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Ausgabe 1 | 2012

Schwerpunkt: Dezentrale Energiesysteme → KWK-Förderung Neuer Zuschuss für erdgas­ betriebene Mini-KWK-Anlagen Seite 17

→ Forschung Das „Regionale Virtuelle Kraftwerk“ der TU Dresden Seite 24

→ Pilotprojekt „ÖkoEnergie“ Mit Mini-KWK-Anlagen mehr Energieeffizienz an der Ostseeküste Seite 30


Aktuell

Foto: Dirk Brzoska

Foto: Dirk Brzoska

Foto: Michael Fahrig

Inhalt

16 Fakten Praktisch, diese Brennstoffzelle

4 VNG-Gruppe

Das Callux-Projekt im Faktencheck.

5 Energiewirtschaft

17 KWK-Förderung

26 Interview „Wir verzahnen Wärme- und Elektrotechnik.“ Dr. Joachim Seifert über die Einzigartigkeit des Forschungsprojektes.

Neuer Zuschuss für Mini-KWK-Anlagen

6 Energiepolitik

Die förderfähigen Geräte im Überblick.

27 Interview „Erdgastechnologien erobern den Heizungsmarkt.“

Markt

Schwerpunkt

VNG-KWK-Experte Dr. Jörg Hartan über die Zukunft von Erdgastechnologien im

8 Kundenporträt Saubere Energie für den Spreewald

18 Dezentrale Energiesysteme

Die Stadt- und Überlandwerke GmbH

Wärme- und Stromversorgung. 20 Bestandsaufnahme

12 Neugründung der VNG Gasspeicher GmbH Mit bewährter Qualität im Speichermarkt

28 Gastbeitrag Stadtwerke sind die Treiber der

Luckau-Lübbenau versorgen Städte und Gemeinden mit Strom und Wärme.

Heizungsmarkt.

Mikro-BHKW sorgen für eine effiziente

Ganz real am virtuellen Kraftwerk

Wie die dezentrale Energieversorgung Gestalt annimmt.

Energiewende vor Ort Hans-Joachim Reck (VKU) schildert den Übergang zu einem dezentralen Energiesystem in Deutschland.

medium gas im Gespräch mit den Geschäftsführern Dr. Volker Busack und Bernd Protze.

24 Forschung

30 Pilotprojekt „ÖkoEnergie“

Die Zukunft beginnt im Labor

Energieeffizienz am Ostseestrand

Im „Regionalen Virtuellen Kraftwerk“

Im Ostseebad Kühlungsborn wird der

14 VNG-Gruppe

wird die dezentrale Energieversorgung

Einsatz von Mini-KWK-Anlagen vorange-

Wir wissen, wie Erdgas geht.

mittels Mikro-BHKW-Anlagen erforscht.

trieben.

Die Erdgasexperten der VNG-Gruppe. Impressum medium gas Das Magazin für die Kunden und Partner der VNG-Gruppe  |  20. Jahrgang  |  Ausgabe 1  |  Mai 2012  |  VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft  |  Braunstraße 7  |  04347 Leipzig  |  Postfach 24 12 63  |  04332 Leipzig  |  Tel. +49 341 443-0  |  Fax +49 341 443-2770  |  www.vng.de  |  Redaktion Unternehmenskommunikation  |  Verantwortlicher Redakteur Mandy Nickel  |  Tel. +49 341 443-2045  |  mandy.nickel@vng.de  |  ­Redaktionsbeirat Birgit Binder, Dr. Ralf Borschinsky (ONTRAS), Mike Diekmann, Tino Falley (ONTRAS), Helge Andrä (ECG), Andreas Franke, Stephanie Flinth, Janina Fuchs, Mathias Jilo, Bernhard Kaltefleiter, Siegbert Ketelhut, Kerstin Kietzke, Dr. Stephan Krein, Heinz Möller (VNG Gasspeicher GmbH), Marco Penzhorn, Marek Preißner, Heiko Rüdiger, Lydia Schuster, Peter Siegert, Dr. Peter Stoll, Peggy Tettenborn  |  Auflage 4.300  |  Gestaltung, Herstellung Militzer & Kollegen GmbH  |  Reproduktion  Dirk Brzoska  |  Druck  Werbe- & Sofortdruck GmbH, Leipzig  |  Fotos  wenn nicht anders angegeben VNG

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medium gas 1 | 2012

Foto: Rolf Kosecki

Liebe Leserinnen und Leser,

Umschau 32 Technik und Innovation Neuartiger Schnellverschlussantrieb für L- bis XXL-Kugelhahn medium gas zeigt, was die innovative Antriebstechnik so einzigartig macht. 34 Das VNG-Hauptstadtgespräch „Die Energiewende ist eine riesige Chance für Deutschland.“ medium gas im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten und Energie­ experten Oliver Krischer.

Feature 37 Termine im nächsten Quartal 38 Olympia 2012 Auf dem Weg nach London

medium gas begleitet drei Athleten bei den Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele.

vor rund einem Jahr beschloss die Bundesregierung den frühzeitigen Atomausstieg. Seither ist die Energiewende in den Fokus politischer und gesellschaftlicher Diskussionen gerückt. Die Ideen, wie diese „Energiewende“ geschafft werden kann, sind sehr unterschiedlich: für viele gilt der Ausbau von Solaranlagen als Allheilmittel, andere wiederum favorisieren Bernhard Kaltefleiter, Windanlagen im Norden oder Biogas- Leiter Unternehmenskommunikation anlagen. Einig sind sich alle Experten einzig beim Thema Energieeffizienz. Sie wird als Schlüsselfaktor für die Energiewende gesehen, nach dem Motto: die beste Energie ist jene, die nicht verbraucht wird. Eine der effizientesten Formen der Energieerzeugung sind moderne Mini-Blockheizkraftwerke. Der Vorteil: Die Geräte erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme, sie sind technisch erprobt, sehr schnell an- und abschaltbar, sie können auf ein bestehendes System aufgesetzt werden und funktionieren mit Erdgas und Bioerdgas. Die Bundesregierung setzt seit April wieder verstärkt auf diese KWK-Technologie und fördert den Geräteeinbau als Mittel zur Energieeffizienzsteigerung. medium gas gibt Ihnen einen Überblick über die förderfähigen Anlagen. Im Schwerpunkt dieser Ausgabe werfen wir einen Blick hinter die Kulissen von sogenannten virtuellen Kraftwerken – also der Verbindung von dezentralen Energieerzeugern, Speichern und Energieverbrauchern. Im Fokus steht die Vernetzung von Mini-BHKW, die im heimischen Keller Platz finden. Die TU Dresden erforscht auf Initiative von VNG in einem „Regionalen Virtuellen Kraftwerk“ diese Anlagenvernetzung. Im Interview schildern der Projektleiter Dr. Joachim Seifert und unser KWK-Experte Dr. Jörg Hartan die Vorteile eines solchen Netzwerks. Auch im Ostseebad Kühlungsborn werden Energieeffizienzpotenziale durch den Einsatz von kleinen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen optimal genutzt. Mit dem Pilotprojekt „ÖkoEnergie“ unterstützen die Stadtwerke Rostock AG, Vaillant und VNG den Austausch von alten Heizgeräten durch moderne KWK-Anlagen. In dieser Ausgabe lesen Sie, wieso sich gerade in Kühlungsborn eine Menge Energie sparen lässt. Die Entwicklung hin zur dezentralen Energieversorgung zeigt, dass Stadtwerke die Treiber der Energiewende vor Ort sind. Das betont auch der VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck in einem Gastbeitrag. Damit auch die Sportfans unter Ihnen auf Ihre Kosten kommen, begleiten wir in dieser und den kommenden Ausgaben drei Athleten auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in London.

Unser Titelmotiv Beim von VNG initiierten Forschungsprojekt „Re-

Ich wünsche Ihnen eine anregende und spannende Lektüre.

gionales Virtuelles Kraftwerk“ wird der Zusammenschluss von Mikro-Blockheizkraftwerken modelliert.

Ihr Bernhard Kaltefleiter

Foto: Dirk Brzoska

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Aktuell

Foto: Christian Schneider

Foto: Dirk Brzoska

Foto: Dirk Brzoska

VNG-Gruppe

MBG startet Einspeiseprojekt für Bioerdgas

Gründung von europäischer Transportkapazitätsplattform

ECG Erdgas-Consult GmbH weiter auf Erfolgskurs

Im sächsischen Oschatz hat die MBG Mitteldeutsche Biogasgesellschaft mbH (MBG), ein Tochterunternehmen der BALANCE VNG Bioenergie GmbH, eine neue Biogasanlage in Betrieb genommen. In der Biogasanlage werden in einem mehrstufigen Verfahren etwa 50.000 t nachwachsende Rohstoffe pro Jahr vergoren. Bis zu 700 m3 Bioerdgas werden pro Stunde über eine Verdichteranlage in das Erdgasleitungsnetz eingespeist. Zusätzlich wird am Standort ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 600 kW zur Verstromung von Biogas betrieben. Die Rohstoffe für die Produktion des Bioerdgases kommen aus der Region. Sie werden von Landwirtschaftsbetrieben auf Basis langfristiger Verträge geliefert. „Mit der Einspeisung von Bioerdgas am Standort Oschatz setzen wir unser Engagement für erneuerbare Energien konsequent fort und machen uns damit für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Energieversorgung stark“, so Uwe Barthel, VNG-Vorstandsmitglied.

Sechzehn der führenden europäischen Fernleitungsnetzbetreiber, darunter auch die VNG-Tochter ONTRAS, gründen eine gemeinsame europäische Kapazitätsplattform. Die Initiative bringt fünf wichtige regionale europäische Gasmärkte zusammen und eröffnet so neue Möglichkeiten für den grenzüberschreitenden Gastransport. Zudem ist der Zusammenschluss ein wichtiger Schritt hin zu einem integrierten europäischen Gasmarkt, wie es im 3. EUEnergiebinnenmarktpaket vorgesehen ist. Transportunternehmen können dann erstmalig Kapazitäten an europäischen Netzpunkten über eine einzige Plattform buchen. Die Plattform wird aber nicht nur in der Lage sein, unterschiedliche Kapazitätsprodukte anzubieten und Versteigerungen durchzuführen, sondern wird auch die Anbindung der verschiedenen Systeme der beteiligten Unternehmen gewährleisten.

Auf den Erfolgen der Vorjahre aufbauend, erzielte die ECG Erdgas-Consult GmbH (ECG), ein Unternehmen der VNG-Gruppe, im Jahr 2011 einen Rekordumsatz von 16,1 Mio. Euro und realisierte eine deutliche Steigerung von 21,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. ECG bestätigte damit bereits im 11. Jahr in Folge ihre außerordentlich positive wirtschaftliche Entwicklung, untersetzt mit der Schaffung von über 130 Arbeitsplätzen in diesem Zeitraum. Wesentliche Wachstumstreiber waren das erfolgreiche Projektgeschäft bei langjährigen Bestandskunden sowie zahlreiche neu gewonnene Kunden, darunter auch Unternehmen im europäischen Ausland. Insbesondere im Transportbereich entwickelte ECG im Geschäftsjahr 2011 neue Produkte, welche unter dem Einfluss der regulierungsbedingten Veränderungen des Energiemarktes standen.

www.balance-vng.de

www.ontras.com

www.ecg-leipzig.de

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medium gas 1 | 2012

Foto: ENERTRAG

Foto: Dirk Brzoska

Foto: Dirk Brzoska

Energiewirtschaft

Verkauf von Erdgasfahr­ zeugen steigt um 19 Prozent

Zwei Milliarden Euro für Gasnetzausbau nötig

Thüringen und Hessen bauen Power-to-Gas-Anlage

Die Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) belegen die wachsende Beliebtheit von Erdgasfahrzeugen. So wurden 2011 rund 19 Prozent mehr Erdgasfahrzeuge angemeldet als noch im Jahr zuvor. Das beliebteste Erdgasfahrzeug 2011 war der VW Caddy mit 2.682 verkauften Exemplaren. Unter den Top 5 sind außerdem VW Touran, VW Passat, Opel Zafira und die Mercedes-Benz EKlasse zu finden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr mehr als 7.500 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit Erdgasantrieb zugelassen. Hinzu kommen rund 200 schwere Nutzfahrzeuge und Busse. Damit nimmt Erdgas den Spitzenplatz unter den alternativen Antrieben ein. Für 2012 wird in Deutschland weiterhin mit einer verstärkten Nachfrage nach Erdgasfahrzeugen gerechnet.

Die zwölf Fernleitungsnetzbetreiber haben ihren Entwurf für die Entwicklung des deutschen Gasfernleitungsnetzes im Zeitraum 2013 bis 2022 vorgelegt. In den kommenden zehn Jahren sind Investitionen von rund zwei Milliarden Euro nötig. Im Netzentwicklungsplan werden die Gasflüsse im deutschen Gasnetz für die nächsten zehn Jahre modelliert, um den Bedarf für den Ausbau zu ermitteln. In einem mittleren Szenario – dieses legt einen um elf Prozent geringeren Gasbedarf als noch 2009 zugrunde – ist nun ein Ausbaubedarf bis 2015 von 200 Kilometern vorgesehen sowie eine zusätzliche Verdichterleistung von 90 Megawatt. Bis 2022 sind danach sogar 730 Kilometer an neuen Leitungen und eine zusätzliche Verdichterleistung von 360 Megawatt nötig.

Die Bundesländer Hessen und Thüringen forschen gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik an einem Powerto-Gas-Verfahren, bei dem das für die Methanisierung von Wind- und Solarstrom erforderliche CO2 aus Biogas gewonnen wird. Dafür wird in den kommenden zwei Jahren eine Methanisierungsanlage im Biogasforschungszentrum in Bad Hersfeld getestet. Durch dieses Verfahren wird die Leistungsfähigkeit an der Erdgas-Einspeisestelle nahezu verdoppelt, da jedes CO2-Teilchen aus dem Biogas durch ein Methanteilchen ersetzt wird. Dieses Methan kann dann wiederum direkt in das vorhandene Erdgasnetz eingespeist werden.

www.erdgas-mobil.de

www.netzentwicklungsplan-gas.de

www.iwes.fraunhofer.de 5


Aktuell

Foto: Christoph Busse/EEX

Foto: Christoph Busse

Foto: Thomas Koehler/photothek/BMU

Energiepolitik

EU-Parlament stimmt über Bericht zur EnergieeffizienzRichtlinie ab

Bundesregierung legt Bericht zum Energiekonzept vor

Gesetzentwurf für mehr Transparenz bei Energiegroßhandel vorgelegt

Der zuständige EU-Abgeordnete Claude Turmes hat dem Energieausschuss des EU-Parlaments seinen Bericht zum Kommissionsvorschlag einer EU-Energieeffizienz-Richtlinie zur Abstimmung vorgelegt. Der Bericht wurde mit einigen zuvor zwischen den Fraktionen ausverhandelten Kompromissen angenommen. Die dänische Ratspräsidentschaft möchte noch bis Ende Juni 2012 eine politische Einigung zur Energieeffizienz-Richtlinie herbeiführen. Einer der nach wie vor umstrittensten Punkte bleibt die geplante Verpflichtung der Energieunternehmen, jedes Jahr 1,5 Prozent ihres vorjährigen Energieabsatzes an Endkunden einzusparen. Die Richtlinie sieht Maßnahmen für eine effiziente Energienutzung in sämtlichen Bereichen der Energiewertschöpfungskette vor – von der Energieumwandlung über die -verteilung bis zum -verbrauch.

Die Bundesregierung hat einen Bericht zur Umsetzung des 10-Punkte-Sofortprogramms zum Energiekonzept beschlossen und dem Bundestag vorgelegt. Wie aus dem Papier hervorgeht, sind die im letzten Jahr formulierten Vorhaben teilweise bereits umgesetzt worden. Dies gilt für die Anpassung der SeeanlagenVerordnung, das 5 Mrd. Euro-Kreditprogramm „Offshore-Windenergie“, die Einrichtung einer Netzplattform für den Dialog mit den wichtigsten Akteuren sowie die Ermöglichung der Clusteranbindung von Offshore-Parks in Nord- und Ostsee. Andere Punkte des Sofortprogramms – wie die deutschlandweite Netzausbauplanung und die Förderung neuer Stromspeicher – werden noch realisiert. Aus dem Bericht geht ebenfalls hervor, dass der Anteil von Ökostrom an der deutschen Stromerzeugung erstmals auf 20 Prozent gestiegen ist.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat den Entwurf für ein Gesetz zur Einrichtung einer Markttransparenzstelle für den Großhandel mit Strom und Gas vorgelegt. Die Markttransparenzstelle wird beim Bundeskartellamt eingerichtet. Sie soll eine transparente und wettbewerbskonforme Preisbildung bei der Vermarktung und beim Handel mit Elektrizität und Gas auf der Großhandelsstufe sicherstellen. Die Arbeit der Markttransparenzstelle erfolgt in Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur. „Mit der Einrichtung der Markttransparenzstelle schaffen wir eine zentrale Stelle, die durch eine laufende Auswertung aller relevanten Daten dazu beitragen wird, dass eine mögliche unzulässige Preisbeeinflussung auf diesen Märkten künftig schneller und effektiver aufgedeckt werden kann“, so Bundeswirtschaftsminister Dr. Phillip Rösler.

www.europarl.europa.eu

www.bmu.de

www.bmwi.de

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Foto: Stadt Hannover

Foto: Beek100

Foto: Michael Fahrig

medium gas 1 | 2012

CDU-Energieexperte: Power-to-Gas ist wichtige Zukunftstechnologie

Bundeswirtschaftsministerium richtet Speicher-Referat ein

VKU fordert Bundes­ ministerium für Energie

In der zweiten Sitzung der Initiative Speichertechnologien der CDU/CSUBundestagsfraktion haben Vertreter aus Ministerien und Fraktion mit verschiedenen Speicherunternehmen über Möglichkeiten diskutiert, wie Power-toGas-Technologien in den Energiemarkt integriert werden können. Auch mögliche Änderungen des Rechtsrahmens wurden von Unternehmen präsentiert und diskutiert. Dazu erklärte Thomas Bareiß, Koordinator für Energiepolitik der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion: „Die vorgestellten Power-to-Gas-Technologien sind vielversprechend und zeigen deutlich die starke Rolle deutscher Unternehmen auf diesem Markt. Mit Hilfe von Power-to-Gas kann Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff oder synthetisches Erdgas umgewandelt und im Erdgasnetz gespeichert werden oder in der Mobilität zum Einsatz kommen. Somit ist Power-to-Gas eine äußerst vielversprechende Speichertechnologie.“

Das Thema Energiespeicherung erfährt zukünftig mehr politische Aufmerksamkeit. Das Bundeswirtschaftsministerium richtet gegenwärtig ein eigenes Referat ein, das nur für Fragen der Energiespeicherung zuständig ist. „Mit dem Speicher-Referat spiegelt sich die Bedeutung dieses Themas auch in der Organisationsstruktur des Ministeriums wider“, so eine Ministeriumssprecherin gegenüber dem Brancheninformationsdienst „energate“. Das Referat ist der Energie-Abteilung des Ministeriums zugeordnet. Die Fachleute sollen eine nationale Speicherstrategie entwickeln und auch die europäischen und internationalen Aspekte des Themas bearbeiten. Wann das Referat arbeitsfähig ist und wie stark es personell ausgestattet wird, ist noch nicht abschließend geklärt.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert von der Bundesregierung ein effektives Management bei der Umsetzung der Energiewende. So sei ein professionelles Monitoring der über 100 geplanten Einzelmaßnahmen unerlässlich für den erfolgreichen Umbau des Energiesystems. „Wenn wir nicht rasch eine Energiepolitik aus einem Guss bekommen, wird der Konsens über die Energiewende Risse bekommen“, so VKU-Präsident Stephan Weil. Vor allem die energiepolitischen Kompetenzen des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums sollten aus VKU-Sicht stärker gebündelt werden. „Wie wir aktuell sehen, ist es eher kontraproduktiv, die energiepolitischen Kompetenzen auf zwei Ministerien zu verteilen. Was wir deshalb brauchen, ist ein Energieministerium, um hier ein koordiniertes Vorgehen zu ermöglichen“, ergänzt Weil.

www.cducsu.de

www.bmwi.de

www.vku.de

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Markt

Kundenporträt

Saubere Energie für den Spreewald Die Stadt- und Überlandwerke GmbH Luckau-Lübbenau versorgt Städte und Gemeinden im bedeutendsten Naturschutzgebiet Brandenburgs – Erdgas ist hier die Basis für Strom, Wärme und Fernwärme.

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medium gas 1 | 2012

Königswusterhausen

< Richtung Berlin

Schlepzig

A13

Groß Leuthen

Goyatz Lieberose Golßen Lübben

SPREEWALD

Straupitz

Leipe

Lübbenau

Luckau

Peitz

Lehde Burg Raddusch Vetschau

A13

Cottbus Calau

A15

Richtung > Forst (Lausitz)

< Richtung Dresden

Text Thomas Bielig, freier Redakteur Fotos Michael Fahrig Christoph Kalz ist durch und durch ein Techniker. Und ein Mann klarer Worte: „Wenn Energietechnik ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist, dann investiere ich dort gern. Aber volkswirtschaftlichen Unfug, den mache ich nicht mit!“ Kalz, der gelernte Maschinenbauingenieur und Geschäftsführer der Stadt- und Überlandwerke GmbH Luckau-Lübbenau (SÜLL), meint damit den in den letzten Jahren in seinem Netzgebiet boomenden Zubau an Windparks und Freiflächen-Solaranlagen von anonymen Kapitalgebern, und weiß, dass er auf vermintem Gelände unterwegs ist. „Solange die Erneuerbaren völlig losgelöst vom regionalen Verbrauch in die Landschaft gepflanzt werden, kann ich nur politisch vernünftige Regeln fordern“, meint er – und zeigt auf den mit Solarmodulen vollgestellten alten Militärflughafen bei Luckau. Dabei sind Kalz wie auch die Bürgermeister der Städte und Gemeinden am Westrand des idyllischen Spreewaldes alles andere als skeptisch, was die Nutzung erneuerbarer Energiequellen betrifft. Zwar betreiben die SÜLL selbst bislang weder eigene Wind- noch Solaranlagen, doch werde der

Einsatz alternativer Stromerzeugungsanlagen – im vernünftigen Rahmen und für Standorte im Netzgebiet – geprüft. „Entscheidend dafür ist, ob die hier erzeugte Energie am Ort verbraucht und dann auch noch rentabel erzeugt werden kann“, sagt der Stadtwerke-Chef, den die in den letzten Jahren kräftig angestiegenen Umlagen für den Netzausbau Sorgen bereiten. Derzeit werde die soziale Komponente der Energiepreise von der Politik und den Medien völlig verdrängt. Fragt man Christoph Kalz, was er unter einer zukunftsfähigen Energieversorgung versteht, dann kommt er bald auf das Thema Erdgas zu sprechen. „Wir haben in den zwanzig Jahren, die unsere Überlandwerke bestehen, rund 30 Millionen Euro in ein leistungsfähiges Netz investiert. Unser neues Gasnetz ist rund 500 Kilometer lang. Das ist schon ein richtiger kleiner Energiespeicher, weil wir auch Hochdruckleitungen betreiben“, berichtet er voller Stolz. Ein Gasnetz erfordere in einem Gebiet mit einer Ausdehnung von 40 mal 60 Kilometern zwar zunächst hohe Investitionen, zumal auch viele Wasserläufe gequert werden müssen. Doch wo Naturschutz zum Alltag gehört und das Wasser der zahllosen Flüsse in manchen Gehöften fast bis zur Türschwelle reicht, gibt 9


Markt

Christoph Kalz ist bereits seit Jahren von Erdgas als Kraftstoff überzeugt.

Bürgermeister Helmut Wenzel mit Christoph Kalz

es von vornherein kaum eine Alternative. Weil jedes Wort nur Theorie und Kalz ein sehr praktischer Mensch ist, zeigt er lieber an Ort und Stelle, wie er die Stadtwerke in zwei Jahrzehnten mit geprägt hat. Im Betriebshof steht eine ganze Erdgasflotte vom kleinen Fiat bis hin zum Transporter. „Wir haben inzwischen 13 eigene Fahrzeuge aller Typen und Größen. Wir betreiben auch drei eigene Erdgastankstellen, die natürlich von der Öffentlichkeit genutzt werden können“, berichtet er. Wer hier tankt, spart nicht nur viel Geld, sondern er schont auch die Umwelt. Immerhin, so argumentiert Kalz, mischen die Stadtwerke bislang rund 28 Prozent Bioerdgas zu, im späten Frühjahr sollen es dann sogar 100 Prozent Bio werden. „Wir sind dann klimaneutral unterwegs, für fünf Euro können wir mehr als 100 Kilometer fahren“, so der Stadtwerke-Chef, der mit seinem Erdgas-Passat die besten Erfahrungen gemacht hat. „Ich bin von Kindesbeinen an mit dieser Gegend verwurzelt und wohne seit vielen

zwar in der Lausitz noch immer eine große Rolle, doch nicht in Lübbenau, das inzwischen den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ trägt. Die Luft, früher im Winter vom Ruß aus Kraftwerk und Hausschornsteinen oft gelblich eingefärbt, ist klar. Die ehemaligen Tagebaue im Umkreis füllen sich mit Wasser und werden dem Spreewaldtourismus eine zusätzliche Facette verleihen. Helmut Wenzel will heute mit Christoph Kalz über das Großprojekt „Energiefeld“ und den Stadtumbau sprechen. Weil die Stadt viele Einwohner verlor, wurden bereits rund 1.000 Plattenwohnungen abgerissen, jetzt wird ein weiterer Abschnitt umgebaut. Die Häuser werden auf zwei, drei Etagen reduziert und natürlich auch energetisch saniert. „Für uns ist das schwierig, weil der Fernwärmebedarf sinkt“, sagt Kalz. Mit Tourismus und attraktiven Lebensbedingungen will Wenzel gegensteuern. Das Projekt „Energiepfad“ steht dafür: Die grüne Verbindungsachse wird die durch die Bahnstrecke nach Ber-

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Jahren in Luckau“, erzählt Christoph Kalz und schwärmt vom fast mittelalterlichen Stadtkern der fast 750 Jahre alten Stadt in der Niederlausitz. Handwerker haben die Renaissance- und Barockgiebel restauriert. Zuletzt wurde auch das ehemalige Dominikaner-Kloster auf Vordermann gebracht – unter anderem zogen das Kreisarchiv und das Niederlausitzmuseum ein. Wenn Christoph Kalz hier über den Markt geht, wird er gegrüßt, mitunter auch direkt angesprochen – er ist einer von hier. Beim Stadtfest im letzten Jahr hat er sich zusammen mit dem Bürgermeister vom Hausmannsturm abgeseilt. In der Nachbarstadt Lübbenau hat Kalz einen Termin bei Helmut Wenzel, dem Bürgermeister und zugleich Aufsichtsratsvorsitzenden des Versorgers. Die Stadt am Eingang zum Spreewald hat einen dramatischen Wandel durchlebt. Wo bis Anfang der 1990er eines der größten Braunkohlekraftwerke Europas stand, betreibt jetzt auf einer Teilfläche ein großer Discounter ein Zentrallager. Kohle spielt


Foto: Spreewelten-Bad Lübbenau

medium gas 1 | 2012

Steven Schwerdtner vom Spreewelten-Bad im Gespräch mit Christoph Kalz.

Wettschwimmen mit den Pinguinen

lin getrennten Stadthälften erschließen. Die Wärme für Lübbenau kommt auch heute noch vom alten Kraftwerksgelände. Ein Klinkerbau hat hier den großen Abbruch überdauert. „Wir betreiben zwei gasbetriebene BHKW mit zwei Megawatt elektrischer Leistung“, erklärt Kalz. Die Abwärme speist als Grundlast das Fernwärmenetz; für die Winterzeit sind noch weitere große Spitzenlastkessel installiert. Der Betrieb läuft vollautomatisch, beinahe 8.000 Stunden pro Jahr. Die gute Auslastung rentiert sich für den Spreewalder Energieversorger. Auch Bürgermeister Helmut Wenzel ist zufrieden: „Wir profitieren alle davon, dass die Anlagen sehr effizient sind und auch der Gaspreis, anders als etwa bei Öl, nicht durch die Decke gegangen ist.“ Kalz hat schon seit längerem Pläne für weitere BHKW in der Schublade, doch bisher ist die politische Energiewende in Berlin noch nicht soweit. „Gegenwärtig behindern die Sonderbelastungen aus der Stromsteuer neue BHKW so stark, dass wir auf Änderungen warten“, sagt er.

kraftwerk, bezieht aber Erdgas bislang von einem anderen Versorger. „Wir haben den Kunden aber jetzt bei uns, der Liefervertrag ist schon unterzeichnet“, freut sich der Stadtwerke-Chef über einen erst vor kurzem erzielten Erfolg, der für ihn schwerer wiegt, als ein ganzer Wohnblock. Überhaupt, auch wenn die Einwohnerzahl in Lübbenau und Luckau oder den zahlreichen Dörfern ringsum sinkt: die SÜLL werden in den nächsten Jahren deutlich aufstocken. Denn endlich geht die Ausschreibung der Leitungskonzessionen für Strom in Lübbenau in die heiße Phase. Die bereits abgeschlossenen neuen Strom-Konzessionsverträge mit den Gemeinden Drahnsdorf und Heideblick sowie der Stadt Luckau sind Grundlage, das Stromnetzgebiet deutlich zu vergrößern. Für die SÜLL würde sich damit die Zahl der Stromnetz-Kunden nahezu verdoppeln. Christoph Kalz mag es kaum erwarten: „Ich freue mich schon sehr darauf, dann geht es bei uns wieder einen großen Schritt voran.

Lübbenau hat nicht nur große MietsWohnhäuser sondern auch ein als Nobelherberge genutztes stattliches Schloss, die kleinste Brauerei Brandenburgs, einen Wal-Kiefer sowie jede Menge Holzkähne. Und natürlich Wasser. Nicht nur in den Spreearmen, die inzwischen Hotels, Pensionen und Gasthäuser in Mengen haben sprießen lassen – „den besten Zander in ganz Deutschland bietet übrigens der Wirt in der Kaupen Nr. 6“, versichert Kalz. Viel Wasser, wenn auch ganz anderer Art, erwartet die Besucher im „Spreewelten-Bad“. Wer nicht gerade in einer der zahlreichen Saunen entspannt oder im Wellenbad seinen Spaß genießt, kann hier mit richtigen Pinguinen um die Wette schwimmen und tauchen. Steven Schwerdtner, Marketingchef des vor drei Jahren von der Stadt übernommenen Bades, weiß um den Reiz der befrackten Vögel: „Gibt´s echt in keinem anderen Bad!“ Mit Christoph Kalz will Schwerdtner heute nur schnell ein paar Details besprechen. Das Bad besitzt selbst ein kleines Heiz-

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Markt

Neugründung der VNG Gasspeicher GmbH

Mit bewährter Qualität im Speichermarkt Im April 2012 startete die VNG-Gruppe mit eigener Speichergesellschaft ins neue Speicherjahr. medium gas sprach mit den beiden Geschäftsführern Bernd Protze und Dr. Volker Busack über die Neugründung, die aktuellen Herausforderungen am Markt und die Speicherprojekte, die das Unternehmen verfolgt.

In der neuen VNG Gasspeicher GmbH sind sowohl die Untergrundgasspeicher als auch deren Vermarktung vereint. Was heißt das für die Arbeitsweise des Unternehmens? Dr. Busack: Die bisherigen Bereiche Speicherbetrieb und Vermarktung haben bereits vor der Umsetzung des 3. EBMP intensiv zusammengearbeitet. Wir rücken jetzt einfach noch enger zusammen, weil wir in einer Gesellschaft zusammenarbeiten und eine gemeinsame Identität haben. Fest steht: Nur mit einem zuverlässig funktionierenden Speicherbetrieb können wir unsere Speicherkapazitäten auch erfolgreich vermarkten.

am Markt. Außerdem bieten wir alle Leistungen in der Wertschöpfungskette der Gasspeicherung quasi aus einer Hand an. Unser Unternehmen entwickelt Speicher, teilweise in Kooperation mit anderen Unternehmen, wir betreiben eigene Anlagen, entwickeln innovative und flexible Speicherprodukte, vermarkten Speicherkapazitäten und übernehmen die komplette Abwicklung, vom Vertragsmanagement bis zur Abrechnung. Hier heben wir uns deutlich von unseren Mitbewerbern ab.

Seit einem Jahr können Ihre Kunden Speicherkapazitäten online buchen. Wie hat sich das neue Angebot bewährt? Wird sich etwas für Ihre Kunden ändern? Protze: Die Plattform ist gut angelaufen. Ein Grund ist sicherlich, Bernd Protze: Die sichtbarsten Änderungen für unsere Kundass unsere Onlinebuchung im Kundenportal „Mein Speicher“ den sind natürlich der neue Name unserer auf Tempo und Flexibilität ausgelegt ist. Hier Unsere Onlinebuchung ist Speichergesellschaft sowie einige neue bieten wir die Möglichkeit, Kapazitäten für die beziehungsweise angepasste Prozesse. nächsten zwei Speicherjahre per Mausklick auf Tempo und Dazu gehört unsere Website www.vngzu buchen und innerhalb von nur wenigen Flexibilität ausgelegt. gasspeicher.de. An der bewährten Qualität Stunden zu nutzen. ändert sich aber nichts. Wir sind weiterhin ein zuverlässiger Vertragspartner für unsere Kunden und bieten ihnen innovative Ähnlich „jung“ wie die Onlinebuchung ist das Produkt „MiProdukte und Dienstleistungen an. kro Speicher“. Wie ist das Produkt bisher bei Ihren Kunden

Was hat die VNG Gasspeicher GmbH, was andere Speicherunternehmen nicht haben? Protze: Wir vermarkten unsere Speicherkapazitäten seit sieben Jahren und sind damit die Anbieter mit der längsten Erfahrung 12

angekommen? Protze: Unsere „Mikro Speicher“ haben sich am Markt sehr gut etabliert und werden vor allem von kleineren Unternehmen sowie zum Ausgleich von Verbrauchsspitzen genutzt. Wir haben die Vermarktung der „Mikro Speicher“ jetzt übrigens


Foto: Dirk Brzoska

Foto: Dirk Brzoska

Foto: Christian Schneider

medium gas 1 | 2012

Die Geschäftsführer der VNG Gasspeicher GmbH Bernd Protze und Dr. Volker Busack (v. l.)

Was gibt es Neues von Ihren Speicherneubauprojekten in Etzel, Jemgum und Bad Lauchstädt zu berichten? Dr. Busack: Alle Projekte laufen planmäßig. Alle Projekte laufen Ab diesem Jahr gehen erste Kapazitäten aus Warum die Umstellung? Vereinfacht das die den Projekten stufenweise in Betrieb. Am planmäßig. Abwicklung? Standort Etzel können die ersten SpeicherProtze: Ja, für unsere Speicherkunden ist es jetzt einfacher, weil kapazitäten bereits in der zweiten Jahreshälfte 2012 genutzt die Buchungsabwicklung automatisch erfolgt. Wer allerdings werden, die Vermarktung für unser Produkt „3-Phasen Speibesondere Buchungsanfragen hat, kann sie natürlich auch cher“ startet in den nächsten Tagen. weiterhin per E-Mail schicken oder unseren Speicheranfrageassistenten nutzen. Herzlichen Dank für das Gespräch. auch auf unser Onlineportal umgestellt. Dort kann er jeden Donnerstag im Zeitraum von 9 bis 17 Uhr für die Folgewoche gebucht werden.

Zum neuen Speicherjahr bieten Sie ein sogenanntes Kombiprodukt „BioErdgas Speicher“ an. Was steckt dahinter? Protze: Unser „BioErdgas Speicher“ richtet sich an Bioerdgashändler. Je nach Bedarf können diese Kunden ihre Speicherkapazitäten sowohl für Erdgas als auch für Bioerdgas nutzen. So erhöht sich die Flexibilität ihres Bioerdgas-Bilanzkreises. Wie kann der Kunde sicher sein, dass er tatsächlich Bioerdgas speichert? Protze: Der Nachweis wird mit einem sogenannten „Shippercode“ erbracht, also einer festen Absendernummer für die Nominierung. Damit ist die Dokumentation des Bioerdgases lückenlos nachvollziehbar. Für unsere Kunden erfüllen wir damit alle Anforderungen der Gasnetzzugangsverordnung.

Zu den Personen Dr. Volker Busack ab 1976 bei VNG, u. a. am Standort des Untergrundspeichers Kirchheilingen tätig | ab 1994 Leiter des gesamten technischen Betriebes der VNG AG | ab 2011 Direktor Speicherbetrieb | seit 2012 Geschäftsführer der VNG Gasspeicher GmbH Bernd Protze ab 1995 bei VNG in verschiedenen leitenden Funktionen tätig, u. a. als Direktor Gasspeicherung | seit 2012 Geschäftsführer der VNG Gasspeicher GmbH

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Markt

VNG-Gruppe

Wir wissen, wie Erdgas geht. „Der Erdgasspezialist“ lautet der Unternehmensanspruch, der das Geschäft von VNG auf den Punkt bringt. medium gas stellt Mitarbeiter der VNG-Gruppe vor, die Spezialisten auf ihrem Gebiet sind.

Ute Scholz | Hauptreferentin Energiedienstleistungen/Gasanwendungstechnik bei der VNG AG Ute Scholz unterstützt die Kunden von VNG in Industrie und Gewerbe dabei, die richtige Erdgastechnologie zu finden und die Energieeffizienz durch modernste Anlagentechnik zu fördern. Dafür sucht sie nach individuellen Lösungen, damit die Unternehmen ihre Produkte so kostengünstig und umweltschonend wie möglich auf den Markt bringen können. Darüber hinaus betreut sie zahlreiche Feldtests von Mikro-KWK-Anlagen in Zusammenarbeit mit Herstellern und VNG-Kunden.

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Alexander Wunderlich weiSS, wie man Erdgas in der Nordsee findet und fördert.

Foto: Dirk Brzoska

Alexander Wunderlich | Fachverantwortlicher Exploration & Reservoirentwicklung bei der VNG AG Als Geologe bewertet Alexander Wunderlich Explorations-, Entwicklungs- und Produktionsprojekte auf dem norwegischen Kontinentalschelf nach geowissenschaftlichen und technischen Gesichtspunkten. Er analysiert, wo Erdgas und Erdöl liegen könnten und wie eine Lagerstätte nach erfolgreicher Erkundung am effektivsten ausgebeutet werden kann. Dabei ist er allerdings nur ein Teil im E&P-Puzzle, denn ob und wie die Explorations- und Produktionsaktivitäten ausgestaltet werden, wird im interdisziplinären Team entschieden.

Foto: Dirk Brzoska

Ulrike Fritzsche | Referentin für Produktentwicklung bei der VNG Gasspeicher GmbH Als Mathematikerin ist Ulrike Fritzsche vor allem für die Neu- und Weiterentwicklung von Speicherprodukten zuständig. Dafür stellt sie mitunter Szenarien auf, die das Für und Wider eines Produktes deutlich machen. Es geht dabei aber nicht nur um die reine Wirtschaftlichkeit, sondern auch darum, wie sich die Änderungen in den IT-Systemen darstellen lassen. Gleichzeitig muss sie immer im Auge behalten, wie sich veränderte Kapazitäten in den Kavernen oder verbesserte Leistungszahlen der Speicher optimal vermarkten lassen.


medium gas 1 | 2012

Ute Scholz

Ulrike Fritzsche

Foto: Dirk Brzoska

weiSS, wie Mini-Kraftwerke mit Erdgas hoch effizient betrieben werden.

weiSS, wie Speicherprodukte modelliert werden. 15


Markt

Fakten

Praktisch, diese Brennstoffzelle Was macht eigentlich das Callux-Projekt, das die Markteinführung erdgasbetriebener Brennstoffzellen-Heizgeräte gezielt vorantreibt? medium gas macht den Faktencheck.

Callux

ist ein Wortspiel aus den lateinischen Begriffen „calor“ für Wärme und „lux“ für Licht und meint die für KWK-Anlagen typische Kombination aus Wärme- und Stromproduktion.

2008

startete die Kampagne in Deutschland.

232 Anlagen sind derzeit in Betrieb.

1.000.000 Std.

Betriebserfahrungen wurden bis jetzt gesammelt.

30 Prozent

CO2-Ersparnis erzielt die Brennstoffzelle im Vergleich zu herkömmlichen Heizungsanlagen im Durchschnitt.

600.000 kWh

elektrische Energie wurden seit 2008 produziert.

800 Geräte

werden bis zum Jahr 2016 installiert.

Online im Keller

Mit der neuen Callux-Box lassen sich Messdaten verschiedener Brennstoffzellenmodelle über ein einheitliches Kommunikationsprotokoll übertragen.

86 Mio. Euro

Gesamtinvestitionen stehen für Callux zur Verfügung.

Lars Winkler

ist der Callux-Ansprechpartner in der VNG-Gruppe Telefon +49 341 443-2615 | Fax +49 341 443-2345 lars.winkler@vng-gasspeicher.de

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Im Bild: Brennstoffzellen-Heizgerät von BAXI INNOTECH


medium gas 1 | 2012

KWK-Förderung

Neuer Zuschuss für Mini-KWK-Anlagen

Foto: Christian Schneider

Seit 1. April 2012 hat das Bundesumweltministerium die Förderung für Mini-KWK-Anlagen mit einer Leistung bis 20 kWel wieder aufgenommen. medium gas gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragen.

Wieso wird gefördert? Die Förderung soll einen Beitrag zur Erhöhung der Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung leisten. Durch die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme in einer KWK-Anlage wird der eingesetzte Brennstoff sehr viel effizienter genutzt als bei der herkömmlichen Produktion in getrennten Anlagen. Dies führt zu einer erheblichen Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Welche Geräte werden gefördert? (Stand 02.04.2012) Bosch KWK Systeme GmbH Buderus Loganova EN20 EAW Energieanlagenbau Westenfeld GmbH EWF 17 S EC Power A/S XRGI 20 G-TO Efficient Home Energy S. L. WisperGen EU 1 DE Energiewerkstatt GmbH & Co KG ASV 14/32 | ASV 15/34 | ASV 20/43 ETZ GmbH & Co. KG Muscetier NG10 | Muscetier NG15 Kraftwerk GmbH Mephisto G20+ KW Energie GmbH & Co KG 12G–4AP | 12G–4SPN | 20G–4AP | 20G–4SPN

Was wird gefördert? Neue Blockheizkraftwerke bis 20 kWel in Bestandsbauten erhalten einen einmaligen Investitionszuschuss, der nach der elektrischen Leistung der Anlagen gestaffelt ist. Die Anlagen dürfen nicht in einem Gebiet mit einem Anschluss- und Benutzungsgebot für Fernwärme liegen und müssen sowohl mit einem Wartungsvertrag betreut werden als auch anspruchsvolle Effizienzanforderungen erfüllen. Fördervoraussetzung ist zudem, dass die KWK-Anlagen in der Liste der förderfähigen Anlagen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) enthalten sind.

7,5G–3AP | 7,5G–3SPN proenvis GmbH & Co. KG primus 1.4 N | primus 1.4 L sanevo home energy GmbH & Co. KG/2G-home GmbH WisperGen EU 1 Systemanlage Steinecke Wärme-Kraft-Kopplung elcon 15 Vaillant GmbH ecoPower 1.0 VNC 28+1 | 3.0 VNC 88+3 | 4.7 VNC 138+5 Volkswagen AG EcoBlue 2.0 Gen. 1 Kirsch GmbH Kirsch micro BHKW L4.12 simple-Energie GmbH SE-12/28 OTAG Vertriebs GmbH & Co. KG lion – powerblock gas Viessmann Werke Allendorf GmbH Vitotwin 300-W Kuntschar u. Schlüter GmbH GTK 7 SenerTec Kraft-Wärme-Energiesysteme GmbH Dachs Stirling SE | Dachs F5.5 Dachs G5.0 LowNOx | Dachs G5.5 Giese GmbH GB4-8 | GB6-12 | GB7,5-15 | GB20-45 | HB7,5-15

Wie hoch ist die Förderung? Für Ein- und Zweifamilienhäuser besonders geeignete Anlagen mit einer Leistung von 1 kWel erhalten eine Förderung von 1.500 Euro, große Anlagen mit 19 kWel sogar 3.450 Euro.

Cleanergy AB C9G System EC Power A/S XRGI 15 G-TO RMB Energie GmbH neoTower 5.0 | neoTower 7.2 | neoTower 11.0

Weitere Informationen erhalten Sie beim BAFA unter www.bafa.de 17


Schwerpunkt

Ein virtuelles Kraftwerk ist die Verbindung von dezentralen Energieerzeugungsanlagen, Speichern und steuerbaren Energieverbrauchern mit einer Kommunikationszentrale.

Wasserkraft

GuD Kraftwerk

Photovoltaik

Haushalt

Haushalt

Mikro-BHKW

BHKW

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medium gas 1 | 2012

Dezentrale Energiesysteme

Windkraft

Biogasanlage

Mikro-BHKW sorgen für eine effiziente Wärme- und Stromversorgung

Keine Technik der Welt wird die Sonne immer und überall scheinen lassen, Regen vom Himmel prasseln lassen oder für Wind sorgen, wenn er gerade nicht weht. Regenerative Energien werden damit im Tages- und Jahresverlauf immer starken Schwankungen unterliegen. Weil sie aber zukünftig einen noch wichtigeren Beitrag zur Energieversorgung leisten werden, braucht es im Umkehrschluss eine Technik, die eben jene Schwankungen ausgleicht und Energie hochflexibel und kontinuierlich zur Verfügung stellt.

Speicher

Der Technik-„Königsweg“ könnte die Vernetzung von vielen kleinen, dezentralen Energieerzeugungsanlagen, Speichern und steuerbaren Energieverbrauchern zu einem virtuellen Kraftwerk sein.

Kommunikationszentrale

Foto: Hendrik Schwartz - Fotolia.com

Kleine und große Kraftwerke werden in dieser „virtuellen Welt“ eine besondere Rolle spielen, denn BHKW sind technisch erprobt, sehr schnell an- und abschaltbar und verbinden effizient die Wärme- mit der Stromerzeugung. Und: sie funktionieren mit Erdgas und Bioerdgas, sind damit immer und überall verfügbar. medium gas wirft einen Blick hinter die virtuelle Welt und geht der Frage nach, was die vernetzten Kraftwerke heute schon in der Lage sind zu leisten. 19


Schwerpunkt

Bestandsaufnahme

Ganz real am virtuellen Kraftwerk

Foto: Andreas Teich

In Deutschland sprießen virtuelle Kraftwerksprojekte zwar noch nicht wie Pilze aus dem Boden, dennoch beschäftigen sich zahlreiche Unternehmen mit der Frage, wie die dezentrale Energieversorgung mit solchen Vernetzungen Gestalt annehmen kann.

Text Martin Hainbucher, freier Redakteur Unna am Ostrand des Ruhrgebietes gilt heute zu Recht als ein Energiewende-Pionier: Vor mehr als einem Jahrzehnt, da tauchten gerade die ersten Windräder auf, wurde hier der Gedanke geboren, mehrere Kleinkraftwerke zentral zu steuern. Das erste virtuelle Kraftwerk war ein Versuch, um bei einer erwarteten (aber nicht realisierten) Flut von Brennstoffzellen ein effizientes Regelungsmanagement aufzubauen. „Wir wussten, dass die damals bereits diskutierte dezentrale Energieerzeugung virtuelle Kraftwerke als Grundlast-Basis haben müsste und dass man die Verfügbarkeit solcher Kapazitäten nicht einfach dem Zufall überlassen müsste“, erinnert sich Dietmar Biermann, Hauptabteilungsleiter Energiemanagement der Stadtwerke Unna. Schon seit 2004 werden Blockheizkraftwerke der Stadt nicht mehr einzeln betrieben. „Wir fahren heute zwei BHKW mit je drei Modulen und einer elektrischen Leistung von 4,8 MW zentral“, berichtet Biermann. „Am Anfang wurden wir damit fast überall belächelt, inzwischen wird das Thema Smart Grid der Netze viel diskutiert“, sagt Biermann. Der Aufwand für die Steuerung rechnet sich, zumal die Anlagen nicht nur nach dem Strompreis geführt werden, sondern auch hinsichtlich des Gaspreises. Ein eigener Gasspeicher macht das möglich. Die Chance, auch Mikro-BHKW einzubeziehen, sehen die Stadtwerke jedoch erst, wenn deren Zahl bei einigen Hundert liegt. „Der technische, 20

auch der organisatorische Aufwand ist sehr hoch, der Nutzen pro Anlage aber mit wenigen Kilowatt begrenzt“, so der Techniker. „Ein virtuelles Kraftwerk ist nicht nur etwas, was sich auf den Festplatten von Computern befindet“, scherzt Lars Lorenz, der als Projektleiter bei Vattenfall Europe seit 2010 damit beschäftigt ist, einen ganzen Schwarm an gasbetriebenen Blockheizkraftwerken, Wärmespeichern und Energieverbrauchern zusammenzukoppeln. Die Idee ist ebenso einfach wie faszinierend, weil sie zumindest einen Teil des Problems mit dem unsteten Anfall von Wind- und Sonnenstrom lösen könnte: Stehen die Windräder still, werden in Köpenick, Neukölln und Wannsee oder auch in Hamburg-Schnelsen per Mausklick BHKW angeworfen. „Wir haben dabei Geräte verschiedener Hersteller und Größenklassen von fünf bis 600 kW“, berichtet Lorenz. Der dezen­tral eingespeiste Strom entlastet dann das Netz und gleicht das knappe Angebot mit aus. Zugleich liefern die Kraftmaschinen Wärme, die sich speichern lässt und mittlerweile gut 100.000 Wohnungen beliefert. Ist hingegen reichlich Sonnen- oder Windstrom im Netz, können von der gleichen Warte aus zusätzliche Verbraucher wie etwa Wärmepumpen oder im Sommer Kälteanlagen zugeschaltet werden. Alles läuft über ein ausgeklügeltes elektronisches System: Das virtuelle Kraftwerk kennt den Zustand der Wärmespeicher, die Prognosen der Wetterfrösche und den Bedarf der Stromkunden ebenso wie die Netzkapazitäten. Der Rest ist Programmierung.


medium gas 1 | 2012

Schaltzentrale des Virtuellen Kraftwerkes von Vattenfall in Berlin

Inzwischen sprießen virtuelle Projekte überall aus dem Boden Wie hoch die Branche das Potenzial der virtuellen Kraftwerke als Netzpuffer einschätzt, zeigen die immer neuen Projekte und Studien. Siemens und RWE wollen 2012 bereits 20 MW am Netz haben, der Energieversorger Lichtblick will private Kleinkraftwerke in Privathäusern zusammenschalten und auch VNG beteiligt sich an einem auf drei Jahre ausgelegten Projekt mit Mikro-BHKW, das an der TU Dresden und der TU Bergakademie Freiberg stattfindet. Die Energiebranche hat guten Grund, den Ausbau virtueller Kraftwerke weiter voranzutreiben. Zum einen, weil Strom nicht mehr nur zentral in großen Kraftwerken produziert und ins Netz eingespeist wird, sondern auch Stadtwerke, Industrie und Gewerbetreibende Strom über Blockheizkraftwerke erzeugen. Sogar Hausbesitzer haben in zunehmender Zahl ein privates Kleinstkraftwerk im Keller stehen, mit dem sie Strom ins Netz einspeisen können. Für eine stabile Stromplanung müssen diese Einspeisungen koordiniert werden. Zum anderen, soll der Zuwachs bei den erneuerbaren Energien laut Bundesumweltministerium weiter beschleunigt werden: Bei der Photovoltaik werden bis 2030 installierte Leistungen von 60 Gigawatt, bei der Windkraft von 65 Gigawatt in Deutschland prognostiziert. Das wäre mehr, als die heutigen konventionellen Kraftwerke leisten, die allerdings überwiegend grundlastfähig sind. Bei Wind- und Sonnenstrom hingegen, hat das Fraunhofer-Institut

für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) errechnet, steigen die so genannten Gradienten steil an: Die Kennlinie, die im Tagesgang die in das Netz abgegebene Leistung zeigt, ist von wilden Zacken geprägt. Bei Flaute und Dunkelheit kommt so gut wie nichts ins Netz, zu anderen Zeiten wird der Bedarf an Strom deutlich überstiegen. In Deutschland laufen derzeit zahlreiche Versuche mit virtuellen Kraftwerken im Mikro-KWK-Bereich und mit großen Anlagen. Bei Kleinanlagen mit elektrischen Leistungen von unter 2 kW – sie stehen überwiegend in privat genutzten Häusern – ist derzeit noch unklar, wie groß die Bereitschaft der Eigentümer zu einer Art „Fremdbestimmung“ über ihr „Zuhausekraftwerk“ ist. Versuche mit zahlreichen größeren Anlagen sind dagegen wesentlich unproblematischer. Sehr zuversichtlich etwa äußert sich RWE über ein gemeinsam mit Siemens betriebenes Projekt, bei dem nicht nur große BHKW mit insgesamt sechs Megawatt, sondern auch noch Wasserkraftwerke, Windanlagen und Photovoltaik an verschiedenen Standorten im Sauerland zentral aus Dortmund gesteuert werden. Das Hirn der Anlage ist das Energiemanagement-System DEMS von der Siemens AG. Es reagiert auf die Prognosen für Wind- und Sonnenstrom und der Strom wird über die Energiebörse EEX in Leipzig vermarktet. Wenn 2012 erfolgreich verlaufen sollte, will RWE das virtuelle Kraftwerk rasch mit neuen Modulen ausbauen. Rund 200 MW seien nach RWE-Angaben in wenigen Jahren erreichbar. 21


Schwerpunkt

Zubaupotenzial für kleine BHKW bis 50 kWel (kumuliert)

500 MW

400 MW 300 MW

100 MW

2012

2014

2016

2018

2020

Foto: Dirk Brzoska

200 MW

Quelle: ASUE

Schaltkreis eines virtuellen Kraftwerkes

Stadtwerke koppeln ihre Gaskraftwerke profitabel Cord Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Aalen, ist ebenfalls ein Verfechter der virtuellen Idee. „Wir betreiben ein solches Kraftwerk mit zunächst zwei BHKW, werden aber aufgrund der guten Erfahrungen weitere Anlagen aufschalten, sobald die wirtschaftlichen Hemmnisse beseitigt sind“, sagt Müller. Problematisch ist insbesondere die Stromsteuerdurchführungsverordnung, die den Einsatz von Kraftwärme-Anlagen derzeit wenig rentabel macht und auch den dringend erforderlichen Neubau von großen GuD-Kraftwerken vielerorts blockiert. In Aalen wird knallhart gerechnet. Das Signal zum Anfahren der beiden BHKW kommt von einem Schaltpult, wo auch der Stromhandel angesiedelt ist – der Preis an der Strombörse EEX in Leipzig muss nur hoch genug sein, dann sind die Aggregate minutenschnell mit voller Leistung am Netz und erzeugen Strom, Wärme – und Geld für die Kasse der Stadtwerke. „Wenn wir unser Kraftwerk wie geplant erweitern können, werden wir die Anlagen je nach Wirtschaftlichkeit einzeln ansteuern. Die ganz kleinen rechnen sich erst bei etwa zehn Cent pro Kilowattstunde, sehr große schaffen es auch schon bei vier bis fünf Cent“, sagt Müller. Je komplexer ein System, desto schwieriger ist dessen Steuerung, das weiß auch der Stadtwerkschef, der auch von den Erfahrungen der inzwischen rund 20 anderen Betreiber virtueller Kraftwerke profitiert. „Wünschenswert ist natürlich ein sehr breites Netz dezentraler Anlagen“, sagt er. Doch das individuelle Verbrau-

cherverhalten ist ebenso schwierig zu planen, wie Wetterprognosen verlässlich sind. „Wir haben uns daher zu einer Steuerung entschieden, die den Ist-Betriebszustand jeder Anlage erfasst, insbesondere die freie Wärmespeicherkapazität“, erklärt Müller. Dort, wo Wärme nur in geringem Maße abgerufen wird, schaltet die Zentrale das BHKW möglichst frühzeitig ab, um später, wenn Strom teuer verkauft werden kann, auch diese Kapazitäten wieder frei zu haben. Freilich hat dieses System im Sommer längere Vorlaufzeiten als im Winter, wo die Heizungen große Wärmemengen verlangen. Aber auch die Netzstabilität, so Müller, beeinflusst die Fahrweise. Ist regional die Last gering, müssen die BHKW vom Netz – unabhängig vom Strompreis an der Börse. Großzügig dimensionierte Wärmespeicher, die moderate Mehrkosten bei der Investition erfordern, können das System der virtuellen Kraftwerke ebenso rentabler machen wie auch zusätzliche Wärmeverbraucher im Sommer. Sobald sich gewerbliche Nutzer oder Klimaanlagen mit einbinden lassen, schließt sich das „Sommerloch“ leichter, der „Flaschenhals Wärmeabsatz“ wird geweitet.

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Die Vernetzung aller Erzeuger ist technisch lösbar Virtuellen Kraftwerken gehört die Zukunft, dessen ist sich Dr. Kurt Rohrig, stellvertretender Direktor des Fraunhofer Institutes IWES in Kassel, ganz sicher. Auch wenn ihre Entwicklung teilweise noch in den Kinderschuhen steckt, misst Rohrig ihnen eine künftig ganz


medium gas 1 | 2012

SchleswigHolstein

e-Telligence EWE AG Schwarmstrom Lichtblick MiniVersum Senertec EnVersum

MecklenburgVorpommern

Hamburg Bremen Niedersachsen

Virtuelles Kraftwerk Vattenfall

Berlin SachsenAnhalt

Brandenburg

RegModHarz E.ON

NordrheinWestfalen

ProViPP RWE Virtuelles Kraftwerk SW Unna E-DeMa RWE

Energiepark Clausthal TU Clausthal

Smart Watts STAWAG

Sachsen Thüringen

Regionales Virtuelles Kraftwerk VNG, TU Dresden, TU Bergakademie Freiberg

Hessen

VK Rheinland-Pfalz FH Bingen/TSB Regelenergiepool MVV Modellstadt Mannheim MVV

RheinlandPfalz

Virtuelles Kraftwerk Mainova

Saarland

VPP Stadtwerke Aalen EVF-Stromerzeugung Filstal

MeRegio EnBW Bayern BadenWürttemberg

AlpEnergy Allgäuer Überlandwerk Quelle: BDEW

Virtuelle Kraftwerks-Projekte in Deutschland

entscheidende Rolle bei dem Umbau des Energienetzes zu. Um das Netz zu stabilisieren, dürfen die Einzelanlagen nicht ungeregelt voneinander betrieben werden. „Wir simulieren auf unseren Rechnern verschiedene Ausbauszenarien, um die notwendige Netzintegration der Erneuerbaren möglich zu machen“, sagt Rohrig. Um flächendeckend eine gesicherte Versorgung jenseits von Kohle und Kernkraft zu ermöglichen, gehe es nicht ohne Vernetzung der anderen Erzeuger. So wird jetzt mit dem auf drei Jahre ausgelegten Forschungsprojekt „Kombikraftwerk 2“ untersucht, wie sich ein virtuelles Kraftwerk auch dann sicher fahren lässt, wenn Sonnen-, Biogas und Windenergie direkt in die Steuerung mit einbezogen wird. „Technisch ist das lösbar, bisher fehlt es aber noch an weiteren ökonomischen Anreizen, auch wenn inzwischen Marktprämien gezahlt werden“, meint der Wissenschaftler mit Blick auf ein ganzheitliches Stromkonzept. Letztlich puffern die virtuellen Kraftwerke die Spitzen von Angebot und Nachfrage, sind eine Form der Kurzzeit-Energiespeicher. Ergänzend benötigt werden

außerdem Pumpspeicherwerke, Druckluftspeicher oder Batterien für den Tagesbereich und langanhaltende Energiespeicher, die auf elektrochemischem Weg synthetisches Erdgas aus überschüssigem Strom erzeugen.

Stichwort Blockheizkraftwerk Die in der Regel mit Erdgas und Bioerdgas betriebenen Blockheizkraftwerke gibt es heute für den kommerziellen Einsatz im Bereich Einfamilienhäuser (bis 2 kW elektrische Leistung), in Mehrfamilienhäusern (bis 10 kW) und für die Versorgung von Wärme-Inseln und gewerblichen Objekten. In letzterem Fall können elektrische Leistungswerte von bis zu einem Megawatt erreicht werden. Im weiteren Sinne gehören auch industrielle Kraftwerke mit (Fern-) Wärmeauskopplung, etwa die Gasund Dampfturbinen-Kraftwerke, in die Klasse der Blockheizkraftwerke. BHKW erreichen einen Gesamtwirkungsgrad von teilweise 90 Prozent. Bis zum Jahr 2020 soll nach dem Fahrplan der Bundesregierung der Anteil der Kraft-Wärmekopplung mindestens 25 Prozent an der Stromwirtschaft erreichen.

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Schwerpunkt

Forschung

Die Zukunft beginnt im Labor Im Dreiergespann untersuchen die TU Dresden (TUD), die TU Bergakademie Freiberg und VNG die Vernetzung von Erdgas-Mikro-BHKW. medium gas stellt das kürzlich gestartete Forschungsprojekt vor und wirft einen Blick hinter die Kulissen des Dresdner Techniklabors.

Text André Deichsel, freier Redakteur | Fotos Dirk Brzoska Eng geht es zu im Forschungslabor des Dresdner Instituts für Energietechnik. Kein Wunder, wenn Kabel und Rohre den Raum durchziehen, etliche Mikro-BHKW aufgebaut sind, dazu meterhohe Wärmespeicher und zusätzlich noch Computer und Monitore angeschlossen wurden. Platz zum Arbeiten haben die Wissenschaftler des Institutes trotzdem. Ihr Auftrag: Wie kann die dezentrale Energieversorgung realisiert werden und wie kann sie mithelfen, um die Volatilität der erneuerbaren Energien auszugleichen? Virtuell im Labor Was im Keller des Merkel-Baus der TU Dresden als Forschungslabor aufgebaut wurde, ist Teil des Projektes „Regionales Virtuelles Kraftwerk“, das die TU Dresden, die TU Bergakademie Freiberg und die Leipziger VNG im vergangenen Jahr gemeinsam initiiert haben. Die Experten wollen in den kommenden drei Jahren untersuchen, wie erdgasbetriebene Mikro-BHKW vernetzt werden können. Projektleiter Dr. Joachim Seifert konkretisiert: „Wir interessieren uns vor allem für die Auswirkungen auf das regionale Stromnetz bei individueller Stromeinspeisung durch die Privathaushalte.“ Dr. Seifert ist der Bereichsleiter für Gebäudeenergietechnik an der Professur für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der TUD und somit ein ausgewiesener KWK-Experte. 24

Wissenschaftler vom Institut für Energietechnik (TU Dresden).


medium gas 1 | 2012

Das Herzstück und die Schaltzentrale des „Regionalen Virtuellen Kraftwerks“ steht im Keller des sogenannten Merkel-Baus der TU Dresden – benannt nach dem Physiker Leopold Carl Friedrich Merkel. Im Bild: Dr. Jörg Hartan (VNG Gasspeicher GmbH) (2. v. l.) mit dem Forscherteam aus Dresden und Freiberg.

Mikro-BHKW als Erzeugungsreserve Das Projekt basiert auf der Idee, viele kleine Mikro-BHKW in den heimischen Kellern zu einem größeren Kraftwerk zusammenzuschalten – und damit einen Stromlieferanten zu haben, falls Windkraft- und Solaranlagen witterungsbedingt ausfallen. Dr. Seifert macht die einfache Rechnung auf: „Jeder Haushalt mit einem Mikro-BHKW kann Wärme und Strom produzieren und überschüssigen Strom in das Netz einspeisen. Würden wir 10 Millionen erdgasbetriebene Mikro-BHKW in privaten Kellern mit einer Leistung von 4 kW verbinden, hätten wir in Summe eine Leistung von 40 Gigawatt. Das entspricht in etwa der Leistung aller deutschen Steinkohlekraftwerke.“ Mit einem solchen virtuellen Kraftwerk wäre eine relativ kostengünstige Erzeugungsreserve geschaffen, die bei Windstille und wenig Sonne für die nötige Energie sorgen könnte. Forschungsprojekt beginnt mit Grundlagenarbeit Bevor die Wissenschaftler konkrete Aussagen zur Vernetzung von Mikro-BHKW treffen können, müssen sie jedoch umfangreiche Untersuchungen an den Mikro-BHKW vornehmen. Derzeit analysieren sie im Labor zwei Mikro-BHKW der Unternehmen Kirsch und Viessmann. Anlagen weiterer Hersteller folgen in Kürze. „Ziel ist die Klassifizierung aller auf dem Markt verfügbaren Geräte hinsichtlich ihrer Regelleistung. Dazu betrachten wir die Anlagen in unterschiedlichen Phasen, um Aussagen über den Gesamtwirkungsgrad treffen zu können“, so Seifert.

Auch Praxiswerte aus dem heimischen Keller sind wichtig Neben den Laborwerten beziehen die Wissenschaftler auch Messwerte aus der praktischen Geräteanwendung in ihre Untersuchungen ein. Hier kommt VNG ins Spiel. Der Leipziger Erdgasspezialist beteiligt sich derzeit mit über 150 Feldtests in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden an der Entwicklung innovativer Gasanwendungstechnologien. Im „Regionalen Virtuellen Kraftwerk“ werden einige dieser Feldtests genutzt, um die Laborergebnisse in der Praxis zu überprüfen. Erst kürzlich besuchten die Dresdner Wissenschaftler mehrere Berliner Familien, die an einem gemeinsamen Feldtest von GASAG, VNG und Kirsch teilnehmen. „Wir haben uns vor Ort die Verbrauchsdaten der letzten Jahre angesehen, dazu die Anlagendaten ausgewertet und die jeweilige Bausubstanz der Einfamilienhäuser betrachtet“, betont Dr. Jörg Hartan. Der Elektroingenieur ist bei VNG einer der KWK-Experten und begleitet das Forschungsprojekt sehr intensiv. Joachim Seifert ergänzt: „Die in Berlin gewonnenen Daten fließen in eine numerische Simulation ein. Für jedes reale Gebäude wird dazu ein digitales Modell gebaut und eine Jahressimulation durchgeführt.“ Dr. Seifert und Dr. Hartan sind übrigens optimistisch, dass sie in drei Jahren eine umfassende und repräsentative Auswertung auf dem Tisch haben und danach die Funktionstüchtigkeit eines dezentralen, erdgasbasierten KWK-Verbundes gut abschätzen können.

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Schwerpunkt

Interview

„Wir verzahnen Wärme- und Elektrotechnik.“ Dr. Joachim Seifert, TU Dresden

Herr Dr. Seifert, welches Hauptziel verfolgt das Forschungsprojekt? Hauptziel ist der Nachweis der Funktionsfähigkeit eines regionalen Verbundes von Erdgas-Mikro-BHKW. Wir wollen Kleinst-KWK-Anlagen so vernetzen, dass durch die Interaktion ein möglichst großer Mehrwert für den Anlagenbetreiber generiert wird. Dabei müssen die Anlagen so gesteuert werden, dass sie genügend Wärme und Strom produzieren, aber trotzdem geordnet zusammenarbeiten, d. h. keine kritischen Betriebszustände für das elektrische Niederspannungsnetz entstehen. Können Sie kurz den Projektablauf beschreiben? Zunächst untersuchen wir im Labor eine ganze Reihe von Aggregaten. Die Ergebnisse übertragen wir in ein numerisches Computermodell, um erste Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei interessiert uns vor allem das Zusammenspiel von Haus, Gerät und Nutzerverhalten. Danach simulieren wir die Verbindung mehrerer Geräte in einem Niederspannungsnetz und schauen, 26

was in diesem Netz passiert, wenn Strom eingespeist wird. In der zweiten Projektphase übertragen wir die theoretischen Ergebnisse in die Praxis. Dabei wollen wir im mitteldeutschen Raum ein „reales, virtuelles Kraftwerk“ aufbauen.

Gebiet der Wärme- und der Elektrotechnik. Bisher wurden die Bereiche immer separat betrachtet. Dazu haben wir eine interdisziplinäre Projektgruppe gegründet, die aus Mitarbeitern des Institutes für Energietechnik und Mitarbeitern des Institutes für Elektrische Energieversorgung

In wie weit hebt sich die Mikro-BHKWTechnologie von anderen Heizungssystemen ab? Die gleichzeitige Wärme- und Stromproduktion im heimischen Keller ist die eigentliche Innovation. Das hat natürlich enorme Vorteile gegenüber der getrennten Erzeugung von Wärme und Strom. Vor allem führt es zu primärenergetischen Einsparungen und einer erheblichen CO2Reduktion im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen.

und Hochspannungstechnik besteht. Jetzt wird es uns gelingen, gemeinsame Lösungsvorschläge für den Wärme- und Strombereich aufzuzeigen. Zudem kümmern sich unsere Freiberger Kollegen um die Automatisierungstechnik, also das übergeordnete Regelregime.

In Deutschland wird an verschiedenen Stellen zum Thema Energiesystemvernetzung geforscht. Was macht das „Regionale Virtuelle Kraftwerk“ so einzigartig? Wir gehen erstmals in den Gebäudebereich und konkret in das Ein- und Zweifamilienhaus. Im Speziellen beschäftigen wir uns mit den thermischen Auswirkungen aber auch den benötigten Informations- und Kommunikationswegen, um solche Systeme ansteuern und in einem Verbund im regionalen Niederspannungsnetz betreiben zu können. Die Schwierigkeit besteht darin, den elektrischen Output der Mikro-BHKW so zu steuern, dass der Hausbewohner stets Wärme im Haus hat. Was kann die TU Dresden (TUD) in diesem Projekt beisteuern, was andere Hochschulen nicht können? Wir verzahnen die Forschung auf dem

Wie viele Wissenschaftler sind in das Projekt involviert? In Dresden arbeiten vier Nachwuchsforscher am Forschungsprojekt. Durch die Einbindung von Studenten, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Hochschullehrern sichern wir eine enorme wissenschaftliche Breite ab. Gleiches gilt für die TU Bergakademie Freiberg. Natürlich haben wir ein großes Eigeninteresse, in diesem Projekt eine wissenschaftlich sehr hochkarätige Arbeit zu leisten.

Dr.-Ing. habil. Joachim Seifert Privatdozent für Heizungs- und Raumlufttechnik am Institut für Energietechnik der TUD | Studium an der Fakultät Maschinenwesen der TUD (Studiengang Technische Gebäudeausrüstung) | wissenschaftl. Mitarbeiter am Institut für Thermodynamik und technische Gebäudeausrüstung | 2005 Promotion | mehrere Forschungsaufenthalte an der University of Hong Kong (SAR) 2009 Habilitation | seit 2010 Bereichsleiter Gebäudeenergietechnik an der Professur Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung der TUD | joachim.seifert@tu-dresden.de


medium gas 1 | 2012

„Erdgastechnologien erobern den Heizungsmarkt.“ Dr. Jörg Hartan, VNG Gasspeicher GmbH Herr Dr. Hartan, seit wann beteiligt sich VNG an der Entwicklung von wärme- und stromerzeugenden Heizungen? Seit rund 15 Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema Kraft-WärmeKopplung und der Entwicklung von Anlagen für den heimischen Keller. Wir haben die Geräte auch schon immer Mikro-BHKW genannt, weil sie eben klein sind und dennoch funktionieren wie ein großes Blockheizkraftwerk.

Wie wahrscheinlich ist es denn, dass – wie im Beitrag beschrieben – 10 Millionen Kleinkraftwerke im heimischen Keller virtuell vernetzt werden können? Rein technisch ist das mittels moderner Internettechnologien sicher kein Problem. Die entscheidende Frage besteht vielmehr darin, wie kann sich die MikroKWK im Vergleich zur klassischen Heizung unter wirtschaftlichen und funktionalen Kriterien etablieren. Das numerische Potenzial ist zweifelsfrei vorhanden.

Wieso sind Mikro-BHKW für VNG so interessant? Durch die doppelte Nutzung des eingesetzten Erdgases – also der Produktion von Wärme und Strom – werden Ressourcen auf effizienteste Art genutzt. Anders gesagt, aus 100 Prozent Erdgas werden nahezu 75 Prozent Wärme und rund 25 Prozent Strom. Diesen hohen Gesamtwirkungsgrad bietet keine andere Heizungstechnik. Mit dem Einsatz unseres regenerativen Bioerdgases als Primärenergieträger können wir beim Einsatz in der Mikro-KWK-Technologie in Punkto Klimaschutz sogar eine Art Königsweg beschreiten. Gehört dieser Technologie somit die Zukunft im Heizungsmarkt? Ja, die Dynamik im Wärmemarkt ist deutlich spürbar. Neben Mikro-BHKW werden aber auch Gaswärmepumpen, Geräte mit Erdgasbrennwerttechnik und die Brennstoffzelle den Heizungsmarkt erobern. Im Verbund mit Solarthermie und Bioerdgas ebnen diese Erdgastechnologien zusammen den Weg zur nachhaltigen und intelligenten Energieversorgung der Zukunft. Wieso initiiert VNG das Forschungsprojekt „Regionales Virtuelles Kraftwerk“?

Uns bewegt die Frage, welche zusätzlichen Vorteile sich aus der Nutzung einer Vielzahl von Mikro-BHKW ergeben. Wir denken dabei konkret an das Zusammenschalten sehr vieler Anlagen, um dadurch insgesamt eine große Erzeugungsreserve, also letztlich große Kraftwerke, ersetzen zu können. Wichtig ist, dass man die Geräte nicht mit einer herkömmlichen Heizung verwechselt. Bei Mikro-BHKW handelt es sich eher um kleine, sehr effiziente und flexible Kraftwerke mit hoher Komplexität. Und diese Komplexität soll untersucht werden? Richtig. Wir gehen fest davon aus, dass eine große Zahl von alten Heizungsanlagen in den nächsten Jahren durch moderne Mikro-BHKW ersetzt wird. Wenn eine gewisse Anlagenanzahl erreicht ist, jeder Haushalt aber individuell Wärme produziert und dabei Strom ins Netz einspeist, gibt es unter Umständen ein kleines Chaos im regionalen Niederspannungsnetz. Daher ist es enorm wichtig, die Wärmeund Stromproduktion mehrerer Anlagen bedarfsgerecht in Einklang zu bringen.

Wie kam der Kontakt mit Dresden und Freiberg zustande? Es ist ja kein Geheimnis, dass beide Hochschulen auf den Gebieten der Wärme-, Elektro- und Informationstechnik exzellent aufgestellt sind. In der Vergangenheit haben wir bereits sehr gut mit den Wissenschaftlern der TU Dresden zusammengearbeitet – unter anderem bei einem Demonstrationsprojekt mit 15 Mikro-BHKW im Jahr 2009. Auch die Forscher der TU Bergakademie Freiberg unterstützen uns seit einiger Zeit durch die Entwicklung eines Monitoringsystems bei der Datenauswertung unserer Feldtestanlagen.

Dr.-Ing. Jörg Hartan Fachgruppenverantwortlicher Automatisierungs- u. Prozessleittechnik bei der VNG Gasspeicher GmbH | Studium an der damaligen TH Leipzig, Sektion Automatisierungstechnik wissenschaftl. Assistent | 1985 Promotion auf dem Gebiet der Regelungs- und Steuerungstechnik | seit 1991 Mitarbeiter in der VNGGruppe | joerg.hartan@vng-gasspeicher.de

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Schwerpunkt

Gastbeitrag

Stadtwerke sind die Treiber der Energiewende vor Ort Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), schildert den Übergang von der zentralen Energieversorgung zu einem dezentralen Energie­ system in Deutschland.

Noch vor einigen Jahren dominierten wenige zentral orientierte Erzeugungsanlagen die Energielandschaft in Deutschland. Die vier großen Energieversorgungsunternehmen agierten dabei in einem nahezu monopolistischen Markt und kontrollierten damit nicht nur die Versorgungsstrukturen, sondern auch die Preise. Doch dieses Bild hat sich seit Ende 2000, mit Beginn der ersten Rekommunalisierungswelle, gewandelt. Diese führte dazu, dass Stadtwerke vermehrt Konzessionen zurückgewannen und sich die Erzeugungsstruktur schrittweise von einem zentral ausgerichteten Energiesystem zu dezentralen Strukturen entwickelte. Mit dem Ausstiegsbeschluss aus der Atomenergie im Frühjahr 2011 und den im Sommer 2011 eilig eingebrachten Gesetzen zur Energiewende wurde schließlich das rechtliche Fundament für den vollständigen Umbau des Energiesystems gelegt. Zugleich wurde damit auch der weitere Weg für den Ausbau der dezentralen Erzeugung geebnet. Gleichzeitig mit der Abschaltung von acht Atomkraftwerken im Zuge des Moratoriums sind 8.000 Megawatt Leistung vom Netz gegangen. Diese konnten gut durch eine bessere Ausnutzung von fossilen Kraftwerken, aber auch durch den 28

verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien, abgefangen werden. So sind allein 2011 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 7,5 Gigawatt installiert worden und konnten bereits einen Großteil der fehlenden Energie ersetzen. Geplant war laut Bundesregierung gerade einmal ein Zubau von drei Gigawatt. Die erneuerbaren Energien haben damit in kürzester Zeit ihren Anteil an der Stromversorgung in Deutschland auf fast 20 Prozent erhöht und erstmals die Kernkraft überholt. Insofern sind die Ziele der Bundesregierung, ihren Anteil bis 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen, zwar ambitio­ niert, aber durchaus realistisch. Beim Umbau des Energiesystems kommt den rund 900 Stadtwerken in Deutschland eine Schlüsselrolle zu. Sie unterstützen die Energiewende mit innovativen Konzepten für eine effiziente Energieverwendung – und das nicht erst seit den politischen Entscheidungen von 2011 – sowie Investitionen in eine nachhaltige und auf erneuerbaren Energien basierende Versorgung. Derzeit bauen sie schon für über acht Milliarden Euro dezentrale Erzeugungskapazitäten, wovon weit über 50 Prozent in erneuerbare Energien oder effiziente und hochflexible Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung gehen. Wenn die

ordnungs- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stimmen, können die Stadtwerke in den nächsten Jahren weitere Milliarden Euro zusätzlich aufwenden. Gegenwärtig versorgen kommunale Unternehmen über 50 Prozent der Bürger mit Strom, erzeugen aber gerade einmal knapp zehn Prozent. Für einen echten Wettbewerb ist dies jedoch deutlich zu wenig. Das Ziel ist deshalb, den Anteil der Stadtwerke an der Stromerzeugung innerhalb den nächsten zehn Jahre auf 20 Prozent zu erhöhen. Hierzu setzen wir neben den Erneuerbaren auf flexible und hocheffiziente Kraftwerke, zum Beispiel GuD-Anlagen. Im Gegensatz zu konventionellen Kraftwerken sind die erneuerbaren Energien aufgrund ihrer volatilen Einspeisemenge jedoch nicht dazu geeignet, die Grundlast abzudecken. Zudem wird der Großteil der Energie aus Wind und Sonne im Norden erzeugt, die großen Verbraucherzentren liegen jedoch weiter im Süden, was ganz neue Herausforderungen an die Netzinfra­ struktur erzeugt. Deshalb brauchen wir neben den großen Übertragungsnetzen einen deutlichen Ausbau der Verteil­ netze. Bereits heute werden 97 Prozent der erneuerbaren Energien über die


Foto: VKU/Schüring-photo.com

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Verteilnetzebene eingespeist. Bei hohem Windaufkommen kann es jedoch passieren, dass Windräder abgeschaltet werden, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden. Die dafür notwendigen Ausbaukosten im Netzbereich liegen bis 2030 nach unseren Hochrechnungen bei 25 Milliarden Euro. Darin noch nicht enthalten sind die Kosten für den Umbau hin zu intelligenten Netzen. Neben dem notwendigen Netzausbau bedarf es auch der Nutzung von Energiespeichern, um die energiepolitischen Ziele wirtschaftlich und nachhaltig zu realisieren. Für die Unterstützung einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung können beispielsweise mit „Powerto-Gas“ verlässlich und bedarfsgerecht Überschüsse aus der lokalen Windenergieproduktion eingesetzt werden, die sonst durch Abregelung verloren gingen. Das kann helfen, den ansonsten notwendigen Netzausbau zu vermeiden beziehungsweise zu optimieren. Kommunalen Betreibern der Gasverteilnetze fällt mit „Power-to-Gas“ die Rolle des Systemintegrators volatiler und nicht planbarerer Energie zu. Daneben stellt es für sie ein Konzept dar, ihre vorhandenen Gasnetze vor dem Hintergrund einer auf Klimaschutz und Energieeinsparung ausgerichteten

Politik und bei tendenziell rückläufigen Gasverbräuchen zu nutzen. Neben den Netzen und den Erneuerbaren müssen wir noch mehr auf die Effi­zienz setzen. Anders formuliert: „Die beste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen.“ Um die Energiewende zu vollziehen, werden durch die angestrebten Maßnahmen die Energiepreise vorübergehend moderat steigen. Diesen Preisanstieg können wir durch Energieeffizienzmaßnahmen, auch durch die Verbraucher selber, deutlich abmildern. Zudem fangen der vermehrte Neubau von Gaskraftwerken und die damit einhergehenden Effizienzgewinne die Preissteigerung mittelfristig wieder auf. Die Energiewende bietet die Chance, die Vorreiterrolle Deutschlands auf dem Weg zu einem hocheffizienten, erneuerbaren Energiesystem zu festigen und den dringend notwendigen Wettbewerb auf dem Erzeugungsmarkt anzuschieben. Genauso wie die Ethikkommission vor gut einem Jahr proklamiert hat, sind wir überzeugt, dass auch ohne Kernenergie eine sichere und bezahlbare Energieversorgung möglich ist – ohne Abstriche beim Klimaschutz und mit einem Zugewinn an Arbeitsplätzen. Wir teilen die Zuversicht der Bundesregierung, dass die Wettbewerbsfähig-

keit Deutschlands durch den Umstieg auf regenerative Energien gestärkt wird. Eines steht fest: Das Energiesystem der Zukunft wird deutlich weniger auf zentralen Strukturen beruhen, sondern auf vielen dezentralen Erzeugungsanlagen. Die Kommunalwirtschaft ist hier originärer Partner der Politik, da sie die erforderliche dezentrale Energieerzeugung vor Ort ausbaut und die Verteilnetze betreibt. Die kommunalen Unternehmen sind Garant, dass der Weg in eine klimaschonende und zuverlässige Energieversorgung sicher gestaltet werden kann und in der Bevölkerung die notwendige Akzeptanz findet.

Hans-Joachim Reck Reck ist Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) | Der VKU vertritt über 1.400 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/ Abwasser und Abfallwirtschaft | Mit 236.000 Beschäftigten wurden 2009 Umsatzerlöse von rund 94 Mrd. Euro erwirtschaftet und etwa 8 Mrd. Euro investiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen haben im Endkundensegment einen Marktanteil von 54,2 Prozent in der Strom-, 67,7 % in der Erdgas-, 76,3 % in der Trinkwasser-, 58,2 % in der Wärmeversorgung und 12,8 % in der Abwasserentsorgung.

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Schwerpunkt

Energieeffizienz am Ostseestrand Mehr Energieeffizienz im Wärmebereich steht im Mittelpunkt des Pilotprojekts „ÖkoEnergie“, das von der Stadtwerke Rostock AG, dem Gerätehersteller Vaillant und VNG initiiert wurde. Gemeinsam setzen die Kooperationspartner auf den Einsatz von Mikro-KWK-Anlagen in Hotels und Pensionen im Ostseebad Kühlungsborn und entlang der mecklenburgischen Ostseeküste. medium gas war beim Projektstart in Kühlungsborn dabei.

Text Mandy Nickel, VNG Dass an der Küste meist eine steife Brise weht, gilt als allgemein bekannt. Folglich sollten Windräder in Wassernähe eine hohe Attraktivität besitzen. Doch was in der Theorie logisch klingt, stößt in von Tourismus geprägten Küstenregionen auf breiten Widerstand. Fest steht: Trotz Skepsis bei der Errichtung von Windparks in Küstennähe ist das Umweltbewusstsein bei den Hoteliers der Ostseeregion besonders groß; schließlich achten auch Urlauber zunehmend auf klimafreundliches Reisen.

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Eine grüne Küste mittels Mikro-BHKW Mit dem Projekt „ÖkoEnergie“ setzen die Stadtwerke Rostock AG, VNG und der Gerätehersteller Vaillant auf das Umweltbewusstsein in Kühlungsborn sowie den umliegenden Ostseebädern der mecklenburgischen Küste und engagieren sich für die Verbesserung der Energieeffizienz in Hotels, Pensionen und sonstigen touristischen Einrichtungen. Gelingen soll dies mit dem Austausch alter Heizungsanlagen und dem Einbau moderner und hocheffizienter Mikro-Blockheizkraftwerke auf Erdgas- oder Bioerdgasbasis. Der Vorteil: KWK-Anlagen für den heimischen Keller produzieren Wärme und Strom. Da

die Abgabe von ungenutzter Abwärme an die Umwelt weitgehend vermieden wird, erreichen die Anlagen einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent. Der produzierte Strom kann neben der vergüteten Einspeisung ins Stromnetz natürlich auch zum Eigenverbrauch genutzt werden. Somit schonen Mikro-BHKW den Geldbeutel und tragen durch den wesentlich geringeren CO2-Ausstoß zum Klimaschutz bei. In Kühlungsborn befinden sich rund 60 Hotels, Pensionen und Appartementhäuser sowie über 2.000 private Ferienwohnungen. Da viele dieser Häuser Anfang der 1990er Jahre saniert oder neugebaut wurden, ist der Modernisierungsbedarf


Foto: Matthias v. d. Elbe

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der Heiztechnik besonders groß. Durch die Sanierung im Gebäudebereich und den Austausch von alten Heizungsanlagen mit modernen KWK-Anlagen werden auf schnellstem Wege Effizienzpotenziale geschaffen, die über den Einsatz von anderen Energieerzeugungsanlagen nicht erreicht werden können. Das Rundum-Sorglos-Paket Hier setzen die Projektpartner an und haben mit „ÖkoEnergie“ für Interessierte ein komplettes Servicepaket, von der Beratung im Vorfeld bis zur Evaluierung der tatsächlichen Energieersparnis entwickelt. Um im Vorfeld abschätzen zu können, ob

sich für den Hotelier der Einsatz eines Mikro-BHKW auch rechnet, übernimmt VNG die komplette Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Vaillant stellt anschließend ein individuelles Technikpaket zusammen. Mit dem markt­erprobten BHKW ecoPOWER kann Vaillant je nach Größe des Gebäudes Geräte von 1 kWel bis 20 kWel bereitstellen. Der Einbau erfolgt durch lokale Fachhandwerkspartner. Die Stadtwerke Rostock AG fungieren als direkter Ansprechpartner, liefern das benötigte Erdgas und kümmern sich um notwendige Förderanträge. Das Anlagen-Monitoring –­quasi die Auswertungs- und Entscheidungsgrundlage für Energieeinsparungen

– wird wiederum von VNG durchgeführt. Neben dem umfassenden Servicepaket warten auf die Kunden neben der KWK-Förderung durch das Bundesumweltministerium (siehe Seite 17) auch Bonuszahlungen von bis zu 2.500 Euro, die von der Stadtwerke Rostock AG und Vaillant bereitgestellt werden. Fazit: „ÖkoEnergie“ wirkt nicht nur nachhaltig, kosteneffizient und ökologisch sinnvoll, sondern es unterstreicht auch das Image Mecklenburg-Vorpommerns als Tourismusland mit umweltfreundlichen Energiekonzepten und als Standort innovativer Zukunftstechnologien. www.ökoenergie-mv.de 31


Umschau

Technik und Innovation

Neuartiger Schnell­verschlussantrieb für L- bis XXL-Kugelhahn QEMETA – Quick Electric Motor Emergency Turn Actuator – so der Name einer Antriebslösung für schnellschließende Armaturen. Seit Dezember 2011 wird die Weltneuheit auf dem Untergrundgasspeicher Bernburg eingesetzt.

Der Sicherheitsstellantrieb hebt sich durch die blaue Einfärbung deutlich vom Kugelhahn der Gaskaverne ab.

Text André Deichsel, freier Redakteur | Fotos Dirk Brzoska „Ohne funktionierende Kavernenkopfsteuerung keine zuverlässige Gasspeicherung“, sagt Joachim Piepkorn, Leiter auf dem Untergrundgasspeicher Bernburg. Sichtlich stolz zeigt er auf die auffallend blaue Armatur am Kavernenkopf von Gaskaverne Bb130 in Bernburg, hier hat die Entwicklung der einzigartigen Technik ihren Ursprung. Kurz zur Vorgeschichte Auf allen Speicheranlagen der VNG Gasspeicher GmbH werden die Antriebe für die Kavernenkopfsteuerung – also den oberirdischen Verschluss einer Gaskaverne – pneumatisch oder elektrohydraulisch betrieben. Das ist übrigens auch bei vielen anderen Speicherunternehmen der Fall. Dabei führt der Einsatz von Druckluft oder Hydraulikflüssigkeit zur Schließ- oder Öffnungsbewegung des Kugelhahns, der die Gaskaverne öffnet und schließt. Diese Antriebsformen haben sich seit Jahren bewährt, besitzen aber auch einige Nachteile: Die Wartung und Instandhaltung ist sehr aufwendig und der Geräuschpegel hoch. Joachim Piepkorn machte sich auf die Suche nach Alternativen. Die Idee Einfache elektromechanische Antriebe mit Federenergiespeicher. Nach intensiver Recherche stand fest, dass es den ge32

wünschten Kugelhahnantrieb bisher nicht auf dem Weltmarkt gibt. „Mit der Führer Engineering KG und den Ingenieuren der Prämab GmbH habe ich dann sogar Experten aus der Region gefunden, die aus meinen ursprünglichen Papierskizzen einen Prototyp entwickelten“, so Piepkorn. Geboren war der kompakte, rein elektrische, explosionsgeschützte Stellantrieb für 90 Grad-Armaturen mit Sicherheitsabsperrfunktion – kurz: QEMETA. Doch was genau verbirgt sich hinter der blauen Armatur? „Das Innere ähnelt dem Modell eines Sonnensystems. Auf einer Art Sonnenrad befinden sich mehrere Planetenräder. Darin wiederum befinden sich Federn, die über einen Motor (Planetengetriebe) aufgezogen werden. Die Vorspannung erfolgt elektromotorisch und das Halten der Vorspannung elektromagnetisch. Beim Öffnen der Kaverne und somit dem Öffnen des Kugelhahns erfolgt gleichzeitig das Spannen der Federn. Wenn die Endlage des Antriebes erreicht ist, schaltet die Motorspannung ab, daraufhin wird eine Bremse eingelegt. Die Bremse hält über die Getriebekonstruktion die gesamte Federkraft“, erklärt Joachim Piepkorn. Würde es nun zu einer Not-Auslösung kommen, löst sich die Bremse und es kommt zur Entspannung der Federn. Der Antrieb bringt den Verschluss blitzschnell in die Endlage, womit die Sicherheitsstellung am Kavernenkopf erreicht ist.


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Konstrukteur Michael Führer (Führer Engineering KG), Ideengeber Joachim Piepkorn (VNG Gasspeicher GmbH) und Geschäftsführer Erhard Berge (PRÄMAB Maschienenbau) (v. l.) bei der Besichtigung des ersten QEMETA-Serienmodells an einer Bernburger Gaskaverne.

Das Besondere Durch QEMETA fährt die Armatur ohne zusätzliche Hilfsenergie bei einer Anlagenstörung mit Energieausfall selbstständig in die geforderte Notstellung. Zudem arbeitet die Anlage selbst beim theoretisch möglichen Ausfall der Steuerspannung autark. Durch den Verzicht auf Hilfsenergiesysteme ist QEMETA nahezu wartungsfrei, ressourcenschonend und somit wirtschaftlicher als bestehende Lösungen. Nach ausgiebigen und erfolgreichen Tests des Armaturprototyps ging im Dezember 2011 der erste zertifizierte Serientyp in Bernburg in Betrieb. In den kommenden Jahren wird QEMETA auch an den anderen Bernburger Kavernenköpfen zum Einsatz kommen.

Glossar Elektromechanik Erzeugung mechanischer Vorgänge mit Hilfe elektrischer Antriebe Gaskaverne größerer natürlicher oder künstlich geschaffener unterirdischer Hohlraum zur Erdgasspeicherung Hydraulik Übertragung von Kräften mit Hilfe einer volumenbeständigen Flüssigkeit Kavernenkopf obertägiger Abschluss einer Bohrung von Sonden und Kavernen Kugelhahn Armatur mit einer durchbohrten Kugel als Absperrkörper, charakteristisch ist das vollständige schließen innerhalb einer 90° Drehung. Planetengetriebe Zahnradgetriebe, die neben gestellfesten auch Achsen besitzen, die selbst auf Kreisbahnen im Gestell umlaufen. Pneumatik Übertragung von Kräften mit Hilfe von Druckluft

Ihr Ansprechpartner Joachim Piepkorn, Leiter UGS Bernburg VNG Gasspeicher GmbH joachim.piepkorn@vng-gasspeicher.de

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Das VNG-Hauptstadtgespräch

„Die Energiewende ist eine riesige Chance für Deutschland.“ Seit einem Jahr steht das Thema „Energiewende“ ganz oben auf der politischen Agenda. Im 3. Teil des VNGHauptstadtgesprächs spricht medium gas mit Oliver Krischer, Mitglied des Deutschen Bundestages und Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN über die notwendigen Maßnahmen im Nach-Atomzeitalter und die Vorbildfunktion Deutschlands in der Welt.

Fotos Michael Fahrig Herr Krischer, vor rund einem Jahr ebnete die Bundesregierung mit dem vorzeitigen Atomausstieg den Weg in Richtung Energiewende. Wie fällt Ihr Fazit über das bisher Erreichte aus? Eine Energiewende haben wir im Grunde seit mehr als zehn Jahren. Nach Abschaltung der acht Atomkraftwerke im letzten Jahr ist aber faktisch nichts mehr passiert. Dabei gibt es nun hunderte kleine Baustellen, an denen gearbeitet werden muss. Das heißt: Wir können nicht länger warten, sondern müssen gerade jetzt handeln. Es müssen Anreize geschaffen werden, um Speichertechnologien zu entwickeln, Transportnetze zu modernisieren und Investitionen in Gaskraftwerke aber auch bei der KWK-Technologie zu erleichtern. Ich weiß, das ist alles nicht so spektakulär, wie die Abschaltung von Atomkraftwerken. Dennoch ist es die Kernarbeit, die nach Beschluss der Energiewende notwendig ist. Aber daran hapert es im Moment, weil das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesumweltministerium in Sachfragen zerstritten sind und sich gegenseitig blockieren. Die Energiewende findet auch in Europa statt. Mit der Energieeffizienzrichtlinie will die EU-Kommission verbindliche Effizienzziele für die Mitgliedstaaten festlegen. Die Bundesregierung erwägt nun, der Richtlinie nicht zuzustimmen, da man sich den Weg der Zielerreichung nicht vorschreiben lassen möchte. Ist dieses Handeln konsistent? Das, was in Europa stattfindet, gleicht einem Stück aus dem Tollhaus. Die Bundesregierung selbst hat im Jahr 2007 die Effizi34

enzsteigerung von 20 Prozent bis 2020 auf europäischer Ebene durchgesetzt. Jetzt, wenn es darum geht, konkrete Maßnahmen umzusetzen, zieht man sich zurück und scheut verbindliche Zusagen. Ich mache seit mehr als 20 Jahren Energiepolitik. Dabei habe ich gelernt, dass die Energieeffizienzsteigerung das wichtigste energiepolitische Ziel ist. Jede Kilowattstunde, die wir nicht verbrauchen, trägt zur Klimaverbesserung bei. Daher müssen wir alles dafür tun, um in Zukunft nicht mehr, sondern weniger Energie zu verbrauchen. Die Senkung des Energieverbrauchs steht auch im Mittelpunkt des Gesetzes zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (EEWärmeG) . Welche konkreten Maßnahmen sind hier besonders wichtig? Völlig klar ist, dass wir bei der Gebäudesanierung etwas tun müssen. Um den öffentlichen Gebäudebestand einmal komplett zu sanieren, braucht es eine jährliche Sanierungsrate von drei Prozent. Das ist für mich eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Zudem kann es nicht sein, dass es in einem Hochindustrieland heute noch Gebäude gibt, in denen Heizkessel aus den 1970er Jahren installiert sind. Hier muss dringend etwas passieren. Unser Ziel ist es, die Bereiche Gebäudesanierung und Heizungsmodernisierung zusammenzubringen und auf beiden Ebenen das Maximale herauszuholen. Das heißt aber nicht, dass wir aus dem kompletten Gebäudebestand Passivhäuser machen möchten. Das wäre illusorisch. Entscheidend ist, vorhandene Effizienzsteigerungspotenziale zu nutzen, ohne Kommunen und Privathaushalte zu überfordern.


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Oliver Krischer im sog. Lampenladen, dem Restaurant im Paul-Löbe-Haus.

Können Mikro-KWK-Anlagen dazu beitragen, dieses Effizienzpotenzial zu maximieren? Ja, davon bin ich überzeugt. Um KWK-Anlagen im heimischen Keller eine realistische Perspektive zu eröffnen, müssen eine Reihe von bürokratischen Hürden abgebaut werden. Momentan werden Privathaushalte mit zahlreichen undurchsichtigen Vorschriften und Formularen konfrontiert. Das schreckt ab und blockiert den KWK-Ausbau. KWK-Anlagen sind aber eine ideale Ergänzung für die erneuerbaren Energien. Unser Ziel muss es daher sein, eine Vielzahl von alten Heizungen durch Mikro-BHKW zu ersetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Anlagenförderung ähnlich einfach gestaltet werden, wie wir sie derzeit bei der Photovoltaik vorfinden. Dann würde sich so mancher Kraftwerksneubau schon deswegen erübrigen, weil eine Vielzahl Mikro-BHKW für die nötige Stromversorgung sorgt. Die Energiespeicherung ist ein zentrales Thema für die Realisierung der Energiewende. Wie kann es gelingen, die Entwicklung von Speicheranlagen zu beschleunigen? Wir brauchen politische Anreize, um Investitionen in Speichertechnologien zu erleichtern. Diese Anreize fehlen bisher vollständig. Bei der Power-to-Gas-Technologie gibt es eine Reihe von Aktivitäten bei der Forschung und Entwicklung. Das ist gut, auch wenn man fragen kann, ob hier nicht noch mehr möglich ist. Fest steht: Wir werden es in Zukunft mit einer zunehmend schwankenden Stromerzeugung zu tun haben, die es auszugleichen gilt. Im Kern brauchen wir daher ein klares politisches Signal, dass Speichertechnologien im zukünftigen Strommarkt

dringend notwendig sind. Wie die Förderung im Detail aussehen kann, lässt sich gegenwärtig noch nicht sagen. Welche Rolle spielt Bioerdgas im Strom- und Wärmebereich? Die Anzahl von Biogasanlagen wird weiter zunehmen. Also wird auch das Thema Bioerdgas bei der Strom- und Wärmeerzeugung immer wichtiger. Bioerdgas hebt sich ja vor allem wegen seiner planbaren Produktion und Speicherfähigkeit deutlich von anderen Erneuerbaren ab. Ich kann mir auch vorstellen, dass insbesondere die Transportfähigkeit von Bioerdgas stärker in den Fokus rückt. Vor allem durch das vorhandene Erdgasnetz ist es ja sehr einfach, Bioerdgas an Orte zu transportieren, wo es schwer ist, andere erneuerbare Energien zu nutzen. Derzeit wird viel über den Sinn der Umweltzonen und die Förderung von Elektrofahrzeugen diskutiert. Es häufen sich Stimmen, die sagen, Elektrofahrzeuge seien nur ein kleines Element im zukünftigen Mobilitätsbereich. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Ich glaube, es wird vieles auf das Thema Elektromobilität zulaufen. Allerdings muss auch klar sein, dass bei insgesamt Oliver Krischer geboren am 26. Juli 1969 in Zülpich (NRW) | Biologie-Studium an der RWTH Aachen | seit 1989 Mitglied von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN | 1997– 2002 Mitarbeiter von Michaele Hustedt, MdB a.  D. | 2002–2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter der GRÜNEN-Landtagsfraktion NRW | seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

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Umschau

Seit 1999 ist das Berliner Reichstagsgebäude der Sitz des Deutschen Bundestages.

30 Millionen Fahrzeugen in Deutschland eine Million Elektroautos nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Das heißt, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor werden auch in Zukunft die deutschen Straßen dominieren. Daher ist wichtig, dass die Hersteller in die Effizienzsteigerung solcher Motoren investieren. Auch der Einsatz von Erdgasmotoren ist hier absolut sinnvoll. Denn diese produzieren nahezu keinen Feinstaub und weit weniger CO2 als herkömmliche Antriebe. Aber wieso ist die Politik so einseitig auf den Ausbau von Elektromobilität fixiert, wenn wir doch bereits heute Technologien existieren, die klimafreundlicher und effizienter sind als herkömmliche Benzin- oder Dieselfahrzeuge? Nun, wir sollten uns nicht das französische Modell der Absatzförderung bestimmter Technologien zum Vorbild nehmen. Bei der Verbreitung von Erdgasfahrzeugen setzen wir aufgrund der enormen Klimavorteile weiter auf Steuererleichterungen. Das Hauptproblem sehe ich in der Vermarktung alternativer Antriebe. Für die Hersteller stehen derzeit die klassischen Benziner im Vordergrund. Erdgasfahrzeuge bekommt man wenn überhaupt erst auf Nachfrage genannt. Hier sind also vor allem die Automobilhersteller selbst gefragt, das Thema voranzubringen. Die Erweiterung der Erdgasmodellpalette bei VW, Audi oder Opel macht doch aber deutlich, dass die Hersteller verstärkt auf den klimafreundlichen Erdgasantrieb setzen. Deutschland besitzt in Sachen energiepolitischer Zielstellung eine Vorreiterposition. Wie können wir andere Nationen dazu 36

bewegen, uns bei der Klima- und Energiepolitik zu folgen? Die Entwicklungen hierzulande werden in der Welt sehr aufmerksam verfolgt. Wenn wir es schaffen, die Energieversorgung effizient und nachhaltig zu gestalten, ohne auf Kohle- und Atomkraftwerke zu setzen, wird das auch zum Nachahmen anregen. Belgien, die Schweiz und Italien werden aus der Atomkraft aussteigen, auch die Franzosen sind zunehmend skeptisch. Die Welt verändert sich also. Wir müssen nun alles dafür tun, dass wir mit unseren Technologien an der Spitze dieser Bewegung stehen. Das ist eine riesige Chance für Deutschland und eine wunderbare Zukunftsperspektive. Dennoch entsteht derzeit eine Bewegung in Deutschland, die Stein- und Braunkohle als Brückentechnologie für die Erneuerbaren sieht. Diese Entwicklung bewerte ich sehr kritisch. Es gibt keine klimaschädlichere Energieerzeugung als die mit Kohle. Das ändert sich auch mit verbesserter Kraftwerkstechnologie kaum. Den Glauben, man könne Kohlekraftwerke irgendwann so flexibel und klimafreundlich gestalten wie moderne Gaskraftwerke, halte ich für ein nicht einlösbares Zukunftsversprechen. Wenn wir Kohlekraftwerke, die teils aus den 1950iger Jahren stammen, weiter am Leben halten, können wir doch gleichzeitig keinem Hausbesitzer ernsthaft erklären, dass er sich dringend eine moderne Heizungsanlage anschaffen soll. Die Energiewende mit Kohle zu meistern, kann und darf daher nicht unser Ziel sein. Herzlichen Dank für das Gespräch.


Foto: EUROFORUM/Dietmar Gust

Termine im nächsten Quartal

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Terminübersicht 02.06.–10.06.2012 Auto Mobil International (AMI) Leipzig www.ami-leipzig.de 06.06.2012 BDEW Erdgasforum Leipzig www.bdew.de 25.06.–29.06.2012 Neftegaz 2012 Moskau www.neftegaz-online.com

26.06.–28.06.2012 BDEW Kongress 2012 Berlin | www.bdew.de 27.08.–29.08.2012 3. Handelsblatt-Jahrestagung Erneuerbare Energien 2012 Berlin www.erneuerbare-energientagung.de 28.08.–31.08.2012 ONS 2012 Stavanger | www.ons.no

BDEW Kongress 2012 Der BDEW Kongress 2012 steht unter dem Motto „Märkte von morgen – zwischen Wettbewerb und Regulierung“. Die Veranstaltung findet vom 26. bis 28. Juni in Berlin statt. VNG präsentiert sich mit Produkten und Dienstleistungen im Rahmen der Fachausstellung.

3. Handelsblatt-Jahrestagung Erneuerbare Energien 2012 Die Handelsblatt-Jahrestagung Erneuerbare Energien 2012 findet vom 27. bis 29. August in Berlin statt. Inhaltlich widmet sich die Veranstaltung dem regenerativen Umbau der Energieversorgung in Deutschland und den Konsequenzen der deutschen Energiewende im europäischen Kontext.

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FEATURE

KRISTINA VOGEL

Foto: Bryn Lennon

VNG unterstützt über das Verbundnetz für den Sport junge Talente in Ostdeutschland – auch in ihrer Vorbereitung auf die olympischen Sommerspiele in London. medium gas begleitet in dieser und in den kommenden Ausgaben drei Athleten – und kann dann vielleicht sogar vom großen Goldregen berichten.

Auf dem Weg nach London … Wie sind Sie zum Radfahren gekommen? In meiner Grundschule hing ein Plakat: „E.T. nach Hause radeln“. Ich hatte damals E.T. noch nicht gesehen, fand es aber lustig und habe mich einfach mal gemeldet. Was fasziniert Sie an der Sprintdisziplin besonders? Am meisten fasziniert mich der direkte Kampf mit dem Gegenüber. In anderen Sportarten ist es oft „nur“ die Zeit, die entscheidet. Im Sprint geht es dagegen um Taktieren und um das „Spielen“ mit dem Gegner. Der, der es schafft, dem Gegner seine Taktik aufzuerlegen, der gewinnt!

Kristina Vogel Sportart Radsport | Disziplin Sprint | Stützpunkt OSP Thüringen | Alter 22 Jahre | Beruf Bundespolizeimeisteranwärterin | Bisherige Erfolge 2011 Deutsche Meisterin Sprint, DM-Silber 500 m; 2010 Vize-Europameisterin Sprint, EM-Bronze Teamsprint

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Wie sieht Ihre Olympiavorbereitung aus? Erstmal steht jetzt für mich die WM an, für die trainiere ich gerade sehr intensiv. Erst danach geht die Vorbereitung für Olympia los. Ihr Ziel für London 2012? Klar, als Leistungssportler fährt man immer zu einem Wettkampf und will gewinnen! Folglich wäre ein Olympia-Gold die Erfüllung aller Träume. Ich will es aber lieber etwas leichter sehen, vor allem, weil es meine ersten Olympischen Spiele sind. Ich sehe es also etwas realistischer, traue mich nicht so richtig an den Medaillenwunsch.

Patrick Hausding Sportart Turmspringen | Disziplin 3 m, Turm, Synchron | Stützpunkt OSP Berlin | Alter 23 Jahre | Beruf Sportsoldat | Bisherige Erfolge diverse Meistertitel bei Deutschen Meisterschaften und Europameisterschaften, 2011 WM-Silber im 10 m Synchronspringen

Sebastian Brendel Sportart Kanu | Disziplin Canadier | Stützpunkt OSP Brandenburg – Potsdam | Alter 24 Jahre | Beruf Bundespolizist | Bisherige Erfolge u. a. 2011 Europameister und Deutscher Meister im Einer, 2010 WM-Bronze im Einer


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Wie sind Sie zum Wasserspringen gekommen? Ich bin mit 6 Jahren in meiner damaligen Grundschule durch eine Art „Scouting“ von Nachwuchstrainern entdeckt worden. Ich bekam einen Flyer zum Probetraining und bin dabei geblieben.

Wie sieht Ihre Olympiavorbereitung aus? Momentan befinde ich mich in einer Wettkampfphase mit einigen Wettkämpfen, um mich international oft zu zeigen und Zeichen für Olympia zu setzen. Im Juni findet die Quali für die Olympischen Spiele statt. Meine Vorbereitung dorthin läuft soweit nach Plan.

Patrick Hausding Foto: Patrick Hausding

Was fasziniert Sie am Wasserspringen besonders? Wasserspringen ist anspruchsvoll: Kraft, Geschick, Ästhetik und Mut finden zueinander und werden in spektakulären Sprüngen demonstriert.

Foto: Rolf Kosecki

Ihr Ziel für London 2012? Eine Medaille! Farbe: egal, aber am liebsten Gold!

Wie sind Sie zum Kanufahren gekommen? Ich habe viele Sportarten ausprobiert: Fußball,Karate und Leichtathletik und beim Kanu bin ich am Ende hängen geblieben. Das abwechslungsreiche Training hat mir dabei besonders gefallen. Was fasziniert Sie am Kanufahren besonders? Das schönste am Kanusport ist, dass man sehr viel an der frischen Luft ist und man an verschiedensten Orten trainieren darf. Diesen Winter haben wir hauptsächlich in Florida und Italien verbracht. Wie sieht Ihre Olympiavorbereitung aus? Wir befinden uns kurz vor den nationalen Qualifikationen, die schon eine gute Standortbestimmung sind. Das Training findet jetzt zu 80 Prozent auf dem Wasser statt. Wir haben das Grundlagentraining abgeschlossen und versuchen uns jetzt an die Wettkampfgeschwindigkeiten zu gewöhnen. Ihr Ziel für London 2012? Falls ich dabei bin, werde ich meine beste Leistung anbieten. Eine Medaille in der Königsdisziplin wäre natürlich ein Traum.

Sebastian Brendel 39


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medium gas | 20. Jahrgang | Ausgabe 1 | Mai 2012

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