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Infobrief

A n l iegen • P r o je k te • I nf o r mati o nen • o k t o be r 2 0 1 3

Auf ein Wort Hätte es den Nobelpreis für Gutes-Tun schon zur Zeitenwende gegeben, wäre er schon damals preisverdächtig gewesen: der „gute Samaritan“. Tausend- und abertausend Mal kopiert, weitererzählt, kommentiert und neu verwirklicht, ist diese GleichnisFigur zum Symbol der Nächstenliebe pur geworden.

Es geht nicht um Heldenverehrung, sondern darum, selber etwas zu tun. Und das schon seit zweitausend Jahren. Mit herzlichen Grüßen Ihr

Und während viele Beifall klatschen und am liebsten selbst der gute Samaritan wären, ist doch der Schluss dieser GleichnisErzählung nahezu banal und doch so praktisch: „Geh‘ hin und tue es ebenso“.

Bruder Peter Amendt

vision teilen Eine franziskanische Initiative gegen Armut und Not e.V.


H A l l o N a c hba r ! – N a c hba r s c haftshi l fe

Ein altes Anliegen neu Entdeckt Wissen Sie noch, wie die Gesundheitsfürsorge im einfachen Volk vor knapp hundert Jahren aussah? Wie da Caritasschwestern oder Schwestern des Diakonischen Werkes mit und ohne Schleier in die Familien gingen, sich nach den Gesunden und Kranken erkundigten und Letztere eigenhändig versorgten, solange kein Krankenhaus aufgesucht werden musste oder für die Armen bereit stand?

Heute kennen wir solch niedrige Kosten am ehesten noch in den Armutsländern dieser Welt, wo die große Zahl junger, verfügbarer und zugleich qualifizierter Kräfte eine Kostenexplosion im Personalbereich wie bei uns verhindert. Ansonsten hat die Idee der modernen Basismedizin mit einer mobilen Gesundheitsversorgung das alte System der „Barfuß-Schwestern“ nahezu überall abgelöst, wo immer es geht.

Sicherlich, die verklärende Romantik der „guten alten Zeit“ Damit aber hat zugleich die Anonymität und Vereinzelung ist da fehl am Platz. Denn sicherlich ist in mancherlei Hinsicht immer mehr um sich gegriffen. Der einzelne, aufgerufen zur unsere moderne Krankenversorgung mit Krankenwagen und ökonomischen „Ich-AG“ (Bundeskanzler Gerhard Schröder), Rettungshubschraumuss sich selbst durchschlabern effektiver. Aber gen und dazu sich auf sich in einem Punkt hatte selbst und seine Interessen das damalige System konzentrieren, während zweifellos uns einiges zugleich nach und nach alles voraus. Man kannte dem wirtschaftlichen Wert einander, man wusste und der preislichen Bewerumeinander und tung unterworfen wird. Dies man sorgte sich um gilt auch für viele Dienstleisden Nächsten, den tungen, die früher unter unNachbarn, in einer entgeltliche NachbarschaftsWeise, die uns fremd hilfe fielen. Kurzum, der geworden ist. Kurzsozusagen selbstverständum: Der Nächste, das liche Bezug zum Nächsten war einfach der von in unserer Nähe und die nebenan und keine Hilfeleistung ihm gegenüber Bruder Peter (links) abstrakte oder gar „anonyme wurden mehr und mehr abgebaut und durch betreut das Projekt Größe“. Und die Idee der aufsuchenbezahlte, professionelle Hilfe ersetzt. den Hilfe war alltägliche Wirklichkeit. Bezahlbar war das Ganze auch, jedenfalls solange, als der größte Teil In der Praxis bedeutete es: Der Einzelne selbst muss sich um dieser praktischen Sorge ehrenamtlich erfolgte und die Persosein Wohlbefinden ausschließlich selbst bemühen und er muss nalkosten noch niedrig waren. von sich aus die verfügbaren Hilfsdienste aufsuchen, sei es


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durch den physischen Gang dorthin, sei es, indem er sie durch Telefon, Mail oder sonstige Mittel der Kommunikation zu sich ruft. Aber nicht jeder kann es zu jeder Zeit. Wer vereinsamt ist, wer sich scheut, diese Dienste der Hilfe in Anspruch zu nehmen, wer sich immer mehr zurückzieht oder aus welchen Gründen auch immer die notwendige Kommunikation nicht oder nicht mehr aufrecht erhält, der steht mit seiner Not allein. Für ihn genügt es nicht, dass professionelle Hilfe darauf wartet, dass er sich an sie wendet. Er braucht etwas anderes: eine Hilfe, die ihn aufsucht, die nach ihm fragt, die da ist auch dann, wenn er sich selbst nicht mehr helfen kann. Also doch ein romantisch verklärender Blick zurück in eine vielfach verloren gegangene unentgeltliche Nachbarschaftsgegenseitigkeitshilfe? Genau das wollen wir nicht. Sondern die Idee der Nachbarschaft für heute retten und anwenden. Denn wir, die Gruppe „Hallo Nachbar!“ in Düsseldorf, haben zum Ziel, uns ehrenamtlich um unsere Mitbürger und Mitbürgerinnen in dieser Stadt zu kümmern, die vielfach den Kontakt zu den Hilfsdiensten verloren haben, aber zugleich vorrangig vermittelnde Hilfe benötigen. Wir wollen diese Brücke sein, über die Menschen in Not den „Nächsten“ erfahren und wieder Anschluss finden an das Hilfsangebot in unserer Gesellschaft. Dafür brauchen wir vor allem ein Doppeltes: Mitstreiter und Mitstreiterinnen auf der einen Seite, die diese Hilfe unterstützen und ihre Zeit dafür als

Ehrenamtliche zu opfern bereit sind, und Mitbürgerinnen und Mitbürger, die uns die nötigen Mittel an die Hand geben und uns zudem auf Nachbarn in Not aufmerksam machen. Denn von allein melden sie sich nicht. Nur so können wir sie aufsuchen und schauen, was Sache ist. „Hallo Nachbar!“ baut mit einem Wort darauf, dass auch heute noch oder wieder lebendige Nachbarschaft und unentgeltliche Gegenseitigkeitshilfe auf offene Ohren und persönliche Bereitschaft stößt, den Wert der Nachbarschaftshilfe für sich selbst neu zu entdecken und den „Nächsten“ nicht in der Ferne zu suchen, sondern unmittelbar nebenan. Wir brauchen einander, und wer vereinsamt ist, braucht den Nächsten umso mehr. Wir fragen nicht theoretisch: „Wer ist der Nächste?“, sondern lassen uns ansprechen von dem Gleichnis des guten Samariters: „Geh hin und tue es ebenso.“ Und das vor unserer Haustür – beginnend hier in Düsseldorf, wo wir leben.

Kontakt zu Hallo, Nachbar!: Ulrich Fezer u.a. Tel. 0211-15 30 60 und 0211- 6 68 33 73 hallo-nachbar@vision-teilen.org


B l i c k zu r ü c k - und na c h v o r ne - D ie I nf o - E c k e

Blick zurück – und nach vorne Mehrfach haben wir schon von unseren Mikrokreditgruppen in Kenia berichtet. Die Rückzahlungsmoral ist hoch – ein Ansporn, nächstes Jahr erneut Kredite zu vergeben. Geholfen werden konnte Schwester Kamula, die einen Vorschulkindergarten in einem Slum in Kilgoris weit außerhalb von Nairobi leitet und für die Finanzierung selber verantwortlich ist. Vision:teilen konnte helfen, die Lehrergehälter in Höhe von 500,- EUR für die nächste Zeit zu sichern. Erfolgsnachrichten und Dankesbezeugungen kommen auch aus Bukovica, Bosnien. Hier werden gerade fünf gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt finanzierte Häuser für Großfamilien fertig. Die Arbeit geschah ganz in Eigenleistung, nur das Material wurde gestellt. Erfolgreich zurück sind die Ärzte aus Duschanbe. Durch ein neues Röntgengerät konnten auch schon Kleinkinder mit „Spalt“-Bildung erfolgreich behandelt werden. Im Übrigen wurde wie im Akkord gearbeitet, so dass erneut über 100 Kinder ins normale Leben zurückgebracht werden konnten. Zugleich stehen neue Bitten und Bedürfnisse an: In Nkokonjeru, Uganda, bittet Schwester Rita Nakitende um Hilfe für die Renovierung der dringend erneuerungsbedürftigen Räume des

Zentrums der Schwestern für Primarschullehrerausbildung (ca. 2.400,- EUR), und in den Dörfern um Akwaya Jowk, Diözese Gambella, in Äthiopien wird dringend Nahrungsmittelhilfe für die Ärmsten benötigt, nachdem der Fluss Bado über die Ufern getreten ist und die Aussaat weggeschwemmt hat. Die Diözese hilft mit neuem Saatgut (Mais). Ebenso hat die Regenkatastrophe nicht nur derzeit in Indien, sondern zuvor schon in Pakistan im Raum Hyderabad erneut zugeschlagen. Viele sind obdachlos geworden. Dringend werden Zelte benötigt. In gemeinsamer Kooperation mit Kinder in die Mitte und Aktion Mission und Leprahilfe wollen wir ihm die nötigen Mittel zur Verfügung stellen, von denen 3.000,- auf vision:teilen entfallen. Jede Hilfe ist dringend benötigt und wird dankbar angenommen.

Info-Ecke Kempen: Warten auf die Finanzierung Wie schon berichtet, hatTajikAid beim Bayrischen Rundfunk einen Antrag auf Beihilfe für die Einrichtung einer eigenen Abteilung für „Spalt“-Chirurgie in der Kinderklinik Karabolu in Duschanbe gestellt. Jetzt heißt es, Däumchen drücken, dass es klappt. Düsseldorf: 9. Benefizkonzert im Kloster mit Erfolg Ein letztes Mal lauschten die Gäste der Sängerin Bernhardine Bußmann, Thomas Hinz am Klavier und Ursula Adamski-Störmer (Rezitation) in der Marienkapelle des Franziskanerklosters. Der beschlossene Verkauf des Franziskanerklosters tritt, soweit zu erfahren ist, in seine entscheidende Phase. Da tat es gut, nochmals den Klängen zu lauschen, die in diesem Kirchenraum zuvor so oft aus feierlichem Anlass erklungen waren.

Impressum Herausgeber: vision:teilen eine franziskanische Initiative gegen Armut und Not e.V. Schirmerstraße 27, 40211 Düsseldorf

Bankverbindung: Stadtsparkasse Düsseldorf Kontonummer: 101 79 026 BLZ: 300 501 10

Telefon (0211) 6 68 33 73 Telefax (0211) 17 80 80 63 E-Mail: info@vision-teilen.org www.vision-teilen.org

Verantwortlich für die Redaktion: Br. Peter Amendt OFM Katja Hirzmann

www.facebook.com/vision.teilen

Layout und Design: Kuhrt Kommunikation GmbH www.kuhrt.de

Der Infobrief wendet sich an Interessenten, Freunde und Förderer von vision:teilen.

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Infobrief Oktober 2013  

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