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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinbauern, Dresdnerstrasse 89,1200 Wien

Ausgabe Österreich 4/2017

AMA-Gütesiegel auf Expansionskurs w w w. s c h w e i n e . a t


Ausgabe Österreich 4/2017 16

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Inhalt

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Leitartikel

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Kommentar

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Interview

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Markt

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Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

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Recht & Politik

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Schadnagerbekämpfung

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Versicherungen

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AMA

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Soja

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Tagungsbericht

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CETA

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Gentechnik

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Wasserqualität

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Innovationsprojekt

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Rezept & Rätsel

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AMA-Hoftafelverleihung

IMPRESSUM

Tierhaltungsverordnung

Versicherungen

... Änderungen bei Ferkelkastration und Schwanzkupieren sind in Kraft ...

... können existenzbedrohende Gefahren für die Landwirtschaft minimieren ...

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Weltkultur Soja

CETA

... die Sojabohne ist Weltölsaat Nummer 1 ...

... kurbelt angeblich die Wirtschaft an ...

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Gentechnik

Wasserqualität

... kann sie Beiträge für die Landwirtschaft leisten? ...

... Wasser gilt für viele als das wichtigste Futtermittel ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 MINISTERIUM FÜR EIN Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl LEBENSWERTES Titelfoto: Heinz Ebner / © fotomek - Fotolia.com Mit freundlicher Unterstützung von ÖSTERREICH

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©FRAUKOEPPL

Walter Lederhilger VÖS-Obmann

Was brachte das Jahr 2017 für die Schweinebranche? In einer Gesamtbetrachtung wird für unsere schweinehaltenden Betriebe das Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren ein gutes Jahr werden. Ein geringeres Angebot und flotte Exportgeschäfte haben vor allem im ersten Halbjahr für längere, stabile Marktphasen gesorgt. Ab September sind die Erzeugerpreise bei Mastschweinen und Ferkel unter Druck geraten. Die für den europäischen Markt enorm wichtigen Drittlandexporte, vor allem nach China, sind wegen der zuletzt deutlichen Preisunterschiede zu Brasilien und den USA schwieriger geworden. Damit wird sichtbar, wie global dieser Markt geworden ist und Entwicklungen vor Ort beeinflusst.

Gesetzliche Änderungen Zwei wichtige gesetzliche Änderungen sind für unsere Schweinebauern und -bäuerinnen vor Kurzem in Kraft getreten. Nach intensiver, mehrjähriger Diskussion ist die Novellierung des

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Bundestierschutzgesetzes und der 1. Tierhaltungsverordnung im Parlament beschlossen worden. Außerdem wurde vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen die Schweinegesundheitsverordnung veröffentlicht. Natürlich gibt es in der 1.Tierhaltungsverordnung Bereiche, die herausfordernd für die schweinehaltenden Betriebe sind. Die Vorlage von organischem Beschäftigungsmaterial in allen Altersbereichen ist besonders in der Sauenhaltung und im Abferkelbereich eine Herausforderung, wo praktikable Lösungen gefunden werden müssen. Wir dürfen diese Anforderung nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil diese auch CC-relevant ist. Im Bereich der Eingriffe ist ab 1. Oktober die Verabreichung von Schmerzmittel beim Kastrieren und Schwanzkupieren verpflichtend vorgegeben. Trotz der schwierigen Diskussionen und Forderungen konnte hier


Schweinegesundheitsverordnung Wegen unserer kleinbäuerlichen Strukturen wurde die Schweinegesundheitsverordnung auch von manchen bäuerlichen Vertretern sehr kritisch gesehen. Dabei dienen die vorgesehenen Biosicherheits- und Hygienemaßnahmen in erster Linie dem Schutz des eigenen Bestandes. Die Verschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Tschechien zeigt, wie sensibel dieses Umfeld ist und wie schnell etwas passieren kann. Wir müssen eine Verbreitung verhindern, denn die Folgen für die Vermarktung wären fatal und Tiertransporte massiv eingeschränkt. Die EU hat bei Schweinefleisch einen jährlichen Exportbedarf von rund 3 Millionen Tonnen. Ein ASP-Ausbruch bei Wildschweinen würde z. B. in Deutschland sofort zu einem Exportstopp in Drittländer wie China führen. Die großen deutschen Schlachtbetriebe haben einen Exportanteil von bis zu 50 % – die Auswirkungen des RusslandEmbargos (EU-Exportmenge 2013: 803.000 Tonnen) sind uns noch schmerzlich in Erinnerung. Deshalb ist das Thema Biosicherheit ernst zu nehmen und bei Weide- und Freilandhaltung besonders wichtig. An dieser Stelle möchte ich auch auf die im Juni vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen herausgegebene Verordnung hinweisen, welche aufgrund der positiven Fälle der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Tschechien veröffentlicht wurde. Im definierten gefährdeten Gebiet in Niederösterreich nördlich der Donau ist die Freilandhaltung nur erlaubt, wenn die Auflagen der Schweinegesundheitsverordnung erfüllt sind und eine behördliche Bewilligung vorliegt. Ansonsten ist die Auslaufhaltung in diesem Gebiet nur am Tag

© Straßmayr

eine Lösung gefunden werden, die für die Tierhalter umsetzbar ist und auch mehr Tierwohl bringt. In der Verordnung wurde aber auch vorgegriffen und festgeschrieben, was mögliche zukünftige Entwicklungen betrifft: „Ab dem Zeitpunkt, wo Mittel zur Verfügung stehen, die zur Betäubung oder besseren Schmerzausschaltung geeignet sind und durch den Landwirt angewandt werden dürfen, genügt die alleinige Schmerzmittelgabe nicht mehr“. Unsere deutschen Kolleginnen und Kollegen haben hier mit dem Verbot der betäubungslosen Kastration ab 2019 eine deutlich schwierigere Situation zu bewältigen.

erlaubt. Nachdem die Übertragungsgefahr über Wildschweine besonders groß ist, möchte ich hier auch nochmals an die Jägerschaft appellieren, den Jagdtourismus in Ländern wo die ASP bereits Einzug gefunden hat, zu vermeiden. Sollte dennoch eine Bejagung in diesen Ländern von österreichischen Jägern erfolgen, wäre die Mitnahme von Wildbret oder Trophäen eine besonders große Gefahr. Auch über Schuhe oder Kleidung kann das Virus übertragen und eingeschleppt werden. Aufgrund der Gefahren der Afrikanischen Schweinepest ist es für bäuerliche Betriebe auch sinnvoll, die am Markt verfügbaren Versicherungsangebote zu prüfen, die im Ernstfall wirtschaftliche Schäden deutlich abfedern können.

Markterfolge AMA Gütesiegel Regionalität, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit der Lebensmittel beeinflussen zunehmend das Einkaufsverhalten. Erfreulich ist, dass die Handelskette Billa seit 1. Oktober 2017 im Frischfleischbereich auf das AMA Gütesiegel setzt. Die konsequente Qualitätsorientierung und die Marktdifferenzierung ist auch für die heimische Landwirtschaft eine wichtige Chance. Regionale Marken und Tierwohlprogramme bereichern das Angebot und sind gut für das Image der Branche. Wir werden im nächsten Jahr die Einbindung der Ferkelstufe ins AMA Gütesiegel umsetzen, um die Rohstoffkennzeichnung bei Verarbeitungswaren vervollständigen zu können. Eine weitere wichtige Baustelle ist die Herkunftskennzeichnung in Großküchen und in der Gastronomie, weil hier die Umsätze stetig nach oben gehen.

Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Schweinehaltung oftmals als zu wenig tiergerecht eigestuft. Völlig zu Unrecht, weil die österreichischen Standards teilweise deutlich über den Mindestanforderungen der EU liegen. In der erweiterten Gruppenhaltung oder mit dem Projekt Pro Sau, mit dem wir intensiv an der Weiterentwicklung der Abferkelbuchten gearbeitet haben, werden wir unserer Vorreiterrolle gerecht. Es liegt auch an uns, diese Thematik besser zu kommunizieren - reden wir darüber!

Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

Agrarstatistiken Mit dem bevorstehenden Jahresende wurde auch der „Grüne Bericht 2017“ vom BMLFUW veröffentlicht. Außerdem wurde 2016 wieder eine Agrarstrukturerhebung durchgeführt, diese fließt ebenfalls in den Grünen Bericht mit ein. Der Rückgang der Anzahl land- und forstwirtschaftlicher Betriebe hat sich 2016 verglichen mit 2013 verlangsamt: im Vergleichszeitraum gab es um 3 % weniger Betriebe - 2017 wirtschafteten in Österreich rund 161.200 Betriebe. 2016 gab es 24.200 Schweinehalter in Österreich, dies ist im Vergleich zu 2015 ein Rückgang um 7 %. Damit einher geht auch der steigende Durchschnittsbestand pro Schweinehalter. So hielt beispielsweise ein Betrieb im Jahr 1995 rund 33 Schweine, 2016 waren es 115 Schweine. Wobei man hier anmerken sollte, dass bis 1995 in Österreich durch das Viehwirtschaftsgesetz Bestandsobergrenzen gab. Bezüglich der Wertschöpfung der Landwirtschaft konnte 2016 ein leichtes Plus verzeichnet werden. So stieg 2016 der Produktionswert zum Vorjahr um 0,5 % auf rund 6,8 Milliarden Euro; der Anteil der tierischen Produktion beträgt daran 46,8 % und der Schweineproduktion rund 11 %. Der Produktionswert der Schweinehaltung nahm aber leider zum Vergleichsjahr 2015 um rund 0,5 % ab und betrug 725 Millionen Euro. Bei der Versorgungsbilanz für Fleisch gab es geringe Veränderungen, so lag der Selbstversorgungsgrad für Fleisch insgesamt bei 108 % und reduzierte sich um 2 % gegenüber 2015. Auch der Selbstversorgungsgrad von Schweinefleisch verzeichnete ein Minus und lag 2016 bei 101 %. Beim ProKopf-Verbrauch ist Schweinefleisch nach wie vor Spitzenreiter, dieser betrug bei 38,2 kg. Mehr Infos finden Sie im Grünen Bericht, der auch online zur Verfügung steht. Auf unserer Homepage finden Sie im VÖS Jahresbericht die wichtigsten Daten und Fakten der Schweinebranche.

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Im Interview: DI Georg Strasser Präsident des Österreichischen Bauernbundes

DI Georg Strasser Präsident des Österreichischen Bauernbundes © Bauernbund.

DI Georg Strasser war von 2009-2017 Bürgermeister der Gemeinde Nöchling (Bezirk Melk) und ist seit 2013 Nationalratsabgeordneter. Der Absolvent der Höheren Lehranstalt für Land- und Forstwirtschaft Wieselburg und der BOKU Wien (Lebensmittel- und Biotechnologie) folgt Jakob Auer als Präsident des Österreichischen Bauernbundes nach. Wir konnten mit Ihm ein Gespräch über seine Vorhaben und Pläne führen. Herr Präsident Strasser, worin sehen Sie die Hauptaufgaben des Bauernbundes in Zukunft? Mir ist besonders die Einkommensentwicklung auf den landwirtschaftlichen Betrieben ein großes Anliegen. Hier gibt es zwei Aspekte zu beachten. Erstens die Beeinflussung der Märkte, wo wir im Sinne der Bäuerinnen und Bauern verstärkt gemeinsam auftreten müssen. Zweitens die gemeinsame Agrarpolitik nach 2020, hier werden wir in Brüssel um jeden Cent für unsere heimischen Familienbetriebe kämpfen.

Der Skandal um brasilianisches Gammelfleisch, die mit Fipronil belasteten Eier und Ei-Produkte zeigen beispielhaft, wie wichtig Qualität, Herkunftskennzeichnung und Kontrolle von Lebensmitteln ist. Die heimische Landwirtschaft forciert schon länger eine verbesserte Herkunftskennzeichnung, vor allem im Außer-Haus Verzehr und bei verarbeiteten Produkten. Wie stehen Sie zu dieser Forderung und welche Maßnahmen werden Sie hier setzen?

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Die Herkunftskennzeichnung ist seit vielen Jahren großes Thema in der Agrarpolitik, hier gibt es schon erfolgreiche Ansätze, wie zum Beispiel das Projekt „Gut zu wissen“ der Landwirtschaftskammer. Wir werden in Zukunft verstärkt die Partnerschaft mit den Verarbeitern und Wirtschaft suchen, um eine Durchgängigkeit bei der Herkunftskennzeichnung österreichischer Produkte zu erreichen. Das ist mir persönlich ein großes Anliegen, denn Menschen, die oft außer Haus essen müssen, wie in Kantinen oder Kindergärten, sollen auch wissen, woher die Lebensmittel stammen, die sie vorgesetzt bekommen.

Wie sieht Ihre Bilanz der GAP (Gemeinsame Europäische Agrarpolitik) bisher aus? Wo sehen Sie Reformbedarf für die nächste Periode nach 2020? Die Sicherung der finanziellen Mittel (inkl. 50 Prozent nationaler Ko-Finanzierung im LEBereich) war einer der Erfolge des Bauernbundes – und auch die Grundlage für die weitere Umsetzung in Österreich.


Mit der GAP 2014 bis 2020 wurde der Umstieg vom historischen Model zu einem Regionalmodell zwingend EUrechtlich notwendig. Dem Bauernbund war es ein wesentliches Anliegen, dass ein österreichweit einheitliches Regionalmodell umgesetzt wurde, um dem Grundsatz der Vereinfachung Rechnung zu tragen. Ebenso zentral war, dass beim Regionalmodell ein langer und schrittweiser Übergang bis zum Jahr 2019 gewählt wurde, damit sich die Betriebe auf die neue Situation entsprechend einstellen können. Für die nächste Periode wird es maßgeblich sein, dass wir die Mittel für die Landwirtschaft wieder absichern. Die bäuerlichen Familienbetriebe sollen dabei europaweit stärker in den Fokus gerückt werden.

Die Schweinepreise stellen sich 2017 bisher durchwegs zufriedenstellend dar. Viele überlegen, wieder zu investieren, doch die Genehmigungsverfahren dauern meist Jahre und stoßen oft auf heftigen Gegenwind von Seiten der Bevölkerung. Sie waren selbst Bürgermeister. Wie können die Schweinebäuerinnen und Schweinebauern wieder Investitions- und Planungssicherheit bekommen und die Hürden beim Stallbau reduziert werden?

Hier werden wir uns als Österreichischer Bauernbund in den Dialog mit den Ländern und Gemeinden mit einbringen. Ich sehe hier ein großes Potenzial bei den zahlreichen Bürgermeistern, die den Bauernbund angehören. Diese sollen sich in Zukunft verstärkt für landwirtschaftliche Projekte vor Ort in den Regionen einsetzen. Auf Landes- und Bundesebene soll es in Zukunft auch mehr Solidarität mit den Bäuerinnen und Bauern geben, es kann nicht möglich sein, dass Stallneubauten wegen vereinzelter Bürgerinitiativen verhindert werden. Denn es muss uns klar sein, wir Bauern liefern, was Österreich täglich braucht, doch man muss uns auch lassen. Wenn ständig Stallneubauten verhindert werden, können wir keine Lebensmittel liefern.

Stichwort Öffentlichkeitsarbeit: Das Land OÖ unterstützt beispielsweise mit einer Förderaktion neue Online-Auftritte für Bauernhöfe, damit soll die Leistungen der Landwirtschaft für die Öffentlichkeit besser sichtbar gemacht und kommuniziert werden. Ein Vorbild für andere Bundesländer? Welche Schwerpunkte setzt der Bauernbund in Zukunft bei der Öffentlichkeitsarbeit?

dass die Kommunikation der bäuerlichen Familienbetriebe verbessert wird. Um mehr Verständnis für die harte Arbeit der Bäuerinnen und Bauern zu bekommen, setzen wir in Zukunft auf eine verstärkte Kommunikation mit den Konsumentinnen und Konsumenten. Hier wird es vor allem darum gehen Landwirtschaft besser zu erklären, und die Abläufe auf den Bauernhöfen verständlich für die Kundinnen und Kunden darzustellen. Im Österreichischen Bauernbund setzen wir in Zukunft noch mehr auf Social Media. In diesem Bereich liegt großes Potenzial und es ist möglich mit Konsumentinnen und Konsumenten, Bauernbund-Mitgliedern sowie Interessierten auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ich habe beim Bundesbauernrat in Yspertal, meine neue Facebook Seite gestartet. Dort halte ich meine „Freunde“ über meine Aktivitäten im Bauernbund, im Parlament aber auch in meinem Wahlkreis auf dem Laufenden.

Dieses Projekt ist ein Vorbild für andere Bundesländer, denn es ist sehr wichtig,

Die Durchgängigkeit bei der Herkunftskennzeichnung ist dem Bauernbund Präsident ein großes Anliegen. ©Bauernbund.

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AMA-Gütesiegel auf Expansionskurs

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Nach 20 Jahren AMA-Gütesiegel, in denen primär die Handelskette Spar den Erfolg des Gütesiegels bei Schweinefleisch gewährleistet hat, ist es nun gelungen, auch die größte Handelskette Billa als Gütesiegel-Frischfleischvermarkter zu gewinnen. In Folge dieser erfreulichen Entwicklung stehen Landwirtschaft sowie Schlacht- und Zerlegebetriebe vor neuen Herausforderungen. Der nächste Schritt ist die Verpflichtung der Fleischindustrie zur Verwendung von AMA-GS Rohstoff für die Produktion von Wurst-Schinken-Produkten, die das AMA-GS tragen.

Knackpunkt Verfügbarkeit Im Vorfeld dieser Entwicklungen gab es zahlreiche Verhandlungen der involvierten Branchen, wobei Machbarkeit und diverse Auswirkungen auf verbundene Bereiche genau analysiert wurden. Dabei gab es seitens der maßgeblichen Unternehmen wie Spar, REWE und Fleischindustrie sehr präzise Bedingungen. Spar verlangte die Zusicherung, dass weiterhin ausreichend Ware verfügbar ist, die Zuschläge nicht steigen und die Qualität der Schlachtkörper nicht sinken darf. REWE/Billa zweifelte bis zuletzt an der ausreichenden Verfügbarkeit von AMA-Gütesiegel Frischfleisch in der bisher gekannten Qualität. Die Fleischindustrie, die wenig Bereitschaft für ein Rohstoffupgrade bekundet (bisher ist die Verwendung von SUS-AAA Rohstoff ausreichend) bezweifelt ebenfalls die ausreichende Verfügbarkeit und lehnt eine Erhöhung der Rohstoffkosten vehement ab. Mit der absehbaren Verpflichtung zu AMA Rohstoff muss auch das Fleisch von Altsauen, welches als Wurstrohstoff zum Einsatz kommt, auf Gütesiegelniveau angehoben werden.

Mehr GS-Schweine am Schlachthaken Vor diesem Hintergrund suchte die Österreichische Schweinebörse mit den namhaften Abnehmern nach gangbaren Wegen, was letztlich zu folgender Branchenvereinbarung 8 | Markt | 4 2017

geführt hat: Zur Gütesiegelstempelung am Schlachtband wird seit Oktober die Gewichtsbegrenzung auf 80-120 kg ausgeweitet, das Kriterium Magerfleisch-Prozente fällt weg. Diese Maßnahme dürfte das AMA-GS-Volumen am Schlachthaken um ca. 25-30 % erhöhen. Auf dem Protokoll der Klassifizierung werden die zusätzlich anfallenden AMA Schlachtkörper als AMA-V gekennzeichnet, wobei das V den Hinweis auf primäre Verarbeitung bzw. Verifizierung geben soll. Mit der Erhebung der AMA-V gekennzeichneten Ware soll es gelingen, die Fleischindustrie vom Vorhandensein des AMA-Rohstoffes zu überzeugen und die Zustimmung zur AMARohstoffverpflichtung zu erreichen. Die von uns geforderte Prämierung der zusätzlichen AMA-V Ware mit 2 Cent pro kg wurde von der abnehmenden Seite, wie bereits oben beschrieben, massiv abgelehnt. Begründet wurde diese Ablehnung mit dem Hinweis, das Projekt Gütesiegel ansonsten zur Gänze zu Fall zu bringen. Des Weiteren wies die abnehmende Seite darauf hin, dass für GütesiegelMäster keine zusätzliche Mehrleistung ab Oktober gefordert bzw. erbracht wird.

GS-Einbindung der Ferkelstufe – Abgeltung über Zuchtenverkauf Noch im Frühjahr 2018 soll die Mengenverfügbarkeit mit der Fleischindustrie evaluiert werden und in Folge ein Stufenplan zur Umsetzung der Rohstoffverpflichtung verein-

bart werden. Ab diesem Zeitpunkt ist geplant, auch die Ferkelstufe in das AMA-Gütesiegel einzubinden um den Rohstoff „Zuchtenfleisch“ auf AMA-Gütesiegel Niveau anzuheben. Dazu bedarf es bei den Sauenhaltern einiger Umstellungen im Bereich Haltung und Fütterung. Darüber hinaus sind die Kosten der GS-Kontrolle durch den Sauenhalter zu tragen. Als Ausgleich dafür wurde mit der Schlachtbranche ein Zuschlag von 5 Cent pro kg Schlachtgewicht vereinbart. Diese Regelung dürfte aus derzeitiger Sicht frühestens im zweiten Halbjahr 2018 in Kraft treten, sofern mit der Fleischindustrie ein konstruktiver Weg vereinbart werden kann.

Basispreis und Preismaske bestimmen primär Erfolg

Der Auszahlungspreis für den Landwirt setzt sich inzwischen aus mehreren Komponenten zusammen. Alle verrechnungsrelevanten Kriterien (wöchentlicher Basispreis, Preismaske, Mengenzuschlag, Optimalkorridor und Zuschläge für Programme) müssen zwischen Ö-Börse und Abnehmer ausgehandelt werden. In dieser Verantwortung stehend wissen wir sehr genau, welchen Wert AMA-Gütesiegel für die Absicherung des Heimatmarktes hat und welchen positiven Effekt das auf die Basispreisbildung hat. Daher sind wir uns sicher, dass die ab Oktober gewählten Maßnahmen beim AMA-Gütesiegel unter dem Strich die richtige Entscheidung war.


Mit dem Rüssel in Brüssel Erwartungen für 2018 wenig berauschend Oktober und November sind Monate, die einerseits das Erstellen vorläufiger Bilanzen für das zu Ende gehende Jahr zulassen und andererseits erste Einschätzungen zum Marktverlauf für das kommende Jahr ermöglichen. Demnach finden auch auf EU-Ebene zahlreiche Expertenrunden statt, die sich mit Rückschau und Vorschau aber auch mit den relevanten marktbegleitenden Themen beschäftigen. So fanden kürzlich die Prognosesitzung der Marktexperten in Brüssel, das IMPA-Meeting in Spanien, die Arbeitsgruppe Schwein der COPA sowie die Sitzung für den zivilen Dialog in der EU-Kommission in Brüssel statt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und die aus meiner Sicht für die österreichischen Schweinebauern relevantesten Botschaften möchte ich hier kurz zusammenfassen. Durchschnittliches Schweinepreisniveau ca. 10 % tiefer Die Antwort auf die wichtigste aller Fragen: „Wie wird sich der Preis im nächsten Jahr entwickeln?“, geht eindeutig in eine negative Richtung. Praktisch alle preisrelevanten Einflussgrößen lassen keinen anderen Schluss zu. 1. Die Produktion am Binnenmarkt steigt wieder im Bereich 0,5-1 %. 2. Der Binnenmarktkonsum sinkt weiter, besonders Deutschland verzeichnet weiter Einbußen. 3. Die Erwartungen für den Drittlandexport lassen zu wünschen übrig, weil Nord- und Südamerika als Mitbewerber in Asien zunehmend kräftiger mitmischen, aber auch weil China die eigene Produktion wieder ankurbelt. 4. Die Chance, dass Russland bald wieder aufgeht, ist praktisch Null. Im Gegenteil: das Embargo wurde bis Ende 2018 verlängert und auch die Chance, dass die vom politischen Embargo ausgenommenen und nur wegen der Schweinepestproblematik gesperrten Nebenprodukte sowie Fett bald wieder in Gang gesetzt werden können, wurde soeben von russischer Seite für beendet erklärt. 5. Auch die Preisentwicklung bei den Futtermitteln deutet nicht darauf hin, dass es aufwärts gehen könnte. Billiges Futter bedingt erfahrungsgemäß schwache Schweinepreise.

Hauptbedrohung „Afrikanische Schweinepest“ Größeres Kopfzerbrechen als der Markt bereitet den Marktbeteiligten jedoch die Sorge um die Afrikanische Schweinepest. Das Voranschreiten der Ausbruchsfälle ist

zwar langsamer als 2014 angenommen, trotzdem bewegt sich das Virus scheinbar unaufhaltsam Richtung Westen. Die Bandbreite der Diskussion reicht inzwischen von Meinungen, wonach das Virus eines Tages endemisch, also einheimisch werden könnte, bis hin zur derzeit noch klar überwiegenden Forderung, dass alles unternommen werden müsste um das Virus auszurotten. Dass Letzteres möglich wäre, behaupten permanent Portugal und Spanien, wo man von 1985 bis Anfang der 90er Jahre diesbezüglich erfolgreich war. Die osteuropäischen EU-Länder kontern jedoch damit, dass die offene Grenze zu Russland, Weißrussland und Ukraine sowie der hohe Bestand an Wildschweinen das Ausrotten verunmöglichen. Die, die sich trotzdem nicht geschlagen geben, plädieren für die Errichtung sicherer Zäune. Dies wird beispielsweise aktuell in Polen diskutiert und würde 30 Millionen Euro kosten. Die EUKommission hingegen setzt auf die Entwicklung eines Impfstoffes. Eine mit 10 Millionen Euro dotierte Ausschreibung, die primär die Entwicklung eines Köderimpfstoffes für Wildschweine verfolgen sollte, ist gerade im Gange.

Ausbruch in Deutschland wäre fatal Die drei baltischen Staaten, Polen sowie Tschechien und Rumänien, also jene EULänder, in denen es bislang zu Ausbrüchen kam, gehören nicht zu den relevanten Drittlandexporteuren. Demnach hat sich die dortige Seuchenlage bisher wenig bis gar nicht auf den europäischen Schweinepreis ausgewirkt. Selbiges wäre übrigens auch für einen Ausbruchsfall in Österreich anzunehmen. Völlig anders wird jedoch die Auswirkung eines möglichen ASP-Ausbruchs in

Deutschland eingestuft. Aufgrund des hohen Eigenversorgungsgrades von ca. 120 % muss ca. 15-20 % der deutschen Produktion außer Landes gebracht werden. Für den Fall, dass es zu einer Sperre für den asiatischen Markt käme, würde es relativ abrupt zu einem enormen Warendruck am Binnenmarkt kommen. Deutschland alleine hat letztes Jahr in Asien mehr als doppelt so hohe Mengen abgesetzt als vor dem Russlandembargo die gesamte EU Richtung Moskau. Demnach kann man der Einschätzung mancher Experten gut folgen, die ein Szenario „ASP in Deutschland“ für die Preisentwicklung fataler einschätzen als die Auswirkungen durch das Russlandembargo.

Kastration: Die Zeit für Deutschland wird knapp Anfang 2019 soll in Deutschland das Verbot der Ferkelkastration ohne Schmerzausschaltung gelten. Die drei vom Gesetzgeber empfohlenen Möglichkeiten Ebermast, Immunokastration und die örtliche Betäubung bzw. Narkose durch den Tierarzt werden verständlicherweise von der Praxis abgelehnt. Die Branchenvertretung kämpft um den sogenannten „Vierten Weg“, das wäre die Anwendung der Lokalanästhesie durch den Landwirt. Diese Methode wird im Tierschutz-Herzeigeland Schweden seit zwei Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Landwirte müssen dazu die Absolvierung eines eintägigen Kurses nachweisen. Doch die Chancen auf den Vierten Weg scheinen eher zu schwinden, insbesondere im Hinblick auf die zurzeit laufende Regierungsbildung, bei der auch die Grünen involviert sind und nicht ausgeschlossen ist, dass das Landwirtschaftsministerium grün gefärbt werden könnte.

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Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss

Herausforderungen in der kalten Jahreszeit Die Talfahrt der Ferkelnotierung in den letzten Wochen trübt den Blick auf ein durchaus zufriedenstellendes heuriges Jahr. Inklusive der Kalenderwoche 44 ist ein Durchschnittspreis von 2,70 € zu verzeichnen, ein Ergebnis, das über die Jahre hinweg nur selten bis gar nicht zu erzielen war. Aufgrund der schwer einzuschätzenden Marktlage bei den Mastschweinen verbietet es sich fast Prognosen zu machen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Exporte aus der EU wieder in die Gänge kommen und auch der tendenziell rückläufige Verbrauch sich wieder stabilisiert.

Aktuelle Gesundheitslage Wenn die Tage kürzer werden, die Nächte kühler und es in den Winter geht, kommen auf die Schweineproduktion in Bezug auf den Krankheitsdruck wieder andere Herausforderungen zu. Die größten Einflussfaktoren für Verluste auf den Betrieben sind wie folgt:

10 | Ferkelmarkt |4 2017

Mangelhafte Lüftungs- und Temperatureinstellungen

Nicht korrekt durchgeführte Schutzimpfungen

Mangelhaftes Einstallmanagement

PRRS

Nach den enormen Verlusten im letzten Winter in der Steiermark möchte ich den Bereich PRRS etwas näher betrachten. Das Auftreten von PRRS war in den 90er Jahren des vergangenen Jahrtausends von hohen Verlusten gekennzeichnet. Mit der Zeit begann sich das Krankheitsgeschehen aber abzuschwächen und durch geringere klinische Symptome wurde die Bedeutung für die Produktion nicht immer so wahrgenommen als wie sie es verdient hätte. Leichter Husten, höhere Ausfälle, längere Mastdauer und Fruchtbarkeits-


probleme in der Ferkelproduktion wurden nicht immer zwangsläufig auf diese Viruserkrankung zurückgeführt und den finanziellen Folgen wurde eher nicht so große Bedeutung beigemessen. Diese Situation hat sich aber mit dem Auftreten neuer Virusvarianten grundlegend geändert. Der sogenannte „Acro-Stamm“ hat im letzten Winter zu fürchterlichen Verlusten in den betroffenen Betrieben geführt, es fielen ganze Abferkelgruppen aus und die Vermarktungsfähigkeit der überlebenden Tiere war massiv eingeschränkt. Nachdem in der kalten Jahreszeit ein Wiederaufleben dieser Situation zu befürchten ist, macht man sich natürlich Gedanken darüber, wie man darauf reagieren muss. Zwar sind Schätzungen, wonach PRRS in Europa jährlich ca. 1,5 Mrd. an Gesamtkosten (Fa. Boehringer) verursacht, mit Vorsicht zu genießen, dass aber über alle Produktionsstufen hinweg ein hohes finanzielles Risiko besteht, ist unbestritten. Es wäre auch fahrlässig dieses Geschehen entweder der Mast oder der Zucht zuzuordnen – es betrifft einfach alle und das, nach praktischen Erfahrungen, ziemlich zu gleichen Teilen. Je Zuchtsau werden Kosten von 100-200 €, je Mastschwein 5-10 € angenommen (Fa. Boehringer). Die gute Frage ist natürlich, wie man reagieren soll. Die Praxis des vergangenen Jahres hat gezeigt, dass für Schutzimpfungen erprobte Mittel zu Verfügung stehen. Aus geschlossenen Betrieben ist zu beobachten, dass mittlerweile ca. 20 % schon PRRS Schutzimpfungen durchführen (Quelle: Erhebungen bei Styriabrid Mitgliedsbetrieben). Betriebe die in die Vermittlung liefern, haben hier einen weit geringeren Prozentsatz. Leider liegt aber hier durch die Vermischung von Partien mit unterschiedlichem PRRS-Status für die Ferkelvermarkter ein großes Problem, das gemeinsam mit den Betreuungstierärzten in Angriff genommen werden muss. Grundsätzlich gilt es auch in dieser schwierigen Thematik einen „kühlen Kopf“ zu behalten. Natürlich sind nicht alle Probleme auf den PRRS-Komplex zurückzuführen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen im Bereich der Biosicherheit können vor Schäden schützen. Regelmäßige Diagnostik ist zu empfehlen und im Falle eines Ausbruches ist die rasche Einleitung von Maßnahmen gemeinsam mit dem Betreuungstierarzt der Schlüssel. Der einfachste Lösungsansatz dieses Problems liegt dann in der Schutzimpfung der Ferkel gegen PRRS.

Die Schutzimpfung der Ferkel gegen PRRS minimiert das finanzielle Risiko auch über den Winter. Foto: FRAUKOEPPL

Grafik: Basispreise Ferkel je KW der Jahre 2014-2017. Quelle: Bäck

Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2002 bis 2017. Quelle: Bäck 4 2017 | Ferkelmarkt | 11


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DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Tierhaltungsverordnung – Neue Auflagen für Schweinebauern Änderungen bei Ferkelkastration und Schwanzkupieren sind seit 1. Oktober 2017 in Kraft. Neuregelungen beim Beschäftigungsmaterial sind ab 1. Jänner 2018 verpflichtend umzusetzen. Alle diese neuen Auflagen haben eines gemeinsam. Sie sind CC-relevant. Ist also bei einer amtlichen Kontrolle die Nachvollziehbarkeit der vorgeschriebenen Schmerzmittelgabe nicht nachvollziehbar oder das organische Beschäftigungsmaterial nicht vorhanden, kann es zu Kürzungen von Förderungen kommen.

1. Ferkelkastration Regelungen seit 1. Oktober 2017 in Kraft Das Kastrieren männlicher Schweine ist zulässig, wenn der Eingriff • durch eine sachkundige Person • innerhalb der ersten sieben Lebenstage und • mit wirksamer Schmerzbehandlung erfolgt. Damit wird die derzeitige freiwillige Branchenlösung, bzw. die bei der AMA-Gütesiegelproduktion vorgeschriebene Schmerzmittelgabe

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vor der Kastration zur gesetzlichen Auflage für alle. Zusätzlich wird in der neuen Verordnung schon ein Vorgriff auf mögliche zukünftige Entwicklungen mit folgender Regelung gemacht: Ab dem Zeitpunkt, ab dem ein Mittel zur Verfügung steht, das zur Betäubung oder Schmerzausschaltung geeignet ist und auch durch den Landwirt angewandt werden darf, genügt die alleinige Schmerzmittelgabe nicht mehr.

2. Schwanzkupieren Regelungen seit 1. Oktober 2017 in Kraft Das Kupieren des Schwanzes ist zulässig, wenn der Eingriff • durch eine sachkundige Person • innerhalb der ersten 7 Lebenstage


• mit einem Gerät, das scharf schneidet und gleichzeitig verödet und • mit wirksamer Schmerzbehandlung erfolgt.

zu überprüfen und dementsprechend zu dokumentieren (Beschäftigungsmaterial, Platzangebot, Tiergesundheit, Hygiene, Fütterung, Management, Stallklima).

Damit ist zukünftig auch beim Schwanzkupieren die Schmerzmittelgabe vor dem Eingriff gesetzlicher Mindeststandard. Zusätzlich wird die Gerätetauglichkeit zur Verödung vorgeschrieben.

Regelungen ab 1. Jänner 2018 in Kraft

Beim Halten von Mastschweinen mit kupierten Schwänzen sind folgende Auflagen einzuhalten:

Alle Schweine müssen ständigen Zugang zu ausreichenden Mengen an Materialien haben, die sie bekauen, untersuchen und bewegen können.

• Aufzeichnungen über: - Art und Menge des Beschäftigungsmaterials - Platzangebot - Art und Umfang tierwohlrelevanter Ereignisse (Schwanz-, Ohrenbeißen, Kämpfe, …) • Die Haltungsbedingungen bei Betrieben mit mehr als 200 Mastplätzen sind zweimal im Jahr durch einen Tierarzt

3. Beschäftigungsmaterial

• Als solche gelten z.B. Raufutter (Stroh, Heu, Maissilage, …), Hanfseile, Holz, Sägemehl, Pilzkompost, Torf oder eine Mischung dieser Materialien. • Werden nur bekaubare Spielmaterialien aus Plastik bzw. Gummi zur Verfügung gestellt: - muss mindestens einmal am Tag ein oben genanntes organisches Material zur Verfügung gestellt werden.

Rechtshandbuch Land- und Forstwirtschaft Mit dem „Rechtshandbuch Land- und Forstwirtschaft“ des WEKA Verlags erscheint erstmals ein umfassendes Nachschlagewerk für die Inhaber und Verwalter von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben. Ob Direktvertrieb, Hofübergaben oder Fragen zu Arbeits- und Pachtverträgen – Verantwortliche in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben sind ständig mit einer Vielzahl von oftmals sehr speziellen rechtlichen Fragestellungen und gesetzlichen Neuerungen beschäftigt. Wer bislang nicht seinen Anwalt oder Steuerberater kontaktieren wollte, musste selbst zeitaufwändig recherchieren. Oft bleibt dabei das Gefühl der Rechtsunsicherheit. Das „Rechtshandbuch Land- und Forstwirtschaft“ schließt diese Lücke und bietet einen aktuellen und vollständigen Überblick über die maßgeblichen und relevanten Themen und Vorschriften für die Land- und Forstwirtschaft. Das Werk ist thematisch nach den wichtigen Rechtsbereichen gegliedert und enthält praxisnahe Fachbeiträge sowie Checklisten, Vorlagen und Muster. Erschienen im WEKA-Verlag Preis: 179,- (zzgl. MwSt. u. Versand) Bestellnummer: 1059640 ISBN: 978-3-7018-5964-1 Anfragen & Bestellung: Telefon: +43.1.97000-100 Fax: +43.1.97000-5100 E-Mail: kundenservice@weka.at Online: www.weka.at

• Nicht alleine als Beschäftigungsmaterial gelten: - Ketten, Reifen, Zeitungsschnitzel, Spielball oder Gegenstände, die schnell stark verschmutzen Damit muss zukünftig in allen Altersbereichen der Schweine dauerhaft oder unter bestimmten Voraussetzungen zumindest einmal am Tag ein organisches Beschäftigungsmaterial vorgelegt werden. Vor allem in den Bereichen der Abferkelbucht und des Deckzentrums stellt diese Auflage eine besondere Herausforderung dar.

Beratungs- und Informationsangebot Die Landwirtschaftskammern mit ihren Schwerpunktberatungsstellen für Schweineproduktion stehen Ihnen bei weiterem Informationsbedarf gerne zur Verfügung und bieten Ihnen bei Bedarf auch eine Beratung vor Ort an.

Informationsveranstaltung zur Kennzeichnungspflicht Komplexe Tagesabläufe erfordern es immer öfter, Außer-Haus zu essen. Dabei ist es oft schwer bis gar nicht zu erkennen, woher die Zutaten der Speisen, insbesondere Eier und Fleisch, kommen. Als Vorbild für die Kennzeichnung der Herkunft von tierischen Lebensmitteln in der Gastronomie gilt die Schweiz, dort gibt es seit 1996 bei der Außer-Haus-Verpflegung eine verpflichtende Kennzeichnung. Ist das Schweizer Modell auch auf Österreich übertragbar? Wie sieht die Situation in Österreich aus? Um diesen Fragen nachzugehen, veranstaltet der Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) eine Informations- und Diskussionsveranstaltung.

NTÖ-Veranstaltung „Fleisch, Milch, Ei-bedenkenfrei?“ Herkunftskennzeichnung im Außerhauskonsum Mittwoch, 29.11.2017 von 13:00 - 16:30 Uhr im Festsaal der Veterinärmedizinische Universität (Veterinärplatz 1, 1210 Wien) Um Anmeldung bis 24.11.2017 bei Fr. Martina Gauser-Hengst unter 01—334 17 21 oder gauser-hengst@rinderzuchtaustria.at wird gebeten.

4 2017 | Recht & Politik | 13


Mäuse und Ratten nachhaltig bekämpfen Die Ratten- und Mäusebekämpfung ist wichtiger denn je. Jetzt im Herbst umso mehr, da sich die Schadnager nach einem warmen Winterquartier umschauen. Die Schäden durch Ratten und Mäuse sind hinlänglich bekannt: Sie fressen nicht nur Getreide und gemischtes Futter, sondern auch mit Vorliebe Isoliermaterial von Gebäuden, z.B. Styropor und Kabel. Nicht selten hat ein technischer Defekt, bei Lüftung und Fütterung, seinen Ursprung in einer angebissenen Isolierung im Kabelschacht.

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Der Mäuse- und Rattenkot stellt nicht nur ein hygienisches Problem dar, sondern vor allem auch ein Gesundheitliches. Oft wird übersehen, dass durch Ratten und Mäuse Salmonellen, Dysenterie und die Afrikanische bzw. klassische Schweinepest übertragen werden können. Seit Längerem wird die Schadnagerbekämpfung auch bei der AMA-Gütesiegel Kontrolle erfasst. Für alle Betriebe ist die Schadnagerbekämpfung in der zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Schweinegesundheitsverordnung (SchwG-VO) vorgeschrieben. Ein sorgfältig geführter Schweinebetrieb muss daher die Bekämpfung laufend im Auge behalten.

Mäuse lieben Unordnung Die bis zu 10 Zentimeter großen und etwa 30 g schweren Schädlinge haben einen Aktivitätsradius von wenigen Quadratmetern. Sie lieben trockene „Rumpelkammern“, d.h. dort wo z.B. alte Papiersäcke, Getreide oder Futterreste längere Zeit liegen, findet man ihre Fraßspuren und Mäusekot. Die Laufwege sind gerne entlang von Mauern, Wänden oder schützenden

Bei dieser Unordnung nisten sich Ratten und Mäuse ein. Foto: Strasser

14 | Schadnagerbekämpfung | 4 2017

Einrichtungen. Sie sind sehr neugierig und registrieren Veränderungen und untersuchen diese. Mäuse können auch gut klettern. Eine raue Wand ist kein Hindernis, wenn es darum geht, an Futter zu kommen oder Schutz zu suchen. Diese Erkenntnis müssen wir uns bei der Bekämpfung zu Nutze machen: Fallen und Köder dort aufstellen, wo Laufwege vermutet werden. Mäuse naschen an verschiedenen Fraßstellen ein wenig – deshalb sollen mehrere im Raum verteilt sein.

Ratten sind noch gefährlicher Ratten sind Allesfresser und treten in Rudeln auf. Sie haben einen größeren Aktionsradius, und halten sich in der warmen Jahreszeit gerne an Bachläufen und anderen Gewässern auf. Wenn dort am Beginn des Winters die Nahrung weniger wird, ziehen sie zu den Siedlungen. Sie halten sich gerne in Kanalsystemen bzw. an feuchten Stellen auf. Wanderratten nehmen auch tierische Nahrung auf und können durch den Ortswechsel Krankheiten von einem Hof zum anderen übertragen.

Köderbox entlang des Getreidesilos aufstellen. Foto: Strasser


Ein Weibchen gebärt bis zu siebenmal 8 Junge. Die Tiere sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, haben einen hervorragenden Geschmacks-, Gehör,und Tastsinn und sind sehr vorsichtig. Bei sehr starkem Befall treten Ratten auch bei Tageslicht und an offenen Plätzen auf. Kratz- und Scharrgeräusche in Wänden (Isolierung) und unter Fußböden geben Hinweise für einen Rattenbefall.

Schmackhafter Giftcocktail

Ein breites Spektrum von Mäuse- und Rattengift ist im Handel erhältlich: als Pulver, vermischt mit Haferflocken oder Weizenkörnern, als Pellets und Wachsblöcke, oder als Paste, die wie Silikon bzw. PUSchaum aufgetragen wird. Die Schaumbehandlung erfolgt in den Durchschlupföffnungen. Bei dieser Platzierung wird der Putztrieb der Tiere ausgenützt. Durch die Putztätigkeit wird die Chemikalie aufgenommen. Bei der Auswahl der Mittel lassen Sie sich am besten im Fachhandel beraten. Besonders ist bei der Platzierung darauf zu achten, dass Kinder, Haustiere (Katzen und Hunde) und sonstige Nutztiere nicht an die Köder gelangen und dass Futter oder sogar Lebensmittel nicht kontaminiert werden können. Aus diesem Grund ist die Vorlage in Köderboxen so wichtig.

Giftköderstellen laufend kontrollieren!

auszugehen, dass sich an diesem Standort keine Schadnager bewegen. Daher muss der Köder auf einer anderen Stelle aufgestellt werden. Wird der Köder verbraucht, soll laufend nachgelegt werden. Damit man bei den Mäusen kein Misstrauen erweckt, sollten die Köderboxen mit gebrauchten Handschuhen angefasst werden. Eine Mausbekämpfung kann lange dauern. Mäuse sind sehr fruchtbar und reproduzieren sich laufend so stark, dass der Mäusedruck am Anfang einer Bekämpfung kaum nachlässt. Da Mäuse neben dem Gift auch noch sonstige Nahrung wie Getreide usw. aufnehmen, wird die tödliche Dosis erst nach einiger Zeit erreicht.

Ratten sind schlau In jedem Rattenrudel hat der rangniedere „Vorkoster“ die Aufgabe, die neue Nahrungsquelle zu probieren. Daher sollten schlagartig an mehreren unterschiedlichen Stellen Köder ausgelegt werden. Diese Plätze müssen auch laufend verändert werden. Dabei nicht vergessen, dass menschlicher Geruch von den Ratten gemieden wird. Daher immer mit gebrauchten Handschuhen hantieren. Eine ausgewachsene Ratte frisst bis zu 50 g Köder/Tag. Wichtig ist auch die laufende Beseitigung der verendeten Tiere, da durch diese die Artgenossen gewarnt werden und Katzen in Gefahr kommen.

Dokumentation der Bekämpfung Der Erfolg der Maus- und Rattenbekämpfung ist laufend zu überprüfen. Werden die Köder nicht angenommen, ist davon

Laut CC – Richtlinie ist die Schadnagerbekämpfung zu dokumentieren. Am einfachsten ist es, wenn der Landwirt einen Lageplan erstellt und die Köderstellen einzeichnet. Im Stallkalender bzw. in einer einfachen Liste kann das Anwendungsdatum, das verwendete Mittel und den Erfolg der Bekämpfung eingetragen werden.

Fazit

Beim Hantieren mit Rattengift immer Gummihandschuhe anziehen. Foto: Strasser

Die Schadnagerbekämpfung gehört zur Grundhygiene auf jedem Bauernhof. Wer laufend Ordnung hält und diesen Maßnahmen ein Augenmerk schenkt, spart sich viel Ärger und unnötige Kosten. Der natürliche Feind der Mäuse und Ratten,

unsere Hauskatze, soll auch erwähnt werden, obwohl man sich nicht darauf verlassen kann. Auch die alt hergebrachten Mäuse- und Rattenfallen haben begrenzt ihre Berechtigung, vor allem, wenn diese vorbeugend aufgestellt werden. Beachte dabei, dass der Standort und der Köder gewechselt werden muss. Ist eine Maus oder Ratte gefangen, so kann man sicher sein, dass schon unzählige da sind. Jetzt unbedingt sofort Giftköder auslegen.

Checkliste für eine effiziente Schadnagerbekämpfung • Befallsanalyse durchführen - Ratten- und Mäusekot - Spuren im Futter (Striche im Getreide durch nachgezogenen Schwanz) - Angefressenes Isoliermaterial - Versteck bzw. Nistplätze durchsuchen • Aufräumen bzw. Vermeidung von „Rumpelkammern“ • Gebäudemängel beheben - Ritzen und Fugen verschließen - Gitter mit Maschenweite unter 18mm anbringen - Nagerschutz bei Isoliermaterial - Kabel in offenen Tassen und nicht in Schächten verlegen - Mauerdurchbrüche für Leitungen sauber verschließen - Kanaldeckel dicht oder mit engmaschigem Gitter • Erstellung eines Bekämpfungsplanes - Fraßplätze festlegen - Köder auswählen - Ev. giftfreies Vorködern um Befallsausmaß festzustellen • Attraktives Rattengift auslegen: - Handschuhe anziehen - etwas versteckt - unerreichbar für andere Tiere - Köderboxen verwenden - Dokumentieren: wann, was, wo • Nachködern • Verendete Ratten und Mäuse entfernen

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© VÖS/ ebner

Dr. Thomas Url wissenschaftlicher Mitarbeiter am WIFO Forschungsthemen: Europäische Währungsunion Finanzmärkte u. Finanzdienstleistungen Quelle: WIFO

Priv. Doz. Dr. Franz Sinabell wissenschaftlicher Mitarbeiter am WIFO Agrar- und Ernährungsökonomie Risiko- und Naturgefahrenanalyse Umwelt- und Ressourcenökonomie. Quelle: WIFO

16 | Versicherungen | 4 2017

Versicherungen in der österreichischen Landwirtschaft Thomas Url und Franz Sinabell, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO): Landwirtschaftliche Betriebe sind besonderen Risken ausgesetzt, die existenzbedrohende Ausmaße annehmen können.

Traditionell wird in der Landwirtschaft der Risikoausgleich durch die Streuung der Aktivitäten versucht. Der Anbau verschiedener Kulturen und die Erzeugung pflanzlicher und tierischer Produkte in einem Betrieb ist eine typische Strategie zur Streuung von Risken. Ein Hagelereignis, das die Apfelernte zerstört, hat in einem gemischten Betrieb keine Auswirkung auf die Milcherzeugung. Die Diversifizierung der Produktion hat aber den Nachteil, dass Spezialisierungsvorteile nicht genutzt werden.

Da in der Landwirtschaft durch Spezialisierung sinkende Durchschnittskosten möglich sind, stehen landwirtschaftliche Betriebe vor folgendem Dilemma: Die Spezialisierung bewirkt zwar niedrigere Produktionskosten, sie führt aber gleichzeitig zu einem höheren Risiko. Daher steigt der Bedarf nach spezifischen Versicherungsprodukten in dem Umfang, in dem Betriebe sich auf weniger Produktionszweige spezialisieren. In der Schweinehaltung ist dieses Muster besonders ausgeprägt.


Rücklagen oder Versicherung? Es gibt mehrere Möglichkeiten diesem Dilemma zu begegnen. Der Aufbau entsprechend hoher Rücklagen wäre eine Möglichkeit, um bei einem Produktionsausfall liquide zu bleiben. Allerdings ist in diesem Fall das gebundene Kapital vergleichsweise groß und die Veranlagung würde in der aktuellen Niedrigzinsphase praktisch keinen Finanzertrag bringen. Versicherungen sind eine Alternative zum Auf- und Abbau von Rücklagen, falls es ein entsprechendes Angebot am Markt oder durch Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit gibt. Kleine Versicherungsvereine sind nicht-gewinnorientierte Solidargemeinschaften von Landwirten, die ihr Versicherungsangebot auf eine bestimmte Region beschränken. Tierversicherungen konzentrieren sich auf Produktionsausfälle und decken Preisrisken nur im Zusammenhang mit solchen Schadenfällen ab. In Österreich bieten 16 kleine Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit Viehversicherungen im Bereich der Rinder- und Pferdezucht an. Allein 11 dieser Vereine sind in Vorarlberg, die anderen 5 befinden sich in Tirol (2), Oberösterreich (2) und in Salzburg. Die Zahl der Versicherungsvereine hat in den letzten Jahren abgenommen. Spezielle Produktionsrisiken in der Schweinehaltung wie etwa Lüftungsausfälle deckt der Verband Landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten Oberösterreich ab. Bundesweit bieten nur die Österreichische Hagelversicherung und die R+V-Versicherung landwirtschaftliche Tierversicherungen an. Sie haben auch ein breiteres Angebot als die anderen Anbieter. Es erstreckt sich von der Rinder- und Pferdezucht bis zur Absicherung von Dürreschäden für Grünland und enthält auch eine Versicherung für Ertragsrisken in der Schweinehaltung. Eine Statistik der Schadensfälle in der Rinderzucht zeigt, dass pro Jahr etwa 33.000 Rinder verenden sowie 30.000 Totgeburten und 1.300 Almabstürze zu verzeichnen sind. Umgelegt auf den Rinderbestand ergibt das eine Ausfallsrate von knapp 4 % der Rinder pro Jahr. In der Schweinezucht sind die Ausfallsraten gemäß den betriebswirtschaftlichen Standardkalkulationen anders. So kommt es etwa bei Saugferkeln zu einem vergleichsweise hohen Ausfall von 10 % der geborenen Tiere, bei Ferkeln stabilisiert sich die Ausfallsrate jedoch auf 2,5 % der Tiere und von den Mastschweinen verenden 1,75 % in der Produktionsphase.

In der Rinderzucht gibt es die Möglichkeit Einzelereignisse – wie etwa den Tod eines Tieres durch Krankheit, Unfall beim Transport oder durch einen Absturz – mit einer Versicherung abzusichern. Die Österreichische Hagelversicherung stieg 2003 in den Markt der Viehversicherung ein und bietet seither Versicherungen für Rinder an. Mittlerweile ist jedes dritte Rind bei der Österreichischen Hagelversicherung versichert. Über das Versicherungsausmaß in der Schweinhaltung liegen keine Informationen vor. Die Absicherung von Einzelereignissen hat in der Rinderhaltung einen größeren Stellenwert, weil der Schaden aus dem Verlust eines Tieres vergleichsweise groß ist. Es gibt aber auch Absicherungen gegen Totalausfälle z. B. durch eine Tierseuche und die damit verbundene Betriebssperre und Keulung. Für die Schweinehaltung gibt es hingegen derzeit keine Versicherung von Einzelereignissen, die im Zuge des regulären Produktionsprozess auftreten. Dieses Produktionsrisiko müssen die Landwirte selbst tragen. Für Totalausfälle bieten die Österreichische Hagelversicherung und die R+V Versicherung hingegen Versicherungslösungen an.

Versicherung gibt es einen Mindestschaden von 500 € in der Ferkelproduktion und 1.000 € in der Schweinemast und Jungsauenproduktion. Gleichzeitig besteht ein Selbstbehalt von 10 % der Versicherungsleistung, der bei mangelnder Wartung der Lüftungsanlage auf 35 % ansteigt. Im Fall einer Tierseuche tritt der Schadenfall ein, wenn der gesamte Betrieb oder eine Betriebsstätte von der Behörde entsprechend dem Tierseuchengesetz gesperrt wurde. Gleichzeitig muss dadurch eine Vermarktung der Tiere nicht oder nur eingeschränkt möglich sein. Die Deckung umfasst neben dem Produktionsausfall auch Ertragseinbußen, die durch einen Verkauf zu Preisen unterhalb des aktuellen Marktniveaus entstehen. Die Versicherung deckt auch die Kosten der Tötung, sowie eine Pauschale für den erhöhten Verwaltungsaufwand durch die Keulung der Tiere und eine behördlich angeordnete Desinfektion.

Versicherungen gewinnen an Bedeutung

Wir konzentrieren uns im Folgenden auf das Beispiel der „Tierertragsschadenversicherung Schwein“ der Österreichischen Hagelversicherung, weil sich daran die typischen Versicherungsbedingungen gut zeigen lassen. Die Versicherung deckt Risken in der Ferkelerzeugung, der Schweinemast und in der Jungsauenproduktion ab. Einerseits Ausfälle infolge eines Lüftungsausfalls und andererseits Schäden durch eine Tierseuche. Bei einem Lüftungsausfall kann es zum Verenden der Tiere oder zu Notschlachtungen kommen. Der daraus entstehende Schaden umfasst den entgangenen Umsatz bei einer Entsorgung durch eine tierkörperentsorgende Organisation.

Aus den Aufzeichnungen buchführender Betriebe lassen sich die betrieblichen Ausgaben für Versicherungen in der Landwirtschaft ableiten. Die Angaben sind nicht so detailliert, dass es möglich wäre, einzelne Produkte gesondert auszuweisen. Ausgaben für Tierversicherungen werden nur mit Hagel- und Waldbrandversicherungen gemeinsam erhoben. Für diese drei Produkte gaben die landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten Jahren annähernd 58 Mio. € pro Jahr aus. Der Anteil dieser Ausgaben am gesamten betrieblichen Aufwand lag zuletzt bei etwa 0,9 %. Verglichen mit der Ausgabensituation vor einem Jahrzehnt fällt auf, dass der Aufwand sowohl nominell als auch anteilsmäßig zugenommen hat. Im Jahr 2003 hatte der Versicherungsaufwand für die genannten Produkte nur 0,5 % des Gesamtaufwands betragen. Im Durchschnitt der Jahre 2013-2015 wurden jeweils etwa 100 Mio. € an Entschädigungen ausgezahlt.

Zur Berechnung des Schadenausmaßes werden die Notierungen an der Österreichischen Schweinebörse am Tag des Schadenereignisses zuzüglich der Mehrwertsteuer verwendet. Die ausgefallene Produktionsmenge wird anhand des Alters der Tiere mit standardisierten Gewichtstabellen berechnet. Für diese

Mehr und mehr Betriebe nutzen also Versicherungen als Instrument für das Risikomanagement. Die Schweinehalter können in Österreich derzeit nur auf Angebote zweier bundesweiter Anbieter zurückgreifen. Rinder- und Pferdehalter und Schweineproduzenten in Oberösterreich haben eine größere Auswahl.

Was können Tierversicherungen?

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Änderungen AMA-Gütesiegel bei Schwein: Neue Kriterien für Alter und Gewicht Mit 2. Oktober treten einige Neuerungen beim AMA-Gütesiegel in Kraft. Die Schlachtkörperkriterien für Mastschweine haben sich geändert. Außerdem gibt es ein freiwilliges Modul für mehr Tierwohl. Ab 2. Oktober gibt es keine Einschränkungen mehr beim Muskelfleischanteil (MFA) bei Schweinen (bisher mehr als 57 Prozent). Die Grenzen für das Schlachtgewicht von Schweinen werden auf 80 bis 120 Kilo erweitert. Alle Schweineschlachtkörper, die den Kriterien entsprechen, werden ab Oktober mit dem AMA-Gütesiegel gekennzeichnet. Schweine im jetzt erweiterten Bereich (102 bis 120 kg bzw. Magerfleischanteil unter 57 Prozent) werden am Klassifizie-

Hinweis der VÖS Redaktion Der AMA-Gütesiegel Zuschlag von 3,6 ct/kg bleibt weiterhin an die bisherigen Kriterien der Schlachtkörperqualität (Schlachtgewicht warm 80 bis 102 kg, MFA größer 57 %) gekoppelt. Die zusätzlich anfallenden AMASchlachtkörper durch die neuen Gewichtsgrenzen werden als AMA-V gekennzeichnet, wobei das V den Hinweis auf primäre Verarbeitung bzw. Verifizierung gibt. Lesen Sie in diesem Zusammenhang den Bericht von Dr. Schlederer auf Seite 8.

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rungsprotokoll zusätzlich zum AMA-Gütesiegel gesondert ausgewiesen. Dadurch sollen die verfügbaren Mengen für die Verarbeitungsbetriebe besser dargestellt werden. Die Absicherung von Fleisch für

Wurst, Schinken und andere Verarbeitungsprodukte wird immer wichtiger. Ziel ist, dass das eingesetzte Fleisch ausschließlich von Rindern und Schweinen von AMA-Gütesiegel-Betrieben stammt.

Änderungen der Schlachtkörperkriterien im AMA-Gütesiegel. Daten: AMA

AMA Gütesiegel-Bauern gesucht Da am Markt derzeit ein erhöhter Bedarf an AMA-GütesiegelTieren besteht, werden Betriebe, die Schweine und Rinder im Rahmen des Qualitätsprogramms halten wollen, gesucht. Die dafür notwendigen Unterlegen erhalten Sie unter www.amainfo.at in der Kategorie Teilnehmer bzw. können diese auch direkt in der AMA unter 01/33151-4807 bestellt werden.

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Plattform zur Diskussion ist online: #fragdieAMA Die Kommunikation ist im Wandel. Sie wird nicht nur zunehmend digitaler, das Bedürfnis nach Information wird auch individueller. Viele Konsumenten möchten sich nicht mehr durch eine gesamte Website scrollen, durch eine dicke Broschüre ackern oder einen halbstündigen Film anschauen. Genau für dieses Bedürfnis wurde #fragdieAMA ins Leben gerufen. Unter www.amainfo.at können alle User ihre Frage direkt an die AMA richten. Hinter der Beantwortung steckt ein kleines Team der Unternehmenskommunikation, das jede Frage spätestens bis zum nächsten Werktag beantwortet. „Schnell und ohne Ausreden“, wie der Titel der Seite verrät. Alle Fragen und Antworten sind öffentlich sichtbar, können in allen Kanälen geteilt werden und sind – wie in den sozialen Medien üblich – kurz und knapp. Erfreulicher Nebeneffekt der Kampagne: Mit sehr geringem Mitteleinsatz lässt sich eine sehr große Reichweite erzielen, die ausgewählten Zielgruppen können dabei punktgenau selektiert werden.

Bauern können ebenfalls beantworten In einer weiteren Ausbaustufe werden die Fragen auch per Foto oder Video beantwortet. Dabei ist vorgesehen, dass sich Bäuerinnen und Bauern aktiv beteiligen. Mittels einer Handy-App können Landwirte ein kurzes Video von sich selbst, ihren Tieren, ihren Ställen oder ihrer Arbeit machen, auf Knopfdruck posten und damit eine Frage beantworten. Denn die Experten der AMA sind überzeugt, dass niemand so authentisch und glaubwürdig über die Arbeit der Landwirte spricht wie die Bauern selbst.

Tierhaltung wird am häufigsten gefragt Schon bisher hat die AMA zahlreiche Anfragen von Konsumenten bekommen, in erster Linie per Mail oder Facebook. Mit der Plattform soll der Dialog ausgeweitet

werden, denn alle Interessierten können alle Fragen und Antworten mitlesen. Am häufigsten werden Fragen zur Herkunftsregelung im rot-weiß-roten AMAGütesiegel gestellt. Zweitwichtigster Themenkreis ist die Tierhaltung, und hier haben die Konsumenten sehr detailliere Fragen. Auch der Einsatz von Gentechnik oder Antibiotika bereitet den Konsumenten offenbar Kopfzerbrechen und wird bei der AMA häufig nachgefragt.

Dankbar über Kritik Rund 2.000 Anfragen trudelten im vergangenen Jahr ein. Die AMA freut sich über jede einzelne. Denn wenn jemand mit uns in Kontakt tritt – und sei es noch so kritisch – setzt er sich mit der Land- und Lebensmittelproduktion auseinander. Und das können wir hervorragend als Anker für den Dialog auf Augenhöhe nutzen“, ist Rudolf Stückler von der AMA überzeugt.

Neue Bio-Kampagne der AMA Anfang September startete die neue Bio-Kampagne der AMA. Thematisiert wird dabei die größtmögliche Natürlichkeit von BioLebensmitteln. Jedes der drei Sujets (Käse, Fleisch, Apfel) soll im ersten Moment eine Irritation aufgrund der dezenten, negativen Anmutung erzeugen, jedoch in einer positiven Auflösung münden. Die Plakat- und Anzeigenkampagne wird durch intensive Online-Maßnahmen begleitet. Auf der Website www.bioinfo.at erfahren besonders interessierte Konsumenten weiterführende Details zur Bio-Produktion.

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Weltkultur Soja DI Christian Krumphuber Pflanzenbaudirektor Landwirtschaftskammer Oberösterreich © LK OÖ

Sojabohne ist Weltölsaat Nummer 1, denn etwa 60 Prozent der weltweiten Ölsaatenproduktion entfällt auf Soja. Für die Veredler ist Sojaschrot die essentielle Eiweißquelle – die globale Bedeutung dieser Kulturpflanze kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Innerhalb der ackerbaulichen Alternativkulturen ist Sojabohne ein wichtiges Standbein geworden. Mit ca. 65.000 ha Anbaufläche war Sojabohne 2017 die flächenmäßig wichtigste Ölsaat in Österreich. Derzeit sind die Aussichten etwas zwiespältig: International gibt es eine hohe Sojaernte, wodurch die Preise unter Druck geraten. Das freut die Sojaproduzenten nicht, für die Veredler bedeutet es, dass Sojaschrot mittelfristig relativ günstig bleiben sollte. Dies gilt nicht unbedingt für GVO-frei Ware, die sich preislich immer mehr vom „Normalsojaschrot“ entfernt. Dass es durchaus Sinn macht und auch logisch ist sich mit Sojabohne verstärkt zu beschäftigen, soll im nachfolgenden Beitrag dargestellt werden.

Bedeutung der Sojabohne in der Welt, in Europa und Österreich Sojabohne ist eine klassische Mehrnutzungspflanze und eigentlich eine Ölsaat, deren Ölgehalt mit ca. 20 % allerdings relativ gering ist.

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Die Bedeutung der Sojabohne ist jedoch enorm: Mit einer Ernte von ca. 330 Millionen Tonnen pro Jahr hat Soja einen Anteil von 60 % der globalen Ölsaatenernte (siehe Abb. 1). In den letzten 30 Jahren wurde die Sojaproduktion etwa verdreifacht. Generell ist der Produktionszuwachs bei Ölsaaten und damit auch der Markt sehr dynamisch. Der Verbrauchszuwachs ist im Wesentlichen durch die Bevölkerungsentwicklung, andere Konsumgewohnheiten der Menschen (mehr Fleischprodukte bei steigendem Wohlstand) aber auch durch die steigende Bedeutung der Bioenergie begründet. Abzuwarten ist allerdings, wie sich die aktuelle Dieseldiskussion auf den Biodieselmarkt auswirken wird. Der amerikanische Kontinent ist der Sojalieferant der Welt (siehe Abb. 2). Etwa 80 % der Welternte an Sojabohnen wird in den USA und Südamerika eingebracht und etwa 90 % der Sojaexporte werden von diesen Ländern getätigt. Die Abhängigkeit beim essentiellen Betriebsmittel „Eiweiß“ von einigen wenigen


Lieferanten ähnelt sehr stark unserer Abhängigkeit bei Energie. Mit ca. 2,8 Millionen Tonnen ist die EU-Ernte zuletzt sogar gestiegen - Im globalen Maßstab spielt die EU in der Sojaproduktion aber (noch) keine Rolle. Abb. 3 gibt die stürmische Entwicklung wider, die sich derzeit in China vollzieht. Bedingt durch geänderte Konsumgewohnheiten der Menschen – mehr Fleisch und weniger Getreideprodukte – steigt der Eiweißbedarf dramatisch. Man muss bedenken, dass China innerhalb von weniger als 20 Jahren den Sojaimport von „Null“ auf über 80 Millionen Tonnen gesteigert hat. In der EU war der Import an Sojaprodukten (Sojabohne und Sojaschrot) mit über 30 Millionen Tonnen relativ konstant. Österreich importiert jährlich ca. 450.000 t Sojaschrot. Die Bemühungen um eine bessere Eiweißversorgung tragen langsam Früchte, denn die Sojaimporte lagen bisweilen schon bei knapp 600.000 t. Sojabohne ist jedenfalls eine Weltkultur mit überragender Bedeutung. Die globale Versorgungslage ist bedingt durch die Konzentration der wenigen Hauptproduzenten (und damit auch der wenigen Exporteure) sehr unsicher. Eine „Selbstversorgung“ mit Soja ist nicht möglich - eine verbesserte Eiweißversorgung wäre jedenfalls im Sinne von Krisensicherheit ein vordringliches Ziel. Heimischer Soja hat darüber hinaus eine deutlich bessere Ökobilanz und ermöglicht unseren Betrieben Produktionsmöglichkeiten.

Abb. 1: Die wichtigsten Ölsaaten der Welt; in Millionen Tonnen, 80er-Jahre bis heute. Quelle: Krumphuber

Abb. 2: Die wichtigsten Sojaproduzenten der Welt – EU – ein „Sojazwerg“. Quelle: Krumphuber

Global Gentechnik – lokal gentechnikfrei Klar muss auch sein, dass in den Hauptproduktionsländern der Großteil der Sojabohne mit gentechnisch veränderten Sorten erzeugt wird. Mit einer verstärkten heimischen Sojaproduktion kann man daher auch den Markt für gentechnikfreies Soja zumindest teilweise bedienen. Gerade im Fleischbereich werden immer mehr Produktionen „gentechnikfrei“ ausgelobt. Es wird dabei immer schwieriger garantiert gentechnikfreien Sojaschrot zu kriegen. Bei schlechterer Verfügbarkeit sind die Preise schon gestiegen und werden weiter steigen. Hier liegen durchaus auch Chancen für die heimischen Produzenten. Im Rahmen des Projektes „Donausoja“ sollen die Chancen der Länder des Donauraumes im Sojaanbau wahrgenommen und gebündelt werden.

Abb. 3: Die größten Importeure von Sojaprodukten (Sojabohne+Sojaschrot) – Zahlen in Millionen Tonnen. Quelle: Krumphuber

Abb. 4: Bundesländervergleich Sojaanbau in Österreich 2017 in Hektar. Quelle: Krumphuber 4 2017 | Soja| 21


Mit der Ölmühle in Güssing und neuerdings auch in Straubing (Bayern) gibt es auch Verarbeiter für Sojabohne – Österreich ist somit recht günstig positioniert. Eine größere Rolle könnten dann auch noch die heimischen Sojatoastereien spielen.

Soja hat noch Potential In Österreich könnten ohne weiteres auch 70 – 80.000 Hektar Sojabohnen angebaut werden – der Markt würde es „vertragen“. In manchen Gebieten brauchen wir künftig zur Auflockerung maisbetonter Fruchtfolgen – als erste Strategie gegen den Maiswurzelbohrer - ohnehin mehr Soja. Neben den Märkten für Speisesoja entwickeln sich auch immer mehr Märkte für Soja als Futtermittel – sei es als heimischer Sojaschrot aus gentechnikfreiem Anbau oder auch getoastet als Vollsoja. Fraglich ist, wie sich das Pflanzenschutzverbot auf ökologischen Vorrangflächen ab 2018 auswirken wird. In Österreich wird es wohl nicht so viel Fläche kosten – etwas größer könnten die Auswirkungen in den osteuropäischen EU-Ländern werden

len – in den ackerbaulich günstigsten Lagen Österreichs – sofern auch entsprechende Niederschläge vorhanden sind kann man auch Sorten der Reifegruppe I wählen. Nachdem Soja eine auch global bedeutende Kultur ist, werden entsprechende Akzente in der Züchtung gesetzt. Jährlich kommen neue Sorten dazu – in der österreichischen Sortenliste stehen ca. 40 Sorten. Österreich hat mit der Saatzucht Donau ein Züchtungsunternehmen, das sehr erfolgreiche Züchtungstätigkeit vollbringt.

Sojamarkt in Österreich Der Sojamarkt in Österreich unterliegt eigenen „Spielregeln“. Der hohe Anteil an Biosoja – insbesondere in Niederösterreich und Burgenland – etwa 1/3 der Sojaproduktion in diesen beiden Bundesländern ist BIO - geht überwiegend in die unmittelbare Lebensmittelverarbeitung. Diese spielt insgesamt eine große Rolle – man geht davon aus, dass etwa die Hälfte der österreichischen Sojaernte im Lebensmittelsektor verarbeitet wird.

Soja als Futtermittel Trends für 2018 – gutes Sortenangebot für alle Reifebereiche Zu Redaktionsschluss stand der überwiegende Teil der österreichischen Sojabohnen noch auf den Feldern. Die ersten Ernteergebnisse waren sehr heterogen - von miserabel (ca. 1.500 kg/ha) bis sehr ordentlich (3.500 kg/ha). Das Sortenspektrum in Österreich reicht von 000 bis 0/I-Sorten. Gerade frühreife Sorten sind wichtig, um neue Anbaugebiete zu erschließen. In den klimatisch weniger begünstigten Gebieten wird man die frühreifsten 000 bzw. 00-Sorten wäh-

Vollsojabohne getoastet kann sehr gut als Futtermittel eingesetzt werden. Sowohl der Milchsektor als auch der Legehennensektor sind mittlerweile weitestgehend auf gentechnikfreie Fütterung umgestellt. Darüber hinaus gibt es mit der Ölmühle in Güssing sowie in Straubing (Bayern) Ölmühlen, die auf Sojabohnenverarbeitung umgestellt sind. In diesen Betrieben kann Sojaschrot aus heimischer/europäischer Sojabohne hergestellt werden. Es ist durchaus zu erwarten, dass dieser Sektor in Zukunft noch wächst und daher dem Sojaanbau eine positive Perspektive gibt.

Sojabohne ist eine klassische Mehrnutzungspflanze und eigentlich eine Ölsaat. Quelle: LK OÖ 22 | Soja | 4 2017

Fazit Der Weltmarkt für Sojabohne hat sich in den letzten dreißig Jahren fast verdreifacht. Keine andere Kulturpflanze hat eine so stürmische Entwicklung genommen. Die wachsende Weltbevölkerung und geänderte Ernährungsgewohnheiten (mehr Fleisch) brauchen den „Rohstoff“ Eiweiß. Mit heimischem Eiweiß = Sojaanbau verkleinern wir die Abhängigkeit von Importen und schaffen Wertschöpfung. Zudem bedienen wir die Schiene der „gentechnikfreien Produkte“ – ein Thema, welches noch zusätzliche Potentiale bietet. Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt ohnehin immer mehr an Bedeutung. Gerade da kann österreichischer Soja wirklich punkten. Kurze Transportwege, kein Einsatz von Gentechnik und eines ist ganz sicher: österreichischer Soja braucht keine ehemaligen Regenwaldflächen. Im Sinne des Sojapioniers Prof. Friedrich Haberlandt, der schon im 19. Jahrhundert an der damaligen Hochschule für Bodenkultur sehr viel Grundlagenforschung mit Sojabohne betrieben hat, hat Österreich sehr viel theoretische und praktische Erfahrung mit Sojaanbau. Österreich ist innerhalb der EU ein bedeutendes Sojaland – bei einem Anteil von lediglich 2 Prozent an der EU-Ackerfläche stammen etwa 7 Prozent der EU-Sojaernte aus Österreich. Es gibt durchaus noch Potentiale für eine weitere Ausweitung des Sojaanbaues in Österreich.

Nachdem Soja eine auch global bedeutende Kultur ist, werden entsprechende Akzente in der Züchtung gesetzt. Quelle: LK OÖ


Internationale Tagung für Qualität und Innovation in der Schweinebesamung Der Schweinezuchtverband Oberösterreich war Gastgeber der internationalen Jahrestagung des Fördervereins Bioökonomieforschung (FBF) in Kremsmünster. Der FBF ist ein Forschungsverbund von Besamungsstationen und Zuchtorganisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dem Ziel einheitliche und fundierte Qualitätsstandards in der Besamung zu setzen und praxisnahe Forschung zu unterstützen. Die Besamungsstationen im FBF nehmen an einem regelmäßigen Qualitätsmonitoring teil, welches von der Tierärztlichen Hochschule Hannover und vom Institut für Fortpflanzungsmedizin in Berlin-Schönow durchgeführt wird. Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen ein im internationalen Vergleich sehr hohes Qualitätsniveau hinsichtlich Hygiene, Befruchtungsfähigkeit und Haltbarkeit des Spermas. In den aktuellen Projekten werden der Einfluss der verschiedenen Abkühlverfahren bei der Spermaverarbeitung sowie die Temperatur- und Erschütterungseinflüsse während des Transports untersucht. Die optimale Lagertemperatur von Frischsperma ist 17°C. Die Ergebnisse aus dem „Thermostresstest“ zeigen, dass kurzfristige Temperaturschwankungen (bis 6h) von 10-30°C keine negative Beeinträchtigung der Spermaqualität bewirken. In einem längerfristigen Grundlagenprojekt wird nach alternativen Möglichkeiten zum derzeit notwendigen Einsatz von Antibiotika im Verdünner gesucht. Da eine keimfreie Spermagewinnung in der Praxis nicht möglich ist, muss die Vermehrung der Keime unterbunden werden, um die Haltbarkeit des Spermas zu gewährleisten.

Zuchtprogrammen bereits genutzt werden, steht mit Gene Editing ein neues Verfahren zur Verfügung, wo bestimmte Merkmale und Eigenschaften von Tieren und Pflanzen noch gezielter bearbeitet werden könnten. Die Auswirkungen auf die praktische Zuchtarbeit sind noch nicht absehbar. Wichtig dazu ist eine sachliche Diskussion und eigene Forschungsaktivitäten, um in Europa nicht den Anschluss zu verlieren.

In einem Tagungsschwerpunkt standen die bevorstehenden Innovationen in der Schweinzucht im Mittelpunkt. Während die genomischen Informationen in modernen

Dr. Dagmar Waberski von der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Dr. Martin Schulze vom Institut für Fortpflanzung der Nutztiere in Schönow/Berlin präsentierten die Forschungsergebnisse und stellten sich der Diskussion mit den anwesenden Praktikern. Quelle: Knapp

Die österreichischen Forschungsaktivitäten wurden von Dr. Konrad Blaas zum Projekt „Pro Sau“ sowie zum Zuchtprojekt „Optizucht – Gute Mutter Vitale Ferkel“ von Dr. Christina Pfeiffer dargestellt. VÖS Geschäfts-

führerin Maria Straßmayr zeigte die österreichischen Regelungen zum Thema Ferkelkastration, wo im Gegensatz zu Deutschland ein praxistauglicher Weg gefunden wurde. SZV Geschäftsführer Dr. Peter Knapp ist selbst Mitglied im Vorstand des FBF und zeigt sich mit der Zusammenarbeit zufrieden: „Durch die langjährige Mitgliedschaft im FBF ist es uns im Schweinezuchtverband gelungen internationale Qualitätsstandards einzuführen und Innovationen aus dem Bereich Reproduktionsforschung und Genomik bei uns umzusetzen.“

Dr. Peter Knapp

10 Besamungsorganisationen mit 29 Standorten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen an der internationalen Fachtagung des Forschungsverbundes FBF in Kremsmünster teil. Quelle: Knapp 4 2017 | Tagungsbericht | 23


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DI Nikolaus Morawitz Abteilungsleiter EU und Internationale Beziehungen Landwirtschaftskammer Österreich © LK Österreich

CETA kurbelt die Wirtschaft an?! Am 21. September 2017 ist das umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada (Comprehensive Economic and Trade Agreement, CETA) vorläufig in Kraft getreten. Damit erhalten alle Bestimmungen mit Ausnahme des umstrittenen Investitionsschutzes samt damit verbundener Streitbeilegung Gültigkeit. Vollständig in Kraft treten kann das Abkommen aber erst, wenn es alle EU-Mitgliedstaaten in ihren nationalen Parlamenten ratifiziert haben. Abgeschlossen wurden die Verhandlungen nach vierjähriger Dauer bereits Ende Oktober 2013. Es handelt sich um das erste Abkommen der EU mit einem der G-8 Staaten (Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russland) und ist Teil der Strategie der EU, mit Hilfe von Handelsabkommen Wachstum und damit Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Das Abkommen umfasst einen fast vollständig liberalisierten Waren- und Dienstleistungsverkehr, mehr Sicherheit, Transparenz und Schutz auf dem Investitionssektor; eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Arbeitnehmermobilität sowie neue Chancen auf den Beschaffungsmärkten. Die Europäische Kommission geht von einer potentiellen jährlichen Steigerung des Bruttoinlandsprodukts in der EU von

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bis zu 11,6 Milliarden EUR als direkt ableitbaren Nutzen aus dem Abkommen aus.

Abkommen betrifft auch Landwirtschaft Gemäß dem WTO-Prinzip, dass bei einem Regionalabkommen kein Handelsbereich ausgeklammert werden darf, musste auch die Landwirtschaft einbezogen werden. In dem 2.286 Seiten starken Vertragswerk ist sie jedoch nur ein kleiner Teil. Allein 996 Seiten enthalten Ausnahmen, darunter 14 für Österreich, wie z.B. die Grundverkehrsgesetze der Bundesländer, Einschränkung hinsichtlich Berufsausübung beim Tierärztegesetz oder beim Schischul/Bergführergesetze der Bundesländer.


Dementsprechend schwierig gestalteten sich die Verhandlungen über Konzessionen bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen unter anderem deshalb, da Kanada bei Milch, Eier und Geflügel sowie Truthahn über ein Mengensteuerungssystem, das wie alle derartigen Systeme auf einem funktionierenden Außenschutz aufbaut, verfügt. Europäischen Interessen, wie verbesserter Marktzugang für europäischen Käse, standen kanadische Forderungen bei Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch gegenüber.

gewendet werden. Weiter wird im Vertrag ein „Dialog über Fragen des Zugangs zum Biotechnologiemarkt“ vereinbart. Hintergrund dieser Zusammenarbeit und des Informationsaustausches ist die einvernehmliche Lösung, die 2009 zwischen Kanada und der EU als Folge des WTOStreitbeilegungsverfahrens betreffend die Zulassung und Vermarktung von Biotechnologieerzeugnissen hervorgegangen ist. Man verständigt sich darauf, dass „wissenschaftsbasierte Entscheidungsfindung“ gestärkt werden soll.

Weil beide Vertragspartner mit dem Abkommen leben können müssen, gibt es im Gegenzug eine vorsichtige Öffnung des europäischen Marktes bei sensiblen lw. Produkten, die durch Mengenbeschränkungen und Einfuhrlizenzsystem bei Fleisch in der Zollkontingentadministration abgesichert werden.

Die strikte Überwachung und Kontrolle wird nicht zuletzt auch Aufgabe des Handels sein, um eine Irreführung der Verbraucher zu vermeiden.

Marktöffnung über Mengenkontingente

Von besonderer Bedeutung für die EU ist die Eliminierung von Handelshemmnissen bei Wein und Spirituosen, da Kanada einen wichtigen Exportmarkt darstellt. Für verarbeitete EU-Agrarerzeugnisse wird Kanada zu einem Schlüsselexportmarkt, mit einem jährlichen Umsatz von derzeit mehr als 2,9 Milliarden EUR.

Konkret kann Kanada in Zukunft 50.000 t Rindfleisch (15.000 t gefroren, 35.000 t frisch), 75.000 t Schweinefleisch sowie 100.000 t Weizen und 8.000 t Mais in die EU exportieren. Diese Importmengen werden erst im 6. Jahr der Anwendung erreicht, wobei bei Fleisch eine Absicherung durch Mengenbeschränkungen und Einfuhrlizenzsystem in der Zollkontingentadministration (anstelle des Windhundverfahrens) erreicht werden konnte. Dies bedeutet, dass die Jahresmengen auf vier Quartale aufgeteilt werden und jeweils nur für diese Mengen Importlizenzen beantragt werden können. Am Ende des Jahres nicht in Anspruch genommene Mengen verfallen. Die entsprechenden Verordnungen wurden am 20.9.2017 im Amtsblatt der EU veröffentlicht.

EU-Standards teilweise sichergestellt Außer Frage steht dabei, dass alle Importprodukte nur nach EU-Lebensmittel-Standards erlaubt sind, d.h. importiertes Schweinefleisch Ractopamin-frei sein muss und Rind- und Kalbfleisch nicht unter Verwendung von Hormonen erzeugt werden darf. Ebenso müssen die EU-Kennzeichnungsregeln bei GVOs an-

Für die EU gibt es ein - zusätzlich zu dem bisher bestehenden - Exportkontingent von 17.700 t Käse für europäischen Qualitätsund in kleinerer Menge Industriekäse.

Herkunftskennzeichnungen bleiben geschützt Als Erfolg muss der Schutz von 145 europäischen geografischen Ursprungsbezeichnungen (darunter „Tiroler Speck“, „Steirisches Kürbiskernöl“ und „Steirischer Kren“) gesehen werden, da Kanada bislang diesem Thema äußerst kritisch gegenüber stand. Zusätzlich werden bereits am kanadischen Markt vertretene geografische Ursprungsbezeichnungen vor irreführender Verwendung geschützt.

haltung oder Verbesserung von Umweltleistungszielen und -standards. Im Umweltkapitel wird die Erhaltung und der Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten, einschließlich gefährdeter Arten und ihrer Lebensräume, sowie von Schutzgebieten ebenso betont wie die Umsetzung der multilateralen Übereinkünfte, denen die Vertragspartner beigetreten sind. Auch der Handel mit forstwirtschaftlichen Erzeugnissen (Erhaltung und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder für die Gewährleistung der Umweltfunktionen, Förderung des Handels mit forstwirtschaftlichen Erzeugnissen aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern) wird berücksichtigt. Um Bedenken hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit zu entgegnen, wurde das Vorsorgeprinzip in den Text aufgenommen. Entgegen dem in Nordamerika gebräuchlichen Risikoprinzip erlaubt es der EU, Maßnahmen zu ergreifen, um potenzielle Gesundheitsschäden zu vermeiden.

Fazit Die seit dem EU-Beitritt stetig gewachsenen Exporte sollten mit CETA speziell bei verarbeiteten Lebensmittel, Fruchtsäfte, Energydrinks, Wein, Milchprodukte weiter ansteigen können. Im Gegenzug werden auch nicht alle Importe direkt auf den österr. Markt drängen, denn die EU braucht Importe von Rohwaren zur Weiterverarbeitung. Dass österreichische und europäische Bauern trotz leicht verbesserter Exportchancen speziell bei Käse mit Sorge die hohen Importkontingente bei Fleisch beobachten, ist verständlich. Dennoch geht die bäuerliche Interessenvertretung davon aus, dass das Abkommen keine direkten negativen Auswirkungen auf die österr. Landwirtschaft haben wird.

Großer Wert wird in dem Abkommen auf Nachhaltigkeit und Umwelt gelegt. Ziel ist u.a. die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung durch eine verbesserte Koordinierung und Integration ihrer jeweiligen arbeits-, umwelt- und handelspolitischen Strategien und Maßnahmen, aber auch die Entwicklung und Anwendung von freiwilligen Systemen zur Förderung einer nachhaltigen Waren- und Dienstleistungsproduktion, wie etwa Öko-Kennzeichnung oder Programmen für fairen Handel sowie die Entwicklung, Festlegung, Aufrechter-

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DI Reinhard Puntigam Quelle: Puntigam

Gentechnik und Landwirtschaft? Es gibt wohl kaum ein Gebiet in der heutigen Wissenschaft, über das so kontrovers diskutiert wird wie die Gentechnik. Doch was steckt dahinter - Welchen Nutzen oder möglichen Schaden bedeutet die Gentechnik für die Landwirtschaft jetzt in in der Zukunft? Landwirtschaftliche Produktion unter erschwerten Rahmenbedingungen

Daniel Brugger, M.Sc. (Quelle: Brugger)

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Weltweite Veränderungen von Gesellschaftsstrukturen und klimatischen Bedingungen resultieren unter anderem in einer sukzessiven Reduktion landwirtschaftlicher Nutzfläche, sowie verfügbarer Trinkwasserreservoirs. Gleichzeitig nimmt die Weltbevölkerung nach wie vor exponentiell zu. Aktuellen Schätzungen zufolge müssen 2050 zwischen 9 und 11 Milliarden Menschen über die landwirtschaftliche Produktion mit Lebensmitteln und Rohstoffen versorgt werden, wobei die weltweite Nachfrage nach tierischen Produkten stark ansteigt. Diese Parameter bestimmen im Wesentlichen die sich verschärfenden Anfor-

derungen an die landwirtschaftliche Produktion. Die Gesellschaft fordert die nachhaltige Produktion qualitativ hochwertiger Produkte in ausreichender Menge zu erschwinglichen Preisen. Zusätzlich verschärfen sich die gesetzlichen Regelungen, insbesondere im Zusammenhang mit den Emissionen der landwirtschaftlichen Produktion (Treibhausgase, Stickstoff, Phosphor u.a.) sowie mit lauter werdenden Fragen bezüglich des Tierwohls. Auf den Punkt gebracht wird von den Landwirtinnen und Landwirten künftig eine hohe oder noch höhere Produktion bei möglichst niedriger Belastung von Umwelt und Nutztieren gefordert bzw. erforderlich sein. Um diesem gesellschaftlichen Anspruch gerecht zu werden, muss die Effizienz der landwirtschaftlichen Produktionssysteme gesteigert werden.


Mehr Output bei weniger Input? Sei es nun in der pflanzlichen oder tierischen Produktion, Effizienz beschreibt das Verhältnis von Output (Fleisch, Ei etc.) zur Menge an Input (Dünger, Futter etc.) und den dabei entstehenden Emissionen. Eine Steigerung der produzierten Menge bei gleichem oder verringertem Input hat demnach auch meist eine Verringerung von Emissionen je kg erzeugtem Produkt zur Folge (siehe Grafik). Ein „mehr an Nachhaltigkeit innerhalb der Landwirtschaft“ ist somit untrennbar mit einem Anstieg der Produktionseffizienz verbunden. Letztendlich muss, wie angedeutet, in naher Zukunft mit weniger Ackerfläche mehr an pflanzlichen Produkten bzw. mit geringerem Futtermitteleinsatz mehr Milch, Fleisch und Eier etc. erzeugt werden. Betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette, darf zusätzlich nicht unerwähnt bleiben, dass Lagerverluste den Output massiv reduzieren, bzw. die teilweise hohe Lebensmittelverschwendung industrialisierter Länder im Sinne der Nachhaltigkeit negativ zu bewerten ist.

Effizienz: wie bewerten? Die Futterverwertung, als Maß für die erforderliche Futtermenge zur Erzeugung von einem kg tierischem Produkt, stellt die gebräuchlichste Kenngröße für Effizienz in der Nutztierhaltung dar. Zur Effizienzsteigerung in der Tierernährung gewinnt neben Vermahlungsintensitäten, druckhydrothermischen Futtermittelbehandlungsverfahren und der Anwendung von synthetischen Aminosäuren vor allem der Einsatz von Futtermittelzusatzstoffen, wie zum Beispiel die synthetischen Aminosäuren, an Bedeutung. Hierbei verbessern synthetische Aminosäuren die Proteinverwertung und Enzymzusätze optimieren die Verdauung des Futters, insbesondere durch den Abbau antinutritiver Faktoren (z.B. Phytat durch Phytasezulagen). Den Biobetrieben bleibt diese Chance in weiten Teilen verwehrt. Letztendlich besteht die Schlüsselstrategie der Effizienzsteigerung in einer verbesserten Futterverwertung – je mehr aufgenommene Nährstoffe in die hochwertigen tierischen Produkte umgewandelt werden können, desto weniger unerwünschte Emissionen werden erzeugt.

Zusätzlich erfolgt die Bewertung tierischer Produktionssysteme durch die Nutzung weiterer Effizienzparameter, wie z.B. den Lebensmittelkonversationskoeffizienten (LKE) oder der Residualfutteraufnahme.

das Erbgut einer Zelle im Labor zu verändern und diese wieder in die Keimbahn zu integrieren. In der Folge entwickelt sich daraus ein vollständiger Organismus mit neuen Eigenschaften.

Letztendlich stößt man bei Effizienzsteigerungen jedoch an deutliche biologische Grenzen. Will man diese überwinden, macht dies neue Strategien und Technologien erforderlich. Hierzu zählt die teils sehr umstrittene Gentechnik , mit der zielgerichteten Veränderung des Erbgutes von pflanzlichen, tierischen und mikrobiellen Organismen.

Für die Landwirtschaft relevant sind dabei die Modifikation von Nutzpflanzen, Nutztieren sowie Mikroorganismen. Verstanden werden muss die Gentechnik als wissenschaftliches Werkzeug, deren Wirkung mittels herkömmlicher Züchtung, auf Basis von Kreuzen, Mutation und Rekombination, nicht oder nur sehr schwer kosten- und zeitaufwändig zu erreichen wäre.

Gentechnik – Was steckt dahinter? Alle lebenden Organismen beherbergen in ihren Zellen Desoxyribonukleinsäure (DNS). Die DNS organisiert sich in funktionelle Abschnitte, sogenannte Gene, welche wiederum auf Chromosomen verteilt sind. Dabei hat jede Spezies eine eigene, spezifische Anzahl von Chromosomen (z.B. Mensch: 46, Schwein: 38). Durch spezifische, biochemische Prozesse kann die Zelle die in den Genen gespeicherte Information auslesen und in Proteine „umschreiben“. Die gebildeten Proteine und Moleküle sind es letztlich, die sämtliche biochemischen Prozesse, wie z.B. Wachstum, Laktation etc., im Organismus steuern. In den vergangenen vier Jahrzehnten wurden große Durchbrüche in der Biochemie erzielt, die es heute möglich machen,

Einsatz der Gentechnik Die Gentechnik ist heute bereits in Teilen unserer Landwirtschaft gegenwärtig. Blickt man, wie erwähnt, zu den Prozessketten der Erzeugung synthetischer Aminosäuren und Enzymzusätze, sind gentechnisch veränderte Mikroorganismen integriert. Des Weiteren stammen die derzeit erhältlichen, konventionellen Sojaprodukte großteils von gentechnisch modifizierten Pflanzen. Von anderen Nutzpflanzen, z.B. Mais und Baumwolle, sind ebenfalls transgene Varianten, vor allem in Nord- und Südamerika, im Einsatz. Im Bereich der aquatischen Nutztiere wurden bereits genetisch modifizierte Fische produziert und zugelassen. Weltweit betrachtet ist der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) relativ weit verbreitet.

Grafik: Der Zusammenhang von Input und Output in Bezug auf die Produktionseffizienz und die dabei entstehenden Emissionen. Quelle: Puntigam

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Vor allem in der Europäischen Union, insbesondere aber in den Bevölkerungen der „D-A-CH“-Staaten, bestehen aber große Bedenken gegenüber diesen Technologien. Ohne Zulassung darf in der EU und damit auch in Österreich kein GVO in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion verwendet werden, weder gentechnisch verändertes Saatgut, noch veränderte Lebens- und Futtermittel, die daraus hergestellt werden. Um die Bedenken zu beleuchten, erscheint es sinnvoll, Chancen und Risiken dieser Verfahren gegenüberzustellen.

Chancen und Risiken beim Einsatz gentechnisch modifizierter Organismen Die Bedenken in Zusammenhang mit der Gentechnik reichen von möglichen negativen Folgen für die Umwelt hin zu potentiellen Gefahren für Mensch und Tier. Transgene Pflanzen betreffend wird beispielsweise ein möglicher, unkontrollierter Eintrag in natürliche Pflanzengemeinschaften sowie das Einbringen der Eigenschaften transgener Organismen in Wildpflanzen durch natürliche Kreuzung befürchtet. Zusätzlich herrschen Bedenken, dass der Konsum transgener Produkte in negativen Auswirkungen im menschlichen bzw. tierischen Organismus resultieren kann, z.B. indem sich Abwehrstoffe gegen Schädlinge auf dem Feld auch gegen den Konsumenten richten. Die wachsende Bedeutung transgener Organismen in Landwirtschaft und Industrie haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bereits dazu bewogen, Konzepte für die Sicherheitsüberprüfung derartiger Prozessketten zu erarbeiten, um eine sichere Einbettung in die Produktion von Nahrungsmitteln und Rohstoffen zu ermöglichen. Die möglichen Potentiale der Gentechnik sind bei all den Bedenken jedoch nicht von der „landwirtschaftlichen“ Hand zu weisen. Im Zusammenhang mit gentechnisch modifizierten Nutzpflanzen werden, neben der Erzeugung besonders ertragreicher Sorten, die Möglichkeiten einer Reduktion des weltweiten Pestizideinsatzes durch resistente Nutzpflanzen, eines

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verbesserten Bodenschutzes durch den Einsatz beikrauttoleranter Varianten und daraus resultierender, reduzierter Bodenbearbeitung sowie von stressresistenten Pflanzen (z.B. gegen Hitze und Trockenheit) diskutiert. Ein besonders interessanter Aspekt ist der Einsatz transgener Pflanzen zur Säuberung belasteter Böden und Trinkwasserreservoirs. Zusammenfassend dürfen, bei allen potentiellen ökonomischen Vorteilen, die ein Einsatz von GVO mit sich bringen kann, mögliche Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Dies erscheint auch berechtigt, da beispielsweise belastbare Daten zu den Umweltauswirkungen in Bezug auf den Eintrag transgener Pflanzen in die Biosphäre derzeit noch Mangelware sind. Hier besteht weiterhin intensiver Forschungsbedarf.

Fütterung, Versuche und GVO Der Einfluss von genetisch modifizierten Nutzpflanzen auf die Leistung und Produktqualität von Nutztieren beschäftigt verschiedene Forscherteams weltweit. Hier kann heute, im Gegensatz zur Humanernährung und generellen Umweltaspekten, auf deutlich mehr Erfahrung verwiesen werden. Das beste Beispiel hierfür sind die bereits erwähnten konventionellen Sojaprodukte als transgene Futterpflanzen in der Nutztierernährung. Zum überwiegenden Anteil finden diese hierzulande als Sojaextraktionsschrot Anwendung. In diesem Produkt sind nach dem Ölentzug sämtliche Proteine, auch die DNS, konzentriert pro kg Trockenmasse enthalten. Das betrifft auch die Transgene und die daraus resultierenden Eiweißverbindungen. Bisher konnten keinerlei Ausfallerscheinungen bei landwirtschaftlichen Nutztieren durch den Konsum adäquat prozessierter, konventioneller Sojaextraktionsschrote wissenschaftlich nachgewiesen werden. Eine Veränderung im Bereich der Mast- und Schlachtleistung sowie der Produktqualität (z.B. Fettsäuremuster, intramuskulärer Fettgehalt) ist unabhängig von der genetischen Modifikation des Sojas und beruht meist auf einer unberükksichtigten Aminosäurenanpassung auf Basis einer Nährstoffschädigung im Zuge einer unsachgemäßen Toastung. Vergleichende Studien zum Einsatz von gentechnisch modifizierten und nicht

modifizierten Nutzpflanzen (Mais und Soja) ließen keine Unterschiede in Bezug auf Leistung und Produktqualität in verschiedenen Nutztierspezies erkennen. Demgegenüber ist sehr gut dokumentiert, dass neben der Futtermittelbehandlung, ebenfalls die Genetik, Alter, Geschlecht, Rationszusammensetzung (Futtermatrix), Haltung und weitere Umweltfaktoren viel stärkeren Einfluss nehmen. Gezielte Versuche zur Verfütterung genetisch modifizierten Futters wurden zudem unter anderem von der Technischen Universität München durchgeführt. Hierfür wurde einer hochleistenden Milchviehherde Silage auf Basis der Maissorte MON 810 vorgelegt. Diese wurde aus gentechnisch modifiziertem Mais produziert, welche durch das Bakterium Bacillus thuringiensis eine Resistenz gegenüber Maiswurzelbohrer aufwies. Das Forscherinteresse der TUM lag darin, festzustellen, in wie weit die modifizierte Gensequenz bzw. das zugehörige Protein hinter der Darmschranke in Blut und Leber, sowie in der Milch der Versuchstiere, nachweisbar war. Als Ergebnis dieser Studie ging hervor, dass kein Nachweis der genetischen Modifikation erbracht werden konnte. Daraus kann geschlossen werden, dass die transgenen Bestandteile der Silage keine Wirkungen auf die Tiere entfalten konnten. Dies konnte ebenfalls mit den Daten zu Leistung und Tiergesundheit unterstrichen werden.

Fazit Mittels des Einsatzes gentechnisch veränderter Organismen, insbesondere Nutzpflanzen, kann dazu beigetragen werden, derzeitig bestehenden bzw. auch zeitnah auftretenden Problemen innerhalb der landwirtschaftlichen Produktion entgegenzuwirken. Dennoch muss bei deren Anwendung, wie bei unzähligen weiteren GMO-freien Produkten ebenfalls, eine intensive Sicherheitsüberprüfung durchgeführt werden. Es muss wissenschaftlich fundiert gewährleistet sein, dass keinerlei negative Auswirkungen für Tier, Mensch und Umwelt bestehen.


Hagelversicherung: Tierseuchen sind ein ernstes Risiko Umfassender Versicherungsschutz gegen Schweinepest etc. Vielen Tierseuchen wurde in Europa in der Vergangenheit kaum Beachtung geschenkt, weil sie als Tierkrankheiten des afrikanischen Kontinents galten. Heute stehen diese „Exoten“ wie die „Afrikanische Schweinepest“ vor den heimischen Stalltoren. Die Afrikanische Schweinepest hat 2014 die EU erreicht. Sowohl in Polen als auch in Litauen und Estland wurde das Virus bei Wildschweinen und auch Hausschweinen nachgewiesen. Jüngst in der Tschechischen Republik bei Wildschweinen, unweit von der österreichischen Grenze entfernt. Die Sorge einer weiteren Verbreitung ist daher sehr groß. Der Tierverkehr und die wandernden Wildschweinpopulationen stellen eine besonders große Gefahr dar. Tierseuchen sind anzeigepflichtig und führen zu immensen wirtschaftlichen Verlusten. Neben dem Leid für die Tiere stellen sie einen katastrophalen wirtschaftlichen und auch psychologischen Schaden für die betroffenen Landwirte und für die gesamte Landwirtschaft dar. Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen zwar völlig ungefährlich, Schweine verendeten aber an der Erkrankung innerhalb weniger Tage. Von staatlicher Seite erhalten Landwirte zwar einen Basisschutz, der im Wesentlichen nur die Entschädigung des Tierwertes beinhaltet. Ertragsausfälle durch die Lage des Betriebes im Sperr- oder Beobachtungsgebiet gehen komplett zu Lasten des Landwirtes, genauso wie Einbußen durch Produktionsunterbrechungen beispielsweise aufgrund einer angeordneten Keulung. Auch für erhöhte Kosten für Tierarztrechnungen, Desinfektionsmaßnahmen und Entsorgungskosten erhält der Betrieb von der öffentlichen Hand keine Entschädigung. Genau hier greift die Tier-Ertragsschadenversicherung der Österreichischen Hagelversicherung: Eine Absicherung gegen alle anzeigepflichtigen Tierseuchen im Falle einer behördlichen Sperre mit und ohne Keulung und für alle Produktionsrichtungen. Das Besondere: Sie können die Entschädigung individuell auf Ihren Betrieb einstellen und Sie wissen bereits bei Abschluss, was Sie im Schadenfall ausbezahlt bekom-

men. Aber auch Zusatzkosten, wie verminderte Produktionsleistung nach erneuter Wiedereinstallung bis zur vollen Produktion, Nottötungen, erhöhte Futterkosten und Wertverlust bei Übermasttieren, sowie Tötungs- und Desinfektionskosten werden ebenso berücksichtigt. Und: Wir garantieren eine rasche und unbürokratische Auszahlung nach Aufhebung der behördlichen Sperre! Weitere Informationen über die TierErtragsschadenversicherung für Schweine erhalten Sie bei Mag. Michael Zetter, 0664/827 20 50, m.zetter@hagel.at, oder unter www.hagel.at (Firmeninformation)

IHR Vorteil • Ganzjähriger Schutz, 365 Tage im Jahr • Individuell wählbare Entschädigungshöhe, unabhängig vom Marktpreis • Entschädigungshöhe jährl. anpassbar • Bekannte Entschädigung bei Abschluss, ohne Gegenrechnung öffentlicher Leistungen • Kurze Wartezeit bis zur vollen Deckung • Jährliche Kündbarkeit • Einfache Abwicklung, ohne Vorlage von Rechnungen etc. • Rasche und unmittelbare Auszahlung • Optional: Verendung bei Lüftungsausfall

Neben dem Leid für die Tiere stellen Tierseuchen einen katastrophalen wirtschaftlichen und auch psychologischen Schaden für die betroffenen Landwirte dar. Quelle: Die Österreichische Hagelversicherung

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Wasserqualität: Ein entscheidender Faktor Wasser gilt für viele Experten als das wichtigste Futtermittel, welches in ausreichender Menge und unbelasteter Qualität für die Tiere verfügbar sein muss. Biofilme in Wasserleitungen können gefährlich werden, weil sich dort krankmachende Keime festsetzen und vermehren. Doch es gibt Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Was ist ein „Biofilm“?

Ferkelproduzent Gerald Deubner aus Jedenspeigen (Bez. Gänserndorf) kann ein Lied von den, durch mangelnde Wasserqualität entstehenden, Problemen singen. „Jahrelang kämpfte ich im Flatdeck mit Durchfallproblemen, die ca. 2–3 Tage nach dem Absetzen auftraten“. Mehrere unterschiedliche Strategien, mittels Antibiotikaeinsatz der Probleme Herr zu werden, waren nicht wirklich von durchschlagendem Erfolg gekrönt. „Außerdem wollte ich nicht andauernd Symptombekämpfung betreiben, sondern den Ursachen der Coliprobleme auf den Grund gehen und diese beseitigen“, so der Ferkelerzeuger. Relativ rasch wurde von Deubner mangelnde Wasserqualität als zumindest mitverantwortlich für die unbefriedigende Situation in Erwägung gezogen. „Anfangs bezogen wir das Wasser von unserem eigenen Brunnen. Leider ist das Grundwasser bei uns sehr eisen- und manganhaltig und dies führte zu massiven Ablagerungen in den Leitungen.

„Nach der Neubelegung der Aufzuchtabteile machte ich manchmal einen Geruchstest des aus der Tränkeleitung kommenden Wassers und konnte dabei Geruchsabweichungen feststellen. Meine Flatdecks haben eine Länge von ca. 18 m und speziell in den Boxen am Ende der Leitung hatte ich die größten Probleme mit Coli“ schildert Deubner.

Nach dem Wechsel zur Ortswasserleitung wurden die Ablagerungen zwar nicht mehr, aber die bestehenden blieben ein optimales Fundament für die Entstehung von Biofilm“ erklärt der Landwirt.

Auch der Einsatz von Chlordioxid zur Abtötung der schädlichen Mikroorganismen im Tränkesystem brachte keinen koninuierlichen Erfolg und war außerdem nicht ganz billig.

Biofilm (Abb. 1) besteht grundsätzlich aus Bakterien, Algen, Pilzen und Protozoen. Aus diesem Biofilm gelangen kontinuierlich krankmachende Keime in das Tränkewasser, welche die Gesundheit, Leistungsbereitschaft und Fruchtbarkeit der Tiere gefährden. Stagnation, die zwischen Reinigung und Neubelegung im Flatdeck entsteht, fördert die Verkeimung genauso wie geringe Fließgeschwindigkeit und warme Wassertemperatur.

Abbildung1: Biofilme bestehen aus einer Schleimschicht, in der Mikroorganismen (z. B. Bakterien, Algen, Pilze, Protozoen) eingebettet sind. Quelle: Krapf

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Innovatives Aufbereitungsverfahren Auf der Suche nach einer vernünftigen, dauerhaften Lösung besuchte Gerald Deubner im März 2017 eine Informationsveranstaltung der EZG Gut Streitdorf zum Thema Wasseraufbereitung im Schweinestall. Eine Spezialfirma präsentierte dabei ein neues Verfahren zur Aufbereitung des Tränkewassers, das u.a. den Biofilm abbaut und Neubildung von Biofilm verhindert (Abb. 2). Dabei werden durch elektrotechnische Verfahren speziell berechnete und naturgleiche Frequenzen erzeugt. Dadurch werden die Eigenschaften der Wassermoleküle (H2O) verbessert. Die Wasserinhaltsstoffe werden „umhüllt“, Kalzium in seiner Molekülkette verändert, mit dem Ergebnis, dass bestehende Ablagerungen abgebaut und neue Ablagerungen dauerhaft verhindert werden. Das bedeutet, die Mikroorganismen werden an der Anhaftung sowie an der Fortpflanzung gehindert. Wirkungen, die Wachstum und Vermehrung von Bakterien hemmen, werden als „bakteriostatisch“ bezeichnet. Die elektromagnetische Strukturierung des Wassers bewirkt grundsätzlich eine Verkleinerung der

Abbildung 2: Das Wasseraufbereitungs-Verfahren zielt darauf ab, den Biofilm abzubauen und die Neubildung zu verhindern. Quelle: Krapf


sogenannten Wassermolekülcluster, somit wird die Bildung von Ablagerungen in den Leitungen verhindert, z.B. Kalk-, Eisen- und Manganablagerungen. „Ich war eigentlich sofort beeindruckt von diesem Konzept, wahrscheinlich auch deswegen, weil ich bis zu diesem Zeitpunkt schon fast alles probiert und keine Lösung gefunden habe. Auch die Referenzen dieser Firma waren ausgezeichnet, deshalb habe ich mich, ohne lange nachzudenken, für den Kauf und den Einbau dieses Produktes entschlossen“, so Gerald Deubner.

Praxiseinsatz und Fazit Die Anlage besteht aus einem Steuergerät und einem Spezialrohr. Das Steuergerät wird einfach an das Stromnetz angeschlossen und ist über ein Kabel mit dem einzubauenden Spezialrohr verbunden. Nach dem Einbau wurden die Leitungen zwei Wochen lang gespült, wobei schon nach kurzer Zeit am Ende der Leitung weiß-rötliche Ablagerungen im Spülwasser zum Vorschein kamen. „Für mich war dann total überraschend, wie schnell sich der Erfolg bemerkbar machte. Die Durchfallproblematik verringerte sich sukzessive und war eigentlich schon ca. zwei Monate nach dem Einbau nicht mehr vorhanden. Jeder Praktiker kann sich vorstellen, welche Erleichterung das für mich bedeutet hat“ erzählt der Landwirt. Die Verbesserung der Wasserqualität spiegelt sich in den Leistungen der Ferkel wider. Nachdem der Betrieb einen strikten Dreiwochenrhythmus fährt und 95 % der

Ferkel an einen Mäster mit immer gleichem Alter vermarktet werden, konnte Deubner einen stichhaltigen Vergleich betreffend der Verkaufsgewichte im Sommer 2016 gegenüber dem Sommer 2017 machen (Abb 3). „Das Resultat ist eindeutig, fast 2,5 kg Mehrgewicht nach dem Einbau der Wasseraufbereitungsanlage sprechen eine klare Sprache. Natürlich hat sich auch die Futterverwertung massiv verbessert und die Tiere sind insgesamt gesünder und vitaler“ schildert der Ferkelproduzent begeistert. Ein Vorteil dieser Technologie besteht auch darin, dass keine laufenden Kosten entstehen und keine Chemikalien in das Wasser und damit in die Tiere gelangen. Robert Krapf, EZG Gut Streitdorf

Ferkelproduzent Gerald Deubner mit der Wasseraufbereitungs-Anlage, von deren Wirkung er überzeugt ist. Quelle: Krapf

Abbildung 3: Durch die Reduktion des Ferkeldurchfalls in Folge der verbesserten Wasserqualität konnten auch die Ferkelverkaufsgewichte gesteigert werden. Quelle: Krapf

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Neues Innovationsprojekt startet! Nachdem ein zweistufiges Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen wurde, konnte mit 1.September 2017 die Arbeit am EIP Projekt „Nutzung von Gesundheitsdaten zur Verbesserung von Atemwegserkrankungen und Parasitenbefall bei Mastschweinen“ begonnen werden. EIP-AGRI: Was ist das?

EIP-AGRI steht für Europäische Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit. Dabei handelt es sich um ein neues Konzept zur Förderung von Innovation in der Land- und Forstwirtschaft. Um die Innovationskraft der Landwirtschaft zu stärken und zu fördern, hat das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) im Frühjahr 2015 die EIP-AGRI in Österreich im Rahmen des Programms für die Ländliche Entwicklung (LE 14-20) implementiert.

Kurz darauf begannen der VÖS, der Tiergesundheitsdienst (TGD) Oberösterreich (Dr. Barbara Leeb) und die Universität für Bodenkultur Wien (Institut für Nutztierwissenschaften, Dr. Christine Leeb) bereits mit ersten Konzeptionen für ein EIP-Projekt. Unterstützung erhielten sie dabei auch durch eine „Innovationsbrokerin“ der Zentralen Vernetzungsstelle „Zukunftsraum Land“. Nach Gesprächen mit Schweinemästern wurden aktuelle Themen und brennende Fragen aufgegriffen und zu einem Projekt geformt.

„Gesunde Mastschweine“

Die operativen Ziele der EIP-AGRI umfassen: • eine Verbesserung der Zusammenarbeit, um den Austausch zwischen den beteiligen Personen zu erhöhen und dadurch innovative Lösungen zu erhalten • einen erfolgreichen Brückenschlag zwischen moderner Forschung, Technologie und Interessensgruppen (z. B. Landwirtschaft, Wirtschaft und Industrie, Verbände, Beratungsdienste und NGOs) • das Aufgreifen von praxisrelevanten Problemstellungen zur Generierung von Innovationen • die Implementierung von Forschungsaktivitäten in die Praxis und Schaffen von Innovation

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Im Rahmen der LE 14-20 erfolgt die Umsetzung der EIP-AGRI durch Operationelle Gruppen (OGs). Operationelle Gruppen werden rund um ein Projekt gebildet, diese führen das innovative Projekt gemeinsam durch. In diesem Fall bilden vier innovative Schweinebauern, der VÖS, TGD Oberösterreich, VLV Oberösterreich und ein Tierarzt die operationelle Gruppe „Gesunde Mastschweine“. Kooperationspartner der OG sind die Universität für Bodenkultur Wien (Institut für Nutztierwissenschaften) und die Veterinärmedizinische Universität Wien (Institut für Öffentliches Veterinärwesen und die Universitätsklinik für Schweine). Projekte, die sich für die Förderung bewerben, müssen ein zweiphasiges Auswahlverfahren durchlaufen. Neben der OG „Gesunde Mastschweine“ wurden fünf weitere Operationelle Gruppen anerkannt, die Projekte durchführen können.


Projektziele und Ablauf

Ein Ziel des dreijährigen Projektes ist es, vorhandene Gesundheitsdaten von Schweinemastbetrieben besser zu vernetzen und in ausgewerteter Form dem einzelnen Landwirt sowie dessen Betreuungstierarzt als Hilfsmittel zur Bewertung des Gesundheitszustandes zur Verfügung zu stellen. Dazu sollen die Befunde aus der Schlachttier- und Fleischuntersuchung (SFUBefunde) in eine neue „Gesundheitsdatenbank“ integriert werden. Derzeit werden die SFU-Befunde vor allem in Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit erhoben, ihre Eignung zur Verwendung für die Bestandbetreuung soll untersucht werden. Um den Landwirten die verschiedenen Befunde näher zu bringen, wird auch ein Befundkatalog erstellt. Dieser soll mit Bildern die Organveränderungen besser beschreiben und über die dahinterstehenden Erkrankungen informieren. In einem weiteren Schritt des Projektes erfolgt die Entwicklung von „Werkzeugen“, z.B. in Form von Checklisten, Evaluie-

rungstools oder Webanwendungen, für die Bereiche Biosicherheit, Atemwegserkrankungen und Parasitenbefall. Diese sollen dem Landwirt und dem Betreuungstierarzt helfen, Risikofaktoren und Schwachstellen des Betriebes besser zu erkennen und Verbesserungsmaßnahmen vorzuschlagen. Nach der Umsetzung der ausgewählten Maßnahmen soll die Verbesserung hinsichtlich der Tiergesundheit anhand der Gesundheitsdaten evaluiert werden. Idealerweise kann dadurch auch der Einsatz von Arzneimitteln reduziert werden. Das Projekt gliedert sich in 3 Phasen (siehe auch Abbildung 1): 1. Entwicklungsphase 2. Implementierungsphase 3. Evaluierungsphase Diese Phasen sind nicht voneinander abgetrennt, sondern laufen ineinander über. In der Entwicklungsphase geht es um die Konzeptionierung der „Werkzeuge“, außerdem soll der Online-Datenverbund des VÖS in eine Gesundheitsdatenbank umgestaltet werden. Dies umfasst die Integration der SFU-Daten und Daten

zur Arzneimittelanwendung sowie entsprechende Auswertungsmöglichkeiten, um die Daten für jeden Betrieb und dessen Betreuungstierarzt besser nutzbar zu machen. Im Rahmen der Implementierungsphase werden die Werkzeuge auf den Betrieben getestet. Durch mehrmalige Betriebsbesuche wird die Effektivität von möglichen Maßnahmen beurteilt. Vorerst werden auf den vier Pilotbetrieben Betriebsbesuche stattfinden. Damit aber auch andere Betriebe von den Entwicklungen des Projektes profitieren können, sollen auf ca. 30 weiteren Betrieben in allen, die Schweineproduktion dominierenden Bundesländern, Erhebungen stattfinden, um gemeinsam Verbesserungsansätze zu erarbeiten.

Das Projekt wird gefördert von der Europäischen Union, durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und das BMLFUW.

VÖS-Redaktion

Abbildung 1:Übersicht über das Projekt und Projektphasen. Quelle: VÖS 4 2017 | Innovationsprojekt | 33


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Gebratene Stelze mit Semmelknödel Zutaten für 2 - 3 Personen

Foto: AMA

Zubereitung

©Rezept und Foto „Gebratene Stelze mit Semmelknödel“, Herausgeber: AMA

Wasser mit Salz und Kümmel aufkochen, die Stelze einlegen und ungefähr ½ Stunde leicht siedend kochen. Aus dem Sud heben und abtropfen lassen. Schwarte quer zur Fleischfaser einschneiden. Die Stelze großzügig mit Salz, Kümmel und gepressten Knoblauchzehen einreiben. Schmalz in einer Bratpfanne zerlassen, die Schweinsknochen darin verteilen und die Stelze drauflegen. Die Pfanne in das 170 °C heiße Backrohr schieben. Unter wiederholtem Begießen mit dem Bratensaft und einmaligem Wenden ungefähr zwei Stunden braten. Für die Semmelknödel die Zwiebel in Öl goldgelb anrösten, Milch zugeben und aufkochen lassen, zu den Semmelwürfeln geben und durchmischen, mit Salz und Kräutern würzen. Zur abgekühlten Masse Eier geben und gut durchkneten, andrücken und rasten lassen. Mit nassen Händen glatte Knödel formen und in kochendes Salzwasser einlegen und zugedeckt ca. 15 Min. ziehen lassen. TIPP: Damit man das Fleisch nach dem Braten besser ablösen kann, werden einige Zentimeter des direkt am Knochen anliegenden Fleisches samt Schwarte abgetrennt. So löst sich das Fleisch bereits während des Bratens vom Knochen.

1 Hintere Schweinsstelze ca. 1,5 – 2 kg 4 Knoblauchzehen Salz 1 TL Kümmel 3 EL Schweineschmalz oder Öl 25 dag Schweinsknochen Semmelknödel: 25 dag Semmelwürfel 1/16 l Öl 1 halbe, geschnittene Zwiebel Petersilie, Majoran, Salz ¼ l Milch 3 Eier

Die Stelze auf gehackte Schweinsknochen zu legen hat den Vorteil, dass man dadurch einerseits einen geschmacklich ausgezeichneten Saft erhält und sich andererseits die Schwarte während des Bratens im Saft nicht aufweicht. So erhält man rundum eine knusprige Schwarte.

... im VÖS RÄTSEL-Stall Welcher Weg führt zum Ferkelnest?

34 | Rezept & Rätsel | 4 2017


AMA-Hoftafelverleihung

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter verlieh die begehrten AMA-Hoftafeln auf der Rieder Messe. Geehrt wurden Top-Unternehmen, welche die regelmäßigen Kontrollen ohne Beanstandung und ohne eine einzige Abweichung von den Vorgaben absolvieren konnten. Folgende Schweinemastbetriebe wurden ausgezeichnet: – Gertraud und Günter Berghammer aus Meggenhofen – Hubert Breitwiesner aus Taufkirchen an der Trattnach – Petra und Josef Königmair aus Taufkirchen an der Trattnach

– Christine und Johann Schachinger aus St. Marienkirchen bei Schärding – Gabriela und Gerhard Stieglmayr aus Mehrbach – Christine, Eva und Johann Strasser aus Mühlheim am Inn „Die ausgezeichneten Bäuerinnen und Bauern legen mit ihrer tagtäglichen Arbeit die entscheidende Basis für das AMA-Gütesiegel. Denn bei diesem Zeichen können sich die Konsumenten darauf verlassen, dass sie absolute Top-Produkte kaufen“, erklärt Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der AMA.

4 2017 | Bericht | 35


VÖS Magazin 4/17  
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