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Foto: Peter Lauer

vision:teilen Infobrief

Anliegen • Projekte • Informationen • Januar 2012

Auf ein Wort Sein Name steht für die Menschen, zu denen er uns führt. Es sind Obdachlose, Gestrandete, aber auch solche, die es abends nicht zur Notschlafstätte geschafft haben. Der „gutenachtbus“ bringt uns zu ihnen, und das in der Zeit zwischen 22.00 und 1.00 Uhr morgens – am Hauptbahnhof in Düsseldorf und in der Altstadt beim Kom(m)ödchen. Wir – das ist die Sozialarbeiterin Julia mit Ehrenamtlichen aller Altersstufen, und auch ich gehe immer gerne mit. Denn die meisten, denen wir vor Ort begegnen, sind so ganz anders als das Klischee. Sie möchten arbeiten, finden aber keine Betätigung. Sie kommen, essen oder trinken etwas und erzählen, so als hätten sie schon lange auf eine solche Gelegenheit gewartet. Ihre Sorge ist das Überleben auf der Straße, denn eine Wohnung haben sie nicht. Schlafsäcke, Decken: das sind die begehrtesten materiellen Hilfen. Und vor allem menschliche Nähe.

Gewiss, gerade diese menschliche Nähe kann man nicht bezahlen. Aber mit Ihrer finanziellen Unterstützung können Sie es möglich machen, dass diese Begegnungen weitergehen, über die kommenden Monate hinaus. Denn Menschen brauchen Menschen. Und das im Sommer wie im Winter – zu allen Jahreszeiten. Geben wir ihnen eine Chance! Ihr

Bruder Peter Amendt Leiter von vision:teilen e.V.

vision teilen Eine franziskanische Initiative gegen Armut und Not e.V.


Foto: Peter Lauer

Aus Düsseldorf: Der gutenachtbus“ “

Der „gutenachtbus“ Zum Ende des letzten Jahres war es soweit: Der „gutenachtbus“ – ein Nachtbus für wohnungslose Menschen in Düsseldorf – wurde eingesegnet. Die Presse reiste an, und das Kloster füllte sich mit Journalisten und Kameraleuten. Es war schön, so viel Interesse zu erfahren. Seither sind ein paar Wochen ins Land gezogen, der Bus hat zahlreiche Fahrten absolviert, und wir können eine erste Bilanz ziehen. Wie sein Name bereits verlauten lässt, soll der „gutenachtbus“ den Obdachlosen in Düsseldorf auch zu den Zeiten helfen, in denen sie bisher keine Unterstützung mehr erhielten – nämlich nachts. Das bedeutet, dass der Mercedes Sprinter an zwei Tagen in der Woche zwischen 22:00 Uhr und 1:00 Uhr zwei feste Stationen in Düsseldorf ansteuert, zu denen die Armen kommen können und – trotz später Stunde – etwas zu essen, warme Getränke, Schlafsäcke für die Nacht und die Möglichkeit zum Gespräch erhalten. Normalerweise schließen die Notschlafplätze in Düsseldorf nämlich um 20 Uhr. Aber nicht jeder schafft es, zu dieser Uhrzeit dort aufzuschlagen. Der obdachlose fiftyfifty-Verkäufer Robin zum Beispiel nicht, denn er versucht sich zu dieser Zeit ein paar Cents dazuzuverdienen, indem er Theaterbesuchern nach der Vorstellung die Tür aufhält. Oder Roman und seine Freundin – als Paar haben die beiden Schwierigkeiten, einen gemeinsamen Schlafplatz zu finden, und bleiben daher lieber draußen. Sie freuen sich, dass sie im „gutenachtbus“ warme Kleidung und Decken für die kalte Nacht bekommen.

Doch es geht um noch mehr als nur die Grundversorgung. „Ich habe sonst keinen, mit dem ich reden kann“, erzählt der Obdachlose Robin. „Und ein bisschen seelischen Druck muss ich ja auch loswerden“. Auch Roman bestätigt: „Es tut gut, wenn Menschen mal normal mit einem reden.“ Es fällt leicht, diejenigen, die auf der Straße leben, zu verurteilen, denn ihre jeweilige Geschichte haben sie in sich verschlossen. „Die stecken uns alle in eine Schublade. Entweder sind wir Alkoholiker oder drogenabhängig oder Diebe. ‚Da ist eh Hopfen und Malz verloren‘, höre ich oft. Wir sind für die Menschen Abschaum“, sagt Robin. Die Distanz zwischen Passanten und Obdachlosen ist groß, eine zwischenmenschliche Grenze wird nicht überschritten. Das ist nicht gerecht. Allzu schnell entstehen Vorurteile, allzu schnell setzen sich Kategorisierungen fest. Obdachlose, das sind die, die betrunken auf den Parkbänken sitzen und die mit ihrem Hab und Gut in Plastiktüten neben sich anderen den Platz wegnehmen. „Niemand braucht in Deutschland auf der Straße leben“. So denken viele. Aber: Schicksale sind komplex und dürfen keiner Pauschalisierung zum Opfer fallen. Ralf Kreuels, Fotograf des Mercedes-Magazins, begleitete den „gutenachtbus“, um Fotos zu schießen. Er erlebte den Kontakt zwischen Obdachlosen und Sozialarbeitern anders als erwartet. „Diejenigen, die zum „gutenachtbus“ kamen, haben meine Vorurteile gänzlich widerlegt“, erzählt er uns. „Sie waren viel wacher. In einem anderen Kontext hätte ich sie völlig anders eingeordnet.“ rbeiterin

Julia, Soziala bei vision:teilen


Foto: Peter Lauer

Aus Düsseldorf: Der gutenachtbus“ “

Die beiden Sozialarbeiter Julia und Manuel begleiten den „gutenachtbus“ von Anfang an und haben bereits einige Erfahrung sammeln können. „Wir haben eine gewisse Routine entwickelt“, sagt Julia. Mit der Zeit, erzählt sie, schockiere es einen nicht mehr, wenn mal jemand sehr streng röche oder eine schlimme Verletzung habe. Julia und Manuel sind für die Obdachlosen, die sich an sie wenden, da. Sie bemühen sich darum, Ansprechpartner auf gleicher Ebene zu sein, und versuchen stets, sich auf andere einzustellen. „Jeden Tag kommen neue Situationen zustande. Denn Menschen sind ja auch individuell“, sagt Julia. Auch wenn Presse den Bus begleite, bedeute dies Veränderung.

Foto: Ralf Kreuels

Ralf Kreuels kam zum Beispiel bei seinem Besuch mit einem Obdachlosen näher ins Gespräch. „Ich hatte meine Kamera aufgebaut und er beschwerte sich; er wollte nicht fotografiert werden. Ich erklärte ihm, dass ich mich auf das Auto konzentrieren und die Personen unkenntlich machen würde. Er glaubte mir nicht und schimpfte, aber ich betonte, dass ich

nicht vorhätte, ihn zu betrügen und dass man doch immer erst einmal vom Guten im Menschen ausgehen müsse. Daraufhin kamen wir ins Gespräch. Ich glaube, dass das, was er erzählte, ein Einblick in seine Lebensgeschichte war. Er schien aus Osteuropa zu kommen und wegen einer Fotomanipulation, die ihm unrechte Dinge zuschob, auf der Straße gelandet zu sein. Wir haben uns dann sehr freundlich verabschiedet.“ Zwischenmenschliche Konflikte dieser Art zu erkennen, zu kontrollieren und zu lenken, ist auch eine wichtige Aufgabe der Sozialarbeiter. Jedes Schicksal bedarf einer besonderen Zuwendung und es verlangt sowohl Feingefühl als auch Bestimmtheit, diese Zuwendung aufzubringen. „Ich war sehr beeindruckt von Julia“, sagt Kreuels. „Sie ist eine taffe Frau. Sie hat eigentlich alles, was auch in der freien Wirtschaft benötigt wird.“ Rückblickend lässt sich sagen, dass das Projekt „gutenachtbus“ erfolgreich angelaufen ist. Die bisherige Resonanz ist überaus erfreulich, zahlreiche Obdachlose nehmen das Angebot dankend wahr. Doch noch immer befindet es sich in der Anfangsphase, viele Stellschrauben müssen gedreht und die Hilfe für Arme und Obdachlose ausgeweitet werden. Unser nächstes Ziel ist, zusätzlich an einem dritten Tag fahren zu können. Die ersten Ehrenamtlichen dafür stehen bereit. Weitere sind stets willkommen. Die Mittel hierfür sind allerdings leider zu knapp. vision:teilen benötigt gerade jetzt zusätzliche finanzielle Unterstützung, damit diese Hilfe für Arme und Obdachlose dauerhaft und wirksam geleistet werden kann. Die Kosten für den Bus und vor allem die Betreuung, Vor- und Nachsorge belaufen sich monatlich auf gut 1.000 Euro. Da sind alle Hilfen, auch die kleinsten, eine große Unterstützung!


Rückblick & Vorblick - Die Info-Ecke Rückblick und Vorblick

Info-Ecke

Armut hat viele Gesichter. Eines davon ist Obdachlosigkeit, oft verbunden mit Flucht und Vertreibung. Gerade für diese Menschen ist vision:teilen da. Denn ihr Leben ist schlimmer als bittere Armut. In Uganda galt es, Flüchtlingen aus dem Nachbarland die Möglichkeit der Zuflucht in einem sicheren Drittland zu geben; und ein behinderter Flüchtling aus der Zeit des Angolakrieges in Kongo schreibt: „Ich habe mich immer gefragt: Wenn Sie nicht (von Gott) zu mir geschickt wären, wie würde ich leben und alle Schwierigkeiten dieses ZufallsLebens überstehen, das wir hier führen? Das Leben ist sehr hart bei uns…“ – Den Dank, der uns immer wieder entgegengebracht wird, geben wir hiermit weiter an die, die uns unterstützt haben. Denn sie allein verdienen ihn. – Aber zugleich können wir nicht die Augen verschließen vor den Bitten und Notlagen, die uns gerade jetzt bedrücken: Der Hunger hat die Witwen in der Diözese Gambella nicht verlassen; neue kommen in der Pfarrei Sebo hinzu (benötigt: Maismehl bis zur Ernte: ca. 20 Euro pro Person, für 400 Frauen); Gleiches gilt für Frauen und Mütter mit ihren Kindern in Debiti, Diözese Harar,Äthiopien. In Uganda geht es um Ausbildungssicherung für 17 junge Menschen, alles Waisen (259 Euro pro Person/Jahr), die ansonsten ihre Schulbildung abbrechen müssen, und in Kilgoris, Kenia, droht eine baufällig gewordene Slumschule für über 50 Kinder zusammenzubrechen. Eine erste Hilfe zur Stabilisierung tut not! Immer sind es die Nöte der kleinen Leute, die uns erreichen. Ihnen gilt unsere Hilfe – und unser Herz.

Velbert-Neviges: Unterstützung der Leprahilfe Dr. Rousselot In der Wallfahrtskirche der Franziskaner in Neviges wurde die Tradition der „Lepragottesdienste“ am Weltlepratag fortgeführt. Am 29. Januar stellte Bruder Peter Amendt in allen drei Sonntagsgottesdiensten erneut das Projekt der Aussätzigenhilfe von Dr. Remy Rousselot in Indien vor. Die großzügigen Kollekten sind nun für die Unterstützung dieser selbstlosen Arbeit des französischen Arztes und seines einheimischen Teams von Prinze npaar ehemaligen Leprösen in Bhubaneswar, Orissa, bestimmt. der Land eshaup

Impressum Herausgeber: vision:teilen eine franziskanische Initiative gegen Armut und Not e.V. Immermannstraße 20, 40210 Düsseldorf Postfach 240139, 40090 Düsseldorf Telefon (0211) 6 68 33 73, Telefax (0211) 9 06 90 32 E-Mail: info@vision-teilen.org, www.vision-teilen.org Der Infobrief wendet sich an Interessenten, Freunde und Förderer von vision:teilen.

tstadt Düsseldorf 20

De Prinz kütt Am 15. Februar besucht der amtierende Düsseldorfer Karnevalsprinz Thomas Puppe mit seiner Venetia die Klause. In seinem Gepäck hat er 180 Berliner, die er den Bedürftigen zur Verfügung stellt. Wir freuen uns auf diese großzügige Geste! Paderborn: Besuch der Franziskus-Ausstellung „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“: Um die eigenen geistigen und gesellschaftlichen Wurzeln als Ehrenamtliche von vision:teilen besser kennen führt uns der Przu inzlernen, Thomas II. & Venetia diesjährige Ehrenamtsausflug am 3. März zur Franziskus-Aus- Anke stellung im Paderborner Diözesanmuseum, die ihresgleichen weit und breit sucht. Sie ist nur bis Anfang Mai geöffnet. An dem Ausflug nehmen Ehrenamtliche aus Düsseldorf und der Wuppertaler Hausaufgabenhilfe teil. Prinzenbild.indd 1

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vision:teilen Infobrief Januar 2012  

Gerade in der Eiseskälte des Winters von 2012 ist er so notwendig wie nie: der gutenachtbus - eine nächtliche Hilfe für Obdachlose, die kein...