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Ausgabe 2 | 2011

medium gas Das Magazin für Kunden und Partner der VNG-Gruppe

SCHWERPUNKT: Wind, Sonne und Biogas – mit Erdgas der Energiemix der Zukunft. → Interview mit Prof. Dr. Klaus Töpfer

→ Infrastruktur

 ie Energiewende als D deutsches Gemeinschaftswerk

Erdgasinfrastruktur wird zu einem Schlüsselfaktor in Deutschland

Seite 28

Seite 32

→ 40 Jahre norwegisches Erdöl-Abenteuer

Das Leben auf einer Bohrinsel Seite 38


Foto: Statoil

Foto: Michael Fahrig

Foto: Christian Schneider

Inhalt

Aktuell

Schwerpunkt

Umschau

4 VNG Aktuell

22 Reportage

34 Internationales

6 Energiepolitik Spezial 7 Aktuelle Nachrichten aus der Energiepolitik und Energiewirtschaft

Wind, Sonne und Biogas –

Katar – reich an Erdgas und

mit Erdgas der Energiemix der Zukunft.

LNG-Exporteur Nr. 1 medium gas skizziert Katars

28 Interview Gemeinschaftswerk

Markt

wirtschaftlichen Aufstieg.

Die Energiewende als deutsches 36 Interview

medium gas sprach mit Prof. Dr. Klaus

„LNG ist eine interessante Option.“

Töpfer über die deutsche Vorreiterrolle

Michael Ludwig im Gespräch mit

in Sachen Energieversorgung.

dem Botschafter des Staates Katar in Deutschland.

10 Eisenhüttenstadt und ArcelorMittal Der Stahl macht Werk und Stadt

30 Gastbeitrag Erdgas im zukünftigen Energiemix

38 40 Jahre norwegisches Erdöl-Abenteuer

Dr. Felix Christian Matthes erläutert die

Das Leben auf einer Bohrinsel

Bedeutung von Erdgas im Wärmemarkt

Marleen Laschet im Gespräch mit den

Ein Kraftwerk im Keller?

der Zukunft bei der Stromversorgung

ehemaligen Bohrinselarbeitern Jonny

Unterwegs mit dem VNG-Marktpartner

und im Mobilitätssektor.

und Rudi.

16 Marktpartnerkooperation

Wolfgang Borz. 32 Infrastruktur

42 EU-Energiepolitik

Revolution auf dem Energiemarkt –

Viele Aufgaben für den neuen

Das VNG-Hauptstadtgespräch

Erdgasinfrastruktur wird zu einem

Europäischen Energieregulator

mit Thomas Bareiß, Mitglied des

Schlüsselfaktor in Deutschland.

Dr. Ralf Pastleitner über Bedeutung

Deutschen Bundestages.

Uwe Barthel über die Speicherfähigkeit

und Kompetenzen von ACER.

18 Neue Serie

des Erdgasnetzes.

Unser Titelmotiv Aus überschüssigem Windstrom und Biogas erzeugt in Kürze ein Hybridkraftwerk in der Nähe von Prenzlau Wasserstoff. Das hochenergetische Gas kann als Autotreibstoff dienen oder in das Erdgasnetz eingespeist werden. Auch eine Umwandlung in Methan mit Erdgasqualität ist möglich.

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Foto: ENERTRAG


medium gas 2 | 2011

Foto: BASF AG

Liebe Leserinnen und Leser,

Feature 44 Mehr Wissen. Mehr Können. Mehr Zukunft. medium gas über die Leuchtturmprojekte der „Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e. V.“ und das Engagement der VNG-Stiftung. 46 Stadtansichten 10 Gründe, die thüringische Landeshauptstadt Erfurt zu besuchen. Erfurt steht für die Verbindung von Tradition und Moderne. 48 VNG-Bildungstour VNG-Ausstellung Mauerfälle macht in Erfurt Station medium gas informiert über die bisherigen Stationen. 49 Termine im nächsten Quartal 49 Impressum

die erste Jahreshälfte war für die Energiebranche eine sehr spannende und herausfordernde Zeit. Zunächst stand die Analyse und Umsetzung des von der Bundesregierung im letzten Herbst verabschiedeten Energiekonzeptes im Fokus. Mit der Katastrophe in Japan verschob sich der Blickwinkel auf die Rolle der Kernenergie im Energiemix der Zukunft erneut. Bernhard Kaltefleiter, Nach Einberufung einer Ethik-Kom- Leiter Unternehmenskommunikation mission und vielfältigen Diskussionen im politischen Raum wurde mit dem Beschluss des vorzeitigen Atomausstiegs ein von vielen gesellschaftspolitischen Lagern akzeptierter Energiekonsens verabschiedet. In Bezug auf den Energieträger Erdgas wurde in diesem Diskussionsprozess eines besonders deutlich: Erdgas ist mehr als eine Brücke hin zu den Erneuerbaren. Insbesondere mit Blick auf die Gewährleistung des energiepolitischen Zieldreiecks aus Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zeigt sich, dass Erdgas vielmehr der ideale Partner der erneuerbaren Energien ist. Ich freue mich sehr, dass wir für diese Ausgabe mit Herrn Prof. Dr. Klaus Töpfer, Vorsitzender der Ethik-Kommission „Sichere Energieversorgung“, sowie Herrn Dr. Felix Matthes, Forschungs-Koordinator Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts, zwei Persönlichkeiten gewinnen konnten, die sich in die aktuelle energiepolitische Debatte mit großen Engagement einbringen. Beide begründen die Notwendigkeit der Energiewende und stellen die Rolle von Erdgas im Energiemix der Zukunft besonders heraus. Wie in jeder Ausgabe, richtet sich unser Blick auch auf die internationalen Entwicklungen. Binnen kürzester Zeit wurde das Emirat Katar zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt. Mittlerweile gilt das Land am Persischen Golf als weltgrößter Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG). Um zu verstehen, wie es zu Katars wirtschaftlichem Aufstieg kam, skizzieren wir die Entwicklung des Landes und gehen in einem Gespräch mit dem Botschafter des Staates Katar in Deutschland den Ursachen dieses rasanten Wachstums auf den Grund. Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, wie es sich eigentlich auf einer Bohrinsel – fern ab von zu Haus – leben lässt, empfehle ich Ihnen den äußert lesenswerten Beitrag über das harte und doch einzigartige Leben der Bohrinselveteranen Jonny Heldenius und Rudi Høksnes. Ich wünsche Ihnen eine anregende und spannende Lektüre.

Ihr Bernhard Kaltefleiter

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Aktuell

Foto: Jörg Singer

Foto: Øyvind Hagen/Statoil

VNG Aktuell

VNG bei 21. Lizenzrunde in Norwegen erfolgreich

Inbetriebnahme einer Ejektoranlage am Untergrundgasspeicher Bernburg

Grundstein für neuen Erdgasspeicher Etzel gelegt

VNG Norge AS, die norwegische E&PTochter von VNG, hat erfolgreich an der 21. Lizenzrunde auf dem Norwegischen Kontinentalschelf teilgenommen. Das Norwegische Ministerium für Erdöl und Energie vergab im April 2011 die Produktionslizenz PL 597 in der Norwegischen See an die VNG Norge, die einen Anteil von 40 Prozent sowie die Betriebsführerschaft der Lizenz übernehmen wird. „Mit Zuteilung der neuen Produktionslizenz kann die VNG Norge bereits bei ihrer ersten Teilnahme an einer offenen Lizenzrunde einen Erfolg verzeichnen. Dass wir darüber hinaus als eine von 13 Gesellschaften eine Betriebsführerschaft erhalten haben, freut uns besonders. Es zeigt auch, dass die norwegischen Behörden auf die Kompetenz und Zuverlässigkeit von VNG Norge vertrauen“, so Michael Ludwig, Vorstand Gasbeschaffung von VNG.

Am VNG-Untergrundgasspeicher in Bernburg wurde Ende Juni 2011 eine Ejektoranlage feierlich in Betrieb genommen. Die in Zusammenarbeit von VNG mit der OAO Gazprom projektierte Anlage wird für die Gasspeicherbefüllung eingesetzt. Die Nutzung der Ejektoranlage führt zur Erhöhung der Einspeiseleistung von Gas innerhalb eines hohen Druckbereiches bei gleichzeitiger Einsparung von Verdichterenergie. „Wir freuen uns, gemeinsam mit OAO Gazprom, erstmals diese Technologie auf unserem Untergrundgasspeicher einzusetzen. Dadurch wird die Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur weiter gesteigert. Es ist geplant, zu den bisher projektierten Ejektoren in den nächsten Jahren zwei weitere zu errichten“, betonte Uwe Barthel, VNGVorstand Infrastruktur/Technik anlässlich der Inbetriebnahme. VNG betreibt derzeit in der Nähe von Bernburg in Sachsen-Anhalt einen Kavernenspeicher mit insgesamt 35 Kavernen und einem Arbeitsgasvolumen von fast 1,1 Mrd. m³.

Im Rahmen eines Frühlingsfestes fand im Mai 2011 die Grundsteinlegung für den Erdgasspeicher Etzel (ESE) statt. Zu diesem Anlass hatte die E.ON Gas Storage (EGS) zusammen mit ihren Konsortialpartnern, VNG und dem österreichischen Energiekonzern OMV eingeladen. Bisher sind über 500.000 Arbeitsstunden in den Aufbau der Anlage aufgewendet worden. Der neue Kavernenspeicher hat ein projektiertes Arbeitsgasvolumen von rund zwei Milliarden Kubikmetern. Dabei beträgt der Anteil von VNG am Arbeitsgasvolumen 150 Millionen Kubikmeter. Geplant ist, dass der Speicher stufenweise von 2012 bis 2014 in Betrieb geht. Der Erdgasspeicher Etzel wird dann im Auftrag des Konsortiums durch die EGS technisch betrieben, die Vermarktung der jeweiligen Kapazitätsanteile an dem Speicher wird von den Partnern jedoch eigenständig vorgenommen.

www.vng.no

www.vng.de

www.speicherportal.vng.de

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medium gas 2 | 2011

Foto: Dirk Brzoska

Foto: FSU/Kasper

Foto: Dirk Brzoska

VNG Aktuell

VNG schließt Kooperationsvertrag mit der FriedrichSchiller-Universität Jena

VNG übernimmt Zeitungspatenschaften für Thüringer Grundschulen

ONTRAS: Neue Produkte bei GATRAC

Ende April 2011 schloss VNG mit dem Institut für Energiewirtschaftsrecht der Universität Jena einen Kooperationsvertrag. Ziel ist die dauerhafte Zusammenarbeit bei der Durchführung von Vortrags-, Seminar- und Weiterbildungsveranstaltungen, in der universitären Lehre, bei Praktika und in der Forschung. Im Rahmen der Kooperation ist außerdem geplant, VNG bei der Erfüllung ihrer Aufgaben als Gasversorgungsunternehmen wissenschaftlich zu begleiten. „Energiefragen sind hochaktuell und stehen im Fokus der Öffentlichkeit. Die Zusammenarbeit zwischen VNG und dem Energierechtsinstitut Jena ermöglicht es, praxisrelevante Fragestellungen wissenschaftlich zu behandeln und Studenten für energierechtliche Themen zu interessieren“, betont Michael Ludwig, Vorstand Gasbeschaffung bei VNG.

Im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements in Thüringen hat VNG die Patenschaft für insgesamt 100 Abonnements der Thüringer Kinderzeitung „Meine Kleine“ übernommen. Die Abos wurden an Schulen in Waltershausen, Bad Langensalza, Östertal, Greiz und Zeulenroda übergeben. Die Zeitung, herausgegeben vom Thüringer Kinderzeitung e. V., richtet sich vor allem an Kinder im Vorschul- und Grundschulalter. Ziel des Vereins ist es, mit Hilfe eines regelmäßig erscheinenden, aktuellen Printmediums für Kinder und der kindgerechten Aufmachung von Informationen und Nachrichten den Auf- und Ausbau der Lesekompetenz zu fördern. „Mit diesen Patenschaften möchten wir unser gesellschaftliches Engagement hier in Thüringen unterstreichen. Wir sind uns der unternehmerischen Verantwortung gegenüber den Jüngsten in unserer Gesellschaft bewusst und leisten gern einen Beitrag für die Bildung der Kinder“, so Karel Schweng, Prokurist und Leiter der Erfurter Verkaufsdirektion von VNG.

Die von der ONTRAS – VNG Gastransport GmbH und NET4GAS initiierte deutschtschechische Kooperation GATRAC hat mit der GRTgaz Deutschland GmbH einen dritten europäischen Ferngasnetzbetreiber hinzugewonnen. Transportkunden können seit Anfang Mai 2011 auch grenzüberschreitende Day-ahead-Kapazitäten am Punkt Waidhaus buchen. Die im Rahmen der Kooperation von GRTgaz Deutschland und NET4GAS angebotenen Produkte verbinden den Virtuellen Handelspunkt im Marktgebiet der NetConnect Germany (NCG) mit dem Virtuellen Handelspunkt der Tschechischen Republik. Seit 6. Juni 2011 bietet GATRAC zudem auch ein unterbrechbares Kapazitätsprodukt am Grenzübergangspunkt Deutschneudorf/Hora Svaté KaterinySayda an. Transportkunden können unterbrechbare gebündelte Kapazität über GATRAC bei ihrem organisierenden Ferngasnetzbetreiber ONTRAS oder NET4GAS dann buchen, wenn bei ONTRAS keine feste Kapazität frei ist.

www.rewi.uni-jena.de

www.kinderzeitung-thueringen.com

www.gatrac.com

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Aktuell

Energiepolitik Spezial

Die Energiewende ist mehr als der Atomausstieg medium gas gibt einen Überblick über die im Juli 2011 durch Bundestag und Bundesrat beschlossenen Vorhaben bei der Energiegesetzgebung.

Novelle des Atomgesetzes Bis zum Ende des Jahres 2022 werden alle Kernkraftwerke abgeschaltet. Die bereits im März 2011 abgeschalteten acht Kraftwerke gehen nicht wieder ans Netz. Von diesen Atommeilern bislang nicht verbrauchte Reststrommengen können aber auf andere Anlagen übertragen werden. Bis September 2011 soll die Bundesnetzagentur entscheiden, ob eines der abgeschalteten Kernkraftwerke als sogenannte „kalte Reserve“ vorgehalten wird. Förderung der erneuerbaren Energien Der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien soll kontinuierlich erhöht werden und bis 2020 auf 35 %, bis 2030 auf 50 %, bis 2040 auf 65 % und bis 2050 auf 80 % steigen. Zugleich soll der Stromverbrauch bis zum Jahr 2020 um 10 % sinken. Im Rahmen einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sollen Offshore-Windparks und Geothermie stärker gefördert werden. Durch Änderungen des Baurechts soll der Neubau von Windkraftanlagen an Land sowie der Ersatz älterer Anlagen durch neue, leistungsstärkere erleichtert werden.

Foto: Deutscher Bundestag / Arndt Oehmichen

Klima- und Energiefonds Ab 2012 fließen die Einnahmen aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten in den dafür eingerichteten Fonds. Die Bundesregierung rechnet nach Ausweitung des Zertifikatehandels ab 2013 mit jährlich rund drei Milliarden Euro Einnahmen. Ab 2013 sollen Zuschüsse in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro jährlich an stromintensive Unternehmen zur Abfederung der Folgen durch die Energiewende gezahlt werden. Ausbau der Energienetze Die Bundesnetzagentur soll bei Höchstspannungsleitungen von grenzüberschreitender oder länderübergreifender Bedeutung die Raumverträglichkeit bun6

deseinheitlich prüfen und in bestimmten Fällen die Planfeststellung übernehmen. Geregelt wird im Gesetz auch die Anbindung von Offshore-Windenergieanlagen im Meer und ausländischer Stromnetze. Energiewirtschaftsgesetz Neben strengeren Entflechtungsregeln für Transportnetze will die Bundesregierung mit der Novelle des EnWG Fristen beim Wechsel des Strom- und Gasanbieters kürzen. Zudem sollen Stromkunden, die mehr als 6.000 kWh im Jahr verbrauchen, zukünftig bei Neuanschlüssen „intelligente Zähler“ installieren, die die Kontrolle des Stromverbrauches erleichtern. Auch Stromrechnungen sollen aussagekräftiger werden. Zudem ist die Einrichtung einer Schiedsstelle geplant, die Streitigkeiten zwischen Kunden und Versorgern ausräumt. Klimaschutz in Städten und Gemeinden Die Bundesregierung gewährt den Kommunen größere Spielräume in der Planung örtlicher Klimaschutzmaßnahmen. Durch eine Klimaschutzklausel werden die Festsetzungsmöglichkeiten zum Einsatz und zur Nutzung erneuerbarer Energien sowie von Energien aus Kraft-Wärme-Kopplung erweitert. Zudem werden Sonderregelungen für die Windenergienutzung geschaffen und die Nutzung von Photovoltaikanlagen erleichtert. Energetische Gebäudesanierung Die von der Bundesregierung vorgesehene Förderung der Gebäudesanierung fand im Bundesrat keine Mehrheit. Das Gesetz kann damit nicht in Kraft treten. Ziel der Bundesregierung war es, die Mittel für die energetische Gebäudesanierung zunächst bis zum Jahr 2014 auf jährlich 1,5 Mrd. Euro aufzustocken. Zudem sollten Energiesparmaßnahmen an Gebäuden ab sofort leichter steuerlich absetzbar sein.


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Foto: EU

Foto: Dirk Brzoska

Foto: Dirk Brzoska

Energiepolitik Aktuell

Förderprogramm für Gaskraftwerke geplant

BMWi will Bioerdgas im Markt etablieren

Entwurf der EU-Energie­ effizienzrichtlinie vorgelegt

Das Bundesmisterium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) plant nach Aussage von Staatssekretär Jochen Homann ein Förderprogramm für den Neubau konventioneller Kraftwerke aufzulegen. Über eine solche Förderung verhandle das Ministerium derzeit mit der EUKommission. Neben den bereits im Bau befindlichen Gas- und Kohlekraftwerken mit einer Leistung von 10.000 MW seien bereits im Jahr 2020 weitere Neubauten in gleicher Größenordnung erforderlich, so Homann bei einer Diskussion zur Energiegesetzgebung mit Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Darüber hinaus kündigte er eine Novelle des Gesetzes zur Förderung der Kraft-WärmeKopplung für das Jahresende 2011 an. 

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) sieht großen politischen Handlungsbedarf, um Bioerdgas als wichtigen Energieträger der Zukunft voranzubringen und im Markt zu etablieren. Das betonte Frank Bonaldo, Leiter des Referats Energiepolitische Fragen der nationalen und internationalen Mineralöl- und Gasmärkte sowie Krisenvorsorge, in Vertretung des Bundeswirtschaftsministers Dr. Philipp Rösler bei der Abschlusskonferenz der Veranstaltungsreihe „Biogasplattform 2011“. Der Ordnungsrahmen solle so gestaltet werden, dass Bioerdgas diskriminierungsfrei im fairen Wettbewerb mit anderen regenerativen Energieträgern in allen Verwendungsformen zum Einsatz kommen kann. Dies gelte auch für den Wärmemarkt. Bei der Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes (EEWärmeG) werde man die Verwendung von Bioerdgas in moderner Brennwerttechnik auch bei einer Einbeziehung des Wohnungsbestandes diskriminierungsfrei ermöglichen.

Die EU-Kommission will das Energiesparen durch Vorgaben zum Sanieren von öffentlichen Gebäuden, Privathäusern  und Unternehmen weiter vorantreiben. EU-Energiekommissar Günther Oettinger stellte dazu den Entwurf für eine Energieeffizienzrichtline vor, der den EU-Staaten aufgibt, pro Jahr drei Prozent des öffentlichen Gebäudebestandes zu renovieren. Derzeit liegt diese Rate nach Kommissionsangaben bei 1,5 Prozent. In der Gebäudesanierung schlummert laut EU-Kommission eines der größten Potenziale, um das Ziel einer um 20 Prozent verbesserten Energieeffizienz in Europa bis 2020 zu erreichen. Der Entwurf sieht dazu eine Reihe weiterer Maßnahmen vor, darunter die Verpflichtung der Versorger zu häufiger versandten und ausführlicheren Strom- und Gasrechnungen. So sollen die Kunden auf Stromfresser aufmerksam werden und ihre Verbrauchsgewohnheiten überdenken.

 www.bmwi.de

www.biogasrat.de

www.ec.europa.eu/energy 7


Aktuell

Foto: Uwe Steinbrich/pixelio

Foto: Dirk Brzoska

Foto: Christoph Busse

Energiepolitik Aktuell

Energieminister beraten langfristige Perspektiven der europäischen Energiepolitik

Überarbeitung der Kooperationsvereinbarung zum Netz­ zugang Gas verabschiedet

Internationale Gas Union verabschiedet Deklaration

Im Juni 2011 haben sich die EU-Energieminister im Ministerrat mit den Themen Energiebinnenmarkt, Energieeffizienz, Kernenergiesicherheit und den Langfristperspektiven der europäischen Energiepolitik befasst. Zum Vorschlag für eine Verordnung zur Integrität und Transparenz der Energiegroßhandelsmärkte sind die Verhandlungen weit vorangeschritten. Mit der Verordnung sollen Verbote für Marktmissbrauch und Insiderhandel auf den Energiegroßhandel erstreckt werden. Weiterhin schlug die EU-Kommission im Rahmen eines EU-Energieeffizienzplans Maßnahmen vor, damit die EU ihr Ziel, die Energieeffizienz bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu steigern, tatsächlich erreicht. Darüber hinaus diskutierte man die Notwendigkeit des Ausbaus der Energieinfrastruktur in Europa.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der europäische Verband der unabhängigen privaten und öffentlichen Stromund Gasverteilerunternehmen (GEODE) haben die Überarbeitung der Kooperationsvereinbarung zum Netzzugang Gas verabschiedet. In die überarbeitete Vereinbarung sind zahlreiche Regelungen eingeflossen, die einen transparenten, diskriminierungsfreien, effizienten und massengeschäftstauglichen Netzzugang zu angemessenen Bedingungen weiter verbessern. Durch die vorgenommene weitreichende Standardisierung der Verträge, die die Netzbetreiber mit den Marktteilnehmern über den Netzzugang abschließen, sollen die Prozesse zum Transport von Erdgas und Bioerdgas durch die Transportleitungen der verschiedenen Netzbetreiber insbesondere für bundesweit tätige Netznutzer erheblich erleichtert werden.

Mit einer Initiative will die Internationale Gas Union (IGU) den Nutzen des Energieträgers Erdgas für eine kohlenstoffarme Wirtschaft offensichtlicher machen. „Erdgas ist vor allem in Anbetracht der finanziellen Lage öffentlicher Haushalte eine verfügbare Lösung, die die beiden Pole Klimawandel und Energiesicherheit verbindet“, betonte Datuk Rahim Hashin, Präsident der IGU. Erdgas sei sauber, aus einer Vielzahl von Quellen über Pipelines und LNG ausreichend verfügbar und der perfekte Partner für die erneuerbaren Energien. Insbesondere der Einsatz der Erneuerbaren mache eine verlässliche Komplementärenergie unabdingbar, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von 33 hochrangigen Vertretern der Gasindustrie aus insgesamt 17 Ländern. Die IGU ist eine globale Organisation zur Förderung der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gaswirtschaft.

www.consilium.europa.eu 8

www.bdew.de

www.igu.org


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Foto: B.KWK

Foto: GASPOOL

Foto: Militzer & Kollegen GmbH

Energiewirtschaft Aktuell

GASPOOL und Aequamus fusionieren

Primärkapazitätsplattform startet am 16. August 2011

Berthold Müller-Urlaub neuer Präsident des B.KWK

GASPOOL und Aequamus legen ihre Marktgebiete zusammen. Zum 1. Oktober 2011 entsteht ein neues qualitätsübergreifendes Marktgebiet unter dem Namen GASPOOL. Zu diesem Zweck werden die beiden Gesellschaften Aequamus GmbH und GASPOOL Balancing Services GmbH verschmolzen. Das neue Marktgebiet GASPOOL wird rund 400 Gasnetze verbinden und somit etwa die Hälfte des deutschen Gasmarktes abdecken. Im Vorfeld der Fusion erhält die GASPOOL Balancing Services GmbH eine neue Geschäftsführung. Bereits am 1. Juni 2011 hat Dr. Dirk Bessau sein Amt als Geschäftsführer angetreten. Zu einem späteren Zeitpunkt wird Stefan Müller-Reinisch die Geschäftsführung komplettieren. Die bisherigen GASPOOLGeschäftsführer Ingrid Peters, Dr. Ulf Kreienbrock und Ludger Hümbs wenden sich nun wieder ihren Hauptaufgaben in den Mutterhäusern zu.

Die erste Version der Plattform zur Versteigerung von Gastransportkapazitäten ist fertig. Ab dem 16. August 2011 können auf ihr die ersten primären Transportkapazitäten versteigert werden. Ab dem 1. August 2011 können sich Netznutzer registrieren. Über die Plattform wird jeder der zwölf Netzbetreiber für Jahres-, Quartals- und Monatsprodukte nach einem festgelegten Auktionskalender feste Kapazitäten versteigern. Betreiber der neuen Auktionsplattform für Gaskapazitäten ist die Leipziger trac-x Transport Capacity Exchange GmbH, die bislang eine Plattform für Sekundärvermarktung von Erdgas im europäischen Gasfernleitungs- und Gasverteilernetz betreibt.

Auf seiner letzten Mitgliederversammlung wählte der Bundesverband KraftWärme-Kopplung (B.KWK) einen neuen Vorstand und ein neues Präsidium. Neuer Präsident ist Berthold Müller-Urlaub, der in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Energiegemeinschaft Halle/ Saale e. V. angetreten war. Der 58-jährige Diplomkaufmann begann seine Karriere in der Industrie und war hier unter anderem in leitenden Positionen für MAN und AEG tätig. Seit 1994 ist er Vorsitzender Geschäftsführer der Energie Versorgung Halle (EVH). Zu neuen Vizepräsidenten wählte der Vorstand Heinz Ullrich Bros­ ziewski (beta), Hagen Fuhl (Senertec) und Prof. Dr. Martin Maslaton (Rechtsanwaltskanzlei Maslaton).

www.gaspool.de

www.trac-x.de



www.bkwk.de 9


Markt

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Eisenhüttenstadt und ArcelorMittal

Der Stahl macht Werk und Stadt Ziel unserer Exkursion ist die im Ostbrandenburgischen, am Oder-Spree-Kanal gelegene Stadt und speziell das diesen Lebensraum prägende Unternehmen ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, ein erfolgreiches und leistungsstarkes Mitglied der ArcelorMittal Gruppe, dem größten Stahlkonzern der Welt. Das Werk wird seit 1991 von VNG mit Erdgas versorgt.

von Helmut Rosan, freier Redakteur | Fotos Christian Schneider Es ist ein Wiedersehen und Déjà-vu-Erlebnis der besonderen Art. Vor 11 Jahren besuchte ich schon einmal das damals als EKO Stahl GmbH (ehemals Eisenhüttenkombinat Ost) firmierende Unternehmen und war überaus stark beeindruckt von den vielfältigen technischen Anlagen und nicht zuletzt von der enormen Flächenausdehnung. Daran hat sich nichts geändert, etliches Neue ist indes dazu gekommen. Das gesamte Industrieareal beträgt 12 Quadratkilometer, das von ArcelorMittal dominierte 8,8 Quadratkilometer. Ohne die vom Pressesprecher Jürgen Schmidt übermittelte Anfahrtkarte hätten wir den Sitz der Geschäftsführung wohl nur unter größten Mühen gefunden. Jedenfalls konnte das Informationsgespräch bei Jürgen Schmidt pünktlich beginnen. Schmidt beschreibt den Stahlkonzern so: „ArcelorMittal ist der weltgrößte Stahlerzeuger sowie globaler Marktführer für Stahllieferungen in die Automobil-, Bau-, Haushaltsgeräte- und Verpackungsindustrie. Diese Führungsposition wird durch das ständige Streben nach forschungs- und entwicklungsfundierter Spitzentechnologie gefestigt. Die Gruppe verfügt außerdem über umfangreiche konzerneigene Rohstoffvorkommen sowie ein ausgedehntes Vertriebsnetz und gewährleistet somit sowohl Nachhaltigkeit als auch Wertschöpfung entlang der gesamten Lieferkette.

Einer der Eingänge zum Areal von ArcelorMittal.

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Markt

Die Präsenz von ArcelorMittal in über zwanzig europäischen, asiatischen, afrikanischen und amerikanischen Ländern gibt dem Konzern direkten Zugang zu den Hauptabsatzmärkten in den Industrie- und Schwellenländern, einschließlich der großen Wachstumsmärkte China und Indien.“ Die Erholung der Weltwirtschaft nach der Krise ist 2010 weiter voran gekommen. Nach den Verlusten im Jahr 2009 beendete ArcelorMittal das Jahr 2010 mit einem Gewinn von 2,9 Mrd. Dollar. Der Umsatz stieg dabei um gut ein Viertel auf 78 Mrd. Dollar. Grund für die Verbesserung war vor allem ein Anstieg des Absatzes um 22 Prozent auf 85 Mio. Tonnen. Auf den hiesigen Standort bezogen ergänzt Jürgen Schmidt: „Als größter industrieller Entwicklungskern in Ostbrandenburg sind etwa 2.400 gut ausgebildete Mitarbeiter bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt beschäftigt. Mit ca. 200 Ausbildungsplätzen, überwiegend für technische Berufe, ist das Unternehmen eine der wichtigsten Ausbildungsstätten der Region. Für ArcelorMittal Eisenhüttenstadt sind gesellschaftliche Verantwortung in allen Bereichen der Unternehmenstätigkeit und gemeinwohlorientierte Aktivitäten seit Jahren gelebte Realität. ArcelorMittal Eisenhüttenstadt steht für Flexibilität, Zuverlässigkeit und Qualität. Als zuverlässiger Anbieter hochwertiger Güter und Serviceleistungen hat sich unser Unternehmen bei seinen Kunden einen hervorragenden Ruf erworben. Zu unseren Kunden zählen namhafte Unternehmen. Ein bedeutender Absatzbereich ist die Automobilindustrie. Hochwertige oberflächenveredelte Karosseriebleche aus Eisenhüttenstadt findet man in vielen Automarken ( Audi, VW, BMW, Opel, Skoda, Toyota, Fiat, Citroën, Peugeot, Suzuki).“ Das Eisenerz kommt heute aus Brasilien, Schweden und Norwegen, aber auch wieder aus Russland und der Ukraine. Koks und Kalk kommen nach wie vor aus Polen. Das Erdgas von VNG wird vor allem in den Öfen im Kaltwalzwerk, den Verzinkungsanlagen und im Warmwalzwerk eingesetzt. Zahlen und Fakten für das Jahr 2010 Produktion in Mio. Tonnen Roheisen Rohstahl Warmband Flachstahl Umsatz in EUR Belegschaft

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1,7 (2009: 1,3) 2,0 (2009: 1,5) 1,4 (2009: 1,1) 1,2 (2009: 1,1)

1,1 Mrd. (2009: 809 Mio.) 2413 ( 2009: 2489)

Firmengeschichte Werk und Stadt begingen im Jahr 2010 ihr 60jähriges Jubiläum. Erst war der Stahl, dann kam die Stadt. Es sind Geschwister, sogar Zwillinge. Mit unverkennbarem Stolz erklärt Jürgen Schmidt: „Im Juni 1950 beschloss die DDR-Führung den Bau des Eisenhüttenkombinates Ost (EKO) und einer Wohnstadt bei der Kleinstadt Fürstenberg, eines der ungewöhnlichsten Kapitel deutscher Industriegeschichte nahm damit seinen Anfang. Die Entwicklung des Stahlproduzenten an der Oder ist eine sehr wechselvolle und spannende Unternehmensgeschichte. Sie wurde von Menschen geschrieben, die oft ihr ganzes Leben ‚ihrem EKO‘ gewidmet haben. Das Besondere an diesen Menschen ist, dass sie im Kampf um das Leben und Überleben des Unternehmens niemals aufgaben. Mit diesen Menschen konnte das Werk alle Herausforderungen meistern. ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, das ist heute nicht nur das Herz einer aufstrebenden Industrieregion, das ist inzwischen ein international anerkannter Begriff für Leistungsfähigkeit und Qualität, ein starkes Mitglied im weltgrößten Stahlkonzern.“ Aus der Firmengeschichte, die sich übrigens sehr detailliert auf der Internetpräsentation (www.arcelormittal-ehst.com) des Unternehmens nachlesen lässt, seien im Folgenden einige herausragende Daten und Ereignisse genannt. 28. Juni 1968 Das Kaltwalzwerk nimmt die Produktion von Blechen und Bändern auf: Bis Ende 1962 existierte noch immer kein verbindlicher Beschluss über den weiteren Ausbau des EKO. Trotz zahlreicher Konsultationen von Experten und intensiver Gespräche auf höchster Ebene war es nicht gelungen, zwischen der UdSSR und der DDR Einvernehmen über die Perspektiven der DDR-Metallurgie zu erzielen. Mit der Inbetriebnahme des Kaltwalzwerkes begann für das EKO eine neue Etappe. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde lediglich Roheisen produziert, jetzt kamen hochwertige Stahlprodukte hinzu. Kaltgewalzte Bleche und Bänder aus Eisenhüttenstadt wurden nun zu einem begehrten Produkt im In- und Ausland. Januar bis Oktober 1974 Moderne Anlagen zur Oberflächenveredlung von Blechen werden in Betrieb genommen: Die Herstellung von kaltgewalzten, oberflächenveredelten Blechen und Bändern gehörte Anfang der 1970er Jahre zu den Aufgaben, die eine besondere Förderung erfuhren. Für das Eisenhüttenkombinat stand deshalb das Investitionsvorhaben oberflächenveredelte Konstruktionsbleche


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Gastfreundliche Experten: Pressesprecher Dipl.-Ing. Jürgen Schmidt (re.) und unser Begleiter Gerald Zocher (li.).

mit den Ausbaustufen Verzinkung, Kunststoffbeschichtung, Profilierung an erster Stelle. 7. März 1984 Bei EKO nimmt eines der modernsten Konverterstahlwerke Europas den Betrieb auf. Eisenhüttenstadt verfügte nun über eines der modernsten Stahlwerke Europas. Jedoch verursachte der noch immer nicht geschlossene metallurgische Zyklus enorme Verluste. Der Bau des geplanten Warmwalzwerkes wurde 1987 abgebrochen. 16. Mai 1990 Als Unternehmen der Treuhandanstalt wird EKO Stahl eine Aktiengesellschaft und beginnt seinen Weg in die Marktwirtschaft. Mit der Sanierungskonzeption, dem Zukunfts- und Personalkonzept, war von 1990 bis 1991 ein komplexes Unternehmenskonzept der EKO Stahl AG entstanden, das nun als strategische Grundlage für eine erfolgreiche Privatisierung dienen konnte. 22. Dezember 1994 Die EKO Stahl GmbH wird durch die belgische Gruppe Cockerill Sambre privatisiert. Am 22. Dezember 1994 unterzeichneten Cockerill Sambre und die Treuhandanstalt den Vertrag zur Privatisierung der EKO Stahl GmbH.

2. April und 22. Juli 1997 Mit der Inbetriebnahme des Hochofens 5A und des Warmwalzwerkes wird die technische Restrukturierung umgesetzt und der metallurgische Zyklus am Standort geschlossen. Mit der erfolgreichen Privatisierung stand EKO Stahl vor einer weiteren Herausforderung: Das von der Europäischen Kommission genehmigte Investitionsprogramm zur weiteren Modernisierung und zum Ausbau des Unternehmens musste umgesetzt werden. Dies umfasste Instandsetzungsarbeiten, vor allem in der Rohstahlproduktion, die Modernisierung der Sinter- und Kaltwalzanlagen sowie des Kraftwerkes, die Errichtung eines neuen hochmodernen Hochofens und einer modernen Warmbreitbandanlage. Nach nur 22 Monaten Bauzeit erfolgte am 2. April 1997 der technologische Start am Hochofen 5A. Größtes Projekt im Investitionszeitraum 1995 bis 1997 war die Errichtung des Warmwalzwerkes. Am 1. Juli begann der Probebetrieb und schon am 22. Juli 1997 fand nach nur 16 Monaten Bauzeit der offizielle Festakt zur Inbetriebnahme des Warmwalzwerkes statt. 1999 – Neue Perspektiven bei USINOR Nach der Übernahme von Cockerill Sambre durch den französischen Stahlkonzern USINOR Anfang 1999 wurde EKO Stahl im Rahmen der Konzernstrategie in erster Linie für den deutschen Markt und strategisch für den Aufbau einer verstärkten 13


Markt

Kleine Details des großen Warmwalzwerkes. Auf einer mehrere 100 m langen Strecke werden in einem komplizierten technischen Prozess Bleche gewalzt.

Marktpräsenz in den Ländern Osteuropas zuständig. Industriell orientierte sich EKO auf die Produktion von hochwertigem und oberflächenveredeltem Flachstahl. Mit der Inbetriebnahme der zweiten Verzinkungsanlage am 10. Dezember 1999 gelang es, den hohen Ansprüchen der Automobilkunden in punkto Oberflächenqualität, Umformbarkeit und Korrosionsverhalten Rechnung zu tragen und die Marktanteile vor allem in diesem Segment zu erweitern. 2006 – Fusion von Arcelor und Mittal Steel Als im Juni 2006 der Arcelor Verwaltungsrat der Fusion mit Mittal Steel zustimmt, entsteht der mit Abstand größte Stahlhersteller der Welt. Im September 2006 besucht der Präsident des neuen Verwaltungsrates Lakshmi Mittal überraschend Eisenhüttenstadt. Unter dem Dach der neuen Gruppe agiert Arcelor Eisenhüttenstadt – wie das Unternehmen seit Juni 2006 kurzzeitig hieß – ab 2007 weiterhin als ArcelorMittal Eisenhüttenstadt erfolgreich auf den Märkten – insbesondere denen im Osten. Der Lieferumfang nach Osteuropa steigt auf 48 Prozent. 2009 – Bewältigung der schweren Wirtschaftskrise Die von der Krise der Finanzmärkte ausgelöste Rezession verursacht erstmals seit 1946 einen Rückgang der Weltwirtschaft. Auch die Stahlproduzenten können sich aufgrund des starken Rückgangs der Nachfrage dieser Krise nicht entziehen. Die 14

Situation auf den Absatzmärkten führt auch bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt zu einem massiven Produktions- und Absatzrückgang. Die Rohstahlproduktion muss im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 53 % gesenkt werden. Der Flachstahlabsatz reduziert sich um 29 %. In allen Produktionsbereichen kommt es zu Stillständen, die von Kurzarbeit begleitet sind. Der Hochofen I wird 2009 nicht in Betrieb genommen, der Bau der Verzinkungsanlage 3 vorübergehend gestoppt. Impressionen Nach den Kerndaten der Firmengeschichte nun einige kurze Informationen über unseren Gastgeber. Dipl.-Ing. Jürgen Schmidt, der seit 1993 im Unternehmen beschäftigt ist, agiert seit 2001 als Pressesprecher. Er vertritt seine Firma mit spürbarer Leidenschaft und enormer Sachkenntnis. Der 55-jährige Schmidt kommt aus Magdeburg, wo er an der dortigen Technischen Universität Maschinenbau und Technologie studiert hat. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes, die beide schon erwachsen sind. Seine Hobbys sind Fußball und Aquaristik. Für die folgende, fast drei Stunden lange Besichtigung des Industrieareals hat Jürgen Schmidt für einen brillant sachkundigen Begleiter samt PKW gesorgt. Unser Betreuer Gerald Zocher, 67, ist den größten Teil seines Lebens der Stadt und dem Werk eng verbunden, wo er 1958


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Blick in Verzinkungsanlage. Beim Verzinken wird Stahl mit einer dünnen Schicht Zink versehen, um ihn vor Korrosion zu schützen.

als Lehrling begann. Der überaus rüstige Rentner arbeitet noch immer sehr gern als ehrenamtlicher Delegationsbegleiter. Den beiden Männern sei hier ausdrücklich für ihre herzliche Gastfreundschaft gedankt. Der Fotograf ist nachgerade außer sich vor Begeisterung über die Vielfalt der möglichen Bildmotive; wäre es nach ihm gegangen, hätte auch die doppelte Zeit nicht ausgereicht. Außer der bereits genannten großen Flächenausdehnung (hier gibt es weitere rund 60 Firmen mit etwa 3.000 Mitarbeitern) beeindrucken die riesigen Produktionshallen mit modernster Technik. Trotz teilweiser starker Hitze herrscht überall Ordnung und Sauberkeit. Die Mitarbeiter, denen wir begegnen, geben uns freundliche Auskunft und machen einen kompetenten Eindruck. Sie sind mit vollem Recht sichtlich stolz auf ihre Arbeit. Eisenhüttenstadt In Eisenhüttenstadt, das gegenwärtig ca. 30.000 Einwohner zählt, mündet der Oder-Spree-Kanal in die Oder. Die Stadt an der Grenze zu Polen liegt etwa 25 km südlich von Frankfurt (Oder), 25 km nördlich von Guben und 110 km von Berlin entfernt. 1950 wurde der Beschluss zum Bau des Eisenhüttenkombinats Ost (EKO) und einer Wohnstadt bei Fürstenberg (Oder) gefasst. Fürstenberg selbst wurde bereits 1225 gegründet. 1953 wurde die neue Stadt Stalinstadt genannt und zählte 2.400 Einwohner. Eisenhüttenstadt gilt somit als die erste „sozi-

alistische“ Stadt der DDR und ist als reine Planstadt entstanden. 1961 wurden die Städte Fürstenberg mit dem Ortsteil Schönfließ und Stalinstadt zu Eisenhüttenstadt zusammengeschlossen, um im Rahmen einer letztlich halbherzigen Entstalinisierung den unerwünscht gewordenen Namen zu tilgen. Mit dem Werk wächst die Stadt, die 1989 immerhin 53.000 Einwohner zählte. Die Häuser, erbaut in Karrees mit sehr viel Grün und Spielplätzen, beherbergen vergleichsweise großzügige, ja komfortable und vor allem preisgünstige Wohnungen, die für das kleine Land beispielhaft und hoch begehrt waren. Es gibt sieben sogenannte Wohnkomplexe, die auch an verschiedenen Baustilen gut zu unterscheiden sind. Der ursprüngliche Stadtkern ist denkmalgeschützt und wurde aufwändig saniert. Etliche Veranstaltungsorte stehen für die Kultur: das FriedrichWolf-Theater, die kleine Bühne, die Freilichtbühne, die städtischen Museen. Dazu gehören auch das Kulturzentrum, die Stadtbibliothek, das Dokumentationszentrum „Alltagskultur der DDR“, der Klub Marchwitza sowie eine vielschichtige Vereinslandschaft. Das beachtliche Kulturangebot, das heutzutage in der gängigen Kommunalpolitik leider keine so große Rolle mehr spielt, ergänzt den Anspruch als attraktiven Wirtschaftsstandort mit einer hohen Lebensqualität. Auch das Engagement ArcelorMittals für Kunst und Kultur unterstreicht dies nachhaltig. Stahl macht Werk und Stadt. Logisch auch: Werk macht Stahl und Stadt. Auf jeden Fall machen sich Werk und Stadt sehr gut. 15


Markt

Marktpartnerkooperation

Ein Kraftwerk im Keller? In der neuen Serie „Marktpartnerkooperationen“ stellen wir Akteure vor, die als unsere „Marktpartner im Wärmemarkt“ ihr Know-how über Erdgas und dessen positive Eigenschaften an ihre Kunden weitergeben. Zu Besuch bei einem Beratungsgespräch mit Wolfgang Borz, SHK-Handwerker aus Bad Klosterlausnitz.

von Janet Schönfeld, freie Redakteurin Fotos Christian Schneider Wolfgang Borz ist Geschäftsführer der Borz Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik GmbH. Seit 1928 hat die Firma ihren Sitz in dem kleinen Städtchen Bad Klosterlausnitz in Thüringen. Er und seine achtzehn Mitarbeiter bieten maßgeschneiderte Lösungen für Wohn- und Gewerbebauten. Der SHK-Fachbetrieb saniert derzeit dreißig Wohnungen im Objektgeschäft, das heißt im Auftrag von Wohnungsbaugenossenschaften. Als „Marktpartner im Wärmemarkt“ von VNG berät Wolfgang Borz seine Kunden auch in Fragen der Kraft-Wärme-Kopplungstechnik. Die Borz GmbH agiert hauptsächlich im Umkreis von hundert Kilometern, aber auch im Münchner Raum, in Frankfurt am Main und Köln. Oder nur einen Steinwurf vom Firmensitz entfernt – im Keller des Einfamilienhauses von Günter Litzke. Der Hausherr will seine technisch veraltete Ölheizung auf Gas umstellen. Sie ist eine von etwa vier Millionen Heizungsanlagen in Deutschland, die durch moderne, energiesparende Wärmetechnik ersetzt werden müssten. Jahr für Jahr 16

kommen 300.000 Heizungen hinzu, die die maximale Altersgrenze von 25 Jahren überschreiten. „Unsere Anlage ist knapp zwanzig Jahre alt“, meint Litzke, „durch die steigenden Energiepreise muss ich einfach umdenken. Ich könnte mir ein Mikro-BHKW vorstellen oder auch eine Gas-Wärme-Pumpe.“ Für eine intensive Beratung braucht Wolfgang Borz Informationen aus dem Gebäudebestand. Wie hoch ist der Energieverbrauch des Einfamilienhauses? Welche Geräte hat der Haushalt im Einsatz? Haben die Fenster schon Isolierverglasung? Sind die Fassade und die Heizungsrohre im Keller gedämmt? Die überdimensionierte Umwälzpumpe der Heizung läuft mit einer hohen Drehzahl und sorgt dafür, dass ständig warmes Wasser zwischen Heizkessel und Heizkörpern zirkuliert. Ein stiller Stromfresser, vergleichbar mit einem Kühlschrank. „Dieses Einfamilienhaus verbraucht in etwa 3.500 bis 4.000 Liter Heizöl im Jahr. Wenn man hochrechnet, entspricht das etwa 35.000 Kilowattstunden. Bei solchen Energieverbräuchen bietet sich eine Anlage an, die auch selber Strom erzeugt, also ein Gasmotor als BHKW in Einheit mit dem Pufferspeicher

Wolfgang Borz

und dem Spitzenlastgerät als Brennwertgerät“, rät Borz, „auch eine Kombination von Gas und Solar wäre denkbar.“ Machen müsse man in jedem Fall etwas. Borz zeigt auf die Heizkreispumpe und das Überströmventil, mittlerweile alles technisch überholt. „So, wie die Wärmeverteilung in dem Wohnhaus hier noch ist, kann man das gar nicht mehr bauen.“ Der Fachmann schlägt eine Kraft-WärmeKopplungstechnik (KWK) von Vaillant vor, bei der durch die Verbrennung von Erdgas Strom für den eigenen Bedarf produziert wird. Die dabei entstehende Wärme wird zur Warmwasseraufbereitung und zum Heizen genutzt. Zusätzlich wird mechanische Energie bereitgestellt, die einen Generator antreibt, der wiederum Strom erzeugt. Diese Eigenproduktion verringert den not-


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Wolfgang Borz im Beratungsgespräch mit Günther Litzke.

wendigen Strombezug und senkt die Energiekosten. „Bis zu dreißig Prozent weniger Primärenergie sind möglich“, sagt Borz, „und die CO2-Emissionen gehen über die Hälfte zurück.“ Kein unwesentlicher Fakt. Denn die Betreiber von KWK-Anlagen erhalten Investitionszuschüsse im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Hinzu kommen Energiesteuerbefreiungen und Vergütungen für nicht direkt genutzten Strom, der in das Netz der lokalen Energieversorger eingespeist wird. Als zertifizierter Fachhandwerker kann Wolfgang Borz seinem Kunden zusätzlich das Programm Kraftpaket.plus anbieten: Mit Hilfe der bereitgestellten Herstellerprogramme würde im Vorfeld unkompliziert eine objektbezogene Wirtschaftlichkeitsberechnung durchgeführt, und wenn Günther Litzke sich für ein Mikro-BHKW entscheidet, wird für ihn eine Aktionsprämie reserviert. Momentan haben die Litzkes nur ein Problem, ein entscheidendes: Es gibt noch keinen Gasanschluss. Die Anfrage bei der Netzgesellschaft ist gestellt. Die Borz Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik GmbH ist einer von rund 50.000 Fachbetrieben in Deutschland. Als

Mitglied der Innung Saale-Holzland-Kreis und des Fachverbandes SHK Thüringen ist die Firma schon lange ein Marktpartner von VNG. Die Kompetenz zu den neuen Technologien eignet sich Wolfgang Borz bei den von VNG initiierten Marktpartnergesprächen an, die mittlerweile zum 18. Mal stattfanden. Ein Forum von Architekten, Planern, Gebäudeeigentümern, dem SHK-Handwerk und der Gaswirtschaft. „Beim Thema stromerzeugende Heizung haben wir dadurch einen großen Wissensvorsprung. Wir sind mit der Technik in ihren Entwicklungsstufen vertraut, noch bevor diese überhaupt auf den Markt kommt. Wir können so unsere Leute frühzeitig zu Schulungsmaßnahmen schicken und sind optimal vorbereitet, wenn es an die Installation geht“, resümiert Borz das kürzlich besuchte Marktpartnergespräch in Halle. Unter der Überschrift „Chancen gemeinsam nutzen“ hatten auch zehn Hersteller von Mikro-KWK-Technologien ihre Exponate ausgestellt. SHK-Handwerker und Planer erhielten in einem praxisbezogenen Gedankenaustausch Informationen aus erster Hand zum Entwicklungsstand, zu Möglichkeiten der Installation, zu Perspektiven, Vertrieb und Kosten. „Der Infor-

mationsaustausch mit den verschiedenen Marktpartnern ist für uns sehr wichtig. Wir profitieren als Betrieb direkt davon, weil wir unsere Kunden dadurch fachlich kompetent beraten können.“ Seine Firma favorisiert die Heizungsumstellung im Erdgasbereich, weil sie vorwiegend im Gebäudebestand arbeitet und dort der Wärmebedarf höher ist als bei einem Neubau, der sich im Niedrigenergiebereich bewegt. Außerdem sei die Entwicklung bei Gasgeräten am weitesten fortgeschritten. Im Vergleich zu anderen Brennstoffen könne dort die Energie am effizientesten eingesetzt werden, so Borz. Die Litzkes sind schon jetzt von den Vorteilen der neuen Erdgas-KWK-Anlage überzeugt. „Sobald der Gasanschluss gelegt ist, werden die Öltanks entsorgt. Dann haben wir eine neue Heizung und auch noch Platz für eine neue Sauna im Keller.“ www.verbundnetzplus.de Ansprechpartner bei VNG Klaus-Dieter Grumm Verkaufsleiter Marktpartnerbetreuung Tel. +49 341 443-2903 | Fax +49 341 443-2922 klaus-dieter.grumm@vng.de

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Markt

Fotos Michael Fahrig Herr Bareiß, in der Vergangenheit war Energiepolitik ausschließlich etwas für Spezialisten, heute beschäftigt sich auch der Endverbraucher mit energiepolitischen Fragen. Welchen Stellenwert schreiben Sie dem Thema Energiepolitik zukünftig zu? Das Spannende an der Energiepolitik ist, dass wir unglaublich viele Technologien und Innovationen haben und dass diese Bereiche zentraler Bestandteil unserer Wirtschaftspolitik sind. Insofern werden energiepolitische Rahmenbedingungen in Zukunft noch eine wesentlich größere Rolle spielen. Wenn wir die kommenden zwei Jahrzehnte betrachten, stellt sich die Frage, woher die Wachstumsimpulse in Deutschland kommen. Die Energiepolitik sehe ich hier in einer zentralen Funktion. So muss die Politik auch ein verstärktes Augenmerk darauf legen, die Energiewirtschaft in die Lage zu versetzen, auf die bestehenden Herausforderungen reagieren zu können. 18

Die Welt wird in den nächsten Jahrzehnten einen enormen Energiehunger erleben. Allein in den nächsten 15 Jahren wird der weltweite Energiebedarf um 40 bis 50 Prozent zunehmen. Das heißt, die Nation, die es schafft, die besten Technologien anzubieten, um diesen Energiehunger auf einer nachhaltigen Basis zu stillen, wird auch die besten Arbeitsplätze und Unternehmen im Land haben. Das klingt fast so, als wäre Energiepolitik gleichbedeutend mit Wirtschafts- und Technologiepolitik? Energiepolitik besitzt natürlich zusätzlich auch eine erhebliche sozialpolitische Komponente. Wir müssen stets darauf achten, dass ein Normalbürger sich seine Energieversorgung auch leisten kann. Dies gilt im Übrigen auch für die Industrie. Und auch hier geht es wieder um Arbeitsplätze. Im Mittelpunkt unserer


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Neue Serie

Das VNG-Hauptstadtgespräch Teil 1: Karl Krüger im Gespräch mit Thomas Bareiß, Mitglied des Deutschen Bundestages und energiepolitischer Koordinator der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

„Wir fahren mit Erdgas“. Diese Antwort werden die Abgeordneten des Deutschen Bundestages nun häufiger hören, wenn die Frage nach Art der Motorisierung der neuen Fuhrpark-Fahrzeuge aufkommt. Denn seit Juni 2011 werden 37 erdgasbetriebene Mercedes E-200 im Fuhrpark des Bundestages eingesetzt. Der Einsatz dieser Fahrzeuge reduziert nicht nur die CO2-Emissionen erheblich. Auch die Feinstaubbelastung ist im Vergleich zu Dieselfahrzeugen deutlich geringer. Dies nehmen wir zum Anlass, um im „medium gas“ eine neue Serie zu starten. Der Leiter Energiepolitik bei VNG, Karl Krüger, fährt mit einem politischen Entscheider zu beliebten Plätzen der Hauptstadt. Dort sprechen beide über ein breit gefächertes Themenspektrum rund um Energie, Umwelt, Mobilität. Anschließend geht es mit der Erdgas-E-Klasse zum nächsten Termin.

Thomas Bareiß vor dem Paul-Löbe-Haus. Hier befindet sich sein Abgeordnetenbüro. Das Parlamentsgebäude ist zugleich Startpunkt der Erdgas-Tour durch Berlin.

Arbeit steht daher das energiepolitische Zieldreieck mit einem Dreiklang aus Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Sie setzten sich für die Schaffung eines Energieministeriums ein. Was bringt dies für Vorteile mit sich? Derzeit ist die Energiepolitik auf sechs verschiedene Ressorts verteilt. Wir haben bereits über die zentrale Rolle von Energiepolitik gesprochen. Um ernstgenommen zu werden, müssen wir zukünftig die Interessen bündeln und im energiepolitischen Bereich mit einer Stimme sprechen. Dies vor allem auch gegenüber der EU. Es kann nicht sein, dass der Bundeswirtschaftsminister und der Bundesumweltminister in Brüssel zwei unterschiedliche Sprachen sprechen.

Sind die Interessenlagen der angesprochenen Ressorts nicht so divergierend, dass sie sich gar nicht bündeln lassen? Wenn wir die Wende im Energiebereich schaffen wollen, müssen wir diese Bündelung hinbekommen. Priorität Nummer eins liegt auf dem Ausbau erneuerbarer Energien. Das bedingt, dass wir auch im Leitungsbau schneller vorankommen müssen. Um dies zu erreichen, kann es auch dazu kommen, dass Dinge wie der Zur Person Thomas Bareiß geboren am 15. Februar 1975 in Albstadt-Ebingen (Baden-Württemberg) Dipl.-Betriebswirt (BA) | 1999–2005 Leiter Controlling und Organisation beim Textilunternehmen SANETTA Gebrüder Ammann GmbH & Co. KG seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages (Wahlkreis Zollernalb – Sigmaringen) | seit 2010 Beisitzer im Fraktionsvorstand und Koordinator für Energiepolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

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Markt

Entlang des Spreebogens, südlich des Berliner Hauptbahnhofs, geht es zum Berliner Zollpackhof, einem beliebten Biergarten im Parlamentsviertel.

Landschaftsschutz zukünftig auch einmal hinten anstehen. Entscheidend ist die sichere und klimaschonende Energieversorgung des Landes. Genau dort könnte das Energieministerium sehr wichtige Dienste leisten. Früher ging es der Politik vordringlich um günstige Preise. Heute spricht man nur noch von „Bezahlbarkeit“. Wie werden sich die Preise zukünftig verändern? Der Kernkraftausstieg bedeutet zugleich, dass wir auf andere Energieträger umsteigen müssen. Das werden die fossilen Energieträger, aber auch verstärkt die Erneuerbaren sein. Die erneuerbaren Energien sind derzeit noch nicht marktfähig und müssen deshalb zunächst weiterhin unterstützt werden. Diese Übergangsphase müssen wir gestalten. Daraus werden auch Wettbewerbsvorteile entstehen, die eine herausragende Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland besitzen. Aber klar ist: Energie wird in den nächsten Jahren teurer. MERCEDES-BENZ E 200 NGT BlueEFFICIENCY Technische Informationen Hubraum 1.796 ccm | Leistung 163 PS | Höchstgeschwindigkeit 224 km/h Beschleunigung (0–100 km/h) 10,4 s | Getriebe 5-Gang | Automatikschaltung | Leergewicht 1.735 kg | Verbrauch (l/100km) 11,5 l (innerorts), 6,1 l (außerorts), 8,1 l (kombiniert) | CO2-Ausstoß 132 g/km

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In der Solarbranche wurden insbesondere durch staatliche Förderung zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Welche Bedeutung hat die Solarenergie im Energiemix der Zukunft? Wir haben bei der Förderung der Erneuerbaren einen großen Fehler gemacht. Wir haben vergessen, die notwendigen Speicher zu entwickeln. Die Photovoltaik macht nur im Zusammenspiel mit Speichern Sinn. Derzeit gibt es noch keine Speicher, d. h. derzeit ist die Photovoltaik nicht der Energieträger, der unseren Energiebedarf decken kann. Deswegen halte ich die enormen Zubauraten in diesem Umfang auch nicht mehr für akzeptabel. Wir müssen in die Bereiche investieren, bei denen wir auch Potenziale haben. Das sind die Windenergie aber auch die Biomasse. Kurz noch einmal zurück zum Thema Regulierung und Markt. Kann es hier gelingen, ein Gleichgewicht herzustellen? Das heißt, so viel Markt wie möglich und so viel Regulierung wie nötig? Wir müssen schauen, dass wir die erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren stärker in den Markt bekommen. Gleichzeitig müssen wir unseren Blick auf herkömmliche Energieträger richten, denn diese stehen bereits im Markt. Hier setzen wir insbesondere auf den Einsatz von Gaskraftwerken, die den großen Vorteil besitzen, flexibel auf mögliche Fluktuationen in der


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Vor der Kulisse des Bundeskanzleramts diskutieren Karl Krüger und Thomas Bareiß über den Stellenwert von Energiethemen im politischen Alltagsgeschäft.

Stromversorgung reagieren zu können. Aber auch diese Kraftwerke müssen im Markt platziert werden. Daher bedarf es an dieser Stelle eines besseren Investitionsklimas. Deshalb muss auch überlegt werden, wie ein neues Marktdesign geschaffen werden kann, dass den Wettbewerb auf dem Energiemarkt stärkt und genügend Investitionen in Gas- und Kohlekraftwerke zulässt. Im Verkehrssektor konzentriert sich die Bundesregierung mit der Elektromobilität auf eine einzige Technologieform. Wäre es nicht ratsam, Energieeffizienzziele in den Fokus zu stellen und die Zielerreichung technologieoffen zu gestalten? In der Tat steht die E-Mobilität im Fokus der Politik. Technologieoffenheit ist aber ein sehr wichtiges Thema und spielt nicht nur im Bereich Mobilität eine zentrale Rolle. Andere Antriebe wie zum Beispiel Erdgas als Kraftstoff müssen in ihrer Bedeutung weiter gestärkt werden. Wir müssen stets im Hinterkopf behalten, dass individuelle Mobilität – auch global gesehen – enorm an Bedeutung zunehmen wird. Diese Bedeutungszunahme kann mit Sicherheit nicht allein durch Elektrofahrzeuge gestillt werden. Darüber hinaus besitzt die deutsche Automobilindustrie auch global einen herausragenden Stellenwert. Die Zukunft dieser Branche ist auch mit der Frage der Technologieoffenheit eng verknüpft.

In der Öffentlichkeit nimmt man aber nur das Thema E-Mobilität wahr. Der Mensch ist in seiner Natur eher statisch. Wir müssen daher auch bestimmte Technologien puschen, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Wie bereits gesagt, halte ich eine technologieoffene Herangehensweise für sinnvoll. Gerade mit Blick auf die Erdgastechnologie lässt sich der Entwicklungssprung erkennen. Dieser Antrieb ist heute schon marktreif und braucht keine staatliche Förderung. Darüber hinaus spart Erdgas als Kraftstoff eine Menge CO2. Hier gilt es, vermehrt das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen, um diese Technologie noch bekannter zu machen. Mit dem Einsatz von Erdgasfahrzeugen im Fuhrpark des Bundestages setzt die Politik auch hier ein Zeichen. Herzlichen Dank für das Gespräch.

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Schwerpunkt

Reportage

Wind, Sonne und Biogas – mit Erdgas der Energiemix der Zukunft. Für Jochen Flasbarth, dem Chef des Umweltbundesamtes, gibt es keinen Zweifel mehr an Sinn und Möglichkeit einer zielstrebigen Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Quellen. In vierzig Jahren, so der frühere Chef des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), sei ein Wandel auch noch über den von der Bundesregierung angestrebten Wert von 80 Prozent möglich, verkündete Flasbarth während eines Kolloquiums am Umweltforschungszentrum in Leipzig. Das Ausschöpfen der Effizienzpotenziale, Lastenmanagement in Industrie und dem privaten Bereich, Investitionen in Erzeugung von Windstrom, Solartechnik und die anderen erneuerbaren Quellen und der Ausbau von Netzen und Speichern setzt Flasbarth dabei voraus. Wobei er allen möglichen schön klingenden und zeitweilig ernsthaft diskutierten Ideen wie die der Batterien einer Elektro-Auto-Flotte oder Pumpspeicherwerken eher eine ergänzende Rolle zuweist: „Es geht in der notwendigen Größenordnung nur mit solarem oder aus der Windkraft gewonnenem Methan“, sagt der UBA-Chef. Mehr noch: Nur das riesige Erdgasnetz und die in Deutschland wie auch in den Nachbarländern vorhandenen unterirdischen Gasspeicher können die Energie-Schwankungen bei Wind und Sonne ausgleichen.

von Martin Hainbucher, freier Redakteur Fotos Christian Schneider Schon heute hat das Gasnetz in Deutschland Speicherkapazitäten von 200 Terrawattstunden, das ist ein Drittel des Jahresbedarfs, haben die Mitarbeiter von Flasbarth errechnet, wobei die Speicherkapazitäten seit Jahren kontinuierlich weiter wachsen. Die 47 Kavernenspeicher allein in Deutschland mit einem Speichervolumen von 21 Milliarden Kubikmetern werden zudem ständig erweitert. Das mit überschüssigem Strom aus thermo-solaren Wüstenkraftwerken oder den Windparks elektrolytisch aufgespaltene Wasser lässt sich mit Kohlendioxid zu Methan umwandeln, was chemisch dem Erd- oder auch aufbereiteten Biogas entspricht. Und das könnte sowohl in Deutschland oder sogar aus den sonnenscheinreichen Staaten importiert und in den vorhandenen Pipelines gemeinsam mit dem noch für Jahrzehnte notwendigem Erdgas in fast jeden Winkel des Landes transportiert werden. Wenn Windräder oder die Sonne mehr Strom liefern, als verbraucht wird, produzieren sie künstliches Erdgas. Viele neue Höchstspannungsleitungen wären damit überflüssig. Denn überschüssiger Strom kann unmittelbar in der Nähe der Windräder oder Solarkraftwerke in gut transportfähiges Gas umgewandelt werden – und das Gasleitungsnetz in Deutschland ist sehr engmaschig. Der benötigte Strom lässt sich dann 22

in wind- und sonnenschwachen Zeiten in Gaskraftwerken klimaneutral und zugleich auch dezentral dort erzeugen, wo Abnehmer für Strom und Wärme konzentriert sind. Zukunftsund Wunschdenken – oder doch eine Vision, die gar nicht so utopisch ist? Biogas ergänzt Erdgas im Netz Dr. Tilman Werner schaut recht zufrieden auf seine 15 Meter hohen Fermenter, Nachgärer und die silbernen Kolonnen. Der Gruppenleiter Energiedienstleistungen bei der DREWAG ist verantwortlich für den Neubau einer großen Biogasanlage in Mittelsachsen, unmittelbar an der Bundesautobahn A14. Im Juli werden hier die Substrate mit Gülle vermischt, dann beginnen die Bakterien ihr Werk. Wenn alles wie erwartet läuft, sollen dann ab August 2011 stündlich rund 1.400 Kubikmeter Biogas entstehen, was nach der Reinigung rund der Hälfte Bioerdgas entspricht. „Wir speisen das in das Erdgasnetz ein und sorgen damit dafür, dass einerseits CO2 aus dem natürlichen Kreislauf genutzt werden kann und andererseits unsere Kunden auch mit einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien versorgt werden können“, sagt der Dresdner. Sein Vertragspartner für die Einspeisung sieht den Tag der ersten in das Mitteldrucknetz strömenden Kubikmeter Bioerdgas gelassen. „Für ein Gasnetz sind das vergleichsweise kleine Mengen, sieht man einmal von sehr verbrauchsschwachen


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Biogas aus Pflanzenresten will die DREWAG in Mittelsachsen ab dem Spätsommer in einer für 15 Millionen Euro gebauten neuen Anlage erzeugen und nach der Aufbereitung in das Erdgasnetz der ONTRAS einspeisen.

Sommertagen ab“, erklärt Frank Jachmann, Projektleiter bei VNG. Im Vertrag sei klar geregelt, welche Qualität das Bioerdgas haben müsse, damit es mit dem im Leitungsnetz vorhandenen Energieträger zusammen passe. Nach der Wäsche enthält Bioerdgas mindestens 96 Prozent Methan und werde auf 25 bar Druck komprimiert, bevor es über eine knapp einen Kilometer lange Stichleitung in das Netz der ONTRAS eingespeist wird. „Die Kunden spüren keinen Unterschied bei den Eigenschaften, das können wir garantieren“, sagt Jachmann. Die Technik ist zuverlässig und auch nicht sonderlich aufwändig, wenngleich einige Dinge beachtet werden müssen. So vertragen die Bakterienstämme einen abrupten Wechsel ihres „Energiefutters“ nicht, so dass möglichst ein konstanter Nachschub aus Mais- und Grünsilage sowie Gülle gesichert werden muss. Dafür haben die Betreiber langfristige Verträge mit Lieferanten geschlossen, die alle im näheren Umkreis sitzen. „Mehr als 20 Kilometer sollten die Transportwege nicht lang sein“, sagt Dr. Werner. 15 Millionen Euro hat die DREWAG in die Biogasanlage Hasslau investiert, Geld, das sich langfristig auszahlen wird. „Wir sehen das aber erst als einen Anfang, wir arbeiten bereits mit dem Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) daran, hier auch schwierigere Substrate nutzen zu können oder den Durchsatz zu erhöhen“, so der DREWAG-Experte. Auch über eine Kombination der Biogasanlage, in der nahezu reines C02 aus der Reinigung des

Rohgases anfällt, mit einer Windgasanlage werde mittelfristig zu entscheiden sein. „Wir sehen auch, dass es unbedingt effiziente und leistungsstarke Speicher für die Erneuerbaren geben muss“, sagt Dr. Werner. Wird Biogas direkt in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme gewandelt, wie es derzeit vor allem bei vielen kleineren und mittelgroßen Anlagen in Deutschland erfolgt, so laufen diese Anlagen meist im Grundlastbetrieb, um die hohen Investitionskosten zu rechtfertigen. Die Anlage in Hasslau produziert zwar ebenfalls rund um die Uhr Biogas, doch der Umweg über das Erdgasnetz lässt die Energie in Anlagen nutzbar werden, die im Netz mit Regelenergie die Schwankungen ausgleichen. Etwa in modernen Gaskraftwerken, die sich aufgrund ihrer Technologie und Größe besonders gut für die Kraft-WärmeKopplung eignen und sich bei Bedarf schnell hochfahren lassen. Unter den neuen Prämissen, das bestätigt auch Dr. Anke Tuschek, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW), wird mit dem Ausstieg aus der Kernenergie dem Gas eine neue Rolle zufallen. „Erdgas ist der natürliche Partner der erneuerbaren Energien, es hat die geringsten CO2-Emissionen unter den fossilen Energieträgern und es gibt weltweit noch sehr reichliche Vorkommen“, so die Energieexpertin. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat in einer Studie von 2009 die Reichweite der konventionellen nutzbaren Erdgasvorräte auf 188 23


Schwerpunkt

Steffen und Ines Eller aus Schkeuditz sind stolze Besitzer einer der ersten Gas-Wärmepumpen, die Sonnenenergie nutzt.

Billionen Kubikmeter geschätzt – mehr als je zuvor und bei einem Verbrauch auf heutigem Niveau ausreichend für mehr als 60 Jahre. Dazu komme, dass Erdgas sich auch als Treibstoff etwa für Fahrzeuge eigne und in modernen Heizsystemen besonders hohe Wirkungsgrade bei einem geringen CO2-Ausstoß liefere. „Die Kraft-Wärme-Kopplung in einem Blockheizkraftwerk oder die Verbindung einer Brennwerttherme mit einem Solarkollektor auf dem Dach sind heute technisch ausgereifte Systeme mit sehr hoher Energieeffizienz“, so Dr. Tuschek. Gastherme nutzt zusätzlich Sonnenenergie Steven Eller ist mächtig stolz auf sein Eigenheim. Als er das Siedlungshaus in Schkeuditz vor knapp drei Jahren bei einer Zwangsversteigerung günstig erwarb, hat er das damals lange leer stehende Haus vom Keller bis zum Dach saniert. Besonders wichtig waren ihm und seiner Frau Ines eine hohe Wärmedämmung nach den KfW-Richtlinien für Energiesparhäuser und eine möglichst effiziente Heizung. Schließlich arbeitet Eller bei einem Energiedienstleister – da weiß man besonders gut, was das für die Zukunft bedeutet. Die Ellers hatten Glück, die Firma Vaillant suchte damals gerade Referenzstandorte für ihre Weltneuheit in Sachen Hausheizung: Eine solar gekoppelte Wärmepumpe mit Gas- Brennwerttechnik – so die etwas sperrige Beschreibung. Eller zeigt im Keller gern das kleine Heizwerk, das äußerlich nicht viel anders aussieht, als 24

viele andere Heizungen: Ein kühlschrankgroßer heller Metallkasten, viele Rohre, Messgeräte und der 300-Liter-Wassertank. Drei Flachkollektoren auf dem Dach liefern Wärme in den Keller. Dort sorgt im Kessel ein sogenannter Zeolith dafür, dass aus der im Winter nur geringen Sonnen-Wärme ein Wohlbehagen bei den Bewohnern werden kann: Das Hightech-Mineral sorgt durch die Aufnahme von Feuchtigkeit für einen Wärmeüberschuss. Die Gasbrennwerttherme trocknet dann den Zeolith wieder. 20 Prozent weniger Energieverbrauch verspricht Vaillant für die inzwischen am Markt befindliche Hightech-Heizung. Steven Eller ist mittlerweile sicher, sich richtig entschieden zu haben. Die jüngste Jahresabrechnung der Stadtwerke Schkeuditz wies lediglich einen Verbrauch von 11.000 kWh und einen Betrag von 828 Euro auf. Und das, obwohl Familie Eller es durchaus wohlig warm mag und der Winter 2010 um fast zwei Grad kälter war, als der langjährige Durchschnitt. „Ich finde es schon toll, wenn man mit einer Gastherme die Sonne so intelligent anzapfen kann, dass man Umwelt und Geldbeutel schont. Und das, ohne auf Komfort verzichten zu müssen“, meint Eller. Windkraft füllt Tanks und Erdgasnetz Noch ein Stück weiter in die Zukunft der Gaswirtschaft blickt Michael Wenske. Anfang der 1990er Jahre bereits hatte er sich mit einer auf Wasserstoff-Elektrolyse spezialisierten Firma zunächst selbstständig gemacht. Heute pendelt er seit Monaten


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Wasserstofferzeugung Strom

Strom

Stromnetz

3 Windkraftanlagen

Wasserstoff

Strom

Wasserstoffspeicher variable Mischung

Wasserstoff

Mischventile 2 Blockheizkraftwerke Fernwärme

Biogas Wärme

Biogas-Speicher

Wasserstoff Kraftstoffe

Mit der Wasserstoff-/Methanerzeugung lassen sich zeitweilig anfallende große Energiemengen aus Sonne und Wind im Erdgasnetz speichern. Bei Flaute und sonnenschwachen Jahreszeiten sorgen dann Gaskraftwerke für zusätzliche Power im Netz. Grafik: Römer

im Auftrag des Energieunternehmens Enertrag zwischen Berlin und einem Acker in der Nähe von Prenzlau hin und her. „Wir errichten hier das erste Hybridkraftwerk der Welt, das sowohl Windenergie als auch Biogas nutzt. Aus einem Teil dieser Energie stellen wir mit einem eigens konstruierten Elektrolyseur Wasserstoff her“, erzählt der Elektroingenieur, als sei das die normalste Sache der Welt. Das Gerät spaltet ganz normales Wasser mittels zugeführter Energie chemisch auf – in hochenergetischen Wasserstoff und Sauerstoff. Er leitet inzwischen den Bereich Wasserstofftechnik bei der Enertrag und sorgt dafür, dass die containergroße Anlage möglichst bald eine Leistung von bis zu 600 kW bringt – im Herbst soll alles funktionieren. Es ist nicht weniger, als das Herzstück des gesamten Hybridkraftwerks, denn hier wird eine der wohl zukunftsträchtigsten Speicher- und Puffertechnolo­gien erstmals in einer solchen Größe getestet und kommerziell genutzt. „Es wird schon sehr lange über eine effiziente Speichertechnologie geredet, aber wir können damit nicht ewig warten“, sagt Wenske. Die Windkraft stößt gerade in Brandenburg, wo sie reichlich anfällt, aber nur wenig Verbraucher sind, schon heute an Grenzen, weil sie entweder bei Flaute fehlt oder die Netze an die Leistungsgrenzen bringt. Wenn hier keine Pufferspeicher installiert werden, müssen immer häufiger die Windräder notabgeschaltet werden, das kostet dann sowohl dem Verbraucher über den Strompreis zusätzlich Geld wie auch den Windstromerzeuger.

Die Alternative bringt jedoch der Wind ebenfalls mit: Mit Hilfe seiner Energie lässt sich aus Wasser Wasserstoff herstellen, ein brennbares Gas mit hoher Energiedichte. 3,54 kWh liefert rechnerisch der Normkubikmeter, den man verdichten und bei Bedarf sogar in Methan, also dem chemischen Äquivalent zum Erdgas, umwandeln kann. Bei Prenzlau liefern die drei Windturbinen der Enertrag mit ihren jeweils zwei Megawatt Leistung genug Strom, um neben der Netzeinspeisung über ein eigenes Kabel die Elektrolyse anzutreiben. Auch die Biogasanlage liefert über zwei Blockheizkraftwerke Energie und kann windschwache Zeiten zumindest teilweise ausgleichen. Mit 700 kW elektrischer Leistung reicht auch ihre Power, um die Wasserspaltung fortzuführen. Das H2 wird zunächst in drei Tanks mit einer Kapazität von 1.300 kg zwischen gelagert. Der Energiekonzern Total wird den Brennstoff zu einer Tankstelle in Berlin-Schönefeld transportieren, wo er von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen getankt werden kann. Ähnlich geht inzwischen auch die Audi AG vor, die dazu eine Kooperation mit der schwäbischen SolarFuel aus Stuttgart eingegangen ist und die Kraft von vier Windrädern mit je 3,6 MW Leistung teilweise zur Wasserstoff- und Methanproduktion nutzen will – mit immerhin 6,3 MW Leistung. Zu den wissenschaftlichen Begleitern zählt Marc Simon Löffler vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg. „Wir haben bereits seit 2009 eine kleine Pilotanlage 25


Schwerpunkt

Frank Jachmann, Projektleiter bei VNG, bei der technischen Abnahme der Biogaseinspeiseanlage vor Ort in Hasslau.

und arbeiten jetzt an größeren Maschinen“, sagt Löffler, der Wasserstoff und vor allem Methan für „das einzige Speichermedium mit dem notwendigen Langzeit-Potenzial“ hält. Vor allem müssten jetzt die vorhandenen Elektrolyseure so weiter entwickelt werden, dass sie nicht nur – wie bislang bei zahlreichen industriellen Einsatzgebieten – gleichmäßig unter Dauerlast arbeiten, sondern auch bei den im Windstromsektor üblichen schnellen Lastwechseln einsatzfähig sind. Bisher brauchen die Maschinen, die es durchaus auch im Leistungsbereich von mehreren MW gibt, bis zu mehreren Stunden, um hochgefahren werden zu können. Bis 2013 allerdings soll das gelöst sein, dann werden drei Windräder im Emsland im Großversuch verschiedene Energieformen liefern: Strom für eine 1.000 Fahrzeuge umfassende Testflotte, Wasserstoff für Brennstoffzellen und Methan für Erdgasfahrzeuge oder die Einspeisung. Das benötigte CO2 für die chemische Methanisierung stammt von einer ebenfalls hier errichteten Biogasanlage. Spätestens 2015, so der Experte, werden dann Windgas-Anlagen auch rein kommerziell in Betrieb gehen können. Bis dahin, so rechnet Löffler, werde auch die Politik die erforderlichen Rahmenbedingungen etwa für die Einspeisevergütung von mit Wind erzeugtem Wasserstoff oder Methan geregelt haben. „Die Vielfalt der Nutzung des Energie-Speichermediums Wasserstoff ist auch für uns ein entscheidender Vorteil“, sagt Wenske. Das Gas lässt sich einfach auf 700 bar komprimieren 26

und sorgt dann dafür, dass bereits heute verfügbare Pkw mit einem Kilogramm Treibstoff rund 100 km weit fahren – bei einem realistischen Marktpreis von rund 10 Euro netto. Doch Wasserstoff lässt sich auch problemlos ins Erdgasnetz einspeisen, bis zu fünf Prozent sind derzeit möglich. Die Methanisierung sieht Michael Wenske vor allem im Mitteldruck- und Niederdrucknetz als lukrativ an. Allerdings: Wird der Windstrom nicht mehr direkt zum Verbraucher geführt, entstehen zusätzliche Umwandlungsverluste: Bei der Elektrolyse und Methanisierung ebenso wie bei der notwendigen Kompression und schließlich auch bei der erneuten Verstromung in gasbetriebenen Kraftwerken oder den Pkw – unter dem Strich stehen damit Wirkungsgrade von meist weniger als 60 Prozent. „Doch sollte man hier nicht mehr so rechnen, als würde Kohle, Gas oder ein anderer Rohstoff eingesetzt – schließlich handelt es sich bei der Energiequelle um eine unerschöpfliche, der Rohstoff an sich steht kostenlos zur Verfügung. Investiert werden muss dennoch, in die Anlagen zur Erzeugung, Umwandlung und Einspeisung – das wird künftig den Strompreis bestimmen“, so der Experte von Enertrag. Mit dem Windgas lassen sich schon in absehbarer Zeit die Spitzen auskompensieren und die Prognosen für die Belastung des Netzes verfeinern. Das sieht auch Jochen Flasbarth vom UBA nicht anders, für den die althergebrachte Effizienzberechnung von Kraftwerken für


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Dr. Tilmann Werner von der DREWAG Stadtwerke Dresden GmbH und sein Kollege Frank Jachmann von VNG arbeiten bei dem Projekt der großen Biogasanlage mit Einspeisung eng zusammen. (v. l.)

die erneuerbaren Energiesysteme nicht mehr gelten. „Da geht es bei der Umwandlung nicht mehr primär um die Verluste in Prozent. Es geht um die verfügbaren Flächen für die Nutzung der Energie, es geht um die Kosten der Gesamtsysteme“, sagt er. Und wenn es gelänge, den nach bisherigem Stand im Milliardenumfang notwendigen Strom-Netzausbau zu reduzieren, könnte das nicht nur die Strompreissteigerungen dämpfen – sondern auch die Sorgen und Widerstände von Anwohnern. Ob Jochen Flasbarth mit seiner Prognose recht behält, dass in Deutschland bereits in 40 Jahren sämtliche Energie von den Erneuerbaren stammt oder es vielleicht ein paar Jahre länger dauert, ist dabei zweitrangig. Doch die Zeit bis zu diesem Umstieg, hier sind sich ausnahmsweise die Energieexperten aller Denkrichtungen einig, wird nur zusammen mit der Erdgastechnologie funktionieren. Mit einem leistungsfähigen Erdgasnetz als Rückgrat der Infrastruktur, mit modernen Gas- und Blockheizkraftwerken, mit Kavernenspeichern und auch neuen Technologien.

Was ist Elektrolyse? Wasserstoff (H2) ist als Rohstoff und Energiequelle von hoher Bedeutung. H2 wird in großen Mengen in der chemischen Industrie und Raffinerien erzeugt, wobei anfallendes Methan und schwere Heizöle genutzt und im Dampfreformer bei etwa 25 bar und 900 °C aufgespalten werden. Bei der partiellen Oxidation entstehen unter Sauerstoffmangel bei hohen Temperaturen Wasserstoff und Kohlenmonoxid – hierbei wird Energie freigesetzt. Eine weitere großtechnische Methode ist das KvaernerVerfahren, bei dem Kohlenwasserstoffe bei 1.600 °C in Aktivkohle und Wasserstoff gespalten werden. In kleineren Mengen wird Wasserstoff heute bereits durch Elektrolyse, die chemische Aufspaltung von Wasser mit hohem Energieeinsatz, erzeugt. Die Anlagen werden etwa in der Chemieindustrie kontinuierlich betrieben und müssen für den zyklischen Einsatz an Windkraftanlagen weiter entwickelt werden. Vorteil: Wasser und (überschüssige) regenerative Energie stehen reichlich zur Verfügung. Zudem ist die Elektrolyse aus erneuerbaren Energien absolut CO2-neutral.

Windstrom Erneuerbare

Wasser

Wasserstoff Elektrolyseur

Erdgas

Erdgasnetz

Haushalt

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Schwerpunkt

Interview

Die Energiewende als deutsches Gemeinschaftswerk Die tragischen Ereignisse in Japan führten in Deutschland zu einer energiepolitischen Zäsur. Binnen weniger Monate wurde das erreicht, was vorher in mehr als einem Jahrzehnt nicht gelang. Deutschland steigt endgültig aus der Kernenergie aus. medium gas sprach mit dem Vorsitzenden der Ethik-Kommission, Prof. Dr. Klaus Töpfer, über die deutsche Vorreiterrolle in Sachen Energieversorgung und die Bedeutung von Erdgas im zukünftigen Energiemix.

Herr Professor Töpfer, der Bundestag hat den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Lässt sich rückblickend sagen, dass die Vorschläge der Ethik-Kommission die richtigen waren? Wir haben einen Beitrag zu einer wohl nicht nur aus meiner Sicht sehr wichtigen Entscheidung geleistet. Die Probleme lagen und liegen aber nicht nur in der Grundsatzentscheidung Atomkraft ja oder nein und bis wann der Ausstieg zu erfolgen hat, sondern auch in vielen Details. Für die Ethik-Kommission war es besonders wichtig, den Umsetzungsprozess in den Mittelpunkt zu stellen mit einem unabhängigen Beauftragten für die Energiewende und einem breitem Forum Energiewende. Die Entscheidung über die weitere Ausgestaltung liegt selbstverständlich beim Parlament und bei der Bundesregierung. Sie sprechen im Abschlussbericht vom „Gemeinschaftswerk Energiezukunft Deutschland“. Was ist darunter zu verstehen? Ich glaube, dass es eine ganz große Herausforderung ist, sowohl in Deutschland als auch weltweit, aus der Kernenergie auszusteigen. In vielen Ländern wird Kernenergie als die Zukunftsenergie gesehen, aus der man nicht hinausgeht, sondern in die man noch stärker einsteigt. Deswegen ist es umso wichtiger, dass sich alle gesellschaftlichen Gruppierungen, also Parteien, Verbände, NGOs, die Wirtschaft und Verbraucher, im Klaren darüber sind, dass man die zukünftige Energieversorgung Deutschlands nur gemeinsam gestalten kann. Ein Gemeinschaftswerk ermöglicht Investitionssicherheit und eröffnet damit große Chancen auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland. 28

Es deuten sich bereits heute politische Grabenkämpfe über den Weg der Zielerreichung einer Energiewende an. Was muss getan werden, damit die Energiewende auch tatsächlich gelingt? Um zu gewährleisten, dass die Energiewende auch verbrauchergerecht umgesetzt werden kann, hat die Ethik-Kommission einen Begleitprozess empfohlen. So soll jährlich evaluiert werden, wo wir stehen, was gemacht worden ist und was noch gemacht werden muss. Dies ist ein riesiges Langzeitprojekt. Es bedarf eines klaren Projektmanagements. Wir schlagen deshalb den Einsatz eines Projektmanagers vor, der sich mit den Umsetzungsfragen intensiv auseinandersetzt. Wir dürfen nicht abwarten, sondern müssen gemeinsam aktiv handeln, um die Energiewende zu schaffen. Daher nochmals der Hinweis, dass das Gemeinschaftswerk nur über die Parteigrenzen hinweg gelingen kann. Ist trotz Kernenergieausstieg die Stabilität des energiepolitischen Zieldreiecks auch zukünftig gewährleistet? Deutschland ist die viertstärkste Wirtschaftsnation der Welt. Der Wohlstand in Deutschland hängt entscheidend von der Wettbewerbsfähigkeit unserer Exportindustrie ab. Daher muss alles dafür getan werden, dass die Energieversorgung auch in Zukunft wettbewerbsfähig, sozial ausgewogen, verlässlich und ökologisch verantwortbar ist. Die Vorschläge der Ethik-Kommission machen den Erhalt des energiepolitischen Zieldreiecks zu einer Grundvoraussetzung der Energiewende.


Foto: Liesa Johannssen/photothek.

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Prof. Dr. Klaus Töpfer appelliert an alle gesellschaftlichen Akteure, dass die Energiewende und die Gestaltung der zukünftigen Energieversorgung Deutschlands nur durch ein „Gemeinschaftswerk“ erfolgreich realisiert werden kann.

Durch einen Monitoring-Prozess müssen diese Ziele auch stets überwacht werden. Im öffentlichen Meinungsbild herrscht über die politischen Lager hinweg Einigkeit darüber, dass Erdgas der ideale Partner der erneuerbaren Energien ist. Welche Rolle werden Erdgas und Bioerdgas Ihrer Auffassung nach im Energiemix der Zukunft spielen? Erdgas und Bioerdgas werden in Deutschland, aber auch weltweit eine zunehmend große Rolle spielen. Erdgas hat unter den konventionellen Energieträgern den Vorteil, dass es mit Abstand die geringsten CO2-Emissionen pro Energieeinheit verursacht. Auch die deutsche Bevölkerung sieht Erdgas als leistungsfähigen Energieträger an. Erdgas hat eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Es ist also kein Wunder, dass man sich seitens der Politik auf diesen Energieträger in ganz besonderer Weise bezieht. Ich freue mich darüber, dass wir in Deutschland eine sehr leistungsfähige und erfahrene Gaswirtschaft haben. Diese Branche wird dazu beitragen, dass uns unter Berücksichtigung des energiepolitischen Zieldreiecks die Energiewende auch gelingt, ohne dass Abstriche von der Klimapolitik gemacht werden dürfen. Welche Faktoren werden die Energielandschaft in zwei Jahrzehnten prägen? Momentan sind wir im Jahr 2011 und haben mit der Entscheidung zum Kernkraftausstieg eine große Herausforderung vor

uns. Noch einmal: Der Ausstieg aus der Kernenergie muss so gelingen, dass dadurch unsere klimapolitischen Ziele in keiner Weise in Frage gestellt oder gefährdet werden. Dazu ist Deutschland auch gegenüber der EU verpflichtet. Um diese Ziele zu erreichen, werden uns Erdgas und vor allem auch Bioerdgas eine große Hilfe sein. Wie die Energielandschaft in zwanzig oder dreißig Jahren konkret aussehen wird, lässt sich heute nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Viele Mitgliedsstaaten der EU sehen die Vorreiterrolle Deutschlands kritisch. Global schaut man sehr genau auf die deutschen Beschlüsse. Besitzt die deutsche Position Vorbildcharakter für andere Staaten? Ich glaube nicht, dass es gut ist, dass wir uns eine Vorbildrolle anmaßen. Wir sollten unsere Chancen, die sich durch den Ausstieg aus der Kernenergie ergeben, systematisch und klug nutzen. Richtig ist, dass die Welt sehr genau auf uns blickt. Wenn es Deutschland mit seiner spezifischen Wirtschaftsstruktur gelingt, ohne Kernenergie und mit einem immer geringeren CO2-Ausstoß die Wirtschaftskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu erhalten, dann ist das ein Beleg dafür, dass es andere Staaten auch schaffen können. Insbesondere in den Entwicklungsländern weiß man, dass der Umgang mit der Energiefrage von zentraler Bedeutung für eine eigenständige Wohlstands- und Wirtschaftsentwicklung ist. Herr Professor Töpfer, herzlichen Dank für das Gespräch. 29


Schwerpunkt

Gastbeitrag

Erdgas im zukünftigen Energiemix Erdgas war in den letzten Dekaden der einzige fossile Energieträger, der im deutschen Energiemix Anteile gewonnen hat und dessen Verbrauch auch absolut gewachsen ist. Im Lichte der aktuellen Energie- und Klimapolitik stellt sich die Frage, welche Rolle Erdgas zukünftig spielen wird. Antworten darauf ergeben sich aus den zukünftigen Einsatzbereichen für Erdgas sowie der Anschlussfähigkeit zum aufkommenden Zeitalter der erneuerbaren Energien.

von Dr. Felix Christian Matthes, Öko-Institut Die zweifache Wende der deutschen Energiepolitik in den Jahren 2010 und 2011 schafft eine neue Ausgangsposition für die Energie- und Klimapolitik. So sollen mit den Beschlüssen vom Herbst 2010 die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 % sowie bis zur Mitte dieses Jahrhunderts um 80 bis 95 % reduziert, die Stromversorgung soll bis 2020 zu 35 % und bis 2050 zu mindestens 80 % auf erneuerbare Energien umgestellt und der Gebäudebestand so saniert werden, dass die Gebäude in Deutschland bis 2050 praktisch CO2-neutral werden. Verbunden damit ist seit Frühsommer 2011 der beschleunigte Verzicht auf die Hochrisiko-Technologie Kernenergie. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Rolle dem Energieträger Erdgas im zukünftigen Energiemix zukommen wird. Bei allen prognostischen Unsicherheiten zeigt sich dabei, dass sich die Einsatzfelder von Erdgas in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Kontext ambitionierter Energie- und Klimapolitik sehr deutlich ändern, wobei hier sehr gegenläufige Entwicklungen zu erwarten sind. Der erste Megatrend ergibt sich aus der abnehmenden Rolle von Erdgas im 30

Wärmemarkt. Nachdem Erdgas im Wärmemarkt seine Rolle während der letzten Dekaden stetig ausbauen konnte (aktuell werden fast drei Viertel des in Deutschland insgesamt gelieferten Erdgases im Wärmemarkt verbraucht), so zeigen sich seit einigen Jahren Sättigungstendenzen.

Dr. Felix Christian Matthes ist Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am ÖkoInstitut, Berlin.

Zukünftig wird hier ein eher schrumpfender Markt erwartet. Besonders stark wird der Verbrauchsrückgang für die Raumwärmeerzeugung ausfallen. Hoch effiziente neue Gebäude und zunehmende Sanierungsanstrengungen (mit dem Langfrist-Ziel des CO2-neutralen Gebäudebestandes im Jahr 2050) werden hier

mittel- und langfristig zu einem deutlichen Rückgang des Gasabsatzes führen, auch und gerade weil durch moderne Erdgasanlagen noch erhebliche Energieeffizienzpotenziale gehoben werden können. Für den Bereich der Warmwasserbereitung wird Erdgas weniger dramatisch vom insgesamt schrumpfenden Markt betroffen sein, da mit Erdgas eine vergleichsweise flexible Ergänzungsoption zum Beispiel für die Warmwasserbereitung mit Solarkollektoren verfügbar ist. Für industrielle Wärmeanwendungen als das zweite große Absatzsegment für Erdgas wird der Verbrauch in der Tendenz ebenfalls abnehmen, wenn auch mit geringerer Dynamik bzw. im Zeitverlauf deutlich später. Der zweite Megatrend betrifft die Stromerzeugung. Heute werden in Deutschland auf der Basis von Erdgas derzeit nur 13 % des gesamten Stromaufkommens bereitgestellt, weniger als ein Fünftel des gesamten Erdgasverbrauchs in Deutschland entfällt auf diesen Sektor. Zukünftig wird die Rolle von Erdgas hier vor allem aus zwei Gründen deutlich zunehmen. Zunächst ist Erdgas ein geeigneter Brennstoff für die Stromerzeugung in Kraf t-Wärme-Kopplung (K WK ), eine Technologie, bei der die Abwärme der Stromerzeugung für Heiz- und Prozess-


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Sauberes Erdgas, schmutzige Kohle CO2-Emissionen in Gramm pro Kilowattstunde Strom 1.200

Quelle: Öko-Institut

Erdgas-Anwendungsbereiche   in % Quelle: AG Energiebilanzen, Berechnungen des Öko-Instituts

1.142

1.100

11,7

1.000 897

900

19,6

800

703

0

wärmezwecke sinnvoll genutzt werden kann. KWK-Anlagen erreichen Gesamtwirkungsgrade von über 85 % und können damit den Brennstoffbedarf für die CO2arme Stromerzeugung auf Erdgasbasis minimieren helfen. Darüber hinaus werden in einem durch erneuerbare Energien geprägten Stromversorgungssystem (für Deutschland vor allem auf Basis von Wind und Solarenergie) hoch flexible Kraftwerke benötigt, die die Schwankungen der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausgleichen und in diesem Kontext auch wirtschaftlich betrieben werden können. Erdgaskraftwerke, die höhere Brennstoffkosten haben, dafür aber vergleichsweise wenig Investitionskapital erfordern und sehr flexibel eingesetzt werden können, bilden damit für die nächsten Jahrzehnte eine wichtige Säule des Stromversorgungssystems. Erdgaskraftwerke haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie sowohl als Großanlagen (mit Leistungen von mehreren Hundert Megawatt) als auch sehr kleine dezentrale Anlagen (mit Leistungen von bis zu wenigen Kilowatt) verfügbar sind und damit eine große Bandbreite von Einsatzfällen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abdecken können. Die Kapazitäten der Erdgaskraftwerke werden sich damit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten

398

Erdgas-GuD-Heizkraftwerk

100

27,0

508 Steinkohle-Heizkraftwerk

200

Steinkohle-Kraftwerk

300

Braunkohle-Kraftwerk

400

Braunkohle-Heizkraftwerk

600 500

35,8

0,3

Erdgas-GuD-Kraftwerk

700

2008

116

5,6

Raumwärme (direkt)

mechanische Antriebe (direkt)

Warmwasser (direkt)

Stromerzeugung

sonstige Prozesswärme (direkt)

andere Anwendungen (Fernwärme, nichtenergetischer Einsatz etc.)

deutlich erhöhen, die Stromerzeugung in Erdgaskraftwerken wird leicht zunehmen und der Erdgasabsatz für die Stromerzeugung zunächst auf einem vergleichsweise robusten Niveau verbleiben. Mit hohen Unsicherheiten verbunden ist ein möglicher dritter Trend. Der Einsatz von Erdgas im Verkehrssektor bildet grundsätzlich eine interessante Übergangsstrategie für ein CO2-freies Verkehrssystem. Die erheblichen Unsicherheiten für dieses Verbrauchssegment ergeben sich vor allem aus den Entwicklungen bei alternativen Antriebskonzepten. Wenn bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen schnelle Durchbrüche bei Technik und Kosten erzielt werden, so wird der großflächige Ausbau einer Infrastruktur von Erdgastankstellen schnell an seine Grenzen kommen. Wenn sich jedoch entsprechende Durchbrüche im Bereich der Brennstoffzellenantriebe einstellen, dann bildet die Kombination von Erdgas- und Wasserstoffinfrastruktur sicher eine interessante neue Option für den Verkehrssektor. Die vierte Facette für die Rolle von Erdgas im zukünftigen Energiesystem ergibt sich aus der Ergänzung von fossilem Erdgas durch Biogas oder auch die Anschlussfähigkeit zur chemischen Speicherung von Energie. Biogas kann

sich zukünftig, wenn auch eingeschränkt durch die nicht unbegrenzten Potenziale nachhaltig bereitgestellter Biomasse, als eine Ergänzung für die Erdgasversorgung erweisen. Auch die Umwandlung von Überschussstrom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff und die (begrenzte) Beimischung zu Erdgas oder aber die Weiterverarbeitung zu anderen gasförmigen Speichermedien bilden interessante und – in gewissen Grenzen – zur heutigen Erdgasversorgung anschlussfähige Entwicklungsoptionen für die Erdgaswirtschaft, die weiter verfolgt werden müssen. Die zunehmend an Moment gewinnende Umstellung des Energiesystems auf CO2-freie Energiequellen wird damit auch am Erdgasmarkt nicht spurlos vorbeigehen. Unter allen fossilen Energieträgern wird jedoch Erdgas noch für die längste Frist, wenn auch mit einer Verschiebung der Verbrauchsschwerpunkte, noch eine erhebliche Rolle spielen können und müssen. Dies resultiert einerseits aus der vergleichsweise geringen Klimabelastung durch die Erdgasverbrennung, aber andererseits auch aus der erheblichen Flexibilität des Erdgaseinsatzes sowie des noch großen Innovationspotenzials für erdgasbasierte Technologien und deren Anschlusslösungen für ein CO2-freies Energieversorgungssystem. 31


Schwerpunkt

Infrastruktur

von Uwe Barthel, VNG-Vorstand Infrastruktur/Technik Der Energiemarkt steht vor einer Revolution. Die Potenziale sind groß, die Risiken allerdings auch. Der rasche Umbau der Energieversorgung in Deutschland, ist eine Aufgabe, deren Dimension und Dramatik sich den meisten Menschen erst nach und nach erschließen wird. Vor allem die Ereignisse in Japan haben die Diskussion der Kernenergie so verbreitert und verschärft, dass darunter nicht selten der notwendige besonnene Blick auf die sachlichen, die energiefachlichen Fragen leidet. VNG kann hier wertvolle Hilfestellung geben, vor allem aber Lösungen anbieten, die bisher in der Öffentlichkeit noch unzureichend wahrgenommen werden. Umreißen wir kurz die Situation: Heute stammen 16,5 % der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Bis 2050 sollen es 80 % der Stromerzeugung Deutschlands sein. Gemäß dem Energiekonzept der Bundesregierung sind 35 % am Bruttostromverbrauch schon bis 2020 vorgesehen. Dies bedeutet eine Verdopplung des Anteiles der erneuerbaren Energien in nur 9 Jahren. Schon heute bereitet die volatile Einspeisung erneuerbarer Energien aus 32

Foto: Dirk Brzoska

Revolution auf dem Energiemarkt – Erdgasinfrastruktur wird zu einem Schlüsselfaktor in Deutschland.

Windkraft und Photovoltaik den Betreibern von Stromübertragungs- und Verteilnetzen große Sorgen. Steigt dieser Anteil weiter, ohne dass tiefgreifende Investitionen vorgenommen werden, kompliziert sich die Versorgung durch das Nord-SüdGefälle bei Produktion und Verbrauch. Der Bedarf an Speicherung zur Harmonisierung von Produktion und Verbrauch erreicht beachtliche Dimensionen. Die vorhandenen und in der Entwicklung befindlichen Verfahren zur Stromspeicherung können nur kurze Zeitspannen überbrücken. Windflauten und Wochen verminderter Sonneneinstrahlung bedeuten Ungewissheit. Der dringende Bedarf an Speicherverfahren, die längere Zeiträume abdecken können, liegt auf der Hand.

Der Stromspeicherbedarf erreicht möglicherweise bereits im Jahre 2020 etwa 40  Mrd. kWh. Ein Ausbau erneuerbarer Energien in den geplanten Größenordnungen verlangt entsprechend belastbare Langzeitspeicher. Ähnlich beurteilt das die Ethik-Kommission „Sichere Energieversorgung“ in ihrem Abschlussbericht und regt an, eine nationale, respektive EU-weite Stromversorgungsreserve in Höhe einer halben Jahresproduktion aufzubauen. Erfolgversprechend – und in seiner Kapazität konkurrenzlos – erscheint hierfür das durch das Fraunhofer Institut IWES entwickelte Konzept der Methanisierung. Es handelt sich um die Umwandlung von Wasser mittels regenerativ gewonnenen Stroms durch Elektrolyse in den Energieträger Wasserstoff und die nachfolgende katalytische Reaktion mit Kohlendioxid zu Methan, dem Hauptbestandteil des natürlichen Erdgases. Auf diesem Wege könnte die existierende Gasinfrastruktur in völlig neuen Dimensionen genutzt werden. Bereits heute erreicht das Speichervolumen der Gasinfrastruktur ca. 230 Mrd. kWh. (Zum Vergleich: Die Speichermöglichkeiten der Stromnetze betragen gegenwärtig 0,04 Mrd. kWh, hauptsächlich in Pumpspeicherwerken.) In Gaskraftwerken oder – noch effizienter – mittels Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen kann die Rückver-


medium gas 2 | 2011

Stromspeichervolumen 2011

Prognose 2020

Gasspeichervolumen 2011

Gasinfrastruktur 230 Mrd. kWh

0,04 Mrd. kWh

benötigtes Strom- speichervolumen 20 Mrd. kWh

stromung dann je nach Bedarf erfolgen. Eine Pilotanlage läuft bereits am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Stuttgart. Das dichte Gasnetz bietet eine geradezu verblüffende Option, erneuerbare Energien bedarfsgerecht und am Ort des Verbrauchs bereitzustellen. VNG ist für Projekte dieser Art ein ebenso leistungsfähiger wie erfahrener Partner. Wir alle werden zusammen agieren müssen, wenn der gigantische Strukturumbau unseres Energiesystems gelingen soll. Der Dialog zwischen Transportnetzbetreibern für Strom und Gas über die optimale Form der Netznutzung und eines notwendigen Netzausbaus zur Einbindung der Erneuerbaren steht auf der Agenda ganz oben. Gemäß der dena II–Studie existiert ein Ausbaubedarf des Übertragungsnetzes auf der Stromseite von 3.600 km bis zum Jahre 2020. Doch bereits jetzt zeigen sich vielerorts Probleme, die aus der mangelnden Akzeptanz dieser Maßnahmen in der Bevölkerung und der Höhe der Investitionen resultieren. Es wäre unentschuldbar, diesen Punkt je wieder irgendwo und irgendwann zu vernachlässigen. Wir haben meines Erachtens anzuerkennen, dass aus dem Zieldreieck der Energiewirtschaft – Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit – ein Viereck gewor-

VNG AG 27,5 Mrd. kWh

den ist. Die vierte Ecke ist die Akzeptanz. Wer Netzlücken schließen will, sollte unbedingt auch Kenntnislücken schließen. So werden Nichtfachleute wohl verblüfft sein zu erfahren, dass man 300 MW pro Stunde statt über eine Höchstspannungsleitung auch mittels einer nur 10 cm dicken Gasleitung transportieren kann. Diese ist naturgemäß unsichtbar und erdverlegt oder ist gar längst vorhanden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist im Dialog eine volkswirtschaftliche Optimierung erreichbar, die zugleich eine Beeinträchtigung der Landschaft beim unvermeidlichen Netzausbau in Deutschland deutlich verringert oder mancherorts gar ausschließt. VNG befasst sich intensiv damit, ihren Weg und ihren Beitrag beim Umbau der Energiestruktur zu bestimmen. Neben der Beteiligung an der DVGW-Innovationsoffensive prüft VNG z. B. ein eigenes Pilotprojekt, um die Wirksamkeit der Gesamtkette von der Methanisierung bis zur Wiederverstromung auszuloten und abzubilden. Ausdrücklich begrüßen wir die gemeinsame Förderinitiative Energiespeicher von BMWi, BMU und BMBF, wofür Fördermittel in Höhe von 200 Millionen Euro zur Entwicklung von Technologien der Stromspeicherung bereitgestellt werden sollten. Die Politik hat offenbar weitgehend die Schlüs-

Die Grafik zeigt (v. l. n. r.) das Volumen der Stromspeicher in Deutschland, den Mittelwert des Bedarfs an Stromspeichern aus unterschiedlichen Studien für 2020 und das aktuelle Speichervolumen der Gasinfrastruktur in Deutschland.

selrolle der Energiespeicherung erkannt. Dem Erdgas gebührt aus Sicht von VNG bei der ausstehenden Neufassung des Energiekonzeptes der Bundesregierung eine vorrangige Berücksichtigung. Niemand sollte heute von Unternehmen Prognosen, also letztlich Vermutungen darüber erwarten, welches Problem, mit welcher Wahrscheinlichkeit wo auftaucht, was überhaupt „nach menschlichem Ermessen“ passieren könnte. Zukunft lässt sich – ironisch gesagt – bekanntlich erst dann korrekt darstellen, wenn sie bereits Vergangenheit ist. Bei unserem energiepolitischen Denken geht es um unternehmerische Entscheidungen und um hohe Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Es ist daher nebensächlich, was wir uns alles vorstellen können. Die Hauptsache ist, dass wir uns darauf einstellen, jegliche neuen Situationen schnell, entschlossen und auch mit „unkonventionellen“ Mitteln und Methoden zu beherrschen. Bisher hat Deutschland energiepolitisch nur die Richtung festgelegt. Die praktischen Probleme kommen erst noch. Deshalb erstens: Wenn die Politik Investitionen in die Gasinfrastruktur haben will, muss sie der Gaswirtschaft langfristige Perspektiven geben. Und zweitens: Jetzt ist die Zeit der zigtausenden Unternehmer und aller umweltbewusst engagierten Bürger. 33


Umschau

Internationales

Katar – reich an Erdgas und LNG-Exporteur Nr. 1 Als weltweit größter Produzent von verflüssigtem Erdgas (LNG) trägt das Emirat Katar zu einer Veränderung des globalen Erdgasmarktes bei. medium gas gibt einen Überblick über die Entwicklung von LNG und skizziert Katars wirtschaftlichen Aufstieg.

In den letzten Jahren hat verflüssigtes Erdgas (LNG) den weltweiten Erdgasmarkt erheblich verändert und zu einer Neuordnung der vormals regionalen Märkte in Amerika, Asien und Europa geführt. So haben die für den US-amerikanischen Markt vorgesehenen Mengen an LNG, welche aufgrund der dortigen sprunghaft angestiegenen Produktion von unkonventionellem Erdgas und des Preisverfalls umgeleitet werden, teilweise zum derzeit bestehenden Überangebot von Erdgas auf dem europäischen Markt beigetragen. LNG schafft nachhaltige Verbindungen Durch Verflüssigung und anschließenden Transport per Schiff spielt LNG eine verbindende Rolle. So lässt es Erdgasproduzenten und Erdgasverbraucher, die bislang nicht über Transportrouten in Form von Erdgasleitungen miteinander verbunden waren, zusammenrücken. Von den im Jahr 2010 weltweit verbrauchten rund 3.000 Milliarden m³ Erdgas wurden ca. 304 Milliarden m³ in Form von LNG geliefert. Dies entspricht einem Anteil von rund 10 Prozent. LNG-Lieferungen nach Europa kontinuierlich gestiegen Für die europäische Erdgasversorgung stellt LNG mit Blick auf eine weitere Diversifizierung der Quellen, Lieferpartner und Transportwege eine echte Alternative dar. So sind die LNG-Lieferungen nach Europa in den letzten drei Jahren kontinuierlich gestiegen. 2010 betrugen diese bereits rund 82 Milliarden m³. Dies entspricht einem Anteil von rund 16 Prozent am europä­ ischen Gasverbrauch. Die größten Abnehmer von LNG sind Län-

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der, die keine bzw. nur eingeschränkte Möglichkeiten haben, die Erdgasversorgung über Rohrleitungen zu gewährleisten. Zu diesen gehören unter anderem Japan, Südkorea und China. In Europa zählen Spanien, Frankreich, Italien und Großbritannien zu den wichtigsten LNG-Importeuren. Katar ist größter Produzent von LNG Neben Lieferländern wie Algerien, Indonesien, Malaysia, Australien, Ägypten, Nigeria und Trinidad & Tobago ist das Emirat Katar der größte Produzent und Exporteur von LNG. Mit ca. 1,7 Mio. Einwohnern – davon lediglich rund 250.000 Staatsbürger – ist das Land ein Emirat der arabischen Halbinsel. Geführt wird Katar seit 1972 vom Herrschaftshaus der Al-Thani Familie. Unter der Herrschaft von Scheich Hamad Bin Khalifa Al-Thani – seit 1995 an der Macht – fanden erhebliche Investitionen und ein rascher Auf- und Ausbau der Erdöl- und Erdgasförderung katarischer Vorkommen statt. Katar wurde damit binnen kürzester Zeit zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt. Heute stammt mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes aus dem Erdöl- und Erdgassektor. Aktuellen Schätzungen zu Folge verfügt Katar über Erdgasreserven in Höhe von rund 25.000 Milliarden m³ und hat damit hinter Russland und dem Iran die weltweit drittgrößten Erdgasreserven. Rasantes Wachstum der Erdgasförderung Sämtliche Erdgasreserven Katars befinden sich im Offshore North Field. Das North Field wurde 1971 entdeckt und liegt im


Foto: © Carabay – Fotolia.com

medium gas 2 | 2011

LNG Tanker mit einer Ladekapazität von 87.500 bis 154.600 m3 gelten heute als Standardgröße. Die „Q-Max-Tanker“ aus Katar können sogar bis zu 266.000 m3 LNG transportieren.

Persischen Golf vor der Küste Katars. Es bildet zusammen mit dem iranischen South Pars Field das größte Erdgasfeld der Welt. Etwa 14 Prozent aller weltweit bekannten Erdgasvorkommen liegen hier. Die Förderung des Erdgases begann erst im Jahr 1989. 2010 lag sie bei ca. 117 Milliarden m³. 2005 verhängte Katar ein Moratorium zur weiteren Erschließung der Vorkommen bis 2014. Anschließend soll in einer Studie der Zustand des North Field evaluiert und darauf aufbauend die Strategie für die nächsten 20 Jahre abgeleitet werden. Bereits 1991 – zwei Jahre nach der ersten Förderung von katarischem Erdgas – wurde mit dem Bau von Anlagen zur Verflüssigung begonnen. Exportiert wurde LNG erstmals im Jahr 1997. Seither hat die LNG-Produktion eine rasante Entwicklung genommen. Im Dezember 2010 fand die offizielle Einweihung der vorerst letzten LNG-Produktionsanlage statt. Nunmehr verfügt Katar über eine jährliche LNG-Produktionskapazität von rund 107 Milliarden m³ an verflüssigtem Erdgas. Dies macht Katar offiziell zum weltweit größten LNG-Produzenten. Unternehmensstruktur im LNG-Bereich Die staatliche Qatar Petroleum ist als integriertes Energieunternehmen für alle Upstream- und Downstream-Aktivitäten zuständig. Für den raschen Auf- und Ausbau des Erdgassektors sorgten internationale Energiekonzerne wie ExxonMobil, Shell, ConocoPhillips und Total. Sie beteiligten sich an den im LNG-Bereich dominierenden staatlichen Unternehmen Qatargas Liquefied

Gas Company Ltd. und RasGas Company Limited sowie am Bau und dem Betrieb der Verflüssigungsanlagen. Um den eigenen Einfluss zu wahren, hält Katar in jedem Konsortium der insgesamt 14 Verflüssigungsanlagen einen Anteil von mindestens 65 Prozent. Mobilität der Zukunft durch GtL Relativ neu ist die Umwandlung des Erdgases in umweltfreundliche Ersatzprodukte wie Diesel oder Schmierstoffe (sog. Gas-to-Liquids, GtL), die unter anderem im Transport- und im Luftverkehr als Antriebsstoff oder als Einsatzstoffe in der verarbeitenden Industrie angewendet werden. Im ersten Halbjahr 2011 wird die weltgrößte GtL-Anlage mit einer täglichen Kapazität von 140.000 Barrel GtL die Produktion aufnehmen. Gemeinsam mit Shell wurde die Anlage für rund 19 Mrd. USDollar (14 Mrd. Euro) errichtet. Fazit Der weitere wirtschaftliche Aufstieg Katars scheint bereits heute gesichert. Durch Erforschung und Entwicklung umweltfreundlicher Kraftstoffe setzt das Land ein nachhaltiges Zeichen und gilt damit als Pionier bei der Entwicklung klimaschonender Mobilitätsstrategien. Lesen Sie auf den folgenden Seiten in einem Interview mit S. E. Abdulrahman bin Mohammed AlKhulaifi, dem Botschafter Katars in Deutschland, und Michael Ludwig, VNG-Vorstand Gasbeschaffung, was das Emirat Katar auszeichnet und welchen Stellenwert Deutschland für die Entwicklung des Landes besitzt.

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Umschau

Interview

„LNG ist eine interessante Option.“ medium gas sprach mit dem Botschafter des Staates Katar, S. E. Abdulrahman bin Mohammed Al-Khulaifi, und Michael Ludwig, VNG-Vorstand Gasbeschaffung, über die Rolle Katars als weltgrößter Exporteur von LNG und die Beziehungen zu Deutschland.

Foto: Botschaft des Staates Katar in Deutschland

europäische Staaten planen den Import von LNG aus Katar.

S. E. Abdulrahman bin Mohammed Al-Khulaifi

Exzellenz, in den letzten Jahren hat Katar seine Kapazitäten für Produktion und Verflüssigung von Erdgas massiv auf nunmehr 77 Millionen Tonnen pro Jahr ausgebaut und ist damit heute weltweit größter Produzent von LNG. Wo liegen die Anfänge dieser Erfolgsgeschichte? Botschafter: Erkundungsingenieure entdeckten 1971 vor der Nordostküste Katars Erdgasvorkommen. Das North Field ist das weltweit größte Gasfeld. Es erstreckt sich über eine Fläche von 6.000 Quadratkilometern. Welches sind die wichtigsten Kunden Katars in Bezug auf den LNG-Export? Botschafter: Japan, Südkorea, Taiwan, China, Indien sowie Belgien gehören zu den größten Abnehmern unseres Erdgases. Großbritannien und viele andere 36

Deutschland ist in dieser Aufzählung nicht explizit genannt. Ist der Bezug von LNG für deutsche Gasimporteure nicht interessant? Michael Ludwig: Doch, das ist er. LNG stellt eine interessante Option zur weiteren Diversifizierung der deutschen Erdgasbezüge dar und kann zur Erhöhung der Versorgungssicherheit unserer heimischen Industrie und der deutschen Privathaushalte beitragen. Da das Erdgas in verflüssigter Form per Schiff transportiert wird, können neue Transportwege und damit auch neue Lieferquellen für Deutschland erschlossen werden. LNG-Mengen für den deutschen Markt stehen allerdings in einem starken Wettbewerbsverhältnis zu den herkömmlich nach Deutschland gelieferten Erdgasmengen, also dem Pipelinegas. Wie sehen Sie die Chancen, Deutschland und seine gasimportierenden Unternehmen langfristig als Kunden gewinnen zu können? Botschafter: Deutschland zählt zu unseren guten Partnern. Innerhalb eines Jahres haben wir es geschafft, unsere Verbindungen im politischen und wirtschaftlichen Bereich zu stärken. Wir sind daran interessiert, mit deutschen Gasunternehmen zu kooperieren. Katar ist ein Partner, auf den sich Deutschland verlassen kann. Wir

wissen, dass Deutschland, welches einen Großteil seines Erdgasbedarfs aus Russland deckt, zusammen mit der EU auf der Suche nach anderen Quellen ist. Welche Bedeutung hat LNG, wenn es um die langfristige Gewährleistung einer sicheren Erdgasversorgung Europas geht? Michael Ludwig: Es ist davon auszugehen, dass die Erdgasversorgung Europas auch in naher Zukunft zu einem Großteil von Russland und Norwegen sichergestellt wird. Voraussetzung dafür sind allerdings wirtschaftlich angemessene Konditionen zu denen der Bezug erfolgt. Zu hohe Preise würden eine erfolgreiche Vermarktung dieser Mengen unmöglich machen. In der Frage des Preises kann gerade LNG eine entscheidende Rolle spielen. So ist zu erwarten, dass LNG u. a. aufgrund des weltweiten Ausbaus von Verflüssigungskapazitäten und einem weitgehend importunabhängigen US-amerikanischen Markt weiterhin in ausreichendem Maße für Europa zur Verfügung stehen wird und dabei die Rolle des „Pricemakers“ einnehmen kann. Welche Absichten hat VNG mit Blick auf den Bezug von LNG? Michael Ludwig: LNG ist eine interessante Option. Es ermöglicht sogar eine Diversifizierung in mehrfacher Hinsicht: Diversifizierung der Transportwege, der Bezugsquellen und der Bezugspunkte. Insbesondere letzteres ist für VNG vor


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EUROPA

LNG ermöglicht den wirtschaftlichen Transport über weite Strecken. Damit kann Europa aus weit entfernten Erdgasvorkommen, wie beispielsweise denen aus Katar versorgt werden.

Katar

dem Hintergrund unseres angestrebten verstärkten Ausbaus unserer ausländischen Handelsaktivitäten von besonderem Interesse. Kurz- bis mittelfristig sind wir zunächst an der Lieferung von Spotcargos, d. h. von Mengen auf kurzfristiger Basis, interessiert und führen dazu entsprechende Verhandlungen mit verschiedenen LNG-Produzenten und -händlern. Mittel- bis langfristig kommt für uns auch ein langfristiger Bezugsvertrag in Betracht. Katar hat gemeinsam mit Shell eine Anlage zur Herstellung von sog. Gas-toLiquids-Produkten (GtL) gebaut. Qatar Airways nutzt schon heute einen 50%igen Anteil von GtL in ihrem konventionellen, ölbasierten Flugzeugtreibstoff. Wie sind die Aussichten für GtL? Botschafter: Katar widmet sich dem Schutz des Weltklimas, in dem wir auf den internationalen Märkten umweltfreundliches GtL anbieten. Ich glaube, dass Qatar Airways mit dem Treibstoff, den sie in ihren Flugzeugen nutzen, auch als gutes Beispiel für andere Airlines dienen kann. Katar befindet sich in einem permanenten Veränderungsprozess. Welche Projekte werden innerhalb des Landes als besonders wichtig erachtet? Botschafter: Katars Bereitschaft, Projekte zu begleiten, von denen die katarische Bevölkerung profitiert, kennt keine Grenzen. Wir werden unsere Infrastruktur erneuern

men sehr. Vor kurzem war der katarische Finanzminister zu Besuch in Berlin und hat verkündet, dass Katar bereit ist, seine Investitionen in die deutsche Wirtschaft weiter auszubauen.

Michael Ludwig

und verbessern, nicht nur im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2022. So sind unter anderem der Bau der Stadien, Stadt- und Eisenbahnprojekte und auch eine Brücke zur Verbindung Katars mit Bahrain geplant. Ich glaube nicht, dass sich an dieser Entwicklung in den nächsten zehn Jahren etwas ändern wird. Katar hat vor kurzem angekündigt, Aktien des deutschen Baukonzerns Hochtief zu kaufen. 2009 erwarb Katar einen Anteil an Porsche. Diese Investitionen lassen auf eine hohe Wertschätzung deutscher Unternehmen seitens Katars schließen. Botschafter: Als Katar sich dafür entschied, in den deutschen Automobilsektor zu investieren, waren wir uns des weltweit guten Rufes dieser Branche bewusst. Katar schätzt deutsche Unterneh-

Welche Beziehungen pflegt VNG zu katarischen Vertretern des politischen und wirtschaftlichen Lebens? Sind bereits gemeinsame Projekte geplant? Michael Ludwig: VNG pflegt gute Kontakte nach Katar. Seit etwa zwei Jahren führen wir regelmäßige Gespräche mit Katars Erdgaslieferanten über einen Bezug von LNG und tauschen uns dabei auch über aktuelle Marktentwicklungen und -prog­ nosen aus. Darüber hinaus ist mir der persönliche Kontakt zu den politischen Vertretern des Staates Katar sehr wichtig. Mit dem Botschafter in Deutschland, S. E. Abdulrahman bin Mohammed Al-Khulaifi, habe ich ein ausgesprochen offenes und sehr angenehmes Gesprächsverhältnis. Bei verschiedenen Anlässen, wie etwa dem Staatsbesuch des Emirs des Staates Katar in Deutschland im vergangenen Jahr, habe ich mich wiederholt mit dem ehemaligen Energieminister, S. E. Abdullah Bin Hamad Al-Attiyah und seinem Nachfolger, S. E. Mohammed Saleh Al-Sada, getroffen. Konkrete Projekte mit Katar sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nicht geplant. Exzellenz, Herr Ludwig, wir danken Ihnen für das Gespräch. 37


Umschau

40 Jahre norwegisches Erdöl-Abenteuer

Der Auftrag lautete: Einen Artikel über Leben und Arbeiten auf einer Bohrinsel. Wir luden die beiden Bohrinselveteranen Jonny (62) und Rudi (47) zum Interview ein und bereiteten eine ganze Reihe von Fragen vor. Diese Fragen brauchten wir aber nie zu stellen. Wir hatten nicht mal die Gelegenheit dazu. Kaum hatten wir uns hingesetzt, da flossen die Geschichten von alleine. Wir wurden zu faszinierten und fleißig notierenden Zuhörern. Es ist die Rede von harter Arbeit und schwierigen Bedingungen, aber beide Männer blicken stolz und mit glänzenden Augen auf diese vergangenen Zeiten zurück.

von Marleen Laschet, VNG Norge

Foto: VNG Norge

Jonny und Rudi haben teilweise zu unterschiedlichen Zeiten auf Bohrinseln vor der Küste Norwegens gearbeitet. Heute sind beide für die VNG Norge tätig. Rudi ist als Leiter Bohrung und Bohrplanung angestellt und arbeitet in Oslo, Jonny ist einer unserer festen Berater und wohnt in Stavanger. Der Schwede Jonny Heldenius ist gelernter Wirtschaftler vom Frans Schartaus Handelsinstitut in Stockholm. 1973 kam er nach Norwegen um Arbeit zu suchen. Es war der Anfang des Erdöl-Abenteuers auf dem norwegiJonny Heldenius schen Kontinentalschelf, und Jonny versuchte sein Glück auch offshore. Dort konnte man damals als junger Hilfsarbeiter 50 Prozent mehr verdienen, als in einem Büro als Wirtschaftler. Noch dazu brauchte man weder Ausbildung noch Erfahrung, um offshore zu arbeiten. Ein 38

einfaches Gesundheitszeugnis genügte. Es gab damals auch gar keine ordentliche Ausbildung. Man fing ganz unten an und stieg allmählich auf. Was als kurze, abenteuerliche Probe gedacht war, wurde für Jonny zu 24 Jahren Bohrinselarbeit. Jonnys erster Bohrinselaufenthalt war im Auftrag der amerikanischen Firma Moran Brothers und dauerte acht Tage. Seine Aufgaben bestanden hauptsächlich aus dem Reinigen von Bohrleitungsverkleidungen, Anstreichen sowie dem Entgegennehmen von Containern der Anlieferschiffe. Heute würde man „Roustabout“1 sagen. Jonny machte sehr schnell Karriere. Schon bei seinem zweiten Aufenthalt war er zum sogenannten „Roughneck“2 aufgestiegen, zum Bohrungsdeckarbeiter, der Rohrverkopplungen montiert. Damals geschah das alles noch vorwiegend manuell. Es war ein gefährlicher Job und Sicherheitsmaßnahmen gab es kaum. Beim Gedanken an diese Zeit blickt Jonny auf seine Hände: „Es ist ein kleines Wunder, dass ich noch alle zehn Finger habe. Vielen „Roughnecks“ wurden damals nach Unfällen Finger am-

Foto: Christoph Busse

Das Leben auf einer Bohrinsel

putiert – sie arbeiteten aber weiter auf der Bohrinsel, mit Fingerstummeln. Mit der Sicherheit hat man es wirklich nicht sehr ernst genommen.“ Damals wurde auch auf dem Bohrdeck geraucht. Bereits ab vier Uhr morgens gab es regelmäßig jemanden, der schon mit dem Rauchen angefangen hatte. Das ganze Zimmer wurde schnell verqualmt – für viele sicher ein anstrengender Tagesanfang. Malochen auf der Bohrinsel „Häufig wurde man schon nach drei Stunden wieder geweckt und musste ohne zu murren aufstehen, um mitzuhelfen. Solche Arbeitsverhältnisse waren natürlich sehr anstrengend. Heute sind sie verboten. Aber es hat immerhin bis in die 1990er Jahre gedauert, bis die norwegischen Behörden mit der Einführung von Stundenlisten die Arbeitszeiten neu regelten. Wer zu viele Stunden nacheinander gearbeitet hatte, wurde an Land geschickt.“ Auch 48-Stunden-Schichten waren keine Seltenheit. Erst nach einigen ernsthaften Unfällen fing man an, die Sicherheit


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Insgesamt 53 Anlagen zur Öl- und Gasexploration und -produktion liegen im Kontinentalschelf vor der Küste Norwegens. In den nächsten Jahren werden weitere hinzukommen.

1975 wurde Jonny „Derrickmann“3 auf der Ekofisk Delta, von 1976 bis 1977 war er Kernbohrer bei Christensen Diamonds (heute Baker Hughes) in Stavanger. Zwischendurch absolvierte er ein Studium  – die Ausbildung fand zeitweise offshore, zeitweise an Land, unter anderem in den Niederlanden statt. Jonny hat auch auf deutschen Anlagen gearbeitet, unter anderem in BochumHövel. Die Unterkunft dort bestand aus einer Art Parkbank als Bett, die Dusche glich einem Gartenschlauch, der durch eine durchlöcherte Konservenbüchse geleitet wurde. Dort war es auch keine Ausnahme, 28 Tage nacheinander 24-Stunden-Wache zu halten. 1984 brachte Jonny es zum Bohrleiter bei Statoil. Ausbildung und Sicherheit Es hat sich viel geändert, seit Jonny als Hilfsarbeiter anfing. Die Arbeit wurde nach und nach komplizierter, so auch die Ausrüstung. Wo man früher als Unausgebildeter einfach in der Kneipe zum Bohrinselarbeiter geworben wurde, ist das jetzt undenkbar. Jeder, der auf der

Bohrinsel arbeitet, hat eine spezifische Fachausbildung. Außerdem sind die Mitarbeiter auch rechtlich viel besser geschützt. Es gibt streng geregelte Abkommen, Betriebsräte und „Verneombud“4. Nach dem Kentern der Bohrinsel Alexander L. Kielland im Jahr 1980, bei dem es insgesamt 123 Tote gab, änderten sich die Arbeitsbedingungen abrupt. Nun kam es endlich zur Einführung strengerer Sicherheitsvorschriften. Auch die Pflichtausbildung wurde immer umfassender. So bot Statoil ihren Mitarbeitern nun eine sehr gute Weiterbildung an, vergleichbar mit einem Ingenieur- Rudi Høksnes studium. Rudi Høksnes, Jahrgang 1964, absolvierte in Stavanger ein Studium zum Erdöl-Ingenieur. Nebenbei arbeitete er abends und am Wochenende als Busfahrer und Physiklehrer. Dadurch brauchte er sechs Jahre für das dreijährige StudiFoto: VNG Norge

an Bord der Bohrinseln ernst zu nehmen. Heute arbeitet man an Bord in der Regel zwei Wochen lang in 12-Stunden-Schicht und hat dann vier Wochen frei. Mit dem Komfort war es damals auch so eine Sache. Man übernachtete in einer 4- bis 8-Mann-Kabine. Damals haben noch keine Frauen auf den Bohrinseln gearbeitet. Es gab nur halb so viele Betten, wie Mannschaft an Bord. Auch die Betten wurden in zwei Schichten benutzt. Da das Bett nach dem Schichtwechsel von einem Kollegen benutzt werden sollte, mussten die persönlichen Gegenstände immer wieder zur Seite geschoben werden. Duschen und Toiletten gab es nur auf dem Flur – eine Tür hatten sie nicht. Heute gibt es auf den Bohrinseln auf dem norwegischen Kontinentalschelf nur noch Einzelkabinen mit eigener Toilette und Dusche. Auf älteren Bohrinseln hat man einfach Zwischenwände eingebaut. Die Kabinen sind zwar klein, aber die „eigenen“ vier Wände gewährleisten doch ein Minimum an Privatleben. Diese Maßnahme hat die Lebensqualität auf den Bohrinseln sehr verbessert und zur Zufriedenheit unter den Mitarbeitern geführt.

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Foto: Statoil

Foto: Christoph Busse

Umschau

Früher brachte die Arbeit vor allem enorme körperliche Anstrengungen mit sich.

um. Aber das nimmt Rudi sehr gelassen: „Alles nützliche Erfahrung, sowohl für die Arbeit, wie auch fürs Leben.“ 1988 bekam Rudi seinen ersten Job auf einer Bohrinsel, als Mitglied der Bohrcrew. Damals verlief das Leben im Elf-WochenTakt: vier Wochen arbeiten, sieben Wochen frei. Die Familie und die „Offshore-Welt“ Die Herausforderungen des Alltagslebens beschränkten sich nicht auf den Arbeitsplatz. Der Rhythmus „zwei Wochen Bohrinsel, vier Wochen frei“ ist auch jetzt noch eine Zumutung für eine Familie. In den 70er Jahren war das aber noch schlimmer. 1975 lernte Jonny in Stavanger seine norwegische Frau kennen. Vier Kinder haben sie, aber Jonny hat damals nicht sehr viele Windeln gewechselt. Auch mit Rücksicht auf die Liebe ist dieser Job nicht gerade optimal. „Abends um 23 Uhr konnte man zum Beispiel angerufen werden und Bescheid bekommen, dass man am nächsten Morgen um sieben Uhr bereit zu stehen hatte. Außerdem wusste man nie, wann genau man zurückkehren würde. Man konnte also 40

Heute gleichen viele Arbeitsplätze eher denen moderner Rechenzentren.

getrost vergessen, ein gemütliches Wochenende mit seiner Liebsten zu planen.“ „Man führt ja eigentlich ein Doppelleben“, sagt Rudi. „Einerseits gibt es die Bohrinsel, wo man sich total auf die Arbeit konzentriert. Danach ist man wochenlang Familienvater. Ich habe immer das Gefühl gehabt, einen Schalter umzulegen. Sobald ich auf der Bohrinsel ankam, war die Familie zwar nicht vergessen, aber irgendwie doch mental weit weg. Umgekehrt aber auch: In der wochenlangen Pause war ich ganz und gar für die Familie da.“ Ab und zu konnte Rudi zu Hause so gut abschalten, dass er gar nicht mehr wusste, auf welcher Bohrinsel er gewesen war. Nicht mal mit wem oder mit welcher Ausstattung er am vorigen Tag gearbeitet hatte. „Also nichts mit wilden Strohwitwer- oder Junggesellengeschichten?“ Beide Männer schmunzeln. „Naja, es gab schon eine jugendliche Zeit, wo 70 Prozent der Freizeit an Wein, Weib und Gesang ging. Aber das ist lange her“, beteuert Rudi. „Meine Frau hat sich einmal besonders stark darüber beschwert, dass ich wo-

chenlang weg war“, erzählt Rudi. „Da hat meine Oma mich verteidigt und meiner Frau streng zugesprochen: „Du weißt gar nicht, wie gut es dir geht!“ Seine Großmutter hat darauf hingewiesen, wie der Großvater sie und ihre kleinen Kinder monatelang alleine zu Hause ließ, um am Walfang teilzunehmen. Er fuhr im Oktober los und kam erst im Mai wieder zurück. Nach dieser Geschichte hat Frau Høksnes sich nicht wieder beschwert – „jedenfalls nicht laut“, grinst Rudi. Ansonsten ist das Gesellschaftsleben für Bohrinselmitarbeiter auch eine Herausforderung. Mit diesem Arbeitsrhythmus ist es schwierig, in einem Verein tätig zu sein. Auch Freundschaften muss man ganz anders pflegen. Leckeres Essen Die Bohrinselkantinen gelten mitunter als die besten Restaurants Norwegens. Aufgrund der Schichtarbeit sind sie rund um die Uhr geöffnet. Über das Essen kommt von beiden ausschließlich Lob. Obwohl die Qualität selbstverständlich unterschiedlich war, je nachdem auf welcher Bohrinsel sie sich befanden, sind beide


Foto: Christoph Busse

Foto: Christoph Busse

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Die Bohrinselköche versorgen die Arbeiter rund um die Uhr mit ausgezeichnetem Essen.

Die Arbeit auf einer Plattform verlangt stets ein hohes Maß an Konzentration.

sich darüber einig, dass die kulinarischen Erlebnisse stets ausgezeichnet waren. „Selbst auf den schlimmsten Plattformen gab es immer Speisekarten mit einigen Variationen, wie zum Beispiel Pfannkuchen, gebratene und gekochte Eier, Brot und einen Haufen von Aufschnitt“, sagt Rudi begeistert und meint weiter: „Ich habe oft Steak zum Frühstück gegessen!“ Unterernährt sieht Rudi auch heute nicht aus. Aber wir bekommen schon entschieden das Gefühl, dass im Hause Høksnes morgens keine Steaks gebraten werden. Neben dem guten Essen haben die Bohrinseln heutzutage auch sehr angenehme Aufenthaltsräume, wo sich die Mitarbeiter zwischen den Schichten entspannen können. Es wird gespielt, es wird Sport getrieben und es werden Filme geschaut. Die Bohrinseln sind immer noch stark von Männern dominiert, obwohl sich in den letzten Jahren doch einiges geändert hat – „zum Guten“, meint Rudi. 1995 hat er auf der Ekofisk Alta Weihnachten gefeiert. Es war keine einzige Frau anwesend, was dazu führte, dass alle ganz schlampig zu Tisch kamen. Für wen hätte man sich auch

schick anziehen sollen? „Das Arbeitsklima wird mit Frauen viel gemütlicher und mit vielen Frauen an Bord pflegen sich sogar die Arbeiter jeden Tag viel besser“, erklärt Rudi. „In Großbritannien gibt es auf den Bohrinseln fast überhaupt keine Frauen. Das sieht man sofort, wenn man dort ankommt. Das riecht man sogar!“ Vielseitige Führungsrolle Die Herausforderungen eines Bohrinselchefs können schnell unterschätzt werden. Einerseits darf man nicht zu sehr als „Kumpel“ von den Angestellten angesehen werden, weil man manchmal auch strenge Anweisungen geben muss. Andererseits ist es dringend notwendig, dass man gut miteinander klar kommt, sonst wird man den Job nicht meistern können. „Im Laufe eines einzigen Jahres bin ich auf neun unterschiedlichen Bohrinseln gewesen. Ich musste mich wie ein Chamäleon an jede Umgebung genau anpassen, um mit allen zusammen arbeiten zu können“, berichtet Rudi. Auf der einen Plattform gingen die Gespräche um Frauen und Bier, auf der anderen wurde über Mozart und Munch

diskutiert. Was für Menschentypen sich auf einer bestimmten Bohrinsel befanden, war nie vorauszusehen. Wenn die Chemie zwischen dem Chef und den Angestellten irgendwie nicht gut war, gab es definitiv Probleme. Ob sie wieder zurück offshore arbeiten würden, wenn sie die Gelegenheit bekämen? „Ach nee, diese Zeiten sind vorbei.“ Sie fahren immer gerne mal wieder hin, was ja auch in ihren heutigen Funktionen manchmal notwendig ist – zum Beispiel, wenn die VNG Norge eine Explorationsbohrung vornimmt. „Immer wieder schön, nochmal die Atmosphäre mitzubekommen und die technische und soziale Entwicklung zu betrachten. Aber ansonsten ist das jetzt ein Stück Nostalgie, wenn wir so erzählen.“ Wer mehr wissen möchte, komme nach Oslo oder Stavanger, lade Rudi oder Jonny auf ein Bier ein, lehne sich zurück und genieße. Beide haben ganz bestimmt noch viele Geschichten auf Lager. 1. Hilfsarbeiter 2. Bohrarbeiter auf einer Bohrinsel 3. Bohrturmarbeiter 4. Arbeitsschutzbeauftragter

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Umschau

EU-Energiepolitik

Viele Aufgaben für den neuen Europäischen Energieregulator Mit der Verabschiedung des 3. Energiebinnenmarktpakets auf EU-Ebene wurde neben der Einführung von Vorschriften zum sogenannten „ownership unbundling“ und zur Neuregelung von Gas- und Stromnetzzugang auch eine neue europäische Energieregulierungsbehörde namens ACER („Agency for the Cooperation of Energy Regulators“) ins Leben gerufen. ACER trat im „Energiealltag“ bis dato nur wenig in Erscheinung. Dies wird sich allerdings rasch ändern.

von Dr. Ralf Pastleitner, VNG Langwieriger Startup-Prozess Die Gründung von ACER ist zwar schon im 3. Energiebinnenmarktpaket des Jahres 2009 angelegt, aber aufgrund des langwierigen Startup-Prozesses konnte die Agentur schließlich erst zu Beginn des Jahres 2011 ihren Dienst aufnehmen. Überdies waren sich die Mitgliedstaaten lange uneinig, wie weitreichend die Kompetenzen der Behörde tatsächlich sein sollten. Sitz von ACER ist Ljubljana in Slowenien. Auch der Auswahl des Standortes ging ein „Rennen“ zwischen drei Städten aus den „neuen“ Mitgliedstaaten voran, da neben Ljubljana noch Bratislava und Bukarest als Sitz im Gespräch waren. ACER ersetzt ERGEG ACER ersetzt ERGEG, die Gruppe der europäischen Regulierungsbehörden für Elektrizität und Erdgas. Seit 2003 sollte ERGEG die Konsultation, Koordination und Kooperation zwischen den nationalen Regulierungsbehörden sowie zwischen diesen Behörden und der Kommission erleichtern und damit den Elektrizitäts- und den Erdgasbinnenmarkt festigen. ERGEG setzte sich aus 42

Vertretern der nationalen Regulatoren zusammen. ACER hingegen wurde als unabhängige Behörde konzipiert. ACER hat vielfältige Aufgaben zu bewältigen Hauptaufgabe von ACER ist die Unterstützung der nationalen Regulierungsbehörden – auf EU-Ebene – bei deren regulatorischen Aktivitäten in den Mitgliedstaaten sowie, falls notwendig, deren Koordinierung. Die Mitgliedstaaten sollen zum Erreichen der Ziele der Energiepolitik der EU eng zusammenarbeiten und die Hemmnisse für den grenzüberschreitenden Austausch von Elektrizität und Erdgas aus dem Weg räumen. Unter diese sehr allgemein gehaltene Aufgabenbeschreibung fällt allerdings eine Vielzahl an größeren und kleineren Tätigkeiten: So zählen unter anderem die Überwachung des Gas- und Strombinnenmarktes, die Zusammenarbeit mit den

ENTSOs1 für Strom und Gas , die Durchführung von öffentlichen Konsultationen mit Marktteilnehmern zu anstehenden Regulierungsvorhaben sowie die Abgabe von Empfehlungen, Stellungnahmen und Entscheidungen im Zusammenhang mit der Umsetzung von Vorgaben des 3. Energiebinnenmarktpakets zu den Aufgaben der neuen Agentur. Große Bedeutung trotz geringer Kompetenzen In sehr wenigen Fällen kommt der Agentur allerdings echte Entscheidungsgewalt zu. Hier konnten sich die Mitgliedstaaten nicht zu einer größeren Machtfülle für ACER zu Lasten der nationalen Regulatoren durchringen. Dennoch wird ACER in Zukunft eine nicht zu unterschätzende Rolle im europäischen Erdgas- und Strommarkt spielen. Da das Personal von ACER zum überwiegenden Teil aus kompetenten

ACER im Überblick Sitz Ljubljana, Slowenien | Mitarbeiter 50 (geplanter Stand bis 2013) | Direktor Alberto Pototschnig (Italien), berufen zunächst für 5 Jahre | Gründung 2009 im Zuge der Verabschiedung des 3. Energiebinnenmarktpakets der EU | Offizielle Aufnahme des Betriebs 3. März 2011 | Hauptaufgaben EU-weite Aufsicht über die nationalen Energiebehörden und Koordination deren nationaler Regulierungstätigkeit, Beseitigung technischer Hürden im grenzübergreifenden Energiehandel


Foto: Nebojša Tejić/STA/Cabinet of Prime Minister

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Der slowenische Ministerpräsident Borut Pahor und Alberto Pototschnig, Direktor von ACER bei der Schlüsselübergabe im März 2011.

Energieexperten besteht, erwartet sich die Europäische Kommission zu Recht fundierte Stellungnahmen und Empfehlungen, um das übergeordnete Ziel eines vollendeten Energiebinnenmarktes in Europa bis 2014 tatsächlich zeitgerecht erreichen zu können. Für Energiehändler wie VNG wird ACER beispielsweise als zentrale Reporting- und Informationssammelstelle für Transaktionsdaten im Erdgashandel große Bedeutung erlangen. Im Zuge der Erhöhung der Transparenz des Energiegroßhandels möchte die EU eine Verordnung beschließen, die Marktmissbrauch und Insiderhandel einen Riegel vorschiebt. Um der Agentur die dafür notwendige Übersicht über den Handelsmarkt zu ermöglichen, müssen die Energieunternehmen in Zukunft vermutlich größere Datenmengen an ACER übermitteln. ACER soll diese Daten dann auswerten und im Falle eines möglichen Verstoßes gegen die Regeln der neuen Verordnung die betroffenen Mitgliedstaaten verständigen. Diese können dann gegebenenfalls Sanktionen gegen die Unternehmen verhängen. Fazit Bei allen guten Intentionen, die zweifelsohne hinter dieser geplanten Regulierung

stehen, sollten jedoch keine neuen bürokratischen Hürden durch kompliziertes Reporting geschaffen oder durch eine zu umfangreiche Informationsabfrage legitime Wettbewerbsvorteile oder Geschäftsgeheimnisse der Unternehmen gefährdet werden. Hinweis: Eine Entscheidung der EU-Institutionen zur neuen Transparenzverordnung für den Energiegroßhandel wird für Herbst 2011 erwartet. Auch in nicht minder wichtigen Fragen wie der Zuweisung von Erdgastransportkapazitäten an Grenzübertrittspunkten in der EU, der Schaffung von Virtuellen grenzüberschreitenden Handelspunkten oder der Einführung eines europaweit einheitlichen Bilanzierungssystems im Gastransport wird die Meinung von ACER künftig verstärkt zu beachten sein. Abzuwarten bleibt, inwieweit die kleine Agentur in Slowenien der geballten Menge an Aufgaben, den großen fachlichen Anforderungen und vor allem den hohen Erwartungen der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten gewachsen sein wird und zur raschen Implementierung eines funktionierenden Erdgas- und Strombinnenmarktes in allen Mitgliedstaaten der EU beitragen kann. 1. Gemeint sind die europäischen Gas- und Stromnetzbetreiber.

Brüssel

Ljubljana

Unser Autor

Dr. Ralf Pastleitner, Leiter des Brüsseler Büros von VNG. ralf.pastleitner@vng.de

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Feature

Mehr Wissen. Mehr Können. Mehr Zukunft.

Foto: BASF AG

Das ist das Motto des „Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e. V.“ – einer Initiative von rund 80 deutschen Unternehmen und unternehmensnahen Stiftungen. Sie verfolgt das Ziel, kommende Generationen fit zu machen für die Zukunft. medium gas stellt die Arbeit der Wissensfabrik vor.

Beim Leuchtturmprojekt „Vom Klein-Sein zum Einstein“ wird die Neugier auf naturwissenschaftliche Phänomene geweckt.

Wissen ist Zukunft Im Jahr 2005 haben die Unternehmen BASF, Bosch, fischer, Follmann, KSB, ThyssenKrupp, TRUMPF, Voith und Wall die Wissensfabrik als gemeinnützigen Verein gegründet. „Da die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands überall dort gelegt wird, wo Menschen lernen, wollen wir Lust auf Zukunft machen und gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Akteuren die junge Generation für die Herausforderungen der Wissensgesellschaft rüsten“, so die Ideengeber der Initiative. Herausgekommen ist eine offene Plattform für Unternehmen aller Größen und Branchen, unternehmensnahe Stiftungen, Bildungseinrichtungen und Initiativen, die Wissen fördern und teilen möchten. Bis heute entstanden über 300 Projekte im Aus-, Weiterbildungs- und Hochschulbereich. Zudem wurden mehr als 2.000 Bildungspatenschaften zwischen Mitgliedsunternehmen und Bildungseinrichtungen geschaffen. So ist es den Mitgliedern der Wissensfabrik gelungen, bisher mehr als 440.000 Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland zu erreichen. Leuchtturmprojekte für Kinder und Jugendliche Sowohl Mitgliedsunternehmen als auch wissenschaftliche Kooperationspartner und Bildungsexperten bringen Projekte in 44

die Wissensfabrik ein. Aus diesem Projektpool entwickelt die Wissensfabrik gemeinsam mit wissenschaftlichen Institutionen praxisbewährte Modellprojekte. Mittlerweile sind eine Vielzahl von themenbezogenen und wissenschaftlich anerkannten Leuchtturmprojekten hervorgegangen, die sich jeweils an aktuellen Lehrplänen orientieren. Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit, mit alltagsnahen Experimenten die Begeisterung für naturwissenschaftliche und technische Phänomene zu entdecken. Zum Beispiel wird in dem Projekt „Erzählwerkstatt“ das Sprach- und Vorstellungsvermögen der Kinder durch das Erzählen von Fantasiemärchen vergrößert. Bei einem anderen Projekt „KIEWIS WIPS“ können Grundschüler im Schulalltag unternehmerisch tätig werden. Die Kinder entdecken Wirtschaft, das Klassenzimmer wird gegen das Büro bzw. die Fabrikhalle eingetauscht, um Einblicke in das Wirtschaftsleben zu erhalten. In Unternehmensplanspielen lernen Grundschüler spielerisch weitere Elemente des  Wirtschaftskreislaufs kennen. Der Forscherdrang für technische Zusammenhänge wird bei „KiTec“ mit einer eigens für den Schulunterricht entwickelten Werkzeug- und Materialkiste unterstützt. Demnächst startet auch das neue Leuchtturmprojekt „Energie“, in dem Kinder und Ju-


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Foto: BASF AG

Auch die VNG-Stiftung ist seit Juni 2011 Mitglied der Wissensfabrik. Zudem wurde Dr. Karsten Heuchert, VNG-Vorstandsvorsitzender, in den Lenkungskreis der Wissensfabrik berufen.

Mitgliedertag 2011: Ullrich Bingenheimer, KSB; Christian Greger, TRUMPF; Dr. Jürgen Hambrecht, Lenkungskreisvorsitzender der Wissensfabrik; Johanna Coleman, Vorstandsvorsitzende der Wissensfabrik; Dr. Thomas Rettich, TRUMPF; Prof. Dr. Ekkehard Schulz, ThyssenKrupp; Dr. Karsten Heuchert, VNG; Hermann Reichenecker, Storopack Hans Reichenecker GmbH (v. l. n. r.)

gendliche selbst Experimente zum Thema Energie durchführen werden. Dieses spezielle Leuchtturmprojekt wird von der VNGStiftung aktiv unterstützt. Jungunternehmer im Blick Die Wissensfabrik denkt auch an die Jungunternehmer von morgen. So werden Existenzgründer mit einem eigens entwickelten

medium gas sprach mit Dr. Karsten Heuchert, VNG-Vorstandsvorsitzender, über die Arbeit der Wissensfabrik. Wieso engagieren Sie sich in der Wissensfabrik? Kinder sind unsere Zukunft. Die Herangehensweise der Initiative hat mich sehr überzeugt. Gerade durch spielerische Ansätze lässt sich bei Kindern die Lust auf Bildung wecken.

Welche Rolle wird das Thema Bildung zukünftig spielen? Wir wissen, dass große demographische Probleme auf uns zu kommen. Die junge Generation hat die große Verantwortung, Deutschland wirtschaftlich stark zu halten. Bildung ist dafür der Schlüssel allen Erfolgs.

Mentorenprogramm bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützt. Das Projekt „Student2Start-up“ bietet Jungunternehmern zudem die Möglichkeit, ausgewählte Problemstellungen aus dem geschäftlichen Alltag zum Thema eines universitären Workshops zu machen. www.wissensfabrik-deutschland.de

Stirbt das Unternehmertum langsam aus? Da habe ich keine Sorge. Entscheidend wird sein, dass wir kommenden Generationen die Chance bieten, sich frei entfalten zu können. Auch VNG wird hier über ihre Stiftung ihren Beitrag leisten. Zudem rufe ich alle interessierten Unternehmen auf, sich bei der Wissensfabrik zu engagieren.

Dr. Karsten Heuchert

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Feature

Stadtansichten

10 Gründe, die thüringische Landeshauptstadt Erfurt zu besuchen. Erfurt „[…] liegt am besten Ort. Da muss eine Stadt stehen!“ So urteilte Martin Luther im 16. Jahrhundert. Knapp 500 Jahre später ist die größte Stadt Thüringens geprägt durch einen der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Deutschlands und steht für die Verbindung von Tradition und Moderne. Auch VNG ist seit Oktober 2010 mit einer Vertriebsdirektion in Erfurt vertreten.

1. Stadt der Brücken

3. Die Erfurter Puffbohne

Insgesamt 216 Brücken überspannen die Wasserläufe des Flusses „Gera“, kleinerer Ströme und des Flutgrabens entlang der alten Stadtmauer. Die wohl bekannteste Brücke ist die Krämerbrücke. Sie ist die einzige vollständig mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke nördlich der Alpen. Mit ihren sechs Gewölben überbrückt sie die Gera auf einer Länge von 79 Metern. Heute präsentieren sich in dieser einzigartigen Atmosphäre Galerien, Wein-, Musikund Antiquitätenhändler.

Mit der „Erfurter Puffbohne“ besitzt Erfurt wohl das kurioseste Stadtmaskottchen aller Zeiten. Das hellgrüne Wesen in Plüsch erinnert an die fruchtbaren Böden des Thüringer Beckens. Diese brachten seit jeher reiche Ernten ein. Insbesondere die hier geernteten Bohnen wurden als „aufgebuffte Bohne“ (große Bohne) bezeichnet. Daraus entwickelte sich über die Jahre der Begriff Puffbohne. Vor einigen Jahrzehnten wurde aus der geschichtsträchtigen Erfurter Puffbohne das Stadtmaskottchen. Es entstand eine Plüschbohne mit Gesicht. Im Jahr 2000 erfuhr die Puffbohne einen neuen Aufstieg. Seitdem ist die hellgrüne Plüschbohne nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken.

2. Altstadt und Fischmarkt Die Erfurter Altstadt gehört zu den größten Altstädten Deutschlands. Das Besondere: Die mittelalterlich geprägte Bausubstanz ist im Wesentlichen noch erhalten. Nach 1989 wurde sie nahezu komplett saniert. Der Fischmarkt gilt als historischer Mittelpunkt der Stadt. Wie der Name verrät, wurden einst auf dem Markt auch Fische gehandelt. Er war und ist Schnittpunkt der durch die Stadt führenden Handelsstraßen und somit Zentr­um des öffentlichen Lebens.

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4. Die Stadt der Feste Erfurt bietet zahlreiche Anlässe zum Feiern. Einer davon ist das Krämerbrückenfest, zugleich Thüringens größtes Altstadtfest. Tausende Besucher zieht es dann in die alten Gassen rund um die Krämerbrücke. Im August verzaubern die Domstufen-Festspiele die Landeshauptstadt. Vor der einzigartigen Kulisse des Domberges, ist das vom Theater Erfurt

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Foto: © KlausMJan – Fotolia

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veranstaltete Festival das Highlight des Thüringer Kultursommers, das nicht nur Zuschauer aus der Region begeistert, sondern zunehmend auch Gäste aus ganz Deutschland und Europa. Erfurt ist auch Stadt des Weines. Daher trifft man sich einmal im Jahr zum Weinfest, um die Trauben des Jahres zu verkosten. Der Jahreshöhepunkt ist zugleich der Jahresabschluss. So lädt der Erfurter Weihnachtsmarkt vor der Kulisse des Doms und der Severikirche zu einem der schönsten Märkte Deutschlands ein.

Foto: KI.KA

5. Erfurter Dom St. Marien und Severikirche Der Erfurter Domberg mit seiner unverwechselbaren Silhouette ist wohl das berühmteste Wahrzeichen der Stadt. Die den Domplatz beherrschende monumentale Baugruppe von Dom und Severikirche gilt als eine der gewaltigsten Bauschöpfungen des Mittelalters. Gegründet wurden die Vorgängerbauten beider Kirchen zu Zeiten der frühen christlichen Mission. Am Ort der ersten Bischofskirche baute man in romanischer und gotischer Zeit die Stiftskirche St. Marien, die seit 1994 zugleich Bischofskirche des neu gegründeten Bistums Erfurt ist.

6. Zentrum des Sports

Foto: © Volker Z – Fotolia.com

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Erfurt ist Sportstadt. Seit Mitte der 1980er Jahre ist Erfurt untrennbar mit dem Eisschnelllauf verbunden. Gunda Niemann-Stirnemann – die erfolgreichste Eisschnellläuferin aller Zeiten – kommt aus Erfurt. Moderne Sporteinrichtungen wie das Steigerwaldstadion, das Leichtathletik- und Eissportzentrum, der Olympiastützpunkt Thüringen sowie die Landesleistungszentren bieten talentierten Nachwuchssportlern optimale Entwicklungsmöglichkeiten.

7. Evangelisches Augustinerkloster Das Augustinerkloster zu Erfurt ist ein einmaliges Baudenkmal mittelalterlicher

Ordensbaukunst. Das Kloster ist als bedeutende Lutherstätte weltweit bekannt. Martin Luther lebte hier als Augustinermönch von 1505 bis 1511. Im Kloster befinden sich eine sehenswerte Dauerausstellung und eine einzigartige historische Bibliothek. Seit August 2004 führt das Kloster den Titel „Nationales Kulturdenkmal von besonderer kultureller Bedeutung“.

8. Einkaufen am Anger Der Anger ist der zentrale Platz im Südosten der Altstadt, zwischen Dom und Hauptbahnhof gelegen. Der langgestreckte Platz ist vor allem durch seine Randbebauung geprägt. Die Hauptpost im neugotischen Stil stammt aus dem Jahr 1895. Am Nord­ ende des Platzes finden sich Häuser aus dem 17. Jahrhundert. Das bekannteste Haus, die Einkaufsgalerie Anger 1, wurde zwischen 1906 und 1908 unter Leitung der Architekten Albert und Ernst Giese als Kaufhaus Römischer Kaiser am östlichen Ende des Angers errichtet.

9. Medienzentrum Erfurt ist Thüringens Medienstadt Nummer eins. Im MDR-Landesfunkhaus Thüringen entstehen Fernsehreportagen, Sport-, Kultur- und Unterhaltungssendungen. Neben privaten Rundfunksendern, dem MDR und dem ZDF-Landesstudio ist Erfurt auch die Heimat vom Kinderkanal. Von hier aus wird das beliebte Kinderprogramm von ARD und ZDF ausgestrahlt und bringt vom „Sandmännchen“ bis zu „Schloss Einstein“ täglich unterhaltsame Serien in Deutschlands Haushalte.

10. „Erfurt ist Papst“ Papst Benedikt XVI. wird im Rahmen seiner Deutschlandreise im Herbst auch Thüringen besuchen. Geplant ist die Ankunft in Erfurt am 23. September 2011 mit der Begrüßung im Dom und Gesprächen der Evangelischen Kirche im Augustinerkloster. Am 24. September wird eine heilige Messe auf dem Domplatz zu Erfurt stattfinden. 47


Feature

VNG-Bildungstour

VNG-Ausstellung Mauerfälle macht in Erfurt Station

Foto: Dirk Brzoska

Die Wanderausstellung „Mauerfälle“ war im Juni 2011 in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt zu Gast. Mit Erfurt machte die VNG-Bildungstour nunmehr an der 12. Station Halt. Grund genug für uns, eine kleine Bilanz zu ziehen.

Neubrandenburger Schüler beim Geschichtsunterricht am Mauerstück.

Die Stationen Leipzig, Chemnitz, München, Essen, Stavanger, Neubrandenburg, Frankfurt am Main, Dresden, Brüssel, Nordhausen, Lutherstadt Wittenberg und Erfurt. In all diesen Städten präsentierte die VNG-Bildungstour das von VNG im Rahmen ihrer Initiative „Verbundnetz für Demokratie und Toleranz“ im 20. Jahr der Friedlichen Revolution zu Gunsten der Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder e. V.“ erworbene Mauersegment. Zwölf Städte, oder anders ausgedrückt: Rund 6.190 km Wegstrecke, die seit Beginn zurückgelegt wurde. Die Unterzeichner Das Mauersegment ist das einzige seiner Art weltweit, welches von den „Drei Vätern der Einheit“ – Dr. Helmut Kohl, Michail Gorbatschow und George H. W. Bush – unterzeichnet wurde. Im vergangenen Jahr kamen zahlreiche Persönlichkeiten der Zeitgeschichte hinzu (siehe Infobox). Bildung zum Anfassen Das Mauersegment ist nicht nur ein Symbol der Deutschen Wiedervereinigung. Vor allem transportiert es die deutsche Geschichte in unsere Gegenwart. Im Rahmen der Bildungstour veranstalteten Schulklassen ihren Geschichtsunterricht „zum Anfassen“ direkt am Mauerstück. Der Künstler Michael FischerArt diskutierte mit Schülern sein eigens herausgebrachtes Buch „Der 9. Oktober 1989 – 21 Jahre danach“. Bestandteil der Bildungstour war zudem die Fotoausstellung „EAST – Zu Protokoll“. 48

In der von Kurator Frank-Heinrich Müller zusammengestellten Ausstellung sind einzigartige Momentaufnahmen aus den entscheidenden Monaten des Jahres 1989 dokumentiert. Schüler zu Gast in Leipzig Im Rahmen der Bildungstour nahmen zahlreiche Schüler am Schülerwettbewerb „20 Jahre Deutsche Einheit – Spurensuche in Neubrandenburg und Nordhausen“ teil. Als Sieger in diesem Wettbewerb sind je zwei Schulklassen aus Neubrandenburg und Nordhausen hervorgegangen. Auf die Schüler wartete je eine Klassenfahrt nach Leipzig. In der sächsischen Metropole bewegten sich die Jugendlichen auf den Spuren der Friedlichen Revolution. So besuchten sie neben dem Regelzentrum Gas bei VNG unter anderem auch das Zeitgeschichtliche Forum. Im Fokus des Forums steht die Erinnerung an Diktatur und Widerstand in der DDR. Auch die Teilnahme an einer DDR-Schulstunde im Leipziger Schulmuseum beeindruckte die Jugendlichen auf besondere Weise. www.mauerfälle.de Die Unterzeichner Stephan Bickhardt | George H. W. Bush | Dr. Heino Falcke | Dr. h. c. Joachim Gauck | Dr. h. c. Hans-Dietrich Genscher | Michail Gorbatschow | Katrin Hattenhauer | Dr. Helmut Kohl | Christoph Magirius | Dr. h. c. Lothar de Maizière | Frank Richter | Dr. Friedrich Schorlemmer | Werner Schulz | Dr. Rudolf Seiters | Prof. Dr. h. c. Horst Teltschik | Dr. Herbert Wagner | Lech Wałęsa | Christoph Wonneberger


medium gas 2 | 2011

Foto: Fotografie Balleis

Foto: EUROFORUM /D. Gust

Termine im nächsten Quartal

17. EUROFORUM-Jahrestagung „Erdgas 2011“ Vom 12. bis 14. Oktober findet in Berlin die 17. EUROFORUM-Jahrestagung „Erdgas 2011“ statt. Im Fokus des Kongresses stehen die von der Bundesregierung angestoßene Energiewende und die Rolle von Erdgas als Schlüsselfaktor der zukünftigen Energieversorgung Deutschlands. Neben Fragen rund um den Gasvertrieb und der Gasbeschaffung sollen die Entwicklung von Gasnetzen und -speichern sowie die Bedeutung des Wärmemarktes diskutiert werden.

16.–17. August 2011 8. DBI – Fachforum Kraft-Wärme-Kopplung Leipzig | www.dbi-gti.de

14.–15. September 2011 Congres du Gaz Paris | www.congresdugaz.fr

29.–30. August 2011 2. Handelsblatt Jahrestagung „Erneuerbare Energien“ Berlin | www.erneuerbare-energien-tagung.de

26.–27. September 2011 3. Energie Dialog 2011 Erneuerbare Energien Berlin | www.doebler-pr.de

6.–7. September 2011 6. Dow Jones Stahltag Frankfurt am Main | www.stahltag2011.de 12.–13. September 2011 6. Deutscher Energiekongress München | www.m-i-c.de 13.–14. September 2011 3. Internationale UGS-Konferenz Kaliningrad Kaliningrad | www.vng.de

6. Deutscher Energiekongress „Energiewirtschaft im Wandel“ Der 6. Deutsche Energiekongress findet vom 12. bis 13. September in München statt. Der Kongress steht unter dem Motto „Energiewirtschaft im Wandel“ und thematisiert mit Netzausbau, künftigem Energiemix und -konzept, Innovationen und Preis-

29. September 2011 2. Deutsch-Norwegische Energiekonferenz Oslo 12.–13. Oktober 2011 VKU Verbandstag Bonn | www.vku.de 12.–14. Oktober 2011 17. Euroforum Jahrestagung Erdgas 2011 Berlin | www.erdgas-forum.com

entwicklung die aktuellen Herausforderungen für die Branche. Der Kongress bietet ein hochkarätiges Forum für den fachlichen Meinungs- und Erfahrungsaustausch sowie für die Vermittlung von Fachinformationen und ist als Branchentreff mit energiewirtschaftlichem Fokus konzipiert.

Impressum medium gas Das Magazin für die Kunden und Partner der VNG-Gruppe  |  19. Jahrgang  |  Ausgabe 2  |  August 2011  |  VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft  |  Braunstraße 7  |  04347 Leipzig  |  Postfach 24 12 63  |  04332 Leipzig  |  Tel. +49 341 443 - 0  |  Fax +49 341 443 - 2057  |  www.vng.de  |  Redaktion Unternehmenskommunikation  |  Verantwortlicher Redakteur Marcus Kunath  |  Tel. +49 341 443 - 5925  |  marcus.kunath@vng.de  |  Externer Redakteur André Deichsel (Militzer & Kollegen GmbH)  |  ­Redaktionsbeirat Birgit Binder, Dr. Ralf Borschinsky, Mike Diekmann, Tino Falley, Carina Fiedler, Stephanie Flinth, Janina Fuchs, Gordon Gerisch, Mathias Jilo, Bernhard Kaltefleiter, Siegbert Ketelhut, Kerstin Kietzke, Dr. Stephan Krein, Heinz Möller, Marco Penzhorn, Marek Preißner, Heiko Rüdiger, Jan Schuster, Lydia Schuster, Peter Siegert, Dr. Peter Stoll, Peggy Tettenborn | Auflage 4.300  |  Gestaltung, Herstellung Militzer & Kollegen GmbH  |  Reproduktion  Dirk Brzoska  |  Druck  Werbe- & Sofortdruck GmbH, Leipzig  |  Fotos  wenn nicht anders angegeben VNG

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