einblick – Abgespaced

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AUSGABE #2 2022

DAS VISTA-MAGAZIN FÜR AUGENGESUNDHEIT

Abgespaced /// Kinderaugen vor der Sonne schützen /// /// Kontaktlinsen und Make-up — so gelingt es /// /// Schwirrende Mücken im Auge ///


INHALT

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Die Sehnerventzündung: Ursachen, Symptome und Behandlung

2 IMPRESSUM 3 EDITORIAL

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Virtual-Reality-Brillen – gut für deinen Augenblick?

IM FOKUS: Abgespaced

BEHANDLUNG

SAISONALER TIPP 4 Schadet Lesen bei

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Kinderaugen vor der Sonne schützen

12 Die Sehnerventzündung:

22 So gefährlich ist die

Ursachen, Symptome und Behandlung 14 Schwirrende Mücken im Auge

­Schwerelosigkeit 26 Wenn die Zukunft im Alltag hilft

EXPERTEN IM EINSATZ 16 Gemeinsam gegen Blindheit

FRÜH SCHÜTZT SICH 28 Kinderaugen vor der Sonne schützen

Kerzenschein den Augen? SCHUTZ & VORSORGE 6 Kontaktlinsen und

Make-up — so gelingt es

HORIZONT ERWEITERN

8 Das ging ins Auge!

18 Virtual-Reality-Brillen — gut

für deinen Augenblick? EXPERTENRAT 10 Wenn die Linien wellig werden: Die AMD und ihre Therapie

20 Ein Auge für das Spiel haben:

FCZ-Präsident Ancillo Canepa im Gespräch

LECKER & GESUND 30 Schwebend aus der Tüte essen 31 Buchtipp: Mit den Augen kochen mit Gewinnspiel Seite

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I NNGEW E L SP I

IM PRESSUM Magazin Einblick, 2. Ausgabe 2022 HERAUSGEBERIN

DESIGN & LAYOUT

Vista Augenpraxen & Kliniken Viaduktstrasse 42 CH-4051 Basel Marilena Baiatu (V. i. S. d. P.)

Hildegard Brinkel www.hildegard-brinkel.de BILDER

KONZEPTION

© Vista Augenpraxen & Kliniken: Marilena Baiatu

Unternehmenskommunikation Vista Augenpraxen & Kliniken

© Adobe Stock: grandeduc REDAKTION C Design Studio ~ Bitter ~ Unternehmenskommunikation Irving Sandoval Vista Augenpraxen & Kliniken Marilena Baiatu AustrianImages.com Claudia Wasmer Vjom Shannay Zynamon Kara Valeri Vatel MITARBEIT AN DIESER AUSGABE Sergey Nivens Susanna Valentin TKM Katja Hackmann RFBSIP Gregor Szyndler Анна Ковальчук Samantha Happ DragonTiger8 Florencia Figueroa photoschmidt Wilma Fasola swillklitch

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Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir das generische Maskulinum. Bei sämtlichen Personen­bezeichnungen sind alle Geschlechter einge­schlossen.

DRUCK

Burger Druck GmbH D-79183 Waldkirch AUFLAGE

9’000 Exemplare KONTAKT

communications@vista.ch www.vista.ch/einblick


EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

W

ir möchten unsere Faszination für das Auge mit Ihnen teilen, wir möchten spannende Gedan­ ken und Ideen aufgreifen und natürlich auch Wissen rund um unser Sehorgan vermitteln. Für diese Ausgabe des Einblick haben wir uns ein spezielles Thema ausgesucht: «Abge­ spaced» bedeutet umgangssprachlich in etwa «abgedreht» oder «verrückt» – und etwas ver­ rückt geht es in diesem Heft tatsächlich zu. Unser erster Artikel ist im wahrsten Sinne des Wortes «abgespaced»: Wir befassen uns mit dem Sehen im Weltraum. Wussten Sie, dass As­ tronauten, wenn sie nach erfolgreicher Mission auf die Erde zurückkehren, oftmals die Sehkraft verlieren? Weshalb das so ist und worum es sich genau beim VIIP-Syndrom handelt, erfahren Sie auf den Seiten 22 bis 25. «Abgespaced» sind aber auch einige der neuen Hilfsmittel und All­ tagshilfen für Menschen mit Sehbehinderungen. Lesen Sie auf den Seiten 26 und 27 über Blin­ denstöcke mit eingebautem Laser, OrCams oder Augenimplantate, welche das Sehen wieder möglich machen.

Für Sportler ist ausgezeichnetes Sehen oft ab­ solut zentral und ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wie wichtig sind zum Beispiel die Augen bei einem Fussballspiel? Diese und andere Fragen haben wir FCZ-Präsident Ancillo Canepa gestellt. Ab Seite 20 erzählt er von Augenverletzungen auf dem Spielfeld und was er persönlich unter­ nimmt, um eine gute Sicht und den Überblick zu behalten. In der heutigen Zeit tragen viele Menschen Kontaktlinsen – leider kommen sich Sehhilfe und Make-up aber oft in den Weg. Wir zeigen auf den Seiten 6 bis 7 auf, wie der perfekte Lidstrich gelingt, welche Produkte für Kontakt­ linsenträgerinnen geeignet sind und wie sich Augenreizungen vermeiden lassen. In der Rubrik «Früh schützt sich» erklären wir Ihnen, worauf Sie beim Kauf einer Sonnen­ brille für Kinder achten müssen, um die Augen Ihrer Kleinen auch vor starker Sonneneinstrah­ lung zu schützen. Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Lesen.

Christoph Gassner CEO Vista Augenpraxen & Kliniken

einblick

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SAISONALER TIPP

Schadet Lesen bei Kerzenschein den Augen? Im bequemen Sessel mit einer warmen Tasse Tee im schummrig romantischen Kerzenlicht ein Buch lesen — für viele von uns genau das Richtige an trüben Tagen. Doch bleibt oft ein kleines Unbehagen und die Frage: Ruiniert das «schlechte» Kerzenlicht die Augen?

W

ir alle kennen diese Warnung: «Lies nicht bei Kerzenlicht, das schadet deinen Augen!» Das Gute vorweg: Es gibt keine medizinischen Beweise, dass das Lesen bei Kerzenlicht zu einer langfristigen Schädigung der Augen führt. Was hingegen stimmt, ist, dass das Lesen im Dunkeln für die Augen anstrengender ist als bei Tageslicht und dass es die Augen ermüdet.

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einblick

Kerzenlicht macht schläfrig Kerzenlicht hat einen hohen Rotanteil und fühlt sich deswegen subjektiv warm und heimelig an, während Licht mit viel Blauanteil als kalt empfunden wird. Einen hohen Blauanteil hat beispielsweise das Licht eines Tablets, eines PCs oder des Fernsehers. Licht mit hohem Blauanteil reduziert die Ausschüttung von Melatonin, welches als «Schlafhormon» dafür sorgt, dass wir einen erholsamen Schlaf erleben. Warmes Licht hingegen macht uns schläfrig – ein Grund, warum wir bei Kerzenlicht gerne mal müde werden. Vor dem Zubettgehen sollte man also lieber auf den Bildschirm verzichten und stattdessen im dunklen Zimmer sitzend eine Kerze brennen lassen. Aber nicht vergessen, diese vor dem Einschlafen wieder auszupusten.


SAISONALER TIPP

Sehpurpur als Faktor Besonders beansprucht beim Lesen mit Kerzenlicht werden übrigens die lichtempfindlichen Stäbchen im Innern des Auges, welche für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlich sind. Dazu benötigen sie den Farbstoff Rhodopsin, auch Sehpurpur genannt. Wenn wir bei schwachem Kerzenlicht lesen, wird mehr Sehpurpur abgebaut, was aber nicht schlimm ist, denn beim Schlafen füllen sich unsere Vorräte wieder auf.

Kleiner Tipp Machen Sie beim Lesen mit Kerzenlicht öfter mal eine Pause. Um den Augen etwas Abwechslung zu gönnen, fixieren Sie zwischendurch die gegenüberliegende Ecke des Wohnzimmers oder etwas anderes, das ein paar Meter entfernt ist. Anschliessend wechseln Sie wieder zurück in den Nahbereich. Sie werden spüren, dass Ihre Augen wieder einen Moment lang entspannt lesen können!

einblick

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SCHUTZ & VORSORGE

Kontaktlinsen und Make-up so gelingt es

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einblick


SCHUTZ & VORSORGE

Wer Kontaktlinsen trägt, weiss wie schwer sich diese mit Make-up vereinen lassen. Wir erklären, was bei der Wahl von Make-up-Produkten und beim richtigen Schminken und Abschminken zu beachten ist.

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in schöner Lidstrich gehört zum perfekten Make-up dazu, aber selbst für Menschen mit guten Augen ist dies ein nervenaufreibendes Unterfangen. Jeder Strich muss exakt sitzen und die Hand darf nicht zittern. Denn hat man sich einmal vermalt, ist es schwer zu korrigieren. Das Problem des immer dicker werdenden Lidstrichs ist sicher einigen bekannt. Bei einer solch präzisen Arbeit ist ein scharfer Blick notwendig, also unbedingt erst die Kontaktlinsen einsetzen und dann am Erscheinungsbild arbeiten. Die Linsen sollten aber auch aus einem anderen Grund vor dem Schminken eingesetzt werden: Um Augenreizungen zu vermeiden, sollte verhindert werden, dass die Kontaktlinse mit dem Make-up in Berührung kommt. Eine andere Möglichkeit, falls das Augen-Make-up eher dezent eingesetzt, aber beispielsweise die Lippen betont werden sollen, ist der Griff zu einer Brille. Hier ist aber extreme Vorsicht geboten, wenn danach noch Kontaktlinsen zum Einsatz kommen: Wenn die Linsen noch nicht ganz eingetrocknete Wimperntusche streifen, kann das unangenehme Reizungen hervorrufen.

WELCHE PRODUKTE SIND GEEIGNET? Grundsätzlich gilt, dass Kontaktlinsenträger sehr auf die Qualität ihrer Produkte achten sollten. Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, sollten Sie bei Ihrem Make-up auf den Zusatz «ophthalmologisch getestet» achten – ein Produkt mit diesem Vermerk ist für empfindliche Augen geeignet.

Zudem ist es wichtig, die Make-up-Produkte regelmässig auszutauschen. So sollte die Mascara monatlich, der Eyeliner alle drei Monate und der Lidschatten nach einem halben Jahr nicht mehr gebraucht werden. Der Grund ist einleuchtend: Im Laufe der Zeit sammeln sich auf den gebrauchten Produkten Bakterien und Viren an und deren Konsistenz ändert sich – ein Mascara zum Beispiel verklumpt gerne und diese Verklumpungen können wiederum ins Auge gelangen.

AUGENREIZUNGEN VERMEIDEN Schminkt man sich mit Kontaktlinsen, so ist auch beim Auftragen einiges zu beachten. Wenn auf Kajal und Eyeliner nicht verzichtet werden kann, ist hier eher zu einem weichen Stift zu raten, der nicht so leicht abbröckelt. Normalerweise wird für den klassischen Smokey-Eyes-Look ein Lidstrich auf dem Innenrand der Lider gezogen – darauf verzichtet man aber besser, da die Farbe im Laufe des Tages ins Auge gelangen kann. Beim Abschminken ist die Reihenfolge dann umgekehrt: Zuerst die Kontaktlinsen herausnehmen, dann abschminken. Danach gilt es, die Schminke mit hypoallergenen Mitteln zu entfernen. Ölfreies Reinigungsgel bietet sich hier besonders an. Und auch wenn es manchmal schwerfällt, nach einer durchtanzten Nacht die Motivation aufzubringen, sollte man sich zum Abschminken doch genügend Zeit nehmen. Erstens der Haut zuliebe und zweitens, um zu verhindern, dass kleine Partikel des Make-ups in die Augen gelangen und diese reizen.

einblick

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SCHUTZ & VORSORGE

Das ging ins Auge! Nicht nur unsere Knöchel und Sehnen nehmen im Sport hin und wieder Schaden, sondern auch unsere Augen. Dabei wäre es so einfach, sie vor Sportunfällen zu schützen. Wie man dies am besten macht und bei welchen Notfällen Sie besser gleich zum Arzt gehen, lesen Sie hier.

290km/h können sehr schnelle Federbälle fliegen.

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einblick

W

er seinen Augen etwas Gutes tun will, treibt Sport. Denn Sport hält nicht nur das Kreislaufsystem in Schwung, sondern sorgt auch dafür, dass die Augen fit und vor allem gesund bleiben. So fördern Sportarten wie z. B. das Bogenschiessen das visuelle Fixieren, Tennis und Golf sind gut für die visuelle und räumliche Koordination, und Schwimmen, Joggen und Leichtathletik regen die Durchblutung an und tragen somit zu einer guten Sauerstoff­ versorgung der Augen bei.


SCHUTZ & VORSORGE

Sport kann allerdings auch gefährlich sein. Gemäss Unfallstatistik betrifft etwa ein Prozent aller Sportverletzungen unser Sehorgan. Auf den ersten Blick scheint ein Prozent keine hohe Quote zu sein. Bedenklich wird dieser Umstand allerdings, wenn man sich vor Augen hält, dass über 90 Prozent dieser Augenverletzungen durch entsprechende Vorsichtsmassnahmen hätten verhindert werden können. Besonders Sportarten, bei denen Bälle zum Einsatz kommen, bergen ein Risiko: Golfbälle zum Beispiel erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h, Federbälle – sie brechen damit alle Rekorde – von bis zu 290 km/h. Ein solches Geschoss ins Auge zu bekommen ist oft nicht nur unangenehm, sondern gefährlich. Laut Unfallversicherern verursachen die Sportarten Squash, Wasserball, Tennis, Badminton und Basketball die meisten Augenverletzungen. Ebenso als gefährlich eingestuft werden Sportarten, bei denen Schläger und Stöcke zum Einsatz kommen. Auch das Boxen schafft es auf die Liste der gefährlichen Sportarten. Wie stark die Augen bei einem Schlag geschädigt werden, hängt allerdings nicht nur von der Geschwindigkeit oder der Schlagstärke ab, sondern auch von der Distanz und dem Ort des Aufpralls. Die gute Nachricht ist: Häufig gehen die Sportunfälle glimpflich aus. So werden laut Statistik etwa zwei Drittel der Augenverletzung­ en als leicht bis mittelschwer und nur ein Drittel als schwer eingestuft.

1%

aller Sportverletzungen betreffen unser Sehorgan.

90% der Sport-Augenverletzungen hätten durch entsprechende Vorsichtsmassnahmen verhindert werden können.

Brillen, Masken und Helme Die Palette der Augenverletzungen reicht von Prellungen über Blutergüsse bis hin zu Rissen und Brüchen der Augenhöhle. Ob die Wunde gefährlich ist, hängt davon ab, in welchem Bereich sie sich befindet. Eine Einblutung der Bindehaut zum Beispiel ist, wenn sie nicht auf eine weitergehende Schädigung hinweist, eine harmlose Verletzung und bedarf keiner Therapie. Einblutungen in der vorderen Augenkammer hingegen können unbehandelt zu Komplikationen führen. Ebenso risikobehaftet sind Einrisse in der Bindehaut und Risse in der Hornhaut. Auch Linsenund Netzhautschäden sollten keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Doch egal, um was für eine Augenverletzung es sich handelt: Es lohnt sich in jedem Fall, vorsichtshalber den Augenarzt aufzusuchen. Warum? Nicht alle Verletzungen werden sofort bemerkt, zum Beispiel Risse in der Netzhaut. Aber wie schützt man sich vor Verletzungen? Laut Sportophthal­mologen (Ophthalmologie = Augenheilkunde) schützen Brille, Maske oder Helm am besten. Wichtig ist dabei, dass die Schutzvorrichtungen gut sitzen, über ein bruchfestes Kunststoffglas und ein stabiles Gestell verfügen. Es braucht also nur wenig Aufwand für eine grosse Schutzwirkung.

einblick

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EXPERTENRAT

INTERVIEW

Wenn die Linien wellig werden Die altersbedingte Makuladegeneration — kurz AMD — ist eine Er­krankung, bei der Patienten zunehmend ihre Sehschärfe verlieren. In der neuen Vista Augenklinik Zürich kümmert sich ein spezialisiertes Team rund um PD Dr. med. Karen B. Schaal nur um diese Augenkrankheit, mit dem Ziel, das Augenlicht der Patienten möglichst lange zu erhalten.

P

D Dr. med. Karen B. Schaal ist aus­ gewiesene Expertin auf dem Gebiet der AMD. Neben ihrer ärztlichen Tätigkeit in der Vista erforscht sie seit Jahren diese Krankheit. Zeit, ihr einige Fragen zum Thema zu stellen:

Im Gespräch

PD Dr. med. Karen B. Schaal Fachärztin für Augenheilkunde

PD Dr. med. Karen B. Schaal beschäftigt sich schon seit 15 Jahren mit der AMD und ist eine renommierte Expertin auf diesem Gebiet.

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einblick

Wie zeigt sich eine altersbedingte Makula­ degeneration? PD Dr. med. Karen B. Schaal: Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) bilden sich zu Beginn Ablagerungen unter der Netzhaut. Diese Frühform der AMD bemerkt der Patient in der Regel nicht. Erst wenn die Ablagerungen eine bestimmte Grösse haben, können sie sich bemerkbar machen. Die Patienten sehen dann zum Beispiel plötzlich alles wellenförmig. Bei solchen Symptomen ist es wichtig, zum Augenarzt zu gehen.


EXPERTENRAT Wenn wir gerade Linien plötzlich als wellen­förmig wahrnehmen, könnte das ein Symptom für AMD sein.

Gibt es nur eine Art der AMD? PD Dr. med. Karen B. Schaal: Wie bei vielen anderen

Erkrankungen auch, gibt es auch bei der AMD unterschiedliche Stadien: Bei der frühen und intermediären AMD handelt es sich immer um eine sogenannte «trockene» AMD. Bei der Spätform kann sich entweder eine Atrophie (Gewebeschwund) bilden (Spätform der trockenen AMD), dann spricht man von geographischer Atrophie, oder es können sich zu den «trockenen» Befunden zusätzlich neue Gefässe bilden, dann spricht man von der «feuchten» AMD. Viele Menschen denken oftmals sie hätten entweder eine «trockene» oder eine «feuchte» AMD, jedoch erkläre ich immer, dass sich eine feuchte AMD zusätzlich zur trockenen AMD ausbilden kann. Wodurch entsteht eine AMD? PD Dr. med. Karen B. Schaal: Die AMD wird durch unterschiedliche Faktoren verursacht. Einige davon kann man beeinflussen, andere nicht. Wie der Name der Erkrankung verrät, tritt die altersbedingte Makuladegeneration typischerweise erst ab dem 50. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und auch die Augenfarbe spielt eine Rolle, da helle Augen mit einem höheren Risiko assoziiert sind. Auch genetische Faktoren sind entscheidend. All dies können wir nicht beeinflussen. Aber es gibt zum Glück auch Faktoren, die wir in der Hand haben. So ist UV-Strahlung für unsere Netzhaut schädlich, daher ist das Tragen einer Sonnenbrille oder eines Hutes wichtig. Und auch das Rauchen ist ein grosser Risikofaktor, da es die Erkrankung negativ beeinflusst. Zu guter Letzt kann eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung ihren Teil zur Vorbeugung beziehungsweise Verlangsamung des Voranschreitens der AMD beitragen.

Wie sieht die Behandlung aus? PD Dr. med. Karen B. Schaal: Bei der Behandlung muss man zwischen der «trockenen» und der «feuchten» AMD unterscheiden. Bei der trockenen intermediären AMD kann man spezielle Vitamine in einer hohen Dosierung zu sich nehmen. Wenn man diese in Absprache mit dem Arzt über viele Jahre einnimmt ist es wissenschaftlich erwiesen, dass man hierdurch das Risiko, eine feuchte AMD zu entwickeln, um circa 25 Prozent reduzieren kann. Für die Spätform der trockenen AMD (Geographische Atrophie) steht uns in absehbarer Zeit vermutlich erstmals eine Therapie mit Injektionen zur Verfügung, welche die Ausdehnung des Narbenwachstums verlangsamen kann. Hat sich eine feuchte AMD ausgebildet, kann man einen (sogenannten Anti-VEGF-)Wirkstoff ins Augeninnere spritzen. Der Wirkstoff hemmt die Entstehung krankhafter Gefässe im Bereich der Netzhaut und macht undichte Gefässe vorübergehend wieder dicht. Da der Wirkstoff aber laufend vom Körper abgebaut wird, muss man ihn immer wieder ins Auge geben. Der Abstand der Abgabe variiert je nach Aktivität der feuchten AMD zwischen 4 und 16 Wochen. Kann man die Entstehung einer AMD verhindern? PD Dr. med. Karen B. Schaal: Die Entstehung kann man (noch) nicht verhindern, da sich bestimmte Faktoren wie Geschlecht, Alter, Augenfarbe und Erbgut nicht beeinflussen lassen. Aber man kann den Verlauf sicherlich beeinflussen, indem man auf einen guten Sonnenschutz und eine gesunde Ernährung achtet und zudem nicht raucht. Gibt es eine Heilung? PD Dr. med. Karen B. Schaal: Leider nein. Bei der AMD handelt es sich um eine chronische Erkrankung, welche einen bis ans Lebensende begleiten wird. Mit medizinischer Betreuung kann der Verlauf aber beeinflusst werden. Unser Ziel ist es, die Sehkraft unserer Patienten mit regelmässiger Therapie so weit wie möglich zu erhalten.

i Sehen Sie nicht mehr so gut wie früher? Kommen Sie vorbei zur Vorsorgeuntersuchung: vista.ch

einblick

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BEHANDLUNG

SEH NERV

ENTZÜNDUNG

URSACHEN, SYMPTOME UND BEHANDLUNG Für unser Sehvermögen ist der Sehnerv zentral, denn er leitet alle wichtigen Signale an unser Hirn weiter und verarbeitet dort die Informationen zu einem Bild. Doch der Sehnerv kann sich entzünden und so für Schmerzen oder eine schlechte Sicht sorgen.

I

Tritt häufig im Alter von

18 45 bis

Jahren auf

n der Fachsprache nennt sich die Entzündung des Sehnervs Optikusneuritis. In erster Linie macht sich die Krankheit durch eine Minderung des Sehvermögens bemerkbar, aber auch schmerzende Augenbewegungen sind meist typische Symptome der Optikusneuritis. Am häufigsten betroffen sind Menschen zwischen 18 und 45 Jahren sowie Personen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind.

Man unterscheidet

2

Formen der Sehnerventzündung 12

einblick

Typische und atypische Optikusneuritis Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Sehnerventzündung. Bei der typischen Optikusneuritis verschlechtert sich das Sehvermögen sehr rasch, was sich in einer einseitig abnehmenden Sehschärfe oder durch schwarze Flecken im Gesichtsfeld zeigt. Zudem treten dumpfe Schmerzen im Auge auf, die sich bei Augenbewegungen und Druck auf den Augapfel verstärken.


BEHANDLUNG

Von einer atypischen Sehnerventzündung spricht der Augenarzt, wenn die Betroffenen jünger als 18 oder älter als 45 Jahre sind. Zudem gibt es Fälle, bei denen die Beschwerden nicht mit Schmerzen einhergehen oder bei denen beide Augen gleichzeitig betroffen sind. Auch atypisch sind Veränderungen am Übergang des Sehnervs in die Netzhaut. Eine atypische Sehnerventzündung tritt häufig auch zusammen mit Rheuma und Infektionen auf. Meistens legen sich die Symptome innerhalb eines Monats wieder. Im schlimmsten Fall bleibt aber eine langfristig beeinträchtigte Farbsicht oder eine Verminderung des räumlichen Sehens zurück. Gefährlich wird eine Seh­nerventzündung, wenn sie chronisch wird, denn dann kann der Nerv ver­ kümmern und einen graduellen Sehverlust herbeiführen.

Wie stellt der Arzt fest, ob eine Optikusneuritis vorliegt? Im Verdachtsfall leuchtet der Augenarzt mit einer Diagnostiklampe in das Auge. Bei gesunden Augen sorgt das Gehirn dafür, dass sich beide Pupillen als Folge des Pupillenreflexes sofort verengen. Liegt eine Entzündung vor, bleibt bei der betroffenen Seite die Pupille geöffnet oder reagiert träger. Ausserdem wird der Arzt auch nach Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, Fieber, Hautausschlägen, Gelenkschmerzen oder reduzierter körperlicher Kraft fragen, denn solche Symptome können auf eine hinter der Optikusneuritis liegende Krankheit deuten. Viele Mediziner empfehlen bei Verdacht auf Multiple Sklerose ausserdem eine Magnetresonanztomografie. Falls eine Kortison-Therapie angeordnet wird, ist es wichtig, dass das Kortison über die Vene verabreicht wird. Unbedingt verzichten muss man bei einer Optikusneuritis auf Saunagänge, da sich durch die Erhöhung der Körpertemperatur auch das Sehen verschlechtern kann. Zudem beeinträchtigt eine Sehnerventzündung das räumliche Sehen – es macht also Sinn, das Auto in der Garage zu lassen. Lesen hingegen, digital und auf Papier, ist nach wie vor bestens möglich.

Innerhalb von

1

Monat legen sich die Symptome oft wieder

Der Sehnerv und seine Funktion Der Sehnerv beginnt an der Papille des Auges und ist 4 bis 5 cm lang. Er überträgt die auf die Netzhaut ein­treffenden Lichtimpulse an unser Gehirn, wo die Informationen zu einem Bild verarbeitet werden.

Augendarstellung im Querschnitt einblick

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BEHANDLUNG

Schwirrende Mücken im Auge

Tauchen schwarze Punkte vor den Augen auf, erinnert das an fliegende Mücken. «Mouches volantes» — so die Bezeichnung auf Französisch — klingt zwar schön, kann jedoch störend sein. Grund dafür ist eine ­Glaskörpertrübung des Auges.

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einblick


BEHANDLUNG

U

m der Ursache für die schwarzen Punkte vor den Augen auf den Grund zu gehen, ist es hilfreich, zuerst den Glaskörper des Auges unter die Lupe zu nehmen. Dieser gelartige Bestandteil unseres Sehorgans besteht zu 98 % aus Wasser, zu 2 % aus Hyaluronsäure und Kollagenfasern. Damit füllt er das Augeninnere zwischen Linse und Netzhaut aus. Tauchen nun plötzlich die besagten «Mücken» oder auch sich bewegende Fäden vor den Augen auf, passiert etwas mit der Struktur des Augeninneren. Blickt man auf helle Flächen, fällt dies besonders auf.

Schatten auf der Netzhaut Schwirren die Punkte umher, kann die Ursache dafür beim Glaskörper liegen: Er verflüssigt sich oder löst sich gar von der Netzhaut ab. Die Kollagenfasern verklumpen, während der Glaskörper flüssiger wird. Bei Lichteinfall werfen sie deshalb einen Schatten auf die Netzhaut, welcher als Punkte oder bewegende Fäden wahrgenommen wird. Alles in allem gehört dieser Prozess zum Älterwerden dazu und stellt kein medizinisches Problem dar – ausser, dass die veränderte Sicht bisweilen unangenehm sein kann. Allerdings ändert sich die Situation, wenn in einer kurzen Zeitspanne plötzlich ganz viele Mücken umherschwirren; dann besteht Handlungsbedarf: Eine akute und sehr schnelle Veränderung der Sicht kann nämlich bedeuten, dass sich der Glaskörper von der Netzhaut abhebt. Ein Prozess, der manchmal auch von «Blitzen» begleitet wird. Es kann sein, dass das Ziehen an der Netzhaut zu einem Loch in derselben führt. Dann ist sehr zeitnah eine Laser-Opera­tion erforderlich. Da man selbst kaum einschätzen kann, ob die Symptome harmlos sind oder ob ein folgenschweres Netzhautproblem vorliegt, ist es wichtig, beim vermehrten Auftreten von Mücken oder Blitzen sofort einen Augen­arzt aufzusuchen.

Abhilfe schaffen Mouches volantes, fliegende Mücken oder eben die Glaskörpertrübung sind meist unproblematisch. Was natürlich nicht heisst, dass sie nicht lästig sein können. Abhilfe schaffen können aber kleine Anpassungen unseres Verhaltens im Alltag: So sollte der Blick auf helle Flächen vermieden werden. Die Helligkeit von Bildschirmen von Handy und Computer kann leicht gedimmt werden, damit die schwarzen Punkte nicht zusätzlich durch das grelle Licht verstärkt werden. Auch Sonnenbrillen bieten Abhilfe. So können selbsttönende Gläser den Effekt abfedern. Manchmal hilft sogar das Gehirn dabei, Lästiges auszublen-­ den: Mouches volantes verschwinden zwar nicht plötzlich aus dem Auge, unser Hirn kann sie aber hier und da durch die Gewöhnung kompensieren, so dass die schwarzen Punkte als weniger störend wahrgenommen werden.

i Weitere Informationen zu Mouches Volantes finden Sie auch auf unserer Webseite: vista.ch/netzhaut

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MÉRIDA & TEKAX

INTERVIEW

GEMEINSAM GEGEN BLINDHEIT Seit über 20 Jahren führen renommierte Augen­ärzte jährlich hunderte von Augen­ operationen im Rahmen eines humanitären Einsatzes in Mexiko durch. Seit diesem Jahr ist auch Dr. med. Theo Signer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Vista Augenpraxen und Kliniken, dabei.

D

er Graue Star ist weltweit ein zunehmendes Problem und führt bei vielen Patienten ohne medizinischen Eingriff zur Erblindung. Aus diesem Grund reist Dr. med. Alex Heuberger jedes Jahr mit Arztkollegen nach Mexiko, um dort praktisch erblindeten Patienten neues Augenlicht zu geben. Dieses Jahr war auch Dr. med. Theo Signer Teil des Schweizer Ärzteteams, das zwei Wochen lang über 200 Menschen kostenlos operierte.

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einblick

Von links: Dr. med. Theo Signer und sein Kollege, Dr. med. Juan Cabanas, Netzhautchirurg aus Mérida.


EXPERTEN IM EINSATZ

Mit wie vielen Ärzten wart ihr vor Ort und wo hat euer Einsatz stattgefunden?

arbeitet. Das gesamte medizinische Personal war sehr gut ausgebildet, wissbegierig und extrem hilfsbereit.

Unser Team bestand aus vier Schweizer Augenärzten und zwei Kollegen aus Mexiko. Operiert haben wir in Mérida und Tekax.

Welche Patienten konnten von dem Projekt profitieren?

Unter welchen Bedingungen habt ihr in Mexiko operiert?

Da keine entsprechenden Operationssäle vorhanden waren, haben wir auf unsere eigene Ausrüstung zurückgegriffen. Diese wurde in den letzten 20 Jahren mit Hilfe von Stiftungsgeldern angeschafft und stetig erweitert. Zwischen den Einsätzen wird sie in Mexiko City eingelagert und kann dann dort jeweils abgeholt werden. Das Material, unter anderem portable Sterilisatoren, wurde von uns nach Mérida und Tekax transportiert. Dort haben wir improvisierte Operationssäle, beispielsweise in einem Aufwachraum des lokalen Spitals, eingerichtet. Um möglichst viele Patienten betreuen zu können, haben wir zu zweit oder sogar zu viert im selben Raum gleichzeitig operiert. Wer hat euch vor Ort unterstützt?

Das nationale System für die ganzheitliche Entwicklung der Familie in Mexiko, kurz DIF, hat den Einsatz sehr gut vorbereitet und uns auch vor Ort geholfen. Auch das lokale Personal der Spitäler hat rund um die Uhr hervorragend mit uns zusammenge-

Das DIF hat im Vorfeld Patienten ausgewählt, die keine Krankenversicherung oder finanzielle Mittel haben. Sie wurden von lokalen Ärzten untersucht und in das Programm aufgenommen. Aufgrund der politischen Lage und der Pandemiesituation konnten wir allerdings nur in einem Staat Mexikos agieren, so dass weniger als üblich operiert werden konnte. Insgesamt haben wir aber dennoch knapp 220 Operationen durchgeführt. Wer übernimmt die Nachbetreuung der operierten Patienten?

Die Nachbetreuung wird von lokalen Augenärzten durchgeführt. Ich bin aber in regem Austausch mit den Kollegen vor Ort und erhalte regelmässig Feedback. Bis jetzt sind sämtliche Patienten komplikationsfrei und mit dem Resultat zufrieden. Hattet ihr Kontakt zur Bevölkerung vor Ort?

Ja, selbstverständlich. Die vielen Kontakte haben wir auch sehr geschätzt. Die Menschen, die wir vor Ort kennenlernen durften, sind ausgesprochen liebenswert und freundlich. Von ihrem Optimismus und ihrer Lebensfreude können wir viel lernen.

Wie wird das Projekt finanziert?

Das Projekt wird vom DIF und von den Sponsoren des Projekts gegen Blindheit in Mexiko von Dr. med. Alex Heuberger getragen. Auch wir behandelnden Ärzte steuern, neben unserer Zeit, etwas bei. Wir arbeiten natürlich unentgeltlich und übernehmen zudem die Kosten für die Flüge und unsere Verpflegung vor Ort. Was habt ihr in den zwei Wochen als Projektteam erreicht und was hat der humanitäre Einsatz ganz persönlich für dich gebracht?

Persönlich bewegt haben mich die Lebensfreude und die Hilfsbereitschaft der Menschen, aber auch die Dankbarkeit der Patienten und Mitarbeitenden hat mich sehr berührt. Ich habe mich aus Überzeugung dem Projekt angeschlossen und werde auch weiterhin an Einsätzen teilnehmen. In der Schweiz profitieren wir von einem hohen Lebensstandard und einer fundierten Ausbildung, beides ist für uns ganz selbstverständlich. Mir ist es wichtig, dass Menschen, die mit völlig anderen Voraussetzungen umgehen müssen, wenigstens ein bisschen partizipieren können. Gemeinsam konnten wir über 200 Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen und ihnen das Augenlicht zurückgeben. Darauf bin ich stolz.

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HORIZONT ERWEITERN

VIRTUAL REALITY BRILLEN

Virtuelle Welten ge­hören zu unserem Alltag. Um sie zu ­erforschen, benötigen wir eine sogenannte VR-Brille. Doch welche Auswirkungen hat das Tragen von VRBrillen eigentlich auf unsere Augen und unser ­Sehverhalten?

GUT FÜR DEINEN AUGENBLICK?

S

ie sind schon lange den Kinderschuhen entschlüpft und nicht mehr nur in der Spielebranche zuhause – Virtual-Reality-Brillen kommen mittlerweile auch in der Industrie zum Einsatz. Reiseveranstalter nutzen sie, um beispielsweise den Gang über das Kreuzfahrtschiff oder durch das Hotel zu simulieren. Gleiches gilt für Makler, die so ohne aufwendige Besichtigung ihren Kunden einen realen Eindruck der Immobilie ermöglichen können. Auch in der Medizin gibt es verschiedenste Einsatzgebiete: So kann zum Beispiel ein Chirurg aus Kalifornien heute eine Operation in der Schweiz begleiten.

So nah und doch so fern Bei den heutigen VR-Brillen handelt es sich in der Regel um ausgereifte Elektronikgeräte – sie verfügen nicht nur über Displays, sondern beinhalten auch Kopfhörer und sind in der Lage, unsere Kopf- und Körperbewegungen zu erfühlen. Vielfach werden auch Controller mitgeliefert, die mit den Händen bewegt werden. Die Headsets selbst werden mittels Kabel an den Computer angeschlossen oder sind so konstruiert, dass sich ein Smartphone hineinstecken lässt. In beiden Fällen sorgen die eingebauten Linsen dafür, dass wir das Gefühl haben, in die Ferne zu blicken, obwohl sich das Bild eigentlich direkt vor unseren Augen befindet. 18

einblick


HORIZONT ERWEITERN

Optisch stehen wir somit mitten im Geschehen. Ein reizvolles Erlebnis für fast alle Sinne, bei dem aber vor allem unser Sehsinn beansprucht wird. Es stellt sich also die Frage, ob VR-Brillen negative Auswirkungen auf unsere Augen haben?

Die Auswirkungen auf unsere Augen Ein Problem beim Tragen von VR-Brillen ist, dass unsere Augen praktisch ihrer Arbeit beraubt werden. In der Realität passen sich unsere Augen konstant den äusseren Bedingungen an. Wenn wir ein Buch lesen, schalten unsere Augen sozusagen auf nahe Sicht und wenn wir ein Geräusch wahrnehmen und aufschauen, können wir ruckartig auf die Ferne fokussieren. Diese Umstellung geschieht innerhalb von Millisekunden. Beim Tragen einer VR-Brille verharren unsere Augen jedoch in der Fernblick-Position, da ihnen konstant Weite vorgegaukelt wird. Die Distanz zum Display vor dem Auge ist starr und die Einstellung der Schärfe erfolgt durch die Linsen im Headset. Tragen wir die VR-Brille daher lange und regelmässig, besteht die Gefahr, dass unsere Augen träge werden und nicht mehr so schnell zwischen Nah- und Fernsicht wechseln können. Es braucht mehr Anstrengung und kann länger dauern. Dies gilt zudem auch für die Zeit nach dem Tragen. Daher wird vom Autofahren oder dem Bedienen von Maschinen kurz nach dem Ablegen einer VR-Brille abgeraten.

Nicht für jeden geeignet Ein nächster heikler Punkt ist der in den meisten VR-Brillen fixe Augenabstand. Dieser wird in Millimetern gemessen und gibt den Abstand beider Augen zueinander an. Weicht der reale Augenabstand von dem im Headset implementierten Abstand fest ab, kann auch das zu Sehproblemen führen. Ebenfalls zu beachten ist das vom eingebauten Bildschirm ausgesendete Blaulicht. Es kann zu Schlafstörungen führen, wenn die VR-Brille noch kurz vor der Bettgehzeit benutzt wird.

Der Körper ist keine Maschine Virtuelle Welten haben ohne Frage ihren Reiz. Sie ermög­ lichen uns, in einem winzigen Raum herumzulaufen und dabei die Weite der Savanne zu erleben. Oder gegen tausende Gegner zu kämpfen, während wir sicher daheim im Wohnzimmer stehen. Es braucht aber den bewussten Umgang damit, wie wir ihn eigentlich auch mit dem Smartphone, Fernseher oder Computer pflegen sollten. Denn der Reiz, den die Augen mit VR-Brillen erfahren, ist für sie ungewöhnlich und fordert sie entsprechend. Genügend Pausen von Fantasiewelt und Bildschirmen sind also das A und O, möchte man langfristigen Schaden vermeiden. einblick

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HORIZONT ERWEITERN

INTERVIEW

Ein Auge für das Spiel haben FCZ-PRÄSIDENT ANCILLO CANEPA IM GESPRÄCH Der FCZ wurde dieses Jahr Schweizer Meister. Was bedeutet der Meistertitel für Sie ganz persönlich? Da wir doch einigermassen unerwartet Meister wurden, aber aufgrund der Tatsache, dass wir auf allen Ebenen sehr intensiv und konzentriert gearbeit haben, ist dies für mich der wertvollste Titel, den ich mit dem FCZ bisher gewinnen durfte. Die Vista war in den letzten drei Jahren offizieller Augenarzt des FCZ. Wieso legt der FCZ so viel Wert auf die Augengesundheit der Spieler? Gerade im Fussball ist «Sehen» eine der wichtigsten Körperfunktionen. «Er hat das Auge für das Spiel» ist keine Floskel, sondern eine entscheidende Grundvoraussetzung um erfolgreichen und intelligenten Fussball spielen zu können. Plaudern Sie mal aus dem Nähkästchen: Wie viele Augenverletzungen haben Sie in Ihrer Zeit als Präsident beim FCZ schon erlebt? Eine Augenverletzung im engeren Sinn habe ich zum Glück beim FCZ noch nie erleben müssen. Aber: Dass das Sehvermögen bei einzelnen Spielern eingeschränkt sein könnte,

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haben wir schon bemerkt und den Spieler dann sofort zur medizinischen Abklärung geschickt. Ein Fall betraf den Torhüter, der bei Flutlichtspielen grosse Probleme hatte. Stellen Sie sich vor, Sie würden ein Spiel mit verbundenen Augen schauen. Welche Eindrücke würden Ihnen bleiben? Aufgrund der Reaktionen des Publikums könnte ich ein Spiel wohl realistisch mitverfolgen. Was tun Sie, um eine gute Sicht zu behalten? Sowohl sportlich als auch gesundheitlich? Ich habe mir vor einigen Jahren meine Augen lasern lassen. Seither kann ich problemlos wieder ohne Brille Zeitung lesen oder beim Einkaufen selbst die kleinst geschriebenen Erläuterungen erkennen. Welche Aussichten dürfen die Fans in der nächsten Saison erwarten? Wir wollen auch nächste Saison über eine kompetitive Mannschaft verfügen. Dementsprechend haben wir im Rahmen unserer Kaderplanung diverse Transfers vorgenommen. Das kurzfristige Ziel ist klar: Qualifikation für die Gruppenphase eines euro-­­ ­pä­ischen Wettbewerbs.

Der FC Zürich gewann am 1. Mai 2 : 0 gegen den FC Basel und wurde damit Schweizer Meister 2022.


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Ancillo Canepa ist seit 2006 Präsident des FCZ. Seit seinem Amtsantritt gewannen die Fussballprofis vier Schweizer Meisterschaftstitel und drei Schweizer Cupsiege. Neben der Förderung des Nachwuchses engagiert sich Ancillo Canepa auch stark für das Frauenfussball­ team des FCZ.

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IM FOKUS

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er Weltraum – für viele von uns eine faszinierende Weite, die wir nur ausschnitthaft auf Bildern entdecken können. Was Astronauten auf ihren Reisen zu sehen bekommen, bleibt für die meisten von uns (zumindest vorerst) leider verborgen. Dafür müssen wir uns aber auch nicht den Gefahren des Weltalls aussetzen – und davon gibt es reichlich, selbst für die Augen. Science Fiction oder Realität Erst vor kurzem rückte durch die Netflix-Serie «Away» eine mysteriöse Augenkrankheit aus dem All in den Fokus. Auf der langen Reise zum Mars scheint einer der Protagonisten plötzlich zu erblinden. Erst nach einiger Zeit wird klar, woran der Betroffene leidet: dem «visual impairment and intracranial pressure syndrome», kurz VIIP-Syndrom. Tatsächlich handelt es sich beim VIIP-Syndrom nicht um eine Erfindung der Serie-Autoren, sondern um ein reelles Krankheitsbild. Bereits 2005 identifizierte die NASA die Krankheit aufgrund eines tragischen Vorfalls: Nachdem der Astronaut John Phillips ganze sechs Monate

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im All verbracht hatte, sank seine Sehkraft von 100 auf nur 20 Prozent. Der Astronaut klagte über unscharfes Sehen – und die NASA stand vor einem Rätsel. Die Folgen der Schwerelosigkeit Umgehend wurden Untersuchungen angeordnet und es stellte sich heraus, dass der Verlust an Sehkraft mit der Schwerkraft zusammenhängt. So schön sich die Schwerelosigkeit im Weltall auch anfühlen mag, so gefährlich können ihre Auswirkungen auf den Körper sein. Der Mensch ist nun einmal nicht für die Schwerelosigkeit geschaffen. Eine Hypothese der NASA damals lautete, dass sich die klare und farblose Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt – auch Liquor, Hirn- oder Nervenwasser genannt – durch die Schwerelosigkeit an Stellen ansammelt, an denen sie sich eigentlich nicht anhäufen sollte. Geschieht dies in der Umgebung des Augapfels, kann der so entstandene Druck zu einer Abflachung der Augen führen.


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Diese Hypothese sollte sich bestätigen: Die Augäpfel von John Phillips waren tatsächlich nach seiner Rückkehr aus dem All flacher geworden, was wiederum zur Folge hatte, dass die Blutversorgung des Sehnervs gehemmt wurde. Hinzu kam eine Beschädigung des Sehnervenkopfes. Ein Wohlfühlzimmer für den Körper Nach Angaben der NASA sind von den Astronauten, die einen längeren Zeitraum im Weltraum verbracht haben, ganze zwei Drittel von der Krankheit betroffen. Umso spannender also, dass diese unter den Astronauten offensichtlich weit verbreitete Krankheit für die meisten von uns völlig unbekannt ist.

Auch auf ärztlicher Seite sind einige Fragen zum VIIP-Syndrom nicht restlos geklärt: Unbekannt sind beispielsweise die langfristigen Folgen. Bei einigen Astronauten waren die Symptome nur vorübergehend, andere hatten anhaltende, schwerwiegendere Veränderungen ihres Sehvermögens zu beklagen. Ein Lösungsansatz ist jedoch schon vorhanden, sollte die lange Reise zum Mars tatsächlich in naher oder ferner Zukunft im Reisebüro buchbar sein. Das Raumschiff müsste über ein Zimmer verfügen, in dem die Schwerkraft künstlich erzeugt werden kann, damit sich der Körper in diesem Zimmer von der Schwerelosigkeit erholen könnte. So würde dann auch die auf den Augapfel drückende Flüssigkeitsansammlung im Gehirn wieder in die richtigen Bahnen gelenkt. Einer Rückkehr zu Mutter Erde mit voller Sehleistung stünde dann nichts im Wege.

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IM FOKUS

Wenn die Zukunft im Alltag hilft Augenimplantate, Brillenkameras und Lasertechnologie: Was einst wie futuristisch-technische Zukunftsmusik aus einem Bond Film klang, hilft Menschen mit Sehbehinderung heute, den Alltag besser und selb­stständiger zu meistern.

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ir leben in einer zunehmend visuellen Welt: Im Zuge der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung weichen Knöpfe und Regler Touchscreens und Displays. Nicht nur die ältere, weniger technikaffine Generation gerät bei deren Bedienung an die Grenzen. Menschen mit einer Sehbehinderung stehen in einer Welt aus Touchscreens und Pixeln leider oft vor kaum überwindbaren Hürden. Unternehmen entwickeln aber zunehmend bessere technische Hilfsmittel, die Menschen mit Sehbehinderung in ihrem Alltag unterstützen können.

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Nicht vom rechten Weg abkommen Spätestens seit den ersten Auto-Navigationsgeräten ist das GPS-Tracking in der breiten Gesellschaft angekommen. Jedes Smartphone verfügt heute über diese Funktion und ortet uns, wenn wir orientierungslos durchs Leben stolpern. Anders als mit den meisten Navigationsgeräten und -Apps kommen blinde und sehbehinderte Menschen mit Kapten Mobility GPS auch ohne visuelle Displayunterstützung nicht vom rechten Weg ab. Die Eingabe der Zieladresse erfolgt per Spracheingabe und navigiert die Nutzer über Kopfhörer zum Ziel. Es passt bequem in jede Hosentasche und verweist ausserdem automatisch auf Orte von allgemeinem Interesse, wie zum Beispiel Geldautomaten, Restaurants oder Museen.


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Laserschwerter 2.0

Nicht Ohrwurm, sondern OrCam Nicht etwa Zukunftsmusik, sondern Sprachausgaben von Texten, Supermarktprodukten oder Namen von Familienmitgliedern und Bekannten hört man dank OrCam. Dabei handelt es sich um einen Minicomputer mit integrierter Kamera und Lautsprecher, der mithilfe von Magneten an nahezu jedem Brillenbügel befestigt werden kann. Sobald man mit dem Finger auf Speisekarten, Texte, Bücher oder Lebensmittelverpackungen deutet, überträgt der Minicomputer das gefilmte in ein auditives Signal und liest das Gesehene vor. Auch Gesichter können auf diese Weise erkannt werden. Dafür müssen sie aber vorab dem Minicomputer vorgestellt worden sein, und zwar in Form von Fotos, die mit dem dazugehörigen Namen eingespeichert wurden. Sobald die Kamera eine der Personen erkennt, flüstert sie den Namen ins Ohr.

Bereits seit vielen Jahren auf dem Markt zu kaufen gibt es den «LaserLangstock»: Ein höhenverstellbarer Blindenstock mit einem Laser, der vierzig Mal in der Sekunde auf verschiedenen Höhen einen kurzen, für Sehende ungefährlichen infraroten Lichtstrahl aussendet. Trifft der Lichtstrahl auf einen Gegenstand, wird er reflektiert und löst Vibrationen aus. Geht der Lichtstrahl dagegen über eine gewisse Entfernung hinaus, wenn zum Beispiel eine abwärts führende Treppe vor einem liegt, gibt er ein akustisches Warnsignal von sich. So lassen sich Hindernisse und Stolperfallen besser erkennen.

Selbstständigkeit durch Smartphones und Smart Homes Zur Selbstständigkeit im Alltag von Menschen mit Sehbehinderung kann auch Künstliche Intelligenz einiges beisteuern, wie etwa der HomePod von Apple, Google Home oder Amazon Echo. Mit «Hey Siri», «Ok Google» oder «Alexa» lassen sich heute via Smart-Home-Funktionen zahlreiche darauf ausgerichtete Haushalts- und Küchengeräte alleine durch Sprachsteuerung bedienen. In Zukunft werden Smartphones und Smart Homes uns zunehmend Unterstützung im Alltag geben. Insbesondere der Zugang zu den neuen Technologien wird laufend vereinfacht und ermöglicht damit auch eine Benutzung durch ältere Menschen.

Fortschrittlich in die ­Zukunft blicken Wahrhaftig wie Science-Fiction mutet dagegen das Augenimplantat an. Die Zielgruppe dieses Hilfsmittels sind Menschen, deren Sehnerven noch intakt sind, die aufgrund einer Netzhauterkrankung jedoch nur noch schemenhaft sehen können oder erblindet sind. Durch das Implantat werden Bilder wahrgenommen und in elektrische Impulse umgewandelt, die dann an den Sehnerv und darüber ins Gehirn weitergeleitet werden. Trotz der sehr komplizierten Augenoperation kann leider nur ein geringer Prozentsatz der Sehkraft wiederherstellt werden – und auch nur bei Menschen, die in ihrem Leben mal sehen konnten. Schemenhafte Umrisse, grobe Lichtunterschiede und ein paar Farben können so wieder wahrgenommen werden. Aber schon das kann ein grosses Stück Lebensqualität und mehr Selbstständigkeit im Alltag bedeuten.

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FRÜH SCHÜTZT SICH

Kinderaugen vor der Sonne schützen Kinderaugen reagieren auf Sonnenstrahlen empfindlicher als Augen von Erwachsenen. Umso wichtiger ist es, selbst unsere Kleinsten mit einer quali­tativ hoch­wertigen Sonnenbrille vertraut zu machen.

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ie Tage sind lang, denn die Sonne lässt sich Zeit, bis sie untergeht: Der Sommer ist da. Zwar sind sonnig warme Tage schön, aber damit steigt auch die Intensität der UV-Strahlen, die auf unsere Augen treffen. Werden unsere Sehorgane ihnen während einer längeren Zeitdauer ungeschützt ausgesetzt, birgt das Risiken: Schmerzhafte Entzündungen der Netz- oder Hornhaut können die Folgen sein. Nicht nur für Erwachsene, sondern insbesondere auch für Kinder. Weil die Augen in jungen Jahren noch nicht voll entwickelt sind, sind sie empfindlicher gegen UV-Strahlen und sollten mit einer Sonnenbrille geschützt werden. Um diesen Schutz zu gewährleisten, gilt es, beim Kauf nicht nur nach einem hübschen Modell zu greifen, sondern auch die Qualität zu überprüfen: 99 Prozent der besonders gefährlichen ultravioletten (UV) Strahlung sollten abgeblockt werden. In der Regel wird dies mit dem Aufkleber «UV 400» angegeben. Die Sonnenbrille filtert dann UV-Strahlen bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern fast vollständig aus – ein Muss für einen umfassenden Schutz der Kinderaugen. Ist die Brille zudem mit einem CE-Zeichen gekennzeichnet, entspricht sie dem europäischen Sicherheits-Standard.

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Werden diese Kriterien bei der Auswahl der Sonnenbrille berücksichtigt, kann bezüglich Schutz nichts mehr schiefgehen. Doch wie bleibt nun die Brille auf dem Näschen? Gerade Kleinkinder neigen dazu, sie schnell wieder von der Nase zu ziehen. In diesem Fall kann spielerisches Herantasten an das neue Objekt helfen. Was, wenn der Papa ebenfalls die Brille aufsetzt und gemeinsam erforscht wird, wie sich helles Licht nun für die Augen anfühlt? Überhaupt lernen Kinder am besten anhand eines Vorbilds: Setzen die Eltern die Sonnenbrille an sonnigen Tagen ebenfalls auf, kann das auch den Nachwuchs animieren. Vorausgesetzt natürlich, dass sich die Brille bequem tragen lässt, gut auf der Nase sitzt und nicht dauernd verrutscht.

Aufgesprühtes hält nicht Auch bei den Gläsern der Kinderbrillen gibt es natürlich Unterschiede. Aufgesprühter UVSchutz wirkt weniger zuverlässig als Kunststoffgläser mit eingebautem Filter. Eltern wissen, wie schnell Kratzer passieren, zudem kann ein Brillenglas beim Spielen unversehens zu Bruch gehen. Kunststoffgläser sind also nicht nur robuster als Gläser, sie schützen auch zuverlässiger.

Ab in den Schatten Nicht zuletzt muss sich jeder und jede an Neues gewöhnen. Das braucht Zeit, viel Geduld und Vertrauen. Selbstverständlich kann bei älteren Kindern an die Vernunft appelliert werden. Sich bei starkem Sonneneinfall im Schatten aufzuhalten, ist grundsätzlich für alle von Vorteil. Trifft die Sonnenstrahlung nicht direkt auf die Augen, muss das mit der Brille nicht per sofort funktionieren. Wird die neue Sonnenbrille allerdings nach und nach zum festen Bestandteil von schönen Ausflügen im Freien, wird sie auch besser akzeptiert. Damit ist der Schutz der Augen auch in Zukunft garantiert. einblick

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LECKER & GESUND

SCHWEBEND AUS DER TÜTE ESSEN Astronauten führen ein aufregendes Leben, keine ­Frage. Ihre Grundbedürfnisse sind allerdings dieselben wie bei allen anderen Menschen: Auch sie haben Hunger! Nur, was gibt es im Weltraum zu essen?

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n der Schwerelosigkeit schwebende Astronauten, das klingt aufregend. Doch so spannend das astronautische Dasein scheint, auch der versierteste Astronaut kann grummelig werden, wenn es nichts auf den Teller gibt – oder in diesem speziellen Fall nichts aus der Dose oder Tüte. Das für die Schwerelosigkeit kompakt abgefüllte Essen kann direkt aus der jeweiligen Verpackung mit Strohhalm getrunken oder gegessen werden, denn der Teller würde ebenso vom Tisch in die Lüfte gleiten, wie alles andere, das nicht mehr durch die Schwerkraft der Erde am Boden gehalten wird. Brotkrümel und Essensreste, die sich unter den Tisch verirrt haben oder Flüssigkeiten, die in gleichmässigem Takt auf den Boden tropfen, gibt es in der Raumstation nicht. Ist auf der Erde der Tritt mit blossen Füssen auf Brotkrumen unangenehm, so wären diese in einer Raumstation sogar gefährlich: Die überall herumschwebenden Überreste eines Sandwichs könnten zum Beispiel die Bordelektronik beschädigen. Allerdings sind Sandwiches an Bord eines Raumschiffes ein Ding der Unmöglichkeit, denn haltbares Essen für das All wird verschweisst und gefriergetrocknet, das heisst, alles Wasser wird dem Nah­ rungsmittel entzogen. Den dehydrierten Speisen muss zuerst wieder Wasser zugefügt werden, bevor sie im Elek­ troofen gewärmt und verspeist werden können.

DAS AUGE ISST NICHT MIT Woher kommt denn das Essen im All überhaupt? Im Weltall ist schliesslich kein Einkaufsladen in der Nähe, bei dem man kurz vorbeischweben könnte. Selbst etwas kochen?

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Fehlanzeige. Astronauten ernähren sich ausschliesslich von Fertignahrung. Die Menüs werden in der Regel lange vor Abflug ausgewählt und entsprechend an Bord der Raumfähre mitgenommen. Die Auswahl an Menüs ist mittlerweile ziemlich vielseitig, fast schon vergleichbar mit dem Essen auf der Erde. Doch trotz den Auswahlmöglichkeiten stehen bei Astronautennahrung die Themen «praktisch, nahrhaft und haltbar» stets im Vordergrund. Während der Geschmackssinn zwar befriedigt wird, zieht unser Sehsinn leider den Kürzeren. Denn gefriergetrocknet und dehydriert heisst leider auch fast farblos und optisch wenig appetitanregend. Die Verpackungen und zum Teil auch das Essen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Visuelle Anregung ist von den Mahlzeiten also nicht zu erwarten – ausgeglichen wird das hoffentlich mit dem Blick aus dem Raumschiff-Fenster ins sternenfunkelnde All. Übrigens kommen nicht alle Mahlzeiten für die gesamte Dauer ausserhalb der Atmosphäre von Anfang an mit zur Raumstation: Der kulinarische Nachschub wird auch von unbemannten Raumfrachtern vorbeigebracht. Ein Ereignis, das wohl ähnliche Vorfreude wie der Geburtstag bei einem Kind auslöst. Nur zuckerhaltige Esswaren wie Geburtstagskuchen sind den Weltraumfahrern weiterhin verwehrt, denn fit zu bleiben ist auch fern der Erde die Devise. Kalorien, Vitamine und Mineralstoffe werden daher streng überwacht. Auch zu einem schwerelosen Leben gehört nun einmal eine gesunde Ernährung. Einfach ohne Brösmeli.


BUCHTIPP

MIT DEN AUGEN KOCHEN Katie Shelly möchte Alltagsköchen das Leben erleichtern. Warum langatmige, komplizierte Rezepte studieren, wenn auch einfacher etwas Leckeres aufgetischt werden kann?

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lle kennen sie: Lange Rezepttexte mit ungewöhnlichen Zutaten, die oft noch schwer aufzutreiben sind. Kochbücher sehen zwar oft hübsch aus, aber ihr tatsächlicher Nutzen ist oft beschränkt. Genau dies hat die Designerin Katie Shelly dazu veranlasst, sich als Kochbuchautorin zu versuchen. Ein Versuch, der gelungen ist: Sie hat ein alltagstaugliches Werk geschaffen, das Hobbyköche die Kochlöffel mühelos schwingen lässt und dabei trotzdem nicht alltäglich ist. In «Augenschmaus» finden sich nicht nur einfache Rezepte, sondern auch solche, die wortwörtlich einen Schmaus für die Augen versprechen. Sei es für den Familien­tisch, das Essen mit Freunden oder ein Festmahl für sich selbst, es hat alles dabei.

EHER SKIZZEN ALS BILDER Katie Shelly, freiberuflich als Illustratorin tätig, zeigt mit schlichten, bunten Illustrationen – eher Skizzen als Bilder – in nachvollziehbaren Schritten, was es zu tun gibt. Zu lesen gibt es wenig, dafür umso mehr zu sehen. Das Konzept ist simpel, die verwendeten Zutaten gängig. Dennoch deckt die Vielfalt der Gerichte eine breite Palette ab. Von den Grundtechniken des Gemüseschnippelns über die Zubereitung von Suppen und Saucen bis zum Hauptgang ist alles drin. Natürlich gibt es auch verschiedene Varianten von Desserts. Die eigensinnige Mischung aus Koch- und Bilderbuch ergänzt das bestehende Ensemble in der Küche auf eine freche Art und Weise.

«Augenschmaus – Sehen. Kochen. Essen.» Autorin und Illustratorin: Katie Shelly 1. Auflage 2014 Edel Germany GmbH, Hamburg

Über die Autorin Katie Shelly ist Designerin und arbeitet als Grafik- und Videoproduzentin beim CooperHewitt Museum in New York. Daneben ist sie freiberuflich im Bereich Grafikdesign, Illustrationen und Animationen tätig.


Nach Angaben der NASA sind von den Astronauten, die einen längeren Zeitraum im Weltraum verbracht haben, ganze zwei Drittel vom VIIP-Syndrom be­troffen. Umso spannender also, dass diese Krankheit für die ­meisten von uns völlig unbekannt ist. FOKUSTHEMA Abgespaced S. 22 ­­­–27

Warum geben wir als Vista Augenpraxen & Kliniken ein Magazin heraus? Ganz ­einfach: Mit unserem «Einblick» wollen wir die Faszination für das Thema Auge mit Ihnen teilen, ungewöhnliche Einblicke bieten und über Behandlungsmethoden und Ursachen von Augenkrankheiten informieren. Zurückgreifen können wir dabei auf über 35 Jahre Expertise im Bereich der Augenheilkunde. www.vista.ch/einblick

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