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medium gas

Das Magazin fĂźr die Kunden und Partner der VNG-Gruppe | 16. Jahrgang | 2. Ausgabe | Juli 2007

Schwerpunkt: Versorgungssicherheit Prognosen: Versorgung langfristig gesichert | DiversiďŹ zierung und Langfristigkeit | Erdgas im BMW Werk Leipzig | Expertenbeitrag: Die politische Seite der Energieversorgung


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Inhalt 9 Markt

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Bilanzpressekonferenz 2007: Mit guten Zahlen auf Wachstumskurs

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Sachsen LB und VNG haben sich gemeinsam um Anteile an Leipziger Stadtwerken beworben

18 Schwerpunkt

32 Umschau

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Neuer Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Karsten Heuchert

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Gazprom und VNG: wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit

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Eurogas tagt zum EU-Russland Energiedialog im VNG-Büro Berlin

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InfraLeuna GmbH: Garantiert den besten Service für Investoren

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VNG und Partner bei der Bundesgartenschau in Thüringen

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Architekten informieren sich über Möglichkeiten des Erdgaseinsatzes

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AMI 2007: Spaß am Autofahren – mit gutem Gewissen

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Schwerpunkt: Versorgungssicherheit

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Versorgung langfristig gesichert

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Diversifizierung und Langfristigkeit

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BMW-Werk: 650 Autos laufen täglich vom Band – dank Erdgas

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Expertenbeitrag: „Die Sicherheit der Energieversorgung hat auch eine politische Seite.“

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Ketzin: CO2SINK-Projekt geht in die dritte Phase

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Der Sicherheitspartnerschaft Tiefbau e.V. fördert praktische Ausbildung

40 Feature

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Von Räuchermännchen, Kommunalpolitikern und Wirtschaftsbossen

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Aktive Hilfe für Bedürftige in der Ukraine

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Der Norwegische Wirtschaftsrat für Deutschland zu Gast

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Neuer Masterstudiengang „International Energy Economics and Business Administration“

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Zusatzqualifikation: In sechs Wochen zum Energiefachmann

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Verbundnetz-Botschafter wurden in ihren Heimatstädten empfangen

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Berliner Schülerinnen gewinnen beim 10. Erdgaspokal

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Weiß auf Weiß – mit Licht gemalte Bilder

Impressum medium gas Das Magazin für die Kunden und Partner der VNG-Gruppe | VNG - Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft | Braunstraße 7, 04347 Leipzig | Postfach 24 12 63, 04332 Leipzig | Tel. 0341 443 - 0 | Fax 0341 443 - 2057 | www.vng.de | Redaktion Unternehmenskommunikation | Verantwortlicher Redakteur Stefan Brauße | Tel. 0341 443 - 2458 | stefan.brausse@vng.de | Redaktionsbeirat Helge Andrä, Dr. Reinhard Böhm, Mike Diekmann, Bernhard Kaltefleiter, Siegbert Ketelhut, Kerstin Kietzke, Heinz Möller, Stefanie Mrazek, Birgit Reiss, Christopher Seibel, Bettina Scholtz, Dr. Achim Westebbe | Redaktionsschluss für diese Ausgabe 15.6.2007 | für die nächste Ausgabe 24.8.2007 | Auflage 4 800 | Gestaltung, Herstellung Erik Sittauer | Militzer & Kollegen GmbH | Reproduktion und Druck Scan Color Leipzig GmbH | Fotos wenn nicht anders angegeben VNG | Seiten 42/43 privat | Titelseite In der Energiezentrale des BMW Werks Leipzig: Thomas Wicha, Verantwortlicher für Gebäudeleittechnik (Mitte) mit den beiden EVIL-Geschäftsführern Klaus-Joachim Pfeuffer (l.) und Jörg Feulner. Foto: Christoph Busse

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Editorial

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medium gas | 2007.2

Liebe Leserinnen, liebe Leser, am 4. Juli 2007 wurde in der Nähe von Großkorbetha in Sachsen-Anhalt ein Taucher versenkt. In der Fachsprache eher als Düker bekannt, handelt es sich um den Abschnitt einer Erdgasleitung, der einen Fluss durch- bzw. unterquert, in diesem Fall die Saale. 63 Meter lang und 75 Tonnen schwer ermöglicht er nach Abschluss der Sanierung als Teil der Ferngasleitung zukünftig Gastransporte zum VNG-Untergrundgasspeicher in Bad Lauchstädt. Die damit gestärkte technische Infrastruktur der VNG-Gruppe ist das Fundament sicherer Erdgaslieferungen an die Kunden. Nur mit regelmäßiger Wartung und Instandhaltung ist das hohe Niveau der technischen Anlagen zu halten.

Stefan Brauße

Die sichere Versorgung mit Erdgas muss neben den technischen allerdings an weiteren Fixpunkten festgemacht werden. Dazu gehören ohne Frage zuverlässige und langfristige Lieferbeziehungen zu den Produzenten. Was nützt die beste Infrastruktur, wenn kein Gas fließt? Zu Letzterem wird es nicht kommen. Die VNG-Experten arbeiten an den beiden wichtigsten Stellschrauben der Versorgungssicherheit: Langfristigkeit und Diversifizierung der Bezüge. Neben Erdgaslieferungen deutscher Gesellschaften sind auch jene aus den beiden wichtigsten Lieferländern Russland und Norwegen vertraglich bis weit in die Zukunft festgeschrieben. Für russisches Erdgas wurde gerade in diesem Jahr der bestehende Liefervertrag bis ins Jahr 2030 unterzeichnet. Ziel ist es ebenso, das Vertragswerk mit norwegischen Lieferanten über 2030 hinaus zu verlängern. Was die Diversifizierung, also die Vielfalt der Bezüge, anbelangt, so ist das Unternehmen an verschiedenen Stellen aktiv. Eine Teilmenge aus dem angesprochenen Vertrag über russisches Gas wird zum Beispiel über die neue Ostseepipeline kommen und stützt durch einen weiteren Gasübernahmepunkt somit die Versorgungssicherheit. Vor wenigen Tagen erst, am 29. Juni 2007, hat die norwegische Tochterfirma VNG Norge AS ihre ersten beiden Lizenzen zur Exploration von Erdgas auf dem norwegischen Kontinentalschelf erworben. Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 bis zu 1,5 Mrd. m³ Erdgas aus eigener Produktion zu erschließen. International nimmt auch die Bedeutung von verflüssigtem Erdgas (LNG) zu. Die VNG ist daher in ständigem Kontakt mit potentiellen LNG-Lieferanten, um zukünftig über die geplanten Terminals in Wilhelmshaven und Rotterdam einen zusätzlichen Bezugsweg zu erschließen. Versorgungssicherheit mit Erdgas geht über die zweifelsohne grundlegenden technischen Fragen hinaus, sie ist international. Aus diesem Grund geben wir im vorliegenden medium gas dem Thema Versorgungssicherheit den Schwerpunkt. Wie lange reicht Erdgas zum Beispiel? Warum können die VNG-Kunden der sicheren Versorgung vertrauen, und weshalb hat die Versorgungssicherheit auch eine politische Komponente? Eine gute Lektüre und viel Freude beim Lesen. Stefan Brauße

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Aktuell

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| Markt | Schwerpunkt | Umschau | Feature

Mit guten Zahlen auf Wachstumskurs Bilanzpressekonferenz der VNG für das Geschäftsjahr 2006. Mit einem Gasabsatz von 164,2 Milliarden Kilowattstunden hat die VNG – Verbundnetz Gas AG, Leipzig, im Jahr 2006 die bisher höchste Erdgasmenge ihrer Unternehmensgeschichte abgesetzt. Bei einem Umsatz von fünf Milliarden Euro erwirtschaftete der ostdeutsche Erdgasimporteur einen Jahresüberschuss von 154,8 Millionen Euro.

„Diese soliden Zahlen belegen unsere gute Markt-

Leistungskennzahlen

position und bilden die Basis für eine nachhaltig

2006

2005

559

567

erfolgreiche Unternehmensentwicklung“, sagte

Mitarbeiteranzahl zum Jahresende

Dr. Klaus-Ewald Holst, VNG-Vorstandsvorsitzen-

Gasabsatz

Mrd. kWh

164,2

158,5

Gaslieferung

Mrd. kWh

164,2

163,1

VNG ihre Position trotz des neuen europäischen

höchster Tagesabsatz

Mio. kWh

890

767

Wettbewerbs behauptet und ihren Marktanteil in

niedrigster Tagesabsatz

Mio. kWh

204

235

Deutschland von 15 Prozent verteidigt. Die neuen

Leitungsnetz zum Jahresende

km

7.045

7.043

Leistung der Verdichteranlagen zum Jahresende

MW

77,6

77,6

Kapazität der Untergrundgasspeicher zum Jahresende Mrd. m³

2,3

2,2

der auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz am 16. Mai 2007 in Leipzig. Im Inland habe die

Regeln im Gasmarkt konnte der ostdeutsche Erdgasimporteur in neuen Lieferverträgen mit Weiterverteilern und Industriekunden umsetzen. Rund 85 Prozent der abgesetzten Gasmenge verkauft die VNG bereits nach einem neuen flexiblen Vertragstyp, der kürzere Laufzeiten in Abhängigkeit der Liefermengen bietet. Auch beim Gaseinkauf

1,5 Mrd. m³ Erdgas aus eigenen Quellen zu beziehen“, bekräftigt der VNG-Chef. Eine Erweiterung

hat die VNG 2006 wichtige Weichen gestellt. „Wir

des Bezugsportfolios verspricht sich VNG auch

werden unser Bezugsportfolio weiter ausbauen“,

vom Einstieg in die Produktion von BioErdgas.

unterstrich Holst. Neue Langfristverträge sichern der VNG Erdgaslieferungen aus Norwegen bis 2022 und aus Russland sogar bis Ende 2030. Mit der im Juli 2006 in Norwegen gegründeten Tochtergesellschaft VNG Norge AS wird die VNG zudem erstmals auch in die Produktion von Erdgas einsteigen. „Unser Ziel ist es, einmal bis zu

Umsatzentwicklung der VNG 1996 – 2006

in Mio. €

6.000 5.008

5.000 3.810

4.000 3.114

3.000 2.000

1.932

1.819

1.732

1997

1998

1999

3.320

2003

2004

2.894

2.605 1.693

3.320

1.000 0 1996

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2000

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2006

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Nachfragen erwünscht: Ein Journalist bei seiner Arbeit.

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medium gas | 2007.2

Den Fragen der Journalisten stellten sich am 16. Mai 2007 (v.l.) Wolfgang Eschment, damaliger Vorstand Gasverkauf/Technik, Prof. Gerhardt Wolff, Vorstand Kaufmännisches und Personal, Vorstandsvorsitzender Dr. Klaus-Ewald Holst und als Moderator Markus Wild, VNG-Pressesprecher.

Dazu soll aus Biomasse erzeugtes Biogas auf Erdgasqualität gebracht und dann ins vorhandene Gasnetz eingespeist werden. Diese sowie weitere Aktivitäten im Bereich innovativer Energien hat die VNG in der Tochtergesellschaft BALANCE VNG Bioenergie GmbH gebündelt. Wesentlichen Anteil am Erfolg der VNG-Gruppe hat auch das Auslandsgeschäft. Der Auslandsabsatz im Jahr 2006 stieg gegenüber 2005 um elf Prozent. Wesentliche Liefermengen gingen dabei nach Polen. Mit der polnischen Gasund Ölgesellschaft PGNiG hat die VNG zudem einen Zehnjahresvertrag über die Lieferung

von insgesamt 46 Mrd. kWh Erdgas abgeschlossen. Große Liefermengen gingen auch nach Italien. Darüber hinaus hat die VNG ihre gute Wettbewerbsposition im Jahr 2006 auch mit neuen Tochtergesellschaften und weiteren Beteiligungen im Energiebereich gestärkt. Das Beteiligungsgeschäft trägt dabei maßgeblich zum Ertrag der Unternehmensgruppe bei. Deshalb wird sich die VNG auch weiterhin in diesem für sie wichtigen Geschäftsfeld engagieren und ihr europäisches Beteiligungsportfolio weiter ausbauen. Markus Wild

Nach der Pressekonferenz ist Prof. Gerhardt Wolff im Gespräch mit Journalisten.

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Aktuell

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| Markt | Schwerpunkt | Umschau | Feature

Sachsen LB und VNG haben sich gemeinsam um Anteile an Leipziger Stadtwerken beworben bringen internationale Erfahrungen, Kontakte und ihre spezifischen Fähigkeiten ein. Der eine ist ein starker Energie-Experte, der andere ein starker Finanz-Spezialist mit hoher Beteiligungskompetenz. Und beide haben ihren Stammsitz in Leipzig“, sagte Holst. Das Sachsen LB-Vorstandsmitglied Werner Eckert unterstrich die „vielen Gemeinsamkeiten der sich perfekt ergänzenden Partner. Uns eint unser Interesse an einer nachhaltig guten wirtschaftlichen Entwicklung des Standortes Leipzig und der Region. Wir sehen darin beide einen Schwerpunkt Interessensbekundung (v.l.): Prof. Gerhardt Wolff, VNG-Vorstand, Dr. Klaus-Ewald Holst, VNG-Vorstandsvorsitzender und Sachsen LB-Vorstandsmitglied Werner Eckert.

unserer Aktivitäten und ausgezeichnete Chancen vor der eigenen Haustür“, betonte Eckert. Zu den Gemeinsamkeiten der Unternehmen gehören neben

Die beiden in Leipzig ansässigen Unternehmen Sachsen LB und VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft sind überzeugt, dass eine Teilprivatisierung der Stadtwerke Leipzig GmbH, bei der alle Anteile vollständig in der Messestadt verbleiben, das Beste für die Stadt ist. Aus diesem Grund haben beide Unternehmen am 14. Mai 2007 eine entsprechende Interessensbekundung zum Anteilserwerb bei der Stadt Leipzig abgegeben. „Wir bieten mit unserem verbundenen Engagement in jeder Hinsicht die naheliegendste Lösung“, begründete der VNG-Vorstandsvorsit-

der regionalen Verwurzelung auch ihre besondere

zende Dr. Klaus-Ewald Holst das gemeinsame

Verbund mit den beiden international agierenden

Engagement. „Sachsen LB und VNG gehören beide zu den größten ostdeutschen Unternehmen und

Unternehmen zu verwirklichen. Das ist nach An-

Osteuropakompetenz und das hohe Interesse an den erneuerbaren Energien, beides Bereiche mit Zukunftschancen auch für die Stadtwerke Leipzig. Ein Erwerb der Anteile an den Leipziger Stadtwerken würde folglich bedeuten, so Holst, „dass alle strategischen Entscheidungen in Leipzig getroffen werden, dass hier auch die Unternehmensgewinne anfallen und dass die kommunale Sicht einen hohen Stellenwert hat.“ Die Stadt Leipzig habe damit die Möglichkeit, die Investitions- und Expansionspläne ihrer Stadtwerke aus Leipzig heraus im

sicht des VNG-Chefs „der optimale Weg“.

Neuer Aufsichtsratsvorsitzender

Dr. Karsten Heuchert.

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In der konstituierenden Aufsichtsratssitzung der

absolvierte Heuchert sein Rechtsreferendariat am

VNG am 15. Mai 2007 wurde Dr. Karsten Heuchert zum

Hanseatischen Oberlandesgericht und war zugleich

Vorsitzenden des Aufsichtsrates der VNG gewählt.

wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität

Der 1954 geborene Schleswig-Holsteiner ist Mitglied

Hamburg. Seit 1985 ist er bei der Kasseler Winters-

des Vorstandes der Wintershall Holding AG, Celle/Kas-

hall AG beschäftigt und leitete dort unter anderem

sel. Nach Abitur und Ausbildung zum Bankkaufmann

die Rechtsabteilung. Seit Juni 2001 ist Heuchert im

studierte er Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg. Zwischen

Vorstand der Wintershall und Mitglied des Aufsichtsrates der VNG. Bereits in den Jahren 1994 bis 1996

erstem und zweitem juristischen Staatsexamen

war er Mitglied dieses Gremiums der VNG.

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medium gas | 2007.2

Gazprom und VNG vereinbaren wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit Eine Arbeitsdelegation des russischen Gaskon-

kamen 44 Prozent der Erdgasbezüge der VNG aus

zerns OAO Gazprom und Vertreter der VNG – Ver-

Russland. Die OAO Gazprom ist über ihre 100-pro-

bundnetz Gas AG vereinbarten am 25. Mai 2007

zentige Tochtergesellschaft Gazprom Germania

am Hauptsitz der VNG in Leipzig ein Programm für

GmbH mit 5,26 Prozent an der VNG beteiligt.

die weitere wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit. Festgehalten wurde, dass zunächst bis 2009 Projekte zur Gasspeicherung, zum Betrieb von Hochdruck-Gasleitungen sowie zur Automatisierung von Betriebsprozessen gemeinsam durchgeführt werden. Der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages gingen zwei Tage Gespräche mit den Mitarbeitern der VNG voran. Angeführt von Vlada Vilorikovna Rusakova, Vorstandsmitglied der OAO Gazprom und Direktorin der Abteilung Strategische Entwicklung, besuchten die Gäste zudem die Verdichterstation der VNG in Bobbau sowie die Untergrundgasspeicher in Bernburg und Bad Lauchstädt. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit 1998 regelmäßig auf wissenschaftlich-technischem Gebiet zusammen. Neben dem eigentlichen Gasgeschäft kooperieren Gazprom und VNG seit vielen Jahren auch im technischen Bereich, in der Unternehmenskommunikation sowie bei Projekten im kulturellen und sozialen Bereich. Im Jahr 2006

Vereinbarten weitere Zusammenarbeit auf wissenschaftlich-technischem Gebiet: Dr. Klaus-Ewald Holst, Vorstandsvorsitzender der VNG, und Vlada Vilorikovna Rusakova, Vorstandsmitglied der OAO Gazprom und Direktorin der Abteilung Strategische Entwicklung.

Eurogas tagt zum EU-Russland Energiedialog im VNG-Büro Berlin Am 24. Mai 2007 war das Berliner Büro der VNG Gastgeber der „EU-Russland Arbeitsgruppe“ von Eurogas, dem europäischen Erdgasindustrieverband. An der Sitzung nahm auch der innerhalb der Generaldirektion Transport und Energie der EU-Kommission für den EU-Russland Energiedialog zuständige Direktor, Herr Christian Cleutinx, teil. Während der Sitzung wurden besonders die Ergebnisse der am Vortag ebenfalls in Berlin stattgefundenen EU-Russland-Konferenz, die von

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Eurogas und der Russian Gas Society zum zweiten Mal organisiert wurde, diskutiert. Dort hatte man sich gemeinsam auf die Ausarbeitung eines Memorandums für die zukünftige Weiterentwicklung der Zusammenarbeit geeinigt. Ziel der EurogasArbeitsgruppe ist es, den weiteren Ausbau des bilateralen energiepolitischen Austausches zu unterstützen. Weitere Informationen zu Eurogas finden Sie unter: www.eurogas.org

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Garantiert den besten Service für Investoren Die InfraLeuna GmbH in Leuna Einen willkommenen Anlass, sich wieder einmal bei der InfraLeuna GmbH umzuschauen, bot die Ausstellung „Ausgewählt – Sammlung Zeitgenössische Malerei und Grafik der VNG-Verbundnetz Gas AG“ in der Galerie im cCe Kulturhaus Leuna. Die Ausstellung, die auch über Leuna hinaus eine beachtliche Resonanz findet, wurde am 3. Mai von den Vertretern der beiden Unternehmen, Bernhard Kaltefleiter seitens der VNG und Andreas Hiltermann von der InfraLeuna, eröffnet.

Starke Besucherresonanz fand die Ausstellung.

Nahezu zeitgleich informierten die Medien auch über die jüngsten wirtschaftlichen Erfolge in Leuna: Die Standortgesellschaft InfraLeuna GmbH machte im vergangenen Jahr Rekordumsätze: 286 Millionen Euro, das sind gut 40 Millionen Euro mehr als im Jahr 2005. Basis für dieses starke Wachstum ist die dynamische Entwicklung der Unternehmen am Standort. Mittlerweile befinden sich sechs von ihnen unter den 60 größten Unternehmen in Sachsen-Anhalt

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(nach Umsatz im Jahr 2005; Quelle: Nord/LB). Auch in diesem Jahr rechnet man damit, dass sich der Trend weiter fortsetzt, zumal weitere MillionenInvestitionen anstehen. Sicher ist bisher, dass die Unternehmen am Standort insgesamt rund eine halbe Milliarde Euro in neue Anlagen oder Modernisierungen investieren. Aber auch die InfraLeuna GmbH will eigene Mittel in den Ausbau von Anlagen und Anschlüssen stecken. Mehr als 10 Millionen Euro werden es in diesem Jahr sein.

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Das „Weiße Haus“ in Leuna ist der Stammsitz der InfraLeuna GmbH und zahlreicher weiterer Firmen.

Fotos: InfraLeuna GmbH

Es hat sich also tatsächlich allerhand Aufregendes

sind auf mehrere hier ansässige Unternehmen

getan seit meinem letzten Besuch in Leuna, über

verteilt. Dr. Günther: „Unsere Firmenphilosophie

den im „medium gas“ in der März-Ausgabe 1999

lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen:

berichtet wurde.

‚Sie konzentrieren sich auf Ihr Kerngeschäft, wir gestalten und entwickeln die Rahmenbedingungen

Ein beachtliches Leistungsprofil

für Ihre Produktion‘.“

Zu einem Gesprächstermin empfing mich Mitte

tion. Nach der Gründung 1916 erfolgten hier

Mai Herr Dr. Christof Günther, der als Prokurist

bahnbrechende Entwicklungen der chemischen

für den Erdgaseinkauf verantwortlich zeichnet

Industrie, wie die industrielle Einführung der

und den Bereich Vertrieb der InfraLeuna leitet.

Ammoniaksynthese im Hochdruckverfahren, die

Im Verlauf unseres Gespräches informierte er

Braunkohlehydrierung zur Herstellung synthe-

über bewährte Strategien und neue Entwick-

tischer Treibstoffe oder auch die Synthese von

lungen. Die InfraLeuna GmbH ist Eigentümerin

Caprolactam zur Erzeugung von Perlon, letzteres

und Betreiberin der Infrastruktureinrichtungen

sehr zur Freude der Damenwelt.

am Standort Leuna. Sie arbeitet nach dem Low-

Mit der politischen Wende in Deutschland begann

Profit-Prinzip, das heißt, die Geschäftstätigkeit

im Jahre 1990 auch in Leuna ein neues Kapitel in

ist in erster Linie darauf gerichtet, allen Stand-

der Standortgeschichte. Zu viele Arbeitskräfte,

ortunternehmen Infrastrukturdienstleistungen

veraltete Produktionsanlagen, zu hohe Energie-

und -lieferungen zu möglichst günstigen und

kosten und zu große Umweltbelastungen durch

international wettbewerbsfähigen Preisen zur

die Kohlechemie machten eine grundlegende

Verfügung zu stellen. Die Gesellschafteranteile

Neuausrichtung notwendig.

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Leuna ist ein Chemiestandort mit langer Tradi-

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Aktuell |

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Blick von der Aussichtsplattform der Friedenskirche.

Foto: Stadtinformation Leuna

Fortsetzung von Seite 9

Garantiert den besten Service für Investoren Mit der geschäftsfeldbezogenen Privatisierung der Leuna-Werke und der Bündelung der infrastrukturbezogenen Aufgaben bei der InfraLeuna entstand in Leuna der Prototyp eines modernen Chemieparkkonzeptes, das bis heute zahlreiche Nachahmer gefunden hat. Seit 1990 haben sich renommierte Unternehmen wie Linde, Domo, Dow, Total, Hexion, Arkema, Taminco ebenso wie zahlreiche mittelständische Firmen für den Standort entschieden und 5,5 Milliarden Euro investiert. Investitionen in dieser Höhe garantieren eine Entwicklungsgeschwindigkeit, die für die Branche neue Maßstäbe setzt. Heute ist der Chemiestandort Leuna ein Industrieareal mit rund 100 Unternehmen und etwa 9 000 Arbeitsplätzen. Die Produktionsstruktur reicht von

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der Spezial- bis zur Massenchemie. Dr. Günther: „Die InfraLeuna und die mit ihr verbundenen Unternehmen sind Eigentümer und Betreiber der Infrastruktureinrichtungen. Ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk liefert die notwendige Energie, Wasserwerke sorgen für Trink- und Frischwasser. Das Leistungsspektrum umfasst weiterhin Sicherheitsleistungen wie Feuerwehr, Werk- und Umweltschutz. Zu den Dienstleistungen zählen weiter Logistik, Telekommunikation, Analytik, Entsorgung, Werksärztlicher Dienst, Immobilienwirtschaft, Standortentwicklung, Archiv und Ingenieurtechnik.“ Der Chemiestandort Leuna wird seit Jahrzehnten von der VNG mit Erdgas versorgt. Auf meine rein hypothetische Frage, was würde hier passieren, wenn – aus welchen Gründen auch immer – die Versorgungssicherheit auf längere Sicht nicht gewährleistet sei, antwortet Dr. Günther prompt: „Das käme einer Katastrophe gleich. Erdgas ist die

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Basis für die sichere Versorgung unserer Kunden

ich nicht für die schnelle Tagespresse schreibt.

mit Strom und Dampf und zudem der wichtigste

Und zum Beweis verweist er auf zwei aktuelle

Rohstoff für die Erzeugung technischer Gase. Daher

Pressemeldungen. Am 11. Mai wurde das dritte

hätte eine Lieferunterbrechung flächendeckende

Werk des Epoxidharze-Herstellers Leuna-Harze in

Produktionsausfälle und große wirtschaftliche

Betrieb genommen. Die Investitionen betrugen rund

Schäden zur Folge.“ Und er ergänzt zugleich ener-

25 Millionen Euro. Insgesamt wurden von diesem

gisch „aber ein solches Horrorszenario können Sie

Unternehmen bislang 120 Millionen investiert und

glatt vergessen. Die VNG ist zuverlässig.“ Neben

129 Arbeitsplätze geschaffen. Und es sollen noch

der vertraglichen und technischen Sicherheit

weitere Anlagen gebaut werden. Am 10. Mai: Die

erwähnt mein Gesprächspartner in diesem Zu-

nordirische Quinn-Gruppe legt den Grundstein für

sammenhang wohl nicht nur gänzlich nebenbei

eine neue Fabrik mit 110 Arbeitsplätzen, die bis Ende

die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit

2008 für über 200 Millionen Euro errichtet wird. Der

Andre Burkhardt, VNG-Leiter Gasverkauf Nord,

Konzern plant mit seiner Tochter Quinn Chemicals

und Verkaufsleiter Dr. Stephan Krein.

eine Jahresproduktion von 100 000 Tonnen Methylmethacrylat, ein Grundstoff für die Produktion von

Übrigens verfügt Dr. Günther über einen durchaus

Plexiglas und Folien. Mit dabei waren Sachsen-An-

interessanten Lebenslauf. Der geborene Thüringer absolvierte eine Lehre als Elektromaschinenbau-

halts Wirtschaftsminister Dr. Reiner Haseloff und Umweltministerin Petra Wernicke sowie der Botschafter

er und hat in diesem Beruf einige Jahre in Erfurt

der Republik Irland David Donoghue. Herr Halliger

gearbeitet. Nach der Wende erwarb er das Abitur

gibt noch etliche Hinweise und Frau Sund lächelt

und studierte zunächst an der TU Ilmenau, seinen

leise über mein Staunen … Pressesprecher Halliger,

akademischen Abschluss als Diplom-Wirtschafts-

1971 geboren, ist übrigens ein Einheimischer.

ingenieur absolvierte er an der TU Berlin. Dazwi-

Der Dipl.-Kaufmann studierte an der Hochschule

schen lagen Stipendienaufenthalte in den USA,

Merseburg Betriebswirtschaftslehre und ist im

Holland und Spanien. Parallel zu seiner Tätigkeit

nahe gelegenen Spergau wohnhaft.

in einer Koblenzer Unternehmensberatung erwarb er seine Promotion, war ab 2000 bei der E.ON tätig und kam 2004 nach Leuna. Mit seiner Frau, die aus dem Rheinland stammt, und den drei Töchtern wohnt Dr. Günther im unmittelbar benachbarten Merseburg. Eine Vita also, die nach 17 Jahren deutscher Einheit gänzlich selten sicher nicht ist, aber wohl immer noch erwähnenswert. Neue Investitionen Nach dem Ende des Gesprächs begleitet mich Dr. Christof Günther zum Pressesprecher Martin K. Halliger und seiner Mitarbeiterin Gabriele Sund. Die beiden versorgen mich mit weiteren Informationen und Bildmaterial. Auf den Einwand, dass mein letzter Besuch „ja erst“ acht Jahre zurück liegt, reagiert Halliger mit staunendem Entsetzen und anschließendem herzhaften Lachen: „Hier passiert immer etwas!“ Dieser Ausruf ist weit mehr als berufsbedingtes Publicity-Gedöns, sondern faktengesicherte Überzeugung. Gnade findet in seinen Augen einzig der Umstand, dass einer wie

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Dr. Christof Günther

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Foto: Helmut Rosan

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Markt | Schwerpunkt | Umschau | Feature

Fortsetzung von Seite 11

Leuna – auch eine Gartenstadt

Garantiert den besten Service für Investoren

1999 schrieb ich etwas zu sorglos: „Leuna in Sachsen-Anhalt. Wenn nicht das Ortsschild wäre, man würde nicht merken Merseburg soeben verlassen zu haben. Der Ort zählt etwa 8 500 Einwohner.

Und ein paar Zahlen mehr

Doch davon spricht so gut wie keiner, wenn von Um Ihnen noch einen Eindruck über die imposante

Leuna die Rede ist. Jeder meint ,DAS WERK.‘“

Leistungsfähigkeit und ebensolche Größe des

Das stimmt so schon noch, aber eigentlich ist es

Chemiestandorts Leuna zu vermitteln, einige

eine sehr einseitige und oberflächliche Wertung.

weitere Zahlen:

Um etwas mehr zu erfahren, wende ich mich an die Stadtinformation, wo mich Frau Anke Stenzel

• Bei der InfraLeuna sind über 600 Mitarbeiter beschäftigt und 29 junge Menschen absolvieren

neben Fotos auch sehr freundlich mit etlichen nützlichen Hinweisen versorgt.

hier eine perspektivreiche Berufsausbildung. • 13 Quadratkilometer groß ist das Areal, was etwa 1 820 Fußballfeldern entspricht.

Dass auch hier die Einwohnerzahl auf rund 7 000 geschrumpft ist, löst wohl eher wenig Erstaunen aus. Das ist mittlerweile fast typisch in deutschen

• 10 000 000 Tonnen Güter werden jährlich produziert und 70 Prozent davon verlassen Leuna per Schiene.

Landen. Mehr als erstaunlich finde sicher nicht nur ich

• 70 Hektar Fläche stehen für potenzielle Neuan-

den Fakt, dass sich Leuna auf seiner Web-Seite auch als Gartenstadt bezeichnet. Exakt heißt es

siedler zur Verfügung. • 150 000 Haushalte könnte das GuD-Kraftwerk

hierzu: „Parallel mit dem weiteren Wachsen der

der InfraLeuna mit Energie versorgen. • Für 300 000 Einwohner könnte die zentrale biologische Aufbereitungsanlage Abwasser reinigen. • 600 Kilometer Rohrleitungen zwischen den ansässigen Firmen garantieren effiziente Stoffflüsse. • 20 Kilometer Rohrbrückennetz werden durch die InfraLeuna betrieben. • 40 Kilometer lang sind die Straßen, das Gleisnetz ist sogar 90 Kilometer lang. • 13 Einsatzfahrzeuge gehören zum Fuhrpark der Werkfeuerwehr von InfraLeuna. Und wem von all den eindrucksvollen Angaben schon leicht der Kopf schwirrt, dem sei eine weitere respektable Zahl nachgereicht, die für Mensch und Natur von außerordentlicher Bedeutung ist: 95 Prozent (!) beträgt die durchschnittliche Senkung der Umweltbelastung am Chemiestandort seit 1989.

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Park mit Plastiken.

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medium gas | 2007.2

Das Waldbad.

Das Postensemble.

Industrie begann ab 1917 der Bau der Gartenstadt

Bemühungen um die Erhaltung der Architektur aus den 1920er Jahren und der großzügig angelegten Gesellschaftsbauten bilden die Grundlage für ein auch äußerlich wieder attraktives Gemeinwesen … In Leuna wurden die Dächer wieder rot und die Gärten wieder grün. Und glaubhaft klingt täglich mehr und mehr, was noch vor wenigen Jahren bestenfalls als Ironie verstanden worden wäre: „Leuna gilt als größte Gartenstadtanlage Europas.“ Seit kurzem steht die Gartenstadt sogar unter Denkmalschutz.

mit ihren zirka 900 Gebäuden nach den neuesten städtebaulichen und sozialen Erkenntnissen. Die planmäßig angelegte, stark durchgrünte Siedlung mit ihren vorzugsweise Einfamilienhäusern bot den im Werk beschäftigten Mitarbeitern ein Wohnumfeld mit viel Licht, Luft und Sonne. Nach dem Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg schwer zerstörten Stadt wurde in der Folgezeit die Stadtentwicklung durch eine ökologisch

Fotos: Stadtinformation Leuna

rücksichtslose Ausdehnung der Produktion der Leuna ist heutzutage schon – und wird es immer

Leuna-Werke beeinträchtigt.

mehr – eine sichtbar blühende (Industrie)-LandSeit 1991 wird gemeinsam mit der sich neu ansiedelnden Industrie an alte Traditionen der Industrie-

schaft im Osten Deutschlands.

und Gartenstadt angeknüpft. Die erfolgreichen

Helmut Rosan

Kurzchronik des Chemiestandortes Leuna 1916 Erster Spatenstich am 25. Mai zum Bau des Ammoniakwerkes Merseburg | 1926 Baubeginn für eine Großversuchsanlage zur Erzeugung von Benzin aus Braunkohle und Braunkohlenteer | 1938 Aufnahme von Versuchen zur großtechnischen Synthese von Caprolactam zur Erzeugung der Polyamidfaser Perlon | 1959 Am 8. Oktober erfolgt der erste Spatenstich für Werkteil II. Damit wurde die Basis für die Petrolchemie Mitteldeutschlands geschaffen | 1986 Inbetriebnahme der Niederdruck-Methanolsynthese für 2000 Tagestonnen | 1990 Beginn der Privatisierung der Leuna-Werke in Geschäftsfeldern, verbunden mit der Stilllegung unrentabler Anlagen sowie der Ausgliederung nicht chemietypischer Bereiche | 1991 Neubau des Zentrums für technische Gase und Ansiedlung der Linde AG | 1996 Gründung der InfraLeuna Infrastruktur und Service GmbH als Eigentümer und Betreiber der Infrastruktureinrichtungen | 2007 Zurzeit finden am am Chemiestandort Leuna Investiotionen in Höhe von ca. 500 Mio Euro statt

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Aktuell |

Markt | Schwerpunkt | Umschau | Feature

Bundesgartenschau in Thüringen: VNG und Partner zu Gast im Pflanzenreich Die VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft ist gemeinsam mit sieben Energieversorgern der Region auf der ersten Bundesgartenschau in Thüringen vom 27. April bis 14. Oktober 2007 präsent. Das sind die Stadtwerke Zeitz und Reichenbach, E.ON Thüringer Energie AG, EVG – Erdgasversorgungsgesellschaft Thüringen Sachsen mbH, ZEV – Zwickauer Energieversorgung GmbH, Energieversorgung Gera GmbH sowie die MITGAS Mitteldeutsche Gasversorgung GmbH. Die Bundes-

gartenschau findet in diesem Jahr mit Gera und Ronneburg erstmalig in zwei Städten gleichzeitig statt. Dort erwarten die Besucher auf insgesamt 90 Hektar Ausstellungsfläche unter dem Motto „ZeitRaum für Begegnungen – natürlich in Thüringen“ viele bunte Blumen und Pflanzen in den vielfältigsten Facetten. Die VNG und ihre Partner präsentieren sich in einem Ausstellungspavillon im BUGA-Bereich Ronneburg und informieren über Erdgasanwendungen rund um Haus und Garten. Passend zur Grillsaison zeigt die Ausstellung unter anderem einen erdgasbetriebenen Grill und Terrassenheizstrahler, die auch an kalten Wintertagen und kühlen Sommernächten für angenehme Wärme sorgen. Zu bestimmten Themen gibt es besondere Aktionstermine, so zum Beispiel zur Brennwertheizung als effizienteste und komfortabelste Form, Wärme für das Haus zu erzeugen. Gleichzeitig führen die Unternehmen Erdgaswäschetrockner und Erdgasherd als Energie sparende Haushaltshilfen vor. Die Besucher können sich ebenfalls über Erdgassteckdosen informieren, die häusliche Erdgasgeräte auf einfache Weise verbinden. Zu den im Gemeinschaftspavillon vorgestellten Themen können sich die Besucher an Aktionstagen bei den Fachleuten der Gasversorger aus der Region beraten lassen. Weitere Informationen finden Sie unter www.vng.de und www.buga2007.de. Marek Preißner

Ihr Ansprechpartner Dipl.-Ing. (FH) Marek Preißner Produktser vice Tel. 0341 443 - 2916 Fax 0341 443 - 2919 marek.preissner@vng.de

In Ronneburg steht der Ausstellungspavillon der VNG und ihrer Partner.

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Architekten informieren sich über Möglichkeiten des Erdgaseinsatzes Im Rahmen ihrer Marktpartnerarbeit organisierte die VNG in Kooperation mit der Architektenkammer Sachsen die Fachtagung Architektur und Energie am 8. Mai 2007 in Dresden. Gerade Architekten sind als Berater der Bauherren immer stärker auch in energetischer Sicht wichtige Ansprechpartner. Den teilnehmenden Architekten konnte aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten Erdgas heute bietet und welche Entwicklungen eine Option in der Zukunft sein werden. Anhand vieler Beispiele wurde die Verbindung von Gebäudehülle und Haustechnik erläutert. Die Darstellung der Möglichkeiten zur Klimatisierung mit Erdgas bzw. der parallelen Stromerzeugung und Beheizung sowie der Vergleich unterschiedlicher Heiztechniken rundeten das Programm ab. Die Resonanz auf die Veranstaltung und viele Fragen zu den angebotenen Themen zeigt die Brisanz der derzeit geführten Diskussion um Energie, deren Verwendung und Bereitstellung in der Zukunft. Die 120 Sitzplätze im Dresdener HAUS DER ARCHITEKTEN waren bis auf den letzten Platz belegt. Der anschließende persönliche Dank zahlreicher Teilnehmer für den informativen Nachmittag spricht dafür, dass die angesprochenen Themen Dr. Thorsten Formanski von der ASUE Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch aus Essen während seines Vortrages zur Stromerzeugenden Heizung.

für die Gäste, hier insbesondere für Architekten von großem Interesse sind. Marco Kersting

Erdgas spielt in der umweltbewussten Energieversorgung eine Schlüsselrolle: Es bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten und lässt sich sehr effizient und komfortabel einsetzen. Als emissi-

Ihr Ansprechpartner

onsärmster fossiler Energieträger kann Erdgas auch und gerade in Kombination mit erneuerbaren Energien in vielen Anwendungen Energieträger ersetzen, die höhere Umweltbelastungen verursachen.

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Marco Kersting Kundendienst / Marketing Tel. 0341 443 - 2915 Fax 0341 443 - 2919 marco.kersting@vng.de

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Aktuell |

Markt | Schwerpunkt | Umschau | Feature

Besucherandrang auf dem Gemeinschaftsstand Erdgasfahrzeuge

Spaß am Autofahren – mit gutem Gewissen Erdgasfahrzeuge auf der Leipziger Messe Auto Mobil International (AMI). Bereits zum 17. Mal fand im April 2007 die AMI in Leipzig statt. 501 Aussteller aus 21 Ländern, die insgesamt 133 Premieren angekündigt hatten, führten vor, was in Sachen PKW, Transporter, Offroad, Tuning und automobiles Zubehör neuester Stand der Technik ist. Erdgasfahrzeuge punkteten zudem mit dem Umwelt-Plus. Dass geringer Schadstoffausstoß und der Spaß

im Laufe der Messe mehr als 25 000 Gäste über

am Autofahren sich nicht ausschließen, davon

die neuesten Fahrzeugmodelle sowie die aktuelle

konnten sich die Besucher auf dem Gemeinschafts-

Tankstelleninfrastruktur und deren Weiterentwick-

stand „Erdgasfahrzeuge“ überzeugen. Auf dem

lung. Die VNG – Verbundnetz Gas AG bestätigte

1100 Quadratmeter großen Areal informierten sich

bereits am Vortag der offiziellen Messeeröffnung ihre Vorreiterrolle bei der Markteinführung der CNG-Technologie (compressed natural gas) in Deutschland. Im Rahmen der Pressekonferenz am 13. April 2007 gab die VNG bekannt, bis zum Jahr 2009 insgesamt 4,5 Mio. Euro in den Bau von Erdgastankstellen in Ostdeutschland zu investieren. „Wir werden uns an 16 Standorten engagieren, vorrangig entlang der Autobahnen und viel befahrener Bundesstraßen“, sagte Dr. Achim Westebbe, Direktor Kundendienst/Marketing der VNG. Die VNG sei dabei, eine Gesellschaft zu gründen, die sowohl die Errichtung als auch den Betrieb der Erdgastankstellen übernehmen werde, bei Interesse gern auch gemeinsam mit

Die verschiedenen ausgestellten Fahrzeuge wurden sportlich in ein Showprogramm eingebunden, bei dem die Tänzerinnen auch den Hauptpreis des Gewinnspiels, einen erdgasbetriebenen FIAT Panda Natural Power enthüllten. Über 16 000 Personen hatten teilgenommen und Fragen zu Erdgasfahrzeugen beantwortet.

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ihren Kunden. „Die ersten Projekte werden wir bereits in diesem Jahr starten“, versprach Westebbe.

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medium gas | 2007.2

Die am Stand beteiligten Partner des Trägerkreises

konnten auch in diesem Jahr wieder Probefahrten

Erdgasfahrzeuge (Bundesumweltministerium,

mit Erdgasfahrzeugen durchgeführt werden – am

ARAL, Volkswagen, Opel, Ford und Fiat) sowie die

Ende waren es über 250.

vier Initiativkreise „Erdgas als Kraftstoff“ der ostdeutschen Bundesländer und des überregionalen IEK – Initiativkreis Erdgas als Kraftstoff – Deutschland e.V. konnten großes Besucherinteresse und große Medienresonanz erzielen. Neben der Beratung des Messepublikums wurden Besucher

Serienmodelle auf dem Stand

Fiat:

Multipla, Doblo Cargo, Panda Panda

Ford:

Focus C-Max (ADAC), Focus Limousine (Weltpremiere)

Opel:

Zafira B, Combo Tour, Combo Kastenwagen, Corsa (seriennahe Studie)

der VNG und der Länderinitiativkreise mit diversen Vorträgen, einem besonderen Catering bis hin zu Standrundgängen individuell betreut. Natürlich

Volkswagen: Touran, Caddy Kastenwagen, Touran TSI-CNG (Studie)

Highlights auf dem Messestand Weltpremiere feierte die Ford Focus Limousine CNG, die als Serienfahrzeug erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und ab sofort bestellbar ist. Diese Limousine ist der erste PKW von Ford, bei dem einer der Tanks unter dem Fahrzeugboden (unterflur) angebracht ist. Vier weitere Tanks befinden sich unter dem Gepäckraumboden. Der bereits seit Anfang des Jahres angebotene FIAT Panda (in der letzten Ausgabe von „medium gas“ ausführlich vorgestellt) leistet im Erdgasbetrieb 52 PS und hat bei einem Verbrauch von 4,2 kg auf

Weltpremiere: Ford Focus Limousine CNG.

Studie eines Opel Corsa 1.6 CNG.

100 km eine Reichweite von 310 km. Mit seiner CO2-Emission von 114 g/km und Null-Emission beim Feinstaub ist er der „Sauberste“ überhaupt.

modellübergreifend auf einer Fahrzeugplattform

Volkswagen zeigte den vor der Serieneinführung

eines Skoda Oktavia präsentiert und soll in Zukunft

stehenden Erdgas-Turbomotor. Der für 2008 an-

in verschiedenen Fahrzeugmodellen (u. a. Skoda

gekündigte VW-TSI-CNG verbraucht dann dank

Fabia, Skoda Roomster, Audi A 3 und VW Golf )

doppelter Aufladung nur ca. 5,2 kg Erdgas auf

zum Einsatz kommen.

100 km, was einem CO2-Ausstoß von weniger als

Peter Ganczarski

140 g/km entspricht.

Steffen Hesse

eingesetzt werden. Das Konzept wurde am Beispiel

Die neue seriennahe Studie des Opel Corsa 1.6 CNG zeigt, dass mit einer Motorisierung von 69 kW/ 94 PS eine gute Leistungscharakteristik möglich ist und gleichzeitig ein niedriger CO2-Ausstoß von 117 g/km erreicht wird. Durch optimierte Erdgastanks kommt der monovalente Corsa im Erdgasbetrieb auf eine Reichweite von 510 km.

Ihre Ansprechpartner Peter Ganczarski Kundendienst / Marketing Tel. 0341 443 - 2286 Fax 0341 443 - 2922 peter.ganczarski@vng.de

Eine weitere Innovation, die am Gemeinschaftsstand Erdgasfahrzeuge präsentiert wurde, war ein system. Es wurde von der Ingenieurgesellschaft

Steffen Hesse Kundendienst / Marketing Tel. 0341 443 - 2904 Fax 0341 443 - 2919

Auto und Verkehr GmbH (IAV) entwickelt und kann

steffen.hesse@vng.de

seriennahes Konzept für ein Standard-Nachrüst-

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medium gas | 2007.2

Das vorliegende medium gas 2007.2 behandelt schwerpunktmäßig das Thema Internationale Versorgungssicherheit. Dabei spielen Langfristigkeit und Diversifizierung der Bezüge eine entscheidende Rolle. Nur so können die Kunden der VNG vor Ort sicher und zuverlässig beliefert werden. So zum Beispiel die Erdgasversorgung Industriepark Leipzig Nord GmbH (EVIL), die wiederum das BMW Werk Leipzig mit Erdgas versorgt. In der Energiezentrale des BMW Werk s Leipzig: Thomas Wicha, Verant wor tlicher für Gebäudeleittechnik (Mitte) mit den beiden EVIL-Geschäftsführern Klaus-Joachim Pfeuffer (l.) und Jörg Feulner. Foto: Christoph Busse

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Versorgung langfristig gesichert Reserven und Langfristverträge decken deutschen Erdgasbedarf über Jahrzehnte. Das Thema Energie stand schon lange nicht mehr so im öffentlichen Interesse wie in den letzten Monaten. Ob auf höchster internationaler Ebene oder im privaten Umfeld: Fragen zur gegenwärtigen und zukünftigen Energieversorgung beschäftigen Viele. Neben dem hohen Preisniveau stehen vor allem Umweltverträglichkeit und die Sicherheit unserer Energieversorgung im Fokus des Interesses.

Das Thema „Versorgungssicherheit“ hat viele

immer wieder Fragen. Erdgas ist nach überein-

Facetten. Wie lange reichen die Erdöl- und Erd-

stimmenden Prognosen der fossile Energieträger

gasvorräte der Welt? Kann der stark steigende

mit den gegenwärtig und zukünftig höchsten

Bedarf vor allem der Entwicklungsländer mittel-

Wachstumsraten weltweit. Besonders für eine

und langfristig überhaupt gedeckt werden? Wird

umweltschonende und nachhaltige Stromerzeu-

der Bedarfsanstieg nicht erhebliche Preisstei-

gung ist ein steigender Anteil von Erdgas national

gerungen zur Folge haben? Wie gelangt Energie

und international unverzichtbar. Diese Entwick-

in ein vergleichsweise rohstoffarmes Land wie

lung, die gestiegenen Importpreise und die hohe

Deutschland? Sind die technischen Kapazitäten

Abhängigkeit Deutschlands von Importen (2006

ausreichend für den Transport weiter wachsender

mussten 85 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs

Energiemengen? Das sind Fragen, mit denen sich

importiert werden) haben hier und da Zweifel

die VNG stets beschäftigt und ihre Erfahrungen

aufkommen lassen, ob die Erdgasversorgung

darin auch beim Energiegipfel in der Arbeitsgrup-

für Deutschland auch in Zukunft verlässlich ist.

pe „Internationales“ einbringen konnte. Gerade

Befragungen zeigen, dass sich Bauherren auch

zur Versorgungssicherheit mit Erdgas gibt es

deshalb gegen Erdgas entscheiden. Diese Sorgen sind unbegründet.

Entwicklung der Welt-Erdgasreserven seit 1970 in Billionen m3

Wachsende weltweite Erdgasreserven 200

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und wir tschaf tlich gewinnbare Vorräte. Die Erdgasreser ven der Welt sind in den letzten

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Als Reserven bezeichnet man sicher verfügbare

Jahrzehnten trotz steigender Förderung ständig

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gewachsen und betrugen am Jahresende 2006 125

ca. 175 Billionen Kubikmeter. Gemessen am

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heutigen Verbrauch, würde diese Gasmenge 99

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rund 65 Jahre ausreichen. Weiterhin werden als zusätzliche Erdgasressourcen ca. 207 Billionen

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Kubikmeter erwartet. Ressourcen sind nachgewiesene Vorräte, die noch nicht wirtschaftlich genutzt werden. Das weltweit vorhandene Po-

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tenzial addiert sich damit zu 385 Billionen Kubikmetern, sein Energiegehalt ist etwa 20 Prozent

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höher als das Weltpotenzial an Erdöl. Erdgas ist also aus geologischer Sicht in ausreichender

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Menge vorhanden, um über Jahrzehnte die Ver-

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medium gas | 2007.2

sorgung zu gewährleisten. Die Vergangenheit

Erdgasreserven der Welt in Billionen m3

hat gezeigt, dass mit steigendem Bedarf stets

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weitere Ressourcen zur wirtschaftlichen Nutzung erschlossen werden. Der europäische und damit auch der deutsche Erdgasmarkt verfügen geografisch über eine komfortable und privilegierte Position. 80 Prozent der Welterdgasreserven befinden sich in einem

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Umkreis von 4000 km und können – im Unterschied

Europa

Nordamerika

zu den Verbrauchszentren in Nordamerika und

GUS-Staaten

Asien – größtenteils kosteneffizient per Pipeline

Mittel- und Nahost

erschlossen werden.

12 Asien/ Pazifik

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Deutschland sehr gut aufgestellt Afrika

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Deutschland verfügt seit fast 40 Jahren über eine erfolgreiche und effiziente Erdgaswirtschaft. Obwohl extrem importabhängig, ist sie durch ein hohes Maß an Versorgungssicherheit gekennzeichnet. Das deutsche Leitungssystem ist an elf Stellen in allen Himmelsrichtungen mit dem europäischen Leitungssystem verbunden. Für den verlässlichen Bezug von Erdgas aus Russland, Norwegen und den Niederlanden sorgen allein acht Ferngasgesellschaften. Die mit großen Erdgasproduzenten abgeschlossenen langfristigen Lieferverträge sichern bereits heute Erdgasbezüge bis weit nach 2020 und zu einem nicht unerheblichen Teil auch bis über das Jahr 2030 hinaus. Dieses Erdgas wird nahezu ausschließlich via Pipeline nach Deutschland gelangen. International zunehmen wird die Bedeutung von verflüssigtem Erdgas (LNG), da auf diese Weise auch infrastrukturferne Erdgaslagerstätten (zum Beispiel Australien) für den Weltmarkt erschlossen werden können. Durch die Investitionen deutscher Gasgesellschaften in Infrastruktur zur Regasifizierung von LNG an verschiedenen Standorten an der Nordsee werden gegenwärtig weitere Voraussetzungen zur Erweiterung des Gas-Angebots für den deutschen Markt geschaffen. Im Übrigen wird auch BioErdgas aus einheimischen Energiequellen in absehbarer Zeit gerade in Deutschland einen Beitrag zur weiteren Diversifizierung des Erdgasaufkommens leisten.

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Zentral- und Südamerika

Die sicher gewinnbaren Erdgasreserven Ende 2006 von 175 Billionen m³ entsprechen einer statischen Reichweite von über 60 Jahren. Quelle: ExxonMobil; OELDORADO 2007

Entscheidend für die Sicherheit der Erdgasversorgung ist neben der Sicherung der Gasbeschaffung eine ausreichend dimensionierte Infrastruktur. Innerhalb Europas verfügt Deutschland über die größten Kapazitäten an Untergrundgasspeichern, sie entsprechen etwa 20 Prozent des deutschen Jahresbedarfes und werden weiter zügig ausgebaut. Deutschland verfügt über sehr gute Voraussetzungen für eine langfristig gesicherte Erdgasversorgung. Ein wichtiger Garant dafür ist nicht zuletzt die im internationalen Vergleich sehr hohe Energieeffizienz. Erdgas wird mehrheitlich in hochmodernen Anlagen mit geringen Verbrauchsparametern eingesetzt. Auch die Schonung von Ressourcen ist ein Beitrag für Versorgungssicherheit. Kerstin Kietzke

Ihr Ansprechpartner Kerstin Kietzke Marktanalyse/Marktforschung Tel. 0341 443 - 2962 Fax 0341 443 - 2467 kerstin.kietzke@vng.de

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Diversifizierung und Langfristigkeit Internationale Versorgungssicherheit fußt auf mehreren Säulen. Zwei zentrale Bausteine sind das Fundament der sicheren Belieferung mit Erdgas: Diversifizierung und Langfristigkeit. Die VNG bezieht größtenteils von russischen, norwegischen und deutschen Lieferanten ihr kostbares Gut. Um darüber hinaus die zuverlässige Versorgung aus internationalen Quellen solide zu flankieren, spielen das Upstream-Engagement, der Kurzfristhandel, und das Thema LNG zukünftig eine immer wichtigere Rolle.

VNG bezieht seit 1973 Erdgas aus Russland bzw.

aus dem Jahr 1994 stammende Vertragswerk mit

der ehemaligen Sowjetunion. In diesem langen

Laufzeit bis Ende 2013 verlängert. Neu ist jedoch,

Zeitraum von mehr als 35 Jahren erwies sich der

dass erstmals auch Mengen über die neue Ostsee-

Lieferant Gazprom als sicherer und verlässlicher

pipeline vertraglich festgeschrieben wurden. Bis

Par tner. Insbesondere in den letzten Jahren

zum Jahr 2010 soll feststehen, ab wann die ersten

haben beide Unternehmen gemeinsam flexible

Lieferungen von bis zu 2 Mrd. Kubikmetern jährlich

Lösungen auf Markterfordernisse entwickelt

über den Weg der Ostseeleitung kommen. Toni

und somit den Bedürfnissen der VNG-Kunden

Philipp, Direktor Gaseinkauf Osteuropa/Inland

Rechnung getragen. Die Lieferungen aus Russland

unterstreicht: „Dann bekommen wir praktisch

stellen einen entscheidenden Beitrag zur sicheren

einen dritten Lieferpunkt dazu und erhöhen damit

und langfristigen Belieferung der VNG dar. Mit

die Versorgungssicherheit mit russischem Gas

Beginn der Neuorientierung der VNG auf markt-

noch einmal.“

wirtschaftliche Bedingungen Anfang der 1990er Jahre stand die Aufgabe der Diversifizierung der

Auch mit norwegischen Lieferanten unterhält die

Erdgasbezüge. Im Zuge der Realisierung dieser

VNG seit 1993 langfristige Lieferbeziehungen.

Strategie seit Beginn der 1990er Jahre ist der

Diese Verträge stellten den Durchbruch für VNG in

Anteil russischen Gases, das die VNG bezieht,

ihrer langfristigen Diversifizierungsstrategie dar.

von Anfangs 75 auf 44 Prozent im Jahr 2006 ge-

„Der längste dieser Verträge reicht bis mindestens

sunken. Die Liefermengen an russischen Erdgas

in das Jahr 2022, aber unser Ziel ist, diese auch

sind dabei stabil bei ca. 7 Mrd. Kubikmeter pro Jahr

über das Jahr 2030 hinaus zu verlängern“, so Mike

geblieben und stellen weiterhin den wichtigsten

Diekmann, Leiter Gaseinkauf West/Kurzfristhandel

Bestandteil des Einkaufsportfolios dar. Die VNG

der VNG. Gleichzeitig sind die Spezialisten der

hat seither gezielt diversifiziert und neue Liefe-

VNG ständig in Gesprächen mit neuen Partnern,

ranten hinzugewonnen. Vor allem Erdgasmengen

um das Lieferportfolio sinnvoll zu erweitern. „Man

aus Norwegen (28 Prozent) und von deutschen

muss den Partnern jedoch zeigen, dass es für die

Ferngasgesellschaften (26 Prozent) komplettieren

Mengen einen entsprechenden Markt gibt, also

heute das Lieferportfolio.

die Sicherheit der Nachfrage langfristig besteht. Dies gibt den Produzenten letztendlich die ent-

Die vor gut einem Jahr, am 5. Juli 2006, in Moskau

scheidenden Investitionsanreize.“

unterzeichnete Grundsatzvereinbarung zwischen der VNG und dem deutsch-russischen Vertragspartner Wintershall Erdgas Handelshaus GmbH (WIEH) hat seit dem 25. April dieses Jahres ganz offiziell auch Vertragscharakter. An diesem Tag wurde ein konsolidierter Vertrag von beiden Parteien unterzeichnet, der der VNG Erdgaslieferungen bis zum Ende des Jahres 2030 sichert. Dabei wurde das

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Mit Gründung der VNG Norge AS am 10. Juli 2006 vollzog die VNG einen bedeutenden Schritt zur Stärkung ihrer Einkaufsposition. Die Entwicklung des Erdgasmarktes hin zu einem Verkäufermarkt hat gezeigt, dass für die langfristige Sicherung der Versorgung auch die Sicherung von Erdgasbezügen aus geografisch günstig gelegenen

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medium gas | 2007.2

Quellen geboten ist. Am 29. Juni 2007 konnte die

wortlich für den Einkauf von LNG bei der VNG,

VNG Norge AS ihre ersten beiden Lizenzen zur

beschreibt die Zielstellung: „Gespräche mit

Exploration von Erdgas auf dem norwegischen

potentiellen LNG-Lieferanten und über Terminal-

Kontinentalschelf erwerben. Das Unternehmen

kapazitäten finden in regelmäßigen Abständen

mit Sitz in Stavanger wird jeweils 20 Prozent

statt, etwa drei bis viermal Mal monatlich. Wir

der Anteile an den beiden Lizenzen PL 379 und

müssen ganz einfach im Gespräch bleiben, um

PL 389 von der TOTAL E&P NORGE AS (TOTAL)

als starker Partner und Abnehmer am LNG-Markt

halten. TOTAL bleibt mit jeweils 40 Prozent weiter

wahrgenommen zu werden.“ Ziel der VNG ist es,

Betriebsführer der beiden Produktionslizenzen

über den Abschluss von Kurzfristhandelsge-

im so genannten Haltenbanken-Gebiet in der

schäften in langfristige LNG-Lieferbeziehungen

Norwegischen See, ca. 200 km nordwestlich von

überzugehen, in Verbindung mit Buchungen von

Trondheim. Die Vereinbarung zwischen beiden

Terminalkapazitäten zur Regasifizierung. Wichtig

Unternehmen wird, einmal von den norwegischen

dabei sind auch mögliche strategische Allianzen

Behörden genehmigt, rückwirkend zum 1. Januar

mit anderen Marktteilnehmern, um so die VNG

2007 wirksam werden. „Bis zum Jahr 2020 will die

im LNG-Geschäft stärken zu können. „Mit dem

VNG bis zu 1,5 Mrd. Kubikmeter Erdgas jährlich

Bezug von LNG können wir dazu beitragen, den

aus eigener Produktion erschließen“, unterstreicht

Gaseinkauf der VNG noch weiter zu diversifizie-

Dr. Jürgen Jesse, Direktor für Exploration und

ren“, so Witt. „Damit sichern wir in erster Linie

Produktion/Norwegen bei der VNG.

langfristig neue Bezugsquellen und bekommen so unter anderem auch die Möglichkeit, in andere

Stärkere Bedeutung gewinnt zukünftig auch die

europäische Märkte vorzustoßen.“

Versorgung mit Mengen aus dem Kurzfristhandel. Im Jahr 2006 konnte die VNG eine Größenord-

Stefan Brauße

nung von 4,5 Prozent erreichen, die aus verschiedensten Quellen stammen. Diese Erdgasmengen werden an physischen oder virtuellen Handelspunkten angeboten. Sie haben wie auch die sich entwickelnden Börsen für Erdgas die Aufgabe, kurzfristig Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Der Bezug von Mengen an diesem Punkten stellt eine sinnvolle Ergänzung der langfristigen Verträge dar. Gleiches gilt für den sich entwickelnden Markt von verflüssigtem Erdgas (LNG). Die VNG verhandelt aktuell mit potentiellen LNG-Lieferanten. Darüber hinaus gibt es auch Aktivitäten um Regasifizierungskapazitäten sowohl am geplanten Terminal der DFTG in Wilhelmshaven als Rotterdam. Thomas Witt, verant-

Nach der Unterzeichnung des Vertrages mit TOTAL zum Erwerb von Anteilen an den Lizenzen PL 379 und PL 389 in der Norwegischen See: Halvor Haukvik (r.), Portfolio Manager von TOTAL E&P Norge AS, Business and Development, mit Dr. Jürgen Jesse, Direktor für Exploration und Produktion/Norwegen der VNG.

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auch am Terminal der Gate in

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650 Autos laufen täglich vom Band – dank Erdgas BMW Leipzig bezieht seine Energie von EVIL, einem Joint Venture von MITGAS und den Stadtwerken Leipzig. Vorlieferant ist die VNG. Eine Firma ganz ohne Mitarbeiter und dennoch mit einem Jahresumsatz von zuletzt 5,3 Millionen Euro – kann es so etwas überhaupt geben? Das gibt es und hat einen ganz vernünftigen Grund. Erdgasversorgung Industriepark Leipzig Nord GmbH (EVIL) heißt das 2002 gegründete Unternehmen, dessen Entstehen direkt von der BMW-Ansiedlung in Leipzig ausgelöst wurde.

Natürlich sollten die Autobauer und weitere in das

An dem Beispiel lässt sich ausgezeichnet ab-

Gelände nachziehende Unternehmen mit Energie

lesen, wie wichtig die Leistungen der VNG und

versorgt werden. Dafür hätten sich die Stadtwerke

ihrer Partner sind: FERAG Verfahrenstechnik ist

Leipzig (SWL) angeboten, denn zur Stadt gehören

Marktführer und kompetenter Partner der Welt-

die Flächen, die sie an BMW verkaufte. Aber die

presse. Das Unternehmen der Schweizerischen

im Umland tätige Mitteldeutsche Gasversorgung

WRH Walter Reist Holding AG verfügt in Leipzig

GmbH (MITGAS) verfügte über eine Leitung direkt

über sein Kompetenzzentrum für „Verfahrens-

am Rand des Industrieparks. Technisch hatte

technik“. 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

sie den kürzeren Weg. Da beschloss man: Beide

fanden hier attraktive Arbeitsplätze. Sie setzen

Unternehmen gründen eine gemeinsame Tochter

zumindest ein bisschen von dem fort, wofür der

mit zwei Geschäftsführern – aus jedem Unter-

Industriestandort Leipzig einst berühmt war:

nehmen einer.

Nummer eins in allem, was Maschinen um die Polygrafie herum betraf.

Alle Leistungen, die die EVIL braucht, kauft sie ein – vorzugsweise bei den Mutterbetrieben. Und

Niemand pocht umsonst an die Tür der EVIL.

das Gas kommt direkt von der VNG. Die beiden

Man hatte nach der BMW-Zusage mit einem

Geschäftsführer, Jörg Feulner von MITGAS und

erheblichen Ansturm auf das verkehrsgünstig

Klaus-Joachim Pfeuffer von den Stadtwerken,

gelegene Gelände gerechnet und deshalb gleich

teilen sich auch die Aufgaben. Die Betriebs- und

auf Vorrat gebaut – 6,5 Kilometer Leitung um den

kaufmännische Führung liegt bei der MITGAS,

gesamten Industriepark, eine Verteilstation und

die juristische und vertriebliche Betreuung der

einer Stichleitung in die Heizzentrale von BMW.

Kunden bei den Stadtwerken Leipzig.

Die Autobauer brauchen das Erdgas sowohl für technischen Bedarf wie für die Lackiererei oder

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Praktisch sieht das beispielsweise so aus: Die

Warmbäder sowie zum Heizen. Das Werk erreicht

FERAG Verfahrenstechnik GmbH baut derzeit

erst in diesem Jahr die geplante volle Produktion

ebenfalls im Industriepark Leipzig-Nord. Über

von täglich 650 Autos. Das entspricht immerhin

die notwendigen Leitungen für den Gasbezug

einem Wert von mindestens 16 Millionen Euro an

wird mit Feulner verhandelt. Er setzt nach

jedem Tag. Damit lässt sich vorstellen, wie wichtig

Vertragsabschluss die Experten von MITGAS

den Autobauern eine hohe Versorgungssicherheit

in Bewegung. Über den Gasbezug redet man

bei ihren Lieferanten ist. Störungsfreie Produktion

mit Pfeuffer. Und der hat wieder seine Partner

ist das A und O ihrer Planung, die für alle Bereiche

bei der VNG.

knapp kalkuliert ist.

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Die beiden EVIL-Geschäftsführer: Jörg Feulner (l.) und Klaus-Joachim Pfeuffer vor der Energiezentrale des BMW Werks Leipzig.

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Foto: Christoph Busse

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650 Autos laufen täglich vom Band – dank Erdgas Das beginnt mit der Lieferung von Bauteilen und

Seite nicht eine Minute. Das prägt sich den Kunden

reicht eben auch bis zur garantierten Energieversorgung. EVIL traf dafür mehrere Vorkehrungen.

ein. Sie wissen, auf wen Verlass ist.“ Ein Teil dieser Sicherheit ist also der Lieferant VNG samt seinen

Die Leitung zum Versorgungspunkt kann von

Partnern in Russland oder Norwegen.

zwei Seiten aus unabhängig Gas beziehen. Sollte irgendwo tatsächlich ein Bagger einen Teil der Leitung beschädigen, kommt die Energie von der anderen Seite. Einen weiten Bereich beschreibt Klaus-Joachim Pfeuffer so: „Seit es uns gibt, liefern wir zuverlässig. In den Massenmedien haben die Menschen natürlich erfahren, welche Querelen es rund um die Leitungen durch die Ukraine und Weißrussland gab. Dennoch stockte die Gaszufuhr von unserer

Aber die EVIL selbst trägt ebenfalls dazu bei. Das Unternehmen hat nicht nur eine hohe sechsstellige Summe in die Anlagen im Industriepark LeipzigNord investiert, es hat auch gemeinsam mit dem technischen Dienstleister MITGAS eine wichtige Zertifikation erhalten, die die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) vergibt, das Technische Sicherheitsmanagement (TSM). Dabei werden alle Verträge und Prozesse geprüft, die die Gasversorger eingegangen sind

EVIL-Geschäftsführer Klaus-Joachim Pfeuffer (l.) und Jörg Feulner sprechen in der Energiezentrale mit Thomas Wicha, dem Verantwortlichen für Gebäudeleittechnik im BMW Werk Leipzig.

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Neuansiedlung im Industriepark Leipzig-Nord: FERAG Verfahrenstechnik GmbH.

bzw. umsetzen müssen. Dazu gehören die regelmäßige Wartung wie die Instandhaltung nach einheitlichen Vorgaben. Gefragt wird auch, wie die Bereitschaftssysteme funktionieren. Das alles verdient ein Zertifikat, das nicht leicht zu bekommen ist. Es besagt: Alle Bestimmungen und Vorgaben werden eingehalten. Alle vorstellbaren Unregelmäßigkeiten oder Havarien sind in die Überlegungen einbezogen worden. Es gibt Pläne, wie man Schäden verhindern oder die Folgen minimieren kann. Das System sei knallhart, versichert Feulner, garantiere aber auch ein Höchstmaß an Sicherheit beim täglichen Betrieb. Übrigens schreibt BMW die Erdgasversorgung regelmäßig neu aus. Das heißt: Auch andere Gashändler können mitbieten. Bisher ist es EVIL immer gelungen, das wirtschaftlich günstigste Angebot abzugeben und ist deshalb Erdgaslieferant seit dem Jahr 2003. Hohe Versorgungssicherheit gepaart mit marktfähigen Preisen schaffen Ver-

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Fotos: Christoph Busse

trauen beim Kunden, so Feulner. Diese Leistungen hält EVIL auch für andere bereit. Insofern ist das Unternehmen durchaus nicht zufrieden mit der bisherigen Entwicklung im Industriepark LeipzigNord. In der Planung ist man von einer wesentlich schnelleren Ansiedlung weiterer Investoren ausgegangen. Die Anlagen mit einer stündlichen Kapazität von 22.000 Kubikmeter Erdgas bieten eine gute infrastrukturelle Grundlage für weitere Investoren. Bisher ist nur BMW an das Versorgungssystem angeschlossen. Im Jahr 2006 hat EVIL rund 150 Millionen Kilowattstunden an BMW geliefert. Dieses Jahr könnten es aufgrund des erhöhten Produktionsausstoßes 200 Millionen werden. Das entspricht etwa dem, was 10.000 Eigenheime im Jahr verbrauchen, wenn ihre Energieversorgung auf Erdgas beruht. Mit der FERAG schließt sich nun ein weiterer Kunde an das Gasnetz der EVIL an. Thomas Biskupek

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„Die Sicherheit der Energieversorgung hat auch eine politische Seite.“ Dr. Rolf Linkohr, ehemaliger Abgeordneter des Europäischen Parlaments und C.E.R.E.S.-Präsident zur besonderen Bedeutung der angemessenen Ausgestaltung der Energiepolitik für die Gewährleistung der zukünftigen Energieversorgungssicherheit. Als Winston Churchill 1911 Erster Lord der Ad-

Pipelines und Gasspeichern ermutigt werden.

miralität wurde, ordnete er an, dass die neuen

Diese Bemühungen ziehen sich wie ein roter

Schlachtschiffe der Royal Navy nicht mehr mit

Faden durch die europäische Politik der letzten

Kohle, sondern mit Öl beheizt wurden. Denn damit

Jahre. Die Energieabhängigkeit zu verringern

erhöhten sie Leistung und Reichweite. Kritiker

oder in erträglichen Grenzen zu halten ist gewiss

hielten ihm entgegen, dass Großbritannien wohl

vernünftig, doch stößt sie im Falle von Öl und

über Kohle verfüge, nicht aber über Öl. Würde

Gas an geologische Grenzen. Es ist nun mal

es der kaiserlichen Flotte gelingen, die britische

so, dass die größten Öl- und Gasvorräte nur

Insel von Öllieferungen aus dem Nahen Osten

in wenigen Ländern liegen: Öl und Gas in der

abzuschnüren, hätte die Marine wohl Schiffe, aber

Golfregion, Gas in Russland. Und zum Zweiten

sie hätten keinen Treibstoff mehr.

treten inzwischen die asiatischen Staaten ne-

Churchill gab darauf die inzwischen berühmte Antwort; „Diversifiziert die Versorgung“. Diese Ant wor t war damals so richtig wie sie es heute ist. Die Europäische Union in Gestalt der Kommission, des Rates und des Parlamentes hat ebenfalls darauf hingewiesen, wie wichtig eine Diversifikation der Bezugsquellen und Transportwege ist, um nicht zu sehr von einem Lieferanten abhängig zu sein. Mit ihrer neuen „Energieaußenpolitik“, also den vielfachen Kontakten, Gesprächen und Abkommen mit Drittländern, wird seitens der EU der Versuch unternommen, weitere Bezugsquellen zu sichern. Ferner soll zum Ausbau von Infrastrukturen, d. h. insbesondere von

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Dr. Rolf Linkohr ist Präsident des „Centre for European Energy Strategy“ mit Sitz in Brüssel. Von 1979 bis 2004 war er Mitglied des Europäischen Parlaments, danach zwei Jahre lang Sonderberater des EU-Kommissars für Energie. Foto: C.E.R.E.S.

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Gasreserven.

konzentrieren. Auch ist nicht auszuschließen, dass einem Ölkartell namens OPEC dann ein Gaskartell folgt, wie immer es sich auch nennen mag.

Europa tut deshalb gut daran, seine Energie-

Anbieterkartelle sind umso mächtiger, je schwä-

abhängigkeit nicht nur durch Diversifikation

cher die Abnehmerstaaten sind. Mit anderen

der Bezugsquellen zu verringern, sondern auch

Worten: je abhängiger Europa von den Öl- und

durch Senkung des Energieverbrauchs und

Gaslieferungen ist. Diese Abhängigkeit ließe

durch den Ausbau eigener Energiequellen. In

sich u. a. dadurch mindern, dass die Eigenpro-

diese Richtung weisen auch die Beschlüsse des

duktion von Energie verstärkt wird.

ben den Industrieländern als Käufer auf. Mit anderen Worten, Asien und Europa konkurrieren zunehmend um die knapper werdenden Öl- und

Europäischen Rates vom 8./9. März 2007. Der Rat möchte, dass bis 2020 die Energieeffizienz um 20 Prozent verbessert, die erneuerbaren Energiequellen auf 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs gesteigert und die Emission der Treibhausgase um 20 Prozent gesenkt werden sollen. Sollte sich die Auffassung des Europäischen Rates durchsetzen, so wäre dies übrigens das erste Mal, dass sich die EU in den Energiemix der Mitgliedstaaten einmischt. Denn eine obligatorische Quote für erneuerbare Energien begrenzt den Spielraum der Mitgliedsländer bei der Auswahl der Energiequellen. Schon jetzt zeichnen sich Konflikte ab, wenn die Kommission im Herbst 2007 ihren Richtlinienvorschlag zur Verteilung der Quoten erneuerbarer Energiequellen auf die 27 Mitgliedstaaten vorlegen wird. Vermutlich werden einige Staaten Wert darauf legen, dass auch die Kernenergie bei der Verringerung der Treibhausgase Berücksichtigung findet.

Centre for European Energy Strategy Das „Centre for European Energy Strategy“ (C.E.R.E.S.) wurde 2005 von drei ehemaligen Abgeordneten bzw. Mitarbeitern von Bundestag und Europaparlament am Sitz von EU-Kommission und EU-Parlament in Brüssel gegründet. Das C.E.R.E.S. befasst sich mit der Frage, warum und wozu eine gemeinsame europäische Energiestrategie gut ist. Unter dem Eindruck wachsender Importe von Öl und Gas, steigender Energiepreise und möglicher terroristischer Übergriffe nimmt das Bewusstsein gemeinsamer Bedrohungen zu. Dazu setzt sich C.E.R.E.S. die Aufgabe, Vorschläge zur Risikominderung auszuarbeiten und Entscheidungsträger in Europa zum gemeinsamen Handeln zusammenzuführen. Weitere Informationen lesen Sie auf www.ceres-energy.org

Nach Lage der Dinge können dies nur die erneuerbaren Energien, die Kernenergie und die intelligente Nutzung von Kohle sein. Welches Gewicht die einzelnen Energieträger haben sollen, ist bekanntlich umstritten. Die deut-

In gewisser Weise erinnert die heutige Diskussion

sche Bundesregierung meint, ohne Kernenergie

an die Debatten und Beschlüsse der 70er Jahre.

auskommen zu können, andere europäische

Damals erlebte Europa zwei Ölpreisschocks und

Staaten wollen hingegen der Kernenergie eine

reagierte darauf durch einen sparsameren Um-

größere Bedeutung geben. Unumstritten ist das

gang mit Energie, durch Ausbau der heimischen

Bemühen, Sonne, Wind und Biomasse, aber

Energiequellen, was damals vor allem Kohle,

auch die Geothermie stärker zu nutzen. Ganz

Kernenergie und Erneuerbare bedeutete, und

im Hintergrund steht bei vielen die Hoffnung,

durch Diversifikation der Bezugsländer, was

mit Hilfe der thermonuklearen Fusion eine

wegen der damals mächtigen OPEC aber an enge

fast unerschöpfliche Energiequelle zu finden.

Grenzen stieß.

Europa hat dabei gute Karten, denn es hat damit bislang gute Fortschritte gemacht. Den

Starke Anbieterkar telle könnten nebenbei wieder auftreten, wenn die Gas- und Ölvorräte weiter abnehmen und sich auf wenige Länder

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Standort für das internationale Projekt ITER ins französische Cadarache zu holen, ist hierfür ein ausdrücklicher Beweis.

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zum Klimaschutz wirtschaftlich wird, vor allem

„Die Sicherheit der Energieversorgung hat auch eine politische Seite.“

dann, wenn es gelänge, das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid abzutrennen und wieder in den Boden zu pressen. Diese unter dem Namen CCS (Carbon Capture and Storage) bekannt gewordene Technologie ist im Übrigen der Schlüssel zur nachhaltigen Nutzung unserer immer noch großen

Sicherheit der Energieversorgung heißt aber

heimischen Vorräte an Stein- und Braunkohle. Die

auch, dass die Verteiler- und Transportnetze

EU plant in diesem Bereich zwölf Großprojekte.

sicher sind. Bei den Stromnetzen darf es zu

Bei einem Pilotprojekt im brandenburgischen

keinen Unterbrechungen kommen und bei den

Ketzin wird beispielsweise bereits die Reaktion

Gasnetzen müssen Nachfrage und Angebot in

von Kohlendioxid in der Umgebung unterirdischer

einem vernünftigen Verhältnis stehen. Europa

Gasspeicher untersucht. *

muss deshalb ständig seine Netze verbessern, es muss die sog. Internkonnektoren ausbauen, um

Unsere Abhängigkeit von Energieimporten in Gren-

die nationalen Netze zu einem europäischen Netz

zen zu halten ist gewiss sinnvoll. Doch vielleicht

zu verbinden, es muss sich um die sog. „smart

ist es auch sinnvoll, Abhängigkeiten zu fördern?

grids“ bemühen, also Maßnahmen ergreifen,

Damit ist vor allem die Beziehung EU–Russland

dass sich elektrische Netze selbst korrigieren,

gemeint. Nicht nur Europa ist von russischem

also einen möglichen Schaden rasch melden und

Gas abhängig, auch Russland braucht Europa.

auch reparieren. Derart „selbstheilende“ Netze

Es braucht Europas Geld und seine Technologien.

sind auch Thema einer durch die EU eingerichteten

Der Begriff Abhängigkeit verdient zumindest das

Technologieplattform, also einem umfassenden

Adjektiv gegenseitig. Wir sind inzwischen auf

Forschungsprogramm der EU.

einander angewiesen.

Während elektrische Netze schon seit Jahren den Strom aus erneuerbaren Energiequellen vorrangig einspeisen müssen, ist dies bei Gas noch nicht der Fall. Es wird aber wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis dass der europäische Gesetzgeber eine ähnliche Regelung für Biogas vorschreiben wird. Vorausgesetzt, das eingespeiste Gas weist dieselbe Qualität wie Erdgas auf.

Diese Erkenntnis findet vor allem in Deutschland und Österreich Anhänger. Auch andere Staaten sind einer engen Beziehung zu Russland nicht abgeneigt. Doch diese Meinung wird in einer Reihe von ehemaligen Ostblockstaaten nicht geteilt, die auf schlechte Erfahrungen mit Russland hinweisen. Deshalb kommt derzeit der europäisch-russische Dialog auch nicht voran.

Erstaunlicherweise wird kaum davon gespro-

An diesen Beispielen zeigt sich wieder, dass die

chen, dass unter Europas Boden noch riesige

Sicherheit der Energieversorgung nicht nur eine

Kohlereserven liegen. Ihre Förderung ist nur in

physikalische, sondern auch eine politische Seite

wenigen Ländern wirtschaftlich und die Steinkohle

hat. Doch Politik ist Kunst, und deshalb sind neben

bleibt deshalb unter der Erde. Doch inzwischen

Ingenieuren und Naturwissenschaftlern auch die

werden Fortschritte bei der Untertagevergasung

politischen Künstler gefragt, die mit den Mitteln

gemeldet, wozu insbesondere Großbritannien

der Politik bewirken, dass die Energieversorgung

beigetragen hat. Es ist nicht ausgeschlossen,

auch weiterhin sicher ist.

dass diese Technik bei höheren Öl- und Gaspreisen bzw. bei verschärften Rahmenbedingungen

Dr. Rolf Linkohr

* Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich hier um das Forschungsprojekt „CO2 -Sink“, das von einem Konsortium aus 15 Institutionen, aus 8 europäischen Ländern, unter der Federführung des GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) durchgeführt wird. Mehr dazu finden Sie in diesem Heft auf Seite 32.

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Ketzin: CO2SINK-Projekt geht in die dritte Phase Über 100 prominente europäische Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie zahlreiche Journalisten von Fernsehen, Hörfunk und Presse kamen am 13. Juni 2007 auf das ehemalige Gelände des VNG-Untergrundgasspeichers Ketzin, um beim CO 2 SINK-Projekt den Start der Vorbereitungen zum Einspeisen von CO 2 mit zu erleben. Dazu wurden zwei 50-Tonnen-Tanks für verflüssigtes CO2 aufgestellt und erstmals befüllt. Diese Erstbefüllung starteten mit einem symbolischen Knopfdruck EU-Energiekommissar Andris Piebalgs, Staatssekretär Thomas Rachel vom Bundesministerium für Erziehung und Wissenschaft und CO2SINK-Projektleiter Prof. Frank Schilling vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ). Zuvor hatte Dr. Volker Busack, Direktor Betrieb/ Technologie, die Gäste offiziell begrüßt. Er betonte: „CO2SINK ist ein notwendiger Schritt zum kohlendioxidfreien Kraftwerk. Hier und jetzt schaffen wir die Grundlagen für eine mögliche, großmaßstäbliche Nutzung. Die Leistungen der VNG in diesem Projekt werden insgesamt rund 1,5 Mio. Euro umfassen.“ EU-Kommissar Piebalgs hob in seinen Grußworten die Bedeutung des Projektes im Rahmen des Klimaschutzes hervor und sicherte eine weitere

Aus zwei Vorratstanks soll das Gas täglich in den Speicherhorizont gepresst werden.

Unterstützung durch die EU zu. Er appellierte aber auch an die Verantwortung der Unternehmen für die Umwelt. Die Wirtschaft solle sich noch stärker als bisher für die Erforschung umweltfreundlicher Technologien einsetzen. Die eigentliche CO 2 -Einspeisung wird voraussichtlich im Oktober 2007 beginnen. Dann wird das flüssige Gas täglich mit Tankwagen aus Leuna angeliefert und in den eine Tagesmenge bevorratenden Tanks zwischengespeichert. Von dort wird es als Gas über die Injektionsbohrung in den Speicherhorizont gepresst. Zunächst müssen jedoch die beiden Beobachtungsbohrungen fertig gestellt werden. Mit Stand 21. Juni 2007 war die erste dieser Bohrungen bei einer Tiefe von 592 Metern angelangt. Dr. Volker Busack, Direktor Betrieb/Technologie der VNG (l.) mit Andris Piebalgs, dem Energiekommissar der EU.

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Dr. Ralf Borschinsky

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Der Sicherheitspartnerschaft Tiefbau e.V. fördert praktische Ausbildung DVGW und den Maschinenführerausweis. Mit Der Sicherheitspartnerschaft Tiefbau e.V. undieser Initiative will der Sicherheitspartnerschaft terstützt ab dem kommenden Ausbildungsjahr Tiefbau e.V. eine noch größere Breitenwirksamdie Initiativen von Ausbildungseinrichtungen keit erlangen und die Berufsanfänger bereits vor in Sachsen zur Erweiterung der Qualifikation Eintritt in das Tagesgeschäft für Arbeiten in der ausgewählter Ausbildungsberufe. Dabei wird Nähe von Versorgungsanlagen sensibilisieren. den auszubildenden Baugeräteführern, aber Für die delegierenden Unternehmen bietet dies auch Rohrleitungs- und Kanalbauern, die eine den Vorteil, besser qualifizierte „Einsteiger“ Zusatzqualifikation als Geräteführer durchlaufen zu beschäftigen und keine Ausfallzeiten für die haben, die Zusatzqualifikation auf einer BaggerErstausbildung hinnehmen zu müssen. Für die schadendemonstrationsanlage angeboten. Die Versorgungsunternehmen, die diese Qualifikation Ausbildung von Maschinenführern, auf Grundlage finanzieren, bedeutet dies natürlich auch brandes DVGW-Hinweisblattes GW 129 („Sicherheit chenübergreifend Einfluss auf die Ausbildung von bei Arbeiten in der Nähe von Versorgungsanlagen, Maschinenführern nehmen zu können. Schulungsplan für Ausführende, AufsichtspersoVoraussetzung für die Teilnahme an dieser Qualinal und Planer“) wird im Rahmen der laufenden fizierung ist, dass die Anwärter die Anforderungen Berufsausbildung künftig auch an ausgewählten gemäß Berufsgenossenschaftlicher Regel Nr. 500 Fachzentren angeboten. („Betreiben von Arbeitsmitteln“), Kapitel 2.12, Um diese Zusatzausbildung so effektiv wie mög„Erdbaumaschinen“ erfüllen. lich zu gestalten, ist eine Arbeitsteilung zwischen den beteiligten Fachzentren und den zugelasBernhard Ott senen Baggerschadendemonstrationsanlagen des Vereins vorgesehen. Die Fachzentren übernehmen in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Versorgungsunternehmen den theoretischen Teil der Ausbildung. Der zweite, praktische Teil wird als Tageslehrgang auf einer der Anlagen organisiert und aus Mitteln des Vereins finanziert. An den Demonstrationsanlagen stattfindende Übungen beinhalten praktische Anleitungen für Arbeiten mit der Maschine, realistische Vorführungen mit Gasausströmung sowie Löschübungen. Wird der anschließende Wissenstest erfolgreich gemeistert, erhalten die Teilnehmer das Baggerschaden-Demonstrationsanlage. Es werden reale Situationen geübt. Teilnehmerzer tifikat des

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Von Räuchermännchen, Kommunalpolitikern und Wirtschaftsbossen Verleihung des Titels „Kommunalpolitiker honoris causa“ an Dr. Volker Busack und Hartmut Zellmer. Es qualmte gewaltig am 23. April 2007 im Rathaus zu Bernburg. Allerdings nicht, weil sich Stadtoberhaupt und Stadträte hitzige Diskussionen lieferten. Ein kleiner Räuchermann aus dem Erzgebirge war schuld.

Schwergewichtig und ein wenig professoral erhaben blickt er über den Rand seiner Brille hinaus. In der rechten Hand die Pfeife, in der Linken ein amtliches Dokument und um den Hals ganz locker geschwungen die schwere Amtskette mit goldenem Glanz. Stattlich, würdevoll und doch recht sympathisch – so präsentierte sich der halbstarke Holzwichtel am 23. April in Bernburg erstmals der Öffentlichkeit. Eigentlich war aber nicht er der Star der Veranstaltung, auch wenn er sich sichtlich in den Vordergrund drängte. Im Mittelpunkt standen vielmehr Dr. Volker Busack, Direktor Vertrieb/Technologie bei der VNG – Verbundnetz Gas AG, und Hartmut Zellmer von der Firma Jaeger Spezialbau in Bernburg. Bei einem Pressegespräch mit dem Bernburger Stadtoberhaupt Helmut Rieche informierten beide exemplarisch über ihr unternehmerisches Engagement in Bernburg und wie es der einheimischen Wirtschaft zugutekommt. So investierte die VNG allein in Bernburg seit 1990 deutlich über 230 Millionen Euro, vor allem in den Ausbau des hiesigen Untergrundgasspeichers. Von den Aufträgen, die zu 75 Prozent an ortsansässige Unternehmen gingen, profitierte vor allem die Firma Jaeger Spezialbau – und damit nicht zuletzt auch die Stadt Bernburg. Denn gut florierende Unternehmen sichern Arbeit und Jobs in der Region und mit den Gewerbesteuern füllt Die Holzfigur wurde eigens für die Auszeichnungsinitiative „Kommunalpolitiker h. c.“ von einer erzgebirgischen Manufaktur entwickelt und am 23. April in Bernburg erstmals überreicht.

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sich das Stadtsäckel. Damit lassen sich wiederum kommunale Projekte finanzieren, etwa der Ausbau der Infrastruktur oder die Förderung von Bildung

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und Kultur. Helmut Rieche pflichtet dem bei: „Ohne unsere Unternehmen wäre Bernburg nicht lebensfähig. Das gilt für die elementaren kommunalen Pflichtaufgaben ebenso wie für die Unterstützung der heimischen Sport- und Kulturvereine.“ Um seinem persönlichen Dank eine offizielle Würdigung anzuschließen, hat Rieche die beiden Manager von VNG und Jaeger Spezialbau für die Auszeichnung „Kommunalpolitiker honoris causa“ vorgeschlagen. Die Initiative wurde von namhaften Politikern aus allen fünf neuen Bundesländern ins Leben gerufen und erstmals in Bernburg verliehen. Rieche begründet seine Wahl damit, dass beide Unternehmen als Investoren, Arbeitgeber, Sportsponsoren und kulturelle Inspiratoren einen großen Anteil daran hatten, dass sich Bernburg von einer grauen, deindustrialisierten Stadt zu einer wirtschaftlich wie gesellschaftlich blühenden Region in Sachsen-Anhalt entwickeln konnte. Stellvertretend für das Auszeichnungsgremium überreichte Dr. Michael Schäfer, Chefredakteur der ostdeutschen Kommunalzeitschrift „Forum

Dr. Michael Schäfer überreicht Dr. Volker Busack die Auszeichnung „Kommunalpolitiker h.c.“

Neue Länder“, die Auszeichnungsurkunde an Dr. Volker Busack und Hartmut Zellmer. Und nicht nur das: als besonderes Highlight bekamen beide auch den kleinen Räuchermann aus dem Erzgebirge überreicht – mit einem zwinkernden Auge quasi als Symbol für die bedeutungsschwangeren, schwergewichtigen Kommunalpolitiker, denen sie

Investitionen der VNG seit 1990

– Über zwei Milliarden Euro in den neuen Bundesländern – 796 Millionen Euro in Sachsen-Anhalt – 631 Millionen Euro für neue Anlagen – 165 Millionen Euro für den Erhalt bestehender Anlagen

jetzt ehrenhalber angehören. Mandy Nickel

Dr. Volker Busack, Helmut Rieche und Hartmut Zellmer beim Pressegespräch im Rathaus von Bernburg.

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Aktive Hilfe für Bedürftige in der Ukraine Die VNG pflegt mit zahlreichen Par tnern in-

trasse mit Urengoj-Ushgorod verbunden, einem

tensive Kontakte. Für uns Dispatcher aus dem

Standort der ehemaligen DDR-Trassenbauer der

Gasregelzentrum gilt das ebenso wie für andere

1980er Jahre. In der Nähe von Strji befindet sich

Bereiche des Unternehmens. Bei Gesprächen

in einer ehemaligen Erdgaslagerstätte heute ein

mit Kollegen der ukrainischen Gesellschaf t

Untergrundgasspeicher.

Ukrtransgas tauschten wir uns im letzten Jahr neben gasfachlichen Fragen auch über soziale Probleme in der Ukraine aus, insbesondere über die Auswirkungen des Reaktorunglücks von Tschernobyl. Über den Leiter des Dispatching

Konkrete Projekte der Ukraine Aktivhilfe sind: • Organisation von Ferienaufenthalten für kranke Kinder in den Karpaten (Feriendorf Jablonitsa),

Departments in der Ukraine, Myroslav Khymko,

• Lebensmittel für Schulspeisungen,

lernte ich so Peter Malter von der Ukraine Aktiv-

• finanzielle Unterstützung bei medizinischen

hilfe München kennen. Sein Verein unterstützt in der Ukraine soziale Einrichtungen wie Caritas, Kliniken, Schulen, Kindergärten und Waisenhäuser

Behandlungen sowie • Unterstützung von Krankenhäusern, Schulen, Selbsthilfegruppen mit Kleiderkammern.

sowie eine Tschernobylopferorganisation, vor allem in den Orten Lviv, Chodoriv, Turka und Strji mit Geld und Sachspenden. Von diesen Städten

Das Wirkungsprofil dieses Vereins bewog mich zur

in der Westukraine ist Strji durch die Erdgas-

Mitarbeit bei der Organisation eines Hilfstransportes in die Ukraine im März 2007. Eine Kaufhauskette hatte in der Nähe von München Lagerräume bereitgestellt zur Aufnahme der Sachspenden von Büromöbeln, medizinischen Geräten, Kleidung, Schuhen, Wasch- und Lebensmitteln. Nach Spendenaufrufen über die Medien lagerten dort ca. 25 Tonnen Güter. Die Spenden wurden von den Mitgliedern der Ukraine Aktivhilfe für den Transport vorbereitet, also gewogen, registriert, für die jeweiligen Empfänger markiert und auf Sattelschlepper verladen. Da für körperlich schwere Arbeiten nur wenige Männer zur Verfügung standen, spürten wir den Einsatz am Ende der beiden Tage in Armen und Beinen deutlich. Auch Kollegen des Bereiches Gassteuerung beteiligten sich am Spendenaufkommen mit ca. 160 kg Kleidung und 160,00 Euro Geldspenden. Dafür sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt. Voraussichtlich im Herbst werde ich mich an einer weiteren Aktion der Ukraine Aktivhilfe beteiligen und hoffe dann ebenfalls auf offene Ohren und Herzen. Dr. Reinhard Böhm Leiter Gassteuerung

Dr. Reinhard Böhm bereitet in München den Spendentransport für die Ukraine vor.

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Das Munch-Haus in Warnemünde.

Der Norwegische Wirtschaftsrat für Deutschland zu Gast im Edvard-Munch-Haus Der norwegische Avantgardist Edvard Munch

wichtige Beraterrolle in verschiedenen wirtschafts-

(1863–1944) verbrachte fast acht Jahre seines

politischen Fragen spielen. Diese Symbiose ist

Lebens in Deutschland. Neben Berlin, Lübeck

auch für die nachhaltige Geschäftsentwicklung

und Weimar war der an der Ostseeküste gelegene

der VNG in Norwegen von besonderem Interesse.

Badekurort Warnemünde eine der wichtigsten

Mit dem Tochterunternehmen VNG Norge AS ist

Stationen für den Maler und gleichzeitig letzter

das Leipziger Unternehmen bereits in Norwegen

Schaffensort im selbstgewählten Exil.

vertreten und verfolgt dort das Ziel, Förderlizenzen

An dieser historischen Stätte, die die VNG – Ver-

vor der norwegischen Küste zu erhalten.

bundnetz Gas AG seit vielen Jahren als Haupt-

Für Norwegen wiederum ist Deutschland ein wich-

sponsor unterstützt, empfing das Unternehmen

tiger wirtschaftlicher Kooperationspartner und

am 26. April dieses Jahres die Mitglieder des

eines der bedeutendsten Exportländer. Deshalb

Norwegischen Wirtschaftsrates für Deutschland.

betonten die Teilnehmer des Empfangs auch die

Unter ihnen befand sich auch der Norwegische

Wichtigkeit eines regelmäßigen Erfahrungsaus-

Botschafter in Berlin, Herr Bjørn Tore Godal.

tausches zwischen den Akteuren beider Länder.

Ziel des Wirtschaftsrates ist die Schaffung güns-

Dieser Meinung würde sich wahrscheinlich auch

tiger Voraussetzungen für eine umfassende Zu-

Edvard Munch anschließen, dessen künstlerisches

sammenarbeit zwischen dem Auswärtigen Dienst,

Schaffen sicherlich von Eindrücken beider Länder

der exportierenden Industrie sowie dem Handel,

inspiriert wurde.

dem Fremdenverkehr und den Kulturschaffenden

Weitere Informationen zum Munch-Haus finden

im Ausland. Im Rat sind Führungskräfte aller wich-

Sie unter: www.edvard-munch-haus.de

tigen Branchen vertreten, die neben ihrer Tätigkeit als Entscheidungsträger der Wirtschaft auch eine

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Aktuell | Markt | Schwerpunkt |

Umschau | Feature

Neuer Masterstudiengang „International Energy Economics and Business Administration“ der Zukunft. Der Studiengang ist ein KooperationsDie Energiewirtschaft ist im Wandel begriffen: projekt der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ein sich intensivierender Wettbewerb, vielfältig der Universität Leipzig und des Moskauer Staatüberarbeitete rechtliche Rahmenbedingungen lichen Instituts für Internationale Beziehungen und technische Innovationen haben für eine (MGIMO Universität Moskau). Die neue Unübersichtlichkeit auf den VNG – Verbundnetz Gas AG und Energiemärkten gesorgt. Hinzu die russische Gasgesellschaft kommt: Der Energiehunger der RGO unterstützen den neuen Welt ist größer als je zuvor; das Studiengang mit ihrer internatiWirtschaftswachstum in China onalen energiewirtschaftlichen und Indien sorgt für eine erhöhte Kompetenz als Praxispar tner. Energienachfrage – bis 2030, Mit dem Wintersemester 2007/08 so sagen es die einschlägigen Prognosen, wird der weltweite Der neue Studiengang ermöglicht ne- werden Studierende an der UniEnergiebedarf weiter ansteigen. ben dem Master in Leipzig auch den versität Leipzig und an der MGIMO Abschluss an der MGIMO Universität Universität Moskau das MasterKurz: Die Energiewirtschaft ist zu Moskau. studium aufnehmen, eigens für einer Zukunfts- und Wachstumsbranche geworden, die hervorragende berufliche Entwicklungsperspektiven bietet. Hier setzt der neue Masterstudiengang International Energy Economics and Business Administration an, er will Nachwuchskräfte fit machen für die Energiemärkte

die Organisation des Studiengangs wurde das Deutsch-Russische Institut für Energiepolitik und Energiewirtschaft e.V. (driee) gegründet. Der Studiengang bietet die Möglichkeit, zusätzlich zum Master der Universität Leipzig den Master der MGIMO Universität Moskau zu erwerben. In vier Semestern werden volks- und betriebswirtschaftliche sowie politisch-rechtliche Aspekte der Energiewirtschaft behandelt. Studienorte sind Leipzig und Moskau, wo die Studierenden das zweite Semester absolvieren. Damit die Praxisrelevanz des Studiums nicht zu kurz kommt, werden im Dialog mit Vertretern energiewirtschaftlicher Unternehmen und Verbände auch aktuelle Themen der Energiewirtschaft problematisiert. Des Weiteren beinhaltet der Studiengang ein obligatorisches Praktikum. Er ist auch in dieser Hinsicht eng an den spezifischen Erfordernissen der Branche und deren Zulieferer ausgerichtet.

Unterzeichnung der Vereinbarung zur Gründung des Deutsch-Russischen Instituts für Energiepolitik und Energiewirtschaft am 21. Juni 2006 in Moskau. Linke Seite: Valeri Afonasjewitsch Jasew, Vorsitzender des Komitees für Energie, Transport und Nachrichtenwesen der Staatsduma der Russischen Föderation und Präsident des Russischen Gasverbandes, dahinter Prof. Iwan Georgewitsch Tjulin, Außerordentlicher und Bevollmächtigter Gesandter und 1. Prorektor des MGIMO. Rechte Seite: Prof. Ralf Diedrich, Dekan der Universität Leipzig sowie Rektor Prof. Franz Häuser. Im Hintergrund: Dr. Klaus-Ewald Holst, Vorstandsvorsitzender der VNG und Dr. Dieter Bandlow, Leiter der VNG-Vertretung Moskau.

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Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.driee.uni-leipzig.de. Anfragen per E-Mail richten Sie bitte an driee@wifa.uni-leipzig.de. André Bleicher Universität Leipzig

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Die ersten 18 Teilnehmer haben bereits den ersten Block der Zusatzqualifikation hinter sich gebracht. Ende August beginnt Teil zwei, den sie mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig abschließen wollen.

In sechs Wochen zum Energiefachmann Zusatzqualifikation Kaufmann/Kauffrau in der Energie- und Wasserwirtschaft gestartet. Am 4. Juni 2007 ist in Leipzig der Startschuss für eine neue Ausbildungsinitiative des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) gefallen. Zusammen mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik der Universität Leipzig hat der BGW die Zusatzqualifikation zum Kaufmann/ Kauffrau in der Energie- und Wasserwirtschaft ins Leben gerufen. Zwei der insgesamt 18 Teil-

Erweiterung um die Wahlbereiche Fernwärme und erneuerbare Energien ist geplant. Für einen starken Praxisbezug sorgen Dozenten aus den führenden Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft, darunter der VNG, der E.ON Ruhrgas AG und der Berliner GASAG. Die Ausbildung wird in Leipzig durchgeführt und mit der Zertifizierung durch die IHK auch bundesweit anerkannt.

nehmer des sechswöchigen Programms sind von Die Zusatzqualifikation, die einmalig in Deutsch-

der VNG.

land mit der Universität Leipzig als wissenschaftDas Angebot richtet sich in erster Linie an kaufmännische Auszubildende und an Fachkräfte, die bereits einen kaufmännischen Abschluss in der Tasche haben. In einem Intensivkurs lernen die Teilnehmer alle Facetten der Energie- und Wasserbranche kennen. Dazu zählen unter anderem die veränderten rechts- und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen, das Handeln auf liberalisierten Märkten, Unbundling, Benchmarking, Shared Services und Internationale Rechnungslegung sowie Kundenbetreuung und -beratung. In der ersten Phase werden zusätzlich die Wahlbereiche Gas, Wasser/Abwasser und Strom angeboten. Eine

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lichem Partner durchgeführt wird, hat bereits große Anerkennung erfahren. In Zukunft steht deshalb auch dem möglichen Ausbau der Zusatzqualifikation zu einem eigenen Berufsbild nichts mehr im Wege. Ähnlich wie der Bank- oder Versicherungskaufmann könnte dann auch der Energiekaufmann von Beginn der Lehre an fachspezifisch ausgebildet werden. Nähere Informationen finden Sie im Internet unter www.kaufmann-energie-wasser.de Mandy Nickel

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Aktuell | Markt | Schwerpunkt | Umschau |

Feature

Feierlicher Augenblick: Botschafter wurden in ihren Heimatstädten empfangen Nach der Ernennung zu Botschaftern des Verbund-

des öffentlichen Lebens und Interessierte aus

netzes der Wärme ging es für die Geehrten in den

allen ostdeutschen Städten sind dazu aufgeru-

folgenden Wochen mit öffentlichen Auftritten und

fen, 20 x 20 cm große Stoffflicken nach eigenen

jeder Menge Presserummel weiter. Die zehn Frauen

Vorstellungen zu gestalten. Die daraus entste-

und Männer wurden offiziell in ihren Heimatstädten

henden Flickendecken werden Ende des Jahres

durch die Oberbürgermeister und Bürgermeister

ausgestellt und versteigert. Der Erlös aus der

willkommen geheißen. Im Rahmen der Empfänge,

Auktion geht an die Verbundnetz-Mitglieder und

Pressekonferenzen und Stadtratssitzungen er-

deren Vereine und Initiativen, die in ihrer Stadt

hielten sie zur Unterstützung der weiteren Arbeit

maßgeblich an der Umsetzung des Projektes

ihre Botschafterbriefe sowie den ersten Teil einer

mitgewirkt haben.

finanziellen Unterstützung durch die VNG: Einen Scheck in Höhe von 2.500 Euro. Mit dieser Summe

Unterdessen geht die ehrenamtliche Arbeit der

will das Unternehmen die Arbeit der Botschafter

Botschafter und Mitglieder des Verbundnetzes der

unterstützen.

Wärme unermüdlich weiter. So konnte Christiane Richter, die im Krokoseum Halle Kindern die bunte

Verbundnetz der Wärme ruft Projekt „Engagement verbindet“ ins Leben

und interessante Welt der Bücher näher bringt,

Im Rahmen des 5. Jahrestages des Verbundnetzes

die „Lesefee“ an einem Sonntag im Monat ganz

der Wärme wurde die Aktion „Engagement ver-

bestimmte Kinderbücher aus, liest sie vor und

bindet“ ins Leben gerufen. Persönlichkeiten

projiziert gleichzeitig die dazugehörigen Bilder per

die Kids für das von ihr neu entwickelte Projekt „Bilderbuchkino“ begeistern. Dabei sucht sich

Diaprojektor an die Wand. Auch Monika Schöpe konnte im März der Öffentlichkeit ein tolles Kinderprojekt präsentieren.

Im Beisein der Halleschen Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (r.) überreichte Siegbert Ketelhut, Leiter Unternehmenskommunikation der VNG – Verbundnetz Gas AG, im Rahmen der Stadtratssitzung den Botschafterbrief an Christiane Richter. Die 27-Jährige engagiert sich seit vielen Jahren bei der Initiative Lesewelt im Kindertreff „Krokoseum“ der Franckeschen Stiftung Halle.

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In der Ausstellung „Bilderwelten“ wurden Kunstwerke von Kindern gezeigt, die mit seelisch kranken Eltern zusammenleben. Einmal pro Woche trafen sich die Kinder und Jugendlichen zum Zeichnen und Malen unter der Anleitung des Leipziger Künstlers Karl Anton in der Leipziger Kinder-, Jugend- und Familienberatungsstelle AURYN, ein Hilfsangebot für Kinder und Familien in seelischen Krisen. Seit Jahren schon kämpft Mathias Gröbner gegen die Armut in Deutschland. Jetzt ist sein größter Traum in Erfüllung gegangen: Die Gründung einer Lebensmittelbank in Mitteldeutschland. Unter seiner Leitung wurde in der Tafelstube der Naumburger Tafel e.V. der Verein „Landesmittelbank Sachsen-Anhalt e.V.“ gegründet. Es ist die erste von möglichen fünf in ganz Deutschland.

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Das erfolgreiche Team der zehnten Auflage des Bundeswettbewerbs ERDGASPOKAL der Schülerköche kommt von der LouiseSchroeder-Schule aus Berlin-Spandau. Fotos: teamWERK GmbH

Berliner Schülerinnen gewinnen beim 10. Erdgaspokal Mit einem beeindruckenden, öffentlich ausgetra-

aus dem Freistaat Sachsen. Vor einigen hundert

genen Finale in Halle 3 der Messe Erfurt AG ging

Gästen und Besuchern hatten die insgesamt zwölf

am 14. Mai 2007 die Jubiläumsrunde des Bundes-

Finalistenteams binnen 120 Minuten dreigängige

wettbewerbs ERDGASPOKAL der Schülerköche zu

Menüs zubereitet und an gedeckten Tischen ange-

Ende. Sieger des zehnten Wettbewerbsdurchgangs

richtet. Neben Geschmack und Optik der Speisen

wird das von der GASAG unterstützte Team der

bewertete die Jury auch Arbeitsweise, Energie- und

Louise-Schroeder-Schule Berlin-Spandau mit

Warenverwertung sowie Teamzusammenspiel und

Annavita Gizzi (16), Dilruba Gelcetin (16), Anne

Kreativität der Mädchen und Jungen.

Schroeder (13) und Samanda Beganovic (16). Die Berliner Landessiegerinnen des Erdgaspokals ließen beim Abschluss des Jugendkochwettstreits Konkurrenten und Landesmeister aus weiteren elf Bundesländern hinter sich. Auf Platz zwei setzte die vom Präsidenten des Verbandes der Köche Deutschlands e.V., Stefan Wohlfeil, geführte Jury die Mannschaft der Hauptschule Hammelburg (Stadtwerke Hammelburg GmbH, Freistaat Bayern). Den Bronze-Rang erreichte das von der ENSO betreute Team der Mittelschule Klingenberg

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Mit dem Sieg der jungen Berlinerinnen verlässt der Erdgaspokal erstmals in seiner zehnjährigen Geschichte Mitteldeutschland. Bislang erkochten ausschließlich Schülermannschaften aus Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen die begehrte Trophäe des vor zehn Jahren von der VNG – Verbundnetz Gas AG initiierten Wettbewerbes. 120 Mitgliedsunternehmen des BGW engagierten sich im Jubiläumsdurchgang als Paten für die bundesweit 305 beteiligten Schülerteams.

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Aktuell | Markt | Schwerpunkt | Umschau |

Feature

Weiß auf Weiß – mit Licht gemalte Bilder Die Kunst von Uwe Schürmann ist ab September im Atrium der VNG zu sehen. Wenn man Fotografie als Malen mit Licht übersetzt, so trifft es für das Folgende nicht zu. In der Fotografie ist das Malen mit Licht kein kreativer Prozess, sondern eine Kopie der durch Licht und Schatten vorgegebenen Abbildungen über physikalische Prozesse. Dass es durchaus möglich ist, mit Licht zu malen, zeigen die Werke des Leipziger Künstlers Uwe Schürmann.

Neue und das Forschende. Auf der Suche nach neuen Wegen kreativer Möglichkeiten sind Ziele für ihn nur scheinbare Zwischenstufen in einer ständigen Weiterentwicklung. Auf diesen Wegen, die teilweise bis auf die Ursprünge der Fotografie und Malerei zurückgehen, entdeckte er unbeschrittene Bereiche. Die von ihm entwickelte Maltechnik der fotochemischen Oxidationsmalerei negiert die optische Bildübertragung einer Kamera und arbeitet rein mit Fotochemikalien und Licht als Malmittel. Der Umstand, dass nie ein Maler auf die Idee kam, eine chemische Flüssigkeit als Malmittel einzusetzen und durch Oxidieren Färbungen zu erreichen, war für ihn Grund genug, in einem bereits über zehn Jahre dauernden Prozess dieses Gebiet zu erkunden. Seine Bildwerke sind eine Synthese aus kreativer Gestaltung und naturwissenschaftlichen Phänomenen. Wenn Uwe Schürmann auf seinen

Uwe Schürmann

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Ist es nicht folgerichtig, dass man in einer Aus-

Ausstellungen dem Publikum seine Maltechnik

stellung eines Künstlers mit einem Fotografiestudium, Fotografien zu sehen bekommt? Nicht

erklärt, stiftet er nicht selten Verwirrung. Er malt

zwangsläufig. Schürmann präsentiert in seinen

Flüssigkeiten auf großformatiges Fotopapier. Es

Werken eine Wanderung und Synthese zwischen

entsteht ein unfarbig latentes Bild aus benetzten

den Welten Malerei und Fotografie. Es sind keine

und unbenetzten Bereichen. Wie Schürmann zu

bemalten Fotos, Fotogramme oder digital bear-

verstehen gibt, malt er zu diesem Zeitpunkt weiß

beitete Fotografien, sondern Lichtmalereien im

auf weiß oder mit anderen Worten: „Man könnte

wörtlichen Sinne.

dabei auch die Augen schließen“. Zeitlich versetzte

Uwe Schürmann wurde 1958 in Leipzig geboren. Er

Belichtungs- und Entwicklungsprozesse führen erst

ist Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler

im Nachgang zu Bildkonturen in Grauwertstufen.

und arbeitet derzeit in Leipzig als freischaffen-

Es entsteht ein Mikrokosmos aus feinen Strukturen

der Maler, Fotografiker und Dozent. Seine Vita

und sonderbaren Formen. Durch langjährige Ex-

zeigt Umwege und einen Reifungsprozess bis zu

perimente ist es ihm möglich, chemische Reakti-

seinem heutigen künstlerischen Schaffen. In der

onen, physikalische Prozesse und fotografische

Kunstszene ist Schürmann schwer einzuordnen,

Phänomene in einem Bild zu vereinigen.

da er unterschiedlichste künstlerische Bereiche

Die Themen seiner Werke interpretieren sein

durch eine Art der Metamorphose komponiert.

Lebensmotto und zugleich seine Arbeitsweise.

In seinen Arbeiten dominiert das experimentell

Bevorzugte Uwe Schürmann Mitte der 1990er

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in der Dunkelkammer mit glasklaren chemischen

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gürlichen, mediterranen über surrealen bis zu abstrakten Darstellungen. Dabei bedient er sich vieler Malstile und Ausdrucksformen, um seinen unbändigen Geist darzustellen. So findet sein breites Arbeitsspektrum nicht nur Befürworter. Galeristen haben Probleme, für ihn die richtige Schublade festzulegen, da seine Kunst „zwischen den Stühlen sitzt“. „Ich habe gewusst, dass es schwer wird, etwas Neues im Kunstmarkt zu etablieren“, sagt er selbst. Deshalb schaut er nicht ohne Stolz auf über 50 Ausstellungen im In- und Ausland in den letzten zwölf Jahren zurück. Aktuell geplant sind Ausstellungen im Fotomuseum Görlitz und im Ronald-Mc-Donald-Haus Leipzig. Ab Anfang September kann man seine Kunst im Atrium der Verbundnetz Gas AG Leipzig erleben. Katharina Eisermann Dr. Reinhard Böhm Universum – Materie

Jahre reine Schwarz-Weiß-Darstellungen, sind die Werke der letzten sieben Jahre von expressionistischer Farbigkeit. Die Vielfalt und das Neue seiner Werke stellen viele Kuratoren vor das Problem des Mangels an Vergleichbarem. Uwe Schürmanns Alleinstellungsmerkmal liegt zweifellos im experimentellen Charakter seiner Werke. Er konzipiert seine Ausstellungen häufig aus den drei Teilbereichen Malerei, Fotografik und Fotografie. Neben klassischer Malerei in Lasur-, Misch- oder Spachteltechnik findet der Betrachter auch fotochemische Gemälde und eine besondere Form der Fotografie. Der von ihm geprägte Name der Reflexionsfotograf ie bezeichnet die mehr fache Rückstrahlung und Zerlegung des Lichtes in seine Spektralfarben. Während sich die historische Entwicklung der Kameraobjektive mit der Beseitigung von optischen Fehlern beschäftigte, ging Schürmann den Weg zurück und arbeitet bewusst mit diesen Fehlern. Die so entstehenden Fotografien suggerieren dem Betrachter eine dreidimensionale „Wirklichkeit“. Steinerne Figuren an Leipziger Häusern erlangen durch diese Technik eine scheinbare Lebendigkeit. Die Werke Uwe Schürmanns reichen von fi-

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Gasse in Florenz

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medium gas | 16. Jahrgang | 2. Ausgabe | Juli 2007


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