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DIE

BRIEFMARKE Post und Philatelie in Österreich

Neue Sondermarke aus der Serie „Österreicher in Hollywood“:

Hedy Lamarr –

Schauspielerin, Erfinderin, Mode-Ikone

2.10 2.11 58. Jahrgang 59. Februar 2010 2011 Einzelpreis EUR 3,50 Sponsoring Post, Entgelt bezahlt, Verlagspostamt 1060 Wien, GZ: 02 Z 031235 S


EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser! Wenn der Tisch schön gedeckt ist, die Speisen appetitlich angerichtet sind, schmeckt es einfach besser. Das Auge isst mit. Sie fragen sich, was diese kulinarische Anmerkung mit einem philatelistischen Fachmagazin zu tun hat? Mehr als Sie glauben. Ein reichhaltiges Februar-Buffet für Ihr Lesevergnügen ist aufgebaut, mit einem neuen Layout der Beiträge möchten wir Ihr Auge fesseln und Sie durch die Optik noch stärker in die Welt der Briefmarken, Ansichtskarten und Münzen hineinziehen. Leicht und luftig, zum Lesen animierend lautete die Devise, die Beibehaltung einer klaren Struktur war die Grundvoraussetzung. Vor allem an der Bildsprache des Magazins haben wir gearbeitet. Wenn die Art des Beitrages es zulässt, wird das Thema durch ein Hauptbild großzügig visualisiert, das übrige Bildmaterial in einem farbig unterlegten Randstreifen übersichtlich angeordnet. Dieser Auftritt wird kontinuierlich weiterentwickelt. Wir sind schon gespannt, wie es Ihnen gefällt. Aber auch inhaltlich tut sich etwas: Fachlatein – unter diesem Oberbegriff startet eine neue Rubrik, die in lockerer Folge Spezialausdrücke der Philatelie und ihrer verwandten Sammel­ gebiete nicht nur erläutert, sondern durch adäquates Material entsprechend bildlich darstellt. Wir freuen uns schon auf Ihre Anregungen und Kommentare zu dieser neuen Seite. Und jetzt will ich Sie nicht länger von Ihrem Lesevergnügen abhalten. Viel Spaß mit der vorliegenden Ausgabe der „Briefmarke“ wünscht Ihnen Ihre

Susanne Streichsbier stellv. Chefredakteurin E-Mail: redaktion-briefmarke@voeph.at

DIE BRIEFMARKE 2.11

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THEMA DES MONATS

Skandal! Ein Nackedei aus Wien

Wem ist heute noch der Name Hedwig (oder auch Hedy) Kiesler bekannt? Außer Filmwissenschaftlern und begeisterten Cineasten wohl kaum jemand mehr. Und ihr Beitrag zum heutigen Siegeszug der mobilen Telefonie ist allgemein nur unter ihrem dann in den USA angenommenen Künstlernamen geläufig. Hedwig Eva Maria Kiesler wurde am 9. November 1914 in Wien als Tochter eines Direktors der Wiener Creditanstalt und einer Pianistin in eine liberale jüdische Familie geboren. Schon im jugendlichen Alter entschied sie sich dafür, die Schule zu verlassen und ihr Glück als Schauspielerin zu versuchen. Sie besuchte die berühmte Schauspielschule von Max Reinhardt in Berlin. Mit 17 Jahren wirkte sie in ihrem ersten Film mit.

Die ersten Filme Zu Beginn ihrer Karriere in Österreich scheint sie noch als Hedwig (Hedy) Kiesler auf. Insgesamt drehte sie in Europa unter ihrem Mädchennamen fünf Filme: Den ersten, „Geld auf der Straße“, 1930 unter der Regie des späteren Gatten von Marika Rökk, Georg Jacoby. An der Seite von Größen wie Rosa Albach-Retty, Hans Moser sowie Hugo und Hans Thimig spielte sie eine Nebenrolle als junges Mädchen in einem Nachtklub. Als Coproduktion der „Fellner & Somio-Film GmbH“ und der „Sascha-Film“ gilt dieser Film als der erste österreichische Tonfilm.

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DIE BRIEFMARKE 2.11


THEMA DES MONATS An der Seite des damals noch unbekannten und erst später von Fritz Lang entdeckten Peter Lorre wirkte sie 1931 in dem Film „Die Koffer des Herrn O.F.“ mit. Im gleichen Jahr erschien „Die Blumenfrau von Lindenau“, wieder als Coproduktion der „Sascha Filmindustrie“ und der „Fellner & Somio-Film GmbH“ (Felsom-Film) unter der Regie von Georg Jacoby. Unter den Mitwirkenden finden sich der Burgschauspieler Otto Treßler, die bereits in jungen Jahren verstorbene und heute weitestgehend vergessene Renate Müller und die Wiener Volksschauspielerin Hansi Niese. 1932 folgte der Film „Man braucht kein Geld“, in dem u.a. auch Heinz Rühmann, Hans Moser und Ida Wüst mitwirkten.

Der Skandal Heute – zu einer Zeit, in der selbst die Grande Dame der österreichischen Schauspielerei, Christiane Hörbiger, in einem Fernsehfilm den Geschlechtsverkehr mit einem anderweitig verheirateten Mann mimt, und selbst Volksschüler in der Boulevardpresse die berühmte „Nackte von Seite 7“ sehen – erweckt der Skandal, den der Film „Ekstase“ seinerzeit entfachte, wohl nur mehr Unverständnis.

Ihre schauspielerische Ausbildung erhielt Hedy Kiesler bei Max Reinhardt in Berlin.

In diesem 1933 in die Kinos gekommenen tschechischen Film „Ekstase“ spielte Hedy Lamarr die erste Nacktszene der euopäischen Filmgeschichte. Sie lief nackt durch einen Wald (teilweise aber durch das Gebüsch verdeckt), in Großaufnahme war dann nur ihr sexuell erregtes Gesicht zu sehen. In vielen Ländern, darunter vorerst auch in den USA, wurde dieser „unmoralische“ Film verboten. Im Deutschen Reich konnte er erst 1935 in einer stark zensierten Version unter dem Titel „Symphonie der Liebe“ uraufgeführt werden. In der von den damaligen Machthabern vorgegebenen Kunstrichtung durften nur asexuelle Bilder nackter Frauen gezeigt werden.

Die Gefangene von Schwarzau Am 10. August 1933 heiratete Hedy in der Wiener Karlskirche den wesentlich älteren, späteren Generaldirektor der Hirtenberger Patronenfabrik, Fritz Mandl. Der Eifersüchtige hielt sie auf dem gemeinsamen Wohnsitz am feudalen Landsitz Mandls, der Jagdvilla Fegenberg, auf dem 2.054 Hektar umfassenden Gut in Schwarzau im Gebirge wie eine Gefangene. Er verbot ihr das Filmen und versuchte, allerdings erfolglos, alle Kopien des Films Ekstase aufzukaufen. In der Karlskirche in Wien wurde Hedy Kiesler mit ihrem ersten Mann getraut.

Schon in ihrem ersten Film spielte sie an der Seite des damals noch unbekannten Hans Moser und von Heinz Rühmann.

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Das damalige Programm dieses zum Skandal hochstilisierten Films (Vorlage: Wolfgag Siska, Wien). Man beachte die we­ sent­lich freizügigere polnische Version! DIE BRIEFMARKE 2.11

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THEMA DES MONATS

Flucht und Auswanderung Die Jungfernfahrt der französischen „Normandie“: Hedy Lamarr war bei ihrer „Übersiedlung“ von Europa nach den USA an Bord.

1937 gelang es Hedy endlich, ihren Mann zu verlassen, der jeden ihrer Schritte durch seine Dienerschaft überwachen ließ. Wie behauptet wird, gab sie – als ihr Mann auf einer Geschäftsreise war – ihrer Zofe ein Schlafmittel in den Kaffee und entkam dann in deren Kleidung. Sie flüchtete über Paris nach London. Dort traf sie den amerikanischen Filmmogul Louis B. Mayer (Metro-Goldwin Mayer), der ständig auf der Suche nach neuen Talenten war und ihr einen Vertrag mit einem Salär von 500 US-$ wöchentlich anbot.

Eine „neue“ Schauspielerin Bei ihrer „Übersiedlung“ in die USA legte sie sich schließlich den Künstleramen „Hedy Lamarr“ zu. Den Namen schlug ein MGM-Team in Anlehnung an die jung verstorbene Schauspielerin und Drehbuchautorin Barbara La Marr (eigentlich Reatha Dale Watson, 1896-1926), ebenfalls eine dunkelhaarige Schönheit, vor. Als ersten Film in den USA drehte Hedy Lamarr 1938 das Drama „Algiers“ mit Charles Boyer (Remake eines erfolgreichen französischen Films aus dem Jahr 1937).

Ihre Filme bei MGM In den USA trat sie an der Seite von Stars wie Spencer Tracy, Clark Gable, James Stewart oder Judy Garland in zahlreichen Hollywoodfilmen auf. Besonders bekannt ist hierzulande der Monster-Historienschinken „Samson und Delilah“. Nicht alle Kritiker waren allerdings von Lamarrs schauspielerischen Fähigkeiten überzeugt und bezeichneten sie vielfach nur als „optischen Aufputz“.

„Verweigerte“ Rollen Barbara La Marr, „das Mädchen, das zu schön war“, gilt als eine der ersten Drogentoten in Hollywood.

Die Rolle Hedy Lamarrs in „Algiers“ gab die Anregung für den 1942 von Warner Brothers gedrehten Film „Casablanca“. Bei der Abfassung des Drehbuches hatte dessen Autor ursprünglich Hedy Lamarr für die weibliche Hauptrolle vorgesehen. MGM verweigerte aber ihre Freigabe, so dass schließlich Ingrid Bergmann zum Zug kam. Die schwedische Schönheit spielte dann noch zwei Rollen, für die ursprünglich Lamarr vorgesehen war: Gaslight (1944) und Saratoga Trunk (1946). Ingrid Bergmann verdankte ihren Starruhm zum Teil diesem „Einspringen“.

Alle Abb. ohne zusätzliche Angabe: Archiv Judmaier.

Auch als Testimonial für Anzeigenkampagnen war Hedy Lamarr in amerikanischen Zeitungen vertreten.

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THEMA DES MONATS

Ihre sechs Ehemänner Hedy Lamarr war insgesamt sechs Mal verheiratet: In erster Ehe (1933-1937) mit dem Waffenproduzenten und -schieber Fritz Mandl, danach mit dem Drehbuchautor und Produzenten Gene Markey (1939-1940), dem Schauspieler John Loder (19431947, mit dem sie einen Sohn adoptierte und zwei leibliche Kinder hatte), und mit dem älteren Semestern auch hierzulande noch bekannten Bandleader Ernest „Teddy“ Stauffer (1951-1952). Von 1953-1959 war sie die Gattin des Ölmagnaten W. Howard Lee und den letzten „Bund fürs Leben“ schloss sie schließlich mit dem Rechtsanwalt Lewis J. Bowles (1963-1965), der sie bei der Scheidung mit Lee vertreten hatte.

Späte Anerkennung als Erfinderin Mithilfe der Kenntnisse, die sie sich (noch in Österreich) in der Ehe mit dem Waffenproduzenten Fritz Mandl erworben hatte, entwickelte Hedy Lamarr während des Zweiten Weltkrieges gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil, mit dem sie auf einer Party zufällig ins Gespräch gekommen war, eine Funkvorrichtung zur Fernsteuerung von Torpedos, um die Amerikaner im Kampf gegen Nazideutschland zu unterstützen. Für diese Erfindung wurde zwar ein amerikanisches Patent erteilt, die Marine zeigte aber kein Interesse an dieser Entwicklung. Ohne diese Erfindung wäre heute ein mobiles Telefonieren nicht möglich; es stellt die technische Grundlage dafür dar. Hedy Lamarr verstarb am 19. Jänner 2000 im Alter von 85 Jahren in Orlando (Florida, USA).

Die „Hedy Lamarr-Lectures“

Dieses Portrait ist schon oft im Druck erschienen und diente auch Prof. Adolf Tuma als Vorlage für den Entwurf der dies­jährigen Sondermarke „Österreicher in Hollywood“ (siehe auch ALBUM, Seite I).

Während die Wissensbestände exponentiell wachsen und ihre Verfallszeiten immer kürzer werden, verändern die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien die Verfügbarkeit von und den Zugang zu Information und Wissen radikal. Die möglichen gesellschaftlichen Folgen dieser Veränderungen, auf nationaler wie globaler Ebene, stehen im Zentrum der „Hedy Lamarr-Lectures“, die von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Telekom Austria Group und dem Medienhaus Wien veranstaltet werden. Die sozialwissenschaftliche Vortragsreihe ist nach der österreichischen Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr (1914-2000) benannt, ohne deren Erfindung des Frequenzsprungverfahrens die heutige Mobilfunktechnik nicht denkbar wäre. Herbert Judmaier Hedy Lamarr „mit Kolleginnen“ auf einer angeblich aus der Demokratischen Republik Kongo stammenden, illegalen Blockausgabe („Sexbomben“: rechte „Marke“ der ersten Reihe / „Berühmte Schauspielerinnen“: mittlere „Marke“ der ersten Reihe). Diese „Marken“ sind ein Privatprodukt zum Schaden der Sammler und wurden nicht postalisch ausgegeben bzw. konnten auch nicht zur Frankatur verwendet werden.

Hedy Lamarr mit Clark Gable auf einem Zigaretten­ Sammelbild. Die „Akademie der Wissenschaften“ in Wien: Der Veranstaltungsort der „Hedy Lamarr-Lectures“.

Ihr Portrait war auch auf Vignettenaus­gaben mit Abbildungen von US-Filmschauspielern zu finden.

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ALBUM

FEBRUAR 2011

V

NEUAUSGABEN Serie „Österreicher in Hollywood“ – Sondermarke „Hedy Lamarr“ Wert: Vorbezugstag: Ausgabetag: Auflage: Markengröße: Entwurf: Druck:

EUR 0,55 14.01.2011 04.02.2011 650.000 Marken in Kleinbogen zu 10 Stück 35 x 42 mm Prof. Adolf Tuma Österreichische Staatsdruckerei, Offsetdruck

Serie „Klassische Markenzeichen“ – Sondermarke „Niemetz“ Wert: Vorbezugstag: Ausgabetag: Auflage: Markengröße: Entwurf: Druck:

EUR 0,55 14.01.2011 15.02.2011 180.000 Marken 35 x 35 mm Irmgard Paul Österreichische Staatsdruckerei, Offsetdruck

SONDERSTEMPEL Datum Zeit

Nachtrag 26.1.2011 10-18 Uhr

4.2.2011 10-18 Uhr

5.2.2011 9-17 Uhr

15.2.2011 10-18 Uhr

Entwerfer Darstellung

Gefälligkeitsabstempelung *)

Helmut Andexlinger

bis spätestens 9.2.2011

Anlass

Standort

Veranstalter

Ersttag des Sondermarkenblocks „200 Jahre Joanneum Graz“

Philatelie Shop, Fleischmarkt 19, 1010 Wien

Österreichische Post AG, Philatelie

Ersttag Philatelie Shop, der Sondermarke Fleischmarkt 19, 1010 Wien „Hedy Lamarr“ aus der Serie „Österreicher in Hollywood“

Österreichische Post AG, Philatelie

Audi FIS Ski World Cup

BSV Ovilava Wels, Wallererstraße 145, 4600 Wels, Edwin Wilfing, Tel. 07562 / 81 35

Christian Habersack

Österreichische Post AG, Philatelie

Sparkasse Kremstal-Pyhrn, Geschäftsstelle, 4573 Hinterstoder

Ersttag Philatelie Shop, der Sondermarke Fleischmarkt 19, 1010 Wien „Niemetz“ aus der Serie „Klassische Markenzeichen“

40 mm Joanneum Graz

ErsttagZusatzstempel

Prof. Adolf Tuma

bis spätestens 18.2.2011

41 x 32 mm

ErsttagZusatzstempel

Portrait Hedy Lamarr

40 x 40 mm

Philatelie Region Ost Martin Luksch Tel. 057767 33600

Philatelie Region West Martina Prinz Tel. 057767 24884

bis spätestens 1.3.2011

Philatelie Region Ost Martin Luksch Tel. 057767 33600

ErsttagZusatzstempel

**) Abbildung

Philatelie Region Ost Martin Luksch Tel. 057767 33600

bis spätestens 19.2.2011

Schriftzug und Skifahrer

Rückfragen

­

v

Abbildung lag bei Druckbeginn noch nicht vor

*) Gefälligkeitsabstempelungen – wenn nicht anders angegeben – nur bei der Zentralen Stempelstelle-Philatelie, Fleischmarkt 19, 1010 Wien. **) v-Stempel: Seit 1. Juli 2007 sind jene Sonderstempel (ausgenommen Ersttag-Sonderstempel), die bei den Sonderpostämtern anlässlich von philatelistischen Veranstaltungen (Werbeschauen, Philatelistischer Salon, Austria Cup, Ausstellungen Rang I, II und III) verwendet werden, mit dem Kennbuchstaben „v“ versehen.

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Die Briefmarke 02/2011  

Österreichische Fachzeitschrift für Post und Philatelie. Info und Zeitschriftenbezug: Verband Österreichischer Philatelistenvereine +43(1)58...

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