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02Z030068, P.b.b. Verlagspostamt 1200 Wien, DVR-Nr.0956015

Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89, 1200 Wien

Ausgabe Österreich 1/2017

Schweinegesundheits-VO in Kraft getreten w w w. s c h w e i n e . a t


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Ausgabe Österreich 1/2017 14

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Inhalt

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Leitartikel

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Kommentar

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Interview

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Markt

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Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

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Recht & Politik

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Tierwohl-Modul

Schweinegesundheits-VO

Tierwohl-Modul

... neue Verordnung in Kraft getreten ...

... das freiwillige Tierwohl-Modul als Chance ...

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Stromausfall

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AMA

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Genotypisierung

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Projekt OptiZucht

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Eberauswahl

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Tierseuchen

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Mykotoxine

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Emissionsminderung

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Schweinelehrpfad

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Rezept & Info-Stall

30

Eberauswahl

Emissionsminderung

... bei der Eberauswahl nichts dem Zufall überlassen ...

... einfache geruchsmindernde Maßnahmen setzen ...

32

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34

Rund ums Schwein

Rezept

... Schweinelehrpfad online ...

... Schweinebraten ...

Bericht

IMPRESSUM

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Regina Söncksen, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 MINISTERIUM FÜR EIN Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl LEBENSWERTES Titelfoto: © FRAUKOEPPL Mit freundlicher Unterstützung von ÖSTERREICH

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Kurt Tauschmann VÖS-ObmannStv.

Schweineproduktion – Wohin geht der Weg?

Zu Beginn eines neuen Jahres schaut man gerne noch einmal zurück und lässt das vergangene Jahr Revue passieren. Zu Beginn des Jahres 2016 bis in den Frühsommer war das Preisniveau im Keller, dementsprechend waren Ertragslage und Stimmung bis dahin auf dem Nullpunkt. Durchwegs besser stellte sich dann das zweite Halbjahr dar, in dem, ausgehend vom starken Exportgeschäft der EU-Schweinebauern nach China und Ostasien, eine Erholung der Preise einsetzen konnte. Während man in den Jahren 2012-2014 in der Größenordnung 600.000-700.000 Tonnen pro Jahr EU-Schweinefleisch nach China exportieren konnte, wurden allein bis zum August 2016 über 1,3 Millionen Tonnen nach China verschifft. Doch man darf sich auch die Frage stellen, wie nachhaltig der Export nach Asien für die europäischen Produzenten und die österreichischen Schweinebauern zur Stabilisierung der Märkte bzw. Preise beitragen kann. Der Importhunger der Volksrepublik ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass man in China die nationale Produktion drastisch reduzieren musste, da staatliche Tiergesundheitsprogramme zur Ausmerzung diverser Schweineseuchen gefahren wurden. Andere große globale Player am Schweinemarkt wie Brasilien und die USA werden in Zukunft eher nicht an Bedeutung am Weltmarkt (und auch am chinesischen Markt) verlieren, nicht zuletzt deshalb werden wir den Exportmarkt genau beobachten müssen.

4 | Leitartikel | 1 2017

Global denken… Der neue US-Präsident Donald Trump hat bis jetzt wenige Gelegenheiten ausgelassen, die Volksrepublik China vor den Kopf zu stoßen. Auch von der Einhebung gegenseitiger Strafzölle auf Waren ist die Rede. Wie gut das Verhältnis der beiden Supermächte sein wird, lässt sich schwer abschätzen. Sollten wirklich beiderseits Zölle eingehoben werden, so könnte noch mehr US-amerikanisches Schweinefleisch auf den Markt abseits der Volksrepublik kommen. Andererseits könnten wir Europäer von einem Embargo für US-Produkte von Seiten Chinas profitieren. Erfreulicher für die österreichische Landwirtschaft ist, dass TTIP unter Präsident Trump wahrscheinlich keine Zukunft hat. Das Transpazifische Freihandelsabkommen TPP hat der Präsident an seinem ersten Amtstag bereits aufgekündigt, auch das seit 22 Jahren bestehende Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA)


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mit Kanada und Mexiko will er neu verhandeln. Von Trumps Plänen in der Agrarpolitik weiß man nicht viel, als ziemlich sicher gilt, dass Trump große Mastbetriebe kleineren Betrieben vorzieht. Dazu plant er, das USUmweltschutzamt abzuschaffen. Konkurrenz auf dem US- und EU-Markt mit (noch) größeren Betrieben mit geringeren Umweltauflagen hätte uns also wahrscheinlich beim TTIP-Abkommen erwartet. Man muss aber gar nicht so weit über den Atlantik schauen, Stichwort „Brexit“. Dieser hat höchstwahrscheinlich auch Auswirkungen auf die gemeinsame Agrarpolitik und die zur Verfügung stehenden Budgetmittel. Wenn das Vereinigte Königreich als Nettobeitragszahler wirklich aus der EU ausscheidet, dürfte auch das gemeinsame Agrarbudget empfindlich schrumpfen. Um wieviel, das ist derzeit nur Spekulation. Fakt ist aber, dass bereits jetzt über die neue GAP 2020+ diskutiert und debattiert wird.

… lokal (regional) handeln Die globalen Märkte, ihre Mechanismen und Unsicherheiten sind oft nur schwer zu durchschauen und sehr komplex. Umso wichtiger ist daher der Blick auf unseren heimischen Markt. Unser oberstes Ziel muss es sein, die Versorgung mit heimischem Schweinefleisch aufrecht zu erhalten. Die österreichischen Konsumenten wünschen sich österreichisches Schweinefleisch mit bester Qualität. Und genau dieses Produkt liefern wir ihnen. Allerdings ist es (bloß) mit österreichischer Herkunft schon lange nicht mehr getan. Die Gesellschaft fordert strenge Kontrollen der Lebensmittel, artgerechte Tierhaltung, so gut wie keine Emissionen durch die Tierhaltung und das alles zu einem möglichst geringen Preis. Hinzu kommt, dass nur mehr wenige Personen wirklich einen Bezug zur Landwirtschaft oder wirkliches Wissen über die Tierhaltung haben. Wir haben uns in den letzten Jahren und Jahrzehnten auf das Füttern der Schweine konzentriert, andere haben aber dagegen Stimmung gemacht und Meinungen kommuniziert. Meinungen, nicht Fakten! Mag. Johannes Mayr vom KeyQuest Institut hat bei seinem Vortrag im Rahmen des Agrarpolitiktages des Ökosozialen Forums dazu sehr interessante Ansätze präsentiert. Es scheint nämlich immer mehr so, als wäre die Kommunikation von Fakten nicht mehr ausreichend. Wir versuchen, die Konsumentinnen und Konsumenten aufzuklären, ihnen Fakten zu liefern und so für

mehr Akzeptanz der modernen Landwirtschaft zu sorgen. Das wird uns im besten Fall gelingen. Es stellt sich aber die Frage, ob wir damit auch die Menschen dazu bekommen, mehr für heimisches Schweinefleisch zu bezahlen und so die Wertschöpfung und Wertschätzung zu erhöhen. Laut Mayr sind die Konsumenten in Hinblick auf ihr Wunschbild der Landwirtschaft sehr stark von Emotionen geprägt, vor allem bei den Themen Tierschutz, Umweltschutz und Gentechnik. Wir müssen uns die Frage stellen, ob die Aufklärungsarbeit, die wir bis jetzt geleistet haben, wirklich bei den Konsumenten ankommt oder ob es eine neue Form der Kundenorientierung, der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketings auf einer anderen, emotionaleren Ebene benötigt.

Branchenlösungen und Marktdifferenzierung gefragt? Kann es uns gelingen, ein österreichisches „Mehrwertschwein“ mit höheren Standards zu füttern, um am Markt auch höhere Preise zu erzielen? Wenn dies gelingen soll, dann nur in enger Zusammenarbeit mit unseren Schlachthöfen, mit der Fleischindustrie, mit dem Lebensmittelhandel und nicht zuletzt mit den Konsumenten. Die AMA-Marketing erarbeitet gerade ein neues, freiwilliges Modul, das auf die bisherigen Produktionsrichtlinien aufsetzt. Basierend auf den bestehenden Qualitätskriterien in der AMAGütesiegel-Richtlinie „Schweinehaltung“ sind in einer neuen Version vier freiwillige Zusatzmodule vorgesehen, die noch mehr auf den Wunsch nach regionaler Herkunft, besonderer Fütterung und alternative Haltungsformen eingehen. Wenn Maßnahmen und Weiterentwicklungen gesetzt werden sollen, dann mit Hausverstand und Augenmaß. Die Landwirtschaft und speziell die Schweineproduktion kann nicht von heute auf morgen komplett anders produzieren und das wollen wir auch nicht! Der verantwortungsvolle Umgang mit Lebewesen ist Teil unserer täglichen Arbeit, die Gesundheit unserer Tiere bildet die Grundlage für die Produktion von hochwertigen Lebensmitteln unter Einhaltung höchster Standards. Darauf dürfen wir auch stolz sein! Wichtig ist aber trotzdem, dass wir uns strategisch ausrichten und Weiterentwicklungen offen gegenüber stehen wenn sie sinnvoll, nachhaltig und zukunftsfähig sind. In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gutes Gelingen im Jahr 2017!

© Straßmayr

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Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

Wer wird uns morgen versorgen? Unter diesem Motto stand die diesjährige Wintertagung des Ökosozialen Forums, welches traditionell mit dem AgrarpolitikTag eröffnet wird. Mit Phil Hogan und Mairead McGuiness waren Vertreter der Europäischen Kommission am Podium. Aber auch heimische Vertreter der Landwirtschaft sprachen über aktuelle Themen und zukünftige Herausforderungen. Mag. Johannes Mayr von der Key Quest Marktforschung zeigte in seinem Vortrag „Was die österreichische Landwirtschaft leisten soll“ eine Gegenüberstellung, wie die Landwirtschaft wahrgenommen wird und wie das „Wunschbild“ aussehen würde. Das Ergebnis zeigt enorme Unterschiede. Diese Diskrepanz entsteht durch die immer wieder unrealistische Darstellung der Landwirtschaft in manchen Medien. Das veranlasst einige Organisationen und Landwirte, den Konsument aufklären und ihm die Realität zeigen zu wollen. Dieser positive Ansatz führt leider oft dazu, dass die Landwirtschaft in die Verteidigungsrolle fällt. Dem gegenüber steht, sich den Wünschen des Konsumenten zu beugen und kundenorientierte Programme zu entwickeln. Eine Aufklärung und Darstellung, wie die Landwirtschaft funktioniert, sehe ich dennoch als sinnvoll an. Besonders bei den Jüngsten ist die Bewusstseinsbildung wichtig, schließlich sind sie die Kunden von morgen. Der Schweinelehrpfad, welcher bereits in der letzten Ausgabe beschrieben wurde, ist ein wichtiges Mittel, um Kindern die Schweinehaltung näher zu bringen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Webseite www.rund-ums-schwein.at umgestaltet (siehe S. 32). Dabei können Kinder interaktiv einen Rundgang in einem Schweinebetrieb machen und so die einzelnen Bereiche und Arbeitsfelder eines Schweinehalters kennenlernen. 1 2017 | Kommentar | 5


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Im Interview: DI Mirjam Lechner von der Unabhängigen Erzeugergemeinschaft Hohenlohe Franken DI Mirjam Lechner ist als Beraterin für die Unabhängige Erzeugergemeinschaft Hohenlohe Franken tätig. Durch ihre Tätigkeit hat sie viel Kontakt mit Praxisbetrieben und weiß, worauf es in der Schweineproduktion ankommt. Ihr Wissen teilt Sie im Rahmen ihrer Vortragstätigkeit mit Landwirtinnen und Landwirten. Im folgenden Interview erfahren Sie mehr über Mirjam Lechner, über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen.

DI Mirjam Lechner Beraterin für die Unabhängige Erzeugergemeinschaft Hohenlohe Franken. (Quelle: Lechner)

Frau DI Lechner, Sie arbeiten als Beraterin der Unabhängigen Erzeugergemeinschaft Hohenlohe Franken in Deutschland. Was sind zurzeit die Schwerpunkte in Ihrer Arbeit? Es ist praktische Beratung am Betrieb – sei es in Notfällen bei Stoffwechsel- und Verhaltensstörungen, aber auch Vorbereitungsarbeiten, z. B. für Ringelschwanztestläufe. Dazu kommt die Begleitung von Forschungs- und Netzwerkprojekten und ein Tiersignal-Coaching-Programm.

Sie betreiben auch einen YouTube Kanal (www.youtube.com/user/stallaktiv) unter dem Namen ‚Stall Aktiv‘ und haben eine eigene Website (www.stallaktiv.de). Was kann man dort alles finden? Videos aus Schweineställen für mehr Tierschutz und Tierwohl rund um Beschäftigungsmaterial und Sauf-Komfort: Lösungen von Landwirten – für Landwirte: Denn die besten Ideen entstammen von den Landwirten selbst.

Sie beschäftigen sich auch intensiv mit dem Thema Schwanzbeißen. Schwanzbeißen wird als Problem mit mehreren möglichen Ursachen angesehen. Was sind Ihrer Meinung nach hier die wichtigsten Faktoren?

6 | Interview | 1 2017

Die gute fachliche Praxis in Fütterung, Wasser/Thermoregulation und Besatzdichte. Gerade die Tiergesundheit und der Zugang zu sauberem Wasser, Gesundfutter nach aktuellen Empfehlungen, Ruhebereiche in den Buchten und Beschäftigungsmaterial aus Rohfaser bzw. Raufutter sind eine gute Basis.

Schwanzverletzungen und Nekrosen an den Schwänzen können unterschiedliche Gründe haben. Welche sind das? Was empfehlen Sie Landwirten, um Nekrosen frühzeitig zu erkennen? Ein gestörter Stoffwechsel wird häufig durch Vergiftungsprozesse hervorgerufen. Hierbei ist die Nierenfunktion zur Entgiftung des Körpers von Harnstoff, Endotoxinen und Mykotoxinen und damit eine ständige, bei unseren Hochleistungstieren unlimitierte, Wasserversorgung entscheidend. Entzündungen von Schwanzbasis, Kronsaum und Gelenken kann man am frühesten schon am dritten Lebenstag der Saugferkel kontrollieren. Ansonsten gilt es, täglich ein genaues Auge auf das Tierverhalten zu werfen: Entzündungsprozesse führen zu einem „Krankheitsverhalten“, die Tiere zeigen kein „spielerisches Erschrecken mehr“, es zeigen sich gestaute Venen an den Ohren, Schonhaltungen (Sitzen) aber auch unruhige und unzufriedene Schweine. Ein Alarmzeichen ist trockner, sauberer Boden – weil die Tiere


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nicht mehr Urinieren, sondern wegen Wassermangel (Niere!) nur noch Koten. Eine eingeschränkte Entgiftung fördert sofort Entzündungsprozesse.

Für die Entstehung von Nekrosen bei intakten Schwänzen kann auch das Futter bzw. die Futterqualität ein möglicher Auslöser sein. Wie sehen Sie hier die Zusammenhänge? Bei unserer heutigen genetischen Hochleistung ist eine moderne, darmgesunde Fütterung mit einer genauen Bilanzierung von Rohprotein, Begrenzung von Stärkefrachten, aber auch ausreichender Energie und gleichzeitig guten, verdaulichen Rohfaseranteilen und angepassten Übergängen eine Voraussetzung, um Darminstabilität mit Coliüberwucherung und damit entzündungsfördernden Endotoxinen zu vermeiden. Hier arbeiten wir an neuen Korridoren von Gesundfutter – denn der unkupierte Ringelschwanz ist eine „Königsklasse“ der Fütterung. Dabei müssen vor allem die Grenzwerte von Mykotoxinen niedriger gefasst werden, denn diese sind wortwörtlich „Flammenwerfer“, um Entzündungsprozesse im Körper zu starten und damit zu Nekrosen an Schwanz- und Ohrspitzen aber auch Klauen auszulösen.

Auf ihrem YouTube Kanal findet man auch Videos zum Thema Beschäftigungsmaterial. Was sind für Sie besonders geeignete Beschäftigungsmaterialien? Eine neue Richtlinie der EU vom März 2016 definiert genau die organischen Beschäftigungsmaterialien, welche geeignet sind, Verhaltensstörungen und Stoffwechselentgleisungen zu verhindern oder zumindest abzumildern. Der Bedeutung von Raufutter – aber auch Rohfaser (Mischungen) - als dritte Futterstrecke neben Schrot und Wasser kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Wer aus Gründen des Güllesystems auf Heu- und Strohraufen verzichten muss, kann auch Fasermischungen, gute Silagen, Luzerne oder Heucobs aber auch pelletierte Sojaschalen in Trögen oder Spendern anbieten.

Wie wichtig ist das Angebot von Raufutter bzw. der Rohfaseranteil in der Ration für die Schweine?

Die Empfehlungswerte sind in den letzten Jahren ständig angehoben worden – weil eine gute Ausstattung an verdaulicher Rohfaser nicht nur gegen Verdauungsstörungen, sondern auch gegen Darmerreger hilft und hier sogar (da weniger Entzündungen) die Leistung steigern kann. Leider haben viele Getreidesorten heute nicht mehr die notwendigen Rohfaseranteile, so dass eine separate Zulage von Rohfaserträgern auf einen Minimumgehalt von 4–5 % notwendig wird. Entscheidend ist hierbei nicht nur die Komponentenqualität – sondern auch die Komponentensicherheit – also möglichst wenig Mykotoxinvorbelastung (Untersuchung!).

Klauenveränderungen und schlechte Klauengesundheit werden mit der Haltungsumwelt (z. B. Gestaltung der Aufstallung, Bodenbeschaffenheit, usw.), der genetischen Veranlagung sowie der Futterqualität in Verbindung gebracht. Worauf gilt es hier bei der Futterqualität zu achten? Wir erforschen gerade beim Schwein ähnliche Zusammenhänge zu Klauenentzündungen wie bei Milchkühen. Hier spielen Hitzestress und Wassermangel eine große Rolle, weil die Lahmheiten beim Rind hier als Beispiel im Sommer am größten sind. Ähnlich verhält sich Hitzestress mit der Folge MMA/PH-Syndrom bei der Sau mit nachfolgender Klauenrehe als Lederhautentzündung. Diese Symptome finden wir auch schon bei Ferkeln! Wichtig ist es, Nährstoffbrüche bei Haltungssystemwechsel (Abferkelung-Aufzucht-Mast) zu verhindern und gleichzeitig (siehe Coli) eine sehr gute Nährstoffbalance zu wahren. Rohfaser/Raufutter gilt hier als „Puffer“, den die Tiere selbst aufnehmen können.

Wasser wird oft als das wichtigste Futtermittel bezeichnet. Inwiefern haben die Wasserversorgung und die Wasserqualität Auswirkungen auf die Tiergesundheit und im Speziellen in Hinblick auf das Auftreten von Schwanzbeißen? Wasser spielt im Stoffwechsel, bei der Thermoregulation und der Entgiftung nicht nur eine wichtige Rolle – es ist erstlimitierend! Schon 1–2 Tage Wasserdefizit können Nekrosen und Beißen auslösen! Die Screenings in der BRD aus Ringelschwanzprojekten zeigen hier manifeste Defizite auf, mit allen Folgen – aber auch möglichen Verbesserungen und sinkenden Verhaltensstörungsproblemen. Der Wasserbedarf richtet sich hierbei nicht nach Kilogramm Lebendgewicht, sondern nach Thermoregulationsbedarf (Veratmung/Hecheln) und Leistung (v.a. Rohproteinumschlag/Mineralsalze). Z. B. 100 g Tageszunahme in der Mast heißen 800 ml Wasserbedarf. Damit ist der Wasserbedarf in den letzten Jahren durch die Leistungssteigerung massiv angestiegen – aber häufig in den Ställen als Tränkekomfort nicht nachgebessert worden. Wir müssen hier sehr viel aus der Milchviehhaltung (Cow-Comfort) zum Sau & Sauf-Komfort lernen. Basis dafür sind aussagefähige Wasseruntersuchungen (Tränkequalität) und die Tränkewassererfassung (Wasseruhr) – gleichzeitig mit einer genauen Beobachtung des Verhaltens – ob die Tiere das Tränkesystem überhaupt annehmen bzw. gelernt haben: Z. B. stellen sie sonst das Urinieren ein – sichtbar als trockener Boden/fester Kot.

In der Mast zeigen sich auch bei Tieren mit unkupierten Schwänzen Schwanzspitzennekrosen - bei Defiziten in den Bereichen Futter/Wasser/Mykotoxine auch im Aussenklima-Strohstall. (Quelle: Lechner)

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Stabile Preise am Schweinemarkt: Ist das ein Wunschprogramm? Die Preise haben im Jänner einen Zick-Zack-Kurs hingelegt wie selten zuvor. Das permanente Auf und Ab von 5 Cent ist ärgerlich für alle Beteiligten, das ist die schlechte Nachricht. Doch die gute Nachricht lautet: Das Preisniveau für den Jahresbeginn zählt im mehrjährigen Vergleich zu den Besseren, was normalerweise auch ein positives Zeichen für die Preisentwicklung des Jahres ist.

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Deutschland schaukelt vor

Ohne Anpassung droht „Zuschüttung“

Die Frage, warum es nicht möglich ist stabilere Preise zu bilden, ist verständlich. Die Erklärung dafür liegt im Preisbildungsmodell des größten und bedeutsamsten EU-Schweinemarktes, nämlich Deutschland. Jenes Nachbarland, das binnen 20 Jahren den Eigenversorgungsgrad von 85 % auf 120 % gesteigert hat und sich im Laufe dieser Zeit Österreich als bevorzugten Absatzmarkt aufgebaut hat.

D. h. die großen Fleischunternehmen haben dann in der jeweiligen Woche die Schweine bzw. das Fleisch billiger zur Hand und können mit Dumpingpreisen am Markt agieren. Diese Angebote werden auch umgehend an unsere heimischen Fleischindustriebetriebe weitergereicht und praktisch gleichzeitig landet der Preisdruck bei unseren Schlachtbetrieben, welche mit Preisdruck bzw. Abnahmeverweigerung auf unserer Erzeugerebene reagieren. Passt man nicht in entsprechender Form an, bleiben umgehend mehr oder weniger schlachtreife Partien in unseren Stallungen stehen, während die deutschen Fleischlieferungen diese Lücken mehr als ausfüllen.

Im Ranking jener Exportländer, in die aktuell jedes fünfte deutsche Schwein verbracht werden muss, pendelt Österreich zwischen 5. und 6. Stelle. Dies erklärt eindrucksvoll, warum es leider nicht gelingt, sich von der Entwicklung des deutschen Preises bzw. Marktes abzukoppeln.

Übereifrige Einschätzung bekämpfen Abnehmer mit Hauspreisen Im Gegensatz zu den meisten Preisbildungsmodellen in der EU werden in Deutschland die Notierungspreise zwischen Erzeuger- und Abnehmerseite nicht ausverhandelt. Vielmehr ist der sogenannte Vereinigungspreis ein Markteinschätzungspreis von ca. 30 Vertretern von Erzeugergemeinschaften mit einem gemeinsamen Marktvolumen von ca. 25 % vertreten. Sie teilen ihre Einzelmeinung über den nächstwöchigen Marktverlauf der Vereinigungszentrale mit und daraus wird der sogenannte Median, d. h. der mittlere Wert, ermittelt, welcher dann als offizieller Preis veröffentlicht wird. Der Haken an der Sache ist, dass dieser Preis für die Abnehmer nicht verbindlich ist, da er auch nicht fix ausverhandelt wurde. In ca. 40 Wochen im Jahr findet der Vereinigungspreis die Anerkennung bei den Abnehmern, ca. 10 Wochen im Jahr wird der Preis nicht akzeptiert und meist mehrere Cent mit sogenannten Hauspreisen unterfahren.

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Stabilität allein ist nicht oberstes Ziel Es wäre wünschenswert, stabile und kalkulierbare Preise auf hohem Niveau vorzufinden, aber das ist am Schweinemarkt unrealistisch. Zu viele Einflussfaktoren auf Angebots- und Abnehmerseite, quer durch die Wertschöpfungskette, erzeugen permanent unterschiedliche Marktverhältnisse, die sich in Preisveränderungen ausdrücken. Die 10 Wochen lang andauernde unveränderte Preissituation im Sommer letzten Jahres war definitiv eine Ausnahme. Dem Preis-Auf und -Ab im zurückliegenden Jänner kann neben der Verunsicherung für Schweinemäster auch etwas Positives abgewonnen werden. Und zwar der permanente Versuch der Erzeugergemeinschaften, das Preismaximum zu erreichen. Denn nur der permanente Versuch, die Preise nach oben hin auszureizen, gewährt die Sicherheit, dass man kein Erlöspotential liegen gelassen hat. Keine Frage: im Nachhinein ist man immer gescheiter und der Grat zwischen Ausreizen und Überreizen ist eben schmal. Das muss man auch den deutschen Preisbildungskollegen zugute halten.


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Mit dem Rüssel in Brüssel Frankreich startet Herkunftskennzeichnung auch bei Wurst und Fertigprodukten Seit 1.1.2017 ist in Frankreich die Herkunftskennzeichnung für Fleisch und Milch in verarbeiteten Produkten gesetzlich verankert. Alle Verarbeitungsprodukte, die Fleisch als Rohstoff beinhalten und dessen Anteil mehr als 8 % des Produktgewichtes umfasst, müssen nun auf dem Etikett das Land der Geburt, der Aufzucht und der Schlachtung der Tiere ausweisen. Wenn 100 % des Fleischanteils aus einem Land stammen, reicht dessen alleinige Angabe. Lagerbestände, die vor dem 01.01.2017 in Verkehr gebracht wurden und noch nicht vorschriftsmäßig etikettiert sind, dürfen noch bis zum 31.3.2017 vermarktet werden. Die im Juli 2016 von der EU-Kommission genehmigte Kennzeichnungsregelung wird zunächst für zwei Jahre eingeführt. Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hob hervor, dass er sich auf EU-Ebene seit längerem für nationale Herkunftsbezeichnungen und Qualitätslabels eingesetzt habe. Dies diene dem Verbraucherschutz und biete Erzeugern und Verarbeitern die Möglichkeit, ihre qualitativ hochwertigen Erzeugnisse besser zu vermarkten.

Hilfreicher Skandal Zur Erinnerung: Es bedurfte des Pferdefleischskandales, dass nach langwierigen Diskussionen auf EU-Ebene mit 1.4.2015 die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verpacktes Schweinefleisch, frisch, gekühlt oder gefroren, eingeführt wurde. Seit diesem Zeitpunkt muss auf dem Etikett das Land der Aufzucht und der Schlachtung angeführt sein. Die Forderung Österreichs, wonach auch das Geburtsland angeführt sein muss, fiel dem Einfluss nordeuropäischer Staaten wie z. B. Dänemark, Holland und Deutschland zum Opfer. Schon damals war unsere Forderung vehement, auch auf Verarbeitungspro-

dukten die Kennzeichnung der Rohstoffherkunft verpflichtend zu machen. Es waren primär Vertreter der Fleischindustrie und des Fleischhandels, die mit teils fadenscheinigen Argumenten wie z. B. 50 %-ige Preiserhöhung etc. es verhinderten, gleichzeitig mit der Frischfleischkennzeichnung auch die Herkunftsangaben auf Verarbeitungsprodukten gesetzlich zu verankern.

Vorbilder bei Herkunftsangaben Speziell im Gourmetland Frankreich wollte man sich mit diesem Faktum nicht abfinden. Man kreierte ein Modell, welches national mit Land- und Lebensmittelwirtschaft abgestimmt wurde und lies sich dieses in Brüssel absegnen. Die EU-Kommission stimmte dem Frankreich Modell für eine Probezeit von zwei Jahren bereitwillig zu. Zu hoffen ist, dass die Erfahrungswerte, die man daraus ableiten wird können, die Kommission derar-

tig positiv stimmen, dass die bisherigen fleischwirtschaftlichen Einwände starker Mitgliedsstaaten überstimmt werden können. Gelingt dies, dann wäre ein nächster großer Schritt zur umfassenden bzw. vollständigen Fleischproduktekennzeichnung erfolgt.

Gastronomie muss folgen Der letzte große Schritt wäre die Umsetzung auf gastronomischer Ebene. Auch hier kann man auf ein Vorbildland verweisen, nämlich die Schweiz. Die Eidgenossen verpflichten nämlich seit über 20 Jahren den gesamten Gastronomiesektor, d. h. von der Würstelbude bis zu Großkantinen, in deren Speisenkarten auch die Herkunft des Fleisches bei allen Fleischgerichten anzuführen. Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Stroh-Schweine gesucht Die mediale Diskussion über tierfreundliche Haltungssysteme führt bei Unternehmen des Lebensmittelhandels zu verstärkter Nachfrage nach Stroh Schweinen. Zum anderen wurde seit Jahresbeginn ein Stroh-Schwein Förderprogramm etabliert, welches für manche Schweinehalter interessant sein dürfte. Neben der Möglichkeit Fördermittel für Strohhaltung lukrieren zu können, ist auch der zusätzliche Erlös am Markt für

solche Programmschweine interessant. Die Schweinebörsen betreiben bzw. entwickeln derartige Programme. Interessenten, auch wenn sie noch nicht Mitglieder der EZG sind, mögen sich bitte bei den jeweiligen Landesorganisationen melden: Styriabrid (03453/40600)

Gut Streitdorf (02269/2501) VLV (0732/922 922)

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Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss

Kann sich der Ferkelmarkt nachhaltig erholen? Wenn man die derzeitige Stimmung am Ferkelmarkt mit der vor einem Jahr vergleicht, sieht man sehr schön die Bandbreite, in der sich der Ferkelmarkt entwickeln kann. Im Februar 2016 war es für viele kaum denkbar, dass es in Summe mit einem Durchschnittspreis von € 2,20 für die Ferkelproduktion am Ende ein durchaus zufriedenstellendes Jahr sein würde.

Nach den Ursachen für diese Entwicklung braucht man nicht lange zu suchen – sie sind in einer deutlichen Reduktion des Angebotes und der Bestände zu finden. In den Erzeugergemeinschaften Österreichs und des nahen Auslandes wird von Rückgängen in den Sauenbeständen um die 3 % berichtet. Gerade in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres waren die Auswirkungen in einem beinahe vollständigen Entfall von Rückstellungen zu bemerken. Analog dazu waren die Rückgänge im dritten und vierten Quartal 2016 besonders ausgeprägt. Natürlich ist es immer leicht, rückblickend zu analysieren, aber so richtig überrascht kann man über die Reduzierung der Bestände nach der vergangenen schweren Zeit nicht sein. Auf nicht wenigen Betrieben

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sind Entscheidungen gefallen, die nicht mehr unbedingt eine Vorwärtsstrategie beinhalten. Das hat aber nicht immer nur mit der Erlössituation zu tun, sondern auch mit einer gewissen Orientierungslosigkeit. Gerade die Frage, in welches Stallsystem - wenn denn überhaupt eine realistische Chance auf eine Baumöglichkeit besteht, soll investiert werden, ist nicht leicht zu beantworten. Die öffentliche Diskussion über Tierschutz, Tierwohl und die teils weit auseinandergehenden Vorstellungen von Handel, Konsument sowie den Bäuerinnen und Bauern, die täglich mit den Tieren arbeiten und von der Tierhaltung eine Familie erhalten müssen, lassen viele Spielarten zu. Ich bin besonders froh darüber, dass gerade in der wichtigen Zukunftsfrage der Gestaltung der


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Abferkelbuchten mit dem Projekt Pro-Sau die Diskussion versachlicht wird und in Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Wissenschaft, Gesetzgeber und Stallbaufirmen Grundlagen dafür ausgearbeitet werden, wie man funktionierende Stallsysteme umsetzen kann.

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Wie geht’s weiter bei den Eingriffen? Im Dezember 2016 wurde ein Begutachtungsentwurf zur Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung mit Frist bis 3. Februar 2017 veröffentlicht. Wie bekannt war der VÖS wesentlich im Diskussionsprozess der letzten zweieinhalb Jahre eingebunden. Aus unserer Sicht wurde wesentlich dazu beigetragen, dass der Prozess unter Einbindung der Praxis so gut wie möglich begleitet wird. Ein besonderer Dank gilt der Landwirtschaftskammer Österreich, die mit Mag. Max Hörmann sehr zur Versachlichung der Thematik beigetragen hat. Wenn die Tinte dann trocken ist, werden wir ausführlich darüber berichten, es zeichnet sich aber eine für die Ferkelproduktion tragbare Lösung ab. Es ist und bleibt der zentrale Standpunkt des VÖS, dass bei einer Weiterentwicklung und Verbesserung des Tierschutzes in der Schweineproduktion, bei allen notwendigen Maßnahmen, es nicht sein darf, dass der Landwirt dabei auf der Strecke bleibt.

Im Detailvergleich verringerte sich der Ferkelbestand um 3,3 % auf 661.000 Tiere, während die Anzahl an Jungschweinen (-0,1 % auf 744.000) nahezu unverändert blieb. Zu einem leichten Zuwachs kam es bei Mastschweinen der Gewichtsklasse 50 bis unter 80 kg (+1,2 % auf 566.000). Rückgänge hatten hingegen die Bestände an 80 bis unter 110 kg schweren Tieren (-5,5 % auf 458.000) und zumindest 110 kg schweren Schweinen (-0,2 % auf 124.000) zu verzeichnen. Bei den Jungsauen verringerte sich der Bestand um -2,3 % auf 47.200 und bei älteren Sauen um-3,8 % auf 189.000. Auch die Zahl der Zuchteber (-6,1 % auf 4.400) war im Jahresvergleich rückläufig. Auf diesen Entwicklungen basieren die sehr positiven Erlösprognosen für die Schweineproduzenten für das heurige Jahr. Es bleibt zu hoffen, dass wir einmal ein Jahr frei von unvorhersehbaren Ereignissen wie Sanktionen, Handelskriegen oder Machtspielchen diverser Marktteilnehmer, vornehmlich in Deutschland, haben. Wie schon öfter erwähnt, sind Prognosen in unserem Sektor immer gewagt und risikoreich, aber heuer sind die Grundvoraussetzungen einmal richtig positiv zu bewerten. Und das tut gut.

Ausblick Laut aktuellen Viehzählungsergebnissen (Stichtag 1. Dezember 2016) ist der Schweinebestand weiter rückläufig. So verringerte sich der Gesamtbestand um - 1,9 % auf 2,79 Millionen Tiere, das sind 52.600 weniger als im Vorjahr. Ferkel- und Jungschweine sanken um - 1,6 % auf 1,4 Millionen Stück, die Mastschweine um - 1,8 % auf 1,15 Millionen. Bei den Zuchtschweinen bestätigt der Rückgang von - 3,6 % auf 241.000 Stück die Reduzierung des Ferkelaufkommens in den Vermarktungsorganisationen. Basispreise Ferkel je KW der Jahre 2014-2017. Quelle: Bäck

Entwicklung der Schweinebestände in Österreich von 1990 bis 2016 sowie Anteil der wichtigsten Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark am Gesamtschweinebestand. (Quelle: verändert nach Statistik Austria, Allgemeine Viehzählung 2016)

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DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Schweinegesundheitsverordnung ist in Kraft

Die sogenannte Schweinegesundheitsverordnung (SchwG-VO) wurde vor Jahreswechsel veröffentlicht und ist mit 1.1.2017 in Kraft getreten. Diese Verordnung regelt Biosicherheitsmaßnahmen, hygienische Anforderungen und die Gesundheitsüberwachung in Schweinehaltungsbetrieben. Die Zuständigkeit dieser VO liegt beim Bundesministerium für Gesundheit. Zielsetzung der Verordnung Mit der SchwG-VO soll eine Grundlage geschaffen werden, die die schweinehaltenden Betriebe vor Tierseuchen und übertragbaren Krankheiten schützt, die von außen (Wildschweine, Personenverkehr, TKV, Futtermittel, …) von innen (zwischen den Produktionseinheiten) und zwischen den Betrieben (Viehverkehr, …) eingetragen werden können. Dabei geht es sowohl um anzeigepflichtige Tierkrankheiten (z. B. Afrikanische Schweinepest, Aujeszky´sche Krankheit) als auch um Erkrankungen, die nicht der Anzeigepflicht unterliegen (z. B. PRRS, PEDV). Die vorliegende VO versucht nun mit Hilfe von definierten Biosicherheits- und Hygienemaßnahmen das beschriebene Risiko zu minimieren. Die fachlichen Inhalte entsprechen dabei weitgehend den auch bis jetzt schon gemachten Empfehlungen im Bereich Biosecurity.

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Über die VO werden sie jedoch für alle Schweinebetriebe verbindlich. Damit kann sich aber jeder Schweinehalter nun darauf verlassen, dass alle Schweinebetriebe (auch seine Nachbarn) diese Richtlinien einzuhalten haben. Zusätzlich wird mit dieser VO eine Lücke Österreichs im internationalen Handel geschlossen. Ohne nachvollziehbare, dokumentierte und kontrollierte Biosicherheits- und Hygienestandards auf Schweinebetrieben ist ein Handel von Schweinen, Schweinefleisch und Produkten daraus de facto nicht mehr abzuwickeln.

Wen betrifft die Schweinegesundheitsverordnung? Alle Zucht- und Zucht-/Mastbetriebe mit mehr als 5 Sauenplätzen sowie alle Mastoder Aufzuchtbetriebe mit mehr als 30 Plätzen sind von dieser VO betroffen. Darüber hinaus stellt diese VO erstmals Vorschriften für Betriebe mit Freilandhaltung auf.

Zusammenfassung Die österreichische Schweinegesundheitsverordnung orientiert sich an international üblichen Vorschriften, die jedoch auf die österreichischen Verhältnisse angepasst wurden. Damit liegt nun eine praxistaugliche Lösung im Sinne der heimischen Schweineproduktion vor. Für notwendige bauliche Maßnahmen wurden praxisverträgliche Übergangsregelungen definiert. Im Sinne eines bestmöglichen Schutzes der heimischen Schweinebestände vor Krankheiten wird jedoch eine zeitnahe und vollständige Umsetzung aller Richtlinien empfohlen. Die Landwirtschaftskammern und die Tiergesundheitsdienste werden in den nächsten Monaten eine breit angelegte Informationsund Beratungskampagne für die betroffenen Bäuerinnen und Bauern starten.


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Die wichtigsten Inhalte der Verordnung: Die Bestimmungen unter den Punkten Betriebseigene Kontrollen(1), Dokumentation von Kennzahlen(3) und Allgemein bauliche Voraussetzungen(4) sind sofort umzusetzen.

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Übergangsregelungen 31. März 2017 Für die Meldung der Tierärztlichen Bestandsbetreuung (Punkt 2) 1. Jänner 2020 Bestimmungen unter Zusätzliche bauliche Voraussetzungen (Punkt 5), wenn keine baulichen Maßnahmen notwendig sind Bestimmungen unter Betriebsablauf (Punkt 6) Bestimmungen unter Reinigung und Desinfektion (Punkt 7) 1. Jänner 2025 Bestimmungen unter Zusätzliche bauliche Voraussetzungen(5), wenn sie nur durch bauliche Maßnahmen umzusetzen sind. 1. Betriebseigene Kontrollen Kontrolle sämtlicher Ein- und Ausstallungen Aufzeichnung über verwendete Transportmittel Reinigung und erforderlichenfalls Desinfektion der Eigentransportmittel nach jedem Transport 2. Tierärztliche Bestandsbetreuung TGD-Mitgliedschaft erfüllt diese Anforderung 3. Dokumentation von Kennzahlen Belegdatum Belegeber Umrauschen Aborte Wurfgröße (lebend und totgeborene) Abgesetzte Ferkel 4. Allgemeine bauliche Voraussetzungen Guter baulicher Allgemeinzustand der Stallungen Sicherungsmöglichkeit der Ein- und Ausgänge der Stallungen Kennzeichnung der Ein- und Ausgänge von Stallungen „Wertvoller Schweinebestand – Unbefugtes Betreten verboten“ Auslaufhaltung: - Kein Entweichen der Schweine - Kein Eindringen und direkter Kontakt von Wildtieren - Hinweisschild „Füttern und Betreten verboten“ Reinigung, Desinfektion und Schadnagerbekämpfung der Stallungen und deren Nebenräume muss möglich sein. - Wasseranschluss - Wasserabfluss Einrichtung zur Reinigung und Desinfektion von Schuhwerk im Stall oder in Nebenräumen, mit Wasserabfluss Ausreichend hell beleuchtet

5. Zusätzliche bauliche Voraussetzungen Stallnahe Hygieneschleuse - Handwaschbecken - Wasseranschluss mit Abfluss zur Reinigung von Schuhwerk - Trennungsmöglichkeit von stalleigener Schutzbekleidung und abgelegter Straßenbekleidung, sowie von Schuhwerk Stallnahe Möglichkeit zur Reinigung und Desinfektion des Schuhwerkes Geeignete Einrichtungen zum Verladen von Schweinen, die so gestaltet sein müssen, dass ein Zurücklaufen von bereits verladenen Tieren in den Stall verhindert wird Geeignete Einrichtungen zur Reinigung und Desinfektion von Transportfahrzeugen Geeignete Kadaverlagerung - Reinigung und Desinfektion - Schutz vor Eindringen von Schadnagern, Haus- und Wildtieren - Abholfahrzeuge sollen Betriebsgelände nicht befahren Isolierstall (Quarantäne für Zuchtschweine) - Verweildauer für mindestens 3 Wochen 6. Betriebsablauf Stallungen dürfen von betriebsfremden Personen nur in Abstimmung mit dem Tierhalter betreten werden Stallungen dürfen nur mit betriebseigener Schutzkleidung betreten werden Vorsorge f. ausreichend betriebseigene Schutzkleidung Schutzkleidung muss nach Verlassen der Stallungen aufbewahrt, gereinigt - gegebenenfalls entsorgt werden Dokumentation der täglichen Todesfälle Futter u. Einstreu vor Wildschweinen geschützt lagern 7. Reinigung und Desinfektion Reinigen... des Verladeplatzes nach jeder Ein- und Ausstallung des Stalles zwischen Ausstallung u. Wiederbelegung der betriebseigenen Fahrzeuge unmittelbar nach Tiertransport von Maschinen und sonstiger Gerätschaften, die in der Schweinehaltung Verwendung finden von Fahrzeugen für Sammeltransporte von Schweinen zum Schlachthof vor der ersten Beladung der Kadaverlagereinrichtung nach jeder Entleerung erforderlichenfalls sind im Anschluss an die Reinigung geeignete Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen 8. Freilandhaltungen (Haltung von Schweinen im Freien ohne feste Stallgebäude, nur mit Schutzeinrichtungen) Genehmigungspflichtig -> bestehende Betriebe (Stichtag: 31.12.2016) gelten vorläufig als genehmigt. Ein Genehmigungsantrag ist bis 31.12.2017 bei der Bezirksverwaltungsbehörde zu stellen. Doppelte Einzäunung der Freiflächen Die anderen Bestimmungen entsprechen weitgehend jenen der Stallhaltung

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Das freiwillige Tierwohl-Modul der AMA als Chance! Förderung im ÖPUL möglich! Die gesellschaftlichen Ansprüche an die Form der Tierhaltung steigen. Die Medien berichten zunehmend über „Tierwohl“ und immer mehr Menschen beschäftigen sich mit diesem Thema. Die Handelsketten tragen mit verschiedensten Initiativen dazu bei, alternative Haltungsformen in der Schweinemast zu forcieren. Gesättigte Märkte sind zu differenzieren!

DI Martin Greßl Leiter der Abteilung Qualitätsmanagement und Prokurist der AMA-Marketing GesmbH (Quelle: AMA-Marketing)

Jede Differenzierung am Markt bringt neue Chancen. Gerade in einem gesättigten Markt wie beim Schweinefleisch, kann dies neue Geschäftsfelder eröffnen. Die Menschen in Europa werden in den nächsten Jahren sicher nicht mehr Fleisch verzehren. Deshalb wird es notwendig sein, mit anderen Produktionskriterien und höheren Qualitäten zu punkten. Die im AMA-Gütesiegel erfolgreich gesicherte Qualität wird durch neue Elemente der Produktionsqualität ergänzt. So feiert die bis in die 80er Jahre sehr gebräuchliche Form der Strohhal-

Grafik 1: Für Konsumenten gibt es unterschiedlich wichtige Faktoren in Bezug auf die Fleischqualität. Quelle: AMA 14 | Tierwohl-Modul| 1 2017

tung eine Renaissance, wenn auch in etwas modifizierter Form. Wie in Grafik 1 ersichtlich wird, stehen die Qualitätsparameter Geschmack, Frische, Aussehen und Herkunft ganz oben. Jeder zweite Befragte betrachtet jedoch die artgerechte Tierhaltung als wichtigen Parameter für die Qualität. Rund die Hälfte der Befragten würde die Auslobung der Haltungsform auf den Verpackungen begrüßen. Darin liegt wohl Potenzial für die Landwirtschaft und eine Chance, strategische Partnerschaften entlang der Herstellungs- und Vermarktungskette zu etablieren.

Auf AMA-Gütesiegel aufsetzen! Mehrere Gründe sprechen für das AMA-Gütesiegel als Basis. Die Produktqualität ist im AMA-Gütesiegelprogramm verlässlich abgesichert und „Mehr Tierwohl“ als alleiniges Kriterium reicht nicht. Die innere Fleischqualität muss stimmen und es darf keine sensorischen Mängel (z. B. Schrumpfschnitzel) aufweisen. Das AMA-Gütesiegel basiert auf einem gehobenen gesetzlichen Niveau in den Basisanforderungen. Beispielsweise ist der Einsatz von Tieren aus Zuchtlinien mit gesicherter Fleischqualität (stressstabile Genetik), organisches Beschäftigungsmaterial wie Holz oder Raufen mit Stroh, Krankenbuchten mit weichen Liegeflächen oder Schmerzmitteleinsatz bei der Kastration vorgeschrieben. Basierend auf den bestehenden Qualitätskriterien in der AMA-Gütesiegel-Richtlinie „Schweinehaltung“ sind in der neuen Version vier freiwillige Zusatzmodule vorgesehen: Regionale Herkunft, Besondere Fütterung, Besondere Haltungsformen und Mehr Tierwohl. Damit wird dem Wunsch der Konsumenten nach zusätzlicher Differenzierung und kontrollierten näheren Angaben nachgekommen. Eine strenge, unabhängige Kontrolle ist ein wesentliches Kaufargument der Konsumenten. Sie ist im Rahmen des AMA-Gütesiegels gewährleistet und die Kontrolle von „Mehr Tierwohl“ wird in Kom-


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Mehr Tierwohl bringt neue Chancen auch af dem Markt - die Strohhaltung erlebt eine Renaissance! bination mit der Basiskontrolle durchgeführt. Dies spart Zeit und Geld für die Landwirte.

Nationale Tierprämien für „Mehr Tierwohl“ Einen zusätzlichen Anreiz für die Teilnahme am Modul bildet die nationale Förderung im ÖPUL-Programm „Tierschutz Stallhaltung“. Betriebe können Tierprämien erhalten, wenn den Tieren im Stall mehr Platz, eingestreute Liegefläche und Beschäftigungsmaterial zur Verfügung gestellt wird. Voraussetzung ist die Erstellung einer Stallskizze und eines Belegungsplans. Die Vorgaben im freiwilligen AMA-Gütesiegel-Modul „Mehr Tierwohl“ wur-

den so angelegt, dass diese mit den Fördervoraussetzungen kompatibel sind. Ein neuerlicher Förderantrag im ÖPUL ist im Zuge des Herbstantrages 2017 möglich.

Mehrere Produktionsformen der Konsument entscheidet! Individualkonsum ist hier das Schlagwort. Während dem einen Konsumenten wichtig ist, dass die Produkte nach biologischen Kriterien erzeugt werden, sind für den anderen kontrollierte gesetzliche Mindeststandards in der Tierhaltung ausreichend. Ein dritter möchte aber jedenfalls ein regionales Produkt aus Strohhaltung. Diese Differenzierung

Quelle: AMA

ist ein Abbild der modernen Gesellschaft, die in Richtung Individualisierung geht. Deshalb wird es für Fleisch, das unter den Kriterien von mehr Tierwohl produziert wird, immer nur eine gewisse Kundenschicht geben. Diese Produktionsweisen sollen auf den Produkten künftig entsprechend ausgelobt werden. Die Informationskampagnen der AMAMarketing werden darauf aufbauen. Entscheidend für den Erfolg ist, dass der Konsument den Mehrwert des Produkts erkennt und auch bereit ist, dafür einen höheren Preis zu zahlen. Jegliche Initiativen im Bereich Tierwohl sind nur dann erfolgreich, wenn die Fleischqualität entspricht und auch ein Mehrerlös für die Landwirte zur Abgeltung des Mehraufwandes erreicht werden kann.

Produktionsformen bei Mastschweinen in Österreich und in der EU. Quelle: AMA 1 2017 | Tierwohl-Modul | 15


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Stromausfall – was tun? Kommt es zu einem Stromausfall (ob angekündigt oder überraschend), steigt bei allen Schweinehaltern die Betriebstemperatur.

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Wenn die Alarmanlage per Hupe und/oder per Handy den Stromausfall meldet, dann ist ja noch nichts passiert. Dennoch heißt es jetzt schnell reagieren, das Notluftsystem aktivieren und sich rasch Gedanken zu machen, wie die Schweine mit Wasser und Futter versorgt werden können. Darüber hinaus ist auch in so einem Fall das Wohnhaus ohne Strom. Die Wasserversorgung, der E-Herd, der Kühlschrank, die Gefriertruhe usw., ja nicht einmal WLAN oder die modernen Festnetztelefone funktionieren ohne Strom. Bei der Analyse dieser Situation kommen einem die großflächigen Stromausfälle in den Sinn. Oft war die Ursache Wind, Schneedruck oder Hochwasser. Großflächige Regionen hatten viele Stunden keinen Strom. Aber auch bei Grabarbeiten verursachte Schäden an Erdkabel führen bei labilen Netzsituationen zu längeren Stromausfällen. In diesem Zusammenhang berichtete ein Landwirt, dass er letztes Jahr 7mal von Stromausfällen über mehrere Stunden betroffen war. Um seinen Betrieb bei solchen unvorhergesehenen Ereignissen abzusichern, empfiehlt sich, eine eigene Notstromversorgung anzuschaffen. Franz Strasser ABL Fachberater für Schweinemast (Beratungsstelle für Schweineproduktion, Wels) hat dazu Tipps von Elektrikern und Notstromaggregaterzeugern zusammengefasst:

Installation eines Trennschalters und eine Einspeiskupplung Die Normeinspeisstelle muss von einem konzessionierten Elektriker errichtet werden und besteht aus:

Beschriftete Einspeisdose. Quelle: Strasser

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Umschalter Netz – Stromversorgung. Quelle: Strasser

• • • •

Notstromumschalter Notstromstecker Notstromeinspeiseleitung Netzwiederkehranzeige

Der Notstromschalter trennt die Hausanlage vom Stromnetz. Dies ist notwendig, damit bei Notstrombetrieb nicht ungewollt Strom in das allgemeine Stromnetz fließt. Mit dem Notstromstecker und die Notstromspeiseleitung wird in die Hausanlage eingespeist. Diese sind 5 polig mit einem eigenen Stecker (Erdung auf 1 Uhr Position) angeschlossen. Das Notstromspeisekabel darf daher nicht für andere Zwecke verwendet werden. Auf die Drehrichtung ist zu achten, d. h. der rechtsdrehende Anschluss vom Generator muss bis zur Einspeisestelle aufrechterhalten bleiben. Die Netzwiederkehranzeige gibt an wenn der Strom wieder vom Netz kommt.

Zapfwellengenerator Die heutigen Generatoren sind auf einem Grundrahmen mit Dreipunktaufhängung montiert. Teilweise sind daran auch Rollen montiert. Das Ölbad–Übersetzungsgetriebe ist direkt auf den Generator geflanscht. Die geforderte Drehzahl an der Zapfwelle von 430 U/min soll auch unter Belastung möglichst konstant eingehalten werden. Daher empfiehlt es sich den Generator mit der 540er Zapfwellenstufe anzutreiben. Damit die hohen Drehmomente übertragen werden, muss der Generator immer auf der 3-Punkt Anhängung des Traktors montiert und mit


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einer ausreichend kräftigen Gelenkwelle betrieben werden. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, das Gerät stationär auf einen Sockel zu schrauben und es direkt an dem Zählerverteiler anzuschließen, wo auch die Schutzeinrichtung montiert ist. Die gängigen Generatoren werden mit Universalausführung ausgestattet: • Bürstenlos, 4 polig, 1500 U / min • Betriebswahlschalter Haus oder Feldbetrieb • Teilweise ein Lüftfilter für die Kühlung • Thermomagnetischer Schutzschalter • Isolationsüberwachung (Personenschutz) • Elektronische Regelung • Über- und Unterspannungsschutz (Schutz für Verbraucher) • Frequenzüberwachung – Über- und Unterfrequenz (Schutz der Verbraucher) • Steckverbindungen für Feldbetrieb • Steckverbindung für Notstrombetrieb • Anzeigen über Stromstärke – Spannung – Frequenz (vom Traktor aus sichtbar) Bei dieser Ausstattung braucht man keine Angst haben, dass im Notbetrieb hochsensible Geräte wie Fütterungs- und Lüftungssteuerungen, Mahl- und Mischanlagen oder PV-Anlagen Schaden erleiden.

Welche Traktorleistung braucht man dafür? Damit im Bedarfsfall der Generator einwandfrei funktioniert, soll der anzutreibende Traktor mindestens 2,5 – 3-fache Nennleistung in PS der erforderlichen kVA des Generators leisten. In unserem Beispiel daher 27,5 x 2,5 = 69 bis 119 PS. Durch diese großzügige Leistungsreserve sichert der Traktor vor allem beim Anlauf von größeren Motoren eine stabile Drehzahl. Dies ist der Garant für eine konstante Generatorspannung bzw. Generatorfrequenz. Bei der Berechnung der Traktorleistung muss auch bedacht werden, dass der Traktor nicht die volle Nennleistung auf die Zapfwelle überträgt.

Fazit

Börsenmäster. Herr Moser (Fa. Elektro Moser) erklärte die notwendigen Umbaumaßnahmen am Schaltkasten. Dabei ist mit Kosten von ca. 600 Euro zu rechnen. Die Noteinspeiseleitung kostet ca. 6 Euro/Laufmeter. Die Notstromgeneratoren wurden von den Firmen Schneeberger, Daru und Moll präsentiert. In weiterer Folge wurden jeweils 2 Geräte verschiedener Größe ans Netz gehängt. Die Landwirte konnten sich überzeugen, dass beim Einschalten von größeren Verbrauchern der Traktor kurzfristig an Drehzahl verlor. Traktoren mit hoher Nennleistung und elektronischer Zapfwelldrehzahlregelung waren dabei im Vorteil. Die VLV Schweinebörse holte anschließend von diesen Firmen Angebote ein, die den Mitgliedern weitergeleitet wurden. Auf diese Weise kommen die VLV-Mitglieder zu technisch ausgereiften und preiswerten Notstromaggregaten.

Eine Investition in eine eigene Notstromversorgung gibt Sicherheit. Der erste Schritt dazu ist die Kontaktaufnahme mit dem Hauselektriker und der Einbau des Notstromumschalter und des Notstromsteckers. In weiterer Folge ist die Auswahl des richtigen Generators notwendig. Wenn zum ersten Probelauf der Hauselektriker die Drehrichtung und Kupplungen prüft, dann ist die Anlage für den Notfall gerüstet.

Notwendige Generatorleistung Zählt man alle Leistungen der Verbraucher (in kW am Typenschild abgelesen) zusammen, die im Fall eines Stromausfalles gleichzeitig versorgt werden müssen und dividiert diese durch 0,8 (cos phi), erhält man die notwendige Generatorleistung (siehe Beispiel zur Bemessung der Leistungsstärke).

VLV-Schweinebörse informiert umfassend Seit letztem Herbst widmete sich die VLV Schweinebörse dem Thema Notstromversorgung. Anfänglich wurde bei den Informationsveranstaltungen über die theoretischen Grundsätze berichtet. Im Dezember und Jänner organisierte die Schweinebörse in Grieskirchen, Ried/Traunkreis und Mitterkirchen Vorführtermine bei einem

Grundlast (Beleuchtung, Haushaltsgeräte, Heizung, Lüftungsanlage usw.)

4 – 8 kW

Fütterung (Komponentenschnecken, Mixer, Pumpe usw.)

8 – 12 kW

Silofräse

10 – 15 kW

Summe

22 – 35 kW

/cos phi (Scheinleistung)

/0,8

Landwirte können sich von den Firmen beraten lassen. Quelle: Strasser

Notwendige Generatorleistung ohne Reserve 27,5 – 43,75 kVA

Beispiel zur Bemessung der Leistungsstärke für einen Generator.

Messanzeige überwacht den Generator.

Quelle: Strasser

Quelle: Strasser

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2. AMA-Forum stand unter dem Motto Mehrwert Das zweite branchenübergreifende AMA-Forum stand heuer unter dem Generalthema „Mehrwert“. Die hochkarätigen Referenten warfen einen Blick auf die Wertschätzung und damit zu erzielende Wertschöpfung unserer Nahrungsmittel. Mehr als 300 Gäste aus der Milch-, Fleisch-, Ei- sowie Obst- und Gemüsebranche waren zum zweiten produktübergreifenden Forum gekommen. „Lebensmittelkommunikation ist ein gemeinsames Thema über alle Bereiche, weil die Konsumenten im Mittelpunkt stehen.

Das Thema Essen ist für Salomon zur Ersatzreligion geworden: „Wenn wir sonst an keine Werte glauben, müssen wir Essen überhöhen. Hier fällt jede Verschwörungstheorie auf fruchtbaren Boden.“

Werte- statt Preis-Spiel Jenseits aller einseitigen Ernährungsdiskussionen wollen wir über Werte sprechen, die entlang der gesamten Produktionskette entstehen“, eröffnete Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, das Forum.

Unverkrampfter Zugang zum Essen Den Beginn des Vortragsreigens eröffnete Martina Salomon, stellvertretende Chefredakteurin des KURIER und erfolgreiche Buchautorin. Salomon ist überzeugt, dass Nahrungsmittel noch nie so sicher waren wie heute und gleichzeitig die Verunsicherung so groß ist wie nie. „Uns fehlt ein unverkrampfter Zugang zum Essen“, meint die Journalistin und nimmt ihre Berufskollegen − durchaus selbstkritisch − in die Pflicht, sich bei Berichten über Lebensmittel und deren Produktion an Fakten zu orientieren.

Der zweite Referent widmete sich der Fragestellung, wie sich die digitale Welt für den Vertrauensaufbau in eine Marke nutzen lässt. Klaus-Dieter Koch verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung mit Markenstrategie. Er plädiert, bei der Positionierung von Marken auf die dahinterstehenden Werte zu setzen, um sie dem Preiskampf entziehen zu können. „Eine Marke ist der verdichtete Ausdruck einer unternehmerischen Spitzenleistung“, so Koch. Der Markenexperte ortet in der Digitalisierung enormes Potenzial für den Aufbau direkter Kundenbeziehungen. „Die Digitalisierung ist der Wettlauf um mehr Kundennähe. Es geht nicht darum, eine technisch perfekte App zu programmieren, sondern mit den Kundeninteressen zu verschmelzen“, so Koch. Zustimmung und Vertrauen sieht er als die neue Währung für erfolgreiche Marken.

Für die über 300 interessiert zuhörenden Gäste ging es beim diesjährigen AMA-Forum um das Thema „Mehrwert“. Quelle: AMA 18 | AMA | 1 2017

Österreicher lieben Landschaft Den Abschluss des Vormittags bildete der Marktforscher Werner Beutelmeyer. Er sieht den Boden für regionales Marketing perfekt aufbereitet. „Die Österreicher lieben die Landschaft, die österreichische Küche und die regionalen Lebensmittel“, erklärt Beutelmeyer mit zahlreichen Studien fundiert. Auf diese Basis können die Produzenten aufbauen und mit einer transparenten und nachvollziehbaren Kennzeichnung der Herkunft Vertrauen weiterentwickeln. Das AMA-Gütesiegel ist für den Marktforscher dabei zentrales Element. Produktspezifisch wurde es in den Foren am Nachmittag. Die Referenten des Eiund Fleischforums wagten einen Blick in die Zukunft – vom Fleisch über Wurst bis zur Verpackung. Das Fleischforum bot auch die Plattform für die Überreichung des PRODUKT CHAMPION. Beim Milchforum zerlegte eine Ernährungswissenschafterin die „weiße Emulsion“ in ihre wertvollen Bestandteile. Exportorientiere Unternehmer diskutierten über Trends im Handel und auf Messen.

Im Rahmen des AMA-Forums fand auch die Verleihung des Produkt Champion statt. Quelle: AMA


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Vererbung ein buntes Mosaiks: Wie uns die Genotypisierung beim Schwein weiterhilft Um Eines vorweg zu nehmen: bei der Genotypisierung handelt es sich nicht um Genmanipulation, sondern es wird lediglich die Erbinformation analysiert. Mit der daraus gewonnenen Information erfolgt dann eine gezieltere Zuchttierauswahl.

Aufgaben der Zucht

Dr. Bettina Fasching Leitung und Stationstierärztin der Schweinebesamung Gleisdorf (Quelle: Fasching)

Das Ziel in der Tierzucht ist es, gewisse Eigenschaften nachhaltig in Populationen zu verankern. In erster Linie geht es hier um Eigenschaften, die eine wesentliche wirtschaftliche Rolle spielen, wie die täglichen Zunahmen, der Magerfleischanteil oder die Anzahl der gesamt geborenen und abgesetzten Ferkel. Neben diesen ökonomischen Parametern sind auf keinen Fall Merkmale wie Nutzungsdauer, Gesundheit oder Muttereigenschaften zu vergessen. Sie waren in den letzten Jahren bereits im Fokus der Zuchtbetriebe und werden es in der nächsten Zeit noch stärker sein. Handwerkszeug für die Zucht waren in der Vergangenheit ein nachhaltig sehr gutes Wissen der Züchter um die Stärken und Schwächen ihrer Schweine und die klassische BLUP-Zuchtwertschätzung. Nun wird den Landwirten auch die Genotypisierung als zusätzliches Hilfsmittel zur erfolgreichen Schweinezucht zur Verfügung stehen.

Die Festplatte des Lebens Im Zellkern jeder Zelle befindet sich die Erbinformation. Sie ist auf den sogenannten Chromsomen gespeichert, die sich ihrerseits aus Genen und

diese aus der DNA zusammensetzen. Die DNA ist im übertragenen Sinn die Festplatte des Lebens. Ein Schwein besitzt 38 Chromosomen und zwischen 23.000 und 30.000 Gene, zusammengesetzt aus ca. 2,6 Mrd. DNA-Bausteinen. Die Gene werden dann in Aminosäuren und Proteine übersetzt, die ihrerseits die Bausteine für den Aufbau des Körpers sind. Nur ca. 5 % der DNA beherbergt Gene, der Rest ist „Füllsubstanz“, deren Aufgabe wir bis jetzt noch nicht kennen.

Vollgeschwister sind nicht gleich Die gesamte DNA ist doppelt vorhanden, je ein Strang vom Vater und einer von der Mutter. Das heißt allerdings auch, dass die Gene von Vollgeschwistern sehr unterschiedlich sein können (siehe Abbildung Seite 21). Das Aussehen oder die Entwicklung von Jungebern kann komplett identisch sein, die Gene müssen es nicht sein. Das Entscheidende bei einem Eber ist der „innere Wert“, sprich die Genetik, die er an die nächste Generation weitergibt. Davon kann jeder Landwirt unmittelbar profitieren. Nun steht mit der Genotypisierung ein Werkzeug zur Verfügung, das bereits vor dem Einsatz eines Jungebers erlaubt, Rückschlüsse auf die zukünftige Vererbung zu ziehen.

Ein sogenannter "Manhattan Plot" (Ausschnitt) veranschaulicht die Ergebnisse genom-weiter Assoziationsstudien. Quelle: Schwarzenbacher 20 | Genotypisierung | 1 2017


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Genotypisierung – ein „Pixelbild“ Bei der Genotypisierung wird die DNA in kleine Stücke, sogenannte SNPs, zerschnitten, diese kleinen Stücke werden mit einem Farbstoff markiert. So entsteht daraus ein „Bild“. Man kann sich das wie ein pixeliges Handyfoto vorstellen. Dieses Bild wird nun mit der herkömmlichen BLUP-Zuchtwertschätzung verknüpft. So „lernt“ das Programm, welches Bild für welche Eigenschaften beim Zuchttier steht. Vergleicht man nun diese Bilder vom Genom untereinander, so wird man schnell feststellen, dass innerhalb einer Population ca. 99,9 % des Erbguts identisch sind. Nur bei 0,1 % finden sich Abweichungen. Das ist es nun, worin sich die Tiere in den Merkmalen voneinander unterscheiden.

Vom Unterschied im Genom zu einem Leistungsmerkmal Vergleicht man nun diese Unterschiede mit Genombildern von Tieren mit bereits bekannten Leistungsmerkmalen, so kann man bereits beim Jungtier Rückschlüsse auf die eigene und die zu vererbende Leistung ziehen. Das passiert zu einem Zeitpunkt, wo das Tier selbst noch keine Nachkommen hat. Der kleine Unterschied entscheidet darü-

ber, ob nun ein Jungeber auf der Besamungsstation in Gleisdorf aufgestellt wird, oder nicht. Der Vorteil, den der Landwirt und Züchter dadurch hat ist, dass bei einem Jungeber bereits Informationen vorhanden sind, die sonst erst frühestens nach einem bis eineinhalb Jahren bekannt waren. Dadurch kommen nur die besten Tiere zum Einsatz.

Merkmale auf vielen Genen Besonders beim Merkmalsblock Fruchtbarkeit der Mutterlinienrasse Edelschwein und Landrasse ist ein deutlich schnellerer Zuchtfortschritt zu erwarten. Diese Merkmale kommen auf vielen Genen zu liegen und sind in der Zuchtarbeit schwieriger zu bearbeiten als die Mast- und Schlachtleistung. Mutterlinienjungeber bei der Schweinebesamung Gleisdorf werden nur mehr nach Vorliegen von Genotypisierungsergebnissen eingestallt. Selbstverständlich ist das auch mit deutlich höheren Kosten verbunden.

Anomalien Zuchtfortschritte zu erwarten Bei dem Thema Anomalien erhofft man sich ebenfalls durch die Genotypisierung neue Ansatzmöglichkeiten. Anomalien wie Hodenbrüche, Binneneber und Spreizer kommen trotz dem Versuch, sie züchterisch auszumerzen, nach wie vor in der

Population vor. Ein Grund hierfür ist, dass bis dato kein eindeutiges Vererbungsmuster gefunden werden konnte. Durch die Möglichkeit des Aufschlüsselns der DNA erhofft man sich auch hier deutliche Fortschritte. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Genotypisierung die Entwicklung in der Zucht schneller vorantreiben wird. Merkmale, die bis jetzt schwierig in der Zucht zu verfestigen waren, können in Zukunft leichter umgesetzt werden. Ziel ist es die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung abzusichern und weiter zu entwickeln.

Vorteile der genomischen Selektion •

genauere Information über die zu erwartenden Leistungen

die Informationen über Merkmale sind viel früher verfügbar

die Sicherheit über die Merkmalsausprägung erhöht sich

schnellerer Zuchterfolg

höhere Wirtschaftlichkeit

Das Aussehen oder die Entwicklung von Jungebern kann komplett identisch sein, nur die Gene müssen es nicht. Quelle: Fasching

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Dr. Christina Pfeiffer wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Nutztierwissenschaften (NUWI) der BOKU Wien

OptiZucht: Gute Mutter – vitale Ferkel Ziel ist die Optimierung der österreichischen Zuchtprogramme für die Mutterlinien Edelschwein und Landrasse.

Quelle: Pfeiffer

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in vielen Schweinezuchtprogrammen vor allem ökonomisch wichtige Merkmale mit hohen Selektionserfolgen, z. B. Wurfgröße oder Tageszunahmen, berücksichtigt. Grund dafür ist, dass sich Zuchtziele den wirtschaftlichen Notwendigkeiten und den Anforderungen des Marktes anpassen. Stand früher die Nachfrage nach magerem Fleisch zu günstigen Preisen im Vordergrund, so steht heute die gesamte Produktionskette im Fokus. Mit der erfolgreichen Stresssanierung bei Pietrain ist eine wesentliche Verbesserung der Fleischqualität gelungen. Die Schweinehalter brauchen Tiere mit hohem Leistungspotential und die Verbraucher verlangen zunehmend die Verbesserung des Tierwohls, der Lebensmittelsicherheit und –qualität. Dafür sind gesunde und vitale Tiere die Basis.

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Wurfgröße und Überlebensrate Die österreichische Schweinezucht hat sich in ihrem Zuchtprogramm stets den aktuellen marktpolitischen Rahmenbedingungen angepasst. Die Ferkelproduzenten brauchen Sauen mit hohen Wurfleistungen. Bei einseitiger Selektion auf Wurfgröße muss berücksichtigt werden, dass die Zunahme der Wurfgröße mit einer Abnahme der Überlebensrate der Ferkel verknüpft ist. Ähnliche genetische Hintergründe sind für die Ausprägung dieses Phänomens verantwortlich. Blicken wir über die Ländergrenzen so kann festgestellt werden, dass aufgrund der öffentlichen Diskussion bereits ein Umdenken in den Zuchtzielen stattfindet. So selektieren die Schweizer gegen die Anzahl der Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht.


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In Deutschland werden zum Teil von Besamungsstationen Daten von verschiedenen genetischen Herkünften erhoben und analysiert, um die Ferkelvitalität zu verbessern und den Ferkelverlusten entgegenzuwirken. In Österreich liegt die durchschnittliche Anzahl der lebend geborgenen zwischen 11 und 15 Ferkel pro Wurf und Sau, Tendenz weiter steigend. Nur muss die Kehrseite der Medaille rechtzeitig betrachtet werden. Deutsche Auswertungen von Einzelferkelgeburtsgewichten haben gezeigt, dass mit sinkendem Geburtsgewicht die Verlustraten überproportional ansteigen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Ferkeln unter 1 kg Geburtsgewicht liegen nur mehr bei 40 bis 50 %. Die Auswirkungen der Wurfgröße auf das Wohlergehen der Ferkel beginnen bereits im Uterus der Sau mit Platz- und Ressourcenmangel. Die Wurfgröße hat Einfluss auf die physiologische Entwicklung und resultiert in heterogenen Würfen mit einer erhöhten Anzahl an lebensschwachen Ferkeln. Bei zu großen Würfen können nach der Geburt zu wenige Zitzen zur Verfügung stehen. Bei mangelhaftem Management haben die Ferkel ein erhöhtes Risiko zu verhungern oder zu erfrieren, sind weniger mobil und werden leichter erdrückt. Das Geburtsgewicht hat Einfluss auf die Gesundheit und die spätere Mastleistung. Für die Sau können zu große Würfe zu Stress durch „Unruhe“ am Gesäuge oder Gesäugeverletzungen führen. Große Würfe bedeuten jedenfalls zusätzlichen Managementaufwand (z. B. Wurfausgleich, Geburtsüberwachung). Jeder Betrieb muss sich entscheiden, wo für ihn das Optimum zwischen Aufwand und Ertrag liegt.

Aus aktuellem Anlass planten die Universität für Bodenkultur Wien in Kooperation mit dem den Schweinezuchtverbänden im Verband österreichischer Schweinebauern sowie der österreichischen Schweineprüfanstalt das Forschungsprojekt OptiZucht – unter dem Arbeitstitel „Gute Mutter - vitale Ferkel“. Die übergeordneten Ziele des geplanten dreijährigen Projektes sind: Die Erfassung direkter phänotypischer mütterlicher Verhaltensparameter rund um die Geburt, die langfristig auch für die Zucht genutzt werden können. Zudem soll der Zusammenhang zwischen Exterieur der Sau und den Ferkelverlusten festgestellt werden. Das überragende Ziel des Projektes ist die Erstellung eines Ferkelvitalitätsindexes, der in den Gesamtzuchtwert implementiert werden soll. Dafür sollen rund 9.500 Würfe während der Projektlaufzeit bonitiert werden (z. B. Geburtsgewicht Ferkel, Wurfausgeglichenheit, Absetzgewichte). Während des Versuchszeitraums werden die Ferkel gewogen. Längerfristig sollen jedoch die Landwirte selbst die Wurfqualität einfach und schnell bewerten. Um dies zu validieren, müssen die Ferkel über einen bestimmten Zeitraum gewogen werden. Anhand der Daten können dann genetische Korrelationen und Erblichkeiten geschätzt werden. Diese genetischen Parameter sind populationsspezifisch. Bekannte Werte von ausländischen Populationen können daher nicht verwendet werden. Durch die Einführung einer Leistungsprüfung „Ferkelvitalität“ sowie einer Zuchtwertschätzung können hohe Wurfleistungen und vitale Ferkel gleichzeitig züchterisch bearbeitet werden.

Dadurch kann einem weiteren Auseinanderklaffen dieser Merkmale künftig entgegengewirkt werden. Die Zucht auf hohe Wurfleistung mit gleichzeitig homogenen Ferkeln und einer erhöhten Absetzrate wird möglich. Damit quantifiziert werden kann, welche Auswirkungen die neuen Merkmale haben, werden Zuchtplanungsrechnungen durchgeführt. Durch diese Berechnungen können Zuchtmaßnahmen besser eingeschätzt und monetär bewertet werden. Mögliche positive aber auch negative Auswirkungen über die Implementierung eines neuen Merkmales auf bereits bestehende Merkmale im Gesamtzuchtwert können vorzeitig berechnet werden. Interessant sind auch die Zusammenhänge der neuen Merkmale mit bereits vorhandenen Merkmalen im Gesamtzuchtwert. Auch diese Zusammenhänge werden im Zuge des geplanten Projekts geklärt.

Genomische Selektion Zudem sollen rund 1.100 Sauen genotypisiert werden. Die Genotypisierung von Nutztieren ist die Voraussetzung für die genomische Selektion. Derzeit wird in Österreich methodisch an der Weiterentwicklung der genomischen Selektion gearbeitet. Durch weitere Information kann die Lernstichprobe erweitert und langfristig genomisch optimierte Zuchtwerte für die Rasse Edelschwein und Landrasse geschätzt werden.

Robuste Sauen mit guten Muttereigenschaften Eine weitere bedeutende Rolle für hohe Absetzleistungen spielt das mütterliche Verhalten der Sau. Gute mütterliche Verhaltensweisen (z. B. ausgeprägtes Nestbauverhalten, gutes Säugeverhalten) führen zu erhöhten Überlebensraten der Ferkel. Diese Verhaltensweisen sind genetisch verankert, weisen allerdings niedrige Erblichkeiten auf, können aber bei guter Datenerfassung züchterisch bearbeitet werden. Das Ziel sind robuste Sauen mit guten Muttereigenschaften. Die optimale Wurfgröße soll eine Aufzucht von möglichst vielen homogenen und vitalen Ferkeln sicherstellen.

Gesunde und vitale Ferkel sind das Ziel. Foto: SIMONS 1 2017 | OptiZucht | 23


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VOES_ 1_2017_f.qxp_VÖS 1/2005 26.02.17 12:59 Seite 24

Eberauswahl bei der Spermabestellung: Bringts das? Die Grundlage für eine ökonomisch erfolgreiche Schweineproduktion wird mit hohen biologischen Leistungen gelegt. Die Basis dafür bildet eine solide Genetik. Ohne diese erreichen Management und Fütterung irgendwann ihre Grenzen. Trotzdem überlässt ein großer Teil der Ferkelerzeuger die Auswahl der Eber bei der Samenbestellung nach wie vor dem Zufall und lässt so viel Potential brach liegen. LK-Experte Helmuth Raser hat den Nutzen von Spitzen-Ebergenetik analysiert.

Ferkelproduzenten haben es in der Hand! Ein reiner Mäster hat keinen Einfluss auf die genetische Ausstattung seiner Tiere, ebenso ein Ferkelproduzent, der seine Jungsauen zukauft. Wer jedoch seine Nachzucht selbst produziert, hat es in der Hand, den Zuchtfortschritt, der jedes Jahr auf der Zuchtebene hart erarbeitet wird, gezielt zu nutzen und auf den eigenen Betrieb zu holen. Auch wenn Sauen eines neuen Geburtsjahres pro Jahr etwa 0,18 Ferkel mehr absetzen als jene des Vorjahres, gibt es deutliche Unterschiede innerhalb einer Generation.

24 | Eberauswahl | 1 2017

Die Nachkommen eines Ebers der besten 15 % der Edelschwein- und Landrassepopulation laut Gesamtzuchtwert produzieren beispielsweise um 0,8 abgesetzte Ferkel mehr pro Jahr als jene eines Durchschnittsebers. Wenn diese Ferkel auch verkauft werden können, entspricht dies einem Grenznutzen von ca. 60 €/Sau/Jahr. Herausragende Eber können sogar diese Leistung nochmals um etwa das Zweifache toppen. Höhere Kosten für das Sperma solcher Vererber werden somit weit mehr als nur wettgemacht.

Zahlt sich eine höhere Mastleistung nur für meinen Mäster aus? Die Mast- und Schlachtleistung der Mastschweine kann jeder Ferkelproduzent durch die gezielte Auswahl des Endstufenebers beeinflussen. Bei einem eigenen Eber sollte man genau überlegen, wie lange man ihn einsetzen wird. Die Spermaqualität nimmt mit steigendem Alter ab.


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Zudem entgeht einem Betrieb mit jedem zusätzlichen Nutzungsjahr beispielsweise ein Zuchtfortschritt von ca. fünf Gramm Tageszunahmen, 0,01 kg/kg Futterverwertung und 0,1 % MFA. Was nicht viel klingt, bedeutet aber jedes weitere Jahr einen Verlust von etwa 0,5 € pro Mastschwein. Im vierten Nutzungsjahr wären das bereits 1,5 € pro verkauftem Tier. Bei einem Betrieb mit 1000 geschlachteten Mastschweinen entspricht das 1500 €. Ein Betrag, mit dem man schon einen neuen Deckeber finanzieren kann. Die gezielte Eberauswahl bringt auch bei zugekauftem Sperma Vorteile. Für einen kombinierten Schweinehalter liegt es auf der Hand, dass sich die Auswahl eines speziellen Ebers bei der Samenbestellung auf die Mastleistung auswirkt. Ein Nutzen ergibt sich auch für den reinen Ferkelproduzenten. Eine um 0,1 kg/kg verbesserte Futterverwertung der Ferkel spart pro Sau und Jahr beispielsweise Futterkosten von etwa 25 €. Nutzt man nur bestimmte Eber mit ähnlichem Leistungsniveau zum Belegen einer Sauengruppe, hat das zusätzlich den Effekt, dass die Ferkel gleichmäßiger wachsen. Man kann größere einheitlichere Partien verkaufen und dadurch Zuschläge auf den Ferkel- bzw. Mastschweinepreis generieren. Zusätzlich steht der Stall beim Ferkelproduzenten bzw. beim Mäster schneller wieder zur Verfügung. Da vor allem der Mäster vom gezielten Einsatz einzelner Eber profitiert, ist es auch eine Überlegung wert, dem Ferkelproduzenten eine Abgeltung für eventuell höhere Kosten zukommen zu lassen, damit dieser Mastschweine mit bestem genetischen Potential liefert. Der Unterschied zwischen einem Durchschnittseber und einem aus den besseren 15 % macht bei deren Nachkommen in der Mast ca. 15 g Tageszunahmen, 0,45 % MFA und 0,05 kg/kg Futterverwertung aus. Das bedeutet einen Grenznutzen von jeweils etwa 1,1 € (Tageszunahmen), 1,1 € (MFA) und 1,2 € (Futterverwertung) pro verkauftem Mastschwein. Da Tageszunahmen und Futterverwertung nur schwer getrennt voneinander betrachtet werden können, bleibt immerhin ein Mehrwert zwischen 2 € und 2,5 € pro Mastschwein. Auch in diesem Fall gilt: einzelne Eber erreichen mehr als das Doppelte der genannten Leistungen. Bei diesen Beispielen wird der Vergleich mit einem Durchschnittseber angestellt und die Abweichung nach oben dargestellt. Selbige treten natürlich auch in die andere Richtung auf, was zeigt, wie groß die genetische Variation und das Potential unserer Schweinepopulation ist.

Es wird von einer Anpaarung eines Ebers mit einer „Durchschnittssau“ ausgegangen. Die genetische Ausstattung der Muttertiere muss auch bedacht werden, da der Eber eben nur das halbe Mastschwein „macht“.

Kann ich das selbst? Bei der Entscheidung für einen Eber helfen neben den im Eberkatalog angeführten Gesamtzuchtwerten auch Auszeichnungen bei den einzelnen Besamungsstationen (Tabelle 1). Diese erhalten Tiere, die sich mit überdurchschnittlichen Leistungen in der Prüfanstalt und auf Praxisbetrieben bewährt haben. Je nach Auszeichnung müssen sie auch ein mehr als überdurchschnittliches Ergebnis beim Zuchtwert für Anomalien aufweisen und Mutterrasseeber werden seit November 2016 genomisch vorselektiert. Die Qualitätskriterien sind auf den einzelnen Besamungsstationen unterschiedlich definiert und können auf deren Homepages nachgesehen werden. Die Zuschläge auf Spermatuben dieser Eber liegen bei Pietrain zwischen 0,5 € und 3 €, bei den „weißen Rassen“ bei etwa 5 €. Diese werden durch die höhere erzielbare Leistung mehr als ausgeglichen.

All diese Bewertungen orientieren sich am ÖHYB-Zuchtprogramm. Zum Vergleich der Tiere werden mehrere Merkmale nach ökonomischen Faktoren gewichtet und im Gesamtzuchtwert zusammenfasst. 100 Punkte stellen den Populationsdurchschnitt dar. Eber mit mehr als 120 Punkten gehören zu den besten 15 % der österreichischen Population und solche mit mehr als 140 zu den besten 2,5 %. Österreichweit können auf dieser Basis alle Tiere einer Rasse miteinander verglichen werden. Wer gezielt bestimmte Merkmale seiner Herde verbessern möchte, muss sich auch mit den Naturalzuchtwerten auseinandersetzen. Damit eine Leistungsverbesserung bei einem Merkmal nicht auf Kosten eines anderen Merkmals geht, müssen die genetischen Korrelationen zwischen diesen berücksichtigt werden. Das setzt jedoch ein gewisses züchterisches Hintergrundwissen voraus. Wer also die Möglichkeit der gezielten Eberauswahl nutzen möchte, sollte deshalb auch die Hilfe der Mitarbeiter der Besamungsstationen, der Schweinezuchtverbände und der einzelnen Landwirtschaftskammern in Anspruch nehmen. Helmuth Raser, BSc Schweineberatung LK NÖ

Tabelle 1: Besamungsstationen zeichnen zur vereinfachten Orientierung für ihre Abnehmer herausragende Eber aus und passen diese regelmäßig an. Quelle: Besamungsstationen Hohenwarth, Steinhaus, Gleisdorf.

Die Qualität der Eber und vor allem von deren Samen kann nur über die Besamungsstationen garantiert werden. Quelle: Besamungsstation Hohenwarth 1 2017 | Eberauswahl | 25


VOES_ 1_2017_f.qxp_VÖS 1/2005 26.02.17 12:59 Seite 26

Aktuelle Tierseuchen: Afrikanische und Klassische Schweinpest Seit dem erstmaligen Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in den osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Jahr 2014 ist diese gefährliche Tierseuche medial wieder in den Hintergrund getreten. Zu Unrecht, wie aktuelle Entwicklungen zeigen. Dr. Michael Dünser, Leiter des Instituts für Veterinärmedizinische Untersuchungen Linz der AGES, informiert über die aktuelle Tierseuchensituation beim Schwein in Europa. Afrikanische Schweinepest (ASP)

Dr. Michael Dünser AGES Leiter der Taskforce Schweinepest Quelle: AGES

Die ASP ist in Europa keine völlig unbekannte Seuche, so gab es in der Vergangenheit bereits Ausbrüche in Frankreich (1964), Malta (1978), Belgien (1985), den Niederlanden (1986), Spanien (1960-1995) und Portugal (1957, 19601994, 1999). In Sardinien verläuft bereits seit 1978 ein ASP Seuchengeschehen in der Wildschweinpopulation und bei ausgewilderten Hausschweinen, dessen nachhaltige Bekämpfung bislang nicht von Erfolg gekrönt war, wenngleich eine Verschleppung auf das italienische Festland bisher erfolgreich verhindert werden konnte. Alle erfolgreich verlaufenen ASP Bekämpfungsmaßnahmen haben gemeinsam, dass nur durch umfangreiche veterinärbehördliche Sperr- und Keulungsmaßnahmen eine weitere Ausbreitung dieser Seuche und somit noch größere ökonomische Schäden verhindert werden konnten. Der derzeit in manchen Nachfolgestaaten der Sowjetunion bzw. in der Russischen Föderation laufende ASP Seuchenzug nahm seinen Ausgang im Mai 2007 in Georgien und rückte mit Folgeausbrüchen in der Ukraine (2012), in Weißrussland (2013) bzw. im Grenzgebiet der Russischen Föderation zu Estland und Finnland auch in die unmittelbaren Nachbarschaft der Europäischen Union. Im Jänner 2014 wurde diese

Tab. 1: Anzahl der ASP Ausbrüche im Jahr 2015-2016. Quelle: ADNS, EC 26 | Tierseuchen |1 2017

gefährliche Tierseuche erstmals bei Wildschweinen im EU-Mitgliedsstaat Litauen in unmittelbarer Nähe zu Weißrussland festgestellt, Mitte Februar 2014 wurden dann die ersten Nachweise bei Wildschweinen in Polen gemeldet. Wie die aktuellen Auswertungen der europäischen Kommission für das Jahr 2016 zeigen, bleibt das ASP Seuchengeschehen weiterhin bestehen, wobei bei den Wildschweinen gegenüber 2015 eine erhebliche Zunahme an ASP-Ausbrüchen zu verzeichnen ist . (Tabelle 1). Am 28.12.2016 wurde erstmals ASP bei Wildschweinen in der Südukraine (Bezirk Vynohradiv, Oblast Transkarpatien) im unmittelbaren Grenzgebiet zu Rumänien (Entfernung 6 km) und Ungarn (Entfernung 20 km) nachgewiesen. Somit ist der nächstgelegene ASP Ausbruchsherd nur mehr 450 km Luftlinie von der Österreichischen Staatsgrenze entfernt. Es ist wahrscheinlich auch nur mehr eine Frage der Zeit, bis das ASP Geschehen auf die Wildschweinpopulationen in Ungarn und Rumänien übergreift, somit wäre dann die ASP erstmals in einem Nachbarland angelangt. Anders als bei der Klassischen Schweinepest gibt es für die ASP keine Möglichkeit des Einsatzes von Impfstoffen. Vordringlichstes Ziel ist es daher, alle Maßnahmen zu ergreifen, einen Eintrag der ASP in freie Regionen bzw. Länder zu verhindern sowie alle Verdachtsfälle bei Hausund Wildschweinen umgehend zu melden und diagnostisch abzuklären.


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Klassische Schweinepest (KSP) Auch wenn es im vergangenen Jahr zu keinen KSP-Ausbrüchen in der EU gekommen ist und der letzte Nachweis von KSP beim Wildschwein (2003) bzw. Hausschwein (1995) in Österreich schon lange zurückliegt, sollte immer auch an das Risiko des Auftretens der KSP in heimischen Schweinebeständen gedacht werden. Dem rechtzeitigen Erkennen eines Primärausbruchherdes kommt entscheidende Bedeutung zu, um eine weitere Ausbreitung und die daraus resultierenden massiven Folgeschäden zu verhindern. In Österreich erfolgt daher ein vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) finanziertes risikobasiertes Überwachungsprogramm, um etwaige KSP Ausbrüche frühzeitig zu erfassen. Dazu werden Proben aus der Schlachttierund Fleischuntersuchung, Tierkadaver aus den Tierkörperverwertungsanstalten, Proben aus den diagnostischen Einsendungen der AGES sowie Blutproben aus dem Aujeszky Überwachungsprogramm herangezogen (Tabelle 2).

Tab. 2: KSP Überwachungsprogramm in Österreich.

Quelle: AGES

Schlussfolgerung Aufgrund der klinischen Symptomatik ist eine Unterscheidung von ASP und KSP nicht möglich, weshalb vom nationalen Referenzlabor für ASP und KSP der AGES Mödling alle Verdachtsproben auch auf beide Virustypen untersucht werden. Die aktuellen Entwicklungen zeigen einmal mehr, dass weiterhin erhöhte Vorsicht geboten ist und sich ASP in der Schwarzwildpopulation - auch in Richtung Österreich - weiter ausbreitet.

Hochgradiges Fieber und massive Hautblutungen bei KSP . Quelle: AGES

Punktförmige Blutungen an der Hautoberfläche sind immer ein wichtiges Anzeichen für ASP oder KSP. Quelle: AGES

Bei akuter ASP-Infektion zeigen die Schweine hochgradiges Fieber, Schläfrigkeit und blaue Verfärbung der Haut aufgrund von Kreislauf- und Atemstörung. Quelle: AGES 1 2017 | Tierseuchen | 27


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VOES_ 1_2017_f.qxp_VÖS 1/2005 26.02.17 12:59 Seite 28

Körnermais: Auf Kolbenfäulebefall achten! Körnermais ist oftmals die Hauptkomponente im Schweinefutter. Die Qualität des Körnermais – vor allem die Freiheit von Pilzgiften, den Mykotoxinen, ist für den Erfolg in der Schweinehaltung, ob nun Zuchtsauenhalter und Ferkelproduzent oder Schweinemäster, ausschlaggebend. Pilzgifte in Körnermais gehen überwiegend auf den Befall mit Kolbenfäule zurück. Die Verursacher der Kolbenfäule sind bei uns in aller Regel Fusarium-Pilze, die artspezifisch auch unterschiedliche Mykotoxine bilden.

Abb. 1: Anteil der Proben mit DON-Gehalten in den verschiedenen Gehaltsklassen je Ausprägungsstufe in 2014. Quelle: Mechtler 28 | Mykotoxine | 1 2017

Ein wichtiger Fusarium-Pilz auf Körnermais ist F. graminearum, der die Mykotoxine Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA) bildet. Weitere häufige Fusarium-Pilze auf Körnermais sind F. proliferatum und F. verticillioides, welche Fumonisine (FUM) bilden. Diese beiden Pilze werden in warmen, trockeneren Jahren und in den wärmeren Anbaugebieten stärker beobachtet. F. graminearum dagegen tritt vor allem in feuchten, nicht zu warmen Jahren wie z. B. 2014 auf. Mykotoxine können die Ursache von verminderter Leistungsfähigkeit des Tierbestandes sein und beeinträchtigen den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes. Die Nutztierarten sind unterschiedlich sensibel. Insbesondere Schweine reagieren besonders empfindlich auf diese Mykotoxine. Während sich DON in niedrigen Dosen negativ auf die Futteraufnahme und Gewichtszunahme auswirkt, führen hohe Dosen eher zu Übelkeit und Erbrechen. ZEA verursacht durch seine östrogenähnliche Struktur hingegen Fruchtbarkeitsstörungen, Aborten oder Sterilität der Tiere.


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Fumonisine werden mit Zellmembranschädigungen, Speiseröhrenkarzinomen und Embryonalfehlbildungen in Verbindung gebracht. Seit 2011 werden bei Körnermais diese Mykotoxine am Prüfnetz der amtlichen Sortenversuche und der Streifenversuche der Landwirtschaftskammern, welches das gesamte österreichische Körnermaisgebiet von der Bayerischen Grenze bis ins Kärntner Becken abdeckt, mit insgesamt ca. 100 Sorten und etwa 1.200 Proben, untersucht. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Regel im trockeneren Pannonikum festgestellt. Stärker belastet zeigten sich die beiden feuchteren Anbauregionen, wobei die Mykotoxingehalte im Nordalpinen Feuchtgebiet meist über jenen im Süden und Südosten lagen. Die klimatischen Bedingungen im Nordalpinen Feuchtgebiet kommen dem DON- und ZEA-Bildner F. graminearum eher entgegen. Dieser Pilz verhält sich auf den befallenen Pflanzen aggressiver als andere Fusarium-Arten, was die meist höheren Belastungen mit DON und ZEA in dieser Anbauregion erklärt.

Sortenunterschiede

Anbaugebiet Das Auftreten der Fusarium-Arten und die Mykotoxinbelastung ist auch vom Maisanbaugebiet abhängig. Unterteilt man das gesamte österreichische Körnermaisgebiet in einen nördlichen, östlichen und südlichen Anbauraum, hier bezeichnet als die Maisanbauregionen Nordalpines Feuchtgebiet (Innviertel, Westbahngebiet, Wald- und Mühlviertel), Pannonikum (Weinviertel, Marchfeld, nördliches Burgenland) und Illyrikum (Mittelund Südburgenland, Südoststeiermark, Alpenostrand und Kärntner Becken), so wurden in den mehrjährigen Auswertungen die niedrigsten Belastungen mit DON und ZEA in der

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Die Vermeidung von maisintensiven Fruchtfolgen, soweit eben möglich, eine gute Zerkleinerung der Ernterückstände zur Ausschaltung der Maiszünslerraupen in den Stängelresten sowie eine Bodenbearbeitung, die eine rasche Strohrotte unterstützt, senken das Infektionspotenzial, auch für Nachbarflächen.

Kurz gesagt

Jahreswitterung Der Witterungsverlauf hat maßgeblichen Einfluss auf die Mykotoxinbelastung. Feuchtes Wetter während der Blüte begünstigt die Infektion der Kolben über die Narbenfäden. Ein nasser September behindert die Abreife und Trocknung der Kolben. Die höheren Wassergehalte im Kolben ermöglichen ein andauerndes Pilzwachstum mit entsprechend höheren Mykotoxingehalten. Während in trockenen Jahren die Bedeutung der Mykotoxine in der Tierproduktion eher in den Hintergrund tritt, können die Mykotoxingehalte in nassen Jahren ausschlaggebend für die Einsatzmöglichkeiten von Mais als Futtermittel sein. Lokale Ereignisse wie Hagelschlag oder gebietsweise stärkeres Auftreten des Maizünsler verschärfen die Situation, da die mechanischen Verletzungen den Pilzsporen als Eintrittsöffnungen dienen. Durch Hagelschlag geschädigter Körnermais ist im Hinblick auf den Befall mit Kolbenfusariosen und Mykotoxinbelastung wesentlich stärker gefährdet als ein ungeschädigter Bestand. Ebenso können Frühfröste im Herbst durch Störung des Abreifeprozesses stark befallsfördernd wirken.

Bodenbearbeitung und Fruchtfolge

Die Auswahl geeigneter Sorten ist eine wichtige Maßnahme um das Mykotoxinrisiko zu vermindern. Neue und bereits gelistete Sorten sind in der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste (www.baes.gv.at) für das Merkmal „Kolbenfäule“ basierend auf dem Befall der Kolbenoberfläche und den oben erwähnten Mykotoxinanalysen eingestuft (derzeit Ausprägungsstufen 3-7, 3=gering, 7=stark anfällig). Sorten mit geringer Anfälligkeit für Kolbenfäule zeigen besonders in Jahren oder Situationen mit starkem Befallsdruck wesentlich niedrigere Gehaltswerte als anfällige Sorten. So waren im Befallsjahr 2014 DON- und ZEA-Gehalte der stark anfälligen Sortengruppe (APS 7) im Mittel viermal höher als jene der gering anfälligen Sortengruppe mit APS 3. In trockeneren Jahren ist dieser Unterschied nicht so stark ausgeprägt, dennoch erreicht man auch in diesen Fällen mit wenig anfälligen Sorten die niedrigeren Mykotoxinbelastungen.

Erntezeitpunkt Die möglichst zeitgerechte Ernte ist eine weitere wirksame Maßnahme zur Vermeidung kritisch hoher Mykotoxingehalte in den Maiskörnern. Der Trocknungsprozess bzw. im Falle von Mus-Mais der Siliervorgang stoppen das Pilzwachstum und damit die Bildung der Pilzgifte im Korn. Zwei bis drei Wochen Verzögerung beim Maisdrusch können bei feuchter Witterung bereits eine relevante Qualitätsverschlechterung mit sich bringen. Regnerische Witterung kann auch durch mangelnde Befahrbarkeit der Felder eine rechtzeitige Ernte unmöglich machen. Eine Auswertung der Monitoringdaten der Jahre 2011 bis 2015 ergab, dass ein Anstieg der Mykotoxingehalte bei späteren Ernteterminen zwar in allen drei Regionen zu erwarten ist, dieser aber im Nordalpinen Feuchtgebiet am stärksten erfolgt.

Die Anhäufung von Risikofaktoren für den Kolbenfäulebefall und die sich daraus ergebende Mykotoxinbelastung ist zu vermeiden. Die Jahreswitterung hat den größten Einfluss und kann über die Vegetationsdauer von Mais nicht vohergesagt werden. Die Maßnahmen zur Verringerung des Kolbenfäulebefalls von der Sortenwahl, Erntezeitpunkt bis hin zur Fruchtfolgegestaltung und Bodenbearbeitung sollten daher immer beachtet werden, sind aber umso wichtiger in Gebieten mit bekanntermaßen höherem Befallsdruck und bei einer geplanten Verwertung des Maises im Schweinefutter. Diese Maßnahmen helfen auch in Jahren mit schwieriger Witterung, entsprechend verwertbare Qualitäten zu erzeugen, um in der Fütterung nicht auf „Mykotoxinbinder“ zurückgreifen zu müssen.

Vorerntemonitoring ab Anfang September 2017 Im Zusammenhang mit dem Erntetermin sei schon auf das Vorerntemonitoring im September hingewiesen, durchgeführt vom LFI, AGES und den Landwirtschaftskammern. Bereits Wochen vor der Haupternte werden Proben zu mehreren Terminen im obengenannten, flächendeckenden Versuchsnetz gezogen und auf Mykotoxine analysiert. Die Ergebnisdarstellung kann unmittelbar unter www.warndienst.lko.at oder auf der AGES-Homepage unter https://www.warndienst-pflanzengesundheit.at/warndienst/ >LK-Warndienst eingesehen werden. Diese Vorinformation dient dem Landwirt dazu, die Dringlichkeit einer zeitgerechten Ernte zur Vermeidung höherer Mykotoxinbelastungen abzuschätzen. DI Klemens Mechtler Dr.in Elisabeth Reiter DIin Sabrina Kuchling DI Hans Felder

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Emissionsminderung in Schweinestallungen Immer öfter kommt es im Umfeld von Schweinestallungen zu Anrainerbeschwerden wegen Geruchsbelastung. Auch in Genehmigungsverfahren wird die Geruchsemission zu einem wichtigen Thema und es wird immer schwieriger, geplante Stallbauprojekte umzusetzen. Besonders bei Bauvorhaben mit größeren Tierzahlen im Schweinebereich werden Stimmen nach dem Einbau von kostenintensiven Abluftreinigungsanlagen laut. Es lassen sich aber auch ohne Abluftreinigung effektive geruchsmindernde Maßnahmen innerhalb und außerhalb des Stalles setzen und diese sind oft nicht einmal mit hohen Kosten verbunden. Welche oft sehr einfachen Maßnahmen zur Geruchsminderung beitragen können, zeigt der folgende Artikel von LK-Experte Gottfried Etlinger.

Lüftungssysteme verbessern Vor allem in der Gestaltung der Abluft von zwangsgelüfteten Ställen liegen beachtliche Potentiale, um die Geruchswahrnehmung im Umfeld zu mindern. Grundsätzlich sollte sich der Abluftpunkt mindestens 10 Meter über Grund und mehr als 1,5 Meter über First befinden. Die Ausblasgeschwindigkeit der Stallluft liegt idealerweise bei 7 m/sec und mehr. Hohe Ausblasgeschwindigkeiten verlagern die Abluft in höhere Luftschichten. Die Stallluft vermischt sich sehr gut mit der Außenluft und die Geruchswahrnehmung am Immissionspunkt ist vergleichsweise

30 | Emissionen | 1 2017

geringer als bei niedrigeren Geschwindigkeiten. Liegen die Abluftöffnungen nur knapp über dem First oder gar darunter, kommt es zum sogenannten „Downwash-Effekt“. Die Abluft gelangt in Luftströmungen entlang der Dachfläche und wird im Nahbereich des Stallgebäudes wieder nach unten gedrückt. In der Praxis tritt dann auch oft das Problem auf, dass die über dem Dach austretende Stallluft sofort wieder über die Traufe angesaugt wird und das Stallklima darunter leidet. Bei zentralen Abluftsystemen empfiehlt sich die Gruppenschaltung der Ventilatoren.


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Bei niedrigen Luftraten läuft nur ein Ventilator mit entsprechender Leistung und somit auch mit hoher Ausblasgeschwindigkeit. Bei steigenden Luftraten werden nach und nach die weiteren Ventilatoren zugeschaltet. Weitwurfdüsen und Bypasslüfter werden ebenfalls oft zur Verbesserung der Geruchsbelastung in der Nachbarschaft eingesetzt. Es ist aber zu bedenken, dass die Lärmbelastung bei diesen Systemen höher ist, und es dadurch auch wieder zu Anrainerbeschwerden führen kann. Durch den höheren Luftwiderstand an der Weitwurfdüse bzw. dem zusätzlichen Ventilator in der Bypasslüftung fallen darüber hinaus zusätzliche Energiekosten an. Eine absolut kostenfreie Maßnahme zur Verbesserung der Abluftsituation, großteils bei älteren Stallungen, ist die Demontage von Kaminabdeckungen. Derartige Einrichtungen erhöhen den Energieverbrauch und begünstigen den vorher beschriebenen „Downwash-Effekt“, da die Stallluft nicht ungehindert nach oben abströmen kann. Vor allem bei der Nachrüstung von Schwerkraftkaminen mit Ventilatoren sind Abdeckungen der Kamine nicht mehr nötig und unbedingt zu entfernen. Die Montage von Diffusoren an den Abluftkaminen ist ebenfalls kritisch zu sehen. Diffusoren bringen zwar energietechnisch Vorteile, aber durch den größeren Durchmesser der Austrittsöffnung sinkt die Ausblasgeschwindigkeit doch erheblich.

sollten in allen Stallungen oberstes Ziel sein.

Möglichst kurzzeitige Lagerung des Flüssigmistes im Stall. Lagerung des Flüssigmistes in separaten, abgedekkten Behältern außerhalb des Stalles.

Damit die Geruchsentwicklung in den Stallungen möglichst gering gehalten werden kann, muss vor allem in den Sommermonaten die Stalltemperatur so gering wie möglich gehalten werden. Durch die Kühlung der Zuluft über Erdwärmetauscher, Schotterspeicher, CoolPads oder durch Hochdruckvernebelung von Wasser kann die Stalltemperatur niedrig gehalten werden und es können die Luftraten ebenfalls etwas geringer gehalten werden.

Verwendung ausreichender Einstreumengen in entsprechender Qualität damit Kot und Harn vollständig gebunden werden können. Für Haltungssysteme, die vollständige Bindung des Harns nicht gewährleisten, Sicherstellung eines geregelten Jaucheabflusses durch Gefälle und Rinnen.

Weiters empfiehlt es sich, bestehende Lüftungssysteme regelmäßig auf eventuelle Fehler zu überprüfen. In vielen Fällen stehen Lüftungsfehler, z. B. Falschlufteintrag aus dem Güllesystem in den Tierbereich, in unmittelbarem Zusammenhang mit schlechter Tiergesundheit und erhöhten Emissionen.

regelmäßiges Entmisten und Ein/Nachstreuen

Sicherstellung der Funktionssicherheit von Tränken

Förderung der Ausbildung von Funktionsbereichen in Stallsystemen für Schweine. Bei Teilspaltenbodenbuchten: Gewährleistung von Trockenheit und Sauberkeit der planbefestigten Flächen

Bei allen Reduktionsmaßnahmen sollten vor Umsetzung auch die Investitions- und Betriebskosten betrachtet werden. Am kostengünstigsten und effektivsten ist es, Maßnahmen im Tierbereich umzusetzen. Es sind oft einfache Adaptionen welche wesentliche Verbesserungen im Stall und damit auch im Umfeld bringen.

Folgende Maßnahmen im Bereich der Haltung führen zur Minderung der Emissionen aus dem Tierbereich („Gute fachliche Praxis“, KTBL):

Gottfried Etlinger LK NÖ

Emissionen im Tierbereich gering halten Emissionen, welche im Tierbereich verringert werden oder erst gar nicht entstehen, führen auch außerhalb des Stalles zu keinen Problemen. In der Anpassung des Stallklimas und weiteren Maßnahmen in der Haltung und dem Management liegen große Potentiale, welche oft nicht ausgeschöpft werden. Großen Einfluss auf die Emissionen im Tierbereich hat die Gestaltung der Bodenfläche. Je größer der Anteil an verschmutzten Flächen im Stall, umso höher sind auch die Ammoniakemissionen und damit auch die Geruchsentwicklung. Größtmögliche Sauberkeit und Trockenheit auf allen Aktivitäts- und Liegeflächen

Kaminabdeckungen erhöhen den Energieverbrauch und hindern die Verlagerung der Stallluft in höhere Schichten. Entsprechende Austrittshöhen über First begünstigen hingegen die Vermischung der Stallluft mit der Außenluft (siehe Bild Seite 30). Quelle: Etlinger

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Rund ums Schwein - online Der erste Weg um an Informationen zu gelangen, führt heutzutage für viele Menschen zu aller erst an den Computer um zu „Googeln“. Der Zugang zu Kurzinfos gelingt damit rasch, es ist aber oft nicht einfach, an aufbereitete und zusammenhängende Informationen zu gelangen. Vor allem im Bereich der Landwirtschaft findet man bei der Suche im Internet oftmals Halbwahrheiten. Außerdem sind komplexe Themen wie die Schweinehaltung nur selten für Kinder und Jugendliche altersgerecht aufgearbeitet. Im Rahmen der Neukonzipierung des Schweinelehrpfades wurde auch die Website www.rund-ums-schwein.at einer Neugestaltung zugeführt. Diese präsentiert sich ganz im Layout des neuen Lehrpfades „Moderne Schweinehaltung“. Kernpunkte sind ein „virtueller Rundgang“ durch einen Bauernhof mit Schweinehaltung, welcher die wichtigsten Eckpunkte der Schweinehaltung erklärt, sowie Rätsel und Spiele, um die Inhalte noch einmal zu wiederholen. Einige Unterrichtsmaterialien, die von Lehrerinnen und Lehrern oder auch von Kindern verwendet werden können, sind auf rund-ums-schwein.at als Download verfügbar. Auf der Website kann über ein Kontaktformular auch gleich der Schuleinsatz des neuen Schweinelehrpfades kostenlos gebucht werden! Achtung Kinder: Im Jahr 2017 wird auf der Homepage ein Gewinnspiel veranstaltet, bei dem ihr Gewinnspielpakete gewinnen könnt. Wenn ihr den Rundgang durch den Schweinebauernhof absolviert habt, sind die Gewinnspielfragen sicher kein Problem für euch! Schaut also vorbei auf www.rund-ums-schwein.at! Die Website soll einerseits möglichst altersgerechte Informationen über die Schweineproduktion liefern und Lust auf mehr machen. An dieser Stelle dürfen wir uns herzlich beim BMLFUW, der AMA Marketing, der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik sowie den Designern und Programmierern der Website bedanken. Die Homepage ist nur ein erster Schritt, um den Kindern und Jugendlichen die Schweinehaltung in Österreich näher zu bringen. Kernstück bleibt der Schweinelehrpfad und dessen Einsatz in der Schule durch Seminarbäuerinnen.

32 | Rund ums Schwein | 1 2017

Der neue Schweinelehrpfad „Moderne Schweinehaltung“ ist online. Quelle: VÖS


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Neue Initiative: Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich stellt sich vor Am 09.01.2017 erfolgte im Rahmen eines Neujahrsempfangs im BMLFUW der offizielle Start des „Vereins Nachhaltige Tierhaltung Österreich“ (NTÖ). Ausgangspunkt der Vereinsgründung war die Unterzeichnung des Tierzuchtpaktes 2020 der Dachverbände für Rinder, Schweine, Geflügel, Schafe, Ziegen und Pferde mit Bundesminister Andrä Rupprechter im Herbst 2015. Diese Vereinbarung stellte ein klares Bekenntnis von Bund und Ländern zu Produktion und Organisation der bäuerlichen Tierhalterinnen und -halter in Österreich dar. Fast 50 % des gesamten landwirtschaftlichen Produktionswertes entfallen auf die tierische Erzeugung, die somit den wichtigsten Sektor innerhalb der landwirtschaftlichen Produktion darstellt. Die Herausforderungen für die heimische kleinstrukturierte Landwirtschaft sind groß: Globalisierung, liberalisierte Märkte, Strukturwandel, gesellschaftliche Veränderungen, Landflucht schreiten unaufhaltsam voran. Hier ist mehr denn je wichtig, dass die Tierzucht- und Vermarktungsorganisationen Lösungen und effiziente Hilfestellungen anbieten. Die heimischen Bäuerinnen und Bauern versorgen die Konsumenten täglich mit frischen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und achten auf einen nachhaltigen Kreislauf in den natürlichen Gegebenheiten. Sie leisten einen essentiellen Beitrag zur Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft und tragen wesentlich zum Erfolg des heimischen Tourismus bei. Dazu werden tausende Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Sektoren der Wirtschaft gesichert. Der erste Schritt für eine engere Zusammenarbeit und Bündelung der Kräfte innerhalb der Nutztierbranche war die Gründung des „Vereins Nachhaltige Tierhaltung Österreich“ am 11.4.2016 im Haus der Tierzucht in Wien. Die Aufgaben sind breit gefächert: Sie reichen einerseits als Anbieter von Bildungsveranstaltungen für die heimischen Tierhalter bis zur Abhaltung von Info- und Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen Themen. Fragen und Inhalte, die allen Nutztiersparten gemeinsam sind, sollen in Kooperation bearbeitet und kommuniziert werden.

Dazu sind auch Positionspapiere und Presseaussendungen geplant. Der NTÖ soll so kompetenter Ansprechpartner für die Politik sowie für die Interessenvertreter der bäuerlichen Familienbetriebe sein. „Themen, die sowohl für die landwirtschaftlichen Betriebe als auch für die Konsumenten relevant sind, wie Herkunft, Nachhaltigkeit, Qualität und Sicherung unserer Lebensmittel sollen via unserer Plattform mit und in der Öffentlichkeit kommuniziert werden“, betont NTÖObmann Robert Wieser. Der NTÖ fungiert als Drehscheibe zwischen den Bauern, Verarbeitern, Vermarktern und Konsumenten. Er ist aber auch Bindeglied zu Politik, Wirtschaft und Wissenschaft“. Für das Jahr 2017 haben die Mitgliedsorganisationen des NTÖ den Fokus ihrer Zusammenarbeit auf das allen Sparten der tierischen Produktion gemeinen Thema der Herkunftskennzeichnung im Außer-HausVerzehr gesetzt. Der Einstieg zur Positionierung in die Bereiche Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und Interessensvertretung wurde bereits gelegt. Der NTÖ ist bereits ISO 29990 QM zertifiziert und vom BMLFUW als Bildungsanbieter anerkannt.

Die Mitglieder des NTÖ sind: •

Zentrale Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR)

Arbeitsgemeinschaft Rind (ARGE Rind)

Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS)

Zentrale Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG)

Österreichischer Bundesverband der Schafe und Ziegen (ÖBSZ)

Zentrale Arbeitsgemeinschaft österreichischer Pferdezüchter (ZAP)

Derzeitiger Obmann ist Ök.-Rat Robert Wieser (ZAG), Obmann-Stellvertreter Stefan Lindner (ZAR). Zahlen, Daten und Fakten sowie die geplanten Aktivitäten sind unter der Homepage www.nutztier.at abrufbar. R. Eder (ZAR) VÖS Redaktion

Die Obmänner der Mitgliederverbände des NTÖ mit DI Michael Wurzer (ZAG) stellten den Verein vor. Quelle: Kalcher/ZAR 1 2017 | NTÖ | 33


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Schweinebraten mit knuspriger Schwarte

Foto: AMA

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Zubereitung 1. Schwarte schröpfen: Schwarte in ca. 1 ½ cm Abständen kreuzweise einschneiden 2. Bratenstück salzen und pfeffern 3. Fett in der Bratpfanne erhitzen – Braten mit der Schwarte nach unten einlegen 4. Backrohr auf 150°C vorgeheizen – Pfanne auf mittlere Schiene stellen. Nach einer Stunde Bratzeit das Fleisch umdrehen. 5. Hitze auf ca. 200°C erhöhen. Immer wieder Fett aus der Bratpfanne abschöpfen. 6. Bildet sich am Pfannenboden Bratensatz, mit etwas Suppe untergießen. 7. Gegen Ende der Bratzeit (ca. 2 ½ h) – fein blättrig geschnittenen Knoblauch und Kümmel in den Bratensaft geben. 8. Braten mit Bratenthermometer kontrollieren: fertig bei Kerntemperatur 85 °C Danach den Braten im ausgeschalteten Rohr bei geöffneter Tür rasten lassen, portionieren und servieren.

Zutaten für ca. 10 Portionen Zutaten Ca. 2kg Schweinsschulter, Schweinskarree oder Schopfbraten (ohne Knochen) mit Schwarte Schmalz oder Öl zum Anbraten Suppe zum Untergießen 3 Knoblauchzehen ½ TL Kümmel Salz, Pfeffer Zubereitungszeit: 160 Minuten Pro Portion: Energie (kcal) 421 Eiweiß (g) 57,5 Fett (g) 21,2 Beilagenempfehlung: Semmelknödel und Sauerkraut

Um eine knusprige Schwarte zu erhalten, darf die Suppe nicht auf die Schwarte gegossen werden. Ob die Schwarte knusprig wird, erkennt man an den sich bildenden Bläschen. Besonders saftig wird ein Karreebraten mit Knochen. Dafür unbedingt vom Fleischer die Knochen einhacken lassen!

... im VÖS RÄTSEL-Stall Male die Lebensmittel an und kreise die ein, die du gerne magst.

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50 Jahre Schwein gehabt Unter diesem Motto stand die Festveranstaltung des VLV zum 50 jährigen Bestandsjubiläum. In der prall gefüllten Stadthalle in Wels ließ man in einem anspruchsvollen Programm die Ent-wicklungsgeschichte des VLV Revue passieren. In einem Kurzfilm wurde aufgezeigt, wie die Vision der bäuerlichen Standesvertretung, durch überbetriebliche Zusammenarbeit von bäuerlichen Veredlern eine bessere Position am Markt zu erzielen, Realität wurde. Sach- und Fachkompetenz sowie Marktorientierung und Qualitätsstreben zogen sich dabei wie ein roter Faden durch die 5 Jahrzehnte. Qualitätsvoll auf höchstem künstlerischem Niveau gestalteten auch die Protagonisten auf der Bühne den Abend. Unter der Leitung von Professor Gunter Waldek konzertierte das Orchester der Anton Bruckner Privatuniversität Linz Stücke aus der klassischen Musikliteraturgeschichte. Komponist und Dirigent Gunter Waldek brachte eine Auswahl bekannter Meisterwerke, wobei allesamt einen Bezug zur Landwirtschaft bzw. zum Schwein hatten. Einer der Höhepunkte dabei war die von Kammersänger Klaus Kuttler vorgetragene Arie aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauss: „Borstenvieh und Schweinespeck“. Bei der von ORF Redakteur Gernot Ecker kompetent geführten agrarpolitischen Talkrunde mit Bundesminister Rupprechter, Landesrat Hiegelsberger und LK-Präsident Reisecker standen die Leistungen der Gründergeneration des VLV sowie die Bedeutung des Verbandes für die Interes-sensvertretung bis zum heutigen Tag im Fokus. Eine weitere Gesprächsrunde mit VLV-Obmann Lederhilger, Verbands- und Börsengeschäftsführer Schlederer, Ferkelring Geschäftsführer Stinglmayr sowie den beiden Fachgruppenobmännern

Bestens besuchte VLV-Jubilämsfeier in der Welser Stadthalle. Quelle: VLV

Podiumsdiskussion mit BM Rupprechter, LR Hiegelsberger und LK-Präsident Reisecker unter der Leitung von ORF-Redakteur Ecker. Quelle: VLV Freiseder und Hannl galt mehr dem Blick nach vorne. Der Tenor dabei: Trotz aller schwierigen Begleitumstände – Schwein hat Zukunft! Je länger der Abend desto mehr Begeisterung kam beim Publikum, ca. 750 Bäuerinnen und Bauern, auf. Auch Moderator Gernot Ecker entpuppte sich im Duett mit ORF Mundartdichter Franz Gumpenberger zu einem sehens- und hörenswerten Entertainer. Gemeinsam inter-

pretierten sie „schweinische“ Redewendungen gesungen und gereimt. Und schlussendlich krönte Landeshauptmann Pühringer mit seiner perfekt situationsangepassten Festrede das in jeder Hinsicht einzigartige Geburtstagsfest des VLV. Alle, die da waren, hatten Schwein – das Urteil war einhellig: Ein sauguter Abend! Dr. Johann Schlederer

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