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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket


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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

Vorwort Ihr seid Super-Helden, nichts konnte euch auf eurem Weg zur Hochschulbildung aufhalten: keine Aussetzung der Wehrpflicht und schon gar nicht die doppelten Jahrgänge. Gegenüber 6000 Studienbewerbern, habt ihr euch durchgeboxt und letztendlich einen der 1200 Plätze ergattert. Herzlichen Glückwunsch dafür an dieser Stelle. Aber ihr seid viele. Manchmal wird es in den Vorlesungsräumen eng werden. Es wird vorkommen, dass euch ein Kommilitone den letzten Schokoladen-Sahne-Pudding vor der Nase wegschnappt. Auch kann es sein, dass es vor dem Immatrikulationsamt mal wieder länger dauert. Alles kein Drama, aber ihr müsst lernen, euch durchzusetzen und besser, schneller und dickhäutiger werden. Vivadrina – euer Studierendenmagazin – hilft euch, eure magischen Kräfte in den Rechts-, Kultur- und Wirtschaftswissenschaften am besten zu entwickeln. Vivadrina ist euer Wettbewerbsvorteil. Wir erklären, wo der Klappstuhl am besten positioniert ist, welches Dessert nicht gut aussieht, aber dafür besser schmeckt und wie man am glaubwürdigsten ein Ufo vor dem Immatrikulationsamt simuliert. Damit auch der Rest klappt haben wir euch unsere wichtigsten Artikel der letzten Jahre zusammengestellt. In unserer Hexenfibel findet ihr alles zum Erlernen fremder Sprachen in Echtzeit (Polnisch-Crashkurs, S. 6), den Stein der Weisen (Spartricks für Studenten, S. 12) und eine Anleitung zum Bedienen fremdartiger Geräte (Anleitungen für Drucker und Beamer, S. 20). Für euch sind wir mit unserem fliegenden Teppich nach Frankfurt/? geflogen (Frankfurt, S. 19) und mit einem pfeifenden Ungeheuer nach Berlin (Pendeln, S. 4). Wir erklären euch was Kleist in seiner Freizeit macht (Comic, S. 11) und wie ihr unliebsame Krankheiten von euch fernhaltet (Erknitis, S. 21). Nicht vergessen: Ihr kommt nicht nur an die östlichste Uni Deutschlands sondern auch in eine Stadt mit viel Potential und vielen Möglichkeiten. Nutzt sie und ihr werdet rechts und links der Oder eine Super-Studienzeit erleben. eure vivadrina-Redaktion

Impressum Feste Mitarbeiter:

Anja Franzke, Dörte Bortfeldt, Fabian Angeloni, Johanna Kardel, Mario Mische, Natalia Polikarpova, Paul „Fo“ Bogadtke

Freie Mitarbeiter:

Inga Simon, Thomas Bruckert, Hanna Gieffers, Saskia Pelzer

Layout:

Johanna Kardel

Titelbild und Grafiken:

Paul „Fo“ Bogadtke

Chefredakteure:

Mario Mische, Paul „Fo“ Bogadtke

Herausgeber:

vivadrina e.V.

Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe:

10. November

Telefon:

0335 - 5534 5202

E-Mail: Facebook:

vivadrina@yahoo.de facebook.com/Vivadrina

Postadresse:

vivadrina e.V. Europa-Universität Viadrina Große Scharrnstraße 59 15230 Frankfurt (Oder)

Wir danken allen, die das Erscheinen der Zeitung möglich gemacht haben. Besonderen Dank an AStA und StuPa der Europa-Universität Viadrina, die wichtige Förderer sind. Wir weisen darauf hin, dass die Artikel nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion widerspiegeln. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge und Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen. Das Vivadrina-Team freut sich immer über Neuzugänge. Erwünscht sind nicht nur Artikelschreiber, sondern auch Organisationsköpfe, Verkaufstalente, Layouter, Anzeigenakquirierer und Putzkräfte. Wir suchen keine Perfektionisten – davon haben wir schon genug. Außerdem können Kuwis seit diesem Semester für ihr Engagement bei uns einen Praktikumsschein bekommen. Bei Interesse schreibt uns eine E-Mail oder kommt einfach direkt zu unserer Redaktionssitzung. Raum und Ort werden zeitnah auf facebook/vivadrina bekannt gegeben.


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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

Inhalt 2

Vorwort und Impressum

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Die Welt der Pendler

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Polnisch – Crashkurs

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Das Phänomen der Putzwut während der Lernphase

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Studieren an der deutsch-polnischen Grenze – Immer etwas dazwischen Folge I: Wohnen

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Essentielle Begriffe im Studium Conditio-sine-qua-non

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COMIC Kleist ...

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Wie überlebe ich bis Januar ohne BAföG? Zehn Tipps für den armen Studenten

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Horrorskop ReWi KuWi WiWi

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Schreibsprechstunde Neues aus dem Schreibzentrum

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Frankfurt – Frankfurt Frankfurter Perspektiven vom Main über die Oder

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How To... Scan How To... Beam

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Erknitis Neue Krankheit bei EUV-Studenten entdeckt


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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket Heft 3 2010 - Toller Titel

Die Welt

Clara lässt sich eingehüllt in ihre rote Jacke müde in den Sitz fallen. Es ist Montagmorgens, acht Uhr am Berliner Ostbahnhof. Sie sitzt im Regionalexpress 1 nach Frankfurt (Oder). In einer Stunde hat die 22-Jährige Vorlesung, doch ihr Unialltag fängt jetzt schon an. Sie ist eine der 2.000 modernen Uni-Nomaden, die über 100 Kilometer von der Hauptstadt in die brandenburgische Provinz zum Studieren pendeln.

Wohnort. Doch die Universität hat die Attraktivität Berlins erkannt. Laut Unversitätsverwaltung entscheiden sich jedes Jahr ein Drittel der Studenten für Berlin als Wohnort. Im Wintersemester 2010 pendeln von den 6 452 Studenten jeden Tag zirka 2 150. Bei Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter ist die Rate sogar noch höher. Oft erkennt man unter den wartenden Personen am Gleis den einen oder anderen Professor aus der Vorlesung. Im Zug machen die Meisten schnell ihren Laptop auf, man kann ihnen beim Arbeiten über die Schulter schauen.

Sie sind gerngesehene Fahrgäste. „Die Studenten sind sehr angenehm“, meint die quirlige Kontrolleurin Agnes. In ihrer kleinen Zugbegleiterkabine richtet sie ihre Uniform zurecht und schaltet ihr elektronisches Fahrkartengerät an. Ihre kurzen, roten Haare haben einen ähnlichen Farbton wie das DBTuch um ihren Hals. „Aber ein bisschen freundlicher könnten sie sein, so wie die Leute damals in der DDR“, findet sie. Seit fast 40 Jahren kontrolliert sie die Fahrkarten in den Regionalzügen Brandenburgs. Ihr Arbeitsplatz, der Zug, rast mit 160 kmh an Fabriken, Gleisanlagen und Wohnhäusern Ostberlins vorbei. Ihr freudiges „Die Fahrkarten bitte“ im ersten der fünf Wagons des RE 1 lässt ein geschäftiges Wühlen und Rascheln entstehen.

EINE WOCHE ZUGFAHREN

FREIFAHRT ZUR UNI Auch Clara und ihre Freundin Therese suchen ihre Fahrkarte, genauer: ihren Studierendenausweis. Mit dieser kleinen Plastikkarte können sie umsonst von Berlin bis Frankfurt (Oder) fahren. Und auch innerhalb Berlins und im Rest Brandenburgs. Das war nicht immer so. Erst seit ein paar Jahren gibt es den Freifahrtsschein für die Studenten. Vorher war bei den meisten der Studienort Frankfurt (Oder) auch automatisch der

Acht ganze Tage, 192 Stunden, sitzt ein Pendler jedes Jahr bis zum Abschluss seines dreijährigen Bachelors im RE 1. Bei nur durchschnittlich drei Vorlesungstagen in der Woche. Genug, um sich heimisch zu fühlen. Man kennt jedes Graffiti auf den Berliner Hausfassaden an der Strecke, den jungen Birkenwald bei Erkner und die einsamen Felder bei dem Dorf mit dem wundersamen Namen Fangschleuse. Und man hat mindestens einmal auf einem kleinen Bahnhof mitten im Nirgendwo gezwungener Maßen Zwischenhalt gemacht. Auch Clara kam schon einmal in den Genuss, eine Stunde auf einem Bahnsteig irgendwo zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) in der Kälte auf einen Anschlusszug zu warten. Sie lacht, wenn sie es erzählt. So eine Anekdote hat jeder Pendler zu erzählen. Häufige Verspätungen, massenhaft verschwendete Lebenszeit, viele unfreiwillig mitgehörte, sinnlose Gespräche der Sitznachbarn in einem Viererabteil – all das hält die Studenten nicht vom Pendeln ab. Claras Freundin Therese hat sich für Berlin entschieden, weil ihr Freund dort wohnt. Thomas, weil er Berlin spannender findet als Frankfurt (Oder). Verena findet das Pendeln überhaupt nicht schlimm. Sie ist es gewöhnt.

Schon während ihres Bachelors hat sie sich von Berlin auf den Weg nach Potsdam macht. „Wenigstens bekomme ich hier im RE 1 immer einen Sitzplatz, nach Potsdam musste ich oft stehen. Texte lesen für die Uni ging da selten.“, erzählt die Masterstudentin im Fach Europäische Kulturgeschichte.

Die Entspannte Ab in den Zug und erstmal Kopfhörer auf. Schlafen und Musik hören - so bekommt die zwanzigjährige Fränze Mundt die Stunde bis zu ihrem Studienort rum. Sie studiert Jura in Frankfurt (Oder). Für sie war es keine Frage, nach Frankfurt zu ziehen. Zu viel hat sie nach Berlin gezogen: die vielen Bars, Ausstellungen. Ausschlaggebend war auch ihr Freund, der in Berlin wohnt. Bereut hat sie ihre Wahl nicht. Drei mal die Woche sitzt sie im RE 1. Für sie ist das kein Problem.


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der Pendler

Die Studenten verbinden so zwei Vorteile. Sie studieren an einer Universität, an der man nicht nur eine Nummer ist, an der einen die Professoren mit Namen kennen. Und sie genießen die vielen Vorteile einer pulsierenden Millionenstadt: ein endloses Angebot an Bars, Restaurants, Diskos, Kulturveranstaltungen und das Gefühl zu haben, in einer Stadt zu wohnen, in der sich etwas bewegt. In Brandenburg entscheiden sich immer mehr Studenten für diese Variante. Neben der Viadrina ist die Universität in Potsdam in der Region die größte Pendleruniversität. Insgesamt haben 42 000 Studenten in Brandenburg ein Studententicket zum Pendeln.

Die vielerorts, auch im Berufsleben, geforderte Flexibilität leben sie jeden Tag. In der ersten Stadt wohnen, in der zweiten Stadt studieren, in der dritten Stadt ein Auslandssemester machen und in der vierten Stadt ein Praktikum absolvieren - das ist heute normal für Studenten.

Berlin reizt

Die meisten sehen diese Möglichkeit nicht als Belastung, sondern als Chance, viele verschiedene Städte kennenzulernen. Viele von Claras Freunden haben zum Anfang ihres Studiums in Frankfurt (Oder) gewohnt. „Doch spätestens nach ihrem Auslandssemester, nach zirka zwei Jahren Studium, sind fast alle nach Berlin gezogen“, sagt sie. Sie selber wohnt jetzt auch nicht mehr an der Oder, sondern an der Spree. „Ich schreibe gerade meine Bachelorarbeit. Für nur eine Vorlesung pro Woche lohnt sich das Wohnen in Frankfurt (Oder) nicht.“, meint sie. Der Zug hat auf Grund… Agnes hat inzwischen alle Fahrgäste im Zug kontrolliert. Als sie nochmal an Clara und Therese 10. spielender Kinder im Gleisbett 9. von Tieren im Gleisbett vorbeigeht, bedanken sie sich 8. von Personenschaden scherzhaft für die Pünktlichkeit. 7.der Wetterbedingungen Agnes lächelt zurück und ant6. von Verzögerungen im Eingangsbereich wortet mit einem Zwinkern „Wir 5. hoher Streckenbelastung haben ja jetzt auch Winterreifen, 4. einer Bombenentschärfung in Potsdam da kann nichts mehr passieren.“ 3. schleimiger Substanzen auf den Gleisen An Clara ziehen die Schreber2. (kein Grund) gärten von Frankfurt (Oder) vor1. geklauter Schienen bei. Langsam tauchen die ersten Häuser der Stadt auf. Nach der Haltestelle Frankfurt (Oder) Ro5/10/20/30/40/50/60 sengarten zieht sie ihre rote Jacke Minuten Verspätung. wieder an. Sie hat ihr Ziel fast erWir bitten dies zu entschuldigen. reicht. Wie eine Kolonie Ameisen ergießt sich der Strom der Studenten aus dem Bahnhofsge-

Top Ten der Verspätungsgründe

Quelle: DB AG

Foto: DB AG

Der Fleißige Schnell packt Markus Stöhr (22) im Zug seinen Text aus. Er will in der Stunde Zugfahrt etwas schaffen. Texte lesen, Referate vorbereiten, Hausaufgaben erledigen - für Markus ist der Zug sein zweiter Schreibtisch. Gestört fühlt er sich selten. Und wenn ja, nimmt er Ohrenstöpsel. Sein erstes Semester in Geschichte und Geographie an der Viadrina Universität gefällt ihm gut. Doch zum wohnen war ihm Frankfurt zu klein, zu unspektakulär und zu langweilig. Aufgewachsen in Eisenhüttenstatt will er in Berlin Großstadtluft schnuppern, ohne auf die gute Betreuung einer kleinen Universität zu verzichten. bäude in Frankfurt (Oder). Die nächste Station von Clara ist die klapprige Straßenbahn Richtung Europauniversität. Vollgestopft mit Studenten hält sie nach fünf Minuten vor dem Haupteingang der Universität. Es ist jetzt viertel nach neun. Die erste Vorlesung beginnt. Text und Fotos: Hanna Gieffers (aus: vivadrina Heft3, 2010, S.24)


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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

Polnisch – Crashkurs Mit Słubice als Nachbarstadt und einer hohen Quote polnischer Studenten an der EUV ist es sinnvoll, sich einige polnische Wörter und Redewendungen anzueignen. Sortiert nach Themengebieten dient der Crashkurs auch als kurzes Nachschlagewerk. Wer Polnisch lernt, der hat’s nicht leicht. Nicht nur, dass einem die Sprache selbst mit einer ziemlich komplizierten Grammatik und tendenziell unaussprechlichen Zischlautungetümern das Leben schwer macht, nein, man wird auch noch allenthalben mit unverhohlen hochgezogener Augenbraue und skeptisch gerunzelter Stirn gefragt, was man denn bitte mit solch einer Sprache will. Viel zu kompliziert, viel zu „seltsam“ und vor allem viel zu selten gesprochen. Polnisch spricht man eben nur in Polen, anders als Englisch, mit dem man sich bekanntermaßen auf der ganzen Welt verständigen kann. Und wann bitte, so ein häufiges Argument, sollte es sich somit also wirklich einmal lohnen, auch nur minimal der Polnischen Sprache mächtig zu sein? Nun, tatsächlich könnte das, wenn man in Frankfurt (Oder) studiert, gar nicht so selten der Fall sein. Wie dem geographiekundigen Leser sicherlich schon aufgefallen ist liegt unsere schnucklige kleine Universitätsstadt direkt an der Grenze zu Polen, was unter anderem den Effekt hat, dass über 16% der Viadrinastudenten Polen sind. Ich würde sogar behaupten, das Polnisch – neben Deutsch und Englisch natürlich – die am häufigsten auf dem Campus zu vernehmende Sprache ist. Insofern lohnt es sich also durchaus ein paar Worte Polnisch zu lernen – zumal dies doch gar nicht so schwer ist, wie man auf den ersten Blick vielleicht denkt. Überzeugt euch selbst! Im Folgenden serviert die Vivadrina dem wissensdurstigen Leser nun in einem kurzen Crashkurs die für den Anfang wichtigsten polnischen Wörter und Ausdrücke. Damit sich niemand an der Aussprache die Zunge verknotet, ist in den folgenden Abschnitten jeweils in Klammern hinter dem Polnischen Wort bzw. Ausdruck eine lautmalerische Ausspracheanleitung mit angegeben. Viel Spaß beim Ausprobieren! Grundlegendes Tak [Tack] – Ja Nie [njä] – Nein Proszę [proschä] – Bitte Przepraszam [Pschäprascham] – Entschuldigung Nie rozumiem. [Njä rosumjäm] – Ich verstehe nicht Niestety nie mowię po polsku. [njästetä njä muhwijä po polsku] – Ich spreche leider kein Polnisch. … ale będę się uczę [allä bändä schä uutschä] - … aber ich werde es lernen. Erste Konversationshäppchen – Begrüßung, Vorstellen, nach dem Befinden fragen Dzień dobry [dschän dobre] – Guten Tag. Dobry wieczór [dobre wjëtschur] – Guten Abend. Cześć [tschëschtsch] – Hallo. (nur bei Freunden, Bekannten) Jak się nazywasz/ Jak masz na imię? [jak schä nasewasch/ jak masch na imijä] – Wie heißt du? Jestem … [jestäm] – Ich bin… Nazywam się … [nasewam schä] – Ich heiße… Miło mi ciebie poznać. [Miwo mi tschäbiä posnatsch] – Nett, dich kennen zu lernen. Jestem z Niemiec. [Jestäm s njämze] – Ich bin aus Deutschland. Jestem studentem (m)/studentką (f) [jestäm studentäm/studentkong] – Ich bin Student/Studentin. Jak się masz? [jak schä masch] – Wie geht es dir? Jak leci? [jak lätschi] – Wie läuft’s? Dobrze/źle/jako tako [dobsche/schlä/jacko tacko] – Gut, schlecht, so la la. A u ciebie? [a u tschiäbie] – Und bei dir? Proszę piwo. [proschä piwo] – Ein Bier bitte. So weit, so gut. Den ersten Konversationsversuchen auf Polnisch dürfte nunmehr nichts mehr im Wege stehen. Wer jetzt eventuell sogar Blut geleckt hat, sich einmal etwas eingehender mit der polnischen Sprache zu befassen, dem sei folgendes gesagt: Polnischkurse gibt es selbstverständlich auch an unserer Uni und nicht nur dass, sie sind sogar noch kostenfrei. Ein weiterer guter Grund, um Polnisch zu lernen… Ach übrigens, hier noch ein Tipp zum Abschluss: Der erste Schritt, um nicht sofort als dummer Deutscher enttarnt zu werden, könnte darin bestehen, den Namen unserer polnischen Nachbarstadt Słubice richtig auszusprechen. Entgegen der unter Deutschen weit verbreiteten, aber nichtsdestotrotz immer noch fälschlichen Annahme, heißt diese nicht „Slubietsche“ sondern „Swubietze“. Das komische L mit Strich ist nämlich in Wirklichkeit ein polnisches „Wäh“ (ungefähr eine Mischung aus W und U) und obwohl es für deutsche Ohren unglaublich Slawisch-richtig klingt, wird das „C“ hier auch nicht wie „Tsch“ ausgesprochen, sondern ist schlicht und einfach ein scharfes Z. Text & Foto: Anja Franzke (aus: vivadrina Heft2, 2010, S.10)


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Das Phänomen der Putzwut während der Lernphase Ja, das Semester nähert sich dem Ende und jedermann beteuert eifrig, er müsse lernen. Wieso schafft es dennoch nur eine Minderheit der Studenten, sich vollkommen effizient und konsequent auf die anstehenden Klausuren vorzubereiten? Selbst überaus begabte und sonst auch durchaus fleißig zu nennende Kommilitonen versagen mitunter. Woran kann das liegen? Nach ausführlicher Recherche im studentischen Umfeld (und darüber hinaus einer gründlichen Selbstbefragung) stieß ich auf einen der vielen Faktoren für nur durchschnittliche Klausurergebnisse:

Während des Spülens versinkt die Welt um einen herum. Seliges Saubermachen erfüllt den Drückeberger ganz und gar. Aber nachdem der Spüler/die Spülerin nun voller Wonne in dem schaumigwarmen Wasser geplanscht hat, den Stöpsel zieht und sein/ ihr tropfendes Werk beendet hat, ist noch längst nichts vorbei. Die nächste Aufgabe

plagten Seele nur noch das friedliche PlitschPlatsch des feuchten Aufnehmers auf dem Boden… (Gelüftet wird nachher auch noch). Wer hätte gedacht, dass das Auswringen eines dreckigen, nassen Lappens so einen Spaß machen könnte? Man richtet sich auf und schaut sich um. Hach, wie die Wohnung glänzt! (Wenn Mutti das doch sehen könnte!) Glücksgefühle durchströmen den sich Umschauenden. Der geduldig ausharrende Papierstoß auf dem Schreibtisch wird hierbei wohlweislich ignoriert. Durch die ungewohnte körperliche Anstrengung hungrig geworden, wird jetzt, in der Endphase des Anfalls, normalerweise der Kühlschrank geplündert. Mit einem wohligen Seufzer und einem blumig-frischen Meister-Propper-Frühlingsduft in der Nase sinkt der, sich geistig allmählich regenerierende, Student in den Sessel, um sich einen Joghurt zu genehmigen. Dass an diesem Tag noch gelernt wird, bleibt zu bezweifeln, denn geleistet hat man ja schon was. Die (vorher vorhandene) zwanghafte Anspannung ist verflogen. Das gute Gewissen hat sich trotz geistiger Unproduktivität eingestellt.

Das Phänomen der Putzwut Viele, vornehmlich weibliche, Studierende klagen während einer Klausuroder Hausarbeitsphase über Hygienefimmel. Ein kaum zu bekämpfender Drang hin zu Putzeimer, Spülbürste und Wischlappen beherrscht sie in dieser geistig beanspruchenden Zeit. Wie lässt sich dieses Phänomen beschreiben? Was kann der Grund für permanenten Putzwahn (unter Normalbedingungen bei Studenten ausgesprochen selten auftretend) sein? Üblicherweise verläuft ein Anfall des zu beschreibenden Syndroms folgendermaßen: Kaum nähert sich die Studentin (oder auch der Student!) voller Motivation, Wissbegierde und Lerneifer (seinem!)/ ihrem Schreibtisch, welcher beladen ist mit wertvollsten Aufzeichnungen und kostbaren Unterlagen, erfahren er bzw. sie eine mysteriöse Kraft, die sie von diesem Möbel abzustoßen scheint. Einige überwinden diese Kraftfeld und beginnen trotzdem zu lernen, andere unter den Betroffenen erliegen jedoch ihrer Schwachheit und werden in diesem selben Moment anfällig für den Putzwahn.

muss her! Er/sie bemerkt plötzlich eine zentimeterdicke Staubschicht auf den Regalen. Unglaublich! Wo kommt die her?

Die Befragten berichten nun von einem plötzlichen Kribbeln in den Fingern (überschüssige Motivationsenergie?), dem unwiderstehlichen Drang, etwas mit den Händen zu tun (zwecks Entlastung/Abschalten des Hirns), der irre Blick beginnt zu schweifen und --- ja, fällt in der Küche auf das bis zur Unkenntlichkeit verkrustete Geschirr der letzten drei Tage.

Die zweite Phase des Fiebers beginnt. Gehetzt denkt das Wahnopfer: „Eimer, Lappen her und weg damit!“, und schon geht es weiter. Text & Grafik: Archiv Und noch weiter: Der Staubsauger muss heraus und jaulend (aus: vivadrina Heft 1, 1999, S.25) einmal kreuz und quer durchs Zimmer gejagt werden. Nach dem Gedröhn desselben fehlt zur ge-

Wie lässt sich dieser Putzwahn interpretieren? Sind wir Zeugen eines postmodernen Selbstreinigungsrituals? Oder eines klaustrophibischen Anfalls von Selbstkasteiung? Kann bei den weiblichen Studierenden von einem unterbewusst verdrängten Wunsch nach geistig entlastendem Hausfrauendasein ausgegangen werden? Unwahrscheinlich. Eine endgültige Erklärung des Putzwahns ist nicht möglich. Ob eine Gefährdung der Allgemeinheit besteht, bleibt abzuwarten. Eines kann solchen Anfällen allerdings nicht abgesprochen werden: Dass sie ein durchaus raffiniertes und effektives Ablenkungsmanöver darstellten. Wie diese Zeilen übrigens auch.


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Studieren an der deutsch-polnischen Grenze Immer etwas dazwischen Folge I: Wohnen Wenn Länder und damit auch Interessen aneinandergrenzen, sind Konflikte häufig vorprogrammiert. Die Oder-Neiße-Grenze ist da keine Ausnahme. Mittlerweile verläuft das Miteinander jedoch sehr friedlich. In diesem Jahr feiert die deutsch-polnische Partnerschaft gleich drei Jubiläen: 60 Jahre Görlitzer Abkommen, 40 Jahre Warschauer Vertrag und 20 Jahre deutsch-polnischer Grenzvertrag. Doch die Jahrestage geben nicht nur Anlass, die neue deutsch-polnische Freundschaft zu zelebrieren, sondern auch zu hinterfragen, wie sich diese Freundschaft im Alltag widerspiegelt. Vivadrina fragte nach, wie Studieren an der deutsch-polnischen Grenze funktioniert. Folge I: Wohnen

Die Viadrina-Räumlichkeiten, Gräfin-Dönhoff-Gebäude und Collegium Polonicum, trennt genau genommen nur die Oder. Dennoch spiegelt die Wahl des Wohnortes der Studenten der Viadrina ein eher eintöniges Wahlverhalten wider – trotz der vielfältigen Veranstaltungsorte rechts und links des Flusses. In den Wohnheimen auf der deutschen Seite beträgt nach Aussage des Studentenwerks der Anteil polnischer Studierender nur sieben Prozent. Auch auf der anderen Seite der Oder macht die Zahl der Deutschen lediglich zehn Prozent aus. Agnieszka Schmid, Koordinatorin für polnische Studierende und Marketing an der Viadrina, macht dafür vor allem die komplizierten Verträge und fehlende Sprachkenntnisse verantwortlich. Auch verweist sie auf die Studenten, die in

Wo h n gemeinschaften wohnen und daher in diesen Statistiken nicht auftauchen.

So wie Anne. Wenn Anne morgens aufwacht, sieht sie als erstes die Oder – und Frankfurt. Die 27-jährige Studentin des Masters Europastudien wohnt seit drei Monaten in einer WG auf der polnischen Seite, in Słubice. Sie sieht das Problem vielmehr in der Entscheidung vieler Studenten für die Großstadt Berlin, als in einem Wettbewerb Frankfurt (Oder) gegen Słubice. Probleme gab es in ihrer WG bislang keine, allerdings hat Anne wie ihre Mitbewohner ihren Hauptwohnsitz in Berlin. Dennoch gehen sie abends gerne in Słubice in den Pub, um dort Billard zu spielen: „Die Sprachprobleme machen das Ganze noch interessanter. Außerdem sind die Polen häufig viel freundlicher.“

Doppelstadt als Schrittmacher Laut Statistik werden zwischen Frankfurt und dem Dorf Świecko rund 50 Prozent des deutsch-polnischen Warenverkehrs umgesetzt. Auch der grenzüberschreitende Personenverkehr emanzipiert sich allmählich auf beiden Seiten der Oder vom Bestreben Kosmetikartikeln, Benzin und Zigaretten, günstiger zu erwerben. Seit 1993 bilden Frankfurt und Słubice den Mittelpunkt der Euroregion Pro Europa Viadrina. Deren Aufgabe ist es nach Wunsch der Politiker, die Anpassungsprozesse innerhalb der Europäischen Union zu erleichtern und zu beschleunigen. So gibt es seit dem Jahr 2004 unter dem Titel Europastadt Frankfurt (Oder)/Słubice gemeinsame Entwicklungsprogramme in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Kommunalpolitik. Bereits seit dem Jahr 2006 koordinieren die Städte ihr Stadtmarketing und werben für „Frankfurt und Słubice – Europäische Doppelstadt an der Oder“.

Anna Maria kennt beide Seiten der Oder. Die 22-Jährige kommt aus einem Dorf in der Nähe von Poznań und studiert an der Viadrina im fünften Semester Kulturwissenschaften. Die ersten zwei Semester hat sie in Słubice im Studentenwohnheim gewohnt. Vor einem Jahr hat Anna Maria sich ganz bewusst für ein Leben in Frankfurt (Oder) entschieden. „Irgendwann war es mir zu weit, jeden Tag zur Uni über die Brücke zu laufen. Ich will dort wohnen wo ich auch studiere.“ Als Grund für ein Studium an der Viadrina, nennt sie ihre Liebe für die deutsche Sprache: „Ich habe mich einfach verliebt“.

Viadrina als ein A kteur deutschpolnischer Beziehungen Für viele nimmt die Europa-Universität Viadrina bei den deutsch-polnischen Beziehungen eine besondere Stellung ein. Mit ihrer Neugründung im Jahre 1991 sollte vor allem der intensive Austausch zwischen Deutschland und Polen vorangetrieben werden. Mittlerweile gelten das deutschpolnische Lehr- und Forschungszentrum Collegium Polonicum, die gemeinsamen Bachelor- und Masterprogramme, sowie die intensive Kooperation mit einer Vielzahl von polnischen Universitäten als Musterbeispiel für eine grenzübergreifende Zusammenarbeit. Ein Teil der Studierenden und Dozenten kommt aus Polen. Zudem berät das deutsch-polnische Career Center zu Lebens- und Arbeitswelten der beiden Nachbarländer. Momentan arbeite man auch an einem Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Polen-Studien, wie der Präsident der Viadrina Gunter Pleuger zur Eröffnung des akademischen Jahres 2010/11 verkündete.


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Konferenz am R ande: Vom Trennenden zum Verbindenden

Nachbarschaft auf höherer Ebene: Hans Dietrich Genscher, Günter Pleugner und Władysław Bartoszewski Foto: Fabian Gatzka

K ennenlernen unablässig

Wie jede andere Stadt

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen habe sich seit 1990 deutlich verbessert, so die zentrale These der deutsch-polnischen Konferenz, die Anfang November an der Viadrina stattfand (siehe Infokasten). Insbesondere im Grenzgebiet sei eine Annäherung zu beobachten. Als Beispiel nannte Basil Kerski, Chefredakteur des deutschpolnischen Magazins DIALOG, dass in den polnischen Westgebieten seit langem ein auffallend pro-europäisches und prodeutsches Wahlverhalten zu beobachten sei. Umgekehrt wachse auch in Deutschland die Akzeptanz für das Nachbarland. Der ehemalige polnische Außenminister Władysław Bartoszewski mahnte hingegen, dass es für das gegenseitige Verständnis unablässig sei, dass sich die Völker noch besser kennenlernten.

Fakt ist, dass bei der Wahl der Wohnorte die praktischen Gründe überwiegen. Je nachdem, was dem Einzelnen wichtig ist: Preis, Abenteuer, Nähe, Ruhe, Verkehrsanbindung oder anderes. Die Grenze als solche spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle und keinesfalls ein größeres Hindernis als ein fehlender Internetzugang. Agnieszka Schmid dazu: „Wir leben nicht in einer Insel und jeder geht dahin, wo er seine Erwartungen am besten erfüllt sieht.“ Wie eben in jeder anderen Stadt auch.

Der 25-jährige Paul kennt Polen bereits sehr gut. Er hat drei Semester seines BachelorStudiums in Warschau verbracht und studiert seit diesem Semester an der Viadrina Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas. Dennoch wohnt er in Berlin. „Der räumliche Bezug und die Möglichkeit, die polnische Sprache zu sprechen, ist mir für mein Studium sehr wichtig. Die Frage nach Franfurt (Oder) oder Słubice zu ziehen, hat sich mir dennoch nie gestellt.“ 30 Prozent der Studierenden pendeln wie Paul zwischen Frankfurt/Słubice und Berlin. Gegen die vielen Möglichkeiten der Großstadt, hat die beschauliche Doppelstadt wenig entgegenzusetzen.

Der ehemalige polnische Außenminister Bartoszewski sagte bei der deutsch-polnischen Konferenz Anfang November über die Freundschaft zwischen Deutschland und Polen: „Es geht um tät, es geht nicht um Liebe.“

Normali-

Text: Johanna Kardel

(aus: vivadrina Heft 3, 2010, S.12)

Prominente Geburtstagsgäste diskutierten im November 2010 im Collegium Polonicum und im Audimax über das deutschpolnische Verhältnis. Die Europa-Universität Viadrina organisierte gemeinsam mit der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit diese Konferenz, die unter dem Motto „Oder-Neiße-Grenze. Vom Trennenden zum Verbindenden“ abgehalten wurde. Die Oder-Neiße-Grenze feierte 2010 gleich drei Jubiläen: 60 Jahre Görlitzer Abkommen, 40 Jahre Warschauer Vertrag und 20 Jahre deutsch-polnischer Grenzvertrag. Neben den amtierenden Außenministern Deutschlands und Polens, Guido Westerwelle und Radosław Sikorski, waren auch die Amtsvorgänger der deutsch-polnischen Außenpolitik, Władysław Bartoszewski und Hans-Dietrich Genscher, Gäste dieser außergewöhnlichen Veranstaltungsreihe.


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Essentielle Begriffe im Studium: Conditio-sine-qua-non Eure vivadrina möchte für euch eine neue Serie ins Leben rufen, die euch bei der Erkenntnis hilft, dass dieses jene Studium vielleicht nicht das Richtige für euch ist. Es geht um essentielle Begriffe im Studium - wer die nicht versteht, hat sein Studienfach verfehlt. Wir fangen an mit einer der zentralsten Figuren in der Juristerei: der Conditio-sinequa-non-Formel. Man nutzt sie, um herauszufinden, ob eine Person xy wirklich für einen Zustand z verantwortlich ist. Die auch als Kausalität bekannte Rechtsfigur ist in zwei großen Rechtsgebieten (Strafund Schuldrecht) zentral und kann nicht hinweggedacht werden. „Hinweggedacht“ passt hier wortwörtlich wunderbar, denn die conditio-sine-qua-non-Formel bejaht dann eine Kausalität, wenn eine Bedingung nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg entfiele. Wir zählen vier Verneinungen in dieser kurzen Formulierung. Man muss es schlicht mehrmals lesen, damit sich einem der Inhalt erschließt. Unwissenschaftlich ausgedrückt, schaut man, ob der Tod von Miriam auch eingetreten wäre, wenn Bauarbeiter Paul seinen

Hammer in der Hand behalten und nicht vom Gerüst geworfen hätte. Hätten sich Pauls Eltern nicht vor 30 Jahren beim Tanz kennengelernt, wäre Miriam noch am Leben. Pauls Eltern sind schuld! Nanu? Ja genau. Wenn man die Kausalität strikt durchzieht, landet man letztlich bei Adam und Eva oder dem Urknall. Denn Kausalitätsketten können sehr lang sein. Um dieser Ausuferung Herr zu werden, wurde im Strafrecht die objektive Zurechnung eingeführt und im Zivilrecht die Adäquanztheorie. Grob zusammengefasst schaut man dort, ob ein Zustand xy wirklich auf den Täter oder einen bestimmten Handelnden zurückzuführen ist. Offensichtlich abwegige Kausalitätsketten gehen dann nicht zu Lasten des Be- oder Verklagten. Kausalität lädt zu interessanten Gedankenexperimenten ein: Der unbeliebte Justin läuft im Wald herum und sucht das Pfefferkuchenhaus. Einhundert Meter von ihm ent-

fernt lauern Scharfschützen und wollen ihn kalt stellen. Wenn sie beide zeitgleich abdrücken und beide Kugeln ihn töten, wie sieht es dann mit der Kausalität aus? Denkt man den Schuss des einen weg, wäre er trotzdem gestorben. Sein Schuss wäre für den Tod also nicht kausal. Das Gleiche kann man bei dem zweiten Schützen sagen. Beide wären folglich für den Tod nicht verantwortlich und verabreden sich künftig vielleicht zu noch mehr Doppelschüssen. Um solchen seltsamen Ergebnissen entgegen zu treten, wurden Sonderfälle in der Kausalität geschaffen, kumulative oder alternative Kausalität zum Beispiel. Wer mehr über Kausalität wissen möchte, der findet in der Bibliothek hunderte Bücher dazu. Text: Thomas Bruckert (aus vivadrina Heft 1, 2010, weiß, S.3)

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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

(aus: vivadrina, Heft 2, 2011, S. 21)


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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

Wie überlebe ich bis Januar ohne BAföG? Zehn Tipps für den armen Studenten

Langsam macht sich Verzweiflung breit. Selbst die Hartgesottensten verspüren ein nervöses Magenziehen beim Gedanken an den sich gegen null bewegenden Stand ihres Girokontos und die altbewährte Aussage „Arme Studenten“ wird wahrer und realer. Doch: Was tun, wenn das Bafög auf sich warten lässt? Frei nach dem Motto: Kosten-Nutzen-Effekt beachten.

10 Überlebenstipps 1. Vollkornbrot statt Weißbrot: in der Anschaffung zwar etwas teuer, überzeugt das Vollkornbrot im Nachhinein durch höhere Nährwerte und ein schnelleres Füllegefühl. So ersetzt eine Scheibe Vollkornbrot bestimmt um die 6 Scheiben Weißbrot – und ist so auf die Dauer gesehen nicht nur gesünder, sondern auch billiger!

7. Ein persönlicher Erfahrungsbericht: Einst reichte eine Steuerberaterin zu spät den Steuerbericht der Eltern ein, weshalb dieser natürlich nicht pünktlich zur Bafög-Berechnung im Bafög-Amt vorlag. Eindeutig nicht

2. Lektüre im Probeabo: Neben der Studienpflichtlektüre mindestens ebenso wichtig: die aktuellen News. Zeitungen und Zeitschriften gibt es oft im Probeabo – unkompliziert, unbürokratisch und vor allem umsonst– und deshalb genau das richtige für einen Bafögleeren Geldbeutel. 3. In Sonderfällen haben sogar Studenten Anspruch auf soziale Unterstützungsleistungen wie Hartz 4! Zuständig sind Sozialamt und Arbeitsagentur. Und da das Anträge-ausfüllen ja immer eine wahre Bereicherung des Lebens ist, lohnt sich ein Versuch auf jeden Fall.

8. Investitionen in die Zukunft: Eines Tages las ich von einem Studenten, der Aktien seiner Studienlaufbahn verkaufte. Verwandten, Freunde, Eltern investierten in ihn, motiviert durch eine Beteiligung am beruflichen Erfolg nach Studienabschluss. Eine Idee mit Modellcharakter, bewirkt es doch gleichzeitig erste Überlebenskampf-Erfahrungen im alltäglichen kapitalistischen System der globalisierten Welt. 9. Hilft alles nichts, und das Bafög wird voraussichtlich auch noch weitere 3 Monate auf sich warten lassen: Überbrückungsdarlehen, Mensa-Essensmarken, und noch vieles mehr versprechen Hilfe! Infos gibt es wie immer im Internet.

Nichts im Kühlschrank ...

10. Last but not Least: Der Zwiebellooktipp: Heizung aus und Pullis an. Spart jede Menge Nebenkosten und ist auch noch gut für die Umwelt! Was will Student mehr… Fazit: Die Hauptsache ist es, den Humor nicht zu verlieren. Und wenn sie dann kommt, die erste Zahlung, kommt mit ihr zusammen auch noch eine fette Nachzahlung. Und allein dieser Gedanken tröstet doch über alle hungrigen Abende hinweg, oder?

4. An-&Verkauf: Es muss nicht immer neu sein. Keine Teller im Schrank, Fahrradnot oder Abhilfe gegen dunkle Zimmer: Geschirr, Lampen, Räder und Co. gibt es oft Second Hand. Nur halb so teuer wie First Hand, aber zwei Mal so stylisch. 5. Zeitungspapier statt Geschenkpapier: ist nicht nur billiger sondern wirkt auch gleich viel intellektueller.

eines Sonder-Kredites zu extra günstigen Konditionen. Praktisch vor Allem für den Studenten.

Text: Inga Simon, Fotos: Archiv ...und nichts auf dem Teller?

6. Die geplante Diät in den Zeitraum legen, in dem das Bafög auf sich warten lässt.

die Schuld des betroffenen Studenten. Da lag es doch nahe, dass die Steuerberaterin – durch etwas netten Zuspruch bewegt – das Studentenkonto etwas auffüllte: im Rahmen

(aus: vivadrina Heft 1, 2007, S.17)


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Horrorskop

Horrorskop

Müssen WiWis das Gelernte nach der Klausur nochmal anwenden? Wann ist für ReWis der richtige Zeitpunkt gekommen, die Verwaltungsrechtsklausur zu schreiben? In welchem Semester darf man als KuWi ungestraft chillen? Wir haben den ultimativen Studienführer erstellt: Das Fakultäten-Horrorskop. Mit ihm weißt du genau, was in deinem Semester wichtig ist und welche Probleme im nächsten Semester auf dich zukommen werden. Jeder Studiengang birgt seine ganz eigenen Glücksmomente und Horrorszenarien.

ReWi 1.Semester Nach erfolgreichen Jahren als Vorstand im Debattierclub, möchtest du dein Können außerhalb des Gymnasiums beweisen. Selbstbewusst durch deine guten Abinoten, hörst du den ersten Satz in deinem Studium, der sich schon bald bewahrheiten wird: “Wie gut auch immer ihr Notenschnitt beim Abitur war: gewöhnen sie sich dran, dass sie hier Schlechte bekommen.” Nachdem die ersten Semesterabschlussklausuren überstanden sind, verstehst du, was der Prof meinte. Wenn du vor Beginn des Jurastudiums vom Gutachtenstil gewusst hättest, hättest du etwas anderes studiert.

2.Semester Drei Fächer in diesem Semester beeinflussen maßgeblich dein künftiges Leben: Seitdem du Schuldrecht kennst, misstraust du jedem Verkäufer. Du versuchst vergeblich dein frisches Jurawissen anzuwenden und denkst darüber nach, wo der Unterschied zwischen Recht haben und Recht bekommen liegt. Als du erstmalig im Strafrecht davon erfährst, dass es Einwilligungen in Körperverletzung gibt, musst du unweigerlich an deinen nächsten Zahnarztbesuch denken und sagst ihn ab. Die Erklärungen über die einzelnen Grundrechte stärken deinen Freiheitsdrang wie selten zu vor. Deine Freunde müssen sich erstmal daran gewöhnen, dass du dich bei jeder abwegigen Idee auf deine allgemeine Handlungsfreiheit aus Art.2 Abs.1 GG berufst.

3.Semester In deiner Zivilrecht-AG fragst du dich, wieviele Verträge A und B noch schließen werden. Handelsrecht lässt dich misstraurisch all die Güterzüge beäugen, die regelmäßig im Frankfurter Bahnhof stehen. Tatsächlich bist du aber selten auf dem Bahnsteig. Stattdessen richtest du dich in der Bibliothek häuslich ein. Bei Dezernat IV der Viadrina stellst du schließlich einen Antrag auf einen

Schlafbereich in der Bibliothek. Als der abgelehnt wird, fragst du deine mitleidenden Kommi-Tonnen, mit welcher Klageart diese Freiheitsbehinderung (Art.2 GG) gestoppt werden kann. Du denkst sogar an Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, denn die Einführung ins Völkerrecht hat dich über die nationalen Grenzen deines Studiums hinausblicken lassen.

4.Semester Die ersten Worte im Verwaltungsrecht verteidigen den Ruf vom Verwaltungsrecht, ohne dass du zuvor etwas Schlechtes darüber gehört hattest. Du steigerst dich in die Vorstellung hinein, Verwaltungsrecht sei komisch und blockierst dich damit selbst. Dass du im Rahmen der Übung im Öffentlichen Recht nicht um Verwaltungsr e c h t drumr u m kommst, l ö s t Schweißausbrüche bei dir aus. Du entscheidest dich dazu, das Problem im fünften Semester anzugehen. Du glaubst deinen Kollegen, dass eine einzige Übung in einem der Hauptfächer schon das ganze Semester ausfüllt. Du steckst deine ganze Energie in Zivilrechtklausuren und die große Hausarbeit in der vorlesungsfreien Zeit. Und scheiterst. Dieses Semester hast du vergurkt. Aber da du vor kurzem die Zwischenprüfung bestanden hast, hast du nun alle Zeit der Welt, um den Kurs erneut anzupacken.

5.Semester Die Zivilrechtübung geht in die nächste Runde. Aber dieses Mal konzentrierst du dich nicht nur auf ein Fach, sondern bemühst dich auch im Strafrecht. Verwaltungsrecht hast du noch im Hinterkopf, aber dieses Bonbon hebst du dir bis zum Schluss auf. Du bestehst in beiden Kursen die letzte Klausur, scheiterst aber in den Hausarbeiten bei drei Punkten. Du schreibst flammende Remonstrationen über die ungerechte Behandlung deiner wissenschaftlichen Arbeiten – ohne Erfolg. Du nimmst dir vor, im sechsten Semester deine ganze Energie in dieses Studium zu stecken. Du beginnst die Universitätsverwaltung dafür verantwortlich zu machen, denn sie haben dir noch immer keinen Schlafplatz gewährt. Täglich entgehen dir wichtige Minuten Lern- und Arbeitszeit in der Bibliothek.

6.Semester Du hörst von deinen Kommilitonen, dass sie ihren Schwerpunktbereich begonnen haben; sie fragen dich, auf welches Fach du dich spezialisiert hast. Du verlierst dich in Ausreden über die Schlechtbehandlung deiner Hausarbeiten und lügst ihnen vor, dass Verwaltungsrecht dein Kleinod in diesem Studium ist, auf das du dich im nächsten Semester stürzen wirst. Und das war noch nicht einmal gelogen. Die zwei Übungen im Zivil- und Strafrecht hast du jetzt zum Glück bestanden.

7.Semester Als du beginnen möchtest, den Schein in der Öff-Recht-Übung zu machen, schnappst du das Gerücht auf, dass du vorher die kleine Hausarbeit im Öffentlichen Recht bestanden haben musst. Du blättest panisch deine Scheinsammlung in Buchform durch und lässt den Kopf hängen. Um deinen Mitstudenten vorzugaukeln, dass Verwaltungsrecht genau dein Ding ist, besuchst du alle


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Veranstaltungen des Schwerpunktes und verlierst den Bezug zum Zivil- und Strafrecht. In der vorlesungsfreien Zeit wird dir bewusst, dass du auch den Stoff von den ersten Semestern verdrängt hast und dir für die kleine Hausarbeit im Öffentlichen Recht alles neu anlesen musst. Weil du dich zeitlich verschätzt hast, gibst du eine unfertige Hausarbeit ab und fällst durch. Du beginnst den Sinn deines Studiums in Frage zu stellen, weil du so oft durchfällst. Der Dozent aus dem ersten Semester hatte Recht.

8.Semester Von allen Studenten, die mit dir gemeinsam angefangen haben, sind noch 100 übrig. Die Hälfte davon spricht über den Freischuss, doch für dich ist das keine Option mehr. Eltern und Großeltern fragen dich nun bei jedem Treffen, wann du mit dem Studium fertig bist. Du erklärst ihnen von der Misére mit dem kleinen Öff-Recht und machst den Fehler, ihnen deinen Faible für Verwaltungsrecht vorzulügen. In der folgenden vorlesungsfreien Zeit bestehst du die kleine Hausarbeit mit 6 Punkten und visierst nun den letzten Schein im Studium an: Die Übung im Öffentlich Recht. Durch die Besuche im Schwerpunkt Verwaltungsrecht bist du erstaunlich gut informiert und bestehst Klausur und Hausarbeit auf Anhieb. Du fühlst wahre Höhenflüge und bist absolut von deinem Studium überzeugt. Du denkst, dass du alles schaffen kannst auf der Welt!

9.Semester Dein Studienkollege Paul hat sein erstes

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Examen bestanden. Du gratulierst ihm und lächelst falsch, als er dir auch viel Erfolg fürs Examen wünscht. Als du dich dafür anmelden möchtest, wird dir bewusst, dass du drei Monate juristisches Praktikum vorweisen musst. Davon hörst du zum ersten Mal!

Völkerrecht auch in der medienrechtlichen Prüfung sitzen wird. Du suchst verzweifelt einen Berg in der Nähe von Frankfurt, um deinen Frust hinauszuschreien.

10.Semester

100 Kilometer nördlich wirst du fündig und schreist dir die Seele aus dem Leib. Du überweist zwar regelmäßig deinen Semesterbeitrag, aber führst dort ein Einsiedlerleben, seit du dort in Embryonalstellung auf dem Boden kauernd aufgefunden wurdest. Deinen Verwandten schickst du jährlich einen Brief, in dem du von den Tücken deines Studiums berichtest. Auf die Frage, wann dein Studium endet, antwortest du stetig: ‘Wenn ich meine Praktika absolviert habe.’ Im Kino läuft gerade ein passender Film über dreizehn Semester.

Du änderst erneut deinen Schwerpunktbereich. Völkerrecht liegt dir viel mehr. Inzwischen hast du auch drei Monate Praktikum hinter dir. Dir erschien es zu einfach. Doch als du zum Prüfungsamt gehst, hörst du, dass die Praktika in der vorlesungsfreien Zeit sein müssen. Auch das hörst du zum ersten Mal!

11.Semester Du entwickelst Angst vor deinem Dozenten im Völkerrecht. Die Angst wird so stark, dass du darüber nachdenkst den Schwerpunktbereich zu wechseln, nur um ihn nicht in der mündlichen Prüfung sitzen zu haben. Deine Bewerbungen für juristische Praktika verpuffen alle. Denn du bist einer von hunderttausenden Jura-Studenten in Deutschland, die ihr Praktikum in der kurzen vorlesungsfreien Zeit machen wollen. Durch Vitamin B wird dir ein Praktikum in einer Kanzlei für Familienrecht angeboten. Aber dieses Rechtsgebiet ist das letzte, mit dem du etwas zu tun haben willst.

12.Semester

13.Semester

14.Semester Aber darüber bist du längst hinaus.

15.Semester Deine Familie stellt die Unterhaltszahlungen ein. Die Krankenkasse möchte monatlich 150 Euro von dir und du arbeitest nun für 4 € pro Stunde, um überhaupt überleben zu können. In sentimentaler Nostalgie blickst du regelmäßig auf die schöne Zeit in der Bibliothek zurück. Hättest du dein Studium doch nur ernster genommen...

Dein neuer Schwerpunktbereich ist Medienrecht. Der Stoff ist spannend, aber nach dem ersten Semester hörst du, dass der Prüfer vom

Thomas Bruckert

ligen Aufzählung von Disziplinen und möglichen Einsatzgebieten nach dem Studium. Wenn du keine konkrete Antwort hast, keine Sorge, die Frage wird Dich im Studium begleiten, nur die Antwort wird irgendwann konkreter werden. Daran lässt sich erkennen wie weit du im Studium bist. Vor allem diejenigen, die ihre erste Erfahrung mit der großen, weiten Welt außerhalb von „Hotel Mama“ machen, sind mit der Eigenorganisation überfordert. Denn trotz Bachelor hast du als KuWi die Qual der Wahl an Seminaren mit vielversprechenden Titeln. Dem ersten Impuls alle acht Veranstaltungen, die interessant klingen, zu besu-

chen, solltest du dringend widerstehen. Studentenpartys: trotz der starken Grüppchenbildung unter „Erstis“ wirst du schnell herausfinden welche Partys eine schlaflose Nacht wert sind und welche nicht. Als KuWi hast du das größte Potential dazu, dich gleich im ersten Semester in den Initiativen zu engagieren.

KuWi 1.Semester Du bist frisch dem Abitur und Elternhaus entschlüpft. Bist du nicht? Dann hast du höchstwahrscheinlich schon etwas von der Welt gesehen oder zwischen Abitur und Studium gearbeitet und dich umgeschaut. Egal was davon auf dich zutrifft, die Frage, die du am häufigsten im außerstudentischen Bekannten- und Verwandtenkreis zu hören bekommst lautet: „Kulturwissenschaften? Was macht ihr da und was willst du damit werden?“ Noch besteht deine Antwort aus einem frustrierten Seufzen und einer mühse-

2.Semester Du bist nicht mehr neu an der Uni und kannst mit großen Namen wie Max Weber, Nietzsche und Kant schon etwas anfangen, wenn der Prof diese, wie selbstverständlich, fallen


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lässt. Du kannst die Professoren mittlerweile einschätzen und auf einmal erkennst du überall in der Stadt Kommilitonen. Ein weiteres typisches Phänomen im zweiten Semester: es ist erstaunlich schwer sich wieder in den Arbeitseifer eines Erstis einzufinden. Jede Woche nimmst du dir vor, dass es du garantiert nächste Woche mit dem ernsthaften Studium beginnst, denn diese Woche hast du so viel anderes vor. Die Verabredungen und Einladungen nehmen kein Ende, du hast Connections, kennst jemanden, der jemanden kennt, der eine garantiert großartige Party veranstaltet. Vorsicht, denn es kommt irgendwann der Punkt, an dem du auf den Kalender blicken und erstaunt feststellen wirst, dass das Semester in sechs Wochen um ist.

Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

nächste Semester gerichtet. Du verbringst genauso viel Zeit bei deinem Auslandsberater wie in deinen Seminaren. Eventuell hast du dich auch schon an interdisziplinäre Vorlesungen gewagt. Das interessiert nicht. Deine Gedanken sind mit anderen Aufgaben beschäftigt. Wie komme ich an ein Visum? (Erasmusanwärter haben hier einen kleinen Vorteil.) Wo werde ich wohnen? Was passiert mit meiner Wohnstätte? Die Nervosität hält sich jedoch in Grenzen, denn du hast schon einmal an einem unbekannten Ort mit dem Studium angefangen, ohne jemanden zu kennen oder zu wissen, was dich da erwartet.

6. bis n. Semester

3.Semester Du bist im Studium angekommen und beherrschst den Balanceakt zwischen fleißigem Student und ausgebuchten Freizeitmenschen. In den Unigebäuden fühlst du dich fast wie zu Hause und anstatt in panischer Suche von einem Seminar zum nächsten zu rennen, siehst du auf einmal was die Uni außer dem Studium noch zu bieten hat. Gremien, Treffen, Initiativen – mittlerweile bist du selbstsicher genug um dich stark zu machen. Typisch: Hausarbeitsverzögerungen. Nicht mehr mit dem schulischen Tatendrang gesegnet, liegt bei dir immer noch eine Hausarbeit vom letzten oder vorletzten Semester. Die interessanteste Feststellung: den Profs geht es genauso. Bis man einen ersehnten Schein in der Hand hat, sind Geduld und Hartnäckigkeit erforderlich. Meistens nehmen in diesem Stadium deines Studiums die Auslandspläne Gestalt an.

4.Semester Die natürliche Selektion ist längst passé und du als Individuum hast dich vollkommen eingefügt, bist ein akzeptiertes Steinchen im großen Mosaik des Campusbildes. Du kennst alle Mensagerichte in sämtlichen Variationen auswendig und hast den Blick auf das

immerhin AUSLAND) für das Auslandsstudium ergattert. Egal wo du geographisch bist, etwas hast du mit allen anderen Fünftsemestern gemeinsam: Du lernst neue Menschen, Sprachen, Kulturen und vor allem ortsspezifische alkoholhaltige Getränke kennen. Fazit dieses Semesters: Du weißt genau, welche Kopfschmerztabletten bei dir wirken und die Fremdsprache deiner Wahl ist ganz anders als du immer dachtest. Ob es fürs UNICERT reicht, ist fraglich, aber dein Arsenal an Schimpfwörtern und Bestellmöglichkeiten für lokale Spezialitäten ist praktisch unschlagbar. Haben wir nicht was vergessen? Genau: Das Studium. Ist beim Auslandsaufenthalt in der Rangliste ganz unten.

Du versuchst verzweifelt freie Seminare zu finden, die die benötigten Scheine zur Verfügung stellen. Die angebotenen Seminare haben immer einen Haken: falsche Disziplin, keine freien Plätze und/oder zu langweilige Themen. Wie viele Semester du den letzten drei Scheinen nachjagst, hängt von deiner Toleranzgrenze für von Erstis überfüllte Veranstaltungen ab.

(n+1) ≤ 9.Semester

I m Kampf um die begehrtesten ERASMUSPlätze werden aus Freunden Konkurrenten. Sensibelchen werden nie darüber hinwegkommen. Nimm das als ersten Ausblick auf die Ellenbogengesellschaft, der sich auch ein vermeintlich naiver KuWi früher oder später stellen muss.

5.Semester Mit aller Wahrscheinlichkeit wirst du diese Zeilen nicht in deinem fünften Semester lesen, denn du bist im Ausland. Je nach Fremdsprache und Priorität hast du den idealen Ort (für Nachrücker nicht ganz so passend, aber

Das Studium neigt sich dem Ende zu. Dein Blick wandert abwechselnd schuldbewusst von der vivadrina in deiner Hand, zur DVD-Sammlung, zu sozialen Netzwerken im World Wide Web zum hoffnungslos überfüllten Schreibtisch. Prokrastinierer laufen zu Höchstformen auf und die Verdrängung findet im letzten Semester ihren Höhepunkt. Du hast einen Rattenschwanz an Hausarbeiten aus dem gesamten Studium, musst noch den einen oder anderen interdisziplinären Schein machen und auch die Bachelorarbeit schreibt sich nicht von allein. Die Schnitzeljagd nach allen benötigten Scheinen in diversen Büros beginnt. Eine beinahe unmögliche Herausforderung, denn die Öffnungszeiten sind in etwa so präzise, wie dieses Horrorskop. Natalia Polikarpova


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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

WiWi WiWi

1.Semester Wirtschaft bedeutet Macht. Mit der Macht kommt das Geld, was wiederum mehr Macht bringt. Am Ende willst du derjenige sein, der hinter dem Schreibtisch die Jobs vergibt, der leitet, der mit Statussymbolen kokettiert und sein Konto wegen übermäßigen Gehalts platzen lässt. Willkommen im Wirtschaftsstudium. Nach dem üblichen anfänglichen Hokuspokus und dem aufregenden Einfinden wird dir ganz schnell bewusst, dass hier das wirkliche Leben mit seiner ganzen Härte zuschlägt. Als vorbildlicher Ersti setzt man sich natürlich auch auf die Treppen in überfüllten Hörsälen. Viel Zeit für gründliches Einleben bleibt dir aber nicht. 7+1 vermittelt dir ganz schnell, wie man Bulimie-lernen betreibt (schnell rein in den Kopf, schnell raus aus dem Kopf) und zeitweilig im Prüfungsmarathon zergeht. Aber da wirst du dich schon durchbeißen!

2.Semester Mittlerweile hast du dich an der Uni zurechtgefunden und weißt, wie der Hase läuft. Aus Vorlesungen gehst du zur Mittagszeit schon mal 10 Minuten früher raus, um nicht unnötig warten zu müssen und am Ende keinen Platz mehr zu bekommen. Dich amüsiert die Vorlesung von Prof. Kurbel, der seinen personalisierten „Klick-Sklaven“ in Form eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters in die Vorlesung mitbringt. Du genießt solch wunderbare Vorlesungen wie Marketing und Statistik nebeneinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dein soziales Netzwerk expandiert bereits und du partizipierst sogar in einigen Lerngruppen. Zuweilen hast du in Vorlesungen sogar schon seltsame Exemplare anderer Fakultäten erspäht und wunderst dich über ihre mehr oder minder ausgeprägte Ferne zur Realität. Du hast festgestellt, dass du zu Prüfungszeiten ein nervliches Wrack wirst und dass du deine Semesterferien gern anders nutzen würdest, als an deren Ende eine Klausur nachzuschreiben, weil du den ersten Termin nicht wahrnehmen konntest.

3.Semester Wenn du bis jetzt dem Druck Stand gehalten hast, wirst du das Studium auch bis zum

Ende durchziehen. Klar, denn du weißt ja, was du willst! Deine erste Ringvorlesung lässt du gerade über dich ergehen und nebenbei versuchst du, dich mit dem Sprachenzentrum anzufreunden. Viele der Sprachkurse konntest du bis jetzt noch nicht belegen, da sie sich mit deinen Vorlesungen überschnitten. Du fängst an, dir Gedanken darüber zu machen, ob du ein Auslandsemester absolvieren möchtest. Es stehen zur Auswahl: tolle Erfahrungen, möglicherweise Sonne und heiße Erasmuspartys. Dagegen spricht: die Verlängerung deines Studiums. Das grobe Fazit: Du bleibst zu Hause und erhoffst dir damit Zufriedenheit, ins Kamea zu gehen und mit einer Pornobrille zu posieren. Wenn du mal ein Fünkchen Zeit findest, schnupperst du in einige studentische Initiativen und Organisationen. Dir fällt auf, dass diese übermäßig viel durch KuWis besetzt sind. Wenn man die Zeit dazu hat. Kurz zweifelst du an der Wahl deines Studiums, wirst dir aber schnell wieder klar: Du bist am Ende dieses Spiels der Brötchengeber und isst selber vom Kuchen.

4.Semester Profilierungsphase! Das hört sich nach Profi-Liga an. Endlich kann man sich spezialisieren. Du bemerkst jedoch, dass sie eher nur weitere Scherereien mit dem Sprachenzentrum und ein Praktikum nach sich zieht. Nachdem du abgewägt hast, ob du den einfachen Weg wählen willst und den besten Freund der Tante deiner Großmutter um einen Praktikumsplatz in seinem Ziegeldachbetrieb fragst, entscheidest du dich doch dafür, das Ganze in die eigenen Hände zu nehmen. Wirtschaftswissenschaftler werden immer gebraucht, zu jeder Jahres- und Tageszeit! Du wirst fündig und versuchst das Ganze in deine Semesterferien zu quetschen. 12 Wochen dahin! Und am Ende gibt es wieder eine Prüfung.

5.Semester Dir fällt langsam auf, dass du in deinem 5. Fach Jura oder Kulturwissenschaften belegen musst. Jura ist eindeutig nichts für

dich und die bunten Kuwis sind dir auf den ersten Blick einfach viel zu suspekt. Dennoch entscheidest du dich für Kulturwissenschaften – ein leicht verdienter Schein mit moralischen, weltverbessernden Studenten in kleinen Seminarräumen. Du hast dir einen Freund mitgenommen, mit dem du die ganze Farce zusammen durchstehen wirst. Ihr beide seid überrascht, wie logisch Empirische Sozialforschung ist und wie gut sich davon manche Ansätze in die normale Welt integrieren lassen. Aus Spaß hast du jedoch auch ein richtiges Kuwiseminar belegt: „Wer bin ich und wie finde ich mich“. Man muss sich ja auch eingliedern und eine andere Welt an sich heranlassen. Dann stehst du schnell vor der ersten, zu schreibenden Hausarbeit zu einem „selbst gewählten“ Thema und überlegst dir, wie du da eigentlich wieder rauskommen sollst. Du merkst, dass du das Fach wohl ein wenig unterschätzt hast. Nimm es nicht auf die leichte Schulter, denn wer will schon wegen einer nicht bestandenen KuwiPrüfung sein BWL Studium gefährden? Hast du dir mal überlegt, wie das aussieht?

6.Semester Du stehst kurz vor dem großen Finale: die Bachelorarbeit. Das ganze sollte so schnell wie möglich über die Runden gehen, damit du bald in das richtige Leben starten kannst: Manager, Wirtschaftsprüfer, Chef der deutschen Bank – Hauptsache der Firmenwagen passt farblich zum Polohemd. Alles steht dir offen, denn du gehörst zur Elite. Du ergatterst ein Praktikum bei einer großen Firma. Heimlich sitzt du schon mal auf allen Chefsesseln Probe. Doch aus einer Festanstellung wird nichts, und so hangelst du dich von Praktikum zu Praktikum. Einige deiner ehemaligen Studienkollegen schwärmen von ihrem Job im Ausland. Doch dann meldet sich überraschend der Personalleiter des Golfpartners des Zahnarztes deines ersten Praktikumschefs, der dich gerne in seinem Team haben möchte. Du nimmst das Angebot an, nachdem die Farbe deines Firmenautos geklärt ist. Text: Saskia Pelzer (aus: vivadrina Heft 1, 2010, schwarz, S.7)


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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

Schreibsprechstunde Hallo Schreibzentrumsteam, ich schreibe gerade meine Bachelor-Arbeit und habe dazu eine Frage. Und zwar habe ich mich entschieden, meine Einleitung noch mal neu zu schreiben, weil ich mittlerweile gemerkt habe, dass sie nicht mehr aktuell ist. Diesmal will ich es richtig machen und jetzt frage ich mich, was genau eigentlich in einer Einleitung stehen muss. Könnt ihr mir da ein paar Tipps geben? Vielen Dank Lina Hallo Lina, es passiert ziemlich oft, dass man die Einleitung, die man am Anfang der Arbeit verfasst hat, am Ende noch mal neu schreibt. Denn erst, indem wir etwas schreiben, durchdenken wir es richtig und deshalb gelangen wir beim Schreiben oft woanders hin, als wir ursprünglich geplant hatten. Zu deiner Frage: Es gibt keine allgemeingültigen Antworten darauf, wie „die“ Einleitung aussehen sollte. Das hängt ganz stark von deinem Fach ab. Am besten gehst du in die Bibliothek und schaust dir ein paar Arbeiten an, um herauszufinden, wie andere ihre Einleitungen geschrieben haben. In manchen Fächern wird in der Einleitung eher journalistisch geschrieben, um das Thema erst mal interessant zu machen. Manchmal findet man auch Das Schreibzentrumsteam sitzt mit Rat und Tat zur Seite. schon eine Beschreibung des Forschungsstandes zum Thema in der Einleitung, während andere dafür ein Extra- beit vor, um zu einer Antwort auf deine Frage kapitel anlegen. bzw. zu deinem Ziel zu gelangen? - Deine Materialen: Welche Quellen hast du Wir können dir trotzdem ein paar wichtige zu deinem Thema ausgewählt und warum? Punkte sagen, die in deiner Einleitung auf- - Der Aufbau deiner Arbeit: Was kann der Letauchen sollten: ser in welchem Abschnitt der Arbeit finden? - Deine Fragestellung: Welche Frage wirst du in deiner Arbeit beantworten? Das heißt, Denk daran, dass alle Fragen, die du in der welches Problem stellst du dir? Einleitung stellst, im Fazit noch einmal auf- Deine Zielsetzung: Soll deine Arbeit etwas gegriffen und beantwortet werden sollen. dokumentieren, Klarheit in eine Kontrover- Im Fazit benennst du außerdem die Grenzen se bringen, Theorien vergleichen, etc.? deiner Arbeit und du eröffnest einen Aus- Deine Methode: Wie gehst du in deiner Ar- blick darauf, was sich nun für weitere ForText verbrezelt oder nicht auf den Punkt gekommen? Planvoll schreiben! Treffend schreiben! Entspannt schreiben! Studentische Schreibsprechstunde: - für deutsche und ausländische Studierende - für Bachelor und Master - für alle Textsorten und Fragen Sprechzeiten: 13 - 14 Uhr (montags, mittwochs, donnertags) im Schreibzentrum, AB 115 dienstags: in der Bibliothek im Hauptgebäude Semesterferien: nur mittwochs, 11 - 14 Uhr, AB 115 Weitere Infos und Angebote auf unserer Homepage: www.europa-uni.de/schreibzentrum oder per E- Mail: schreibzentrum@europa-uni.de

Quelle: Schreibzentrum

schung (oder auch Praxis) aus deiner Arbeit ergeben könnte. Komm doch einfach mal mit deiner Einleitung im Schreibzentrum vorbei. Wir können wir dir eine Rückmeldung darauf geben, ob dein Text für uns verständlich ist und ob die Formulierungen angemessen sind. Viel Erfolg für den Abschluss wünscht dir Sebastian (aus vivadrina, Heft 2, 2011, S. 13)


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Frankfurt – Frankfurt

Teil 1: Frankfurter Perspektiven vom Main über die Oder

Frankfurt am Main, abends, ein Wochenende im November. Langsam macht sich Weihnachtsstimmung breit auf der Zeil, einer der umsatzstärksten Einkaufsmeilen Deutschlands. Bei Kaufhof blinken künstliche Weihnachtsbäume, überall werden Glühweinstände aufgebaut und im Konsumtempel MyZeil blitzen schon die Lichterketten. Währenddessen werden in der Börse nur ein paar Schritte weiter in jeder Sekunde Millionen verzockt: Frankfurt am Main, das ist Megacity, „Mainhattan“ und schillernde Bankenmetropole. Schlendert man weiter über die Zeil, wird man irgendwann am Main landen und an seiner berühmtesten Brücke, dem „Eisernen Steg“. Von hier aus hat man bei Tag und Nacht einen herrlichen Blick über die Skyline mit den zahlreichen Wolkenkratzern. An uns vorbei hetzen Anzugträger, Jugendliche auf dem Weg zu Partys in den angesagtesten Clubs der City, schlendernde Pärchen und Obdachlose. Frankfurt gibt sich gerne selbstverliebt, obwohl „äschte Frankfodder“ selten geworden sind und die Oberschicht gerne in den mondänen Vororten der City wohnt. „Main Frankfurt“, das war vor kurzem eine Werbekampagne der Stadtverwaltung. Aber wissen all diese Bewohner, dass es noch ein weiteres „Frankfurt“ gibt? Frankfurt an der Oder, eine nette Kleinstadt in Brandenburg, Universitätsstadt, Kleiststadt, Grenzstadt und noch so viel mehr? Interessiert das die Frankfurter überhaupt? Denn die beiden Städte verdanken ihre Gründung und ihren Namen einer gemeinsamen Begebenheit: Einer Furt im Fluss, an der man in einer Zeit ohne Brücken an das andere Ufer kam. Übrigens sind mit dem ersten Namensteil nicht unbedingt die Franken als Volk gemeint; im 13. Jahrhundert, in das die Namensgebung der beiden Städte fällt, wurden Kaufleute gemeinhin als „Franken“ bezeichnet. Aber was verbinden denn nun die Frankfurter mit Frankfurt/Oder? Das wollten wir wissen und haben nachgefragt: Ein Student aus Frankfurt/Oder und einer aus Frankfurt/ Main. Und wir haben die Frankfurter gebeten, Frankfurt/Oder auf einer Deutschlandkarte einzuzeichnen. Vor unserer Umfrage befürchteten wir schon Schlimmstes, aber eigentlich dürfte das Resümee gar nicht so schlecht ausfallen. Die meisten Menschen kennen zumindest Frankfurt/Oder, viele wissen um die Lage an der Grenze zu Polen, einige kennen sogar die Viadrina, meistens über ihre ehemalige Rektorin, Gesine Schwan. Nur nach dem Bundesland darf

man nicht fragen. „Osten“? Sachsen? Mecklenburg-Vorpommern? Brandenburg? Berlin? Niedersachsen? Na was denn nun?

Wo liegt Frankfurt/Oder? Die Meinungen der Frankfurter gehen zumindest auseinander. Karte: Wikipedia, Bearbeitung: Fabian Angeloni

Und wenn ich ihnen ein ZUgticket nach FrankFUrt/Oder schenken würde, würden sie sich die stadt anschaUen? Einige Zitate geben wir hier wörtlich wieder. Der Leser möge seine eigenen Schlüsse ziehen, die Autoren enthalten sich (vor allem zu gewissen Beiträgen) weiterer Kommentare. Peter Willenborg, 48, Frankfurt-Westend „Gehört habe ich Frankfurt/Oder schon einmal, aber Genaueres weiß ich nicht. Eigentlich müsste ich das als erwachsener Mensch wissen. Ich glaube das liegt nordöstlich von Berlin in Richtung Ostsee an der deutschpolnischen Grenze. Verbinden kann ich jedoch nichts mit der Stadt“. Ohne Namensnennung, geschätzte 125, wahrscheinlich Frankfurt-Gallusviertel „Frankfurt/Oder? Lass mich bloß in Ruhe, das ist doch tiefste DDR, fast schon Polen, oder? Das interessiert mich überhaupt nicht. Was soll ich damit? Euer Zugticket könnt ihr euch sonstwo hinschieben. Da fahr ich doch nicht auch noch hin, das ist doch Zeitverschwendung…“ Günther Petri , 65, Frankfurt-Griesheim „Die ehemalige Anwärterin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan, kommt aus der kleinen Stadt östlich von Berlin, an der Grenze zu Polen. Dort gibt es eine sehr gute Universität, deren Name mir jedoch nicht einfällt“.

Nathalie Kraft/Özge Celimbak, beide 19, Gießen „Äh keine Ahnung. Kann man das essen? Liegt das in Deutschland? [Auf die Antwort: Das liegt in Brandenburg östlich von Berlin.] Das ist doch aber DDR oder so. Oder? Brandenburg ist doch noch DDR. Aber keine Ahnung. Da bin ich nicht gut drin. [Tipp: Gesine Schwan] Keine Ahnung. Ist Gesine Schwan irgendwie so eine Modedesignerin oder so? Hinfahren? Nein, weiß aber nicht wieso. Frankfurt/Oder ist komisch“. Christian Wolf, 25, Frankfurt-Bockenheim „Also ich weiß dass es im Osten an der Oder zur polnischen Grenze liegt. Die nächste größere Stadt ist glaube ich Dresden. Was es da aber Besonderes oder Berühmtes gibt, weiß ich nicht. [Tipp: Gesine Schwan] Ja, genau. Die Bundespräsidentenanwärterin. Kommt sie aus Frankfurt/Oder? [Tipp:Kleist] Den habe ich in der Schule gehasst. Ein Grund mehr, nicht dorthin zu fahren. Ein Zugticket dahin würde ich nicht annehmen, denn es gibt schönere Ziele die ich noch besuchen möchte, bevor ich nach Frankfurt/Oder komme“. Alain Merat, 32, Montpellier „Moi je connais Francfort sur Oder. Il y a une bonne université, qui s’appelle Viadrina. J’ai fait mes études d’économie internationale là pour deux semestres. La Viadrina et notre université à Montpelier sont jumelées. Heinrich von Kleist vient de la ville, comme Gesine Schwan, qui était même presidente de la Viadrina. La prochaine ville est Berlin. La ville soi-même est super belle. J’ai aimé faire mes études là“. Mareike Willewald, 22, Frankfurt-Rödelheim „Frankfurt/Oder? Da denke ich sofort an Heinrich von Kleist. Ist studiere nämlich Literaturwissenschaften. Aber was es da sonst noch so gibt, da hab ich keine Ahnung von. Hinfahren?, da hab ich Besseres zu tun, als mir in einer ostdeutschen Provinzstadt Plattenbauten anzuschauen“. Mehmet Sadal, 33, Hofheim (bei Frankfurt) „Frankfurt/Oder? Das liegt doch an der Grenze zu Polen, oder? Das ist doch dann in der Nähe von Auschwitz. Das würde ich mir gerne mal anschauen. [Tipp: Viadrina] Was? Eine Universität in so einer Stadt? Lohnt sich das überhaupt?“ Fabian Angeloni (Frankfurt/Oder), Jonas Tylewski (Frankfurt/Main)

(aus: vivadrina Heft 3, 2010, S.24)


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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

How To... Beam

Die Uni hat mehrere Kopierer des Modells „Océ VarioPrint 1055“ mit denen ihr auch scannen könnt. Zwei dieser Geräte stehen in der Bibliothek, eins im Geschichtsgang, das andere bei der Sprachwissenschaftlichen Abteilung. Weitere dieser Modelle befinden sich im AM 139 und GD 155. Der Unterschied zu anderen Kopierern besteht im USB-Anschluss, so dass man Dateien direkt vom USB-Stick ausdrucken kann. Das funktioniert auch in die andere Richtung. Es gibt die Möglichkeit das gewünschte Dokument statt einer Kopie direkt als pdf auf dem Stick zu speichern.

Für das Modell NEC aus dem Sprachenzentrum: 1. Beamer starten, dann erst Computer booten

Bild: Paul „Fo“ Bogadtke

How To... Scan

Wie scannt man? 1. Bei Optionen „Scannen“ auswählen 2. USB-Stick einstöpseln 3. „Direkt auf USB“ auswählen 4. Grüne Kopiertaste drücken Obwohl die genaue Anweisung direkt über den Kopierern steht, ist diese Methode weitgehend unbekannt. Bei Bildern oder Büchern, die über die Auflage eingescannt werden, ist die Qualität des Scans eher unterdurchschnittlich. Zusätzlich ist zu beachten, dass jeder Kopiervorgang als einzelne pdf abgespeichert wird. Falls man Bücher kopieren möchte, ist die Scan-Option weniger geeignet. Wird über Einzug gescannt, ergibt es nur eine pdf. Die Qualität ist ok. Einziges Problem: es wird nur einseitig gescannt. Fazit: Die Kopierer sind zum Scannen von Büchern nicht geeignet, sinnvoll ist die Option nur für einseitig bedruckte Blätter über den Einzug. Natalia Polikarpova

2. Auf dem Desktop: Rechtsklick -> Eigenschaften -> letzte Karteikarte -> bei Anzeige „Mehrere Monitore“ auswählen 3. Die Taste [Fn] gedrückt halten und mit [F4] durchzappen: auf der F-Taste muss ein Bildschirm dargestellt sein 4. Falls nötig, mit der physikalischen Anordnung (siehe 3.) experimentieren. Soll das Desktop des Beamers das selbe sein wie das Computerdesktop? Oder soll mit dem Beamer ein erweitertes Desktop neben dem Computerdesktop angezeigt werden? 5. llt Zum Testen fährt man mit der Maus an den Rändern des Desktops entlang. Verschwindet sie, ist sie auf der Desktopanzeige des Beamers zu sehen. Es ist auch möglich, über „Identifizieren“ den 1. und 2. Bildschirm herauszufinden. 6. Falls das Bild an der Wand nicht alle Farbtöne wiedergibt, den Stecker am Laptop mit einem Stift oder etwas ähnlichem abstützen. Durch das Gewicht des Steckers werden nur rote, grüne oder blaue Farben an den Beamer geleitet Mario Mische (Beide aus vivadrina Heft 5, 2009, S.29)

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Heft 3 2011 - Ersti Hilfe Paket

Erknitis

Neue Krankheit bei EUV-Studenten entdeckt!

Es gibt Hinweise auf eine einzigartige psychische Erkrankung bei Studenten und Studentinnen der Europa-Universität Viadrina. Die Redaktion interviewte den stadtbekannten Psychologen der Viadrina, Dr. Bernd Blindhuhn, zu seinen Erknitiserkenntnissen. vivadrina: Guten Tag Herr Doktor Blindhuhn. Danke, dass Sie für uns so kurzfristig etwas Zeit einräumen konnten. Dr. Blindhuhn: Ach, keine Ursache. Der Patient, der jetzt eigentlich einen Termin bei mir hätte, sitzt gerade in Berlin fest. vivadrina: Wunderbar, also Herr Doktor: Was genau ist denn Erknitis? Dr. Blindhuhn: Von dieser Erkrankung habe ich eigentlich erst durch die Viadrina-Studenten in meiner Sprechstunde erfahren. Dort klagten die Studierenden vermehrt über einen verwirrten Gemütszustand. Aber anstatt, dass sie sich „im Delirium befanden“, wie dies normale Leute tun, befanden sie sich „in Erkner“! (zuckt mit den Schultern) Davon habe ich in meiner ganzen Berufspraxis noch nie gehört. „Erkner“… klingt wie eine Mischung aus „Ärger“ und „Akne“… egal, jedenfalls gab ich ihr den Namen „Erknitis“. [lateinischer Name „via interruptus in erknerus, Anm. d Red.] Anscheinend wird es durch einen Virus übertragen, der das Gehirn befällt. vivadrina: Überaus treffsicher ihre Anamnese. Was sind denn genau die Symptome? Dr. Blindhuhn: Die sind sehr facettenreich. Es kommt zu Gereiztheit, Weinkrämpfen bis hin zu Wutanfällen, das volle Programm. Tritt sie nachts auf, kommen Schlafmangel und Schüttelfrost dazu. Tagsüber herrscht in „Erkner“ ein erhöhtes Risiko für Augenkrebs. Aber am schlimmsten ist das depressive Delirium: Man hat das Gefühl, dass man nicht zum Zug kommt, dass das Leben der anderen an einem vorbeirauschen würde, nur unterbrochen von körperlosen Stimmen, die sich für Störungen im Betriebsablauf entschuldigen… Ich als Fachmann erkenne in diesen Entschuldigungen natürlich sofort unterdrückte Schuldkomplexe. vivadrina: Das klingt ja wirklich bedrohlich. Sind alle Studierenden gefährdet? Dr. Blindhuhn: WANTED! Prinzipiell nicht, es scheint auch nicht ansteckend zu sein. Aber die Verteilung ist schon überaus eigenartig: Berliner, die in Berlin studieren, sind nicht betroffen und Frankfurter, die in Frankfurt studieren ebenso wenig. Anscheinend tritt Erknitis nur bei Studierenden auf, deVorläufiges Fahndungsfoto des Erknitis-Virus. Sachdienliche Hinweise zur Ergreifung bitte an ren Persönlichkeit den Medizinmann ihres Vertrauens.

gespalten ist, sie erfahren eine Diskrepanz zwischen ihrem Wohn- und Studienort. Dadurch befinden sie sich weder hier noch dort, sie sind nirgendswo verortet, können sich keiner einheitlichen Identität zuordnen. In den schlimmsten Fällen kommt es dann zu Erknitis. vivadrina: In den schlimmsten Fällen? Was ist denn die zweit-schlimmste Erkrankung? Hilft den Studenten wieder auf die richtige Bahn: Dr. Blindhuhn: Na EUV-Psychologe Dr. Bernd Blindhuhn  hübscher gemacht von: „Fo“ & Toshop ja, viele erkranken auch an der dicht verwandten Fangschleuchose. vivadrina: Oh mein Gott! Wie kann man sich denn schützen? Dr. Blindhuhn: Meine persönliche Empfehlung ist erst einmal, in der Stadt zu wohnen, in der man auch studiert. Damit wird das Infektionsrisiko um 33-54 % reduziert. Da die Kultur auch einen großen Teil der Persönlichkeit ausmacht, empfehle ich ebenso nur den Besuch von Kulturangeboten am Studienort. vivadrina: Konnte man denn schon einen Verantwortlichen ausfindig machen, der diese Pendler befällt? Gibt es schon ein Bekennerschreiben? Dr. Blindhuhn: Soweit ich weiß, nicht. Und was die Ursachen angeht: Wenn ich die Studenten in meiner Praxis darauf anspreche, brabbeln sie etwas von „Debe“ und „Erre Eins“ und werden immer ganz aufgeregt. Da ich ihnen aber jedwede Aufregung verboten habe, frage ich dann nicht weiter nach, was das bedeutet. vivadrina: Ich sehe, die Patienten sind bei Ihnen in guten Händen. Haben Sie schon eine Therapie entwickeln können? Dr. Blindhuhn: Ja, was das angeht, herrscht wirklich höchste Eisenbahn... ist trotzdem eine verfahrene Lage... Leider konnte ich noch keine bahnbrechende Therapie entwickeln. Meine Patienten glauben irgendwie, dass ich im falschen Zug sitze. Wann immer ich von ihren unterdrückten Schuldkomplexen anfange, schalten sie ihre Ohren auf Durchfahrt. vivadrina: Wir danken Ihnen für Ihre Zeit, Herr Doktor Blindhuhn. Wie gut, einen Fachmann an der Uni zu haben, der weiß, wovon er spricht.  Mario Mische (aus vivadrina Heft 2, 2011, S. 24)


Ersti Ausgabe Wintersemester 2011