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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinebauern, Dresdnerstrasse 89/18,1200 Wien

Ausgabe Österreich 1/2020

Klimafreundliche Schweinefleischproduktion?! www.schweine.at


Ausgabe Österreich 1/2020 06

03

Inhalt

04

Leitartikel

05

Kommentar

06

Interview

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Markt

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Mit dem Rüssel in Brüssel

10

Ferkelmarkt

11

PIG Austria

12

Recht & Politik

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Lüftungsausfälle

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Mykotoxinmonitoring

18

AMA

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Schweinefleisch und Klimaschutz

22

Aus Alt mach Neu

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PRRSV-Infektion

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NTÖ-Neujahrsempfang

28

Schweinezucht im Spannungsfeld

31

Treffpunkt Börse

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Charta

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Rezept & Rätsel

Im Interview

11

Lüftungsausfälle

22

Schweinezucht

34

... DI Johannes Fankhauser ...

14

... im Spannungsfeld von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ...

IMPRESSUM

... steht für TOP Genetik ...

...das Schlimmste, was einem Schweinehalter passieren kann ...

28

PIG Austria

Aus Alt mach Neu

... Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie als Futter für Schweine ...

Rezept-Tipp

... Schweinefleisch süß-sauer ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/18 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: Fraukoeppl Mit Unterstützung vom

1-2020 | Inhalt | 3


Foto: FRAUKOEPPL

Gute Zeiten nutzen! Kurt Tauschmann VÖS-ObmannStv. ©Styriabrid

Seit nunmehr fast einem Jahr gestaltet sich der Markt für alle Sparten der Schweineproduktion äußerst erfreulich. Auch der Preisrückgang am Mastschweinesektor kann der positiven Grundstimmung nichts anhaben. Gute Zeiten verleiten dazu, sich etwas zurückzulehnen und die erfreuliche Lage zu genießen. Das ist zwar wichtig, aber jetzt sollte auch der wieder gegebene finanzielle Handlungsspielraum genutzt werden, um die österreichische Schweinehaltung zukunftsfit zu machen. Investition in Stallungen

In der Masse sind unsere Stallungen 20 Jahre und älter und somit dringend erneuerungsbedürftig. Auch das Jahr 2033, mit weitreichenden Änderungen bei den Haltungsauflagen, spielt eine große Rolle in den Investitionsüberlegungen. Der VÖS setzt sich intensiv dafür ein, dass in der nächsten Förderperiode Stallsysteme der Zukunft besonders berücksichtigt und entsprechend dotiert werden. Neben den Überlegungen zum Platzbedarf, Bodengestaltung und Beschäftigungsmaterialien spielen auch Überlegungen in Bezug auf das sich verändernde Klima eine große Rolle. Die Möglichkeit einer Kühlung von Stallungen spielt schon jetzt bei den derzeit noch wenigen Stallbauvorhaben eine immer größere Rolle, um das Wohlbefinden von Tier und Mensch zu för4 | Leitartikel | 1-2020

dern und die ständige Leistungsdepression in der wärmeren Jahreszeit zu verringern. Die zu einer geplanten Investition gehörenden Genehmigungsverfahren stellen aber für viele Betriebe einen nicht unwesentlichen Hemmschuh dar, der die Hürde, die es zu überspringen gilt, sehr hoch machen kann. Bedauernswerterweise scheint es oft schon eine Art Sport von AktivistInnen geworden zu sein, Bauvorhaben in der Landwirtschaft zu behindern, zu verzögern oder unmöglich zu machen. Mittlerweile sollte zu einer guten Planung auch eine durchdachte Kommunikationsstrategie mit der Nachbarschaft gehören, da viele Probleme in diesem Bereich durch Unwissenheit entstehen. Die jeweiligen Erzeugergemeinschaften können Ihnen da in der Beratung sicherlich behilflich sein. Seitens der Politik könnten bundeseinheitliche Vorgaben analog dem Tierschutzgesetz durchaus hilfreich sein, um rascher zu Entscheidungen zu kommen.


Foto: FRAUKOEPPL

Hinsichtlich der notwendigen Adaptionen in Bezug auf Tierwohlvorgaben besteht hier sicher Handlungsbedarf.

Ausrichtung der Österreichischen Produktion Die derzeitige Marktlage ist getragen von den guten Exportmöglichkeiten. Es wird aber auch ein „Danach“ geben und dafür gilt es sich rechtzeitig gut vorzubereiten. In vielen Teilen von Europa ist ein drastischer Rückgang der Sauenbestände zu verzeichnen, der mittlerweile schon nicht unerhebliche Auswirkung auf die Versorgungssicherheit mit Ferkeln hat. Gerade für unsere heimische, auf das AMA Gütesiegel ausgerichtete Produktion ist es wesentlich hier eine Versorgungssicherheit zu haben. Besonders wichtig wird es weiter sein, mit einer klaren Herkunftsbezeichnung das heimische Erzeugnis beim loyalen heimischen Konsumenten weiter zu differenzieren. In diesem Zusammenhang sind auch positive Signale vom Handel zu verzeichnen und die ab 1. Jänner 2020 zu 100% erfolgte Verankerung von heimischen Rohstoffen in der ausgezeichneten Verarbeitungsware ist auch ein schöner Erfolg. Dieser Prozess war und ist aber alles andere als einfach und auch die Erhöhung des AMA Gütesiegelzuschlages war alles andere als selbstverständlich. Hier gilt ein Dank unseren Abnehmern, die auch vieles an Überzeugungsarbeit bei der verarbeitenden Industrie leisten mussten. Die Diskussion um den Einsatz von gentechnisch unveränderten Soja und Tierwohlmaßnahmen wird weitergeführt werden.

Es darf aber keinesfalls zu Insellösungen kommen, die uns in Österreich unsere ohnehin schon höheren Produktionskosten noch mehr erhöhen und wir damit an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Grundsätzlich sind viele Wünsche sowieso schon über Module im AMA Gütesiegel abgedeckt und wenn es der Markt wirklich braucht, werden wir uns dagegen nicht wehren es auch zu produzieren. Leider sind wir aber aus den Erfahrungen der Vergangenheit schon „gebrannte Kinder“ und bis auf ganz wenige Programme außerhalb des AMA Gütesiegels war nur weniges von Dauer.

Afrikanische Schweinepest Die aktuellen Seuchengeschehen (ASP, Coronavirus) verunsichern natürlich viele Landwirte. Man sollte aber auch hier einen kühlen Kopf bewahren und über den Problemen der Welt nicht den eigenen Betrieb vergessen. Es liegt in unserem Verantwortungsbereich unsere Betriebe vor dem Eintrag von Seuchen aller Art zu schützen. Dazu gehören eben höchste Biosicherheitsmaßnahmen und ein bewusstes Hinterfragen des eigenen Betriebes. Sehr positiv stimmt mich hier die erkennbar gute und bemühte Arbeit unserer Behörden, die alles daransetzen auch im Falle eines Auftretens der ASP in Österreich weiter den Handel mit Schweinefleisch zu ermöglichen. Selbstverständlich wird ein allfälliger Seuchenausbruch Störungen mit sich bringen. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir mit unserem Netzwerk gerüstet sind diese Herausforderung anzunehmen und zu bewältigen.

Die Afrikanische Schweinepest beschäftigt uns auch weiterhin. Quelle: Adobe Stock

Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

Wintertagung 2020 Heuer stand im Rahmen der 67. Wintertagung das Thema Klimawandel im Mittelpunkt. Unter dem prägnanten Titel „Von Almen zu Palmen. Die Agrarpolitik im (Klima-)Wandel“ wurde sich mit 11 Fachtagen dem Thema ganz genau gewidmet. Alljährlich wird diese Tagung mit dem Agrarpolitiktag in Wien eröffnet. Als besonderer Gast war heuer der neue EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski anwesend. Dieser hob in seinem Statement besonders die Vorreiterrolle Österreichs im Hinblick auf den „Green Deal“ hervor. Denn der Green Deal ist ein Fahrplan zu mehr Nachhaltigkeit und bei diesem Thema kann Österreich als Vorbild für andere Länder dienen. Am darauffolgenden Tag fand der „Fachtag Schweinehaltung“ statt. Bevor mit den Fachthemen gestartet wurde, gab LKÖ Präsident Josef Moosbrugger in seinem Eröffnungsstatement einen kleinen Einblick in die teilweise schwierigen Regierungsverhandlungen. Weiters bekräftigte er, dass er überzeugt ist, dass es auch zukünftig den Spaltenboden in Ställen geben werde. Danach zeigte Stefan Hörtenhuber von der BOKU einige Fakten zur Klimarelevanz der Schweinehaltung im internationalen Vergleich auf. Ersichtlich war, dass die CO2-Emissionen bei der Schweineproduktion klar unter dem EU-Durchschnitt liegen und somit Österreich im Sinne der Nachhaltigkeit klar vorn liegt. Bei der Wintertagung 2020 gab es wieder viele spannende Vorträge und Diskussionen. Das brandaktuelle Thema „Klima“ wurde mit interessanten Fakten untermauert und es wurde einmal mehr gezeigt, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung und nicht das Problem ist! 1-2020 | Leitartikel | Kommentar | 5


Im Interview: DI Johannes Fankhauser DI Johannes Fankhauser ist auf einem Bauernhof im Zillertal in Tirol aufgewachsen. Nach der Matura an der HBLA Raumberg absolvierte er das Diplomstudium Landwirtschaft an der BOKU Wien. Zuletzt war er in der Landwirtschaftskammer Österreich Leiter der Abteilung „Ländliche Entwicklung, Bildung und Beratung“. Davor war er bereits im Landwirtschaftsministerium als stellvertretender Kabinettschef und Referent für Landwirtschaft unter den Ministern Josef Pröll und Nikolaus Berlakovich tätig. Seit 2. Mai 2018 ist er zum Leiter der Sektion II (Landwirtschaft und ländliche Entwicklung) im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMLRT) bestellt. In einem Interview steht er uns Rede und Antwort zu einigen interessanten Fragen. Wie sieht Ihre Bilanz zu den bisherigen Verhandlungen aus und wo sehen Sie Reformbedarf bei der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020? DI Johannes Fankhauser BMLRT - Sektion II Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Österreich hat mit der bisherigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gute Erfahrungen gemacht. Mit einer Mischung aus Flächenzahlungen, einzelbetrieblichen und sektorbezogenen Investitionsprogrammen und vielen Projektmaßnahmen wurde eine nachhaltige Erneuerung und Weiterentwicklung der Land- und Forstwirtschaft einschließlich der Stärkung der Wertschöpfungskette sowie des ländlichen Raums insgesamt vorangetrieben. In Bezug auf die grundsätzliche Ausrichtung der künftigen GAP ist eine gewisse Kontinuität zu erkennen: dies betrifft einerseits die Zielsetzungen, wo weiterhin die nachhaltige Entwicklung im Bereich der Landwirtschaft und Ernährung sowie im ländlichen Raum insgesamt verfolgt wird. Es geht dabei um die Ernährungsversorgungsicherheit, die Förderung eines wettbewerbsfähigen Agrarsektors und die Ernährungssicherheit, um die Stärkung des Umwelt- und Klimaschutzes sowie um die Stärkung des sozioökonomischen Gefüges im ländlichen Raum insgesamt. Diese Schwerpunkte sind auch schon aus der laufenden Periode bekannt. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass die GAP auf neue Herausforderungen reagieren kann – Stichwort Herausforderungen durch den Klimawandel. Auch neue technologische Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung sollen für die GAP bestmöglich genutzt werden.

6 | Interview | 1-2020

Persönlich besonders am Herzen liegt mir, dass wir über die gesamte Periode eine Kultur des Miteinanders, der Erneuerung, des gemeinsamen Lernens und der Problemlösung aufzubauen in der Lage sind. Die schnelle Veränderung der Rahmenbedingungen ist zur Normalität geworden, die nur durch die Bündelung der Kräfte bewältigt werden kann. Die produzierende Landwirtschaft muss wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Wie stehen Sie der Zusammenführung der ersten und zweiten Säule bei der GAP gegenüber? Beide Säulen bleiben bestehen. Durch den GAP-Strategieplan wird eine gemeinsame nationale Strategie für beide Säulen erarbeitet, welche die Entwicklung der Landund Forstwirtschaft als auch des ländlichen Raums als attraktiven Lebens-, Wirtschafts-, Natur- und Kulturraum bestmöglich unterstützen soll. Auf europäischer Ebene sollen grundlegende Parameter, allgemeine Interventionsbereiche und Basisanforderungen vorgegeben werden. Die Mitgliedstaaten müssen dafür ihr Monitoringsystem ausbauen und jährlich über die erreichten Ergebnisse und Ziele an die Europäische Kommission Bericht erstatten. Bei Nichterreichung der gesetzten Ziele kann es zu Kürzungen der Zahlungen kommen. Grundsätzlich ist eine abgestimmte Strategie über beide Säulen sinnvoll und zielführend.


Im Rahmen des GAP Strategieplans wurde eine SWOT Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken Analyse) anhand der 9 Ziele der GAP formuliert, wo sehen Sie Schwächen der heimischen Landwirtschaft insb. der Schweinehaltung und wo könnten gleichzeitig auch Chancen daraus resultieren? Die Organisation in der Schweinehaltung ist insgesamt sehr gut aufgestellt. Mit einer zentralen Vermarktungsorganisation durch den VÖS und deren Mitgliedern wird ein wesentlicher Teil der Schlachtschweine in Österreich organisiert vermittelt. Es zeigt sich aber auch, dass es in den letzten Jahren zu keiner wesentlichen Erhöhung der Marktanteile gekommen ist. Hier sollten interne Überlegungen für weitere Anreize angestellt werden. Als eine der Möglichkeiten fällt mir hier ein, wie unterschiedlich die Versicherung für Ausfälle in den drei größten Bundesländern organisiert ist. Eine österreichweite Vermittlung von Versicherungen für Ausfälle, die zentral von einer Organisation für alle ihre Mitglieder durchgeführt wird, wäre für mich ein gutes Beispiel, neue Kunden zu finden. Stichwort: einfache praxisorientierte Abwicklung. Generell müssen wir gemeinsam die Zukunft der Schweinehaltung in Österreich weiterentwickeln. Denkt man an die höheren Ansprüche an die Produktion seitens der Konsumentinnen und Konsumenten, wird es noch viele Herausforderungen geben. Hier kann eine Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung aber auch bei verarbeiteten Produkten sicher ein wichtiger Schritt sein. Mit der neuen GAP soll es auch Möglichkeiten geben, im Rahmen der Investitionsförderung aber auch durch andere Maßnahmen, den Ausbau höherer Produktionsstandards gezielt zu unterstützen. Wie ist der Fahrplan/Zeitplan für den GAP Strategieplan und wann wird die neue Förderperiode starten? Die Erstellung des österreichischen GAPStrategieplans ist als Projekt in mehreren Bearbeitungsschritten angelegt. Ziel ist die Erarbeitung einer einreichfähigen Version, die Ende 2020/Anfang 2021 bei der Europäischen Kommission (EK) zur Genehmigung vorgelegt werden kann. Der Einreichtermin wird dabei einerseits stark vom Zeitpunkt des Vorliegens rechtskräftiger Verordnungstexte sowie andererseits von den Verhandlungsergebnissen zum Mehr-

jährigen Finanzrahmen (MFR) auf EU-Ebene beeinflusst. Derzeit gehen wir von einem Übergangsjahr aus. Auf nationaler Ebene beinhaltet das Projekt „Erstellung nationaler GAP-Strategieplan“ unter anderem auch die Erarbeitung des legistischen Rahmens und der erforderlichen Rechtsgrundlagen (Verordnungen und Sonderrichtlinien) für die Umsetzung in Österreich sowie die Abstimmung mit den anderen in Österreich vertretenen Strukturfondsprogrammen. Ist es interessierten Personen möglich, ihre Vorschläge und Wünsche mit in die GAP-Verhandlungen einzubringen? Wir haben unterschiedliche Beteiligungsformate vorgesehen: neben der Website und dem Newsletter, welche einen sehr breiten Kreis ansprechen, gibt es auch GAPKonferenzen, Fachdialoge und Fachgespräche zu speziellen Themen. Der Auftakt fand mit einer großen GAP-Konferenz im Mai 2019 in Wien statt, wo rund 400 Personen teilnahmen. Wir möchten für den Beteiligungsprozess jedenfalls auch moderne Formate wählen und sehen für bestimmte Themen auch Webinare vor. Zusätzlich haben wir im Herbst 2019 ExpertInnengruppen eingerichtet, welche an den konkreten Maßnahmenvorschlägen arbeiten. Mir ist es sehr wichtig, dass es einen breiten, offenen und transparenten Prozess gibt. Die VÖS ist dabei ein wichtiger Partner. Mit dem „Green-Deal“ soll die EU bis 2050 Klimaneutral werden. Das Regierungsprogramm ist noch ambitionierter und man möchte in Österreich bis 2040 die Klimaneutralität erreichen. Dabei soll auch die Landwirtschaft einen Beitrag zu den CO2–Einsparungen leisten. Was wird Ihrer Meinung nach auf die Bäuerinnen und Bauern zukommen?

Instrumente zur Verfügung. Aus unserer Sicht stellt die derzeit noch nicht vorliegende „Vom Hof auf den Tisch“ (Farm to fork) Strategie einen wesentlichen Bereich des Grünen Deals dar, den es noch genau zu analysieren gilt. Österreich kommt hier eine Vorreiterrolle innerhalb der EU zu. Vieles was jetzt vorgeschlagen wird, setzen wir mit dem umfangreichen Programm der Ländlichen Entwicklung schon über Jahre um. Neben den Umwelt- und Klimazielen muss vordergründig die Produktion von Lebensmitteln im Mittelpunkt stehen. Die Landwirtschaft muss sich immer wieder Vorwürfen zum Tierschutz oder Pflanzenschutz stellen. Dabei gehen die Bäuerinnen und Bauern mit großem Fachwissen und Sorgfalt ihrer Arbeit nach. Gibt es Bestrebungen, das Image der Landwirte in der Öffentlichkeit zu verbessern? Unser Image mit höheren Standards muss noch stärker ausgeprägt und dem Kunden noch besser vermittelt werden. Der Konsument ist de facto der Schlüssel für die Nachfrage nach österreichischen Produkten und genau hier gibt es riesige Chancen die Nachfrage zu steigern. Hier gehört neben dem Einzelhandel ganz sicher auch die Verarbeitung sowie der Großhandel aber auch die Gastronomie dazu. Mehr Nachfrage nach „AT“ bewirkt auch ein Nachdenken in den nachgelagerten Absatzbereichen. Hier wird, wie bereits erwähnt, die Herkunftskennzeichnung eine wesentliche Rolle spielen.

Die europäische Landwirtschaft leistet bereits einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung von zahlreichen Klima- und Umweltzielen. Diese werden bereits jetzt umfassend in der GAP adressiert. Unsere Bäuerinnen und Bauern erzeugen eine noch nie gekannte Qualität und Vielfalt gesunder Lebensmittel. Dabei ist die Land- und Forstwirtschaft der einzige Wirtschaftssektor, der in der Lage ist, auch CO2 zu binden, wenn er unsere Versorgung sicherstellt. Die neue GAP wird weitere, bedeutende Beiträge zur Erreichung der Klima- und Umweltziele des Grünen Deals leisten und stellt geeignete 1-2020 | Interview | 7


Nach auf und ab zum Jahreswechsel – hohe Erwartungen für 2020

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Trotz Preiseinbußen im Jänner konnte das Preisniveau auf hohem Niveau gehalten werden. Dies ist ein absolut positives Zeichen für die Preisentwicklung der nächsten Monate und Quartale. Passieren keine unvorhersehbaren Ereignisse bzw. Marktstörungen, so sollte einem Rekordjahr bei Schweinepreisen und Ertragsparametern nichts im Wege stehen.

Verkraftbares Jännerloch Unabhängig vom Preisniveau, der Jänner ist alljährlich der schwierigste Monat im Schweinejahr. Feiertagsbedingt startet der Schweinemarkt mit erheblichen Überhängen ins neue Jahr. Selten zuvor wurde so wenig geschlachtet wie zuletzt. In der Weihnachtswoche wurde kaum mehr als die Hälfte und in der ersten Neujahrswoche waren es nur ca. zwei Drittel der üblichen Schlachtmenge. Klar, dass in den anschließenden Wochen der Rucksack von annähernd einem zusätzlichen Wochenvolumen auf den Preisen lastete. Da der vorweihnachtliche Preisanstieg nebst dem Geschehen am Binnenmarkt auch maßgeblich vom Chinaexport getragen war, drehte sich dieser Aspekt im Jänner ins Gegenteil. Der gesamten exportierenden Fleischbranche war schon bewusst, dass im Jänner mit China kaum Geschäfte abgeschlossen werden können, da die Bestellungen für das Neujahrsfest Ende Jänner und Anfang Februar erfahrungsgemäß noch im alten Jahr abgeschlossen und ausgeliefert werden.

Corona-Virus verzögert Neustart Wie allen Medien zu entnehmen war, beeinflusste und beeinflusst der Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit Corvid 19 das gesellschaftliche Leben in ganz China. Durch die von der chinesischen Regierung 8 | Markt | 1-2020

verordnete Verlängerung der Neujahrsferien um eine Woche, ließen auch die Bestellungen um eine weitere Woche auf sich warten. Auch mit der Entladung der tausenden Tiefkühlcontainer mit Schweinefleisch aus Europa wurde um eine zusätzliche Woche später begonnen. Weiters war der für die Geschäftsabwicklung unabdingbare Personenverkehr von Kaufleuten und Auditoren unterbunden bzw. verzögert. Summa summarum also erschwerte Bedingungen für das Anlaufen der Chinaexporte im Frühjahr.

Mitbewerber USA wird stärker Der Handelskrieg zwischen Peking und Washington hatte für amerikanische Schweinebauern fatale Folgen. China belegte den Import von USA Schweinefleisch mit bis zu 72% Strafzoll. Daher konnten US Farmer vom Preisboom bisher nicht profitieren, die Erzeugerpreise blieben am Boden. Nachdem sich der Handelskrieg entspannen dürfte und die gegenseitigen Zollbestrafungen sukzessive zurückgefahren werden, dürfte sich der Warenstrom von US Fleisch Richtung China wieder ausweiten. Große Sorgen, zumindest für heuer, sind aus meiner Sicht nicht angebracht, denn die Fehlmenge in China ist größer als das Potential aller Lieferländer. Laut Statistik haben trotz Strafzoll die Amerikaner den Export nach China auch letztes Jahr nahezu

verdoppelt, von 350.000 Tonnen auf 670.000 Tonnen, ähnlich wie die Europäer (von 1,36 Mio Tonnen auf 2,42 Mio Tonnen). Bei dem erwarteten Importbedarf von bis zu 10 Mio Tonnen wird der für US erleichterte Marktzutritt gut verkraftbar und Preisdruck von dieser Seite nicht zu erwarten sein.

Angebotsschwäche für 2. und 3. Quartal erwartet Trotz kurzzeitiger Absatzflaute Richtung China gelang schon Ende Jänner die Trendwende und es ging wieder aufwärts. Maßgeblich dafür war der Umstand, dass das Angebot schlachtreifer Schweine unter den Durchschnittswerten der vergangenen Jahre zu liegen kam und nach wie vor liegt. Dieser Umstand dürfte uns mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum 4. Quartal begleiten. Sowohl die Schweinezählung im Dezember und die darauf aufbauende Prognose als auch die Situation am aktuellen Ferkelmarkt lassen eine substanzielle Unterversorgung des Schlachtschweinemarktes im Bereich 3% bis 5% im Vorjahresvergleich erwarten. Weil anzunehmen ist, dass die Nachfrage nach europäischem Schweinefleisch aus ganz Asien auch heuer wieder mindestens im Umfang des letzten Jahres stattfinden wird, sollte es keine Überraschung mehr sein, wenn die Preise Richtung Sommer und Herbst ein noch höheres Niveau erreichen könnten, als dies letztes Jahr der Fall war.


Mit dem Rüssel in Brüssel Skurriler Zaunstreit vom Zaun gebrochen Widersprüchliche Meinungen gibt es zwischen EU-Kommission und Mitgliedsländern zum Thema „Schutz vor ASP durch die Errichtung von Zäunen.“ Während Bernhard van Goethem, der Direktor der Generaldirektion für Gesundheit in der EU-Kommission, Zäune an den Grenzen der EU-Mitgliedsstaaten für nicht sinnvoll hält, errichten die betroffenen Regionen Zäune um Zäune und dies hunderte Kilometer lang. Andererseits lobt die Kommission die erfolgreiche Arbeit der Tschechen und Belgier, die gerade mit Hilfe von Zäunen die Wildschwein ASP im Land beseitigen konnten bzw. im Falle von Belgien zurzeit alles darauf hindeutet, dass demnächst „ASP-Aus“ gemeldet werden kann. Nachdem die Dänen die Grenze zu Deutschland dichtgemacht haben und auch die Franzosen sich entlang der belgischen Grenze einen Zaun zu Nutze gemacht haben, sind aktuell deutsche und polnische Zaunbauer beiderseits des Grenzflusses Oder aktiv. Bekanntlich wurde Mitte Jänner nur 12 km vor der deutschen Grenze ein ASP-infiziertes Wild-schwein tot aufgefunden. Seither läuten in der BRD die Alarmglocken noch lauter als bisher.

der österreichischen Grenze entfernt, dies heißt aber nicht, dass man dem Seuchengeschehen in unserem östlichen Nachbarland entspannt zusehen kann. Im Gegenteil: Wie die Erfahrungen zeigen tragen die Wildschweine das Virus bis zu 30 km pro Jahr weiter d. h. es kann sein, dass in drei Jahren das Virus vor unsere pannonischen Grenze auftaucht. Ich denke, spätestens dann wird es erforderlich sein, auch in unserem Fall über wirksame Grenzschutzmaßnahmen nachzudenken. Je länger wir das Virus von uns fernhalten können, desto besser. Das ist unstrittig und je länger wir von erfolgreichen Maßnahmen in anderen Ländern lernen können, desto besser. Aus heutiger Sicht ist der Einsatz von Zäunen ein definitiv hilfreiches Mittel.

Warum greifen die direkt betroffenen Länder doch zum Zaun, wenn das von der EUKommission missbilligt wird? Der Grund ist ganz einfach: Erstens ist es sehr wohl eine Maßnahme, die das Eindringen eines infizierten Wildschweines verhindern kann, und zweitens, der Aufwand des Zaunbaues ist in Relation zum Schaden im Ausbruchsfall vergleichsweise gering zu bewerten.

EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski sagt, dass im Rahmen des Europäischen Green Deal von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Maßnahmen gegen intensive Schweinezuchtpraktiken in Nordeuropa erforderlich sein werden. Aufgrund des Green Deal müssen wir uns in einigen EU-Ländern mit dem Problem der intensiven Schweinehaltung befassen, weil die Landwirtschaft nachhaltig sein muss“, sagte er Ende Februar in einem Tweet. Wojciechowski argumentierte, dass Frankreich, Italien und Polen weniger als 80 Schweine pro 100 Hektar Ackerland bewirtschaften während in Belgien, Dänemark und den Niederlanden jeweils 452, 473 bzw. 690 Schweine per 100 ha gehalten werden. In Deutschland gab es vergleichsweise 166 Schweine. 2014 wurden in der EU fast 250 Millionen Schweine gehalten, wobei laut World Farming die meisten davon in Fabrikfarmen untergebracht sind. Wojciechowski stellte am Rande seines Tweets klar, dass er besorgt sei, dass die Schweinezucht „nicht in nur wenigen Ländern zu einer Industrie werden sollte“, während sie in anderen Ländern zu verschwinden scheint.

Ungarische Wildschweine bedrohen Österreich Neben der täglichen Bedrohung der Seucheneinschleppung durch den Menschen, welche aus allen Seuchengebieten entstammen kann, bedroht uns die direkte Schwarzkittelübertagung aus Ungarn. In unserem Nachbarland wurden heuer bereits bis 9. Februar deutlich mehr als 500 ASP-Fälle bei Wildschweine diagnostiziert, d. h. die Fallzahlen steigen und auch das Ausbreitungsgebiet vergrößert sich. Zwar liegen diese derzeit noch ca. 100 km von

Kommissar WOJCIECHOSKI äußert sich kritisch zur intensiven Schweinezucht

Richtig eingesetzt sind Zäune ein hilfreiches Werkzeug zur Verhinderung der Seuchenausbreitung. Foto: Schlederer

„In Dänemark gibt es mehr Schweine als in ganz Polen“, schrieb er, obwohl Dänemark achtmal kleiner ist. In den Niederlanden, dem Land mit der intensivsten Schweinehaltung, wurde im vergangenen Sommer ein freiwilliges staatliches Buyout-Programm für Schweinehalter überzeichnet.

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Mit guten Preisen ins neue Jahr Beim Verfassen dieses Artikels (KW 8) ist ein Niveau von 2,35€ Basispreis erreicht und man ist geneigt sich die Augen zu reiben und zu fragen, ob denn dass alles real ist. Ich möchte aber nicht die positiven Entwicklungen am Exportmarkt mit den ASP-Problemen in China (und nicht nur dort) analysieren, sondern auch einige Entwicklungen aufzeigen, die uns in nächster Zeit beschäftigen werden. Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss ©Styriabrid

In den meisten Teilen von Europa sinken die Sauenbestände teils massiv. Dies ist in den östlichen Regionen der Afrikanischen Schweinepest geschuldet und in Mitteleuropa gibt es politisch und gesellschaftlich ungünstige Rahmenbedingungen, die Landwirte aus der Produktion drängen. Speziell in Deutschland herrscht eine so große Verunsicherung über Themen, wie Umweltauflagen, Halteverordnungen, Tierwohldebatte, Eingriffe bei Nutztieren und vieles mehr, so dass ich heilfroh bin in Österreich zu sein, auch wenn bei uns auch nicht alles zur vollsten Zufriedenheit läuft (laufen kann). Die Vernetzung der Verbände mit der Politik, den Universitäten und in der Branche selbst ist ein Ergebnis langer und guter Arbeit, die sich immer wieder auszahlt. Alleine der Umgang und die Versachlichung der Diskussion in Bezug auf das Projekt „Pro-Sau“ und die Arbeitsgruppe „Eingriffe bei Nutztieren“ zeigt deutlich, dass wir Lösungsansätze haben, Diskussionen nicht scheuen und uns nicht von diversen Gruppen vor sich hertreiben lassen. Einen Bestandsrückgang, wenn auch nicht ganz so dramatisch, gibt es auch bei uns. Für mich sind aber die nächsten Jahre entscheidend, in welcher Struktur sich die heimische Schweineproduktion aufstellen wird. Da es zu erwarten ist, dass Ferkel im Ausland nicht immer zur Verfügung stehen, muss es Ziel sein sie im Inland selbst zu erzeugen, auch

Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2016 bis 2020. Quelle: Bäck 10 | Ferkelmarkt | 1-2020

um den Eckpfeiler AMA-Gütesiegelproduktion entsprechend zu versorgen. In letzter Zeit gibt es dazu auch wieder verstärkt Bestrebungen in Kooperationen Sauenhaltung zu betreiben, was nicht nur aufgrund der Arbeitsintensivität als eine positive Entwicklung zu sehen ist. Zweifellos befindet man sich nahe dem Punkt, an dem die Bestandsrückgänge nicht mehr, wie in der Vergangenheit, durch Leistungssteigerungen aufgefangen werden können. Steigerungen in der Produktivität sind je nach Niveau immer möglich, nur sollte ein ausgewogenes Verhältnis gefunden werden, um auch noch ein stabiles und wirtschaftlich positives Ferkel zu produzieren. Antworten sind auch auf die neuen Herausforderungen in der Tiergesundheit zu geben. Und das nicht nur hinsichtlich der Diskussion über den Einsatz von Antibiotika, sondern vor allem wegen der Produktivität der eigenen Betriebe. Gerade, aber nicht nur, die Schäden durch den Zug der PRRS durch die heimischen Ställe machen eine gut durchdachte Strategie mit begleitenden Screening-Maßnahmen notwendig. Sehr bewährt haben sich auf den Betrieben regelmäßige Untersuchungsmaßnahmen, um das Geschehen im Bestand besser abzubilden und zielgerichteter reagieren zu können. Gemeinsam mit TGD und Betreuungstierärzten wird daran gearbeitet ein System zu etablieren, um die Betriebe produktionssicherer zu machen. Rund um die KW 5 beginnen üblicherweise jedes Jahr die Ferkelnotierungen zu steigen und bis um die KW 20 ist in der Regel der Jahreshöchststand erreicht. Wie weit es noch nach oben geht bleibt abzuwarten und wird nicht unwesentlich von der Export- und Seuchenlage beeinflusst werden. Natürlich sind immer wieder Rückschläge möglich, die grundsätzlichen Aussichten sind aber als positiv einzuschätzen. Das heimische Ferkel wird gefragt bleiben, kann nicht ersetzt werden und so ist das Nachdenken über eine Zukunftsstrategie auf dem eigenen Betrieb das Gebot der Stunde.


PIG Austria steht für TOP Genetik Die Zusammenführung der drei Zuchtverbände sowie der drei Besamungsstationen in Österreich brachte umfassende Neuerungen für das Zuchtprogramm der Mutterrassen Edelschwein und Landrasse sowie für die Abläufe auf den Besamungsstationen. Auch für die neu benannten Pietraineber FELIX gibt es neue Leistungsklassen. quenz werden geschlachtet, positiv geprüfte Eber (niedrige Frequenz) werden mit A gekennzeichnet (für Anomalien-geprüft).

Neue Leistungsklassen für die Besamungseber Derzeit stehen 538 Eber auf unseren Stationen in Gleisdorf, Hohenwarth und Steinhaus. Seit Jahresbeginn werden die Eber der Rassen Pietrain (Felix), Edelschwein und Landrasse in Leistungsklassen eingeteilt. Von insgesamt 420 Pietrain Ebern fallen rund 13% in das Spitzensegment der Best Performer und rund 18% in das sehr gute Segment der High Performer. Außerdem bieten wir Pietrain Eber in zwei verschiedenen Nutzungsrichtungen an. Für Edelschwein und Landrasse Eber werden die Eber des Spitzensegments als TOP Eber eingestuft. Details zu den Kriterien für unsere Ebereinteilung finden Sie in nachstehender Tabelle. Zudem sind alle unsere Besamungseber genotypisiert. Die genomische Information wird für die Zuchtwertschätzung genutzt und gleichzeitig ist dadurch ein Abstammungstest für die Eltern garantiert. Zusätzlich werden bestimmte Genotypen wie die Stresssicherheit (NN) und der E. Coli F 18 Resistenz-Status (AA) ausgewiesen.

Neue Zuchtwertschätzung Wurfqualität und Mütterlichkeit Gelenkte Anomalienprüfung im Feld Um die Anomalienfrequenz gezielt zu erfassen, wird ein Großteil unserer Jungeber auf sogenannten Anomalientestbetrieben geprüft. Diesen Betrieben wird das Sperma von einem Jungeber für eine gesamte Gruppe zugeteilt, um Mischbelegungen auszuschließen. Nach den Rückmeldungen der Betriebe wird das Ergebnis der gelenkten phänotypischen Feldprüfung mit dem Anomalienindex kombiniert. Die Anomalienprüfung nach dieser Methode findet aktuell für die Station Steinhaus statt und soll ab April auf zusätzlichen Testbetrieben für die Stationen Gleisdorf und Hohenwarth ausgeweitet werden. Eber mit erhöhter Fre-

Mit 01.02.2020 haben wir das neue Zuchtprogramm der Mutterrassen Edelschwein und Landrasse in die Routinearbeit umgesetzt. Zur absoluten Anzahl der lebenden und abgesetzten Ferkel je Wurf neu hinzugekommen ist der Wurfvitalitätsindex (VI), welcher mit 20% im Gesamtzuchtwert gewichtet wird. Dieser setzt sich aus folgenden Merkmalen zusammen: Durchschnittliches Geburtsgewicht in kg je Wurf + Streuung der Geburtsgewichte in kg je Wurf + Wurfvitalität Dafür werden in Zukunft auf den PIG Austria Zuchtbetrieben rund 50.000 Ferkel jährlich einzeln nach der Geburt gewogen. Ziel ist es einheitliche und vitale Ferkel mit geringer Streuung innerhalb des Wurfes zu bekommen. Eine weitere Änderung war die Einführung eines Mütterlichkeitsindexes (MI). Dieser ist zwar nicht Teil des Gesamtzuchtwertes, wird allerdings für die Besamungseber extra ausgewiesen. Der Mütterlichkeitsindex setzt sich aus den folgenden Merkmalen zusammen: Abferkelverhalten + Aggressives Verhalten der Muttersau gegenüber ihren Ferkeln + Erdrückungsverluste in Prozent während der Säugeperiode + Gesamteindruck der Mütterlichkeit während der ganzen Säugeperiode.

Tabelle: Die neuen Leistungsklassen der Pig Austria für Besamungseber. Quelle: Pig Austria

Mit der Neuausrichtung unseres Zuchtzieles für die Mutterrassen stellen wir unter dem Motto „optimieren statt maximieren“ zukünftig sicher, dass die Sau die Aufzucht ihrer vitalen und gleichmäßigen Ferkel selbst übernimmt und die TierhalterInnen im Management nicht überfordert. Wir informieren laufend auf unserer Homepage www.pig.at über Neuigkeiten. Die aktuellen Zuchtwerte sämtlicher Besamungseber werden ebenfalls auf www.pig.at veröffentlicht. 1-2020 | Pig Austria | 11


Regierungsprogramm: Ein Bekenntnis für eine starke und bedeutende heimische Landwirtschaft Die Landwirtschaft und ihre tangierenden Angelegenheiten haben im Arbeitsprogramm der neuen Bundesregierung eine umfassende Platzierung gefunden. Das gesamte Regierungsprogramm inklusive dem Kapitel „Landwirtschaft, Tierschutz und ländlicher Raum“ können Sie auf der Homepage des VÖS nachlesen oder downloaden.

DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Wie das gesamte Regierungsprogramm, trägt auch der Landwirtschaftsteil die klare Handschrift der Ökosozialen Marktwirtschaft mit einem starken Fokus auf eine nachhaltige Gesellschaft im Einklang mit ökologischen, sozialen und vor allem marktwirtschaftlichen Zielen. Die Regierung hat in ihrem Programm ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Weiterentwicklung von Bestehendem und Einführung von Neuem zu erreichen versucht und setzt Entlastungen ganz gezielt zur Stärkung der heimischen Bauernfamilien ein.

Herausforderungen groß aber praktikabel und machbar Die Sorgen der heimischen Schweinebranche wegen befürchteter überzogener neuer Auflagen, gerade in den Bereichen Tierhaltung und Umwelt, waren noch während der laufenden Regierungsbildungsverhandlungen groß. Nachdem das Arbeitsübereinkommen der ÖVP und der Grünen nun vorliegt, kann festgehalten werden: Die Herausforderungen für die Schweinehalter bleiben groß und Weiterentwicklungen und auch manche Veränderungen werden zukünftig stattfinden müssen. Die Regierungsparteien erteilen aber in ihrem Programm populistischen Forderungen anderer Parteien und NGO´s eine klare Absage und bekennen sich zu einer realistischen und marktkonformen Weiterentwicklung der Landwirtschaft. Die politische Einflussnahme soll dabei nicht über das Anheben derzeitiger gesetzlicher Mindeststandards, sondern über Anreizsysteme erfolgen. Dies betrifft vor allem die Bereiche Tierwohl, gentechnikfreie Fütterung und CO2-Emissionen. Folgend werden die für die Schweinebauern wesentlichen Programmpunkte aufgezeigt.

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Weiterentwicklungen Tierschutz Die Regierung bekennt sich zur Weiterentwicklung bestehender und zur Einführung neuer Haltungsformen, mit dem Ziel der Verbesserung des Tierwohls. Sie bekennt sich aber auch dazu, dass diese Entwicklungen nur unter folgenden Voraussetzungen erfolgen können: • Nach Maßgabe von Forschungsergebnissen und wissenschaftlicher Erkenntnisse • Im Einklang mit den Marktmöglichkeiten Aus Sicht der konventionellen Schweinehaltung erfüllen die in unserer Tierhaltungsverordnung bereits festgelegten Bewegungsbuchten im Abferkel- und Deckbereich, sowie die Gruppenhaltung der Wartesauen dieses Anforderungsprofil. Im Bereich der Ferkelaufzucht und der Schweinemast wird man über finanzielle Anreizsysteme versuchen, eine praxisverträgliche Weiterentwicklung im Sinne des Tierwohls zu beschleunigen. Eine moderate Anhebung des Platzangebotes, eine Adaptierung der Bodengestaltung, eine größere Vielfalt an Beschäftigung und eine Kühlmöglichkeit stehen in den Überlegungen dazu im Raum. Klimaschutz und Gentechnikfreiheit Die Regierung stellt in beiden Bereichen unmissverständliche Zielsetzungen auf: • Bepreisung der CO2-Emissionen ab 2022 und heimische Initiative für CO2-Zölle in der EU • Nationale Anreizsysteme zur Reduktion von Ammoniakemissionen • Ausstieg aus nicht GVO-freien Futtermitteln Aus Sicht der Schweineproduktion bedeutet dies, dass es neben den sowieso schon überwiegend eingesetzten regionalen Futtermitteln zu einem zunehmenden Einsatz von heimischen und europäischen Eiweißkomponenten kommen muss, damit der Einsatz von Überseesoja


sukzessive verringert werden kann. Damit könnte dann aber nicht nur die CO2Bilanz in der Schweinefleischerzeugung spürbar verbessert werden, sondern auch die vollständige GVO-Freiheit in der Fütterung vorangetrieben werden. Vorerst wird diese Umstellung in der AMA-Gütesiegelproduktion angestrebt. Der neuen Regierung ist dabei klar, dass dies nur im Rahmen einer marktbasierten Entwicklung realisierbar ist, also wenn die vollständige und nachhaltige Abgeltung der Mehrkosten gewährleistet ist. Eine Mischform von Konsumentenbeitrag und öffentlichen Mitteln dürfte dabei am erfolgversprechendsten sein. Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln Die Regierung möchte bereits 2021 eine Herkunftskennzeichnung von Milch, Fleisch und Eiern in verarbeiteten Lebensmitteln sowie in der öffentlichen und privaten Gemeinschaftsverpflegung einführen. Damit wird die Transparenz für den Konsumenten deutlich verbessert und die heimische regionale Landwirtschaft gestärkt. Schutz der hohen heimischen Standards Die Regierung bekennt sich im Agrarhandel nicht nur zu einer konsequenten Verteidigung der hohen Sozial- und Umweltstandards in Österreich und der EU, sondern macht für den Abschluss zukünftiger Handelsabkommen die Einhaltung dieser für Drittstaaten zur Bedingung. Nicht zuletzt deswegen wird das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen in der derzeit vorliegenden Form von der Bundesregierung kategorisch abgelehnt.

Entlastungen Neben der Weiterentwicklung, spielt im Regierungsprogramm die Entlastung der heimischen Landwirtschaft eine große Rolle. Dieses Kapitel könnte mit dem Slogan „Bauern sollen es besser haben als bisher“, zusammengefasst werden. Einheitswertsystem und Buchführungspflicht Die Regierung bekennt sich zum bäuerlichen Familienbetrieb und Agrarfabriken sind für sie keine Alternative. Im Programm wird deswegen das Einheitswertsystem nicht nur sichergestellt, sondern die gänzliche Streichung der Einheitswertgrenze für die Buchführungspflicht (bisher 150.000) und die Anhebung der Umsatzgrenze für diese Pflicht auf € 700.000 (bisher 550.000) vorgesehen. Wei-

Das Regierungsprogramm steht für eine starke und gesunde heimische Landwirtschaft. Foto: DeshaCAM - Fotolia com ters wird zukünftig eine 3-Jahres-Verteilung der Gewinne aus Einkünften der Land- und Forstwirtschaft ermöglicht werden. Entlastungen bei der Krankenversicherung Das Regierungsprogramm sieht eine Absenkung der Mindestbeitragsgrundlagen auf das ASVG-Niveau vor. Erhöhung der bäuerlichen Mindestpensionen Dieses definierte Programmziel soll durch die Senkung des Anrechnungsprozentsatzes beim fiktiven Ausgedinge von 13 auf 10 Prozent erreicht werden. Gleichzeitig ist vorgesehen, die Pensionsversicherungsbeitragsgrundlage für hauptberuflich Beschäftigte auf 27 Jahre zu erhöhen.

Zusammenfassung

Grauslichkeiten fehlen. Genau so rasch ist aber zu erkennen, dass sich die neue Regierung eine konsequente Weiterentwicklung und auch den Willen zur Veränderung von der heimischen Landwirtschaft erwartet. Die Schweinebranche hat dabei ganz sicherlich einige große Herausforderungen zu bewältigen. Veränderungen möchte die Regierung dabei nicht vorrangig über neue Vorschriften, sondern vor allem über Anreizsysteme für die heimischen Bauernfamilien erreichen. Die beiden Regierungsparteien stellen wohltuend deutlich klar, dass Weiterentwicklungen nur im Einklang mit den Marktrealitäten möglich sind und den heimischen Landwirten dadurch entstehende Mehrkosten in der Produktion vollständig und nachhaltig abzugelten sind.

Beim Durchstudieren des Landwirtschaftsteiles des Regierungsprogrammes erkennt man rasch, dass die durchaus erwarteten 1-2020 | Recht & Politik | 13


Foto: Strasser

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Schäden durch Lüftungsausfälle vorbeugen

Das Schlimmste, was einem Schweinehalter passieren kann, ist ein unbemerkter Lüftungsausfall. Alarmanlagen sind gesetzlich vorgeschrieben und sollen im Ernstfall den Lüftungsausfall melden. Zeitgleich müssen Ersatzsysteme (zu öffnende od. selbstöffnende Fenster od. Türen) vorhanden sein, um einen Mindestluftwechsel zu ermöglichen. Leider kommt es immer wieder vor, dass diese Überwachungssysteme versagen und somit Tiere zu Schaden kommen. Franz Strasser, Fachberater an der BSH Wels, hat Ursachen für Lüftungsausfälle analysiert und Lüftungstechnikern bei der Anlagenüberprüfung über die Schulter geschaut. Ursachen für Lüftungsausfälle im letzten Jahr: • Indirekter Blitzschlag verursacht Schäden an der Steuerung: ein falscher Temperaturwert wird gemessen und die Abluftklappen werden falsch angesteuert • Eintritt von Gülle in den Abluftschacht bei Unterflurabsaugung: Querschnitte werden verengt bzw. verschlossen und Gülle bringt Abluftventilatoren zum Stehen • Lüfter, der die Lüftungssteuerung kühlt, ist defekt, Kurzschluss, Ausfall des Steuergerätes • Temperaturfühler wird von Schweinen heruntergerissen, demoliert und liefert falschen Wert 14 | Lüftung | 1-2020

• Kaputte Akkus melden den erkannten Fehler nicht akustisch weiter Intakte Alarmanlagen erkennen solche Störungen und schlagen Alarm. Die Funktion muss daher laufend überprüft werden und Nachjustierungen vorgenommen werden. Alle Jahre im Jänner – Februar besucht der Lüftungstechniker seine Kunden und prüft:

Als erstes beim Alarmgerät Hier wird der „Testknopf“ gedrückt, um zu prüfen ob die Alarmierungskette funktioniert: d.h. das Horn ertönt und das Selbstwählgerät wählt die eingespeicherten Nummern. Darüber hinaus montieren manche Elektriker im Hof ein Drehlicht, dass unübersehbar die Störung meldet. Leider halten die Akkus in den Alarmanlagen nur 2–3 Jahre ihre volle Leistung. Nicht selten kommt es daher vor, dass das Horn bei Stromausfall nur ein paarmal „hustet“ und so kaum gehört wird. Daher rechtzeitig den Akku tauschen.

Strom aus! In der weitern Folge wird die Lüftungsanlage durch Drücken des FI Schalters vom Netz getrennt: jetzt muss auch der Alarm ertönen und die Alarmierung aufs Handy erfolgen. Sobald die Anlage stromlos ist, lassen auch die Elektromagnete bei den Türen bzw. Fenstern nach und werden durch eine vorgespannte Feder geöffnet. Zeitgleich werden durch USV (Anlagenunabhängige Stromversorgung) die Zu und Abluftstellmotoren angesteuert und die Klappen geöffnet.

Übertemperaturauslösung Ob bei Übertemperatur der Alarm ausgelöst wird, kann ganz einfach überprüft werden. Der Elektriker geht ins Abteil und reibt am Temperaturfühler. Dadurch wird eine höhere Raumtemperatur simuliert und die Alarmkette (akustisches Signal, Telefonalar-


Foto: Strasser

mierung, Öffnen der Zu- bzw. Abluftklappen und Türen und Fenster) eingeleitet.

Lüftungscomputer Zu guter Letzt überprüfen Lüftungstechniker und Landwirt gemeinsam die Einstellung am Lüftungscomputer. Die Solltemperatur, Über und Untertemperatur, die Spreizung und die Alarmübertemperatur wird in jedem Abteil angeschaut. Ein richtig eingestellter Alarmübertemperaturwert verhindert lästige Fehlalarme, da der Übertemperaturwert auch mit der Außentemperatur abgeglichen wird. Jetzt bekommt der Landwirt auch praktische Einstellungshinweise am Gerät und kann laufend auftretende Fragen mit dem Techniker diskutieren.

Und was kostet diese Überprüfung

Dieser kaputte Lüfter im Steuergerät war die Ursache für die Störung der Lüftungsanlange. Quelle: Strasser

Meistens verrechnen Lüftungstechniker bzw. Elektriker diese Überprüfung nach tatsächlichem Aufwand. D.h. die Zeit, die am Betrieb beansprucht wird kommt zur Verrechnung.

Fazit So wie die Stalleinrichtung ist in vielen Betrieben auch die Lüftungs- und Alarmanlage in die Jahre gekommen: Die Stallluft und Feuchtigkeit nach dem Stallwaschen sorgen für Oxidation der Kontakte. Somit wird das System störanfällig. Eine gewartete und vom Fachmann überprüfte Lüftungs- und Alarmanlage gibt Sicherheit und die Landwirtsfamilie kann ruhig schlafen bzw. auch fortfahren. Wenn die Anlage immer aktiviert, richtig eingestellt und laufend kontrolliert wird, dann erfüllt sie auch Ihren Zweck. Und dazu wurde diese anspruchsvolle Technik ja auch angeschafft.

Die Akkus sind im Alarmgerät einfach zu tauschen. Quelle: Strasser

Trotz abgerissenem Temperaturfühler wurde kein Alarm ausgelöst. Quelle: Strasser

Durch das Reiben am Temperaturfühler wird Übertemperatur erzeugt und der Alarm müsste ausgelöst werden . Quelle: Strasser 1-2020 | Lüftung | 15


Mykotoxinmonitoring 2019 bei Körnermais: Regional stark unterschiedliche Belastung Körnermais wird gerne von einer Reihe von Fusarium-Pilzen am Kolben befallen. Fusarium-Befall verursacht Ertragsausfälle, wichtiger sind aber in aller Regel die Qualitätsbeeinträchtigungen durch die gebildeten Pilzgifte, die Mykotoxine, wie Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEA) oder Fumonisine, um die wichtigsten zu nennen. Insbesondere Schweine, und hier wiederum Zuchtsauen und Ferkel, reagieren empfindlich auf Kontamination des Futters mit diesen unerwünschten Substanzen. Das kann sich unter anderem in Form von Leistungsabfall, Freßunlust, Verwerfen oder geschwächtem Immunsystem zeigen. Auch 2019 wurde das seit 2011 laufende Mykotoxinmonitoring bei Körnermais mit Beteiligung des BMLRT (Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus), den Bundesländern, den Landwirtschaftskammern sowie den Maiszüchtern und Maisverarbeitern fortgeführt. Insgesamt kamen 1.046 Maisproben von 42 Versuchsstandorten aus allen Maisanbauregionen zur Untersuchung. Beprobt wurden dabei alle Sorten der jeweiligen Versuchsstandorte. Nachstehend werden die gebietsweise zusammengefassten Ergebnisse berichtet. Sortenspezifische Ergebnisse sind unter https://bsl.baes.gv.at/kulturen/mais-und-hirsearten/mais/ veröffentlicht. Nach dem trockenen Jahr 2018 waren der Befall mit Fusarium-Pilzen und das Mykotoxinauftreten 2019 im Vergleich wieder etwas stärker. Mit den feuchteren Witterungsbedingungen lag die Belastung mit DON 2019 über das gesamte Maisanbaugebiet mit 845 µg/ kg (Jahresmedianwert) deutlich höher als in den letzten Jahren dieser Dekade. Auch der Jahresmittelwert des DON-Gehaltes in Höhe von 1150 µg/kg ist nach dem Jahr 2014 der zweithöchste seit Beginn des KOFUMA-Projektes.

Mykotoxinbelastung 2019 regional stark unterschiedlich Relativ deutliche Unterschiede zeigten sich bei den regionalen DON-Medianwerten, die bei 528 µg/kg im Nordalpinen Feuchtgebiet (Nieder- und Oberösterreichisches Alpenvorland), bei 754 µg/kg im Pannonikum (Weinviertel, Marchfeld, Nordburgenland) und bei 1375 µg/kg im Illyrikum (Südburgenland, Südoststeiermark, Kärntner Becken) lagen.

Wie kommt es zur Fusariuminfektion Vorausgeschickt sei, dass der Infektionsdruck und somit der Fusariumbefall und die Mykotoxinbildung ganz maßgeblich von der Jahreswitterung abhängen. Der Witterungsverlauf kann ja nicht beeinflusst wer16 | Mykotoxine | 1-2020

den, daher hat die Gegenstrategie bei der Durchbrechung der Infektionswege anzusetzen.

Fusariumpilze können den Maiskolben über mehrere Wege befallen Infektion während der Kolbenblüte Zur Zeit der Kolbenblüte gelangen die Pilzsporen über Wind auf die Narbenfäden, keimen bei feuchter Witterung und ihre Infektionsschläuche können in den Narbenfäden bis in die Samenanlagen wachsen. Sortenunterschiede zeigen sich in der Eindringungsresistenz. Man versteht darunter die Widerstandsfähigkeit der Narbenfäden einer Sorte gegenüber dem eindringenden Fusarium-Pilz. Feuchtes Wetter während der Kolbenblüte erhöht das Infektionsrisiko. In Versuchen zur Resistenzprüfung am IFA-Tulln wird feuchtes Wetter mittels Vernebelung simuliert. Die wichtigste Voraussetzung für die Infektion ist aber das gleichzeitige Vorhandensein einer ausreichenden Menge an Fusarium-Sporen. Sporenquellen stellen dabei in aller Regel befallene Pflanzenreste aus dem Vorjahr dar. Und hier setzt die Eingriffsmöglichkeit des Landwirtes an: Eine gute Verrottung auch der kräftigeren Restpflanzenteile, wie Maisstoppel oder Stängelteile, entziehen den Fusariumpilzen die stoffliche Grundlage zur Überwinterung. Mit einer ausreichend mischenden Bodenbearbeitung kann die Sporenproduktion in der nächsten Saison wirkungsvoll verringert werden und mit einer geeigneten Fruchtfolge sollten die in der neuen Saison gebildeten Sporen keine passenden Wirtspflanzen vorfinden. Infektion über mechanische Verletzungen Ein weiterer Infektionsweg ergibt sich aus mechanischen Verletzungen der Maispflanzen, z.B. durch Hagelschlag oder Maiszünslerfraß. Häufig können um ein Fraßloch der Zünslerlarve Infektionsherde festgestellt werden. Wie weit und wie rasch sich der Pilz davon ausgehend in die gesunden Nachbarkörner ausbreiten kann, wird durch die sogenannte Ausbreitungsresistenz beeinflusst. Auch darin gibt es sortenspezifische Unterschiede. In der Sortenprüfung wird den Sortenkandidaten in eigenen Versuchsanlagen der AGES eine Sporensuspension in die milchreifen Kolben injiziert. Bei Reife wird das Befallsbild an über 100 entlieschten Kolben je Sorte bonitiert. Hohe Eindringungsresistenz geht nicht unbedingt mit einer gleichzeitig hohen Ausbreitungsresistenz


einher und umgekehrt. Mechanischen Verletzungen kann – soweit es sich um Bohrlöcher des Maiszünslers handelt - durch Ausbringen von Schlupfwespen der Gattung Trichogramma, welche die Maiszünslereigelege parasitiert, wirkungsvoll begegnet werden. Neben der Verringerung des zünslerbedingten Stängelbruchs mit eventuellem Kolbenverlust beugt man damit auch dem Infektionsrisiko mit Fusarium vor. Liegt ein Befall an der abreifenden Maispflanze vor, so schädigt der Fusarium-Pilz in jenen Pflanzenteilen am meisten, in welchen sich die Feuchtigkeit am längsten halten kann. Im Falle des Kolbens ist das die Spindel. Bei der Beerntung als CCM ist auch darauf Bedacht zu nehmen. Durch Verringerung des Spindelanteils im Druschgut kann die Mykotoxinbelastung im Futter so gegebenenfalls verringert werden.

Von den aktuell über 210 Maissorten sind bereits 166 im Merkmal Kolbenfäule eingestuft. Sorten mit geringerer Anfälligkeit – bis Ausprägungsstufe 4 – gibt es in jeder Reifegruppe. In Befallssituationen liefern gesündere Sorten eher noch Erntegut in akzeptabler Qualität, mit handhabbaren Verwertungsmöglichkeiten.

Sorteneinstufungen im Merkmal Kolbenfäule beachten Den möglichen Infektionswegen kann mit einer geeigneten Sortenwahl begegnet werden. In die Sortenbewertung gehen sowohl die Ergebnisse zur Eindringungs- und der Ausbreitungsresistenz aus Versuchen mit künstlicher Infektion ein, als auch die Befalls- und Mykotoxindaten aus den Ertragsversuchen mit natürlicher Infektion.

DI Klemens Mechtler Dr.in Elisabeth Reiter AGES

Unterstützung für die Landwirte bietet zudem auch das Vorerntemonitoring für Mykotoxine in Körnermais, eine Kooperation von LFI, AGES und LWKn, das einen Überblick über die regionalen Belastungen des aktuellen Erntejahres schaffen soll. Die ersten Mykotoxinergebnisse liegen dazu je nach Verlauf der Jahreswitterung etwa ab Ende der zweiten Septemberwoche unter www.warndienst.lko.at vor.

Zusammenfassung der Maßnahmen zur Verringerung des Mykotoxinrisikos bei Körnermais - Bodenbearbeitung mit Verrottung der Pflanzenrückstände - Fruchtfolge einhalten, soweit möglich - Geeignete Sortenwahl –> Sortengrafiken und Einstufung Kolbenfäule beachten, siehe Link. - Bestandskontrolle –> Vorerntemonitoring beachten, siehe Link - Rechtzeitige Ernte –> ist ein gewisser Ausgangsbefall einmal da, kann bereits ein- bis zwei-wöchiges Zuwarten die Mykotoxinbelastung erheblich erhöhen. - Oft nicht alle Empfehlungen einhaltbar –> Häufung der Risikofaktoren bei Anbauplanung vermeiden - Besonders wichtig: geeignete Sorten wahl und zeitgerechte Ernte

Abbildung 1: Auftreten der DON-Gehalte nach Regionen und Jahren 2015-2019. Quelle: AGES 1-2020 | Mykotoxine | 17


AMA-Lukullus für Verdienste um die Fleischwirtschaft Wer in der Fleisch- und Wurstbranche Rang und Namen hat, fand sich am 20. November 2019 bei der Lukullus-Gala in Zell am See ein. Die AMA vergab hohe Auszeichnungen für Verdienste in der Fleischbranche. „Die Prämierungen sind sichtbare Anerkennungen für die Fleischwirtschaft in ihrem Streben nach höchster Qualität. Das stärkt das Image der Branche, vor allem aber stärkt es das Vertrauen der Konsumenten“, gratulierte Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing.

34 Experten beurteilten dabei die Ergebnisse unangemeldeter Store-Checks. Anhand einer Checkliste bewerteten sie den Gesamteindruck des Sortiments, die Präsentation der Produkte, den Umgang mit der Ware sowie die Fachkompetenz des Personals.

Goldener Lukullus für verdiente Persönlichkeiten

Bronzener Lukullus für besondere Leistungen im Qualitätsmanagement

Der Goldene Lukullus ist die höchste Auszeichnung der AMA für Persönlichkeiten, die sich durch ihr außergewöhnliches Engagement um die Fleischwirtschaft besonders verdient gemacht haben. Die Ehrungen werden alle zwei Jahre vergeben. Heuer gingen sie an Kommerzialrätin Elfrieda Reiter, Unternehmensgründerin von REITER Innviertler Fleischwaren, und Hubert Stritzinger, ehemaligen Konzernleiter der SPAR-Marke TANN.

Lukulli wurden auch an verdiente Persönlichkeiten überreicht, die durch ihre jahrelange Tätigkeit die Qualitätsentwicklung von Fleisch und Fleischwaren maßgeblich geprägt haben: • Alois Michlmayr, ehemaliger Sortimentsmanager für Fleisch und Wurst bei Maximarkt

• Wilhelm Götschl, ehemaliger Betriebsleiter REWE Austria Fleischwaren Radstadt • Ernst Marte, ehemaliger Betriebsleiter TANN Dornbirn

Erstmals vergeben: Diplom-Fleischsommelier Erstmals wurde der Diplom-Fleischsommelier des Jahres gewürdigt. Die eigens dafür kreierte Bronze-Skulptur symbolisiert einen Fleischhackstock und ging für das Jahr 2019 an Josef Moßhammer, Fleischermeister aus Graz. Er hat sich als Botschafter rund um die Förderung der Fleischkultur im heurigen Jahr besondere Verdienste erworben.

Silberner Lukullus für die besten Fleischtheken und Fleischerfachgeschäfte Knapp hundert Geschäfte bewarben sich in vier Kategorien um den POS-Lukullus für das beste Fleischfachgeschäft bzw. die besten Fleisch- und Wurstabteilungen im Lebensmittelhandel. Der Vergabe ging ein österreichweiter Wettbewerb voran.

Die Sieger der Kategorien LEH und Fachgeschäfte freuten sich bei der AMA-Lukullus-Gala 2019 in Zell am See. Fotos: AMA-Marketing 18 | AMA | 1-2020


Ausgezeichnete Persönlichkeiten im Porträt Goldener Lukullus für Verdienste in der Fleischbranche Elfrieda Reiter ist die Unternehmensgründerin von REITER Innviertler Fleischwaren. Sie prägt die Firmengeschichte seit mehr als siebzig Jahren und wird als Grande Dame der österreichischen Fleischwirtschaft bezeichnet. Der Betrieb war einer der ersten, der seine Produkte mit dem AMA-Gütesiegel auszeichnen durfte. Elfrieda Reiter und ihr Team leben eine konsequente Qualitätspolitik und haben die Weiterentwicklung des AMAGütesiegels wesentlich mitgetragen. Die Firma Reiter war auch Vorreiter in Sachen Marketing. Sie machte als erster Wurstproduzent Werbung im TV. Von ihren Mitarbeitern wird Elfrieda Reiter respektvoll als Seele des Unternehmens und Chefin mit Umsicht beschrieben. Hubert Stritzinger war Konzernleiter von TANN, einer Marke von SPAR. Langjährige Wegbegleiter beschreiben Stritzinger als Visionär und anerkannten Fachmann. Er forderte und förderte die Einführung des AMA-Gütesiegels für

Wurstwaren. Die Expertise und praktischen Tipps Stritzingers wurden in den AMA-Gremium hoch geschätzt. Er hatte die gesamte Wertschöpfungskette im Blick und stellte die Qualität stets in den Fokus seiner Bemühungen.

Bronzener Lukullus für Verdienste in der Fleischbranche Alois Michlmayr war dreißig Jahre Sortimentsmanager für Fleisch und Wurst bei Maximarkt. Partnerschaft, Menschlichkeit und Verlässlichkeit haben sein Arbeiten und Wirken geprägt. Er war überzeugt, dass Weiterentwicklung in Sachen Qualität nur in einer guten Partnerschaft mit der Landwirtschaft funktionieren kann. Für Wilhelm Götschl war Qualität nicht nur ein Schlagwort, sie war sein Leben. Als ehemaliger Betriebsleiter des REWE Austria Fleischwarenwerkes in Radstadt setzte er 38 Jahre lang wertvolle Impulse in der Fleischwirtschaft. Götschl hielt auch in wirtschaftlich stürmischen Phasen streng an der Qualitätsphilosophie fest. Als reiche Ernte durften sich Götschl und sein

Team über zahllose Produktprämierungen und Auszeichnungen, auch bei internationalen Wettbewerben, freuen. Ernst Marte, ehemaliger Betriebsleiter TANN Dornbirn, war über dreißig Jahre leidenschaftlicher Kämpfer für regionale Markenprogramme. Marte setzte seine ganze Energie in die regionale Fleischwirtschaft und rief mit der Marke „Ländle Rind“ - aufbauend auf dem AMA-Gütesiegel, eines der bedeutendsten regionalen Fleischprogramme in Vorarlberg ins Leben.

Auszeichnung zum DiplomFleischsommelier 2019 Es scheint, als wäre Josef Moßhammer süchtig nach Weiterbildung – sowohl was das eigene Lernen als auch die Weitergabe von Wissen betrifft. Der Fleischmeister und Landesinnungsmeister kombiniert Fachwissen mit Empathie und didaktisches Können mit charmanter Eloquenz – ideale Eigenschaften, die ihn zum Diplom-Fleischsommelier 2019 und damit zum Botschafter in Sachen Fleisch und Qualität prädestinieren.

Die Lukullus-Preisträger 2019 - v.l.n.r.: Wilhelm Götschl, Ernst Marte, Josef Moßhammer, Franz Pabst und Johann Pilz (REITER Innviertler Fleischwaren), Hubert Stritzinger und Alois Michlmayr mit den Gratulanten der AMA. Foto: AMA-Marketing 1-2020 | AMA | 19


Schweinefleisch und Klimaschutz – geht das zusammen? Im EU-Vergleich schneidet österreichisches Schweinefleisch überdurchschnittlich gut ab. Kritisch bleibt der Soja-Import aus Übersee für das Futter der Tiere. Vor allem die mit dem Anbau verbundenen Regenwaldrodungen schaden der Klimabilanz des Schweinefleisches. Zu diesem Ergebnis kommt der Verein Land schafft Leben in seinem Hintergrundbericht „Landwirtschaft und Klimawandel“. Die Chancen der Schweinebetriebe liegen in der standortgerechten Landwirtschaft.

Seit über einem Jahr recherchiert der Verein Land schafft Leben zum Thema „Landwirtschaft und Klimawandel“. Der Verein sammelt Ergebnisse zahlreicher Studien und führt Interviews mit Experten der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien sowie der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt (HBLFA) Raumberg-Gumpenstein. Im Bericht wird auch die Schweinebranche beleuchtet: Im EU-Vergleich hat das österreichische Schwein mit seinem CO2Fußabdruck die Nase vorn. Im gesamten Produktionsprozess eines Kilogramms österreichischen Schweinefleisches werden im Schnitt weniger klimaschädliche Gase ausgestoßen als in der Produktion anderer

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EU-Länder. Zu den ausgestoßenen Treibhausgasen in der Schweinefleischproduktion zählen CO2, Lachgas sowie Methan. Dieser Ausstoß wird in internationalen Studien in sogenannten „CO2-Äquivalenten“ angegeben. Der Effekt aller klimaschädlichen Gase wird dabei mit dem von CO2 gleichgesetzt und somit vergleichbar gemacht. Mit etwa sechs Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Kilogramm Schweinefleisch liegt Österreich unter dem EU-Durchschnitt von zirka 7,5 Kilogramm. Kritisch bleibt der Import von Soja.

Soja-Import in der Schweinewirtschaft Etwa 15 bis 20 Prozent des Futters österreichischer Schweine besteht aus Soja. Dieses kommt in Form von Extraktionsschrot zum Großteil aus Nord- und Südamerika, wo der Anbau zu Landnutzungsänderungen führt.

Vor allem Regenwaldrodungen stehen in der Kritik und wirken sich negativ auf die Klimabilanz des Schweinefleisches aus. Insgesamt werden in Österreich pro Jahr rund 400.000 Tonnen Sojabohnen beziehungsweise Sojaprodukte importiert. Schon seit Jahren sind die Importzahlen von Soja jedoch rückläufig. Laut einer Statistik der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen sanken die Nettoimporte im Zeitraum 2003 bis 2018 um zirka 37,4 Prozent. Grund für die gesunkenen Importzahlen ist der geringere Tierbestand sowie Veränderungen in der Fütterung der Tiere. In der österreichischen Schweinewirtschaft setzt man zunehmend auf mehrphasige beziehungsweise eiweißreduziertere Schweinefütterung und den Einsatz alternativer Eiweißquellen. Auch Österreichs Bestrebungen im Anbau von heimischem Soja haben Wirkung gezeigt. Um den Bedarf an Soja komplett zu decken, wären jedoch


zwischen 150.000 und 200.000 Hektar Fläche notwendig. Das entspricht beinahe der aktuellen Weizenanbaufläche in Österreich. Dramatischer sieht es zum Beispiel in den Niederlanden aus. Die niederländischen Betriebe füttern die Schweine häufiger mit Futterkomponenten aus anderen Ländern. Diese Futtermittel nehmen weit entfernte Flächen in Anspruch, während in den Niederlanden ein Gülle-Problem entsteht. Nach dem Kreislaufprinzip müssten die Flächen für das Tierfutter mit der Gülle der Tiere gedüngt werden. Da diese Flächen aber nicht in den Niederlanden liegen, kommt es zu Überdüngung und der Kreislauf wird gestört.

Stehen Schweine mit dem Menschen in Nahrungskonkurrenz? Weltweit nutzt der Mensch 71 Prozent der Ackerfläche für den Anbau von Tierfutter. Nur 18 Prozent für Lebensmittel und der Rest wird für Bioenergie und andere Stoffe verwendet. In der Klimadiskussion stellt sich die Frage, ob so eine große Anbaufläche der kostbaren Ressource Ackerland in Zeiten des Klimawandels eigentlich noch vertretbar sei. Teile des Ackers könnten für den direkten Anbau von Lebensmitteln verwendet werden. Laut Empfehlungen des Weltklimarates, einer von der United Nations Organization (UNO) anerkannten Organisation, sollten westliche Länder den Konsum von tierischen Produkten um etwa ein Sechstel reduzieren. Werner Zollitsch,

Nutztierforscher der BOKU, empfiehlt sogar eine Reduktion um die Hälfte. Würde die Gesellschaft diesen Empfehlungen folgen, hätte das massive Auswirkungen auf die Schweinebranche. Wie Menschen sind Schweine Monogastrier und verwerten energiereicheres Futter wie Getreide und Eiweißfuttermittel, das der Nahrung der Menschen ähnelt.

Wege in eine „klima-fitte“ Schweinewirtschaft Die österreichische Schweinefleischproduktion ist auf dem richtigen Weg. Mit mehr Fokus auf standortgerechte Haltung können Schweinebetriebe aber noch mehr zum Klimaschutz beitragen. Standortgerecht wirtschaften bedeutet laut Thomas Guggenberger, Wissenschaftler der HBLFA Raumberg-Gumpentstein, landwirtschaftliche Prozesse und Betriebsmittelzukäufe speziell an den Standort anzupassen. So können Schweinebetriebe zum Boden- und Erosionsschutz beitragen und Nährstoffe optimal nutzen. CO2 wird eingespart und natürliche Kreisläufe bleiben erhalten. Auf die Schweinewirtschaft bezogen, sieht Werner Zollitsch von der BOKU vor allem Chancen im Ersatz kritischer Futtermittel. Mehr Beiprodukte aus der Ölgewinnung aus regionalem Anbau könnten anstelle von Soja als Futtermittel verwendet werden. Insbesondere in der Fütterung von Soja-, Sonnenblumen- oder Rapsextraktionsschrot oder das Beiprodukt Trockenschlempe aus

der Ethanolerzeugung sieht der Wissenschaftler Potenzial. Die Landwirtschaft bietet aber noch weitere Möglichkeiten im Klimawandel. Laut den befragen Experten, fiele der Blick viel zu oft nur auf die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft. Die Funktion der landwirtschaftlichen Flächen als Kohlenstoffspeicher werde dabei vernachlässigt. Humusreiche Böden tragen zum Beispiel zum Klimaschutz bei. Sie speichern Kohlenstoff und entziehen der Atmosphäre CO2. Mit dem Erhalt und dem Aufbau von Humus auf landwirtschaftlichen Flächen kann die Landwirtschaft somit aktiv zum Klimaschutz beitragen. Nicht zuletzt sind auch der Handel sowie die Konsumentinnen und Konsumenten am Weg in eine klimafreundliche Zukunft der Landwirtschaft gefragt. Klimafreundlich hergestelltes Schweinefleisch hat seinen Preis. Der Preis muss somit die Kostenwahrheit widerspiegeln und das Produkt sollte klar als klimafreundlich erkennbar sein. Das Thema „klima-fitte“ Schweinewirtschaft geht daher die ganze Gesellschaft etwas an und sollte durch aktive Kommunikationsarbeit mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden. Mehr Wissenswertes rund um Landwirtschaft und Klimawandel finden Sie in dem ausführlichen Hintergrundbericht „Landwirtschaft und Klimawandel“ auf der Webseite www.landschafftleben.at.

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Aus ALT mach NEU Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie als Futter der Zukunft für unsere Schweine Die bedarfsgerechte Versorgung heimischer Nutztiere, sowohl im Hinblick auf die nährstoffliche Zusammensetzung, als auch dessen Qualität, stellt den Grundpfeiler einer nachhaltigen, wie auch ressourcenschonenden landwirtschaftlichen Produktion dar. Einerseits lassen steigende Rohstoffpreise auf Basis anhaltender Importabhängigkeit vermehrt den Wunsch nach Alternativen in der Schweinefütterung laut werden. Andererseits führt auch das steigende Maß an Nahrungsmittelkonkurrenz zwischen Mensch und Tier immer wieder zu Konflikten und hitzigen Diskussionen. Einen innovativen Schritt, um beiden Konfliktpunkten unter Aufrechterhaltung der tierischen Leistung Rechnung zu tragen, stellt der Einsatz von Nebenprodukten der Lebensmittelproduktion dar. Transformationsverluste

Reinhard Puntigam Institut für Tierernährung, Tierische Lebensmittel und Ernährungsphysiologie (TTE), BOKU Wien. Foto: BOKU

Wird ein Blick in heimische Futtertröge geworfen, so erkennt man einen Großteil der Rationskomponenten wieder, die aus ernährungsphysiologischer Sicht, auch für den Menschen eine Nahrungsquelle darstellen könnten. Speziell in der Schweinefütterung nehmen derartige Gehalte oft mehr als Dreiviertel der Gesamtration ein. Die Energiequelle Mais könnte z.B. in Form von Grieß genutzt werden, andere Getreidekomponenten zu Brot verarbeitet werden, wie auch Soja und weitere Hülsenfrüchte als proteinreiche Lebensmittel in die menschliche Ernährung einfließen. Während der Auf- und Zubereitung vom „Feld zum Teller“ zu menschlicher Ernährung entstehen oft nur geringfügige Verluste. Demgegenüber werden durch die Fütterung von potenziellen Nahrungsmitteln an das Nutztier letztlich dem Menschen weniger Lebensmittel zur Verfügung gestellt, als würden diese direkt auf den Tellern der Bevölkerung landen.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung Ein Schwein frisst, gerechnet von der Geburt (ca. 1.5kg LM) bis zum Erreichen des Mastendgewichtes (ca. 120kg LM) rund 300kg Futtermittel. Dies entspricht bei einem durchschnittlichen Gehalt an Rohprotein von ca. 160g/kg innerhalb der Ration rund 50kg an aufgenommenem Protein. Bei einer 80%-igen Ausschlachtung ergibt das ca. 100kg Schlachtkörpergewicht. Wird von einem Muskelfleischanteil von ca. 60kg pro Schlachtschwein ausgegangen (Muskelfleisch hat einen Proteingehalt von ca. 20%) entspricht das einem verzehrbaren Proteingehalt von ca. 12kg pro Schwein, was 24% des gefütterten Proteins entspricht.

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Hierbei muss natürlich darauf verwiesen werden, dass die biologische Wertigkeit von Output (tierisches Protein) im Vergleich zu Input (pflanzliches Protein) gesteigert werden kann. Unter hohen Einsatzbedingungen von potenziellen Lebensmitteln, kann dies zu einer Verminderung der Nahrungsbilanz führen. Dieser Umstand sorgt innerhalb der Gesellschaft aus dem Blickwinkel der Ernährungssicherung und der unaufhaltsamen rasch ansteigenden Weltbevölkerung zunehmend für Kritik. Daher werden verschiedene Ansätze verfolgt, diesem Problem entgegenzuwirken: •

Proteinreduktion – Phasenfütterung

Futtermittelzusatzstoffe und Futtermittelbehandlungsverfahren

Einsatz von Nebenprodukten der Lebensmittelverarbeitung

Laut der Food and Agriculture Organisation (FAO, 2011) muss es in Zukunft ein übergeordnetes Ziel sein, weniger potenzielle Lebensmittel in der Fütterung heimischer Nutztiere in die Rationen zu integrieren und gleichzeitig das Leistungsniveau aufrecht zu erhalten. Genannte Beispiele, die sehr einfach und verständlich anmuten, eröffnen ein immenses forscherisches Feld, welches oftmals in der „LKE“, der sogenannten „Lebensmittel - Konversionseffizienz“ zum Ausdruck gebracht wird.

Lebensmittel- Konversionseffizienz – LKE Es handelt sich dabei um einen Indikator zur Darstellung der Produktionseffizienz von Nahrungsmitteln, der sich aus dem Verhältnis zwischen Nahrungsmittel-Output aus der Produktion und Nahrungsmittel-Input durch die Fütterung ergibt. Einfach dargestellt wird das tierische Produkt wie z.B. Ei, Milch, Fleisch in einen Zu-


sammenhang mit dem in der Produktion eingesetzten potentiellen Lebensmittel gebracht. Die Berechnung der LKE kann dabei ebenfalls speziell auf Protein oder Energie bezogen sein. Wie in Tabelle 1 veranschaulicht, werden unterschiedliche Bewertungen für verschiedene Tierkategorien ermittelt. Je niedriger der angegebene Wert, desto mehr steht das jeweilige Nutztier in Lebensmittelkonkurrenz zum Menschen. Liegt der Wert dabei unter 1 so wird weniger tierisches Lebensmittel in Form von Protein oder Energie erzeugt als in dessen Produktion eingesetzt wird (siehe Tabelle 1). Somit zeichnen sich Wiederkäuer bei grünlandbasierter Fütterung, durch sehr hohe Konversionswerte auf Grund des hohen Raufuttereinsatzes und der geringen Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen aus. Dem gegenüber weisen das Schwein, wie auch das Geflügel eine deutlich schlechtere Konversion bei der Anwendung gängiger Rationen aus. Dieser Umstand verstärkt die Bemühungen von Wissenschaftlerinnen, spezielle Rationskomponenten in die Fütterung zu integrieren, welche die LKE steigern und somit die Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen verringern. Werden die in Tabelle 2 angeführten Einzelfuttermittel betrachtet, so ist erkennbar, dass Nebenprodukte der Öl- und Getreideverarbeitung (Extraktionsschrote, Kuchen und Kleien) mit geringerem erwartetem humanverzehrbarem Anteil ausgestattet sind. Der Einsatz von weiteren Nebenprodukten wie Trockenschnitzel, Trockenschlempe (Nebenprodukt

der Ethanolerzeugung) und Biertreber können laut Literatur mit 0% essbarem Anteil innerhalb einer Ration bewertet werden.

Nebenprodukte in der Ration Für die erfolgreiche Integration von Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie in die Ration ist deren genaue nährstoffliche Charakterisierung und Bewertung auf Basis des Liefervermögens an verdaulichen Nährstoffen unumgänglich. Dies ist entscheidend, um das tierische Leistungspotential auszuschöpfen und beste Futterverwertungen -als bedeutendsten Parameter der Effizienzzu erzielen. Dabei spielen ebenfalls die Verfügbarkeit und Menge, die gleichbleibende Qualität, sowie der Preis der Nebenprodukte eine entscheidende Rolle für deren Einsatz. In diesem Bereich wurde bereits eine Vielzahl an Studien durchgeführt, die den erfolgreichen Einsatz von gängigen Nebenprodukten belegen. Die Integration von bis dato ungebräuchlichen Nebenprodukten erfordert jedoch eine stetige forscherische Tätigkeit.

Fazit Der gezielte Einsatz von Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie kann als wirksame Strategie betrachtet werden, um dem Konflikt bezüglich der Nahrungsmittelkonkurrenz zwischen Teller und Trog nachhaltig entgegenzuwirken.

LKE - Lebensmittel-Konversionseffizienz. Quelle: VÖS

Ein Schwein frisst von der Geburt bis zum Erreichen des Mastendgewichtes ca. 300 kg Futtermittel. Foto: FRAUKOEPPL

Tabelle 1: LKE ausgewählter Nutztierkategorien. Quelle: Ertl P., 2015/2016; BOKU

Tabelle 2: Essbare Fraktion von einzelnen Futtermittlen. Quelle: Klocker H.; 2014; BOKU 1-2020 | Futter | 23


Wie teuer kann eine PRRSV-Infektion sein?

Mag. DI Alexander Oppeneder Traunkreis Vet Clinic Foto: Oppeneder

Das porzine reproduktive und respiratorische Syndrom Virus (PRRSV) verursacht seit über 25 Jahren großen wirtschaftlichen Schaden in der Schweineproduktion. Aktuelle Berechnungen aus Österreich beziffern die Kosten nach einer PRRSV-Infektion auf 68 € bis 211 € pro Zuchtsau (Oppeneder et al., 2020). In Europa gibt es nur sehr wenige Daten über die ökonomischen Konsequenzen einer PRRSVInfektion. Die zur Verfügung stehenden Berechnungen belaufen sich auf 97,6 € bzw. 126 € pro Sau, in Abhängigkeit vom Betriebstyp und der klinischen Manifestation der Erkrankung. Schätzungen zufolge entstehen die Mehrkosten im Zuge eines Eintrages von PRRSV zu 45% durch das reproduktive Krankheitsbild (bei den Zuchtsauen und Saugferkeln) und zu 55% durch die respiratorische Symptomatik (Atemwegserkrankungen) in der Aufzucht und Mast.

Univ.-Prof. Dr. Andrea Ladinig Universitätsklinik für Schweine Veterinärmed. Universität Wien. Foto: Bernkopf/Vetmeduni Vienna

Wie hoch die Kosten für einen österreichischen Schweinebetrieb sein können, wurde jetzt erstmals in der aktuellen Ausgabe der „Berliner und Münchener Tierärztlichen Wochenschrift“ analysiert (Oppeneder et al. 2020: Economic impact of a PRRS virus introduction via semen into farms with different PRRSV status. Berl Münch Tierärztl Wochenschr 133: 49-58).

Einflussfaktoren auf die Höhe des Schadens Eine PRRSV-Infektion kann subklinisch verlaufen, das heißt, man sieht keine eindeutigen klinischen Anzeichen. Im Extremfall jedoch wird ein Viruseintrag durch Aborte, vermehrt totgeborene oder lebensschwache Ferkel, sowie vermehrt Ausfälle in der Ferkelaufzucht und Mast sichtbar. Ausschlaggebend für die tierspezifischen Auswirkungen einer Infektion sind neben dem Virusstamm das Alter der Tiere, deren Immunstatus und Sekundärinfektionen. Wie groß der ökonomische Schaden am Betrieb schlussendlich ist, hängt vom Betriebstyp (Zucht, Mast, kombinierter Betrieb, Jungsauenproduzent,…) und betrieblichen Hygiene- und Managementmaßnahmen ab, die ausschlaggebend sind für die Zeit bis die Krankheit unter Kontrolle gebracht werden kann. 24 | PRRSV-Infektion | 1-2020

Betriebsstatus Wie sich eine PRRSV-Infektion auf einem Schweinebetrieb auswirkt hängt unter anderem stark vom jeweiligen Betriebsstatus ab. Die Schweine in einem negativen oder unverdächtigen Betrieb weisen kein PRRS-Virus und auch keine Antiköper (Schutzstoffe) gegen PRRSV auf. Das heißt, die Tiere hatten noch nie Kontakt zu PRRSV, oder eine Infektion liegt so lange zurück, dass keine entsprechenden Partikel mehr nachgewiesen werden können. Somit besitzen die Schweine auch keinerlei spezifische Schutzstoffe gegen PRRSV. In einem positiven Betrieb besitzen die Tiere Antikörper gegen das Virus. Diese können aufgrund einer Feldinfektion oder aufgrund einer Schutzimpfung durch das Schwein gebildet worden sein. Jedoch bieten diese Schutzstoffe unabhängig davon, ob sie durch eine Impfung oder eine Feldinfektion gebildet worden sind, keinen 100%igen Schutz gegen eine Neuinfektion.

Virusstamm In Österreich ist bislang nur PRRSV-1 (früher EU-Typ) von Bedeutung. Aufgrund der großen Variabilität des Virus gibt es jedoch sehr viele verschiedene Virusstämme innerhalb dieser Gruppe, die durch Fehler in der Vermehrung des Virus entstehen. Diese unterschiedlichen Virusstämme können erheblich in ihren biologischen Eigenschaften, wie der Fähigkeit Tiere zu infizieren und Symptome auszulösen, variieren. Einer dieser Stämme, der seit 2015 in Österreich kursiert und 2018 für ca. ¼ aller Ausbrüche verantwortlich war, ist der ACRO Stamm, der sich durch eine sehr erfolgreiche Verbreitung und die Verursachung von teils massiven klinischen Problemen auszeichnet.


Zeit Ein entscheidender Faktor um den Schaden durch eine Infektion möglichst gering zu halten, ist die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen. Die klinischen Auswirkungen einer Infektion können sehr unterschiedlich sein. In vielen Fällen treten die Symptome anfangs sehr undeutlich auf und bis das tatsächliche Ausmaß der Erkrankung sichtbar wird, können mehrere Wochen vergehen. Erst nach einer Diagnose kann auf die Krankheit reagiert werden und entsprechende Maßnahmen getroffen werden, um die Herde zu stabilisieren oder das Virus zu eliminieren.

Betriebsfaktoren Einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg einer Herdenstabilisierung (Unterbinden der Viruszirkulation) oder einer Viruseliminierung aus dem Betrieb hat das Produktionssystem. In kombinierten Betrieben bzw. Betrieben mit angeschlossener Ferkelaufzucht sind ständig für PRRSV empfängliche Tiere vorhanden, wodurch eine permanente Viruszirkulation möglich ist. Zusätzlich zu Stabilisierungsmaßnahmen wie einer Schutzimpfung spielen strikte Rein-Raus Konzepte sowie die Jungsaueneingliederung eine wichtige Rolle in der Kontrolle einer PRRSV-Infektion, und sind somit für die Höhe des Schadens mitentscheidend.

Ökonomische Auswirkungen auf Betriebsebene Der wirtschaftliche Schaden durch eine Infektion lässt sich auf Betriebsebene in drei Kostenblöcke unterteilen, wie in Tabelle 1 ersichtlich ist. Um die Veränderungen der einzelnen Faktoren nach dem Ausbruch darstellen zu können, werden die durchschnittlichen Werte in den ersten 18 Wochen nach der Diagnose des Viruseintrages mit den entsprechenden Werten im selben Zeitraum ein Jahr davor verglichen. Summiert dienen diese drei Parameter als Basis für die Berechnung der Gesamtkosten durch den Viruseintrag. (Siehe Tabelle 1)

Schutzimpfungen können zwar nicht den Befall von PRRSV verhindern, den Schaden aber stark reduzieren . Quelle: Oppeneder

Studienergebnisse In der Studie von Oppeneder et al. (2020) wurde der Schaden durch eine PRRSV-Infektion auf drei Ferkelvermehrungsbetrieben mit dem oben genannten Schema berechnet. Die Besonderheit in diesem Fall war,

Tabelle 1: Parameter zur Berechnung des wirtschaftlichen Schadens. Quelle: Oppeneder et al. 2020

1-2020 | PRRSV-Infektion | 25


mehrmaliger Überprüfung der vermeintlich negativen Sauen eine PRRSV unverdächtige Herde bestätigt werden konnte, wurden die positiven Sauen geschlachtet und so eine erfolgreiche Viruseliminierung durchgeführt. Auf Betrieb 3 ist somit keine Klinik durch erkrankte Tiere aufgetreten. Der Schaden auf Betrieb 3 wurde durch die Schlachtung der positiven trächtigen Sauen inklusive der Ferkelverluste und Remontierungskosten verursacht, die in Summe 101 € pro Zuchtsau betrugen. Die zusätzlichen Tierarzt- und Laborkosten, sowie der vermehrte Arbeitsaufwand beliefen sich auf 15 € bzw. 3 € pro Sau. In Summe hat der Viruseintrag auf Betrieb 3 einen Schaden von 119 € pro Sau verursacht. (Siehe Grafik 1)

Grafik 1: Wirtschaftlicher Schaden pro Sau. Quelle: Oppeneder dass sich alle drei Betriebe zeitgleich mit demselben Virusisolat infiziert hatten, sich jedoch in ihrem PRRSV-Betriebsstatus unterschieden. Betrieb 1 und Betrieb 3 waren zum Zeitpunkt des Viruseintrages PRRSV unverdächtig. Betrieb 2 hingegen war aufgrund einer PRRSV-Infektion ein Jahr vor erneutem Viruseintrag bereits PRRSV positiv und lies seitdem ca. alle 4 Monate eine Schutzimpfung mit einem PRRSV- 1 Lebendvirusimpfstoff durchführen. Der Viruseintrag auf dem PRRSV negativen Betrieb 1 hat zu einer massiven klinischen Erkrankung der Tiere geführt. Der Abfall der biologischen Leistung und die erhöhte Remontierungsrate haben einen Schaden von 159 € pro Sau im 18-wöchigen Beobachtungszeitraum verursacht. Die Tierarzt- und Laborkosten verursachten einen Mehraufwand von 31 € und der zusätzliche Zeitaufwand hat bei einem Lohnansatz von 25 €

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pro Stunde Kosten von 21 € pro Sau verursacht. In Summe ist auf Betrieb 1 somit ein Schaden von 211 € pro Sau entstanden, wie in Grafik 1 ersichtlich ist. Auf dem PRRSV positiven Betrieb 2 wirkte sich die neuerliche PRRSV-Infektion deutlich milder aus, wodurch der Schaden durch eine Abnahme der biologischen Leistung lediglich 19 € pro Sau betrug. Die sehr intensive Einzeltierbehandlung hat zusätzlich 36 € pro Sau für Tierarzt- und Laborkosten verursacht. Der erhöhte Zeitaufwand hielt sich auf Betrieb 2 mit 13 € pro Zuchtsau in Grenzen, wodurch sich der Gesamtschaden auf Betrieb 2 nur auf 68 € belief. Der PRRSV negative Betrieb 3 hingegen hat die Infektion frühzeitig erkannt und konnte die PRRSV positiven Sauen von der Herde isolieren, bevor die restlichen Tiere mit dem PRRS-Virus in Kontakt kamen. Da nach

Im Durchschnitt der 3 Betriebe ist somit ein Schaden von 133 € pro Sau entstanden. Der zum Zeitpunkt des PRRSV-Eintrages bereits positive Betrieb 2 hatte mit 68 € nur knapp ein Drittel des Schadens von Betrieb 1. Diese Beobachtung ist möglicherweise zurückzuführen auf den regelmäßigen Einsatz einer Lebendvirusvakzine am Betrieb 2. Betrieb 3 konnte durch die Schlachtung der positiven Sauen seinen PRRSV negativen Status erhalten und die Kosten im Vergleich zu Betrieb 1 deutlich geringer halten.

Fazit In der Studie von Oppeneder et al. (2020) konnte gezeigt werden, dass der PRRSV-Betriebsstatus einen wesentlichen Einfluss auf den ökonomischen Schaden durch einen PRRSV-Eintrag hat. Eine Schutzimpfung kann nicht vollständig vor einer Infektion und Erkrankung schützen, jedoch die Klinik und den wirtschaftlichen Schaden deutlich reduzieren.


Neujahrsempfang des Vereins Nachhaltige Tierhaltung Österreich Bereits zum vierten Mal fand am 9. Jänner der Neujahrsempfang des gemeinsamen Dachvereins Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) der Nutztiersparten Rinder, Schweine, Geflügel, Schafe, Ziegen und Pferde im Marmorsaal des Bundesministeriums für Länder Regionen und Tourismus statt. Das zentrale Thema des Abends lag im Regierungsprogramm der neuen Bundesregierung sowie den damit verbundenen Herausforderungen aber auch Möglichkeiten, die auf die verschiedenen Sparten zukommen werden. In seiner Ansprache betont NTÖ Obmann Walter Lederhilger, dass sich die Maßnahmen im Interesse der Umwelt sowie der Tiere nicht im Widerspruch zu einer wirtschaftlichen Betriebsführung stehen, wenn von Seiten der Marktpartner und der österreichischen Bundesregierung entsprechende Begleitmaßnahmen gesetzt werden. „Wir freuen uns auf die nun folgenden Gespräche zur praktischen Ausgestaltung der Vorhaben, um gemeinsam mit unseren Partnern eine marktangepasste Entwicklung für unsere Sparten auszuarbeiten“, so der NTÖ Obmann.

Zum Abschluss brachte der Ernährungswissenschaftler und Philosoph Christian Putscher mit einem Augenzwinkern das Thema „Ausgewogene Ernährung“ vor dem Hintergrund unseres oft sehr schnelllebigen und stressigen Berufsalltages dar. Den Ausklang der Veranstaltung bildete das Netzwerken und der gegenseitige Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Informationen

zum Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) gibt es unter www.nutztier.at

Auch die Grußworte von Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger waren in diesem Sinn. Sie hob hervor, dass besonders die Einigkeit und ein geschlossenes Auftreten der verschiedenen Landwirtschaftspartner von hoher Bedeutung ist. „Die Tierhaltung ist das Rückgrat unserer Landwirtschaft und prägt unsere Landschaften. Unsere Organisationsstärke müssen wir in Zukunft noch intensiver einsetzen, um unsere Ziele, wie die Herkunftskennzeichnung, umzusetzen“, erklärt Köstinger. Der NTÖ erachtet es angesichts des fortschreitenden Strukturwandels in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung mehr denn je als wichtig, die Ressourcen auf Verbandsebene möglichst effizient zu nutzen und Synergien zu schaffen. Gegründet wurde der Dachverein NTÖ 2016 ausgehend von der Unterzeichnung des Tierzuchtpaktes zwischen dem Landwirtschaftsministerium und den Dachverbänden von Rind (ZAR, ARGE Rind), Schwein (VÖS), Geflügel (ZAG), Schaf und Ziege (ÖBSZ) sowie Pferd (ZAP). Er tritt sowohl als Interessensvertretung wie auch als zentraler Bildungsanbieter für die einzelnen LandwirtInnen auf. Die Schwerpunktthemen des NTÖ, die verstärkt öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden sollen, werden jährlich neu gesetzt. Heuer liegen diese bei den Themen Lebensmittelherkunftskennzeichnung, Produktionsstandards, Handelsabkommen, neue Züchtungsmethoden und GAP.

Zum NTÖ Neujahrsempfang konnte Obmann Walter Lederhilger viele Gäste begrüßen. Quelle: BMLRT/Paul Gruber

Bundesministerin Köstinger betonte die Wichtigkeit des Zusammenhalts der landwirtschaftlichen Branchen. Quelle: BMLRT/Paul Gruber 1-2020 | NTÖ-Neujahrsempfang | 27


Foto: FRAUKOEPPL

Dr. Christina Pfeiffer Zuchtleitung PIG Austria Foto: Fraukoeppl

Schweinezucht im Spannungsfeld Die Schweinehaltung ist nicht nur in Österreich, sondern in der ganzen EU durch einen Rückgang der Bestände bei gleichzeitig steigender Produktivität gekennzeichnet. Künftige Ausrichtungen der Schweineproduktion sind stark beeinflusst von gesellschaftlichen, politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gefordert wird eine effiziente, tiergerechte und umweltschonende Schweineproduktion. Dabei gilt es eine wettbewerbsfähige Produktion zu erhalten und andererseits ressourcenschonend zu wirtschaften. Abseits von Haltungs- und Fütterungsaspekten leistet auch die Zuchtarbeit einen wichtigen Beitrag für die zukünftigen, teils widersprüchlichen Herausforderungen der Schweineproduktion.

Rasante Entwicklung der Schweinezucht Bereits im Zuge der Domestikation passte der Mensch die Wildtiere seinen Bedürfnissen an und somit entstanden unsere Nutz- und Haustiere. Neue Erkenntnisse zeigen, dass das Hausschwein vor ca. 10.500 Jahren aus dem vorderasiatischen 28 | Schweinezucht | 1-2020

Wildschwein domestiziert wurde und vor rund 8.500 Jahren nach Europa kam. In den ersten 2.500 Jahren der Schweinezucht spielte menschliche Selektion für die Entwicklung moderner europäischer Hausschweine kaum eine Rolle. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in Europa schließlich die ersten Zuchtprogramme eingeführt. Die erste Schweineprüfanstalt Europas wurde 1907 in Dänemark errichtet. Um 1927 wurden in Österreich das erste Zuchtbuch und die ersten Leistungsprüfungen eingeführt. Seit Einführung der BLUP Zuchtwertschätzung in Österreich im Jahr 2000 für die Mast- und Schlachtleistung sowie im Jahr 2002 für die Fruchtbarkeitsmerkma-


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le konnten die tierischen Leistungen stark gesteigert werden. Einen weiteren Meilenstein stellt die Einführung der genomischen Selektion bzw. Zuchtwertschätzung dar.

Modernste Technologien verarbeiten die Information aus dem Erbgut Seit 2016 stehen auch in Österreich genomische Zuchtwerte zur Verfügung. Bei dieser ausgereiften molekulargenetischen Methode kann direkt nach der Geburt eines potentiellen Zuchttieres eine Gewebeprobe entnommen und die Information aus dem Erbgut (DNA) genutzt werden, um einen genomischen Zuchtwert zu schätzen. Dabei fließen, wenn vorhanden, alle anderen Verwandteninformationen des genotypisierten Schweines ein. Der Vorteil besteht darin, dass bereits genomische Zuchtwerte für Jungtiere vorhanden sind, für die noch keine Eigen- bzw. Nachkommenleistung vorliegt. Das kann vor allem bei der Jungeber- und Sauenselektion dienlich sein, da das beste Schwein mit Hilfe dieser Information aus einer genotypisierten Gruppe selektiert werden kann. Der genomische Zuchtwert ist außerdem sicherer als der konventionelle

Zuchtwert, der nur aus der herkömmlichen Verwandtschaftsinformation vorgeschätzt wird. In weiterer Folge ist eine genaue und umfangreiche Leistungsprüfung dieser genotypisierten Schweine und ihrer Nachkommen notwendig, um die genomische Information mit den tatsächlichen Leistungen in Verbindung zu bringen. Die Anwendung der genomischen Selektion kann das Generationsintervall verkürzen und somit den Zuchtfortschritt erhöhen. Im österreichischen Zuchtprogramm werden alle Besamungseber, deren Mütter sowie züchterisch interessante Sauen genotypisiert. Eine weitere molekularbiologische Technologie, die die Tier- und Pflanzenzucht derzeit beschäftig, ist das sogenannte Genome-Editing. Sehr vereinfacht dargestellt wird dabei die DNA punktgenau mit einer Gen-Schere geschnitten und anschließend eine gewünschte Gen-Sequenz eingefügt, um somit die DNA gezielt zu verändern. Dafür wird nur DNA derselben Spezies verwendet. Ein Beispiel für eine solche Genschere ist CRISPR/Cas. Diese Technologie birgt Chancen aber auch Risiken und wird europaweit noch immer kontrovers diskutiert. Derzeit spielt Genome-Editing für die praktische Schweinezucht in Österreich keine Rolle.

Spannungsfeld hohe biologische Leistung und Funktionalität Die gezielte Selektion auf hohe tierische Leistungen brachte auch einige Herausforderungen mit sich. Ein aktuelles Beispiel kann in allen Schweinezuchtprogrammen gefunden werden: die Jahrzehnte lange Selektion auf große Würfe hatte eine erhöhte Totgeburtenrate bzw. Saugferkelsterblichkeit zur Folge, welche vor allem auf geringere Geburtsgewichte und eine stark eingeschränkte Vitalität der Saugferkel zurückzuführen ist. Eine der Ursachen für diesen Anstieg liegt in der begrenzten Uteruskapazität, da bei der Zucht auf höhere Ferkelzahlen die Erhöhung der Uteruskapazität unberücksichtigt blieb. Es nisten sich also mehr Embryonen ein als bisher, die sich aufgrund der begrenzten Uteruskapazität nicht gleichmäßig entwickeln können. Darüber hinaus ist auch die Nährstoffversorgung im Uterus limitiert, was bereits während der pränatalen Entwicklung zu Konkurrenz zwischen den Ferkeln führt. Die Folge davon ist ein höherer Anteil untergewichtiger und lebensschwacher Ferkel, die mit weniger Energiereserven geboren werden. Diese Ferkel haben ein höheres Risiko auszukühlen, zu verhungern oder von der Sau erdrückt zu werden. Eine gute Strategie

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zur Verminderung der Saugferkelverluste stellt die Selektion auf höhere Geburtsgewichte, eine Reduktion der Streuung der Geburtsgewichte sowie eine verbesserte Ferkelvitalität dar. Andere Merkmale, zum Beispiel das Verhalten betreffend, blieben hingegen unbeachtet. Auf Verhaltensmerkmale zu selektieren bedarf einer sehr umfangreichen Datenerfassung. Es gibt Hinweise, dass Verhalten zu einem gewissen Anteil erblich ist. Die bedeutenden Einflüsse auf tierisches Verhalten sind stärker durch die Umwelt als genetisch bedingt. Wenn die erforderlichen Bedingungen von Tierernährung, Haltungssystem und Management nicht zur genetischen Ausstattung passen, führt dies letztendlich zu tierschutzrelevanten Problemen. Hohe tierische Leistungen setzen auch hohe Anforderungen an Management und Arbeitseinsatz der TierhalterInnen voraus. Die gesetzlichen Änderungen der Sauenhaltung, in Richtung noch mehr Bewegungsfreiheit, erfordert ein starkes Fundament. Ein gutes Fundament bei Sauen ist sowohl aus ökonomischer als auch aus Sicht des Tierwohls ein wichtiger Faktor. Neben den Schmerzen für das Tier und den daraus resultierenden abnormalen Bewegungsmustern, führt ein schlechtes Fundament auch oft zu einem frühen Ausschei-

den der betroffenen Sauen und damit zu einer höheren Remontierungsrate. Lahme Sauen zeigen oft weniger Brunstsymptome und weisen somit eine niedrigere Trächtigkeitsrate auf. Aber auch das Wohlergehen der Ferkel ist durch ein schlechtes Fundament der Muttersau beeinträchtigt. Sauen mit schwachen Hintergliedmaßen können sich oft nicht mehr kontrolliert ablegen, wodurch vermehrt Ferkel verletzt oder erdrückt werden. Im Hinblick auf die bevorstehende Einführung der Bewegungsbuchten in die Abferkelsysteme mit 2033 und unter Berücksichtigung von Ökonomie und Tierwohl gewinnt die Miteinbeziehung des Fundaments in die Zucht allerdings immer mehr an Bedeutung. Es ist erwiesen, dass verschiedene Fuß- und Beinstellungen eine niedrige genetische Variation aufweisen. Eine züchterische Bearbeitung wäre aber dennoch möglich.

Wirtschaftlichkeit immer im Blick Wirtschaftlich bedeutende Anomalien, wie Hodenbruch bzw. Nabelbruch, aber auch Spreizer und solche, die die Vitalität so stark vermindern, dass sie zum Tode führen (z.B. Afterlosigkeit), beschäftigen die Zucht nach wie vor. Derzeit ist der Vorgang der Vererbung noch nicht ganz klar und auch

andere Ursachen wie zum Beispiel Mangelernährung der Sau oder diverse Virusinfektionen können an deren Auftreten beteiligt sein. Hier ist die Wissenschaft bemüht, mehr über das Zusammenspiel der Gene herauszufinden. Eine genauere Erfassung und Rückmeldung von Anomalien, vor allem auf Stufe der Vermehrung, könnte hilfreich sein, um den genetischen Hintergrund der einzelnen Merkmale besser zu verstehen und das Auftreten in der Population zu vermindern.

Neue Ansätze im Bereich Futtereffizienz Das Merkmal Futterverwertung wurde bzw. wird seit Jahren erfolgreich züchterisch bearbeitet. Aber auch im Bereich Futtereffizienz tauchen neue Themen auf, die uns aktuell in der Schweineproduktion betreffen. Effizienzmerkmale werden daher auch in der Zucht eine noch größere Rolle spielen. Hier ist die effiziente Verdauung von Eiweiß zu nennen, die in Zukunft sicher gefragt sein wird. Heimische Eiweißquellen sind nur begrenzt verfügbar. Schweine, die effizient Eiweiß verdauen können, brauchen weniger Eiweiß in der Ration und scheiden darüber hinaus weniger umweltschädliche Gase (z.B. Ammoniak) aus. Hier ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Tierernährung und Tierzucht notwendig, um möglichst effiziente Schweinelinien, die reduzierte Eiweißanteile effizienter verdauen, zu selektieren. Hinsichtlich Ferkelkastration wird seitens der Biotechnologie auch das Thema Sperma-Sortieren bzw. Sperma-Sexing beim Schwein diskutiert. In der Schweinezucht ist ‚sortiertes‘ Sperma derzeit nicht praxisrelevant. Nach derzeitigem Stand der Technologie würde das Sortieren einer solchen Portion rund 3,5 Tage betragen.

Fazit

Jahrzehnte lange Selektion auf große Würfe hatte eine erhöhte Totgeburtenrate bzw. Saugferkelsterblichkeit zur Folge. Foto: FRAUKOEPPL 30 | Schweinezucht | 1-2020

Festzuhalten ist, dass in verhältnismäßig kurzer Zeit ein sehr leistungsstarkes Nutztier Schwein gezüchtet worden ist. Die bisher erzielten Fortschritte in Zucht, Fütterung, Management und Haltung haben hohe biologische Leistungen, aber auch einige neue Herausforderungen mit sich gebracht. Neue, sehr hochentwickelte Technologien, aber auch alt bewährte Methoden wie einfache Merkmalserfassung, können uns unterstützen, diese Herausforderungen in der Schweineproduktion erfolgreich zu bestreiten.


„Treffpunkt Börse“ - Netzwerkveranstaltung der EZG Gut Streitdorf Der ehemalige Mitarbeiter Christoph Heiss organisierte am 11. Februar die erste Netzwerkveranstaltung „Treffpunkt Börse“ der EZG Gut Streitdorf, welche den Beginn einer regelmäßigen derartigen Veranstaltungsserie markieren soll. Ein mehr als würdiger Rahmen dafür war der VIP – Club der NV Arena in St.Pölten, der sich sowohl hinsichtlich der technischen und platzmäßigen Herausforderungen als auch bezüglich Atmosphäre und kulinarischem Niveau als optimale Location erwies. Ursprünglich konzipiert für ca. 200 Personen wurde die Teilnehmerzahl wegen des starken Interesses kurzfristig erhöht, und so konnte Obmann Franz Rauscher am 11.2. ca. 250 Ferkel-, Schweine-, Rinder- und Schafproduzenten sowie Vertreter der vorund nachgelagerten Branchen begrüßen.

Ausgangslage Landwirtschaftliche Betriebe im Bereich der Veredelung werden in Niederösterreich immer weniger. In vielen Dörfern und teilweise auch in ganzen Regionen sind sie oft als Einzelkämpfer mit allen daraus entstehenden Schwierigkeiten konfrontiert. Durch die Mitgliedschaft in einer Erzeugergemeinschaft können sich diese Betriebe bezüglich Herausforderungen in Produktion und Vermarktung größtmögliche Unterstützung holen. Die Möglichkeit, sich mit anderen BerufskollegInnen zu treffen und sich fachlich auszutauschen, wird aber zusehends schwieriger. Jene Betriebe, die eine langfris-

tige Produktionsstrategie in der Veredelung für sich entwickelt haben, spezialisieren sich und wachsen, um eine bestimmte Größenordnung zu erreichen. Gerade für sie wird jedoch das „Netzwerken“ immer wichtiger. Um diesen Austausch zu fördern soll eine breit angelegte Netzwerk-Reihe mit 1 bis 2 Veranstaltungen pro Jahr etabliert werden. Zielsetzung dieser Veranstaltungsreihe ist die Forcierung des direkten Austauschs zwischen Produzenten, vor- und nachgelagerten Branchen in der Wertschöpfungskette sowie politischen Entscheidungsträgern und anderen wesentlichen Interessensgruppen im Bereich der tierischen Veredelung. Diese Netzwerkplattform soll auch dazu dienen, frühzeitig (Fehl)-Entwicklungen innerhalb der Branche zu erkennen und dadurch Fehlentscheidungen zu vermeiden. Zusätzlich sollen nachhaltige und belastbare Kooperationsstrukturen durch Einbindung aller Beteiligten der Produktions- und Vermarktungskette entwickelt werden.

Impulsreferat Nach den Begrüßungsworten und der Erläuterung der Zielsetzung dieser Veranstaltung durch Obmann Franz Rauscher nahm die Veranstaltung richtig Schwung auf durch das impulsive und mit Humor gespickte Eingangsreferat des bekannten Ernährungswissenschaftlers und –philosoph Christian Putscher. „Zukunft Fleisch“ – ein Bekenntnis zu hochwertigem Fleisch als unverzichtbarer Bestandteil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, tierischem Protein als wichtigem Baustein in Kombination mit ausreichender und richtiger Bewegung für den Aufbau und Erhalt von Muskulatur und Knochenskelett. Das Abschlussstatement „Essen sollte eine Befreiung für den Menschen sein und kein ständiger Denkprozess“, fasst den gelungenen Vortrag von Hr. Putscher sehr gut zusammen.

Großes Interesse im prall gefüllten VIP-Raum der NV Arena am neuen Netzwerk. Fotos: Johannes Brunnbauer 1-2020 | Treffpunkt Börse | 31


Interaktive Elemente Durch den Einsatz eines Audience Interaction Tools konnten Fragen zum jeweiligen Vortrag simultan per Smartphone eingemeldet werden. Die Besucher konnten so durch interaktive Meinungsumfragen direkt in das Geschehen eingebunden werden. Die Ergebnisse konnten von den Teilnehmern online, auf der Leinwand hinter der Bühne sowie auf den vielen im Raum platzierten Bildschirmen, eingesehen werden. Die Verwendung dieses Systems erwies sich während der gesamten Veranstaltung als beschleunigendes und belebendes Element. Jeder konnte nach dem Einloggen in ein eigenes WLAN-Netz mit einem Passwort unkompliziert in dieses Tool einsteigen und aktiv mitmachen. Der Überwindung, vor über 200 Leuten eine Frage zu stellen, wird mit diesem System Abhilfe geleistet. Die eingegebenen Fragen und Umfrageergebnisse wurden vom Moderatorenteam nach Häufigkeit sortiert und den anwesenden Experten aus Politik, Interessensvertretung, Handel EZG und Wissenschaft präsentiert. Die am häufigsten genannten Antworten der Teilnehmer zu den einzelnen Themenkomplexen, die von den Experten auf der Bühne aus ihrer jeweiligen Sichtweise kommentiert wurden waren: Interesse des Konsumenten bzgl. Nachhaltigkeit und Regionalität der Produkte; der schlechte Ruf von Fleischprodukten (Klimawandel);

stabile, langfristige Rahmenbedingungen bei Gesetzen und Verordnungen; keine über das Gesetzesniveau hinausgehenden Produktionsstandards; Abnahme-, Preisund Zahlungsgarantie.

Kleingruppen an 10 Thementischen Nach einer kurzen Erfrischungspause wurden die Besucher gleichmäßig auf 10 Kleingruppen aufgeteilt und zu den jeweiligen Thementischen, für die sie sich bei der Registrierung entschieden haben, positioniert. Das größte Interesse gab es – wenig überraschend – für den Themenbereich Politik. Paul Nemecek, Direktor des NÖ Bauernbundes, stand den Teilnehmern hier Rede und Antwort. Die Fragen der Teilnehmer und die Wünsche an die Politik wurden sachlich und teilweise auch emotional, aber nie unfair oder ausfällig vorgetragen. Sie reichten von realistischen Übergangsfristen bei Gesetzesänderungen, Imageverbesserung der Veredelungsproduktion, gerechten Marktpreisen, Aufteilung der GAP-Mittel, sinnloser Bodenverbauung über den Ausbau der Investförderung bis zu stabilen Rahmenbedingungen für investitionswillige Betriebe. Weitere Themenbereiche waren u.a. „Positionierung von heimischem Fleisch als wertvolles Lebensmittel“, „Stärkung des Vertrauens in das AMA – Gütesiegel“, „Erzeu-

gergemeinschaft 2030 – wie werden wir in Zukunft zwischen Bauern und dem Handel vermitteln“ und „Frühzeitige Erkennung von Ernährungstrends“. Die Ergebnisse der einzelnen Diskussionsrunden wurden anschließend allen Teilnehmern in einer kurzen Zusammenfassung präsentiert.

Resümee Die erste Netzwerkveranstaltung „Treffpunkt Börse“ der EZG Gut Streitdorf wurde von den angesprochenen Zielgruppen mit großem Interesse bedacht. Die Möglichkeit für jeden Teilnehmer, mit Hilfe digitaler, interaktiver Elemente sozusagen „mitten im Geschehen“ zu sein und aktiv Themenstellungen zu bestimmen, wirkte sich beschleunigend und belebend auf den ganzen Veranstaltungsablauf aus. Die Implementierung einer Netzwerkplattform für den direkten Austausch zwischen Produzenten, vor- und nachgelagerten Branchen sowie politischen Entscheidungsträgern und anderen wesentlichen Interessensgruppen im Bereich der tierischen Veredelung wurde erfolgreich gestartet. Klar ist auch, dass dies kein Selbstläufer ist, sondern mit Hilfe des Feedbacks der Teilnehmer laufend nachjustiert und mit neuen zusätzlichen Ideen und Themenbereichen befüllt werden muss.

GF SPAR-Ost Alois Huber, Ernährungscoach Christian Putscher, LWKNÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager und der Direktor des NÖ Bauernbundes, Paul Nemecek, mit Vertretern der EZG. Foto: Tanja Brandhofer 32 | Treffpunkt Börse | 1-2020


Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung in der Land- und Forstwirtschaft Das Ziel der im April 2017 auf Initiative der ARGE Österreichischer Bäuerinnen gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Österreich ins Leben gerufenen Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung in der Land- und Forstwirtschaft ist es, mindestens 30% Frauenanteil in allen land- und forstwirtschaftlichen Entscheidungsgremien und Führungsebenen zu erreichen. Die Charta bietet einen wichtigen Schritt für die Chancengleichheit von Männern und Frauen in allen agrarischen Organisationen. Dabei soll sie das Bewusstsein stärken, dass Frauen und Männer unterschiedliche, aber gleichermaßen wertvolle Perspektiven einbringen. Im Oktober letzten Jahres haben sich zehn weitere landwirtschaftliche Verbände und Organisationen der Verpflichtung für eine partnerschaftliche Gestaltung und Führung angeschlossen. Dazu gehören der Waldverband Österreich, der Österreichische Weinbauverband, die ARGE Meister, BIO AUSTRIA, Green Care Österreich, der Verband österreichischer Schweinebauern (VÖS), der Österreichische Bundesverband für Schafe und Ziegen (ÖBSZ) sowie die Zentralen Arbeitsgemeinschaften der österreichischen Rinderzüchter (ZAR), der österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) und der Pferdezüchter (ZAP).

Die definierten Ziele der Charta • eine ausgewogene Beteiligung aller Bäuerinnen und Bauern (Frauenanteil von mind. 30%) • ausgewogene Ressourcenverteilung, insbesondere finanzieller Mittel, Personal, Infrastruktur und Diskussionsund Entscheidungszeit • Erweiterung des Gestaltungsspielraums, in dem Aufgaben und Funktionen losgelöst vom Geschlecht verteilt werden • Vereinbarkeit von Familie, Betriebsführung und Funktion für Frauen und Männer: durch familienfreundliche Gestaltung der Sitzungs- und Organisationsstruktur sowie ein Abrücken von traditionellen Rollenerwartungen • Darstellung beider Geschlechter und deren Interessen in der Öffentlichkeit Die Umsetzung dieser Ziele wird im 3-JahresRhythmus überprüft und evaluiert.

Die Charta bietet einen wichtigen Schritt für die Chancengleichheit von Männern und Frauen in allen agrarischen Organisationen. Foto: VÖS

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Schweinefleisch süß-sauer Zubereitung

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©Rezept und Foto: Herausgeber: AMA

1. Das Fleisch mit einem scharfen Messer in Scheiben und dann in dünne Streifen schneiden. 2. Für die Marinade den Ingwer schälen und fein hacken. Etwas Schale von einer Limette abreiben. Den Ingwer und die Limettenraspel mit Pfeffer, Zucker und Sojasauce verrühren. 3. Die Fleischstreifen in einer Schüssel damit marinieren. Das Fleisch mit Speisestärke bestäuben. 4. Die Paprikaschoten und die Ananas in mundgerechte Stücke schneiden. 5. Den Wok erhitzen, das Öl hineingeben und die Fleischstreifen darin bei mittlerer Hitze unter Rühren portionsweise anbraten. Dabei bereits gebratene Fleischstreifen am Wokrand hochschieben und noch rohe Fleischstücke in die Mitte legen. 6. Die Paprika- u. Ananasstücke unter Rühren kurz mitbraten. Alles mit dem Apfelessig und der Hühnersuppe ablöschen und im zugedeckten Wok noch einige Minuten schmoren. Koriandergrün kurz vor Ende der Garzeit unterheben.

Zutaten für 4 Personen 600 g Schweinefleisch (Schnitzelfleisch) 1 EL frischer Ingwer 1 unbehandelte Limette etwas weißer Pfeffer 1 Prise Zucker 3 EL Sojasauce 3 EL Speisestärke 2 grüne Paprikaschoten 250 g Ananasstücke 5 EL Sojaöl 3 EL Apfelessig 3/8 l Hühnersuppe 2 EL frische Korianderblättchen

... im VÖS RÄTSEL-Stall 1. Mageres Schweinefleisch enthält ca. 21% E... 2. Um Ebergeruch zu vermeiden, werden männliche Ferkel ... 3. Ist ein Schwein krank, erhält es unter tierärztlicher Aufsicht M... 4. Vom Schwein wird viel von den inneren Organen in der M... verwendet. 5. Bei Griechen und Römern wurde das Schwein als O... verwendet. 6. Schweine können im Gegensatz zu Wiederkäuern kein G... verdauen 7. Österreich versorgt sich selbst mit Schweinefleisch, der Grad der S... liegt bei ca. 101%. 8. Ca. 80% vom Schwein kann man essen, aber Kopf, Ringelschwanz und P... sind bei uns nicht so beliebt. 9. In anderen Ländern gelten z. B. die Schweinepfoten als D...

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