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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinebauern, Dresdnerstrasse 89/18,1200 Wien

Ausgabe Österreich 3/2019

Preise nachhaltig? www.schweine.at


Ausgabe Österreich 3/2019 20

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Inhalt

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Leitartikel

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Kommentar

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Interview

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Markt

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Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

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Recht & Politik

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Rieder Messe

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Mitgliederversammlung - Bericht

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Maissilage

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AMA

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Mahlfeinheit

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Firmeninformation

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Sauenfundament

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Zucht

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Benchmarking

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Biosicherheit

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Studienreise - Bericht

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Rezept & Rätsel

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Agrarrohstoffe - Bericht

IMPRESSUM

Im Interview

Feines Futter

... LK OÖ-Präsidentin Michaela Langer-Weninger ...

... wie die Mahlung die Tiergesundheit beeinflusst ...

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Gute Mütter ...

Benchmarking ...

... haben schöne Beine ...

... innovative Auswertung des Arzneimitteleinsatzes ...

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Studienreise ... nach Südschweden und Dänemark...

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Rezept-Tipp ... Selchfleisch-Eintopf ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/18 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: Fraukoeppl / FLI / AMA, Stückler Mit freundlicher Unterstützung

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Foto: FRAUKOEPPL

Josef Brandstätter VÖS-ObmannStv.

Trotz guter Preise - Stimmung bei Schweinebauern getrübt

Vorwürfe von NGOs: Die Tierschutzgruppe „Verein gegen Tierfabriken“ (VGT) hat vor Kurzem die Haltung von Schweinen auf „Vollspaltenböden“ zum Thema einer neuen Kampagne gemacht. Die heimische Schweinehaltung wird in den Kampagnen als Schlusslicht Europas bezeichnet, dies wird mit angeblichen 'Studien' untermauert. Die zitierten Studien bzw. Kennzahlen wurden nicht öffentlich gemacht, sind nicht einsehbar oder nachvollziehbar. Die Schweinebäuerinnen und Schweinebauern werden vom VGT als Verbrecherinnen und Verbrecher dargestellt und zum „BuhMann“ gemacht. Dabei wird Schweden immer wieder von den Tierschützern als Vorzeigeland genannt. Der VÖS hat heuer im Juni eine Reise nach Dänemark und Schweden organisiert, wo wir uns die Situation in den dortigen Schweinebranchen und auf Betrieben angesehen haben. Fakt ist, dass in Schweden das Schwanzkopieren verboten ist und dass die Kastration vom Landwirt selbst unter Anwendung von Lidocain (lokales Betäubungsmittel) nach einem eintägigen Anwendungskurs durchgeführt wird. Stroh, Einstreu und Teilspaltenböden sind auch in der Mast Vorschrift. Es zeigt sich aber auch, dass seit 1995, dem Jahr des EU-Beitritts von Schweden und Österreich, in Schweden der Selbstversor-

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gungsgrad mit Schweinefleisch von 100% auf 65% gesunken, die Zahl der schweinehalten Betriebe von 14.000 Betriebe auf 800 abgenommen hat und es meiner Ansicht nach keine bäuerlichen Strukturen in der dortigen Schweinehaltung mehr gibt. Schweinefleisch wird daher in großen Mengen importiert. „Kleinbetriebe“ halten 350 Zuchtsauen bis 3500 Zuchtsauen je Betrieb, alles mit Fremdarbeitskräften und einer Technik, die sich kein Familienbetrieb hierzulande leisten kann. Dazu sind größere Strukturen notwendig. In Österreich konnte der Selbstversorgungsgrad seit 1995 mit leichten Schwankungen um die 100% aufrechterhalten werden. Wir hatten 2018 ca. 24.000 Schweinehalter mit durchschnittlich 120 Schweinen pro Betrieb. Die spezialisierten Zuchtsauenbetriebe halten durchschnittlich 90 Zuchtsauen je Betrieb.

Heimische Produktion zum Wohle aller erhalten Es stellt sich daher für mich die Frage, ob es wirklich das Ziel der Tierschutzorganisationen sein kann, die Schweineproduktion in Österreich den bäuerlichen Familienbetrieben de facto zu verbieten und den Fleischkonsum mit Waren aus dem Ausland, mit gänzlich anderen Strukturen und Vorschriften, zu bedienen? Ich würde meinen, dass der Konsument sehr wohl das Recht hat, heimische Lebensmittel aus der Region zu kaufen.

Landwirtschaft und Tierhaltung im Fokus der Politik Politiker aller Parteien erklären, dass sie die kleinstrukturierte Landwirtschaft erhalten, regionale Produkte im Angebot und im Einkaufswagerl, die Landwirtschaft


Schweinepest, die vor kurzem auch in der Slowakei ausgebrochen ist, kann man wohl als dramatisch bezeichnen. Daher möchte ich jedem Schweinebauern ans Herz legen, seine Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen, damit wir ein Szenario eines Ausbruchs in Österreich, soweit es in unserer Macht liegt, verhindern können.

Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig

Wenn wir über die Zukunft sprechen, müssen wir über unsere nächste Generation in der Landwirtschaft sprechen. Wir sollten sie bestmöglich unterstützen. Sie braucht Perspektiven und diese werden wir auch in Zukunft haben. Die heimischen Konsumenten wollen regional erzeugte Produkte. Das wissen auch unsere Jungen. Die Wertigkeit regionaler, gesunder Produkte wird weiterhin steigen. Dies soll auch Motivation für die künftigen Veredler in Österreich sein. Das Selbstbewusstsein der Jungen zeigt sich auch im Fortführen von Traditionen und der gleichzeitigen Aufgeschlossenheit für Neuerungen und neue Technologien. Sie waren auch noch nie so gut ausgebildet wie heute und werden den Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet begegnen. Damit sie auch für Investitionen vorbereitet sind, hoffe ich, dass wir noch einige Zeit gute Preise für Ferkel und Mastschweine erlösen werden. Wichtig für die Jungen ist auch die Vernetzung, daher danke ich den „Jungen Veredler“Gruppen in ganz Österreich für den wertvollen Beitrag und wünsche mir, dass sie in Zukunft noch weiter wachsen.

Nach Angaben des deutschen Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut, FLI) wurden bisher im Jahr 2019 (Stand 30. Juli) 664 Fälle bei Hausschweinen (Rumänien, Polen, Ukraine, Bulgarien, Slowakei, Lettland, Litauen) sowie 3.641 Ausbrüche bei Wildschweinen registriert. Der größte Teil der ASPFälle bei Hausschweinen entfällt auf Rumänien (570 Ausbrüche), während Polen die meisten Fälle bei Wildschweinen (1.435) verzeichnet.

© Straßmayr

gepflegt und vieles mehr haben wollen. Doch in Zeiten wie diesen, wo das freie Spiel der Kräfte im Parlament herrscht und die Parteien um Stimmen werben, zeigen viele Politiker verschiedener Parteien ein anderes Gesicht. Es stellt sich die Frage, ob jenen die Landwirtschaft wohl doch nicht so wichtig ist. Sie müssen sich auch die Frage gefallen lassen, ob es ihnen ein Anliegen ist, dass passende Bedingungen vorzufinden sind, um Lebensmittel in Österreich zu produzieren. Es ist leider für manche populärerer, gegen Pflanzenschutzmittel zu sein, die Nutztierhaltung als Tierquälerei anzuprangern, die Lebensmittelproduzenten für die Treibhausgase, Wasserverschmutzung und vieles mehr verantwortlich zu machen. Ich fordere daher die Politiker sämtlicher Parteien auf, zu der kleinstrukturierten Landwirtschaft zu stehen, auch wenn es nur eine kleine Berufsgruppe ist. Denn Landwirtschaft und Lebensmittel braucht jeder. Fragt sich nur, ob es bäuerliche Produkte aus Österreich oder Massenware aus dem Ausland sind.

Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

Weiterentwicklungen In den vergangenen Wochen wurden in den heimischen Schweinezuchtverbänden historische Weichenstellungen ge-

Junge Landwirtinnen und Landwirte unterstützen

setzt. Bereits seit längerem wurde der Zusammenschluss der Schweinezuchtverbände in Niederösterreich, Steier-

Auch wir Landwirte müssen an uns arbeiten, um der Gesellschaft unsere Arbeitstechnik und unsere Produktionsschritte näher zu bringen, sei es durch Schule am Bauernhof, Hofbesichtigungen, neue Medien und vieles mehr. Wir müssen den Menschen die Realität zeigen, die anders ist, als es die NGOs darstellen. Die Schweine brauchen nicht im Schmutz liegen, sie sind sauber und trocken. Ein geregeltes Stallklima, Beschäftigungsmaterial, ausreichend Platz, keinen Stress, sauberes Trinkwasser, bestes Futter, höchste Hygiene und bestmöglicher Gesundheitszustand sind das Anliegen der heimischen Betriebe. Die Konsumenten verstehen das zum größten Teil und ich denke, wir brauchen auch in Zukunft keine Sorge haben, denn die Österreicher lieben heimisches Schweinefleisch und Produkte aus der Region. Es ist daher auch unsere Aufgabe darauf zu achten, dass wir die Selbstversorgung sicherstellen.

Afrikanische Schweinepest im Auge behalten Die Lage in Bezug auf die Afrikanische

Abschließend, wünsche ich allen eine schöne Herbsternte, viel Erfolg in der Schweineproduktion und auch weiterhin gute Preise, um auch Investitionen tätigen zu können.

mark und Oberösterreich geplant. Nun ist es so weit, ab dem Herbst wird das Projekt „Schweinzucht Österreich NEU“ in seine finale Phase eintreten. Damit wird in Zukunft ein österreichweiter, bäuerlicher Zuchtverband mit Besamung für die Schweinezüchter arbeiten. Ziel ist es, Synergien zu nutzen, das erfolgreiche österreichische Zuchtprogramm effizient zu gestalten und weiterhin optimal an die Anforderungen der heimischen Kunden anzupassen. Dazu ist die Bündelung aller vorhandenen Kräfte sinnvoll und notwendig. Eine weitere Entwicklung sind die TGD bzw. AGES-Berichte zum Antibiotikaeinsatz. Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit von Landwirtschaft, TGD und AGES werden die schweinehaltenden Betriebe von Auswertungen zum Arzneimitteleinsatz profitieren. Ich hoffe, viele Betriebe nützen die zur Verfügung stehenden Daten.

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LK OÖ-Präsidentin Michaela Langer-Weninger im Interview Michaela Langer-Weninger ist die erste Frau an der Spitze einer Landwirtschaftskammer in Österreich. Die neue Präsidentin der Landwirtschaftskammer Oberösterreich kann bereits auf eine umfangreiche Funktionärslaufbahn zurückblicken. Seit zehn Jahren ist sie Landtagsabgeordnete sowie Gemeinderätin. Langer-Weninger ist seit 2008 Ortsbäuerin und seit 2014 ObmannStellvertreterin im OÖ Bauernbund. Mit ihrer Familie bewirtschaftet sie den „Aichriedlhof” in Innerschwand am Mondsee mit Bio-Heumilcherzeugung. Frau Langer-Weninger, was sind die ersten Maßnahmen, die sie als Präsidentin der LK Oberösterreich angehen werden?

Michaela Langer-Weninger Präsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ

Ich stelle mich ganz bewusst und aktiv der großen Herausforderung, den Weg der OÖ Land- und Forstwirtschaft und die künftige Agrarpolitik aktiv mitzugestalten. Für meine Arbeit haben die Einkommen der bäuerlichen Familienbetriebe, die Lebensqualität in den Bauernfamilien, der Schutz des Eigentums und die Wertschätzung heimischer Lebensmittel oberste Priorität. Um in diesen Bereichen erfolgreich Akzente zu setzen, braucht es ein Bündel von Maßnahmen: proaktives Mitreden bei Gesetzesvorhaben, Dialog und Verhandeln mit den Entscheidungsträgern in Bund und Land, Service, Bildung und Beratung unserer bäuerlichen Betriebe und natürlich laufend die Information und Ansprache der Gesellschaft, um die Leistungen unserer heimischen Land- und Forstwirtschaft vor den Vorhang zu holen.

Zukunftsfragen einbringen. Immer mehr Menschen werden sich höherwertige Lebensmittel und eine gesunde Ernährung leisten. Zudem achten immer mehr Menschen auf eine entsprechende Lebensmittelqualität und sind dafür auch bereit, einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Aber noch nicht alle Konsumentinnen und Konsumenten sehen das so, daher liegt hier noch ein gutes Stück Arbeit vor uns. Punkto Klimaschutz ist es uns gelungen, im Jahr 2018 erstmals seit drei Jahren den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen zu reduzieren, und zwar in erster Linie durch einen verringerten Mineraldüngereinsatz. Die Digitalisierung kann dabei helfen, noch gezielter und sparsamer unsere Felder, Grünflächen und Ställe zu bewirtschaften. Das geht von GPSgesteuerten Maschinen über „smarte“ Farmsysteme oder eine effizientere Verwaltung. Wir nehmen uns all dieser Themen an und modernisieren auch laufend das Beratungsund Schulungsangebot der Landwirtschaftskammer entsprechend.

Quelle: LKOÖ

6 | Interview | 3 2019

Die Herausforderungen für die heimischen Betriebe sind vielfältig, vom Klimawandel über sich ändernde Konsumgewohnheiten bis hin zur Digitalisierung. Wo sehen Sie die Chancen für die bäuerliche Landwirtschaft in Zukunft? Planen Sie in diesen Bereichen besondere Schwerpunkte zu setzen?

Die heimische Landwirtschaft forciert schon seit längerem eine verbesserte Herkunftskennzeichnung, vor allem im Außer-Haus Verzehr und bei verarbeiteten Produkten. Wie stehen Sie zu dieser Forderung? Wie könnten hier mehr Anreize für Gastronomiebetriebe geschaffen werden, auf heimische Lebensmittel zu setzen?

All diese Themen treffen auch die Land- und Forstwirtschaft in Oberösterreich. In vielen Bereichen kann die Landwirtschaft sogar eine zentrale Problemlösungskompetenz bei der Bewältigung der verschiedenen

Ich sehe es als wesentliche Aufgabe der Agrarpolitik entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere bäuerlichen Betriebe ihre vielfältigen Marktpotenziale auch tatsächlich nutzen können. Eine


konsequente Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln, auch in der Gastronomie und in der Gemeinschaftsverpflegung, gehören zu diesen Maßnahmen. Wir produzieren in Österreich nach strengen Standards und Vorschriften, die aber im globalen Wettbewerb nicht zum Nachteil werden dürfen. Deshalb müssen Konsumentinnen und Konsumenten wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden, damit sie eine bewusste fundierte Kaufentscheidung treffen können. Für Gastronomen sollten die Kriterien Qualität, Regionalität und Frische eigentlich selbstverständlich sein, sie werden von den Gästen aktiv nachgefragt und gefordert. Auch hier gilt: Transparenz ist das Um und Auf, sie schafft Bewusstsein und Vertrauen.

Genehmigungsverfahren für investitionsbereite Schweinebäuerinnen und Schweinebauern dauern meist mehrere Jahre und stoßen oft auf Widerstand von Seiten der Bevölkerung. Dabei herrscht gerade in der Schweinehaltung ein Investitionsstau. Wie können diese Verfahren verkürzt und vereinfacht werden, damit wieder mehr Entwicklungssicherheit für die Landwirtschaft herrscht? Unsere heimischen bäuerlichen Familienbetriebe waren bis jetzt Garanten für einen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent bei Schweinefleisch. Das in den letzten Jahren anhaltend niedrige Preisniveau hat dramatische Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation der Betriebe. Immer mehr heimische Bauernfamilien ziehen sich aus der Sauenhaltung, Ferkelerzeugung und Schweinemast zurück oder zögern mit Investitionen. Das liegt nicht nur an der schwierigen Einkommenssituation, sondern auch an den immer strengeren Tierschutzauflagen und an den ständig neuen Diskussionen zu Haltungs- und Produktionsfragen. So ist zum Beispiel das Verbot von Vollspaltenböden oder der betäubungslosen Kastration von Ferkeln aktuell ein politisches Streitthema ohne praxistaugliche Alternativen. Tierwohl muss selbstverständlich großgeschrieben werden, aber mit solchen periodisch schärfer werdenden Bestimmungen werden die Bäuerinnen und Bauern nicht nur zum Spielball politischer Stimmungsmache, sondern völlig verunsichert. Wir brauchen rechtliche Sicherheit, Planungssicherheit und mehr

Anreize anstelle von Verboten. Zusätzlich bedarf es weiter der finanziellen Begleitung durch Förderprogramme. Insbesondere für die verpflichtete Umstellung auf Bewegungsbuchten im Abferkel- und Deckbereich braucht es zukünftig deutlich attraktivere Investfördersätze.

Frau Präsidentin, wie ist der Stand der Dinge in den GAP-Verhandlungen? Worauf können sich die heimischen Bäuerinnen und Bauern Ihrer Meinung nach einstellen? Wo sehen Sie den größten Reformbedarf für die nächste Periode nach 2020? Mit dem vorliegenden EU-Vorschlag für die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und dem neuen mehrjährigen Finanzrahmen wird gerade das zweite Einkommensstandbein der öffentlichen Mittel zu einem wesentlichen Teil massiv in Frage gestellt. Die vorliegenden EU-Kürzungsvorschläge sind für die Bauernschaft völlig inakzeptabel und werden von uns mit allem Nachdruck abgelehnt. Es kann nicht sein, ständig höhere Umwelt-, Klimaschutz- und Tierschutzauflagen für die Landwirtschaft zu definieren und gleichzeitig die dazugehörigen Ausgleichszahlungen zu kürzen. Die Verhandlungen zur neuen Gemeinsamen Agrarpolitik werden voraussichtlich erst 2020 abgeschlossen werden. In die Erarbeitung des nationalen Strategieplans sind wir fortlaufend aktiv eingebunden.

Ein oft zu wenig beachtetes Thema ist auch der Flächenverbrauch, Österreich liegt hier leider europaweit an der Spitze. Welche Maßnahmen können und werden Sie hier setzen, um der Verbauung und Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen entgegen zu wirken? Ich setze mich dafür ein, dass zum Schutz unserer Nutzböden „landwirtschaftliche Vorsorgeflächen“ ausgewiesen werden, die auch in Flächenwidmungsplänen zu übernehmen sind. Auf diesen Flächen soll keine Baulandentwicklung mehr möglich sein. Wenn der Boden allerdings baulich genutzt werden soll, sind dafür entsprechende Ausgleichsmaßnahmen oder Ausgleichszahlungen vorzunehmen. Im Naturschutz gibt es solche Ausgleichsflächen, aber noch nicht für verloren gegangenen Boden. Diese Lücke möchte ich gerne schließen. Zur besseren Fundierung wäre außerdem eine Art Flächenbilanz nützlich, die uns klar zeigt, wo landwirtschaftlich wertvoller Boden ist. Ich halte es zudem für sinnvoll, Ortskerne wieder zu attraktivieren und leerstehende Gebäude zu revitalisieren. Ich meine, dass man bei der Bebauung von öffentlichen Flächen noch besser planen muss, wie viele Parkplätze man braucht, und diese wenn möglich nicht in die Fläche, sondern in die Höhe bzw. Tiefe baut, etwa in Form von Parkhäusern. Hier müssen Politik, Raumordnung, Bauplaner und Landwirtschaft für unsere Ernährungssicherheit an einem Strang ziehen.

Michaela Langer-Weninger ist die neue Präsidentin der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Quelle: LKOÖ 3 2019 | Interview | 7


ASP und China tun uns gut – ist das nachhaltig? Seit April passts

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Der Auslöser für den Preissprung am Beginn des zweiten Quartals war zweifelsohne die flächendeckende Ausbreitung der ASP in China. Aber auch die Rücknahme der Produktion in maßgeblichen EU-Schweineländern wie z. B. Deutschland. Auch weltpolitische Einflüsse, wie der Handelskrieg zwischen China und USA, der zwischenzeitlich zu einem Strafzoll für US Schweinefleisch in China von 72% und aktuell zu einem völligen Importstopp seitens China führte. Nicht zuletzt ist auch die europäische Währungspolitik relevant. Der aktuelle Wechselkurs des Euro zum US-Dollar begünstigt die Wettbewerbsfähigkeit EU Schweinefleisches am asiatischen Markt.

Jahrelange Krise befürchtet Laut einer Studie der EU-Kommission dürfte China die nächsten fünf bis sieben Jahre mit der ASPProblematik zu kämpfen haben. Das heißt, der Importbedarf bei Schweinefleisch wird längerfristig die bisherigen Importmengen massiv übersteigen. Die Jahresproduktion von Schweinefleisch in China lag vor dem ASP-Ausbruch bei ca. 55 Mio. Tonnen (siehe untenstehende Abbildung). Also würde ein 20%iger Produktionsrückgang ein Minus von gut 10 Mio. Tonnen ergeben.

Nun geht man aber nicht von dieser Größenordnung an zusätzlichem Importbedarf aus, da durch den gestiegenen Verbraucherpreis weniger Schweinefleisch gegessen wird und besonders der Geflügelmarkt profitieren wird. Effektiv dürften in den nächsten Jahren jährlich statt 1 bis 2 Mio. Tonnen nun ca. 5 Mio. Tonnen Schweinefleisch und -produkte importiert werden.

ASP-Freiheit ist entscheidend Solange die asiatischen Länder die Regionalisierung – darunter versteht man, dass nur ASPbetroffene Gebiete und nicht ganze Länder vom Export nach Asien ausgesperrt sind – nicht akzeptieren, solange haben europäische Schweinehalter in einem nicht ASP-betroffenen Land einen definitiven Vorteil gegenüber ASP-Ländern. Als Beispiel sei hier Belgien erwähnt, wo Schweinebauern seit dem ASP-Ausbruch signifikant schlechtere Preise im Ländervergleich zur Kenntnis nehmen müssen. Auch innerhalb der für den Chinaexport zugelassenen Länder zeichnet sich eine Wettbewerbsverzerrung am Schlachthofsektor ab. Denn Schlachtbetriebe mit Chinaexportlizenzen, darunter auch vier heimische Unternehmen, haben die Möglichkeit, für ein Schwein, je nach Marktlage, im Vergleich zu ausschließlicher Heim- bzw. Binnenmarkt Vermarktung zwischen € 10,- und € 15,- mehr zu erlösen.

Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht – ASP grassiert auch in EU

Chinesische Schweinefleischbilanz-Prognose. Quelle: GIRA

8 | Markt | 3 2019

All diese positiven Aspekte können für unsere Schweinebauern nur dann längerfristig von Vorteil sein, wenn Österreich frei von ASP bleibt. Daher der dringende Appell an all jene, die mit ungarischen, slovakischen, ukrainischen, rumänischen, bulgarischen, baltischen oder polnischen Landsleuten - egal ob Jäger, Gastarbeiter, LKWChauffeure, Touristen etc. - zu tun haben: Bitte sprechen Sie die Thematik ASP an und tragen Sie zur Bewusstseinsbildung bei. Dabei soll im Vordergrund stehen, wie gefährlich Schweinefleisch bzw. Rohwurst- und Rohschinkenprodukten aus diesen Ländern sein kann. Keinesfalls dürfen Wild- oder Hausschweine Kontakt bzw. Zugang zu derartigen Produkten haben!


Mit dem Rüssel in Brüssel InterPIG hat wieder verglichen Die Ergebnisse der aktuellen InterPIG-Auswertung für 2018 zeigen einmal mehr, dass die heimische Schweineproduktion bei maßgeblichen Parametern der Wettbewerbsfähigkeit nicht im vorderen, sondern eher im hinteren Feld zu finden ist. Die daraus resultierenden überdurchchnittlich hohen Produktionskosten können weitgehend durch überdurchschnittlich hohe Erlöse, sprich Schweinepreise, wettgemacht werden. Doch internationale und globale Marktentwikklungen nivellieren zunehmend das Preisgefüge, Mehrerlöse zu erzielen wird immer schwieriger.

Fruchtbarkeit bestimmt Ferkelkosten In der Kategorie “abgesetzte Ferkel pro Wurf“ (Abb. 1) ist einmal mehr Dänemark unangefochten an der Spitze. Mit 14,8 Ferkel liegen die Dänen ca. 2 Stück vor einer breiten 12-13 Stück Mittelklasse mit Spanien, Frankreich, Holland und Deutschland. Der österreichische Wert von 10,8 liegt in diesem Ranking an vorletzter Stelle, knapp vor der extra ausgewerteten Freilandhaltung in England. Bei den Produktionskosten für das 30 kg Ferkel stehen damit in Dänemark € 50,-, in Deutschland € 58,- und in Österreich € 65,- netto zu Buche. Die auf nationalen Durchschnittswerten kalkulierte Vollkostenrechnung für das kg Schlachtgewicht warm zeigt die enorme Bandbreite am Weltschweinemarkt. Während man in Nord- und Südamerika meist unter € 1,- pro kg produzieren kann, müssen Länder wie Deutschland, Österreich und Finnland Kosten zwischen € 1,60 und € 1,70 aufwenden. Laut InterPIG kann Schweinefleisch in Brasilien, und zwar im Bundesland Mato Grosso, zu den weltweit gerings-ten Kosten erzeugt werden. Der Einsatz vieler bei uns nicht erlaubten Futterzusatzstoffe spielt dabei eine wesentliche Rolle. Brasilien ist auch jenes Mercosurland, neben Argentinien, Paraguay und Uruguay, welches am Weltmarkt nicht unbedeutend mitmischt. Im Hinblick auf das geplante Freihandelsabkommen mit der EU, bei welchem zukünftig 25.000 Tonnen Schweinefleisch zollfrei in EU gelangen sollten, kann demnach auch die Schweinebranche nur eine ablehnende Position beziehen. Obwohl das beabsichtigte Kontingent nur 0,1% vom EU-Markt ausmacht, ist zu berücksichtigen, dass selbst kleine Mengen, wenn sie mit Dumpingpreisen verramscht werden, negative Preise Wir-

kung haben. Neben dieser Komponente muss erwähnt werden, dass zwischen Rindund Schweinefleischmärkten eine preisliche Tangente besteht. D. h. billiges Rindfleisch drückt auch auf Schweinepreise. Die Rinderbranche meldet ja zu Recht wegen der zusätzlichen 99.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr erhebliche Bedenken und Kritik zum bevorstehenden Freihandel mit Südamerika an. letzten Jahres sein. Mit nur € 12,- wurde der Wunschdeckungsbeitrag von € 25,- je Mastschwein, der laut unserer Kalkulation zur Vollkostendeckung ausreichen würde, glatt verfehlt.

Wer billig erzeugt, verkauft auch billig Auch die Erzeugerpreise klaffen am Weltmarkt weit auseinander. Klar ersichtlich ist jedoch der Zusammenhang zwischen Produktionskosten und Preisniveau. Wieder liegt Brasilien unangefochten an der Spitze, knapp gefolgt von den USA. Damit bestätigt auch die Auswertung 2018, dass Nord- und Südamerika am Weltschweinemarkt unangefochten Preis- und Kostenführer sind. Zumindest aus Erzeugersicht erfreulicherweise liegt im Schweinepreisranking Österreich unter den führenden Nationen. Lediglich England und Schweden, also zwei Länder, die deutlich unter der Eigenversorgung liegen, konnten 2018 einige Cent vor Österreich die Spitzenposition beziehen. Österreichische Schlachtunternehmen sehen diesen Umstand kritisch, da im internationalen Fleischbusiness keine Mehrerlöse erzielt werden können.

2018 konnten nur Spanien und USA die Vollkosten decken

Blickt man auf den globalen Vergleich, so zeigt auch diese Auswertung mit 15 Cent pro kg Schlachtgewicht warm eine ziemlich gleichlautende Unterdeckung der Vollkosten in Österreich an, obwohl das InterPIGBerechnungsmodell umfassendere Parameter inkludiert als unsere vereinfachte Dekkungsbeitragsrechnung. Weiters zeigt sich, dass mit Ausnahme der USA alle Länder keine Gewinne erzielen konnten. D. h., dass 2018 letztlich alle Schweineerzeuger weltweit, mehr oder weniger, von der Substanz gelebt haben. Österreich liegt in diesem maßgeblichen Nettoprofitbereich, wie schon in den letzten Jahren, gar nicht so schlecht, meist im vorderen Drittel. Leider gibt es keine Garantie, dass das so bleiben wird, denn zum einen wird es immer schwieriger einen Preisvorsprung im europäischen bzw. globalen Vergleich halten zu können und andererseits ist die Effizienzsteigerung der globalen Mitbewerber bei Land- und Forstwirtschaft noch lange nicht zu Ende.

Noch in schlechter Erinnerung dürfte den meisten Schweinehaltern das Ergebnis des Ferkel/Wurf

abgesetzte Ferkel/Wurf

Abb. 1: Vergleich der abgesetzten Ferkel pro Wurf. Quelle: Schlederer

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Foto: FRAUKOEPPL

Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss ©Styriabrid

Trotz guter Preise - Markt voller Herausforderungen

Nach einem eher verhaltenen Start in das neue Jahr entwickelten sich die Preise ähnlich dem Jahr 2017, mit der berechtigten Hoffnung, dass die Herbstschwäche heuer nicht so ausgeprägt ausfallen wird. Zwar hat die Schwäche der Mastschweinenotierung im Juli auch zu einer Korrektur der Ferkelnotierung geführt, an der grundsätzlich guten Lage ändert das aber nichts. Mit Anfang August stellt sich die Lage wieder freundlicher dar und europaweit stabilisieren sich die Märkte wieder. Wie jedes Jahr im Juli und August sind die Ferkelvermittlungen immer mit einem höheren Angebot konfrontiert, welches immer wieder zu Rückstellungen führen kann. Zu einem Teil kommen die zusätzlichen Mengen aus Kombibetrieben und Direktbeziehungen, die selten in die Vermittlung liefern. Außerdem haben die höheren Ferkelpreise auch zu einem Anstieg der Schlachtgewichte geführt und reduzieren damit Einstallkapazitäten.

Tiergesundheit Die Tiergesundheit ist und bleibt einer der Schlüsselfaktoren für den Erfolg von Ferkelpro-

10 | Ferkelmarkt | 3 2019

duzenten und Schweinemästern. Gerade weil bauliche Änderungen und Investitionen oft nur sehr schwierig und unter großem Aufwand zu bewerkstelligen sind, ist die bestmögliche Ausnutzung vorhandener Kapazitäten geboten. Nachdem es in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit Krankheiten wie zum Beispiel PRRS gegeben hat, zeigt sich die aktuelle Gesundheitslage sehr viel stabiler. In den Erzeugergemeinschaften tauscht man sich intensiv zu diesem Thema aus und es wird versucht, den Betrieben Unterstützung für eine stabile Produktion zu geben. Nachdem in den Verbänden viel an Information zusammenläuft, kann man einige wesentliche Punkte nennen, welche einen erfolgreichen Betrieb auszeichnen.


Erfolgreiche Betriebe wissen über ihren Bestand Bescheid. Regelmäßige Blutuntersuchungen geben wertvolle Aufschlüsse über den Gesundheitsstatus. Bevorzugte Zeiten für Screening-Maßnahmen sind mit Beginn der kalten Jahreszeit im Herbst und in den Monaten Februar und März. In Relation zum Nutzen stellen sich die Aufwendungen für Blutuntersuchungen vernachlässigbar dar. Gerade für Betriebe, die PRRS frei sind, werden regelmäßige Untersuchungen zur Pflicht, um im Falle des Falles rasch reagieren zu können. Erfolgreiche Betriebe hinterfragen Krankheitsbilder und daraus resultierende Arzneimittelanwendungen. In den letzten Jahren wurde zum Beispiel oft geglaubt, dass vieles, was an Durchfällen vorkam, auf Dysenterie oder PIA zurückzuführen sei. Viel zu oft aber wurde die E.coli Erkrankung nicht wahrgenommen und erst später (und damit teuer) bekämpft. Genauso ist auch nicht alles PRRS, was so an Krankheiten umhergeht. Die Wahl des richtigen Impfstoffes und der passenden Impfzeitpunkte ist ein wesentlicher Beitrag, den der Tierarzt leistet. Allerdings ist fast jeder Betrieb etwas anders gelagert und in der guten Beobachtungsgabe liegt ein wesentlicher Schlüssel, um gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen.

Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2016 bis 2019. Quelle: Bäck

Unterstützung der Schweinebranche? Die in der letzten Steuerreform vorgenommenen Änderungen in Bezug auf die Grenzen der Vollpauschalierung und der Einführung eines Steuersatzes von 13% USt. für Verkäufer und Käufer sind ein nachhaltiger Eingriff und eine Schlechterstellung gegenüber anderen Produktionszweigen in der Landwirtschaft. Noch immer wird bei vielen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen (Getreide,…) ein Umsatzvorteil von 3% (Käufer bezahlt 10 %, Verkäufer bekommt 13%) bei Verrechnung über eine Erzeugergemeinschaft in Anspruch genommen. Diese Steuersätze sind an so genannte Zolltarifnummern gebunden und selbst Experten sehen hier Reformbedarf. Eine Änderung würde eine nachhaltige Unterstützung der Schweineproduktion bedeuten, auf die in Zukunft ohnehin finanzielle Herausforderungen, resultierend durch vermehrte Investitionen in Bezug auf Tierwohlanforderungen, zukommen. Gerade die Ferkelproduktion leidet nach wie vor massiv unter der Störung des Mengenflusses, da Mastbetriebe in der Vollpauschalierung Kapazitäten nicht nutzen, um unter 2.000 gelieferten Mastschweinen im Jahr zu bleiben.

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Foto: FRAUKOEPPL

DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Vollspaltenhaltung löst politische Diskussion aus

Die von der radikalen Tierschutzgruppe VGT initiierte Diskussion zur Vollspaltenhaltung in der heimischen Schweineproduktion hat nicht nur zu einer massiven Verunsicherung der Bäuerinnen und Bauern geführt, sondern wurde inzwischen zum politischen Spielball im Nationalratswahlkampf. Wieder einmal verunglimpft der VGT unsere heimischen Bauern Die Kampagnisierung dieses Themas durch den VGT ist dabei vielleicht noch halbwegs nachvollziehbar. Diese Organisation versucht wie immer, auf Kosten anderer Berufsgruppen, eine Spendenoptimierung zu betreiben. Noch dazu wo ja der Chef dieser Gruppe, Herr Balluch, auf der Homepage vor einiger Zeit einen Spendenappell ausgerufen hat, damit die Kosten von Verteidigern finanziert werden können, die entstehen, wenn z. B. Anzeigen zu Stalleinbrüchen vor Gericht verhandelt werden.

Parteipolitik auf Kosten der Schweinebauern Dass nun aber politische Parteien im Sog der bevorstehenden Neuwahlen mit diesem Thema auf Stimmenfang gehen, ist purer Populismus. Ganz besonders hervor

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tut sich dabei die Liste Jetzt. Diese Fraktion hat am 12. Juni im Parlament einen Fristsetzungsantrag für ein Verbot des Vollspaltens eingebracht. Dieser Antrag wurde von der SPÖ und den NEOS unterstützt und von den Fraktionen ÖVP und FPÖ abgelehnt. Damit konnte dieser Versuch eines Handstreiches, ohne einer vorgelagerten fachlichen Diskussion und Entscheidungsfindung, vorerst verhindert werden. ÖVP und FPÖ sind damit nicht den Verlockungen einer durchaus öffentlichkeitswirksamen Zustimmung gefolgt, sondern waren bereit fachlich und sachlich zu entscheiden. In den letzten Tagen hat sich nun gezeigt, dass die Vollspalten-Kampagne des VGT und die Jetzt-Aktion im Parlament abgestimmt waren. Herr Balluch kandidiert für die kommende Nationalratswahl auf der Liste Jetzt. Was Pilz in den letzten Jahren über die Skandalisierung der gesamten Republik versucht hat, soll nun anscheinend mit dem Thema Tierschutz zum Erfolg führen. Auf Anfrage des Falters outet sich auch Rewe als Befürworter eines Vollspaltenver-

botes. Andreas Steidl verspricht dabei die Mehrkosten in der Produktion durch größere Preissprünge beim Endprodukt an die Konsumenten weiterzugeben. Jedoch mit dem Nachsatz: „Wenn der gesamte Lebensmittelhandel mitmacht.“ Offen lässt also auch er, ob es tatsächlich zu Preisanstiegen kommen würde.

Schweinebranche zeigt sich konstruktiv Die Schweinebranche versucht nun in dieser Phase, das Thema Vollspaltenhaltung mit Unterstützung der Interessensvertretung fachlich und sachlich zurechtzurücken. Dabei geht es nicht um jegliche Verweigerung einer Diskussion zur Weiterentwicklung der Schweinehaltung, sondern um das Aufzeigen, dass die Haltung der Schweine auf perforierten Böden nicht nur aus arbeitswirtschaftlichen Überlegungen, sondern auch wegen der Vorteile im Hygieneund Gesundheitsbereich erfolgt. Schon gar nicht bedeutet diese Haltung, dass die Tiere darin per se Schmerzen und Schäden erlei-


den, und die Tierhalter damit Tierquäler sind, so wie dies der VGT darstellt. Aufgezeigt wird auch die ständige Weiterentwicklung der Haltungsvorschriften für die Schweinebetriebe. So wurden vor wenigen Jahren die Bewegungsbuchten für Sauen im Abferkel- und Deckbereich beschlossen und erst 2017 erhöhten sich die Anforderungen an das Beschäftigungsmaterial für alle Schweine. Es wird aber auch auf die Vielfältigkeit der heimischen Schweineproduktion verwiesen. Schweinehaltung auf Stroh, mit Auslauf aber auch die Bioproduktion gehören dabei zum Angebot und stehen dem Konsumenten zur Verfügung. Wie sich die Produktionsanteile der jeweiligen Haltungsverfahren zukünftig entwickeln, muss vom tatsächlichen Kaufverhalten der Konsumenten und nicht von Gesetzen gesteuert werden. Nur von ausgesprochen Wünschen ist die heimische Landwirtschaft nicht überlebensfähig.

Sorge um die heimische Schweinehaltung Die Schweinebranche zeigt aber auch auf, dass ein Vollspaltenverbot zur Zerstörung

der Strukturverhältnisse in der heimischen Schweinehaltung führen würde: • Derzeit findet die heimische Schweineproduktion fast ausschließlich im Familienverbund statt. Viele dieser Betriebe könnten durch eine gesetzliche Auflage, die den Vollspaltenboden verbietet und eine Strohhaltung vorschreibt, ihren Betrieb wegen des Mehraufwandes an Arbeit nicht mehr als Familienbetrieb führen, sondern müssten Fremdarbeitskräfte einstellen. Damit das aber wirtschaftlich ist, müsste mindestens eine Verdoppelung des Schweinebestandes am Betrieb stattfinden. • Diese Entwicklungsnotwendigkeit würden zum einen zahlreiche Betriebe nicht mehr umsetzen und aus der Produktion aussteigen und zum anderen müssten jene, die den Schritt wagen würden, mit höchsten Genehmigungshürden konfrontiert sein. • Eine Strukturentwicklung ähnlich dem Beispiel Schweden wäre damit auch in Österreich die Folge. Dort haben wegen der höheren Auflagen zahlreiche Betriebe das Handtuch geschmissen. Einige

wenige, sehr große, industriell geführte Schweineanlagen produzieren noch. Die Eigenversorgung ist massiv eingebrochen. Die Vollversorgung der schwedischen Bevölkerung geschieht nun im Wesentlichen mit Schweinefleisch aus Dänemark. • Mit einer verpflichtenden Strohhaltung in Österreich würde nicht die kleinstrukturierte bäuerliche Schweineproduktion unterstützt, wie bestimmte Kreise immer wieder behaupten, sondern das Gegenteil gefördert.

Appell an die Politik Die Schweinebranche ersucht alle Abgeordneten, anstehende Entscheidungen in Tierschutzfragen nicht zuletzt in vollster Verantwortung unserem heimischen Bauernstand gegenüber zu treffen. Ein Vollspaltenverbot in der Ferkelaufzucht und der Schweinemast würde nicht nur das Ende unserer bäuerlichen Familienbetriebe bedeuten, sondern das hohe Gut der Eigenversorgung ernsthaft gefährden.

3 2019 | Recht & Politik | 13


Landwirtschaftsmesse Ried 2019 Schweinekompetenzzentrum – Alles Rund ums Schwein

• Strom- und Photovoltaik Projekt • Scannerservice u. Stallklimaberatung

Brennende Themen zur Schweineproduktion werden während der Landwirtschaftsmesse von 4. bis 8 September im Kompetenzzentrum Schwein aufbereitet und abgehandelt. (Halle 34, Areal zwischen SZV-Halle und Baulehrschau) Das Schweinekompetenzzentrum in der Halle 34 zwischen SZV Halle und Baulehrschau wird von der Landwirtschaftskammer, dem VLV und dem SZV organisiert. Wie gewohnt wird darin eine umfassende Information für alle Bäuerinnen und Bauern aber auch für Konsumenten angeboten. Auch der Schweinegesundheitsdienst ist vertreten. Für VLV und SZV Mitglieder, deren Angehörige und für die Freunde dieser Erzeugergemeinschaften steht mit der Saubar wieder ein beliebter Treffpunkt zur Verfügung. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Im Gustino-Festzelt bereitet das bewährte VLV Koch- und Grillteam Köstlichkeiten vom Schwein und vom Rind zu.

VLV - Alles über Vermarktung und Interessenvertretung

• Versicherungsservice, Lüftungsausfall-Solidarhaftung • Interessenvertretung

Kooperation mit der Fa. Moser verschiedene Techniken zur Stallkühlung vorstellen. Der Schwerpunkt liegt dabei in Systemen, die eine Nachrüstung bereits bestehender Stallungen möglich macht.

Antibiotikamonitoring als TGD-Beratungsschwerpunkt

LK OÖ - Alles über Produktion Die Experten der Beratungsstelle für Schweineproduktion informieren im Schweinekompetenzzentrum zu den Themen Stallbau, Fütterung, Produktionstechnik und Herdenmanagement. Ein besonderes Augenmerk wird heuer auf die Risikominimierung der Einschleppung von Krankheiten und Seuchen gelegt.

Sonderschau „Stallkühlung“ Hitze im Stall ist ein Leistungskiller und stresst Schwein und Mensch gleichermaßen. Wer an heißen Sommertagen für ausreichend Kühlung in den Stallungen sorgen kann, kann sich in Zeiten des Klimawandels glücklich schätzen. Im Kompetenzzentrum werden wir in

Die tierärztlichen Hausapotheken haben seit geraumer Zeit die Abgabemengen an Antibiotika an die Betriebe in eine zentrale Datenbank gemäß der Antibiotika-Mengenstrom-Verordnung zu melden. Auf Basis dieser Abgabedaten stehen den Schweinebetrieben zukünftig individuelle Betriebsauswertungen zur Verfügung. Jedoch nur dann, wenn Sie Ihre schriftliche Zustimmung für eine Datenweiterleitung von der AGES an Sie, an Ihren Betreuungstierarzt oder an Ihre Erzeugergemeinschaft geben. Wie diese Betriebsberichte gestaltet sind, wo die Vorteile für den einzelnen Schweinebetrieb liegen oder wie der Datenschutz dabei funktioniert – genau dazu können Sie sich im Schweine-Kompetenzzentrum informieren. DI Johann Stinglmayr LK OÖ, VLV

Der Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) präsentiert seinen Leistungsumfang in Sachen Vermarktung, Beratungs- und Serviceangebote, sowie Qualitätssicherung und Interessenvertretung • Mitgliedschaft bei Ferkeloder Mästerring • Vermarktungsfragen für Ferkel u. Schlachtschweine • Verrechnungsservice • Betriebszweigkontrolle • Betriebsberatung, Spezialberatung • Arbeitskreise

14 | Messe | 3 2019

Experten der Beratungsstelle für Schweineproduktion informieren im Schweinekompetenzzentrum zu den Themen Stallbau, Fütterung, Produktionstechnik und Herdenmanagement auf der Rieder Messe. Foto: riedermesse.at


VÖS Mitgliederversammlung Die VÖS Mitgliederversammlung 2019 in der Steiermark stand ganz im Zeichen von Afrikanischer Schweinepest und sich erholenden Schweinepreisen. Am Mittwoch, 22.05.2019, fand die Mitgliederversammlung des VÖS im passenden Rahmen der Vulcano Schinkenmanufaktur in der Südoststeiermark statt. Der Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS) als Dachverband der Züchtervereinigungen und der Erzeugergemeinschaften für Ferkel und Mast stellt die Koordinationsstelle der organisierten Schweinebranche dar. VÖS Obmann ÖkR Walter Lederhilger und ÖkR Kurt Tauschmann, Obmann der Styriabrid und VÖS Obmann Stellvertreter, konnten als „Hausherren“ zahlreiche Ehrengäste und Delegierte aus den Bundesländern begrüßen und hoben in den Grußworten die Bedeutung der heimischen Schweinebauern hervor. Dieser Stellenwert und Tradition wurden in der von der Landwirtschaft stark geprägten Vulkanland und im besonderen Rahmen der Schinkenmanufaktur sichtbar. Die VÖS Funktionäre brachten dabei die Hoffnung zum Ausdruck, dass gute Schweinepreise ein Phänomen der nächsten Jahre werden sollten.

Zusammenarbeit der heimischen Schweinezüchter in den Bundesländern. Sie wünscht sich zudem eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung von heimischen Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung und der öffentlichen Beschaffung.

Zeichen an die Jugend

sowie Recht und Politik war auch eine Abstimmung an der Tagesordnung. Dabei wurde ein starkes Signal an die junge Generation der heimischen Schweinebauern gesendet, die zukünftig im VÖS-Vorstand vertreten sein werden. Damit haben die „Jungen Veredler“ eine wichtige Stimme im VÖS und noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei der Weiterentwicklung der heimischen Schweinehaltung.

Neben den Berichten aus den Ausschüssen für Ferkelproduktion, Mast, Zucht

ASP immer noch in aller Munde In seinen Grußworten ging der steirische Agrarlandesrat, ÖkR Johann Seitinger, auf die weiterhin bedrohliche Situation in Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Europa und auch außerhalb ein. Auch in China grassiert das Virus weiterhin, Millionen von Tieren mussten bisher gekeult werden. Damit einhergehend hat sich der Export von Schweinefleisch und Teilstücken nach China in ganz Europa verstärkt, was zu steigenden Preisen auch für die heimischen Bauern geführt hat. Neben dem Exportmarkt bleibt auch der Heimmarkt von höchster Bedeutung für die Schweinebauern. Hier würde sich der Landesrat eine noch höhere Bekanntheit der heimischen Qualitätsprogramme für Schweinefleisch bei den Konsumenten wünschen. Die Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Steiermark, Maria Pein, selbst Schweinezüchterin in Spitz bei Deutsch Goritz, freute sich über die gute

Kern der Mitgliederversammlung bilden die Berichte aus den Ausschüssen und Arbeitsgruppen des VÖS. Foto: VÖS

3 2019 | Bericht | 15


Mais sicher einsilieren

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Maissilage, ob in ganzen Körnern (GKS) oder gemahlen als Maiskornsilage (MKS), ist in den meisten österreichischen Schweinebetrieben die Futterbasis und macht diese besonders wettbewerbsfähig. Darum beneiden uns viele Schweinehalter im EU-Raum. Jedes Jahr beim Einsilieren stellen sich viele Landwirte die Frage, wie man alles richtigmachen kann, um Mais höchster Qualität einzulagern und das ganze Jahr über unseren Schweinen anbieten zu können.

Die Arbeitskreise Schweinemast organisieren seit längerem eine umfangreiche Untersuchung der Maissilagen (siehe Tab. 1). Achtung: ab Ernte 2015 neue Energiebewertung = + 1MJME bei MKS =+0,8MJME bei GKS In der Aufstellung werden die stark schwankenden Rohproteingehalte dargestellt, sowie auch der auf einem Monat ausgedehnte Erntezeitpunkt (4.9.–15.10.). Noch bemerkenswerter ist der Verlauf der DON Gehalte und der Mikrobiologie (siehe Grafik 1). Wenn wir uns an die Ernte des Jahres 2014 erinnern: sehr späte Ernte (durchschnittlich 6. Oktober) und sehr hohe DON-, Hefen- und Schimmelpilzgehalte (siehe Grafik 3).

Tab. 1: Ergebnisse der Untersuchung der Maissilagen (2001-2018). Quelle: Strasser

Die Fresslust unserer Mastschweine ging deutlich zurück. Die Konsequenz war eine Verringerung der tägl. Zunahmen um durchschnittlich 20 g. Dem gegenüber stehen die Werte der Ernte 2018. Trotz niederer Erntefeuchte von 29,4%, beste Silage mit überdurchschnittlicher Fresslust. Dabei nur 62 mg DON. In Summe ergibt das Tageszunahmen von derzeit 827g.

Grafik 1: Mykotoxingehalte (Deoxynivalenol DON, mg/kg) ausgewählter Proben. Die Ernte des Jahres 2014 wies einen sehr späten Erntezeitpunkt (durchschnittlich 6. Oktober) sowie sehr hohe DON-, Hefen- und Schimmelpilzgehalte auf. Quelle: Strasser

Grafik 2: Entwicklung der Tageszunahmen von 2002-2018.

Grafik 3: Verlauf Anzahl koloniebildender Einheiten (je kg) von Hefen und Schimmelpilzen bei Maissilage in den Jahren 2009-2018.

Quelle: Strasser

Quelle: Strasser

16 | Silo Mais | 3 2019


Gerade in trockenen Lagen wird der Reifezustand des Maises unterschätzt und zu spät gedroschen. Quelle: Strasser

Konsequenz für die Ernte 2019 • Zeitig ernten • Mykotoxin Monitoring der LKs beachten: https://warndienst.lko.at/mykotoxine • Laut unseren langjährigen Maisuntersuchungen wurde in trockenen Jahren eher zu trocken eingemust. Dass sich bei einer Feuchtigkeit nahe 30% die Silage nicht mehr ausreichend verdichten lässt, ist naheliegend. Im MKS Silo kann es somit zu Problemen kommen (erhöhter Hefebesatz, Kugerl …), vor allem bei wenig Vorschub. • Wenn am Kornansatz zur Spindel der schwarze Punkt (black layer) sichtbar ist, dann ist laut Aussagen von Pflanzenbauexperten die Nährstoffeinlagerung ins Korn abgeschlossen. • Zur MKS Silierung wäre 33 – 37% Feuchtigkeit ideal, da feuchte Silage intensiver siliert. Dadurch steigt auch die Verdaulichkeit der organischen Substanz und die Silage wird stabiler. • Wenn noch Restmengen vom letzten Jahr im Silo sind: Die leeren Silos zuerst befüllen. • Bei Ganzkornsilo ist eine vollständige Entleerung nur bei geringer Restmenge möglich. Restmenge auslagern und kurzfristig (max. 15. Stunden) auf Anhän-

Gedroschenen Mais nicht stehen lassen, sondern unmittelbar einmalen. Quelle: Strasser

ger zwischenlagern. Diesen vorjährigen Mais im oberen Drittel des Silos wieder einfüllen. So kommt der Mais in einigen Monaten schon zur Verfütterung. Wer bei Ganzkornsilage mit erhöhten Hefewerte übers Jahr zu klagen hat, der soll daran denken, dass der Silo ev. nicht dicht ist. Im Zweifelsfall vor dem Wiederbefüllen Silo durch Herstellerfirma abdrücken Es lohnt sich, jetzt auf die Ernte vorzubereiten: + Silo putzen + Gummidichtungen der Silo-Tür überprüfen und gegebenenfalls wechseln + Maismühle instand setzen + Erntemengen abschätzen und Zukauf von Mais oder Futterweizen überlegen Unbedingt sauber dreschen: Bruchkörner, „Fleim“, Spindelteile, Kolbenhaare sind Fusarienträger und sollen am Feld bleiben! Bei Tagestemperaturen von > 20° C die gedroschene Ware rasch einmahlen. (Fuhren nicht stehen lassen!) Siliermitteleinsatz frühzeitig überlegen und entsprechende Produkte besorgen. Gerade bei unzureichender Verdichtung sehr wichtig. Die gängigen Mittel auf Säure, Milchsäurebakterien und fermen-

Gummidichtungen der Silo-Tür überprüfen und gegebenenfalls wechseln. Quelle: Strasser

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tativen Mikroorganismenbasis haben sich in den letzten Jahren bewährt. Bei stark streuender Feuchtigkeit und hohen Erntetemperaturen sind Säuren vermutlich das Sicherste. Nicht zu fein schroten (14–16 mm Sieb je nach Mahltechnik, Erntefeuchte und Verschleiß der Schläger und des Siebes). Verteilung im Silo mit Prallteller oder besser mit Silofräse. Auf zusätzliche Verdichtung vor allem im oberen Silobereich wert legen (Fräse oder treten). Wird sofort weggefüttert ist dieser Säurezusatz unerlässlich, da es sonst zu einer Erwärmung und Hefebildung kommt. Dosierung: 3–5 kg/Tonne Für ausreichende Abräummengen sorgen: min. 6–10 cm täglich = mind. 20 m Gesamtbefüllhöhe aller Silos. CCM Silage ist frühestens in 3–5 Wochen ausreichend vergoren und stabil. Bei der Einlagerung in den Ganzkornsilo ist auch eine Feuchtigkeit von unter 30% kein Problem, aber unter 27% nicht ratsam (die gewünschte Milchsäurebildung wird weniger).

Für Fragen zur optimalen Maiseinlagerung stehen die Beratungskräfte der Landwirtschaftskammern gerne zur Verfügung.

Verteilung im Silo mit Prallteller od. besser mit Silofräse. Quelle: Strasser 3 2019 | Silo Mais | 17


Foto: AMA

Fleisch essen, aber anders AMA diskutiert über die Zukunft des Fleischessens Bevölkerungsexplosion, Klimawandel, Verknappung der Ressourcen: Unsere Ernährungsgewohnheiten stehen auf dem Prüfstand. Das trifft besonders auf den Umgang mit Fleisch zu. Experten aus Wissenschaft und Forschung stellten beim AMA-Fleischsymposium am 5. Juni 2019 im Raiffeisen Forum Wien unterschiedliche Ansätze für die Zukunft des Fleisches und seiner Alternativen vor.

Mehr Qualität statt Quantität - dieses Thema regte besonders zur Diskussion an. Foto: AMA

18 | AMA | 3 2019

Die öffentliche Wahrnehmung mag in eine andere Richtung deuten, doch Fleisch wird nach wie vor gekauft und gegessen. In der Marktforschung der AMA zeichnen sich kaum Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten ab. Mehr als drei Viertel der Befragten stufen sich bei einer Umfrage als Fleischesser ein, 16 Prozent als Flexitarier, zwanglos übersetzt als gelegentliche Fleischesser. Die Zahl der Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, hat in den letzten fünf Jahren um lediglich je einen Prozentpunkt zugenommen (siehe Grafik 1). Das Haushaltspanel der AMA, für das 2.800 Haushalte ihre Einkäufe aufzeichnen, bestätigt diese Selbsteinschätzung. Die Käuferreichweite von Fleisch und Geflügel ist in den letzten 15 Jahren nahezu unverändert. 88 Prozent der Haushalte kaufen zumindest einmal im Jahr Fleisch und Geflügel im Lebensmitteleinzelhandel oder Fachhandel. Leicht abgetauscht wird zwischen den Fleischarten. Rind- und Kalbfleisch

sowie Hühnerfleisch haben in der langfristigen Entwicklung zugelegt. Das vor zehn Jahren noch dominierende Schweinefleisch büßte anteilsmäßig etwas an Bedeutung ein.

Premiumangebote gewinnen an Bedeutung „Erfreulich ist die Tatsache, dass Premiumangebote und wertvolle Fleischteile im langfristigen Vergleich zulegen. Dazu haben die langjährige Arbeit der AMA in Sachen Qualitätssicherung und unsere Markenprogramme bei Rind und Schwein beigetragen“, so Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing. Damit einher geht das Interesse der Bevölkerung an der Haltung der Tiere. Eine aktuelle Motivanalyse der AMA zeigt, dass rund die Hälfte der Befragten beim Fleischeinkauf auf besondere Angaben zum Wohl der Tiere achtet, Frauen noch stärker als Männer.


Symposium ist Plattform für die Diskussion Die AMA möchte mit ihrem Fleischsymposium eine Plattform für die neutrale Diskussion und Information zur Verfügung stellen. „Wir repräsentieren den traditionellen Warenkorb, so wie die Österreicher gerne essen. Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft unterstreichen dabei unsere Botschaft: Wir treten für gehobene Qualität statt mehr Quantität beim Fleisch ein“, erklärt Blass. Frauen dürften für diese Botschaft zugänglicher sein als Männer. Immerhin geben in einer AMA-Umfrage knapp zwei Drittel der Frauen an, weniger Fleisch zu kaufen, dafür stärker auf Qualität zu achten (siehe Grafik 2).

Grafik 1: Kaum Veränderung bei Ernährungsgewohnheiten. Quelle: AMA

Insekten am Speiseplan - viele Besucher verkosteten die kleinen Tierchen. Foto: AMA

Grafik 2: Frauen reduzieren Fleischkonsum und achten mehr auf Qualität. Quelle: AMA

Dreh für neue AMA-Gütesiegel Kampagne Anfang Juli fanden die Dreharbeiten für die neue AMA-Kampagne statt, die im Herbst im TV zu sehen sein wird. Die Schweinefleischproduktion hat einen großen Stellenwert in der Kampagne. Gedreht wurde hierfür in der Steiermark. (Fotos: AMA)

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Foto: Priller

Hannes Priller Fütterungsberater LK OÖ Foto: LKOÖ

Die richtige Mahlfeinheit von Schweinefutter Rund 70% der körpereigenen Abwehrzellen sitzen im Darm, somit haben alle Maßnahmen zur Stabilisierung der Verdauung direkt Einfluss auf die Tiergesundheit. Zwei Faktoren sind im Wesentlichen dafür verantwortlich: eine optimale Futterstruktur und eine ausreichende Faserversorgung. Beide Faktoren sind gegenseitig nicht ersetzbar, d.h. ein Mangel an Struktur kann auch mit mehr Rohfaser nicht kompensiert werden. Das Schwein hat definitiv nicht nur einen Bedarf an gewissen Inhaltsstoffen im Futter, sondern auch einen Bedarf an Partikelgrößen. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass ein vernünftig „grob“ gestaltetes Futter die Verdaulichkeit des Futters nicht oder nur unwesentlich reduziert.

Grobes Futter bringt eine Schichtung des Futterbreies im Magen Diese Schichtung führt dazu, dass eine optimale pH-Wert Verteilung im Magen erfolgt. Der pHWert sollte im Bereich des Mageneinganges

20 | Mahlfeinheit | 3 2019

etwas höher sein, was die Entstehung von Magengeschwüren hemmt und im Bereich der Fundusdrüsen eher tiefer sein. Durch die gute Durchsäuerung in diesem Bereich entsteht eine bessere Barriere gegen unerwünschte Keime. Experimentell wurde einem Schweinefutter Salmonellen zugesetzt. Im feinen Futter konnten diese die Magenbarriere teilweise durchschreiten, im groben Futter hingegen nicht. In der Tendenz gilt diese Wirkung auch für Coli Bakterien, die jedoch wesentlich säuretoleranter sind. Im Dünndarm fördert grobes Futter die Entwicklung gewisser Becherzellen, die saure Schleimstoffe bilden. Dadurch wird die Anhaftung gewisser Krankheitserreger erschwert.


Grobes Futter fördert die bakterielle Dickdarmverdauung Grobes Futter fördert auch die Passage des Verdauungsbreies im Dickdarm und somit den Wassergehalt des Kotes, was sich besonders im geburtsnahen Zeitraum positiv auswirkt. Zudem wird dadurch ein Teil der Stärkeverdauung in den Dickdarm verlagert, was die bakterielle Verdauung und somit die Bildung von organischen Säuren fördert. Diese Säuren können von der Sau energetisch verwertet werden. Die Energieverwertung über Bakterien im Dickdarm ist zwar etwas weniger effizient als die enzymatische Verdauung im vorderen MagenDarm Bereich, aber sie bringt gesundheitliche und diätetische Vorteile.

So fein wie notwendig – so grob wie möglich

österreich 21 € und bringt ein sicheres Ergebnis nach einer genormten Methode im Schüttelturm. Eigene Siebungen bringen teilweise falsche Ergebnisse, wenn nicht gewisse Grundsätze eingehalten werden.

Schüttelsiebe richtig anwenden In eigenen Untersuchungen wurden zwei Siebe näher untersucht, das seit vielen Jahren von der Fa. Schaumann vertriebene Schüttelsieb mit 4 Kammern und ein neueres Sieb, das vom Schweinezuchtverband OÖ vertrieben wird. Dieses Sieb weist 5 Kammern auf. Beim häufig verwendete „Schaumann Sieb“, sind bei üblicher voller Befüllung (mit Holzklotz in der Befüllkammer) Schüttelzeiten von bis zu 5 Minuten notwendig, um eine gute Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Siebanalyse im Futterlabor zu erreichen. In der Praxis wird aber meist nur 2-3 Minuten geschüttelt.

In diesem Fall täuscht das Ergebnis eine grobe Futterstruktur vor. Die Graphik 1 beschreibt die Entwicklung der Siebfraktionen abhängig von der Schütteldauer von ein bis 5 Minuten. Bei 4 Minuten Schütteldauer war das Ergebnis zufriedenstellend und vergleichbar mit Ergebnissen vom Futterlabor. Für die praktische Beurteilung reicht die volumsmäßige Betrachtung der Siebfraktionen. Eine gute Übereinstimmung mit den Laborergebnissen ergibt sich beim gewichtsmäßigen Vergleich, also wenn jede Fraktion gewogen wird. Die optimale Schütteldauer ist keine fixe Größe, sondern hängt von der Komponentenzusammensetzung der Ration bzw. auch vom Fettgehalt ab. Futterölzusätze erschweren die Siebung wesentlich. Futtermischungen mit Futterölzusätzen von über 1% sind zur Siebung eher nicht geeignet.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass ein vernünftig grob gestaltetes Futter kaum Nachteile in der Verdaulichkeit mit sich bringt, gleichzeitig aber die diätetischen Vorteile überwiegen. Pelletiertes Futter täuscht eine grobe Struktur vor, ist aber in Wahrheit meist sehr fein.

Scharfe Mahlwerkzeuge notwendig Für eine optimale Futterstruktur sind scharfkantige Siebe und Schlägler bedeutsamer als die Lochgröße. Abgenutzte Mahlwerkzeuge reduzieren die Mahlleistung, verbrauchen mehr Strom, erhöhen die Temperatur beim Mahlvorgang, erhöhen den Feinanteil und reduzieren die Schmackhaftigkeit des Futters. Eine Drehzahlregelung der Mühle könnte den unterschiedlichen Anforderungen unterschiedlicher Früchte beim Vermahlen entsprechen, ist aber sehr teuer. Die fahrbaren Mischzüge der Mahl- und Mischgemeinschaften können die Drehzahl etwas variieren.

Grafik 1: Entwicklung der Siebfraktionen abhängig von der Schütteldauer beim Schaumann Sieb. Quelle: Priller, BSP Wels, 2018

Die Mahlfeinheit laufend überprüfen Die Siebanalyse von Trockenfutter kostet im Futtermittellabor Wieselburg der LK Nieder-

Grafik 2: Ergebnisse der Siebung mit dem SZV Sieb, abhängig von der Schütteldauer, Befüllung mit 150 ml, im Vergleich zur Siebanalyse im Labor. Quelle: Priller, BSP Wels, 2018

3 2019 | Mahlfeinheit | 21


Schüttelbox nur zu Hälfte befüllen

ablesbar, sondern muss erst auf 100 Prozent umgerechnet werden.

Eine Möglichkeit die Schütteldauer zu reduzieren ist die Box nur zur Hälfte zu befüllen. Das Ergebnis der Siebung ist in diesem Fall von der Schüttelbox nicht direkt in Prozent

Konkret wurden in einem Versuch beide Siebe mit 150 ml Futter befüllt und Schüttelzeiten von ein, zwei und drei Minuten eingehalten und die Ergebnisse mit jenen des Futterlabors Wieselburg verglichen. Es

Grafik 3: Ergebnisse der Siebung mit dem Schaumann Sieb, abhängig von der Schütteldauer, Befüllung mit 150 ml, im Vergleich zur Siebanalyse im Labor. Quelle: Priller, BSP Wels, 2018

zeigte sich, dass das SZV Sieb aggressiver ist und somit etwas weniger Schüttelzeit benötigt. In der Graphik 2 sieht man, dass mit durchschnittlich 2 Minuten Schüttelzeit die besten Ergebnisse erbracht wurden. Betrachtet man die Einzelauswertungen der verschiedenen Futtermischungen, so ergaben sich teilweise große Unterschiede. Einige Mischungen erreichten mit 90 Sekunden die besten Ergebnisse, andere wieder mit 2 Minuten. Es konnte aber keine Tendenz bzw. keine Zusammenhänge mit dem Rohfasergehalt, der Futterzusammensetzung oder anderen Rationsparametern abgeleitet werden. Bei der Anwendung ist zu beachten, dass nicht zu intensiv geschüttelt wird, weil sonst eine Nachzerkleinerung erfolgt, was das Ergebnis verfälscht. In der Graphik 3 sind die Ergebnisse des Schaumann Siebes dargestellt. Dieses benötigt eine etwas längere Schüttelzeit, was möglicherweise durch eine gewisse Abnutzung aufgrund des langjährigen Einsatzes zu erklären ist. Die besten Ergebnisse erreichte man mit rund 2-3 Minuten Schütteldauer, wobei sich hier ebenfalls Unterschiede zwischen den Futtermischungen ergaben.

Der Feinanteil unter 1 mm sollte nicht über 40% betragen Die richtige Siebgrößenverteilung hängt von der Tierkategorie und den notwendigen diätetischen Anforderungen des Betriebes ab. Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass die Schüttelsiebe in der Praxis häufig falsch angewendet wurden, indem bei voller Befüllung die notwendigen Schüttelzeiten nicht eingehalten wurden. Somit brachten viele Siebungen verfälschte Ergebnisse, also überschätzten den Grobanteil. Die richtige Anwendung verlangt Erfahrung und Gefühl. Dabei geht es um die richtige Schüttelintensität, die richtige Haltung des Siebes und die richtige Schütteldauer. Wird zu stark und/oder zu lange geschüttelt kommt es zu einer Nachzerkleinerung, wird zu schwach bzw. zu kurz geschüttelt, dann sind die Feinteile nicht vollkommen durchgesiebt.

Empfehlungen zur Siebgrößenverteilung. Quelle: LfL Grub, aus der Broschüre Tierwohl 2012 22 | Mahlfeinheit | 3 2019


Optimale Geburtsvorbereitung mit Provizog Livapig Ziel eines jeden Sauenhalters sind viele und vor allem vitale Ferkel. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, bedarf es einer guten Vorbereitung der Zuchtsau auf die Geburt. Mit dem neuen Provizog Livapig bietet Garant Tiernahrung ein optimal an die Bedürfnisse der Zuchtsau abgestimmtes Geburtsvorbereitungsfutter. Der neue Wirkstoffkomplex „LivaPig“ sorgt für eine verbesserte Durchblutung der Plazenta und dadurch für eine erhöhte Versorgung der Föten mit Nährstoffen. Das führt zu lebensstarken Ferkeln und sichtbar roteren Nachgeburten. Eine hohe Rohfaserausstattung unterstützt die Darmgesundheit und sichert als langanhaltende Energiequelle rasche Geburten. Abgerundet wird das Produkt durch hohe Gehalte an Vitaminen und weiteren Zusatzstoffen für eine Entlastung des Stoffwechsels der Sau. Dadurch kann das Risiko für MMA („Milchfieber“) reduziert werden. Die bereits aus dem Ferkelfutterbereich bewährte „Micrum“Struktur sorgt für einen homogenen Verdauungsbrei und dadurch für höchste Verdaulichkeit der Inhaltsstoffe. Provizog Livapig wird sieben Tage vor bis zwei Tage nach der Geburt zusätzlich zum Tragend- oder Säugendfutter eingesetzt. Wichtig ist eine zweimal tägliche Vorlage. So kann eine positive Wirkung auf den Geburtsverlauf, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, erreicht werden. DI Markus Mader Garant Tiernahrung

Liebe Schweinebäuerin, lieber Schweinebauer! Die Universität für Bodenkultur (Arbeitsgruppe Tierhaltung) sucht Betriebe, die Interesse haben, bei SusPigSys, einem europäischen Projekt zu nachhaltiger Schweineproduktion mitzumachen. Das Ziel ist es, eine “App" als Management-Hilfe zu entwickeln, um den eigenen Betrieb in Bezug auf Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie, Arbeitszufriedenheit, Tierwohl) zu bewerten und mit anderen Betrieben vergleichen zu können.

Was hat man als Betrieb davon? - Rückmeldung im Vergleich zu 175 Betrieben aus ganz Europa bzw. 25 österreichischen Betrieben - Ein Blick von "Aussen" - 100 Euro Aufwandsentschädigung

Was erwartet Dich?

Was bringt das Projekt insgesamt?

Arbeitsaufwand: 2-3 h Datenerhebungen (z.B. Tiermanagement, Futtereinkäufe, Arbeitszufriedenheit) + Beurteilung der Tiere durch Doktorandin

- Beitrag zur objektiven, gesamtheitlichen Bewertung von schweinehaltenden Betrieben - Grundlage für Verbesserungen z.B. zur Verwendung in der Beratung

Nähere Information bei Antonia Ruckli (0664-88586492/antonia.ruckli@boku.ac.at) und unter www.suspigsys.fli.de

3 2019 | Firmeninformation | 23


Foto: Pfeiffer/Schodl

Gute Mütter haben schöne Beine: Fundamentmerkmale beachten Ein gutes Fundament bei Sauen ist sowohl aus ökonomischen Gründen als auch aus Sicht des Tierwohls ein wichtiger Faktor. Neben den Schmerzen für das Tier und den daraus resultierenden abnormalen Bewegungsmustern führt ein schlechtes Fundament auch oft zu einem frühen Ausscheiden der betroffenen Sauen und damit zu einer höheren Remontierungsrate. Lahme Sauen zeigen oft weniger Brunstsymptome und weisen somit eine niedrigere Trächtigkeitsrate auf. Aber auch das Wohlergehen der Ferkel ist durch ein schlechtes Fundament der Muttersau beeinträchtigt. Sauen mit schwachen Hintergliedmaßen können sich oft nicht mehr kontrolliert ablegen, wodurch vermehrt Ferkel verletzt oder erdrückt werden. Die Ursachen für Fehlstellungen der Extremitäten sind vielfältig. Vor allem schlechte Haltungsbedingungen sowie unausgewogene Rationen aber auch genetische Einflussfaktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle. Häufig ist es eine Kombination von mehreren Ursachen. Auch Osteochondrose (Beinschwäche) hängt stark mit einem schlechten Fundament zusammen. Zurzeit werden Fundamentmerkmale bei der Selektion der weiblichen Zuchttiere nicht direkt erfasst und daher auch keine routinemäßige Zuchtwertschätzung durchgeführt. Im Hinblick auf die bevorstehende Einführung der Bewegungsbuchten in die

24 | Sauenfundament | 3 2019

Abferkelsysteme mit 2033 und unter Berücksichtigung von Ökonomie und Tierwohl gewinnt die Miteinbeziehung des Fundaments in die Zucht allerdings immer mehr an Bedeutung. Im Rahmen des OpitZuchtProjektes, welches vom Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sowie dem VÖS finanziert wird, wurde ein Fundamentbeurteilungsschema für Sauen entwickelt und erstmals auf österreichischen Betrieben angewendet. Zuchtwarte aus Nieder-

österreich, Oberösterreich und der Steiermark beurteilten – nach einer gewissenhaften Schulung – damit den gesamten Sauenbestand auf insgesamt 23 Zucht- und Vermehrungsbetrieben. Dabei wurden die in Tabelle 1 beschriebenen Merkmale berükksichtigt. Um diese Beurteilung mit den Erdrückungsverlusten in Verbindung setzen zu können, wurden die eingetragenen Erdrückungsverluste aus dem Sauenplaner herangezogen.

Tabelle 1: Fundamentbeurteilungsschema für Landrasse und Edelschwein Sauen. Quelle: Pfeiffer/Schodl


Fundamentbeurteilung und genetische Zusammenhänge bei Sauen Der Großteil der Sauen konnte in den unterschiedlichen Fundamentmerkmale im Optimalbereich (0) eingestuft werden (54,9 96,5%). Zwischen einigen Merkmalen konnten signifikante genetische Korrelationen im mittleren bis hohen Bereich (0,67 - 0,79) gefunden werden. Genetische Korrelationen beschreiben, wie verschiedene Merkmale genetisch zusammenhängen und werden mit einer Zahl zwischen -1 und 1 ausgedrückt. Die Korrelation von 0,67 zwischen Fessel vorne und Fessel hinten zeigt beispielsweise, dass Sauen mit durchtrittigen vorderen Fesseln auch an den hinteren Fesseln durchtrittig waren. Außerdem besteht ein Zusammenhang zwischen durchtrittigen Fesseln an der Hinterhand und zu langen Klauen. Sauen mit zu langen Klauen bzw. langen Afterklauen bleiben leichter in Spalten hängen und ziehen sich auf diese Weise Verletzungen zu, welche Eintrittspforten für Keime darstellen und in Folge zu Infektionen führen können. Ein guter Zustand der Klauen ist also insbesondere in einstreulosen Haltungssystemen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit für die Sau eine wichtige Voraussetzung, um das Risiko für solche Verletzungen zu minimieren.

Fundamentmerkmale mit niedrigen Erblichkeiten Die Erblichkeiten für die Fundamentmerkmale waren mit 0,03-0,16 in dieser Studie als eher niedrig einzustufen. Erblichkeiten können Zahlenwerte von 0 bis 1 annehmen, wobei 0 „nicht erblich“ bedeutet. Eine Erb-

lichkeit von 1 hingegen deutet darauf hin, dass zu 100% Gene an der Merkmalsausprägung beteiligt sind und ein Einfluss der Umwelt an der Merkmalsausprägung ausgeschlossen werden kann. Diese Kennzahlen sagen uns dennoch, dass in der Population genügend Variation vorhanden ist um gezielt darauf zu selektieren und somit auch einen Zuchtfortschritt zu erreichen. Eine Selektion auf ein gutes Fundament könnte nicht nur Leistung sowie Wohlergehen der Sauen erhöhen, sondern auch den Arbeitsaufwand für Managementmaßnahmen wie Klauenpflege merklich verringern. Darüber hinaus konnte bereits in Studien gezeigt werden, dass Fundamentmerkmale stark mit der Nutzungsdauer zusammenhängen. Je besser das Fundament ist, umso länger ist die Nutzungsdauer der Sauen.

Erdrückungsverluste reduzieren Die Erdrückungsverluste in den ersten 48 Stunden nach Geburt betrugen im Mittel 1,78 % mit einer Standardabweichung von ±0,48 % und während der gesamten Säugeperiode 3,99 % mit einer Standardabweichung von ±7,60 %. Auch die Erblichkeiten für die Erdrückungsverluste können als niedrig eingestuft werden (0,03 für Erdrückungsverluste innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Geburt bzw. 0,04 für die Erdrückungsverluste über die gesamte Säugeperiode). Die Erdrückungsverluste sind zwar genetisch verankert, dennoch spielen andere Faktoren wie zum Beispiel strenge Geburtsüberwachung und die Ferkelvitalität eine sehr große Rolle. Neben den genetischen Korrelationen sowie Erblichkeiten wurden auch Zuchtwerte für die Erdrückungsverluste innerhalb der ersten 48 Stunden nach Geburt

Die Fußstellung bzw. die Fessel (vorne) im linken Bild kann als normal (bis ganz leicht durchtrittig) bezeichnet werden. Im rechten Bild ist eine durchtrittige Fessel erkennbar.

sowie über die gesamte Säugeperiode geschätzt. Je höher der geschätzte Zuchtwert einer Sau für dieses Merkmal ist, umso weniger Erdrückungsverluste sind zu erwarten und umso besser ist diese Sau für die Zucht einzustufen. Die Zuchtwerte für die Erdrückungsverluste wurden auch für jede Beurteilungsstufe der einzelnen Fundamentmerkmale geschätzt. Dabei zeigte sich, dass für Sauen mit einer optimalen Beurteilung der vorderen Fessel im Mittel ein höherer Zuchtwert für die Erdrückungsverluste über die gesamte Säugeperiode geschätzt werden konnte, als für Sauen mit durchtrittigen Fesseln. Oder anders ausgedrückt: laut Zuchtwertschätzung ist von Sauen mit optimalen Fesseln zu erwarten, dass sie weniger Ferkel während der Säugeperiode erdrücken. Derselbe Effekt zeigte sich auch bei den Merkmalen Lahmheit und Seitenansicht ganzes Bein vorne.

Züchterische Bearbeitung von Fundamentmerkmalen empfehlenswert Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aufnahme von Fundamentmerkmalen in das derzeitige Zuchtprogramm für die Mutterlinien der Rassen Landrasse und Edelschwein empfehlenswert ist und ein Zuchtfortschritt erzielt werden kann. Darüber hinaus kann eine gute Fundamentbeurteilung einer Sau auch als Indikator für eine verlängerte Nutzungsdauer sowie geringere Erdrückungsverluste herangezogen werden.

Katharina Schodl und Christina Pfeiffer Institut für Nutztierwissenschaften BOKU Wien

Die Fußstellung bzw. die Fessel (hinten) im linken Bild kann als normal bezeichnet werden. Im rechten Bild ist eine leicht durchtrittige Fessel erkennbar. Quelle: Pfeiffer

Quelle: Pfeiffer

3 2019 | Sauenfundament | 25


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Dr. Peter Knapp Koordinator VÖS-Zuchtausschuss Foto: FRAUKOEPPL

Schweinezüchter Österreichs gehen gemeinsam in die Zukunft Die österreichische Schweinezucht stärkt ihre Marktposition, nimmt die zukünftigen Herausforderungen des Schweinemarktes an und startet ab Herbst mit einer neuen Organisation durch.

Einladung Rieder Messe Mi, 4. Sept. 14:30 Uhr Pressekonferenz mit anschließendem gemütlichem Züchtertreff in der Schweineversteigerungshalle

Die Herdebuchzüchter gehen in eine gemeinsame Genossenschaft „Schweinezucht Österreich eGen.“ und betreiben mit der „PIG Austria GmbH“ eine schlagkräftige Tochterfirma, in der Schweinezucht und Besamung zusammengefasst sind. Mit der gemeinsamen Organisationsstruktur wird ein starkes Zeichen für die bäuerliche Schweinezucht in Österreich gesetzt.

Herausforderungen und Ziele Bunte Schweineschau Tiervorführung der Jungzüchter in der FIH Tierarena Mi, 4. Sept. 11:00 – 12:00 Uhr Do, 5. Sept. 11:30 – 12:00 Uhr Fr, 6. Sept. 11:30 – 12:00 Uhr Sa, 7. Sept. 12:00 – 13:00 Uhr (Vielfalt vom Bauernhof) So, 8. Sept. 11:30 – 12:00 Uhr

26 | Zucht | 3 2019

Für den Zuchtschweineverkauf und die Besamung hat sich in den letzten Jahren das Marktumfeld in Österreich und ganz Europa massiv verändert. Die Zuchtsauenbestände sind seit Jahren rückgängig, gleichzeitig steigt aber die Produktivität. Im Zuchtbereich gibt es immer höhere fachliche und technische Anforderungen. Die Aufwendungen im Bereich Datenerfassung, Leistungsprüfung und Genomik verlangen mehr Ressourcen, um einen wettbe-

werbsfähigen Zuchterfolg erwirken zu können. Dieser Wettbewerb führt zu einem Kostendruck, auf den sich die Marktteilnehmer einstellen müssen. Das gemeinsame Ziel der im VÖS organisierten Erzeugergemeinschaften ist es, Schweinefleisch bester Qualität mit hoher regionaler Wertschöpfung von der Zucht bis zum Mastschwein für die verschiedenen Vermarktungsschienen anzubieten. Für ein glaubwürdiges regionales Qualitätsprogramm ist eine klar definierte leistungsfähige Genetik, mit einem Zuchtprogramm, das für die Anforderungen der österreichischen Familienbetriebe maßgeschneidert ist, eine wichtige Grundlage. Um die genannten Ziele zu erreichen und die zukünftigen Herausforderungen zu meistern, sind schlanke und schlagkräftige Organisationstrukturen notwendig. Aus diesem Grund haben die drei Schweinezuchtverbände in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark die Entscheidung getroffen, die


Mitglieder in einer gemeinsamen Genossenschaft der „Schweinezucht Österreich eGen.“ zusammenzuführen. Jeder Herdebuchzüchter hat als Mitglied das gleiche Stimmrecht. Im sechsköpfigen Vorstand sind die Bundesländer entsprechend repräsentiert. Der Vorstand ist für die Führung und strategischen Entscheidungen der Genossenschaft verantwortlich. Der Aufsichtsrat nimmt die Kontrollfunktion wahr. Die neue Genossenschaft hat die Aufgabe, im Interesse der Mitglieder und Kunden ein gemeinsames österreichisches Zuchtprogramm umzusetzen und aus diesem Programm leistungsfähige Sauen, Eber und Sperma anzubieten. Dazu ist es notwendig, neben dem Zuchtbetrieb auch Besamungsstationen zu betreiben. Um diese Aufgabe effizient zu erfüllen, wurde für den operativen Betrieb der Geschäftsfelder Genetik, Besamung und Zubehör eine Tochterfirma die „PIG Austria GmbH“ gegründet.

Neues Unternehmen: PIG Austria GmbH Die PIG Austria GmbH ist ein Unternehmen, das aus der Fusion von fünf Ausgangsunternehmen entsteht. Die Schweinezuchtverbände in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark haben ihre Betriebe und das Vermögen in die neue GmbH eingebracht. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich hat ihren Anteil und die Liegenschaft der NÖ Besamungsstation in Hohenwarth, die Landwirtschaftskammer Steiermark hat den Betrieb der Besamungsstation Gleisdorf an die PIG Austria GmbH verkauft. Der Sitz und die Zentrale der PIG Austria GmbH sind in Steinhaus bei Wels. Neben der dortigen Besamungsstation gehören die Standorte in Hohenwarth und Gleis-

dorf sowie ein Büro für die Zucht in Streitdorf zum Unternehmen. Für die Mitglieder und Kunden in Kärnten und Tirol gibt es wie bisher eine Anlaufstelle in der dortigen Landwirtschaftskammer. Mit dieser Unternehmensform wurde ein zukunftsweisendes Modell gefunden, das durch schlanke Entscheidungsstrukturen rasch am Markt reagieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit erhalten kann. Gleichzeitig ist das Mitbestimmungsrecht der Bäuerinnen und Bauern als Eigentümer gesichert. Durch die Verankerung in den Regionen ist eine effiziente und flächendeckende Betreuung der Mitglieder und Kunden in ganz Österreich gewährleistet.

besten Tiere in den jeweiligen Besamungsstationen wird mehr Zuchtfortschritt bringen. Für die Besamungsstationen ergeben sich durch die Fusion neue Möglichkeiten in der Optimierung bei der Logistik und damit Kostenvorteile. Durch die Produktion an mehreren Standorten wird das Krankheits- und Seuchenrisiko gestreut und bringt eine bessere Absicherung im Krisenfall. Die regionalen Ansprechstellen bleiben erhalten, die Kunden können aber im Bedarfsfall aus einem größeren Pool an Ebern schöpfen. Das Service und Zubehörangebot soll schrittweise auf allen Standorten erweitert werden.

Nächste Schritte und Start Vorteile und Nutzen Zucht und Besamung hängen stark voneinander ab. Deshalb ist es sinnvoll diese Bereiche zu einer Einheit in Österreich zusammenzuführen. Durch die neue bundesländerübergreifende Zusammenarbeit ergeben sich Synergieeffekte für alle beteiligten Bereiche. Durch eine gemeinsame Abrechnung, Buchhaltung und EDV-Infrastruktur ist mittelfristig mit einer Effizienzsteigerung und Kostensenkung in der Verwaltung zu rechnen. Für die Zucht ist eine einheitliche und straffe Umsetzung des Zuchtprogramms das Um und Auf. Dazu wird das österreichische Zuchtprogramm neu überarbeitet und die Zuchtziele den aktuellen Anforderungen angepasst. Mit einer intensiveren fachlichen Betreuung können die vorhandenen Instrumente der Zuchtarbeit wie die Leistungsprüfung an der Station Streitdorf, die Informationen aus dem Sauenplaner sowie aus der Feldprüfung gemeinsam noch besser genutzt werden. Eine gezielte überregionale Nutzung der

Die notwendigen Beschlüsse zur Schaffung der neuen Struktur wurden in den jeweiligen Gremien bereits getroffen. Aktuell wird noch intensiv an den Verträgen zur Um- und Neugründung gearbeitet. Die erste Generalversammlung mit der die Vertreter für die neuen Gremien gewählt werden, ist für Ende Oktober geplant. Auf der Rieder Messe werden die Schweinezüchter erstmals gemeinsam auftreten und das Projekt der Öffentlichkeit vorstellen. Ab diesem Zeitpunkt finden sie sämtliche notwendigen Informationen dazu auf der neuen Homepage unter www.pig.at. Der Start des neuen Unternehmens ist für 1. Oktober geplant. Auch wenn der Weg zur Zusammenführung nicht immer leicht war, durch diesen zukunftsweisenden Schritt haben alle beteiligten Verbände und Landwirtschaftskammern gezeigt, dass, wenn ein Wille für ein gemeinsames Ziel formuliert ist, auch ein Weg gefunden werden kann.

Neuorganisation Schweinezucht Österreich eGen und PiG Austria GmbH. Quelle:PiG Austria

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Antibiotika-Einsatz: Innovative Auswertungen Das Problem der zunehmenden Antibiotikaresistenzen betrifft die Humanmedizin ebenso wie die Tiermedizin, die Landwirtschaft und den Umweltbereich. Der Nachweis von resistenten Bakterien bei Lebensmitteln und die damit verbundene Diskussion, welche Relevanz diese Bakterien für die Gesundheit des Menschen haben, gelangten in den letzten Jahren vermehrt in das Augenmerk der Öffentlichkeit. Ein weiterer Aspekt ist, dass der globale Handel und die weltweite Reisetätigkeit zur Verbreitung von Resistenzen auf allen Kontinenten führen. Daher sind internationale Anstrengungen nötig, um die Resistenzproblematik zu lösen.

Einsatzmengen kennen und analysieren Ein wichtiger Schritt hin zur Bekämpfung von Resistenzen ist es, über den Einsatz von Antibiotika auch mengenmäßig Bescheid zu wissen. Der Gesetzgeber hat dazu für den Veterinärbereich die sogenannte Veterinär-Antibiotika-Mengenströme-Verordnung erlassen. Auf Basis dieser Verordnung wird der Vertrieb von antibiotisch wirksamen Arzneimitteln an tierärztliche Hausapotheken und die Abgabe von Antibiotika

28 | Antibiotika | 3 2019

an landwirtschaftliche Betriebe erfasst. Auswertungen dieser Erfassung werden jährlich von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erstellt und in einem Bericht an das Gesundheitsministerium (BMASGK) veröffentlicht. Tierärztliche Hausapotheken oder auch Landwirtinnen und Landwirte hatten bisher noch keine Möglichkeit, Informationen zu ihrem Betrieb oder der Hausapotheke einzusehen.

Rückmeldungen an Landwirt

wertungen dazu. Um dies zu ändern und um die Möglichkeit zu schaffen, dass landwirtschaftliche Betriebe von den vorhandenen Daten profitieren können, wurde intensiv an der Gestaltung und Einführung eines sogenannten „Benchmarkingsystems“ für den Antibiotika-Einsatz in der Schweinehaltung gearbeitet. Daran waren das BMASGK, die Tiergesundheitsdienste, praktische Tierärztinnen und Tierärzte, die AGES sowie die Vertretung der Schweinebauern (VÖS) maßgeblich beteiligt.

Was bedeutet Benchmarking? Die Auswertungen in diesen AGES-Berichten sind allgemein gehalten, ein einzelner landwirtschaftlicher Betrieb kann daraus keine Rückschlüsse für sich ziehen. Wie erwähnt sind aber Daten zu den bezogenen Antibiotikamengen auf Betriebsebene vorhanden, bisher gab es keine Aus-

Benchmarking ist ein Instrument der Wettbewerbsanalyse. Benchmarking ist der kontinuierliche Vergleich von Produkten, Dienstleistungen sowie Prozessen und Methoden mit Unternehmen, um die


Leistungslücke zum Klassenbesten systematisch zu schließen. Grundidee ist es, festzustellen, welche Unterschiede bestehen, warum diese Unterschiede bestehen und welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt.

Benchmarkingsystem zu Antibiotika-Abgaben Oberste Priorität bei der Nutzung von Daten hat der Datenschutz. Die Zustimmung der Landwirtin oder des Landwirts ist Voraussetzung dafür, dass überhaupt eine Auswertung der bezogenen Menge an Antibiotika erfolgen kann. Bei erteilter Zustimmung erstellt die AGES eine Auswertung, welche über den TGD an den jeweiligen schweinehaltenden Betrieb weitergeleitet wird. Der TGD fungiert als Übermittler der Berichte. Diese Auswertung steht auch nur dem einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb zur Einsicht zur Verfügung. Nur wenn dieser zustimmt, können diese Auswertungen auch direkt an die Betreuungstierärztin, den Betreuungstierarzt bzw. die Erzeugerorganisation weitergeleitet werden.

tung durch die Betreuungstierärztin oder den Betreuungstierarzt ein wichtiger Schritt sein. Auch die Beratung der Landwirtschaftskammern kann in gewissen Belangen sinnvoll sein. Nutzen Sie auch die Daten aus der amtlichen Schlachttierund Fleischuntersuchung (SFU), welche über die ÖFK abrufbar sind bzw. am Schlachtprotokoll aufgedruckt sind. Damit können Sie die Analyse möglicherweise noch weiter verbessern.

Beispiele für Auswertungen In Abbildung 1 ist dargestellt, wie sich der Einsatz von Antibiotika auf Ihrem Betrieb entwickelt hat. Dazu wird eine eigens dafür berechnete „AB-Kennzahl“ verwendet. Zur Berechnung fließen die Wirkstoffmengen, Tierzahlen sowie ein Faktor für die Tagesdosis je Arzneimittel mit ein. Da Präparate verschiedener Wirkstoffkategorien in Hinblick auf ihren Einsatz und die potentielle Resistenzbildung unterschied-

liche Bedeutung haben, sind sie in entsprechende Gruppen zusammengefasst. „Antibiotika von höchster Bedeutung“, zu denen Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Fluorchinolone und Polymixine zählen, sind beispielsweise in roter Farbe dargestellt. Bei der Interpretation helfen Ihnen Ihre Betreuungstierärztin/Ihr Betreuungstierarzt. In Abbildung 2 sehen Sie, wie die Vergleiche mit anderen Betrieben aussehen werden. Sie werden mit den Betrieben der gleichen Kategorie verglichen. Die Grafik zeigen Ihre durchschnittliche AB-Kennzahl und Ihre Position im Vergleich mit den anderen Betrieben je Wirkstoffkategorie. Der hellgraue Bereich enthält dabei die Betriebe, deren durchschnittliche ABKennzahl im unteren Mittel aller Betriebe liegt (unteren 50%). Im dunkelgrauen Bereich liegen hingegen all jene Betriebe, deren durchschnittliche AB-Kennzahl in den höchsten 10% liegen.

Wie komme ich zu den Auswertungen? Die Tiergesundheitsdienste werden in den kommenden Wochen entsprechende Zustimmungserklärungen an die TGD-Mitgliedsbetriebe aussenden. Möchten Sie die Auswertungen bekommen, so senden Sie die ausgefüllte Zustimmungserklärung an den jeweiligen TGD zurück. Die Zusendung des Berichts erfolgt postalisch, per EMail oder über eine Plattform, von der Sie den Bericht für Ihren Betrieb herunterladen können.

Abb. 1: Zeitlicher Verlauf der Antibiotika-Kennzahl eines Beispielbetriebes für die Jahre 2015 bis 2017.

Was bringt die Auswertung für meinen Betrieb? Durch die Darstellung der Antibiotika Bezugsdaten des eigenen Betriebes im Vergleich zu anderen Betrieben kann der Ist-Stand am Betrieb mit jenem anderer Betriebe der gleichen Kategorie (Ferkelerzeugung, Mast etc.) verglichen werden. Dies kann dazu beitragen, Schwachstellen zu analysieren und in weiterer Folge zu verbessern. Der Ehrgeiz, besser zu werden, ist ein Erfolgsrezept des BenchmarkingSystems. Mögliche Optimierungsschritte sind vielfältig, hier wird die fachliche Bera-

Abb. 2: Vergleich der AB-Kennzahl eines Beispielbetriebes mit anderen Betrieben für ein ausgewähltes Jahr. 3 2019 | Antibiotika | 29


Biosicherheit auf österreichischen Schweinebetrieben 1 l i Te

Krankheiten bzw. Tierseuchen beschäftigen Landwirtschaft und Veterinärmedizin. Ein aktuelles und heiß diskutiertes Beispiel hierfür ist die von den Schweinebetrieben gefürchtete Afrikanische Schweinepest, die sich in Europa ausbreitet. Um die Tierbestände vor den Gefahren dieser und anderer Krankheiten zu schützen, müssen vorsorglich Maßnahmen zur Verringerung des Erregereintrages und der Erregerverbreitung getroffen werden. Damit befasst sich die sogenannte Biosicherheit in der Tierhaltung. Biosicherheit wird definiert als „alle Maßnahmen, um die Gefahr der Einschleppung und Ausbreitung von Infektionserregern zu minimieren“. Durch die Umsetzung von wirksamen Biosicherheitsmaßnahmen können also die Tiere bestmöglich gesund gehalten und zugleich wirtschaftliche Schäden vermindert werden. Dadurch kann möglicherweise auch der Einsatz von Arzneimitteln reduziert und die Gefahr von wirtschaftlich ruinösen Seuchen vermindert werden. Einheitliche, grundlegende Regelungen zur Biosicherheit auf schweinehaltenden Betrieben in Österreich sind in der Schweinegesundheitsverordnung festgelegt, welche 2017 in Kraft getreten ist. Darüber hinaus ist die „Biosicherheit“ Schwerpunkt in der Beratung durch die Landwirtschaftskammern und die Tiergesundheitsdienste. Das EIP Projekt „Nutzung von Gesundheitsdaten zur Verbesserung von Atemwegserkrankungen und Parasitenbefall bei Mastschweinen“ der OG "Gesunde Mastschweine" (http:// www.voes-online.at/index.php/projekte/eipprojekt) befasst sich ebenso mit der Identifikation von Risikofaktoren und Schwachstellen des Betriebes in Hinblick auf die Biosicherheit und möglichen Verbesserungsmaßnahmen.

Bachelorarbeit Biosicherheit Umfrage Um herauszufinden, inwieweit Biosicherheitsmaßnahmen in der österreichischen Schweinehaltung schon umgesetzt werden, wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Universität für Bodenkultur Wien (Institut für Nutztierwissenschaften, Arbeitgruppe Tierhaltung, betreut durch Dr. C. Leeb) ein Fragebogen für Schweinehalter erstellt. Dabei ging es um die Umsetzung besonders wichtiger Biosicherheitsmaßnahmen. Dies wurde im Rahmen der Arbeit als jene Maßnahmen definiert, die geeignet sind, besonders große Risiken zu minimieren. Zum Beispiel sollte das Futter unbedingt wildtiersicher gelagert oder ein Kontakt zwischen Wildschweinen und den Schweinen des Betriebs auch bei Auslauf

30 | Biosicherheit | 3 2019

verhindert werden (insbesondere wegen der Afrikanischen Schweinepest). Auch Kadaverlagerung, Tiertransporte und der Stallzutritt für Besucher sind wichtige Risikofaktoren und sollten fachgerecht und gewissenhaft geregelt sein. Ziel der Umfrage war es, einen Überblick über die Umsetzung ausgewählter Biosicherheitsmaßnahmen in Österreich zu erhalten und Hinderungsgründe zu identifizieren. Die Umfrage wurde Online veröffentlicht und war von 12.04.2019 bis 01.05.2019 zur Teilnahme offen. Es wurden allgemeine Fragen zu Teilnehmern (Alter, Bildung etc.) und dem Betrieb (geschlossener Betrieb, Mastbetrieb, Stallbau, Tierzahl etc.) gestellt. Ebenso wurde nach der Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen und potenziellen Hinderungsgründen bei der Umsetzung, sowie Fragen zu persönlichen Einschätzungen der Teilnehmer in Bezug zu Biosicherheit abgefragt.

Wer hat an der Umfrage teilgenommen? 156 Fragebögen wurden vollständig ausgefüllt und ausgewertet. Charakteristika der Teilnehmer werden im Folgenden kurz beschrieben. Fast alle teilnehmenden Personen waren männlich, Betriebsleiter und im Alter von 41-60 Jahren. Neben kombinierten Betrieben (37%) nahmen auch spezialisierte Ferkelproduzenten (28%) und Schweinemäster (35%) teil. Dabei hatten die meisten Ferkelproduzenten (77%) mehr als 50 Sauen und die meisten der teilnehmenden Mäster (55%) weniger als 500 Mastplätze. Fast alle teilnehmenden Betriebe waren konventionell wirtschaftend mit Warmstall ohne Auslauf.

Wie gut wurden Biosicherheitsmaßnahmen umgesetzt? Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass insgesamt 71% der abgefragten Biosicherheitsmaßnahmen umgesetzt wurden.


Die Liste in Tabelle 1 zeigt aufsteigend, wie viel Prozent der Teilnehmer die jeweilige Biosicherheitsmaßnahme umgesetzt haben. Die Biosicherheitsmaßnahmen wurden hier stichwortartig wiedergegeben. Erfreulicherweise wurden fast alle Maßnahmen von mindestens der Hälfte der Teilnehmer umgesetzt. Die einzige Ausnahme ist die Hygieneschleuse im Quarantänestall. Weniger als ein Drittel der Betriebe mit Quarantänestall besitzen für diesen eine Hygieneschleuse. Diese Tatsache zeigt möglichen Handlungsbedarf, da ein Quarantänestall seine Funktion der Isolation beziehungsweise der Quarantäne nur dann sicher gewährleisten kann, wenn der Stallzutritt und vor allem das Verlassen des Stalls mit einer gründlichen Reinigung und einem Kleidungs- und Schuhwechsel verbunden ist. Diese Biosicherheitsmaßnahme dürfte jedoch nicht so einfach umzusetzen sein. Dies wird bei der Analyse der Hinderungsgründe aufgegriffen. Die am besten umgesetzte Maßnahme war es, stallspezifische Kleidung und Schuhe zu verwenden. Über alle Fragen bzw. Maßnahmen hinweg war kein Zusammenhang mit Betriebsform (geschlossener Betrieb/spezialisierter Betrieb) oder der Betriebsgröße erkennbar. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ für die Gesamtheit der österreichischen schweinehaltenden Betriebe sind. Dazu ist die Teilnehmerzahl zu gering. Es muss auch beachtet werden, dass die Ergebnisse auf Selbsteinschätzung beruhen.

Fazit Im Vergleich zu anderen Studien sind die Ergebnisse der Umfrage recht zufriedenstellend. Allerdings ist eine Einschätzung, inwiefern Biosicherheit im Vergleich zu anderen Studien mehr oder weniger umgesetzt wird, nur bedingt möglich. Denn Biosicherheit ist kein eindeutig definierter Begriff; er hat sich im Laufe der Zeit gewandelt und wurde stetig durch neue Studien und Forschungen geändert und erweitert. Die möglichen Gründe dafür, warum Biosicherheitsmaßnahmen nicht umgesetzt werden (können), lesen Sie in der nächsten Ausgabe des VÖS-Magazins.

Maria Bauer und Ruben Epperlein Studierende der Agrarwissenschaften BOKU Wien

Tabelle 1: Übersicht der abgefragten Biosicherheitsmaßnahmen, sortiert nach Häufigkeit ihrer Umsetzung. Quelle: Bauer/Epperlein, BOKU Wien 3 2019 | Biosicherheit | 31


Foto:Strasser

1 l i Te

VÖS Studienreise Dänemark und Südschweden Mitte Juni 2019 besuchten 19 Schweinebauern aus Österreich auf einer Studienreise Dänemark und Südschweden. In den vier Tagen konnten viele Eindrücke über die dortige Landwirtschaft und im speziellen der Schweineproduktion gesammelt werden. Da die Hygienebestimmungen sehr streng sind, durften wir erst 48 Stunden nach der Ankunft in Dänemark in einen Schweinebetrieb. Daher gab es an Tag 1 und 2 ein Kultur- und „Theorie“ Programm. Tag 1 „Schweinefrei“ Nach rund 2 Stunden Flugzeit kamen wir in Kopenhagen, der Hauptstadt Dänemarks, an. Es ging direkt nach Roskilde, eine der ältesten Städte Dänemarks. Die Stadt wurde vor über 1.000 Jahren von Wikingern besiedelt und wurde somit zu einem wichtigen Handelsplatz. In Roskilde war im Mittelalter der Hauptsitz des Königs und der Bischöfe. Anschließend ging es zurück nach Kopenhagen wo wir gemeinsam mit einer Fremdenführerin die Highlights der Stadt besichtigen konnten. Zu einem der Berühmtesten Wahrzeichen Dänemarks und Kopenhagens zählt die Bronzefigur der „kleinen Meerjungfrau“ welche nach Vorlage aus dem Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen gebaut wurde. Bis heute machte diese Figur schon so einiges mit, immer wieder wird sie Opfer von Vandalismus, mehrmals wurde der Kopf

32 | Bericht | 3 2019

gestohlen und mit Farbe beschmiert. Weitere Sehenswürdigkeiten, die wir mit größem Interesse bestaunten, waren das Schloss Amalienborg, Stadtresidenz der dänischen Königin Margarethe II, den Gefion-Brunnen, welcher die nordische Göttin Gefion mit vier vorgespannten Ochsen und einen Pflug zeigt. Der Legende nach verwandelte sie ihre vier Söhne in Ochsen um Land zu pflügen. Jenes Land, welches sie innerhalb von 24 Stunden pflügte, gehörte ihr. Danach machten wir noch eine typische Kanaltour auf einem Boot, von wo wir weitere Sehenswürdigkeiten wie die Oper, den Neuen Hafen (Nyhavn) und vieles mehr bestaunten.

Tag 2 In Kopenhagen ist der Sitz des Fachverbands der dänischen Landwirtschaft (Landbrug & Fødevarer). Dieser vertritt die politischen Inter-


essen der Landwirtschaft und der Lebensmittelbranche, bearbeitet Märkte und betreibt Marketing für den Export. Sie bereiten Informationen auf und fördern Forschung und Innovation. Vertreter des Fachverbandes stellten uns die Strukturen der dänischen Schweineproduktion vor, gaben uns einen ökonomischen Ausblick und präsentierten uns Vorgehensweise der Ferkelkastration in Dänemark.

Dänische Schweineproduktion 2018

Die Zahlen sprechen für sich. Der Export von Ferkel ist ein wichtiger Wirtschaftszweig der dänischen Schweineproduktion. Knapp die Hälfte der Ferkelexporte gehen nach Polen, die andere Hälfte nach Deutschland. Gründe für die Fokussierung auf die Ferkelproduktion sind die guten Preise für Ferkel in Polen und Deutschland. Für die Mastschweineproduktion wäre mehr Fläche notwendig und die Produktionskosten sind höher, nicht zuletzt da es Umweltgesetze gibt, die diese erhöhen. Dennoch ist die dänische Schlachtbranche ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftszweig in Dänemark. Dieser ist auf wenige Schlachtbetriebe begrenzt. Größter Schlachthofbetreiber ist Danish Crown, dort wurden 2018 13,5 Millionen Schweine geschlachtet. Tönnies betreibt seit ein paar Jahren ebenfalls zwei Schlachthöfe in Dänemark, wo 2018 3,5 Millionen Schweine geschlachtet wurden. Aus Wettbewerbsgründen war es Danish Crown nicht möglich, selber diese Schlachthöfe zu kaufen und somit kam Tönnies zum Zug. Für den dänischen Markt ist auch der chinesische Absatz von Schweinefleisch enorm wichtig und ein großer Teil wird dorthin exportiert. Natürlich profitieren auch die Dänen gerade von der derzeitigen Marktlage in China, welche auf die Afrikanische Schweinepest zurückzuführen ist.

trag einer dänischen Tierärztin zur Ferkelkastration. Seit 2018 ist es dänischen Landwirten erlaubt, vor der Kastration eine Lokalanästhesie zu verabreichen. Voraussetzung dafür ist ein zweistündiger Kurs des Tierarztes mit einem praktischen Teil. Seit 2019 ist die Kastration mit Lokalanästhesie durch eine Branchenvereinbarung verpflichtend. Am Nachmittag ging es dann weiter nach Taastrup zum „Danish Meat Institute“ (dänisches Fleisch-Institut). Nach einem Vortrag zu deren Tätigkeiten im Bereich der Forschung v.a. im nachgelagerten Bereich, bekamen wir auch noch eine Führung durch das Gebäude. Ersichtlich war, dass dieser Forschungszweig in Dänemark einen großen Stellenwert einnimmt. Neben professionellen Sensoriklabors, wurde bereits ein Gerät entwickelt, welche sogenannte „Stinker“ am Schlachthaken identifiziert. Wenngleich diese elektr. Nase derzeit noch zu teuer und noch kaum in der Praxis erprobt ist, gibt es positive Entwicklungen in diesem Bereich.

Facts Dänemark Hauptstadt: Kopenhagen Fläche: 43.094 km², Färöer-Inseln: 1.399 km², Grönland: 2.166.085 km² Einwohner: 5,8 Mio. Schweinehalter: 3.125 Bruttoeigenerzeugung: 32,7 Millionen Schweine Schweinefleischproduktion: 2 Millionen Tonnen Schweineschlachtungen: 18 Millionen Schweine Export: 14,7 Millionen Ferkel

Anzahl der Ferkelexporte und deren Zielländer. Quelle: Karsten Flemin.

Auch in Dänemark wird wöchentlich ein Schweinepreis festlegt, welcher sich stark am deutschen Preis orientiert. Die Schweineproduktion in Dänemark ist genossenschaftlich organisiert, am Ende des Jahres wird den Landwirten eine Prämie ausgezahlt, welche sich am wirtschaftlichen Erfolg der Genossenschaft orientiert. Für uns ebenfalls spannend war der Vor-

Tierärztin Lotte Skade berichtete über die Ferkelkastration unter Lokalanästhesie. Foto: Strasser

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Selchfleisch-Eintopf Zubereitung

Öl in einer Pfanne erhitzen und die fein geschnittenen Zwiebeln goldgelb anschwitzen. Das vorgegarte Geselchte würfelig schneiden und kurz mitrösten. Klein geschnittene Karotten und Erdäpfel dazugeben, mit Suppe aufgießen und auf kleiner Flamme dünsten, bis das Gemüse weich ist.

Zutaten für 4 Portionen

80 dag Selchkarree, Selchschopf oder Teilsames aus der Schulter bzw. Schinken 2 Zwiebeln 4 Karotten 50 dag Erdäpfel ¼ l klare Suppe Salz Pfeffer

Zum Schluss mit Salz, Pfeffer sowie den gehackten Kräutern abschmecken.

1 TL Liebstöckel oder Rosmarin 1 TL Bohnenkraut oder Salbei 1 TL Schnittlauch Petersilie Öl

©Rezept und Foto Herausgeber: AMA

... im VÖS RÄTSEL-Stall Kreuzworträtsel rund ums Schwein 1. Schweine sind soziale Tiere und haben in der Gruppe eine feste R... 2. Das Gehör der Schweine ist sehr gut, hohe T... hören sie besser als der Mensch. 3. Schweine merken sich Abläufe gut, das L... ist beachtlich. 4. Wenn Schweinen k... ist, liegen sie eng beieinander. 5. Der Rüssel ist beweglich und sehr e... 6. Ausgewachsene Schweine können sehr schnell l... 7. In diesem EU-Land gibt es ca. doppelt so viele Schweine wie Menschen 8. Durch die in Österreich gr0ßteils praktizierte Herdebuchzüchtung sind die meinsten V... der Ferkel bekannt. 9. In keinem ...-Land ist der Pro-KopfVerbrauch an Schweinefleisch so hoch wie in Österreich.

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34 | Rezept & Rätsel |3 2019


OECD und FAO erwarten bis 2028 stabile bis sinkende Preise für Agrarrohstoffe Die weltweite Nachfrage nach Agrarerzeugnissen wird in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich um 15% steigen, während das Wachstum der landwirtschaftlichen Produktivität voraussichtlich etwas schneller zunehmen wird, was dazu führt, dass die inflationsbereinigten Preise der wichtigsten Agrarerzeugnisse auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben oder sinken Das geht aus dem heute veröffentlichten Landwirtschaftsausblick 2019 bis 2028 von OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) hervor. Die Autoren gehen davon aus, dass technische Innovationen zu verbesserten Erträgen sowie einer höheren Produktionsintensität führen. Die direkten Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft dürften im kommenden Jahrzehnt jährlich um rund 0,5 % zunehmen, das liegt unter der 0,7%Rate der vergangenen zehn Jahre.

Neue Unsicherheitsfaktoren Gleichzeitig sehen die Experten neben den üblichen Risiken neue Unsicherheitsfaktoren auf die Landwirtschaft zukommen. Dazu zählen Störungen durch Handelskonflikte, die Ausbreitung von Pflanzen- und Tierkrankheiten, die zunehmende Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen, regula-

torische Einschränkungen für neue Pflanzenzüchtungstechniken sowie zunehmende extreme klimatische Ereignisse. Zu den Unsicherheiten zählen auch die Verschiebung von Ernährungspräferenzen aus dem Blickwinkel von Gesundheit und Nachhaltigkeit sowie politische Reaktionen etwa auf Fettleibigkeit.

13% mehr Getreide verwendet Weltweit wird die Verwendung von Getreide für Lebensmittel im Prognosezeitraum voraussichtlich um rund 150 Mio. t zunehmen, was einem Anstieg von 13% entspricht. Demnach wird der größte Teil des Zuwachses auf Reis und Weizen entfallen. Dabei wird als wichtigster Faktor für das prognostizierte Wachstum des Lebensmittelverbrauchs von Grundnahrungsmitteln das Bevölkerungswachstum in Afrika südlich der Sahara und in Südasien genannt. Dem Bericht zufolge wird der Verbrauch von Zucker und Pflanzenöl anscheinend steigen, was den anhaltenden Trend zu Fertiggerichten und stark verarbeiteten Lebensmitteln widerspiegelt. Gesundheitsbedenken dürften laut dem Bericht in zahlreichen einkommensstärkeren Ländern zu einem geringeren Verzehr von rotem Fleisch und einer Verlagerung von pflanzlichen Ölen zu Butter führen.

Außerdem dürfte die Nachfrage nach Futterpflanzen das Wachstum in der Tierproduktion in jenen Ländern übersteigen, in denen sich der Viehbestand von traditionellen zu kommerziellen Produktionssystemen entwickelt. Derweil dürfte die Verwendung von Agrarrohstoffen als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Biokraftstoffen vor allem in den Entwicklungsländern zunehmen. Für den Handel mit Agrar- und Fischereierzeugnissen erwarten die Autoren in den kommenden zehn Jahren ein verlangsamtes Wachstum von jährlich rund 1,3% gegenüber durchschnittlich 3,3 % in den vergangenen zehn Jahren, da sich das Wachstum der weltweiten Importnachfrage voraussichtlich verlangsamen wird. Auf der Exportseite sollen sowohl Lateinamerika als auch Europa ihre Verkäufe auf Auslandsmärkten steigern können. Die diesjährige Veröffentlichung des OECD/ FAO-Agrarausblicks bis 2028 enthält ein spezielles Kapitel über Lateinamerika und die Karibik, eine Region, auf die 14% der globalen Produktion und 23% der weltweiten Exporte von Agrar- und Fischereierzeugnissen entfallen - ein Anteil, der bis 2028 auf 25% steigen dürfte.

aiz.info

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