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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinbauern, Dresdnerstrasse 89,1200 Wien

Ausgabe Österreich 2/2018

Biosicherheit – Gebot der Stunde

www.schweine.at


Ausgabe Österreich 2/2018 14

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Inhalt

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Leitartikel

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Kommentar

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Interview

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Markt

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Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

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Afrikanische Schweinepest

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Biosicherheit

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Befunddaten

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AMA

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Herkunftskennzeichnung

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Bericht

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Opti Zucht

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Tagungsbericht

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Bericht Steinhaus

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Tiertransporte

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Wieselburger Messe

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Sicherheit

Biosicherheit

... LK Österreich Generalsekretär Lembacher zu aktuellen Fragen der Landwirtschaft ...

... ist nicht nur wegen der Afrikanischen Schweinepest in aller Munde ...

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Herkunftskennzeichnung

Tiertransporte

... die regionale Herkunft von Lebensmitteln wird immer wichtiger ...

... haben in Österreich oft ein falsches Bild in der Öffentlichkeit ...

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Rezept & Rätsel

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Datenschutzerklärung

IMPRESSUM

Im Interview

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!

Spareribs

Datenschutzerklärung

... Rezept für Spareribs mit Honigmarinade ...

... wir kümmern uns um die Sicherheit Ihrer Daten ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: Fraukoeppl / Pixabay / FLI Mit freundlicher Unterstützung von

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©pixabay

Rupert Hagler VÖS-ObmannStv.

Dauerthema Afrikanische Schweinepest (ASP)

Dass wir nicht auf der „Insel der Seligen“ leben, hat uns der im April aufgetretene ASP Vorfall bei Wildschweinen in Ungarn gezeigt. Der Fundort liegt nordöstlich von Budapest und ist ca. 50 km von der slowakischen Grenze entfernt. Es wird vermutet, dass - ähnlich wie in Tschechien - illegal eingeführte Schweinefleischprodukte die Ansteckungsquelle dargestellt haben. Unter diesen Gesichtspunkten wird deutlich, wie wichtig die Sensibilisierung der Bevölkerung, Touristen und Saisonarbeitskräften ist! Mitgebrachte Lebensmittel, die unsachgemäß entsorgt werden, stellen die häufigste Ansteckungsquelle für Wildschweine dar! Reisende und Transporteure, die aus den betroffenen Ländern nach Österreich kommen sind angehalten, Speisereste nur in verschlossenen Müllcontainern zu entsorgen. Hier gilt ein Dank dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) sowie der AGES, die auf der Website www.verbrauchergesundheit.gv.at bzw. www.ages.at umfassend und objektiv informieren und wichtige Maßnahmen zur Information mittels mehrsprachiger Flyer, Plakate und Info-Spots gesetzt haben. Aber auch wir Schweinebauern sind gefordert! Wir alle müssen all unsere Hausaufgaben erledigen, die dazu beitragen, das Risiko des Ausbruches in Österreich zu minimieren. Die rasch voranschreitende Afrikanische Schweinepest macht die Umsetzung der

4 | Leitartikel |2 2018

Vorgaben der Schweinegesundheitsverordnung zum Gebot der Stunde! Es liegt auch in unserer Verantwortung, die Jägerschaft aus dem Freundes- und Bekanntenkreis über die Gefahren und Risiken der ASP zu informieren und zu sensibilisieren. Die Freiland- und Auslaufhaltung stellt meiner Meinung nach eine große Gefahr dar, wenn nicht die höchsten Sicherheitsstandards eingehalten werden. Besonderer Augenmerk liegt auf der richtigen Gestaltung der Umzäunung. Daher möchte ich besonders an diese Betriebe appellieren, die notwendigen Biosicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, da Sie eine große Verantwortung für die Zukunft der Schweinebauern in Österreich tragen. Auch die gar nicht so seltenen „Hobbyschweinehalter“ im Hinterhof oder die zum Hobby gehaltenen Schweine (z.B. Minischweine, Hängbauchschweine etc.) im privaten Bereich, die vielleicht bis jetzt noch gar nichts von der ASP gehört haben, sind von uns allen auf die Gefahren hinzuweisen. Im Falle einer Infektion würde ja auch der gleiche Sperrradius in Kraft treten, wie bei uns Nutztierhaltern. Ich möchte die Gelegenheit auch nutzen,

um alle Schweinebauern auf die neuen ASPVersicherungsmodelle hinzuweisen. Vorbeugen ist bekanntlich besser als heilen. Es empfiehlt sich auf jedem Fall einen Blick auf

Die Afrikanische Schweinepest tritt inzwischen im Baltikum, Polen, Ukraine, Tschechien, Rumänien, Moldawien und Ungarn auf. Quelle: FLI


Weiterentwicklungen AMA-Gütesiegel Durch den Einstieg von Billa ins AMA Gütesiegel im Frischfleischsektor und der Bestrebung, eine 100%ige Rohstoffverpflichtung von AMA Rohstoff bei AMA - Verarbeitungswaren zu erreichen, war es notwendig, gewisse Reglements zu verändern. Sonst hätte es zu Engpässen bei der Bereitstellung von AMA Ware kommen können. Die Landwirtschaft ist in diesem Prozess in Vorleistung gegangen. Nun gilt es, die Situation zu bewerten. Es zeigt sich, dass die von Seiten der Abnehmer geforderten Mengen vorhanden sind. Deshalb sollte der Druck Richtung Verarbeitungsindustrie erhöht werden, so rasch wie möglich diese versprochene 100%ige Rohstoffverpflichtung zu erreichen. Weil wir Landwirte beim AMA Gütesiegel ja auch jeden Tag 100% leisten.

Kritik an Studie Für Kopfschütteln bei vielen von uns sorgten die Aussagen eines Mitarbeiters der BOKU in der Zeit im Bild. Darin behauptete er, dass die österreichische Schweinehaltung in Bezug auf die Haltungsbedingungen der Tiere zu den Schlusslichtern in der EU bzw. Europa zähle. Der VÖS hat in Presseaussendungen diese Aussagen entschieden zurückgewiesen. Das Platzangebot, das den heimischen Schweinen zur Verfügung steht, entspricht natürlich den Gesetzen und EU-Vorgaben bzw. geht teilweise darüber hinaus. Außerdem fehlt in der Studie selbst weitestgehend ein kennzahlenbasierter Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Wir brauchen uns auch nur die Novellierung der 1. Tierhaltungsverordnung vom Vorjahr ansehen. Diese hat in den Bereichen Beschäftigungsmaterial, Ferkelkastration und Schwanzkupieren strengere Vorschriften mit sich gebracht. Die Eingriffe dürfen nur unter Einsatz wirksamer Schmerzmittel durch eine fachkundige Person durchgeführt werden, was in vielen EU-Ländern noch

© Straßmayr

die Angebote der Versicherungen zu werfen, die von Seiten der Erzeugergemeinschaften mit viel Engagement ausverhandelt und mitgestaltet wurden. Es wurde sehr viel Herzblut hineingelegt, um bestmögliche Konditionen für die Schweinebauern herauszuholen. Da diese in den Bundesländern unterschiedlich gestaltet wurden, wäre es mir ein großes Anliegen, dass sich jeder einzelne Landwirt mit seiner Erzeugergemeinschaft in Kontakt setzt und sich informiert.

keineswegs den Standard darstellt. Die heimischen Schweinebäuerinnen und Schweinebauern sind sich bei ihrer täglichen Arbeit ihrer Verantwortung gegenüber Mensch und Tier sehr wohl bewusst und versorgen die Bevölkerung mit einem wertvollen, qualitativ hochwertigen Lebensmittel, bewirtschaften die Kulturlandschaft und sind essenzieller Teil des ländlichen Raums. Wir bemühen uns, die steigenden Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft und die Tierhaltung zu erfüllen. Diese Entwicklungen sind aber keine Einbahnstraße und geschehen nicht zum Null-Tarif.

Export nach China

Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

Tierschutzgipfel in Wien Exportmöglichkeiten aufzubauen, Schweinefleisch nach China zu exportieren, sehe ich grundsätzlich sehr positiv. Anfang April wurden fünf heimische Schlachtbetriebe für den Export von Schweinefleisch nach China zugelassen. Der sechste beantragte Betrieb soll bald zugelassen werden. Eine Herausforderung in diesem Zusammenhang war es, dass es sehr spät aufkam, dass sehr hohe Anforderungen an den Gesundheitsstatus an den Export nach China geknüpft sind. Deshalb musste sehr rasch gearbeitet und entschieden werden, um diese – Ihnen vielleicht ja bereits bekannte und kompliziert formulierte - „Zusatzbestätigung“, auf die Welt zu bringen. Dies war eine schwere Geburt, da der Spagat zwischen dem Büro für veterinärbehördliche Zertifizierung, Landwirten, Betreuungstierärzten und Erzeugergemeinschaften ein großer war. Um die dadurch entstandene „Zettelwirtschaft“ wieder einzudämmen, werden in Zukunft die Viehverkehrsscheine so adaptiert, dass die chinesischen Vorgaben erfüllt werden können. Bis diese fertiggestellt sind, wird es aber noch etwas dauern. Gut Ding braucht Weile. Grundsätzlich können wir alle sehr stolz auf unsere Erzeugergemeinschaften sein, da sie – neben dem laufenden Tagesgeschäft wieder einmal bewiesen haben, wie rasch und kompetent sie auch in herausfordernden Situationen reagieren und tolle Arbeit für die heimischen Schweinebauern leisten. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine ASP freie Zeit, 100% AMA Ware in unseren Würsten und den Chinesen einen guten gegrillten Schweinebauch aus Österreich!

Am 24. April lud die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ zum 1. Internationalen Tierschutzgipfel in Wien ein. Eröffnet wurde der Gipfel von niemand geringerem als Bundespräsident Van der Bellen, der in seiner Eröffnungsrede auch die Wichtigkeit des Tierschutzes, die für ihn eine Herzensangelegenheit ist, erwähnte. Am Nachmittag teilte sich die Veranstaltung in drei Themenblöcke bzw. Panels - Lebensräume, Ernährung und Wirtschaft. Im Panel Wirtschaft wurde ein Benchmarking System vorgestellt, welches Tierschutz-Richtlinien von 110 Unternehmen (LEH, Restaurants, Lebensmittelproduzenten etc.) mit Punkten bewertet. Jörg Altemeier, Veterinär und für den Tierschutz in der Firma Tönnies zuständig, präsentierte die Firmenphilosophie im Hinblick auf den Tierschutz. Mit unterschiedlichen Methoden wird am Schlachthof für die Tiere eine angenehme Atmosphäre geschaffen. Im Panel Ernährung wurde der Frage nach pflanzlichem Fleischersatz und im Besonderen dem „In- Vitro Fleisch“ (oder auch gerne als „clean meat“ bezeichnet) nachgegangen. Präsentiert durch Dr. Kurt Schmidinger von der Initiative „Future Food“ vermittelte er dem Publikum die aus seiner Sicht Unausweichlichkeit dieser Alternativen. Der 1. Internationale Tierschutzgipfel zeigte differenzierte Aspekte des Tierschutzes auf, die Landwirtschaft stand dabei nicht am Pranger. Dennoch möchte ich abschließend noch das Motto erwähnen, unter dem dieser Gipfel stand: „Tierschutz- Zukunftsfrage oder Luxusproblem“. Dabei darf man doch das Augenmaß nicht verlieren. Der Stellenwert, welcher dem Tierschutz bei der Tagung eingeräumt wurde, sollte auch der Landwirtschaft und Tierhaltung, die täglich die Menschen mit Lebensmitteln versorgen, beigemessen werden. 2 2018 | Kommentar | 5


Generalsekretär DI Ferdinand Lembacher im Interview DI Ferdinand Lembacher (Jahrgang 1970) wuchs auf einem Bauernhof im westlichen Weinviertel auf. Nach seinem Studium an der Universität für Bodenkultur begann er seine Tätigkeit im Österreichischen Agrarverlag. Lembacher wechselte 1997 in die LK Niederösterreich, wo er bis 2005 als Pflanzenbauberater, Schwerpunkt Kartoffelproduktion und -vermarktung, tätig war. Er fungierte in dieser Zeit als Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Erdäpfelbau, als Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Stärkekartoffelproduzenten und baute die Erzeugergemeinschaft Bauernerdäpfel Verkaufs GmbH auf. Von 2006 bis 2018 war er Pflanzenbaudirektor der LK Niederösterreich mit den Schwerpunktthemen Integrierter Pflanzenschutz, Gemeinsame Agrarpolitik und Agrarmärkte.

DI Ferdinand Lembacher Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich. Quelle: LK NÖ/Eva Lechner

Herr Generalsekretär Lembacher, worin sehen Sie die Hauptaufgabengebiete der Landwirtschaftskammer Österreich, jetzt und in Zukunft? Zum einen ist es notwendig, der Gesellschaft und ihren Entscheidungsträgern konsequent ein realistisches Bild einer modernen Landwirtschaft zu vermitteln. Leider ist die Kommunikation zu stark dominiert von jenen, die auf Verunsicherung und Skandalisierung ihre Geschäftsmodelle aufbauen. Wenn wir transparent und glaubwürdig, auf Fakten basierend, unsere Produktion und die besondere Qualität der österreichischen Landwirtschaft erklären, wird es auch gelingen mehr Verständnis für deren Bedürfnisse zu erlangen und die Konsumenten für uns zu gewinnen. Der wichtigste Markt ist und bleibt dabei der heimische. Wir können den Wettbewerb nur über höchste Qualität aufnehmen und müssen unsere Produkte erkennbar präsentieren. Wenn das gelingt, werden die Konsumenten den dafür notwendigen Preis zahlen. Zum anderen gilt es, den hohen Produktionsstandard in Österreich durch die dafür notwendigen Finanzmittel abzusichern. Die Leute müssen verstehen, dass Kürzungen in den Programmen der Ländlichen Entwicklung keinen Gewinn für die Gesellschaft bedeuten, sondern einen Verlust an Qualität, an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen im ländlichen Raum.

6 | Interview | 2 2018

Die Digitalisierung macht auch in der Landwirtschaft Riesenschritte. Sie bietet viele Chancen, aber auch Risiken für die heimische Landwirtschaft. Wie kann hier eine möglichst positive Entwicklung für die heimischen Bäuerinnen und Bauern sichergestellt werden? In der Tat erleben wir gerade – über nahezu alle Produktionsbereiche hinweg - enorme Entwicklungsschritte neuer, digitaler Technologien. Dabei muss es uns gelingen, diese Anwendungen auch für die kleinstrukturierte Landwirtschaft nutzbar zu machen. Der Begriff „Digitalisierung“ sollte in erster Linie nicht mit teurer Technik verbunden werden, sondern mit einfachen, smarten und herstellerunabhängigen Lösungen. Aber egal in welcher Form wir Digitalisierung letztlich auf landwirtschaftlichen Betrieben wiederfinden: Wir müssen sehr genau darauf achten, dass die Verfügungsgewalt über alle am Betrieb generierten Daten beim Landwirt bleibt. Das ist absolute Grundbedingung. Als Grundvoraussetzung für eine positive Entwicklung braucht es jedoch endlich den Ausbau von Breitbandinternet in wirklich allen Regionen. Daher unterstützen wir das im Regierungsprogramm festgeschriebene Ziel eines flächendeckenden GigaBit-Netzes bis 2025.


Welche Initiativen bzw. Projekte setzen die Landwirtschaftskammern in Österreich in diesem Zusammenhang? Die Landwirtschaftskammern als moderne Dienstleistungsunternehmen setzen schon seit einigen Jahren vermehrt auf digitale Technologien in Bildung und Beratung. Ein prominentes Beispiel dabei ist sicherlich der Pflanzenschutz-Warndienst. In der Bildung konnten wir erst vor kurzem die 11.111. Teilnehmerin an einem Online-Kurs verzeichnen. Das zeigt, dass die Nutzung digitaler Medien auch im Bereich der Wissensvermittlung längst angekommen ist. Uns ist aber auch wichtig, unsere Kundinnen und Kunden beim Aufbau von digitalen Kompetenzen zu unterstützen, um die Anwendung sinnvoller Technologieentwicklungen proaktiv vorantreiben zu können.

Wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und der Tierhaltung in Österreich? Österreichs bäuerliche Landwirtschaft hat im globalen Vergleich kostenseitig Nachteile, bedingt durch natürliche, strukturelle, teilweise auch gesetzliche Vorgaben. Daher sollten wir über die Vorteile reden: großes Knowhow, Qualitätsorientierung und hohe Motivation der Bauern. Das Image österreichischer Lebensmittel ist hoch, ebenso das Wohlstandsniveau in Österreich. Es gibt stabile Rahmenbedingungen fürs Wirtschaften, auch wenn es da und dort Erschwernisse gibt. Diese Voraussetzungen müssen genutzt werden, um den notwendigen Preis für österreichische Qualitätsprodukte zu erzielen.

nutzen und nicht nur beklagen. Österreichs Fleischwirtschaft hat den EU-Beitritt zwar mit harten strukturellen Einschnitten, in Summe bisher aber positiv geschafft. Die Exportwirtschaft funktioniert sehr gut und auch die Exporte in Drittstaaten sollten jetzt noch besser laufen.

Die Landwirtschaft ist immer wieder in der Kritik, das Image der heimischen Schweinebäuerinnen und -bauern beim Rest der Bevölkerung ist manchmal nicht das Beste. Wie kann man hier auch seitens der Landwirtschaftskammer negativen Entwicklungen entgegensteuern? Die Interessenvertretung und gleichermaßen der VÖS müssen sich weiter anstrengen, für das Image zu arbeiten. Das ist für alle Beteiligten eine Langzeitaufgabe. Transparenz und offene Kommunikation sind unverzichtbar.

Die heimische Landwirtschaft forciert schon seit längerem eine verbesserte Herkunftskennzeichnung, vor allem im Außer-Haus Verzehr und bei verarbei-

teten Produkten. Die Landwirtschaftskammer hat die Initiative „Gut zu Wissen“ gestartet. Wie geht es mit der Initiative „Gut zu Wissen“ weiter? Wie können hier mehr Anreize für Gastronomiebetriebe geschaffen werden, wenn schon keine verpflichtende Kennzeichnung geplant ist? Unsere Initiative ist darauf ausgelegt, in der Gemeinschaftsverpflegung den Gästen die Herkunft von Fleisch und Eiern transparent zu machen. Es ist uns gelungen, in der Regierungsvereinbarung für diesen Bereich eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung zu verankern. Bis dahin werden wir unsere freiwillige Initiative weiterführen und sind dabei schon sehr erfolgreich, wie z.B. folgende Beispiele zeigen: die Caterer Unternehmen SVGroup und DoN, das Land Niederösterreich und eine Reihe freiwilliger Großbetriebe in ganz Österreich. Speziell Josef Donhauser, Eigentümer von DoN, soll hier hervorgehoben werden, weil er das „Gut zu Wissen“-System in den Speisewägen der ÖBB verwendet. Kurz: die Lupe fährt Bahn! Damit erreichen wir nicht nur Absatz in den Zügen, sondern auch vermehrtes Bewusstsein für die Bedeutung einer regionalen Lebensmittelproduktion.

Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch, obwohl sie es nicht müssten. Wo sehen Sie hier Chancen für positive Entwicklungen und eine Trendwende? Der mutmaßliche Boom zum Veganismus dürfte bereits wieder abklingen. Klar ist allerdings: Die Verbraucher sind nicht mehr dieselben wie vor 20 Jahren. Die Generation jener, die es sich früher nicht leisten konnten und nach wirtschaftlichem Aufstieg dann besonders viel Fleisch aßen, wird abgelöst durch Verbraucher, die bewusst weniger Fleisch essen und weniger auf den Preis schauen, dafür aber besondere Qualitätsanforderungen stellen. Diesen Wandel müssen wir

Die Initiative "Gut zu Wissen" will die Herkunft von Fleisch und Eiern in der Gemeinschaftsverpflegung transparent machen. Quelle: LKÖ/Gut zu Wissen

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Erstes Trimester mit karger Ausbeute Mit einem Basispreis von € 1,32 blieb das Ergebnis der ersten vier Monate deutlich unter den Erwartungen. Die vergleichbare Vorjahresperiode hatte immerhin € 1,43 zu Buche stehen. Dementsprechend ernüchternd fällt auch der Deckungsbeitrag der spezialisierten Schweinemast aus. Mit ca. € 12,wurden nur 50% des erforderlichen Deckungsbeitrages erzielt.

schlechten Absatzes nach China mit dem chinatypischen Sortiment wie Schweinshaxen, Schweinsohren, Schwänze etc.

Deutsche Branchenführer entscheiden

ASP verängstigt auch Fleischmarkt

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Der traditionell schwächste Schweinemonat Jänner war heuer zusätzlich mit einer Informationswelle zur Afrikanischen Schweinepest begleitet, der viele Fleischhändler vom üblichen Maß an Gefriereinlagerungen abhielt. Die Sorge, dass im Falle eines Ausbruches, z. B. in Deutschland, der Preis noch unter das schon tiefe Einlagerungsniveau fallen könnte und die Angst vor daraus entstehenden Verlusten war dabei das Motiv. Freundlicher gestaltete sich der Februar, wo dann doch ein spürbares Maß an Lagerbeständen aufgebaut wurde. Anfang März war es wieder vorbei mit der Euphorie, nur eine Woche konnte der bisherige Jahreshöchstpreis von € 1,45 gehalten werden, der dann binnen zwei Wochen auf € 1,35 nach unten korrigiert werden musste und zumindest bis Ende April stabil gehalten werden konnte.

Volle Märkte auch am Weltmarkt Wie immer bei unbefriedigenden Preisen stellt sich die Frage „Warum?“. Die Antwort ist letztlich einfach und unstrittig. Ist zu viel Ware am Markt, können keine vernünftigen Preise erzielt werden. Fakt ist, dass am Binnenmarkt deutlich mehr produziert wird als von Verbrauchern und Heimtieren konsumiert wird. Trotzdem liegt für 2018 die Prognose bei einem Produktionsplus von 2%. Während man bei Filet, Karree und edlen Schinkenteilen sich um die 100 % Eigenversorgung bewegt, liegt die Exportnotwendigkeit bei den weniger wertvollen Teilen des Schweines vielerorts bei deutlich über 50 %. Die Erfahrung aus den Konsequenzen des Russlandembargos hat gezeigt, welche Wertminderung für den Markt der fetten Teile des Schweines passiert, wenn der Hauptmarkt für dieses Sortiment wegbricht. Der Wertverlust pro Schwein wurde damals mit ca. € 20,- beziffert. Aktuell wird etwa von derselben Größe gesprochen, die aufgrund des zur Zeit

8 | Markt | 2 2018

Nachdem im Sommer des letzten Jahres der Nr. 1 Exporteur, die Fa. Tönnies, für den Chinaexport gesperrt wurde, ging es mit dem Schweinemarkt bergab. Damals begründete China die Sperre mit Formalfehlern. Eine andere Theorie geht davon aus, dass dies bereits die ersten Anzeichen der generellen Importrücknahme seitens Peking war. Fakt ist, dass China heute nur ca. 1/3 des Volumens von 2016 oder 2017 aus der EU importiert. Fakt ist weiter, dass das Preisniveau in China aktuell auf einem 4-Jahrestief liegt und selbst die stark reduzierten Exportmengen das „Gewinnbringende“ von früher vorerst verloren haben. Hier bleibt allerdings der Trost, dass volatile Märkte auch etwas Positives an sich haben. Nämlich: Sie gehen nicht nur runter, sondern auch wieder rauf und längerfristig betrachtet hält sich das Auf und Ab die Waage.

Auswirkungen des USA-ChinaHandelsstreites auf den Schweinemarkt? Auf den ersten Blick dürften hier europäische Schweinebauern profitieren. Andererseits muss man festhalten, dass seit Bestehen der 25 % Zollauflagen die amerikanischen Exporte um genau diesen Zollaufschlag billiger angeboten werden, sodass letztendlich der chinesische Abnehmer wenig Grund vorfindet, von amerikanischen Importen abzusehen. Betrachtet man die Konkurrenzmärkte außerhalb Chinas, die sich auch europäische Anbieter mit den Amerikanern teilen, so ist zu befürchten, dass das aktuell um bis zu € 50,- pro Schlachtkörper billigere US Angebot für massives Preisdumping sorgen wird. So gesehen bleibt abzuwarten bzw. zu befürchten, dass unter dem Strich aus diesem Handelskrieg wenig Positives für europäische Schweinebauern übrigbleibt.


Mit dem Rüssel in Brüssel Thema Tierschutz: EU fokussiert Ringelschwanz Nachdem die Kommission bei der Kastration die EU einheitliche Regelung nicht realisieren konnte und die Entscheidung darüber nun den Mitgliedsstaaten und dem Markt überlässt, wurde als neues Ziel das Verbot des Kupierens proklamiert. Grundsätzlich ist Kupieren EU-weit verboten, allerdings wird praktisch EU-weit auf Basis von Ausnahmeregelungen kupiert. Nun soll bis Ende 2019 ein Aktionsplan erarbeitet werden, der die Umsetzung des Kupierverbotes ermöglichen sollte. Als Vorbild offeriert die EU Schweden und Finnland, wo auf Basis nationaler Gesetze der Ringelschwanz vorgeschrieben ist.

COPA Arbeitsgruppe Schwein macht sich Bild vor Ort Um die tatsächlichen Gepflogenheiten im Zusammenhang mit dem Verbot des Schwanzkupierens in Finnland abzuklären, hat die Arbeitsgruppe Schwein in der COPA nun ein Meeting Anfang Juli organisiert. Dabei werden die Maßnahmen Finnlands vorgestellt sowie die Rahmenbedingungen, die von den finnischen Behörden dafür geschaffen wurden. Die jeweiligen Ländervertreter werden dabei ausführlich den finnischen Weg diskutieren. Des Weiteren ist im Rahmen des Meetings der Besuch von zwei Schweinehaltungsbetrieben auf dem Programm, die das routinemäßige Schwanzkupieren von Schweinen eingestellt haben. In der nächsten Ausgabe im VÖS-Magazin werden wir die dabei gewonnenen Erkenntnisse publizieren.

Weiters ist seit Oktober 2017 beim Kupieren der Einsatz von Schmerzmittel vorgeschrieben. Den in Österreich zuständigen Ministerien ist jedenfalls zu empfehlen, eine abwartende Position einzunehmen und keinesfalls in vorauseilendem EUGehorsam zu agieren. Denn ein Grundsatz muss auch hier gelten: Es darf zu keiner Wettbewerbsverzerrung am Binnenmarkt kommen. Sollte eines Tages ein Kupierverbot kommen, dann ausnahmslos für alle und zwar EU-weit.

Bei ASP: Runter mit der Produktion! Wie es derzeit aussieht, wird das ASPVirus in weiten Teilen Europas endemisch, d. h. bei Wildschweinen anhaltend präsent sein. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes wird vom Experten als fast unmöglich bzw. innerhalb der nächsten zehn Jahre unrealistisch eingestuft. So lange müssen wir also mit einem Ausbruch auch in den westlicheren Mitgliedsstaaten rechnen.

Die bisher betroffenen Länder sind bei Schweinfleisch allesamt unter der Eigenversorgungsschwelle, sodass das EU-Preisgefüge kaum beeinflusst wurde.

Preisdesaster droht! Völlig anders sieht es aus, wenn z. B. Deutschland, das sich in den letzten 20 Jahren auf den Drittlandexport spezialisiert hat, zurzeit bei einer Eigenversorgung von ca. 120% liegt, mit ASP konfrontiert wäre. Die sofortige, jahrelang andauernde Sperre für Asienexporte einerseits, aber die Möglichkeit des freien Warenverkehrs (ausgenommen Restriktionsgebiete) innerhalb der EU würden einen massiven Preissturz zur Folge haben. Daher bitte ich unsere politische Agrarvertretung, sofort in Brüssel zu intervenieren und Länder mit hoher Exportabhängigkeit zu drastischer Produktionsrücknahme aufzufordern.

Wettbewerbsverzerrung muss vermieden werden Österreich hat mit der novellierten Tierhalteverordnung eine praxisgerechte Vorgangsweise gewählt, d. h. klare Dokumentation der Anwendung von Beschäftigungsmaterial, des Platzangebotes sowie der auftretenden Fälle von Schwanzbeißen.

Der hohe Grad an Überversorgung einiger EU-Länder gefährdet die Preisstabilität bei ASP-Ausbruch in hohem Maße. Foto: © Marina Karkalicheva - Fotolia.com

2 2018 | Mit dem Rüssel in Brüssel | 9


©FRAUKOEPPL

Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss ©Styriabrid

Ferkelmarkt und Mengenfluss

Es sind eigentlich immer wieder die selben Sätze, die jedes Jahr im Mai beim Erstellen des Marktberichtes geschrieben werden und es ist immer wieder die gleiche Vermarktungssituation, die die Ferkelvermittlungen herausfordert. Vorweg ist festzuhalten, dass die Ferkelnotierungen sich im heurigen Jahr sehr deutlich unter jenen des Vorjahres befinden. Zwar keimte nach einem holprigen Start ins neues Jahr eine gewisse Hoffnung auf, das Niveau des Vorjahres annähernd zu erreichen, die unerwarteten Turbulenzen am Mastschweinemarkt haben diese aber in der Kalenderwoche 9 endgültig eingebremst und den Basispreis in der Folge für 10 Wochen bei 2,50€ einzementiert. Gegen Ende April begannen sich dann auch wieder altbekannte Verhältnisse mit steigendem Angebot und nachlassender Nachfrage einzustellen, wodurch die Vermarktung sich zunehmend zäher zu gestalten beginnt. Über drei Monate waren aber auch heuer wieder, allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt, die Einstallwünsche der Abnehmer nicht immer termingerecht zu erfüllen und es kam zu teils wochenlangen Rückstellungen. Leider hat dieser gestörte Mengenfluss auch Anfang Mai, eine Zeit, in der sich der Markt zu

10 | Ferkelmarkt | 2 2018

drehen beginnt, negative Auswirkungen. Viele Mastplätze sind frei und es wird einige Wochen dauern, diese wieder belegen zu können. Die zunehmend steigenden Temperaturen verringern die Fresslust der Tiere und verzögern so zusätzlich das Wachstum der Mastschweine. Außerdem ist ein Trend ist zu beobachten, dass in Zeiten geringerer Margen die Schlachtgewichte steigen. In Summe gibt es also, wie oben erwähnt, nur die altbekannten Tatsachen zu erwähnen und es bleibt die Hoffnung, dass sich der Ferkelmarkt heuer nicht wie im Jahr 2015 zu entwickeln beginnt. Die Preiskurven sind, wenn auch heuer auf höherem Niveau, beinahe deckungsgleich.

Blick über die Grenzen Von den Auslandsmärkten ist zu berichten, dass sich auf dem deutschen Markt eine rückläufige Entwicklung zeigt und nicht zuletzt die


starke Verunsicherung durch zunehmende Umweltauflagen und neue Regelungen im Bereich der Eingriffe bei den Ferkeln vielfach zum Auslassen von Entwicklungsschritten führen. Gänzlich anders stellt sich die Situation beim „Exportkaiser“ Dänemark dar, wo ein An-stieg der Schweinebestände um 4% zu verzeichnen ist. Die gute Preislage im letzten Jahr hat zu einer Ausweitung der Ferkelbestände um 6 % geführt. Die Hauptursachen dafür sind, neben einer gesteigerten Bautätigkeit, vor allem aber auch das Ausnützen von Produktionsreserven im Bereich der Tiergesundheit. Es scheint, dass sich die recht straffe Führung der dänischen Ferkelproduzenten gerade in dieser Thematik bewährt.

Fokus Tiergesundheit

und eine neue Art der mitbringt, wie Dinge anzugehen sind und Probleme gelöst werden können. Das gibt mir dann schon Hoffnung, vor allem wenn ich daran denke, wie lange ich meinem Sohn in der höheren Schulstufe bei der Bewältigung des Stoffes helfen konnte. Da war dann auch irgendeinmal Schluss, denn das Geforderte war mit dem Schulstoff in meiner Schulzeit nicht mehr zu vergleichen. Mein Sohn hat es aber trotzdem geschafft, ist an der Herausforderung gewachsen und genau dieses Beispiel gibt mir Mut, dass auch die nächste Generation ihre Wege in der Landwirtschaft finden wird. Zwar kann das dann oft etwas anders von statten gehen als wir es glauben, mit ein bisschen Vertrauen und der Unterstützung, zu der wir Älteren verpflichtet sind, wird es aber trotzdem weitergehen.

Was Länder wie Dänemark aufzeigen, lässt auch für die heimische Produktion wertvolle Rückschlüsse zu. Es gibt sehr viele Hindernissen (Baurecht etc.), über die österreichische Schweinebauern springen müssen, um sich vernünftig entwickeln zu können. Gerade in der Tiergesundheit liegen viele Reserven, die noch angezapft werden können. Vernünftig zu entwickelnde Datenbanken mit einem erkennbaren Nutzen für den Einzelbetrieb können wertvolle Hinweise für die Verbesserung der Betriebsleistung liefern.

Zuversicht in die Jugend Wenn man schon lange für die Branche tätig ist, könnte man mit den Jahren glauben, dass vieles an Herausforderungen für die nächste Generation kaum zu schaffen ist. Von einer anderen Seite aus betrachtet sehe ich aber auch eine junge Generation heranwachsen, die anders ausgebildet ist Die Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2015 bis 2018. Quelle: Bäck

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Sorge wegen ASP: Biosicherheitsmaßnahmen rasch umsetzen Die rasch voranschreitende Afrikanische Schweinepest macht die Umsetzung der Vorgaben in der Schweinegesundheitsverordnung zum Gebot der Stunde.

Aktueller Überblick

DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Im Jänner 2014 kam es zu den ersten ASP Ausbrüchen im Baltikum und im Nord-Osten Polens. Insgesamt sind seit diesem Zeitpunkt in dieser Region mehr als 5.500 Fälle aufgetreten. Alleine 2017 waren es 1.300 nachgewiesene Fälle. Mit dem Ausbruch in Tschechien Mitte 2017 ist ein großer Sprung in Richtung Österreich erfolgt. Die Ausbruchsregion ist nur rund 100 km von der österreichischen Grenze entfernt. Die nunmehrigen positiven ASP Fälle in Ungarn zeigen einmal mehr deutlich auf, dass diese Seuche im Wildschweinebestand nicht zum Erliegen kommt. Der Fundort eines infizierten toten Wildschweines liegt mit einer Entfernung von etwas mehr als 200 km ebenfalls relativ nah zu Österreich. Wegen dieser räumlichen Nähe zu uns und der defacto unmöglichen Bekämpfung in den Wildschweinebeständen, muss eine Einschleppung in die heimischen Hausschweinebestände unbedingt verhindert werden. Dies wird nur mit einer konsequenten Umsetzung geeigneter Biosicherheitsmaßnahmen auf allen schweinehaltenden Betrieben in Österreich gelingen. Die in der Schweinegesundheitsverordnung vorgeschriebenen Maßnahmen zum Schutz der Hausschweinebestände vor dem Eintrag von Seuchen und Krankheiten sind also rasch umzusetzen.

Appell an alle Schweinehalter Unterziehen Sie Ihre betrieblichen Biosicherheitsmaßnahmen einer kritischen Prüfung. Nehmen Sie sich bitte Zeit, kritische Bereiche ganz bewusst durchzudenken. Beziehen Sie in diese Überlegungen alle betriebsangehörigen Personen, aber auch alle betriebsfremden Per-

12 | Afrikanische Schweinepest | 2 2018

sonen, die sich regelmäßig auf Ihrem Betrieb aufhalten, mit ein. Stellen Sie sich die Frage, ob Ihre Tiere bestmöglich geschützt sind, wenn morgen ein positiver Wildschweinefall in Ihrer Nähe auftritt. Stellen Sie sich aber bitte auch die Frage, ob Sie ganz persönlich mit Ihren Familienangehörigen für den Ernstfall gerüstet und vorbereitet sind. Sind Sie vor allem in der Lage, alle relevanten notwendigen Biosicherheitsmaßnahmen für Ihren Betrieb ohne Zeitverzug zu aktivieren und hochzufahren? Versuchen Sie die folgenden Fragen für sich zu beantworten: • Wie gelangen Sie in den Stall- und Tierbereich? • Welchen Weg nehmen betriebsfremde Personen in die Stallungen? • Wo und wie ist die Arbeitsbekleidung für Sie und betriebsfremde Personen aufbewahrt? • Gibt es passende Eichrichtungen zum Waschen? • Haben Sie schon eine funktionstüchtige Hygieneschleuse eingerichtet? • Gibt es die Möglichkeit zur Reinigung des Schuhwerks? • Stehen Desinfektionswannen zur Verfügung? • Haben Sie sich schon überlegt, wo Sie am Betriebsgelände Ihre Fahrzeuge waschen und desinfizieren können? • Sind Sie mit Ihrer Ent- oder Verladesituation von Tieren in die/oder aus den Stallungen zufrieden?


• Ist ein Zurücklaufen eigener oder fremder Tiere in den Stall über diese Verladeeinrichtungen konsequent zu verhindern? • Lassen sich diese Einrichtungen professionell reinigen und desinfizieren? • Stehen professionell geführte Quarantänestallungen zu Verfügung? • Lassen sich damit zugekaufte Tiere sowohl in der Haltung, als auch in der Betreuung konsequent vom übrigen Bestand trennen? • Haben Sie für eine geeignete Kadaverlagerung vorgesorgt? • Befindet sich diese an einer Stelle, an der das Queren von kritischen Hofbereichen durch das TKV-Fahrzeug vermieden werden kann? • Wie ist es um den konsequenten Schutz vor Schadnagern bestellt?

Biosicherheit spielt in der Seuchenabwicklung eine zentrale Rolle Bereits beim ersten Auftreten von ASP im Wildschweinbestand werden umfassende und großräumige Handelsrestriktionen in den betroffenen Gebieten in Kraft treten. Der Tierverkehr wird, wenn überhaupt für lange Zeit, nur mehr unter ganz bestimmten einzelbetrieblichen Voraussetzungen möglich sein. Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass am Betrieb die Bestimmungen der Schweinegesundheitsverordnung erfüllt sind, die von einer amtlich zuständigen Person begutachtet werden. Sind diese Vorgaben nicht oder nur halbherzig umgesetzt, wird im Ernstfall eine Tierverbringung aus diesem Betrieb deutlich erschwert oder überhaupt unmöglich. Auf rechtlich vorgesehene Übergangsbestimmungen für zahlreiche bauliche Maßnahmen in der SchwG-VO, wird dabei keine Rücksicht genommen.

• Dokumentieren Sie die Schadnagerbekämpfung? • Haben Sie schon Hinweisschilder angebracht, die das Verbot des Betretens von Stallungen durch unbefugte Personen beschreibt? • Sind Ihre Ausläufe für Schweine wildschweinsicher?

Im Sinne eines bestmöglichen Schutzes der heimischen Schweinebestände und der Gewährleistung eines Mindestmaßes an Vermarktungsmöglichkeiten bei Ausbruch der ASP wird unsererseits eine zeitnahe und vollständige Umsetzung aller Richtlinien empfohlen.

Empfehlungen zum Nachlesen Broschüre „Biosicherheit Schwein“ Diese Informationsbroschüre finden Sie auf der Homepage der LK Österreich: www.lko.at - LK Österreich > Tiere > Schweine

Aktuelle Informationen zur Afrikanischen Schweinepest Auf der Kommunikationsplattform des Sozialministeriums finden Sie die aktuellsten Informationen zur ASP. www.kvg.gv.at

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©FRAUKOEPPL

1 l i e T

Biosicherheit im Schweinestall! Biosicherheit ist ein Schlagwort, das in diesen Tagen, wo Fälle von afrikanischer Schweinepest in zwei Nachbarstaaten Österreichs auftraten, in aller Munde ist. Aber was ist wirklich mit Biosicherheit gemeint und wie kann ein Landwirt den Begriff mit Leben erfüllen und seinen Betrieb vor einem Erregereintrag schützen? Was ist Biosicherheit? Biosicherheit ist ein sehr umfassender Begriff: Zu Biosicherheit wird jede Maßnahme gezählt, die die Tiere eines Bestandes vor neuen Erkrankungen, ausgelöst durch krankmachende Erreger, wie bestimmte Viren, Bakterien und Parasiten, schützen soll. Dabei wird zwischen äußerer und innerer Biosicherheit unterschieden. Die äußere Biosicherheit umfasst Maßnahmen, die den Eintrag von Erregern in den Bestand verhindern sollen. Die innere Biosicherheit zielt auf die Vermeidung der Erregerverschleppung im Betrieb. Vor allem die äußere Biosicherheit soll nun näher erläutert werden. Wichtige Bereiche, die dabei Beachtung finden sollten, sind:

Tierzukauf Wenn neue Tiere zugekauft werden, soll dies gut geplant sein. Je nach Tierkategorie, ob Ferkel für die Mast oder Jungsauen zur Remontierung, sind unterschiedliche Schritte zu setzen. Jedoch ist allgemein gültig, dass jede Tieranlieferung ein Risiko für die Erregereinschleppung darstellt, und dieses gilt es zu minimieren.

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Beim Jungsauenzukauf ist entscheidend, dass der Gesundheitsstatus des Zuchtbetriebes bekannt ist und am besten PRRS und Rhinitis unverdächtige Tiere gekauft werden. Für diese beiden Erkrankungen gibt es in Österreich ein Monitoringprogramm. Der Tiergesundheitsdienst stellt entsprechende Zertifikate für Betriebe aus, die regelmäßig Tiere untersuchen lassen und negative Ergebnisse liefern. Als Käufer sollte man sich jedenfalls ein Zertifikat vorlegen lassen. Bei Masttieren sind oft keine Informationen zum Gesundheitsstatus vorhanden. Jedoch kann das Risiko eines neuen Erregereintrages minimiert werden, indem Ferkel immer vom selben Betrieb bezogen werden. Eine Direktbeziehung zwischen Züchter und Mäster ist allerdings aufgrund der Betriebsstruktur in Österreich nicht für alle Mastbetriebe möglich. Wenn Mastpartien aus mehreren Ferkelherkünften zusammengestellt werden, muss in weiterer Folge besonders die innere Biosicherheit beachtet werden, um eine Erregerverschleppung zu minimieren. Die Anlieferung der Tiere sollte möglichst über eine Entladerampe erfolgen, die so gelegen ist, dass das Transportfahrzeug nicht in das Hofzentrum einfahren muss.

Jungsauen werden direkt in einen leeren Isolierstall verbracht, wo die Tiere mindestens 3, besser 6 Wochen Zeit zur Isolierung und Vorbereitung auf den neuen Bestand haben. Der Isolierstall muss getrennt bewirtschaftet werden (eigene Kleidung, eigenes Schuhwerk, eigene Geräte, eigener Gülle- und Luftraum). Die Zeit vor der Eingliederung in den Bestand soll unbedingt genützt werden, um diagnostische Untersuchungen, wie z.B. auf PRRSV, sowie Impf- und Entwurmungsmaßnahmen durchzuführen. Genauso wichtig ist der Aufbau einer betriebsangepassten Immunität durch kontrollierte Kontaktaufnahme mit der Keimflora des Bestandes. Dies kann durch Anbieten von Kontaktmaterial, wie z.B. geringe Mengen Kot aus dem Abferkelbereich, oder durch geeignete Kontakttiere erreicht werden. Die Jungsauen an das Keimspektrum des Bestandes heranzuführen ist für die Ausbildung einer stabilen Bestandsimmunität sehr wichtig und hilft auch den Ferkeln der Jungsauen durch eine bestens angepasste Kolostralmilch. Weitere detaillierte Informationen zum Thema Jungsaueneingliederung finden Sie in der Broschüre „Professionelle Jungsauen- und Ebereingliederung“ auf www.ooe-tgd.at.


Auch für neu zugekaufte Mastläufer sollte zumindest ein eigenes Stallabteil vorhanden sein, sodass sie keinen Kontakt zu anderen Tieren des Bestandes haben. Die Betreuung der neu eingestallten Schweine erfolgt ebenfalls am besten mit eigenem Schuhwerk, eigenen Gerätschaften und immer vor den älteren Tieren. Durch diese Maßnahmen kann die Erregerübertragung innerhalb des Bestandes reduziert werden. Nach der Tieranlieferung erfolgt die Reinigung und Desinfektion des Transportfahrzeuges (Waschplatz außerhalb des Hofzentrums), der Entladerampe und der Treibwege.

Personenverkehr Ein zweiter, sehr entscheidender Punkt im Rahmen der äußeren Biosicherheit ist die Lenkung und Einschränkung des Personenverkehrs. Generell gilt, dass der Personenverkehr auf das nötige Mindestmaß beschränkt werden soll und dies durch Anbringen von Hinweistafeln auch klar ersichtlich sein muss. Personen dürfen nur über eine Hygieneschleuse den Stall betreten. Dort müssen immer betriebseigene Kleidung und Schuhwerk oder Einmaloveralls und Überziehstiefel bereitgestellt werden. Eine Hygieneschleuse verdient diese Bezeichnung nur, wenn es in diesem Raum hygienisch und sauber aussieht und

eine gewisse Mindestausstattung vorhanden ist. Diese umfasst ein Handwaschbecken, einen Wasseranschluss mit Abfluss und eine Vorrichtung zur getrennten Aufbewahrung von Straßen- und Stallkleidung. Eine Möglichkeit zum Stiefelwaschen muss in Stallnähe vorhanden sein. Optimal ist eine Barriere, wie z.B. eine Bank, oder zumindest eine optische Trennung zwischen Stall- (Weiß-) und Straßenkleidungsbereich (Schwarzbereich). Oft wird daran gedacht betriebsfremden Personen stalleigene Schutzkleidung anzubieten, der Tierbetreuer aber wechselt die Kleidung und das Schuhwerk vor Betreten des Stalles nicht. Das Bewusstsein, dass jeder von außen Erreger eintragen kann, sei es ein Fremder oder ein Betriebsangehöriger, muss noch geschärft werden. Daher: Umkleiden und Hände waschen vor Betreten des Stalles muss zur Routine werden!

Schweinegesundheitsverordnung Biosicherheit liegt mittlerweile nicht mehr nur im Ermessen des einzelnen Landwirtes, sondern es gibt eine gesetzliche Grundlage, die bestimmte Bereiche detailliert regelt. Die Schweinegesundheitsverordnung ist seit 1.1.2017 in Kraft und gilt grundsätzlich für alle schweinehaltenden Betriebe. Die Anforderungen sind allerdings etwas abgestuft je nach Größe des

Planungsbeispiel für eine Hygieneschleuse mit Trennung von Schwarz/ WeißBereich. Quelle: BSP Wels, LK OÖ

Betriebes und Art der Haltung. Um die Maßnahmen verständlich zu machen, erfolgte bereits im letzten Jahr eine Schwerpunktsetzung auf Biosicherheit seitens des Tiergesundheitsdienstes und der landwirtschaftlichen Vertretung. Dazu wurden und werden viele Schulungsmaßnahmen durchgeführt, eine LFIBroschüre gestaltet und ein Webinar zusammengestellt, das auch von zu Hause aus angesehen werden kann.

Prüfen Sie selbst! Der Tiergesundheitsdienst hat eine Checkliste entwickelt, die dabei helfen soll, dieses wichtige Thema gemeinsam mit dem Betreuungstierarzt zu besprechen. Die Checkliste ist so gestaltet, dass der Betriebsleiter und der Tierarzt getrennt das Risiko eines Erregereintrages in den unterschiedlichen Bereichen beurteilen. So werden eventuell unterschiedliche Ansichten dokumentiert und geben dann verstärkt Anlass zur Diskussion und Beschäftigung mit dem Thema. Im zweiten Teil des Artikels im nächsten VÖS Magazin wird die hygienische Versorgung und Entsorgung z.B. mit Futtermitteln, die Gülle- und Kadaverlagerung und die Auslauf- und Freilandhaltung betrachtet. Dr. Barbara Leeb Tiergesundheitsdienst Oberösterreich

Jeder kann von außen Erreger eintragen, sowohl betriebsfremde Personen als auch Betriebsangehörige. Umkleiden und Hände waschen sollte daher zur Routine werden. Quelle: Fraukoeppl 2 2018 | Biosicherheit | 15


Befunddaten von Schweinen interpretieren Gemäß Fleischuntersuchungsverordnung werden die Veränderungen am Schlachtkörper und der inneren Organe bei der Fleischbeschau dokumentiert (= Befund der Schlachttier- und Fleischuntersuchung = SFU Befunde). Was sagen gewisse Befunde und dazugehörige Codes aus?

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Seit über einem Jahr werden die Befunddaten der gelieferten Mastschweine in der ÖFK Datenbank den einsenden Betrieben zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus hat die VLV Schweinebörse, dank einer Zustimmungserklärung der Landwirte, die Möglichkeit, diese Daten überbetrieblich auszuwerten. Mit diesen Auswertungen haben VLV Börsenlieferanten die Möglichkeit, die einzelnen Verkaufspartien untereinander zu vergleichen. Franz Strasser ABL, Fachberater für Schweinemast, hat sich die Befunddaten von den Arbeitskreisbetrieben angesehen und erklärt, wie diese zu verstehen sind.

Fleischuntersuchung Der Ablauf der Fleischuntersuchung ist gesetzlich genau geregelt. Folgende Teile/Organe müssen von einem amtlichen Fleischuntersuchungstierarzt besichtigt werden: Kopf, Rachen, Maul, Schlund, Zunge, Lunge, Luft und Speiseröhre, Herz und Herzbeutel, Zwerchfell, Leber, Lymphknoten an der Leberpforte, Bauchspeicheldrüse, Magen, Darm und deren Lymphknoten, Milz, Niere Brust- und Bauchfell, Genitalien, Gesäuge und deren Lymphknoten.

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Lungenentzündung/Pneumonie E167 Dieser Befund wird vergeben, wenn an den Spitzenlappen oder am Lungenkörper das normale, hellrosa gefärbte Lungengewebe farblich verändert ist: dunkler, schwärzlich gefärbt oder rötlich. Es erscheint verdickt und fleischig und es können auch Abszesse am Lungenkörper bzw. Bronchien vorliegen. Ursache: Atemwegserkrankungen basierend auf Infektionen mit Bakterien, Viren. Pleuritis/Brustfellenzündung E169 Eine gesunde Pleura (Brustfell) ist hell, transparent und leicht befeuchtet. Bei einer Pleuritis ist die Oberfläche der Lunge rau und verändert. Oft sind Teile der Lunge abgelöst und haften wie z.B. bei Verwachsungen noch am Brustfell. Mögliche Ursache: Atemwegserkrankungen Perikarditis E168 Unter diesem Befund werden unterschiedliche Entzündungsformen an Herz und Herzbeutel zusammengefasst. Mögliche Ursache: Folge von schweren Atemwegserkrankungen. Verwachsungen und Verklebungen des gesamten Geschlinges E 169gs Das Geschlinge ist miteinander verwachsen. Mögliche Ursache: Folge von schweren Atemwegserkrankungen. Milk Spots E085 Dieser Befund wird vergeben, wenn abgegrenzte, verlaufende weiße Flecken auf der Leber mit freiem Auge sichtbar sind. Ursache: Spulwurmbefall. Hepatitis/Leberentzündungen/ Perihepatitis E166 Unter diesem Befund wird die entzündliche Veränderung der Leber bezeichnet. Z.B. raue, fibrinöse Veränderung der Leberoberfläche, weißlich mit Eiter gefüllte Abszesse.

Mögliche Ursache: Bakterientoxine, Mykotoxine Vereinzelt Arthritis/Gelenksentzündung E061 Darunter werden entzündliche Gelenkserkrankungen, sichtbar durch geschwollene Gelenke in der Schulter, Ellbogen, Hüft- und Kniegelenk, verstanden. Mögliche Ursachen: eingedrungene Bakterien in Folge von Verletzungen durch Rangkämpfe oder durch Aufstallungsteile. Vereinzelte Abszesse E164 Ein Abszess ist eine rundliche Veränderung auf verschiedenen Körperteilen, aus der beim Aufschneiden Eiter herauskommt. Dieser Befund wird vergeben, wenn ein einzelner Abszess vorhanden ist und das betroffene Körperteil weggeschnitten werden kann. Mögliche Ursachen: Verletzungen jeglicher Art, durch die Erreger eindringen können, z.B. durch Schwanzbeißen. Schlachttechnisch bedingte Veränderungen: E190, E191 Diese Befunde beinhalten jegliche Veränderungen des Schlachtkörpers durch die Schlachtmethode, z.B. schlechtes Stechen. Darunter wird Blutaspiration, Brühlunge und Fremdinhalt in der Lunge verstanden. Für die allfällige Ermittlung der Ursachen für Krankheiten am Betrieb den Betreuungstierarzt einbinden.

Veterinärinformationen am Inspektionsbericht der ÖFK Am Wiegeprotokoll sind die Befunddaten im letzten Absatz unter „Veterinärinformationen“ abgedruckt. Bei der Durchsicht bekommt der Landwirt einen Überblick über die Befunde. Ein noch besseres Bild erhält man, wenn die wichtigsten Kriterien im Vergleich zu den Auswertungen im Gesamt VLV dargestellt werden.


Tabelle 1: Die Befunddaten der gelieferten Mastschweine sind in der ÖFK Datenbank verfügbar und über Login auf www.oefk.at abrufbar. Quelle: Strasser In Tabelle 1 und Grafik 1 wird deutlich, dass diese Partie mit 19% Lungenveränderung dem VLV Durchschnitt entspricht. Im Gegensatz dazu ist der Anteil an Lebern mit Milk Spots bei 71%. Dies deutet auf einen massiven Spulwurmbefall hin. Werden einzelne Vermarktungspartien eines Landwirtes nach den Liefermonaten aufgelistet, dann sieht man die Schwankungen des Milk Spot Anteils je nach Lieferpartie zwischen 40% und 65% und beweist damit die Richtigkeit der Befunde. (Siehe Grafik 2). Bei den Lungenveränderungen ist das Bild ähnlich.

Grafik 1: Die Befunde der Partie werden mit dem Durchschnitt der VLV-Betriebe verglichen. Quelle: Strasser

Tierärztliche Beratung Diese Informationen sind die Grundlage für die Kontaktaufnahme mit dem Betreuungstierarzt. Mit ihm sind entsprechende Bekämpfungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Werden Maßnahmen gesetzt, so kommt es z.B. durch eine konsequente Entwurmung bei einem Problem mit Spulwurmbefall erfahrungsgemäß nach einigen Monaten zu einer Verbesserung der Werte.

Fazit Die am Klassifizierungsprotokoll mitgelieferten Befunddaten geben Hinweise auf die Lungen- und Leberveränderungen der gelieferten Schweine. Es macht Sinn, diese Daten laufend zu beobachten und auszuwerten. Ein Vergleichsmaßstab, so wie es die VLV Schweinebörse mit ihren Auswertungen liefert, ist eine wertvolle Hilfe. Es liegt am Mäster selber, wie er damit umgeht und was er damit macht. Ein Gespräch mit einem Fachberater und mit dem Betreuungstierarzt anlässlich der TGD Visite lohnt sich aber immer.

Grafik 2: Der Vergleich der Lungen- und Leberbefunde im Zeitverlauf und mit anderen Betrieben kann hilfreich sein. Quelle: Strasser

Hinweis EIP-PROJEKT Hinweis in eigener Sache: Der VÖS führt ein Projekt im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) durch (wir informierten im VÖS Magazin 04/2017). Im Rahmen des Projektes wird auch eine Broschüre mit Erläuterungen zu ausgewählten Befunden der Schlachttier- und

Fleischuntersuchung (SFU-Befunde) erstellt. Diese wird demnächst fertiggestellt und für die heimischen Mastbetriebe verfügbar sein. Das EIP Projekt wird mit finanzieller Unterstützung von Bund, Ländern und Europäischer Union durchgeführt.

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Internationaler Club der Fleischsommeliers gegründet AMA-Fleischkenner Ausbildungen in landwirtschaftlichen Fachschulen

Seit 2012 absolvierten ca. 400 Interessierte die Ausbildung zum Fleischsommelier. Heuer waren es knapp 30 Kandidaten. Foto: AMA Im Südtiroler Patschins haben sich im April fast dreißig Diplom-Fleisch-Sommeliers aus A/D/I/CH/LIE getroffen um offiziell den ICDF „Internationalen Club der DiplomFleisch-Sommeliers“ zu gründen. Die Teilnehmer verstehen sich als „Botschafter für Fleisch“ im positiven Sinn und möchten ihr Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Das erklärte Ziel dieser kollegialen neuen Gemeinschaft ist neben jährlichen Treffs eine grenzüberschreitende, branchenspezifische Weiterbildung und

der Kontakt mit Medien und Letztverbrauchern. Seit Beginn des Ausbildungsprogrammes 2011 haben bereits rund 400 Interessierte die Ausbildung und Prüfung in Wien, Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck und Hohenems, absolviert. Erfreulich ist, dass sich so viele internationale Fleischexperten mit an diesem Erfolgsprojekt beteiligen, da diese Ausbildung in dieser Dimension sonst nirgends in Europa angeboten wird.

AMA unterstützt Fleisch-Exporteure Um die Wertschöpfung zu verbessern, verstärken Österreichs Export-Unternehmen ihre Aktivitäten auf neuen, interessanten Märkten wie Japan, Südkorea, Taiwan oder China. Die AMA unterstützt die Exporteure mit einem Katalog mit allen relevanten Artikeln von diversen Fleischteilstück-Zuschnitten bis hin zu Nebenprodukten - in neun Sprachen. Die Sammlung an Exportartikeln wurde auch auf einer Internet-Plattform (meat-cuts.at) sowie als USB-Card realisiert. Den ersten Verwendungsanlass gab es bereits auf der im März in Tokio stattgefundenen Fachmesse “Foodex“.

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Der Diplom-Fleischsommelier ist die höchste Stufe der Ausbildung in diesem Bereich. Eine Stufe darunter ist der Fleisch- und Fleischwarenkenner angesiedelt. Diese Ausbildungsprogramme sollen die Kompetenz und Kultur im Verkauf und in der Beratung steigern. Bereits im Vorjahr haben einige LEH-Organisationen wie z.B. die Spar Akademie das AMA-Dienstleistungspaket in Anspruch genommen, um ihre Mitarbeiter auszubilden. Nun erfolgte der nächste Schritt. Durch Lehrkräfte, die Diplom-Fleischsommelier sind, wurden erstmals am Bildungshof Gießhübl bei Amstetten interessierte Schüler zum Fleischkenner ausgebildet. Dieser erfolgreiche Pilotversuch bestätigt den Verantwortlichen, dass dieses Konzept einen weiteren bedeutenden Mosaikstein darstellt, um die Wertschätzung in Fleisch zu erhöhen.

Neue Teilstücke-Poster Die beliebten Teilstückeposter für sämtliche Tierarten wurden überarbeitet und neu aufgelegt. Somit stehen Poster und Katalog wieder für den Unterricht, für Beratungs- und Verkaufseinsätze zur Verfügung.


Zusammenarbeit mit Fernsehsendern Die Kooperationen der vergangenen Jahre mit den ORF-Landesstudios Steiermark, Kärnten und Vorarlberg werden fortgesetzt. So zeigen die TV-Formate „Steiermark heute“ und „Kärnten heute“ auf Initiative der AMA regelmäßig Beiträge, um den Zusehern eine Vorstellung über eine zeitgemäße Landwirtschaft zu verschaffen. Die mehrteilige Serie informierte über die Leistungen und Herausforderungen der Bauern und gab Konsumententipps zu

Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln. Dreißig Beiträge in der Steiermark, zwanzig in Kärnten und vier Beiträge in Vorarlberg trugen dazu bei, den Informationsgrad über die Leistungen und Verantwortung der Landwirte und der Beund Verarbeitung in den Köpfen der Konsumenten zu verankern.

Auch die langjährige Zusammenarbeit mit dem ORF-Format „Land und Leute“ wurde in Form von Patronanzen prolongiert. Zudem erfolgte die Produktion und Ausstrahlung von zahlreichen Informationsbeiträgen in Privat-TV-Sendern.

AMA-Gütesiegel-Kampagne „Unsere Sorgfalt. Unser Siegel“ Die im Herbst 2015 begonnene, produktübergreifende AMAGütesiegel-Kampagne wurde im heurigen Frühjahr fortgesetzt. Die drei eingesetzten TV-Spots machten emotional und reichweitenstark auf die Themen Herkunft, Fleisch und Milch aufmerksam. Die Kampagne lief in zwei Ausstrahlungswellen von 26. Februar bis 18. März und von 2. bis 22. April 2018. Mit 830 Ausstrahlungen wurden 78 Prozent der haushaltsführenden Personen jeweils 6,5 Mal erreicht.

Neue GrillclubWebsite ist online

Da die bisherige Homepage nicht mehr den nötigen technischen Anforderungen entsprach, wurde eine komplett neue Serviceseite realisiert. Somit können alle Grillinteressierten auf alle Infos zugreifen.

Nach Pfingsten erscheint die neueste Ausgabe des Magazins „Grillzeit“, die allen AMA-Grillclubmitgliedern frei Haus zugestellt wird und zudem im ausgewählten Lebensmittelhandel und bei Fleischern zur freien Entnahme aufliegt.

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© agrarfoto.com

Regionale Herkunft und Tierwohl im Kaufentscheid von Schweinefleisch in Deutschland, Österreich und der Schweiz Die regionale Herkunft von Lebensmitteln spielt eine immer wichtigere Rolle im Kaufentscheid. Auch beim Kauf von Schweinefleisch achten Verbraucher auf eine regionale Herkunft und außerdem auf eine artgerechte Haltung. Dies zeigen Ergebnisse einer länderübergreifenden Verbraucherstudie der Universität Hohenheim mit 113 Personen in Deutschland, 66 TeilnehmerInnen in Österreich und 63 Befragten in der Schweiz. Seit einigen Jahren spielt die regionale Herkunft von Lebensmitteln für Konsumenten in Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH) eine immer größere Rolle. Vor allem in Österreich nehmen Verbraucher eine Vorreiterrolle ein: rund 80% kaufen wöchentlich regionale Lebensmittel ein und damit fast doppelt so viele

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als in den beiden Nachbarländern. Besonders wichtig ist die Nähe zum Erzeuger bei Frischeprodukten, wie bei Eiern, Obst, Gemüse sowie Fleischprodukten. Dies zeigten bereits mehrere Studien. Woher ein Lebensmittel stammt, können Verbraucher in der Regel nicht schmecken oder riechen. Orientierung bei der Auswahl regionaler Lebensmittel sollen daher Qualitäts- und Herkunftssiegel geben. In den DACH-Staaten gibt es insgesamt 19 staatliche und private Zeichen, die ausdrücklich Standards für regional erzeugtes Schweinefleisch setzen und mit einem Label darüber Auskunft geben. Daneben sind viele weitere Labels entstanden, die generell eine regionale Herkunft von Lebensmitteln ausloben.


Diese Fülle an Herkunftszeichen mit meist unterschiedlichen Definitionen einer Region ist nicht unproblematisch. Verbraucher sind überfordert oder irritiert. Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass sich nur 20 Prozent der Verbraucher in den DACH-Staaten gut und verlässlich über die Herkunft von Lebensmitteln informiert fühlen.

Forderung nach artgerechter Tierhaltung Auch die zunehmende Kritik an der Art der Tierhaltung spielt eine immer größere Rolle im Kaufverhalten der Verbraucher in den drei Ländern. Vor allem die Geflügelund Schweinehaltung stehen in der Kritik, so das Ergebnis der Befragung. In Deutschland (82%) und Österreich (78%) fordert ein Großteil der Bevölkerung Verbesserungen der aktuellen Tierhaltungsbedingungen. In der Schweiz hingegen stufen viele (58%) die Nutztierhaltung im eigenen Land als tierfreundlich ein. Über 70% der Schweizer achten beim Einkauf bereits auf eine tiergerechte Haltung. Mit dem derzeit verfügbaren Angebot an tiergerechten Produkten im Handel sind fast die Hälfte der Österreicher, aber nur ein Viertel der Deutschen zufrieden. Wie die Kritik, ist auch die Art der Schweinehaltung in den drei Ländern zum Teil sehr unterschiedlich. Hierzu ein paar Zahlen: •

In der Schweiz werden tierfreundliche Haltungsformen mit ganzjährigem Auslauf bzw. tierfreundliche Stallungssysteme über Direktzahlungen staatlich gefördert. Hier erhalten 62% der Mastschweine Zugang zum Auslauf, in

Deutschland 5% bis 10% und in Österreich weniger als 5% der Tiere. Auch beim Platzangebot und der schmerzfreien Kastration sind die Schweizer Tierschutzstandards strenger als die EU-Vorgaben. Die österreichischen Tierschutzstandards befinden sich auf einem ähnlich hohen Niveau wie in der Schweiz. Deutschland hingegen geht nur in wenigen Fällen über die EU-Vorgaben hinaus. •

Der Anteil an Schweinen, die nach ökologischen Richtlinien gehalten werden, ist in Österreich zwar am höchsten. Gesamt gesehen ist dieser Anteil jedoch in allen drei Ländern sehr gering: In Deutschland 0,7%, in Österreich 2,3%, in der Schweiz 2,0%.

Die Art der Schweinehaltung in Österreich und der Schweiz ist insgesamt eher bäuerlich geprägt. Der durchschnittliche Bestand je Betrieb liegt in der Schweiz bei 160 Schweinen, in Österreich bei 115. In Deutschland sind die Betriebe deutlich größer. Im Schnitt werden 300 Schweine je Betrieb gezählt. Dabei muss nach Regionen unterschieden werden: Die Schweinehaltung in Süddeutschland ist ebenfalls kleinräumig und bäuerlich geprägt. In den Regionen WeserEms und Münsterland, im Norden Deutschlands, hingegen liegt der Durchschnitt bei 600 Schweinen je Betrieb. In Deutschland wurden im Jahr 2017 insgesamt 27,6 Mio. Schweine gehalten, deutlich mehr als in Österreich und der Schweiz mit 2,8 Mio. bzw. 1,4 Mio. Tieren.

Abbildung 1: Entscheidungskriterien beim Kauf von Schweinefleisch. Quelle: Eigene Erhebung

Ländervergleichende Studie zu den Kaufkriterien von Schweinefleisch

Welche Bedeutung eine regionale Herkunft beim Kaufentscheid für Schweinefleisch nun hat und wie bekannt diese 19 ausgewählten Labels sind, wurden Verbraucher in Deutschland, Österreich und der Schweiz in einer länderübergreifenden Studie der Universität Hohenheim im Jahr 2015 gefragt. Betrachtet wurde hier ebenfalls, ob Verbraucher regionale Herkunft und artgerechte Tierhaltung im Kaufentscheid verbinden. Ein möglicher direkter Zusammenhang zwischen den Attributen Regionalität und Tierwohl aus Verbrauchersicht wurde bislang selten untersucht. Häufiger wird von Verbrauchern – und in Studien erfasst – Tierwohl mit einer ökologischen Erzeugung und den dort festgeschriebenen Tierschutzstandards verbunden. Insgesamt spielen regionale Lebensmittel für die befragten österreichischen Konsumenten die größte Rolle: 39,4% der Befragten geben an, dass ihnen regionale Produkte sehr wichtig sind. In Deutschland (27,4%) und der Schweiz (22,2%) sind weniger Befragte dieser Meinung. Vor allem bei Obst und Gemüse (D: 80,5%; A: 86,4%; CH: 81,0%), außerdem bei Fleischund Wurstwaren (D: 71,7%; A: 86,4%; CH: 77,8%) ist die Herkunft besonders wichtig. Viele Befragte aus Deutschland definieren dabei ein Produkt als regional, wenn es aus kleinräumigen Gebieten unter 30 km um den Wohnort oder direkt vom Wohnort stammt. Befragte aus der Schweiz hingegen fassen eine Region umfassender und setzen diese meist mit ihrem Heimatkanton gleich. Auch die befragten Österreicher stufen eine Region oft größer ein: Produkte aus Österreich oder einem Bundesland davon gelten für sie als regional. Abbildung 1 zeigt, welche Eigenschaften den Befragten beim Kauf von Schweinefleisch wichtig sind. In allen drei Ländern erzielt eine gute Qualität unter den Befragten die höchste Zustimmung, gefolgt von einer am Produkt erkennbaren Herkunft. Wichtig ist der Regionalaspekt vor allem den österreichischen Verbrauchern. Die Haltungsform ist beim Kaufentscheid ebenfalls wichtig, aber den regionalen Kriterien deutlich nachgeordnet.

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Auffällig ist dabei die geringe Relevanz bei deutschen Konsumenten (D: 61,2%; A: 78,5%; CH: 77,2%). Ob die Befragten einen Zusammenhang zwischen regionaler Herkunft und artgerechter Haltung sehen, wurde separat erfragt (Abbildung 2). Nur 28,8% der Befragten aus Deutschland erwarten bei regionalem Schweinefleisch, dass die Tiere aus einer tiergerechten Haltungsform stammen. In Österreich (49,0%) und der Schweiz (53,9%) hingegen, geht rund die Hälfte der Befragten von einem solchen Zusammenhang aus. Deutsche bringen damit eine regionale Herkunft von Schweinefleisch am wenigsten mit artgerechter Haltung in Verbindung.

regionale Produkte werden immer stärker nachgefragt, jedoch gehen die befragten deutschen Konsumenten nur selten von einem Zusammenhang der Merkmale Regionalität und Tierwohl aus, weniger als in der Schweiz oder in Österreich. Auch erzielen die untersuchten Regio-Labels für Schweinefleisch in Österreich sowie der Schweiz sehr viel höhere Bekanntheitswerte (siehe Tabelle 1). Der Unterschied zu Deutschland liegt am dort fehlenden ganzstaatlichen Konzept, ähnlich des AMA-Gütesiegels oder Suisse Garantie. Hier wird nach dem Wegfall der CMA auf Qualitäts- und Herkunftszeichen einzelner Bundesländer gesetzt.

Will man in Deutschland ein ähnliches Bewusstsein und Interesse wie in Österreich oder der Schweiz erreichen, müssen entsprechende Kampagnen durchgeführt werden. Eine Verbindung von Herkunftszeichen mit der Kennzeichnung von Tierwohl oder der Haltungsform scheint auch aus diesem Grund derzeit weniger sinnvoll - zumindest in Deutschland. Dies ist erst dann sinnvoll, wenn die Sensibilisierung der Verbraucher dafür gestärkt wurde. Zudem wird solange die Überfrachtung eines Labels mit zu vielen Eigenschaften vermieden. Dr. Beate Gebhardt Kristina Moog

Fazit Die vorliegende Verbraucherstudie der Universität Hohenheim zeigt: Eine gute Qualität steht beim Kauf von Schweinefleisch in allen betrachteten Ländern an erster Stelle. Regionalität ist dabei ein weiteres wichtiges Kriterium, das in den Kaufentscheid mit einfließt. Die Art der Tierhaltung ist dem etwas nachgeordnet. Im Ländervergleich bestehen dennoch Unterschiede: Das größte Interesse an einer regionalen Herkunft von Schweinefleisch zeigen Österreicher. Schweizer verbinden mit einer Schweizer Herkunft eine Art Gütesiegel und Qualitätsgarantie. In Deutschland steht meist der Sicherheitsaspekt im Vordergrund: Deutsche Verbraucher wollen sicher sein, dass die auf Labels angegebenen Kriterien tatsächlich zutreffen und überprüft wurden. Zwar hat die Bedeutung des Tierschutzes in der Gesellschaft zugenommen und auch

Tabelle 1: Bekanntheit ausgewählter Herkunftszeichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Quelle: Eigene Erhebung

Abbildung 2: Zusammenhang zwischen Regionalität und Tierwohl. Fragewortlaut: „Was erwarten Sie von dem Produkt Schweinefleisch, wenn es mit dem Label „Aus der Region XY“ gekennzeichnet ist?“ Statement: Nicht aus Massentierhaltung. Quelle: Eigene Erhebung.

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Generalversammlung SchweineZucht Steiermark In ihrem Vortrag zum Thema „OptiZucht – gesunde Sauen und vitale Ferkel“ hat Dr. Christina Pfeiffer auf die Wichtigkeit dieses Projektes hingewiesen. Jahrzehnte lange Zucht auf hohe Ferkelzahlen hat einige Herausforderungen mit sich gebracht. Zum einen hat sich das durchschnittliche Geburtsgewicht der Ferkel verringert und zum anderen weisen große Würfe eine hohe Streuung der Geburtsgewichte auf. Die Konsequenzen daraus sind eine reduzierte Vitalität der Saugferkel, erhöhte Saugferkelverluste, eine reduzierte Nutzungsdauer der Sau sowie vermindertes Tierwohl von Sau und Ferkel. Große Würfe erfordern zudem einen erhöhten Managementaufwand. Um ein weiteres Auseinanderklaffen zwischen Wurfgröße und Wurfqualität zu vermeiden, werden seit Juli 2017 auf 24 österreichischen Zucht- und Vermehrungsbetrieben individuelle Geburtsgewichte, das gesamte Wurfgewicht bei der Geburt, die Streuung der Geburtsgewichte und die Absetzgewichte erhoben. SZS-Obmann ÖR Blasius Gsöls konnte bei der sehr gut besuchten Generalversammlung der SchweineZucht Steiermark am Dienstag, 13. März 2018 mit Beginn um 13.30 Uhr im Gasthof Schwarz in Paurach zahlreiche Ehrengäste wie Vizepräsidentin Maria Pein von der Landwirtschaftskammer Steiermark, den Leiter der Abteilung Tierzucht Dipl.-Ing. Dr. Horst Jauschnegg, Verbandsoberrevisor Ing. Johann Hansbauer vom Raiffeisenverband Steiermark, Referentin Dr. Christina Pfeiffer von der Universität für Bodenkultur in Wien, Obmann ÖR Ing. Kurt Tauschmann von der Erzeugergemeinschaft Styriabrid, VÖS-Geschäftsführerin Maria Straßmayr, TGD-Obmann ÖR Josef Kowald, Agrarunion-Obmann ÖR Alois Hausleitner, die Leiterin der Schweinebesamung Gleisdorf Dr. Bettina Fasching, Ing. Rudolf Schmied von der SchweineBeratung Steier-

mark, Agrarunion-Obmann ÖR Alois Hausleitner, Geschäftsleiter Manfred Schiffer von der Raiffeisenbank Region Feldbach, Bezirkskammerrat Günter Glatzer und Ehrenobmann ÖR Emmerich Gsöls begrüßen. Obmann Blasius Gsöls geht in seinem Bericht auf die Aktivitäten der SchweineZucht Steiermark im Jahr 2017 näher ein. In vielen Besprechungen und Sitzungen wurden die aktuelle Situation sowie die Entwicklungen in den kommenden Jahren besprochen. Eines der Hauptthemen war die Österreich weite Zusammenarbeit der Zuchtverbände. Zu den Zuchtleistungsdaten bei der Rasse Weißes Edelschwein führt Obmann Gsöls aus, dass das obere Viertel bereits über 30 abgesetzte Ferkel pro Sau und Jahr aufweist. Er bedankte sich bei den Zuchtbetrieben für ihren großen Einsatz. Große Sorge bereitet ihm das Thema „Afrikanische Schweinepest“. 2017 gab es insgesamt 4.140 Fälle von ASP in den Ländern Polen, Tschechien, Rumänien, Ukraine, Estland, Lettland und Litauen. Im Jänner 2018 sind bereits 759 Fälle in diesen Ländern aufgetreten. Am Ende seines Berichtes hebt Obmann Gsöls die gute Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Steiermark, Schweinebesamung Gleisdorf, Schweineberatung Steiermark, Erzeugergemeinschaft Styriabrid, Tiergesundheitsdienst Steiermark und dem Raiffeisenverband Steiermark hervor. Geschäftsführer Tschiggerl berichtet über die Strukturentwicklungen. Bei den Viehzählergebnissen sind die Schweinebestände annähernd gleich geblieben, wobei er aber in der Praxis eine andere Entwicklung fest-

stellt. Zu den Verkaufszahlen stellt er fest, dass sieben Edelschweineber mehr verkauft wurden. Bei den Pietrainebern gab es einen Rückgang von 68 und bei den Jungsauen um 270 Stück. Die Leistungsdaten haben sich in der Steiermark auf hohem Niveau stabilisiert. Das neue Instrument in der Zucht, die genomische Zuchtwertschätzung, hat sich in der Steiermark bereits gut etabliert und wird im heurigen Jahr über das Projekt OptiZucht weiter ausgebaut. Zum Abschluss hob er noch die Wichtigkeit der Weiterentwicklung der österreichischen Zucht hervor, da man national und international einen immer stärker werdenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist. Dazu braucht es neue Strategien und Partner, um diese fachlichen und finanziellen Herausforderungen in der Zukunft meis-tern zu können. Für überdurchschnittliche Leistungen im Jahr 2017 wurden zehn Edelschweinund drei Pietrainzüchter ausgezeichnet. Weißes Edelschwein: Helmut Rumpf, Neudorf-Stocking Alois Telser, Paurach Ing. Anton Schlacher, Unteraichen BKR Günter Glatzer, Frösau Gabi Niederl, Ebersdorf Franz Schadl, Häusla Ing. Karl Buchgraber, Unterweißenbach ÖR Blasius Gsöls, Obergnas Ing. Peter Rothwangl, Baumkirchen Anton Prödl, Zerlach Pietrain: Raimund Tüchler, Fernitz Johannes Lukas, St. Stefan/R. ÖR Blasius Gsöls, Obergnas

Ausgezeichnete Zuchtbetriebe und Ehrengäste. Quelle: SchweineZucht Steiermark 2 2018 | Bericht | 23


Eine Zucht auf Wurfqualität ist möglich Neue Merkmale und erste Ergebnisse für die österreichischen Mutterlinien Edelschwein und Landrasse. bis zu 10% liegen kann. Hochfruchtbare Sauen weisen eine verringerte Nutzungsdauer auf, was in Folge zu erhöhten Remontierungskosten führt. Der rote Faden zieht sich bis in die Produktionsstufe, wo mit Leistungseinbußen gerechnet werden muss, da kleine Ferkel ihren großen Wurfgeschwistern ein Leben lang in der Entwicklung nachstehen. Zudem mindern große Würfe das Wohlergehen von Sau und Ferkel. Dr. Christina Pfeiffer

Genetische Zusammenhänge

Seit rund zehn Monaten werden auf 24 Zucht- und Vermehrungsbetrieben Daten für das Projekt OptiZucht gesammelt. Das Projekt OptiZucht – Gute Mutter und vitale Ferkel befasst sich mit der züchterischen Optimierung von Mütterlichkeit sowie der Wurfqualität. In Zukunft sollen robuste mütterliche Sauen mit optimalen Wurfgrößen sowie ausgeglichenen und vitalen Ferkeln gezüchtet werden. Erste Ergebnisse zeigen, dass eine züchterische Bearbeitung der Wurfqualität künftig möglich ist. Somit kann das Ziel der Einführung eines Ferkelvitalitätsindexes in die Routinezuchtwertschätzung weiterverfolgt werden.

Herausforderungen Die jahrelange Selektion auf Wurfgröße hat einige Herausforderungen mit sich gebracht. Mit zunehmender Wurfgröße sinkt nicht nur das individuelle Geburtsgewicht der Ferkel, sondern die Geburtsgewichte der Ferkel werden unausgeglichener und die Ferkel weisen eine verringerte Lebensfähigkeit auf. Dadurch können die Saugferkelverluste bei gleichbleibendem Management steigen. Es ist bereits bekannt, dass die Überlebenschance von Saugferkel, die unter 1 kg Geburtsgewicht aufweisen, nur mehr bei

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Die Ursache für die Ausprägung dieser Merkmalszusammenhänge zwischen großen Würfen und verringerter Wurfqualität hat einen nicht zu vernachlässigbaren genetischen Hintergrund. Wie bereits aus anderen Populationen bekannt ist, sind gleiche Gene an der Ausprägung von Wurfgröße und individuellen Geburtsgewichten, Streuung der Geburtsgewichte und Ferkelvitalität beteiligt. Dieser genetische Zusammenhang zwischen den Merkmalen bringt Nachteile mit sich, kann aber züchterisch positiv bearbeitet werden.

Grundlagen für Zuchtarbeit Der Grundstein für erfolgreiche Zuchtarbeit kann durch eine genaue Zuchtzieldefinition gelegt werden. In weiterer Folge werden Merkmale definiert und umfangreiche Datensätze für die Schätzung von Populationsparametern (Erblichkeiten, genetische Korrelationen) und Zuchtwerten gesammelt. Anhand von Zuchtwerten können die Tiere rangiert werden und eine gezielte Selektion mit den besten Tieren stattfinden und dadurch ein Zuchtfortschritt erzielt werden. Genau dieser Ablauf erfolgt im Projekt OptiZucht, welches vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus und dem Verband österreichischer Schweinebauern gefördert wird. Neben den mütterlichen Eigenschaften geht es vor allem um die züchterische Bearbeitung der Wurfqualität der Mutterlinien Edelschwein und Landrasse.

Wurfbewertung als Basis Ziel ist es, auf lange Sicht eine einfache Wurfbonitur durchzuführen. Dafür wurden zwei Merkmale „Wurfausgeglichenheit und Ferkelvitalität“ definiert. Diese Merkmale werden von den Züchter- bzw. VermehrerInnen innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt auf einer vierstufigen Skala beurteilt (Tabelle 1 und 2 präsentieren die Kategorien der Merkmale Wurfausgeglichenheit und Ferkelvitalität). Zudem werden alle lebend geborenen Ferkel innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt gewogen. Die Wiegung dient einerseits zur Überprüfung der Beurteilung der Wurfausgeglichenheit durch die Züchter- bzw. VermehrerIn und andererseits zur Schätzung von Erblichkeiten und genetischen Korrelationen. Aus den individuellen Geburtsgewichten können die Streuung der Geburtsgewichte, das durchschnittliche Geburtsgewicht sowie der Anteil Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht abgeleitet werden. Auch die Übereinstimmung der Beurteilung der Ferkelvitalität mit der tatsächlichen Lebensfähigkeit der Ferkel wird überprüft. Dazu wurden 460 Ferkel von 29 Geburten nach einem angepassten APGAR-Neugeborenen-Wert beurteilt. Ergebnisse zeigen, dass sich vor allem eine intakte Nabelschnur sowie die Neugeborenenpflege (z.B. Entfernen des Schleims aus dem Maul, Befreiung der Ferkel aus dem Fruchtsack) positiv auf die Ferkelvitalität auswirken. Eine leicht verringerte Ferkelvitalität kann beobachtet werden, wenn den Sauen vor bzw. während der Geburt Oxytocin verabreicht wurde. Das Geburtsmanagement hat demzufolge Auswirkungen auf die Vitalität. Die genetische Komponente der Ferkelvitalität muss erst analysiert werden.

Große Streuung bei Wurfgewichten Kurz vor dem Absetzen wird nochmals der ganze Wurf gewogen. Auf Basis vom gesamten Wurfgewicht bei der Geburt und dem Wurfabsetzgewicht kann ein


Rückschluss auf die Aufzuchtleistung der Sau gezogen werden. Es liegen bereits erste wertvolle Erkenntnisse von ca. 24.000 individuellen Geburtsgewichten und ca. 1.600 Sauen (Edelschwein, Landrasse, F1) vor. Wie aus Grafik 1 ersichtlich ist, wiegt ein Ferkel bei der Geburt im Durchschnitt 1,4 kg. Die Streubreite der Wurfgewichte beträgt 0,38 kg. Die Streuung der Wurfgewichte ist zu groß und muss künftig reduziert werden.

Kategorie Definition

Auch bei den österreichischen Daten bestätigt sich die Erfahrung anderer Populationen, dass mit zunehmender Wurfgröße die Würfe unausgeglichener werden und die Saugferkelverluste steigen. Der gleiche Trend kann für das Merkmal Ferkelvitalität beobachtet werden. Große Würfe sind weniger vital und weisen signifikant mehr Ferkelverluste auf.

Schätzung genetischer Parameter Die Erblichkeiten der Merkmale durchschnittliches Geburtsgewicht, Streuung der individuellen Geburtsgewichte, individuelles Geburtsgewichte und Anteil Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht betragen 0,33, 0,17, 0,15 und 0,09 (Erblichkeiten können Werte zwischen 0 und 1 einnehmen; 0 nicht erblich; 1 es sind zu 100% Gene an der Merkmalsausprägung beteiligt, ein Einfluss der Umwelt an der Merkmalsausprägung kann ausgeschlossen werden). Diese Zahlen sagen uns, dass genügend genetische Varianz in der Population vorhanden ist, um die Merkmale züchterisch zu bearbeiten und um Zuchtfortschritt zu erzielen. Genetische Korrelationen zwischen den Merkmalen zeigen uns, dass mit zunehmender Ferkelanzahl das durchschnittliche Geburtsgewicht sinkt, der Anteil Ferkel unter einem kg Geburtsgewicht je Wurf zunimmt und die Geburtsgewichte mehr streuen. Diese genetischen Korrelationen liegen bei rund 26 Prozent und sollten zukünftig verstärkt beachtet werden.

1

Unausgeglichener Wurf aufgrund zu kleiner und zu großer Ferkel: mindestens 2 Ferkel oder mehrere Ferkel werden als zu klein (≤1 kg) und mindestens 2 Ferkel als zu groß (≥1,8 kg) eingeschätzt.

2

Unausgeglichener Wurf aufgrund zu großer Ferkel: mindestens 2 oder mehrere Ferkel werden auf ein Gewicht von ≥1,8 kg geschätzt.

3

Unausgeglichener Wurf aufgrund zu kleiner Ferkel: mindestens 2 oder mehrere Ferkel werden auf ein Gewicht von ≤ 1,0 kg geschätzt.

4

Ausgeglichener Wurf: Alle Ferkel sind etwa gleich groß und werden auf ein Gewicht zwischen >1 kg und < 1,8 kg geschätzt. Maximal 1 Ferkel darf ≤1kg und/oder ≥ 1,8 kg aufweisen.

Tabelle 1: Definition zur Beurteilung der Wurfausgeglichenheit durch die ZüchterIn. Quelle: Pfeiffer

Kategorie Definition 1

Ferkel zeigen eine sehr geringe Vitalität (lebensschwach, träge, blass, Aktivitätsminderung, Trinkschwäche). Falls beobachtet wird: brauchen lange bis zum Aufstehen, bis zum ersten Gesäugekontakt/Kolostrumaufnahme). Mehr als 4 Ferkel weisen diese Merkmale der verringerten Vitalität auf.

2

Vitalität der Ferkel schlechter, 3 bis 4 Ferkel weisen diese Merkmale der verringerten Vitalität (träge, blass, kauern separat, etc.) auf.

3

Vitalität der Ferkel leicht unter dem optimalen Zustand, 1 bis 2 Ferkel weisen eine verringerte Vitalität auf (träge, blass, kauern separat).

4

Sehr vitale und lebensfrohe Ferkel (flink, rosa, rasche Kolostrumaufnahme). Alle Ferkel im Wurf können aus vital bezeichnet werden.

Tabelle 2: Definition zur Beurteilung der Wurfvitalität durch die ZüchterIn. Quelle: Pfeiffer

Durch eine Aufnahme solcher Merkmale in ein Zuchtprogramm kann künftig auf eine optimale Wurfgröße mit homogenen und vitalen Ferkeln gezüchtet werden. Dadurch kann sich die österreichische Schweinezucht eindeutig positionieren und künftig auch konkurrenzfähig bleiben. Abbildung 1: Verteilung der individuellen Geburtsgewichte von ca. 24.000 Ferkeln der Rassen Edelschwein, Landrasse und F1-Kreuzungstiere. Quelle: Pfeiffer 2 2018 | Opti Zucht | 25


Afrikanische Schweinepest – zentrales Thema bei Tagung der Europäischen Schweinezüchter in Bologna Neben den aktuellen Zuchtthemen stand die diesjährige Jahrestagung der Europäischen Schweinezuchtorganisationen (EPSPA) Anfang Mai in Bologna ganz im Zeichen der aktuellen Entwicklung bei der afrikanischen Schweinepest.

Drittlandexport kaum eine Bedeutung haben. Für den internationalen Handel wird eine gemeinsame europäische Argumentationslinie wichtig sein um den Abnehmern klar zu machen dass durch geeignete Maßnahmen eine Abgrenzung der Seuche von den Haustierbeständen möglich ist. Dr. Peter Knapp Koordinator VÖS-Zuchtausschuss

Erfahrungen mit der ASP Die Teilnehmer aus den betroffenen Ländern des Baltikums, sowie Polen und Tschechien zeigten die Herausforderungen im Umgang mit der Seuche auf. Die Erfahrungen zeigen, dass die afrikanische Schweinepest in der Wildschweinpopulation offensichtlich nicht ausgerottet werden kann. Oberste Priorität hat daher neben einer allgemeinen Reduktion der Wildschweine die Abgrenzung zu den Hausschweinebeständen mit den notwendigen Biosicherheitsmaßnahmen. Die Bewusstseinsbildung für die notwendigen Maßnahmen bei den Jägern und den zahlreichen Kleinstbetrieben mit Eigenversorgung ist besonders im Osten Polens nach wie vor die größte Herausforderung.

Aktuelle Zuchtthemen Die genomischen Selektion wird mittlerweile in beinahe allen europäischen Zuchtprogrammen genutzt. Die Zuchtziele werden je nach Marktumfeld immer komplexer. Neben der Leistungssteigerung in den wirtschaftlich wichtigen Merkmalen stehen Themen wie z.B. Verhalten der Sau, Ebergeruch oder Langlebigkeit im Focus der Zuchtarbeit.

Insgesamt konzentriert sich die Zuchtarbeit in Europa in immer größeren Einheiten oder Kooperationen. Lediglich in Dänemark ist ein Teil der Zuchtbetriebe aufgrund interner Differenzen zur Vermarktung- und Zuchtstrategie aus dem gemeinsamen Programm von Danbred ausgestiegen. Wie diese Betriebe die Genetik weiter nutzen können und wer die Zuchtwertschätzung in Zukunft macht, werden in dieser Auseinandersetzung auch die Richter mitentscheiden. Für die Österreichische Zuchtarbeit sind internationale Zusammenarbeit, die Einführung der genomischen Selektion, sowie die Weiterentwicklung des Zuchtzieles im Rahmen des Projektes „Optizucht“, entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Tiergesundheitsdienst erteilt PRRS Zertifikat für die Besamungsstation Steinhaus.

Auswirkungen auf den Markt In den betroffenen Gebieten kam es zu regionalen Marktverwerfungen durch die Betriebssperren und Lieferbeschränkungen. Außerhalb der Sperrgebiete hat es keine wesentlichen Markteinflüsse gegeben, da kein lokaler Konsumrückgang stattfand und die betroffenen Länder im

Für alle Teilnehmer der diesjährigen Tagung der Europäischen Schweinezuchtorganisationen (ESPA) war die Afrikanische Schweinepest das zentrale Thema. Quelle: Knapp

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Tiergesundheitsdienst erteilt PRRS Zertifikat für die Besamungsstation Steinhaus Nach dem PRRS Eintrag an der Besamungsstation Steinhaus im November des Vorjahres wurden vom Team des SZV umfangreiche Maßnahmen gesetzt, um die Belieferung der Kunden mit PRRS negativem Sperma sicher zu stellen. Vom Oberösterreichischen Tiergesundheitsdienst wurden sämtliche notwendigen Untersuchungen und Sanierungsmaßnahmen begleitet und überwacht. Nach der Reinigung und Desinfektion der gesamten Anlage und einer 8 wöchigen Leerstehzeit wurde ab 2. Februar mit der schrittweisen Bestückung und dem Neustart der Station begonnen. Dieser Wiederaufbau ist nun weitgehend abgeschlossen. Sämtliche 218 Eber, die derzeit im Einsatz stehen, wurden nach der Quarantäne nun auch in der Station mehrfach im Rahmen der wöchentlichen Stichprobenuntersuchungen auf PRRSV untersucht. Insgesamt wurden dabei seit November über 1300 Blutproben ent-

nommen und im TGD Labor in Ried untersucht. Nachdem sämtliche Ergebnisse PRRSV negativ sind, wird vom Oberösterreichischen Tiergesundheitsdienst die Station wieder als „PRRS unverdächtig“ nach dem Programm des TGD eingestuft und zertifiziert. Dieser Status wird im Rahmen des 14 tägigen PRRSV Monitorings weiterhin regelmäßig überprüft. Die Ursache des PRRS Eintrages konnte nicht geklärt werden. Dennoch wurden zusätzliche Maßnahmen getroffen, um das Infektionsrisiko weiter zu senken. Der

Personen- und KFZ Verkehr zur Station wurde weiter reduziert. Zusätzlich sind bauliche Maßnahmen bei der Zufahrt sowie die Installation eines Luftfilters in Vorbereitung. Der Neuaufbau der Station bot gleichzeitig die Gelegenheit zum Ankauf vielversprechender, leistungsstarker Jungeber. Informationen über das Leistungsniveau des aktuellen Eberbestands gibt es unter www.szv.at Dr. Peter Knapp Besamungsstation Steinhaus

Seit 10 Jahren erfolgreiche Qualitätsprüfung an der Besamungsstation Steinhaus Der Schweinezuchtverband Oberösterreich ist Mitglied im internationalen Forschungsverbund FBF (Förderverein Bioökonomieforschung). Neben den Forschungsarbeiten im Bereich Genetik und Reproduktion wird auch ein jährliches Qualitätsmonitoring durch Dr. Martin Schulze vom Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere aus Berlin/Schönow durchgeführt. Ziel ist es neben der Überprüfung der Spermaqualität und der Hygiene an der Station auch eine Prozesskontrolle von der Spermagewinnung, über die Verarbeitung im Labor bis zum Versand durchzuführen. Dabei ist ein eine möglichst keimarme Absamung, eine zuverlässige Beurteilung der Spermaqualität sowie eine schonende und hygienische Abfüllung des Spermas von entscheidender Bedeutung. Im Anschluss an das Monitoring wird auch immer eine Mitarbeiterschulung durchgeführt. Ziel ist es die aktuellen fachlichen Empfehlungen aus der Forschung in die praktische Arbeit umzuset-

zen und die Produktionsabläufe zu optimieren. „Die Besamungsstation Steinhaus nimmt seit 10 Jahren regelmäßig am Stationsmonitoring des FBF teil. Sie liefert immer verlässlich gute Ergebnisse hinsichtlich

Spermaqualität im Vergleich mit den 28 teilnehmenden Stationen,“ so das Resümee von Dr. Schulze nach dem diesjährigen Stationsbesuch. Dr. Peter Knapp Besamungsstation Steinhaus

Dr. Martin Schulze bei der Probennahme im Rahmen des Qualitätsmonitorings an der Besamungsstation Steinhaus. Quelle: Knapp

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©ebner - VÖS

Mag. med. vet. Stephan Hintenaus ist für Kontrollen von Tiertransporten mit der Polizei in OÖ zuständig (Quelle: Hintenaus)

Tiertransporte in Österreich – ein oft falsches Bild in der Öffentlichkeit Zahlreiche Berichte zeigen ein düsteres Bild zum Thema Tiertransport. Beim genaueren Hinsehen kann man dies jedoch nicht bestätigen. Es muss im Sinne jedes Transporteurs liegen, egal ob Landwirt, Viehhändler oder Schlachthof, dass Tiere ordentlich, sicher und wohlbehalten am Bestimmungsort ankommen. Nach zehn Jahren Kontrolltätigkeit in Oberösterreich kann man der Tiergesundheit und dem Tierschutz ein gutes Zeugnis ausstellen. Beanstandungen Immer wieder kommt es bei Tiertransporten zu Beanstandungen, aber nicht den Zustand der Tiere betreffend. Zum einen, weil die gesetzliche Grundlage in der EG Verordnung 1/2005 zum Schutz der Tiere beim Transport in großen Teilen ein brauchbares Instrument für qualitativ hochwertige Kontrollen ist und zahlreiche Details, wie zum Beispiel die Ausstattung von Fahrzeugen für lange Transporte über acht Stunden, umfasst.

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Zum zweiten, weil natürlich auch indirekte Ursachen direkten Einfluss auf den Tiertransport haben können, zum Beispiel nicht verkehrstüchtige, aber mit Tieren beladene Fahrzeuge bzw. das Thema Ladungssicherung. Hier kann es bei Kontrollen rasch zu vermeidbaren Verzögerungen kommen. Bei noch genauerem Hinsehen muss man aber auch festhalten, dass Tiertransport mehr ist als das Verbringen von landwirtschaftlichen Nutztieren ist. Gerade im Bereich des privaten Mit-


nehmens von Haustieren werden oft Fehler gemacht, z.B. Hunde, die ungesichert auf Hutablagen liegen oder auf dem Schoß des Fahrers/der Fahrerin sitzen. Man darf hier keine Unterscheidung machen: jedes Lebewesen hat das gleiche Recht auf ordnungsgemäßen Umgang und Schutz. Egal ob Legehennen, Kleintiere, Turnierpferde oder Mastschweine.

Nutztier-Transporte Der Transport landwirtschaftlicher Nutztiere unterliegt distanzabhängig mehr oder weniger detaillierten Bestimmungen. Aber eines gilt immer: die verwendeten Fahrzeuge müssen sicher und die Tiere müssen transportfähig sein. Tiere, die nicht in Lage sind, zu stehen und den beim Transport einwirkenden Kräften zu entgegnen, sind nicht transportfähig. Ebenso verhält es sich bei verletzten oder hochträchtigen Tieren. Bei diesen wichtigen Tierschutzpunkten gibt es glücklicherweise sehr wenige Beanstandungen. Bei den meisten festgestellten Mängeln handelt es sich vor allem um Probleme mit den Dokumenten, so z.B. mangelhafte Viehverkehrsscheine oder abgelaufene Tiertransportunternehmerzulassungen. Diese sind notwendig ab 65 km Wegstrecke,

auf fünf Jahre befristet, zuständig dafür ist die Bezirksverwaltungsbehörde. Gerade beim Transport von Schweinen kommt es in Österreich sehr oft zu lokalen und regionalen Verbringungen von Ferkeln, Zuchttieren und Schlachtschweinen. Der sogenannte lange Transport (über acht Stunden Transportdauer) ist bei fertig gemästeten Schweinen für Schlachtzwecke sehr selten, wiewohl Ferkel und Jungschweine auch durchaus größere Distanzen in besonders dafür ausgestatteten Fahrzeugen unter ständiger Wasserversorgung durch Österreich transportiert werden. Neben den angesprochenen Dokumenten sind beim Schweinetransport vor allem Augenmerk auf das stressarme Verladen, auf die rutschfeste Beschaffenheit des Fahrzeugbodens, auf die Beladedichte, auf die schonende Fahrweise und auf den Zustand der Schweine zu legen.

führt, ist erst über 50 Kilometer Wegstrecke an weitere technische Bestimmungen gebunden. Wer aber neben eigenen auch fremde Tiere transportiert, unterliegt bereits ab dem ersten zurückgelegten Kilometer den gleichen detaillierten Vorschriften wie ein Viehhändler.

Gesetze und Informationen Die Bestimmungen der EU und die nationalen Regelungen sehen allgemeine Punkte beim wirtschaftlich durchgeführten Tiertransport vor, die immer Gültigkeit haben (siehe Kasten). Der Landwirt, der seine eigenen Schweine im eigenen Transportmittel

Eine Übersicht über die Bestimmungen findet sich in der Broschüre „Tiertransportvorschriften in Österreich“ vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) und kann bei den Landwirtschafskammern gratis angefordert werden. Quelle: LFI

Bei diesem Transportgerät kann es zum Herausfallen der Tiere kommen. Quelle: Hintenaus 2 2018 | Tiertransporte | 29


Komplexer wird der Sachverhalt, wenn sich die Strecke über 65 Kilometer erstreckt. Dann muss der Fahrer oder eine andere mitfahrende Person einen sogenannten Befähigungsnachweis, also eine personenbezogene Ausbildung, haben und das Unternehmen, egal ob landwirtschaftlich oder gewerblich benötigt eine Transportunternehmerzulassung. Den Befähigungsnachweis für Landwirte wird meist schon im Rahmen von Ausbildungen wie landwirtschaftliche Fachschulen, Facharbeiter- oder Meisterkursen absolviert. Außerdem findet man dementsprechende Kurse auch in den LFI-Ausbildungsprogrammen. Für das Transportgewerbe ist das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) zuständig, wo dann auch Zertifizierungskurse für Langstreckentransporte angeboten werden.

Transportfähigkeit der Tiere Ein zentrales Thema beim Transport von Schweinen ist die Frage, wie man mit gehschwachen oder gehunfähigen Tieren umgeht. Oft kommt es im Bereich des Bewegungsapparates zu Problemen und Erkrankungen, sodass ein schmerzfreies Stehen oder Fortbewegen nicht mehr

möglich ist. Hier muss man sich immer die Frage stellen, ob das Schwein durch den Transport weitere Schmerzen oder Leiden erfährt. Tiere sehen während des Transportes nicht, wohin die Reise geht. Sie wissen nicht, wann gebremst oder beschleunigt wird bzw. bekommen die Tiere jede Bodenunebenheit zu spüren. Und die Kräfte, die auf die Schweine einwirken, können enorm sein, v.a. beim starken Bremsen. Daher ist die Fitness der Tiere wichtig, um auf einem rutschfesten Boden auch diesen Kräften entgegenwirken zu können. Eine angepasste und schonende Fahrweise sei hier ebenfalls erwähnt! Leider kommt es auch mit Tiertransportern manchmal zu Unfällen. Wenn also das Schwein transportunfähig ist, so gibt es andere Überlegungen, um dem Tier zu helfen bzw. es verwerten zu können. In manchen Fällen ist eine Behandlung möglich, bei anderen Fällen Notschlachtung bzw. Eigenverwertung das Sinnvollste. Manchmal ist das Tier von weiterem Leiden einfach zu erlösen. In jedem Fall sollte ein Tierarzt herangezogen werden, gerade bei der fachlichen Beurteilung, bei Behandlungen oder bei der Euthanasie. Es ist übrigens die Kontrolle der Transportfähigkeit auch eine zentrale Aufgabe des

amtlichen Beschautierarztes bei der Schlachttieruntersuchung am Schlachthof. Wie eingangs erwähnt gibt es hier immer wieder eine falsche Wahrnehmung der Öffentlichkeit, sodass man immer wieder betonen muss, dass jedes Tier vor der Schlachtung amtlich begutachtet und kontrolliert wird. Zur Beurteilungshilfe für alle möglichen Indikationen der Transportfähigkeit gibt es mittlerweile einen Leitfaden der Europäischen Union, der auch bei den Veterinärbehörden aufliegt.

Ausstattung Aufgrund der angesprochen Kräfte während des Fahrens ist auch verständlich, dass man den Tieren nicht zu viel Platz geben sollte. Vor allem beim Einzeltransport von Zuchttieren werden manchmal Anhänger verwendet, die viel zu groß dimensioniert sind. Stehen und Umdrehen muss für das Tier möglich sein, mehr Platz kann das Tier gefährden bzw. verletzen, wenn es zum starken Bremsen oder abrupten Lenkbewegungen kommt. Ordentliche und stabile Trennwände, womit ein Einklemmen der Tiere zu vermeiden ist, können hier Abhilfe schaffen. Das Überspringen von verwendeten Trennwänden muss ebenfalls unmöglich sein. Und eine stabile und rutschfeste Rampe mit wenig Neigung und seitlichen Wänden seien ebenfalls erwähnt. Das Platzangebot ist beim Transport von Schweinen nur bei Mastschweinen mit 235 kg/m² Ladefläche im Detail geregelt. Ansonsten gilt die allgemeine Bestimmung „ausreichend Platzangebot“. Dies bedeutet, dass alle Tiere mit allen Extremitäten am Boden stehen können müssen und die Ventilation zwischen den Tieren und über den Tieren möglich sein muss. Die Gruppengröße sollte bei Mastschweine 15 Tiere nicht überschreiten.

Zustand der Transportfahrzeuge

Zu niedrige Trennwände und zu viel Platz für die Tiere bergen eine Verletzungsgefahr. Quelle: Hintenaus 30 | Tiertransporte | 2 2018

Ein weiteres Thema beim Transport von Schweinen ist der Zustand der verwendeten Fahrzeuge. So mancher Hänger ist nicht mehr verkehrstüchtig und kann somit eine Gefährdung für Tiere oder für andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Ganz unangenehm natürlich dann, wenn dies bei Kontrollen mit der Exekutive passiert und eine Weiterfahrt wegen komplett defekten Bremsleuchten, nicht funk-


tionierenden Bremsen oder durchgerosteten Bodenplatten untersagt wird. Auch das massive Überschreiten des höchstzulässigen Gesamtgewichtes muss hier erwähnt werden. Ein Umladen der Tiere bedeutet Stress und Verzögerung des Transports, daher ist es immer besser, VOR jeder Fahrt alle Maßnahmen durchzuführen, um sicher von A nach B zu kommen. Ein weiteres Augenmerk liegt auf dem Verhindern des Entweichens von Tieren. Es kommt leider immer wieder vor, dass Schweine von der Ladefläche fallen, weil Bordwände nicht hoch genug, zu schwach für das Gewicht der Schweine oder nicht richtig verschlossen sind. Leider ist nicht jedes Fahrzeug für den Transport von Tieren geeignet.

Tiertransporte und Biosicherheit Das Schlagwort Tiertransport kommt nicht nur beim speziellen Thema Tierschutz vor, sondern auch im Zusammenhang mit Krankheiten und Seuchen, wie z.B. in der Schweinegesundheitsverordnung und im Tierseuchenrecht. Das Verbreiten von Krankheitserregern durch lebende Tiere, aber auch indirekt durch deren Ausscheidungen, wird oft unterschätzt. Und das Thema Ansteckung ist nicht nur vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest wichtig! Im Sinne der Tiergesundheit und des Konsumentenschutzes wird versucht, alle beeinflussbaren Möglichkeiten einer Krankheitsübertragung zu verhindern oder zumindest zu minimieren. Das ordentliche Reinigen der Fahrzeuge nach deren Verwendung ist hier ebenfalls ein wichtiger Baustein der Biosicherheit, nicht nur für Transportunternehmen, sondern auch für Landwirte! Und wenn wir von Möglichkeiten der Krankheits- bzw. Seuchenübertragung durch Tiertransporte(r) sprechen, so muss man auch den Handel und Transport von Liebhabertieren wie Mini-Pigs oder Therapie-Schweinen erwähnen. Das System des Verbringens von Tieren über nationale Grenzen ist in der Europäischen Union genau geregelt und lebt von den Informationen über den Herkunftsbetrieb. Diese enthalten u.a. Untersuchungsergebnisse und Informationen zum Zustand der Tiere und werden in einer sogenannten Gesundheitsbescheinigung amtlich bestätigt. Diese Vorgangsweise ist auch bei Liebhabertieren notwendig.

Kontrollen von Tiertransporten aller Art auf der Straße sind somit nicht nur im Sinne des Tierwohls und der Sicherheit der Tiere notwendig, sondern auch ein Teil der Seuchenüberwachung. Seit kurzer Zeit ist dem Thema Tiertransport im Rahmen einer eigenen AMA-Gütesiegel Richtlinie für Rinder- und Schweinetransporte Platz gegeben. Damit wird die Lücke zwischen Haltungsbetrieb und Schlachthof im AMA-Gütesiegelprogramm geschlossen. Ein Blick in die Details zeigt, dass im Großen und Ganzen die Basis in den rechtlichen Bestimmungen der Europäischen Union und Österreichs liegen. Für die Landwirte, die selber AMA-Gütesiegeltiere an Schlachthöfe liefern, ist ein Blick in die Richtlinie zu empfehlen. Zu finden sind die Unterlagen auf www.ama.at

Kursinfo: Tiertransport-Befähigungsnachweis (notwendig ab 65 km Wegstrecke): Montag, 25.06.2018, 9-14 Uhr, BBK Wels. Anmeldung beim LFI OÖ.

Allgemeine Bedingungen für den Transport von Tieren (Artikel 3 der EU VO 1/2005)

Beförderungsdauer so kurz wie möglich

Transportfähigkeit ist Voraussetzung

Keine Verletzungsgefahr durch Transportmittel

Qualifikation der Personen, die mit Tieren umgehen

Keine Gewalt ausüben

Transport erfolgt ohne Verzögerungen

Das Wohlbefinden der Tiere wird regelmäßig kontrolliert

Tiere verfügen über ausreichend Platz

Versorgung mit Wasser und Futter in angemessenen Zeitabständen

Tiertransportkontrollen werden in Oberösterreich zusammen mit der Exekutive durchgeführt. Quelle: Hintenaus

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„Zukunft Landwirtschaft“ Die Wieselburger Messe erstrahlte im Vorjahr thematisch in neuem Glanz und wird sich heuer vom 28.6. – 1.7.2018, anlässlich des Jubiläums „90 Jahre Wieselburger Messe“, noch besucherorientierter präsentieren. Mit dem Titel „Zukunft Landwirtschaft“ beweist die Wieselburger Messe auch künftig Kompetenz am Sektor Landwirtschaft. In Zeiten der veränderten Informationsbeschaffung und des Kaufs durch das Internet verändern sich auch die Aufgaben der Messe. So wird mit dem Titel „Wieselburger Messe von morgen, nur anschauen war gestern!“ den Messebesuchern ein völlig neuer Aspekt geboten. In erweiterten Ausstellerflächen werden sogenannte „Testzonen“ installiert, in denen es zum Beispiel möglich ist, Maschinen und Geräte nicht nur zu bestaunen, sondern auch vor Ort in Betrieb zu nehmen und zu testen. Ein vielversprechendes Vorhaben also, welches sich in jedem Fall lohnt, die Wieselburger Messe (alle Details unter www.messewieselburg.at) zu besuchen.

Auch das Thema „Sicherheit für die Produzenten“, vor allem im Bereich der Abnahme- und Zahlungssicherheit, ist eines der großen und wichtigen Argumente für die Vermarktung über die Genossenschaft, und leider oft viel zu unterschätzter Vorteil für den Betrieb. Die wöchentlich ausverhandelten Preise geben Stabilität und Sicherheit bei der Erwirtschaftung von Einkommen und müssen unter den sich ständig ändernden Absatzsituationen am freien Markt nicht erst selbst mit den möglichen Absatzpartnern ausverhandelt werden. Das schafft Freiraum für die Konzentration auf das Wesentliche, nämlich auf die Produktion in bester Qualität. Gut Streitdorf ist daher der starke Partner in der Vermarktung. Frei nach dem Motto: „Nur gemeinsam sind wir stark!“

Praxisinfos und Gaumengenuss am Messestand von Gut Streitdorf

Schweineproduktion zum Anfassen, das müssen Sie live erleben!

Am Infostand der Erzeugergemeinschaft (EZG) Gut Streitdorf geht es stets um den gelebten Info- und Erfahrungsaustausch in der Produktion sowie der bestmöglichen Vermarktung von Schweinen, Rindern, Schafen, Ziegen, und über diverse Möglichkeiten in der Qualitätsfleischproduktion.

Direkt vor dem Messestand wird eine „Schweinebox mit Ferkelveranda“ aufgebaut. Das ist Landwirtschaft zum Anfassen. So publikumsnahe wie hier besteht die Möglichkeit selten, eine Sau mit Ferkel in Echt zu sehen, lassen Sie sich dieses Erlebnis nicht entgehen.

Kotelett wo kommst Du her und wie schmeckst Du denn? Genauso wie der Strom nicht einfach nur aus der Steckdose kommt, oder die Milch aus der Packung, steht hinter der Produktion von Qualitätsfleisch eine Vielzahl an Produktionsschritten. Das Endergebnis spricht aber dann für sich und kann am benachbarten AMA-Grillclub-Stand verkostet werden. Die zertifizierte AMA Grilltrainerin Christa Eppensteiner wird mit ihrem Team Qualitätsfleisch der EZG Gut Streitdorf für die Messebesucher am Grill vor- und zubereiten. Zudem kann die ausgezeichnete Qualität nicht nur verkostet werden, sondern es werden alle Fragen rund ums Grillen (Techniken, Gerätschaft, Befeuerung, Auswahl der Teilstücke, Zuschnittmöglichkeiten, Steakvarianten u.v.m.), sowie alles zum Thema AMA-Gütesiegel mit Herkunft, Qualität und Kontrolle beantwortet.

Bauern von Gut Streitdorf produzieren Qualitätsfleisch Neben der bestmöglichen Vermarktung von Tieren, arbeitet die EZG seit mehreren Jahren federführend an der Entwicklung und Einführung von Qualitätsfleischprogrammen für Handel, Gastronomie und Konsumenten. Die Strategie, regionale Produktion mit bester Qualität zu verbinden, lässt bereits auf mehrere sehr erfolgreich im Handel positionierte Programme blicken. Planen Sie also einen Fixbesuch am Stand von Gut Streitdorf ein. Lassen Sie sich informieren und beraten, holen Sie sich alle Vorteile und werden Sie einer der vielen zufriedenen Vertragsproduzenten. Und seien Sie dabei, wenn die Grillvorführungen samt Produktverkostung stattfinden – Gut Streitdorf freut sich auf Ihren Besuch!

Kontakt

Der Vertrieb der Markenprogramme im Einzelhandel und Gastronomiegroßhandel. Quelle: EZG Gut Streitdorf

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Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf e. Gen. Unter den Linden 1, 2004 Streitdorf Tel.: +43(0)2269/2501 www.gutstreitdorf.at


Wie schützen wir unsere Ställe vor unerwünschten Besuchern? Undercover-Videos sind für einige Tierrechtsorganisationen heilige Mittel, denn sie generieren maximale Aufmerksamkeit und bedrohen – das ist ihr Ziel – die Existenz der Tierhalter. Die Aktivisten bzw. ihre kriminellen Handlanger dringen im Schutze der Dunkelheit in fremde Ställe ein, verstossen dabei gegen Gesetze, installieren Kameras zur 24- Stunden Überwachung und spielen Fotos und Videos in verfälschter Form, oft aus dem Zusammenhang gerissen, den Medien zu. Sie verstossen dabei gegen Gesetze und begehen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Datenschutzverletzung etc. Begründet wird diese Vorgangsweise mit dem Kampf für Tierschutz, in Wahrheit geht es um Spendenmaximierung, Imageschädigung und langfristig um die Abschaffung der Nutztierhaltung. Die österreichischen Schweinehalter produzieren unter Einhaltung eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt hervorragendes Qualitätsfleisch und haben es nicht verdient, ständig an den

Pranger gestellt zu werden. Es muss uns aber bewusst sein, dass wir selbst initiativ werden müssen – und zwar nicht nach einem derartigen Einbruch, es gilt durch geeignete Präventionsmaßnahmen im Vorfeld es gar nicht so weit kommen zu lassen.

Überwachungskameras In Jagdkreisen schon länger im Einsatz, werden sogenannte „Wildkameras“ auch immer öfter zur Überwachung von Gebäuden verwendet. Die Geräte sind mit einem Sensor ausgestattet, der auf Bewegung reagiert. Beim Auslösen werden Fotos des überwachten Bereichs gemacht. Die jüngere Generation dieser Kameras speichert diese Bilder

nicht nur auf dem Datenträger, die eingebaute SIM-Karte ermöglicht das Versenden der Fotos innerhalb kurzer Zeit als EMail auf ein Smartphone. Eine einfache, verlässliche und kostengünstige Möglichkeit, um präventiv gegen Vorfälle wie vorher beschrieben vorzugehen. Gut Streitdorf hat speziell für Schweinehalter in Zusammenarbeit mit dem führenden österreichischen Hersteller ein attraktives Gesamtpaket, welches Lieferung der Kameras sowie Einstellung und Einschulung beinhaltet, geschnürt. Bei Interesse nehmen Sie bitte unter office@gutstreitdorf.at mit uns Kontakt auf oder besuchen Sie uns auf der vom 28.06. – 01.07.2018 stattfindenden Wieselburger Messe. Neben einer umfassenden Beratung können sich Schnellentschlossene 10% Messerabatt sichern!

Gut Streitdorf bietet speziell für Schweinehalter ein interessantes Gesamtpaket inkl. Einstellung und Einschulung an. Foto: Gut Streitdorf

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Spareribs mit Honigmarinade Zubereitung Die Rippchen reichlich mit Öl einpinseln und rundum mit Pfeffer übermahlen. Aufeinanderlegen, abdecken und einige Stunden einwirken lassen. Die Rippchen in Folie gewickelt auf den Grillrost legen und 35 Min. langsam (nicht zu nah an der Glut) grillen und mehrmals wenden. In den letzten 10 Min. mit Honig bestreichen und ohne Folie karamellisieren lassen, wobei sich eine wunderschöne goldgelbe Kruste bildet. Für die Kräuterbutter die weiche Butter schaumig schlagen. Die Kräuter, die ausgepresste Knoblauchzehe und Salz nach Geschmack zugeben und sofort servieren. Die Spareribs mit Salz und Pfeffer bestreuen und mit Kräuterbutter anrichten.

Zutaten 2 kg Spareribs Öl zum Bestreichen Pfeffer 6 EL Honig Salz Zutaten für die Kräuterbutter: 10 dag Butter 2 EL gemischte, fein gehackte Kräuter (Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Kresse) ½ Knoblauchzehe Salz

©Rezept und Foto „Spareribs mit Honigmarinade“ Herausgeber: AMA

... im VÖS RÄTSEL-Stall Borsten riechen zwölf Tier Rüssel Wildschwein Haut Ringelschwanz Getreide Mais Wasser Hafer Vitamine Gerste Weizen Raps Sojabohnen Erbsen Sauenmilch Tage warm Sau Beinen Wochen Monate zwölf Geburt

Lückentext-Rätsel – setze das richtige Wort ein …

34 | Rezept & Rätsel | 2 2018


Datenschutzerklärung Wir kümmern uns um die Sicherheit Ihrer Daten Am 25.05.2018 tritt die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Geltung. Der VÖS möchte Sie daher darüber informieren, dass wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit Ihrer personenbezogenen Daten zu gewährleisten. Aufgrund der neuen Bestimmungen ersuchen wir Sie um die Erteilung Ihrer DSGVO-konformen Zustimmung, um Ihnen das VÖS Magazin mit Informationen zu aktuellen, relevanten und fachspezifischen Themen weiterhin postalisch zusenden zu können. In diesem Sinne bitten wir Sie darum, per E-Mail, Post oder via Formular auf unserer Homepage Ihr Einverständnis zu geben, indem Sie die untenstehende Einwilligungserklärung unterfertigen und entweder per Post oder gescannt per E-Mail an uns übermitteln.

✂ Datenschutzrechtliche Einwilligungserklärung zum Erhalt des VÖS Magazins Ich stimme ausdrücklich zu, dass der Verband Österreichischer Schweinebauern (kurz „VÖS“), Dresdner Straße 89/19, 1200 Wien, Telefonnummer 01/334 17 21-31, E-Mail-Adresse office@schweine.at, meine angegebenen personenbezogenen Daten zu nachfolgenden Zwecken verarbeitet: •

Zur postalischen Zusendung von Printmedien

Meine personenbezogenen Daten, dies sind Anrede, Titel, Vor- und Nachname, Adresse und E-Mail-Adresse, dürfen für den Zweck der Zusendung von Printmedien verwendet werden, was insbesondere folgende Verarbeitungen umfasst: •

Die 4x jährliche Zusendung des „VÖS-Magazins“ mit Informationen zu relevanten gesetzlichen Änderungen und fachspezifischen Themen (vor allem die Schweineproduktion und Agrarpolitik betreffend), Einladungen und Veranstaltungsinformationen sowie Marketinginformationen per Post.

Eine Übermittlung meiner personenbezogenen Daten an unbefugte Dritte findet nicht statt. Mehr Informationen erhalte ich in den Datenschutzhinweisen unter http://www.voes-online.at/datenschutz.html Ich hatte vor der Erklärung meiner Einwilligung dazu Gelegenheit, Fragen zum Datenschutz an die VÖS zu stellen. Meine Einwilligung ist freiwillig und erfolgt auf Basis der in dieser Erklärung enthaltenen sowie der in den Datenschutzhinweisen dargelegten Informationen. Ich bin zur Erklärung der Einwilligung nicht verpflichtet. Wenn ich sie nicht erteile, entstehen keinerlei Nachteile für mich. Ich kann meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft per E-Mail an office@schweine.at ohne Angabe von Gründen widerrufen. Dies bedeutet, dass die Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten, die bis zum Einlangen des Widerrufs auf Grundlage meiner Einwilligung erfolgt, zulässig ist. Wenn ich keine der nachstehenden Auswahlmöglichkeiten auswähle und ich früher schon einmal der Verwendung meiner personenbezogenen Daten zugestimmt habe, dann wird die Nicht-Auswahl weder als Widerruf der früher erteilten Einwilligung noch als Erteilung dieser Einwilligung verstanden.

QR-Code: Link zum Einscannen ... □ Ja, ich stimme zu

___________________________, am

□ Nein, ich stimme nicht zu

__________________________________________________ Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Unterschrift

2 2018 | Datenschutz-Grundverordnung | 35


VÖS 2/18  

Das Magazin des Verbandes Österreichischer Schweinebauern

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