantin Dittrich, Jugendreferent im Landesverband Hessen, erläuterten unser Bildungskonzept: in regionalen, nationalen und interkulturell-europäischen Projekten an und mit Kriegsgräber- und Gedenkstätten Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine differenzierte Auseinandersetzung mit Geschichte zu ermöglichen. In der Herstellung von Bezügen zu aktuellen Themen und der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen werden sie dafür motiviert, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen. Damit nutzt der Volksbund das friedenspädagogische Potential der Kriegsgräberstätten, die er im öffentlichen Auftrag als wichtige Gedenkorte erhält. Hier sind die Auswirkungen von Krieg, Nationalismus und Gewalt in eindrücklicher Weise noch heute gegenwärtig. Joëlle Krieger beteiligte sich zudem mit einem Referat zum interkulturellen Ler-

Großes Interesse am Bildungsansatz des Volksbundes gab es auf dem internationalen Forum der Francas. Text und Fotos: Konstantin Dittrich

nen in den Projekten der Begegnungsstätte im Elsass zum Thema „Europa – europäische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“. Für die europäischen Delegationen der Partnerorganisationen ergänzten Arbeitsphasen unter der Fragestellung „Jugendengagement und Jugendorganisationen in Europa: Welche Aktionen, welche Überlegungen?“ das Programm des Forums.

Projekt-Partner: Les Francas Die Francas sind ein Nationalverband von „Centres de Loisirs“ (Freizeitzentren) und eine Bewegung der „Education populaire“ (außerschulische Bildung). Seit 1944 schließen sich Männer und Frauen der Bewegung an, um sich für Bildung und die soziale und kulturelle Förderung von Kindern und Jugendlichen stark zu machen. Die Francas sind eine gemeinnützige Organisation, die von den Ministerien für Bildung, Jugend und Sport sowie Vereinswesen als Träger der außerschulischen Bildung anerkannt sind. Die Francas kooperieren international mit 77 Jugend- und Nicht-RegierungsOrganisationen in 45 Ländern. Darunter ist seit 2012 auch der Volksbund. Für 2013 planen beide Vereine erste gemeinsame Projekte und deutschfranzösische Jugendbegegnungen. www.francas.asso.fr JBS Niederbronn-les-Bains Centre de Rencontre pour la Jeunesse 17, Rue du Cimitière F-67110 Niederbronn-les-Bains Tel.: (0033) 388 80 81 27 Fax: (0033) 388 80 82 26

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Bundeswehr

Wir können ein Zeichen setzen Bundeswehr arbeitet auf jüdischem Friedhof

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er Friedhof der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel in Berlin-Weißensee ist ein besonderer Ort. Unter alten Bäumen zeugen verwitterte und zum Teil umgestürzte Grabsteine mit hebräischen Schriftzeichen von der langen gemeinsamen deutsch-jüdischen Geschichte. Aber auch die schreckliche Vergangenheit bleibt stets im Hinterkopf. Traditionell haben jüdische Verstorbene ewiges Ruherecht. Für die Erhaltung der Grabanlagen sind die Angehörigen oder die jüdischen Gemeinden zuständig. Doch nicht immer ist genug Geld vorhanden, wie etwa bei der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel zu Berlin. „Viele alte Gräber sind verwaist, baufällig oder gar eingefallen und werden von den Familien schon lange nicht mehr gepflegt. Auch dies ist eine Folge der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. Hier musste etwas geschehen“, sagt Max-Georg Freiherr von Korff, Bundeswehrbeauftragter des Volksbundes in Berlin. „Bis auf Hüfthöhe stand das Gras auf den Wegen“, berichtet Hauptfeldwebel Thomas Friedrich, Kommandoführer der insgesamt 17 Soldaten und Reservisten. Das Arbeitskommando aus Soldaten des Wachbataillons, des Feldjägerbataillons

350 und des Standortkommandos sowie Reservisten der Landesgruppe Berlin des Verbandes der Reservisten der Bundeswehr (VdRBw) pflegen im Juni die jüdischen Gräber, harken und fällen sogar Bäume. Sie wollen einen Beitrag leisten, zeigen, dass die Bundeswehr sich ihrer geschichtlichen Verantwortung stellt. „Wir können nichts für unsere Vergangenheit“, sagt Hauptfeldwebel Friedrich, „aber wir können heute ein Zeichen setzen.“ Einige Reservisten haben seit Beginn an diesen Einsätzen teilgenommen. Alle Soldaten und Reservisten leisten ihren Arbeitseinsatz freiwillig. Sie opfern dafür ihre Freizeit oder Teile ihres Urlaubs. Organisatorisch verantwortlich ist der Volksbund. Schon zum elften Mal hat der Volksbund hier einen Bundeswehr-Arbeitseinsatz organisiert. Volksbund und Bundeswehr arbeiten seit Jahrzehnten bei der Pflege von Kriegsgräberstätten zusammen. Doch der Arbeitseinsatz auf den jüdischen Friedhöfen hat einen besonderen Stellenwert und ist angesichts der deutschen Vergangenheit nicht nur ein besonderes Anliegen von Brigadegeneral Peter Braunstein, Kommandeur des Standortkommandos Berlin. „Dieser Einsatz ist aktive politische Bildung für unsere Soldaten. Wir

Mit viel Sorgfalt pflegen deutsche Soldaten die jüdischen Gräber der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel zu Berlin. Foto: Christoph Blase

machen das gern und hatten noch nie Probleme, Freiwillige für diese Aufgabe zu finden. Das ist ein gutes Zeichen“, sagte der General bei einem Besuch des Arbeitskommandos. Zu Beginn des Einsatzes wurden die Teilnehmer des Arbeitskommandos vom Geschäftsführer und Vorstandssprecher der Gemeinde Adass Jisroel, Dr. Mario Offenberg, in die Geschichte des Friedhofs eingeführt. Beim „Truppenbesuch“ bedankte er sich ganz herzlich bei den Angehörigen der Bundeswehr. Auch Hellmut Königshaus, Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages ist stolz auf die Mitglieder des Arbeitskommandos. Es sei ein wichtiger Einsatz für die Bundeswehr und zeige das neue Verständnis von Ehre. „Ich bin stolz darauf, dass die Soldaten nicht nur ihre Pflicht tun, sondern auch aus einem inneren Ansporn heraus hier dienen, und dafür danke ich ihnen“, sagte Hellmut Königshaus. Kim Vinthen, dänischer Gesandter in Deutschland und Vertreter der gegenwärtigen EU-Präsidentschaft, bekräftigte, es sei ein wichtiger Einsatz für die Versöhnung. Er betonte, dass es immer auf das Engagement des Einzelnen ankäme und erinnerte an die Rettung von 7 000 dänischen Juden, die nicht vom Staat, sondern von einzelnen Bürgern gerettet worden seien. Er hoffe, dass dieser Einsatz viele Nachahmer finden möge, denn er sei ein gutes Zeichen für ein friedliches Europa. Joachim Freund, Sonderbeauftragter des Volksbundpräsidenten, überbrachte die Grüße Reinhard Führers: „Abschied nehmen können, einen Ort der Erinnerung und der Trauer zu haben ist ein menschliches Grundbedürfnis. Deshalb setzt sich der Volksbund nicht nur für die deutschen Krieggräber ein, sondern auch für die Pflege und Instandhaltung von Mahnorten wie dem jüdischen Friedhof hier in Weißensee”. Christoph Blase

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Workcamp

Alle zusammen! Internationales Workcamp in Karlsruhe

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ass ich einen Teil meiner Ferien auf dem Friedhof verbringe, fanden einige Freundinnen schon seltsam, sagte Arianna zu einem Journalisten bei den Arbeiten auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe. Von ihrem Entschluss ließ sich die 17-jährige Italienerin jedoch nicht abbringen und kam, wie 29 andere Jugendliche aus 16 Nationen, nach Baden-Württemberg, um an der Internationalen Jugendbegegnung in Karlsruhe teilzunehmen. Für Evgeny aus St. Petersburg, der bereits das dritte Mal bei einem Projekt des Volksbundes dabei war, geht es auch darum, „etwas zu tun, bei dem es nicht ums Geldverdienen geht, sondern darum, sich zu engagieren“.

In Kleingruppen haben die Teilnehmer der Internationalen Jugendbegegnung an mehreren Tagen die Grabsteine von Soldaten, Zwangsarbeitern und Bombenopfern auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe gereinigt sowie Grabfelder und Blumenbeete gejätet. Bei den Arbeiten mit Hacken, Pinseln, Rechen und Hochdruckreinigern wurden sie von Mitarbeitern des Friedhofs angeleitet und unterstützt. „Was unsere Teilnehmer bei ihrer Arbeit an den Gräbern besonders berührt, ist das Schicksal des einzelnen Menschen, das dahintersteht“, betont die Leiterin dieses internationalen Workcamps, Alexandra Simtion. Besonders die Gräber von Gleichaltrigen und von Menschen, die weit weg von ihrer Heimat und ihrer Familie gestorben sind, haben viele nachdenklich gemacht.

Reden sprechen sie großes Lob und Anerkennung aus. Die Jugendlichen haben gemeinsam Musikstücke und Texte erarbeitet und ihre Gedanken zu Papier gebracht. „Nicht nur die Gräber sehen nun anders aus – auch in uns hat sich etwas bewegt“, beginnt Josefina aus Rumänien. Alle Teilnehmer tragen vor, was das Camp und die Arbeit auf dem Friedhof für sie bedeutet haben, was sie gelernt haben und mitnehmen. Für Francesca aus Italien sind es vor allem die kleinen Dinge, die zählen: „Ein Lächeln, eine kleine Geste, manchmal auch ein Wort kann zwei Hände verbinden, ein Team formen, das für den Frieden arbeitet.“ Ein Projekt mit jungen Menschen aus 16 Nationen ist auch beim Volksbund nicht alltäglich und eine ganz besondere Herausforderung für das ehrenamtliche Leitungsteam. Gleich am ersten Tag wurde auf der Europakarte bunt markiert, aus welchen Herkunftsländern und Orten die Teilnehmer kamen: Belarus, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Italien, Litauen, Mazedonien, Montenegro, Polen, Rumänien, Russland, Spanien, Türkei, Ukraine und Ungarn. Schnell lernten sich die Jugendlichen bei Vorstellungsrunden, Spielen und Sprachanima-

tion kennen. Plakate und Collagen wurden erstellt, landestypische Tänze und Lieder vorgetragen, kulinarische Spezialitäten angeboten, Mitbringsel verteilt und Zungenbrecher geübt. „Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen“, berichtet Raphaela Kraske vom Leitungsteam begeistert. Ob bei der Arbeit, bei Ausflügen oder abends beim Grillen in der Unterkunft, der General-Fahnert-Kaserne in Karlsruhe – alle Aktivitäten wurden von einem Motto, das sich die Jugendlichen selbst gegeben hatten, begleitet: „Alle zusammen!“ Der Austausch unterschiedlicher Sprachen, Kulturen, Musik und Zukunftspläne hat die Teilnehmer trotz aller Unterschiede eng miteinander verbunden. Gemeinsam haben sie viel erlebt in den zwei Wochen. Tagesausflüge nach Niederbronn-les-Bains, nach Straßburg und Heidelberg, Freizeit in der Karlsruher Innenstadt, die Führung im Europaparlament, der Kletterpark, die gemeinsamen Sommerabende – die Erlebnisse werden sie lange in Erinnerung behalten. Davon wird auch Arianna ihren Freundinnen in Italien berichten. Heike Baumgärtner

Alle zusammen – so lautet das Motto des vom Volksbund-Landesverband Baden-Württemberg ausgerichteten Internationalen Workcamps in Karlsruhe. Foto: Uwe Reinisch

Das Thermometer zeigt 35 Grad am Tag der Abschlussveranstaltung. Dennoch lassen es sich Matthäus Vogel, Friedhofsverwalter der Stadt Karlsruhe, und Heinz Kälberer, stellvertretender Präsident des Volksbundes, nicht nehmen, die Arbeit der Jugendlichen auf dem weitläufigen Friedhof selbst zu begutachten. Beide sind beeindruckt von der Leistung und dem Engagement der Teilnehmer. In ihren

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Workcamp

Ein Lied der Freundschaft 50 Jahre Jugendbegegnung in Cannock Chase

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riegsgräberstätten sind weit mehr als normale Friedhöfe. Neben ihrer so wichtigen Funktion als Mahnmal der Vergangenheit sind sie auch Wegweiser in eine friedliche Zukunft. Schon deswegen bemühte sich der VolksbundLandesverband Bremen von Anfang an, Jugendliche aus Deutschland und England auf dem Patenfriedhof in Cannock Chase zusammenzuführen. Der Versuch gelang. Inzwischen blickt diese Jugendbegegnung auf eine erfolgreiche Historie zurück. So wurde das 50-jährige Jubiläum dieser Jugendbegegnung in diesem Sommer besonders gewürdigt.

Ein Rückblick Bereits 1962 reisten die ersten Bremer jungen Männer nach England. Gleich vier Gruppen nacheinander gaben sich vor Ort wortwörtlich die Spaten in die Hand. Die jungen Aufbauhelfer kamen aus dem Landkreis Osterholz, dem Sportverein Werder Bremen und der Bremer Sportjugend. Die Bedingungen waren dabei keineswegs ideal und boten gerade deswegen Raum für ungewöhnliche Erlebnisse. So berichtete der damalige Campleiter Rüdiger Schnell, wie die Jugendlichen noch in der Nacht unter Scheinwerferlicht ihre

Zelte errichteten. Bereits am nächsten Morgen begannen die ersten Erdarbeiten für die künftige Einfriedung der Kriegsgräberstätte Cannock Chase. Dies war der Anfang. Fünf Jahre später war die Anlage fertig und wurde schließlich mit und durch die Jugendlichen feierlich eingeweiht.

Ein Zeitsprung 18 Jugendliche aus Bremen und einigen anderen Bundesländern sowie zehn junge Briten bilden 45 Jahre später gemeinsam mit den Mitgliedern des Leitungsteams, zwei Busfahrern und zwei Kö-

Aller Anfang ist schwer: Das Foto aus dem Jahr 1962 zeigt Bremer Jugendliche und junge Erwachsene beim Ausschachten der späteren Einfriedung der Kriegsgräberstätte Cannock Chase in der englischen Grafschaft Staffordshire. Foto: Volksbundarchiv

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Workcamp

chen der Bundeswehr die aktuelle Gruppe des Jubiläumscamps Cannock Chase. Viele Feiern sind geplant, doch es gilt auch, die eigentliche Aufgabe, die Pflege der Gräber, zu erfüllen. Die Arbeit hat sich im Laufe der Jahrzehnte sehr verändert. Inschriften sind nachzuziehen, Heide ist umzusetzen, Unkraut aus den Wegen zu entfernen, Grabsteine zu reinigen. Alle sind engagiert und fröhlich bei der Sache, so auch die 16-jährige Anna Zander aus Bremen: „Die Teilnehmer verstehen sich alle sehr gut und können hier Freunde fürs Leben finden.“ Eben diese Freundschaft beschwört auch der Chairman der Grafschaft Staffordshire, Ian Lawson: „Unsere Völker standen sich einst als Feinde gegenüber. Die jungen Menschen dieses Camps haben verstanden, dass es nur eine Lösung für die Menschheit geben kann: Frieden!“

Große Geste Die Jugendlichen haben sich zum Jubiläum etwas Besonderes einfallen lassen. Schon vor dem Camp haben sie Kontakt zu Angehörigen aufgenommen und versprochen, Blumen an Gräbern niederzulegen und ein Foto für die Familien von diesem persönlichen Gedenken zu schicken. Auch englische Veteranen kommen zu Besuch und sorgen dabei für emotionale Momente. „Auf diese Weise können wir den Menschen zeigen, dass die deutschenglische Freundschaft heute eine feste Größe in Europa ist. Für die ehemaligen Kriegsteilnehmer ist diese Geste ein letzter großer Schritt zur endgültigen Versöhnung mit der Vergangenheit“, so Katharina Kühl, Leiterin der Jugendbegegnung.

gräberstätte. Zu Beginn enthüllten Chairman Ian Lawson und Oberst Werstler eine Gedenktafel in der Eingangshalle. Die Sonne erschien und tauchte das Gelände in ein warmes, friedliches Licht – genau in dem Moment, als alle Anwesenden die Kriegsgräberstätte betraten, um ein hölzernes Mohnblumenkreuz an einem persönlich gewählten Grab für ein stilles Gedenken niederzulegen. Der Militärattaché der Deutschen Botschaft in London, Brigadegeneral Franz-Josef-Nolte, legte neben anderen gemeinsam mit dem Vertreter des englischen Königshauses Kränze nieder. Die jugendlichen Teilnehmer nahmen die vielen Gäste mit auf eine Zeitreise durch die Jahrzehnte der Freundschaft und ließen den Friedhof in einer szenischen Darstellung nochmals entstehen und wachsen.

Eine besondere Würdigung erfuhr das Jubiläum durch den Besuch des Heeresmusikkorps 2 aus Kassel unter der Leitung von Oberstleutnant Reinhard Kiauka. Ihre musikalische Darbietung war absolut hochklassig, eindrucksvoll und anrührend. Konzerte als Dank an die englischen Gastgeber im Gate House Theatre und auf dem Marktplatz in Stafford rundeten den Aufenthalt des Musikkorps ab. Übrigens wurden die gesamten Kosten durch das Heeresmusikkorps selbst übernommen. Herzlichen Dank!

Erinnerungen zum Abschied Der große Freundschaftsabend schloss das Workcamp Cannock Chase 2012. Die gemeinsamen Aktivitäten, die Gespräche mit ehemaligen Kriegsteilnehmern, der Gastfamilientag, die Aufzeichnungen der Arbeit auf der Kriegsgräberstätte durch das regionale Fernsehen, das für diesen Anlass getextete und gemeinsam vorgetragene Lied „50 Years of Friendship“, der große Jubiläumskuchen – all das sind Erinnerungen, die alle mit nach Hause nehmen und womöglich noch in 50 Jahren ihren Enkeln erzählen werden. Isa Nolle

50 Jahre später: Die Arbeit der Workcamp-Teilnehmer hat sich stark verändert. Heute stehen hauptsächlich Pflegearbeiten im Vordergrund. Fotos: Landesverband Bremen

Gefühlvolles Gedenken Der Bremer Landesvorsitzende Oberst Dietmar Werstler, Volksbund-Vizepräsident Prof. Volker Hannemann und Landesgeschäftsführerin Isa Nolle waren ebenfalls vor Ort und lobten die große Unterstützung durch das Staffordshire County Council sowie den Young People’s Service. Gänsehaut und auch Tränen der Rührung gab es während der Gedenkveranstaltung bei vielen Gästen auf der deutschen Kriegs-

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Aktuell

Ein Tag wie kein anderer 50 Jahre Kriegsgräberstätte Andilly

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artmut Teuffel ist einer von den Guten. Als er vor 55 Jahren das erste Mal mit seiner Pfadfindergruppe nach Frankreich reist, hat er dennoch böse Vorahnungen: Wie würde der ehemalige Feind reagieren? Schließlich bestehen die guten Taten seiner Pfadfinder-Gruppe vornehmlich darin, hier in Frankreich die deutschen Toten des Zweiten Weltkrieges zu suchen. Doch was er findet, sind nicht nur die Gebeine der Verstorbenen, sondern auch die Freundschaft der Franzosen. Daran erinnern er und über 600 weitere Gäste am 8. September 2012 anlässlich des 50-jährigen Bestehens der deutschen Kriegsgräberstätte im französischen Andilly.

Über 33 000 deutsche Soldaten ruhen hier – und eine Frau: Klara Engl. Wer mehr über sie erfahren möchte, fragt den Volksbundmitarbeiter Frank Salomon. Direkt vor dem kunstvollen Eingangsgebäude der Kriegsgräberstätte Andilly hat er seinen Infostand aufgebaut. Den besucht auch die

Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Petra Merkel. Neben dem deutschen Verteidigungsattaché, Brigadegeneral Werner Weisenburger, und dem eingangs erwähnten Hartmut Teuffel ist sie eine der Hauptrednerinnen in Andilly. Über den Eintrag im Namenbuch am Volksbund-Informationsstand erkundigt sich Petra Merkel, wo genau das Grab von Clara Engl liegt. Später sieht man sie im Block 14, Reihe 9 am Grab 671 eine stille Andacht halten. Es ist ein stellvertretendes Innehalten für alle, die hier vom Volksbund würdig bestattet wurden.

Für die Kameraden Ganz ähnlich geht auch Dr. Carl Maier vor. Der 90-Jährige hält eine lange Liste mit Namen in seinen Händen. Sie alle waren seine Kameraden. Auch sein Vorgesetzter, Hauptmann Reinhold Vogt, ist hier begraben. Nachdem einer seiner Unteroffiziere völlig zu Unrecht durch ein deutsches Standgericht verurteilt und dann er-

Über 600 Gäste kommen am 8. September 2012 anlässlich des 50-jährigen Bestehens der deutschen Kriegsgräberstätte ins französische Andilly. Fotos: Maurice Bonkat

Andilly

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Hartmut Teuffel

Petra Merkel

schossen wurde, suchte auch der im Zivilberuf als Pfarrer tätige Kompanieführer den Tod. „Ohne jegliche Deckung lief er in den gegnerischen Kugelhagel. Er hatte die Geschehnisse nicht verkraftet. Sie alle haben ein tragisches Ende gefunden“, sagt Carl Maier. Später hat er dessen Witwe häufig besucht, bekam sogar zeitweise einen Schlafplatz auf dem Sofa im Wohnzimmer, als der damals mittellose Student noch nicht einmal eine Bude hatte. Heute steht er während der offiziellen Gedenkreden in Andilly abseits der Besucherbänke über Stunden allein im gleißenden Sonnenlicht. Zuvor sorgt er dafür, dass an jedem einzelnen der Gräber ein Blumenstrauß steht.

Unglaublich schön Für die vielen Unbekannten, an deren Gräbern sonst nie Blumen niedergelegt werden, sorgt dagegen der Volksbund mit einer Neuauflage seiner bekannten Blumenaktion. Die kommt bei den Besuchern der Gedenkveranstaltung ebenso gut an, wie die gesamte Arbeit des Volksbundes: „Was der Volksbund mit den Spendengeldern macht, ist wirklich enorm und sehr anerkennenswert. Das muss man wirklich mal sagen“, meint auch Günther Holzenkämpfer. Er ist mit seinem Enkel Florian angereist und besucht das Grab seines Bruders Benno. Er selbst hatte Glück – könnte man fast sagen. Das Schicksal wollte es so, dass er als 16-Jähriger ohne direkten Kriegseinsatz „lediglich“ in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Das Fatale dabei war, dass seine Mutter ein Jahr lang nichts davon wusste, ihn womöglich für sogar tot hielt. Zudem war der Vater einen Tag vor Kriegsende durch einen Bombenangriff ums Leben gekommen. Wie die Familie dies alles bewältigt hat, ist kaum zu begreifen. Dann aber wurde Günther Holzenkämpfer entlassen. Als er schließlich seiner Mutter gegenüber trat, konnte sie ihren Augen kaum glauben. Der


Aktuell

Der ehemalige Kriegsteilnehmer Dr. Carl Maier trauert um seinen damaligen Hauptmann Reinhold Vogt, der schwer an dem Schicksal seiner Untergebenen zu tragen hatte.

Sohn war endlich wieder zuhause! Was sich dabei in den Herzen dieser Familie ereignete, ist wahrscheinlich ebenfalls nicht zu beschreiben. „Es war einfach nur unglaublich schön“, sagt Günther Holzenkämpfer in Andilly. Glücklicherweise werden die meisten der jungen französischen und deutschen Soldaten, die ebenfalls auf der Kriegsgräberstätte sind, solche Erfahrungen kaum verarbeiten müssen. Sie sind Vertreter des heutigen, des friedlichen Europas und der deutsch-französischen Freundschaft. Dies zeigen schon die beiden Ehrenzüge der 3. Kompanie des Jägerbataillons 291 aus Illkirch und des französischen Train-Regiments 516 aus Toul, die hier Seite an Seite stehen. Musikalisch unterstützt wird der Volksbund zudem zum wiederholten Male vom Männergesangverein Leichlingen-

Oberschmitte. Zuvor hatten die Soldaten des Nachschubbataillons 462 aus Diez in einem freiwilligen Arbeitseinsatz ganze Arbeit geleistet. In wochenlanger Fleißarbeit hatten sie den Rasen gemäht und zahllose Kreuze geschrubbt sowie deren Inschriften nachgezeichnet. Für viele Angehörige war dies besonders wichtig und ein bedeutendes Zeichen.

Der goldene Ring Das Grab von Heinrich Schlagheck profitiert ebenfalls von der Pflege durch die fleißigen Helfer in Uniform. Das registriert seine gesamte Familie. Denn neben den Kindern Monika (heute: Ordensschwester Bonifatia) und Mechthild samt Schwiegersohn Günther ist auch dessen Ehefrau Maria angereist. Die 92-Jährige war gemeinsam mit Tochter Mechthild schon bei

Die 92-jährige Maria Schlagheck (Mitte) reiste mit ihrer Familie zum Grab ihres Ehemannes. An ihrem Finger trägt sie noch heute seinen Ring.

der Einweihung vor 50 Jahren dabei. „Damals waren mehrere tausend Angehörige hier. Ich bin froh, dass ich auch heute noch einmal hier sein darf“, sagt Maria Schlagheck und betrachtet liebevoll den Ehering an ihrer Hand. Der gehörte eigentlich ihrem Mann und wurde ihr damals von der Deutschen Dienststelle in Berlin übergeben. Den Ehering ihres Mannes trägt sie seither anstelle ihres eigenen. So ist ihr verstorbener Mann immer bei ihr. Auch Karl Mohr ist jemand, der immer für andere da ist. Der ehemalige Jugendreferent und spätere Bezirksgeschäftsführer aus Karlsruhe organisiert bereits seit über 30 Jahren zahlreiche Angehörigenreisen. Andilly liegt ihm dabei besonders am Herzen. Eine seiner treuesten Begleiterinnen ist Thusnelde Rupp. „Wir haben Herrn Mohr sehr viel zu verdanken“, sagt die 94-Jährige, die zugleich die älteste Teilnehmerin ist. Auch der Volksbundpräsident Reinhard Führer lobt den Ehrenamtler: „Engagierte Menschen wie Karl Mohr und seine Reiseteilnehmer sind das Kernstück unserer internationalen Gedenkveranstaltungen. Durch ihre Besuche gewinnen die Kriegsgräberstätten an Bedeutung und werden so zu wichtigen Orten der Erinnerung und Mahnung.“ Am Ende dieses bewegenden Tages hat sich der Volksbundbeauftragte für Frankreich, Julien Hauser, noch etwas ganz Besonderes ausgedacht. Er hat in Metz ein Konzert mit dem Luftwaffenmusikkorps II der Bundeswehr aus Karlsruhe und dem Musikkorps der französischen Marine-Infanterie aus Versailles organisiert. Diese Musiker haben zuvor bereits auf der Kriegsgräberstätte Andilly gespielt. In der imposanten Kirche Sainte-Thérèse-de-l'EnfantJésus lauscht neben dem Volksbundpräsidenten, der Bundestagsabgeordneten Petra Merkel und Konsul Hubertus Legge ein deutsch-französisches Publikum den meisterhaft vorgetragenen Musikstücken von Bach bis Wagner. So endet dieser bewegende Tag, der wohl allen Beteiligten wie kein anderer in Erinnerung bleiben wird. Maurice Bonkat

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Leserreise

Unter einem guten Stern Kriegsgräberreise nach Königsberg

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er vermisste Vater war uns unser Leben lang täglich innerlich sehr nah und doch in jedem Sinn unerreichbar. Unsere Mutter starb nur wenige Tage, nachdem sie ihre subjektive Hoffnung auf Heimkehr aus seiner vermuteten Gefangenschaft aufgegeben hatte. Da war der Krieg 30 Jahre vorbei. Letztes Jahr erfuhren meine Schwester und ich, dass der Volksbund den Namen unseres Vaters im Gedenkbuch des Soldatenfriedhofs Königsberg aufführt. Die nächste Reise zu den Gedenkstätten von Königsberg (Kaliningrad), Heiligenbeil (Mamonowo) und Pillau (Baltisk) fand Ende Juni 2012 statt. Sie wurde von Bruno Schwarz nicht nur hervorragend vorbereitet, sondern war durch viele so konkret gar nicht planbare glückliche Umstände voller guter Impulse, Begegnungen und Erlebnisse.

17 Teilnehmer aus Frankreich, Österreich und ganz Deutschland sowie Elena Makarycheva (Mitte) bilden die Reisegruppe um Bruno Schwarz. Foto: privat

Dank an Elena Die 17 Teilnehmer kamen aus Frankreich, Österreich und ganz Deutschland. Diese Gruppe war selbst schon ein Geschenk. Denn es gab erstaunliche Gemeinsamkeiten, etwa das Aufschieben dieser Reise oder die jahre- oder jahrzehntelange Scheu, die Feldpostbriefe des Vaters an seine Frau zu lesen. Und die, die nie oder sehr spät eine Todesnachricht erhalten hatten, waren unterwegs, weil ihre Trauer noch keinen Ort gefunden hatte. Auf jedem der drei Kriegsgräberstätten, die wir besuchten, waren Angehörige bestattet oder wurden im Gedenkbuch geführt. Die Form unserer Feiern hatte Bruno Schwarz in Abstimmung mit der Gruppe in einer dezenten und überkonfessionellen Art gestaltet. Wir hatten Zeit, durch den lichten Wald zu gehen, in dem Gruppen von je drei Steinkreuzen Grabfelder markieren. Das war in Königsberg so, und in Heiligenbeil war die Atmosphäre ähnlich wohltuend. Auf dem Königsberger Friedhof begegneten uns zwei russische Schüler, die uns ihr Interesse erläuterten und in Englisch beeindruckend ein spontanes Versöhnungsbekenntnis ausdrückten.

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Während einer kurzen Ansprache nannte unser Reiseleiter die Namen der in Königsberg aufgeführten Angehörigen. Uns berührte, dass unsere russische Reisebegleiterin das Vaterunser in ihrer Sprache wiederholte. Die Tatsache, dass Elena Makarycheva unsere Gruppe begleitete, war ein weiteres Geschenk. Mit ihrer menschlichen und sprachlichen Kompetenz, mit Engagement und viel Improvisationsbereitschaft hat diese junge Frau unsere Herzen gewonnen. Der Termin der Reise lag auf dem zehnten Jahrestag der Einrichtung des Friedhofs in Heiligenbeil. Der Jahrestag wurde auch von einer Reihe offizieller Gäste begangen, darunter der Kaliningrader deutsche Konsul mit seiner Ehefrau. Wir waren beeindruckt von der Selbstverständlichkeit, mit welcher der Bürgermeister von Marmonowo für sich und seinen Ort versprach, diesen Friedhof als Teil seiner Stadt in Ehren zu halten. Der Leiter des örtlichen Krankenhauses erinnerte daran, dass sein Sohn vor zehn Jahren die deut-

schen Kriegstoten mit umgebettet habe. Sehr eindrucksvoll war wieder die Erinnerung, dass in beinahe jeder russischen Familie Kriegstote zu betrauern waren und man im Gedenken in Russland heute nicht mehr nach Freund und Feind unterscheide. Ein Vertreter der russischen Kriegsgräberorganisation stimmte dem zu und erzählte, wie gepflegt und respektiert er russische Kriegsgräber in Deutschland vorgefunden habe. Anschließend verlas meine Schwester Vaters letzten Feldpostbrief – den einzigen, den er nur mit Bleistift und in großer Unruhe geschrieben hatte. Auch in Rosenberg (Krasnoflotskoje) gedachte ein Ehepaar an der Stelle, an welcher der Vater im Krieg umgekommen war. Uns alle hat das sehr bewegt, ebenso wie der Aufenthalt in Pillau. Das Gedenken galt dort speziell dem Angehörigen einer Elsässer Familie. Ich denke mit Dankbarkeit an alle Mitwirkenden und Teilnehmer dieser besonderen Reise. Vielen Dank! Gerhard Stünkel


Erzählen ist Erinnern

Buchreihe Erzählen ist Erinnern Band 105 – 109 Band 105

Band 107

Band 109

Hermann W. Euscher: „Fragt doch das Meer“ – Kriegserinnerungen eines Fernkampffliegers (351 Seiten)

Ursula Frericks: Die Frericks-Brüder – Zwei Kriegsschicksale (90 Seiten)

Ursula RichterNentwig: Kriegsende und Neuanfang – Ein Mädchen wird erwachsen (85 Seiten)

1942 kommt Robert Stehler zum Fernkampfgeschwader 40 nach Bordeaux-Mérignac. Er übersteht mit Glück gefährliche Einsätze. Gegen Ende des Krieges werden die Flieger als Infanteristen eingesetzt. Hermann W. Euscher, Jahrgang 1920, verarbeitet in den Tagebuchschilderungen seines Alter Ego Robert Stehler seine Kriegserfahrungen. Zu beziehen bei: Hermann W. Euscher, Rährweg 10, 30855 Langenhagen-Godshorn (12,80 Euro plus Versandkosten und Verpackung).

Unverhofft aufgefundene Feldpostbriefe erwecken die Brüder Theodor und Bernhard Frericks zum Leben. Theodor wurde zunächst in Frankreich, dann in Ostpreußen eingesetzt. Er kämpfte bis zu seinem Tod im Mai 1942 in der Sowjetunion. Bernhard kam als Panzerpionier nach Dänemark und starb nach einer Verwundung im September 1944. Nichte Ursula Frericks rekonstruiert ihr Schicksal. Zu beziehen bei: Ursula Frericks, Heisestr. 5A, 7078-BM-Megchelen, Niederlande (8,80 Euro plus Versandkosten und Verpackung).

Band 106

Als ihr Vater 1943 in Stalingrad in Gefangenschaft gerät, bleibt Ursula Nentwig mit 15 Jahren allein zurück. Sie kehrt auf abenteuerlichem Wege in die Heimat zurück. Später arbeitet sie in der Landesklinik von Neustadt in Holstein. Ursula Richter-Nentwig beschreibt ihr Erwachsenwerden in den Jahren 1943 bis 1949. Bei allem begleitet sie die Hoffnung, dass der geliebte Vater zurückkehren wird. Zu beziehen bei: Ursula Richter, Pfaffenstein 1, 90475 Nürnberg (10,00 Euro plus Versandkosten und Verpackung).

Band 65 – Neuer Preis! Band 108

Ingeborg Linder: Der Krieg ist aus – wie eine Zehnjährige die Stunde null und die Zeit danach erlebt, 1945 – 1952 (171 Seiten)

Siegfried Seibold: Mein Weg – Kriegsund Nachkriegszeit 1939 – 1955 (80 Seiten)

Ingeborg Linder legt die Fortsetzung zu ihrem Buch „Aus Pommerland und Generalgouvernement“ vor. Die Erinnerungen erzählen von der Nachkriegszeit in einer nordhessischen Kleinstadt, beginnend mit dem Einmarsch der Amerikaner, von Mühe und Sorgen, aber auch von dem allmählich erwachenden neuen Leben.

Siegfried Seibold, Jahrgang 1930, ist Architekt und Künstler. In seinen Erinnerungen beschreibt er seine Kindheit und Jugend während der Kriegs- und Nachkriegszeit in Friedrichshafen am Bodensee. Seit seiner Jugend schreibt er Gedichte, von denen einige im zweiten Teil des nunmehr veröffentlichten Buches zu lesen sind.

Zu beziehen bei: Ingeborg Linder, Tschaikowskistr. 54, 13156 Berlin (12,80 Euro plus Versandkosten und Verpackung).

Zu beziehen bei: Siegfried Seibold, Lotterbergstr. 47, 87439 Kempten (11,00 Euro plus Versandkosten und Verpackung).

Heinz Becker: Meine Jugend im Nationalsozialismus. (12,50 Euro plus Versandkosten und Verpackung) Zu beziehen bei: Heinz Becker, Immighäuserstr. 23, 35104 Lichtenfels

BUCHVERÖFFENTLICHUNGEN Möchten Sie auch ein Buch veröffentlichen? Dann wenden Sie sich bitte an: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Buchreihe Erzählen ist Erinnern, Werner-Hilpert-Straße 2, 34112 Kassel, Telefon: 0561 – 7009 – 1 56, E-Mail: autorenbuchreihe@volksbund.de, Internet: www.volksbund.de/ schon_gelesen/online_bibliothek. Bestellung bitte bei den angegebenen Adressen, NICHT beim Volksbund!

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Leserbriefe

Leserbriefe unserer Mitglieder Ein ganz besonderer Geburtstag Nie vergessen! Ich war gemeinsam mit meinen Eltern bei der Gedenkveranstaltung „50 Jahre Andilly“ – und wir möchten uns für die sehr gelungene Veranstaltung bedanken. Ich fahre mit meinen Eltern schon seit meiner Kindheit zum deutschen Soldatenfriedhof in Andilly nach Frankreich und bin jedes Mal beeindruckt und betroffen zugleich. Jeder, der einmal dort war, sollte sich mal am Ende der Kriegsgräberstätte auf eine Bank setzen und einfach alles auf sich wirken lassen. Die Stille, die Anordnung der vielen Kreuze die vielen Schicksale hinter jedem Stein – und dann huscht ein Eichhörnchen über den Friedhof und nimmt für kurze Zeit die Stille. So wird einem klar: Das Leben geht weiter. Man sollte jedoch das Vergangene niemals vergessen!

Auch meinen Sohn werden wir, wenn er noch etwas älter ist, auf den Friedhof mitnehmen, damit er mal das Grab seines Urgroßvaters besuchen kann. Es ist schön, dass sie mit diesem Soldatenfriedhof Generation für Generation einen gemeinsamen Anlaufpunkt gegeben haben. Andreas Faerber

Suche nach dem Urgroßvater Nachdem meine Großeltern und meine Eltern seit Jahren verstorben sind, hatte ich keine Ahnung, wo sich die Grabstätte meinen Urgroßvaters und Namengebers Peter Emrich befindet. Bei der Erstellung unserer Familienchronik wurde mir das Fehlen (fast) jeder Information zu meinem Urgroßvater bewusst. Nun, da ich durch den Volksbund erfahren habe, wo er liegt, wo er starb, wann er starb und

Idylle – und zugleich eindrucksvolle Mahnung an den Frieden: Die Kriegsgräberstätte im französischen Andilly blickt heute auf eine 50-jährige Geschichte zurück. Fotos: Maurice Bonkat

in welchem Truppenteil er diente, wird seine Geschichte und sein Tod für mich auch klarer und seine letzten Tage nachvollziehbar. Nun weiß ich auch, warum es wichtig war, dass ich in meiner Jugend, initiiert vom Großvater, Spenden für den Volksbund eingesammelt habe. Eine Spende werde ich natürlich auch diesmal tätigen. Nochmals vielen Dank für die Hilfe! Peter Emrich

Respekt für Ihre Arbeit Meine Frau und ich kommen gerade von einer Reise in die Normandie zurück. Nicht nur jetzt im Juni zum Jahrestag des D-Day ist man dort neben vielen schönen Dingen auch immer noch mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges konfrontiert. Dazu gehören ganz besonders auch die Kriegsgräberstätten. Wir hatten zunächst die amerikanische Gedenkstätte Omaha-Beach besucht, dann einen britischen Friedhof, auf dem auch mehrere hundert deutsche Tote bestattet waren. In der Folge waren wir doch erschüttert, sind doch unsere Söhne in dem Alter vieler damals getöteter junger Männer. Dennoch haben wir auf unserem Weg zum Mont St. Michel auch noch einen deutschen Friedhof mit Blick zu eben jenem Weltkulturerbe besucht. Hier waren wir dann ganz allein. Von Ihrer wertvollen und würdevollen Arbeit waren und sind wir beeindruckt. Ich will kurz erwähnen, dass einige Jahrzehnte zurück Ihr Osnabrücker Büro in einem Haus lag, in dem die Familie eines alten Freundes lebte. Bei meinen Besuchen dort kam ich immer am Schild Ihrer Organisation vorbei. Ich war damals als Jugendlicher immer der Ansicht, es handele sich bei Ihrer Organisation um

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Leserbriefe

Ein ganz besonderer Geburtstag Während der Volksbundreise nach Budaörs, die ich als Reiseleiter betreut habe, beging Katharina Teppert ihren 83. Geburtstag. An diesem Tag fuhren wir von Wien über Veszprem und Stuhlweißenburg mit Besuchen der dortigen Soldatenfriedhöfe nach Budapest. Frau Teppert, die in Budaörs ihres vermissten Bruders gedenken wollte, berichtete mir, dass der beste Freund ihres Vaters in Stuhlweißenburg beigesetzt worden sei. Gerne wollte sie an dessen Grab einen Blumengruß niederlegen und eine Kerze entzünden. Doch leider kannte sie die genaue Grablage nicht. Ich konnte sie aber beruhigen, dass wir das Grab mit Sicherheit finden würden, was auch später mit Hilfe der Mitreisenden gelang. So erzählte sie die Geschichte dieses besten Freundes ihres Vaters, Stefan Baumgärtner: Auf der deutsch-österreichischen Kriegsgräberstätte in Budaörs liegt das Grab des Bruder von Katharina Teppert. Zuvor gedachte sie am Grab von Stefan Baumgärtner in Stuhlweissenburg.

eine wie auch immer geartete rückwärtsgewandte Einrichtung. Ich schäme mich angesichts dessen, was ich nun (und leider erst nun!) über Ihr Wirken gelernt habe und möchte Ihnen meinen Respekt für Ihre Arbeit ausdrücken. Dr. Rainer Grove aus Bad Rothenfelde

Eindrucksvolle Reise Gerne erinnern wir uns an die Reise des Volksbundes in die Normandie, von der wir vor einigen Tagen sehr zufrieden und tief beeindruckt zurückgekehrt sind. Weil allzu schnell und manchmal auch leichtfertig negative Kritik geäußert wird, glauben wir, dass es für Sie ebenso wichtig sein dürfte, wenn Sie von Reiseteilnehmern auch ein positives Feedback bekommen. Bei dieser Normandie-Reise standen hauptsächlich der Besuch von Soldatenfriedhöfen und die Fahrt zu den Landungsabschnitten der Alliierten im Juni 1944 auf dem Programm. Dieses war unsere erste Reise mit dem Volksbund, die von Reiseleiter Horst Diebold aus Leinfelden präzise vorbereitet und organisatorisch bestens durchgeführt wurde. Die von ihm inszenierten Gedenkfeiern zu

Ehren der gefallenen Soldaten hinterließen bei allen einen mehr als nur nachdenklich stimmenden Eindruck. Für uns ganz persönlich war zunächst die Fahrt durch die friedlich anmutende Landschaft am Fluss Somme besonders bewegend, weil dort vor 95 Jahren mein Vater Paul Dannhauer im Ersten Weltkrieg gegen Franzosen kämpfen musste – ein Gefühl, dass „unter die Haut ging“. Heute erfahren wir gegenseitige Freundschaft über Staatsgrenzen hinweg und das ist gut so. Als weiteren persönlichen Höhepunkt dieser Normandie-Reise empfanden wir das stille Gedenken an „unserem“ Baum Nr. 101 im Friedensparks der Kriegsgräberstätte La Cambe, den wir zur Erinnerung an meinen Vater Paul Dannhauer und als Zeichen der Versöhnung mit Frankreich im Herbst 1996 pflanzen ließen. Abschließend danken wir dem Volksbund, dass er uns die Gelegenheit bot, an dieser eindrucksvollen Reise in die Normandie teilzunehmen. Monika und Christian Dannhauer aus Vreden

Frau Teppert wuchs in Filipowa auf, einer Gemeinde im Siedlungsgebiet der Donauschwaben im Raum des heutigen Novisad. Stefan Baumgärtner war häufig zu Gast in ihrem Elternhaus und sie kannte ihn gut. Im September 1944 wurden die Männer des Ortes dann in die Wehrmacht eingezogen, darunter war auch ihr Bruder Hans. Bereits nach wenigen Wochen ist Stefan Baumgärtner gefallen. Katharina Teppert ist die bisher einzige, die das Grab besucht hat, da die Nachkriegswirren zum frühen Tod der Ehefrau von Stefan Baumgärtner geführt hatten. Nach Kriegsende wurden die Bewohner der Gemeinde Filipowa neben anderen Donauschwaben in Lagern zusammengetrieben. Viele fanden dort den Tod. Frau Teppert gelang Anfang August 1947 die Flucht. Inzwischen lebt sie in Stuttgart. Ihr Bruder Hans gilt bis heute als vermisst. Ein letzter Brief von ihm wurde von einem Freund aus einem Nachbarort überbracht, geschrieben am 9. Juli 1945. Sein Name steht auf einer Namenstafel auf der Kriegsgräberstätte in Budaörs. So hat also Katharina Teppert an ihrem Geburtstag am Grab von Stefan Baumgärtner gedenken können. Welche Gedanken sie wohl in diesem Moment hatte? Reisebegleiter Uwe Klauk aus Soltau

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Gedenktag

Heute erwacht die Vergangenheit Volksbund-Aktionen zum Weltfriedenstag

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er Tag des Kriegsbeginns vor 73 Jahren ist zugleich der Weltfriedenstag. Dabei wird nicht vornehmlich an den Krieg erinnert, sondern vor allem an den in die Zukunft gerichteten Wunsch nach weltweitem Frieden. Auch der Volksbund ist am 1. September aktiv. In vielen Städten gibt es Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen. In Kassel sind es zwei besondere Aktionen, die für Aufmerksamkeit sorgen: die Neupflanzungen im Ginkgo-Hain sowie die Lesung des Entertainers und Opernsängers Gunther Emmerlich in der Karlskirche. Mit dabei ist auch eine Gruppe von Volksbundförderern, die zu einem Besuch der Kunstausstellung documenta 13 nach Kassel reist. Schon zu Beginn des Weltfriedenstages setzen die Volksbundförderer ein wichtiges Zeichen. Denn die neuen Ginkgo-Bäume, die heute gepflanzt werden, symbolisieren jene Hoffnung, auf die sich dieser Tag begründet. Nachdem in Hiroshima die Atombombe fiel, war es der Ginkgo, der als erstes frische Blätter austrieb und neues Leben hervorbrachte. So wurde er zu einem Symbol des Friedens. Der Kas-

seler Ginkgo-Hain zeichnet sich außerdem durch die Besonderheit aus, dass er durch die Kleinen der angrenzenden Kindertagesstätte Kleiner Holzweg regelmäßig besucht und betreut wird. Die Zeichen des Krieges sind in der Karlskirche dagegen kaum mehr zu sehen. Dabei wurde auch dieses Gotteshaus im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe fast völlig zerstört. Nach dem Wiederaufbau spendeten Gemeindemitglieder die ersten Glocken in Gedenken an die zahllosen Opfer des Krieges. Sie sind auch am Weltfriedenstag 2012 ein Teil des schönen Glockenspiels dieser Kirche in der Kasseler Innenstadt. Zu Beginn des Gottesdienstes hören die Besucher das Glockenspielwerk von Wilhelm Bender, der 1944 als Soldat ums Leben kam. „Heute erwacht die Vergangenheit“, sagt die Pfarrerin Inge Böhle anschließend zu den etwa 200 Gästen, die vom VolksbundKreisvorsitzenden und Oberbürgermeister Bertram Hilgen begrüßt werden. Neben den etwa 20 Jugendlichen der Georg-August-Zinn-Europaschule, die das Programm ebenfalls mit Lesungen berei-

chern, steht Gunther Emmerlich im Mittelpunkt. Die meisten kennen ihn aus verschiedenen Fernsehsendungen, wissen aber häufig nicht, dass er das Schicksal von vielen Menschen seiner Generation teilt: Er ist ein Kriegskind: „Ich gebe nicht auf, nach einem Mann zu suchen, den ich nicht kannte und der mein Vater war“, sagt Emmerlich. Seine Spurensuche ist noch nicht beendet. Sie lässt ihn nicht los. Seine Erfahrungen und Gefühle hat er unter anderem in dem autobiographischen Werk Zugabe niedergelegt. Wenn er daraus vorliest, hört er von den Zuhörern später häufig: „Das ist ja genau wie bei mir!“ So ergeht es auch vielen Besuchern der Kasseler Karlskirche. Im Anschluss an die Volksbundveranstaltung zieht dann der documenta-Künstler Arnd Drossel die Aufmerksamkeit auf sich. Mit seiner begehbaren Eisengeflechtkugel läuft er durch ganz Deutschland. Als er in Kassel am Weltfriedenstag mit seinem Lauf fortfährt, erklingt das Spiel der Glocken, auf denen heute noch die Namen der Kriegsopfer stehen, an die sie erinnern sollen. So endet der Weltfriedenstag 2012 in Kassel.

Weltfriedenstag 2012 in Kassel: Etwa 200 Gäste kommen zur Gedenkveranstaltung mit Gunther Emmerlich in die Karlskirche. Der bekannte Entertainer und Opernsänger berichtet dort über seine Spurensuche nach dem vermissten Vater. Fotos: Maurice Bonkat

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Namen & Nachrichten

5 000 Euro für die Grabpflege Der Volksbund finanziert sich als gemeinnützige Organisation zum Großteil über Spenden und Mitgliedsbeiträge seiner Förderer. Daher freuen uns sehr über die Spende der Gesellschaft für Dauergrabpflege in Dortmund. Das Unternehmen, das den Volksbund schon seit Jahren unterstützt, entrichtete diesmal für die Anlage und Pflege von Kriegsgräbern im europäischen Ausland und Nordafrika eine bemerkenswerte Spende in Höhe von

5 000 Euro. Dafür herzlichen Dank auch im Namen aller Angehörigen, für die ein persönlicher Ort der Trauer sowie die anhaltende Suche nach den Gräbern der im Zweiten Weltkrieg verstorbenen Soldaten so wichtig sind! Bis heute bettet der Volksbund jährlich etwa 40 000 Kriegsopfer um. Der Schwerpunkt liegt dabei im Osten Europas. Dieser Aufgabe wird die Spende der Gesellschaft für Dauergrabpflege zugutekommen.

Ysselsteyn feiert 30-jähriges Bestehen

Kleiner Friedensengel Mit einer besonderen Maßanfertigung überraschte Familie Prieß aus Stove den Volksbund. Dabei handelt sich um ein Mini-T-Shirt für Töchterchen Charlotte Erika mit dem Volksbund-Logo der Jugendarbeit. Das Ergebnis war derart beeindruckend, dass wir Ihnen das Foto nicht vorenthalten wollten.

Großes Verdienstkreuz: Jürgen Damm Jürgen Damm ist einer von jenen Menschen, die unser Leben reicher machen. Er ist jemand, der sich tatkräftig um die Belange seiner Mitmenschen kümmert, ihnen hilft und zur Seite steht – und das in vielfältiger Form. Aus diesen Gründen erhielt der stellvertretende Volksbund-Kreisvorsitzende Kassel und stellvertretende Landesvorsitzende Hessen nun das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Landesvertretertag 2012 in Sachsen Der Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen, Prof. Landgraf-Dietz, lädt alle Mitglieder des Landesverbandes Sachsen zum Landesvertretertag am Samstag, 13. Oktober 2012 um 10 Uhr nach Görlitz ein. Tagungsort ist das Berufsschulzentrum Görlitz, Sattigstrasse 6, 02826 Görlitz.

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Vor 30 Jahren rief der Volksbund-Landesverband Nordrhein-Westfalen das „Pilotprojekt Ysselsteyn“ ins Leben. Dieses Projekt war sehr erfolgreich – und zugleich die Geburtsstunde der ersten Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte (JBS) des Volksbundes. Schlichte Holzhütten und Sanitärcontainer bildeten damals den eher spartanischen Unterkunftsbereich. Heute zeigt sich die nunmehr ausgebaute JBS in den Niederlanden mit gemütlichen Holzhäusern als zeitgemäße Unterkunft. Das bewährte Programm als überzeugende Grundidee blieb bis heute bestehen: Arbeit – Begegnung – Bildung – Freizeit. Ei-

ne Gruppe aus Lindlar machte nach diesen Grundsätzen schon 1982 den Anfang. Und nun jährte sich das Bestehen der JBS Ysselsteyn zum 30. Mal: ein Grund zum Feiern! Viele Gäste und Freunde fanden am „Tag der offenen Tür“ am 30. Juni 2012 den Weg nach Ysselsteyn. Zudem gab es eine Neuauflage der Aktion Blumen gegen das Vergessen. Die weißen Nelkensträuße erinnern an die Unbekannten und auch an die Kindersoldaten auf der deutschen Kriegsgräberstätte in den Niederlanden. Diesem Zweck diente auch die Aktion Rote Hand als persönliche Botschaft gegen den Einsatz von Kindersoldaten.

Zum Doppeljubiläum der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte sowie des Bundesjugendausschusses des Volksbundes kamen zahlreiche Gäste nach Ysselsteyn. Foto: Karl-Heinz Voigt


Namen & Nachrichten

Spende nach Pilgerfahrt Die Arbeiten zur Erneuerung der Grabzeichen auf der Kriegsgräberstätte Niederbronn-les-Bains in Frankreich gehen dank der Bundeswehr gut voran. Die alten Grabzeichen wurden herausgenommen

Förderer-Workcamp in Ysselsteyn und anschließend entsorgt, da die darauf verzeichneten Namen und Daten nicht mehr leserlich waren. Dann wurden die Sockelfundamente geliefert und die neuen Grabsteine fachmännisch versetzt.

Die freiwilligen Helfer der Bundeswehr sind bei der Erneuerung der Grabsteine im französischen Niederbronn-les-Bains mit großem Eifer und Fachkunde am Werk. Foto: Volksbund

Neuer Landesvorsitzender NRW

Tag der offenen Tür im Bendlerblock

Die Delegierten des Landesvertretertages des Volksbund-Landesverbandes Nordrhein wählten am 21. Mai 2012 in Essen den nordrheinwestfälischen Justizminister Thomas Kutschaty zum neuen Landesvorsitzenden. Der 42-jährige Jurist tritt die Nachfolge von Staatsminister a. D. Dr. Fritz Behrens an, der das Amt fast auf den Tag genau 20 Jahre lang innehatte. Volksbundpräsident Reinhard Führer verabschiedete den langjährigen Weggefährten persönlich. Zu Beisitzern in den Vorstand wählten die Delegierten Eckhard Uhlenberg, den Vizepräsident des Landtages von Nordrhein-Westfalen, den Dürener Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan, Professor Alfons Kenkmann sowie Raphaela Kraske als Vertreterin des Jugendarbeitskreises. Der scheidende Landesvorsitzende Dr. Fritz Behrens wurde zum Ehrenmitglied des Landesvorstandes ernannt.

Volksbund und Bundeswehr pflegen eine jahrzehntelange Partnerschaft. Das zeigte sich auch beim Tag der offenen Tür im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) im Berliner Bendlerblock. Dabei war der Volksbund am 18. und 19. August erneut mit einem eigenen Stand samt umfangreichem Informationsmaterial und der Möglichkeit zur Gräbersuche Online vertreten. So gelang es auch in diesem Jahr wieder, einige Schicksale aus dem Zweiten Weltkrieg vor Ort zu klären. Dem Volksbund bereits seit langem verbunden sind der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, der Kommandeur des Standortkommandos Berlin, Brigadegeneral Peter Braunstein, und der parlamentarische Staatssekretär Thomas Kossendey. Letzterer fand über die erwähnte Online-Gräbersuche übrigens ebenfalls zwei Verwandte, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren.

Langsam aber sicher wird das Förderer-Workcamp zur festen Institution beim Volksbund. Nachdem der freiwillige Arbeitseinsatz von meist über 50jährigen Volksbundförderern 2007 seine Premiere feierte und jährlich einmal wiederholt wurde, gab es nun gleich zwei Camps dieser Art in einem Jahr. Motto: Einmal ist keinmal! Denn nach dem jüngsten Arbeitseinsatz in Montde-Huisnes (wir berichteten) folgte nun noch zusätzlich die freiwillige Arbeit in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte (JBS) des Volksbundes im niederländischen Ysselsteyn. Die 23 Teilnehmer in Alter zwischen 50 und 72, darunter vier Frauen, hatten für ihren zweiwöchigen Aufenthalt im August eine Menge vor: Sämtliche Funktions- und Besuchergebäude der Kriegsgräberstätte sowie das komplette Hauptgebäude samt Fahrradschuppen, Werkstatt und Speisesaal der Jugendbegegnungsstätte sollten von außen gestrichen werden, insgesamt über 1 000 Quadratmeter. Dazu kamen leichte Dachdeckerarbeiten. Zusätzlich verfugten die fleißigen Förderer des Volksbundes 50 Meter Mauer. Für Transport und Logistik war ebenfalls gesorgt: Erneut stellte Volkswagen-Nutzfahrzeuge einen hochwertigen Kleintransporter und die Bundeswehr sogar einen Bus samt Kraftfahrer über die gesamte Einsatzzeit. Die verlief übrigens bei sehr schönem Wetter. „Dazu kamen eine super Arbeitsmoral, keine Unfälle und sehr viel Harmonie unter den Teilnehmern. So macht das Arbeiten große Freude“, sagte Campleiter Jochen Droste. Mit diesem Stimmungs-Rückenwind waren die Aufgaben sogar ein halben Tag früher als geplant erledigt. Insgesamt war auch dieses FördererWorkcamp ein ebenso erfolgreicher wie eindrucksvoller Arbeitseinsatz. Zum Abschluss gab es eine selbst organisierte Gedenkfeier auf der Kriegsgräberstätte Ysselsteyn. Diese verfügt übrigens als einzige über ein eigenes Glockenspiel, das in die Gedenkstunde integriert wurde. Teilnehmer Klaus Bregas, Pfarrer in Ruhestand, hielt dabei die Gedenkrede.

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Danke für Ihre Hilfe! der, Dr. Hans-Günther Waubke Hamm: Horst Kämpfe Heidelberg: Prof. Dr. Gisela Dallenbach, Prof. Dr. Frederick Dallenbach, Elfriede Maisch-Doss Hemmoor: Klaus Huisinga Herbrechtingen: Walter Kummer Heuchelheim: Karl Fiedler Hildesheim: Siegfried Krüger Holzminden: Eheleute Käthe und Ludwig Salmuth Iserlohn: Ulrike Kirst Karlsruhe: Gertrud Steinbrunn Kassel: Barbara und Dieter Salaske Kleve: Johann Rexing Köln: Hansjakob Hünseler Königswinter: Helmut Scharbert Korbach: Hans Osterhold und Klassenkameraden Krefeld: Dr. Wolfgang Kämmerling Laage: Edith und Dieter Krause Lage: Else Neddermann Lagos/Portugal: Georg Buss Landshut: Martin Wackerbauer Lebach: Horst Jericho Leutkirch: Bernadette Kiesel Leverkusen: Dr. Dieter Tappe Lübeck: Günter Arndt Mainz: Magdalena Hassemer, Hubertus Cramer Marsberg: Wolfgang Wamers Mayen: Josef Buhr Meckenheim: Joachim Behne Monheim: Hans-Jürgen Motz Mühlheim: Peter Dieter Harnickell München: Mariele und Erich Hartstein, Herbert Grimminger, Günter Sieben, Eberhard Wiederhut Neuburg a. d. Donau: Anton Sprenzel Neuburg a. d. Kammel: Edith

Jekle Neustadt: Gerhard Dürr Oberding: Ernst Tröndle Pulheim: Karl Heinz Fröbrich Quickborn: Eheleute Lessau Rastatt: Gertrud Elsenhans Rees: Ewald Kortheuer Remseck: Heinz Pfizenmayer Rendsburg: Jochen Hahne Rieden: Alfred Baur Ritterhude: Ekkehard Dittmann Salzgitter: Leonard Stoffels Schildow: Ingrid Ripke Söhlde: Otto Keller Stadtallendorf: Hans Gerhard Franke Stolberg: Finni Peters Stuttgart: Margarete Waldmann Süstedt: Marlene Schäfer Torquay/GB: Dr. Bernhard D. Timm Utersum: Ingke und Simon Wögens Waldbröl: Bodo Scheplitz Walpertskirchen: Josef Hackl Wedemark: Georg-Wilhelm Kuske Wennigsen: Christine und Gunter Hesse Witten: Isolde Herberg

Herausgeber

Redaktion

Verlag

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. www.volksbund.de Stimme & Weg 88. Jahrgang, Oktober 2012 (ISSN 0944-2766) Das Mitteilungsblatt erscheint viermal im Jahr, Nachdruck nur mit Quellenangabe und Beleg. Für unverlangt eingesandtes Material wird keine Haftung übernommen. Die Redaktion behält sich Kürzung und Bearbeitung des zur Verfügung gestellten Materials vor.

Maurice Bonkat Beirat: Prof. Volker Hannemann (Vorsitz), Erich Bulitta, Claudia Byczynski, Ingrid Ebert, Britta Metzger und Manfred Schaake

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Werner-Hilpert-Straße 2 • 34112 Kassel Telefon: 0561 – 7009 – 283 • Fax: – 221 E-Mail: info@volksbund.de

Spendenkonto

Verantwortlich

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Kontonummer: 3 222 999 Commerzbank Kassel Bankleitzahl: 520 400 21

Rainer Ruff, Generalsekretär

Spenden anstelle von Geschenken zu besonderen Anlässen Aalen: Monika und Rudolf Aust Bad Oeynhausen: Elisabeth Hennig Bad Soden-Salmünster: Walburga Kleespies Bamberg: Adolf Nacke Bayreuth: Dieter Bayerlein Berlin: Joachim Heinrich Bettingen: Else Friedrich Biberach: Elmar Reich Bispingen: Erika und Herbert Pollehn Bonn: Dr. Wolfgang Schieren Braunschweig: Otto Hoffmeister Bremen: Dr. Wolfgang Loennecke, Ulrich Trzeba Bremerhaven: Hildegard Gabcke-Bensel Bochum: Fritz Brinckmann Brilon: Dr. Engelbert Schulte Celle: Dr. Thomas Doms Dinkelscherben: Franz Wirth Dresden: Dr. Horst Lotze Dülmen: Heti u. Klaus-Josef Kettelhake Düsseldorf: Gerda Blume, Horst-Günter Edelbluth, Anita Fauteck Eckernförde: Horst Wollermann Edertal: Otto Briel Ellwangen: Wolf-Dieter Laabs Felde: Karen Schneider Frankfurt: Peter Dörr Fockbek: Uwe Holdorf Gießen: Eheleute Pauly Großenbrode: Melanie u. Günter Schwarz Hadamar: Josef Bellinger Hamburg: Anne Flügge, Irmgard und Bernd Grosz, Renate und Klaus Schrö-

danke

für Ihre Hilfe!

Impressum

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Gestaltung René Strack

Druck Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG Frankfurter Straße 168 • 34121 Kassel

Fotonachweis Der Titel zeigt die Teilnehmer mehrerer Workcamps des Landesverbandes Bremen (Foto: Isa Nolle). Die übrigen Fotos stammen, wenn nicht anders gekennzeichnet, von Volksbundmitarbeitern oder aus dem Archiv.

Beilagen Anzeigen/Beilagen Thomas Fischer Telefon: 0561 – 7009 – 268

Diese Ausgabe enthält Beilagen von: RSD Reise Service Deutschland, Atlas Verlag (beides in Teilauflage), MDM und Walbusch.


Bitte überweisen Sie Ihre Spende nur auf dieses Konto: Kontonummer: 3 222 999 Commerzbank Kassel Bankleitzahl: 520 400 21

Spenden anstelle von Blumen und Kränzen im Todesfall Aalen: Dr. Hans Ziegler Alfeld: Günther Friedrichs Almersbach: August Rödder Altdorf: Ruth Beuschel Ascheberg: Hans Kaack Aurich: Heinz-Werner Theesfeld Bad Bentheim: Hans Carl Deilmann Bad Berleburg: Ilse Pauli Bad Camberg: Anna Balthaus Bad Düben: Elfriede Wagner Bad Schwartau: Detlef Johannes Otto Daugs Bad Waldsee: Hans Riempp Barnstorf: Walter Middendorf Barum: Erich Koppe Bedburg: Alfred Tolksdorf Bergisch Gladbach: Karl Heinz Schoenel, Hans-Dietrich Wuttke Berlin: Dr. Kurt-Georg Cram, Lotte Grove, Rochus P. Strangfeld Bielefeld: Günter Heise Blomberg: Heinz Nordsiek sen. Bodenheim: Horst Bremer Bonn: Hans Sandfort Boppard: Hans Thiel Borstel: Hermann Grube Bremen: Dorothea Burmeister, Hans Halves, Adelina Klose, Wolfgang Lange, Bernd Ofterdinger, Erdwig Schaumlöffel, Karl-Heinz Siems Buchenberg: Albert Raichle Butjadingen-Tossenserdeich: Christian Allmers-Plump Celle: Magdalene Schröer Delmenhorst: Rüdiger Engler Diepholz: Gerda Rafflenbeul Donaueschingen: Anton Wehinger Dortmund: Dr. Hans-Joachim Klinkhammer, Ilse Müller Dresden: Ingeborg Meyer-Brüne Düsseldorf: Anton Beckmann, Prof. Hilger Flamm Eichenau: Renate Bierling Erkrath: Anneliese Schmidt Erlangen: Hans-Joachim Kretschmer, Karl Janner Essen: Ingeborg Francke, Werner Hahn Fockbek: Dr. Klaus Hesselbarth Forstinning: Simon Langmeier Frankfurt: Prof. Dr. Joachim Gerchow Fürth: Lotte Seidel Göttingen: Albert Albrecht, Walter Herold Greifswald: Dr. Hans-Alfred Donner Grenzach-Wyhlen: Marianne Degen Großhansdorf: Klaus Ohling Haan: Günter Eschweiler Haltern: Franz Althoff Hamburg: Marita Krogmann, Christian von Lucke, Carl Friedrich Mossdorf, Horst Noffke Hannover: Dr. Hans-Edwin Gurn, Ilse Stork Heinade: Klaus-Dieter Hesse Hildesheim: Martha Elisabeth Graf Hochstetten-Dhaun: Karla Threin Hundsangen: Josef Weidenfeller Itzehoe: Helge Rü-

Aus dem Ausland: IBAN DE 23 5204 0021 0322 2999 00 BIC COBADEFF520

ping Jelmstorf: Adele Gade Kalkar: Kurt Heinen Kaarst: Heinrich Goetschkes Kiel: Eva Weinke Köln: Herbert Dehen, Dr. Felix Heinen, Wilma Noll Koblenz: Prof. Dr. Franz-Josef Heyen, Horst Lange, Andreas Lohn Konz: Dr. Eberhard

Ihre Fragen zum Thema „Spenden anstelle ...“ beantwortet Ihr Anlass-Spenden-Team Bärbel Dittmar und Barbara Berger unter Tel. 0561-7009-312 und -136.

Stützle Laatzen: Elfriede Veit-Stehmann Lage: Ernst Schlingmann Landshut: Dr. Alois Rauch Lengerich: Albert Erdmann Lemgo: Ingeborg Kranz Lensahn: Werner Steffen Limburg: Karl Schmitz Limburgerhof: Helmut Zaiser Mannheim: Kurt Saur Marburg: Dr. Ruth AcciniGraul, Gretl Vohwinkel Marienheide: Margarethe Jacobs Mechernich: Karl Josef Querbach Meine: Heinrich Bosse Meinerzhagen: Margot Fuchs Meschede: Theo Kirtz Monschau: Anna Lambertz Münster: Gertrud Rassow Nellingen: Jo-

Sie haben geholfen Bitte Kennwort angeben! Vor- und Nachname

hannes Mayer Neu Wulmstorf: Uwe Ortmann Niederkassel: Dr. Henning Frank Nienburg: Hartmut Emmerling Norderstedt: Hans Freter, Giesela Wiegert Nordhorn: Herma Tesch Nürnberg: Heinrich Hertzstell, Susanne Lutz Offenbach: Wilma Sinn Pattensen b. Hannover: Kurt Ruddigkeit Perleburg: Dr. Karl Heinz Schwabe Pforzheim: Wilhelm Lenz Prien: Gustav Knechtel Rahden: Günther Preuss Ratingen: Walfried Gihske Ratzeburg: Friedrich-Wilhelm Hanck Rettenberg: Anton Jörg Rosengarten: Hubert Fischer Saarbrücken: Hedwig Klingel, Reinhold Schreiner, Sieglinde Weis Saarlouis: Franziska Katharina Philippi Satrup: Wilhelm Richtsen Schleiden: Hilde Bungenberg Schwerte: Winfried Korb SeelzeLetter: Hans-Joachim Ribbe Seevetal-Eddelsen: Ilse Völsch Simmern: Marchrist Schmitt Starzach: Sigurd Freiherr von Ow-Wachendorf Stockstadt: Elisabeth Kühl Syke: Albert Hüdepohl Taufkirchen: Franz-Xaver Widl Traunstein: Charlotte Albach Triefenstein/Trennfeld: Werner Schilde Verden: Eckart Fischer Vienenburg: Erich Erlacher Villingen-Schwenningen: Emil Rimmele Wachenheim: Karl Heinz Hißting Wedel: Dr. Wolfgang Meyer-Tuve Weinheim: Marianne Rihm Weyhe: Walter Bleckwehl Wiedergeltingen: Zitta Unsin Wiesbaden: Helga Janthur Wipperfürth: Elisabeth Kötter Wolfenbüttel: Paul Golda Wuppertal: Dr. Joachim Cornelius

Danke Da es in der Vergangenheit Probleme gab, bitten wir dringend darauf zu achten, dass Ihre Spendenzahlungen für besondere Anlässe über unser Konto bei der Commerzbank Kassel Kontonummer: 3 222 999 Bankleitzahl: 520 400 21 laufen. Damit ist sichergestellt, dass Sie Ihre zeitnahen Informationen über Spendeneingänge und Zuwendungsbestätigungen erhalten.

Zuwendungen anstelle von Geschenken für Stiftung Oppenau: Magda Roth

Spenden in Gedenken an Die neue Rubrik, „Spenden in Gedenken an ...“, dient speziell der Erinnerung und dem persönlichen Gedenken an Familienangehörige, die in den beiden Weltkriegen verstorben sind. Meinerzhagen: Hans Grasshoff

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Internationales Workcamp in Karlsruhe

An dem Internationalen Workcamp des Volksbund-Landesverbandes Baden-W체rttemberg nehmen 30 Jugendliche aus 16 L채ndern teil. Fotos: Heike Baumg채rtner

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Stimme und Weg ist die Mitgliederzeitschrift des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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