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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinbauern, Dresdnerstrasse 89,1200 Wien

Ausgabe Österreich 1/2019

2019: Jahr des Schweins auch bei uns?

www.schweine.at


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Hochprofessionelle Ferkelerzeugug

Im Interview ... Nationalrat Klaus Lindinger ...

... in heimischen Betrieben ...

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Inhalt

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Leitartikel

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Kommentar

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Interview

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Markt

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Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

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Recht & Politik

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Lüftung

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Petition-Herkunftskennzeichnung

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AMA

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Phytaseeinsatz

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Antibiotikaeinsatz

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Mykotoxinprogramm

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Biosicherheit SZV

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OptiZucht

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Berichte

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Rezept & Rätsel

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Firmeninformation

Alarmanlage bei Lüftung

Antibiotikamonitoring

... damit die Alarmanlage im Ernstfall funktioniert ...

... Antibiotika sind wirksame Substanzen, sie haben die Medizin einst revolutioniert ...

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Mykotoxinprogramm ... Ergebnisse des AGES Monitorings ...

IMPRESSUM

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OptiZucht ... Erfassen umfangreicher Wurfdaten wie Geburtsgewichte, Ferkelvitalität ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: Fraukoeppl / Agrarfoto / Mit freundlicher Unterstützung Flickr/Ivan Bandura; https://flickr/p/bAJEy8; 1 2019| Inhalt | 3 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode


Foto: FRAUKOEPPL

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„Was bringt 2019?“ Kurt Tauschmann VÖS-ObmannStv. ©Styriabrid

Das Jahr 2018 hat in Hinblick auf öffentlichkeitswirksame Kritik von NGOs an der Landwirtschaft und auch der Schweinehaltung intensiv geendet, das neue Jahr 2019 ebenso begonnen. Ende 2018 titelte eine Organisation „Versteckte Gentechnik im Schweinefleisch“. Dazu kam ein Bericht über Rückstände von Antibiotika und Pflanzenschutzmitteln in Gewässern. Vor kurzem sorgte ein „Fleischratgeber“ für Schlagzeilen, in dem österreichisches AMA-Gütesiegel Schweinefleisch die Bewertung „Finger weg“ erhält. Der VÖS oder der Verein NTÖ (Nachhaltige Tierhaltung Österreich), der alle Nutztiersparten vertreten soll, hat jedes Mal prompt reagiert. In der Öffentlichkeit werden aber andere mehr gehört. Zu selten werden wir um Stellungnahmen oder unsere Standpunkte gebeten und wenn doch, dann erst, wenn wieder eine Meldung rausgegangen und der „Schaden angerichtet“ ist. „Wer am lautesten schreit, wird gehört“, möchte man meinen. Fairness und ausgewogene Berichterstattung sehen anders aus.

Wer verklärt die Welt? Die Landwirtschaft und unsere Organisationen argumentieren sachlich. Wir erklären, dass von einer Täuschung in Hinblick auf gentechnisch veränderte Futtermittel keine Rede sein kann, dies wurde auch nie ausgelobt. Spuren von Anti-

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biotika lassen sich mit modernen Analysemethoden häufig in der Umwelt nachweisen. Die Liste lässt sich fortsetzen. Die Konsumenten schreiben den Gütesiegeln Qualitätswerte zu, welche sie gar nicht garantieren, kontrollieren und schon gar nicht kommunizieren.

Warum ist das so? Im Zeitalter des Internets, wo fast jede Information nur ein paar Mausklicks entfernt ist, möchte man doch meinen, dass sich die Menschen ausreichend informieren. Wir müssen immer wieder aufs Neue erkennen, dass dem nicht so ist. Umso wichtiger ist es also, weiterhin aktiv Kommunikation mit und Öffentlichkeitsarbeit hin zu den Konsumenten zu betreiben, sie über unsere Arbeit und Produktionsweisen zu informieren. Wenn dann der Ruf nach „gentechnikfreiem“ Schweinefleisch laut wird, können wir ruhig dar-


Foto: FRAUKOEPPL

auf hinweisen, dass es das alles schon gibt. Dass wir so eine Vielfalt an hochwertigem Schweinefleisch im Handel finden können, ist eine wertvolle Errungenschaft der heimischen Landwirtschaft und Schweinehaltung. Die Menschen haben die Wahl und müssen nur zugreifen! Wir Schweinebauern müssen daher offen auftreten und sagen, dass wir keine ‚Verhinderer‘ sind! Im Gegenteil, wir sind Realisten und sehen auch die wirtschaftliche Seite solcher Forderungen ganz klar. Wenn wir fair für unsere Arbeit und Produkte bezahlt werden, sind wir für viele Entwicklungen offen. Die Frage ist dann aber auch, ob die Menschen auch bereit sind, für entsprechende Qualität den Mehrpreis zu bezahlen. Eine Studie der FH Osnabrück in Deutschland hat erst vor kurzem den Zwiespalt zwischen dem, was die Bevölkerung in Umfragen preisgibt und der Realität an der Kassa, untersucht. Das Ergebnis: nur ein Bruchteil jener die vorgeben, einen Mehrpreis zahlen zu wollen, tut dies auch aktiv beim Einkauf.

Wer erklärt die Welt? Dieser Frage wurde ebenso bei der Fachtag Schweinehaltung im Rahmen der Wintertagung nachgegangen. Das Thema „Tierwohl“ erwies sich dabei als bestimmender Punkt, der von allen Vorträgen und Diskussionsbeiträgen aufgegriffen wurde. Dieses Thema ist in der Tat wichtig und stellt uns vor immer neue Herausforderungen. Dabei muss aber auch klar sein, dass wir nicht jeder Forderung und jedem Ruf von Seiten der NGOs nachgeben können. Wir sollten versuchen, nicht Grabenkämpfe mit NGOs auszufechten, welche die Tierhaltung mehr oder weniger komplett abschaffen wollen. Wir müssen versuchen die stille Mehrheit, die wahrscheinlich auf unserer Seite ist, mehr in die Diskussionen einzubinden. In diesem Zusammenhang hat ein Redner der Wintertagung auch vorgeschlagen, einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs anzustoßen, wie die Tierhaltung und die Schweinehaltung in Österreich aussehen sollen.

uns wieder mehr unserer Stärken bewusst. Wir leisten jeden Tag wertvolle Arbeit, wir sind nicht nur Pflanzenbauexperten, nicht nur Tierhaltungsexperten, sondern werden 2019 auch noch mehr zu Kommunikationsexperten werden. Wir sollten alle Möglichkeiten nutzen, um die Realität zu erklären. Jedes persönliche Gespräch, jede Schulklasse, die bei uns am Bauernhof Landwirtschaft erlebt, ist ein Schritt zu mehr Wertschätzung. Dabei wird uns womöglich auch die Einführung einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung bei tierischen Produkten in die Hände spielen, welche Ministerin Köstinger angekündigt hat. Die Initiative „Gut zu Wissen“, welche von der Landwirtschaftskammer Österreich ins Leben gerufen wurde, und auch vom Bauernbund unterstützt wird, leistet hier wertvolle Pionierarbeit.

Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

Stellenwert der Kommunikation

Viel Erfolg für 2019 Lasst uns auch mutig sein und uns selbst und den eigenen Betrieb reflektieren. Welche Dinge schieben wir schon länger auf? Wo könnten wir uns noch etwas verbessern? Nutzen wir alle Möglichkeiten, um uns und unsere Arbeit zu analysieren und zu optimieren? Wir alle sind aufgefordert, auch in Hinblick auf die Biosicherheit auf den Betrieben weitere Anstrengungen zu setzen, um die Einschleppung von Krankheiten, sei es die Afrikanische Schweinepest oder andere, zu verhindern. In diesem Sinne wünsche ich uns allen Gesundheit, keine Afrikanische Schweinepest, frohe Arbeit, gute Preise und ein wahrhaftiges Jahr des Schweins!

2019 ist Jahr des Schweins Im chinesischen Horoskop ist 2019 Jahr des Schweins, ein Jahr voller Glück, ein gutes Jahr um Geld zu verdienen und um zu investieren! Ich schließe mich dem an und denke, wir sollen für das kommende Jahr wieder mit Zuversicht nach vorne schauen. Seien wir

© Straßmayr

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Viel Glück und Erfolg verspricht das Jahr des Schweins im chinesischen Horoskop für 2019. Foto: https://flickr/p/bAJEy8; https:// creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Am 26. Februar wurden die Forderungen des Tierschutzvolksbegehrens präsentiert. Die heimische Tierhaltung wird angeprangert, wieder einmal reichen die gesetzlichen Standards nicht aus und es wird mehr gefordert. Besonders die Schweinehaltung ist im Fokus der Kritik. Sei es der Vollspaltenboden oder die Ferkelkastration, die den Tierschützern missfällt, praxistaugliche Lösungen werden nicht genannt. Sie fordern die Beendigung solcher Praktiken, aber wie? Mit Immunokastration? Ich frage mich, wie wollen wir in der heutigen Zeit den Konsumenten diese Methode erklären? Ist das überhaupt möglich? Unlängst durfte ich am Schweinekompetenztag in der Steiermark Bauer Willi zuhören. Er ist im deutschen Sprachraum ein bekannter Kommunikator zu unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Themen und beinahe in allen namhaften Social-MediaKanälen vertreten. Er versucht beinahe unermüdlich, Klarheit in so manch komplexes Thema zu bringen. Bei seinen Ausführungen erheiterte er viele Gemüter. So erzählte er, dass eine Bekannte von ihm zur veganen Ernährung gewechselt wäre. Es fiele ihr wohl nicht schwer, denn es gäbe viele vegane Ersatzprodukte. Als Veganerin verzichte sie natürlich auch auf Milch und konsumiere nur noch Heumilch. Für unsereins vielleicht amüsant, doch eigentlich ist es eine sehr traurige Realität. Durch die Kommunikation mit Konsumenten konnte er von vielen skurrilen Erfahrungen berichten, die zeigen, wie weit sich die Mehrheit der Bevölkerung von der Realität der landwirtschaftlichen Produktion entfernt hat. Das zeigt, dass wir alle täglich gefordert sind, uns in der Debatte und Kommunikation einzubringen.

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Ansprechpartner für Schweinebauern im ÖVP-Klub Im Interview: Nationalrat Klaus Lindinger Mit dem Einzug in den Nationalrat im November 2017 ist mit Ing. Klaus Lindinger auch ein wichtiger Ansprechpartner für die Schweinebauern im ÖVP-Klub vertreten. Als Abgeordneter verhandelt Ing. Lindinger wichtige Gesetzesmaterien, unter anderem als Mitglied im parlamentarischen Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft, dem Sport-, dem Budget- und dem Umweltausschuss. Neben der Arbeit am eigenen Hof (Schweinehaltung mit Ackerbau) ist Lindinger auch Stabführer seiner Heimatmusikkapelle Fischlham und Mitglied der BOKU-Blaskapelle. Wir konnten mit ihm ein Gespräch über seine Arbeit und Ziele führen.

Herr Lindinger, was sind Ihre Ziele für die Arbeit als Nationalratsabgeordneter?

Nationalrat Klaus Lindinger „Jeder soll nachvollziehen können, woher Lebensmittel stammen. Eine klare Kennzeichnung ist unabdingbar“ Lebenslauf: Geboren 1988 in Fischlham 2008 Matura an der HTL Wels Präsenzdienst bei Militärmusik Oberösterreich Arbeit als Technischer Zeichner 2012 Bachelorstudium der Agrarwissenschaften an der BOKU Wien – Abschluss 2015 2017 Bezirksparteiobmann ÖVP-Wels Land November 2017: Abgeordneter zum Nationalrat 2018: Übernahme des elterlichen Betriebes (Schweinehaltung mit Ackerbau) www.klaus-lindinger.at Foto: Alfred Haslinger

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Mir ist es wichtig, vom Wollen ins Tun zu kommen. Als Abgeordneter habe ich die Möglichkeit, an der parlamentarischen Gesetzgebung direkt mitzuarbeiten und mit zu gestalten. Wichtig ist mir dabei, die Anregungen der Bevölkerung aufzunehmen, ernst zu nehmen und im Sinne der besten Lösung für die Gesamtheit umzusetzen. Einen besonderen Schwerpunkt sehe ich natürlich in der Agrarpolitik. Es gilt die Rahmen- und Arbeitsbedingungen der bäuerlichen Betriebe so zu gestalten, dass auch in Zukunft landwirtschaftliche Produktion in dieser hohen Qualität in Österreich möglich und sicher ist.

Was wird derzeit im parlamentarischen Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft debattiert bzw. woran wird gearbeitet? Die Palette an Themen ist sehr vielfältig und reicht von Pflanzen- über Tierschutz bis zur Diskussion über Agrarische Ausgleichszahlungen in Bezug auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die auf EU-Ebene aktuell reformiert wird. Hauptschwerpunkt in den nächsten Wochen ist die Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Lebensmitteln.

Hier erwarten wir eine Regierungsvorlage, die wir in Folge gemeinsam beraten werden. Dann wird sich zeigen, ob und wie weit die Abgeordneten der Oppositionsparteien dem klaren Konsumenten- und auch Produzentenwunsch nach deutlicher Herkunftsbezeichnung entgegenkommen wollen.

Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ist ein sehr wichtiges Thema. In welchen Bereichen sind Ihrer Meinung nach - auch aus Sicht eines Schweinebauern - Reformen notwendig? Das Wichtigste ist: Es darf zu keinen weiteren Belastungen für unsere bäuerlichen Familienbetriebe kommen! Mehr Aufgaben und vor allem Auflagen für die Landwirtschaft – die sich letztendlich auf die ländliche Entwicklung massiv auswirken – bei gleichzeitig immer weniger Geld, geht nicht. Hier muss es gelingen, verstärkt jene Mitgliedsstaaten zu fördern, die auf Ressourcenschutz, höhere Standards und Qualitätsproduktion setzen. Dies alles zeichnet unsere Höfe aus. Als junger Hofübernehmer kenne ich die Praxis sehr gut. Gerade für die Jungen werde ich mich für eine effizientere Förderung in diesem Bereich einsetzen wie etwa das Top-Up in der nächsten Programmperiode.


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Es gilt die Rahmen- und Arbeitsbedingungen der bäuerlichen Betriebe so zu gestalten, dass auch in Zukunft landwirtschaftliche Produktion in dieser hohen Qualität in Österreich möglich und sicher ist. Foto: Gehmair

Landwirtschaftliche Verbände wie der NTÖ, die Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) und auch der Bauernbund fordern die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln im AußerHaus-Konsum. Wie stehen Sie zu diesem Thema und wird das Anliegen auch von Ihnen unterstützt? Ich persönlich finde, dass jeder, ob Landwirt, Verarbeiter oder Konsument die Aktion „Gut zu wissen“ unterstützen sollte. Denn nur wer weiß, was in einem verarbeiteten Produkt auch drinnen ist, kann frei entscheiden, ob er oder sie gezielt auf heimische Produkte oder auf Importware setzt. Ich weiß von vielen Gesprächen, dass gerade beim Essen in Betriebsrestaurants, Schulküchen oder auch Gasthäusern die Verunsicherung sehr groß ist. Eine klare Kennzeichnung ist daher unabding-

bar. Neben der Herkunftskennzeichnung sollten wir aber verstärkt auf Ernährungsund Lebensmittelkompetenz setzen. Im Wesentlichen müssen wir hier bei den Kindern ansetzen, die einerseits die zukünftigen Konsumenten sind und andererseits auch ihre Eltern „miterziehen“. Am Beispiel „Mülltrennung“ sehen wir, dass das von den Schulen massiv zu den Erwachsenen gekommen ist.

ich sehr viel, weil ich da automatisch ständig mit den Menschen im Kontakt bin. 3. Den Elan und den Wunsch nach Veränderung aufrechterhalten, auch wenn Hürden zu überwinden sind. Eine lebendige Demokratie braucht die Diskussion und das Suchen nach den besten Lösungen!

Welche 3 Tipps würden Sie jungen Menschen geben, die sich politisch engagieren wollen?

Ja, schon seit einiger Zeit. Diese neue Art der Vernetzung unter den Hofnachfolgern und den jungen Betriebsleitern ist sehr wichtig für uns. Hier kann jeder von jedem lernen. Und politisch gesehen hilft die Vernetzung, um Veränderung gemeinsam möglich und auf Probleme aufmerksam zu machen. Thomas Reisecker, der das federführend entwickelt hat, ist hier etwas ganz Besonderes gelungen.

1. Informieren und auch hinterfragen. Es ist wichtig, dass wir uns überlegen, ob die Rahmenbedingungen mehrheitlich passen oder ob wir Veränderungen brauchen. 2. Sich auf kommunaler oder regionaler Ebene engagieren. Hier lernte bzw. lerne

Sind Sie schon Mitglied bei den Jungen Veredlern Oberösterreich?

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Turbulenzen um das Lebensmittel Fleisch Fleisch oder kein Fleisch? - Medien und NGOs versuchen immer öfter und vehementer gesunde Ernährung auf diese zu einfache Frage herunter zu brechen. Dabei geht es selten tatsächlich um die Sorge für eine gesunde Ernährung. Starke Eigeninteressen wie die Steigerung von Einschaltquoten und Auflagenzahlen sowie der pure Dr. Johann Schlederer Kampf ums Überleben im immer kleiner werdenden Spendenteich stehen oft hinterKoordinator Ö-Börse diesen Kampagnen. Fleisch-Bashing ohne Ende verunsichert Verbraucher Die durch den ORF gestützte Kritik an der fleischproduzierenden Landwirtschaft durch Tier- und Umweltschutz-NGOs ist nicht neu, jedoch wird sie in jüngster Zeit häufiger und vehementer vorgetragen. Ich vermute dahinter eine zunehmende Nervosität der NGOs, weil der Kampf um Spendengelder wegen des Wettbewerbes zwischen den NGOs immer härter wird und sich herausstellt, dass die Verbraucher nicht so handeln, wie sich das NGOs wünschen.

bei völligem Verzicht auf Fleisch bzw. tierisches Eiweiß massive gesundheitliche Schäden einhandelt, insbesondere in der Jugendentwicklung und bei Schwangerschaften. Dass der Mensch aus biologischer Sicht ein Allesfresser ist und sofern er sich´s leisten kann, mehr Fleisch zu sich nimmt, als unbedingt erforderlich, ist auch Faktum. In hochentwickelten Volkswirtschaften mit entsprechender Kaufkraft zeigt sich aber, dass bei einem jährlichen pro Kopf Verzehr von ca. 65 kg, wenn man alle Fleischsorten zusammenzählt, der Sättigungsgrad erreicht ist. Dass wir in Österreich im vorderen Feld liegen, ist u.a. dem Tourismus geschuldet und auch Ausdruck unseres Wohlstandes.

Nur 10% leben NGO-Träume Während Bioschweinefleisch seit Jahrzehnten verfügbar ist, aber immer noch unter 2% Marktanteil liegt, haben wir in den letzten Jahren ein zusätzliches Angebot aus Tierwohl-Programmen im LEH platziert. Praktisch alle LEH-Ketten führen neben AMA-Gütesiegel auch Schweinefleisch aus Strohhaltung und GVO-freier Fütterung. Das Interesse der Verbraucher am meist nur 50 Cent/kg teureren Qualitätsfleisch ist leider gering. Die Landwirtschaft würde gerne mehr davon produzieren, aber es muss nachgefragt und auch bezahlt werden. Es stimmt also nicht, dass Verbraucher die NGO-Anliegen ernsthaft schätzen. D. h. NGOs werden zunehmend unglaubwürdig und das existentielle Spendensammeln wird dadurch nicht einfacher.

„Allesfresser“ Mensch steht auf Fleisch Es ist unstrittig, dass man auch mit weniger Fleischkonsum gesund leben kann. Ebenso ist unter seriösen Medizinern klar, dass man sich

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Grundnahrungsmittel und Ernährung FIRST! Zudem frage ich mich, warum NGOs permanent die Land- und Fleischwirtschaft im Fokus haben. Laut WWF hinterlässt die Lebensmittelproduktion 25% unseres ökologischen Fußabdruckes. 40% davon entfällt auf Fleisch, also effektiv nur 10%. D.h.: Gutes und gesundes Essen als Grundbedürfnis der Menschheit ist im Verhältnis zu vielen entbehrlichen Dingen des Lebens kein substanzieller Klimakiller. Soll heißen: Regionales Essen inklusive Fleisch hat Vorrang vor der Flugreise auf die Malediven oder der Kreuzfahrt in der Karibik. Aufgeklärte Verbraucher wissen das und lassen sich daher von NGOs den Appetit auf Fleisch nicht vermiesen.

Conclusio Aufklären und informieren! Von der Schule bis zum ORF. Denn: Verbraucher, die mehr wissen, glauben weniger von dem, was NGOs an Halbwahrheiten verbreiten.


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Mit dem Rüssel in Brüssel Hoffnungsträger Zaun Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Wildschweinebestand Europas setzen viele Mitgliedsstaaten zunehmend auf Zäune. Es stehen zwei Modelle im Fokus: • Modell 1 – Ausbruchsherde werden eingezäunt • Modell 2 – Errichtung nationaler Grenzzäune

Modell 1: Ausbruchsherde einzäunen Weil die tschechische Republik mit dem Modell 1 offensichtlich so erfolgreich war, wird dieses Beispiel auch von der EUKommission hoch gepriesen. Tritt also der Fall Tschechien, bei dem durch menschliche Verschleppung ein neuer Seuchenherd entstand, anderorts auf, sollte man so wie die tschechischen Behörden handeln. Nach Auftreten des ersten ASP infizierten Wildschweines sollte eine Zone von ca. 10x10 km mit Elektrozäunen, und wo diese aus verkehrstechnischen Gründen nicht möglich sind, mittels sogenannten Duftzäunen eingegrenzt werden. Wird das erste Wildschwein frühzeitig gefunden, so ist die Chance groß, dass sich außerhalb des Zaunes keine erkrankten Tiere mehr befinden. Im eingezäunten Gebiet wird dann in einem ca. einjährigen Prozess versucht den gesamten Wildschweinebestand auszurotten. In diesem Zeitraum sind normales Betreten und landwirtschaftliche Arbeiten wie z. B. Ernten oder Jagen strikt verboten. Nur behördlich angeordnete Aktivitäten wie das Jagen mittels Scharfschützen von Polizei oder Militär sind erlaubt. So ist es Tschechien gelungen, das eingezäunte Areal wieder ASP-frei zu machen, d. h. seit einem Jahr werden keine ASP Wildschweine mehr registriert. Die Umzäunung wurde inzwischen wieder abgebaut und am EU-Binnenmarkt bleibt Tschechien wieder als ASP-frei. Für eventuelle Asienexporte wäre allerdings Tschechien noch ein zusätzliches Jahr gesperrt.

Modell 2: Nationale Grenzzäune Die ersten, die über eine derartige Maßnahme nachgedacht haben, waren die baltischen Staaten. Als 2014 die ersten ASP Fälle bekannt wurden, baten Estland, Lettland und Litauen in Brüssel um diesbezügliche Hilfe. Weil das Thema damals noch zu wenig ernst genommen wurde, blieben die Hilferufe unerhört. Dann war Polen an der Reihe. 2017 wurde ein nationaler Budgetplan für die Zaunerrichtung in der Höhe von 30 Millionen Euro beschlossen. Der geplante Zaun an der Grenze zu Russland und Weißrussland steht allerdings bis zum heutigen Tag nicht. Weil mittlerweile die landesweite ASP Ausbreitung östlich von Warschau Realität geworden ist, gibt es zunehmend Zweifel unter Experten an dieser Maßnahme. Motto: Was nützt ein Zaun, wenn hüben wie drüben unkontrollierbare Ausmaße an ASP Verbreitung vorliegen.

Belgiens ASP bedroht Frankreich 2017 und 2018 fand die ASP Ausbreitung in Wild- und Haustierbeständen, ausgehend von der Ukraine, in Ungarn, Rumänien und Bulgarien seine Fortsetzung. Während man in diesen südosteuropäischen Staaten nichts von Zaunstrategien vernehmen konnte, begann mit dem Ausbruch in Belgien im Spätsommer 2018 in benachbarten Ländern die Zaundebatte neuerlich. Während man in Bel-

gien glaubt, die ASP Ausbreitung über die betroffene Zone hinaus ohne Zaun bewältigen zu können, hat Frankreich schon begonnen mittels Grenzzaun das eigene Land zu schützen. Die Tatsache, dass vor wenigen Wochen nur 1 km vor der französischen Grenze zwei infizierte Wildschweine erlegt wurden, beschleunigt das französische Zaunprojekt, das laut aktuellem Plan vorerst auf 78 km Länge ausgelegt ist.

ASP in Dänemark wäre nationale Katastrophe In Dänemark, also in jenem EU-Land, in dem die Schweineproduktion mit einem Selbstversorgungsgrad von ca. 600 % am stärksten von einem ungestörten Export abhängig ist, baut man seit Ende Jänner dieses Jahres am Grenzzaun. Mit Jahresende soll der ca. 70 km lange Schutzzaun an der Grenze zu Deutschland fertig gestellt sein. Im Gegensatz zur Leichtbauweise mittels Elektrozaun baut Dänemark mit massivem Stahlgitter, 1,5 m über und 0,5 m unter der Erde. 100% Sicherheit ist auch in diesem Fall nicht gegeben, aber das Ausmaß den Schadens, der im Fall des Falles eintreten würde, rechtfertigt für die dänische Schweinebranche und die dänische Regierung diese Grenzschutzmaßnahme. Dr. Johann Schlederer

Dänemark baut auf die Errichtung eines Grenzzaunes. Foto: © science photo

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Hoffnung auf ein besseres Jahr

Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss ©Styriabrid

Hauptverantwortlich dafür war das absatzund preismäßig sehr schwierige zweite Halbjahr, das erst gegen Weihnachten hin noch einen versöhnlicheren und letztendlich mit dem Anstieg auf eine Notierung von 2 € doch etwas unerwarteten Ausklang brachte. Als besonders erschwerend für den Ferkelmarkt war die Situation in Nieder- und Oberösterreich, wo über Monate hinweg viele Mastschweine nicht termingerecht abgeholt werden konnten und somit dringend benötigte freie Einstallkapazitäten nicht zur Verfügung standen. Aktuell zeigt sich der Markt, wie üblich Mitte Februar, nach Überwindung des wie fast immer zähen Marktverlaufs im Jänner, wieder freundlicher. Die Mastschweineüberhänge sind abgebaut und bei sinkenden Angebotszahlen festigen sich die Preise wieder. Es ist also nichts Neues für den Ferkelmarkt am Ende des Winters zu berichten, der, wenn nicht außerordentliche Ereignisse wie die Afrikanische Schweinepest den Markt gra-

vierend stören, wahrscheinlich bis in den Frühsommer hinein bessere Erlöse für die Ferkelerzeuger bringen wird. Eine längere Prognose für das heurige Jahr ist kaum sinnvoll, da das Handelsklima und Seuchenereignisse viele Unwägbarkeiten mit sich bringen. Grundtenor der Prognosemacher ist aber, dass das zweite Halbjahr für die Schweinemäster ein Positives sein könnte. Dies wäre sehr wünschenswert und könnte die Sommer- und Herbstschwäche der Ferkelnotierung etwas erträglicher machen.

Eingriffe bei Nutztieren Neu aufgeflammt ist wieder einmal die Diskussion über die Eingriffe bei den Nutztieren. Die Ende letzten Jahres im deutschen Bundestag für zwei Jahre verlängerte Frist für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration hat eine kleine Verschnaufpause in der Debatte gebracht. Es ist allerdings fraglich, ob diese Zeit dazu genutzt werden kann, um wirklich sinnvolle Regelungen für Mensch und Tier zu finden. Zu schnell vergehen zwei Jahre und in einer gesellschaftspolitischen Diskussion bei diesem emotional besetzten Thema ist für Lösungen oft wenig Platz. Als gleichsprachiger Nachbar bedeutet dies auch, dass die Diskussion bei uns weitergehen und so manche Begehrlichkeit erwecken wird. Somit ist weiter ein geschlossener Auftritt wichtig, der

Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2016 bis 2019. Quelle: Bäck 10 | Ferkelmarkt | 1 2019

schon in der Gesetzfindungsphase vor wenigen Jahren zielführend war, um für die Landwirtschaft vernünftige Lösungen zu finden. Natürlich würde es jeder begrüßen, wenn man die Ferkel nicht mehr kastrieren müsste – dies wird aber bis zur Einführung des derzeit noch utopischen Spermasexing ein Wunschtraum sein. Im Fokus der EU-Kommission steht derzeit auch das Thema Schwanzkupieren, wo Deutschland und anderen EU-Mitgliedern mitgeteilt wurde, dass die bislang ergriffenen Maßnahmen als nicht ausreichend beurteilt werden. In Österreich darf seit 1.10.2017 dieser Eingriff durch eine sachkundige Person unter gewissen Bedingungen zur Vermeidung von weiteren Verletzungen erfolgen. Dies beinhaltet eine Schmerzmittelgabe wie bei der Kastration und auch die Verwendung eines Gerätes, das scharf schneidet und gleichzeitig verödet. Besondere Bedeutung hat auch die Dokumentation, mit der die Notwendigkeit des Eingriffe gerechtfertigt wird. Damit sind Maßnahmen wie die Art und Menge des angebotenen Beschäftigungsmaterials, das Platzangebot und vor allem das Auftreten von für das Tierwohl relevanten Ereignissen, wie Schwanz- und Ohrenbeißen, gemeint. Ohne diese Aufzeichnung ist keine Berechtigung für diesen Eingriff gegeben. Bitte dokumentieren Sie daher sorgfältig allfällige Probleme in allen Produktionsstufen.

Ausblick und Herausforderungen Am Ende bleibt, wie zu Beginn jeden Jahres, zu wünschen, dass ein ruhiger Marktverlauf mit guten Erlösen für alle Sparten endlich einmal wieder Realität wird. Die Begehrlichkeiten des Handels, sich vom Mitbewerbern zu differenzieren, werden in Zeiten der wie Schwammerl aus dem Boden schießenden Supermärkte sicher nicht weniger und Fleisch als Zugpferd im Laden bietet dazu natürlich ein hervorragendes Betätigungsfeld. Dazu sei nochmals erwähnt, dass die Geschlossenheit der Branche in dieser Frage besondere Bedeutung für die Erhaltung von vernünftigen Rahmenbedingungen für alle Schweinebauern hat.

Foto: FRAUKOEPPL

Mit einem Jahresdurchschnittspreis von 2,13 €/kg ist im vergangenen Jahr für die Ferkelproduktion ein nur unterdurchschnittliches Ergebnis zu erzielen gewesen. Dies bedeutet ein Minus von 18,5 % oder 50 Cent Basispreis weniger als im hervorragenden Jahr 2017.


Foto: FRAUKOEPPL

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Hochprofessionelle Ferkelerzeugung in heimischen Familienbetrieben

DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Die Dichte an gut ausgebildeten, hochprofessionellen und leistungsstarken Ferkelerzeugern war in Österreich noch nie so hoch wie derzeit. Nur wenige Länder Europas haben es in den letzten Jahrzehnten geschafft, die Ferkeleigenversorgung aufrecht zu erhalten. Die heimischen Ferkelerzeuger waren mit viel Fleiß und steter Bereitschaft zur Weiterentwicklung bis jetzt Garanten für die Erhaltung der Vollversorgung mit Ferkel, die in Österreich geboren wurden. Die heimischen Ferkelerzeuger haben sich den enormen Herausforderungen des freien Marktes gestellt und ihre Betriebsstätten, ihre Haltungen und Produktionsverfahren den neuen Anforderungen angepasst. Sie haben ihre Sauenhaltung bis 2013 auf Gruppen- und Laufhaltungen umgestellt. Sie haben sich zu hochprofessionellen und leistungsstarken Familienbetrieben entwickelt. Das Vertrauen in diese Produktionssparte war stets sehr ausgeprägt.

um sich. Die Ferkelerzeugung hatte tatsächlich schon eine höhere Attraktivität. Es ziehen sich zwar aktuell nicht mehr heimische Bauernfamilien aus der Ferkelerzeugung zurück als auch früher üblich, die Investitionsfreudigkeit der verbleibenden Ferkelerzeuger fällt aber deutlich geringer aus.

Grundvertrauen angeschlagen – Verunsicherung steigt

Es ist zwar aktuell, gerade unter Schweinebauern, nicht besonders schick von der Sauenhaltung mit Ferkelerzeugung überzeugt zu sein, oder gar über sie zu schwärmen. Dennoch wollen sich immer mehr Bäuerinnen und Bauern nicht von einer schlechten Stimmung verdrießen lassen und gerade die junge Generation spricht wieder mehr und mehr über die positiven Aspekte und

Die Grundstimmung unter den Ferkelerzeugern war, vorsichtig ausgedrückt, schon besser. Eine gewisse Verunsicherung greift wegen instabiler Rahmenbedingungen zunehmend

Hochmotivierte Hofübernehmer

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guten Seiten der Ferkelerzeugung. Sie erzählen den Berufskollegen mit Stolz über Betriebsentwicklungen mit neuer arbeitssparender Technik oder über den Einbau von Bewegungsbuchten im Abferkelstall und über die positiven Erfahrungen damit. Sie gehen offen mit ihren Leistungskennzahlen um und freuen sich über erreichte Verbesserungen. Sie reden sogar über Einkommenszahlen. Über schlechte, wenn sie schlecht sind aber auch über gute, wenn es so ist. Gerade die jungen Ferkelerzeuger sind es auch, die schon jetzt in die Planung der Umsetzung neuer gesetzlicher oder gesellschaftlicher Herausforderungen einsteigen, um für Veränderungen rechtzeitig gerüstet zu sein. Ist das nicht genau jenes Verständnis und genau jenes Handeln, das die heimischen Ferkelerzeuger auch in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat?

Preis alleine bestimmt nicht den Erfolg Die jeweilige Preissituation beeinflusst stets ganz wesentlich die Stimmungslage in der Branche. Oftmals wird auch ausschließlich der Preis als Erfolgsparameter herangezogen. Und dabei hat gerade in der Ferkelerzeugung das einzelbetriebliche Leistungsvermögen der Sauenherden einen weitaus größeren Einfluss auf die Ertragskraft. Noch dazu ist dieses Kriterium im Gegensatz zum Preis durch die Betriebsleiter beeinflussbar und gestaltbar.

Hohes Leistungsniveau der heimischen Ferkelerzeuger Die durchschnittlichen Aufzuchtleistungen der spezialisierten Ferkelerzeuger sind in den letzten zwei Jahrzehnten um ca. 6 Ferkel, auf ein aktuelles Niveau um die 25 abgesetzten Ferkel je Zuchtsau und Jahr, angestiegen. Die Betriebe des besseren Leistungsviertels erreichen bei ähnlichen Steigerungsraten bereits 28 Ferkel. Das schwächere Leistungsviertel hat ebenfalls kontinuierlich zugelegt, hinkt aber mit ca. 20 Ferkel doch deutlich nach. Die kontinuierliche und konsequente Arbeit der Bäuerinnen und Bauern, ihre Aufzuchtleistungen zu verbessern, ist Garant für eine hohe Wirtschaftlichkeit der heimischen Ferkelproduktion. Diese Wirtschaftlichkeit ist in konkreten Zahlen ausgedrückt häufig auch besser, als es die Stimmungslage der Branche vermuten lassen würde.

Wirtschaftlichkeit Im Folgenden wird hinterfragt, inwieweit die jeweiligen Deckungsbeiträge ausreichen, um damit die Stallplatzkosten und eine kalkulatorische Arbeitsentlohnung abdecken zu können. Zur Berechnung der Leistungen wurden die Sauenplanerergebnisse und die jeweiligen Marktpreise herangezogen. Zur Kalkulation der varia-

blen Kosten wurden Erfahrungswerte aus der Arbeitskreisarbeit verwendet. Zu beachten ist also, dass die angesetzten Kosten bei einzelbetrieblicher Betrachtung durchaus über oder unter den angeführten Werten liegen können.

Kalkulationsansatz für Stallplatz- und Arbeitskosten •

Für die Arbeitskosten wurden 17,5 Stunden/ZS á € 20,-- angesetzt (€ 350,–).

Für die Kalkulation der Stallplatzkosten wurden 3 Varianten gewählt: Neubau ca. € 6.200,--/Sauenplatz Dies ergibt jährliche Kosten von ca. € 475,-- bei 20-jähriger Nutzungsdauer inkl. 3,5% Verzinsung sowie 0,8% Instandhaltung und Versicherung. Umbau ca. € 4.000,--/Sauenplatz ca. € 400,--/Jahr, bei 15-jähriger ND, inkl. 3,5% Verzinsung sowie 1,5% Instandhaltung und Versicherung Abgeschriebener Stall € 145,--/Jahr

Auf Basis oben beschriebener Kalkulationsansätze ergibt sich in den Betrieben des oberen Leistungsviertels in allen Investitionsmodellen eine volle Kostendeckung

Tabelle 1: Grad der Deckung in den Leistungsvierteln in Abhängigkeit der Investitionsmodelle. Quelle: Stinglmayr 12 | Recht & Politik | 1 2019


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im Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2018. Zusätzlich zeigt sich, dass in diesem Leistungsbereich auch in schlechten Preisjahren eine gute Kostendeckung erreicht werden kann. Die Betriebe mit durchschnittlichen Leistungen erzielen in der Umbauvariante eine langjährige vollständige Kostendeckung. Im Falle des Neubauszenarios erreichen diese Betriebe zwar nur eine durchschnittliche Kostendeckung von 89%, eine überschaubare Leistungsverbesserung um ca. 1 Ferkel über dem Durchschnittswert würde aber auch hier eine Kostendeckung ermöglichen. Aus dieser Darstellung wird ersichtlich, dass sich ein beachtlicher Anteil heimischer Ferkelerzeuger mit ihrem hohen einzelbetrieblichen Leistungsvermögen eine belastbare und krisensichere Einkommensbasis geschaffen haben. Investitionen in die Produktionssparte sind in diesen Betrieben jedenfalls hoch wirtschaftlich.

Tabelle 2: Zusammenfassung der Durchschnittsergebnisse. Quelle: Stinglmayr

Sehr deutlich zeigen sich aber auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Betrieben mit deutlich unter Schnitt liegenden Aufzuchtleistungen im Falle von Investitionen. Selbst in einem sehr guten Preisjahr wie 2017 ist eine Kostendeckung nicht erreichbar. Im Durchschnitt der Jahre ergeben sich in diesen Betrieben Deckungsgrade, die eine wirtschaftliche Produktion schwer möglich machen.

Fazit Die großen Anstrengungen der heimischen Ferkelerzeuger in den zurückliegenden Jahren auf steigende Leistungen ihrer Sauenherden zu setzen, macht sich nicht nur einkommensmäßig bezahlt, sondern schafft den Betriebsleitern eine hervorragende Ausgangssituation, anstehende Herausforderungen wie z.B. den Umbau auf Bewegungsbuchten im Abferkel- und Deckbereich wirtschaftlich meistern zu können. Es gibt aber auch den potentiellen Hofnachfolgern die Gewissheit in eine Produktionssparte einsteigen zu können, die unter bestimmten Voraussetzungen gute Einkommensverhältnisse ermöglicht. Meine dargestellte Durchschnittsbetrachtung der Wirtschaftlichkeit der heimischen Ferkelerzeugung stellt eine Orientierungshilfe dar, kann aber eine betriebsindividuelle Kalkulation mit betriebseigenen Kosten und Einnahmen nicht ersetzen.

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Foto: Strasser

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Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Alarmanlagen bei Stalllüftungen überprüfen!

Nicht nur auf Grund des Tierschutzgesetzes, sondern vor allem, um sich und seine Tiere zu schützen ist bei Zwangsentlüftung eine funktionierende Alarmanlage vorgeschrieben. Damit die Alarmanlage im Ernstfall auch funktioniert, muss diese laufend überprüft werden. Franz Strasser ABL von der Beratungsstelle Schweineproduktion in Wels hat so eine Überprüfung eines Elektrikers begleitet und zusammengefasst. Augenmerk auf Akku richten Moderne Anlagen sind mit der Lüftungssteuerung gekoppelt, die z.B. beim Überschreiten einer eingestellten Höchsttemperatur einen Alarmimpuls auslöst. Genauso muss beim Fallen des FI-Schalters oder der Sicherung die Anlage ansprechen. Alarmanlagen sind mit einer externen Stromquelle (Akku) ausgestattet, durch die das Hupsignal ertönt. Diese Akkus haben aber nach bisheriger Erfahrung nur eine Lebensdauer von 1,5 bis 3 Jahren. Zahlreiche Schäden durch Lüftungsausfall wurden durch mangelnde Akkuüberprüfung verursacht. In diesen Fällen hat die Alarmanlage zwar den Fehler erkannt (z.B. Übertemperatur durch

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Stromausfall oder Ausfall eines Ventilators), aber der kaputte Akku hatte keinen oder zu wenig Strom, um das Hupsignal laut und ausreichend lange auszulösen. Erfahrene Tierhalter koppeln die Alarmanlage auch mit einem Selbstwählgerät, welches einen zusätzlichen Alarm an bestimmte Telefonnummern bzw. Mobiltelefone weiterleitet. Eine Störungsmeldung der Fütterung kann auch mit dem Selbstwählgerät verbunden werden. Diese zusätzliche Absicherung ist vor allem für die Landwirtsfamilie sehr beruhigend. Weiters ist darauf zu achten, dass die Alarmanlage immer eingeschaltet ist. Lästige Fehlalarme sind nur durch stetiges Anpassen der Auslösetemperaturen, was vor allem im Sommer notwendig ist, vorzubeugen.


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Um Fehler beim Alarmsystem frühzeitig zu erkennen, empfiehlt es sich, regelmäßig eine Kontrolle nach folgendem Muster durchzuführen: 1. Visuelle Kontrolle der Bereitschaftsanzeige (rote oder grüne Leuchte) am Alarmgerät (täglich) 2. Betätigung der Testfunktion am Alarmgerät (wöchentlich) 3. Netzabschaltung (Schutzschalter): Alarm muss in ausreichender Lautstärke mit max. 25 sec. Verzögerung erfolgen (wöchentlich)

Foto: Strasser

4. Kontrolle der korrekten Alarmauslösetemperaturen beim Lüftungssteuergerät oder Klimacomputer (wöchentlich)

Durch Betätigen des Testknopfs am FI Schalter wird der Alarm ausgelöst bzw. überprüft. Quelle: Strasser

Auch die beste Alarmtechnik kann einmal versagen und einen Lüftungsausfall nicht zeitgerecht melden. Genau für diese Fälle sind aktive Mitglieder von VLV, Styriabrid und Gut Streitdorf über die Solidarhaftung bzw. eine Lüftungsausfallversicherung abgesichert.

Notluftsysteme geben Sicherheit

Das Schlimmste, was einem Schweinehalter passieren kann, ist ein unbemerkter Lüftungsausfall in seinen Ställen. Alarmanlagen sollen diesen Ernstfall melden. Zusätzlich sollen Notluftsysteme für einen geringfügigen Luftaustausch sorgen. Der folgende Bericht gibt Informationen über die angebotene Technik, die sich in der Praxis bewährt hat.

Lüftungsfühler zwischen den Fingern erwärmen, damit lässt sich ein Alarm auslösen. Quelle: Strasser

Fensteröffner Ältere Systeme arbeiten dabei mit Elektromagneten, die bei Alarmierung bzw. Stromausfall das Fenster „loslassen“ und damit aufgehen soll. In der Praxis hat sich leider schon öfters ergeben, dass länger geschlossene Scheiben an der Dichtung ankleben und durch die Schwerkraft alleine nicht mehr auffallen. Die Auswirkungen davon kann sich jeder vorstellen. Neuere Systeme arbeiten mit einer Mechanik, die im Notfall über ein Gestänge die Fenster öffnet. Erkennt die Alarmanlage eine Störung oder Übertemperatur, z. B. durch Stromausfall, dann wird

Akkus von Alarmgeräten sind leicht zu wechseln. Quelle: Strasser 1 2019 | Lüftung | 15


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zeitverzögert ein Signal ausgesendet, das zur Entlastung eines durch eine Feder vorgespannten Druckzylinders führt. Folglich öffnen sich die Fenster ins Freie. Dieses System hat den Vorteil, dass z. B. geöffnete Fenster nach einem Stromausfall zentral geschlossen werden können.

Dazu ist eine USV Anlage (unterbrechungsfeie Stromversorgung) oder ein federbelasteter Stellmotor notwendig.

Was fordert das bestehende Tierschutzgesetz (TSchg)?

Nachträglicher Einbau eines Notluftsystems

Türöffner – die bessere Wahl

Wer jetzt kurz entschlossen die Sicherheit seiner Lüftungsanlage erhöhen will, ist gut beraten, sich an jene Firma zu wenden, die die Lüftung geplant bzw. installiert hat. Die Lüftungsfirmen bieten Systeme an, die je nach Stalltyp die Funktionssicherheit für die Zu– bzw. Abluftführung gewährleisten. Übrigens: im Zuge eines Neu- bzw. Umbaues können Lüftungsanlagen (und dazu zählen Alarmanlagen und Notluftsysteme) mit 20% im Rahmen der ländlichen Entwicklung gefördert werden.

TSchg.§ 18 Abs.5: Hängt das Wohlbefinden der Tiere von einer Lüftungsanlage ab, ist eine geeignete Ersatzvorrichtung vorzusehen, die bei Ausfall einen für die Erhaltung des Wohlbefindens der Tiere ausreichenden Luftaustausch gewährleistet (Fenster, Türen...); es ist ein Alarmsystem vorzusehen, das den Ausfall der Lüftungsanlage meldet. Das Alarmsystem ist regelmäßig zu überprüfen.

Selbsttätig öffnende Türen haben sich als Notluftsystem in der Praxis besser bewährt. Dazu muss an jeder Tür in das Abteil ein Elektromagnet eingebaut werden. Gleichzeitig muss der Sperrmechanismus der Türklinke ausgebaut werden. Ein Schalter neben der Tür unterbricht den Strom zum Magneten. Dieser lässt los und ein Gewicht über eine Rolle zur Tür gespannt, zieht die Tür auf. Die Tür ist offen und Frischluft strömt ins Abteil. Gleichzeitig muss aber auch dafür gesorgt werden, dass der Zentralgang großzügig belüftet wird, z. B. über große Türen ins Freie, die ebenfalls aufgehen. Der Vorteil dieses Systems ist, dass es täglich beim Kontrollgang durch die Ställe betätigt wird und damit die Funktionssicherheit gewährleistet ist. Bei Ställen mit mittigen Zentralgängen mag eine Kombination aus Tür und Fensteröffnern für ausreichende Notbelüftung notwendig sein.

Checkliste Schwein In der Checkliste Schweine werden bei mechanischen Lüftungen funktionierende Alarm– und geeignete funktionstüchtige Ersatzsysteme abgefragt.

Nach der Alarmierung die Ursache suchen Hat der Alarm angeschlagen und Fenster bzw. Türen sind geöffnet, muss rasch die Ursache für die Alarmierung gefunden werden. Dies ist oft nicht einfach, da z. B. durch feuchte oder Wackelkontakte in der elektrischen Anlage die Ursachen verschleiert sind. Gerade bei Zentralabsaugungen mit mehreren Klappen in der Abluft muss jeder Stellmotor auf seine korrekte Funktion überprüft werden. Der Haus- und Hofelektriker, der die Anlage von der Installation gut kennt, tut sich leichter. Er kann die einzelnen Alarmkreise durchmessen und den Fehler lokalisieren. Gleichzeitig muss man bedenken, dass es nur ein Notluftsystem ist und der Luftaustausch nur eingeschränkt mit Hilfe von Wind und Thermik stattfindet. Und ganz wichtig: Wie ein Fall in jüngster Vergangenheit zeigt, müssen sich bei einem Alarm bzw. bei Stromausfall die Zubzw. Abluftklappen selbstständig öffnen.

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Bei einem Stromausfall wird der Elektromagnet stromlos und die Tür wird durch ein Gewicht, das über eine Rolle gelenkt wird, geöffnet . Quelle: Strasser

Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) öffnet die Klappen bei Stromausfall. Quelle: Strasser


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Herkunftskennzeichnung in aller Munde Der Österreichische Bauernbund unterstützt „Gut zu wissen“, die Initiative der Landwirtschaftskammer Österreich für eine transparentere Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung und bei verarbeiteten Produkten. Genau geht es um eine gesetzlich verankerte Kennzeichnung von Milch, Ei und Fleisch.

Was sind unsere Produkte wert, wenn wir sie nicht erkennen? Erst eine transparente Herkunftsangabe ermöglicht, sich bewusst für regionale und klimafreundlich produzierte Lebensmittel und Speisen zu entscheiden. Es ermöglicht dem Konsumenten der kleinstrukturierten heimischen Landwirtschaft Vorrang zu geben. Es ist für alle Teilnehmer entlang der Wertschöpfungskette eine der Überlebensfragen, dass die Konsumenten heimische Produkte von Bäuerinnen und Bauern kaufen- und das bewusst!

Ziel der österreichweiten BauernbundKampagne ist eine gesetzlich verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Milch-, Ei- und Fleischprodukte sowie für Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung. Für den Bereich der Gastronomie soll es freiwillige Anreizsysteme zur Herkunftskennzeichnung geben.

Zeichen setzen: Unterschreiben! Herzstück der Kampagne sind die gesammelten Unterschriften, mit denen ein klares Signal in Richtung Bundesregierung ausgesendet werden soll.

Unterstützen kann man die Kampagne noch bis Ende März. Bei den örtlichen Bauernbünden oder auch online unter www.bauernbund.at/gut-zu-wissen/ hat jeder die Chance, mit der eigenen Unterschrift ein Zeichen zu setzen. Der Zeitpunkt für eine Unterstützung der Kampagne „Gut zu wissen“ ist günstig, denn die Bundesregierung hat diese Forderung ins Regierungsprogramm aufgenommen. Eine gesetzlich verankerte Herkunftskennzeichnung ist nicht nur erklärtes Ziel des Bauernbundes. Auch ist die Erarbeitung einer konkreten Umsetzung im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) bereits angelaufen.

Simone Schmiedtbauer „Weil die Österreicherinnen und Österreicher ein Recht darauf haben, zu wissen, woher ihr Essen kommt und was darin ist.“

Simone Schmiedtbauer ist die Spitzenkandidatin der steirischen ÖVP und des Österreichischen Bauernbundes für die EU-Wahl. Foto: Glaser

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AMA-Forum beleuchtete Zukunft der Werbung Mit ihrem branchenübergreifenden Forum bietet die AMA eine Plattform zum Austausch im Dienste der Landund Lebensmittelwirtschaft. Hochkarätige Referenten setzen dabei aktuelle Impulse. Im vergangenen November beschäftigte sich die AMA mit den Veränderungen in der Kommunikation und stellte die provokante Frage: „Hat klassische Werbung Zukunft?“ Rund 250 Gäste waren der Einladung der AMA nach Feldkirch ins Montforthaus gefolgt. Werbung und ihr Ruf haben sich verändert. Nach unserem Verständnis ist der Beginn der klassischen Werbung auf das 17. Jahrhundert zu datieren. Der Buchdruck war erfunden und mit den Tageszeitungen gab es das passende Medium, um Werbeblätter unters Volk zu bringen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert versuchten Firmen mit ihren Produkten Bedürfnisse zu wecken. Der Wirtschaftsaufschwung der 1950er und 1960er Jahre bescherte auch der Werbung einen neuen Boom. Mit der Online-Werbung wurde eine völlig neue Art der Kommunikation und des Dialogs mit den Konsumenten geboren. Das unterstrich auch Vorarlbergs Agrarlandesrat Christian Gantner: „Werbung ist von der Einbahnstraße zum Dialog zwischen Produzenten und Konsumenten geworden. Wir müssen der Gesellschaft die Bedeutung der Landwirtschaft für Lebensraum, Lebensqualität und Lebensmittelproduktion erklären“, eröffnet Gantner das AMA-Forum. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger ist es dabei wichtig, ein reales Bild der Landwirtschaft zu zeigen.

„Wenn wir die hohen Standards kommunizieren, schafft das Wertschätzung für die Produktion“, so Moosbrugger.

Jeder kann etwas zur Veränderung beitragen

Kunden müssen begeistert werden

Klaus Schwertner, Geschäftsführer der Caritas der Erzdiözese Wien, erklärte in seinem Vortrag, wie sich eine zunehmend Ich-bezogene Gesellschaft für ein „Wir“ begeistern lässt. Die Caritas nutzt seit einigen Jahren erfolgreich die Strategie, betroffene Menschen für sich selbst sprechen zu lassen. Dies kann eine wertvolle Anregung für die Landwirtschaft sein. Schwertner ist überzeugt, dass jeder Einzelne etwas zur Veränderung in der Gesellschaft beitragen kann. „Wir alle haben Verantwortung. Ich lade sie ein, selbst aktiv zu werden“, schließt der CaritasGeschäftsführer seinen charismatischen Vortrag. Meinung wird heutzutage immer öfter in öffentlichen Foren gemacht. Kulturwissenschafter Johannes Domsich, Privatdozent und Inhaber einer Beratungsagentur, durchforstete Diskussionsplattformen großer österreichischer Websites und zog den Schluss, dass Meinungen und Werte über lange Zeit relativ unverändert bleiben. Veränderungen sieht er jedoch in der Medienlandschaft. „Früher brauchte es Medienkompetenz und Zeitungen als Verteiler, in den Online-Kanälen kann jeder User selbst Medium sein“, so Domsich.

Die Veränderung in der Kommunikation beleuchtete als erster Hauptreferent Dennis Vogt, Managing Director des Center for Innovation an der Universität St. Gallen. Täglich prasseln knapp 3.000 Werbebotschaften auf uns ein, nur vier davon bleiben in positiver Erinnerung. „Die Kunden müssen begeistert werden, um sie emotional an die Marke zu binden und als Markenbotschafter zu gewinnen“, erklärt Vogt. Begeisterung kann durch Innovation, Inspiration oder einem sinnstiftenden Grund, der hinter dem Kauf des Produktes liegt, geweckt werden. Einen illustren Einblick in „Schwafelkunst und Kommunikation“ gab Gert Postel. Bekanntheit erlangte der Autor insbesondere durch seine mehrfachen Anstellungen als falscher Arzt. Er ist überzeugt, dass Wortakrobatik als Stilmittel der Kommunikation bis zu einem gewissen Grad funktioniert. In persönlichen Beziehungen ist jedoch Authentizität notwendig.

Menschen wollen Teil von etwas Großem sein

Die Besucher erfuhren auf dem diesjährigen AMA-Forum Wissenswertes über die Mechanismen der Werbung. Foto: AMA 18 | AMA | 1 2019

Wie sich Menschen online für Kampagnen und Ideen mobilisieren lassen, beleuchtete abschließend Stefanie Winkler-Schloffer vom Campaigning Bureau. Ihrer Erfahrung nach wollen Menschen Teil von etwas Großem sein. Die Einstiegshürde muss allerdings niederschwellig sein, um Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Eine ansteckende Begeisterung ist dafür unbedingt notwendig und Daten, die gesammelt werden, müssen intelligent genutzt werden. „Mit jeder Interaktion eines Users lernen wir ihn besser kennen und verstehen, was ihn bewegt“, erklärt Winkler-Schloffer das System der Online-Campanisierung.


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PRODUKT Champion 2018 Im Rahmen des AMA-Forums wurden die besten und innovativsten Wurstwaren und Ei-Produkte mit dem PRODUKT-Champion ausgezeichnet. Insgesamt 48 Produkte wurden heuer zum Bewerb um die „PRODUKT Champions“ eingereicht – entsprechend groß war die Spannung unter den Teilnehmern des AMA-Forums. Schließlich gilt der „PRODUKT Champion“ als wichtiger Indikator hinsichtlich Qualität, Innovationsgrad, Rohstoffauswahl und Produktidee. Eingereicht werden kann in vier verschiedenen Kategorien: „Selbstbedienung“, „Thekenprodukte“, „Convenience“ und „Klassik“. Die drei jeweils bestplatzierten Produkte werden mit Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet.

PRODUKT Champion Fleisch- und Wurstwaren

hervorzuheben, betonte Michael Blass, Geschäftsführer AMA-Marketing. „Es liegt in unserer Marketing-Linie, dass wir die Verwendung von heimischen Rohstoffen in den Fokus stellen. Deswegen bietet sich der Preis ‚PRODUKT Champion AMA-Gütesiegel‘ an“, so Blass zum Auftakt dieses Preises. „Mittlerweile werden bereits 40.000 Tonnen Wurstwaren und Schinkenspeck mit dem AMA-Gütesiegel zertifiziert. Das ist ein Marktanteil von 30%. Es liegt hier einfach auf der Hand, innerhalb des PRODUKT Champion das Produkt mit den besten Wertungen und dem AMAGütesiegel gesondert auszuzeichnen“, ist Rudolf Stückler überzeugt.

Der „PRODUKT Champion AMA-Gütesiegel“ ging im ersten Jahr seines Bestehens an die „Hauswürstel“ von F. Krainer Fleisch- & Wurstwaren (Stmk.). F. Krainer kann sich so zusätzlich zu seinem 2. Platz in der Kategorie SB über den Sonderpreis freuen. „Meine Familie und meine Mitarbeiter freuen und ehren die aktuellen Auszeichnungen PRODUKT Champion 2018 sowohl für unsere steirischen ‚Hauswürstel‘ als auch den ‚steirischen Schinkenbraten‘“, sagt GF Franz Krainer: „Wir halten uns nicht nur an altbewährte Rezepte, wir verarbeiten gutes, hochwertiges und vor allem regionales Fleisch zu diesen ‚ausgezeichneten‘ Produkten!“

Kategorie Selbstbedienung: Camembert Salami von Stastnik Kategorie Theke: Trüffel-Mortadella von Frierss Kategorie Convenience: Original Wiener Wiesn Stelze von Wiesbauer Gourmet Kategorie Klassik Schwerpunkt Schinkenspeck: Schinkenspeck der Metzgerei Huber Kategorie AMA-Gütesiegel: Hauswürstel von F. Krainer

Sonderpreis: PRODUKT Champion AMA-Gütesiegel

Die glücklichen Gewinner in den Kategorien des PRODUKT Champion Fleischund Wurstwaren stehen für Qualität, Innovationsgrad, Rohstoffauswahl und Produktidee. Foto: AMA

Eine Premiere wurde in Feldkirch mit der Vergabe des Sonderpreises „PRODUKT Champion AMA-Gütesiegel“ gefeiert. Mit diesem Titel wurde jenes Produkt ausgezeichnet, das das AMA-Gütesiegel trägt und innerhalb des gesamten Bewerbes die beste Punktezahl erreichte. Als staatlich anerkanntes Zeichen hat das AMA-Gütesiegel eine besondere Stellung in der österreichischen Lebensmittelbranche. Die Anforderungen garantieren nachvollziehbare Herkunft, hohe Qualität und unabhängige Kontrolle und umfassen alle Stufen der Nahrungsmittelproduktion, vom Feld und Stall bis ins Geschäft. Der PRODUKT Champion eigne sich sehr gut, um gute und hervorragende Leistungen

Der „PRODUKT Champion AMA-Gütesiegel“ ging im ersten Jahr seines Bestehens an die „Hauswürstel“ von F.Krainer Fleisch- & Wurstwaren. Foto: AMA

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Foto: FRAUKOEPPL

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Julia Slama Institut für Tierernährung, Tierische Lebensmittel und Ernährungsphysiologie (TTE), BOKU Wien.

Phytase in der Schweinefütterung

Quelle: Slama/BOKU

In den Trögen heimischer Nutztiere nehmen nicht nur die Hauptnährstoffe (Protein, Fett, Stärke, Faser etc.) eine besondere Bedeutung ein, sondern ebenso eine Vielzahl an anorganischen Stoffen, welche zu den Mengen- (z.B. Calcium, Phosphor, Magnesium) bzw. Spurenelementen (z.B. Eisen, Zink, Kupfer, Mangan) zählen.

Im Vergleich zu den Hauptnährstoffen werden Mengen- und Spurenelemente, wie ihr Name bereits verrät, in deutlich geringerer Konzentration vom Organismus benötigt. Sie nehmen jedoch Schlüsselfunktionen zur Aufrechterhaltung wichtiger Körperfunktionen, wie auch der Leistungsfähigkeit unserer Tiere, ein. Reinhard Puntigam Institut für Tierernährung, Tierische Lebensmittel und Ernährungsphysiologie (TTE), BOKU Wien. Quelle: Puntigam

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Speziell Phosphor rückt aus ökonomischen (die anorganischen Phosphorquellen versiegen) und ökologischen (reduzierte Phosphorausscheidungen) Gesichtspunkten verstärkt in den Blickpunkt der LandwirtInnen und KonsumentInnen.

Phosphor in der Schweineernährung Neben dem Knochenaufbau speziell in der Jugendphase (Gewichtsanteil des Skeletts am Organismus ca. 80%) nimmt Phosphor weitere sehr wichtige Funktionen im Körper ein. Phosphor dient als essentieller Bestandteil der universellen Energiewährung (ATP), welche schlussendlich die aufgenommenen Nährstoffe in Körperenergie überführt. Zusätzlich fungiert Phosphor als wertvoller Bestandteil der Erbinformation und stellt eine sehr wichtige Puffersubstanz für den Organismus dar.


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Unter- und Überversorgung von Phosphor

Pflanzlichen Phosphor besser verfügbar machen

Bei wachsenden Schweinen resultiert eine Unterversorgung an Phosphor innerhalb der Ration in einer mangelnden Mineralisierung der Knochen, wobei zusätzlicher Phosphor aus dem Knochen mobilisiert werden muss (Liesegang 2002; Abb. 1).

Grundsätzlich kommen geringe Konzentrationen natürlicher Phytasen in einer Reihe von Pflanzen und Mikroorganismen vor und können somit einen Teil des Phosphors verfügbar machen. So kann z.B. durch eine gezielte Fermentation von Einzel- wie auch Mischfuttermitteln die Phosphorverdaulichkeit gesteigert werden. Ein Versuch von Humer et al. (2014, BOKU) zeigte, dass durch die Silierung von Mais die Ergänzung von mineralischem Phosphor gesenkt werden kann, da durch den Prozess der Feuchtkonservierung phytatgebundener Phosphor freigesetzt wird. Ebenfalls konnte in einem weiteren Versuch der BOKU (Kraler et al. 2014) bestätigt werden, dass die gezielte Fermentation von Weizenkleie in einer signifikant gesteigerten Phosphor- und Calciumverdaulichkeit im Vergleich zu unbehandelter Weizenkleie beim Absetzferkel resultiert. Diese Ergebnisse konnten ebenfalls mit einer reduzierten Phosphor und Calcium Ausscheidung bestätigt werden.

Sie wird vor allem biotechnologisch im Zuge der Fermentation unter Nutzung von gentechnisch modifizierten Pilzkulturen hergestellt. Auch weitere gebundene Futterinhaltsstoffe (Rohnährstoffe, Ca, Cu, Zn) können über diesen Wirkungsmechanismus abgespalten werden. Das heißt, durch den Einsatz von Phytase wird es möglich, den Zusatz an mineralischem Phosphor im Futter ohne Versorgungsprobleme abzusenken. Werden einer Futtermischung 500 Einheiten Phytase (FTU) je kg Futter zugesetzt, so kann für die pflanzlichen Komponenten in der Regel mit einer Verdaulichkeit von 65 % gerechnet werden (DLG, 1999). Die Phytaseeinheit U entspricht analytisch betrachtet der Menge des Enzyms, die eine bestimmte Menge an anorganischen Phosphor pro Minute aus Natriumphytat bei 37°C und einem pH-Wert von 5,5 unter Testbedingungen freisetzt. Somit setzten 500 U Phytase/kg Futter 0,8 g verdaulichen Phosphor frei. Das spart den Zusatz von knapp 1 g mineralischem Phosphor in Form von Monocalciumphosphat bzw. 1,15 g Dicalciumphosphat (LfL, Grundsätze der Schweinefütterung).

Gezielter Phytasezusatz

Phytase in Fütterungsversuchen

Neben der Fermentation wird jedoch eine bessere Verfügbarkeit des Phosphors aus pflanzlichen Komponenten über den gezielten Einsatz von Phytase in den Futterrationen erreicht. Die Phytase zählt zu den zootechnischen Futterzusatzstoffen, welche die Phytinsäure analog zum körpereigenen Enzym abbauen und somit das gebundene Phosphat freisetzen kann.

In einem Fütterungsversuch von Wieser (2014, BOKU) wurden 120 Ferkel in 3 Futtergruppen (FG) eingeteilt und mit einer phosphorreduzierten Mais, Gerste und Sojaextraktionsschrot basierten Ration gefüttert. In der FG1 wurde kein anorganischer Phosphor ergänzt, wohingegen in der FG2 1,2g/kg verdaulicher Phosphor (Monocalciumphosphat) und in der FG3

Abb. 1: Darstellung des Wachstumsrhythmus von Knochen, Muskulatur und Fettgewebe (übernommen nach Windisch).

Abb. 2: Schematische Darstellung der Speicherform des Phosphors (P) als Phytinsäure. Quelle: Eigene Darstellung.

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Nimmt der Gehalt an Phosphor im Knochen ab, wird die Knochendichte vermindert und als Folge sinkt dessen Bruchfestigkeit. Fundamentprobleme sind die Folge, diese resultieren oftmals in Lahmheiten und führen zu frühzeitigen unerwünschten Abgängen z.B. bei Sauen. Des weiteren kann die puffernde Wirkung von Phosphor, ähnlich einer Proteinüberversorgung, im Auftreten der Ödem-Erkrankung beim Ferkel resultieren.

Vorkommen von pflanzlichem Phosphor In Körnern, Samen und vor allem in deren Verarbeitungsprodukten (z.B. Extraktionsschroten, usw.) ist Phosphor an die Speicherform „Phytinsäure“ (=Phytat) gebunden, wie in Abb. 2 ersichtlich. Diese Bindungsform muss zuerst durch das Enzym Phytase in ihre Teilstücke zerlegt werden, um den Phosphor schließlich in den Organismus aufnehmen zu können. Für monogastrische Nutztiere (Schwein und Geflügel) mit geringer körpereigener Phytaseaktivität ist dieser gebundene Phosphor daher kaum verfügbar.

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Es konnte kein Einfluss auf die Futteraufnahme und Futterverwertung nachgewiesen werden, wohingegen die täglichen Zunahmen in der FG2 und FG3 im Vergleich zur FG1 vom 1 bis 14 Versuchstag gesteigert werden konnte. Ebenfalls konnte in FG2 und 3 eine deutliche Steigerung der P- und Ca-Verdaulichkeit nachgewiesen werden. Die Ergebnisse zeigen, dass beim Einsatz von Phytasen auch in der Ferkelaufzucht die Berechnungen für die Versorgung von Phosphor auf Basis des verdaulichen Phosphors erfolgen sollten. Nur so kann eine angepasste Versorgung des Ferkels sichergestellt werden.

Zur Phosphorversorgung in der Mast untersuchte die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) den Einsatz von unterschiedlich dosierter Phytase bei variierenden Phosphorgehalten im Mineralfutter. Es ergab sich einerseits beim Einsatz von Phytase ohne zusätzlichem Phosphor eine um rund 20% geringere Phosphorausscheidung gegenüber den Versuchsfuttermischungen. Dennoch führte der Verzicht auf die Phosphorzulage andererseits zu geringeren Zunahmen, einer verschlechterten Futterverwertung und höheren Futterkosten. Aus dem Versuch konnte geschlussfolgert werden, dass der Einsatz von anorganischem Phosphor (in diesem Fall 3%) plus Phytase in der Anfangsmast unumgänglich ist.

Die Versuchsergebnisse zeigen weiter, dass ab 60 kg Lebendmasse eingespart (12% Phosphor) und in der Endmast ab 90 kg LM durch den Einsatz von Phytase auf eine mineralische Phosphorergänzung verzichtet werden kann.

Fazit Phytasen können als Präzisionswerkzeug zur angepassten Phosphorreduktion eingesetzt werden, bei der die tierische Leistungsfähigkeit bei möglichst geringen ökologischen und ökonomischen Belastungen aufrechterhalten werden kann. Voraussetzung dafür sind eine genaue Futtermittelbewertung (Futtermittelanalyse) um eine bedarfsgerechte Versorgung der Tiere zu gewährleisten und folglich das Leistungspotential bestmöglich auszuschöpfen.

Handbuch Schweine Selbstevaluierung Tierschutz

Unterschiedliche Gehalte an Phytat- und verdaulichem Phosphor (P) ausgewählter Futtermittel. Quelle: eigene Darstellung nach Sauvant.

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Die Handbücher und Checklisten werden von Landwirten zur Selbstevaluierung herangezogen, so wie auch von den betreuenden Tierärzten zur Bewertung genutzt. Gleichzeitig bilden sie die Grundlage für die amtstierärztlichen Tierschutzkontrollen. Diese Unterlagen wurden vom BMASGK und BMNT gemeinsam mit Experten des Institutes für Tierhaltung und Tierschutz der Veterinärmedizinischen Universität Wien, des Vollzuges und Vertretern der jeweiligen Branche ausgearbeitet. Die Kontrolle der Cross Compliance (CC)-relevanten Anforderungen hat gemäß CCErlass des BMNT aus den Checklisten zur Selbstevaluierung Tierschutz des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) zu erfolgen. Download auf http://tierschutzkonform.at/downloads/

Foto: FRAUKOEPPL

ausschließlich 500 Phytaseeinheiten (6Phytase) zugesetzt wurde. Das kalkulierte Ca:P- Verhältnis war für alle Futtergruppen ident (1,35:1).


Foto: FRAUKOEPPL

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Bericht über den Vertrieb von Antibiotika in der Veterinärmedizin

DI Dr. Klemens Fuchs Leiter des Fachbereichs Integrative Risikobewertung, Daten und Statistik der AGES. Foto: Fürst

Antibiotika sind antimikrobiell wirksame Substanzen, sie haben seit ihrer Entdeckung und Weiterentwicklung die Medizin revolutioniert und wesentlich dazu beigetragen, schwere Krankheiten zu dezimieren und die Heilungsraten bei Mensch und Tier deutlich zu erhöhen Antibiotika und Resistenzen Antibiotika sind von wesentlicher Bedeutung bei der Behandlung bakterieller Infektionen und ihre Anwendung ist auch in der modernen Veterinärmedizin nicht mehr wegzudenken. Diese große Erfolgsgeschichte der Antibiotika ist aber massiv dadurch gefährdet, dass immer mehr Mikroorganismen Resistenzen gegen ein oder sogar mehrere Antibiotika entwickeln. Da jeder Einsatz von Antibiotika, sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin, zur Entwicklung von Resistenzen führen kann, muss sowohl in der Humanmedizin als auch in der Veterinärmedizin ein sorgsamer, medizinisch gerechtfertigter

Einsatz antibakteriell wirksamer Arzneimittel verlangt werden. Betreffend die Veterinärmedizin wurden dafür in Österreich die Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln in Kraft gesetzt.

Die Veterinär-AntibiotikaMengenströme-Verordnung Um den Verkauf und die Abgabe von antimikrobiell wirksamen Substanzen überwachen zu können, wurde von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA ein Verfahren entwickelt, das in Österreich als Basis für die Veterinär-Antibiotika-Mengekströme-VO aus dem Jahr 2014 dient. Diese Verordnung bietet die rechtliche Basis zur Erfassung des Vertriebs und Verbrauchs

von Antibiotika im Veterinärbereich in Österreich. Hersteller, Zulassungsinhaber (Depositeure) und Arzneimittel- Großhändler müssen den Vertrieb von Tierarzneimittel mit antimikrobiellen Substanzen an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) melden. Zusätzlich melden auch hausapothekenführende Tierärztinnen und Tierärzte die Antibiotikamengen, die an landwirtschaftliche Betriebe abgegeben werden, an die AGES. Somit können die Mengenströme an Antibiotika in Österreich nachvollzogen und dargestellt werden. Die jährlich gemeldeten Mengen sowie arzneimittelspezifischen Informationen (z.B. Wirkstoffklasse, Verabreichungsart etc.) werden von der AGES ausgewertet und in einem Bericht an das Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASGK) dar-

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gestellt. Jährlich erscheint dazu auch ein Bericht, der auf der Homepage der AGES zum Download bereitsteht.

Generelle Situation in Österreich Die Gesamtvertriebsmenge an antimikrobiell wirksamen Substanzen für Nutztiere ist seit 2013 um 19% zurückgegangen und liegt im Jahr 2017 bei 44,61 Tonnen. Nach wie vor werden mit 94% mengenmäßig am meisten Antibiotika für die systemische Anwendung verkauft. Systemische Anwendung bedeutet dabei die Übertragung des Wirkstoffs in das Blut- und/oder Lymphsystem des Tieres. Betrachtet man die Art der Anwendung,

so liegen die oral anzuwendenden Präparate zur Behandlung von Einzeltieren oder Gruppen von Tieren – diese umfassen Pulver, Tabletten und Pasten – mit rund 81% auch im Jahr 2017 weit vor den anderen Anwendungsformen (siehe Abbildung 1). Bei den Vertriebsmengen getrennt nach Wirkstoffgruppen ist nach wie vor Tetrazyklin mit knapp 56% an erster Stelle, gefolgt von den Penicillinen mit erweitertem Spektrum mit ca. 13%, den Sulfonamiden und den Makroliden mit jeweils rund 7%. Eine besonders wichtige und somit kritische Rolle in der Veterinärmedizin nehmen die von der World Health Organisation (WHO) als sogenannte Reserveantibiotika für die Humanmedizin eingestuften Antibiotika ein. Dazu zählen Präparate

Abbildung 1: Verkaufte Mengen in Tonnen nach Anwendungsform (2013 – 2017). Quelle: AGES

aus den Wirkstoffgruppen Makrolide, Fluorchinolone, 3. und 4. Generation Cephalosporine, sowie die Gruppe der Polymyxine (u.a. Colistin). Die abgegebene Menge dieser Reserveantibiotika hat von 2016 auf 2017 um 2% zugenommen, und lag im Jahr 2017 bei 5,35 Tonnen. Über die Jahre halten Reserveantibiotika einen relativ konstanten Anteil von rund 12% an der Gesamtmenge.

Vergleich von Tierarten und die Situation in der Schweineproduktion Um die Abgabemengen der unterschiedlichen Tierarten miteinander vergleichen zu können, müssen diese auf Basis der jeweiligen Tierpopulation normiert werden. Dazu wird die international übliche technisches Maßzahl PCU (‚population correction unit‘) verwendet, die sich auf ein Kilogramm Körpergewicht bezieht. In Abbildung 2 erkennt man folgendes: Wurden im Jahr 2013 noch 57 mg Antibiotika pro produziertem kg Lebensmasse abgegeben, sank dieser Wert auf 47 mg/kg im Jahr 2017. Die in der Abbildung 2 dargestellten Werte sind der Durchschnitt über alle landwirtschaftlichen Nutztiere. Die normierte mittleren Werte beim Schwein liegen bei rund 73 mg/kg, beim Rind bei rund 16 mg/kg und beim Geflügel bei rund 26 mg/kg. 74% der in Österreich verkauften Antibiotika werden in der Schweineproduktion verwendet, 20% in der Rinderproduktion, 5% in der Geflügelproduktion, der Rest von 1% für sonstige Tierarten. Innerhalb der Schweineproduktion gehen 43% der verkauften Antibiotika in die Mast, 29% in die Zucht, 19% in die Ferkelproduktion und der Rest in andere Produktionsformen.

Europäischer Vergleich Vergleicht man die Österreichischen Daten mit anderen Europäischen Ländern, so zeigt sich folgendes Bild. Man erkennt, dass Österreich im unteren Drittel bei den Verkaufszahlen zu Veterinärantibiotika liegt (Abbildung 3).

Abbildung 2: Normierte Vertriebsmengen in mg/kg produzierter Lebendmasse. Quelle: AGES

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Benchmarking von Antibiotikaabgaben in der österreichischen Schweinehaltung Wie bereits im Bericht von DI Dr. Fuchs beschrieben, wird auf Basis der Veterinär-Antibiotika-MengenströmeVerordnung der Vertrieb an tierärztliche Hausapotheken und die Abgabe von Antibiotika an landwirtschaftliche Betriebe erfasst. Auswertungen dieser Erfassung werden jährlich von der AGES erstellt und in einem Bericht an das BMASGK veröffentlicht. Tierärztliche Hausapotheken oder auch LandwirtInnen hatten bisher noch keine Möglichkeit, Informationen zu ihrem Betrieb oder der Hausapotheke einzusehen.

Rückmeldungen an Landwirt Die Auswertungen in diesen AGES-Berichten sind allgemein gehalten, ein einzelner Landwirt kann daraus keine Rückschlüsse für seinen eigenen Betrieb ziehen. Bisher gab es keine Auswertungen auf einzelbetrieblicher Ebene. Um dies zu ändern, und um die Möglichkeit zu schaffen, dass ein einzelner Landwirt von den vorhandenen Daten profitieren kann, wird in diesem Jahr ein Benchmarkingsystem ins Leben gerufen.

Benchmarking Benchmarking ist ein Instrument der Wettbewerbsanalyse. Benchmarking ist der kontinuierliche Vergleich von Produkten,

Dienstleistungen sowie Prozessen und Methoden mit Unternehmen, um die Leistungslücke zum Klassenbesten systematisch zu schließen. Grundidee ist es festzustellen, welche Unterschiede bestehen, warum diese Unterschiede bestehen und welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt.

Benchmarkingsystem zu Antibiotika-Abgaben Der VÖS hat sich gemeinsam mit dem TGD für eine einzelbetriebliche Auswertung engagiert und dank der Unterstützung des BMASGK wird diese Möglichkeit des Betriebsvergleichs geschaffen. Oberste Priorität hat dabei natürlich immer der Datenschutz. Die Zustimmung des einzelnen Landwirts ist die Voraussetzung, damit eine Auswertung der abgegebenen Menge an Antibiotika erfolgen kann. Diese Auswertung steht auch nur dem einzelnen lw. Betrieb zur Einsicht zur Verfügung. Bei erteilter Zustimmung, erstellt

die AGES eine Auswertung für den jeweiligen schweinehaltenden Betrieb. Diese werden über den TGD an den Landwirt weitergeleitet. Der TGD fungiert dabei als Übermittler der Berichte. Nur wenn der Landwirt zustimmt, können diese Auswertungen auch direkt an den Betreuungstierarzt und die Erzeugerorganisation weitergeleitet werden. Durch die Darstellung der Antibiotika Bezugsdaten des eigenen Betriebes im Vergleich zu anderen Betrieben können Optimierungsschritte folgen. Durch die Veranschaulichung der Daten könnte die Veränderungs- bzw. Verbesserungsbereitschaft von landwirtschaftlichen Betrieben gesteigert werden. Betriebsführer könnten dadurch auch motiviert werden, Schwachstellen zu analysieren und in weiterer Folge zu verbessern. Der Ehrgeiz, besser zu werden, ist ein Erfolgsrezept des Benchmarking-Systems. VÖS und TGD Koordinator Dr. Gottfried Schoder

Abbildung 3: Verkaufszahlen von Veterinärantibiotika in 30 Europäischen Ländern in mg/PCU. Quelle: „Sales of veterinary antimicrobial agents in 30 European countries 2016“. (EMA/275982/2018)

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Körnermais: 2018 wenig Probleme mit Kolbenverpilzung! Etwa die Hälfte der österreichischen Körnermaisernte wandert in den Futtertrog. Mais ist der Energieträger im Schweinefutter schlechthin und sollte dazu in möglichst guter Qualität zur Verfügung stehen. Ausschlaggebend für die Eignung der Körnermaispartien in der Fütterung von Nutztieren ist das Ausmaß einer möglichen Kontamination mit Pilzgiften, den sogenannten Mykotoxinen. Diese können durch eine Vielzahl an Schimmelpilzen verursacht werden. In Mais aus österreichischer Produktion sind vor allem die Fusarium-Pilze von besonderer Bedeutung. Diese bilden artspezifisch je nach Witterung bestimmte Mykotoxine (siehe Tabelle). Die Nutztierarten sind unterschiedlich sensibel auf Mykotoxingehalte. Grundsätzlich reagieren vor allem Schweine und Geflügel empfindlicher auf Mykotoxine als Wiederkäuer. Zuchtsauen und Ferkel gelten als besonders anfällig.

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2018: kaum Probleme mit Mykotoxinbelastungen In Österreich wird jährlich eine Mykotoxinbewertung bei Körnermais mit Beteiligung des BMNT (Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), den Bundesländern, den Landwirtschaftskammern, sowie den Maiszüchtern und Maisverarbeitern mit ca. 1.200 Maisproben von in Summe 47 Versuchsstandorten im gesamten Anbaugebiet durchgeführt. Untersucht werden dabei alle Sorten der jeweiligen Versuchsstandorte. Im Jahr 2018 zeigte sich insgesamt eine geringe Belastung an Mykotoxinen mit regionalen Unterschieden (siehe auch Abb. 1).


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Tabelle: Übersicht wichtiger Fusarium-Arten auf Körnermais in Österreich . Quelle: AGES

Abbildung 1: DON-Gehalte nach Regionen und Jahren 2015-2018. Quelle: AGES Die warme Frühsommerwitterung und die trockenheißen Sommermonate führten im ober- und niederösterreichischen Alpenvorland zu praktisch fehlenden bis sehr geringen Mykotoxingehalten Median* für Deoxynivalenolgehalt (DON): 237 µg/kg; (Median = der mittelste Wert einer aufsteigend angeordneten Wertereihe, also bei z.B. 25 Analysenergebnissen der 13. Wert, bei 26 Ergebnissen ist es das Mittel aus dem 13. und 14 Wert). Auch an den einzelnen Versuchsorten dieser Region lagen die DON-Gehalte oft an der Nachweisgrenze oder nur knapp darüber. Ebenso waren die DON-Gehalte in Ostösterreich gewohnt niedrig (255 µg/kg). Auch hier wiesen die einzelnen Standorte nur DON-Gehalte zwischen 200 und 500 µg/kg auf.

Ein Grund dafür war die wärmebedingt verkürzte Vegetationsdauer: Die Kolbenblüte setzte schon etwa zwei Wochen früher als üblich ein. Die dadurch deutlich frühere Reife und die trockene Erntezeit verhinderten ein stärkeres Auftreten von Pilzen an den Kolben. Mit der frühen Ernte bestand auch kein Risiko durch spätere Schlechtwetterperioden. In den Anbaugebieten südlich der Alpen, wo es im Juni, teilweise im August, insgesamt mehr Niederschläge gab, war der DON-Gehalt mit 483 µg/kg etwas höher, aber noch immer in einem unkritischen Bereich. Einige Standorte in dieser Region wiesen immerhin DON-Gehalte von 500 bis 900 µg/kg, vereinzelt auch darüber, auf.

Vorsicht ist bei Fusarium-Pilzen aber immer geboten Wenn die Mykotoxin-Gehalte 2018 und praktisch auch schon seit 2015 auf einem niedrigen bzw. knapp mittleren Niveau lagen, ist dennoch zu beachten, dass die Mykotoxinbelastung am stärksten von der Jahreswitterung beeinflusst wird. Anhaltend feuchte Witterung während der Blüte und nasses Wetter im Spätsommer und Herbst mit verzögerter Abreife wirken dabei besonders nachteilig. Der Witterungsverlauf, abgesehen von Beregnungsgaben, ist nicht zu beeinflussen. Daher sollte man bei jedem Anbau Vorbedingungen für ein möglichst geringes Fusarium- und Mykotoxinrisiko schaffen, kurz gesagt, die Häufung von Risikofaktoren grundsätzlich vermeiden.

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Unter den Vorbeugemaßnahmen sind richtige Sortenwahl und rechtzeitige Ernte ganz wesentlich. Sortenwahl Sortenunterschiede treten in Jahren mit mittlerem oder höherem Fusariumdruck stärker zu Tage. Gering oder mittel bis gering anfällige Sorten (Note 3 bzw. 4 bei Kolbenfäule in der Österr. Beschreibenden Sortenliste, https://bsl.baes.gv.at/kultren/mais-und-hirsearten/mais/) können hier einen wichtigen Beitrag für eine niedrigere Mykotoxinbelastung im Maiserntegut leisten. Im nieder- und oberösterreichischen Alpenvorland sowie im Südosten Österreichs mit üblicherweise mehr Niederschlag als in Ostösterreich können dagegen mittel bis stark (Note 6) oder stark anfällige Sorten (Note 7) in feuchten Jahren das Mykotoxinrisiko deutlich erhöhen. Für Kolbenfusariosen sehr stark anfällige Sortenkandidaten (Note 8 oder 9) erhalten keine Sortenzulassung. Fruchtfolge Die Auflockerung von maisintensiven Fruchtfolgen, soweit eben möglich, insbesondere wenn dafür keine anderen Fusarium-Wirtspflanzen gewählt werden, kann das Infektionspotenzial für die eigene Fläche aber auch für Nachbarflächen mindern. In gewissem Ausmaß werden enge Maisfruchtfolgen bereits durch die Auflagen zur Eindämmung des Maiswurzelbohrers unterbrochen.

Maiszünslerkontrolle Die Bohrlöcher des Maiszünslers sind willkommene Eintrittsöffnungen für Fusarium-Sporen in gesunde Maispflanzen. Eine gute Zerkleinerung der Ernterükkstände bekämpft die Maiszünslerraupen in den Stängelresten.

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Die Maiszünslerkontrolle hilft somit auch den Fusarium-Befall zu vermindern, sei es durch die Reststrohzerkleinerung oder durch Ausbringung von Nützlingen (Trichogrammakärtchen oder Kapseln) zu Flugbeginn und ein weiteres Mal eine Woche bis 10 Tage später.

Bodenbearbeitung Eine gute Einarbeitung der zerkleinerten Pflanzenreste fördert deren Verrottung und entzieht dadurch den Fusarium-Pilzen die Überlebensgrundlage im Winter. Bestandeskontrolle und Erntetermin: Abreifende Maisbestände sind auf Fusarium-Befall zu kontrollieren. Dieser ist häufig schon an dem weißlich bis rötlichlachsfarbenem Mycel an den Kolbenspitzen erkennbar, kann aber auch unter den Lieschen versteckt sein. Bei stärkerem Befall sind diese Symptome auch außen an meist schon zusammenklebenden Lieschen sichtbar. Hagelschäden erhöhen das Verpilzungsrisiko durch die Pflanzenverletzungen, ebenso Frühfröste. Eine 10bis 14-tägige Verzögerung der Maisernte kann bei feuchter Witterung schon eine relevante Qualitätsverschlechterung mit sich bringen. Mehrjährige Untersuchungen unserer Monitoringdaten haben ergeben, dass ein Anstieg der Mykotoxingehalte mit späterer Ernte in allen Maisregionen zu erwarten ist, aber wiederum in feuchteren Lagen am stärksten erfolgt. Das Vorerntemonitoring für Mykotoxine in Körnermais, eine Kooperation von LFI, AGES und Landwirtschaftskammern, hilft den Erntetermin im Hinblick auf das Mykotoxinrisiko besser abzuschätzen. Informationen über das Mykotoxinauftreten im gesamten Körnermaisgebiet werden je nach Verlauf der Jahreswitterung etwa ab der 2. Septemberwoche unter www.warndienst.lko.at bereitgestellt.

Maßnahmen nach der Ernte Bereits kontaminierte Ware ist nicht einfach zu dekontaminieren. Bei Körnermais sind eine gute Durchlüftung und ein Umziehen des Lagers oft hilfreich, da Mykotoxine gerne im Feinabrieb zu finden sind. Auf jeden Fall ist auf eine gute Trocknung zu achten, da sonst mit einem Befall von Lagerpilzen (Mykotoxine wie Aflatoxin oder Ochratoxin A) zu rechnen ist. Letzter Ausweg für die Tierernährung sollten Futtermittelzusatzstoffe (oft als Mykotoxinbinder bezeichnet) sein. Diese Stoffe zur Verringerung der Kontamination von Futtermitteln mit Mykotoxinen sind nur für ausgewählte Mykotoxine zugelassen. In Europa sind derzeit drei Produkte unter folgenden Kennnummern zulässig. •

1m01 ein Mikroorganismus für Trichotecene wie DON

1m558, ein Bentonit zur Bindung von Aflatoxinen

1m03, ein Enzym zur Spaltung von Fumonisinen

Zu beachten ist hier jedenfalls, dass entweder Höchst- oder Mindesteinsatzmengen festgelegt sind. Wichtig ist hier aber auch, dass allfällige Höchst- oder Richtwerte in Futtermitteln, nicht überschritten werden dürfen. DI Klemens Mechtler Dr.in Elisabeth Reiter AGES


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Zuluftfilter an Besamungsstation Steinhaus für höhere Biosicherheit Nach intensiver Planung wurde Anfang des Jahres an der SZV Besamungsstation Steinhaus eine Zuluftfilteranlage in Betrieb genommen. Mit dieser Maßnahme soll das Risiko eines Eintrages von Krankheiten, die über die Luft übertragen werden können, minimiert werden. Für Besamungsstationen ist die Absicherung eines hohen Gesundheitsstatus von höchster Bedeutung. Deshalb müssen die Stationen besonders hohen Auflagen betreffend Biosicherheit erfüllen. Eine strikte räumliche Trennung von Stall, Labor und Versandbereich ist Grundvoraussetzung. Der Zugang zum Stall ist streng geregelt und erfolgt über eine Hygieneschleuse, wo für jede Person vollständiger Kleidungswechsel und Dusche verpflichtend ist. Diese Maßnahmen gewährleisten ein hohes Maß an Biosicherheit. Es gibt aber Krankheiten (vorwiegend virale Erreger wie z.B. PRRS und Influenza), die über die Luft übertragen werden können. Gerade in schweinedichten Regionen Europas haben immer mehr Besamungsstationen in Filtertechnik für die Zuluft investiert. Der Schweinezuchtverband Oberösterreich hat sich im Vorjahr entschlossen die Besamungsstation Steinhaus mit moderner Filtertechnik auszustatten. Damit ist es möglich die Zuluft in zwei Stufen mittels Grobund Feinstfilter zu reinigen. Laut einer Studie der Universität Leipzig (2012) konnte mit dem verwendeten Filter ein Ausscheidungsgrad z.B. von PRRS Viren von über 95% erreicht werden.

Zuluftfiltertechnik hat der Schweinezuchtverband OÖ am Standort Steinhaus die aktuell bestmöglichen Maßnahmen in puncto Biosicherheit getroffen. Das mittlerweile wöchentliche PRRS Screening aus einer Stichprobe von Ebern aus jeder Stalleinheit

dient zur intensiven Überwachung des hohen Gesundheitsstatus an der Station. Dr. Peter Knapp Geschäftsführer SZV Besamungsstation Steinhaus

Die neuen Filteranlagen der Station Steinhaus sollen Staubpartikel und Viren aus der Zuluft filtern. Foto: Knapp

Die Nachrüstung der bestehenden Stallgebäude wurde individuell je nach Zuluftführung und vorhandenem Erdspeicher des jeweiligen Stalles geplant. Entscheidend für die Wirkungsweise ist, dass sämtliche Zuluft gefiltert wird und die Ventilatoren so gesteuert werden, dass im Stall ständig ein leichter Überdruck erreicht wird. Damit wird ein Eindringen ungefilterter Luft verhindert. Zudem wurde auch ein neuer Anhänger für die Tiertransporte von der Quarantäne in den Stall angeschafft und mit einem entsprechenden Zuluftfilter ausgestattet. Damit lässt sich auch das Risiko einer luftbedingten Krankheitsübertragung während des Ebertransportes minimieren. Mit der kostenintensiven Investition in neue Auch der neue Anhänger wurde mit einem Zuluftfilter ausgestattet. Foto: Knapp 1 2019 | Zuluftfilter | 29


Foto: Pfeiffer

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Dr. Christina Pfeiffer Institut für Nutztierwissenschaften BOKU Wien

Gutes mütterliches Verhalten kann Saugferkelverluste senken

In Österreich wurden im Zeitraum von Juni 2017 und Juli 2018 nicht nur umfangreiche Wurfdaten (z.B. individuelle Geburtsgewichte, Streuung der Geburtsgewichte, und Ferkelvitalität), sondern auch fünf neue Verhaltensmerkmale, die Aufschluss über gutes mütterliches Verhalten geben sollen, erfasst. Was zeichnet eine Ferkel hat einen positiven Einfluss auf deren Überlebensfähigkeit, korreliert aber negativ mit gute Muttersau aus?

Erblichkeit

Erblichkeiten können Zahlenwerte von 0 bis 1 einnehmen. Eine Erblichkeit von 0 bedeutet „nicht erblich“; eine Erblichkeit von 1 zeigt an, dass zu 100% Gene an der Merkmalsausprägung beteiligt sind, ein Einfluss der Umwelt an der Merkmalsausprägung kann ausgeschlossen werden.

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Mütterliche Eigenschaften haben neben dem individuellen Geburtsgewicht den größten Einfluss auf die Überlebensfähigkeit der Ferkel. Diese Eigenschaften bestehen aus vielen, komplex miteinander in Beziehung stehenden Verhaltensweisen, die sich vor allem wenige Stunden vor der Geburt und viele Tage nach der Geburt abzeichnen. Geeignete Merkmale bzw. Indikatoren guter mütterlicher Verhaltensweisen sind schwierig zu definieren, zu beobachten, aufzuzeichnen und vor allem zu messen. Zum Zeitpunkt der Selektion der Jungsauen gibt es keine direkten Parameter, die zur Vorhersage guter Reproduktionserfolge herangezogen werden können. Mögliche direkte Parameter, die der Muttersau zugeordnet werden können, sind: Wurfgröße, individuelle Geburtsgewichte, sowie die Streuung der Geburtsgewichte der Ferkel und die Milchleistung der Sau. Das Geburtsgewicht der

der Wurfgröße. Das heißt, dass mit steigender Wurfgröße das individuelle Geburtsgewicht sinkt und die Ferkelvitalität abnimmt. Wichtige Verhaltensmerkmale der Muttersau sind: Nestbauverhalten, ruhiges Abferkelverhalten, Abliegeverhalten, die Reaktion der Sau auf Schreie der Ferkel, die Kommunikation zwischen Sau und Ferkeln vor dem Abliegen, das Versammeln der Ferkel, Liegeverhalten (Dauer und Positionswechsel), das Säugeverhalten sowie der Schutz der Ferkel vor „Eindringlingen“. Aus diversen wissenschaftlichen Arbeiten ist bekannt, dass die Überlebensfähigkeit der Ferkel erhöht ist, wenn die Sau vor der Geburt ein ausgeprägtes Nestbauverhalten zeigen kann. Nestbauverhalten ist ein stark motiviertes Verhalten und wird innerlich durch Hormone und äußerlich durch passendes Nestbaumaterial ausgelöst.


Foto: Pfeiffer

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In freien Abferkelsystemen bietet sich hierfür Stroh an, in Kastenstandsystemen eignen sich z.B. Jutesäcke oder Hanfseile. Die Befriedigung des Nestbautriebes führt zu einem ruhigeren Geburtsverlauf. Nach der Geburt spielt das Abliegeverhalten der Sauen eine wesentliche Rolle. So konnte beobachtet werden, dass langsames und vorsichtiges Abliegen zu geringeren Ferkelverlusten führt. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass die Voraussetzung für ein vorsichtiges Abliegen ein gutes Fundament ist. Sauen mit falschen Beinstellungen lassen sich gerne hinfallen. Häufiges Säugen beeinflusst das Wachstum der Ferkel positiv und steigert daher auch die Überlebenschancen der Ferkel. Abhängig vom Alter und Wurfgröße saugen die Ferkel rund alle 30 bis 70 Minuten, für zwei bis vier Minuten. Aggression der Muttersau gegenüber ihren Ferkeln wird als abnormale Verhaltensweise beschrieben. Im Zuge des vom Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus und des Verbandes österreichischen Schweinebauern gefördertem Forschungsprojektes OptiZucht – gute Mütter vitale Ferkel wurden an rund 2.000 Edelschwein, Landrassesauen und F1-Sauen die Ausprägung der Verhaltensmerkmale Nestbau (gemessen anhand der Manipulation eines Jutesacks), aggressives Verhalten gegenüber der TierbetreuerIn, aggressives Verhalten gegenüber den Ferkeln, sowie der Gesamteindruck des mütterlichen Verhaltens während der Säugeperiode auf 24 Zuchtund Vermehrungsbetrieben beurteilt und im Sauenplaner erfasst.

Ruhiges Abferkelverhalten reduziert Saugferkelverluste Das Abferkelverhalten konnte von ZüchterInnen anhand von zwei Kategorien beurteilt werden (ruhiges und unruhiges Abferkeln) und wurde nur beurteilt, wenn die Geburt beobachtet werden konnte. Anhand der erfassten Daten konnte gezeigt werden, dass vor allem der Geburtsverlauf eine moderate Erblichkeit von 0,18 besitzt und dass die Sauen, die ein ruhiges Abferkelverhalten zeigen, weniger Ferkel am Tag der Geburt, sowie am Tag nach der Geburt und bis zum Absetzen erdrücken. Die genetischen Zusammenhänge zwischen Abferkelverhalten und Erdrückungsverlusten am Tag der Geburt und dem Tag nach der Geburt sowie wie bis zum Absetzen betragen 0,40 bzw. 0,24. Auch zwischen den Rassen gibt es Unterschiede. Ruhige Edelschweinsauen erdrükken im Durchschnitt 0,34, ruhige Landrassesauen 0,16 und ruhige F1-Sauen 0,10 Ferkel weniger am Tag der Geburt und am Folgetag. Mit zunehmender Anzahl geborener Ferkel nehmen die Erdrückungsverluste zu. Dieser Zusammenhang kann auch für die Anzahl lebend geborener Ferkel und Prozent Saugferkelverluste bis zum Absetzen gefunden werden. Die Erblichkeit für aggressives Verhalten gegenüber dem Ferkel beträgt 0,03. Sauen, die aggressives Verhalten ihren Ferkeln gegenüber zeigen, haben ebenfalls höhe-

Die Befriedigung des Nestbautriebes kann zu einem ruhigeren Geburtsverlauf führen. Quelle: Pfeiffer

re Saugferkelverluste (+0,12 Ferkel/Wurf). Dieses Verhalten tritt häufiger bei Jungsauen auf. Aggression gegenüber den eigenen Ferkeln wird in Zusammenhang mit Furchtsamkeit der Sau gebracht, was etwa durch die Umstellung in ein neues Haltungssystem, die ungewohnte Einzelhaltung oder auch durch Schmerzen bei der Geburt verursacht werden kann. Die Erblichkeit für das Verhaltensmerkmal Aggressivität gegenüber der TierbetreuerIn beträgt 0,05. Dieses Merkmal wird im Hinblick auf die künftigen Bewegungsbuchten noch mehr an Bedeutung gewinnen, denn hier werden Sauen, die einfach im Handling sind, noch mehr gefragt sein. Das Merkmal gute Mutter sollte den Gesamteindruck des mütterlichen Verhaltens während der ganzen Säugeperiode beschreiben. Auch dieses Merkmal ist erblich (0,07) und steht eng im positiven Zusammenhang mit der Anzahl abgesetzter Ferkel je Sau und Wurf. Muttersauen, die als gute Mutter beurteilt wurden, hatten mehr abgesetzte Ferkel. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass das Zusammenspiel von optimalen Geburtsgewichten (>1,0 Kilogramm und <1,8 Kilogramm Geburtsgewicht), Ferkelvitalität, guten mütterlichen Eigenschaften sowie besten Managementmaßnahmen während der Säugeperiode eine hohe Anzahl an abgesetzten Ferkeln und somit einen wirtschaftlichen Betriebserfolg gewähren.

Das optimale Geburtsgewicht der Ferkel liegt zwischen 1,0 und 1,8 Kilogramm. Quelle: Pfeiffer

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Neujahrsempfang des Vereins Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) Traditioneller Treffpunkt der Veredelungswirtschaft Bereits zum dritten Mal fand am 9. Jänner 2019 der Neujahrsempfang des gemeinsamen Dachvereins NTÖ der Nutztiersparten Rinder, Schweine, Geflügel, Schafe, Ziegen und Pferde im Marmorsaal des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus statt. Die Veranstaltung ist jeweils auch der erste Auftritt des jährlich rollierenden Obmannes. Das Amt wird für das Jahr 2019 von VÖS-Obmann Walter Lederhilger übernommen. Als Stellvertreter wurde der Obmann des Bundesverbandes für Schafe und Ziegen, Johann Georg Höllbacher, bestellt.

Kräfte bündeln Wie bei allen Aktivitäten des NTÖ stand auch bei dieser Veranstaltung die Vernetzung und Bündelung der Kräfte im Mittelpunkt. Der NTÖ versteht sich als Sprachrohr der österreichischen Nutztierbranche und als Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Dazu sollen auch neue Sicht- und Vorgehensweisen angedacht werden. Denn zusammen ist es sicher einfacher, die vielen Herausforderungen der österreichischen Tierhalter- und züchterInnen zu meistern und deren Anliegen öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren.

In diesem Sinne waren auch die Grußworte von Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger, welche die Wichtigkeit der Einigkeit und des geschlossenen Auftretens der verschiedenen Landwirtschaftssparten betonte.

Tierhaltung ist essentieller Teil der Landwirtschaft Die tierische Produktion umfasst 49,3% des Agrarsektors, der Produktionswert beträgt 3,6 Mrd. Euro. Angesichts des fortschreitenden Strukturwandels in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ist mehr denn je wichtig, auf Verbandsebene die Ressourcen möglichst effizient zu nutzen und Synergien zu schaffen. Der NTÖ, ausgehend von der Unterzeichnung des Tierzuchtpaktes zwischen dem Landwirtschaftsministerium und den Dachverbänden von Rind (ZAR, ARGE Rind), Schwein (VÖS), Geflügel (ZAG), Schaf und Ziege (ÖBSZ) sowie Pferd (ZAP), wurde 2016 gegründet und tritt sowohl als Interessen-

Bundesministerin Köstinger betonte, dass Sie an einer Ausweitung der Herkunftskennzeichnung arbeite. Quelle: BMNT/Paul Gruber 32 | Bericht | 1 2019

vertretung als auch als zentraler Bildungsanbieter auf. Jährlich werden unterschiedliche Schwerpunkte gelegt, diese liegen derzeit bei den Themen Lebensmittelherkunftskennzeichnung, Produktionsstandards, Handelsabkommen, Neue Züchtungsmethoden und GAP. Diese sollen weiterhin öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden. Zum vergnüglichen Abschluss gab es noch „Heitere Betrachtungen von ernsten Angelegenheiten“ von den beiden Lebens- und Sozialberatern Susanne Fischer und Erhard Reichsthaler. Danach ging es zum Netzwerken und gegenseitigen Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Weitere Infos zum Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) gibt es unter www.nutztier.at

Obmann Walter Lederhilger konnte viele Gäste zum Neujahrsempfang des NTÖ im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus begrüßen. Quelle: BMNT/Paul Gruber


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Fachtag Schweinehaltung an der HBLA St. Florian Traditionell werden fachspezifische Themen der Wintertagung auf eigenen Fachtagungen diskutiert. Der Fachtag Schweinehaltung fand diesmal an der HBLA St. Florian statt. Das vielfältige, ganztägige Programm wurde von Anita Strieder, MA eröffnet, welche die Ergebnisse ihrer Umfrage zwischen jungen Schweinebäuerinnen und Schweinebauern präsentierte. Junge bereit für Herausforderungen Für die Jungen sind für eine positive Weiterentwicklung der Schweinebranche vor allem gesellschaftlicher Rückhalt, Anerkennung und Vernetzung mit anderen LandwirtInnen wichtig. Das Bedürfnis nach Wissensvermittlung und Austausch in Hinblick auf wirtschaftliche Konzepte oder Praxislösungen ist besonders groß. Sie haben mit den Marktschwankungen umzugehen gelernt und stehen neuen Technologien positiv gegenüber. Tiergesundheit und Tierwohl haben einen großen Stellenwert. Die angehenden HofübernehmerInnen setzen ihren Fokus auf Qualität, anstatt mit großen Produzenten mithalten zu wollen.

den internationalen Schweinepreis mit. „Tierwohl“ ist aber in China kein Thema. Uneinheitliche Tierwohlstrategien in Europa gefährden aber die Wirtschaftlichkeit der Schweineproduktion. Er plädierte dafür, „teilstückspezifisch“ zu denken, denn die Verteilung von Mehrkosten durch Tierwohlprogramme geschieht auf die „wertvollen Teilstücke“, nicht auf jene, die in den Export gehen. VLV-Mast Geschäftsführer und Ö-Börse Koordinator Dr. Johann Schlederer analysierte, dass sich die Marktdifferenzierung und Markenprogramme zum „Feigenblatt“ für den Handel entwickelt haben. Schweinefleisch wird oft als „Lockmittel“ eingesetzt, was nicht zur Wertschätzung beiträgt. Auf EU-Ebene sollte über ein Modell zur Mengenregulierung in der Schweineproduktion diskutiert werden.

Differenzierung diskutieren DI Thomas Resl, Direktor der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen, analysierte die vergangenen und zukünftigen Entwicklungen des Schweinemarktes. Der österreichische Schweinemarkt entwickelt sich in Hinblick auf den Erzeugerpreis weitestgehend wie der EU-Schweinemarkt. Seit dem EUBeitritt Österreichs kam es zu einem Anstieg der Importe wie auch der Exporte von Schweinefleisch. Die österreichische Schweineproduktion ist in Hinblick auf die Kosten im oberen Viertel im EU-Vergleich zu sehen, mit ein Grund dafür sind hohe Kapitalkosten in Österreich. DI Resl sprach auch an, die Differenzierung am Markt über das AMA-Gütesiegel zu reflektieren und stellte die Frage, ob die LandwirtInnen zur Differenzierung bereit sind. Mandes Verhaagh, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Betriebswirtschaft des Thünen-Instituts in Deutschland, referierte über das Thema „Tierwohl und Wirtschaftlichkeit – (k)ein Gegensatz“. Er erklärte, dass auf Grund der Verzehrsgewohnheiten ca. 35 % des Schweines bzw. der Teilstücke in Europa nicht (mehr) gegessen und exportiert werden müssen. Viele Länder und auch die EU exportieren nach China. China bestimmt auch wesentlich

Dr. Christian Dürnberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Er erklärte, dass zwar bestimmte Gruppen in der Bevölkerung sehr stark Stimmung gegen die Tierhaltung machen, die große Mehrheit der Menschen aber schweigt. Es benötigt daher einerseits die Analyse, wie diese „schweigende Mehrheit“ in Bezug auf die Tierhaltung und Landwirtschaft denkt. Zusätzlich sollte auch auf breiter gesellschaftlicher Basis über die Ausrichtung der Nutztierhaltung diskutiert werden. Der oberste Veterinär Österreichs, Dr. Ulrich Herzog vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) stellte dem Gesundheitsstatus der heimischen Nutztiere ein sehr gutes Zeugnis aus. Allerdings sind insbesondere beim Thema Biosicherheit gemeinsame Anstrengungen notwendig – nicht zuletzt in Hinblick auf die weiterhin sehr bedrohliche Afrikanische Schweinepest (ASP). Hoffnung gibt auch ein möglicher ASP-Impfstoff. Die ASP wird Europa daher noch lange beschäftigen. Dr. Johann Ertl vom Bayerischen Bauernverband (BBV) gab Einblicke über die großen Diskussionen zum Thema Ferkelkastration in

Deutschland, wo ja ein vollständiges Verbot im Raum stand. Viele Alternativen werden und wurden diskutiert, der bayerische Bauernverband fordert die Freigabe der Lokalanästhesie für LandwirtInnen. Von Seiten des deutschen Landwirtschaftsministeriums wird die Inhalationsnarkose präferiert. Ertl betonte, dass die deutschen SchweinehalterInnen Rechtssicherheit benötigen. Vor allem sind aber auch praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, weshalb die Lokalanästhesie, welche in anderen EU-Ländern bereits durchgeführt wird, für den BBV die beste Methode darstellt. Österreichische Erfahrungen und Standpunkte zur Ferkelkastration erläuterte DI Johann Stinglmayr, Koordinator im VÖS-Ausschuss für Recht und Politik. Für Stinglmayr hat die Diskussion um das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration in Deutschland eine lange Vorgeschichte. Dort wurde der Ausstieg aus der Kastration seit längerem als machbar erachtet. In Österreich hat man dies immer sehr kritisch gesehen. Stinglmayr erklärt, dass praxistaugliche Alternativen zur gesetzlichen Lösung in Österreich derzeit nicht zur Verfügung stehen.

Reden MIT der Landwirtschaft und nicht ÜBER sie In der Podiumsdiskussion sprach Bauernbund-Präsident Georg Strasser an, dass die Mehrkosten für die von den KonsumentInnen und NGOs geforderte GVO-Freiheit bei Futtermitteln den LandwirtInnen auch abgegolten werden muss. Mehr Leistung für gleich viel Geld kann es nicht geben. VÖS-Obmann Walter Lederhilger plädierte dafür, dass beim Thema Tierwohl weniger Emotionen und Bauchgefühl, sondern Fakten und Wissen die Diskussionen bestimmen sollen. Er erklärte auch, dass es eine wachsende Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Gesellschaft an die Nutztierhaltung und dem möglichen Gestaltungsspielraum für LandwirtInnen gibt.

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©Rezept und Foto „Kohlauflauf mit Speck und Faschiertem“ Herausgeber: AMA

Kohlauflauf mit Speck und Faschiertem Zubereitung 1. Kohl putzen, Blätter ablösen, waschen. Blattrippen wegschneiden. In kochendem Salzwasser ca. 4 Min. vorgaren. Zwiebel und Knoblauch schälen, fein würfeln. Thymian waschen und fein hacken. 2. Altbackene Semmeln in Wasser einweichen und ausdrücken. Faschiertes, Semmeln, Zwiebel, Knoblauch, Thymian und Ei verkneten und würzen. Einige Speckscheiben zur Seite legen. Eine Auflaufform mit Speck auslegen. Auf den Speck eine Schicht Kohl legen. Mit wenig Salz und Pfeffer würzen. Abwechselnd faschierte Masse und Kohlblätter einschichten. Mit Kohl abschließen. Übrige Speckscheiben darauflegen. 3. Die Auflaufform mit Alufolie abdecken und im heißen Backofen (E-Herd: 150 °C, Umluft: 125 °C, Gas: Stufe 1) ca. 1 ½ Stunden garen. Nach gut 1 Stunde Schlagobers darüber gießen. Ca. 10 Min. vor Ende der Garzeit den Backofen auf 200 °C (Umluft: 175 °C, Gas: Stufe 3) hochschalten, Folie entfernen und alles knusprig überbacken.

Zutaten für 4 Portionen 60 dag Faschiertes 2 altbackene Semmeln 1 kleiner Kohlkopf 1 Zwiebel 2 Knoblauchzehen 1 TL Thymian 2 Eier 20 dag Frühstücksspeck 1/8 l Schlagobers Salz, Pfeffer

... im VÖS RÄTSEL-Stall

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