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DOK Hauptsponsor

Festivalkatalog 2008 27.10.–02.11.2008


51. Internationales Leipziger Festival fßr Dokumentarund Animationsfilm 27. Oktober – 2. November 2008

DOK Festival & DOK Industry


Inhalt Content

Inhalt Content 2008

Editorial 6 Zum Geleit Preface 8 Preise Awards

191 Internationaler Wettbewerb International Competition 209 Internationales Programm International Programme

10 Jurys Juries

210

Internationales Panorama International Panorama

18 Veranstalter Organisers

221

Animadok Animadoc

20 DOK Leipzig gratuliert der Filmschule Leipzig DOK Leipzig congratulates the Leipzig Film School

225

Neue Deutsche Animation New German Animation

233

Animation für Kinder Animation for Kids

240

Pink Elephants Pink Elephants

241

Special Screening Animation: Bill Plympton Special Screening Animation: Bill Plympton

Dokumentarfilm Documentary Films 21 Internationaler Wettbewerb International Competition 41 Deutscher Wettbewerb German Competition 53 Internationaler Nachwuchswettbewerb – Generation DOK International Young Talent Competition – Generation DOK 69 Internationales Programm International Programme 117 Retrospektive und Hommage Retrospective and Homage 118

Retrospektive: Fremde Heimat Retrospective: Strange Home

125

Hommage Barbara und Winfried Junge Homage Barbara and Winfried Junge

141 Sonderreihen Dokumentarfilm Special Programmes Documentary Film

4

Animationsfilm Animated Films

142

Afghanistan – Innenansichten Afghanistan – From Inside

159

Smoking(No)Smoking – Vom Ende der Raucher Smoking(No)Smoking – The End of a Species

172

Doc Alliance Doc Alliance

178

Best of TV – Filmredaktion 3sat Best of TV – Filmredaktion 3sat

186

MDR Premieren MDR Premiers

243 Sonderprogramme Animationsfilm Special Programmes Animated Film 244

Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Animadoc – More than Just Reality?

257

Als die Puppen tanzen lernten – Aleksandr Schirjajew When Puppets Learned to Dance – Aleksandr Shiryaev


Specials 259 Special Screenings Special Screenings

Special Events Special Events

260

China Day China Day

284

DOK Industry: DOK Markt Digital DOK Industry: DOK Market Digital

264

Discovery Campus Masterschool Screening Discovery Campus Masterschool Screening

285

DOK Industry: 4. Int. DOK Leipzig Koproduktionstreffen DOK Industry: 4th Int. DOK Leipzig Co-production Meeting

267

FilmFestival Cottbus und Bundesarchiv-Filmarchiv präsentieren 286 FilmFestival Cottbus and Bundesarchiv-Filmarchiv present

DOK Industry: Leipzig Masters DOK Industry: Leipzig Masters

268

Fokus Sachsen Focus Saxony

288

DOK Industry: Leipzig Screening DOK Industry: Leipzig Screening

270

Eurogum – Filme von Piotr Jaros Eurogum – Films by Piotr Jaros

289

Pitching Session der Discovery Campus Masterschool Pitching Session of the Discovery Campus Masterschool

272

TV at DOK Leipzig – ZDF/ARTE, MDR und Provobis präsentieren 290 TV at DOK Leipzig – ZDF/ARTE, MDR and Provobis present

273

TV at DOK Leipzig – WDR präsentiert TV at DOK Leipzig – WDR presents

274

Zum Kinostart präsentiert vom rbb Attendent the theatrical release rbb presents

Museum der bildenden Künste Leipzig Museum der bildenden Künste Leipzig

Register

275 Special Events Special Events

292 Register Regie Index of Directors

276

Meisterklasse mit Barbara und Winfried Junge Master Class with Barbara and Winfried Junge

295 Register Englische Titel English Title Index

277

Meisterklasse Frank und Caroline Mouris Master Class with Frank and Caroline Mouris

298 Register Originaltitel Original Title Index

278

DOK Summit – Filmemachen in Afghanistan DOK Summit – Filmmaking in Afghanistan

301 Länderregister Country Index

279

DOK Summit – Der animierte Dokumentarfilm DOK Summit – Animated Documentary

304 Impressum Imprint

280

DOK Summit – Neue Verwertungsformen … DOK Summit – New Forms of Exploitation …

281

DOK Summit – Allemagne 0 Points? DOK Summit – Allemagne 0 Points?

282

Workshop – Marketing und Vertriebsstrategien Workshop – Marketing and Distribution Strategies

283

Workshop – Alles über Cross-Media-Projekte Workshop – All About Cross Media Projects

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Zum Geleit Preface

The Heart of Documentary

Sehr geehrte Festivalbesucher,

Dear Festival Visitor,

ich begrüße Sie herzlich zur 51. Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm! Inmitten der letzten Vorbereitungen möchte ich innehalten und Ihnen berichten, wie DOK Leipzig in sein sechstes Jahrzehnt gestartet ist. Vor einem Jahr saßen wir mit unseren wichtigsten Förderern zusammen und schilderten ihnen die außerordentlich positive Entwicklung, die das Festival und seine DOK Industry-Branchenangebote in den letzten Jahren genommen haben, warnten sie aber zugleich, dass das Festival chronisch unterfinanziert sei und auf dem erreichten Niveau ohne zusätzliche Mittel nicht fortgeführt werden könnte. Ein Jahr später freue ich mich, Ihnen berichten zu dürfen, dass die Stadt Leipzig, das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien ihre Förderung für DOK Leipzig deutlich aufgestockt haben, und die strukturelle Finanzierungslücke dadurch nur noch halb so groß ist – ein überlebenswichtiger Schritt für dieses größte deutsche und zweitgrößte europäische Dokumentarfilmfestival. Ich danke allen, die diese Erhöhung möglich gemacht haben, wie auch unseren weiteren Förderern, Sponsoren und Partnern ganz herzlich für ihre große Unterstützung und die dadurch ausgedrückte Anerkennung unserer Arbeit. Das Team von DOK Leipzig, darunter zahlreiche neue Kolleginnen und Kollegen, hat nun mit großem Engagement und frischen Ideen mitgeholfen, eine rundum spannende, randvolle Festivalwoche mit tollem Filmprogramm, Diskussionen, Meisterklassen, Workshops, Lounges und Parties zu organisieren. Mehr

Allow me to welcome you to the 51st edition of the International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film! In the midst of last-minute preparations, I’d like to pause to fill you in on how DOK Leipzig is faring at the promising start of its sixth decade. A year ago, we gathered our key supporters to inform them about the extraordinarily positive turn the DOK Festival and its DOK Industry services have taken these past few years – but also to warn them that our festival was chronically under-funded and, without additional financial support, could not sustain the high level of quality we had reached. Now, a year later, I am happy to report that the City of Leipzig, the State of Saxony’s Ministry of Science and Arts and the Federal Government Commissioner for Culture and the Media (BKM) have significantly increased their funding for DOK Leipzig. This cuts our structural financial gap in half – a vital step for this largest German and second largest European documentary film festival. My heartfelt thanks go out to all those who made this increase possible, as well as to our other supporters, sponsors and partners for their tremendous backing and recognition of our work. The DOK Leipzig team members, including many new colleagues, have contributed their engagement, devotion and fresh ideas to help organise an exciting festival all round: a week loaded with great film programmes, discussions, master classes, workshops, lounges and parties.

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als 300 herausragende neue Filme – ausgewählt aus 2.400 Einreichungen und zahllosen weiteren auf anderen Festivals gesichteten neuen Animations- und Dokumentarfilmproduktionen – können Sie im Rahmen des 51. DOK Leipzig entdecken. Aus rund 50 Ländern stammen die Arbeiten, die sich für die vier starken Wettbewerbe durchsetzen konnten. Weitere beeindruckende und unbedingt sehenswerte Produktionen finden Sie in unseren internationalen Programmen Dokumentar- und Animationsfilm sowie in den vielfältigen Sonderreihen. In „Afghanistan – Innenansichten“ können sie sich einen tiefen Einblick in das Leben in diesem von Krieg und Bürgerkrieg zerschundenen Land verschaffen. Dass Flucht und Migration in Deutschland schon immer ein virulentes Thema waren, beweist die Retrospektive „Fremde Heimat“ des Bundesarchiv-Filmarchivs. Die Sonderreihe „Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit?“ vereint die besten und zum Teil Oscar-prämierten animierten Dokumentarfilme aus mehr als drei Jahrzehnten. Und in „Smoking(No) Smoking“ nehmen wir Abschied vom Rauchen als Kulturform – mit dem nötigen Ernst und einem Augenzwinkern zugleich. Neu in diesem Jahr ist die „Doc Alliance“, eine Initiative für den großen abendfüllenden Dokumentarfilm, die DOK Leipzig mit vier der besten europäischen Dokumentarfilmfestivals ins Leben gerufen hat: CPH:DOX (Dänemark), dem Jihlava IDFF (Tschechische Republik), Planete Doc Review (Polen) und Visions du Réel (Schweiz). Fünf Festivals, fünf exzellente Dokumentarfilme – wir zeigen sie Ihnen. Parallel zum Festival wartet DOK Leipzig erneut mit attraktiven DOK Industry-Branchenangeboten auf. In unserem komfortablen digitalen DOK Markt können die Fachbesucher 300 neue Filme entdecken und wer in Ruhe arbeiten oder Gespräche führen möchte, kann die neue DOK Industry Lounge im Untergeschoss des Festivalzentrums nutzen, wo auch unsere DOK Talks mit Filmemachern stattfinden. Das Internationale DOK Leipzig Koproduktionstreffen bietet in diesem Jahr Produzenten aus Polen, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Italien, Deutschland und Israel Gelegenheit, fruchtbare Kontakte für ihre nächsten Filmprojekte zu knüpfen. Rund 45 internationale Fernsehentscheider werden zum Pitching der Discovery Campus Masterschool erwartet und können beim Leipzig Screening neue deutsche Dokfilme für ein internationales Publikum entdecken. Ich wünsche Ihnen unvergessliche Kinoerlebnisse, spannende Begegnungen mit unseren internationalen Gästen und viel Spaß auf Ihrer Entdeckungsreise durch das Programm von DOK Leipzig.

More than 300 outstanding new films – selected from 2,400 submissions and countless animated films and documentaries seen at other festivals – await your discovery at the 51st DOK Leipzig Festival. The works that made it into the four strong competitions come from some 50 countries. Further impressive productions are well worth seeing and comprise our International Documentary and Animation Film Programme, along with a multi-faceted array of special presentations. “Afghanistan – Interior Views” offers profound insights into daily life in a country devastated by war and civil strife. The Federal Film Archive’s retrospective, “Strange Home”, illustrates how flight and migration have always been hot topics in Germany. The “Animadoc – More Than Just Reality” series highlights outstanding animated documentaries spanning more than three decades, including a number of Academy Award winners. In “Smoking(No) Smoking” we bid farewell to smoking as a cultural practice with appropriate solemnity – adding a bit of a wink. New in 2008 is our “Doc Alliance”, an initiative to promote feature-length documentaries launched by DOK Leipzig and four of the best European documentary film festivals going: CPH:DOX (Denmark), Jihlava IDFF (Czech Republic), Planete Doc Review (Poland) and Visions du Réel (Switzerland). Five festivals, five excellent documentary films – exclusively for you. In conjunction with the festival, we’ve greatly enhanced our DOK Industry amenities and networking opportunities. Industry visitors can settle down in our comfortable, new DOK Industry Lounge, located in the festival centre basement. There they’ll discover over 300 films via the digital DOK Market, find quiet corners to work, or get the chance to engage in lively “DOK Talks” with fellow filmmakers. The International DOK Leipzig Co-production Meeting offers producers from Poland, the Czech Republic, Romania, Bulgaria, Belgium, France, Switzerland, Austria, Italy, Germany and Israel a chance to make useful contacts for their next film projects. About 45 international television decision-makers are expected to attend the pitching sessions of the Discovery Campus Masterschool and will be able to discover new German documentaries with appeal to international audiences at the Leipzig Screenings. I wish you an unforgettable cinematic experience, exciting encounters with international guests and a lot of enjoyment as you embark on your journey of discovery through this year’s DOK Leipzig.

Es grüßt Sie Best regards,

Claas Danielsen Festivaldirektor Festival Director

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Preise 2008 Awards 2008

Preise Awards 2008 Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm International Competition Documentary Film Goldene Taube Golden Dove

Goldene Taube Golden Dove

Silberne Taube Silver Dove

(Langmetrage, über 45 min.)

(Kurzmetrage, bis 45 min.)

(Langmetrage, über 45 min.)

(long duration, over 45 min.)

(short duration, up to 45 min.)

(long duration, over 45 min.)

in Verbindung mit 10.000 EUR

in Verbindung mit 5.000 EUR

in Verbindung mit 3.000 EUR

gestiftet von

gestiftet von DOK Leipzig und dem Filmverband Sachsen e.V.

MDR-Film-Preis MDR-Film-Award für einen herausragenden osteuropäischen

Preis der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Award of the Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

Dokumentarfilm for an outstanding

in Verbindung mit 1.500 EUR

in Verbindung mit 3.000 EUR

Preis der Ökumenischen Jury Award of the Ecumenical Jury

Eastern-European documentary film

Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm German Competition Documentary Film Goldene Taube Golden Dove

DEFA-Förderpreis DEFA-Funding-Award

in Verbindung mit 10.000 EUR

als Stipendium in Höhe von 4.000 EUR

gestiftet von

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Preise Awards 2008 Internationaler Nachwuchs Wettbewerb – Generation DOK International Young Talent Competition – Generation DOK Talent-Taube der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig Talent Dove of the Media Foundation of the Sparkasse Leipzig in Verbindung mit 10.000 EUR als Anschubfinanzierung für das nächste Dokumentarfilmprojekt

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm International Competition Animated Film Goldene Taube Golden Dove

Silberne Taube Silver Dove

in Verbindung mit 5.000 EUR

in Verbindung mit 2.000 EUR

mephisto 97,6 – Publikumspreis Radio mephisto 97,6 – Audience Award

Weiterer Preis Animationsfilm Further Award Animated Film Preis für den besten deutschen Animationsfilm Award for the Best German Animated Film aus dem Internationalen Wettbewerb und der Neuen Deutschen Animation in Verbindung mit 3.000 EUR gestiftet von DOK Leipzig und Saturn Leipzig

Preise für Filme aus allen Wettbewerben Awards for Films from All Competitive Sections Preis der FIPRESCI-Jury Award of the FIPRESCI-Jury (Fédération Internationale de la Presse Cinématographique)

Preis der Jugendjury der Filmschule Leipzig e.V. Award of the Youth Jury of the Filmschule Leipzig e.V.

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Jury 2008 Jury 2008

Jurys Juries 2008 Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm International Competition Documentary Film

Miroslav Janek Tschechische Republik Czech Republic

Monika Maurer Italien Italy

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Miroslav Janek wurde 1954 in Náchod in der Tschechischen Republik geboren, wo er fast 40 Kurzfilme schrieb, inszenierte und produzierte. Außerdem arbeitete er als Cutter für das Tschechische Fernsehen, bevor er 1979 in die Vereinigten Staaten auswanderte. Er ließ sich in Minneapolis nieder und begann, als freier Cutter und Kameramann zu arbeiten. 1981 fing er an, bei ‚Film in the Cities‘ in St. Paul, Minnesota, Filmemachen zu lehren. Während seines sechsjährigen Aufenthalts in Minneapolis produzierte und inszenierte er außerdem eine Reihe von unabhängigen Filmen, die zum Großteil von den örtlichen Stiftungen finanziert wurden. 1986 zog er nach New York und arbeitete dort bis 1994 als Freiberufler. Anschließend verbrachte er zwei Jahre in Treviso, Italien und entwickelte in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Regisseur Godfrey Reggio das Multi­ mediaprojekt ‚Fabrica‘. Seit 1993 zeichnete er als Kameramann und Regisseur zahlreicher Dokumentarfilme für das Tschechische Fernsehen verantwortlich. Er lebt heute in Prag, wo er seit 1998 an der Dokumentarfilmabteilung der FAMU (Prager Filmakademie) lehrt.

Miroslav Janek was born in Náchod, Czech Republic in 1954, where he wrote, directed and produced nearly forty short films. He also worked as a film editor for the Czechoslovakian Television before immigrating to the United States in 1979. Settling down in Minneapolis, he began working as a freelance film editor and cameraman. In 1981 he began teaching filmmaking at ‘Film in the Cities’ in St. Paul, MN. During his six years in Minneapolis he also produced and directed a number of independent films sponsored primarily by the local foundations. In 1986 he moved to New York City where he continued his freelance work until 1994. The next two years he spent in Treviso, Italy, collaborating with American director Godfrey Reggio on developing a multimedia project ‘Fabrica’. Since 1993 he shot and directed many documentaries for the Czech Television. Currently he resides in Prague. Since 1998 he teaches at the documentary department of FAMU (Film Academy in Prague).

Monica Maurer, 1942 in München geboren, studierte zunächst Soziologie und Kommunika­ tionswissenschaften in München und Berlin. Danach arbeitete sie als Journalistin für deutsche Zeitungen und, durch eine Forschungsreise in den Süden der USA in die Bürgerrechtsbewegung involviert, für das radikale US-Magazin „Ramparts“. 1967 begann sie mit ersten Features für das Fernsehen, übernahm 1970–1972 Regieassistenzen für den Avantgarde-Regisseur Carmelo Bene und produziert seit 1972 eigene Filme. Aufkommende anti-arabische Tendenzen veranlassten sie, sich zeitweilig außerhalb des Films politisch zu engagieren. So betrieb sie einen multinationalen Buchladen in Köln. Ab 1977 war sie für die Palestinian Cinema Institution sowie die Palestine Red Crescent Society in

Monica Maurer, born in Munich in 1942, studied sociology and communication studies in Munich and Berlin before she started to work as a journalist for German papers. When she got involved in the civil rights movement during a research trip to the south of the United States, she also worked for the radical US magazine “Ramparts”. She began producing her first television features in 1967, worked as assistant director for avant-garde director Carmelo Bene from 1970-1972 and has been producing her own films since 1972. Growing anti-Arabic sentiments caused her to temporarily leave film production for political action. She moved on to manage a multinational bookstore in Cologne. In 1977 she started to


Beirut tätig und realisierte mit großem internationalen Erfolg Dokumentationen über die soziale und politische Situation in Palästina. 1994–1996 lehrte sie an der International School of Film and TV (EICTV) im kubanischen San Antonio de Los Banos. Heute lebt Monica Maurer in Rom, wo sie neben Verpflichtungen als Dozentin Filminitiativen mit dem Schwerpunkt Naher Osten organisiert und berät, darunter „Al ARD“ in Sardinien und „Le regard de Handala“ in Rom.

work for the Palestinian Cinema Institution and the Palestine Red Crescent Society in Beirut, producing internationally acclaimed documentaries about the social and political situation in Palestine. From 1994–1996 she taught at the International School of Film and TV (EICTV) at San Antonio de Los Banos in Cuba. Monica Maurer lives in Rome today, where she teaches and acts as special Middle East consultant to film initiatives such as “AI ARD” in Sardinia and “Le Regard de Handala” in Rome.

Krzysztof Gierat, 1955 im westpolnischen Zary geboren, gilt als ausgewiesener Experte für Theorie und Geschichte des Films. Er ist Absolvent der philologischen Fakultät der Jagellonischen Universität in Krakau und unternahm Studien zur Anthropologie des Films an der polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau. 1984 Mitbegründer des Mikro Cinema Club und 1988 Initiator des Festivals der jüdischen Kultur, widmet er sich ab 1990 mit dem Graffiti Film Zentrum der ersten von mehreren privatwirtschaftlichen Unternehmungen, der Distribution von Filmen, betreibt Kinos und organisiert ein Stummfilmfestival. Als zweiter Bürgermeister von Krakau ist er 1993–1994 für die städtische Kunst und Kultur verantwortlich und steht dem Krakauer Filmfestival seit 2000 als Direktor vor. 2005–06 leitet er die staatliche polnische Agentur für Fernsehen und Film und führt zurzeit die Geschäfte des Krakauer Filmverleihs Stiftung Film Polski. Er ist Mitglied der Polnischen sowie der Europäischen Filmakademie.

Krzysztof Gierat, born in Zary in Western Poland in 1955, is regarded as one of the foremost experts on the theory and history of film. He graduated from the School of Philo­logy at the Jagiellonian University of Cracow and studied the anthropology of film at the Polish Academy of Sciences in Warsaw. He co-founded the Mikro Cinema Club in 1984 and initiated the Festival of Jewish Culture in 1988. From 1990 he focused on the distribution of films in the Graffiti Film Centre, the first of several private companies, and organised a silent film festival. He was responsible for municipal art and culture as the deputy mayor of Cracow from 1993–1994 and has been the director of the Cracow Film Festival since 2000. From 2005–2006 he headed the public Polish Institute of Television and Film and is currently managing director of the Cracow Film Polski Foundation distribution. He is a member of the Polish and the European Film Academy.

Seit 1983 leitet Debra Zimmerman „Women Make Movies“, eine Medienorganisation von Frauen für Frauen, die unter ihrer Führung zum größten Kontakt- und Distributionsnetzwerk seiner Art in Nordamerika ausgebaut wurde. „Women Make Movies“ entdeckte und förderte Filmemacherinnen wie Sally Potter, Jane Campion, Gurindha Chadha oder Julie Dash und unterstützte unter anderem den Publikums- und Festivalerfolg „Boys Don’t Cry“ (1999) von Kimberly Peirce. Debra Zimmerman, selbst KoRegisseurin einer Videodokumentation zu häuslicher Gewalt gegen Frauen („Why Women Stay“, 1980), ist weltweit gefragte Referentin

Debra Zimmerman has headed “Women Make Movies”, a media organisation by women for women, since 1983, during which it has grown into the largest contact and distribution network of its kind in North America. “Women Make Movies” discovered and promoted filmmakers like Sally Potter, Jane Campion, Gurindha Chadha or Julie Dash and supported films like the audience and festival favourite “Boys Don’t Cry” (1999) by Kimberly Peirce. Debra Zimmerman, co-director of a video documentary on domestic violence against women (“Why Women Stay”, 1980), is an

Krzystof Gierat Polen Poland

Debra Zimmerman USA

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Jury 2008 Jury 2008

Thomas Heise Deutschland Germany

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und Dozentin zur Produktion und Distribution unabhängiger Film- und Videoprojekte, insbesondere von Autoreninnen. Neben verschiedenen Vortragsreisen, Lehraufträgen und Verpflichtungen in Festival-Jurys war sie Präsidentin der Association of Independent Video and Filmmakers. Zur Zeit ist sie unter anderem Beiratsmitglied des Boston Women’s Film and Video Festival und des San Francisco’s Gay and Lesbian Film Festival.

internationally sought after speaker and teacher on the production and distribution of independent film and video projects, especially by female authors. In addition to various lecture tours, lectureships and memberships in festival juries, she was also president of the Association of Independent Film and Video Makers. She is currently a member of the advisory boards of the Boston Women’s Film and Video Festival and the San Francisco Gay and Lesbian Film Festival.

Thomas Heise, 1955 in Ostberlin geboren, arbeitet nach einer Druckerlehre als Regieassistent im DEFA-Studio für Spielfilme. 1982 bricht er nach vier Jahren das Studium an der HFF „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg ab, wird freischaffender Autor und Regisseur am Theater, häufig in gemeinsamen Projekten mit Heiner Müller, und realisiert Radiofeatures und Dokumentarfilme, die jedoch aus politischen Gründen nicht zur Aufführung gelangen. 1987 bis 1990 ist er Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR und danach bis 1997 Mitglied des Berliner Ensembles. Seit Anfang der 1990er Jahre widmet er sich wieder verstärkt dem Dokumentarfilm und erntet mit seinen genauen Porträts und Milieustudien Anerkennung auf internationalen Festivals. So gewinnt er in Leipzig drei mal die Silberne Taube, zuletzt für „Kinder. Wie die Zeit vergeht“ (2007), und wird unter anderem im Deutschen Historischen Museum Berlin 2007 mit einer Werkschau geehrt. Zur Zeit ist Thomas Heise Professor für Film und Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

After an apprenticeship as a printer, Thomas Heise, born in East Berlin in 1955, worked as assistant director at the DEFA feature film studio. After four years at the HFF “Konrad Wolf” in Potsdam-Babels­ berg, he left in 1982 to work as a freelance theatre writer and director, often in collaborative projects with Heiner Müller. He realised radio features and documentary films which were never published for political reasons. From 1987 to 1990 he was a student in master classes at the GDR Academy of the Arts, followed by a period as a member of the ‘Berliner Ensemble’ theater until 1997. Since the early 1990s, he has again focused on documentary film and earned recognition at various international festivals for his precise portraits and studies of social environments. He won three Silver Doves in Leipzig, most recently for “Kinder. Wie die Zeit vergeht” (Children. As Time Flies, 2007) and was honoured with a retrospective at the German Historical Museum Berlin in 2007. Thomas Heise currently teaches film and media art at the State Academy of Design in Karlsruhe.


Jurys Juries 2008 Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm German Competition Documentary Film Peter Jäger, 1968 in Belgien geboren, studierte Jura und Philosophie. Als leidenschaftlicher Cineast rief er während der Studienzeit mit Kommilitonen eine Filmzeitschrift ins Leben, für die er das Marketing übernahm. In den folgenden Jahren arbeitete er im Filmeinkauf für große unabhängige Filmvertriebe und Verleiher. 2005 gründete Peter Jäger mit mehreren österreichischen Produktionsfirmen den Vertrieb Autlook Filmsales. Als deren Geschäftsführer ist er seither verantwortlich für den erfolgreichen internationalen Verkauf von Dokumentarfilmen wie „Unser täglich Brot“ (2005) von Nikolaus Geyrhalter und „Heimatklänge“ (2007) von Stefan Schwietert. Peter Jäger lebt in Wien.

Peter Jäger, born in Belgium in 1968, studied law and philosophy. As a passionate cinema lover, he founded a film magazine with friends at the university, for which he was in charge of marketing. In the next few years he worked as a buyer for large independent film sales agencies and distributors. In 2006, Peter Jäger co-founded Autlook Filmsales with several Austrian production companies. As its managing director he has since been responsible for the successful international sales of documentaries like “Our Daily Bread” (2005) by Nikolaus Geyrhalter and “Echoes of Home” (2007) by Stefan Schwietert. Peter Jäger lives in Vienna.

Der Schriftsteller Clemens Meyer, 1977 in Halle/ Saale geboren, wuchs in Leipzig auf und war nach dem Abitur zunächst als Bauhelfer, Wachmann und Möbelträger tätig. 1998–2003 studierte er am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, gewann 2001 den MDR-Literaturwett­ bewerb und wurde 2006 mit dem Text „Reise zum Fluss“ zum Ingeborg-Bachmann-Wettbe­ werb nach Klagenfurt eingeladen. Nach Publikationen in Zeitschriften und Anthologien erschien 2006 sein Romandebüt „Als wir träumten“, für das er mit dem Rheingau-LiteraturPreis, dem Märkischen Stipendium für Literatur, dem Förderpreis zum Lessingpreis sowie dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet wurde. 2008 veröffentlichte er den Erzählband „Die Nacht, die Lichter. Stories“, für den er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt.

Writer Clemens Meyer, born in Halle/Saale in 1977, grew up in Leipzig and first worked as a construction helper, security guard and removal man after finishing school. From 1998–2003 he studied at the Institute of German Literature in Leipzig, won the MDR Literature Competition in 2001 and was invited to participate in the Ingeborg Bachmann Competition in 2001 with his text “Reise zum Fluss” (Journey to the River). After various publications in magazines and anthologies, his first novel “Als wir träumten” (When We Were Dreaming) was published in 2006 and won the Rheingau Literatur Preis, the Märkisches Stipendium für Literatur (literary scholarship), the Lessingpreis promotional prize and the Mara Cassens Award. In 2008 he published “Die Nacht, die Lichter. Stories” (The Night, the Lights. Stories), a volume of short stories which won the Leipzig Book Fair Award.

Peter Jäger Österreich Austria

Clemens Meyer Deutschland Germany

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Jury 2008 Jury 2008

Helga Reidemeister Deutschland Germany

Helga Reidemeister wurde 1940 in Halle/Saale geboren und legte 1959 in Köln ihr Abitur ab. Von 1961–1965 studierte sie freie Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. 1968–1973 war sie Sozialarbeiterin im „Märkischen Viertel“ Berlin. 1973–1978 folgte ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie. Seit den 1970er Jahren realisiert Helga Reidemeister eigene Dokumentarfilme, später auch in Kooperation mit deutschen Fernsehsendern. Viele ihrer Arbeiten wurden mit renommierten nationalen und internationalen Preisen gewürdigt. So erhielt sie unter anderem den Deutschen Filmpreis 1979 für den DFFBAbschlussfilm „Von wegen Schicksal“, gewann mit dem Doku-Porträt „Mit starrem Blick aufs Geld“ (1983) den 1. Preis des Internationalen Frauen-Film-Festivals in Sceaux und wurde für „Gotteszell – Ein Frauengefängnis“ (2001) mit dem 1. Preis des Cinéma du Réel in Paris ausgezeichnet. Seit 1988 übernimmt sie regelmäßig Lehraufträge im In- und Ausland.

Helga Reidemeister was born in Halle/ Saale in 1940 and got her school-leaving certificate in Cologne in 1959. She studied painting at the Berlin Academy of Fine Arts from 1961–1965. From 1968–1973 she was a social worker in Berlin’s “Märkisches Viertel”. She then studied at the German Film and Television Academy Berlin (dffb) from 1973–1978. Helga Reidemeister has been making documentaries since the 1970s, alone and later in co-operation with German television networks. Many of her works have won renowned national and international awards, including a German Film Award in 1979 for her dffb graduation film “Von wegen Schicksal”, the first prize at the International Women’s Film Festival in Sceau for “Mit starrem Blick aufs Geld” (1983) and the first prize at the Cinéma du Réel festival in Paris for “Gotteszell – Ein Frauengefängnis” (2001). She has been teaching regularly at home and abroad since 1981.

Jurys Juries 2008 Internationaler Wettbewerb Animationsfilm International Competition Animated Film

Zoya Kirejeva Russland Russia

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Soja Kirejewa wurde 1972 im weißrussischen Gomel geboren. Sie absolvierte ein Studium am St. Petersburger Institut für Kino und Fernsehen, beginnt jedoch bereits während der Studienzeit als Kamerafrau im Filmstudio von Swerdlowsk, dem heutigen Jekaterinburg. In dieser Funktion ist sie dort an Animationsfilmen wie „Babuschka“ (1996) und dem mit einem Emmy ausgezeichneten „John Henry – Steel Driving Man“ (2001) von Andrei Solotuchin beteiligt, führt die Kamera bei „Pro Rakow“ (2003) von Walentin Olschwang und bei „Handwerk“ (2004) von Dmitri Geller. 2006 gibt sie mit der Zeichenanimation „Foolish Girl“ ihr Debüt als Regisseurin und Autorin. Ihr Erstling, ebenfalls in Jekaterinburg realisiert, wird 2007 auf internationalen Festivals, unter anderem auch in Leipzig, gezeigt und erhält Preise in Annecy und Espinho.

Zoiya Kireeva was born in the Belarussian city of Gomel in 1972. She studied at the St. Petersburg State University of Cinema and Television, but started work as a camerawoman at the Film Studio of Sverdlovsk, today Yekaterinburg, when she was still an undergraduate. In this capacity she has worked on animations like “Babushka” (1996) and the Emmy award winner “John Henry – Steel Driving Man” by Andrey Zolotukhin and operated the camera for “Pro Rakov” (2003) by Valentin Olshvang and “Handwerk” (2004) by Dmitri Geller. In 2006, she made her debut as director and scriptwriter with the drawn animation “Foolish Girl”. This film, also realized in Yekaterinburg, was screened at international festivals, including Leipzig, in 2007, and won prizes at Annecy and Espinho.


Gil Alkabetz, 1957 im Kibbuz Mashabei Sade geboren, studierte 1979–1983 Graphikdesign an der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem. Bereits 1984 wird er mit seiner Kurzanimation „Bitzbutz“ international bekannt und gewinnt Hauptpreise auf Festivals in Israel, Australien und der Schweiz. Bis 1995 ist er als freischaffender Animator und Illustrator in Israel tätig, übersiedelt dann nach Stuttgart, wo er seine Arbeit erfolgreich fortsetzt. In dieser Zeit entstehen der in Utrecht ausgezeichnete „Ectstazoo“ (1996), der in Annecy, Chicago, Uppsala, Rom und Györ prämierte Siebenminüter „Rubicon“ (1997) sowie die animierten Sequenzen von Tom Tykwers „Lola rennt“ (1999), mit der sich Alkabetz auch dem Spielfilmpublikum vorstellen kann. 2002 übernimmt er eine Gastprofessur am Rocky Mountains College of Art and Design in Denver, Colorado, lehrt seit 2004 an der HFF „Konrad Wolf“ in PotsdamBabelsberg und seit 2005 an der Filmakademie Baden-Württemberg. Zuletzt gewinnt er mit „Morir de Amor“ (2004) erneut Haupt-, Spezial- und Publikumspreise auf internationalen Festivals.

Gil Alkabetz, born in the Mashabei Sade kibbutz in 1957, studied graphic design at the Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem from 1979–1983. He first gained international recognition in 1984 with his animated short “Bitzbutz”, winning principal prizes at festivals in Israel, Australia and Switzerland. He worked in Israel as a freelance animator and illustrator until 1995, when he moved to Stuttgart where he continued his work with success. During that period he produced “Ecstazoo” (1996), which won an award at Utrecht, the seven minute short “Rubicon” (1997) which won awards at Annecy, Chicago, Uppsala, Rome and Györ, and the animated scenes in Tom Tykwer’s “Run Lola Run” (1999), which brought Alkabetz to the attention of a feature film audience. He was a visiting professor at the Rocky Mountains College of Art and Design in Denver, Colorado, in 2002 and has been teaching at the HFF “Konrad Wolf” in Potsdam-Babelsberg since 2004 and at the Film Academy Baden-Württemberg since 2005. His most recent work “Morir de Amor” (2004) also won principal, special and audience awards at international festivals.

Tim Webb wurde 1960 in Shropshire geboren. Nach Abschluss der Schule absolvierte er eine 5-jährige Ausbildung als Zahntechniker, bevor er sich ab 1982 vollkommen seiner künstlerischen Ausbildung widmete. Nach Erlangung eines ‚Art Foundation Degree‘ in Shrewsbury schloss Webb erfolgreich sein Studium als Bachelor in Animation am ehemaligen West Surrey College of Art ab. Seit 1986 ist Webb im Animationsbereich tätig. 1996 nahm er seine jetzige Tätig­keit als Dozent am Royal College of Art auf.

Tim Webb was born in Shropshire in 1960. On leaving school he completed a 5-year apprenticeship in Dental Technology before returning to full time art education in 1982. On completion of an Art foundation degree in Shrewsbury, Webb undertook a BA in animation at The West Surrey College of Art, which is now known as The Surrey Institute. From 1986 Webb has been working in animation. Webb took up his current post as senior tutor at the Royal College of Art in 1996.

Gil Alkabetz Deutschland Germany

Tim Webb Vereinigtes Königreich United Kingdom

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Jury 2008 Jury 2008

Jurys Juries 2008 Internationaler Nachwuchswettbewerb – Generation DOK International Young Talent Competition – Generation DOK

Erkko Lyytinen Finnland Finland

Tamara Trampe Deutschland Germany

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Erkko Lyytinen, Jahrgang 1973, ist Absolvent des Bereichs Film und Fernsehen der Hochschule für Kunst und Design Helsinki. Bereits mit „Borderland Bachelors“ (2003), seinem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm, erlangte er internationale Aufmerksamkeit. Für den nachfolgenden „North Star“ (2004) erhielt er 2005 unter anderem die Leipziger Talent-Taube. „The Purge“ (2007), seine bislang letzte fertiggestellte Arbeit, wurde mit dem finnischen Telvis-Preis als bester Dokumentarfilm des Jahres ausgezeichnet. Erkko Lyytinen war Vorstandsmitglied des Finnischen Verbands der Filmregisseure sowie der Finnish Documentary Guild. Im April dieses Jahres übernahm er die künstlerische Leitung des DocPoint Helsinki Documentary Film Festival und wird hier 2009 seine erste Festivaledition bestreiten.

Erkko Lyytinen, born in 1973, graduated from the Film and Television School of the University of Art and Design Helsinki. His first feature-length documentary “Borderland Bachelors” (2003) attracted international attention. He was awarded the Leipzig Talent Dove in 2005 and other prizes for his next production “North Star” (2004). “The Purge” (2007), his latest completed work, was awarded the Finnish Telvis Prize as best documentary of the year. Erkko Lyytinen was a member of the board of the Association of Finnish Film Directors and the Finnish Documentary Guild. In April 2008 he took over as artistic director of the DocPoint Helsinki Documentary Film Festival and will head his first festival edition in 2009.

Tamara Trampe, 1942 im russischen Woronesch geboren, absolvierte 1962–1967 ein Studium der Germanistik, Slawistik und Kunstgeschichte an der Universität Rostock und wurde anschließend Kulturredakteurin bei der Wochenzeitung „Forum“. Von 1970 bis 1990 arbeitete sie als Dramaturgin im DEFA Studio für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg. Seither ist sie als freiberufliche Filmemacherin, Autorin und Dramaturgin tätig und übernimmt Lehraufträge an verschiedenen Filmhochschulen. Nach Anfängen als Drehbuchautorin, unter anderem für die Kurzdoku „Ich komme aus dem Tal“ (1970) unter der Regie von Hans Eberhard Leupold, realisierte sie 1982 nach eigenem Buch „Ich war einmal ein Kind“. Seit Anfang der 1990er Jahre entstanden mehrere Produktionen in KoRegie mit Johann Feindt, darunter „Der schwarze Kasten“ (1990/91, Nominierung für den Deutschen Filmpreis) und zuletzt „Weiße Raben – Alptraum Tschetschenien“ (2005), ein Film, für den sie mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurden.

Tamara Trampe, born in Russian Voronezh in 1942, studied German literature, Slavonic studies and art history at the University of Rostock and went on to become arts editor of the weekly magazine “Forum”. From 1970 until 1990, she worked as a dramatic advisor for the DEFA feature film studio in PotsdamBabelsberg. Since 1990, she has been working as a freelance filmmaker, writer and dramatic advisor and has taught at various film schools. She started out as a scriptwriter, for, among others, the short docu­ mentary “Ich komme aus dem Tal” (I Come from the Valley), directed by Hans Eberhard Leupold, before she directed “Ich war einmal ein Kind” (I Used To Be a Child), based on her own book. She has co-directed several films with Johann Feindt since the early 1990s, including “Der schwarze Kasten” (Black Box, 1990/91, nominated for a German Film Award) and, most recently, “Weiße Raben – Alptraum Tschetschenien” (White Ravens – Nightmare in Chechnya, 2005), a film for which she was awarded the Adolf Grimme Preis.


Der in Toronto lebende Autor, Regisseur und Produzent Thomas Wallner arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich in den Bereichen Dokumentarfilm, Fernsehproduktion und interaktive Medienkonzepte. 1998–2001 war er als Producer und Autor bei ExtendMedia maßgeblich an der Entwicklung weithin beachteter Projekte beteiligt, darunter die CBC-Fernsehserie „Our Hero“. Eine langjährige Kooperation verbindet ihn mit Larry Weinstein von Rhombus Media. Als Ko-Regisseur und Autor realisierte er mit Weinstein Filme wie „My War Years: Arnold Schoenberg“ (1992), „Solidarity Song: The Hanns Eisler Story“ (1995) oder „Beethoven’s Hair“ (2005), für den Wallner seinen ersten Gemini Award gewinnt. Den zweiten erhielt er 2006 für das Cross-Platform-Projekt „ReGenesis“, das er mit Patrick Crowe in der gemeinsamen, 2001 gegründeten Multimediafirma Xenophile Media entwickelt. 2007 wurde die Online-Version des Spiels mit einem Emmy ausgezeichnet. Zuletzt schrieb er das Drehbuch für den Dokumentarfilm „Inside Hana’s Suitcase“, der 2008/09 in die Kinos kommen wird.

Toronto based writer, director and producer Thomas Wallner has been working successfully in documentary film, television production and interactive media concepts for many years. From 1998–2001 he was involved as a producer and writer for ExtendMedia developing high profile projects, including the CBC television show “Our Hero”. He has been collaborating with Larry Weinstein of Rhombus Media for years as a co-director and writer of films like “My War Years: Arnold Schönberg” (1992), “Solidarity Song: The Hanns Eisler Story” (1995) or “Beethoven’s Hair” (2005), which won Wallner his first Gemini Award. He won the second in 2006 for the cross platform project “ReGenesis” which he developed with Patrick Crowe in their joint multimedia company Xenophile Media, founded in 2001. The online version of the game won an Emmy award in 2007. His most recent work is the script for the documentary “Inside Hana’s Suitcase” which will be released in 2008/09.

Thomas Wallner Kanada Canada

Weitere Jurys Further Juries 2008 Jury der Féderation Internationale de la Presse Cinémathographique (FIPRESCI) Adina Emilia Bradeanu, Rumänien Jean-Max Mejean, Frankreich Kay Hoffmann, Deutschland

Ökumenische Jury Angelika Obert, Deutschland Françoise Lods, Frankreich Lothar Strüber, Deutschland Pier Mario Mignone, Italien

Jury der ver.di, Fachbereich Medien Bernd Ackermann, Jürgen Kautz, Gundula Lasch, Sophia Littkopf, Hans-Dieter Tok, Karin Wiekhorst, Thomas Janitzky

Jugendjury der Filmschule Leipzig e.V. Franziska Suppè, Valentin Günther, Stephan Dressel, Fabian Brümmer, Clemens Sterl

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Veranstalter 2008 – Das DOK Leipzig Team Organisers 2008 – The DOK Leipzig Team

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Festivaldirektor, Geschäftsführer Festival Director, Managing Director

Jury Betreuung Jury Assistants

Claas Danielsen

Jana Fuchs, Swetlana Kibke, Annika Kirchhoff, Elgin Wolf

Verwaltungsleiterin Head of Administration

Gästeempfang Guest Reception

Christiane Wilhelm

Katharina Grammel (Leitung), Felix Endruweit, Judith Riechert, Maria Bieber, Alexei Dörre, Sarah Johanna Steinfelder

Sekretariat Office

Angela Pacher (Assistentin der Geschäftsführung) Maria Allendorf, Annett Seifert, Karina Weisheit

Dolmetscherteam Interpreters

Claas Danielsen (Dok), Ralph Eue (Dok), Karin Fritzsche (Dok), Matthias Heeder (Dok), Dr. Grit Lemke (Dok), Ingo Linde (Anima), Antje Stamer (Dok), Jacqueline Zeitz (Leiterin Anima)

Luise Neuhaus (Leitung), Anastasia Abakumova, Nicola Basler, Marc Bleser, Anne-Kathrin Ende, Gaby Gühmann, Dr. Manfred Heine, Heinz Hentschel, Dr. Wladimir Kutz, Hannelore Lenk, Pablo Linares, Dr. Ingo Nentwig, Peggy Plötz-Steger, Martina Utpott, Sibylle Walther, Bernhard Weisemann, Wolfram Wießner, Dr. Miriam Zeh-Glöckler

Kuratoren Curators

Filmlager Film Repository

Dr. Grit Lemke (Smoking(No)Smoking) Martin Gerner (Afghanistan – Innenansichten) Annegret Richter (Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit?)

Ursula Wartenberg (Leitung), Christian Andrae, Manfred Fehse, Martin Seifert

Programmerin Dok Programmer Doc

Sieglinde Kruschke, Karin Schöning, Stefan Trampe

Dr. Grit Lemke

Technik Technical Department

Programmkoordination Programme Coordination

Wolfgang Samlowski (Leitung), René Blümel

Gerd Werner Schnabel, Franziska Mucha

Kino und Videotechnik Cinema and Video Equipment

Programmassistenz Animation Programme Assistant Animation

Dietmar Ils, Ralph Nünthel, Andreas Schönwies, Karsten Thies

Ingo Linde, Juliane Bülow, Sandrine Lang

Vorführer Projectionists

DOK Industry DOK Industry

Marko Andersson, Christoph Beck, Fabian Ellenbrock, Michael Fandel, Pier Franke, Matthias Heilmann, Mario Ils, Thomas Ils, Dirk Kaatzsch, Tino Kaiser, Jens Kersten, Marco Kirstein, Michelle Ritzmann, Lucas Scheigenpflug

Finanzen Financial Department

Steffen Schmidt, Hildegard Scheibe Auswahl- und Programmkommission Selection und Programme Committee

Christine Hille (Leitung), Dunja Selbach (Koord. DOK Markt), Miriam Becker, Tina Börner, Florian Fischl, Astrid Hartmann, Diana Kluge, Ines Nové, Dominique Raack, Ann Carolin Renninger, Eva Rink, Louisa Terzakis

Kopienprüfung Print Control

Kamera (Eröffnung, Preisverleihung) Camera (Opening/Closing Ceremony)

Presse Press Office

Kathrin Falke, Andreas Mirgel, Eric Neugebauer

Beate Maschke/Katrin Haucke (Leitung), Dörthe Winter, Franziska Hedrich

Fahrer Drivers

Öffentlichkeitsarbeit Public Relations

Volunteers

Kathleen Liebold (Leitung), Roland Löbner, Marko Kloß, Benjamin Heine, Kerstin Schulze

Diana Acker, Katrin Becker, Jette Blümler, Barbara Bohne, Joachim Brumberg, Tabea Braun, Klaus Eberlberger, Heike Findeisen, Stefanie Forestier, Anke Gehrmann, Melanie Guhlmann, Caroline Habt, Benjamin Heine, Maximilian Hoffmann, Caroline Alice Hofman, Alissa Imsirovic, Susann Jehnichen, Indra Jungblut, Marie Kaufmann, Stephan Kuche, Grit Lichtenecker, Matthias Mai, Meinolf Müller, Konstantin Nakow, Wiebke Nonne, Cathleen Oswald, Sophie Anna Pfaff, Christin Raulf, Kerstin Schulze, Anja Uhlemann, Benjamin Schief, Paula Schumann, Sabrina Viereckel, Jana Laura Weinert

Katalogredaktion Catalogue Editor

Jane Wegewitz (Leitung), Sylvia Görke Rahmenprogramm Special Events

Stefanie Abelmann, Thomas Fichtner, Tina Leeb, Katharina Schniebs, Ilo von Seckendorff-Witzleben Sponsoring Sponsoring

Tina Leeb Berater des Festivals Advisors to the Festival

Paulo de Carvalho, Barbara Cielsielski, Christoph Jörg, Elizabeth Marschan, Olaf Möller, Nele Saß, Tue Steen Müller

Jan Greifelt, Béla Kovács, Jakob Lober, André Seidemann

Grafik, Design, Satz Graphic Design

Arbeitsgruppe Retrospektive Bundesarchiv-Filmarchiv Retrospective Team

Visionauten, Atelier 323

Barbara Heinrich-Polte, Katrin Raetz

Festival Fotograf Festival Photographer

Kinobetreuung Cinema Assistants

Martin Jehnichen

Detlef Fluch, Piet Fuchs, Anke Gehrmann, Veit Geldner, Sebastian Mandla, Silke Mühl, Sophie Plessing, Annegret Richter, Kristina Strauss, Ilo von Seckendorff-Witzleben

DOK Digital DOK Digital Department

computer leipzig Systemadministrator System Administrator

computer leipzig Videotechnik Video Technique

Ils Medientechnik 19


DOK Leipzig gratuliert … DOK Leipzig Congratulates …

DOK Leipzig gratuliert der Filmschule Leipzig DOK Leipzig Congratulates the Leipzig Film School

Im Herbst 2008 feiert die Filmschule Leipzig e.V. ihr zwanzigjähriges Jubiläum und DOK Leipzig gratuliert ihr dazu herzlich! Seit zwei Jahrzehnten widmet sich die Filmschule der kreativrezeptiven Medienpädagogik für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Erste Herzensangelegenheit ist dabei die Förderung des anspruchsvollen Kurzfilms in all seinen Facetten. Seit 17 Jahren freuen wir uns insbesondere über ein Projekt der Filmschule, das junge Dokfilmfans und einen besonderen Preis ins Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm einbringt: 1992 rief die Filmschule eine Jugendjury ins Leben. Dr. Christiane Mückenberger und Fred Gehler als ehemalige Festivaldirektoren und Claas Danielsen als ihr Nachfolger unterstützten und unterstützen dieses Projekt mit Verve. Der Verein initiiert im Vorfeld der eigentlichen Jurorenarbeit Kurse für Interessenten ab 14 Jahren, in denen anspruchsvolle Kurzfilme diskutiert, analysiert und bewertet werden. Während des Festivals sehen dann fünf junge Jurymitglieder eine große Anzahl an Dokumentarfilmen, aus denen sie nach intensiven Gesprächen ihren Favoriten wählen. Dass die Zusammenarbeit in all den Jahren so reibungslos ablief und die Initiative auf positive Resonanz bei Festivalleitung und Publikum stieß, ist besonders dem Engagement der beiden Filmschul-Macherinnen Eleonore Sladeck und Simone Bauer zu danken. Die jeweils neu zusammengestellte Filmschul-Jugendjury vergibt unter ihrer Leitung keine monetäre Auszeichnung, sondern einen selbst- und sehr phantasievoll gestalteten Preis. Über diesen haben sich die geehrten Filmemacher und Filmemacherinnen bislang immer besonders gefreut, ist es doch eine Auszeichnung der vielleicht am schwersten zu überzeugenden Juroren … DOK Leipzig wünscht der Filmschule alles Gute für die nächsten 20 Jahre – auf dass sie mit ihren spannenden Projekten weiterhin auf begeisterte Augen und Ohren stößt und für ihre wichtige Arbeit immer die nötige Unterstützung erhält!

www.filmschule-leipzig.de 20

DOK Leipzig offers its warmest congratulations to the Leipzig Film School which is celebrating its 20th anniversary in autumn 2008! The Film School looks back on two decades of commitment to creative-receptive media education for children, adolescents and adults; promoting high quality shorts in all their variety is and has always been nearest to their hearts. We are especially pleased about a Film School project that has integrated young documentary film fans into the International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film and added a special prize to our portfolio for the past 17 years: in 1992, the Film School established the first youth jury. Former festival directors Dr. Christiane Mückenberger and Fred Gehler and their successor Claas Danielsen supported and continue to support this project enthusiastically. In preparation for actual jury duties, the School holds classes for interested youth aged 14 and older, where high quality short films are discussed, analysed and evaluated. During the festival, the five young jury members will watch a large number of documentary films from which, after intense discussions, they choose their favourite. It is because of the commitment of the two Film School managers Eleonore Sladeck and Simone Bauer that this co-operation has worked so smoothly over all these years and inspired such positive responses from the festival directors and audiences. Under their guidance, the annually chosen Film School Youth Jury members do not award a cash prize but a statue very creatively designed by them. An award that has always made its winners particularly happy, since it is presented by the jury that may be hardest to convince ... DOK Leipzig wishes the Film School good luck for the next 20 years – may their exciting projects continue to find enthusiastic eyes and ears and may they always get the necessary support for their important work!


Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm

Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm International Competition Documentary Film


Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm

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Alicia en el País Alice in the Land Chile 2008

Erzählt wird die Geschichte einer Wanderung, die Alicia, ein Quechua Mädchen, von ihrem Dorf im Süden Boliviens in das 180 Kilometer entfernte San Pedro im Norden Chiles führt. 2004 nahm die damals 13-Jährige diesen Weg zum ersten Mal. Sie hatte keine genaue Vorstellung von der Route, aber sie kannte das Land und verfügte auf geheimnisvolle Weise über die kollektive Erinnerung Tausender QuechuaKinder, die in den Jahrhunderten vor ihr diesen Weg beschritten hatten. 2007 rekonstruierte der chilenische Regisseur Esteban Larraín diese Geschichte mit der jetzt 15-jährigen Alicia. Entstanden ist eine magische Reise durch die unwirkliche Schönheit der Anden und in Alicias innere Welt – eine Welt voller Erinnerungen an ihre Kindheit, von der sie nach ihrer Ankunft in San Pedro für immer Abschied genommen hat. Natürlich hat die Tatsache, dass es sich um eine Rekonstruktion der ursprünglichen Reise handelt, sofort zu der Kontroverse geführt, ob es sich noch um einen Dokumentarfilm handelt. Aber die Grenzen zwischen den Genres öffnen sich, und DOK Leipzig sucht traditionell die Auseinandersetzung um Mischformen und neue Wege des dokumentarischen Erzählens. Insofern erinnert uns der Film nicht nur an die symbolische Reise, die jeder von uns in seinem Leben unternommen haben sollte, sondern auch daran, dass Kunst ein offener, nie abgeschlossener Dialog mit der Welt ist, die uns umgibt. MH

The film tells the story of a 180 km hike that took Alicia, a Quechua girl, from her village in the south of Bolivia to San Pedro in the north of Chile. In 2004, the then 13-year-old walked the track for the first time. She didn’t have a clear idea of the route, but she knew the land and mysteriously had the memories of thousands of Quechua children who had walked that track in the centuries before her at her disposal. In 2007, the Chilean director Esteban Larraín reconstructed the story with the now 15-year-old Alicia, resulting in a magical journey through the unreal beauty of the Andes and into Alicia’s inner world – a world full of memories of her childhood, to which she said goodbye forever after her arrival in San Pedro. Of course, the fact that this is a reconstruction of the original journey immediately stirred a controversy about whether this is still a documentary. But the boundaries between the genres are opening, and DOK Leipzig has a tradition of exploring hybrid forms and new ways of documentary storytelling. In that sense, the film not only reminds us of the symbolic journey each of us should have undertaken in our lives, but also of the fact that art is an open, never-ending dialogue with the world around us. MH

35 mm, Farbe, 86 min. Regie, Buch: Esteban Larraín Kamera: Juan Pablo Urioste Musik: Ricardo Santander Schnitt: Felipe Guerrero Produktion, Vertrieb, Kontakt: Esteban Larraín, Piraña Films, Simon Bolívar 5978, 100 Santiago de Chile, Chile, +56-2-8 85 28 84, esteban_larrain@yahoo.com.ar www.aliciaenelpais.com

Esteban Larraín, 1973 geboren, lebt in Santiago de Chile. Dort schloss er 1999 das Journalistik-Studium an der Universidad de Chile mit einer Arbeit über Michelangelo Antonioni ab. Bis 2001 studierte er Filmregie in Kuba und Italien und machte 2004 einen MasterAbschluss in Politikwissenschaften an der Sorbonne in Paris. Seit 1997 ist er Autor, Regisseur und Produzent eigener Filme, vor allem zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen, die erfolgreich auf internationalen Festivals vorgestellt wurden. Filmauswahl: Patio 29 (1998), Ralco (2000), The Veil of Berta (2004)

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Children of the Pyre Children of the Pyre Indien 2008

„Children of the Pyre“ entführt uns an einen der merkwürdigsten Orte dieses Planeten. Einen Ort, wo 24 Stunden am Tag die Scheiterhaufen brennen. Wo tagtäglich 150 Leichen nach hinduistischem Ritual eingeäschert werden. Wo die Entsorgung der Toten Fabrikarbeit ist und das Einkommen der Beschäftigten direkt mit der Sterberate der Bevölkerung in Zusammenhang steht. Manikarnita, das größte Krematorium Indiens. Über einen Zeitraum von 18 Monaten folgt der Film dem Leben von sieben Kindern, die zur Kaste der Unberührbaren gehören. Sie schüren die Feuer, schieben abgetrennte Körperteile zurück in die Glut und stehlen den Toten die reich verzierten Leichentücher. Der Tod hat für sie das Geheimnis ebenso verloren wie jeden Schrecken. Und doch scheinen hinter der Abgebrühtheit, mit der sie ihren Job erledigen und von ihrem Leben erzählen, Wünsche universeller Gültigkeit auf. Wünsche, die der Regisseur durch einen sehr persönlichen Dialog mit seinen Protagonisten herausarbeitet. „Wenn ich Präsident wäre, würde ich jedem Armen ein Haus geben, und jeder Arme würde kostenlos Medizin bekommen. Aber nicht die Reichen. Die Reichen sind Motherfucker, die den Armen das Geld stehlen“, fasst der 15-jährige Ravi sein Weltbild zusammen. Wer fühlt sich da nicht an die Wunschwelten des Märchens erinnert, in dem das Volk seine jahrhundertealte Sehnsucht nach Gerechtigkeit ausspricht? MH

“Children of the Pyre” takes us to one of the strangest places on this planet, a place where pyres are burning 24 hours a day, where 150 bodies are cremated according to Hindu ritual every day. Where the disposal of the dead is factory work and the employees’ income is linked directly to the mortality rate of the population: Manikarnita, India’s biggest crematorium. Over a period of 18 months, the film follows the lives of seven children who belong to the ‘untouchables’ caste. They stoke the fires, push detached body parts back into the blaze and steal the richly decorated shrouds of the dead. To them, death has lost all secrets and all terror. And yet the hard-boiled way they do their job and talk about their lives seems to hide wishes that are universal. Wishes which the director highlights in very personal dialogues with his protagonists. “If I was president, I would give every poor person a house, and every poor person would get medicine for free. But not the rich. The rich are motherfuckers who steal the poor people’s money”, 15-year-old Ravi summarises his view of the world. Who does not feel reminded by this of the wishful world of fairytales through which the people express their centuriesold longing for justice? MH

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 73 min. Regie, Kamera: Rajesh S. Jala Musik: Roy Menezes Schnitt: Sheetal Koul Produktion, Vertrieb, Kontakt: Rajesh S. Jala, The Elements, 412 / 459 Bholi Nagar, Masjid Moth, South Extn.Part - 2, 110049 New Delhi, Indien, +91-11-46 01 42 01, rajeshjala@gmail.com www.rajeshsjala.com

Rajesh S. Jala wurde 1969 in Kaschmir geboren und ist seit über zehn Jahren als Regisseur und Kameramann tätig. Neben den eigenen Filmprojekten entstehen mehrere Serien für indische und internationale Fernsehsender. Sein letzter Dokumentarfilm „Floating Lamp of the Shadow Valley“ (2006) wurde weltweit von renommierten Festivals eingeladen.

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Cocais, a cidade reinventada Cocais, the Reinvented Town Brasilien 2008

Einst Hospital, heute Ruine, doch für ein paar Momente voller Leben. Eine Fiesta, wie der Karneval so bunt, eigenwillig, skurril, arrangiert und doch ganz spontan. Patienten der Psychiatrie nehmen auf ihre Weise Besitz von den Räumen, kommunizieren mit der Kamera, philosophieren, verlieren sich in ihren Gedanken. Paare, schon nicht mehr jung, erzählen von ihrer Beziehung, ein anderer erinnert das Kino, damals, mit dem Projektor, der jetzt die Tanzenden abbildet auf der Mauer. Ein wiedererfundenes Kino, eine wiedererfundene Stadt. Vielleicht ist dies ein brasilianischer Traum, eine Legierung aus nationaler Kultur und individueller Sehnsucht. Ein phantasievoller Film ist es allemal, mit ganz eigener Atmosphäre und viel Liebe zu den Menschen, wie sie sind. Am Ende weiße Betten auf der Wiese, dazwischen Schafe … KF

Once a hospital, today a ruin, but full of life for a few moments. A fiesta, as colourful, idiosyncratic, odd, arranged as the carnival, but quite spontaneous. Psychiatric patients take possession of the rooms in their own way, communicating with the camera, philosophising, getting lost in thought. Elderly couples tell us about their relationship, another remembers the cinema at the time, with the projector that is now painting the dancers onto the wall. A re-invented cinema, a re-invented town. Perhaps this is a Brazilian dream, an amalgam of national culture and individual nostalgia. In any case, it is an imaginative film with an atmosphere of its own and a great love for the people as they are. At last we see white beds on a meadow, a few sheep between them ... KF

35 mm, Farbe, 15 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Inês Cardoso Musik: Stephen Vitiello, Mikhail Rudy Produktion: Beto Tibiriça, Plateau Produções Kontakt: Inês Cardoso, Rua Theodor Herzl 111/43, 05014-020 São Paulo, Brasilien, +55-11-38 73 02 36, inescardoso@hotmail.com

Die Multimediakünstlerin Inês Cardoso, 1964 in São Paulo geboren, wurde dort im Bereich Hörfunk und Fernsehen an der Fundação Armando Alvares Penteado (FAAP) ausgebildet. Seit 1994 entstehen neben international prämierten Dokumentarfilmen auch freie Videoarbeiten, zum Teil auch als Serie konzipiert oder in Installationen präsentiert, die auf namhaften Festivals wie Videobrasil, dem Tokyo Video Festival und der Mostra nacional de cinema e vídeo de Cuiabá mit Preisen geehrt wurden. Filmauswahl: Saint Geronimo (2000), Dormentes (2003), Baile (2005), Madgaonon Konkani Express (2005), Transe Confiante (2007)

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Darah dan dupa Blood and Incense Kanada 2008

„Auf Bali muss bei bestimmten Zeremonien Blut vergossen werden, um die Bhutas, die bösen Geister, die unter der Erde hausen, zu besänftigen. Direkt neben dem Tempel steht eine Hahnenkampfarena. Der Kampfrichter schlägt einen Gong, der Kampf beginnt. Die Zeremonie wird von den Beschwörungsformeln des Priesters eingeläutet. Rhythmische GamelanMusik begleitet den Todestanz des Hahns. Das laute und aufgeregte Gerede der um den Ring gedrängten Männer klingt wie der Chor beim Kechak-Trancetanz. Der Duft der Räucherstäbchen vermischt sich mit dem Geruch von Blut.“ (Carl Valiquet) Hahnenkampf, schrieb der amerikanische Kulturanthropologe Clifford Geertz, sei eine „balinesische Lektüre balinesischer Erfahrungen; eine Geschichte, die sie von sich selbst erzählen.“ Wie Kunst in der westlichen Kultur gäbe er Empfindungen nicht nur wider, sondern bringe sie hervor. Insbesondere das, was Geertz über den Ausdruck (und die Reproduktion) männlicher Identität im Hahnenkampf sagte, wird in Valiquets atemberaubender Montage aus Fotos und Filmbildern sinnlich spürbar. Im schnellen Wechsel der Tempi, mit Überblendungen und einer Toncollage aus menschlichen und tierischen Geräuschen sowie Musik verschmelzen Gewalt und Schönheit, Todeskampf und Grazie, Männer und Frauen. Ohne dabei auszublenden, dass die Akteure bestimmte Rollen einnehmen in einem Ritual, das Geertz „deep play“ nannte und mit Shakespeares „Macbeth“ verglich. GL

“In Bali, during certain ceremonies, blood must be spilled to pacify the bhutas, the evil spirits that live underground. A cockfighting arena is built next to the temple. The judge strikes a gong; the fighting starts. The beginning of the ceremonies is marked by the incantations of the priest. The cock’s dance of death is accompanied by the rhythmic music of the gamelan. The noisy excited chattering of the men gathered round the ring sounds like the chorus heard at the Kechak trance dance. The aroma of incense mixes with the smell of blood.” (Carl Valiquet) The American cultural anthropologist Clifford Geertz wrote that cockfighting was a “Balinese reading of Balinese experience; a story they tell about themselves.” Like art in Western culture, it did not merely represent emotions but create them. Valiquet’s breathtaking montage of photos and moving images creates a sensual experience, especially of what Geertz writes about the expression (and reproduction) of masculine identity in cockfighting. By means of a rapidly changing pace, dissolves, and a collage of human and animal sounds as well as music, he fuses violence and beauty, agony and grace, men and women. Nor does he omit the fact that the protagonists are playing predetermined parts in a ritual which Geertz called “deep play” and compared to Shakespeare’s “Macbeth”. GL

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 17 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Carl Valiquet Musik: Colin McPhee, diverse balinesische Musiker Produktion, Vertrieb, Kontakt: Carl Valiquet, Gone Fishing Productions, 4060 boul. St-Laurent, Apt. 107, H2W1Y8 Montreal, Kanada, +1-514-8 43 33 69, info@gonefishingproductions.com www.gonefishingproductions.com

Carl Valiquet, Jahrgang 1946, wurde in Montreal geboren und ist bislang vor allem als Fotograf und Fotojournalist bekannt. Seine Karriere begann 1967 mit einer Stelle als Fotoassistent in Churchill Falls auf der Labrador-Halbinsel. Seit den 1980er Jahren werden Valiquets Reisereportagen regelmäßig in renommierten kanadischen Zeitschriften veröffentlicht. Außerdem arbeitet er als Werbefotograf. Filmauswahl: El Ring (2003), Eye of the Father. Eye of the son (2006)

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Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm International Competition Documentary Film

Dewjat sabytych pesen Nine Forgotten Songs Russische Föderation 2008

Die Komi-Perjaken sind eine in Sibirien lebende, weitgehend russifizierte Minderheit, die die Aufgabe ihres autonomen Gebietsstatus in der postsowjetischen Ära mehr oder weniger widerstandslos hinnahm. Die junge WGIK-Absolventin Galina Krasnoborowa, deren eigenwillige Bildsprache man in Russland mit der Sergei Losnizas vergleicht, macht sich auf die Suche nach verschütteten Wurzeln. Wie ein Puzzle setzt sie disparate Stücke zusammen, aber es will nicht passen, Teile fehlen. In bester surrealistischer Manier begibt sie sich in die Räume des Unbewussten, der Erinnerung. Sie sind bevölkert von Spinnweben, einer schaukelnden Wiege an der Decke, vergilbten Soldatenfotos neben einer Oma-Lesebrille und vermummten Alten im Schnee, mit Liedern, Gedichten, Totengebeten. Und immer wieder Namen, geschrieben, genannt. Die Verstorbenen, die Vorfahren – deren Reihe unvollständig bleibt. Nur Aleksei, fast ein Junge noch, in Soldatenuniform vor der russischen Fahne fotografiert, bekommt eine eigene Sequenz in Farbe. Auf denen, die ihre Vorfahren vergessen, sagt ein Komi-Wort, liegt ein Fluch in Gestalt einer Axt. Sie schwingt über Krasnoborowas menschenleeren Häusern, während Namen durch die Tonspur irren und keinen Ort finden. GL

The Komi-Permyaks are a largely Russified minority living in Siberia, who accepted giving up their status of an autonomous territory in the post-Soviet era more or less without resistance. Young VGIK graduate Galina Krasnoborova, whose idiosyncratic visual language has been compared with Sergey Loznitsa’s in Russia, embarks on a quest for buried roots, putting together the disparate pieces like a puzzle – but it won’t work out, some parts are missing. In the very best surrealistic style she enters the chambers of the unconscious, of memory. They are filled with spider’s webs, a rocking cradle on the ceiling, yellowed photos of soldiers next to a pair of granny’s reading glasses and old people in the snow, well-wrapped up against the cold, with songs, poems and mourner’s prayers. And Names, again and again, written, spoken: the deceased ones, the ancestors, in whose rows there are gaps. Only Alexey, still almost a boy, photographed in his soldier’s uniform in front of the Russian flag, gets his own colour sequence. The Komi say there is a curse shaped like an axe on those who forget their ancestors. The axe hovers over Krasnoborova’s empty houses, while names that can’t find a place wander aimlessly through the sound track. GL

35 mm, Farbe und s/w, 20 min. Regie, Buch, Schnitt: Galina Krasnoborowa Kamera: Oksana Gratschewa Produktion: Galina Krasnoborova, WGIK Kontakt: Galina Krasnoborowa, ul. W. Pika 3, 129226 Moskau, Russische Föderation, +7-342-2 13 10 11, krasnogalka@gmail.com

Galina Krasnoborowa wurde 1979 geboren und studierte 2003–2008 an der Fakultät für Dokumentarfilm der Staatlichen russischen Filmhochschule (WGIK) in Moskau. Filmauswahl: About Butterfly And ... (2004), The Little Moscow Way (2005), Traces (2006), Insomnia (2007)

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Do bólu ... Till It Hurts Polen 2008

Ach – wie schön könnte das Leben doch sein, würde nur das zählen, was zwischen zwei Liebenden geschieht. Aber so ist das Leben nun mal nicht. Besonders dann, wenn zwischen Mann und Frau eine dominante Mutter steht, die das Leben des Sohnes seit nunmehr 53 Jahren beherrscht. Und so entfaltet dieser kurze Film nach einer idyllischen Eröffnungssequenz den ganzen Horror einer Mutter-SohnBeziehung, die von Angst, Kränkungen und schlichter Paranoia geprägt ist. Mit „Till it hurts“ greift der polnische Regisseur und Kameramann Marcin Koszałka das Thema seines ersten Dokumentarfilms „Die Geburt eines so schönen Jungen“ auf, der sein eigenes Verhältnis zu der übermächtigen Mutter behandelt. Bis an die Schmerzgrenze geht er auch in diesem Film, der im Rahmen der polnischen Fernsehserie „Dekalog“, das Vierte Gebot – Du sollst Vater und Mutter ehren, als tiefe emotionale Zerrüttung beschreibt. Doch gibt es zwischen den keifenden Tiraden der Mutter und den Vorwürfen des Sohnes einen kurzen Moment unerwarteter Zärtlichkeit, der die ganze Tragik der gegenseitigen Abhängigkeit in einem einzigen Bild zusammenfasst. Und damit auch die Aussichtslosigkeit des Sohnes beschreibt, sich jemals von seiner Mutter zu befreien. Es ist deshalb naheliegend, dass diesem gestörten Paar auch die letzte Einstellung des Films gehört. MH

Oh, how beautiful life could be, if only the things that happen between two lovers counted. But life is different, especially if a dominant mother who has ruled her son’s life for 53 years stands between the man and the woman. And so, after an idyllic opening sequence, this short film unfolds the whole horror of a mother-son-relationship shaped by fear, insults and plain paranoia. In “Till It Hurts”, Polish director and cinematographer Marcin Koszałka turns back to the subject of his first documentary, “Such a Nice Boy I Gave Birth to”, which dealt with his own relationship to his dominant mother. Again he goes right to the threshold of pain in this film which was part of the Polish television series “Decalogue” and describes the fourth commandment – honour your father and mother – as a form of deep emotional disruption. And yet there is a short moment of unexpected tenderness between the mother’s shrill harangues and the son’s reproaches which focuses the whole tragedy of mutual interdependence in a single image – and illustrates the son’s hopelessness of ever liberating himself from his mother. So it is only logical that the last shot of the film should show this dysfunctional couple. MH

Beta SP (PAL), Farbe, 25 min. Regie, Buch, Kamera: Marcin Koszałka Schnitt: Anna Wagner Produktion: Ryszard Urbaniak, TVP2 Vertrieb: Szymon Pawlowski, TVP SA Kontakt: Aleksandra Biernacka, TVP SA, ul. Woronicza 17, 00999 Warschau, Polen, +48-22-5 47 67 74, festivals@tvp.pl

Marcin Koszałka, Jahrgang 1970, studierte Soziologie an der Jagellonischen Universität in seiner Geburtsstadt Krakau sowie Filmregie und -produktion an der Schlesischen Universität Kattowice. Als Kameramann wirkte er an mehreren Spielfilmen mit, unter anderem unter der Regie von Magdalena Piekorz und Jacek Bromski. 1999 gab Koszałka mit „Such a Nice Boy I Gave Birth to“ sein Debüt als Dokumentarfilmer. Filmauswahl: Namesday (2000), Come What May (2004), Existence (2007)

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El Olvido Oblivion Niederlande, Deutschland 2008

Ein Land erhält ein Gesicht, genauer eine Vielfalt von Gesichtern: Peru. Die Regisseurin Heddy Honigmann suchte die Begegnungen mit einer Reihe von Menschen – gemeinhin würde man ‚kleine Leute‘ sagen, doch unter dem Blick ihrer Kamera wachsen sie zu phantastischen und liebenswürdigen Persönlichkeiten. In „El Olvido“ finden sich unterschiedliche Arten des Dienens, des Kümmerns und des zivilen, das heißt verbindlichen Miteinanders in Szene gesetzt. Die Protagonisten sind sämtlich im Dienstleitungsgewerbe tätig: vom Barkeeper, über den Kellner und den Schuhputzer, zum Lederschneider und den Kindern, die an großen Straßenkreuzungen ein bisschen Geld verdienen, indem sie Autofahrern die Zeit des Wartens mit hübschen Kunststücken verkürzen. Auch Politiker sind letztlich nur als Dienstleistende am Gemeinwohl zu verstehen. Diese allerdings, die das Dienen am eitelsten und großspurigsten im Mund führen, haben sich kontinuierlich und über Jahrzehnte hinweg genau an jenen bereichert, deren Wohlergehen ihnen ehrenvolle Pflicht hätte sein sollen. Sie haben dabei eine großartige Tugend aufs schäbigste in den Dreck gezogen. „El Olvido“ erzeugt auf wunderbare Weise Verständnis für ein Land, dessen kleinen Leuten es gelingt, mit trotzigem Stolz anständig zu bleiben. Dabei operiert Heddy Honigmann nicht nur mit filmischem Verstand, sondern auch mit Gefühl und vor allem Seele. Also umfassend, souverän und last not least ohne missionarische Ambitionen. RE

A country is given a face, or better, a variety of faces: Peru. Director Heddy Honigmann has looked for encounters with a number of people whom one would normally call ‘average people’, but who, seen through her camera, grow into fantastic and likeable personalities. Different kinds of service, caring and of civic, in the sense of communal, life together are presented in “El Olvido”. The protagonists all work in the service industry: from barkeeper to waiter and shoeshine boy, to leather tailor and children who earn a little money at big intersections by performing tricks to entertain the car drivers while they’re waiting. Even politicians are ultimately defined only as servants of common welfare. But the latter, who talk most vainly and boastfully of service, have lined their pockets for decades by exploiting those whose welfare should have been their honourable duty, dragging a great virtue into the most sordid mud. “El Olvido” inspires a wonderful kind of understanding for a country whose ordinary people manage to stay decent by means of defiant pride. Heddy Honigmann does not just use cinematic brain, but also emotions and, above all, soul – a comprehensive, confident approach and, last but not least, one that is free of missionary zeal. RE

35 mm, Farbe, 93 min. Regie: Heddy Honigmann Buch: Heddy Honigmann, Judith Vreriks, Sonia Goldenberg Kamera: Adri Schrover Schnitt: Danniel Danniel, Jessica de Konig Vertrieb: Jan Rofekamp, Films Transit Produktion, Kontakt: Carmen Cobos, Cobos Films, Nicolaas Witsenkade 18, 1017 ZS Amsterdam, Niederlande, +31-20-3 20 33 68, ccobos@cobosfilms.nl www.cobosfilms.nl

Heddy Honigmann, 1951 als Tochter jüdischer Emigranten in Lima geboren, studierte Film in Rom und ließ sich 1978 in Amsterdam nieder. Seither arbeitet sie, häufig zu Themen wie Fremdheit und Exil, in sämtlichen filmischen Genres. Ihrem mit zahlreichen Preisen gewürdigten Werk (u.a. 1992 Goldene Taube bei DOK Leipzig, 2007 Persistance of Vision Award, San Francisco) wurden mehrere große Retrospektiven gewidmet, darunter eine Werkschau im Museum of Modern Art New York. Filmauswahl: De Witte Paraplu (1983), Metal and Melancholy (1992), Au Revoir (1995), O Amor Natural (1996), The Underground Orchestra (1997), Crazy (1999), Dame la Mano (2003), Forever (2006)

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Femida Themis As a Lady of Loose Morals Belarus 2007

„Belorussisches absurdes Theater“ nennt Wiktar Daschuk, der unter ständiger Überwachung arbeitet, die politischen Vorgänge in seinem Land. Eine Diktatur, in der Themis, die Göttin von Gerechtigkeit und Moral, zu einem leichten Mädchen verkommen ist, das sich an alles und jeden verkauft. Daschuk zeigt, wie Präsident Lukaschenko das Justizsystem und Schritt für Schritt den gesamten Staat unter seine alleinige Kontrolle bekommen konnte. Die Linie der Gesetzlosigkeit, die er zieht, führt direkt zu Stalin und Dzershinski. Schauprozesse an Unschuldigen, das Verschwinden und die physische Vernichtung politischer Gegner bis hin zu brachialer Gewalt gegen alles, was sich gegen die Macht stellt. Daschuks Kamera ist dabei, wenn 2004 der Sitz der Wahlkommission des Referendums durch Lukaschenkos Schlägertrupps besetzt wird (das Wahlergebnis sicherte ihm uneingeschränkte Macht zu), wenn Demonstranten verprügelt oder Prozesse geführt werden. Seine rauen, schockierenden Bilder setzt er gegen die des offiziellen Belarus, in dem sich Lukaschenko gottgleich als „Väterchen“ inszenieren lässt. Dennoch ist TarkowskiSchüler Daschuk meilenweit von einem journalistischen Authentizitätsprimat entfernt, arbeitet er mit Symbolen und Allegorien wie den Tattoos eines Sträflings oder der Geschichte eines Serienmörders. Ein bedrückender Bericht aus dem Herzen der Finsternis, ein großer politischer Essay. GL

Viktar Dashuk, who works under constant surveillance, calls the political events in his country “Belarusian absurd theatre”. A dictatorship where Themis, the goddess of justice and morality, has degenerated into a lady of easy virtue who will sell herself to the whole world. Dashuk shows how president Lukashenko managed to bring the legal system and, step by step, the whole state under his exclusive control. He draws a line of lawlessness that leads directly to Stalin and Dzerzhinsky, from show trials against the innocent, the disappearance and physical destruction of political opponents up to brute violence against anything that gets in the way of the ruling powers. Dashuk’s camera is present while the headquarters of the election commission of the 2004 referendum are being raided by Lukashenko’s thugs (the election results were to guarantee him unlimited power), and as demonstrators are beaten up or trials staged. He juxtaposes his raw and shocking images with those produced by official Belarus sources where Lukashenko has himself presented as the god-like “father” of the country. And yet Dashuk, who studied with Tarkovsky, is miles from the journalistic primacy of authenticity, working with symbols or allegories, like a prisoner’s tattoos or the story of a serial killer. A depressing report from the heart of darkness and a great political essay. GL

Beta SP (PAL), Farbe, 85 min. Regie, Buch, Kamera, Produktion, Vertrieb: Wiktar Daschuk Schnitt: Wjatscheslaw Asljuk Kontakt: Wiktar Daschuk, Dorf Klitschniki, 21, 223054 Minsk Region, Belarus, +372-29-6 64 15 70, spadard@gmail.com, spadard@hotmail.com

Wiktar Daschuk stammt aus Choiniki im Gebiet Gomel. Er absolvierte Studien an der Fakultät für Journalismus der Weißrussischen Staatsuniversität in Minsk und an der Staatlichen sowjetischen Filmhochschule (WGIK) in Moskau unter Andrei Tarkowski. Seit 1960 arbeitet er für das „Belarusfilm Studio“ als Regisseur nach eigenen Büchern und führt gelegentlich auch selbst die Kamera. Er ist Autor von über hundert Reportagen, Dokumentarund Spielfilmen sowie regelmäßiger Gast und mehrfacher Preisträger auf internationalen Festivals, unter anderem auch in Leipzig. 1989 bis 1993 war er Professor an der Weißrussischen Kunstakademie und leitet zur Zeit den Bereich für Dokumentarfilmregie. Filmauswahl: Der Krieg hat kein weibliches Gesicht (1983), Long Knives Night (2006), Reporting from a Rabbit Hutch (2006)

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Gyumri Gyumri Tschechische Republik 2008

1988 starben bei einem Erdbeben im armenischen Gyumri mindestens 25.000 Menschen, davon ein Drittel Kinder. Jana Ševcˇíková erforscht das Leben nach und mit der Katastrophe, trifft Überlebende und deren Kinder. Diese, geboren nach dem Unglück, werden von den Eltern oft als eine Art Reinkarnation ihrer verstorbenen Geschwister angesehen. Ševcˇíková betrachtet sie jedoch weder als Beleg eines primitiven Wiedergeburtsglaubens noch läuft sie jemals Gefahr, einer esoterischen Überhöhung zu erliegen. Vielmehr nimmt sie ihre Protagonisten sehr ernst und zeigt, wie jeweils unterschiedlich jede/r mit der doppelten Last des eigenen und des fremden, ungelebten Lebens umgeht. Während die Toten nicht nur in kurzen Botschaften direkt adressiert werden, sondern auch in den Äußerungen und Bildern stets präsent sind, gelingt es Ševcˇíková, vor allem den Lebenden Individualität zu verleihen. Immer wieder sehen wir sie tanzen, für Momente bei sich selbst und erlöst von der Bürde der Verantwortung. Mit sparsamem Einsatz von Archivmaterial, einer sorgfältig bearbeiteten Tonspur, bizarren Bildern vom Leben zwischen Ruinen und Begegnungen von großer Intensität schafft der Film eine fast unwirkliche Atmosphäre zwischen bodenloser Trauer und der Banalität eines Alltags, der einfach weitergeht. Auch in einer Stadt, in der Erinnerung zum Tagesgeschäft gehört, und die vor zwanzig Jahren zwischen Leben und Tod stecken blieb. GL

In 1988, an earthquake killed at least 25.000 people in the Armenian city of Gyumri, a third of them children. Jana Ševcˇíková explores life after and with the disaster, meets survivors and their children. The latter, born after the incident, are often regarded by their parents as reincarnations of their dead siblings. Ševcˇíková, however, does not see them as proof of some primitive faith in reincarnation, nor does she ever fall prey to esoteric exaggeration. She takes her protagonists very seriously, showing how differently they cope with the double burden of their own and those strangers’ unlived lives. Although the dead are not just addressed directly in short messages, but are also present in all statements and images, Ševcˇíková manages first and foremost to endow the living with individuality. Again and again we see them dance, self-absorbed and free of the burden of responsibility for a few moments. By means of sparsely used archive material, a meticulously executed soundtrack, bizarre images of life among the ruins and very intense encounters, the film creates an almost unreal atmosphere somewhere between bottomless grief and the banality of daily life which simply goes on – even in a city where memory is part of everyone’s daily business, which got stuck between life and death 20 years ago. GL

35 mm, Farbe, 68 min. Regie, Produktion: Jana Ševcˇ íková Kamera: Jaromír Kacer, Stano Slušný Schnitt: Anna Ryndová Kontakt: Jana Ševcíková, filmsevcikova@seznam.cz

Jana Ševcˇ íková wurde 1953 in Prag geboren. Bis 1983 studierte sie dort Dokumentarfilmregie an der FAMU. Bereits in ihren frühen Arbeiten formuliert sie die für ihr zukünftiges Werk maßgebenden Themen und Gestaltungsideen. Ihre Filme beschäftigen sich seither vor allem mit ethnischen oder religiösen Minderheiten in Osteuropa und sind regelmäßig auf internationalen Festivals vertreten. 2001 wurde Jana Ševcˇ íková auf dem Filmfest Mannheim-Heidelberg mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet und erhielt 2002 den FICC Don Quixote Award in Krakau. Filmauswahl: Wordly Children (1983), Piemule (1984), Tulakona (1986), Jakub (1992), The Old Believers (2001), The Rite of Spring (2002)

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Kiinnipitäminen – ikämieskiekkoilijat puhuvat rakkaudesta The Penalty Box – Senior Hockey Players Talk about Women and Love Finnland 2007

Man könnte sagen, eine winzig kleine, dennoch göttliche Komödie: Männer auf der Strafbank bei einem Eishockey-Match. Tough Guys allesamt, rund um die Lebensmitte, die zu rauen Schwarzweiß-Bildern über Frauen und die Liebe räsonnieren. Unvermutete Offenbarungen sind es, die die Spieler da von sich geben: manche routiniert und forsch, andere desillusioniert und traurig, wieder andere unbeholfen und steif. Rührend aber allesamt. Hier werden keine O-Töne von Sachverständigen zum Besten gegeben. Was diese Männer zu sagen haben, teilt sich aus ihrem tiefsten Inneren heraus mit. Klug ist das oft nicht, gottlob. Aber authentisch. Und während das Spiel auf dem Eis seinen weiteren Verlauf nimmt, bringen die beiden finnischen Regisseure Arthur Franck und Oscar Forstén das Reden ihrer Figuren in solch einen kunstvollen Rhythmus, dass die einzelnen Protagonisten förmlich zusammenwachsen – obwohl die Männer und ihre Charaktere so verschieden sind. Natürlich wird in diesem Zusammenhang auch die Frage aufgeworfen, ob Männer eigentlich Frauen brauchen? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: „Das Leben ohne Frauen wäre viel logischer, unkomplizierter, einfacher. Zu unkompliziert. Zu einfach“, wie einer der Männer sagt. Oder, um einen Song von James Brown zu zitieren: „It’s a man’s world (but it would be nothing without a woman or a girl)“. RE

One could call this a tiny, but divine comedy. Men on the penalty bench during an ice hockey match: tough guys without exception, middle-aged, arguing about women and love in gritty black-and-white images. What the players have to say might be termed unexpected revelations: some experienced and brash, others disillusioned and sad, and yet others clumsy and stiff. These are not sound bites by experts. What these men have to say comes from deep down within them. Quite often it’s not very smart, thank God – but authentic. And while the match on the ice runs its course, the two Finnish directors Arthur Franck and Osar Forstén arrange their protagonists’ speeches into such an artful rhythm that the individuals positively merge, even though the men and their characters are so different. Of course, the question whether men need women is raised, too. The answer is actually quite simple: “Life without women would be more logical, less complicated, easier. Too uncomplicated. Too easy,” says one of the men. Or, to quote a James Brown song: “It’s a man’s world (but it would be nothing without a woman or a girl).” RE

Beta SP (PAL), s/w, 8:37 min. Regie, Buch, Kamera: Arthur Franck, Oskar Forstén Musik: Troy Banarzi Schnitt: Arthur Franck Produktion, Kontakt: Oskar Forstén, 4KRS Films, Liisankatu 16A4, 00170 Helsinki, Finnland, +358-40-756 32 08, oskar@4krs.com www.4krs.com

Die Regisseure und Autoren Arthur Franck und Oskar Forstén betreiben seit 2005 gemeinsam die unabhängige Produktionsfirma 4KRS (Neljäs Kerros Tuotannot) mit Sitz in Helsinki. Sie sind auf Dokumentarfilme spezialisiert und arbeiten bevorzugt auf Super 8. Filmauswahl: Phutura (2005), On Gods Frequency (2007)

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Les plages d’Agnès The Beaches of Agnès Frankreich 2008

Gemeinhin sagt man, Menschen seien wie Landschaften. Agnès Varda nimmt dieses Bild auf, variiert es aber, und sagt, sie selbst sei vermutlich eher wie ein Strand. Aus der leichten Abweichung des Vergleichs saugt die inzwischen 80-jährige Regisseurin den poetischen Honig ihres autobiographischen Essays: am Strand richtet sie ihre Kamera ein, lässt von jungen Assistenten mehrere Spiegel im Sand aufstellen und erzeugt vom ersten Moment an und ganz spielerisch ein überschäumendes Kaleidoskop von Bildern, gewissermaßen die Sprungbretter für ihre Erinnerungen sowie die Phantasie der Zuschauer. Immer wieder sieht man die Varda rückwärtsgehen, der Vergangenheit entgegen, aber Nostalgie kommt schon deswegen nie auf, weil alle Erinnerungen stets in der Gegenwart verankert sind. Sie besucht ihr Brüsseler Elternhaus, interessiert sich dann aber mehr für die Modelleisenbahnleidenschaft des jetzigen Bewohners als für ihre eigenen blassen Kindheitserinnerungen. Und so gibt es immer wieder Momente in diesem Film, die die Konventionen des Genres der autobiographischen filmischen Rekonstruktion ohne bilderstürmerischen Ehrgeiz und ohne Beweiszwang hinterfragen. Ein Feuerwerk der filmischen und menschlichen Intelligenz. Die Kunst, sich ablenken zu lassen und trotzdem absolut bei sich zu bleiben: „Denn die Ablenkung hat erst gemacht, dass ich zum Ich geworden bin.“ (Agnès Varda) RE

It is said that people are like landscapes. Agnès Varda takes up this image but varies it, saying that she herself is probably more like a beach. The by now 80-year-old filmmaker sucks the poetical honey of her autobiographical essay from this slight variation: setting up her camera on the beach, having her young assistants put up several mirrors in the sand and playfully creating from the very first moment an exuberant kaleidoscope of images which serve, as it were, as the springboards of her memories and the audience’s imagination. Again and again we see Varda walk backwards, towards the past. But there’s no nostalgia, if only because all her memories are always anchored to the present day. She visits her parents’ house in Brussels, but ends up showing more interest in the present inhabitant’s passion for model railroads than in her own faded childhood memories. And there are many similar moments in this film, when the genre conventions of autobiographical cinematic reconstruction are challenged without iconoclastic ambition or enforced substantiation. A firework of cinematic and human intelligence. The art of allowing oneself to be distracted and yet staying wholly oneself: “For it was distraction that made me Me.” (Agnès Varda) RE

35 mm, Farbe, 110 min. Regie: Agnès Varda Kamera: Hélène Louvart Schnitt: Jean Baptiste Morain, Baptiste Filloux Produktion: Agnès Varda, Ciné Tamaris Kontakt: Ciné Tamaris, 88, rue Daguerre, 75014 Paris, Frankreich, +33 -1-43 22 66 00, cine-tamaris@wanadoo.fr

Agnès Varda, 1928 in Brüssel geboren und in der Provence aufgewachsen, studierte an der Sorbonne sowie der École du Louvre in Paris und absolvierte eine Ausbildung zur Fotografin. Als solche arbeitete sie am Théâtre National Populaire von Jean Vilar. Mit der Gründung der Firma Ciné Tamaris und dem Debüt „La Pointe Courte“ beginnt 1954 ihre außergewöhnliche Karriere als Filmemacherin und Vorreiterin der „Nouvelle Vague“. Ihr stilistisch markantes Werk umfasst heute über 30 Filme, die unter anderem mit dem César und dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurden. 1967 erhielt sie für „Loin de Vietnam“ in Leipzig die Silberne Taube. Agnès Varda lehrt an der European Graduate School in Saas-Fee. Filmauswahl: Daguerreotypen – Leute aus meiner Straße (1974/75), Jane B … wie Birkin (1987), Jacqot de Nantes (1990), Die Demoiselles sind 25 Jahre alt geworden (1992), Die Sammler und die Sammlerin (2000), Deux ans après (2002)

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Pizza Be Auschwitz Pizza in Auschwitz Israel 2008

Danny Chanoch überlebte fünf Konzentrationslager, einen Todesmarsch und drei Herzinfarkte. Der Regisseur Moshe Zimerman begleitet ihn, seine Tochter Miri (38) und seinen Sohn Shagi (40) zu den traumatischen Orten seiner Kindheit. Die für den Vater so wichtige Reise kommentiert Miri in tagebuchartigen Passagen und nennt das Unternehmen „Holocaust Reality TV“. Denn die Versuchsanordnung beinhaltet, in sechs Tagen fünf KZs in vier Ländern zu besuchen. Eingezwängt in einen kleinen Minibus kann niemand dieser Tour de Force, die auch ihre komischen Seiten hat, entkommen. Heftige Auseinandersetzungen zwischen der extrovertierten Tochter und ihrem Vater, der auf Befindlichkeiten anderer keine Rücksicht nimmt, zeigen, dass die Reise vor allem für die Kinder einem emotionalen Gewaltakt gleichkommt. Sie sollen ihn und seine Geschichte um jeden Preis verstehen. Zum Höhepunkt kommt es, als der über 70-jährige Danny mit ihnen im KZ Auschwitz-Birkenau übernachten möchte ... AS

Danny Chanoch survived five concentration camps, a death march and three heart attacks. Director Moshe Zimerman follows him, his daughter Miri (38) and his son Shagi (40) to the traumatic places of his childhood. Miri comments on the journey, which is so important to her father, in diary-like passages. She calls the whole plan “Holocaust Reality TV”, because the experiment requires them to visit five concentration camps in four countries within a period of six days. Crammed into a minibus, no one can escape from this tour de force which has its funny sides, too. Fierce arguments between the extroverted daughter and her father, who has no consideration for other people’s sensitivities, show that emotionally this journey is hardest on the children. He wants them to understand him and his story at all costs. The climax comes when over 70 year old Danny wants to spend the night with them at the Auschwitz-Birkenau camp ... AS

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 66 min. Regie, Buch: Moshe Zimerman Kamera: Avi Kaner Musik: Ellyot Schnitt: Tali Goldberg Produktion, Vertrieb, Kontakt: Osnat Trabelsi, Trabelsi Productions, 12 Tiomkin, 65783 Tel Aviv, Israel, +972-3-5660398, osnat@trabelsiproductions.com

Autor und Regisseur Moshe Zimerman realisiert seit den 1980er Jahren Spielund Dokumentarfilmprojekte, letztere vor allem im Auftrag des israelischen Fernsehens, darunter „Border Line“ (1990), eine vierteilige Doku-Serie über die hebräische Sprache. Zur Zeit befindet sich der Dokuzweiteiler „Cypress Love Story“ (2001–2008) in Postproduktion. Filmauswahl: First Steps (1988), A Whale at Sheraton Beach (drei Teile, 1998)

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Ponad chodnikami Above the Pavements Polen 2008

Andrzej lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Gartenhaus am Rand einer polnischen Kleinstadt. Man sieht gemeinsam alte Familienfilme, die Eltern nehmen teil an seiner Liebe zur Musik und unterstützen ihn darin – ein harmonisches Familienleben. Doch jetzt werden die Koffer gepackt, Andrzej wird am Musikkonservatorium in Warschau seine Laufbahn als Pianist beginnen. Ein Abschied nicht nur von den Eltern, auch von einer Kindheit in Geborgenheit und ländlicher Stille. Ein normaler Schritt, wer kennt ihn nicht? Und äußerlich passiert nicht mehr, als dass Andrzej ein letztes Mal durch die Gegend streift, bevor er vom Vater begleitet die Reise in die Hauptstadt antritt. Der Film aber erzählt viel mehr. Mit leisen Tönen und ganz eigenen Bildern bringt er uns das Innenleben dieses Abschieds von der Kindheit nahe. Wir spüren mit diesem Jungen die Klangwelt der Natur, die ihn inspiriert, und den Sog der Musik, die auf ihn wartet. Auch wir lassen die Bilder der Kindheit hinter uns, die vertrauten Accessoires der Vergangenheit und stürmen schließlich dem neuen Leben entgegen. KF

Andrzej lives with his parents in a small summerhouse on the outskirts of a small Polish town. They watch old movies together; his parents share and support him in his love of music – a harmonious family. But now suitcases are being packed and Andrzej is about to embark on a career as a piano player at the Warsaw Academy of Music. He is not only taking leave of his parents, but also parting with a protected childhood spent in a quiet rural environment – a step familiar to many of us. On the surface, nothing much happens except Andrzej’s last walks through the familiar neighbourhood before he starts his journey to the capital, accompanied by his father. But the film tells us a much bigger story, allowing us to experience this farewell to childhood from the inside, in quiet tones and original images. Through the boy, we sense the soundscapes of the nature that inspired him and the lure of the music waiting for him. We, too, leave the images of childhood behind, the familiar props of the past, and rush towards our new lives at last. KF

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 24 min. Regie, Buch, Schnitt: Piotr Stasik Kamera: Piotr Niemyjski Musik: Chopin, Mozart, Händel, Brahms Produktion: Piotr Stasik, postscriptum 02 Koproduktion: Barbara Pawlowska, Polish National Television TVP 1 Vertrieb: Agnieszka Nowak, postscriptum 02 Kontakt: Piotr Stasik, postscriptum 02, Sw. Idziego 11, 98-275 Bronislawow, Polen, +48-604-95 72 77, pstasik@wp.pl

Piotr Stasik, Jahrgang 1976, ist Absolvent der Andrzej Wajda Master School of Film Directing und studierte im Bereich angewandte Sozialwissenschaften an der Universität Warschau. In seiner Heimatstadt engagiert er sich unter anderem als Leiter der Assoziation kreativer Initiativen „e“ und gehört zu den Mitbegründern des „Tomorrow of the Film Festival“. Für das polnische Fernsehen realisierte er Doku-Porträts von Agnieszka Holland und Wojciech Marczewski. Filmauswahl: One by One (2005), 7 x Moscow (2005)

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René René Tschechische Republik 2008

1989 beginnt Helena Trˇeštíková, den jugendlichen Strafgefangenen René zu filmen. Fast zwanzig Jahre folgt sie dem Rhythmus eines Lebens, das sich in Gefängnissen abspielt und nur von kurzen Phasen der Freiheit unterbrochen wird. Zwanzig Jahre, in denen sich epochale gesellschaftliche Umbrüche vollziehen, Systeme, Staatsformen und Regierungen wechseln – angedeutet in Fernsehbildern, die in Renés Zelle dringen. Der Reglosigkeit und Abwesenheit von Tempo im „Drinnen“ steht ein ruheloses „Draußen“ entgegen. In dem René auf Plätzen, Bahnhöfen, in Zügen unterwegs ist – ohne jemals anzukommen. Die Verbindung zwischen drinnen und draußen ist die Regisseurin selbst, die zur einzigen verlässlichen Kon-stante im Leben ihres Protagonisten wird. Eine widersprüchliche, wechselvolle Beziehung, die René in seinen Briefen an Trˇeštíková reflektiert. Von ihm gelesen, erweitern sie den Film um eine Ebene, in der die Filmemacherin praktisch zur zweiten Protagonistin wird. René, der mit ihrer Hilfe im Lauf der Zeit selbst zum erfolgreichen Autor avanciert, erweist sich dabei als ebenbürtiger, aber schwieriger Partner. Aufmerksamkeit fordert er ebenso drastisch heraus wie er immer wieder das Verhältnis von Filmemacherin und Protagonist hinterfragt. Die Versuche, ihn zum Mitautoren des Films zu machen, sind Teil der Geschichte. Einer Geschichte von überwältigender Kraft, die dorthin reicht, wo es weh tut. GL

In 1989, Helena Trˇeštíková starts to film juvenile delinquent René. For almost 20 years, she follows the rhythm of a life, most of which is spent in prisons, interrupted only by brief stretches of freedom. 20 years during which epoch-making social upheavals take place, systems, regimes and governments change – depicted by televised images that reach René’s cell. The immobility and absence of pace “inside” is juxtaposed with a restless “outside”, where René roams squares and train stations and takes trains, without arriving anywhere. It is the filmmaker herself who is the connection between inside and outside, having become the only reliable constant in her protagonist’s life. A contradictory and shifting relationship reflected by René in his letters to Trˇeštíková. Read by him, they add a second level to the film where the filmmaker practically becomes the second character. René, whom she helps to become a successful writer over the years, turns out to be an equal but difficult partner. He demands attention as rigorously as he questions the relationship between filmmaker and protagonist again and again. Her attempts to turn him into the co-author of the film are part of the story. A story of overwhelming power that goes straight to where it hurts. GL

35 mm, Farbe und s/w, 83 min. Regie: Helena Trˇeštíková Buch: Helena Trˇeštíková Kamera: Martin Kubala, Petr Pesek, Stano Slušný, Václav Smolík, Marek Dvorˇák, Ondrej Belica, Miroslav Soucek, Vlastimil Hamerník Schnitt: Jakub Hejna Produktion: Pavel Strnad, Negativ.cz Vertrieb, Kontakt: Amy Braodfoot, Taskovski Films, 4B Wentworth, E1 7TF London, Vereinigtes Königreich, festivals@taskovskifilms.com www.aerofilms.cz/rene

Die Pragerin Helena Trˇeštíková, Jahrgang 1949, absolvierte ein Studium an der FAMU und arbeitet seit 1974 als Dokumentarfilmerin. Für ihr vielfältiges Werk, das häufig sozialen und politischen Themen anhand konkreter Biografien nachgeht, wurde sie auf nationalen wie internationalen Festivals mehrfach ausgezeichnet. Seit Beginn ihrer Arbeit kehrt sie immer wieder zu Formen des filmischen Zyklus und der Langzeitbeobachtung zurück und gilt international als renommierte Vertreterin dieses Genres. Filmauswahl: Romeo, Juliet and the Children (1974), A Touch of Light (1981), A Thousand Years of Sobriety (1984), If Anything Needs Our Help, It Is Freedom (1990), Sweet Bitterness of Lída Baarová (1995), Ten Years in the Life of a Young Man (1999), I Served Karel Cˇapek (2003), My Lucky Star (2004), Marcela (2007)

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Sleep Furiously Sleep Furiously Vereinigtes Königreich, Frankreich 2007

Der Schäfer in farbenfroher Kluft und in einer Landschaft, die wie entrückt scheint. Schon das erste Bild stellt fest, dass dieses „DorfPorträt“ nicht zu vergleichen ist mit dem, was wir schon kennen. Und doch verbergen sich die Unterschiede nur in Nuancen, die das einfache Abbild zur Kunst werden lassen. Oft steht die Kamera nicht dort, wo wir sie erwarten, ungewöhnliche Perspektiven fokussieren den Blick. Manche Szene ist nur angerissen, andere Bilder halten lange aus. Dazwischen die Landschaft wie gemalt und eine Musik (Aphex Twin), die zurückhaltender und doch pointierter kaum sein könnte. In allem spürt man die Nähe des Autoren zu diesem Dorf Trefeurig in Wales und seinen Bewohnern, die er ein ganzes Jahr hindurch gefilmt hat. Ein gelber Bücherbus bringt monatlich neuen Lesestoff in jedes Haus, ein Ritual, das Leben und Film strukturiert. Dazwischen werden Strohballen gepresst, Schafe geschoren und Felder gepflügt, die Kinder werden unterrichtet, ein Kuchen gebacken und Beeren gepflückt. Ein Chor singt wunderbar klar, die Schaf-LeitMeisterschaft ist urkomisch, Wettbewerbe für Backen, Tiere und Wohngestaltung dienen vor allem dem Zusammensein. Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Unmerklich aber finden sich Indizien dafür, dass auch dieses Dorf dem globalen Untergang ländlicher Lebenskultur nicht entkommen wird. KF

A shepherd in colourful clothes and a landscape that seems like a dream: the opening images already suggest that this “portrait of a village” is unlike anything we’ve seen before. And yet the differences are only discovered in the nuances which turn simple representation into art. Frequently the camera is not where we expect it to be, unusual angles focus our view. Some scenes are mere sketches, other images last longer. In-between are landscapes like paintings and music (Aphex Twin) that couldn’t be more restrained and yet to the point. One senses in everything how close the filmmaker is to this Welsh village of Trefeurig and its inhabitants whom he filmed throughout one year. Once a month, a yellow library bus brings new reading matter to every house: a ritual that structures both village life and the film. In the intervals, straw is compacted into bales, sheep are shorn and fields ploughed, children are taught, a pie is baked and berries are picked. The voices of a choir ring wonderfully clear, the sheeptending championship is hilarious, baking, livestock or interior design competitions mainly serve as occasions to come together. All seems well here for now. But almost imperceptibly, one notices signs that even this village won’t escape the global decline of rural culture forever. KF

35 mm, Farbe, 94 min. Regie, Kamera: Gideon Koppel Musik: Aphex Twin Schnitt: Mario Battistel Produktion: Margaret Matheson, Bard Entertainments Ltd Koproduktion: Serge Lalou, les films d’Ici Kontakt: Daniela Elstner, Doc & Film International, 13 rue Portefoin, 75003 Paris, Frankreich, +33-1-42 77 56 87, d.elstner@docandfilm.com

Gideon Koppel wurde in Liverpool geboren und absolvierte nach einem Mathematikstudium eine postgraduale Ausbildung im Experimental Media Studio der Slade School of Fine Art, London. Neben Werbe- und Experimentalfilmen sowie vornehmlich für das Fernsehen entwickelten Dokumentationen konzipiert er auch Filminstallationen, so 1998 für die Präsentation des Modelabels Comme des Garçons auf der Biennale in Florenz. Koppel lehrt an der University of London und der École des Hautes Études Commerciales in Paris. „Sleep Furiously“ ist sein erster Langfilm. Filmauswahl: Unseen Unsaid (1984), Jones (1993), Un-Dressed: Fashion in the Twentieth Century (zwei Teile, 1997), Candy Girls (2000), Ooh la la and the Art of Dressing up (2003), A Sketchbook for the Library Van (2005)

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Slepé Lásky Blind Loves Slowakei 2008

Blinde Liebe schadet nur, sagt man? Ganz im Gegenteil. Liebe hilft, manche Hürde zu überwinden. Und wenn man blind ist, kann Liebe umso wichtiger sein. Davon erzählen die vier Geschichten von Peter, Miro, Elena und Zuzana. Sie sind blind und wollen ein erfülltes Leben, allen Hindernissen zum Trotz. Peter ist Musiker und lebt mit seiner blinden Frau ein ganz normales Leben. Er kann sogar fernsehen, er schätzt die Meter der Skispringer nach den Sekunden bis zum Aufsetzen. Wenn er seine Musik spielt, sitzt die Frau lächelnd neben ihm und strickt. Sie haben ihr Leben gefunden, alles ist gut. Miro hat sich frisch verliebt und wird kämpfen müssen um seine Auserwählte, denn er ist Roma. Ihre Eltern machen Probleme, sorgen sich um die blinde Tochter. Aber Miro ist lebenshungrig und steckt das Mädchen an mit seiner Unbändigkeit. Schließlich müssen sie sich entscheiden, ob sie das Wagnis einer Geburt eingehen können. Elena hat sich längst entschieden, ihr Kind auf die Welt zu bringen. Voller Zärtlichkeit erwartet sie den Moment, mit der Kleinen alles neu zu entdecken. Sie vertraut dem Leben. So wie die halbwüchsige Zuzana, die sich mutig in ein „Blinddate“ stürzt. Wenn’s nicht klappt, hat sie die Musik und das Internet zum Chatten. Mit zuweilen skurrilem Humor zeigt der Film etwas spektakulär Alltägliches: Blinde Liebe. KF

Blind love only hurts, they say? On the contrary, love helps overcome many obstacles. And if you are blind, love may be all the more important. This is what the four stories of Peter, Miro, Elena and Zuzana are about. They are all blind and want a full life despite all the obstacles. Peter is a musician and leads an ordinary life with his blind wife. He can even watch television, estimating the distance a skijumper has covered by the seconds that pass until he lands. When he plays his music, his wife sits next to him, smiling and knitting. They have found their way of life, all is well. Miro has just fallen in love and will have to fight for his girlfriend-to-be, for he is a Roma. Her parents are making trouble, worrying about their blind daughter. But Miro is hungry for life and the girl catches some of his irrepressible spirit. In the end they will have to decide whether they can cope with the risk of giving birth. Elena has long ago decided to bear her child. Full of tenderness, she is waiting for the moment when she can discover the world together with her daughter. She trusts in life, just like the teenager Zuzana, who boldly throws herself into a “blind date”. If it doesn’t work out, she will still have her music and the Internet to chat on. Sometimes full of whimsical humour, the film shows something that is both spectacular and mundane: blind love. KF

35 mm, Farbe, 77 min. Regie: Juraj Lehotský Buch: Marek Lešcák, Juraj Lehotský Kamera: Juraj Chlpík Schnitt: František Krähenbiel Produktion: Marko Škop, Artileria s. r. o. Vertrieb, Kontakt: Peter Jäger, Autlook Filmsales, Zieglergasse 75/1, 1070 Wien, Österreich, +43-720-55 35 70, welcome@autlookfilms.com www.blindloves.com

Juraj Lehotský, 1975 in Bratislava geboren, studierte dort 1990–1994 Fotografie an der Mittelschule für angewandte Kunst (SUPŠ) und 1995–2000 Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Musik und Kunst. Neben der Arbeit im Dokumentarfilmbereich führte er 1999–2004 mehrfach Regie bei Musikvideos, Werbe- und Image-Filmen. Filmauswahl: Silent World of Jozko Baláz (1995), Unwanted Children (1998), I Wouldn’t Tell I Would Love You So Much (2000), A Dozen (Dokumentarfilmzyklus 1999–2001), Interview (2001)

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Sumi Sumi Brasilien, Japan 2008

Sumi bezeichnet die in Japan zum Schreiben mit dem Pinsel benutzte schwarze Tusche. Sie wird vor allem in der Kalligraphie und der Malerei verwendet. Das Filmgedicht der brasilianischen Künstlerin Marina Fraga ist eine assoziativ filmische sowie akustische Komposition aus ruhigen Einstellungen, die einen Bogen von chinesischen Schriftzeichen über die Schreibkunst bis hin zur Herstellung der traditionellen Tusche spannt. Einige Piktogramme und deren bezeichnete Gegenstände sind zu sehen: Baum, Bäume, Wald, Wasser, Fluss. Dann ein buddhistischer Tempel und Menschen, die beten. In wenigen Bildern verfolgen wir kurz darauf die Herstellung der Tusche aus Ruß und Bindemitteln, und wie den gegossenen Tintenbarren mit großer Sorgfalt die Kanten gebrochen werden. Am Ende mäandern schwarze Tintenstriche in Wasser und lösen sich langsam auf – ein eindrückliches, kontemplatives Schlussbild. AS

Sumi is Japanese for the black ink used to write with the brush. It is used mainly in calligraphy and painting. This film poem by Brazilian artist Marina Fraga is an associative cinematic and acoustic composition of serene shots ranging from Chinese characters through calligraphy up to the manufacture of this traditional ink. Some pictograms and the objects they designate are shown: tree, trees, forest, water, river. Next come a Buddhist temple and praying people. A few images suffice to demonstrate the manufacture of the ink from soot and binders; we see how the edges of the cast ink bars are very carefully broken. At the end black ink lines meander through water, dissolving slowly – a striking and contemplative final image. AS

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 13 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Marina Fraga Musik: Aurelio Dias Produktion: Pedro Urano, Alice Filmes Koproduktion: Machiko Harada, Akiyoshidai International Art Village Vertrieb: Marina Fraga, Alice Filmes Kontakt: Pedro Urano, Alice Filmes, Rua Mario Pederneiras 25 / 301 – humaitá, 22261-020 Rio de Janeiro, Brasilien, +55-21-22 45 31 06, urano.pedro@gmail.com

Marina Fraga lebt in Rio de Janeiro, wo sie im Bereich Soziale Kommunikation an der Universidad Federal studierte. Sie wirkt als Regieassistentin und Standfotografin an Dokumentar-, Kurzund Spielfilmen mit und beschäftigt sich als bildende Künstlerin mit audiovisuellen und fotografischen Experimenten. Ihr Film „Sumi“ entstand im Rahmen eines Artist-in-Residence-Programms in Japan und ist Teil eines größeren Projekts, zu dem auch eine Fotoserie und eine Videoinstallation gehören. Filmauswahl: Scopofilia (2005), Tide (2006)

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Woschoschdenije Ascension Russische Föderation 2008

Was einst die Menschheit den Atem anhalten ließ, ist heute Gegenstand gelangweilter Museumsführungen: Laika, Juri Gagarin, Walentina Tereschkowa. Die Geschichte der Raumfahrt erzählt Pawel Medwedews Kompilation jenseits von Nostalgie oder der überstrapazierten Lesart vom Kampf der Systeme im „Wettlauf zum Mond“. In einer assoziativen Kette verbindet er Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis gegraben haben, wie die winkenden Kosmonauten vor der Raketenluke, mit kaum bekanntem, teils spektakulärem Archivmaterial. Den Aufnahmen von Experimenten, Tieren und Menschen im zentrifugalen Schleudergang, geglückten und misslungenen Raketenstarts, dem Schweben, Duschen, Essen in der Schwerelosigkeit, den Hände schüttelnden Politikern setzt er die unsäglichen Mühen des Bodenpersonals entgegen: Armeen von Arbeitern, die ameisengleich Industrien errichten, ein vor den zentnerschweren Pflug gespannter Bauer. Der strebende Mensch bleibt am Ende eine armselige Kreatur, deren Weg sich in den Trümmern von 9/11 verliert. Auch die Tonspur, in der sich sphärische Klänge mit sparsam eingesetzten O-Tönen, banalen Alltagsgeräuschen, fernen Funksprüchen und einem wiederkehrenden Musikmotiv mischen, eröffnet ständig neue Denkräume. Ein melancholischer Abgesang auf eine Utopie. Ob sie, wie die verwaisten Landekapseln der Kosmonauten, auf dem Schrott der Geschichte liegt oder noch irgendwo da draußen kreist, bleibt offen. GL

What once made mankind hold its breath is the object of bored museum tours today: Laika, Yuri Gagarin, Valentina Tereshkova. Pavel Medvedev’s compilation tells the story of space travel, beyond nostalgia and beyond the tired old interpretation of the “race to the moon” as a race of the systems. He combines images ingrained in the collective memory, like the cosmonauts waving in front of the hatch of their rocket, with largely unknown, sometimes spectacular archive footage in an associative chain. He contrasts shots of experiments – animals and humans in the centrifugal spin-cycle, failed and successful rocketlaunches, floating, taking showers, eating at zero gravity, hand-shaking politicians – with the indescribable toils of the ground staff: armies of workers like ants, erecting whole industries, a peasant pulling a heavy plough. In the end, aspiring man is still a pathetic creature whose path loses itself in the ruins of 9/11. The soundtrack, too, where spherical sounds are mixed with rare sound bites, banal everyday noises, distant radio messages and a recurring musical motif, keeps opening up new spaces for thought, a melancholic swan song for a utopia. The question whether it lies on the scrap heap of history like the cosmonauts’ deserted landing capsules or whether it is still orbiting somewhere out there remains open. GL

Beta SP (PAL), s/w, 50 min. Regie, Buch: Pawel Medwedew Kamera: Dmitri Sawilgelski, Aleksandr Gusev, Dmitri Aleksejew Musik: Igor Worotnikow, Waleri Allachow Schnitt: Larissa Solowzowa Produktion: Wjatscheslaw Telnow, Aleksei Telnow, St. Petersburg Documentary Film Studio Kontakt: Julija Sosnowskaja, St. Petersburg Documentary Film Studio, Krjukow Kanal 12, 190068 St. Petersburg, Russische Föderation, +7-812-7 14 45 92, cinedoc@peterstar.ru

Pawel Medwedew, 1963 in Orenburg geboren, studierte bis 1990 mit dem Schwerpunkt Filmproduktion am Leningrader Krupskaja-Institut für Kultur. 1992 schloss er die weiterführende Ausbildung zum Fernsehregisseur und -produzenten bei Wladimir Saruchanow ab. Anschließend war er vor allem für das Fernsehen tätig, wechselte jedoch 2000 zum Dokumentarfilm im Kinoformat. Mit „On the Third Planet from the Sun“ gewann er 2007 den Großen Preis der Stadt Oberhausen. Filmauswahl: Vacations in November (2002), The very best day (2002), Wedding of Silence (2003)

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Z32 Z32 Israel, Frankreich 2008

Ein israelischer Elitesoldat hat vor zwei Jahren an einer Racheaktion im Westjordanland teilgenommen. Nachdem sechs israelische Soldaten erschossen worden waren, zog sein Kommando los, um Vergeltung zu üben und sechs Palästinenser zu töten. Sie griffen einen Polizeiposten an und liquidierten zwei Männer. Der junge Ex-Soldat erinnert sich, dass er während des Einsatzes weder Zweifel noch Reue empfand, sondern ein rauschhaftes Hochgefühl. Heute engagiert er sich, wie auch der Regisseur Avi Mograbi selbst, bei der Organisation Shovrim Shtika, was soviel bedeutet wie „Bruch des Schweigens“. In „Z32“ findet sich die dokumentarische Inszenierung der Strecke zwischen der Routine eines nach allen Seiten abgesicherten Statements und der Unbehaglichkeit, sich mit einem essentiellen Bekenntnis als Person ins Spiel zu bringen. Die Erwägungen des Filmemachers Avi Mograbi, wie diese Wegstrecke zurückzulegen sei, auch wie man eigentlich mit dem verzweifelten Wunsch nach Vergebung des Hauptdarstellers umgehen kann und wie man das Ganze an den Zuschauer bringt, sind als Triebkräfte des Projekts mindestens so brisant wie die Story selbst, die der Film zu erzählen sich vornimmt. Aus sämtlichen szenischen oder bildnerischen Entscheidungen Mograbis spricht ein fundamentales Misstrauen gegenüber einfachen Lösungen, beziehungsweise dem, was solche Lösungen von sich aus hergeben. RE

Two years ago, an Israeli elite soldier took part in an operation of retribution in the West Bank. After six Israeli soldiers had been shot, his commando went out to take revenge and kill six Palestinians. The young ex-soldier remembers that he felt neither doubt nor regret during the operation, but a flush of exaltation. Today he, like director Avi Mograbi himself, involved with an organisation called Shovrim Shtika, which means ‘breaking the silence’. In “Z32” we discover the documentary orchestration of the distance between the routine of a statement hedged on every level and the discomfort of making a fundamental confession and thus exposing one’s own private self. Filmmaker Avi Mograbi’s reflections on how to cover this distance, how to deal with the main protagonist’s desperate desire for forgiveness, and how to communicate everything to the audience are forces driving this project that are at least as explosive as the story the film proposes to tell. Mograbi’s every narrative or visual decision reveals a fundamental mistrust of simple solutions or rather of the results yielded by such solutions. RE

35 mm, Farbe, 81 min. Regie, Schnitt, Produktion: Avi Mograbi Animation: Avi Mussel, Eran Feller, Issy Dekel Buch: Avi Mograbi, Noam Enbar Kamera: Philippe Bellaïche Musik: Noam Enbar Vertrieb, Kontakt: Daniela Elstner, Doc & Film International, 13 rue Portefoin, 75003 Paris, Frankreich, +33-1-42 77 56 87, d.elstner@docandfilm.com

Avi Mograbi, 1956 als Sohn eines Kinobetreibers in Tel Aviv geboren, studierte 1979–1982 Philosophie an der Universität Tel Aviv und parallel Kunst an der Ramat Hasharon Art School. Nach anschließenden Regie- und Produktionsassistenzen realisiert er seit 1989 eigene Filme, die sich meist durch das Nebeneinander fiktiver, dokumentarischer und autobiographischer Elemente auszeichnen. Er erhielt Preise auf den Festivals in Krakau (1989), East Hampton/New York (2000), Berlin (2002) und Rotterdam (2006). Filmauswahl: Deportation (1989), The Reconstruction (1994), How I Learned to Overcome My Fear and Love Arik Sharon (1997), Happy Birthday, Mr. Mograbi (1999), Detail (2004), Avenge But One of My Two Eyes (2005)

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Am Pier von Apolonovka The Pier of Apolonovka Deutschland, Ukraine 2008

Sommer am Schwarzen Meer, weißer Strand, coole Drinks, dicke Yachten? Von wegen! In der Bucht von Sewastopol, konkret am Pier von Apolonovka, drängen sich Kriegsschiffe in den Blick, statt Strand gibt es Betonblöcke und im Wasser schwimmt Schmieröl. Doch das stört die einheimische Jugend nicht, sie haben den Pier okkupiert, treffen sich hier und toben sich aus in Saltos und Hechtsprüngen ins Meer, hängen sich an die Fähre, entern ein Schiff, um vom höchsten Punkt wieder abzuheben zum Flug in die Fluten. Die Gefahr stachelt sie an zu neuen Kunststücken, für die Kamera erst recht. Daneben stochern die illegalen Taucher im Meeresgrund nach Schrott verschiedenster Art, der in sozialistischen Zeiten im Wege war und heute gutes Geld bringt. Sie wissen, wie man sich wegduckt aus den Armen des Gesetzes. Die Tätowierungen? „Die sind aus dem Knast. Die halbe Sowjetunion war hinter Gittern.“ Und in der Ruhe der frühen Stunden kommen die Alten zum Schwimmen. Sie kennen den Strand noch von früher, mit feinem Sand und weißen Yachten, als die Krim das Urlaubsparadies der Sowjetunion war – für die Nomenklatura und die Bestarbeiter. „Das ist alles vorbei. Wir schützen das Schöne nicht. So ist das.“ Sehr nahe bringt uns die Kamera die Leute vom Pier, die doch ihr Leben zu genießen wissen und stolz sind auf das, was ihnen geblieben ist. KF

Summer at the Black Sea, white beach, cool drinks, big yachts? You wish! Warships crowd the view at Sevastopol bay, or more precisely at the Apolonovka pier, concrete blocks have replaced the beach and lubricating oil is floating on the water. But the local young people don’t mind, they have taken possession of the pier; they meet here and let off steam by somersaulting or diving into the sea, hanging on to ferries, entering a ship to dive into the floods from its highest point, incited by the risk to perform new tricks – even more so by the camera. Next to them illegal divers are searching the bottom of the sea for all kinds of scrap dumped in the socialist period, which brings good money today. They know how to sidestep the arm of the law. Their tattoos? “Made in the can. Half the Soviet Union was behind bars.“ In the quiet early morning hours, the old people come to swim. They know the beach from way back, with fine-grained sand and white yachts, when the Crimean was the Soviet Union’s holiday paradise – for the nomenklatura and the best workers. “All this is over. We don’t protect what is beautiful, that’s how it is.” The camera takes us very close to the people on the pier, who know how to enjoy life in spite of everything and who are proud of what they still have. KF

HD, Farbe, 86 min. Regie, Buch: Andrei Schwartz Kamera: Marcus Winterbauer, Susanne Schüle Musik: Galatea Schnitt: Inge Schneider Produktion: Ernst Ludwig Ganzert, EIKON West GmbH Kontakt: Axelle Hourrier, EIKON Media GmbH, Bergmannstraße 102, 10961 Berlin, Deutschland, +49-30-69 53 72 19, hourrier@eikon-film.de

Andrei Schwartz, 1955 in Bukarest geboren, übersiedelte 1973 in die BRD und absolvierte ein Studium der Kunstgeschichte und Visuellen Kommunikation in Hamburg. Seit 1989 ist er als Print-, Hörfunk- und Fernsehjournalist tätig und veröffentlicht vor allem Reportagen über verschiedene Regionen in Osteuropa. Für seinen Dokumentarfilm „Auf der Kippe“ (1997) wurde er in Amsterdam und Toronto ausgezeichnet. Filmauswahl: Geschichten aus dem Lepratal (1999–2002), Geschlossene Gesellschaft (2003–2005)

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Cosmic Station Cosmic Station Deutschland 2008

Solaris in Armenien: In 3.500 Meter Höhe ragen zwischen schneebedeckten Gipfeln halbverfallene Betonbunker aus dem Berg Aragaz. Eine Pyramide, merkwürdige Apparaturen, Rohre. Verrostete Drähte recken sich himmelwärts – hier gibt es direkten Kontakt ins All. Einst als eines der ehrgeizigsten Forschungsprojekte moderner Weltraumforschung von der Sowjetunion errichtet, gab es nach dem Zerfall des Landes weder weiteres Geld noch Interesse an der Erkundung kosmischer Strahlen. Ganze sechs Mitarbeiter halten die Stellung in der „High Altitude Scientific Station“: vergessen, isoliert, unbeirrt. Mit dem Schraubenzieher rücken sie dem Universum zu Leibe. In einem Setting, das aus der Zeit der Dampfmaschine zu stammen scheint, richten sie den Blick in die Zukunft der Menschheit. Ziehen endlose Kabel (Wohin? Wofür?), rufen Kommandos ins knarzende Feldtelefon, helfen den Frauen beim Wäsche-Aufhängen, schweigen in den Feierabend-Wodka. Sorgsam komponiert, hält der Film stets die Waage zwischen einer Elegie des Verlorenseins, die Alexander Riedels Kamera in langen Fahrten einfängt, und dem Humor einer allgegenwärtigen Absurdität. Eine Ode an das Beharren – auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Rest der Welt längst untergegangen ist. GL

Solaris in Armenia. At an altitude of 3.500 metres, half-ruined concrete shelters project from the Aragaz mountain among snow-covered summits. A pyramid, some strange devices, pipes. Rusty wire rises to the sky – this place is in direct contact with outer space. Once built by the Soviet Union as one of the most ambitious projects of modern space research, there was neither money nor interest in the study of cosmic rays after the country fell apart. A staff of six are holding the fort at the “High Altitude Scientific Station”: forgotten, isolated, undeterred, tackling the universe with screwdrivers. In a setting that seems to date from the age of the steam machine, they direct their eyes to the future of mankind. Pulling endless cables (where? what for?), calling commands into a crackling field telephone, helping the women hang up the laundry, staring silently into their evening vodka. Carefully constructed, the film keeps a constant balance between an elegy of forlornness, captured by cameraman Alexander Riedel’s long travelling shots, and the humour of an omnipresent absurdity. An ode to persistence – even if no one can be absolutely sure that the rest of the world hasn’t perished long ago. GL

35 mm, Farbe, 30 min. Regie, Buch, Schnitt: Bettina Timm Kamera: Alexander Riedel Musik: Daniel Kluge, Edouard Stork Produktion, Vertrieb: Alexander Riedel, Bettina Timm, Pelle Film Koproduktion: Hochschule für Fernsehen und Film München Kontakt: Tina Janker, Hochschule für Fernsehen und Film München, Frankenthaler Straße 23, 81539 München, Deutschland, +49-89-68 95 74 48, festival4@hff-muc.de

Bettina Timm, 1977 in München geboren, studierte zunächst Germanistik und wechselte 1999 an die Münchener Hochschule für Fernsehen und Film. 2001 gründete sie mit Alexander Riedel die Produktionsfirma Pelle Film. Filmauswahl: Die Ohrenmeisterin (2000), Herr Zhu (2004)

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Das Herz von Jenin The Heart of Jenin Deutschland, Israel 2008

Im November 2005 erschießt ein israelischer Soldat bei einem Einsatz im Westjordanland, im Flüchtlingslager Jenin, den palästinensischen Jungen Ahmed Khatib. Der Vater Ismael entscheidet, die Organe seines Sohnes zu spenden und israelischen Kindern damit das Leben zu retten. Der Fall erregt große Aufmerksamkeit in den Medien. Zwei Jahre später begleiten die Filmemacher Ismael auf einer Reise quer durch Israel, um drei der Kinder, die dank der Organspende überlebt haben, zu besuchen. Da ist ein drusisches Mädchen im Teenager-Alter, bei dessen Familie Ismael sehr herzlich empfangen wird. Auch bei der Familie des lebhaften Beduinenjungen aus der Negev-Wüste gibt es ein warmes Willkommen. Nur in der Wohnung der orthodoxen jüdischen Familie mit ihrer kleinen Tochter in Jerusalem spürt man die tiefen Gräben zwischen den Parteien. Sie bemühen sich, aber es bleibt ein großes Unbehagen auf beiden Seiten. AS

In November 2005, an Israeli soldier deployed on an operation in the West Bank, in the Jenin refugee camp, shoots the Palestinian boy Ahmed Khatib. His father Ismael decides to donate his son’s organs and thus save the lives of Israeli children. The case attracted a lot of media attention. Two years later the filmmaker accompanies Ismael on a journey across Israel to visit three of the children who survived thanks to the donated organs. One of them is a teenage Druzian girl whose family welcome Ismael very warmly. The family of a lively Bedouin boy from the Negev desert also extend a warm welcome to him. It is only in the Jerusalem flat of the orthodox Jewish family with the little daughter that one feels the deep rift between the parties. They are doing their best, but a strong feeling of uneasiness lingers on both sides. AS

HD, Farbe, 89 min. Regie, Buch: Marcus Vetter, Leon Geller Kamera: Nadav Hekselman Musik: Erez Koskas Schnitt: Saskia Metten Produktion: Ulli Pfau, EIKON Südwest GmbH Vertrieb: Monika Lobkowicz, Telepool GmbH Kontakt: Axelle Hourrier, EIKON Media GmbH, Bergmannstr. 102, 10961 Berlin, Deutschland, +49-30-69 53 72 19, hourrier@eikon-film.de www.eikon-film.de

Marcus Vetter, 1967 in Stuttgart geboren, studierte in Worms, Buenos Aires und Madrid und schloss 1994 in Medienwissenschaft und -praxis an der Universität Tübingen ab. Seither arbeitet er als freier Redakteur, Autor, Cutter und Regisseur für das deutsche Fernsehen. Er erhielt mehrere Adolf-Grimme-Preise und den Prix Europa 2006. Filmauswahl: Kriegsspiele – Das Computerspiel Counterstrike (2002), Mein Vater, der Türke (2006), Traiders‘ Dreams (2007) Leon Geller wuchs in New Jersey auf, übersiedelte schließlich nach Israel und absolvierte dort seinen Militärdienst als Panzerkommandant in den Palästinenser-Gebieten. Bis 2004 studierte er Film an der Universität von Tel Aviv. Filmauswahl: Heavy Twenty (2004), Roads (2006)

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Der Cousin The Cousin Deutschland 2008

Wer Rosemarie ist, kann man leicht erklären: eine quicklebendige 70-Jährige, die in Altenheimen Revue-Nummern von Marika Rökk vortanzt, ihren Schlaganfall-gelähmten Ehemann im ersten Stock des Einfamilienhauses pflegt und ohne Punkt und Komma redet. Aber wer ist der Cousin? Geheimnisvolle Andeutungen künden von seinem Kommen und großen Veränderungen. Als der Cousin dann leibhaftig in ihr Leben tritt, entfaltet er in vernuschelten Sätzen ein verführerisches Geflecht der großen weiten Welt: die Königin von Holland, Millionäre, Korrespondenz mit Hollywood, neue Projekte. Der Cousin kommt, der Cousin geht. Dafür erreichen Rosemarie jetzt Briefe. Der Cousin ist ein schreibendes Medium, das seine Aufträge von Oben bekommt und sich überdies verjüngt. Bald wird er wieder wie 35 aussehen, dieser zerknautschte Kerl, dessen Kopf immer wieder gerne nach vorne fällt und dem langsam die Haare ausgehen. Am Ende dieses ungemein liebevollen Films lösen sich die Projekte, die Drehbücher und Prominenten in einer luftigen Seifenblase auf. Das war alles Fantasie, stellt Rosemarie leicht konsterniert fest. Leider. Was sie wohl in ihm gesehen hat? Diese Frage muss uns der Film nicht beantworten. Denn mit der heiteren Unangestrengtheit, mit der uns die Regisseurinnen in Rosemaries Leben geführt haben, entlassen sie uns auch wieder daraus. Rosemarie ist doch von einem wie dem Cousin nicht unterzukriegen. MH

It’s easy to explain who Rosemarie is: a sprightly 70-year-old who performs Marika Rökk revue acts in nursing homes, takes care of her paralysed husband on the first floor of their house and talks incessantly. But who is the cousin? Mysterious hints announce his arrival and great changes. When the cousin at last steps into her life in person, he unfolds a tempting and tangled web of the big wide world in mumbled phrases: the Dutch queen, millionaires, correspondence with Hollywood, new projects. The cousin comes, the cousin leaves. Now Rosemarie gets letters instead. The cousin is a writing medium who gets his orders from above and is, moreover, getting younger. Soon he will look 35 again, this crumpled-looking guy with thinning hair whose head tends to fall forward now and again. At the end of this extraordinarily affectionate film, the projects, scripts and celebrities all burst like a bubble. It was all imagination, a slightly disconcerted Rosemarie remarks. What may she have seen in him? This is a question the film doesn’t have to answer, for the filmmaker ushers us out of Rosemarie’s life in the same serene and easy manner in which she introduced us to her. After all, Rosemarie is not the type to let someone like the cousin get her down. MH

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 43 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Mareille Klein, Julie Kreuzer Produktion: Mareike Lueg, Hochschule für Fernsehen und Film München Vertrieb: Tina Janker, Hochschule für Fernsehen und Film München Kontakt: Mareille Klein, Odeonsplatz 2, 80539 München, Deutschland, +49-89-28 77 99 80, mareille-@gmx.de

Mareille Klein, 1979 in Köln geboren, war 2001–2004 freie Mitarbeiterin im polyeides medienkontor in Berlin und realisierte in dieser Zeit Dokufeatures für die ARD. Parallel studierte sie Soziologie und Ethnologie an der Freien Universität Berlin. Seit 2004 studiert sie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Filmauswahl: Die Weltenbummler (2008) Julie Kreuzer wurde 1981 in München geboren und absolvierte ein Masterstudium in Filmwissenschaften an der Sorbonne in Paris. 2004 kehrte sie nach München zurück, um ein Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film aufzunehmen. Bisher stellte sie vor allem kurze Dokumentar- und Spielfilme fertig.

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Der Tag The Day Deutschland 2008

Ein Film bestehend aus zwölf Strophen über das Sterben der Anderen. Zwölf Hinterbliebene erzählen im Off, wie sie den letzten Tag mit einem nahen Menschen verbracht haben: einem Kind, einem Freund, einem Liebhaber, einem Kollegen oder einem Elternteil. Oft wurde der Tod ängstlich erwartet, ebenso oft aber trat er auch unerwartet und vor allem im falschen Moment auf. Er raste in Form eines unachtsamen und nie identifizierten LKW-Fahrers herbei oder ereignete sich als liebevoll begleitetes Hinüberschlafen. Uli M. Schueppel geht es nicht um Glaubensbekenntnisse über die Macht des Todes. Er nötigt seine Zuschauer nicht zu sentimentalen Trauer-Reflexen, noch ergeht er sich in esoterisch verbrämtem Smalltalk, dass das Sterben als verdrängter Teil des Lebens doch bloß anzunehmen sei. Souverän bezieht er seine Stellung jenseits allen wohlfeilen Geredes und lädt ein, mit seinen Erzählern noch einmal jene Momente zu teilen, in denen der Tod sich rüstete, einen Menschen aus der nächsten Nähe unwiderruflich weg zu holen. Die Kamera, geführt von Cornelius Plache, tastet dazu in Plansequenzen menschenleere, vermutlich mit Erinnerungen aufgeladene Schauplätze ab: Zimmer, Wohnungen, Waldwege, Autobahnstücke, Straßenkreuzungen. Das Anliegen des Films: Vergegenwärtigung. Vergegenwärtigt wird allerdings nicht das vergangene Leben der Gestorbenen oder das künftige der Hinterbliebenen, sondern dieser eine Tag dazwischen, von dem die Menschen hier eben erzählen. Jede dieser Erzählungen endet in der Unschärfe. Die Kamera entledigt sich so, innerhalb der Einstellungen, ihrer illustrativen Aufgaben und beginnt zu malen. Kontinuierlich spielt der Film auf zwei offen miteinander verbundenen Ebenen – jener des Erzählens und jener des Zeigens. Hinzu kommt eine dritte: dem Geschehen hinzu assoziierte Soundscapes von F.M. Einheit. RE 46

A film in twelve stanzas about other people’s death. Twelve survivors narrate offscreen how they spent their last day with a person close to them: a child, a friend, a lover, a colleague or a parent. Often death was anxiously expected, but just as often it happened suddenly and, above all, at the wrong moment. It hurtled towards them in the shape of an inattentive and never identified lorry driver or took the form of dying, lovingly accompanied, in one’s sleep. Uli M. Schueppel isn’t interested in professions of faith in the power of death. He doesn’t squeeze sentimental mourning reflexes from his audience, nor does he wallow in esoteric small talk to the effect that dying just has to be accepted as a part of life that we normally block out. He confidently takes a position beyond all cheap talk and invites us to share with his narrators the moments when death prepares to take a close person irrevocably away. The camera, operated by Cornelius Plache, scans empty locations, presumably charged with memories: rooms, flats, forest paths, stretches of highway, intersections. This film is about recall: not of the past life of the deceased, nor the future life of the survivors, but of this one day inbetween. Each of the narratives ends out of focus, which in each shot is the camera’s way of getting rid of its task as illustrator and starting to paint. The film plays continuously on two interconnected levels – narration and illustration. The third level is provided by by F.M. Einheit’s soundscapes, inspired by what he associated with the events. RE

HD, Farbe, 84 min. Regie, Buch: Uli M. Schueppel Kamera: Cornelius Plache Musik: FM Einheit Schnitt: Ernst Carrias Produktion: Uli M. Schueppel, schueppel-films Kontakt: Uli M. Schueppel, schueppel-films, Husemannstraße 33, 10435 Berlin, Deutschland, +49-30-4 42 94 57, info@schueppel-films.de www.schueppel-films.de

Uli M. Schueppel, Jahrgang 1958, studierte 1984–1990 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie, wo er seit 2003 regelmäßig als Gastdozent unterrichtet. Seine Dokumentar-, Essay-, Spiel- und Musikfilme wurden auf internationalen Festivals gezeigt und prämiert. Seit 2006 konzipiert er auch Video- und Fotoinstallationen, die auf Ausstellungen präsentiert werden. Filmauswahl: The Road, to God knows where (1994), Jahre der Kälte (1994), Sid&Nancy – Ex&Pop (1996), Der Platz (1997), Santos – Heldentaten, die keiner braucht (2005), Berlin Song (2007)


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Hochburg der Sünden Bastion of Sin Deutschland 2008

Aysel ist gläubige Muslimin und lebt seit vielen Jahren ein wohlbehütetes Leben als Hausfrau und Mutter in der schwäbischen Provinz. Als sie erfährt, dass am Stuttgarter Staatstheater türkische Laiendarstellerinnen für eine Inszenierung von Euripides „Medea“ gesucht werden, nimmt sie das als Aufforderung, der Gleichförmigkeit des Alltags zu entfliehen. Was für Aysel am Anfang nur wie ein wenig Abwechslung daherkommt, stellt ihr Weltbild zunehmend auf die Probe. Fragen um Familientraditionen, Religion und Geschlechterverhältnisse, denen sie in ihrem bisherigen Leben erfolgreich ausweichen konnte, erweisen sich als zunehmend mächtig und verwirrend. Aber Aysel will sich natürlich nicht einfach umkrempeln lassen und sieht sich in ihrer Rolle am Theater auch als Botschafterin der guten Traditionen und gegen monolithische Klischees von der unterdrückten türkischen Frau. Als einzige Kopftuchträgerin in dem Chor aus türkischen Frauen muss und will sie ihre Werte und ihren Lebensstil gegenüber anderen, moderneren Geschlechtsgenossinnen verteidigen – und auch gegen Teile der Aufführung. Die Arbeit am Stück könnte man als utopische Situation bezeichnen: Extreme Haltungen in allen Fragen der Existenz, der Politik des Denkens und Fühlens, das heißt auch des Liebens und Hassens treffen hier aufeinander, um im Idealfall – das ist das Ziel, nicht der Ausgangspunkt – miteinander zu koexistieren. Da kommt keiner unbeschadet davon. Katharsis ist kein Wellnessprogramm. RE

Aysel is a devout Muslim, who for many years has lived the well-protected life of a homemaker and mother in the Swabian province. When she learns that the Stuttgart state theatre is looking for Turkish amateur actresses for a performance of Euripides’s “Medea”, she sees this as an opportunity to escape her monotonous day-to-day existence. What starts out as a change of scenery for Aysel increasingly challenges her view of the world. Family traditions, religion, the relationship between the sexes are issues which she was able to evade successfully in her former life but which now become increasingly dominant and confusing. Of course, Aysel has no intention of allowing herself to be brainwashed and sees her part as that of an ambassadress for good traditions and against monolithic stereotypes of the suppressed Turkish woman, too. Being the only headscarf-wearing woman in the chorus of Turkish women, she must and will defend her values and lifestyle against others with more modern ideas, even against parts of the production. The work on the stage might be called a utopian situation: It’s where extreme attitudes in all questions of existence, in the politics of thinking and feeling, including loving and hating, meet in order to coexist – in the ideal case, which is the goal, not the starting point. No one will emerge from this without injuries – catharsis is not a wellness treatment. RE

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 78 min. Regie, Buch: Thomas Lauterbach Kamera: Gunther Merz Schnitt: Dominique Geisler Produktion: Arek Gielnik, INDI FILM GmbH Kontakt: Sonia Otto, INDI FILM GmbH, Königsallee 43, 71638 Ludwigsburg, Deutschland, +49-7141-6 48 08 20, info@indifilm.de

Thomas Lauterbach, Jahrgang 1976, absolvierte 1998–2001 eine Ausbildung zum Mediengestalter in seiner Geburtsstadt Wetzlar. 2007 beendete er das Studium der Dokumentarfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Während der Studienzeit realisierte er mehrere Kurz- und Animationsfilme. Filmauswahl: Dirty Princess (2008)

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Hotel Sahara Hotel Sahara Deutschland 2008

„Wir sind jung, stark, motiviert. Aber jedes Mal gibt es eine Wand, die uns daran hindert, weiter zu kommen“, sagt der 22-jährige Valtis aus Kamerun. Hinter ihm liegt die Wüste und vor ihm das Meer. Wie Tausend andere ist er auf dem Weg nach Europa im mauretanischen Nouhadibou gestrandet, „nur“ tausend Kilometer und eine dreitägige Bootsreise von den Kanarischen Inseln und dem vermeintlichen Paradies entfernt. Hier sitzen sie in Wüstenstaub und Wind und warten. Warten, bis ein Boot sie mitnimmt in das sichere Glück oder den sicheren Tod. Lamiya aus Guinea wäre fast krepiert auf See – und würde es wieder tun für seinen Traum, ein zweiter Ronaldinho zu werden. Nicht weniger entschlossen ist Chichi aus Nigeria, deren Vater alle Ersparnisse ausgab für ihre Reise, die mit sechsmonatiger Gefangenschaft und einer Arbeit als Kindermädchen vorläufig endete. In präzise kadrierten Bildern voll sinnträchtiger Details materialisiert sich eine Atmosphäre von träger Zeitlosigkeit, von Warten als Daseinsform und Dauerzustand. Während uns bewusst wird, wie absurd es ist, von der Weite des Meeres eingesperrt zu sein, bewundern wir die Kraft und Energie der Protagonisten, die sich fast entgegen aller Vernunft anschicken, sie zu überwinden. Bettina Haasens eindringlicher Film gibt der als Gespenst durch unsere Medien geisternden Migration Gesichter und Geschichten. Man wird sie nicht vergessen können. GL

“We are young, strong, motivated. But every time we come up against a wall that keeps us from going further”, says 22-year-old Valtis from Cameroun. The desert lies behind, the sea in front of him. Like thousands of others he is stranded on his way to Europe in the Mauritanian city of Nouhadibou, “only” a thousand kilometres and a three day journey by boat from the Canary Islands and apparent paradise. Here they sit waiting in the desert dust and wind. Waiting until a boat will take them to guaranteed happiness or guaranteed death. Lamiya from Guinea almost died at sea – and would do it again for his dream of becoming a second Ronaldinho. Chichi from Nigeria, whose father spent the family’s savings on a journey which for now has ended in a six month imprisonment and a job as a nanny, is no less determined. An atmosphere of languid timelessness, of waiting as a form of being and permanent condition, materialises in precisely framed images full of symbolic detail. While we are gradually becoming aware of how absurd it is to be imprisoned by the wide expanse of the ocean, we admire the characters’ strength and energy as they try to get across against all odds. Bettina Haasen’s intense film gives migration, which haunts our media like a ghost, faces and stories. They aren’t easily forgotten. GL

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 90 min. Regie, Buch: Bettina Haasen Kamera: Jacko van Hof Musik: Karsten Höfer Schnitt: Kristine Langner Produktion: Gebrüder Beetz Filmproduktion Vertrieb: Michael Höfner, GM Films Kontakt: Maria Wischnewski, Gebrüder Beetz Filmproduktion, Heinrich-Roller-Straße 15, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-69 56 69 14, m.wischnewski@gebrueder-beetz.de www.gebrueder-beetz.de

Bettina Haasen, 1969 in Göttingen geboren, studierte 1991–1996 Afrikanistik und Politische Wissenschaft in Hamburg und Paris. Anschließend arbeitete sie bis 2001 als Producerin in Berlin. 1999 markiert „Zwischen 2 Welten“, in Amsterdam mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet, ihr Debüt als Dokumentarfilmregisseurin. Hier wie in den folgenden, vor allem für das Fernsehen entwickelten Filmprojekten beschäftigt sie sich vorrangig mit Geschichten aus Afrika, nicht zuletzt Ergebnis längerer Arbeitsaufenthalte in Somalia, Jemen und Niger. Sie lebt in Berlin und unterrichtet regelmäßig bei InWent in Bad Honnef. Filmauswahl: Fremde Liebe (2004/ 2005), Schatten der Wüste (2006)

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pereSTROIKA – umBAU einer Wohnung pereSTROIKA – reCONSTRUCTION of a Flat Deutschland 2008

Perestroika heißt Umbau. Die von Gorbatschow geprägte Metapher für die Modernisierung der Gesellschaft steht hier für die Generalsanierung einer ehemaligen sowjetischen Kommunalwohnung, einer „Kommunalka“. Eine Bewohnerin beschreibt die Ausgangssituation: „Eine Gemeinschaftswohnung ist so etwas wie ein Wohnheim. Man treibt verschiedene Familien in eine Wohnung, die dann miteinander leben müssen.“ Nach dem Ende des Sozialismus schenkte der Staat den Bewohnern ihre Zimmer. Nun soll eine solche Kommunalka im Zentrum von St. Petersburg entmietet, verkauft und umgebaut werden. Ein langer Weg beginnt. Alle vier Besitzer müssen dem Verkauf zustimmen. Dann bedarf es eines Käufers, denn nur mit dessen Geld können die Eigentümer neue Zimmer erwerben. Alle wollen sich verbessern und haben besondere Wünsche. Eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe für die beiden Maklerinnen. Nach mehreren Monaten, als schon niemand mehr daran glaubt, finden schließlich alle ihren Vorstellungen entsprechenden, neuen Wohnraum. Der Kaufvertrag für die alte Wohnung kann unterschrieben werden. Aber die Sterne stehen schlecht an diesem Tag, wie eine Bewohnerin am Morgen anmerkt. Ob der Verkauf gelingt? Ein Crashkurs in Kapitalismus made in Soviet Union. AS

Perestroika means restructuring. This film takes the complete renovation of a former Soviet communal flat, a ‘komunalka’, as an illustration of Gorbachev’s metaphor for the modernisation of society. An inhabitant describes the initial situation: “A communal flat is something like a hostel. You force different families into a flat and then they have to live together.” After the end of socialism, the state gave the rooms to their inhabitants. Now a ‘komunalka’ in the centre of St. Petersburg is to be vacated of its tenants, sold and renovated. It’s the start of a long journey. All four owners must agree to the sale. Then a buyer is needed because only his money will enable the owners to buy new rooms. Everyone wants to improve themselves, everyone has special demands. Not an easy task for the two estate agents. After several months and after practically everyone has lost faith in the project, they all find suitable new housing spaces. The sales contract for the old flat can be signed. But it is an ill-fated day, as one of the inhabitants remarks in the morning. Will the sale be concluded after all? A Crash Course in capitalism made in Soviet Union. AS

35 mm, Farbe, 87 min. Regie, Buch: Christiane Büchner Kamera: Irina Uralskaja, Anatoli Petriga Musik: Dietmar Bonnen, Andreas Schilling Schnitt: Gesa Marten Produktion: Tobias Büchner, Büchner.Filmproduktion GbR Koproduktion: WDR, MDR Vertrieb: Joachim Kühn, Real Fiction Filmverleih Kontakt: Tobias Büchner, Büchner.Filmproduktion GbR, Max-Brauer-Allee 245, 22769 Hamburg, Deutschland, +49-40-44 68 56, tobias@buechner-filmproduktion.de www.buechnerfilm.de/perestroika Christiane Büchner, Jahrgang 1965, studierte Bildhauerei, Freskomalerei und experimentelle Filmgestaltung an der Hochschule der Künste Berlin. Seit Ende der 80er Jahre realisiert sie Multimedia-, Video- und Filmprojekte; Stipendien führten sie mehrfach nach St. Petersburg und Moskau. 1999 schloss sie ein Aufbaustudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln ab und wurde 2001 Kommissionsmitglied der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Seither lehrt sie im Bereich Kommunikations- und Mediendesign. Büchner gehört zu den Mitbegründerinnen des DokumentarfilmFrauen-Netzwerks LaDOC. Filmauswahl: Ich ging nach Rußland (1993), Das Gute Tun (1997), Das Haus der Regierung (2002), Tanja rockt! (2008)

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Sollbruchstelle Devil Hides in Doubt Deutschland 2008

Um Arbeit soll es hier gehen, auf eine ungewohnte, raffinierte Weise. Ein Statement zum menschlichen Wert und der Würde von Arbeit – ein Nachspüren, was eigentlich mit uns geschehen ist. Die unglaubliche Geschichte von Franz formt das Raster, in das Ausblicke auf unsere Arbeitswelt eingepasst sind. Franz hat gegen eine Kündigung geklagt und Recht bekommen. Das Unternehmen musste ihn in gleicher Position wieder einstellen. Aber sie wollten ihn nicht. Und so sitzt Franz, ein gestandener Mann mit grauem Haar, viele viele Tage und Monate lang in einem abgeschotteten Büro, ohne Arbeit, ohne Aufgabe, ohne Würde. Er schildert, was dieses Leben mit einem Menschen macht. Stephan verdient gutes Geld als Werbefigur – aber ist das Sitzen in 25 Meter Höhe, vergurtet in einer Riesenwerbung, acht mal vierundzwanzig Stunden hinduch, Arbeit? Wo leben wir eigentlich? In einer Gesellschaft, in der die Bewerbung um eine Arbeit schon so kompliziert und verlogen ist, dass man Kurse braucht dafür. In der erwachsene Menschen geschult werden, sich mit Masken aus der Menge hervorzuheben, um Erfolg und damit Arbeit zu haben. Mit gutem Gespür für Rhythmus, mit Bildern, die viel Raum zum Nachsinnen lassen, geht der Film dem Gedanken nach, was wir Menschen uns da eigentlich antun und wo unsere Verantwortung liegt. KF

This is to be about work, in a fresh, sophisticated style: a statement on the value of human beings and the dignity of labour; an exploration of what has actually happened to us. The incredible story of Franz supplies the grid into which different visions of our working environment are fitted. Franz took legal action against his dismissal and the court decided in his favour. The company had to reinstate him. But they didn’t want him. So Franz, a solid, greyhaired man, keeps sitting in his isolated office for days and months on end, without work, without a task, without dignity. He describes what this life can do to a person. Stephan earns good money as an advertising figure – but is sitting in the middle of a giant billboard 24 metres above ground, secured by a safety harness, eight times 24 hours, is this really work? Where do we think we live? In a society where applying for a job is so complicated and full of lies that you need special courses to help. In which adults are taught to wear masks in order to stand out from the crowd, in order to succeed, which in turn means having work? The film follows up the question of what we humans are actually doing to ourselves and where our responsibilities lie, with a good sense of rhythm and with images that leave a lot of space for reflection. KF

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 61 min. Regie: Eva Stotz Buch: Eva Stotz, Patricia Fürst Kamera: András Petrik Musik: Jürgen Grözinger Schnitt: Claudia Gleisner Produktion: Christoph Heller, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin Vertrieb: Jana Wolff, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin Kontakt: Jana Wolff, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin, Deutschland, +49-30-25 75 91 52, wolff@dffb.de

Eva Stotz wurde 1979 im Allgäu geboren. Nach der Schule absolvierte sie ein einjähriges Französisch- und Filmstudium in Montpellier und ist seit 2001 Studentin an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Ihr erster Kurzfilm „L‘après-midi“, 2001 in Frankreich gedreht, gewinnt unter anderem den ersten Preis auf dem Videofestival Bochum. Zunehmend konzentriert sie sich auf den Dokumentarfilm und ist auch in diesem Bereich auf internationalen Festivals erfolgreich. Filmauswahl: Earth in Your Hand (2004), Tempelhof (2005), Donaulauf (2007)

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Status: Geduldet On Sufferance Deutschland 2007

„Bitte warten“ steht auf der Leuchttafel, vor der Hajrije in der Ausländerbehörde Stunde um Stunde sitzt. Seit 14 Jahren lebt die Roma aus dem Kosovo allein mit ihren drei Kindern und der Nichte in Deutschland. Auf ihrem Ausweispapier steht „Aussetzung der Abschiebung“. Die Probleme der Familie könnten wohl die einer beliebigen anderen in dem Stuttgarter Problemviertel sein: Ständige Geldsorgen, Gewalt, Streit mit dem pubertierenden Nachwuchs und Teenager, die Eltern werden. Das Verdienst der jungen Regisseurin ist es, sensibel herauszuarbeiten, wie Migration, Kriegstraumata und der ungeklärte Status zusätzlich zur Armut die Familie von innen zerfressen. Es sind weniger der endlose Papierkrieg mit den Behörden oder die Krankheit der Tochter, die Hajrije kaputt machen, als Angst, Einsamkeit und Depression. Die Kinder bewegen sich zwischen traditionellen Rollen, die ihre Kultur vorgibt, und dem Versuch, ein „normales“ Leben zu führen. Der Alltag der Familie ist durchzogen von Aggressionen, die Santamaria ebenso genau beobachtet wie seltene Momente der Nähe und Fürsorge. Die Kamera scheint dabei zu einer Art Familienmitglied zu werden, dem Mutter und Kinder mitteilen, was sie einander schon lange nicht mehr sagen können. Der Konflikt zwischen Mutter und Tochter verdichtet sich schließlich zum scheinbar unentrinnbaren Drama. Während das Amt die nächste Duldung ausspricht. GL

„Please wait“, says the illuminated panel in the aliens registration office, in front of which Hajrije sits for hours. For 14 years, the Roma woman from Kosovo has lived in Germany, alone with her three children and a niece. Her identity papers say “stay of deportation”. The family’s problems might be those of any other family in this troubled district of the city of Stuttgart: constant money worries, violence, conflicts with the adolescent children and teenage parents. The young filmmaker depicts with admirable sensitivity a family eaten up from the inside not just by poverty, but by migration, war traumas and their unclear legal status. Hajrije is worn down not so much by the authorities’ endless red tape or her daughter’s disease but by fear, loneliness and depression. The children alternate between the traditional roles defined by their culture and their attempts to lead a “normal” life. The family’s everyday life is steeped in aggression, which Santamaria observes as precisely as the rare moments of closeness and caring. The camera seems to become a kind of family member to whom mother and children confide what they have long been unable to tell each other. Finally, the conflict between mother and daughter grows into a seemingly inescapable tragedy – while the authorities issue the next extension of their exceptional leave to remain. GL

Beta SP (PAL), Farbe, 60 min. Regie, Buch: Silvana Santamaria Kamera: Maxim Kuphal, Silvana Santamaria Musik: Rami Al-Regeb Schnitt: Robert Wellié Produktion: Eva Steegmayer, Filmakademie Baden-Württemberg Kontakt: Silvana Santamaria, Seestraße 24, 71638 Ludwigsburg, Deutschland, +49-163-4 39 32 86, silvana.santamaria@gmx.de www.silvanasantamaria.de

Silvana Santamaria wurde 1978 in Marbach am Neckar geboren. Nach dem Abitur bereiste sie ein halbes Jahr lang Kanada, die USA, Mexiko, Guatemala und Honduras. 2000–2002 besuchte sie die Stuttgarter Schauspielschule Kulturprojekt Spielhaus und übernahm anschließend Regieassistenzen bei Theater- und Filmproduktionen. Seit 2004 studiert sie an der Filmakademie Baden-Württemberg, seit 2006 mit dem Schwerpunkt Dokumentarfilmregie. Filmauswahl: Die Weiße Wolke (2004), Bettgeschichten (2005), No More Tears (2006), Halstuch und Börek (2006)

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Internationaler Nachwuchswettbewerb Generation DOK

Internationaler Nachwuchswettbewerb – Generation DOK International Young Talent Competition – Generation DOK


Internationaler Nachwuchswettbewerb Generation DOK

Internationaler Nachwuchswettbewerb – Generation DOK International Young Talent Competition – Generation DOK

Dar dhakataye ka nagesol aglam medanand Half Value Life Afghanistan 2008

Ohne den Hintergrund einer klassischen Filmausbildung zeugen die Arbeiten der Regisseurin Alka Sadat von einem sicheren Gespür für die Möglichkeiten des Mediums und tragen unübersehbar eine eigene Handschrift. Die junge Autorin, die erst kürzlich die Schule beendet hat, ist mit ihrer Kamera ungewöhnlich nah am Erzählstoff und treffsicher bei der Wahl ihrer Protagonisten: Mariya Bashir ist die erste und einzige Staatsanwältin in Herat – eine nahezu unmögliche Herausforderung. Denn neben ihren herrlichen Bauten und Denkmälern kennzeichnet diese Stadt ein nicht untypischer Sumpf an Korruption, ein blühendes Entführungsgeschäft und vor allem häusliche Gewalt von Männern gegen Frauen. Jene, für deren Rechte Mariya Bashir kämpft, sind manchmal noch Kinder und gegen ihren Willen sowie das Gesetz verheiratet. Wie kann eine einzelne Frau in dieser patriarchalisch geprägten Gesellschaft aus Drohung und Nötigung dem Recht zum Durchbruch verhelfen? Mariya Bashir zahlt einen hohen Preis für ihr Amt. Die Doppelrolle als Mutter und Ermittlerin geht nicht spurlos an ihr und ihrer Familie vorüber. Einen Anschlag auf ihr Leben hat sie bereits überlebt. Es sind die Blicke und Großaufnahmen, die in diesem Film oft mehr als Worte sagen. Ein eindrucksvoller Krimi, wäre es nicht die nackte Wahrheit. Am Ende ermuntert die Staatsanwältin, die es sich qua Amt erlauben kann, Männern gelegentlich heftige Worte an den Kopf zu werfen, andere Frauen, ihre Furcht abzulegen und das Unrecht anzuklagen. MG

Even without the background of a classic film education, young director Alka Sadat’s works demonstrate a sure sense of the possibilities of the medium and a distinctly original style. The young filmmaker, who just finished school, stays extraordinarily close to her material with her camera and is unerring in her choice of protagonists: Mariya Bashir is the first and only public prosecutor in Herat – a near impossible task, for the city is not just known for its beautiful buildings and monuments, but also for its fairly typical morass of corruption, booming kidnapping industry and, above all, domestic violence committed by men against women. The people Mariya Bashir is fighting for are sometimes mere children, married against their will and the law. How can a single woman enforce the law in this patriarchal society of threats and coercion? Mariya Bashir pays a high price for her office. The double role of mother and investigator has left its marks on her and her family. She has already survived one attack on her life. In this film it’s the looks and close-ups that speak louder than words: a gripping thriller, if it wasn’t the naked truth. At the end the public prosecutor who by virtue of her office can occasionally take the liberty of scolding the men, encourages other women to leave their fear behind and bring charges against injustice. MG

Der Film läuft auch im Sonderprogramm „Afghanistan – Innenansichten“.

The film will also be screened in the Special Programme “Afghanistan – From Inside”.

Mini-DV PAL, Farbe, 25 min. Regie, Buch, Kamera: Alka Sadat Schnitt: Mujtaba Seyar Ghayoor Produktion, Vertrieb: Roya Sadat, Roya Film Hose Kontakt: Alka Sadat, alka_sadat@yahoo.com

Alka Sadat, 27, Schulabschluss in Herat, macht seit 2004 Dokumentarfilme. Als Autorin, Regisseurin und Kamerafrau ist sie Autodidaktin. 2005 besuchte sie einen Regie-Workshop am Goethe-Institut in Kabul. Sie erhielt bereits diverse Preise und Einladungen zu nationalen und internationalen Filmfestivals, darunter Trevignano (2007), Almaty (2007) sowie Kabul

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(2007 und 2008). Filmauswahl: Maybe for You and Me (2006), We Are Postmodernism (2007)


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Fokusnoje rasstojanije Focal Distance Belarus 2008

Das wirkliche Leben spielt sich in der Dunkelkammer ab. Dort hantiert der alte Mann und wartet geduldig, bis auf dem Papier Umrisse erscheinen, sich ein Bild formt: von der Stadt, die wie er bessere Zeiten erlebt hat und die abgeblätterten Makel jetzt in aufgemalten Wandbildern zu verstecken sucht. Der alte Mann macht Bilder von Bildern. Der Tochter, die er vor Jahren das letzte Mal sah und die den Kontakt zu ihm abbrach, schickt er unentwegt Briefe und Telegramme, er hört sich zu Hause Bänder mit ihrer Stimme an und koloriert sorgsam Bilder – von ihr und der einst intakten Familie. Bei der Arbeit im örtlichen Kulturhaus sieht er dem Leben der anderen zu, das aber dringt allenfalls akustisch zu ihm durch. Ein stiller, eindringlicher Film über Alter, Einsamkeit und zugleich die Unfähigkeit, einen Fuß in die Gegenwart zu setzen. GL

Real life happens in the dark room, where the old man keeps himself busy, waiting patiently for silhouettes to appear on the paper, images to emerge: images of the city which, like him, has seen better days and is trying to hide its peeling plaster under painted murals. The old man takes pictures of pictures. He keeps sending letters and telegrams to his daughter whom he last saw years ago and who broke all ties with him. He listens to her taped voice at home, carefully colouring pictures – of her and his formerly intact family. At work in the local cultural centre, he watches the lives of others, though it only gets through to him acoustically. A quiet, intense film about old age, loneliness and the inability to gain a foothold in the present day. GL

Beta SP (PAL), Farbe, 23 min. Regie, Buch, Schnitt: Andrei Kuzila, Raman Ramaschka Kamera: Andrej Kuzila Produktion, Vertrieb: Andrei Kuzila Koproduktion: SVS Film Studio der Weißrussischen Staatsuniversität, Weißrussische Kunstakademie Kontakt: Andrei Kuzila, ul. Kalinowskowo 48-491, 220086 Minsk, Belarus, +375-17-2 09 56 49, kutilo@mail.ru

Andrei Kuzila, Jahrgang 1983, stammt aus Baranawitschy. 2007 graduierte er in Journalistik an der Weißrussischen Staatsuniversität in Minsk und nahm ein Studium an der Weißrussischen Kunstakademie auf. Zur Zeit arbeitet er in einem universitären Filmstudio. Filmauswahl: The Poem of Faith (2006) Raman Ramaschla wurde 1982, ebenfalls in Baranawitschy, geboren. Er absolvierte ein Studium an der Staatlichen Fachschule für Telekommunikation und wird derzeit in einem Unternehmen für Informationstechnik zum Ingenieur ausgebildet.

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Internationaler Nachwuchswettbewerb – Generation DOK International Young Talent Competition – Generation DOK

Goleshovo Goleshovo Vereinigtes Königreich, Bulgarien 2008

Die ganze Nacht lang konnte sie nicht schlafen, erzählt eine alte Bäuerin, nachdem sie das erste Mal das Dorf Goleshovo verlassen hatte und auf dem Maultier in den nächstgrößeren Ort geritten war. So viele Eindrücke, so viele Bilder … Wie wohl jemand all die Bilder in seinen Kopf unterbringen könne, der um die ganze Welt reise? Nur noch 59 Menschen leben in Goleshovo. Die Nachkommen sind weggezogen, übrig geblieben sind alte Frauen und ein etwas verwirrter greiser Priester. Der bulgarische Filmstudent Ilian Metev begleitet diese Schar Vergessener in ihrem ruhigen bäuerlichen Alltag. Mit feinem, humorvollem Blick beobachtet er die Arbeit im Dorf, aber auch wie die Frauen zusammensitzen, singen, sich an das alte Goleshovo erinnern, auf neues Leben durch Touristen hoffen und sich von Zeit zu Zeit einen kräftigen Schluck aus einer Flasche heiligen Karfreitagswassers gönnen (zehn Jahre hinterm Kruzifix gereift!). Man könnte meinen, in Goleshovo sei die Welt noch in Ordnung: Die Bewohner leben im Einklang mit der Natur und ihren kulturellen Wurzeln. Wäre da nicht der Tod, dieser allgegenwärtige Begleiter ... CD

She couldn’t sleep all night, says the old peasant woman, after she had left the village of Goleshovo for the first time and ridden her mule to the next town. So many impressions, so many images ... However would a person who travels around the world find enough space in his head for all those images? Only 59 people live in Goleshovo. The young people moved away, only old women and a slightly deranged aged priest are left. Bulgarian film student Ilian Metev follows the quiet daily peasant’s lives of those who remained. With humour and precision he observes the old women at work in the village, but also sitting together, singing, remembering old Goleshovo, hoping for new life brought by tourists and occasionally treating themselves to a swig of holy Good Friday water (matured behind the crucifix for ten years!). You’d think the world was still in order in Goleshovo: Its inhabitants live in harmony with nature and their cultural roots. If only it wasn’t for death, this omnipresent companion ... CD

HD, Farbe, 34 min. Regie, Buch, Kamera: Ilian Metev Schnitt: Sergio Vega Borrego Produktion: Ilian Metev, National Film and Television School Koproduktion: Metodi Metev, Metev Productions Vertrieb: Hemant Sharda, National Film and Television School Kontakt: Ilian Metev, National Film and Television School, 8 Howitt Road, NW3 4LL London, Vereinigtes Königreich, +44-7825-87 41 33, info@ili.metev.com

Der Regisseur und Kameramann Ilian Metev wurde in Bulgarien geboren und lebte einige Zeit in Deutschland. Ursprünglich klassischer Violinist, fand er im Film das adäquate Medium, um die Leidenschaft für Musik mit der für Menschen zu verbinden. In den letzten Jahren arbeitete er für mehrere Werbe- und Imagefilmproduktionen und schloss kürzlich ein Studium der Dokumentarfilmregie an der National Film and Television School in Beaconsfield ab. Er lebt in Großbritannien. Filmauswahl: About Cycling (2006), The Physicist (2008)

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Guest of Cindy Sherman Guest of Cindy Sherman USA 2008

Die Vorgeschichte: 1993. Paul H-O (= Hasegawa-Overacker) entwickelt die Kunst-TV-Show GalleryBeat, die wöchentlich auf einem offenen Kabelsender ausgestrahlt wird. H-O interviewt auf Ausstellungseröffnungen in der New Yorker Kunstszene Zaungäste, Künstler, Sammler. Er sagt, was ihm gerade in den Kopf kommt, und provoziert mit seinen oft banalen Fragen und ironischen Kommentaren zur Kunstwelt. Über diese Sendung lernt Paul H-O die Fotokünstlerin Cindy Sherman kennen. Die Geschichte: 1999. Die berühmte Sherman, die als schüchtern und pressescheu gilt, lässt sich mehrmals von H-O in ihrem Studio interviewen. Sie flirten vor laufender Kamera. 2000 sind sie dann ein Paar. Ein Jahr später zieht der extrovertierte Ex-Künstler in das Soho-Loft der mit ihren Identitäten spielenden Starkünstlerin. 2002 hört H-O mit seiner Sendung auf. Es folgen Insolvenz, Krankheit und die Suche nach einem neuen Arbeitsfeld. Vielleicht ein Dokumentarfilm? Er hat sein Filmthema gefunden: die New Yorker Kunstwelt und das Leben im Schatten einer berühmten Partnerin. AS

The run-up: 1983. Paul H-O (= HasegawaOveracker) produces the weekly cable access television art show GalleryBeat. H-O interviews bystanders, artists, and collectors at openings in the New York art scene. He says whatever crosses his mind, provoking people with his often banal questions and ironic comments on the art world. Through this show, Paul H-O meets photo artist Cindy Sherman. The story: 1999. The now famous Sherman who has a reputation of being timid and media-shy gives H-O several interviews in her studio. They flirt on camera, becoming a couple in 2000. A year later the extrovert ex-artist moves into the Soho loft of the celebrity artist known for playing with her identities. In 2002, H-O gives up his show, followed by bankruptcy, illness and the search for a new field of activity. A documentary film perhaps? He has found the theme for his film: the New York art world and life in the shadow of a famous partner. AS

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 88 min. Regie: Paul Hasegawa-Overacker, Tom Donahue Kamera: Dane Lawing Musik: Leigh Robert Schnitt: Tom Donahue Produktion: Tom Donahue, Filmlike Films Vertrieb: Andrew Herwitz, The Film Sales Company Koproduktion, Kontakt: Christopher Trela, Trela Media, 60 West 57th Street #14K, 10019 New York, USA, +49-212-9562396, info@guestofcindysherman.com www.guestofcindysherman.com

Paul Hasegawa-Overacker, besser bekannt als Paul H-O, war 1975–1995 mit Gemälden und Skulpturen auf Ausstellungen vertreten und arbeitete als unabhängiger Kurator. Gleichzeitig realisierte er mehrere multidisziplinäre Kunstprojekte. In New York war er 1993–2002 kreativer Kopf der Fernsehshow GalleryBeat. Er ist Autor von Texten und Kritiken zur bildenden Kunst. Seit mehreren Jahren ist Tom Donahue als Redakteur, Spiel- und Dokumentarfilmproduzent an international erfolgreichen Produktionen beteiligt, darunter „Naked World“ für die HBO-Reihe „America Undercover“, das Biopic „American Splendor“ (2003) und zuletzt „Man Push Cart“ (2006), in der Wettbewerbsauswahl von Sundance. 2005 gab er sein Regiedebüt mit dem Kurzfilm „Thanksgiving“.

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Gugara Gugara Polen 2008

Veränderung ist das Zauberwort unserer Zeit. Immer schneller wandelt sich die Umwelt und wir mit ihr. Wenn aber der Mensch in diesem Wandlungsprozess Jahrzehnte, ja Jahrhunderte überbrücken muss – wie kann das gehen? Geht das? Vom Nomadenzelt ins Dorf in die Stadt? Vom Leben mit den Rentieren in die Arbeitslosigkeit mit dem Alkohol? Die Ewenken leben in einer autonomen Region in der Taiga. Ihr Lebensrhythmus ist seit Jahrhunderten von den Rentieren bestimmt. Aber der Klang ihrer Glocken – „Gugara“ genannt – ist verstummt. Die Einheit von Mensch und Tier ist nicht mehr. Was wird nun die Tage der Ewenken strukturieren, ihnen einen Sinn geben? Einige der einstigen Nomaden leben – wie zum Trotz – im Sommerquartier, als könnten sie die Rentiere so zurücklocken. Die anderen versuchen, sich im Dorf einzurichten, dem warmen Bett im Haus, in der trügerischen Behaglichkeit der Leere und der Erinnerung. Da sitzen zwei Großmütter vor dem Fernseher und reden über eine Tote – war es der Alkohol oder ein Unfall? Vor den Holzhäusern stauen sich riesige Parabolantennen, drinnen spricht das Fernsehen vom Anschluss der Ewenken an den Fortschritt. Und neben dem Haus sitzt ein Mann, sternhagelvoll. Was ihnen bleibt, ist ein alter Film über das Leben der Volksgruppe aus den siebziger Jahren, der Blick in eine vergangene, nun virtuelle Welt. KF

Change is the buzz word of our age. Our environment is changing faster and faster and so are we. But if man must bridge decades, even centuries of this process of change at once, how can he do it? Is it possible at all? From nomadic tent to village to city? From living with reindeers to unemployment and alcohol? The Evenks live in an autonomous territory in the taiga. For centuries, the rhythm of their life was dictated by reindeers. But their bells – called “gugara” – are silent now. The unity of man and animal is gone. What will structure the Evenks’ days? No, actually give them meaning? Some of the former nomads continue to live – almost defiantly – in their summer quarters, as if this could lure the reindeers back. The others are trying to settle in at the village, the warm bed in a house, the deceptive comforts of emptiness and memory. Two grannies are sitting in front of a television, talking about a dead woman – was it alcohol or an accident? Huge parabolic aerials pile up outside their wooden cabins, inside the television announces the new access the Evenks have to progress. They themselves are left with an old film about the ethnic group’s life in the 1970s, a look into a bygone and now virtual world. KF

35 mm, Farbe, 69 min. Regie: Jacek Naglowski, Andrzej Dybczak Buch: Jacek Naglowski, Andrzej Dybczak, Patryk Jordanowicz Kamera: Patryk Jordanowicz, Jacek Naglowski Schnitt: Jacek Naglowski Produktion: Agnieszka Janowska, Centrala, Jacek Naglowski Vertrieb: Heino Deckert, Deckert Distribution Kontakt: Heino Deckert, Deckert Distribution, Marienplatz 1, 04103 Leipzig, Deutschland, +49-341-215 66 38, info@deckert-distribution.com

Jacek Naglowski, Jahrgang 1978, studierte bis 2005 Philosophie, Astronomie und Film. Er ist Autor des erfolgreichen Theaterstücks „The Taste of Life“ (2002) und wurde für seinen Debütfilm „Catatonia“, die Adaption eines Comics von Wilhelm Sasnal, auf dem Polish Film Festival in Gdynia ausgezeichnet. 2004 war er Mitbegründer der Produktionsfirma Centrala. Der Ethnologe und Schriftsteller Andrzej Dybczak lebt in Krakau. „Gugara“ ist nicht nur sein erster Dokumentarfilm, sondern auch der Titel seiner ersten Buchveröffentlichung.

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Himalaya, chemin du ciel Himalaya, a Path to the Sky Frankreich 2008

In der größten Kälte des Winters verlassen die buddhistischen Mönche von Phukthal ihr hochgelegenes Kloster im äußeren nordwestlichen Teil des Himalaya, um eine Pilgerreise zu tiefer gelegenen Siedlungen anzutreten. Diese beschwerliche Unternehmung ist zugleich eine Prüfung für die jungen Klosterzöglinge, aber auch so etwas wie eine fröhliche Klassenfahrt, welche die freigewählte Monotonie des Klosterlebens für ein paar Wochen unterbricht und den Jungs erlaubt, ihre Freunde und Familien wiederzusehen. Der 8-jährige Kenrap, Hauptperson des Films, ist bei den Vorbereitungen ebenso mit dabei wie während der Exkursion selbst. Der Junge ist auf eigenen Wunsch mit fünf Jahren von seiner Familie in dieses Kloster gebracht worden, weil er sich erinnerte, dass er in einem früheren Leben bereits Mönch gewesen war und er auf diesem Weg fortschreiten wollte. Kenrap ist ein aufgeweckter Bursche – und er entspricht eher der Vorstellung von einem Frechdachs als der von einem kleinen Heiligen. Die Kamera begleitet ihn wie in einem Tanz, immer in seiner Nähe und doch in gebührendem Abstand, um ihn bei seinem Spiel und Tagwerk mit seiner Klasse und den älteren Mönchen nicht zu belästigen. RE

In the deep frost of winter, the Buddhist monks of Phukthal leave their mountain monastery in the farthest northwestern corner of the Himalayas to embark on a pilgrimage to the villages situated lower down the mountain. To the young pupils of the monastery, this arduous journey is both a test and a happy class trip that interrupts the freely chosen monotony of monastic life for a few weeks and enables the boys to see their friends and families again. 8-year-old Kenrap, the hero of the film, has been taking part in the preparations for this outing and in the trip itself. At the age of 5, the boy was taken to the monastery by his family at his own request, because he remembers having been a monk in a previous life and wants to continue on this path. Kenrap is a bright boy – and more like everyone’s idea of a rascal than a saint. The camera follows him as if it was in a dance, always close to him and yet at a respectful distance in order not to disturb him when he plays or works with his class and the older monks. RE

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 62 min. Regie, Buch, Kamera: Marianne Chaud Schnitt: Françoise Berger Garnault Produktion: Manuel Catteau, ZED Vertrieb: Céline Payot, ZED Kontakt: Julie Rouyer, ZED, 42, rue Eugène Carrière, 75015 Paris, Frankreich, jrouyer@zed.fr

Marianne Chaud wurde 1976 in Puy-Saint-Vincent bei Briançon geboren. Im Alter von 17 Jahren unternimmt sie erste Reisen nach Marokko und Indien. Als Studentin der École des Hautes Études en Sciences Sociales hält sie sich sechs Monate in der Region Ladakh auf. Über die fotografische Dokumentation ihrer Reisen findet sie schließlich zum Film. Filmauswahl: Himalaya, terres des femmes (2007)

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Hoy el día se repite diferente Today, the Same Day Is Different Spanien 2008

„Wenn ich nicht von Drogen rede, würde niemandem auffallen, dass ich ein Junkie bin. Ich kann mich vernünftig artikulieren, sehe normal aus.“ Atemnot lässt Toni mehrmals nachts aufwachen, er setzt die Maske auf und inhaliert Sauerstoff und Joint gleichzeitig. Den Joint, um wieder schlafen zu können. Toni ist 49 und gesundheitlich am Ende. Seit seiner Jugend hat er exzessiv Drogen genommen, er kennt sich mit allen Sorten aus, Nadeln hat er schon aus Automotoren geklaut. Und er bereut es nicht. Es war sein Weg, intensiv zu leben. Einmal war er in Afrika, dort spürte er zum ersten Mal sich selbst, ein Hochgefühl ohne Drogen. Aber da war es schon zu spät. „Ein Junkie bleibt ein Junkie.“ Toni sieht die Situation glasklar, ganz unsentimental kann er seine Misere beschreiben, die doch keine ist, weil er das Leben immer bis zur Neige auskostet. Selbst vom Tod kann er schon aus eigener Erfahrung reden, er kennt die Momente, wo es gerade noch klappt zu bleiben. Sie fühlen sich wohl in seiner chaotischen Wohnung, sagen die Filmemacher, auch wenn sie nicht von seinen Tellern essen würden. Vielleicht ist es seine herzliche Direktheit, die so anziehend wirkt, auch auf Freunde und Nachbarn, die Toni helfen, dieses schrecklich wunderbare Leben zu verlängern, solange es geht. Der Monolog eines beeindruckenden Protagonisten, den nicht nur er selbst, sondern eine wunderbar „abwesende“ Kamera und der virtuose Schnitt nie langweilig werden lassen. KF

“If I didn’t talk about drugs no one would notice that I’m a junkie. I am articulate, look normal.” Several times per night, Toni is woken up by shortness of breath; he puts on his mask and inhales both oxygen and his joint – the latter is to help him go to sleep again. Toni is 49 years old and his health is ruined. He has been using drugs excessively since adolescence, knows all types, has stooped to stealing needles out of car engines. And he regrets nothing – it was his way of living life to the full. He was in Africa once, where he felt himself for the first time, a high without drugs. But it was too late then. “A junkie will always be a junkie.” Toni sees his situation with crystal clarity; he is able to describe his plight, which isn’t one after all, because he always lives intensively, in quite unsentimental terms. He can even talk about death from experience, he knows the moments when he just about manages to stay. The filmmakers say they feel comfortable in his chaotic flat, even if they wouldn’t eat from his plates. Maybe it is his warm and direct manner that is so appealing, even to friends and neighbours who help Toni extend this terribly wonderful life as long as possible. The monologue of an impressive protagonist made entertaining not just by him, but by a wonderfully “absent” camera and brilliant editing. KF

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 102 min. Regie, Buch, Schnitt: Xavier Baig, Òscar Moreno Kamera: Xavier Baig Musik: Micka Luna Vertrieb: Lucrecia Arias, Stromboli Entertaintment, SL Produktion, Kontakt: Òscar Moreno, Rec videoproduccions, scp, Pl. Soler i Gustems, 19, 1º interior, 08800 Vilanova i la Geltrú, Spanien, +34-93-8 14 09 18, recaudiovisuals@gmail.com www.hoyeldiaserepitediferente.com

Xavier Baig, Jahrgang 1975, befasst sich seit seiner Teenagerzeit mit der Umsetzung experimenteller und konventioneller Filmideen in verschiedenen Videoformaten. Ebenso lange verwirklicht er regelmäßig gemeinsame Projekte mit Òscar Moreno, mit dem er in Vilanova i la Geltrú die Firma Rec videoproduccions betreibt. Neben den eigenen Filmen arbeitet Baig als Kameramann, Cutter und VJ. Der ebenfalls 1975 geborene Òscar Moreno war als Steadicam-Assistent, Kameramann und -schwenker für verschiedene Produktionsfirmen tätig. Unter den eigenen Regiearbeiten sind unter anderem Dokumentationen von Tanzperformances.

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Lotmani maailm Lotman’s World Estland 2008

„Vergleichbar der Biosphäre ist unser Planet von einer Sphäre der Zeichen umgeben, die von dem Signalchor der Vögel bis zu den Radio- und Satellitensignalen reicht, sie miteinander verbindet und die kulturelle Erinnerung der Menschheit durch die Zeit akkumuliert.“ UFF! Wie kann man über jemanden, der solche Gedanken zum Frühstück denkt, einen Film machen? Die Regisseurin Agne Nelk hat sich dieser Herausforderung gestellt, indem sie das Leben des russischen Semiotikers Juri Lotman in die Kunst der Zeichen verwandelt. Wie sie das macht, ist schlicht umwerfend. Da fliegt ihr Protagonist auf einer Jules-Verne-Rakete durch den Weltraum und wird von einem Verkehrsschild gestoppt, das ihm befiehlt, eine universale Theorie zu entwerfen. „Ich ganz allein?“, erwidert Lotmann. „Rufe die Ritter der Tafelrunde zusammen“, antwortet das Schild. „Wer bist Du?“ „Verkehrsschild!“ Zeichen! Die Ritter der Tafelrunde sind die Edlen der Zunft der Semiotiker, Freunde und Wegbegleiter, die uns durch Lotmans Welt führen. Zusammengehalten wird diese kunstvolle Erzählung durch intelligent eingesetzte Animationen und Archivmaterial, dessen bestimmendes Thema die Signaltechnik ist. Juri Lotman verstarb Anfang der 1990er Jahre. Mit ihm ist nicht nur ein großer Denker von uns gegangen, sondern auch eine große Seele, der uns die Regisseurin in diesem wunderbaren Film durch die Welt der Zeichen näher bringt. MH

“Our planet is surrounded by a sphere of signs, comparable to the biosphere, which ranges from the birds’ chorus of signals to radio and satellite signals, connecting them and accumulating the cultural memory of humankind through time.” Whew! How can you make a film about a person who thinks such thoughts over breakfast? Agne Nelk mastered this challenge by transforming the life of Russian semiotician Juri Lotman into the art of signs – and the way she does it is simply dazzling. She has her protagonist flying through space in a Jules Verne rocket, only to be stopped by a traffic sign that orders him to design a universal theory. “All alone?” Lotman replies. “Call the Knights of the Round Table“, the sign answers. “Who are you?” “A traffic sign.” Sign! The Knights of the Round Table are the nobility among the semioticians, friends and companions who guide us through Lotman’s world. This artful narrative is held together by intelligently employed animations and archive material whose dominant subject is signal technology. Juri Lotman died in the early 1990s and we lost not only a great thinker but a great soul, introduced to us by the creator of this wonderful film through the world of signs. MH

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 59 min. Regie: Agne Nelk Animation: Rait Siska Buch: Rein Pakk, Agne Nelk Kamera: Mait Mäekivi Musik: Erkki Tero, Janek Murd Schnitt: Hermes Brambat Produktion, Kontakt: Kiur Aarma, Eetriüksus, Faehlmanni 10, 10125 Tallinn, Estland, +372-56-5 15 60, kiur.aarma@neti.ee www.lotman.eu

Agne Nelk, 1978 in Rakvere im Norden von Estland geboren, studierte 1996– 2000 Fernsehregie und 2000–2008 Film an der Pädagogischen Universität in Tallinn. 2001–2002 war sie ErasmusStudentin an der Università degli Studi im italienischen Bari. Seit 1997 sammelt sie Erfahrungen in den Bereichen Filmregie, Produktion, Projektmanagement und Filmjournalismus. Unter anderem schreibt sie seit 1998 für die Filmredaktion des Magazins TMK.

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Mr. Edison’s Ear Mr. Edison’s Ear Kanada 2008

Postmoderne Theoretiker haben unser Zeitalter als das des Sehens und der medial verbreiteten Bilder apostrophiert. Welch epochale Bedeutung musste dann die Möglichkeit zur Aufzeichnung und massenhaften Verbreitung von Tönen, die Inthronisierung des Hörens, für die Moderne haben! 1877 erfand der Unternehmer Thomas Alva Edison in der Auseinandersetzung mit seiner Gehörlosigkeit den Phonographen. Francisca Duran erforscht, welche Auswirkungen seine Erfindung auf die Wahrnehmung der Menschen, ihr Verständnis von Kunst und die Entwicklung einer Kulturindustrie hatten. Auf einer zweiten Ebene gelingt ihr das Kunststück, ein abstraktes, physikalisches Thema, in dem es noch dazu um Töne geht, visuell aufregend umzusetzen. Frühes Filmmaterial, knarzende Wachszylinder- und diamond-disc-Tonaufnahmen aus dem Edison-Archiv, Auszüge aus seinen Texten, historische Fotos und Dokumente, Interviews und Animationen montiert sie zu einer poetischen Collage. Und verliert dabei – besonders in der dramatischen Schlusssequenz – nicht aus dem Auge, dass Edison letztendlich ein Adept der Industriegesellschaft, des Fortschritts um jeden Preis war. Der Eintritt in die Moderne ist mit Schmerzen erkauft. GL

Postmodern theorists have labelled our era the age of vision and media-transmitted images. How fundamental to modernity, then, the possibility of recording sound and broadcasting it to the masses must have been, the enthronement of hearing! In 1877, entrepreneur Thomas Alva Edison invented the phonograph in his ongoing struggle against his deafness. Francisca Duran examines the impact of this invention on human perception, on man’s understanding of art and the development of a culture industry. On a second level, she manages the feat of creating exciting visualisations of an abstract, physical subject which, moreover, is about sound. She edits early film material, creaking wax cylinders and diamond disc recordings from the Edison Archive, excerpts from his writings, historical photos and documents, interviews and animations in a poetic collage, while never – especially in the dramatic final sequence – losing sight of the fact that Edison, when all is said and done, was an adept of industrial society, of progress at all costs. The transition to modernity came at a high cost. GL

Beta DIGITAL (PAL), s/w, 32 min. Regie, Buch, Schnitt, Produktion: Francisca Duran Kamera: Pasha Patriki Vertrieb: Larissa Fan, CFMDC Kontakt: Francisca Duran, 26 Denison Square, M5T 1K8 Toronto, Kanada, +01-416-5 85 78 07, franci.duran@sympatico.ca

Francisca Duran wurde 1968 in Santiago de Chile geboren und kam nach dem Militärputsch als Flüchtling nach Kanada. 1991 schloss sie das Filmstudium an der Queen’s University in Kingston/Ontario ab und 2007 ein Graduiertenstudium an der York University in Toronto. Dort ist sie seither als Filmemacherin und Grafikdesignerin tätig und veröffentlichte bisher vor allem experimentelle Kurzfilme.

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Nebenlauf Tributary Schweiz 2008

Der Film präsentiert eine sehr persönliche und zutiefst berührende Geschichte der Filmemacherin. „Ich kann mich an sehr wenig erinnern, an Details. Ich weiß, dass du mich angerufen hast, dass du geweint hast. Ich habe nicht genau gewusst, was passiert ist. Du hast gesagt, du seiest vergewaltigt worden.“ Mit diesen Worten beginnt der Film. Die Kamera lässt Schwester, Mutter, Vater und Freund der Regisseurin in nahen Einstellungen erzählen. Sie reden bedacht, suchen nach den richtigen Worten für die Erlebnisse mit der Filmemacherin nach deren Vergewaltigung in Brasilien. Wieder zu Hause in der Schweiz folgen Selbstmordversuch, Verfolgungswahn, Aufenthalt in der Psychiatrie und schließlich die langsame Stabilisierung. Zwischen die kurzen Interviewsequenzen sind grobkörnige, oft abstrakte Bilder geschnitten, die Raum geben für Assoziationen zum Erzählten. Mit diesen einfachen Mitteln lässt uns die Regisseurin teilhaben an ihrer Geschichte und der leisen Hoffnung, die am Ende steht, weil auch der fertige Film für eine Auseinandersetzung und eine Art der Aufarbeitung dieser traumatischen Zeit steht. AS

The film tells a very personal and deeply moving story of the filmmaker. “I don’t remember many of the details. I know you called me, you were crying. I didn’t know exactly what had happened. You said you had been raped.” These words open the film. In close shots, the camera lets the filmmaker’s sister, mother, father and boyfriend speak. They speak carefully, searching for the right words to describe the filmmaker’s experience after she was raped in Brazil. Back home in Switzerland, this was followed by a suicide attempt, paranoia, a stay in a psychiatric clinic and finally the slow process of stabilisation. The short interview sequences are interspersed with grainy, often abstract images which open a space for associations called up by the narratives. The director enables us by these simple means to share her story and the tentative hope at the end – because the finished film, too, is a symbol of facing up to this traumatic period and coming to grips with it. AS

Beta SP (PAL), Farbe, 14 min. Regie, Buch, Schnitt: Anja Schwyzer Kamera: Simon Weber Produktion, Kontakt: Edith Flückiger, Hochschule Luzern, Design & Kunst, Baselstraße 61, 6003 Luzern, Schweiz, +41-41-2 28 45 64, edith.flueckiger@hslu.ch

Anja Schwyzer, Jahrgang 1979, wurde in Genf geboren und besuchte die Schule im Kanton Zürich und im dänischen Århus. 1999–2002 studierte sie Politikwissenschaft an der Universität Zürich und absolvierte nach Praktika im sozialen Bereich 2003–2008 Vorkurs und Hauptstudiengang Video in Luzern. Seit 2007 wirkt sie als Tonfrau und Cutterin an verschiedenen Filmprojekten mit.

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Revolutsioon, mida ei olnud The Revolution That Wasn’t Estland, Finnland 2008

Je komplizierter und verwirrender – in unseren Augen – sich russische Politik entwickelt, umso simpler sind die Erklärungsmuster, die die Medien bereithalten. Aljona Polunina schert sich nicht darum und begibt sich in das Innere einer Bewegung, die als Teil der Allianz „Anderes Russland“, unter anderem unter der Führung von Gari Kasparow, Schlagzeilen machte. Schon 2003 hatte sie mit „Yes, Death“ einen bestürzenden Blick auf die Partisanenspiele einer Enklave der National-Bolschewistischen Partei geworfen. Jetzt dringt sie tiefer, weit unter die Oberfläche einer grotesken Mischung aus Fremdenfeindlichkeit, Vulgärkommunismus und Populismus. Ihre Protagonisten hat sie über Jahre begleitet und den Stoff gefunden, aus dem große Tragödien sind: der Vater, der den Sohn opfert, Verrat und Reue, Schuld und Sühne. Die Ereignisse um die Wahlen 2008 bilden das Gerüst für die Geschichte von Anatoli, einst der zweite Mann nach dem Führer der NBP Eduard Limonow. Er hat der Partei sein Leben, einschließlich seiner Söhne, gewidmet, wird aber nach einem Moment der Illoyalität von sich selbst und anderen als Versager betrachtet. Schritt für Schritt zieht er sich in die Religion zurück, während die Kirchenoberen mit der NBP küngeln und seine Söhne Karriere in der Politik machen … So hat man politisches Kino noch nicht gesehen. Suchende, verlorene Menschen statt Schablonen. Exzellent gefilmte Bilder statt Parolen. Verstörend, radikal und niemals simpel. GL

The more complex and confusing – from our perspective – Russian politics become, the simpler the explanation patterns offered by the media are. Aliona Polunina pays no attention to all this, moving right to the heart of a movement which made headlines as a part of the “Other Russia” alliance led among others by Gary Kasparov. In 2003, she had already taken a disconcerting look at the partisan games of an enclave of the National Bolshevik Party in “Yes, Death”. Now she delves deeper, far below the surface of a grotesque mixture of xenophobia, vulgar communism and populism. She has followed her protagonists over the years and found the stuff great tragedies are made of: a father who sacrifices his son, treason and regret, crime and punishment. The events around the 2008 elections provide the framework for the story of Anatoly, once the second man of the NBP led by Eduard Limonov. He sacrificed his life and his sons to the party, but becomes a failure in his own and others’ eyes after a moment of disloyalty. Step by step he withdraws into religion, while the church leaders are hand in glove with the NBP and his sons build political careers ... Political cinema as never seen before – searching, lost human beings instead of cardboard characters, excellently filmed images instead of slogans. Disconcerting, radical and never simple. GL

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 101 min. Regie, Buch: Aljona Polunina Kamera: Dmitri Rakow Schnitt: Aljona Polunina, Jan-Erik Nõgisto Produktion, Vertrieb: Jaak Kilmi, Kuukulgur Film Koproduktion: Ilkka Matila, MRP Kontakt: Jaak Kilmi, Kuukulgur Film, Niine 11, 10414 Tallinn, Estland, +372-6-17 70 60, jaak@kuukulgur.ee

Die Autorin und Regisseurin Aljona Polunina wurde 1975 im südlich von Moskau gelegenen Tula geboren. Sie studierte bis 2004 an der Staatlichen russischen Filmhochschule (WGIK) in Moskau, zunächst im Bereich Drehbuch bei Wladimir Utilow, später mit Spezialisierung auf den nichtfiktionalen Film. Bislang veröffentlichte sie die Kurzfilme „Da, smert!“ (2004) und „Swjatoje mesto“ (2006).

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Sianoze Cyanosis Iran 2007

An den Straßen von Teheran sitzt ein Mann und malt. Stilisierte Körper und alptraumhafte Fratzen mit riesigen Augen und Mündern. Auf alte Pappen, Radkappen, auf alles, was er findet. Immer wieder wird er von der Polizei verjagt oder von Passanten beschimpft, denn Kunst – ist man sich einig – bewege sich in anderen, akademischen Sphären. In ihrem mehrfach preisgekrönten AnimadokFilm porträtiert Rokhsareh Ghaemmaghami den Künstler Jamshid Aminfar, dessen Werke man im Ausland mit denen von Keith Haring und Edvard Munch verglichen hat und der im Iran ein Outlaw ist, der von seiner Kunst kaum leben kann. Seit seiner Kindheit mental beeinträchtigt, blieb ihm der Weg der klassischen Karriere versperrt – bis das Glück in Gestalt eines Galeristen und einer jungen Französin endlich doch noch in sein Leben zu treten scheint. Jamshid träumt von Anerkennung, Geld und erfüllter Liebe, doch währenddessen laufen die Dinge so wie immer. Nämlich schief. Die Grenzen des Dokumentarischen beginnen dort, wo es um die Innenwelten der Protagonisten geht. Dieser Film überwindet sie mit spielerischer Leichtigkeit, indem er der sichtbaren, authentischen Tragödie die expressionistische Bilderwucht der Jamshid’schen Vorstellung als Animation entgegensetzt. Das Leben, wie es auch sein könnte. Oder wie er es sieht zumindest. Und wer weiß schon, was wahr ist? So etwas kann nur der Film, klar. Aber man hatte es schon fast vergessen. GL

A man sits in the streets of Tehran and paints – stylised bodies and nightmarish faces with huge eyes and mouths. He paints on old cardboard, hubcaps, everything he can lay his hands on. Again and again he is chased away by the police or insulted by passers-by, because art – everyone agrees – happens in different, academic circles. In her award-winning Animadoc film, Rokhsareh Ghaemmaghami presents the artist Jamshid Aminfar, whose work has been compared with Keith Haring’s and Edvard Munch’s abroad while in Iran he is an outlaw whose art barely earns him a living. Mentally impaired since childhood, a traditional career was closed to him – until at last luck in the person of a gallery owner and a young Frenchwoman seemes to enter his life. Jamshid dreams of recognition, money and requited love, but all the while things are going the way they usually do – wrong. The limits of the documentary are reached when it comes to the protagonists’ interior worlds. This film overcomes them with the greatest of ease, by juxtaposing the visible, authentic tragedy with animations of the expressionist visual power of Jamshid’s imagination. Life, as it could also be. Or as he sees it, anyway – and who knows what’s true after all? Only film can do this, we know. But we had almost forgotten. GL

Beta SP (PAL), Farbe, 32 min. Regie, Buch, Animation: Rokhsareh Ghaemmaghami Kamera: Mohammad Behnamzade Schnitt: Mehdi Ganji Technik: Malerei auf Glas Produktion, Vertrieb, Kontakt: Rokhsareh Ghaemmaghami, Namaye Sefid, West Pastor Street, Jalilabad Alley no. 11+2, 13188-75193 Teheran, Iran, +98-21-66 43 55 57, roxareh@yahoo.ca www.shortfilmcentral.com/film/573/

1976 in Teheran geboren, studiert Rokhsareh Ghaemmaghami zunächst Filmregie und spezialisert sich in weiterführenden Studien auf Animation. Neben „Cyanosis“, ihrem Abschlussfilm, legt sie die schriftliche Abschlussarbeit „Documentary Animation“ vor, die demnächst in Buchform auf Persisch veröffentlicht wird. Zur Zeit arbeitet sie an einer Dokuanimation, die auf ihren Kindheitserlebnissen während des Kriegs im Iran basiert. Filmauswahl: „Eshgh bazi“ (2001)

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Internationaler Nachwuchswettbewerb Generation DOK

Internationaler Nachwuchswettbewerb – Generation DOK International Young Talent Competition – Generation DOK

Stolen Art Stolen Art Belgien 2008

1978 gab es in einer kleinen, heruntergekommenen Galerie im New Yorker Stadtteil SoHo eine Ausstellung mit einer Reihe gekonnt gefälschter Gemälde quer durch die Kunstgeschichte. Der Fälscher war ein tschechischer Maler namens Pavel Novak, und er muss mit Abstand der Beste gewesen sein, den der Kunstmarkt seit seinem Bestehen je erlebt hat. Immerhin sahen sich ein Privatsammler und auch einige renommierte Museen im Zusammenhang mit der Ausstellung mit einer Reihe unbequemer Fragen konfrontiert, die viele Rituale und Konventionen des Kunstmarkts fragwürdig erscheinen ließen. Wenige Tage nach der Vernissage wurde die Ausstellung von der Polizei geschlossen, und auch von Pavel Novak, dem Künstler, ward nie wieder etwas gehört. Bis sich fast 30 Jahre später der belgische Filmemacher Simon Backes daran machte, die ganze Geschichte wieder aufzurollen, vielleicht auch: nach seinem Gusto zu erfinden. Novak, so fügt es sich in der Story zusammen, war ein Student der Prager Kunstakademie, ein Guerillero der Kunst. Jemand, der die Fragen, die die Pop-Art theoretisch angerissen hatte, in seine eigene Existenz als Künstler übertrug. Er wollte Schönheit, die sich in Museen und von privaten Sammlern eingesperrt fand, wieder in Umlauf bringen, indem er mimetisch die Arbeit des Original-Künstlers nachvollzog. Keine technische Reproduktion, sondern handwerkliche. Und einmal freigesetzt, musste er sich selbst, den Fälscher, als neuen Original-Künstler, oder sagen wir Autor hinter den Werken, ebenfalls wieder zum Verschwinden bringen. Eine geistreiche kinematographische Investigation über die hohe Kunst des Fälschens und den Aspekt der Täuschung im Dokumentarfilm. RE

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In 1978, a small, sleazy gallery in the New York SoHo district organised an exhibition of skilfully forged paintings covering a wide span of art history. The forger was a Czech painter called Pavel Novak, and he must have been the best, by far, that the art market had ever seen. After all, a private collector and a number of renowned museums see themselves faced with some uncomfortable questions regarding the exhibition which make many of the rituals and conventions of the art market appear highly dubious. A few days after it opened, the exhibition was closed down by the police, and the artist Pavel Novak was never heard of again, until almost 30 years later, when Belgian filmmaker Simon Backes set out to get to the bottom of the story – or possibly re-invent it in line with his own preferences. Novak, the story has it, was a student at the Prague Academy of Fine Arts, an art guerrillero. A man who applied the issues that Pop Art addressed on a theoretical level to his own existence as an artist. He wanted to bring the beauty imprisoned by museums and private collectors back into circulation by mimetically reproducing the original artist’s work: not a technical, but a manual reproduction. And once it was released, he himself, the forger who became the new original artist, or rather the author behind the works, had to vanish again. A witty cinematic investigation of the art of forgery and the aspect of deception in documentary film. RE

Beta SP (PAL), Farbe, 57 min. Regie, Buch: Simon Backes Kamera: Hichame Alaouie Schnitt: Laora Bardos Produktion: Philippe Kauffmann, La Parti Vertrieb: Kathleen de Bethune, Centre de l’Audiovisuel à Bruxelles Kontakt: Karine de Villers, Centre de l’Audiovisuel à Bruxelles, 19F avenue des Arts, 1000 Brüssel, Belgien, cba@skynet.be

Simon Backes, 1972 in Frankreich geboren, schloss 1999 das Regiestudium am Institut National Supérieur des Arts du Spectacle (INSAS) in Brüssel ab. Seit der Studienzeit wirkt er in verschiedenen Funktionen an kurzen Dokumentar-, Spiel- und „Fake-fiction“Filmen mit, letztere in Zusammenarbeit mit dem belgischen Bildhauer Loïc Vanderstichelen. Filmauswahl: Welcome in Utopia (2001), The Investigation (2004)


Internationaler Nachwuchswettbewerb Generation DOK

Una Cierta Verdad A Certain Truth Spanien 2008

Ein schlichter Befund. Die Frau hört Stimmen, sieht merkwürdige Dinge und redet mit dem Fernseher. Sie bringt seitenlang die merkwürdigsten Gedanken zu Papier und ist aggressiv. Die Frau wurde sediert. Jetzt ist sie ruhig. Wir befinden uns in der Psychiatrie des Parc-TauliKrankenhauses in Sabadell, einem Vorort von Barcelona. Fast zwei Jahre lang folgt der Film den Geschichten von fünf Patienten, deren Wege sich hier kreuzen, und die alle unter der gleichen Krankheit leiden: akute Schizophrenie. Der Titel des Films – „Eine gewisse Wahrheit“ – reflektiert die Erkenntnis, dass die Unterscheidung von Illusion und Realität in der Welt des psychisch Kranken so wahr sein kann wie in der des vermeintlich Gesunden – eben nur anders gewichtet, merkwürdig verschoben und entschieden rätselhaft. Der Regisseur folgt diesem Prozess der Störung, in dem er sich einer zweifachen Herausforderung stellt: die Mechanismen und Funktionsweisen des menschlichen Geistes aus der aktuellen Erfahrung seiner Protagonisten erfahrbar zu machen und die Störung zwischen deren Innenwelt und dem Draußen als permanenten Kampf zu schildern, in dem es keinen Waffenstillstand gibt. Der psychisch Kranke ist ein beliebter Topos des Dokumentarischen, aber selten hat es ein Film geschafft, uns das geheimnisvolle Universum des Wahnsinns als eine Realität näher zu bringen, die unserem Alltag so fremd nicht ist. MH

A simple diagnosis: a woman hears voices, sees strange things and talks to her television set. She writes down page after page of the most outlandish thoughts and is aggressive. The woman was sedated. Now she’s quiet. We are in the psychiatric ward of the Parc Tauli hospital in Sabadell, a suburb of Barcelona. The film follows the stories of five patients whose paths cross here and who are all suffering from the same illness: acute schizophrenia. The title of the film – “A Certain Truth” – reflects the realisation that the difference between illusion and reality might be just as genuine in the world of the mentally ill as in that of apparently healthy people – but differently balanced, strangely shifted and certainly mysterious. The director follows the course of the disorder by facing up to a double challenge: making the spectator experience the mechanisms and functionalities of the human mind through the actual experience of his protagonists, and describing the disruption between their interior world and the outside as a permanent battle with no cease-fire. Mentally ill persons are a popular topic of documentary film, but rarely has a film managed to take us so close to the mysterious universe of madness, which isn’t so alien to our daily life, after all. MH

35 mm, Farbe, 130 min. Regie: Abel García Roure Produktion: Pio Vernis Kontakt: Angela del Valle Acedo, Balmes, 08006 Barcelona, Spanien, adelvalle@vertice360.com

Abel García Roure, 1975 in Barcelona geboren, ist Absolvent der Universitat Pompeu Fabra. Als Regieassistent war er an mehreren spanischen Dokumentarfilmproduktionen der letzten Jahre beteiligt, darunter der Goya-PreisGewinner und Mehrfachpreisträger von San Sebastián „En construccíon“ (2001) unter der Regie von José Luis Guerín sowie „El cielo gira“ (2004) von Mercedes Álvarez, ebenfalls mehrfach auf internationalen Festivals prämiert. Mit „A Certain Truth“ gibt García Roure sein Regiedebüt.

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International Programme Documentary Film

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

A város ritmusa Rhythm of the City Internationales Programm Dokumentarfilm

Ungarn 2007

Stillstand und Ruhe in einer Großstadt? Unmöglich. Es rauscht und rattert, es klappert und kreischt, hier wird gebohrt, dort wird gehämmert, alles ist in Bewegung, schneller und schneller, die Lichter der Autos kreisen, die Schuhe der Tänzer knallen – und wenn du hineinlauschst in dieses Gewimmel, dann wächst vielleicht in deinem Inneren ein Rhythmus zusammen, der alle Unruhe zu einem Feuerwerk legiert, zu etwas Neuem, etwas Eigenem. Daniel ist noch ein kleiner Junge, wie ein Zwerg verschwindet er zwischen den Trommeln, denen er eben dieses Neue, Eigene entlockt. Er zieht durch Budapest, beobachtet, lauscht, nimmt die Geräusche der Stadt auf, verfolgt einzelne Rhythmen, um sie später mit dem Schlagzeug neu entstehen zu lassen. Zusammen mit Daniel erforscht der Film die Tonfacetten einer Stadt vom Morgen bis in die Nacht. In einem optischen Trommelwirbel erfaßt er Alltagsrhythmen aus ungewohnter Perspektive und läßt sie gipfeln in Daniels Konzert mit gestandenen Profis. Ein kleiner Junge zwischen großen Musikern, ganz gegenwärtig, konzentriert und selbstverständlich. KF

Standstill and silence in a big city? Impossible – things hiss and crackle, clatter and screech, there’s drilling here and hammers there, everything moves, faster and faster, the car headlights circling, the dancers’ shoes clacking. If you listen closely to this milling mass, maybe a rhythm will grow and merge within you that fuses all this unrest into fireworks, something new, something you own. Daniel is still a little boy, dwarfed by the drums from which he coaxes this new something of his own. He wanders through Budapest, observing, listening, taking in the sounds of the city, following up isolated strains of rhythm in order to recreate them on his drum kit later. This film follows Daniel on his explorations of the multitude of sounds of a city from morning to midnight, capturing everyday rhythms from unusual angles in an optical drum roll, culminating in the concert Daniel gives together with experienced professionals. A little boy among the tall musicians, he is all there, focused and natural. KF

Beta SP (PAL), Farbe, 15 min. Regie, Buch: András Salamon Kamera: Zsolt Tóth, András Salamon Schnitt: Károly Szalay Produktion: Péter Nyeste, Aster Film, Budapest Kontakt: Annamária Basa, Magyar Filmunió, Városligeti fasor 38, 1068 Budapest, Ungarn, +36-1-3 51 77 60, annamaria.basa@filmunio.hu, filmunio@filmunio.hu

András Salamon, 1956 in Budapest geboren, gab mit acht Jahren sein Leinwanddebüt als Darsteller in Pál Sándors Kurzfilm „Big-Ears“. In den 1980er Jahren begann er mit dem Drehbuchschreiben, arbeitete für das ungarische Fernsehen und studierte später Filmregie an der Akademie für Theater und Film in Budapest. Seither realisiert er hauptsächlich Dokumentarfilme, meist Porträts von gesellschaftlichen Außenseitern, debütierte jedoch 1991 mit „Je t’aime“ auch als Spielfilmregisseur. Für seine unter dem Titel „Dogs Do Not Forget“ publizierten Kurzgeschichten erhielt er 1997 den Sándor-Bródy-Buchpreis. Filmauswahl: Homeless (1989), Je t’aime (1991), Abandoned People (1993), Close to Love (1998), Getno (2004)

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Aina Kunnollinen Always Decent Eine Kindheit in den 1970ern – eine langweilige Sache? Nicht in diesem Film. Mit viel Ironie und zuweilen brüchigem Bildwitz verbindet die Autorin Erinnerungsmomente an ihre Kindheit in den 1970ern mit Found Footage aus Schmalfilmen und anderen Archiven. Immer wieder eröffnen die Bilder eine tiefere Dimension des Erzählten, mal erläuternd, mal spielerisch vertiefend oder verträumt nachdenklich. Nichts ist so direkt gemeint wie gesagt, alles hat noch eine Metaebene, lädt ein zu assoziieren, weiterzuspinnen, querzudenken. Oder auch bei der Fabel zu bleiben vom angepassten Kind, das ausbrechen möchte, aber die Ächtung der anderen fürchtet. Das sich schämt, ein Scheidungskind zu sein, weil im Dorf alle Kinder mit Mutter und Vater leben, und weil die Mütter der anderen nur fleißig arbeiten und nicht manchmal allein tanzen gehen. Es plagt sich sehr, dieses Kind, mit all den „Man-tut-nichtdies-und-nicht-das“, man popelt nicht in der Nase und wäscht sich nach dem Klo immer die Hände. Es will dazugehören, man soll stolz auf es sein. Und schließlich heißt es: „Ich werde nie fliegen lernen. Nicht einmal im Traum.“ KF

A childhood in the 1970s – boring? Not in this film. With lots of irony and sometimes fragile visual humour, the filmmaker links memories of her 1970s childhood to found footage from home movies and other archives. Again and again, her images let us glimpse a deeper dimension of the narrative, sometimes explaining, sometimes playfully elaborating or dreamily reflective. Nothing is straightforward; everything has a meta-level, invites associations, dreams, lateral thinking – or sticking to the fable of the well-adjusted child who wants to break out but is afraid of becoming an outcast. She is ashamed of being the child of divorced parents, because all the children in the village live with their mother and father, and because the other kids’ mothers just work industriously and never go out dancing alone. The child struggles very hard with all the “one-doesn’t-do-thisand-thats”, don’t pick your nose, always wash your hands after you’ve been to the loo. She wants to belong, wants people to be proud of her. And finally the statement: “I’ll never learn to fly. Not even in dreams.” KF

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Finnland 2007 Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 20 min. Regie, Buch: Katja Pällijeff Schnitt: Tiina Aarniala, Katja Pällijeff Produktion: Anna Pohjola, University of Art and Design Helsinki, School of Motion picture, Television and Production Design Vertrieb, Kontakt: Saara Toivanen, University of Art and Design Helsinki, School of Motion picture, Television and Production Design, Film Festival Office, Hämeentie 135 c, 00560 Helsinki, Finnland, +358-50-3 31 77 54, foffice@taik.fi

Katja Pällijeff, 1972 geboren, studierte bis 2007 im Bereich Film, Fernsehen und Production Design an der Hochschule für Kunst und Design in Helsinki. „Always Decent“ ist ihre Abschlussarbeit und zugleich ihr Debüt als Filmregisseurin.

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Auf der Suche nach dem Gedächtnis – Der Hirnforscher Eric Kandel In Search Of Memory – The Neuroscientist Eric Kandel Internationales Programm Dokumentarfilm

Österreich, Deutschland 2008

Eric Kandel ist fast 80 Jahre alt, eine der Koryphäen der Neurobiologie und dabei ungeheuer populär als Buchautor, Vortragreisender, Familienmensch, Kollege und Chef. Voller Lebensfreude klingt Kandels Lachen ein bisschen wie das Wiehern eines Pferdes und steckt seine Mitarbeiter im Labor an. Nach dem Geheimrezept des Nobelpreisträgers Kandel befragt, gibt eine Kollegin belustigt zur Antwort: „Vielleicht sein Abendessen, er nimmt immer Bananen, Fisch und Joghurt.“ Eric Kandel ist gebürtiger Wiener und Jude. 1939, ein Jahr nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland, musste er im Alter von neun Jahren nach Amerika emigrieren. Kandel ist überzeugt, und das vermittelt der Film sehr anschaulich, dass sein späteres Faible für den menschlichen Geist, dafür, wie sich Menschen verhalten, wie unberechenbar ihre Motive und wie dauerhaft ihre Erinnerungen sind, auf sein letztes Jahr als Kind in Wien zurückgeht. In „Die Suche nach dem Gedächtnis“ wird die Lebensgeschichte des charismatischen Forschers mit faszinierenden Einblicken in seine Wissenschaftler-Tätigkeit verknüpft. Mit seinen Arbeiten seit den 1950er Jahren schlug Eric Kandel die Brücke von der Psychologie zur Neurobiologie und entdeckte das Protein, das eine Schlüsselrolle bei der Speicherung von Ereignissen aus dem Kurz- ins Langzeitgedächtnis spielt. Dafür erhielt er im Jahr 2000 den Nobelpreis für Medizin. Kandel ist auch ein Pionier auf dem Gebiet der bildgebenden Verfahren in den Naturwissenschaften. Deren Einsatz in diesem Film versetzt den Zuschauer in die Position, direkt verfolgen zu können, wie das Gehirn sich verändert, wenn eine neue Erinnerung geformt wird. RE

Eric Kandel is almost 80 years old, one of the world’s foremost neurobiologists and an extremely popular writer, lecturer, family man, colleague and boss. Kandel’s hearty laugh sounds a little like a neighing horse and infects all the staff in his laboratory. Asked what Nobel Prize winner Kandel’s secret recipe might be, a colleague answers with a laugh: “Maybe it’s his dinner. He always has bananas, fish and yoghurt.” Eric Kandel was born in Vienna as a Jew. In 1939, at the age of nine, a year after the the union of Austria and Hitler’s Germany, he was forced to emigrate to America. Kandel is convinced, and the film beautifully demonstrates this, that his later fondness for studying the human mind, the way people behave, how unpredictable their motives and how permanent their memories are, harkens back to the last year he spent in Vienna as a child. “In Search of Memory” links this charismatic scientist’s life story to fascinating insights into his scientific studies. In the 1950s, Eric Kandel’s work bridged the gap between psychology and neurobiology. He discovered the protein that plays a key role in transferring events from short-term to long-term memory, which earned him the Nobel Prize for medicine in 2000. Kandel also did pioneering work in the field of scientific imaging procedures, which are used in this film to let the audience observe directly how the brain changes when a new memory is generated. RE

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 95 min. Regie, Buch: Petra Seeger Kamera: Robert Winkler, Mario Masini Musik: Walter W. Cikan, Marnix Veenenbos, Petr Spatina, B. Fleischmann Schnitt: Oliver Neumann Produktion: Petra Seeger, FilmForm Köln GmbH Vertrieb: Julia Rau, FilmForm Köln GmbH Kontakt: Petra Seeger, FilmForm Köln GmbH, Schillerstr. 93, 50968 Köln, Deutschland, +49-221-38 88 35, Seeger@filmform.tv www.filmform.tv

Mit „Gsellmanns Augenfutter“, eine Ko-Regie mit Jürgen Heiter, gibt Petra Seeger 1979 ihr Debüt als Filmemacherin. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist seither vor allem das Dokuporträt. Zwischen 1982 und 1987 übernimmt sie auch Regieassistenzen und Spielfilmrollen, realisiert seit 1993 neben eigenen Dokumentar- und Spielfilmprojekten verschiedene Filmbeiträge für Kulturund Frauenmagazine des WDR. Seit 1999 arbeitet sie auch als Kamerafrau und stellt ihre Filme in der eigenen Produktionsfirma fertig. 2006 gründet sie mit Joachim von Mengershausen die Firma Filmform Köln. Filmauswahl: Turin – Santo Stefano Belbo (1984), Abschied vom Drehbuch (1990), Nikolaikirche Leipzig (1995), Wim Wenders, BAP und der Oscar (2002), Bis zu der großen Ewigkeit (2006)

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Baad-e-daboor Head Wind Im Iran ist der Empfang von Satellitenfernsehen verboten. Wegen des unmoralischen Inhalts, argumentiert die Regierung, vermutlich aber vor allem wegen der unzensierten Nachrichten aus aller Welt. Hin und wieder kommt es zu Polizeieinsätzen, bei denen Satellitenschüsseln demontiert werden. Trotzdem boomt die Branche. In Teheran und den Vororten sind die Dächer voll mit Schüsseln. Selbst auf dem Land gibt es inzwischen Parabolantennen. Ein Lehrer fährt mit dem Motorrad durch die Berge, um bei einem nomadischen Stamm als Nebenverdienst eine Schüssel aufzustellen. Versteckt hinter großen Toren werden in einer Fabrik für Kochtöpfe Satellitenschüsseln hergestellt. Eine Frau wartet zu Hause auf ihren Ehemann, stets in der Angst, er könnte verhaftet worden sein, denn auch er installiert und repariert die verbotenen Antennen. Einige Haushalte sperren die Sender, die „freizügige“ Filme aus dem Westen zeigen, freiwillig. Andere wiederum lassen sich die Filme als schwarz gebrannte DVDs im 10er Pack ins Haus liefern. In illegalen Studios werden diese synchronisiert oder mit Untertiteln versehen und zensiert. Ein älterer Mann fordert, die Leute mit Satelliten-Fernsehen zu bestrafen und ins Exil zu schicken. Wie viele Häuser im Iran wohl dann noch bewohnt wären? AS

Satellite television is prohibited in Iran. Because of its immoral content, the government argues, more likely because of the uncensored news from all over the world it broadcasts. Every now and again the police mount operations to dismantle satellite dishes. Still the industry is booming. The roofs of Tehran and its suburbs are full of dishes. Parabolic aerials are starting to appear even in the rural regions. A teacher is riding on his motorcycle through the mountains to set up a dish for a nomadic tribe and earn a little extra money. Satellite dishes are produced in a cooking pan factory hidden behind great gates. A woman is waiting for her husband to come home, in constant fear of his arrest, because he too installs and repairs the forbidden aerials. Some homes voluntarily block the stations that broadcast “explicit” films from the West. Others have the films delivered to their homes on pirated DVDs in packs of ten. They are dubbed or subtitled, as well as censored, in illegal studios. An elderly man demands that the people who watch satellite television be punished and sent into exile. How many houses in Iran would still be inhabited then? AS

Internationales Programm Dokumentarfilm

Iran, Deutschland 2007 Beta SP (PAL), Farbe, 42 min. Regie, Buch: Mohammad Rasoulof Kamera: Reza Jalali Schnitt: Mohammad Rasoulof, Jörg Hommer Produktion: Stefan Buchen Koproduktion: Mehdi Badeleh, Agahan Tasvir Kontakt: Stefan Buchen, Grindelhof 8, 20146 Hamburg, Deutschland, +0049-40-41 56 50 83, Djahiz@yahoo.com

Mohammad Rasoulof wurde 1973 in der iranischen Metropole Schiraz geboren und absolvierte ein Studium an der renommierten Universität der Stadt. An der Sooreh University in Teheran wurde er anschließend zum Cutter ausgebildet. Zwischen 1991 und 1999 drehte er sechs kurze semi-dokumentarische Filme und gab 2002 sein Spielfilmdebüt mit „Twilight“, dem Drama um eine Liebe im Gefängnis, das weltweit Anerkennung fand. Der Nachfolger „Iron Island“ (2005), ebenfalls ein Spielfilm, wurde auf Festivals in Avanca, Gijón und Goa prämiert.

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Bahrtalo! Jó szerencsét! Bahrtalo! Good Luck! Internationales Programm Dokumentarfilm

Ungarn, Österreich, Deutschland 2008

Bahrtalo, viel Glück, ist der traditionelle Gruß der Roma, und viel Glück brauchen die beiden sympathischen Querschläger dieses Films auch, um sich durchs Leben zu schlagen. Lali, rumänischer Roma mit breitkrempigem Hut, großem Herzen und einem unwiderstehlich wortreichen Charme, und Lori, ein ungarischer Gadjo, der seinem Freund an Witz und Beredsamkeit in nichts nachsteht. Die beiden machen das, was Osteuropa seinerzeit als nachhaltigste kulturelle Errungenschaft vom Westen übernommen hat: Buizinesss. Oder zumindest versuchen sie, immer unterwegs, den Jack Pot zu knacken. Wie wir alle wissen, ist die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, größer – und so fällt der Gewinn schmal aus oder entfällt auch mal ganz. In Wien, wo sie günstig Computer einkaufen wollen, gibt die Kupplung des Leihwagens ihren Geist auf, und Lali kehrt mit nichts als einem fetten rosa Stoffschwein nach Hause zurück, das er seiner Frau als Pandabär andreht. Der Gewinn einer abenteuerlichen Aktion, in dessen Verlauf Lali seinen Wagen verpfändet und einen Welpen nach Kairo bringt, den die beiden dann an einen Liebhaber deutscher Schäferhunde verkaufen, löst sich in einer Nachtbar in Nichts auf. Und trotz aller Rückschläge verkörpert die Haltung der beiden doch eine fundamentale Lust am Dasein, die dem rentenversicherten Bürger seit jeher ein Rätsel war. Zu schade eigentlich. MH

Bahrtalo, good luck, is the traditional Roma greeting, and that’s what the two loveable scoundrels of this film need to get through life. Lali, a Romanian Roma with a wide-brimmed hat, a big heart and an irresistible way with words, and Lori, a Hungarian Gadjo, his friend’s perfect match in wit and loquacity. The two are in what has been the most sustained cultural achievement Eastern Europe adopted from the West: buizinesss. Or at least they are trying, always about to hit the jackpot. As we all know, one is more likely to be struck by lightning – and so their winnings are meagre or sometimes nonexistent. In Vienna, where they want to buy cheap computers, the rented car’s clutch gives out, and Lali returns home with nothing but a fat pink stuffed toy pig which he palms off on his wife as a panda. The profit from an adventurous plan in the course of which Lali pawns his car and takes a puppy to Cairo which they then sell to a German shepherd fancier vanishes into the thin air of a night club. But despite the setbacks, the two men’s attitude represents a kind of essential joy of life that has always been a mystery to the good citizen with his pension plan. A shame, really. MH

35 mm, Farbe, 80 min. Regie, Buch: Róbert Lakatos Kamera: György Réder Schnitt: Ági Mógor, Ferenc Szabó Produktion: András Muhi, Inforg Studio Vertrieb: Jarmila Outratova, Taskovski Films Kontakt: Taskovski Films, Wentworth Street, E1 7TF London, Vereinigtes Königreich, +44-79-57 10 56 72, festivals@taskovskifilms.com www.taskovskifilms.com

Róbert Lakatos, 1968 im rumänischen Cluj-Napoca geboren, studierte bis 2000 Fernsehproduktion und Fotografie an der Polnischen Filmhochschule in Łodz. Nach seinem Regiedebüt „Land of Silence“ (2003), für das er unter anderem mit dem Preis der ungarischen Filmkritik ausgezeichnet wurde, war er auch mit nachfolgenden Kurz- und Dokumentarfilmen international erfolgreich. 2004 gewann er in Leipzig die Goldene Taube. 2004–2008 lehrte er Filmregie an der Sapientia-Universität Cluj-Napoca. Zur Zeit ist er als Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann für das Duna Muhely Studio und die Inforg Studios in Ungarn tätig. Filmauswahl: Across the Border – Five Views from Neighbors (2004), Moszny (2005)

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Bedragaren The Swindler Zu wahr um schön zu sein: Mitte der 1990er Jahre, keiner weiß mehr, wann es genau gewesen ist, tauchte in Malmö ein Mann mit einnehmendem Wesen auf und machte sich bekannt als Abgesandter des Vatikan. Er hatte die Gabe, schnell Freundschaften zu schließen und Vertrauen zu gewinnen. Im privaten Umfeld glänzte er mit Insider-Kenntnissen über künftige Entwicklungen auf dem Kunstmarkt und gab dieses Wissen auch großzügig (aber immer unter dem Mantel der Verschwiegenheit) weiter. Bald wollten viele zum engeren Kreis dieses weltoffenen, frommen Mannes dazugehören. So wurde dem Geistlichen schließlich eine ganze Menge Geld für gewisse Transaktionen in Sachen Kunst anvertraut, und erst am 9. Juli 1996, als 15 einander fremde Menschen vor der Wohnungstür des guten Freunds und Investmentberaters standen um ihre Rendite kassieren, wurde ihnen klar, dass sie einem raffinierten Blender aufgesessen waren. Mit mehreren Millionen Kronen ihres Ersparten hatte sich der falsche Vatikan-Mann aus dem Staub gemacht. Die Polizei leitete eine nationale Fahndung ein, übergab die Angelegenheit aber schnell an Interpol, die den Mann, der eigentlich György Zemplenyi heißt, bereits in 38 Ländern suchte. Zemplenyi war zum Beispiel 1992 Manager der ungarischen Schwimmer-Nationalmannschaft, welche er um 10 Millionen Dollar Sponsorengelder betrogen hat. Und in Israel hatte er als falscher Diamantenhändler operiert und Geschäftspartner um 25 Millionen Dollar erleichtert … Wo dieser ausgefuchste Schwindler, Interpol führt ihn als Z, heute sein Unwesen treibt, ist ungewiss. RE

Too true to be good: in the mid-1990s, no one remembers exactly when it was, a quite engaging character turned up in Malmö, Sweden and introduced himself as an emissary of the Vatican. He had a gift for making friends and winning people’s confidence. At private occasions, he shone with insider knowledge about the future of the art market, passing on this knowledge generously (but always under wraps). Soon many people wanted to belong to the inner circle around this urbane and pious man. So the clergyman was finally entrusted with a lot of money for certain art transactions, and only on 9 July 1996, when 15 people who had never met before found themselves at the door of their good friend and investment advisor to collect their returns did they realize that they had been duped by a clever fraudster. The fake Vatican employee had vanished with several million kronas of their savings. The police launched a national manhunt, but soon handed over the affair to Interpol where they were already looking for the man, whose real name is György Zemplenyi, in 38 countries. In 1992 for example, Zemplenyi was the manager of the Hungarian national swimming team, whom he defrauded of $ 10 million of sponsorship money. In Israel he operated as a fake diamond merchant and relieved his partners of $ 25 million ... No one knows for certain where this artful conman, known to Interpol as Z, is operating right now. RE

Internationales Programm Dokumentarfilm

Schweden, Finnland, Norwegen 2008 HD, Farbe, 85 min. Regie: Johan Palmgren, Åsa Blanck Animation: Jonas Nilsson Buch: Åsa Blanck, Petter Brundell Kamera: Johan Palmgren Musik: Jon Persson, Christer Linder Schnitt: Petter Brundell Produktion: Åsa Blanck, Modern TV Vertrieb: First hand film Kontakt: Johan Palmgren, Modern TV, Lumaparksvägen 11, 120 30 Stockholm, Schweden, johanpalmgren@gmail.com

Johan Palmgren, 1967 in Lund geboren, studierte an der Malmstens School of Design der Universität Linköping. 1997–2004 war er als Kameramann, Produzent und Reporter tätig. Seit 2004 arbeitet er als Ko-Regisseur regelmäßig mit Åsa Blanck zusammen. Die gemeinsamen Filme „Ebba & Torgny And Love’s Wondrous Ways“ (2003) und „The Substitute“ (2006) wurden auf Festivals prämiert und auch in Leipzig gezeigt. Filmauswahl: Mulishani Mulishani (2000), The New Cinna (2007) Åsa Blanck, Jahrgang 1970, stammt ebenfalls aus Lund und absolvierte ein Studium der Politikwissenschaft und Journalistik. Seit 1996 arbeitet sie für Modern TV, vormals Moderna Tider, als Redakteurin und produzierte die Magazinreihe „Torped“.

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Chuck Jones: Memories of Childhood Chuck Jones: Memories of Childhood Internationales Programm Dokumentarfilm

USA 2008

Ein kleiner Junge steht am Meer und spielt Dirigent. Auf sein Signal hin erheben sich die Seevögel, ziehen die Wellen sich zurück und branden in einer einzigen Woge wieder heran. Alles ist gezeichnet, im Off die Stimme von Chuck Jones (1912–2002). Achtmal war er für den Oscar nominiert, dreimal hat er ihn nach Hause getragen. Grundlage des animierten Dokumentarfilms ist eines der letzten mit Jones geführten Interviews, in dem er über seine Kindheit im Los Angeles der 1920er Jahre erzählt, woher seine Kreativität und Inspiration stammen: Da war das Loch im Zaun der Chaplin-Studios, die sich nur zwei Straßenblöcke weiter befanden; seine Mutter ließ aus Kartoffeln Segelboote werden, damit die spanische Armada in See stechen konnte; die Bücher Mark Twains inspirierten ihn zu der Figur des Wile E. Coyote; wenn sein Vater wieder mal mit einer Geschäftsidee scheiterte, mussten die mit Firmennamen bedruckten Papiere und Blätter aufgebraucht werden ... Die Kindheitserinnerungen Chuck Jones vermischen sich mit seinen später geschaffenen Charakteren Pepé Le Pew, Road Runner, Wile E. Coyote, sowie vor allem Duffy Duck und Bugs Bunny. Die während des Interviews von Jones entstandenen Zeichnungen werden animiert und illustrieren seine Erinnerungen, vermischen sich mit alten Fotos und Filmaufnahmen. Am Ende steht der kleine Junge wieder am Meer, selbst erstaunt über das Wunder, das ihm geschieht. JZ

A little boy is playing orchestra conductor by the sea. At his signal, seabirds soar up, the surf withdraws and surges back in a single wave. Everything is drawn, while we hear Chuck Jones’s (1912–2002) voice off screen, a man who was nominated for the Academy Award eight times and won it three times. This animated documentary is based on one of the last interviews with Jones, in which he talked about his childhood in Los Angeles during the 1920s – the source of his creativity and inspiration: there was the hole in the fence of the Chaplin Studios which were only two blocks from his home. His mother turned potatoes into sailing ships so the Spanish Armada could set sail. Mark Twain’s books inspired the character of Wile E. Coyote; when another of his father’s business ideas failed, letter paper and notes printed with the company’s name had to be used up … Chuck Jones’s childhood memories gradually merge with the characters he was to create: Pepe LePew, Road Runner, Wile E. Coyote and above all Duffy Duck and Bugs Bunny. The drawings created during the interview become animated and illustrate his memories, mixed with old photos and film sequences. At the end the little boy returns to the sea, amazed himself at the miracle that’s happening to him. JZ

Digibeta, Farbe, 26 min. Regie: Peggy Stern Animation: John Canemaker Musik: Ronald Sadoff Schnitt: David Mehlman Produktion: John Canemaker, Peggy Stern, Gladeyes Films Kontakt: Peggy Stern, Gladeyes Films, 535 West 110th Street, 12H, 10025 New York, NY, USA, +1-917-2243992

Peggy Stern, Jahrgang 1957, ist Harvard-Absolventin und arbeitet seit rund 20 Jahren als unabhängige Regisseurin und Filmproduzentin. Viele ihrer Fernseh- und Kinodokumentarfilme sind Kindern und Heranwachsenden gewidmet und beschäftigen sich vor allem mit sozialen und pädagogischen Fragestellungen. 1980–1981 realisierte sie Dokumentarfilme für das staatliche Fernsehen von Simbabwe. Als KoRegisseurin neben Michel Negroponte und Mark Erder gewann sie 1984 mit „Silver Valley“ den Großen Preis des Cinéma du Réel und erhielt 2006 als Producerin und Drehbuchautorin von John Canemakers „The Moon and the Son: An Imagined Conversation“ einen Oscar. Filmauswahl: Stubborn Hope (1985), Stephanie (1986)

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Die Legende von Shiva und Parvati The Legend of Shiva and Parvati Eine Liebesgeschichte zwischen Indien und Deutschland führt uns zurück in die Zeit der Hippies, der Yogis und des LSD. Eine junge Frau aus Schwäbisch-Gmünd will weg aus der familiären Enge, geht nach Indien und verliebt sich dort in Baba, einen Guru. Man nennt ihn Shiva, den Göttlichen. Sie bleibt, heiratet ihn, bekommt Kinder und kehrt schließlich nach Deutschland zurück. Pendelnd zwischen Indien und Deutschland geht ihr heute erwachsener Sohn dieser ungewöhnlichen Beziehung nach. Vater und Mutter sind inzwischen gestorben. Aber ihre Weggefährten geben mehr als die Außenansicht einer Ehe. Viele, die Erleuchtung suchten, hatten sich um Baba geschart und Renate völlig akzeptiert, nannten sie Parvati, gemäß der Legende die Frau des Göttlichen Shiva. „Sie war eine echte Yogi, sie konnte Ewigkeiten so sitzen, 24 Stunden meditieren“, meint Charly, einer von Babas Jüngern. „Baba wusste alles von dir, wenn er dich nur ansah“ und: „Er war frei, absolut kompromisslos“. Bei ihm hatte Renate wohl gefunden, was sie suchte – auch sie brauchte diese Freiheit. Doch dann begann das Streiten. Heute finden wir die Freunde von damals einsam in ihrer jeweiligen kleinen Freiheit. Der eine hat sich angepasst, der andere besteht konsequent auf seinen Idealen. So ergibt sich eine Brücke zwischen Hippieträumen, Spiritualität und Resignation. Und eine wundersame Liebesgeschichte. KF

A love story between India and Germany which takes us back to the age of the hippies, yogis and LSD. A young woman from Schwäbisch-Gmünd, wanting to escape the narrowness of her life at home, travels to India and falls in love with Baba, a guru, who is called Shiva, the Divine. She stays in India, marries him, has children with him and finally returns to Germany. Their adult son, commuting between India and Germany, traces this unusual relationship. His father and mother are dead, but their companions provide more than an outside view of marriage. Many who had looked for enlightenment gathered around Baba and completely accepted Renate who they called Parvati, the wife of divine Shiva according to the legend. “She was a real yogi, she could sit there forever, meditate for 24 hours”, says Charly, one of Baba’s followers. “Baba knew everything about you just from looking at you”, and: “He was free, absolutely uncompromising.” It seems Renate found what she was looking for with him – she, too, needed that freedom. But then they started arguing. Today we find their former friends lonely in their respective little freedoms. One has conformed to the outside world, the other insists on his ideals. A bridge between hippie dreams, spirituality and resignation emerges, as does a beautiful love story. KF

Internationales Programm Dokumentarfilm

Deutschland, Indien 2008 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 85 min. Regie, Buch: Krishna Saraswati Kamera: Wolfgang Busch Musik: Roman Bunka, Florian Schiertz Schnitt: Sascha Seidel Produktion: Andreas Perzl Koproduktion: Filmakademie Baden-Württemberg Kontakt: Andreas Perzl, Nymphenburger Str. 44, 80335 München, Deutschland, +49-89-20 31 43 96, andreasperzl@gmx.de www.shiva-parvati-film.de

Krishna Saraswati wurde 1980 im indischen Teil des Himalaya geboren und verbrachte dort die ersten Jahre seiner Kindheit. Für den Schulbesuch kam er mit Mutter und Schwester nach Deutschland und entdeckte in dieser Zeit sein Interesse für die Fotografie. Nach Abitur, Zivildienst und verschiedenen Praktika bei Film und Fernsehen nahm er ein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg auf. Sein kurzer Animationsfilm „Countdown“ (2004) wird auf internationalen Festivals gezeigt und prämiert. Filmauswahl: Left My Baby (2005)

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Életek éneke Song of Lives Internationales Programm Dokumentarfilm

Ungarn 2007

Zur Beerdigung im ungarischen Siebenbürgen, dem heutigen Rumänien, kommen die verschiedensten Zigeunermusiker zusammen, um ihrem großen Meister das letzte Geleit zu geben. Um das Grab geschart stehen sie und spielen ihre fröhliche und zugleich melancholische Musik. Eine Musik uralter Tradition, die von Generation zu Generation übers Hören und Nachahmen weitergegeben wurde. Schon die Kleinsten stehen daneben und fideln mit einem Ast auf ihrem Arm. Wenn sie spielen, haben sie nur glückliche, wache Gesichter, sie strahlen Kraft und Lebenslust aus. Niemand sieht ihnen an, was sie schon hinter sich haben, wie ihnen der Alltag zusetzt. Die Frauen, der Alkohol, die Armut – jeder hat so seine Geschichte, die nicht nach Ruhm und Reichtum klingt. Offen reden sie von ihrem Leben, von den Schicksalsschlägen, die sie gezeichnet haben, und vom Alkohol, der manchen schon ins Grab gebracht hat. Doch wenn sie spielen, scheint alles Schwere vergessen: „Wenn du die Musik nicht liebst, kannst du nicht spielen.“ Eine Reise von Dorf zu Dorf, von Leben zu Leben, auf den Spuren dieser archaischen, kraftvollen Musik, zu der es ebenso alte Tänze gibt, die Jung und Alt mit kaum enden wollender Energie stampfen. Ein Rausch, der jeden erfasst, selbst das verwöhnte Pariser Publikum bei einem Konzert, das all die versprengten Musiker und Tänzer aus den abgelegensten Dörfern in Siebenbürgen vereint in der Fremde. KF

Various Gipsy musicians flock to a funeral in the formerly Hungarian and now Romanian county of Transylvania in order to pay their last respects to their great master. Gathered around the grave, they play their merry yet melancholic music. It’s an ancient musical tradition which was passed from generation to generation by listening and imitation. Even the tiniest children are standing there, with a piece of wood for a bow and their arm for a fiddle. When they play, their faces are happy and awake; they radiate power and joy of life. No one sees what they have lived through, how their daily life wears them down. Women, alcohol, and poverty – everyone has their story and none of them feature wealth and fame. They talk openly about their lives, of the blows of fate that marked them and the alcohol which killed many of them. But when they are playing, they seem to forget all hardship: “If you don’t love music, you cannot play.” A journey from village to village, from life to life, tracing this archaic, powerful music which has its own, just as ancient dances, stomped by young and old with almost inexhaustible energy – a frenzy that spreads to everyone, even the sophisticated Parisian audience at a concert which unites all the scattered musicians and dancers from the most remote Transylvanian villages in a foreign country. KF

35 mm, Farbe, 100 min. Regie: Csaba Bereczki Kamera: Tibor Nemes Schnitt: Réka Lemhényi Produktion: Tamás Tolmár Kontakt: Dialóg Filmstúdió, Róna u. 174, 1145 Budapest, dialog@dialogfilm.hu www.eletekeneke.hu

Csaba Bereczki wurde 1966 in Nagyvárad im rumänischen Teil des Banat geboren. Er studierte bis 1987 Architektur an den Universitäten Temesvár und Budapest und graduierte 1993 in Filmregie an der Akademie für Theater und Film in Budapest. Danach entstanden erste Dokumentarfilme, zunächst für das ungarische Fernsehen. Im Anschluss an einen einjährigen Stipendienaufenthalt in Paris, heute sein ständiger Wohnsitz, arbeitete er dort bis 1998 als Regieassistent, unter anderem für Tony Gatlif und Marco Ferreri. Seit einigen Jahren ist er auch als Producer tätig, unter anderem für den Publikums- und Festivalerfolg „Hukkle – Das Dorf“ (2002). Er ist Mitglied der European Fim Academy. Filmauswahl: Znorko (1994), Song of Fools (2003), The Two Bolyais (2006), The Fireorgue (2008)

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FLicKeR FLicKeR Kurt Cobain hatte eine, die Rolling Stones, und für William S. Burroughs war sie unverzichtbar: die „dream machine“. Ein Zylinder mit Aussparungen, der um eine Glühbirne rotiert und mittels stroboskopischer Lichteffekte bestimmte Bereiche im Hirn stimuliert, wenn man mit geschlossenen Augen davor sitzt. Für ihren Erfinder Brion Gysin war sie eine Möglichkeit, die Wahrnehmung der Menschen nachhaltig zu verändern, für die Beat Generation die einer spirituellen Bewusstseinserweiterung oder einfach, ohne Drogen high zu sein. Der Filmemacher Nik Sheehan baut sich eine solche Maschine und besucht damit frühere Wegbegleiter Gysins wie Kenneth Anger oder Marianne Faithful sowie Autoren, Wissenschaftler und Kunstexpert/innen. Er zeichnet das Porträt einer schillernden, aber tragischen Künstlerpersönlichkeit, die immer mit Identitäten experimentierte und dabei Erfindungen machte, mit denen andere berühmt wurden. Mit einer Fülle von Archivmaterial ersteht ein lebendiges Bild der New Yorker Village-Kultur und ihrer Protagonisten. Doch was wäre ein Film über die „dream machine“ ohne eine flickernde Reise ins Unbewusste? Sheehan versucht, das „Fenster in ein magisches Universum“ auf der Leinwand visuell und akustisch zu öffnen. Die selbstgebastelte „dream machine“ wird zum furiosen Ende von Iggy Pop ihrem Zweck zugeführt und alles ist „like touching God“. GL

Kurt Cobain had one, the Rolling Stones, too, and it was indispensable to William S. Burroughs: the “dream machine”. A cylinder with cut-outs, rotating around a light bulb and, by means of stroboscopic effects, stimulating certain areas of the brain of a person sitting in front of it with eyes closed. For its inventor Brion Gysin it was a chance to change human perception forever, for the Beat Generation it was a chance to spiritually expand their consciousness or simply get high without drugs. The filmmaker Nik Sheehan built such a machine and took it to see former companions of Gysin, like Kenneth Anger or Marianne Faithful, as well as writers, scientists and art experts. He paints the portrait of a dazzling but tragic artistic personality who kept experimenting with identities and in the process invented things that made others famous. With a wealth of archive material, he creates a living picture of the New York Village culture and its protagonists. But what would a film about the “dream machine” be without a flickering journey into the unconscious? Sheehan tries to open the “window to a magical universe” on screen on the visual and audio level: In a rousing conclusion, the homemade “dream machine” is used for its original purpose by Iggy Pop and everything is “like touching God”. GL

Internationales Programm Dokumentarfilm

Kanada 2007 Beta SP (PAL), Farbe, 75 min. Regie, Buch: Nik Sheehan Musik: Edmund Eagan Schnitt: Caroline Christie, Miume Jan Eramo Produktion: Maureen Judge, Makin’ Movies Inc. Vertrieb: Johanne St-Arnauld, National Film Board of Canada Kontakt: Madeleine Bélisle, National Film Board of Canada, 3155 Côte-de-Liesse, H4N 2N4 Saint-Laurent, Quebec, Kanada, +1-514-2 83 98 05, festivals@nfb.ca

Der in Toronto lebende Filmemacher und Journalist Nik Sheehan, Jahrgang 1960, stammt ursprünglich aus London. 1985 wird er mit „No Sad Songs“, dem weltweit ersten größeren Dokumentarfilm über AIDS, international bekannt. Zuletzt drehte er vor allem Künstlerbiographien, zuletzt über den kanadischen Zeichner und Lehrer Paul Young. Filmauswahl: Symposium. Ladder of Love (1995), God’s Fool (1997), The Drawing Master (2005)

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Fritsud ja blondiinid Nazis & Blondes Internationales Programm Dokumentarfilm

Estland, Lettland 2008

An einem abgelegenen mittelalterlichen Schloss sind ältere Herrschaften vor einem uniformierten Führer angetreten, um sich zur Preisverleihung für den Besten Nazi – den „Ring des Nibelungen“ – zu begeben … In einem makaber-gruseligen Setting, in das er Interviews und Filmausschnitte geschickt einbaut, geht Arbo Tammiksaar dem Phänomen des Feindbilds nach. Im sowjetischen Kino, das den Kriegsfilm zum massenhaft konsumierten Unterhaltungsgenre machte, war es baltischen Schauspielern vorbehalten, die Rollen der „Fritzen“, Nazis, Arier, Ausländer – also des Feindes schlechthin – zu geben. Was sie mit ambivalenten Gefühlen, aber doch bereitwillig taten, galt ihnen doch der Deutsche an sich als kultiviert, von Geld und Ruhm ganz abgesehen. Eine ästhetische Praxis mit fatalen politischen Folgen: Bis heute werden die Balten als Sympathisanten des Faschismus dargestellt – gern auch von großrussischen Medien. Wie werden Stereotype konstruiert? Was heißt es, die Personifizierung des Feindes zu sein? Und inwiefern kommt der Kunst und den Schauspielern Verantwortung zu? Gibt es einen Unterschied zwischen der Ausführung einer Regieanweisung und eines Befehls? Intelligent, mutig und informativ – ein Film also mit Seltenheitswert. GL

A group of elderly ladies and gentlemen have gathered in front of a remote medieval castle to attend the Best Nazi award ceremony – the “Ring of the Nibelung” ... Arbo Tammiksaar explores the phenomenon of the concept of the enemy in a macabre, spooky setting into which he ingeniously inserts interviews and film clips. In Soviet cinema, which turned war films into an entertainment genre for mass consumption, the part of the “Kraut”, Nazi, Aryan, foreigner – in other words, the enemy per se – was usually reserved to Baltic actors. It was something they did with mixed feelings but readily, since they regarded the Germans as such as cultured people – not to mention money and celebrity. An aesthetic practice with disastrous political consequences: Until today, Baltic people tend to be represented as sympathising with fascism – and the Greater Russian media are particularly prone to do this. How are stereotypes constructed? What does it mean to be the personification of the enemy? And what is the responsibility of art and the actors in this? Is there a difference between executing a stage direction and a command? Intelligent, courageous, informative – which makes this a film a rare commodity. GL

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 58 min. Regie, Schnitt: Arbo Tammiksaar Buch: Arbo Tammiksaar, Andrei Hvostov Kamera: Rein Kotov, Mart Taniel Produktion, Vertrieb: Jaak Kilmi, Kuukulgur Film Koproduktion: Askolds Saulitis, Subjektiv Filma, Lettland Kontakt: Tristan Priimägi, Uus 3, 10111 Tallinn, Estland, tristan@efsa.ee www.nazisandblondes.com

Arbo Tammiksaar, 1971 in Vändra geboren, studierte Biologie an der Universität in Tartu, Keramik an der Estnischen Kunstakademie und schloss 2001 mit „Sweet Dreams“ das Film- und Video-Studium an der Pädagogischen Hochschule in Tallinn ab. Bereits während dieser Studienjahre realisierte er über zehn Filme. Neben der Arbeit an eigenen Filmprojekten ist er als Videound Fotokünstler auf internationalen Ausstellungen präsent, darunter 2004 in „Faster than History“ im Kiasma Museum für zeitgenössische Kunst Helsinki sowie bei „Fantastiline realism“ in der Kunsthalle Tallinn.

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Fuera de liga Dreaming in Blue Am 12. Januar 2008 um 20.15 Uhr fand in Kuba eine kleine Revolution statt. Das staatliche Fernsehen zeigte mit „Dreaming in Blue“ einen Film, der über fünf Jahre in den Giftschränken der Zensurbehörde weggeschlossen war. Warum? Weil in diesem Film über den kubanischen Baseball auch solche Spieler zu Wort kommen, die Kuba verlassen hatten, um in der amerikanischen Profiliga ihr Glück zu suchen. In der offiziellen Lesart „Verräter“, deren Namen nie wieder in den Medien auftauchen durften. Der Regisseur wagte es auch, die miserablen Bedingungen anzusprechen, unter denen die Spieler leben und trainieren müssen. Doch kommt die Kritik untergründig daher, mit einer gehörigen Portion Humor, Ironie und einem Tempo, das dem des Spiels entspricht. Im Mittelpunkt steht das Hauptstadtteam, die „Industriales“ oder „Blues“, wie sie von den Fans wegen ihres blauen Trikots auch liebevoll genannt werden. Die „Blues“ sind die Bayern Kubas, eine fröhlich gelebte Hassliebe, die diesen mutigen Film über das Baseball-verrückte Kuba durchzieht. Man kann seine Frau wechseln oder seine politischen Ansichten, hören wir an einer Stelle, aber man wechselt niemals sein Team. Als der Film 2005 vom Festival des Neuen Kinos in Kuba verbannt wurde, erschien das Filmteam zur Eröffnungszeremonie in den blauen Baseball-Shirts der „Industriales“. Protest kommt in Kuba selten direkt, aber er wirkt, früher oder später. MH

On 12 January 2008 at 8.15 p.m., a small revolution took place in Cuba. Its National Television was broadcasting “Dreaming in Blue”, a film that had been locked up in the censorship office’s poison cabinet for five years. Why? Because this film about Cuban baseball also featured players who had left Cuba to try their luck in the Major League. Officially they were branded as “traitors”, whose names were never allowed to appear in the media again. The filmmaker also dared to address the players’ miserable living and training conditions, though the criticism is veiled by a generous dose of humour, irony and a tempo that corresponds to that of the game. The film revolves around the capital’s team, the “Industriales” or “Blues”, as they are called by their fans because of their blue jerseys. The “Blues” are the Cuban equivalent of Bayern München, a love-hate relationship everyone enjoys and which pervades this courageous film about baseball-crazy Cuba. You can change your wife or your political views, we hear once, but you never change your team. When the film was banned from the Havana Film Festival in 2005, the crew turned up at the opening ceremony wearing the blue jerseys of the “Industriales”. Protest in Cuba is rarely straightforward, but it works – sooner or later. MH

Internationales Programm Dokumentarfilm

Kuba 2008 Beta SP (PAL), Farbe und s/w, 70 min. Regie, Buch: Ian Padrón Kamera: Ernesto Granado Musik: Buena Fe Schnitt: Luis Najmias Produktion: Ian Padrón, ICAIC Vertrieb: Camilo Vives, ICAIC Kontakt: Ian Padrón, ICAIC, Calle 23 No 1155 Vedado Plaza, 10400 Havanna, Kuba, fueradeligafilm@yahoo.com www.cubacine.cu

Ian Padrón, 1976 als Sohn des bekannten Animationsfilmers Juan Padrón in Havanna geboren, ist Absolvent des Instituto Superior de Arte, wo er 2001 mit dem Kurzfilm „Motos“ abschloss. Mehrere Jahre wirkte er als Drehbuchautor an Animationsfilmserien des Instituto Cubano de Arte e Industria Cinematográficos (ICAIC) mit. Er führt Regie bei Videoclips für kubanische Bands und wurde 2001 für das Musikerporträt „Luis Carbonell. Después de tanto tiempo“ auf dem Festival del Nuevo Cine Latinoamericano ausgezeichnet. Filmauswahl: Fajáo con los leones (1999), Eso habría que verlo, compay (1999)

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Geschichten vom Essen Stories of Food and Eating Internationales Programm Dokumentarfilm

Deutschland 2008

Kann sich ein Dokumentarfilmer in den Ruhestand begeben und Pensionär werden? HansDieter Grabe hatte dies fest vor. 2006 widmete DOK Leipzig dem Altmeister des deutschen Dokumentarfilms anlässlich seines 70. Geburtstags eine Hommage, die ausgewählte Werke aus dem Œuvre des behutsamen Beobachters menschlicher Lebensläufe umfasste. Als 3sat und DOK Leipzig dann im vergangenen Jahr die Ausschreibung „Mein Leben in Sicherheit“ veröffentlichten, traf diese Grabe mitten ins Herz. Er rückte den Pensionärssessel zur Seite, setzte sich an die Schreibmaschine und bewarb sich mit der Idee zum Film „Geschichten vom Essen“. Allen, die sein Exposé lasen, war klar, dass er diesen Film machen müsste. Denn ihm lag die elementare Erfahrung des Regisseurs und vieler seiner wichtigsten Protagonisten zugrunde, dass es Sicherheit nur geben kann, wenn man zu essen hat. Für diesen Film hat Hans-Dieter Grabe sein Archiv geöffnet und Szenen aus früheren Filmen mit einer autobiografischen Skizze verwoben. Das Ergebnis ist eine erschütternde Reflexion über die Grundbedürfnisse des Menschen und eine Ehrerbietung an seine Protagonisten. Grabe verdichtet die Erzählungen zu einer kollektiven Jahrhunderterfahrung aus Krieg, Holocaust und Zerstörung und entlässt uns dennoch mit der Erkenntnis, dass der Mensch die Kraft hat, zu überleben und seine Würde zu bewahren. CD

Can a documentary filmmaker really retire to live the life of a pensioner? That was Hans-Dieter Grabe’s plan, anyway. In 2006, on the occasion of his 70th birthday, DOK Leipzig dedicated a tribute programme to the grand old man of German documentary filmmaking which included selected works from the oeuvre of this gentle observer of human lives. However, when 3sat and DOK Leipzig published the call for entries for “My Life in a Safe Place” last year, it went straight to Grabe’s heart. He pushed the pensioner’s easy chair into a corner, sat down at his typewriter and submitted the idea for the film “Stories of Food and Eating”. Everyone who read the treatment realised that he had to make this film, because it was based on the director’s and many of his most important heroes’ fundamental knowledge that feeling safe is only possible if you have enough to eat. Hans-Dieter Grabe opened his archive for this film, interweaving scenes from former films with an autobiographical sketch. The result is a deeply moving reflection on basic human needs and a tribute to his protagonists. Grabe condensed the narrative into a collective century of experience of war, Holocaust and destruction and still leaves us with the realization that humankind has the strength to survive and to preserve its dignity. CD

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 60 min. Regie, Buch: Hans-Dieter Grabe Kamera: Fritz Adam, Horst Bendel, Hermann Görsdorf, Hans-Dieter Grabe, Klaus Kuschke, Wilhelm Rissleben Musik: Arvo Pärt Schnitt: Carla Sperber Produktion: Dietmar Schuler, ZDF/3sat Vertrieb: ZDF Enterprises GmbH Kontakt: Inge Classen, ZDF/3sat, ZDF-Straße 1, 55118 Mainz, Deutschland, classen.i@zdf.de

Hans-Dieter Grabe, 1937 in Dresden geboren, studierte 1955–1959 Regie an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, übersiedelte jedoch vor dem Abschluss in die BRD. 1960–1962 arbeitete er als Redakteur für das Fernsehen des Bayerischen Rundfunks in München und anschließend beim ZDF in Mainz. Für seine Dokuporträts, häufig Langzeitstudien, erhielt er zwei Adolph-GrimmePreise, zwei Robert-GeisendörferPreise, den Friedenspreis der Berlinale sowie 2002 das Bundesverdienstkreuz. Seit 1992 ist Grabe Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Filmauswahl: Die Trümmerfrauen von Berlin (1968), Mendel Schainfelds zweite Reise nach Deutschland (1972), Drei Frauen aus Poddembice (1995), Diese Bilder verfolgen mich – Dr. med. Alfred Jahn (2002)

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Glorious Exit Glorious Exit Man kann es drehen und wenden, wie man will: Ein Trauerfall bedeutet zu allererst Stress. Stress mit den Hinterbliebenen, der Versicherung, dem Begräbnisinstitut – was auch immer. Doch als Erstgeborener einer schweizerisch-nigerianischen Ehe den in Nigeria verstorbenen Vater zu beerdigen, ist eine ganz andere Geschichte. Jarreth lebt als Theaterschauspieler in Los Angeles, hat wenig Geld – und er hat keine Chance, denn die Tradition verlangt, dass er das Begräbnis leitet. So findet er sich, dem kalifornischen Traum entrissen, unvermutet im nigerianischen Enugu wieder, wo es brütend heiß ist, das Trinkwasser abgekocht wird und der Vater seit drei Monaten in einer schlecht gekühlten Leichenhalle auf seinen letzten Gang wartet. Es warten auch die vielen Verwandten, die in erster Linie kein Geld haben. Der beharrliche Angriff auf sein Portemonnaie, Aberglaube, traditionelle Riten und Willkür beherrschen fortan die Geschehnisse. Der Höhepunkt dieser hinreißenden „culture-clash“-Geschichte ist das Begräbnis selbst, als der Clan mütterlichseits, dem der Körper des Verstorbenen gehört, mit Boykott der Feierlichkeiten droht, da die Kuh, die natürlich Jarreth bezahlt hat, kein angemessenes Geschenk darstellt. Oder war es eine Ziege? Wie auch immer – am Ende des Tages ist der Tote begraben, die Clans zufrieden und Jarreth hat eine Familie gewonnen. Was sind da schon 900 Euro Schulden? MH

Whichever way you look at it, bereavement is first and foremost a lot of stress: with the bereaved ones, the insurance, the undertaker – anything. But being the first-born son of a Swiss-Nigerian marriage and burying your father who died in Nigeria is a different story. Jarreth is a theatre actor in Los Angeles who doesn’t have much money – and no chance at all, because tradition demands that he must preside over the funeral. So he finds himself suddenly whisked from his Californian dream and deposited in the Nigerian town of Enugu, where the weather is unbearably hot, drinking water must be boiled and his father has been waiting for his last journey in a badly air-conditioned morgue for the last three months. His numerous relatives whose prime characteristic is lack of money have also been waiting. From now on, events are dominated by persistent attacks on his purse, superstitions, traditional rites and arbitrariness. The climax of this captivating “culture-clash” story comes with the funeral itself, when the maternal clan who by rights own the body of the deceased threaten to boycott the celebrations because the cow – of course paid for by Jarreth – does not constitute an adequate gift. Or was it a goat? Anyway, at the end of the day the body is buried, the clans are satisfied and Jarreth has gained a family. What’s a debt of 900 euros compared to that? MH

Internationales Programm Dokumentarfilm

Schweiz 2007 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 75 min. Regie, Buch, Kamera: Kevin Merz Musik: Fela Kuti, Guy Warren, Sixtoo, Sidewinders, Samir Samperisi Schnitt: Samir Samperisi Produktion: Tiziana Soudani, Amka Films Productions SA Koproduktion: Luisella Realini, RTSI Vertrieb: Adriana Chiesa di Palma, Adriana Chiesa Enterprises Kontakt: Tiziana Soudani, Amka Films Productions SA, Via Sole 2, 6942 Savosa, Schweiz, +41-91-967 40 76, tiziana@amka.ch

Kevin Merz, 1978 in der Schweiz geboren, studierte 1998–1999 am Istituto Italiano di Fotografia in Mailand, sammelte anschließend Erfahrungen als Regieassistent in Berlin und Zürich und war als Kameramann sowie 2003–2004 als Filmemacher in Ghana tätig. 2004–2005 studierte er an der Los Angeles Film School. Zur Zeit lebt Kevin Merz in Lugano. Filmauswahl: Akwabaa (2001), Rekrutenschule Schweiz (2003), Sankofa (2004), Ghanaba (2005), Shipwreck (2006)

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Harlan – Im Schatten von „Jud Süß“ Harlan – In the Shadow of “The Jew Süss“ Internationales Programm Dokumentarfilm

Deutschland 2008

„Jud Süß,“ inszeniert von Veit Harlan, steht als Synonym für die antijüdische Propaganda während des Naziregimes. Aufgrund seines antisemitischen Inhalts ist der Film heute nur noch mit Kommentar und unter Auflagen zu sehen. Als einziger Regisseur wurde Harlan nach dem II. Weltkrieg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt und – freigesprochen. Der Film „Jud Süß“, der ihm sämtliche Türen während der Nazizeit geöffnet hatte, überschattete sein späteres Leben. Trotzdem führte er als der bekannteste Filmemacher des Dritten Reichs auch nach Kriegsende, scheinbar ungebrochen, weiter Regie, bis er 1964 auf Capri starb. Mehr als 100 Millionen Menschen in ganz Europa sahen seine Filme. Der Dokumentarfilm nähert sich Veit Harlan und seinem Werk mit zahlreichen Filmausschnitten und in Interviews mit seinen Kindern und Enkelkindern. Sie sprechen über den Vater, Großvater, reflektieren seine große Zeit als Regisseur und den Einfluss auf das eigene Leben. Die Interviewten schwanken zwischen Vaterliebe, dem Versuch zu verstehen und Scham sowie völliger Ablehnung und Unverständnis. Die unterschiedlichen Perspektiven der zweiten und dritten Generation eröffnen dem Zuschauer eine neue Sicht auf den persönlichen Umgang mit Geschichte und unterscheiden diesen Film von gängigen historischen Dokumentationen. AS

“Jud Süß“, directed by Veit Harlan, is a synonym for anti-Jewish Nazi-propaganda. Because of its anti-Semitic content, the film may be shown only with a commentary and under certain conditions today. Harlan was the only filmmaker who was tried for crimes against humanity after WWII – and acquitted. The film “Jud Süß” that opened all doors to him during the Nazi era later overshadowed his whole life. Still, the most famous filmmaker of the Third Reich continued to make films, apparently unperturbed, well after the end of the war, until he died on Capri in 1964. More than 100 million people across Europe saw his films. This documentary approaches Veit Harlan and his work through numerous film excerpts and interviews with his children and grandchildren. They talk about their father or grandfather, reflect on his heydays as a filmmaker and his influence on their own lives. The interviewees’ attitudes range from love for their father, the attempt to understand, and shame to complete rejection and lack of understanding. The different viewpoints of the second and third generation give the spectator a fresh perspective on a personal approach to history and distinguish this film from established historic documentary formats. AS

HD, Farbe und s/w, 98 min. Regie, Buch: Felix Moeller Kamera: Ludolph Weyer Musik: Marco Hertenstein Schnitt: Anette Fleming Produktion, Vertrieb, Kontakt: Amelie Latscha, Blueprint Film GmbH, Montgelasstraße 37, 81679 München, Deutschland, +49-89-8 90 91 86 33, latscha@blueprintfilm.de

Felix Moeller, Jahrgang 1965, studierte Geschichte, Politik und Kommunikationswissenschaft an der Universität München und der Freien Universität Berlin, wo er 1994 promovierte. 1995–1998 arbeitete er in der Stoffentwicklung bei Studio Babelsberg und Rosco Film in Potsdam und wirkte 1999/2000 als Mitarbeiter der Stiftung Deutsche Kinemathek an der Konzeption der Dauerausstellung im Filmmuseum Berlin mit. Als historischer Berater wurde er zu zahlreichen Dokumentar- und Spielfilmen hinzugezogen, darunter der Emmy-Gewinner „Die Macht der Bilder – Leni Riefenstahl“ (1992). Moeller veröffentlicht Bücher und Beiträge zur Filmgeschichte und dreht seit 2003 Dokumentarfilme. Filmauswahl: Die Verhoevens (2003), Knef – Die frühen Jahre (2005)

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In die Welt Into the World Die Geburt eines Menschen ist harte Arbeit – für die Mutter, das Baby und alle, die mithelfen. Zugleich geschieht auch immer wieder ein unfassbares Wunder, dass sich unserer Ratio entzieht. In diesem Spannungsfeld bewegt sich Constantin Wulff mit seinem bewegenden Dokumentarfilm, in dem er den Alltag einer Geburtsstation in Wien beobachtet. Während er verschiedene Frauen von den ersten Ultraschalluntersuchungen bis hin zum großen Moment der Geburt begleitet, erliegt Wulff nicht der Versuchung, seine Zuschauer mit einer Dramaturgie der Ereignisse zu fesseln oder sich den großen Emotionen hinzugeben, die sich im Prozess der Geburt entfalten. Es ist der Apparat, der ihn interessiert, das Nebeneinander vom dramatischen In-die-Welt-Kommen und den profanen Abläufen einer Klinik, die vor allem eins muss – funktionieren. So zeichnet er mit den Mitteln des Direct Cinema und ganz in der Tradition des großen amerikanischen Dokumentarfilmers Frederick Wisemann das differenzierte Porträt einer Institution und erzeugt dennoch ein Wechselbad der Gefühle, dem man sich nur schwer entziehen kann. CD

Childbirth is hard work – for the mother, the baby and all helpers. At the same time, it is an intangible miracle that reason cannot grasp. Constantin Wulff’s moving documentary, in which he observes the day-today events at a maternity ward in Vienna, is situated in this ambivalent space. Following various women from the first ultrasound scan to the great moment of birth, Wulff doesn’t cave in to the temptations of capturing the audience with a plotted sequence of events or giving in to the deep emotions generated by the process of birth. What he is interested in is the system, the parallels of dramatic births and the banal procedures of a hospital that must do one thing first and foremost – function. Using a Direct Cinema approach in the tradition of the great American documentary filmmaker Frederick Wiseman, he draws a precise and detailed portrait of an institution and yet produces an emotional roller coaster ride that is hard to evade. CD

Internationales Programm Dokumentarfilm

Österreich 2008 35 mm, Farbe, 88 min. Regie, Buch: Constantin Wulff Kamera: Johannes Hammel Schnitt: Dieter Pichler Produktion: Johannes Rosenberger, Navigator Film Vertrieb: Peter Jäger, Autlook Filmsales Kontakt: Johannes Rosenberger, Navigator Film, Schottenfeldgasse 14, 1070 Wien, Österreich, +43-1-5 24 97 77 15, j.rosenberger@navigatorfilm.com www.filmvideo.at

Constantin Wulff, Jahrgang 1962, wuchs in der Schweiz auf und studierte an der Wiener Filmakademie. 1992 war er Mitbegründer von Navigator Film, 1995–1997 Mitglied der Auswahlkommission der Duisburger Filmwoche und 1997–2003 Ko-Leiter der „Diagonale – Festival des österreichischen Films“ in Graz. Als Kurator stellte er unter anderem Filmretrospektiven von Marcel Ophüls und Harun Farocki zusammen, ist Berater für mehrere renommierte Dokumentarfilmfestivals sowie Mitherausgeber von Büchern zu Film und Kino. Constantin Wulff lebt in Wien und ist seit 2008 Obmann von „dok.at“. Filmauswahl: Spaziergang nach Syrakus (1993), Heldenplatz, 19. Februar 2000 (2002)

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

Kalot HaMidbar Desert Brides Internationales Programm Dokumentarfilm

Israel 2008

Ungefähr vierzig Prozent der Beduinenfrauen in der Wüste Negev in Israel leben in polygamen Ehen. Am Beispiel dreier Frauen gibt der Film Einblicke in diese geschlossene Gesellschaft. Mariam, eine von ihnen, ist Hochzeitsfotografin. Sie lebt in fortwährender Angst, dass ihr Ehemann eine zweite Frau suchen könnte. Die beiden anderen Frauen hatten keine Wahl: Da die eine geschieden, die andere mit 29 Jahren zu alt ist, mussten sie bereits verheiratete Männer ehelichen. Sie leiden darunter, aber machen der ersten Frau auch das Leben schwer. Die porträtierten Frauen sind selbstbewusst und gebildet und heißen das System nicht gut. Aber die sozialen Zwänge sind so stark, dass sie es unterstützen, indem sie kooperieren. Die Hochzeiten, auf denen Mariam fotografiert und filmt, zeigen, dass hinter all dem Brautgold und Glitzer bereits an diesem ersten Tag der Ehe eine Traurigkeit im Gesicht der Bräute liegt, die einen nachdenklich stimmt. Ein System, unter dem alle leiden, aber aus dem niemand ausbricht. AS

Approximately forty percent of the Bedouin women in the Negev desert in Israel live in polygamous marriages. The film takes the examples of three women to give us an insight into this closed society. Miriam, one of them, is a wedding photographer. She lives in constant fear that her husband might start to look for a second wife. The other two women had no choice: Since one of them is divorced, the other, at the age of 29, too old, they had to marry men who were already married. They suffer, but they also make life hard for the first wives. The women portrayed in this film are confident and well-educated and do not approve of the system. But social constraints are so strong that they support it by cooperating. The weddings that Miriam photographs and films show that behind all the bridal gold and glitter, there is a sadness in the brides’ faces even on the first day of their marriage that makes one think. Everyone suffers under the system, but no one breaks free. AS

Beta SP (PAL), Farbe, 85 min. Regie, Buch: Ada Ushpiz Kamera: Danor Glazer Musik: Eli Soorani Schnitt: Ron Goldman Produktion: Ada Ushpiz, AU Films Vertrieb: Hedva Goldschmidt, Go2Films Kontakt: Hedva Goldschmidt, Go2Films, 37/8 Isar Nathanzon St., 97787 Jerusalem, Israel, +972-2-5 83 13 71, rena@go2films.com http://www.go2films.com

Die Dokumentarfilmerin und Journalistin Ada Ushpiz studierte zunächst bis 1970 Literatur und Philosophie an der Universität von Tel Aviv, beendete 1974 das Regiestudium an der London Film School und schloss 1988 ein weiteres Studium der Geschichte ab. 1969–1999 war sie Redakteurin im Bereich Bildung und Sozialpolitik für die israelische Tageszeitung Haaretz. In den 1970er und 80er Jahren produzierte sie daneben Dokumentarfilme für das israelische Fernsehen. Ihr Film „Asurot“, eine Gemeinschaftsarbeit mit Anat Even, gewann unter anderem 2001 in Leipzig die Goldene Taube. Filmauswahl: Laila Shlawit (1976), White Bridge (1978), Four Stories (1980), Not as Sheep to the Slaughter (1986), Blood Engagement (2004)

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Katastrofin aineksia Recipes for Disaster „Wenn du den Leuten die Wahrheit sagen willst, tu es gefälligst lustig, sonst bringen sie dich um“, dieses Motto Billy Wilders dient auch den Filmen von John Webster als Antrieb. In „Recipes for Disaster“ unternimmt der Filmemacher mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ein Jahr lang eine bizarre „Entziehungskur“: auf alle Produkte oder Aktivitäten, bei denen Erdöl im Spiel ist, soll verzichtet werden. Hält man sich strikt an die selbstauferlegte Regel, wird die Liste der Einschränkungen unübersehbar lang, und vor allem gerät man immer dann besonders schön ins Stolpern, wenn man sich völlig in Sicherheit wiegt: So ist das Lieblingsshampoo doch völlig gefahrenfrei, oder etwa nicht? Und was ist mit der lustigen Plastikfigur, die da aus der CornflakesSchachtel purzelt? Gar nicht zu reden von der geplanten Reise. Über 13 Kapitel setzt sich „Recipes for Disaster“ mit Klimawandel und Treibhauseffekt auseinander, und vor allem mit denjenigen, die da an vorderster Front als Akteure mit dabei sind und zugleich nichts damit zu tun haben (wollen): Uns. Aber selbst dieses „Uns“ klingt Webster noch nicht persönlich genug: „It’s you and me, baby. We’re the real bad guys“, sagt er zu seiner Frau Anu – und man weiß nicht, ob die heraufziehende Ehekrise nur Teil des dokumentarischen Spiels ist, oder ob man sich schon richtig sorgen muss … Die Abhängigkeit eines durchschnittlichen Mitteleuropäers vom Öl wird erst deutlich, wenn er versucht, sie loszuwerden. Mit hintergründigem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie fächert John Webster auf, mit welch naiver Inbrunst wir an dem Ast sägen, auf dem wir selber sitzen. RE

“If you’re going to tell people the truth, be funny or they’ll kill you.” Billy Wilder’s motto is also the driving force behind John Webster’s film. In “Recipes for Disaster”, the filmmaker, his wife and two kids, are following a bizarre “withdrawal treatment” for a year: they must do without any product and activity connected with oil. If you observe the self-imposed rule strictly, you end up with an endless list of restrictions, and the catch is that you are on particularly dangerous ground whenever you feel absolutely safe: One’s favourite shampoo is absolutely risk-free, isn’t it? What about the funny plastic figurine that tumbles out of one’s carton of cornflakes? Not to mention the planned trip. In 13 chapters, “Recipes for Disaster” deals with climate change and the greenhouse effect, but mostly with those who are front line actors in this drama and yet don’t (want to) have anything to do with it: us. But even this “us” doesn’t sound personal enough to Webster: “It’s you and me, baby. We’re the real bad guys”, he tells his wife Anu, and we don’t know whether the imminent marriage crisis is part of the documentary game or whether we should start worrying ... The average Central European’s dependence on oil only begins to show when he tries to get rid of it. With tongue-in-cheek humour and a generous helping of selfirony, John Webster exposes the naive zeal with which we are sawing off the branch we’re sitting on. RE

Internationales Programm Dokumentarfilm

Finnland 2008 35 mm, Farbe, 90 min. Regie, Buch: John Webster Kamera: Tuomo Hutri, John Webster, Anu Webster Schnitt: Niels Pagh Andersen Produktion: Kristiina Pervilä, Millennium Films Koproduktion: Magic Hour Films Vertrieb: Marja Pallassalo, Finnish Film Foundation Kontakt: Marja Pallassalo, Finnish Film Foundation, Kanavakatu 12, FI-00160 Helsinki, Finnland, +358-9-62 20 30 21, marja.pallassalo@ses.fi

John Webster, 1967 als Sohn britischer Eltern in Helsinki geboren, graduierte dort 1996 im Bereich Dokumentarfilmregie an der Universität für Kunst und Design. Bereits seit 1990 entstehen eigene dokumentarische Filme, die national und international mit Preisen gewürdigt wurden. Filmauswahl: Protegé (1991), Suckers (1993), Different Trains (1996), Loosing It (1999), What Comes Around (2004), The Skiers (2007)

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Kilka mniejszych wygranych The Booth of Fortune Internationales Programm Dokumentarfilm

Polen 2008

Das Ende eines Lottobüdchens, das einer UBahnlinie weichen muss. Der Anbruch einer neuen Zeit: Der Baukran steht majestätisch und gebärdet sich wie ein bedrohlicher Goliath. Wenn er mit seinen Auslegern schwenkt und dabei die Ketten rasseln lässt, dann gilt die drohende Geste dem kleinen David, dem Büdchen am Rande der Aushebung. Dort aber ist man unbeeindruckt und wird es bleiben bis zuletzt. Das sympathische Besitzerpaar hatte schon immer ein offenes Ohr für seine Kundschaft, auch wenn die ihre Geschichten bereits zum x-ten Mal vortragen – etwa jene von dem verlorenen Coupon, mit dem der ältere Herr wieder mal den Jackpot geknackt hätte, oder die von der zuverlässigsten aller NierensteinKuren, nämlich drei Monate lang nur Bier zu trinken und nichts zu essen. Melancholische Wärme stellt sich ein, wenn man an dem entschleunigten Sein der Menschen dort noch ein paar Momente lang teilhaben darf. Wenn dieses Büdchen aus Wellblech verschwunden sein wird, dann hat die Stadt zwar keine wertvolle architektonische Substanz verloren, aber sicher ein Stück Alltagskultur. Coffee-to-go wird demnächst die eiligen Passanten zufriedenstellen. Nur: zum Verweilen wird sich keiner mehr eingeladen fühlen. RE

The end of a lottery stall that has to make way for an underground line and the dawn of a new era: The construction crane looms majestically, acting like a threatening Goliath. When its arm swivels, rattling its chain, this menacing gesture is directed against little David, the lottery stall at the edge of the building pit. The people there are unimpressed, though, and will remain so to the end. The friendly couple who owns the stall always have an open ear for their customers, even when the latter tell their stories for the umpteenth time – for example the story of the lost coupon with which the elderly gentleman would have hit the jackpot once again, or the story of the most reliable kidney-stone cure of all, which is to drink only beer and eat nothing for three months. Melancholic warmth spreads in the viewer who gets to share the decelerated existence of these people for a few months. When this corrugated iron stall will be gone, the city may not have lost any valuable architectural substance, but a piece of everyday culture will have vanished. Soon, hurried passers-by will be served coffee-togo. But: no one will feel invited to linger a little. RE

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 15 min. Regie, Buch: Leslaw Dobrucki Kamera: Rafal Zurek, Leslaw Dobrucki Schnitt: Rafal Samborski Produktion: Katarzyna Slesicka, Andrzej Wajda Master School of Film Directing Vertrieb: Katarzyna Wilk, Krakow Film Foundation Kontakt: Katarzyna Wilk, Krakow Film Foundation, ul. Morawskiego 5 p.434, 30-102 Krakau, Polen, +48-12-2 94 69 45, katarzyna@kff.com.pl

Der Performer, Musiker und Filmemacher Leslaw Dobrucki studierte bis 1998 Grafik an der Warschauer Akademie für bildende Kunst und führte zunächst Regie bei Werbe- und Animationsfilmen, darunter „Murderous Fangy vs. GigaKitten“ (1998). 2007 schloss er an der Andrzej Wajda Master School of Film Directing in Warschau ab, wo alle seine bisherigen Dokumentarfilme entstanden. Dobrucki war Organisator von „Wez to wylacz“, eines in Warschau stattfindenden „Festivals für absurde Kultur“, und tritt als Vokalist auf, unter anderem mit der Gruppe Boskie Torsy (aka Bitch Boys). Filmauswahl: The Teethmen (2006), The Crew (2007)

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Lebens(w)ende Testimony Sehstörungen, irgendetwas stimmt nicht, ein Termin beim Arzt, Untersuchungen, dann die Diagnose: Hirntumor. Fassungslosigkeit, abgrundtiefe Ängste – alles wird anders. Wie begegnet man dem Tod? Wie lebt man weiter? Und was ist letztendlich wirklich wichtig? Dem Filmemacher Razvan Georgescu geben seine Ärzte maximal drei Jahre – geschenktes Leben und zugleich ein Countdown. Der Regisseur macht sich auf und besucht bedeutende Künstler, für die der nahe Tod allgegenwärtig ist. Er begleitet Jörg Immendorf in den letzten Monaten seines Lebens, beobachtet Bill Viola, dessen Schaffen von einer Nahtoderfahrung tief geprägt ist, bei der Arbeit, und er erfährt eine neue Nähe zu seinem Vater, dem Komponisten, der die Angst um den Sohn in einer Symphonie verarbeitet. Am Ende seiner Reise erkennen wir: Kunst kann dem Tod Widerstand entgegensetzen. Sie kann heilen oder helfen, das Unausweichliche anzunehmen. In seinem Werk lebt der Künstler fort. Er hinterlässt Spuren – so wie Razvan Georgescu angesichts des Todes eine Hymne auf das Leben schafft und uns auf wundersame Weise Trost, Kraft und Hoffnung schenkt. CD

Impaired vision, something is wrong, a doctor’s appointment, examinations and then the diagnosis: brain tumour. Shock, profound fear – everything will be different. How do you face up to death? How do you continue to live? And what is really important in the end? Filmmaker Razvan Georgescu was given three years at most by his doctors – a gift of life and at the same time a countdown. The filmmaker set out to visit important artists for whom their own near death is omnipresent. He accompanied Jörg Immendorf during the last months of his life, observed Bill Viola, whose artistic oeuvre is deeply marked by a near-death experience, at work, and learned to feel closer than ever to his father, the composer who translated his son’s fear into a symphony. At the end of his journey we know: art can resist death. It can heal or help accept the inevitable. The artist lives on in his work. He leaves traces – like Razvan Georgescu who creates a hymn to life in the face of death, miraculously giving us comfort, strength and hope. CD

Internationales Programm Dokumentarfilm

Deutschland 2007 Beta SP (PAL), Farbe, 90 min. Regie, Buch: Razvan Georgescu Kamera: Stefan Grandineti Schnitt: Wolfgang Lehmann Produktion, Vertrieb: Razvan Georgescu, Pelegrin Film Kontakt: Razvan Georgescu, Pelegrin Film, Wilhelmstraße 8, 65719 Hofheim am Taunus, Deutschland, +49-6192-97 24 43, r.georgescu@gmx.net

Der Filmemacher, Journalist und Produzent Razvan Georgescu, 1965 in Transsilvanien geboren, studierte Philologie und schloss mit einem Diplom in Filmsemiotik an der Universität Bukarest ab. Mittlerweile deutscher Staatsbürger, ist er seit 1999 Redaktionsleiter und Stoffentwickler bei der Firma Westend Film & TV Produktion in Frankfurt am Main, neben Dokumentarfilmen verantwortlich für Beiträge im Fernsehkulturmagazin Metropolis. 2004 beauftragte ihn die Kulturstiftung des Bundes mit der Konzeption eines zweisprachigen Kulturmagazins für das rumänische und moldawische Fernsehen. Filmauswahl: Das H.P. Syndrom (2002), Das Erbe des Grafen (2003), Das Experiment 770 – Gebären auf Befehl (2005, mit Florin Iepan)

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Life after the Fall Life after the Fall Internationales Programm Dokumentarfilm

Vereinigtes Königreich, Irak 2008

Als junger Filmstudent verlässt Kasim Abid 1975 einen von Geheimpolizei und staatlichem Terror beherrschten Irak. Unmittelbar nach dem Fall von Bagdad kehrt er als Regisseur in seine Heimat zurück – Ausgangspunkt eines bewegenden Films über seine Familie, die Diktatur, Krieg und Sanktionen überlebt hat. Voller Hoffnung begrüßt sie den Sturz Sadam Husseins, auch wenn niemand weiß, was die Zukunft für sie bereit hält. „Wir Iraker wissen nicht, was unmöglich ist, weil unser großer Führer das Unmögliche verboten hat.“ Diese spöttische Äußerung von Kasims Bruder über den gestürzten Präsidenten steht wie eine Drohung über dem Schicksal der Familie, die der Film über einen Zeitraum von fünf Jahren begleitet. Wer hätte sich auch eine Vorstellung des Unmöglichen machen können, das die Menschen in der Folgezeit zu erleiden haben? Formal durch die wichtigsten Ereignisse des Nachkriegs-Irak strukturiert – die Gefangennahme Sadams, die ersten freien Wahlen, die Volksabstimmung über die neue Verfassung – dokumentiert der Film die wachsende Ernüchterung der Menschen angesichts des Zerfalls der irakischen Gesellschaft, die einhergeht mit dem Zerfall von Kasims Familie. Es ist das große Verdienst dieses Films, den privaten Blick des Regisseurs zu einer allgemein gültigen Darstellung des Lebens in Zeiten des Krieges zu verwandeln, in dem unser Begriff von Normalität aufgehört hat zu existieren. MH

As a young film student in 1975, Kasim Abid left an Iraq ruled by the secret police and state terrorism. He returned just after the fall of Bagdad as a film director, which was the starting point of this moving film about his family, who survived the dictatorship, the war and the sanctions, welcoming the fall of Saddam Hussein with hope because no one knew what the future had in store for them. “We Iraqis don’t know what’s impossible because our great leader banned the impossible.” Kasim’s brother’s mocking statement about the fallen president hovers like a threat over the destiny of this family which the film follows over five years. Who, after all, could have formed an idea of the people’s impossible sufferings during the following years? Formally structured by the most important post-war events in Iraq – Saddam’s capture, the first free elections, the referendum on the new constitution – the film documents the growing disillusionment of the people in view of a disintegrating Iraqi society which runs parallel to the disintegration of Kasim’s family. It is one of the great merits of this film that it turns the director’s personal view into a universally valid representation of life in a time of war, when our notion of normality has ceased to exist. MH

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 100 min. Regie, Buch, Kamera: Kasim Abid Schnitt: Maysoon Pachachi Produktion: Kasim Abid, Camera Image Ltd Kontakt: Kasim Abid, Camera Image Ltd, 2 Huxley Gardens, NW 10 7EA London, Vereinigtes Königreich, +44-208-8 38 06 92, kasim.abid@yahoo.co.uk lifeafterthefall.com

Kasim Abid, Kameramann und Filmemacher irakischer Herkunft, studierte an der Kunsthochschule in Bagdad und an der Staatlichen sowjetischen Filmhochschule (WGIK) in Moskau. Seit 1982 lebt er in London, wo er bei zahlreichen Dokumentarfilmen für BBC und Channel 4 die Kamera führt. Außerdem leitete er mehrere Jahre lang die Dokumentarfilmabteilung des arabischen Senders MBC. Abid lehrt Dokumentarfilm und Fernsehproduktion in Großbritannien, Jordanien, den irakischen Kurdengebieten, Syrien und den palästinensischen Autonomiegebieten. 2003 gehörte er zu den Mitbegründern des Independent Film and TV College (IFTVC) in Bagdad. Filmauswahl: Amid the Alien Corn (1991), Naji al-Ali – Artist with Vision (1999), Surda Check Point (2005)

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Look into My Eyes Look into My Eyes „Sieh mir in die Augen“, sagt Naftaly Gliksberg, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, zu einem überzeugten Holocaust-Leugner und Anhänger des Neonazi-Chefideologen Horst Mahler. Seine sehr persönliche, schmerzvolle Reise auf den Spuren des Antisemitismus hat ihn quer durch Europa und Amerika, von versteckten Vorurteilen bis zu unverhohlenem Rassenhass geführt. Gliksberg erforscht die Stereotypen vom Judentum und deren Folgen in verschiedenen Bereichen der westlichen Kultur: Passionsspiele, in denen Tausende den Verrat Judas’ zelebrieren. Comedy, die sich des Begriffs vom „auserwählten Volk“ bedient. Die Medien, die bereitwillig pro oder contra berichten und neuen Hass schüren. Er spricht mit Juden, die ihre Identität verleugnen, und Nichtjuden, die sich die Yarmulke aufsetzen und hebräisch lernen. Mit der Mutter eines Mordopfers und mit Neonazis. Bis hin zum Spaziergang mit Mahler, aus dem es schwarzbraun dümpelt, durch das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Sein Konzept ist die bewusste Inszenierung von Konfrontation: Abstrakten Anschauungen stellt er die konkrete Anwesenheit seiner Person und ihrer Geschichte gegenüber. Er agiert in einem makabren Stück, dessen Regie ihm die Gesprächspartner mitunter aus der Hand nehmen. Mit angenehmer Selbstironie hinterfragt und kommentiert er das Geschehen und seine eigene jüdische Identität. Und lässt uns mit der Frage zurück, wo Antisemitismus in uns beginnt. GL

“Look into my eyes“, Naftaly Gliksberg, the son of a Holocaust survivor, asks a staunch Holocaust denier and supporter of chief neo-Nazi ideologist Horst Mahler. His personal, painful journey on the trail of anti-Semitism took him across Europe and America and from hidden prejudice to blatant racial hatred. Gliksberg explores Jewish stereotypes and their implications in various areas of Western culture: passion plays where thousands celebrate Judas’ betrayal. Comedians working with the term “chosen people”. The media that readily report pro or con, fuelling new hatred. He talks to Jews who deny their identity, and to non-Jews who wear a yarmulke and learn Hebrew; to the mother of a murder victim and to neo-Nazis. He goes as far as a walk through the Berlin Holocaust Memorial with Mahler, who dribbles brown propaganda. His concept is the deliberate staging of confrontations: he contrasts abstract attitudes with the concrete presence of his person and history. He acts in a macabre play whose reins are sometimes seized by his opponents. His questions and comments on the events and his own Jewish identity are pleasantly self-mocking. And he leaves us with the question where anti-Semitism begins with us. GL

Internationales Programm Dokumentarfilm

Israel 2007 Beta SP (PAL), Farbe, 76 min. Regie, Buch: Naftaly Gliksberg Kamera: Ronen Mayo, Shai Goldman Schnitt: Boaz Lion, Michal Ranon Produktion: Zafrir Kochanovsky, TTV productions LTD Kontakt: Zafrir Kochanovsky, TTV productions LTD, 255 B’Dizengof st., 63117 Tel Aviv, Israel, +972-3-5 46 92 22, office@ttv.co.il

Der Filmemacher Naftaly Gliksberg schloss 1990 das Film- und Fernsehstudium an der Fakultät der Künste der Universität Tel Aviv ab. 1984–1987 leitete er das Jewish-Zionist Education Institute in Jerusalem und war dort bis 2000 Direktor der Maa’le Film & TV School. 2000–2003 war er Redakteur beim israelischen Fernsehen, 2000–2006 Leiter der Abteilung Video und Animation am Haifa College for Design und 2004–2008 Geschäftsführer des Israeli Documentary Forum. Filmauswahl: New Stories, Ancient Places (1996), Split Identity (2002), Columbia – The Tragic Loss (2004), Genuine Alarm (2006), An Unclosed Case (2005)

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

Man on Wire Man on Wire Internationales Programm Dokumentarfilm

Vereinigtes Königreich 2007

Die Idee ist einfach: Warum in einem Zirkuszelt auf dem Seil tanzen, wenn man es auch zwischen den Twin Towers des World Trade Centers tun kann? Philippe Petit ist ein Besessener. Nachdem er in Paris die Türme von Notre Dame bezwungen hat, folgt er nur noch einem Ziel … „Man on Wire“ protokolliert 35 Jahre später, wie es zum spektakulärsten Seiltanz der Geschichte kam. Einem Krimi gleich, folgen wir Petits kleinem Team von den ersten Vorbereitungen bis zum großen, lebensgefährlichen und völlig illegalen Coup. Dabei verwebt James Marsh mit großem Geschick spektakuläres Archivmaterial mit intelligenten Inszenierungen und baut dem Hochseilartisten eine Bühne, auf der dieser seine atemberaubende Geschichte von Mut, Abenteurertum und Liebe erzählen kann. Doch was den Film „Man on Wire“ so besonders macht, sind seine Lücken, das nicht Erzählte. Obwohl die 9/11-Anschläge mit keinem Wort erwähnt werden, sind sie doch omnipräsent. Fast wirkt es, als hätte er nicht Philippe Petit bei der Bezwingung der Riesen begleitet, sondern das Terrorkommando, das die Türme endgültig bezwang … James Marsh schenkt sie uns in ihrer ganzen Erhabenheit zurück. CD

It’s a simple idea: why walk a tightrope in a circus tent when you can do it between the Twin Towers of the World Trade Center? Philippe Petit is an obsessed man. After having conquered the towers of Notre Dame in Paris, he follows only one goal ... 35 years later, “Man on Wire” retraces the steps that led to the most spectacular tightrope act in history. Like a suspense thriller, we follow Petit’s small team from the first preparations to the grand, extremely dangerous and completely illegal coup. James Marsh cleverly interweaves spectacular archive material and intelligently re-enacted scenes, building a stage for the tightrope walker from which he can tell his breathtaking story of courage, adventure and love. But the special quality of “Man on Wire” lies in its gaps, the things that are left out. Even though 9/11 is not mentioned in a single word, the attacks are omnipresent. It almost seems as if the filmmaker hadn’t followed Philippe Petit’s conquest of the giants, but the terrorist group that finally did vanquish the towers ... James Marsh returns them to us in all their grandeur. CD

35 mm, Farbe und s/w, 89 min. Regie: James Marsh Kamera: Igor Martinovic Musik: Michael Nyman Schnitt: Jinx Godfrey Produktion: Simon Chinn, Discovery Films Koproduktion: Victoria Gregory, Maureen A. Ryan Vertrieb: Joy Wong, The Works International Kontakt: Arsenal Filmverleih, Hintere Grabenstraße 20, 72070 Tübingen, Deutschland, +49-7071-9 29 60, info@arsenalfilm.de www.manonwire.com James Marsh, Jahrgang 1963, stammt aus Truro in Cornwall. Er graduierte in Englischer Literatur an der Oxford University, begann anschließend als Rechercheur bei einem privaten Fernsehsender in London, wechselte jedoch schnell zur BBC. Dort bekam er in der Reihe „Arena“ Gelegenheit, sich als Dokumentarfilmregisseur auszuprobieren und realisierte Filme wie „The Last Supper“ (1991) sowie „The Burger and the King“ (1996). International bekannt wurde Marsh mit der auf mehreren Festivals prämierten Schwarzweiß-Doku „Wisconsin Death Trip“ (1999). 2005 gab er mit „The King“ sein Spielfilmdebüt. Filmauswahl: The Animator of Prague (1990), Troubleman. The Last Years of Marvin Gaye (1994), John Cale (1998), The Team (2005)

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Mazare Mariya Maria’s Grotto Über Maria, die im Namen der Ehre getötet wurde, spricht man nicht in der christlichen Gemeinde in Ramallah. Buthina Canaan Khoury aber fragt nach. Entgegen der in westlichen Medien gängigen Lesart, die das Phänomen Ehrenmord grundsätzlich als dem Islam immanent betrachtet, beleuchtet sie es in seiner ganzen kulturellen und politischen Komplexität. Sie spricht sowohl mit überlebenden Opfern als auch mit Tätern – die dem Druck der Gesellschaft nachgaben, um nicht als „unmännlich“ zu gelten. Die tragische Geschichte eines Mannes, der beschuldigt wird, die Ehre einer Frau verletzt zu haben, nimmt kafkaeske Dimensionen an. Sie macht erschreckend klar, wie machtlos die palästinensische Polizei und Justiz gegen das jahrtausendalte Stammesrecht sind beziehungsweise wie sie es stillschweigend respektieren, und welch verheerende Rolle die israelische Besatzung dabei spielt. Ein Stammesrichter erklärt, wie viele Kamele oder Dinar eine Vergewaltigung aufwiegen, und warum Ehrenmord kein Verbrechen sei und nicht bestraft werden dürfe. Ähnlich äußern sich Frauen, muslimischen und christlichen Glaubens. Dem setzt Khoury die Stimme einer jungen Rapperin entgegen, die sich öffentlich gegen Ehrenmorde ausspricht und damit ihr Leben auf’s Spiel setzt. Es gehört viel Mut dazu, einen solchen Film zu drehen. Auch, weil er uns westlichen Betrachtern zeigt, wie pauschal unser Urteil ist und wie wenig wir wissen. GL

Maria, who was killed in the name of honour, is never mentioned in the Christian community of Ramallah. Buthina Canaan Khoury, however, asks questions. In contrast to the established view of Western media who basically regard the phenomenon of honour killings as an intrinsic part of Islam, she investigates it in all its cultural and political complexity. She talks to surviving victims as well as perpetrators – who gave in to the pressure of society in order not to be regarded as “unmanly”. The tragic story of a man accused of having injured a woman’s honour assumes Kafkaesque dimensions. It demonstrates with terrifying clarity, though, how powerless the Palestinian police and judiciary are against this tribal tradition dating back thousands of years, how they covertly respect it and what a devastating part the Israeli occupation forces play in this. A tribal judge explains how many camels or dinars compensate for a rape and why honour killings are no crime and must not be punished. Muslim and Christian women make similar statements, which Khoury contrasts with a young female rapper who risks her life by publicly speaking out against honour killings. It takes a lot of courage to make such a film, not least because it shows us Western audiences how superficial our judgement is and how little we know. GL

Internationales Programm Dokumentarfilm

Palästina 2007 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 52 min. Regie, Buch, Kamera: Buthina Canaan Khoury Musik: Wasim Qassis Schnitt: Saed Andoni Produktion: Buthina Canaan Khoury, Multicanal Vertrieb: Katayoon Shahabi, Sheherazad Media International Kontakt: Katayoon Shahabi, Sheherazad Media International, 2, 3rd Sarvestan, Pasdaran St., Shariati Ave, 16619 Teheran, Iran, +98-21-22 86 32 60, sheherazad@smediaint.com, katysha@smediaint.com

Die Palästinenserin Buthina Canaan Khoury, 1966 in Ramallah geboren, studierte bis 1988 Film und Fotografie am Massachusetts College of Fine Arts in Boston. Als bislang einzige palästinensische Kamerafrau liefert sie Bilder aus dem Mittleren Osten sowie den Autonomiegebieten für die European Broadcasting Union und mehrere europäische Fernsehstationen. Nach verschiedenen Regieassistenzen gründete sie 2000 in Ramallah die Firma Majd Productions und gab schließlich mit dem selbst produzierten und fotografierten „Women in Struggle“ 2004 ihr Regiedebüt. „Maria’s Grotto“ ist ihr zweiter Dokumentarfilm.

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Nomad’s Land – Sur les traces de Nicolas Bouvier Nomad’s Land – In the Footsteps of Nicolas Bouvier Internationales Programm Dokumentarfilm

Schweiz 2008

Expedition führen in die große Welt draußen, Bildungsreisen ins unerschöpfliche Innen. Die Kunst großer Reiseschriftsteller wie Bruce Chatwin, Cees Noteboom oder Heinrich Heine hat darin ihren vollkommensten Ausdruck gefunden, wenn es ihnen gelang, die beiden Spezifika des Reisens unangestrengt miteinander zu verknüpfen. Zu dieser Spezies von Autoren gehörte auch der Schweizer Nicolas Bouvier. Bouvier brach 1953 zusammen mit Vernet zu einer großen Indienreise auf: Von Genf aus über die Türkei, durch den Iran bis nach Kabul. Später reiste er weiter nach Sri Lanka und kehrte danach zurück nach Genf. Die Erlebnisse dieser Reise hat er im Buch „Die Erfahrung der Welt“ festgehalten. Angetan von Bouviers Schilderungen, hat sich der Filmemacher Gaël Métroz entschlossen, die Reise von Nicolas Bouvier mit dem Abstand von 50 Jahren noch einmal zu unternehmen: An der Grenze von Pakistan nach Indien angekommen, hat Métroz allerdings die Wege Bouviers verlassen. Inspiriert und mitgezogen von einer Nomadenfamilie, hat sich seine Reise von geplanten sechs Monaten auf zwei Jahre verlängert. Der Teil unserer Welt, der früher „Orient“ genannt wurde, hat sich seit Bouviers Expedition stark verändert, doch kann man sich der Faszination dieser Region auch heute noch schwerlich entziehen. „Nomad’s Land“ setzt sich in seinen besten Momenten auch mit den Schönheiten eines Reisens auseinander, das seit geraumer Zeit (und wohl auch für immer) seine Unschuld verloren hat. RE

Expeditions take us into the big wide world out there, educational journeys into our inexhaustible interior. Great travel writers like Bruce Chatwin, Cees Noteboom or Heinrich Heine found the most perfect expression of their art when they managed to effortlessly combine the two specific types of journeys. Swiss writer Nicolas Bouvier is also one of their species. Bouvier embarked on a great journey to India with Vernet in 1953: from Geneva to Turkey, through Iran to Kabul. He later travelled on to Sri Lanka from where he returned to Geneva. He recorded his experiences on both journeys in his book “The Way of the World”. Inspired by Bouvier’s writings, filmmaker Gaël Métroz decided to retrace his steps 50 years later: However, having reached the Pakistani-Indian border, Métroz left Bouvier’s path. Inspired and drawn in by a nomadic family, his journey ultimately lasted two years instead of the planned six months. The part of the world that used to be called the “Orient” has changed enormously since Bouvier’s expedition, but even today it is hard not to be fascinated by that region. In its best moments, “Nomad’s Land” also deals with the beauty of a way of travelling that has lost its innocence a long time ago, and probably forever.” RE

35 mm, Farbe, 90 min. Regie, Buch, Kamera: Gaël Métroz Musik: Julien Pouget Schnitt: Jeannetta Ionesco Produktion: Francine Lusser, Gérard Monier, Tipi’mages Productions sàrl Vertrieb, Kontakt: Francine Lusser, Tipi’mages Productions sàrl 15, rue Maunoir, 1207 Genf, Schweiz, +41-22-7 35 41 18, mail@tipimages.ch www.nomadsland-lefilm.com

Gaël Métroz, 1978 in Liddes im Kanton Wallis geboren, studierte bis 2004 Französisch, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität von Lausanne, erhielt Preise für sein Essay „Mat“ und gab Literaturkurse für Schüler. Seit dem Studienabschluss ist er als Filmemacher und Journalist in verschiedenen Regionen der Welt unterwegs. 2008 wurde er mit dem Prix Nicolas Bouvier ausgezeichnet. Filmauswahl: Les Nomades Quashqa’ïs (2005), L’Afrique de Rimbaud (2005)

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One Goal One Goal „Wie schießt du deine Tore?“ „Ich ziele immer auf die Seite, wo der Torwart keinen Arm hat!“ Bitte was? Der Mannschaftskapitän ‚„Amputee Kalone“ lacht. Aber es ist wahr. In den Fußballteams der Amputierten von Sierra Leone hat nur der Torwart zwei Beine, dafür fehlt ihm ein Arm. Die Feldspieler wiederum haben nur ein Bein, dafür aber zwei Arme. Die brauchen sie auch für ihre Krücken, mit deren Hilfe sie wild über das Feld rennen, dribbeln, passen und sich in die Zweikämpfe werfen. Die sie in die Luft schleudern, wenn ihnen ein Tor gelingt. Die sie rhythmisch aneinander schlagen, um sich auf den Gegner einzustimmen. Anfang 2003 spülte der Bürgerkrieg sie in die Flüchtlingslager von Sierra Leones Hauptstadt Freetown – junge Männer, denen Minen, Granaten und Schrapnelle Beine und Arme weggerissen hatten. In den Lagern erwartete sie das deprimierende Schicksal verkrüppelter Ausgestoßener. Aber sie teilten eine Leidenschaft, die ihnen einen Weg zurück in die Gesellschaft eröffnete – Fußball. Und so gründeten sie ein Team, trainierten wie besessen und organisierten Spiele mit anderen Kriegsopfern, um ihre Botschaft zu verbreiten: Nie wieder Krieg! Für diese Kraft muss man sie einfach lieben – die Kicker vom Amputees Football Team, Freetown, Sierra Leone. MH

“How do you score your goals?” “I always aim for the side where the goalie has no arm!” Excuse me? The team captain “Amputee Kalone” laughs. But it’s true. In the Sierra Leone Amputees’ Football Team, only the goalkeeper has two legs – but only one arm. The field players have only one leg, but two arms. They need them for the crutches on which they run like mad across the pitch, dribbling, passing and throwing themselves into tackles. They throw them up in the air when they score a goal, bang them together in order to prepare for an opponent. In early 2003, the civil war drove them into the refugee camps of Sierra Leone’s capital of Freetown – young men whose legs and arms had been torn off by mines, shells and shrapnel. The depressing fate of crippled outcasts awaited them in the camps. But they shared a common passion, which opened their way back into society – soccer. And so they founded a team, trained like hell and organised matches against other victims of the war in order to spread their message: No more war! You just have to love them for this power – the kickers of the Amputees’ Football Team, Freetown, Sierra Leone. MH

Internationales Programm Dokumentarfilm

Spanien 2008 Beta SP (PAL), Farbe, 25 min. Regie, Kamera: Sergi Agusti Musik: Fermin Dorado Schnitt: Aurora Reinlein Produktion, Vertrieb: Sergi Agusti, Sergi Agusti Films Kontakt: Sergi Agusti, Sergi Agusti Films, Calle Aragón 178, 08011 Barcelona, Spanien, +34-93-4 51 58 67, sergiagusti@msn.com www.sergiagusti.com

Sergi Agusti, 1967 in Barcelona geboren, arbeitet seit mehreren Jahren als Fotograf und seit 2003 auch als Dokumentarfilmer und Produzent. In den seither entstandenen Filmen, nahezu alle wurden auf Festivals gezeigt und prämiert, richtet sich sein Fokus stets auf Themen und Geschichten aus Afrika. Faith in Chaos (2003), Back to Life (2004), My Image Still Complete (2005), Muzuzangabo, the Awaker of Others (2007)

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

Par Dzimteniti Three Men and a Fish Pond Internationales Programm Dokumentarfilm

Lettland 2008

Eigentlich sind das hier zwei Filme in einem, sie wechseln sich ab und kommunizieren miteinander, werfen sich ironische Blicke zu, wenn sie sich begegnen, und gehen dann wieder ihrer Wege. Der eine Film schwelgt in kunstvollen Arrangements der Tierwelt rund um einen Fischteich – eine Folge von kleinen Gemälden und skurrilen Augenblicken: Wasservögel aller Couleurs, manchmal nur hingehaucht von der Kamera, die sich ganz offensichtlich entfesselt fühlt und zeigt, was sie kann. Die Katze (das heimliche Bindeglied) führt in die Hütte des anderen Films, dem der drei Männer am Fischteich, die ein richtiges Männerleben führen in der Einsamkeit von See und Feldern: Jagen, Fischen, Essen, Fernsehen, Basteln, Trinken, Fachsimpeln, und gelegentlich Frauen einladen, um dann wieder – befreit von ihnen – am Lagerfeuer ein Bierchen zu zischen. Ehrlich gesagt: So anders geht es in der Tierwelt auch nicht zu. Jedenfalls zeigt das der Film mit einem Augenzwinkern. Und schönere Tieraufnahmen hat man lange nicht gesehen! KF

This is really two films in one, alternating and communicating with each other, giving each other ironic glances when they meet before they each go their own way again. One of the films indulges in artistic arrangements of animals that live around a fish pond – a succession of small paintings and bizarre moments: water fowl of all colours, sometimes merely suggested by an apparently unleashed camera that shows what it’s capable of. A cat (the secret link) leads the way to the hut in the other film, the one about three men at a fish pond who lead true men’s lives in the loneliness of a lake and fields: hunting, fishing, eating, watching television, tinkering, drinking, talking shop, and occasionally inviting women, followed by – when they are rid of them – a few beers around the campfire. Frankly speaking, things are not that different in the animal world. At least that’s what the film shows, with tongue firmly in cheek. And it’s been a long time since we’ve seen such beautiful shots of animals! KF

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 52 min. Regie: Laila Pakalnina, Maris Maskalans Buch, Kamera: Maris Maskalans Schnitt: Laila Pakalnina Produktion, Vertrieb, Kontakt: Uldis Cekulis, Vides Filmu Studija, Lapu str. 17, LV-1002 Riga, Lettland, +371-7-50 35 88, uldis@vfs.lv www.vfs.lv

Laila Pakalnina, 1962 geboren, schloss ein Studium der Fernsehjournalistik an der Universität Moskau ab und studierte bis 1991 an der Staatlichen sowjetischen Filmhochschule (WGIK). 1988 begann sie mit Kurz- und Dokumentarfilmen, dreht seit 1998 jedoch auch Spielfilme. Filmauswahl: The Choice (1991), Papa Gena (2001), Dream Land (2004), Theodore (2006) Maris Maskalans absolvierte ein Kamerastudium in Riga und widmet sich als Regisseur und Kameramann hauptsächlich naturkundlichen Themen. Bereits 2004 arbeitete er als CoRegisseur von „Dream Land“ mit Laila Pakalnina zusammen. Filmauswahl: Homes in a Meadow (1997), Have You Seen the Roller? (2004)

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Paraguay fue noticia Paraguay in the Headlines 1. August 2004: In der Hauptstadt Paraguays, in Asunción, bricht in einem großen Kaufhaus Feuer aus. Es ist das größte Unglück der jüngeren Geschichte dieses Landes. Die Bilanz: 374 Tote, 9 Vermisste und 500 Verwundete. Überlebende berichten von ihrer Verzweiflung, als sie im brennenden Gebäude nach einem Ausweg suchen. Einige finden den Weg nach draußen, doch die Gittertore sind geschlossen – vermutlich, um Plünderungen zu verhindern. Viele Menschen können so dem Feuer nicht entkommen. Der Besitzer der Kaufhauskette und sein Sohn, der Leiter dieses Supermarktes, werden verhaftet. Es folgen jahrelange Gerichtsverhandlungen auf der Suche nach den Schuldigen. Überlebende und Angehörige der Opfer fühlen sich von dem Justizsystem ihres Landes hintergangen. Bis zum heutigen Tag haben sie keine Entschädigungen erhalten. Der Film beleuchtet auf verschiedenen Ebenen Verlierer und Gewinner der Prozesse. Die Grenzen zwischen Opfer- und Täterrollen sind dabei nicht immer ganz eindeutig. Ebenso wie die Antwort auf die Frage, ob es sich um Mord aus Profitgier handelte. AS

1 August 2004: A fire breaks out in a big department store in the Paraguayan capital of Asunción. It is the biggest disaster in recent history. The outcome: 374 killed, 9 missing, and 500 injured. Survivors talk of their desperation looking for exits in the burning building. Some find a way out, but the doors are barred, presumably to prevent looting. As a result, many are unable to escape the fire. The owner of the department store chain, and his son, the manager of this supermarket, are arrested. Years in court follow to determine who is responsible for the incident. Survivors and relatives of the victims feel betrayed by their country’s legal system. Until today, they haven’t received any compensation. The film looks at the winners and losers of the trials on different levels, while the boundaries between the parts of victim and criminal occasionally blur. As well as the question whether it was murder for reasons of greed is not really answered. AS

Internationales Programm Dokumentarfilm

Paraguay 2008 Beta SP (PAL), Farbe, 88 min. Regie, Kamera: Ricardo Álvarez Buch: Silvana Nuovo Musik: Mike Cardozo, Wolgang Krauch Schnitt: Andrea Gandolfo Produktion: Silvana Nuovo, Kinemultimedia Vertrieb, Kontakt: Ricardo Álvarez, Kinemultimedia, Vasconcellos 1360, 1816 Asunción, Paraguay, +595-971-50 23 60, ricardo@kinemultimedia.com

Ricardo Álvarez, Jahrgang 1970, studiert zunächst Gebrauchsgrafik in seiner Geburtsstadt Havanna. Ab 1998 ist er in Caracas als Set Designer tätig, zeichnet Storyboards, animiert Cartoons und stellt Bilder aus. 2000 geht er nach Paris, wo er seine künstlerische Arbeit fortsetzt. 2005 erhält er ein Stipendium, mit dem er 2006 „Ogwa“, seinen ersten Dokumentarfilm realisiert. Im selben Jahr übersiedelt Álvarez nach Paraguay und gründet die Produktionsfirma Kinemultimedia.

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

Phyllis and Harold Phyllis and Harold Internationales Programm Dokumentarfilm

USA 2008

Fast 60 Jahre währte die Ehe von Phyllis und Harold, die Eltern der Filmemacherin. Anhand von Familienfotos, Animationsszenen, Interviews, sowie alten, privaten Filmaufnahmen entsteht eine dicht gebaute, unterhaltsame Story, in der sich Stück für Stück die bürgerliche Vorortfassade dieser amerikanisch-jüdischen Mittelstandsehe entblättert. Phyllis erzählt der Tochter, dass es nicht immer einfach war mit dem dominanten Harold. Sie berichtet auch von ihrer großen Liebe, die sie nach fünf Jahren Doppelleben in der noch jungen Ehe aufgegeben hat. Daraufhin lancieren die beiden Töchter ein Wiedersehen der Mutter mit ihrem früheren Angebeteten. Keine leichte Aufgabe mit dem alles kontrollierenden Harold im Haus. Aber die alte, geheime Liebesgeschichte beginnt erneut. Ein Drama mit widersprüchlichen Protagonisten und überraschenden Wendepunkten. AS

Phyllis and Harold’s, the filmmaker’s parents’, marriage has lasted for almost 60 years. Family pictures, animated scenes, interviews and old home movies are combined to tell a dense and entertaining story in which the gentrified suburban facade of this American-Jewish middle-class marriage is peeled off layer by layer. Phyllis tells her daughter that it wasn’t always easy with the dominant Harold. She also talks about the love of her life and how she gave him up after five years of leading a double life in her still fresh marriage. The two daughters then arrange a reunion between their mother and her former lover: not an easy task with control freak Harold in the house. But the old secret love story is revived. A drama full of exciting twists, acted out by contradictory characters. AS

HD, Farbe und s/w, 85 min. Regie, Buch: Cindy Kleine Animation: Lisa Crafts Kamera: Claire Cario, Cindy Kleine, Michel Negroponte, David Leitner, Jonathan Oppenheim, Hope Hall Musik: Bruce Odland Schnitt, Koproduktion: Jonathan Oppenheim Technik: Computeranimation Vertrieb: Sharon Lester-Kohn, Rainbow Releasing Produktion, Kontakt: Cindy Kleine, Silver Penny Pictures, 19 Hubert Street, #4, 10013 New York, NY, USA, +1-212-3 34 60 05, searose8@earthlink.net www.cindykleine.com

Die US-amerikanische Film- und Videokünstlerin Cindy Kleine wurde zunächst von Ed Pincus und Richard Leacock an der Filmschule des Massachusetts Institute of Technology unterrichtet, studierte bis 1983 an der Tufts University in Medford/Massachusetts und machte 1996 ihren Master am Bard College in Annandale-on-Hudson. Seit Mitte der 1980er Jahre lehrt sie unter anderem an Institutionen in Boston und New York und ist mit ihren Arbeiten erfolgreich auf renommierten Festivals vertreten. Filmauswahl: Secrets of Cindy (1983), Nana (1987), Holy Matter (1996), Til Death Do Us Part (1998), Inside Out (2004)

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Plane Days Plane Days Dicke Mützen, lange Jacken, hochgeschlagene Kragen. Den Wein aus dem Kofferraum in Plastikgläsern serviert, der Tee aus der Thermoskanne und dazu mitgebrachte Sandwiches und Cracker. So stehen sie in ihren freien Stunden, die alten und neuen Freunde, die Einsamen und die Pärchen, mit ihren Ferngläsern gerüstet wie zur Jagd – am Zaun der Start- und Landebahn von London Heathrow. Anstelle des Gewehrs sind sie mit Stift und Notizbuch oder mit der Kamera bewaffnet. Und alle eint der Blick gen Himmel. Ist es eine B.A.? Thai? Lufthansa? Singapore? Virgin? Für „planespotter“ ist jeder Tag „a plane day“. AS

Warm hats, long coats, collars turned up. The wine served in plastic glasses from the trunk of the car, the tea from a thermos, accompanied by homemade sandwiches and crackers. That’s how they spend their leisure hours, the old and new friends, the lonely ones and the couples, equipped with binoculars as if they were out hunting, standing at the fences of London Heathrow runways. They are armed with pencils and notebooks or a camera instead of guns. And they all are united by their upturned eyes. Is this B.A.? Thai? Lufthansa? Singapore? Virgin? For planespotters “every day is a plane day”. AS

Internationales Programm Dokumentarfilm

Vereinigtes Königreich 2008 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 15 min. Regie, Buch: Ewan McNicol, Benjamin Kracun Kamera, Koproduktion: Benjamin Kracun Schnitt: Ewan McNicol Produktion: Anna Sandilands, Lucid Inc. Kontakt: Ewan McNicol, Lucid Inc, Unit 8A, 9 Long Street, E2 8HN London, Vereinigtes Königreich, +44-20-75 02 35 22, ewan@lucidincorporated.com

Nach einem Film- und Fernsehstudium in Edinburgh arbeitete Ewan McNicol als Assistent für den Werbefotografen und Regisseur David Stewart. Neben eigenen Filmprojekten dreht er seither vor allem Werbefilme. Seine Fotoarbeiten wurden unter anderem in der National Portrait Gallery in London ausgestellt. Benjamin Kracun, McNicols Partner in der Firma Lucid Incorporated, graduierte in Fotografie, Film und Imaging in Edinburgh. Danach arbeitete er als Kameramann. 2007 machte er seinen Master-Abschluss an der National Film and Television School in London.

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

Pray the Devil back to Hell Pray the Devil back to Hell Internationales Programm Dokumentarfilm

USA 2008

Wenn Krieg zum Normalzustand geworden ist, kann Frieden nur ein Traum sein. In Liberia, dem westafrikanischen Land, das seit 1989 unter fortwährenden bestialischen Bürgerkriegen zu leiden hatte, schien selbst dieser Traum ein Ding der Unmöglichkeit geworden zu sein. Charles Taylor, der von 1997 bis 2003 regierende christliche Präsident, der sich eine Armee von 20.000 Kindersoldaten gehalten hat und berüchtigt war für den Handel mit Blutdiamanten und Waffen, steht inzwischen als Angeklagter vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Der selbsternannte Prediger sagte von sich, er sei in der Lage, den Teufel aus der Hölle heraus zu beten. „Pray the Devil back to Hell“ ist die außergewöhnliche Geschichte einer kleinen Gruppe muslimischer und christlicher Frauen, die sich inmitten des niederträchtigsten Bürgerkriegsgemetzels zusammenfanden, um mit unorthodoxen Methoden die gegnerischen Warlords und ihre Kämpfer zu einer Waffenruhe zu bewegen. Es ging ihnen nicht um Errichtung einer weiteren Front, sondern um Aufweichung der existierenden Fronten und pazifistische Durchsetzung vitaler Bedürfnisse gegen ökonomische, ethnische und religiöse Interessen. Gini Retickers Film wird von kraftvollem Enthusiasmus angetrieben. Effektiv, sachlich und unaufgeregt werden die Stationen des gewaltlosen Kampfes dieser Frauen dargestellt, der wie ein schmaler Hoffnungsstrahl des Lebens in der Bestialität des Bürgerkriegs erscheint. Die im Film vorgestellten Frauen spielten auch 2003 eine wichtige Rolle bei der regulären Wahl von Ellen Johnson-Sirleaf – als erster Präsidentin eines afrikanischen Staates. RE

When war becomes normality, peace can only be a dream. In Liberia, the West African country that has been suffering continuous violent civil wars since 1989, even this dream seems to have become an impossibility. Charles Taylor, the Christian president from 1997 to 2003, who kept an army of 20,000 child soldiers and was a notorious blood diamonds and arms dealer, is facing trial before the war crimes tribunal in The Hague now. The self-styled preacher said about himself that he was able to pray the devil out of hell. “Pray the Devil back to Hell” is the extraordinary story of a small group of Muslim and Christian women who got together in the midst of the most horrid massacres of the civil war to persuade the opposing warlords and their fighters by unorthodox methods to agree to a ceasefire. Their goal was not to set up another frontline, but to soften existing frontlines and to assert by pacifist means vital needs against economical, ethnic and religious interests. Gini Reticker’s film is driven by a powerful enthusiasm. Efficiently, matter-of-factly and calmly she depicts the stations of the women’s pacifist struggle which seems like a tiny ray of hope of life in the midst of the brutality of the civil war. The women presented in the film also played an important role in the 2003 elections when Ellen Johnson-Sirleaf was elected the first female president of an African state. RE

HD, Farbe, 72 min. Regie: Gini Reticker Kamera: Kirsten Johnson Musik: Blake Leyh, Angelique Kidjo Schnitt: Kate Taverna Produktion: Abigail Disney, Fork Films Kontakt: Juli Kobayashi, Fork Films, 79 Fifth Ave, 4th Flo, 10001 New York, USA, +01-917-3 24 57 11, juli819@gmail.com www.praythedevilbacktohell.com

Gini Reticker arbeitet zunächst als Cutterin und besorgt den Schnitt für den Emmy-nominierten Dokumentarfilm „Fire from the Mountains“ (1987) von Deborah Shaffer sowie Michael Moores „Roger & Me“ (1989) und dessen TV-Show „The Awful Truth“ (1999). 1994 gibt sie mit „The Heart of the Matter“, ausgezeichnet mit dem Sundance Freedom of Expression Award, ihr Debüt als Dokumentarfilmerin und Producerin. Neben weiteren Auszeichnungen für eigene Arbeiten ist sie auch als Produzentin erfolgreich. Filmauswahl: New School Order (1997), Out of Darkness – Women and Depression (2000), In the Company of Women (2004), The Class of 2006 (2006)

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Predstawlenie Revue Das Leben der Sowjetbürger in den 1950er und 60er Jahren kennen wir nur als eine endlose Folge patriotischer Heldentaten im Dienste des Kommunismus. Ein Eindruck, den Dokumente aus jener Zeit durch einen pathetischen Kommentar und kämpferische Musik stets herzustellen wussten. Wenn man sie wegnimmt, bleiben Bilder. Sergei Losniza, der schon in „Blockade“ Archivaufnahmen neu bearbeitete, nutzt hier Wochenschaubilder jener Jahre, vertont und montiert sie neu. Statt mit Kommentar und Musik unterlegt er sie mit „Originalgeräuschen“, was die Illusion herkömmlicher dokumentarischer Aufnahmen erweckt. So gewohnt sie auf uns heute wirken, so spektakulär ist jedoch der Akt ihrer Umwidmung. Getrennt von jeglichem ideologischen Subtext werden die Dinge – vom Kopf auf die Füße gestellt – zu dem, was sie sind: der ganz normale Alltag ganz gewöhnlicher Menschen. Bei der Arbeit im Eisenwerk, auf der Baustelle, bei der Ernte, an der Maschine, in der Redaktion. Menschen, die tanzen, singen, ins Theater gehen oder zur Schule kommen. Die auch zur Wahl gehen, Chruschtschow lobpreisen und vor kleinbürgerlichem Verhalten gewarnt werden. Ein Leben voller Härte und Freude, voll Propaganda und Zukunftsglaube. In gewisser Weise hat Sergei Losniza den Menschen, die wir auf den Bildern sehen, ihr Leben befreit von Instrumentalisierungen zurückgegeben. GL

All we know of Soviet life in the 1950s and 60s is an endless series of patriotic feats of heroism in the service of communism – an impression cleverly created in all the documents of the time by means of pathetic voice-overs and gladiatorial music. If these are taken away, images remain. Sergei Losniza, who had already re-worked archive material in “Blockade”, re-edits newsreel pictures of the time and adds new soundtracks, replacing commentary and music with “original sounds”, which creates the illusion of traditional documentary footage. They may seem familiar to us today, but the act of rededication is spectacular. Separated from any ideological subtext, everything is turned upside down and becomes what it is: the ordinary everyday lives of ordinary people. At work in the ironworks or on construction sites, harvesting, operating machines or working in the newsroom. People who dance, sing, go to the theatre or come to school. Who also vote, praise Khrushchev and are warned of bourgeois behaviour. A life of hardship and joy, full of propaganda and faith in the future. In a way, Sergey Loznitsa returns their lives to these people, freed from political instrumentalisation. GL

Internationales Programm Dokumentarfilm

Deutschland, Russische Föderation, Ukraine 2008 35 mm, s/w, 82 min. Regie, Buch, Schnitt: Sergei Losniza Produktion: Heino Deckert, ma.ja.de. filmproduktion Koproduktion: Swetlana Sinowjewa, Inspiration Films/LRT Vertrieb, Kontakt: Heino Deckert, Deckert Distribution, Marienplatz 1, 04103 Leipzig, Deutschland, +49-341-2 15 66 38, info@deckert-distribution.com

Sergei Losniza wurde 1964 im weißrussischen Baranowitschi geboren und wuchs in Kiew auf. 1981–1987 studierte er Mathematik in Kiew, arbeitete danach als Ingenieur für Kybernetik und war parallel dazu als Übersetzer für Japanisch tätig. 1991–1997 absolvierte er ein Regiestudium an der Staatlichen russischen Filmhochschule (WGIK) in Moskau. 2001 übersiedelte er nach Deutschland, schreibt hier auch Drehbücher für Spielfilme, realisiert jedoch weiterhin Dokumentarfilme in und über Russland. Er gewann zahreiche Tauben bei DOK Leipzig. Filmauswahl: Life, Autumn (1998), The Train Stop (2000), Portrait (2002), Factory (2004), Blockade (2005), Artel (2006)

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

Quian Men Quian A Disappearance Foretold Internationales Programm Dokumentarfilm

Belgien 2008

Das Entré: Ein Riesenbagger schiebt sich vorsichtig, aber machtvoll durch eine schmale Wohngasse. Ein weiteres traditionelles Stadtviertel von Beijing soll plattgemacht werden – im Namen des Fortschritts und für Olympia 2008. „Bald werden kaum noch Touristen nach Beijing kommen. Was sollen sie besichtigen? Hochhäuser? Meint ihr, die hätten so etwas nicht selbst?“ Die Bewohner der flachen Häuschen mit Wirtschaftshof, „Hutongs“ genannt, lassen sich nicht einwickeln von rosaroten Parolen, sie wissen sehr wohl, dass es nicht um sie, sondern um Gewinn geht, den andere haben werden. Sie müssen ihr (Wohn-)Eigentum hergeben für eine Summe, die für eine neue Wohnung nicht reicht. „Sie benehmen sich wie Diebe. Wo sind denn hier der Staat und die Partei, die das Volks zu schützen haben?“ Es ist erfrischend, wie scharfzüngig sich die Bewohner zur Wehr setzen, auch wenn sie die Drahtzieher ja nie vorm Visier haben. Stattdessen sind es Lohnarbeiter vom Land, die vor ihren Nasen die Hütten zerschlagen, roh und rücksichtslos. Ohnmächtig müssen sie zusehen. Und wer nicht freiwillig geht, dem wird nachts das Haus demoliert – am Ende leben manche wie Nomaden in ihren halbzerstörten Häusern. Äußerst präzis und eindringlich führt uns der Film ein wohlbekanntes Phänomen vor: Wie Kapitalinteressen das autonome Gemeinschaftsleben der Menschen zerstören. Welcome to China! KF

The introduction: A giant excavator pushes carefully but powerfully through a narrow residential alley. Another traditional quarter of Beijing is to be torn down – in the name of progress and for the 2008 Olympiad. “Soon there will be hardly any tourists in Beijing. What should they visit? High rises? Do you think they don’t have them at home?“ The inhabitants of the low houses with courtyards called “hutongs” don’t fall for the rose-coloured slogans; they know that this is not about them, but about profit for others. They have to give up their property for a sum that won’t pay for a new flat. “They behave like thieves. Where are the state and the party who ought to protect the people?” It’s refreshing to hear the sharp words with which the inhabitants defend themselves, even if they can never get directly at those who pull the strings. Instead it’s the wageworkers from the country who tear down their homes right under their noses, crudely and ruthlessly. They are forced to watch, powerless. And if they don’t leave on their own accord, their homes are demolished overnight – some end up living like nomads in half-destroyed houses. This extremely precise and vivid film brings home a well-known phenomenon: how the interests of the capital destroy the life of autonomous communities. Welcome to China! KF

Beta SP (PAL), Farbe, 87 min. Regie, Buch: Olivier Meys Kamera: Yang Jin, Sun Weywey, Zhang Ya Xuan Schnitt: Yannick Leroy Produktion: Karim Cham, Limited Adventures Koproduktion: Gilles Padovani, Mille et une Films Vertrieb, Kontakt: Kathleen de Bethune, Centre de l’Audiovisuel à Bruxelles, 19f av des arts, 1000 Brüssel, Belgien, +32-2-2 27 22 30, cba@skynet.be

Olivier Meys wurde 1974 in Brüssel geboren. Er studierte bis 2000 Filmund Hörfunkregie am Institut des Arts de Diffusion (IAD) in Louvain-la-Neuve und realisierte anschließend vor allem Radioreportagen, darunter die mehrfach preisgekrönte Trilogie „Identité. Paysan/Ouvrier“. Sein Dokumentarfilmdebüt gab er 2006 mit „A Big Lake“ in Ko-Regie mit Liping Weng. Der Film wurde auf den Festivals „Traces des Vies“ und „Caméra des Champs“ mit Hauptpreisen ausgezeichnet. Seit 2005 lebt Olivier Meys in China.

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

Sdrawstwui, solnyschko! Good Morning, My Sun! Sie ist zwar blind, aber ihr Kittel strahlt in fröhlichen Farben. Sie lebt allein, aber die Tiere sind versorgt, und im Garten sprießen die Blumen. Sie kann nicht sehen, aber reden und dichten umso besser. Die Ziegen melkt sie, dann wird gebacken, mit den Eiern aus dem Hühnerstall. Danach wird gefegt, alles ist sauber und ordentlich. Seit vier Jahren ist sie blind, doch man glaubt es ihr kaum. Sie steht fest auf ihren zwei Beinen, zögert kaum bei der Arbeit und versorgt Haus, Garten und Tiere. Doch sie ist alt, vielleicht zu alt für dieses Leben allein. Und obwohl sie ganz integriert ist als Russin in kasachischer Umgebung, seit vierzig Jahren lebt in diesem Dorf, jeden kennt mit seinem Geschwätz und seinen Schrullen, wird sie ihre Siebensachen zusammenpacken und zur Tochter in die Stadtwohnung ziehen. Und erst dann, und nur dann vergießt sie ein paar Tränen. KF

She may be blind, but her smock is a riot of cheerful colours. She lives alone, but the animals are well taken care of and the flowers in the garden are blooming. She can’t see, but she’s all the better at talking and writing poems. She milks the goats before she does some baking, using the eggs from the chicken coop. Then she sweeps until everything is clean and orderly. She has been blind for four years now, but it’s hard to believe, she has both feet firmly on the ground, hardly hesitates at work and takes care of the house, the garden and the animals. But she is old, maybe too old to live this life alone. Even though she is Russian, she is well integrated in her Kazakh neighbourhood, has lived in this village for forty years, and knows all the gossip and everybody’s quirks. Still, she will pack her bags and move in with her daughter in her city flat. And only this makes her shed a few tears. KF

Internationales Programm Dokumentarfilm

Kirgisistan 2008 Beta SP (PAL), Farbe, 15 min. Regie, Buch, Schnitt: Uljana Konowalowa Kamera: Almas Supatajew Produktion: Artykpay Sujundukow, Kirgisisch-türkische Manas-Universität Kontakt: Uljana Konowalowa, ulko_yanko@mail.ru

Uljana Konowalowa besuchte die Schule im Pamir-Hochland in der Gegend des Kara-Kul-Sees. 2003–2008 studierte sie an der Fakultät für Kommunikationswesen der Kirgisisch-türkischen Manas-Universität in Bischkek, wo sie bislang alle ihre Filme fertigstellte. 2007 sammelte sie weitere berufliche Erfahrungen beim türkischen Fernsehsender TRT in Ankara sowie bei GTRK, dem zentralen staatlichen Fernsehen von Kirgisistan.

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Shesh Komot Le’Geheinom Six Floors to Hell Internationales Programm Dokumentarfilm

Israel 2008

Die Tiefgarage eines aufgegebenen Einkaufzentrums in Tel Aviv. Dunkelheit. Das Aufflackern einer Kerze. Die Glut einer Zigarette. Schemenhaft sind die Umrisse von Menschen zu erkennen. Willkommen in der Hölle. Über 400 Männer leben hier, illegale Palästinenser aus der Westbank oder Gaza, die sich als Tagelöhner auf dem „Sklavenmarkt“ der Stadt anbieten und ihre Nächte sechs Stockwerke tief unter der Erde verbringen – ohne Wasser, Strom oder frische Luft. Unter ihnen Jalal, der Protagonist dieses ungewöhnlichen Blicks in die israelisch-palästinensische Wirklichkeit. Er hält es hier nur aus, weil er Geld für seine Hochzeit mit Nisrin braucht, seiner großen Liebe, die im Flüchtlingslager Salem in der Westbank darauf wartet, dass er das Dach ihres zukünftigen Hauses fertigstellt. „Was bleibt einem in der Dunkelheit anderes als nachzudenken?“, sagt Jamal an einer Stelle des Films. „Ich denke über die Liebe nach.“ Die Liebe, das ist das pralle Licht der Westbank, in die die Arbeiter am Wochenende zurückkehren, Arbeit die furchterregende Finsternis der Tiefgarage. Jamal kämpft für einen einfachen Traum – heiraten, in seinem Haus leben und jeden Tag zur Arbeit gehen. Dem steht unversöhnlich der israelisch-palästinensische Konflikt entgegen. Und damit ist dieses sensible und berührende Porträt der Männer im sechsten Untergeschoss der Hölle auch ein Film über das Exil im eigenen Land. MH

The underground car park of an abandoned shopping mall in Tel Aviv. Darkness. A candle flickers. A cigarette glows. You can just make out people’s silhouettes. Welcome to hell. More than 400 men live here, illegal Palestinians from the West Bank or Gaza who offer themselves as day labourers on the city’s “slave market” and spend their nights six floors underground – without water, electricity or fresh air. Jamal is one of them, the protagonist of this unusual view of Israeli-Palestinian reality. He endures all this only because he needs money to marry Nisrin, the love of his life, who is waiting for him in the Salem refugee camp in the West Bank to finish the roof of their future home. “What else can you do in the darkness but think?”, Jamal says in the film. “I’m thinking about love.” Love, that’s the bright light of the West Bank to which the labourers return on weekends; work, that’s the terrifying darkness of the car park. Jamal is fighting for a simple dream – get married, live in one’s own house and go to work every day. But he’s up against the irreconcilable IsraeliPalestinian conflict, which makes this not just a sensitive and moving portrait of men on the sixth floor of hell but also film about being exiled in one’s own country. MH

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 52 min. Regie, Buch: Jonathan Ben Efrat Kamera: Gonen Glazer Schnitt: Tal Waissman Produktion: Claudia Levin, Claudius Films Kontakt: Jonathan Ben Efrat, Video48, p.o.b. 35252, 61351 Tel Aviv, Israel, +972-3-5 37 32 80, musti.ben@gmail.com www.claudiusfilms.com

Jonathan Ben Efrat, 1973 in Jerusalem geboren, verbringt aufgrund der Weigerung, in der West Bank zu kämpfen, einen Teil seiner Wehrdienstzeit im Gefängnis. Nach verschiedenen Gelegenheitsjobs schließt er 2000 „Hassifa“, ein Studienprogramm für Multimedia-Produktionen und Visuelle Kommunikation ab. Er ist Mitbegründer der Gruppe Video 48 und verfolgt als Autor und Cutter, seit 2003 auch als Regisseur, deren Anliegen, der arabischen Bevölkerung Israels eine Stimme zu geben. Filmauswahl: Breaking Walls (2003)

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Sings Music for Pleasure Sings Music for Pleasure Zwei Freunde, Stevie und John, das Ehepaar Bill und Mary und die rüstige Joan mit ihrer Tochter Lynn sitzen jeweils als Paar vor der Kamera und unterhalten sich über Musik. Doris Day, Frank Sinatra, Elvis, West Side Story. Sie werfen sich Stichworte aus ihrem Leben zu. Lieblingslieder, erste Schallplatten, Radiohits. Bill trug, als sein Idol Sinatra verstorben war, eine schwarze Krawatte. Joan erinnert sich, dass alle ruhig sein mussten, wenn ihr Lieblingssänger im Radio lief. Ihre Unterhaltungen, in denen sie immer wieder zum Singen ansetzen, sind voll englischen Humors. Schließlich bieten sie Gesangseinlagen bis der Text ausgeht. Am liebsten möchte man sich zu ihnen setzen und mitsingen. AS

Two friends, Stevie and John, a married couple, Bill and Mary, and sprightly old Joan with her daughter Lynn sit in pairs in front of the camera and talk about music. Doris Day, Frank Sinatra, Elvis, West Side Story. They toss catchwords from their lives back and forth. Favourite songs, first records, radio hits. Bill wore a black tie when his idol Frank Sinatra died. Joan remembers that everyone had to keep quiet when her favourite singer was played on the radio. Their conversations, interrupted by the occasional burst of singing, are full of British humour. At last they perform songs until they run out of lines. One would just love to sit down and sing with them. AS

Internationales Programm Dokumentarfilm

Vereinigtes Königreich 2008 Beta DIGITAL (PAL), s/w, 20 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Produktion, Vertrieb, Kontakt: Sam Huntley, 73 Tyndale Mansions , N1 2XG London, Vereinigtes Königreich, +44-777-9 59 17 46, sam@samhuntley.com

Der gebürtige Londoner Sam Huntley, Jahrgang 1979, machte 2002 seinen Abschluss in Grafikdesign an der University of Brighton. Sein Kurzfilmdebüt „Polish Your Shoes“ (2003) wurde unter anderem auf dem Big Issue Film Festival in London sowie den internationalen Filmfestivals in Melbourne und Cork ausgezeichnet. 2007 entstanden die Musikvideo-Produktionen „Leave Yourself Alone“ und „The Unexpected“ für die Band Black Black.

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Sonbol Sonbol Internationales Programm Dokumentarfilm

Deutschland 2007

Sonbol Fatemi, 35 Jahre alt, von Beruf Zahnärztin mit eigener Praxis. Die Gesellschaft erwartet von ihr, dass sie verheiratet ist, inzwischen zwei Kinder hat, weniger arbeitet und sich um die Familie kümmert. Denn sie lebt in Mashad, einer Stadt in der Islamischen Republik Iran. Aber Sonbol ist alleinstehend, geschieden, ohne Kinder und wohnt bei ihren Eltern. In ihrer Freizeit fährt sie Autorallyes und erzählt mit Vorliebe schmutzige Witze, die ihre Mutter gar nicht komisch findet. Die beiden geraten immer wieder aneinander, denn Sonbol will keine Erwartungen erfüllen, will unabhängig sein, sich frei entscheiden können. Der Film porträtiert eine Frau, die sie selbst bleiben will und dafür kämpft – mit Gott an ihrer Seite, jeden Tag aufs Neue. AS

Sonbol Fatemi, 35 years old, is a dentist who has her own surgery. Society expects her to be married, have two children by now, work less and take care of her family, for she lives in Mashad, a city in the Islamic Republic of Iran. But Sonbol is single, divorced and childless and lives with her parents. In her spare time she competes in car rallies and loves to tell dirty jokes. Her mother doesn’t think those jokes funny at all. The two argue constantly, since Sonbol doesn’t want to fulfil expectations; she wants to be independent, make her own decisions. The film portrays a woman who wants to be herself and fights for it – with God on her side, every day. AS

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 54 min. Regie, Buch: Niko Apel Kamera: Beate Scherer Musik: Axel Wolf Schnitt: Ben von Grafenstein Produktion: Jochen Laube, Sommerhaus Filmproduktionen Koproduktion: Filmakademie Baden-Württemberg Kontakt: Jochen Laube, Sommerhaus Filmproduktionen, Alleenstraße 2, 71638 Ludwigsburg, Deutschland, +49-7141-2 99 18 60, jochen.laube@gmx.de

Niko Apel, 1978 in Frankfurt am Main geboren, arbeitete während der Schulzeit als Filmvorführer, drehte eigene Kurzfilme und sammelte Ende der 1990er Jahre Erfahrungen als Produktionsassistent in Berlin und Paris. 2002–2007 studierte er Dokumentarfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg. „Sonbol“ ist sein Abschlussfilm und gewann den First Steps Award 2008. Filmauswahl: Genova citta aperta (2001), Prime Time (2003), Pake (2005)

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The English Surgeon The English Surgeon Der kleine Mann mit der großen Brille, der aussieht wie aus einem Woody-Allen-Film entsprungen, radelt täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit, werkelt in seinem Garten, sitzt abends mit einem Glas Rotwein am Kamin. Und bewegt sich täglich zwischen Leben und Tod. Henry Marsh ist einer der anerkanntesten Hirnchirurgen Großbritanniens, ein Pionier auf seinem Gebiet und Retter vieler Menschenleben. Auch in der Ukraine, wo er seit 15 Jahren gemeinsam mit seinem Freund Igor behandelt, operiert und durch den Transfer von Know-how und medizinischer Ausrüstung eine eher mittelalterliche Chirurgie auf den Stand der Zeit zu bringen hilft. Geoffrey Smiths Film folgt Henry nach Kiew, wo das Leid der Patienten ebenso groß ist wie das Improvisationsgeschick der Ärzte, die in Ermangelung adäquater Geräte schon mal kurzerhand mit dem Baumarktbohrer einen Kopf öffnen. In dieser Umgebung ist der Starchirurg aus England mehr als sonst mit der Angst vor dem Scheitern seiner Kunst konfrontiert. Die kunstvoll aufgebaute Spannung kulminiert in der Operation eines Hirntumors, während der Patient bei Bewusstsein bleiben muss, weil es an moderner Überwachungstechnik fehlt. Den Hintergrund dazu bildet die Geschichte eines Mädchens, bei dem sein Rettungsversuch fehlschlug. Ein beeindruckender Film über menschliche Solidarität und über das Versagen, das jede unserer Handlungen als Möglichkeit begleitet. GL

The little man with the big glasses who looks as if he stepped out of a Woody Allen film cycles to work every day, potters about in his garden, has a glass of red wine in front of his fireplace at night – and treads the line between life and death every day. Henry Marsh is one of Britain’s foremost brain surgeons, a pioneer in his field and a man who has saved many lives. In the Ukraine, too, where he has been treating and operating patients for the past 15 years with his friend Igor, he has helped, through the transfer of know how and medical equipment, to bring a rather medieval surgery practice up to date. Geoffrey Smith’s film follows Henry to Kiev where the patients’ suffering is at least as great as the doctors’ resourcefulness, who, lacking adequate equipment, don’t mind opening a skull with a hardware store drill. In this environment, the star surgeon from England is confronted even more than usual with the fear of failure. The cleverly plotted suspense culminates in a brain tumour operation during which the patient must remain conscious because there is no modern monitoring equipment. This is set against the story of a girl whom he was unable to help. An impressive film about human solidarity and the potential failure that accompanies all our actions. GL

Internationales Programm Dokumentarfilm

Vereinigtes Königreich, Ukraine 2007 HD, Farbe, 93 min. Regie: Geoffrey Smith Kamera: Graham Day Musik: Nick Cave, Warren Ellis Schnitt: Kathy O’Shea Produktion: Geoffrey Smith, Eyeline Films Vertrieb: Rachel Wexler, Bungalow Town productions Kontakt: Rachel Wexler, Bungalow Town productions, Southmore Cottage, Long Green, IP22 1PU Wortham, Vereinigtes Königreich, +44-1379-89 87 97, rachel@bungalow-town.com www.theenglishsurgeon.com

Geoffrey Smith, im australischen Melbourne geboren, war 1987 an einem Dokumentarfilm zu den Präsidentschaftswahlen auf Hawai beteiligt, wurde in Kämpfen vor Ort verwundet und verarbeitete seine Erfahrungen in einem eigenen Film für die BBC. Die subjektive Kamera als Medium eines persönlichen Zugangs zu Themen und Lebenswegen ist seither Markenzeichen für viele seiner Filme. Smith lebt seit mehreren Jahren in London. Neben weiteren Preisen wurde er 2005 mit dem Royal Television Society Best Science Documentary ausgezeichnet. Filmauswahl: The New Man (1999), Breath of Life (2000), Your Life in Their Hands (2004), The Children of Helen House (2007)

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The Return The Return Internationales Programm Dokumentarfilm

Kambodscha 2008

Kim und Kate trainieren zusammen in Phnom Penh für ein Tanz-Theater. Eine ist Profitänzerin für traditionellen Khmer-Tanz, die andere bringt den zeitgenössischen Tanz aus dem Westen mit. Aber Kim sitzt im Rollstuhl. Nie wieder würde sie tanzen können, hatte sie Kate vor Jahren entgegengehalten. Doch Tanz kann mehr, als man denkt. Zusammen haben sie aus Tradition und Moderne, Behinderung und Beweglichkeit eine Technik entwickelt, die ihnen gemeinsamen tänzerischen Ausdruck möglich macht. Basis war ein klares Körpergefühl und Vertrautheit miteinander, dann die Synthese östlicher und westlicher Tanztraditionen. So entstehen vor unseren Augen Tanzbilder, die Behinderungen vergessen lassen. Und im Dialog der Freundinnen erfahren wir – ganz nebenbei – von zwei Biografien, die verschiedener und ähnlicher kaum sein könnten. Kim war sieben Jahre, als 1975 die Roten Khmer ihre Familie trennte und das Kind in ein entferntes Dorf verschleppten. Tanzen hat sie zuerst von den Propaganda-Shows jener Zeit gelernt. Kates Vater kämpfte Zeit seines Lebens gegen die Behinderung durch eine Kinderlähmung, die Mutter war früh gestorben. Beide Frauen kannten nur zu gut den Kampf des „Und dennoch!“. So verbindet „The Return“, der weder ein Tanznoch ein Behindertenfilm ist, sehr geschickt unterschiedlichste Themen in einer einzigen Geschichte – der einer Freundschaft. KF

Kim and Kate are both rehearsing for a dance theatre in Phnom Penh. The first is a professional classic Khmer dancer, the latter’s contribution is Western contemporary dance. But Kim is wheelchair-bound. Years ago, she told Kate that she would never be able to dance again. But there’s more to dance than one might think. Together they created a technique that fuses tradition and modernity, disability and mobility and enables them to express themselves by dancing together. It is based on a clear body image, intimacy and the synthesis of Eastern and Western dance traditions, creating images of dancing which let us forget any disability. In addition, the dialogues between the two friends teach us, quite in passing, about two biographies that couldn’t be more different and at the same time more alike. Kim was seven years old when the Khmer Rouge separated her family and carried off the child to a distant village. She first learned to dance for the propaganda shows of that time. Kate’s father fought against his polio-induced handicap all his life, her mother died early. Both women were only too familiar with fighting against the odds. Thus the film, which is neither a dance film nor a film about handicapped people, skilfully combines quite diverse subjects in a single story – of a friendship. KF

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 73 min. Regie, Buch, Schnitt: Jo Parkes, Sven O. Hill Kamera, Produktion: Sven O. Hill Vertrieb: Amy Broadfoot, Taskovski Films Kontakt: Festivals Co-ordinator, Taskovski Films, 32 Korunovacni, 17000 Prag, Tschechische Republik, festivals@taskovskifilms.com www.mobiledance.org

Jo Parkes, in Berlin und London lebend, studierte bis 1994 britische und deutsche Literatur in Oxford und schloss 1998 als Fulbright-Stipendiatin mit einem Master in Choreographie an der University of California in Los Angeles ab. Ihre sowohl mit professionellen als auch Laien-Tänzern erarbeiteten Projekte verbinden Tanz, Sozialarbeit und filmische Dokumentation. 2002 erhielt sie den Bonnie Bird New Choreography Award. Ihre bisherigen Kurzfilme wurden auf internationalen Festivals gezeigt. Sven O. Hill, 1975 in Düsseldorf geboren, studierte Sozialwissenschaften, war anschließend als freier Cutter tätig und absolvierte ein Kamerastudium an der FAMU Prag und der Universität Hamburg, wo er 2004 mit dem Kurzfilm „Hellblau“ abschloss. “The Return” ist sein Langfilm-Regiedebüt.

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Tomorrow-Yeah! Tomorrow-Yeah! Ein kurzer Film über Basketballspieler im Training. Ein visueller und akustischer Leckerbissen in Schwarz-Weiß, exzellent gefilmt, mit einem feinen Gespür für Rhythmus und Tempo, einem exaktem Timing in der Montage und einem sorgfältig abgemischten Soundtrack, der den Zuschauer in die Atmosphäre eines Spiels zieht, das er nicht zu sehen bekommt. Wäre es technisch möglich, die Macher dieses Films hätten uns auch noch den Geruch von Schweiß geliefert. MH

A short film about basketball players in training: a visual and aural pleasure in black and white, brilliantly shot, with a delicate sense of rhythm and tempo, precisely timed montage and a carefully balanced soundtrack which pulls the audience into the mood of a game they can’t see. If it were technically feasible, the filmmakers would even have added the smell of sweat. MH

Internationales Programm Dokumentarfilm

Deutschland 2008 35 mm, s/w, 13 min. Regie, Buch, Schnitt: Daniela Abke Kamera: Dieter Stürmer Musik: Uwe Niepel Produktion: Daniela Abke, Kunsthochschule für Medien Kontakt: Daniela Abke, Ostbarthauser Str. 1, 33829 Borgholzhausen, Deutschland, daniela.abke@gmx.de

Daniela Abke, 1968 in Versmold/ Westfalen geboren, studiert nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau bis 2003 Kunst, Visuelle Kommunikation und Musik in Oldenburg und schließt mit dem kurzen Dokumentarfilm „Schneeweiß“ ab. Bereits 1997 gründet sie mit Dorothee Brüwer die Produktionsfirma 2D film. Zusammen mit ihr realisiert sie auch ihre ersten Filmarbeiten, darunter das Videoessay „Willkommen auf der Erde“ (1995) und die prämierte Kurzdoku „Go to Shanghai“ (1999). „Tomorrow-Yeah!“ ist Abkes Abschlussfilm des Postgraduiertenstudiums an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

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Témoin indésirable Unwanted Witness Internationales Programm Dokumentarfilm

Schweiz 2008

„Wir Kolumbianer wissen, dass es Menschen in diesem Land gibt, die mit den Schädeln der Ermordeten Fußball spielen. Wie kann unsere Gesellschaft da nur weitermachen, als wäre nichts geschehen?“ Dieser Tagebucheintrag des Journalisten Hollmannn Morris fasst das ganze Drama des Landes in einem einzigen Gedanken zusammen. „Témoin indésirable“ erzählt die Geschichte dieses mutigen Mannes, dessen wöchentliches Fernsehmagazin „Contravia“ sich mit der sozialen und politischen Situation im Lande auseinandersetzt – mit der Macht der Paramilitärs, dem Staatsterror, der Drogenmafia und den permanenten Menschenrechtsverletzungen. Der Film begleitet Morris auf seinen Einsätzen ins Landesinnere – dorthin, wo sich ansonsten kein Journalist verirrt. Er wird Zeuge des von den USA finanzierten Krieges gegen die KokaBauern, berichtet von Vertreibungen und Massakern und folgt den Spuren „Verschwundener“, die ihn bis zu den Massengräbern auf den Besitzungen lokaler Warlords führen. Als die Polizei nach einer Morddrohung gegen Morris die Leibwächter vor seinem Haus abzieht, entschließt er sich, mit seiner Familie ins Exil zu gehen. Doch das Exil bedeutet immer auch das Eingeständnis des eigenen Versagens, bedeutet, jenen das Land zu überlassen, die auf die Indifferenz der Gesellschaft gegenüber dem Unglück ihrer Mitmenschen bauen. Aber wie lange kann man den Kampf gegen diese Kräfte ertragen? MH

“We Colombians know that there are people in this country who play soccer with the skulls of the murder victims. So how can our society simply go on as if nothing had happened?” This diary entry by journalist Hollmann Morris sums up the whole drama of a country in a single thought. “Unwanted Witness” tells the story of this brave man, whose weekly television show “Contravia” deals with the social and political situation in his country: the power of the paramilitary groups, the state terrorism, the drug mafia and the permanent human rights violations. The film follows Morris on his missions to the interior of the country where no other journalist ever goes. He witnesses the USfinanced war against the coca farmers, reports on deportations and massacres and follows the tracks of “disappeared persons”, which lead him to mass graves found on the property of local warlords. When the police take off the guards watching his house after a murder threat against Morris, he decides to go into exile with his family, though exile always implies an admission of failure: it means leaving the land to those who rely on society’s indifference to the misfortune of their neighbours. But how long can anyone bear to fight against those powers? MH

HD, Farbe, 72 min. Regie, Buch: Juan José Lozano Kamera: Sergio Mejia Musik: Vincent Hammi, Gabriel Scotti Schnitt: Ana Acosta Produktion: Isabelle Gattiker, Intermezzo Films Koproduktion: Irène Challand, Television Swisse Romande Kontakt: Isabelle Gattiker, Intermezzo Films, rue de Bâle 28, 1201 Genf, Schweiz, +41-22-7 41 47 47, info@intermezzofilms.ch

Juan José Lozano, schweizerischer und kolumbianischer Staatsbürger, wurde 1971 geboren. Er studierte an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá und realisierte 1994–1998 als unabhängiger Produzent und Regisseur eine Dokumentarfilmreihe für das Kultusministerium Kolumbiens. 1998 übersiedelte er nach Genf, wo er neben Filmen über die politische Situation in Kolumbien und die Erfahrungen von Migranten in der neuen Heimat Schweiz auch Videokunst- und Theaterprojekte realisiert. Die Publikation von Lozanos Romandebüt ist in Vorbereitung. Filmauswahl: Le bal de la vie et de la mort (2001), Un train qui arrive est aussi un train qui part (2003), Hasta la última piedra (2006)

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Trzech Kumpli Three Buddies Am 7. Mai 1977 wurde der Student Stanisław Pyjas, treibende Kraft des nicht-kommunistischen Studentenbundes der Universität Krakau, tot aufgefunden. Die offizielle Version lautete, er sei eine Treppe hinabgestürzt und hätte sich dabei das Genick gebrochen. In den Jahren zuvor bildete Pyjas zusammen mit Bronek Wildstein und Lesław Maleszka eine unzertrennliche Clique. Alle drei verstanden sich als undogmatische Rebellen. Seit einigen Monaten war jedoch das Gift des Misstrauens in ihre Beziehung gesickert: Maleszka war vom polnischen Geheimdienst als Informant rekrutiert worden, und der gewandte Intellektuelle entwickelte einen unerwarteten Ehrgeiz, sich in dieser Position zu profilieren. Ermittlungen der polnischen Polizei, die allerdings jahrzehntelang vom Innenministerium unter Verschluss gehalten beziehungsweise verschlüsselt worden sind, ergaben, dass der Tod von Pyjas das Bauernopfer war, um Malezska davor zu bewahren als „Maulwurf“ aufzufliegen. Der Film von Ewa Stankiewicz und Anna Ferens versucht Verständnis- und Sichtschneisen in das Dickicht zu schlagen, welches die Geschichte und ihre Akteure bis heute umgibt. Die beiden Regisseurinnen operieren nicht in Vertretung eines nachträglichen Gerichtsverfahrens, sondern spüren den Unwägbarkeiten von Biografien nach. Viele der damaligen Protagonisten, vor allem die beiden überlebenden Freunde von Stanisław Pyjas, Wildstein und Maleszka, leben heute noch. Sie verkörpern zwei Extremvarianten, als Einzelmensch zwischen Loyalität und Verrat Stellung zu beziehen. Zwischen ihnen: ein weites Feld aus Grautönen. Abgründig und erschreckend normal. RE

On 7 May 1977, the body of Stanisław Pyjas, the student who was the driving force behind the non-communist student union of the University of Cracow, was found. The official version was that he had broken his neck as he fell down the stairs. In the years preceding the event, Pyjas had formed an inseparable group with Bronek Wildstein and Lesław Maleszka. All three saw themselves as undogmatic rebels. But the poison of suspicion had seeped into their relationship in the past few months: Maleszka had been recruited as an informer by the Polish secret service, and the shrewd intellectual developed an unexpected ambition to distinguish himself in this position. Investigations by the Polish police, which were suppressed or rather encoded by the Ministry of the Interior for decades, found that Pyjas’ death was the sacrifice of a pawn to avoid Maleszka’s exposure as a “mole”. The film by Ewa Stankiewicz and Anna Ferens tries to cut open gaps into the thickets that surround the story and its protagonists until today, to enable a better understanding and a clearer view. The two directors do not act out a retroactive court trial but trace the imponderability of biographies. Many of the protagonists of the time, especially Stanisław Pyjas’ two surviving friends, Wildstein and Maleszka, are still alive. They embody two extreme variations of individuals taking a stance between loyalty and treason. Between them lies a wide field of different shades of grey, unfathomable and terrifyingly normal. RE

Internationales Programm Dokumentarfilm

Polen 2008 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 107 min. Regie, Buch: Ewa Stankiewicz, Anna Ferens Kamera: Piotr Niemyjski Schnitt: Robert Ciodyk Produktion: Jarosław Potasz, TVN SA Vertrieb: Aneta Zareba, TVN SA Kontakt: Beata Biel, TVN SA, ul. Plk. Dabka 2, 30-832 Krakau, Polen, +48-12-6 52 81 42, b.biel@tvn.pl www.trzej-kumple.blog.onet.pl

Ewa Stankiewicz, 1967 geboren, studierte polnische Philologie und schloss zudem ein Studium an der Filmhochschule Łodz ab. Sie war Journalistin und Moderatorin in Paris, machte Reportagen für den polnischen Hörfunk und realisierte Dokumentarfilme für polnische Fernsehsender. Filmauswahl: Touch Me (2003), A Prayer for Random People (2004) Anna Ferens graduierte 1990 an der Fakultät für Journalismus und Politikwissenschaft der Universität Warschau. Sie ist als Producerin tätig und realisiert eigene Dokumentarfilme. 2004–2006 drehte sie Fernsehreportagen über Argentinien und Brasilien. Filmauswahl: Pigeons Must Fly (1997), Where Do Wild Strawberries Grow (2006)

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Vabzdziu dresuotojas The Bug Trainer Internationales Programm Dokumentarfilm

Litauen, Polen, Deutschland 2008

Es ist immer wieder ein kleines Wunder, wenn die Figuren im Kasperletheater auftauchen, sich bewegen und zu sprechen beginnen. Die Illusion ist stärker als der Verstand – wir wollen uns verführen lassen und in Phantasiewelten eintauchen. Ein Meister der Illusion war Wladislaw Starewicz (1882–1965). Als das Medium Film gerade erst erfunden war, begann der im litauischen Kaunas aufgewachsene Tierliebhaber, Käfer zu filmen. Doch, wie so oft im Leben, gehorchten die Protagonisten nicht dem ambitionierten Regisseur. Also begann Starewicz, tote Käferbeine mit Drähten zu versehen und die Kämpfe der Tiere im Einzelbildverfahren nachzustellen. Starewicz wurde zum Pionier des Animationsfilms und sorgte mit Werken wie „Die Stimme der Nachtigall“ oder „Reinecke Fuchs“ weltweit für Aufsehen. Sein Lebensweg führte ihn über Moskau bis nach Paris, wo er einzigartige Märchenfilme erschuf. „The Bug Trainer“ lässt nicht nur Kenner des Faches zu Wort kommen, die seine Bedeutung würdigen und Lebensstationen nachzeichnen. Mit Hilfe eines verliebten Käfers und aufwändiger Szenenbilder, Puppentrick- und 3DAnimation erschaffen die Regisseure auch das Universum des Künstlers neu und setzen ihm so ein liebevolles und höchst unterhaltsames filmisches Denkmal. CD

It’s always a small miracle when the puppets of the Punch and Judy show start to move and speak. The illusion is stronger than the mind – we want to be seduced and immerse ourselves in a fantasy world. Wladislaw Starewicz (1882–1965) was a master of illusion. Film had barely been invented when the animal lover, who had grown up in the Lithuanian city of Kaunas, began to film bugs. But, as often happens in life, his characters didn’t follow the ambitious director’s orders. So Starewicz began to fix wires to the legs of dead bugs and re-enact the fights between them by means of single frame exposures. Starewicz became a pioneer of animation and attracted worldwide attention with films like “Voice of the Nightingale” or “The Tale of the Fox”. His path led first to Moscow and then to Paris, where he created unique fairy tales on film. In “The Bug Trainer” we hear experts who recognise his importance and talk about the stations of his life, and more than that: aided by an amorous bug and lavish backdrops, puppet and 3D animation, the directors also recreate the artist’s universe and erect an affectionate and highly entertaining monument to his memory. CD

35 mm, Farbe und s/w, 53 min. Regie: Rasa Miskinyte, Donatas Ulvydas, Linas Augutis, Marek Skrobecki Animation: Adam Wyrwas Buch: Linas Augutis, Donatas Ulvydas, Jonas Banys, Kamera: Ramunas Greicius, Musik: Linas Rimsa Schnitt: Audrius Naujalis Technik: Stop motion animation Produktion, Vertrieb: Rasa Miskinyte, ERA FILM, Koproduktion: Zbignew Zmudzki, Se-ma-for Film Production Kontakt: Rasa Miskinyte, ERA FILM, K. Ladygos 1-119, LT-09001 Vilnius, Litauen, +370-5-2 78 81 87, rasa@erafilm.lt

Rasa Miskinyte besuchte das European Film College im Ebeltoft und schloss im Bereich audiovisuelle Kunst an der Litauischen Musik-Akademie in Vilnius ab. Seit 2005 ist sie vor allem als Producerin tätig. / Donatas Ulvydas, ebenfalls Absolvent der Litauischen Musik-Akademie in Vilnius, realisierte zwischen 1999 und 2005 über 150 Werbefilme und Musikclips, mit denen er mehrfach Preise gewann. / Linas Augutis studierte Bühnenbild und Videokunst an der Kunstakademie in Vilnius und realisierte zwei Dokumentarfilme. / Marek Skrobecki studierte an der Kunsthochschule sowie der Filmhochschule in Lodz. Der Spezialist für Puppenanimation, zeitweise unter der Mentorschaft von J. Henson, dreht seit 1992 international prämierte Animationsfilme.

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Wals Waltz Eine alte, geflickte Landstraße, bunte Herbstfarben an den Bäumen und ein einsamer Radfahrer, der sich mühsam durch die Landschaft schiebt. Im Dorf klopft er an schiefe Katen, Türen öffnen sich knarrend und alte Mütterchen mit Kopftuch begrüßen den Doktor. Er hört sich ihre Geschichten an, gibt die notwendigsten Medikamente, eine Spritze für‘s Herz – was kann er schon tun? Die Alten leben allein auf dem Land, manche als letzte Bewohner ihres Dorfes, ohne Versorgung, aber ihrer eigenen Hinfälligkeit sowie Raub und Brandstiftung ausgesetzt. Trotzdem wollen sie nicht weg aus dem heimatlichen Umfeld, auch wenn dieses einem Ende zutreibt wie sie selbst. Allem Verfall zum Trotz setzt der Doktor – selbst auch nicht mehr der Jüngste – all seine Zähigkeit ein, um wenigstens etwas zu lindern, da zu sein. Und gelegentlich mit der Babuschka einen Walzer zu tanzen. Ein ganz kleiner Film – ganz groß. KF

An ancient patched road, trees full of bright autumn colours and a lonely cyclist laboriously pedalling through the landscape. In the village he knocks on the doors of lopsided cottages, creaky doors open and old women with headscarves welcome the doctor. He listens to their stories, hands out the most essential medicines, gives a shot for the heart – what else can he do? The old people live alone in the country; some of them are the last inhabitants of their villages, no infrastructure, no protection against their own infirmity – or robbery and arson. And yet they refuse to leave their familiar surroundings, even if these are as decrepit as they themselves are. In the face of all this dilapidation, the doctor – although he isn’t a young man either – needs all his tenacity to bring at least some relief. To be there. And occasionally dance a waltz with Babushka. A small, but great film. KF

Internationales Programm Dokumentarfilm

Belarus 2008 Beta SP (PAL), Farbe, 20 min. Regie: Wiktor Asljuk Buch: Wolja Daschuk Kamera: Anatol Kasasaeu Schnitt: Nina Jafimawa Produktion: Uladsimir Sametalin Kontakt: Wiktor Asljuk, Kolzow St 16–44, 220090 Minsk, Belarus, victorasliuk@hotmail.com

Der Filmemacher Wiktor Asljuk, Jahrgang 1961, absolvierte ein Film- und Literaturstudium an der Weißrussischen Kunstakademie in Minsk und arbeitet seit 1995 in den Belarusfilm-Studios. Die bislang entstandenen Kurz- und Dokumentarfilme wurden ausnahmslos auf internationalen Festivals gezeigt und mit zahlreichen renommierten Preisen, unter anderem auch in Leipzig, ausgezeichnet. Seit 2003 ist Asljuk Mitglied der European Film Academy. Filmauswahl: Tears of Prodigal Son (1995), Andrew’s Stones (2000), We Are Living on the Edge (2002), Kola (2003), Sultan from Odrynki (2004), Maria (2006)

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Wernaja Faithful Internationales Programm Dokumentarfilm

Russische Föderation 2008

„Unsere Lieder waren das Einzige, was wir hatten“, sagt eine alte Frau auf die Frage des Fernsehreporters, wie man sich in einem fremden Land die eigene Sprache und Kultur bewahren konnte. 1962 waren die Nekrassow-Kosaken nach mehr als 150 Jahren, die sie zwangsweise in der Türkei verbracht hatten, als gefeierte Neu-Sowjetbürger in ihr angestammtes Land zurückgekehrt. Mit sich brachten sie ihren Glauben und eine religiöse Praxis, die noch aus Zeiten Katharinas II. stammt, sowie ihre Traditionen. Das hätte ihnen Halt gegeben, erzählen die alten Frauen, die sich unter der ausladenden Krone eines Baumes zum abendlichen Schwatz und Gesang versammelt haben. Traditionen wie die Zwangsheirat, die Jelena und Iwan vor vier Jahrzehnten zusammenführte und an der sie ohne Liebe festhielten – wie es sich eben gehört. Alles ist Schicksal, sagen die unter dem Baum, auch, dass die Sowjetmacht ihren Kindern den Glauben nahm. Und wer soll jetzt Priester werden? Die Bilder dieser kleinen Erzählung vom Sinn oder Unsinn rechten Glaubens und Schicksalsergebenheit leuchten wie in herbstliches Gold getaucht. Das passt zu den alten Frauen und ihren Liedern, die der Wind über zerzauste Weinberge weht. Dünn und zerbrechlich. GL

“Our songs were the only thing we had”, says an old woman when a television reporter asks her how one can preserve one’s own language and culture in a foreign country. In 1962, the Nekrasov Cossacks returned to the country of their ancestors as acclaimed new Soviet citizens, after more than 150 years of enforced exile in Turkey. They brought their faith and their religious practice which stems back to the times of Catherine II, and their traditions. That had given them something to hold on to, say the old women gathered for evening gossip and songs under the wide canopy of a tree. Traditions like the enforced marriage which brought Elena and Ivan together four decades ago and to which they adhered without love – as custom demands. Everything is fate, the women under the tree say, even the fact that the Soviet powers took their faith away from their children. And who’s to become priest now? The images of this little story about the sense or nonsense of true faith and resignation to one’s fate shine as if dipped in autumnal gold, which is well suited to the old women and their songs, carried over the scraggly vineyards by the wind. Thin and fragile. GL

Beta SP (PAL), Farbe, 27 min. Regie, Buch, Schnitt: Nastja Tarassowa Kamera: Irina Schatalowa Produktion: Igor Gelein, Alkonost Kontakt: Nastja Tarassowa, Alkonost, Malaja Kalitnikowskaja, 20, 109029 Moskau, Russische Föderation, tarastasya@mail.ru

Nastja Tarassowa stammt aus der Oblast Swerdlowsk und studierte 1996–2001 Journalistik an der Staatlichen Universität des Ural in Jekaterinburg. Seit 2002 arbeitet sie am Theaterprojekt „Theatre.doc“ mit und realisiert seit 2004 eigene Filme in der von ihr gegründeten Produktionsfirma Gamajun. 2006 schloss sie das Regiestudium mit Schwerpunkt Dokumentarfilm an der Staatlichen russischen Filmhochschule (WGIK) in Moskau ab. Filmauswahl: The Light of White Sea (2005), Children of Great Lake (2006), Without Borders (2007)

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Internationales Programm Dokumentarfilm International Programme Documentary Film

Wiedergeboren in Westfalen Reborn in Westphalia Im Kanon der Klischees und Vorurteile über deutsche Völkerschaften gilt der Westfale als behäbig, dickköpfig, religiös und fest in Traditionen verwurzelt. Unbestritten sind seine Stärken als Ackerbauer und Viehzüchter. Fernab der großen Metropolen konzentriert sich das städtische Leben der Westfalen auf Zentren wie Osnabrück oder Hamm-Uentrop … Mit dem liebvoll distanzierten Blick der Heimkehrerin erkundet Melanie Liebheit die westfälische Provinz und stößt dort auf einen Exilanten, der die Ruhe der Westfalen seit Jahren mit asiatischer Betriebsamkeit stört. Der tamilische Priester Sri Paskaran hat in Hamm-Uentrop eine neue Heimat und Bestimmung gefunden. Mit festem Glauben und gesundem Pragmatismus errichtet er inmitten von Lagerhallen und Wurstfabriken den größten tamilischen Hindu-Tempel Europas. Mit feinem Humor kontrastiert die Filmemacherin den bäuerlichen Alltag, Treffen in der Imbissstube oder das Schützenfest mit dem geschäftigen Treiben des Priesters und seinen Vorbereitungen zum farbenprächtigen Tempelfest, das inzwischen 20.000 Gläubige aus aller Welt anlockt. Beim Betrachten dieses Soziogramms der deutschen Provinz in Zeiten der Globalisierung werden fröhliche Erinnerungen an Filme der „Stuttgarter Schule“ wach. CD

The catalogue of clichés and prejudices about the different German peoples lists Westphalians as phlegmatic, stubborn, religious and deeply rooted in tradition. Their strengths as farmers and stockbreeders are undisputed. Far from the big metropolises, Westphalian urban life revolves around cities like Osnabrück or Hamm-Uentrop ... Melanie Liebheit explores the province of Westphalia with the loving and distant eye of the homecomer and comes across an exiled man whose Asian bustling has been disturbing the Westphalians’ peace for years. Tamil priest Sri Paskaran has found a new home and vocation in HammUentrop. Aided by firm faith and a healthy dose of pragmatism, he built the biggest Tamil Hindu temple in Europe in the midst of warehouses and sausage factories. With subtle humour, the filmmaker contrasts the farmers’ everyday life, meetings at the take-away or the traditional fairs with shooting competitions, with the priest’s bustling activity and his preparations for the colourful temple feast which by now attracts 20.000 believers from across the globe. Watching this sociogram of a German province in the age of globalisation evokes happy memories of the films of the “Stuttgarter Schule”. CD

Internationales Programm Dokumentarfilm

Deutschland 2008 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 90 min. Regie, Buch: Melanie Liebheit Kamera: Philip Vogt Schnitt: Miriam Märk, Melanie Liebheit Produktion, Vertrieb: Maren Lüthje, Luethje & Schneider Filmproduktion GbR Koproduktion: Mareike Lueg, Natalie Lambsdorff, Hochschule für Fernsehen und Film München Kontakt: Melanie Liebheit, Danklstraße 9, 81371 München, Deutschland, +49-89-76 35 24, melanieliebheit@yahoo.de

Melanie Liebheit, 1973 in Münster geboren, studierte bis 1998 Ethnologie in München und Manchester. 1999 begann sie ein Studium im Bereich Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Seit 2001 arbeitet sie regelmäßig bei Discovery Campus e.V. mit und gehört seit 2007 zur Leitung der Nonfiktionale – Festival des dokumentarischen Films Bad Aibling. Filmauswahl: Linie 19 – Eine Alltagsreise (2000), Nihad (2005)

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The FilmFestival Cottbus salutes the 51st International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film with the presentation of A FREE COUNTRY by Milo Harbich, Germany 1946 (Retrospective “Neue Heimat Brandenburg” – 17th FilmFestival Cottbus 2007)

1.11., 2.30 pm, CineStar 6

Focus New Cinema from the Baltics

a Main Supporters

Retrospective 1968 – the Prague Spring and the Aftermath

www.Qlmfestivalcottbus.de

a First Partner

a OfQcial Partner

a Organizer

tivity a e r c d n a y with jo y r t s u d n i doc y lm

r a t n e um c o d of e t u t insti

EX ORIENTE FILM — professional training for filmmakers with creative doc projects EAST EUROPEAN FORUM — pitching forum for east european creative docs EAST SILVER DOC MARKET — east european docs to sell DOCU TALENTS FROM THE EAST — presentation of the upcoming east european docs

… and more at www.DOCUinter.net — gate to east european documentary film


Retrospective and Homage

Retrospektive/ Hommage

Retrospektive und Hommage


Retrospektive: Fremde Heimat Retrospective: Strange Home

Retrospektive: Fremde Heimat – Migration von und nach Deutschland Retrospective: Strange Home – Migration to and from Germany

Retrospektive: Fremde Heimat

präsentiert vom presented by Bundesarchiv-Filmarchiv Text: Barbara Heinrich-Polte

Deutschland hat sich seit 1871 von einem Auswanderungs- zu einem Einwanderungsland gewandelt. Bereits im Kaiserreich wurden Ausländer beschäftigt, unter den Nationalsozialisten gab es Exil und (Zwangs-)migration, Fluchtbewegungen von „Displaced Persons“. Flüchtlinge und Vertriebene prägten die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Blick der diesjährigen Retrospektive des Bundesarchivs richtet sich auf das migrations- und integrationspolitische Geschehen nach Ende des Zweiten Weltkriegs in dem bis 1989 geteilten und danach wiedervereinigten Deutschland. In insgesamt achtzehn Filmen spiegeln sich die unterschiedlichen Positionen von Flüchtlingen, Umsiedlern, Gast- und Vertragsarbeitern, wie sie der unterschiedliche Sprachgebrauch in beiden politischen Systemen titulierte. Was in der DDR durch eine Beschäftigung von Ausländern aus den sozialistischen Bruderstaaten – häufig über Arbeitsabkommen – geregelt war, organisierte man vor fünfzig Jahren in der Bundesrepublik in vergleichbarer Form mit der „Gastarbeiteranwerbung“. So wurden zwischen 1955 und 1973 von Behörden und Unternehmen Millionen ausländischer Arbeitskräfte aus verschiedenen Mittelmeerländern angeworben. Sie und ihre Familien bilden bis heute die größte Gruppe der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund. Das belegen beispielhaft die beiden Filme „Was ich von Maria weiß“ und „Ganz unten“. Das Migrationsgeschehen in der DDR, vor allem nach 1961, war ebenfalls vom Anwerben ausländischer Arbeitskräfte gekennzeichnet, allerdings in weit geringerem Umfang als in der Bundesrepublik. In der DDR wurden zwischen 1966 und 1989 ca. eine halbe Million Arbeitskräfte aus Vietnam, Polen, Mosambik und anderen Staaten angeworben. Die Dokumentarfilme „Wir bleiben hier“, „Drei Briefe“, „... und morgen kommen die

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Since 1891, Germany has been developing from an emigration to an immigration country. Even in imperial Germany foreigners were employed. Under the Nazi regime there was exile and (forced) migration as well as waves of displaced persons, who, along with refugees, also shaped the post-war era. This year’s retrospective of the Federal Archive takes a look at post-WW II migration and integration politics in a Germany that was divided until 1989 and then re-united. A total of 18 films reflect the different positions of refugees, resettlers, and guest- and contract-workers, as they were respectively called in the terminology of the two political systems. What the German Democratic Republic regulated by employing – often by means of labour agreements – foreigners from the socialist sister states, the Federal Republic of Germany organised in comparable form when it started to recruit guest-workers in the 1950s. Between 1955 and 1973, public authorities and private companies recruited millions of foreign workers from the various Mediterranean countries. They and their families are the biggest group of people with a migration background living in Germany today – as portrayed by the two films “What I Know about Maria” and “The Lowest of the Low”. Recruiting foreign workers also played a role – though far less prominently than in the FRG – in the migration history of the GDR, especially after 1961. Between 1966 and1989 about half a million workers from Vietnam, Poland, Mozambique and other states were recruited. The documentaries “We Are Staying”, “Three Letters”, “... And the Polish Farmgirls Are Coming Tomorrow” throw light on some of these life stories from the 1960s, 70s and 90s.


präsentiert vom presented by

Polinnen“ beleuchten solche Schicksale aus den sechziger, siebziger und neunziger Jahren. Außerdem verstand sich die DDR als Exil für jene, die in ihrer Heimat politisch verfolgt wurden. Einen Blick darauf werfen die Filme „Eine chilenische Hochzeit“, „Heimkehr ins Gestern“ und „Copihuito“. Durch die Abwanderung großer Teile der Bevölkerung in den Westen und durch geringere Produktivität herrschte Arbeitskräftemangel. Von 1949 bis zum Mauerbau 1961 waren ca. 2,7 Millionen Menschen von Ost- nach Westdeutschland übergesiedelt. Leider gibt es zu diesem Thema kaum Dokumentar(Kino)filme im Bestand des Bundesarchivs. Dieses politisch brisante Sujet wurde offensichtlich mehr in Fernsehdokumentationen behandelt. Anders verhält es sich mit Filmen über das „Abstimmen mit den Füßen“, die Flucht von DDR-Bürgern Ende der achtziger Jahre. Stellvertretend hierfür steht der Film „Kein Abschied – Nur fort“ eine spröde, süß-bittere Studie über Weggehen und Ankommen, vertraute Fremde und fremd gewordene Heimat. Dem gegenüber steht der kurze Film „Der Kinder wegen – Flucht ins Vaterland“. Dieser sollte dem Publikum weismachen, eine Million Bürger hätten die BRD verlassen und Hunderttausende hätten Aufnahme in der DDR gefunden – ein Propagandafilm aus Zeiten des Kalten Krieges. Nur zwei größere Dokumentarfilme der Siegermächte beschäftigen sich mit Flucht und Vertreibung beziehungsweise deren unmittelbaren Folgen: „Asylrecht“ aus dem Jahr 1949 und „Eine Kleinstadt hilft sich selbst“ von 1950. Wie der Titel vermuten lässt, zeigt „Eine Kleinstadt hilft sich selbst“, wie eine süddeutsche Provinzstadt die kriegsbedingten Probleme erfolgreich bewältigt. Auch die Situation der Flüchtlinge wird thematisiert; sie sind deutlich schlechter gestellt als die alteingesessenen Bürger. Ganz im Sinne angloamerikanischer „Wunschflüchtlinge“ erdulden sie aber nicht nur ihr Schicksal, sondern arbeiten mit unermüdlichem Einsatz erfolgreich an ihrem Vorwärtskommen und ihrer Integration in die neue Heimat. Der Film „Asylrecht“ ist der einzige noch vor Gründung der Bundesrepublik 1949 fertiggestellte Dokumentarfilm der Besatzungsmächte. Er zeigt die Flucht über die sowjetische Besatzungszone in die britische Zone und das dortige Aufnahmeverfahren. Ein englischsprachiger Einleitungstext gibt zunächst eine historische Einführung, die die Deutschen als Opfer, aber auch als Verursacher von riesigen Bevölkerungsbewegungen zeigt. Nach diesen Informationen verdeutlichen Bilder sehr eindringlich Not und Elend der Flüchtlinge. Bei einer Probevorführung erhielt der Film 1949 einhelliges Lob für seine sachliche und zugleich packende Berichterstattung. Drei Sprachfassungen wurden in zahlreichen Ländern – darunter allein 120 Kopien in den USA – erfolgreich präsentiert. Auf der Biennale in Venedig erhielt der Film einen Sonderpreis. Der Einsatz in deutschen Kinos erwies sich jedoch als ungeahnt schwierig. Der „Evange-

The GDR also saw itself as a place of exile for anyone who was persecuted for political reasons in their home country. The films “A Chilean Wedding”, “Return to the Past” and “Copihuito” explore this theme. The migration of large parts of the population to the West, combined with lower productivity, led to a labour shortage. From 1949 until the Berlin Wall was built in 1961, around 2.7 million people had moved from East to West Germany. Unfortunately, there are hardly any documentary films (for the cinema) on this subject in the Federal Archive. It seems as if this politically explosive issue was more of a subject for television documentaries. This is not true of films about “voting with one’s feet”, the exodus of GDR citizens at the end of the 1980s. It is represented by the film “Kein Abschied – Nur fort”, a brittle, bittersweet study of leaving and arriving, familiar strange lands and a home country that has become alien. It is juxtaposed by the film “Because of the Children – Escape Home”, which was to make audiences believe that a million citizens had left the FRG and hundreds of thousands had been admitted to the GDR: a Cold War propaganda film. Only two bigger documentaries produced by the Allied powers dealt with flight and displacement, or rather their immediate consequences: “Right of Asylum” from 1949 and “Small Town Self Help” from 1950. As the title indicates, “Small Town Self Help” shows a provincial town in the south of Germany successfully coping with these war-related problems. The situation of the refugees is addressed, too; they are clearly worse off than the locals. In the spirit of the Anglo-American “ideal refugee”, though, they not only accept their fate but work indefatigably and successfully to better themselves and to be integrated in their new home country. The film “Right of Asylum” is the only documentary film produced by the occupying powers that was completed before the Federal Republic was founded in 1949. Its subject is escape from the Soviet Occupation Zone to the British Zone and the admission procedures there. An introductory English text provides some historical background, representing the Germans as victims, but also originators of huge migration movements. This information is followed by images illustrating the poverty and misery of the refugees very vividly. After a test screening in 1949, the film was unanimously praised for its factual and yet gripping report. Versions in three different languages were successfully presented in a number of countries – including 120 prints in the United States alone. The film was awarded a special prize at the Venice Biennial. Distributing it in German cinemas, however, turned out to be surprisingly difficult. The “Evangelische Filmbeobachter” (Protestant Film Observer) summarized in 1950: “The documentary ‘Asylrecht’

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Retrospektive: Fremde Heimat

Bundesarchiv-Filmarchiv


Retrospektive: Fremde Heimat Retrospective: Strange Home

lische Filmbeobachter“ resümierte 1950 „Der Dokumentarfilm ‚Asylrecht‘ zeigt in erschütternden Szenen das Gesicht dieser ‚verlorenen Generation’. Kein Kino will ihn spielen, kein Publikum [ihn] sehen.“ So verschwand der Streifen in den Archiven. Die Retrospektive holt ihn und weitere zu Unrecht vergessene oder selten gezeigte Filme wieder ins Licht der Projektion.

has devastating scenes showing the face of this ‘lost generation’. No cinema wants to screen it, no audience see it.” As a result, the film disappeared in the archives. The retrospective brings this and other unjustly forgotten or rarely screened films back into the light of the projection lamps.

Anlässlich des Festivals zeigt der rbb eine kleine DEFA-Dokumentarfilmreihe: On the occasion of the festival the following DEFA-documentaries will be screened by rbb:

Nähere Informationen zu allen Filmen der Retrospektive finden Sie publiziert in Further information on this years‘ retrospective are published in

Sendetermine dates of broadcast:

Fremde Heimat – Migration von und nach Deutschland

Donnerstag, 30.Oktober 2008, 00:00 Uhr

Hrsg.: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin 2008

Die Küche Jürgen Böttcher, DDR 1986 Freitag, 31.Oktober 2008, 00:40 Uhr

erhältlich im Festivalzentrum und an den Informationsständen available in the Festival Centre and at the information desks

Begegnungen an der Trasse Retrospektive: Fremde Heimat

Kurt Tetzlaff, DDR 1976 Donnerstag, 6.November 2008, 23:35 Uhr

Katrins Hütte Joachim Tschirner, BRD 1991

Programmreihen Programmes Programm 1 Asylrecht Right of Asylum Sie kommen zu Tausenden und wollen in das Land des Wohlstands – nicht anders als heute. Nur sind es Deutsche, die nach dem Krieg Einlass in die britische Besatzungszone begehren. They come by the thousands, all wanting to live in the land of plenty – just like today. Only this time it’s Germans who want to get entry into the British Zone of Occupation after the war.

Rudolf Werner Kipp, Britische Besatzungszone 1949, 42 min.

Eine Kleinstadt hilft sich selbst Small Town Self Help Mit Bürgersinn und Eigeninitiative hilft eine Kleinstadt im Nachkriegsdeutschland den Flüchtlingen, Fuß zu fassen. Civic-mindedness and personal initiative in a small town in post-war Germany help refugees settle in.

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Wolfgang Becher, BRD 1950, 12 min.


präsentiert vom presented by

Bundesarchiv-Filmarchiv

Programm 2 Ganz unten The Lowest of the Low Günter Wallraff als Türke Ali, dem als „moderner Sklave“ (mit versteckter Kamera) auf dem deutschen Arbeitsmarkt der 1980er Unglaubliches widerfährt. Ein Klassiker. Günter Wallraf as the Turk Ali, who has some incredible experiences as a “modern slave” on the German labour market of the 1980s (filmed using a hidden camera). A classic.

Jörg Gförer, BRD 1985, 101 min.

Retrospektive: Fremde Heimat

Programm 3

Begegnungen an der Trasse Track of Friendship Arbeit bei minus 30 Grad, eine deutsch-russische Hochzeit und Feierabendbier in der Baracke: DDR-Monteure an der „Trasse der Freundschaft“ in Sibirien. Work at minus 30 degrees, a German-Russian wedding and after-work beers in the barracks: GDR technicians at the “Track of Friendship” in Siberia.

Kurt Tetzlaff, DDR 1976, 47 min.

Boxberger Skizzen Sketches of Boxberg Eine deutsch-sowjetische Brigade beim Bau des größten Wärmekraftwerks Europas. Verständigungsprobleme, Materialengpässe und Montagearbeiten. A German-Soviet workers’ brigade are building the biggest thermal power plant in Europe. Language problems, material shortages and assembly work.

Armin Georgi, DDR 1974, 17 min.

Programm 4 Das Fremde The Other Das Fremde im Nachwende-Osten hat viele Gesichter. Die Porträts unterschiedlicher Menschen in einem nachdenklichen Essay lose gebündelt. Otherness has many faces in post-reunified East Germany. Portraits of different people, loosely linked in a meditative essay.

Detlef Gumm, Hans-Georg Ullrich, Deutschland 1994, 80 min.

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Retrospektive: Fremde Heimat Retrospective: Strange Home

Programm 5 Alvorada – Aufbruch in Brasilien Alvorada – Brazil’s Changing World Bildgewaltiges, avantgardistisches Epos von der Europäisierung Brasiliens, 1961 Oscar-nominiert. A visually stunning avant-garde epic of the Europeanisation of Brazil, Academy Award nominee in 1961.

Hugo Niebeling, BRD 1961, 77 min.

Retrospektive: Fremde Heimat

Programm 6

Copihuito Copihuito Chilenische Kinder in der DDR und ihre Zeitung. Chilean children in the GDR and their newspaper.

Günter Jordan, DDR 1977, 15 min.

Heimkehr ins Gestern Return to the Past Die Rückkehr eines griechischen Kommunisten in sein Heimatdorf nach 27 Jahren Exil. A Greek communist’s return to his native village after 27 years in exile.

Karl Gass, DDR 1976, 40 min.

Algier Report Algiers Report Ein junger Algerier 1963 in einer deutschen Flüchtlingsaufnahmestelle. A young Algerian man in a German refugees’ reception centre in 1963.

Bernhard Dörries, BRD 1963, 15 min.

Drei Briefe Three Letters Eine Nigerianerin, ein Kubaner und ein Iraker schreiben aus der DDR nach Hause. A Nigerian woman, a Cuban and an Iraqi man write home from the GDR.

Max Jaap, DDR 1962, 20 min.

Was ich von Maria weiß What I Know about Maria Alltag und Träume eines spanischen Mädchens im Schleswig-Holstein der frühen 1970er. The everyday life and dreams of a Spanish girl living in Schleswig-Holstein in the early 1970s.

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Gisela Tuchtenhagen, BRD 1973, 18 min.


präsentiert vom presented by

Bundesarchiv-Filmarchiv

… und morgen kommen die Polinnen ... and the Polish Farmgirls Are Coming Tomorrow In einem landwirtschaftlichen Großbetrieb werden Polinnen angelernt, nicht ohne Konflikte und Missverständnisse. Zudem ein ungeschönter Blick auf den Arbeitsalltag in der DDR. Polish women are apprenticed in a large agricultural farm, not without conflicts and misunderstandings. Besides, a candid look at the day-to-day working life of the GDR.

Gitta Nickel, DDR 1975, 52 min.

Eine chilenische Hochzeit A Chilean Wedding Zwei Exilchilenen haben sich in der DDR gefunden. Dennoch eine seltsam traurige Veranstaltung. Two exiled Chileans who fell in love in the GDR. Still, a strangely cheerless event.

Rainer Ackermann, Valentin Milanow, DDR 1977, 8 min.

Wir bleiben hier We Are Staying Ein vietnamesisches Ehepaar von den Anfängen der Wende bis zur Wiedervereinigung: einst begehrte Arbeitskräfte, jetzt von Abschiebung bedroht. A Vietnamese couple, from the early stages of the turn of political events until the actual reunification: once sought after workers, now threatened by deportation.

Dirk Otto, Deutschland 1990, 30 min.

Programm 8 Der Kinder wegen – Flucht ins Vaterland Because of the Children – Escape Home Übersiedler aus Westdeutschland in einem Propagandafilm des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR. Resettlers from West Germany in a propaganda film produced by the GDR Ministry of Foreign Affairs.

Winfried Junge, DDR 1963, 15 min.

Kein Abschied – nur fort No Farewell, Just Gone Drei Familien von Zehntausenden, die 1989 die DDR verlassen. Wie man lernt, sich anzupassen und BRD-Bürger zu werden. Three families out of tens of thousands who leave the GDR in 1989. How to learn to adapt and become a citizen of the FRG.

Lew Hohmann, Joachim Tschirner, Deutschland 1991, 100 min.

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Retrospektive: Fremde Heimat

Programm 7


Retrospektive: Fremde Heimat Retrospective: Strange Home

Retrospektive: Fremde Heimat

Programm 9

Freies Land A Free Country (Cottbus-Screening) Umsiedler in der Priegnitz, gespielt von Laiendarstellern im nahezu unbekannten semi-dokumentarischen, experimentell montierten zweiten Film der DEFA. Resettlers in the Priegnitz region, played by amateur actors in this almost unknown, semidocumentary and experimentally edited second DEFA film.

Milo Harbich, Sowjetische Besatzungszone 1946, 75 min.

KUNST KUNST KAUFEN, KAUFEN, KULTUR KULTUR ERHALTEN! ERHALTEN! Mit dem Mit Erwerb demeiner Erwerb Aktie einer derAktie gemeinnützigen der gemeinnützigen Schaubühne Schaubühne Linden- Lindenfels Aktiengesellschaft fels Aktiengesellschaft zum Ausgabewert zum Ausgabewert von 24 Euro von erhalten 24 Euro Sie erhalten ein Sie ein Stück Kunst Stück ausKunst Leipzig ausund Leipzig gleichzeitig und gleichzeitig ein Stück ein Kultur Stück in Kultur Leipzig.inAls Leipzig. Als AktionärInAktionärIn und MitbesitzerIn und MitbesitzerIn unterstützen unterstützen Sie aktiv Sie dasaktiv Theater das und Theater und Filmkunsthaus Filmkunsthaus Schaubühne Schaubühne Lindenfels. Lindenfels. Genaue Informationen Genaue Informationen erhalten Sie erhalten unter Sie unter Telefon: 0341 Telefon: - 480341 46 20- 48 46 20 www.schaubuehne.com www.schaubuehne.com vierfarbigesvierfarbiges Original, limitierte Original,Auflage limitierte Auflage von Christoph vonRuckhäberle Christoph Ruckhäberle

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Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

Barbara und Winfried Junge – Geschichten mit Bestand Barbara and Winfried Junge – Stories That Will Last

Der Name Junge verbindet sich vor allem mit jener Chronik der Kinder von Golzow, die als älteste Langzeitbeobachtung der Filmgeschichte zu einem Meilenstein des Genres wurde. Insbesondere die Einzelbiografien fanden und finden eine – für Dokumentarfilme – ungewöhnliche Verbreitung und Aufnahme. Dabei drehte gerade Winfried Junge neben den 21 Golzow-Filmen in 33 DEFA-Jahren weitere 32 Werke zu anderen Themen. Welch Arsenal von Geschichte und – wer ihn je erzählen hörte, weiß, was gemeint ist – Geschichten! Letztere handeln auch von Leipzig, „eine Universität“ für Winfried Junge. Seit 1956 kam er her, traf die Großen des Genres, schloss lebenslange Freundschaften, entdeckte das Cinema verité, berichtete für die legendäre Zeitschrift „Forum“. 1962 erhielt er für den zweiten Golzow-Film eine Silberne Taube, die das Projekt international bekannt machte. 1981 lief „Lebensläufe“ außerhalb des Wettbewerbs, Sonntag neun Uhr – dennoch volles Haus und Goldene Taube „ehrenhalber“. Auch als seine Filme in Leipzig offiziell nicht mehr als „vorzeigbar“ galten, blieb er dem Festival als Mitglied der Auswahlkommission verbunden. Anlässlich des Abschlusses der Golzow-Reihe und des 65. Geburtstags von Barbara Junge, die ab 1983 für den Schnitt und ab 1988 auch für Buch und Regie mitverantwortlich zeichnete, widmet DOK Leipzig diesen herausragenden Vertretern des DEFA-Dokumentarfilms eine Hommage, die vom ersten bis zum letzten Golzow-Film reicht und auch einen Einblick in ihr Schaffen jenseits von Golzow bietet. Nicht nur in der Geschichte der 1961 eingeschulten Oderbruch-Kinder geht es dabei oft um Kinder und Jugendliche, um Fragen von Bildung und Erziehung. Angesichts der Diskussion um PISA-Misere und Bildungskonzepte entfalten diese Arbeiten eine neue Dynamik und Brisanz. Der zweite große Themenkreis ist die Arbeitswelt. Die Frage, was der einzelne aus seinem Leben machen kann, welche Bedingungen ihm die Gesellschaft bietet und wie er/

Junge is a name most frequently associated with the chronicle of the children of Golzow which became a milestone of film history as the longest-running observation ever. The individual biographies in particular were – and still are – distributed and acclaimed far beyond the usual scope of documentary productions. In addition to the 21 Golzowfilms, though, Winfried Junge also produced another 32 works on different subjects during his 33 years at the DEFA Studio. What an arsenal of history and – as anyone who has ever heard him weave a tale knows – of stories! The latter are also about Leipzig, “a university” for Winfried Junge. He has come here frequently since 1956, met the great names of the genre, made lifelong friendships, discovered cinema vérité, and reported for the legendary “Forum” magazine. In 1962 he was awarded a Silver Dove for the second Golzow-film, which brought international recognition for the project. In 1981, “Lebensläufe” was screened out of competition at 9 a.m. on a Sunday morning – to a full house – and received an honorary Golden Dove. Even when his films were officially classified as “unpresentable” in Leipzig, he was still involved in the festival as a member of the selection committee. DOK Leipzig pays tribute to these outstanding representatives of the DEFA documentary on the occasion of the completion of the Golzow series and Barbara Junge’s 65th birthday. She has been the editor of the series from 1983, and co-writer and –director from 1988. The programme encompasses films from the series, ranging from the first to the last, and gives an insight into their work beyond Golzow. Very often, as in the stories of the children from the Oderbruch who started school in 1961, they dealt with children and young people, with issues of upbringing and education. In view of the current debate on PISA-related shortcomings 125

Hommage: Barbara und Winfried Junge

Texte: Grit Lemke, Programmer


Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

sie selbst Verantwortung für diese Gesellschaft übernimmt, zieht sich – neben Ironie und Pathos – durch jeden der Junge-Filme. Oder wie der Schriftsteller und Drehbuchautor Günther Rücker feststellte: „(…) ihr einmaliges Œuvre wird Bestand haben, wenn vieles, heute Modisches, längst vergessen sein wird.“ In Kooperation mit in cooperation with Bundesarchiv-Filmarchiv

and new education models, these works gain a new momentum and relevance. Their second great theme was the world of work. What can the individual make of his or her life, which conditions are offered by society and how can he or she assume responsibility for this society are questions addressed in each of the Junges’ films – always with irony and pathos. Or, as the writer and scriptwriter Günther Rücker remarked: “(...) their unique œuvre will last even when much of what is fashionable today is forgotten.”

Programmreihen Programmes Hommage: Barbara und Winfried Junge

Lernen macht Spaß – Golzow 1961–71 Learning Is Fun – Golzow 1961–71 Wenn ich erst zur Schule geh‘ Some Day, When I Go to School

Wenn man vierzehn ist When You Are Fourteen

DDR 1961, 13 min.

DDR 1969, 36 min.

Nach einem Jahr A Year Later

Die Prüfung The Examination

DDR 1962, 29 min.

DDR 1971, 20 min.

Elf Jahre alt Eleven Years Old DDR 1966, 29 min.

Problemkinder Problem Children Keine Pause für Löffler. Ein Lehrer und seine 6c Wenn jeder tanzen würde, wie er wollte, na! No Break for Löffler. A Teacher and his Class 6c. If Everyone Danced Any Way They Wanted, Well! DDR 1973/74, 71 min.

DDR 1972, 25 min.

Von Syrien bis Markersbach – Kurzfilme From Syria to Markersbach – Short Films In Syrien auf Montage A Construction Job in Syria

Termin Spirale 1 Schedule Spiral 1

DDR 1970, 19 min.

DDR 1977, 30 min.

Einberufen Enlisted

Das Pflugwesen, es entwickelt sich Ploughing Moves forward

DDR 1971, 19 min.

DDR 1986/87, 27 min.

Und wenn sie nicht gestorben sind – dann leben sie noch heute ... And If They Haven’t Passed away – They’re Living Happily Ever after ... Die Kinder von Golzow. Das Ende der unendlichen Geschichte (Teil 4) The Children from Golzow. The End of an Endless Story (Part 4) Deutschland 2008, 141 min.

Kinder- und Familienprogramm Childrens and Family Program (LVZ-Screening) Der Affenschreck The Monkey Shocker DDR 1961, 9 min.

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Der tapfere Schulschwänzer Brave Little Truant DDR 1966/67, 67 min.


Wenn ich erst zur Schule geh’ Some Day, When I Go to School DDR 1961

A few days after cameraman Hans Dumke had recorded the building of the Berlin Wall, he set up his camera outside the windows of the first form classroom of a country school in the Oderbruch. The immediate occasion was the introduction of a general ten-year education at the countryside and Karl Gass’ idea of filming a first day at school and to continue accompanying the children with the camera. An undertaking that was difficult to realize with the available technology and lack of experience, which is why they shot from the outside, out of the children’s view – “a misunderstanding, the whole thing” (W. J.). Still, the outcome was a documentary of little people facing one of the big thresholds in life that has remained fresh and is applicable even today – irrespective of Golzow and the GDR.

35 mm, s/w, 13 min. Regie, Buch: Winfried Junge Kamera: Hans Dumke, Walfried Labuszewski Musik: Kurt Grottke Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00

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Hommage: Barbara und Winfried Junge

Nachdem der Kameramann Hans Dumke wenige Tage zuvor noch den Bau der Berliner Mauer gefilmt hatte, baute er seine Kamera nun vor dem Fenster der ersten Klasse einer Landschule im Oderbruch auf. Anlass war jedoch die Einführung der zehnklassigen allgemeinen Schulbildung auf dem Land und die Idee von Karl Gass, einen Schulanfang zu filmen und die Kinder mit der Kamera weiter zu begleiten. Ein Unterfangen, das mit der vorhandenen Technik und den wenigen Erfahrungen schwer zu bewältigen war, weshalb man von außen – für die Kinder versteckt – drehte, „das Ganze: ein Missverständnis“ (W. J.). Entstanden ist dennoch ein bis heute frisches, gültiges Dokument von – Golzow und DDR hin oder her – kleinen Menschen an einer der großen Schwellen ihres Lebens.


Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

Nach einem Jahr A Year Later

Hommage: Barbara und Winfried Junge

DDR 1962

Erstklässler-Alltag: Rechnen, Lesen, Sport. Am Wandertag ein Flugzeug bestaunen oder Entenküken streicheln. Bei der Mathearbeit zum Nachbarn schielen, das Heft nicht rausgeben wollen und schließlich die Ergebnisse präsentiert bekommen. Zeugnisübergabe und ein Zettel, der in die Filmgeschichte einging: „Jochen ist dof.“ Mit Hans-Eberhard Leupold hielt ein neues Konzept der Kameraarbeit Einzug: Das Filmteam ist nun Bestandteil der Klasse, die Nähe ermöglicht genaue Beobachtungen einzelner Kinder – die zu Helden ihrer eigenen Geschichte werden.

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Daily life in the first form: mathematics, reading, physical education. Admiring a plane on a class trip or petting ducklings. Trying to get a glimpse of the neighbour’s math test, refusing to hand over one’s exercise book and finally being handed the test results. Getting one’s school report, and a scrap of paper that made film history: “Jochen is stupit.” Hans-Eberhard Leupold introduced a new cinematographic concept: the film crew now became part of the class, making close observation of individual children possible, who become the heroes of their own stories.

35 mm, s/w, 29 min. Regie: Winfried Junge Buch: Winfried Junge, Hans-Eberhard Leupold Kamera: Hans-Eberhard Leupold Musik: Wolfgang Schoor Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00


Elf Jahre alt Eleven Years Old DDR 1966

For the first time, the plan to accompany the children until they turn 25 is mentioned in the opening credits. “A good report of the nation (...) if what is best about its politics were to be reflected indirectly in its idea of man.” (W. J.) In a period of relative political stability and big hopes, it is possible to trust the filmmakers and their protagonists: this is probably the first DEFA documentary film ever – and the only one in the Golzow series – without a commentary. The film reflects not only improvements in recording technology, but also the direct influence of cinema vértité in the straight observation and dense narrative. As in other DEFA documentaries from the mid-1960s onwards, “ordinary” people are allowed to speak about their own affairs for the first time: like the Golzow pupils, who explain at the start of the film what they imagine a film about themselves should be like. A plot links their daily life to the Prometheus myth of the creative power of human beings, and the world and political situation outside Golzow (the past war in the Oderbruch and the present war in Vietnam). The film ends with the children’s new questions. One of the most enduring DEFA works and a highlight in the Golzow chronicles.

35 mm, s/w, 29 min. Regie: Winfried Junge Buch: Winfried Junge, Hans-Eberhard Leupold Kamera: Hans-Eberhard Leupold

Hommage: Barbara und Winfried Junge

Erstmals wird im Vorspann der Plan erwähnt, die Kinder bis zu ihrem 25. Lebensjahr zu begleiten. „Eine gute Auskunft über das Land (…), wenn sich das Beste seiner Politik indirekt im Menschenbild spiegeln würde.“ (W. J.) In einer Zeit relativer politischer Stabilität und großer Hoffnungen ist Vertrauen in Filmemacher und Protagonisten möglich. Wahrscheinlich erstmals im DEFA-Dokfilm überhaupt – und einmalig in der Golzow-Reihe – wird auf Kommentar verzichtet. Neben verbesserter Aufnahmetechnik widerspiegelt sich in der direkten Beobachtung und dichten Erzählung der unmittelbare Einfluss des Cinema verité. Wie in anderen DEFA-Dokfilmen ab Mitte der 1960er Jahre kommen erstmals „gewöhnliche“ Menschen in eigener Sache zu Wort: So erläutern die Golzower Schüler eingangs, wie sie sich einen Film über sich vorstellen. In einer dramaturgischen Linie verbindet sich ihr Alltag mit dem Prometheus-Motiv von der Schöpferkraft des Menschen sowie mit der Welt und Politik jenseits von Golzow (der vergangene Krieg im Oderbruch und der gegenwärtige in Vietnam). Der Film endet mit neuen Fragen der Kinder. Eines der bleibenden DEFA-Werke und Glanzpunkt der Golzow-Chronik.

Musik: Gerhard Rosenfeld Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00

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Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

Wenn man vierzehn ist When You Are Fourteen

Hommage: Barbara und Winfried Junge

DDR 1969

Die Zeit der Utopien scheint vorbei: Als Geschenk zum 20. Jahrestag der DDR gedacht, soll der Film ein bestmögliches Bild der „Hausherren von morgen“ zeichnen. „Aber wir fanden es kaum. Offizieller Anspruch und Golzower Realität klafften auseinander.“ (W. J.) Offensichtlich hatten sich die hoffnungsvollen Elfjährigen nicht wunschgemäß zu „neuen Menschen“ entwickelt. So werden die Bilder von Vorbereitungsveranstaltungen auf die Jugendweihe, von Besuchen im Erdölverarbeitungswerk, in Weimar oder im KZ Sachsenhausen durchgängig mit Musik und einem ideologisierenden Kommentar hinterlegt. Das Leipziger Festival lehnt den Film ab, für Junge bleibt eine wichtige Erfahrung – und unverzichtbares Material für spätere Werke.

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The age of utopia seems over: intended as a present for the 20th anniversary of the GDR, the film was to paint the best possible picture of the “landlords of tomorrow”. “But we hardly found it. Official ideas and Golzow reality differed wildly.” (W. J.) Obviously, the hopeful 11-year-olds had not turned into the “new men”. So the images of their preparations for the Jugendweihe (youth consecration ceremony), of class trips to an oil refinery, to Weimar or the Sachsenhausen concentration camp, are all dubbed with music and an ideologising commentary. The Leipzig festival rejected the film, while it remained an important experience for Junge and supplied essential material for future works.

35 mm, s/w, 36 min. Regie: Winfried Junge Buch: Winfried Junge, Hans-Eberhard Leupold Kamera: Hans-Eberhard Leupold, Hans Dumke Musik: Peter Gotthardt Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00


Die Prüfung The Examination DDR 1971

The last day of school: the announcement of the examination results and the celebrations with a hot rhythmic beat. Individual students are shown in retrospect as they take their exams, success and failure in balance. Reflections about the time at school, hopes for the future and résumés – Junge has returned to atmospheric observation.

35 mm, s/w, 20 min. Regie, Buch: Winfried Junge Kamera: Hans-Eberhard Leupold, Hans Dumke Musik: Gerhard Rosenfeld Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00

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Hommage: Barbara und Winfried Junge

Ende der Schulzeit, Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse und Abschlussfest zu heißen Beat-Takten. Im Rückblick werden einzelne Schülerinnen und Schüler in der Prüfungssituation gezeigt, Erfolg und Scheitern liegen dicht beieinander. Gedanken über die Schulzeit, Zukunftsaussichten und Resümees. Junge ist zur atmosphärischen Beobachtung zurückgekehrt.


Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

Keine Pause für Löffler. Ein Lehrer und seine 6c No Break for Löffler. A Teacher and His Class 6c.

Hommage: Barbara und Winfried Junge

DDR 1973/74

Im Gegensatz zur geordneten Normalität der Golzower Landschule, begibt sich Junge hier in die vergleichsweise anarchischen Verhältnisse einer Berliner „Problemklasse“ – bis dato ein Tabu in Film und Fernsehen der DDR. Ein Vierteljahr begleitet die Kamera den jungen Lehrer Löffler, der mit unorthodoxen und für die DDR geradezu antiautoritären Methoden versucht, den Schülern Partner zu sein. Sichtbar wird die Ambivalenz eines Schulsystems, das jedem eine Chance bietet und keinen zurück lässt, an dessen ständigem Disziplinierungsdruck der Einzelne aber auch zerbrechen kann. Das alle Möglichkeiten zum Lernen bietet, aber die Lust daran oft erstickt. Was den Missfallen des Ministeriums für Volksbildung erregte, das den Film zunächst verhinderte. Gerettet wurde er durch den nachträglich produzierten Kommentar des bekannten Kinderbuchautoren (und langjährigen Lehrers) Uwe Kant, der die aufgezeigten Probleme nicht verschweigt, sondern in seiner doppelbödig-ironischen Art als produktive Widersprüche beschreibt. Von ihm stammt auch der Titel des Films, der sich deutlich auf Alfred Wellms Roman „Pause für Wanzka“ bezieht. Die Geschichte eines eigenbrötlerischen Lehrers, der gegen den Strom schwimmt, hatte 1968 große Wellen in der Volksbildung geschlagen – ähnlich leidenschaftliche Diskussionen löste nun Junges Film aus.

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Junge enters the comparatively anarchic environment, quite unlike the orderly normality of Golzow’s country school, of a Berlin-based “problem class“ – a taboo in GDR cinema and television until then. For three months, the camera follows the young teacher Löffler who uses unorthodox and, in the GDR, downright anti-authoritarian methods to try and become a partner to his pupils. The film sheds light on the ambivalence of a school system which offers everyone a chance and leaves no-one behind, whose constant disciplinary pressure, however, may also break the individual. A system that offers every opportunity to learn but often stifles the joy of learning. This earned the film the disapproval of the National Education Ministry which suppressed it at first. It was subsequently saved by a commentary by the well-known children’s book author (and experienced teacher) Uwe Kant, who does not conceal these problems but addresses them in his ambiguous and ironic style as productive contradictions. He also provided the title of the film, which clearly refers to Alfred Wellm’s novel “Pause für Wanzka” (A Break for Wanzka). The story of an unconventional teacher who swims against the current had caused quite a stir in national education in 1968 – Junge’s film triggered equally passionate discussions.

35 mm, s/w, 71 min. Regie: Winfried Junge Buch: Wera und Claus Küchenmeister, Winfried Junge Kamera: Claus Neumann Musik: Peter Gotthardt Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00


Wenn jeder tanzen würde, wie er wollte, na! If Everyone Danced Any Way They Wanted, Well! DDR 1972

People in the GDR loved to talk of “our youth“ – whose portrait Junge paints here with a few strokes and no commentary. He cross-cuts shots of a dance instructor’s attempts at domestication and dancing teenagers at a rock concerts – order and discipline against individual freedom and exuberance.

35 mm, s/w, 25 min. Regie, Buch: Winfried Junge Kamera: Hans-Eberhard Leupold Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00

� Schleifweg 6 06114 Halle ( Saale ) Deutschland T. +49 ( 0 )345 68246 - 0 F. +49 ( 0 )345 68246 - 29 werkleitz@werkleitz.de www.werkleitz.de

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Hommage: Barbara und Winfried Junge

In der DDR sprach man gern von „unserer Jugend“ – deren Bild Junge hier in wenigen Strichen und gänzlich ohne Kommentar zeichnet. In einer Parallelmontage verbindet er Aufnahmen von Domestizierungsversuchen eines Tanzschullehrers mit Bildern von tanzenden Jugendlichen bei einem Rockkonzert. Ordnung und Disziplin gegen individuelle Freiheit und Lebensfreude.


Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

In Syrien auf Montage A Construction Job in Syria

Hommage: Barbara und Winfried Junge

DDR 1970

Seine Filmarbeit führte Winfried Junge weiter von Golzow weg als gemeinhin bekannt ist. „Das zweite Standbein war wichtig, denn es bot mir und später auch uns beiden die Gelegenheit, den Blick zu weiten und sogar mal im Ausland zu arbeiten.“ (W. J.) Dieser Film bildete den Auftakt zu einer Reihe von Auslandsreportagen aus Lybien, Somalia, Großbritannien – und eben Syrien, wohin Junges immer wieder mit der Kamera zurückkehrten. Während spätere Filme sich direkt Problemen oder dem Aufbau der jeweiligen Länder zuwandten, folgt dieser einer Gruppe von DDR-Bauarbeitern, die eine Baumwollspinnerei im syrischen Homs errichten. Dorthin geschickt wurden sie als Ausdruck der Hilfe der sozialistischen Länder für die jungen Nationalstaaten, was den Kulturschock für die Beteiligten jedoch nicht mindert. Junge zeigt seine Protagonisten beim Radebrechen mit den Kollegen, im Betrieb, den Unterkünften oder bei Ausflügen in eine Welt, die für sie fremder nicht sein könnte.

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His films took Winfried Junge farther away from Golzow than is generally known. “This was a second leg to stand on, and it was important because it offered me and later both of us the opportunity to broaden our horizon and even work abroad now and then.” (W. J.) This film launched a series of films covering foreign affairs in Lybia, Somalia, Great Britain – and Syria, where the Junges returned regularly with their camera. While later films addressed problems or the process of building the respective countries, this one follows a group of GDR construction workers who are building a cotton-spinning mill in the Syrian city of Homs. They were sent as a manifestation of the helping hand that socialist states lent the young nation states. This, however, doesn’t lessen the cultural shock suffered by everyone involved in the project. Junge shows his protagonists speaking to their colleagues in broken English, at the plant, at their lodgings, or taking trips into a world that couldn’t be more alien to them.

35 mm, s/w, 19 min. Regie: Winfried Junge Kamera: Hans-Eberhard Leupold Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00


Einberufen Enlisted DDR 1971

The day when he was enlisted in the National People’s Army was a poignant and apparently inescapable experience for every young man in the GDR: assembling, moving into the barracks, getting a haircut, collecting one’s uniform, the first orders. While the commentary dictates the ideological line, praising the army’s function of moulding character, its political function, the virtues of discipline and subordination, the faces and details captured with great sensitivity by Hans-Eberhard Leupold and Christian Lehmann speak a language of their own.

DVD, s/w, 19 min. Regie: Winfried Junge Kamera: Hans-Eberhard Leupold Musik: Peter Gotthardt Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00

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Hommage: Barbara und Winfried Junge

Der Tag der Einberufung in die Nationale Volksarmee war für jeden jungen Mann in der DDR ein einschneidendes Erlebnis, dessen Eintreten unentrinnbar schien. Versammeln, Einrücken in die Kaserne, Haare schneiden, Uniformen fassen, die ersten Befehle. Während der Text die ideologische Linie vorgibt, die persönlichkeitsbildende und politische Funktion der Armeezeit, Disziplinierung und Unterordnung anpreist, sprechen die von Hans-Eberhard Leupold und Christian Lehmann sensibel beobachteten Gesichter und Details eine eigene Sprache.


Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

Termin Spirale 1 Schedule Spiral 1

Hommage: Barbara und Winfried Junge

DDR 1977

In Markersbach im Erzgebirge entsteht in den 1970er Jahren ein riesiges unterirdisches Pumpspeicherwerk als deutsch-tschechischungarisches Gemeinschaftsprojekt. Winfried Junge startet 1973/74 mit „Sagen wird man über unsre Tage. Erkundungen auf einer großen Baustelle“ seine zweite Langzeitbeobachtung. „Termin Spirale 1“, dessen Titel deutlich auf „Turbine I“ von Joop Huisken aus dem Jahr 1953 anspielt, ist der zweite Teil der Trilogie, die Junge 1980/81 mit der Fernsehreportage „Markersbach – Energie des Wassers und der Menschen“ abschließt. Ähnlich wie bei Huisken geht es auch hier um die Bewältigung einer technologisch schwierigen Aufgabe, die Einfahrt und den Aufbau der ersten Turbinenspirale. Junge setzt weniger auf die Dramatik der technischen Vorgänge, die durch Verständigungsprobleme zwischen den Arbeitern verschärft wird, sondern ist bemüht, sie dem Zuschauer erklärend zu vermitteln. Als Sprecherinnen und Sprecher seiner Kommentare hat Winfried Junge oft bekannte Schauspieler herangezogen, was besonders im Vergleich zum heutigen TV-Kommentatoreneinerlei eine besondere Qualität ausmacht. Hier erlebt man Dieter Mann in einer für ihn ungewöhnlichen Rolle.

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In the 1970s, a huge subterranean pumpstorage power station was built as a joint German-Czechoslovakian-Hungarian pro-ject in Markersbach in the Erzgebirge. Winfried Junge started his second longterm observation project in 1973/74 with “Sagen wird man über unsre Tage. Erkundungen auf einer großen Baustelle”. “Termin Spirale 1”, whose title obviously alludes to Joop Huisken’s “Turbine I” from 1953, is the second part of a trilogy that Junge completes in 1980/81 with his television feature “Markersbach – Energie des Wassers und der Menschen”. Like Huisken’s film, this one is about accomplishing a difficult technical task: setting up and assembling the first spiral turbine. Junge focuses less on the technological drama, heightened by language problems among the workers, than on his attempt to explain the technology to the audience. Winfried Junge often used well-known actors and actresses as speakers for the commentaries, which lends the films a special quality today, especially when compared with the monotony of present television commentators. In this film we hear Dieter Mann in an unusual role for him.

35 mm, Farbe, 30 min. Regie: Winfried Junge Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00


Das Pflugwesen, es entwickelt sich Ploughing Moves Forward DDR 1986/7

Everybody in the GDR knew the phrase “Aviation is making progress“. In Mikhail Zostchenko’s satire “The Cow in the Propeller”, read by Manfred Krug on the popular, but never reissued record “Lyrik, Jazz & Prosa”, the phrase stands for the often absurd mechanisation of agriculture in the name of an all pervading socialist delusion of progress. It sets an ironic tone, which Uwe Kant, as in so many other films by Junge, skilfully takes up, giving them a unique flavour of their own. This film, one of the first in which Barbara Junge was involved, accompanies the training sessions and the event of the socialist states’ ploughing championship in Hungary. Naturally, it is an affair executed with all due earnestness and an absolute will to win.

35 mm, s/w, 27 min. Regie: Winfried Junge Kamera: Harald Klix Musik: Gerhard Rosenfeld Schnitt: Barbara Junge

Hommage: Barbara und Winfried Junge

Den Satz „Das Flugwesen, es entwickelt sich“ kannte in der DDR jedes Kind. In der Satire „Die Kuh im Propeller“ von Michail Sostschenko, auf der populären, später nicht mehr aufgelegten LP „Lyrik, Jazz & Prosa“ gelesen von Manfred Krug, steht er für für eine oft sinnlose Technisierung der Landwirtschaft im Zeichen eines absoluten sozialistischen Fortschrittswahns. Ein ironischer Ton, den Uwe Kant wie in so vielen Junge-Filmen gekonnt aufnimmt und ihnen damit einen ganz eigenen Charakter verleiht. Der Film, einer der ersten unter Mitwirkung von Barbara Junge, begleitet das Training und die Meisterschaften der sozialistischen Länder im Wettpflügen in Ungarn. Selbstverständlich eine mit großem Ernst und unbedingtem Siegeswillen betriebene Angelegenheit.

Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Vertrieb: Progress-Filmverleih Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00

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Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

Und wenn sie nicht gestorben sind – … And If They Haven’t Passed away – …

Hommage: Barbara und Winfried Junge

Deutschland 2008

Und wenn sie nicht gestorben sind – dann leben sie noch heute … Die Kinder von Golzow. Das Ende der unendlichen Geschichte (Teil 4) Der definitiv letzte Teil der Golzow-Saga (angelegt als Vierteiler, Teil 3 hatte 2007 in Leipzig Premiere) verdeutlicht noch einmal – und vielleicht sogar mehr als die vorangegangenen –, was die große Leistung des Projekts ausmachte: Über solche wie Bernhard und Eckhard würde kaum einer einen Film drehen. „Normale“ Lebensläufe, scheinbar ohne Höhen und Tiefen, und zwei Protagonisten, die nicht gern, eher gar nicht von sich reden. Barbara und Winfried Junge jedoch gelingt es auch hier, das Besondere im tausendfach Gelebten herauszuarbeiten, die Einzigartigkeit jeder noch so gewöhnlichen Biografie, die große Geschichte in einem kleinen Dorf im Oderbruch. Bernhard und Eckhard, also, 1961 eingeschult beide, Landmaschinenschlosser beide, in Golzow geblieben. Mit Frau, Kindern, Haus der eine. Lange auf der Suche der andere – dem Kind, dem Job, dem Leben gegenüber unentschlossen. Das Kind wendet sich irgendwann ab, der Job führt ihn – als Teil eines spektakulären Golzower Joint Ventures – tief nach Osteuropa. Während Eckhard den 50. Geburtstag als Arbeitsloser begeht … Das Ende vereint die Schulklasse von einst noch einmal im Sandkasten. Neue Schulanfänger nehmen das Haus in Besitz, das nun den Namen „Schule der Kinder von Golzow“ tragen wird. Kleine Eckhards und Bernhards, deren Geschichte niemand mehr erzählen wird. Schade.

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And If They Haven’t Passed away – They’re Living Happily Ever after ... The Children from Golzow. The End of an Endless Story (Part 4) The categorically final part of the Golzow saga (planned as a four-part mini-series, part three premiered in Leipzig in 2007) demonstrates once again – and maybe more than its predecessors – what the great achievement of this project was: hardly anyone would make films about people like Bernhard and Eckhard. “Ordinary” lives, seemingly without ups and downs, and two protagonists who don’t like to – and in fact tend not to – talk about themselves. Barbara and Winfried Junge manage once more to highlight what is special about these lives lived a thousand times over, the uniqueness of every biography, be it ever so ordinary, the great history in the little village in the Oderbruch. Bernhard and Eckard, then, both started school in 1961, both are agricultural mechanics, both stayed in Golzow. One of them has a wife, kids, and a house. The other has been searching for a long time – undecided about his child, his job, his life. Finally the child turns away, his job takes him deep into Eastern Europe as part of a spectacular Golzow joint venture, while Eckard celebrates his 50th birthday as an unemployed man ... The end reunites the class of long ago once more in the sandbox. New school beginners take possession of the house which will from now on be called “School of the Children of Golzow”. Little Eckhards and Bernhards, whose stories won’t be told anymore. It’s a pity.

35 mm, Farbe und s/w, 141 min. Regie: Winfried Junge, Barbara Junge Buch: Winfried Junge, Barbara Junge Kamera: Hans-Eberhard Leupold, Harald Klix Musik: Gerhard Rosenfeld Produktion: à jour Film- & Fernsehproduktion, DEFA-Stiftung Koproduktion: Rundfunk Berlin-Brandenburg Vertrieb: Progress Film-Verleih Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00


Der Affenschreck The Monkey Shocker DDR 1961

Junge shot this allegory of human behaviour with children from Leipzig at the zoo. Everyone who frightened the monkeys ended up in the cage themselves, determined by Kant’s (much simplified) imperative: “Do as you would have others do to you!”

35 mm, Farbe, 9 min. Regie, Buch: Winfried Junge Kamera: Hans Dumke Musik: Kurt Zander Produktion: DEFA-Studio für Dokumentarfilme Vertrieb: Progress Filmverleih Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland,

„Vugelbeerbaam, eija“ NORDLICHTER ❉ IX NORDLICHTER❉ Special Screening: Fokus Sachsen Sächsischer Förderfilm in Kooperation zwischen Filmverband Sachsen und DOK Leipzig

30. Oktober 2008 14.30 Uhr Kino Wintergarten (Passage Kinos) Leipzig

Das Baltikum trifft Skandinavien

Dokumentarfilm, BRD 2007, 70 Min Drehbuch/Regie: André Wandslebe Produktion: CineSR/Michael Schlaszus Gefördert durch: Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien

11.-17.12.2008 KiD Dresden

www.filmverband-sachsen.de

+49-30-24 00 34 00

Hommage: Barbara und Winfried Junge

Mit Leipziger Kindern drehte Junge im Zoo der Stadt diese Allegorie auf menschliches Verhalten: Wer sich als „Affenschreck“ gebärdet, landet am Ende selbst im Käfig. Beschlossen vom (stark vereinfachten) fast Kantschen Imperativ: Was du nicht willst, das man dir tu, das füge auch nicht andern zu!“


Hommage: Barbara und Winfried Junge Homage: Barbara and Winfried Junge

Der tapfere Schulschwänzer Brave Little Truant

Hommage: Barbara und Winfried Junge

DDR 1966/67

Es ist kaum bekannt, dass es Vollblutdokumentarist Junge war, der diesen Spielfilm (seinen einzigen!) drehte. Durch eine Zeitungsnotiz wurden die renommierten Filmautoren Wera und Claus Küchenmeister auf den Fall eines Berliner Jungen aufmerksam, der einen Brand entdeckte und durch das Alarmieren der Feuerwehr zwei Menschenleben rettete – sich aber als Retter zunächst nicht meldete, weil er an dem Tag die Schule geschwänzt hatte. Aus diesem Konflikt entstand das Drehbuch, an dem Winfried Junge mitschrieb und das er – was wiederum nicht verwundert – semidokumentarisch verfilmte. Insbesondere das erste Drittel des Films fasziniert durch die authentischen Bilder eines Berlins im Aufbaufieber, gesehen durch die Augen des bummelnden Kindes. Ein absoluter Klassiker des DEFA-Kinderfilms.

anz dok leip 09-08

It is a relatively unknown fact that this feature film (his only one!) was directed by the thoroughbred documentary filmmaker Junge. A news item about the case of a boy from Berlin who discovered a fire and saved two lives by calling the fire brigade, but didn’t confess to being their rescuer because he had played truant that day, attracted the attention of the two renowned screenwriters Wera and Claus Küchenmeister. This conflict was developed into a script co-written by Winfried Junge and directed by him in a – not surprisingly – semi-documentary style. The first third of the film in particular is fascinating with its authentic images of Berlin in a building fever, seen through the eyes of the strolling boy. An absolute DEFA children’s film classic.

15.09.2008 16:09 Uhr

35 mm, Farbe, 67 min. Regie: Winfried Junge Buch: Wera und Claus Küchenmeister, Winfried Junge Kamera: Claus Neumann Musik: Peter Gotthardt Schnitt: Lotti Mehnert Produktion: DEFA-Studio für Spielfilme Kontakt: PROGRESS Film-Verleih GmbH, Immanuelkirchstraße 14, 10405 Berlin, Deutschland, +49-30-24 00 34 00

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MFG-GEFÖRDERTE FILME IM FESTIVALPROGRAMM

Filmförderung Baden-Württemberg

THE HEART OF JENIN VON MARCUS VETTER UND LEON GELLER THE HEART OF JENIN

HOCHBURG DER SÜNDEN

MFG BADEN-WÜRTTEMBERG FILMFÖRDERUNG BREITSCHEIDSTRASSE 4 (BOSCH-AREAL) 70174 STUTTGART TEL +49 ( 0)711 907 15- 400 FAX +49 ( 0)711 907 15- 450 filmfoerderung@mfg.de www.mfg-filmfoerderung.de

HOCHBURG DER SÜNDEN VON THOMAS LAUTERBACH SONBOL VON NIKO APEL THE BUNJIES VON GED HANEY UND ANDREAS HYKADE


Sonderprogramme Dokumentarfilm

Sonderprogramme Dokumentarfilm

Special Programmes Documentary Film


Sonderprogramme Dokumentarfilm: Afghanistan – Innenansichten Special Programmes Documentary Film: Afghanistan – From Inside

Afghanistan – Innenansichten Afghanistan – From Inside

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Texte: Martin Gerner, Kurator

Afghanistan ist seit Jahren ein Brennpunkt auf der politischen Weltkarte. Die Bilder von Terroranschlägen, militärischen Gefechten, Armut oder verhüllten Frauen sind fast zur Gewohnheit geworden. „Im Kampf gegen den Terrorismus am Hindukusch verteidigen deutsche Soldaten auch die Freiheit der Bundesrepublik“, so der damalige Verteidigungsminister Peter Struck im Jahr 2003 – in der breiten Öffentlichkeit aber hat sich eine gewisse Ratlosigkeit eingestellt. Die Lage ist unübersichtlich, die Menschen und ihre Kultur wirken fremd, ihre Sitten rätselhaft. Das Bedürfnis nach Hintergrundwissen über ein Kriegs- und Krisengebiet, in dem sich der Westen militärisch und zivil engagiert, ist größer denn je. Informationen aus erster Hand aber sind selten. DOK Leipzig möchte mit der Sonderreihe „Afghanistan – Innenansichten“ einen Blick auf das Land und seine Bevölkerung eröffnen, den uns die Massenmedien weitgehend vorenthalten. Es ist der Blick der Afghanen auf ihre eigene Geschichte – die ruhige und unspektakuläre Beobachtung des Alltags und der Veränderungen in einem von Jahrzehnten des Kriegs und Bürgerkriegs gezeichneten Land. Die Möglichkeit, sich in Bildern auszudrücken, ist unter den Vorzeichen einer mittlerweile auch in Afghanistan gewachsenen Medienlandschaft für die hier vertretenen Autoren von fast ebenso elementarer Bedeutung wie der Kampf um die tägliche Existenz. DOK Leipzig zeigt erstmals mehr als ein Dutzend aktuelle Filme aus einem Land, das bisher auf der Weltkarte des Dokumentarfilms nicht verzeichnet zu sein schien. Dabei ist das Ende des Taliban-Regimes vor sieben Jahren nicht gleichzusetzen mit einer „Stunde Null“ für den Dokumentarfilm in Afghanistan. Vielmehr markiert es den Startpunkt hin zur Entstehung einer neuen und unabhängigen Filmkultur. Die hier versammelten Produktionen aus den letzten drei Jahren bieten einen ungeahnten Reichtum an Einblicken in die 142

Afghanistan has been one of the hot spots on the political map of the world for years. The images of terrorist attacks, military combat, poverty, or veiled women have become almost habitual. “German soldiers fighting terrorism in the Hindu Kush also defend the liberty of the German Federal Republic”, said former defence minister Peter Struck in 2003 – but a certain feeling of helplessness has spread among the general public. The situation is unclear, the people and their culture alien, and their customs baffling. The need for background knowledge about a war and crisis zone where the West engages in military and civilian operations is greater than ever. First-hand information, however, is rare. With its Special Programme “Afghanistan – From Inside”, DOK Leipzig wants to open a perspective on the country and its population which is largely denied to us by the mass media. It is the Afghans’ own perspective on their history – quiet and unspectacular observation of everyday life and the changes happening in this country marked by decades of war and civil war. In view of the media environment which has evolved even in Afghanistan by now, the opportunity for visual expression has become almost as vitally important as the daily struggle for existence. DOK Leipzig presents premieres of more than a dozen current films from a country that didn’t seem to exist on the global map of documentary film up to now. One should be careful, though, not to equate the end of the Taliban regime seven years ago with a “zero hour” of Afghan documentary film. In fact, it marks a starting point from whence a new and independent film culture developed. The productions from the past three years collected here offer an unexpected wealth of insights into the work of mostly young directors. Many of these films deal with disen-


franchisement of one kind or another – forced marriage, imprisonment, child labour, cultural tradition and patriarchy. What makes their perspective special is also our deficiency. “Sometimes you can only tell an Afghan story if you are an Afghan woman”, says photographer Farzana Wahidy. “This applies to Afghan cinema, too. Our own view of the country, by its very nature, remains limited, which explains some of the misunderstandings we are confronted with in our everyday dealings with it.” The war in Afghanistan occurs in this selection, though it is not the dominant theme. There are reasons: independent documentary filmmakers easily get into the Talibans’ sights; but they are not particularly popular with NATO and the Afghan government either. At the same time they remain dependent on good relations to the donor countries, for very often it is the relief organisations and international agents who enable Afghan filmmakers to work at all by means of advertising and education films that are as numerous as they are often questionable. For the first time we have the possibility to discover the creative potential of animations from Afghanistan. The works compiled in this programme build bridges between the war and everyday life. What strikes the viewer is their willingness to risk breaking with ancient clichés. Also noticeable are the impulses from Iranian cinema – the country where some of the directors spent time in exile. In some cases, only the enforced flight to their neighbouring country opened up the chance to get a solid film education. Still other works by Afghans living in the West display a different style. Producing films in Afghanistan is always an expression of material need, among other things. In view of non-existent funding structures and film schools, the majority of the films produced so far have been shorts. Many filmmakers, often self-taught, quite often do all the jobs themselves – script, direction, camera, editing and production. This need not stay so. In view of the billions in development aid waiting for Afghanistan, the important thing is to use the available opportunities. It is obvious that in this area which is so important to the cultural identity of a country fundamental opportunities have been missed so far, both on the national and international level. This year’s programme at DOK Leipzig could therefore bring new impulses. Its goal is to enable meetings between the Afghan filmmakers and the audience, to bring them in touch with international colleagues, producers and commissioning editors. A DOK Summit panel discussion on “Producing in a state of emergency – filmmaking in Afghanistan” is to furnish information and create mutual awareness. Thus DOK Leipzig offers the platform for a dialogue which the security situation in Afghanistan would otherwise make impossible.

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Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Arbeit vor allem junger Regisseure und Regisseurinnen. Viele der Filme behandeln Entrechtung in der einen oder anderen Form – Zwangsheirat, Inhaftierung, Kinderarbeit, kulturelle Tradition und Patriarchat. Was ihre Perspektive besonders macht, ist zugleich unser Manko. „Manchmal kann man eine afghanische Geschichte nur erzählen, wenn man eine afghanische Frau ist“, sagt die Fotografin Farzana Wahidy. „Gleiches gilt für das afghanische Kino. Unser eigener Blick auf das Land bleibt naturbedingt begrenzt, und das erklärt auch einen Teil der Missverständnisse, denen wir in der täglichen Auseinandersetzung begegnen.“ Der Krieg in Afghanistan kommt in dieser Auswahl vor, aber er dominiert nicht. Das hat Gründe: unabhängige Dokumentarfilmer geraten leicht ins Visier der Taliban. Aber auch NATO und afghanischer Regierung sind sie ein Dorn im Auge. Zugleich bleiben sie auf gute Beziehungen zu den Geberländern angewiesen. Häufig sind es Hilfsorganisationen und andere internationale Akteure, die afghanischen Filmemachern durch ebenso zahlreiche wie zum Teil fragwürdige Werbe- und Bildungsfilme ein Arbeitsfeld ermöglichen. Erstmals zeigt sich das kreative Potential auch in mehreren Animationsfilmen aus Afghanistan. Die im Programm vertretenen Arbeiten schlagen eine Brücke vom Krieg zum Alltag. Deutlich zu erkennen ist das Wagnis, mit tradierten Bildsprachen zu brechen. Augenfällig sind überdies Impulse durch die Filmkultur des Iran, dem zeitweiligen Exilland einiger Regisseure. Für manche von ihnen eröffnete erst die erzwungene Flucht in das Nachbarland eine fundierte Filmausbildung. Andere Arbeiten von im Westen lebenden Afghanen tragen wiederum eine eigene Handschrift. Filme Produzieren in Afghanistan ist immer auch Ausdruck materieller Not. Angesichts nicht vorhandener Förderstrukturen und Filmschulen entstehen bisher vor allem kurze Filme. Viele Filmemacher, oftmals Autodidakten, übernehmen nicht selten alles allein – Drehbuch, Regie, Kamera, Schnitt und Produktion. Das muss nicht so bleiben. Angesichts der Milliardenbeträge an Entwicklungshilfe, die für Afghanistan bereitstehen, gilt es hier vorhandene Chancen zu nutzen. Offenkundig ist in diesem für die kulturelle Identität eines Landes so wichtigen Bereich bisher Grundlegendes versäumt worden – auf nationaler wie internationaler Ebene. Von dem diesjährigen Programm bei DOK Leipzig können deshalb neue Impulse ausgehen. Ziel sind Begegnungen der afghanischen Filmemacher mit dem Publikum und ihre Vernetzung mit internationalen Kollegen, Produzenten und Fernsehredakteuren. Eine DOK Summit-Podiumsdiskussion zum Thema „Produzieren im Ausnahmezustand – Filmemachen in Afghanistan“ soll informieren und füreinander sensibilisieren. DOK Leipzig bietet so das Forum für einen Dialog, den die Sicherheitslage in Afghanistan ansonsten unmöglich macht.


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A Day in the Life of Rahela A Day in the Life of Rahela

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Afghanistan 2006

Mit ihrer Familie lebt die 13-jährige Rahela an einem der steilen Berghänge mitten in Kabul. Es gibt keine Kanalisation und keine Autos hier und auch keine internationalen Hilfsorganisationen. Die sind nämlich sämtlich in der Ebene angesiedelt. Rahelas Pflichten sind die einer Erwachsenen. Mit ihrem Bruder und zwei Eseln schleppt sie Wasser in Kanistern den Berg hoch, um so Geld zu verdienen und die Nachbarschaft mit dem Wichtigsten zu versorgen. Rahela darf sich im Grunde glücklich schätzen, dass sie zur Schule geht. Allerdings vermag sie sich nicht recht darüber zu freuen: „Schule ist sinnlos“, sagt sie. „Was ist der Nutzen, wenn meine Eltern mich später ohnehin nicht studieren lassen?“ Die Chance wird zur Last, die Freiheit, wie es scheint, zum Gefängnis. Ein Beispiel des ‚cinéma vérité’, das der Regel folgt, den Alltag mit exakter Kamera zu erfassen, ohne aus forcierten Anlässen Dialoge zu erzwingen. Zwei Frauen treffen hier aufeinander: die Regisseurin und ihre Protagonistin. Unter afghanischen Vorzeichen verspricht das größtmögliche Authentizität.

13-year-old Rahela and her family live on one of the steep mountainsides in the middle of Kabul. There is no sewage system here, no cars or international relief organisations, because they are all based on the plain. Rahela has an adult’s duties: with her brother and two donkeys, she hauls canisters of water up the hill in order to earn money and to supply the neighbourhood with essential goods. Actually, Rahela can count herself lucky to go to school, though she’s not really happy about it. “School doesn’t make sense”, she says. “What’s the use if my parents won’t let me go to university later anyway?” The chance becomes a burden, freedom, it seems, turns into a prison. An example of ’cinéma vérité’ that follows the rule of capturing everyday life with a precise camera, without creating enforced occasions for dialogue. It is an encounter between two women, the filmmaker and her protagonist. From an Afghan perspective, this promises the highest degree of authenticity.

Farbe, 27 min. Regie, Buch, Kamera: Dil Afruz Zeerak Produktion: Ateliers Varan Kontakt: Ateliers Varan, 6 Impasse Mont-Louis, 75011 Paris, Frankreich, contact@ateliersvaran.com

Dil Afruz Zeerak, 37, geboren in der Provinz Laghman. Heirat mit 13 Jahren, Schulabschluss mit 14. Während der Talibanzeit Flucht nach Pakistan. Dort Studium der Mathematik und Physik, später Ausbildung in Journalismus und Sozialarbeiterin. Seit 2002 Produzentin für Media Support Partnership in Kabul.

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A Girl from Kabul A Girl from Kabul Afghanistan, Finnland 2007

The “girl from Kabul” is not a girl, but a woman. A woman who decided to swim against the current when she rejected marriage at a suitable age – at least according to Afghan traditions. The reason: she likes her job as a journalist too much. Parwin Aubie works as a camerawoman for the national broadcasting service RTA in Kabul. If she got married, it would mean the end of her career. She’s already experienced this: the man she was supposed to marry would have forbidden her to leave the house. The majority of Afghan society regards a single person like Parwin as an invitation to slander. Many see being single as a social stigma. The single lifestyle, especially for a woman, is unknown here. “If everything keeps getting harder and harder for the woman, there seems to be no other way out in the end than to accept any man”, states director Shakiba Adil describing the dilemma. For now, her protagonist, too, is unable to realise her wish of living in an equal partnership.

Mini-DV PAL, Farbe, 15 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Shakiba Adil Kontakt: Shakiba Adil, shakiba.adil@gmail.com

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Das „Girl from Kabul“ ist kein Mädchen, sondern eine Frau. Eine, die entschieden hat, gegen den Strom zu schwimmen, indem sie sich der Heirat in einem für afghanische Verhältnisse üblichen Alter versagt hat. Der Grund: Sie mag ihre Arbeit, den Journalismus, zu sehr. Parwin Aubie ist Kamerafrau beim öffentlichen afghanischen Rundfunk RTA in Kabul. Würde sie heiraten, wäre es zu Ende mit dem Berufsleben. Eine solche Erfahrung hat sie bereits hinter sich. Ein Mann, den sie heiraten sollte, hätte ihr verboten, dass Haus zu verlassen. In den Augen der afghanischen Mehrheitsgesellschaft sind Alleinstehende wie Parwin nicht selten Anlass für Gerüchte. In vielen Fällen ist das gleichbedeutend mit einem sozialen Stigma. Die Rolle als Single, besonders für eine Frau, ist hier unbekannt. „Wenn alles immer schwieriger wird für eine Frau, scheint es keinen anderen Ausweg mehr zu geben, als irgendeinen Mann zu akzeptieren“, umschreibt Regisseurin Shakiba Adil das Dilemma. Den Wunsch nach einer aufgeklärten Partnerschaft kann auch ihre Protagonistin vorerst nicht ausleben.

Shakiba Adil, 23, Schulabschluss in Kabul. Autorin und Moderatorin für Kinderprogramme im afghanischen Fernsehen. Ausbildung zur VideoJournalistin bei der internationalen Medien-Initiative Aina in Kabul. Seit 2005 Stipendium für Fernsehen und Radio am North Karelia College in Outokumpou in Finnland. Autorin mehrerer Dokumentationen über Afghanen im Exil für das öffentliche finnische Fernsehen YLE.

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Akherin Fariad The Last Shout

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Afghanistan 2008

Die Liebesgeschichte zweier Streichhölzer. Das männliche Streichholz, arbeitslos und auf der Suche nach dem irdischen Glück, begegnet auf der Straße einem weiblichen Pendant, das sich – emanzipiert und unabhängig – erst einmal sträubt. Am Ende überkommt beide dennoch die Sehnsucht nach Wärme und dem Anderen. Ein Animationsfilm mit Humor und fernab festgefahrener Klischees. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich, warum dieser Film die afghanischen Verhältnisse kritisch spiegelt: Kuss und Partnerschaft, hier in animierten Bildern festgehalten, sind im öffentlichen Leben weder vor noch abseits der Kamera möglich. Entsprechende Diskussionen hat der Film auf dem diesjährigen Kabuler Filmfest ausgelöst. Konservative Kritiker sehen ihn als Affront gegen die herrschende Moral. Von den Jüngeren im Publikum wurde er hingegen überwiegend euphorisch aufgenommen. Im Iran, seiner vorübergehenden Wahlheimat, war es dem Regisseur untersagt, höherqualifizierende Ausbildungen für 3D-Animationen zu besuchen.

A love story between two matchsticks. The male match, unemployed and looking for earthly happiness, meets his female counterpart in the street, who – emancipated and independent – at first refuses him. In the end, however, both are overcome by a desire for warmth and the other. A humorous animation free of all clichés. Only a closer look reveals why the film is a critical reflection of Afghan conditions: a kiss and a partnership as shown in animated form here are impossible in public life, either on or off camera. This triggered some discussion at this year’s Kabul Film Festival. Conservative critics saw it as insult to the prevailing morality, while the younger members of the audience applauded enthusiastically. In Iran, his temporarily adopted country, the director was not permitted to attend higher 3D animation training.

Mini-DV PAL, Farbe, 6 min. Regie, Buch, Animation, Produktion, Vertrieb: Sayed Alireza Sajjadi Technik: 3D-Computeranimation Kontakt: Sayed Alireza Sajjadi, sajjadi3d@yahoo.com www.sajjadi3d.com

Sayed Alireza Sajjadi, 23, arbeitet in Kabul als freier Autor von Trick- und Werbefilmen. Schulabschluss in Mashad/Iran, wohin seine Familie emigrierte. Während der Fachausbildung zum Bauingenieur entdeckt er sein Faible für Fantasy- und Animationsfilme. Er eignete sich Fachwissen über 3D-Programme als Autodidakt in Kursen an. Preis als bester Animationsfilm beim Internationalen Dokumentarund Kurzfilmfest in Kabul 2008.

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Buddha, dukhtarak wa ab Buddha, the Girl and Water Afghanistan 2006

The valley of the Buddhas of Bamiyan ought to be in Hollywood, it’s so hard to imagine a more impressive film set. To date so many filmmakers have shot films here that the question of what is the original and what is a copy is almost forgotten. There virtually seems to be a race to fill the niches of the destroyed Buddhas with the most touching film plots and images. Quite often this is only about easy money and not about sharing the life of the local people. Peace has reigned in Bamiyan since the end of the Taliban era, though no one seems to have noticed. The locals are disappointed that no international aid is forthcoming. “The money goes where there is shooting”, they accuse the donor countries and relief organisations. Their everyday life improves only gradually – everybody knows that progress proceeds at a snail’s pace. Even today, the streets in the city and countryside remain unpaved; there are no tractors for farming and not enough wells. Life in this central plateau of Hazarajat is marked by an unhurried simplicity. Shooting in front of the niches of the Buddhas, which, like gaping wounds, evoke the destruction of the giant statues by the Taliban, requires only a few precise shots on the director’s part to paint the detailed portrait of a young girl at work. 15 minutes without dialogue, where intensity speaks louder than words.

Mini-DV PAL, Farbe, 13 min. Regie, Buch: Ghulam Reza Mohammadi Produktion: Bamiyan TV Kontakt: Ghulam Reza Mohammadi, bamyan10@yahoo.com

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Das Tal der Buddhas von Bamiyan müsste eigentlich in Hollywood stehen. Eine eindrucksvollere Filmkulisse ist kaum vorstellbar. Inzwischen haben so viele Filmemacher hier gedreht, dass schon fast in Vergessenheit gerät, was Original und was Kopie ist. Fast scheint es, als gäbe es einen Wettlauf, die Nischen der gesprengten Buddha-Statuen mit möglichst anrührigen Filmszenarien und Bildern zu füllen. Nicht selten geht es dabei um das schnelle Geld und weniger um das Teilhaben am Leben der Menschen vor Ort. In Bamiyan herrscht seit dem Ende der Taliban Frieden. Es scheint bloß noch keiner bemerkt zu haben. Die Einheimischen sind enttäuscht, dass internationale Hilfe ausbleibt. „Das Geld geht vor allem dorthin, wo geschossen wird“, klagen sie Geberländer und Hilfsorganisationen an. Ihr Alltag verbessert sich nur mühsam. Der Fortschritt ist bekanntlich eine Schnecke. Noch immer sind in Stadt und Umland die Straßen nicht geteert, gibt es keine Traktoren für die Landwirtschaft und zu wenig Brunnen. Undramatische Einfachheit kennzeichnet das Leben in dieser zentralen Hochebene, dem Hazarajat. Vor den Nischen der Buddhas, die wie klaffende Wunden an die Zerstörung der gigantischen Statuen durch die Taliban mahnen, zeichnet der Regisseur mit wenigen, dafür aber umso präziseren Kameraeinstellungen das detailgetreue Porträt eines jungen Mädchens bei der Arbeit. 15 Minuten, die ohne Dialog auskommen, aber in ihrer Intensität mehr erzählen als viele Worte.

Ghulam Reza Mohammadi, geboren 1979 in Bamiyan, Abitur und Fortbildung als Elektrotechniker in Isfahan/Iran. Seit 2004 Tätigkeiten für zahlreiche Hilfsorganisationen in Bamiyan, unter anderem für die Aga Khan Stiftung. Manager der Monatszeitschrift „Bamiyan Magazine“ sowie Redakteur, Autor und Kameramann für „Bamiyan TV“, das Regionalprogramm des staatlichen Fernsehsenders RTA.

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Bulbul Bulbul – The City Bird

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Afghanistan 2008

Der westliche Moralkodex predigt, dass weltweit alle Kinder vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt werden sollen. Afghanistan aber ist eines der Länder, wo Kinderarbeit zugleich Alltag und Notwendigkeit ist. Der junge Sakhidad, dessen Spitzname Bulbul soviel wie ‚Spatz’ bedeutet, verdingt sich mit zwei Freunden als Autowäscher. In ölgetränkten Anoraks, löchrigen Hosen und Gummistiefeln halten sie Tag und Nacht Ausschau nach vorbeifahrenden Wagen, die eine Politur vertragen könnten. Die Autos im populären Kabuler Viertel von Karte Seh gehören neureichen Geschäftsleuten oder sehen aus wie die weißen Karossen internationaler Hilfsorganisationen, die Neid und Bewunderung auf sich ziehen. Nach jeder Autowäsche feilschen Bulbul und seine Kumpane mit den Fahrern um eine paar Rupien Tageslohn. Was für die Besitzer oft nicht mehr als ein kleines Trinkgeld ist, bedeutet für die drei Jungen und ihre Familien das tägliche Brot. Im Schneematsch, zwischen lärmenden Hupen und Abgasen, gerät das Porträt dieser kleinen Gang scheinbar beiläufig zu einer Skizze der sich verschärfenden sozialen Konflikte in der afghanischen Hauptstadt. In Anlehnung an die Tradition des ‚cinéma vérité’ verzichtet der Film weitgehend auf Interviews und Dialoge. Die Kamera beobachtet die Protagonisten unauffällig und zugleich präzise. Nur für Nichteingeweihte zeigt sich überraschend: die Kleinen sind ganz groß, wenn es um Spontaneität, Humor und das Ausleben rarer Momente des Glücks geht.

The Western moral code preaches that all children across the globe must be protected from economic exploitation. Afghanistan, however, is one of the countries where child labour is both an everyday occurrence and a necessity. The boy Sakhidad, whose nickname Bulbul means ’sparrow’, works as a carwasher with two friends. Dressed in oil-soaked anoraks, torn pants and rubber boots, they spend their days and nights on the lookout for passing cars that could do with a polish. The cars in the popular Kabul neighbourhood of Karte Seh belong to newly-rich businessmen and look like the white vehicles of international relief organisations which attract envy and admiration. After each carwash, Bulbul and his mates bargain with the driver for payment of a few rupees. It may be only a small tip to the owner of the car, for the boys and their families it’s their daily bread. Set in the slush, among noisy horns and exhaust fumes, the portrait of this little gang seems to turn quite naturally into a sketch of the growing social conflicts in the Afghan capital. Based on the tradition of ’cinéma vérité’, the film works largely without interviews or dialogues. The camera observes the protagonists unobtrusively and yet precisely. Only outsiders will be surprised to see that the little people are great when it comes to spontaneity, humour and enjoying their rare moments of happiness to the full.

Beta SP (PAL), Farbe, 26 min. Regie, Buch, Kamera: Reza Hosseini Yamak Schnitt: Aurélie Ricard Produktion: Ateliers Varan Kontakt: Ateliers Varan, 6 Impasse Mont-Louis, 75011 Paris, Frankreich, contact@ateliersvaran.com

Reza Hosseini Yamak, 34, verlässt 1970 infolge einer Dürre mit seiner Familie Afghanistan, zunächst in den Irak, später in den Iran. Mit 16 verlässt er die Schule, um zu arbeiten. Irans Behörden zwingen ihn, kurz vor Ende des TalibanRegimes in seine Heimat zurückzukehren. Zunächst als Soldat, dann in einer internationalen Medien-Initiative lernt er Fotografie und arbeitet heute als freier Fotograf in Kabul. Filmauswahl: Issa, der Ringer (Kurzfilm mit den Ateliers Varan, 2006)

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Gozar Gah Passageway Afghanistan 2006

The first casualty, when war comes, is the truth, they say. Chroniclers who try to record war without prejudice and free from propagandist constraints are facing an increasingly difficult task in the age of embedded journalism. When Abdul Hussein Danesh started to work on “Gozar Gah” in 1993, a civil war was raging in his home country. The bigger part of Kabul’s destruction took place then (and not in the years of the Taliban regime). It was not before 2006, after escaping from the Taliban and living in exile in Iran, that the filmmaker felt the time was ripe to show his disturbing visual material publicly in Afghanistan. Definitely a risky move, because even today the political leaders of that time are in power in Kabul – which is one of the reasons why the film has so far never been screened in its complete version in Afghanistan. Leipzig will therefore see the world premiere of the uncensored original version. When they were shooting the film, the director and his cameraman frequently found themselves literally in the line of fire. The film focuses on Kabul’s Gozar Gah district, a bottleneck between opposing military groups during the civil war. The spectators experience murder, looting and migration as a triad of horror set in motion by warlords and militia leaders. Some of them have done an about turn and become members of the Afghan parliament today, legitimised by the international community. It makes one wonder when we may expect a similarly authentic view of the current armed conflict in Afghanistan.

Mini-DV PAL, Farbe, 52 min. Regie, Buch: Abdul Hussain Danesh Kamera: Sayed Bashir Hossaini Produktion, Vertrieb: Abdul Hussain Danesh Afghanistan Documentary Film Kontakt: Abdul Hussain Danesh, danesh.art@gmail.com Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Die Wahrheit stirbt im Krieg als Erstes, heißt es. Chronisten, die Kriegsgeschehen ohne Vorurteil und frei von propagandistischen Zwängen mit der Kamera einzufangen versuchen, haben es in Zeiten des ‚embedded journalism‘ immer schwerer. Als Abdul Hussein Danesh 1993 mit den Arbeiten zu „Gozar Gah“ begann, wütete in seiner Heimat der Bürgerkrieg. Aus jener Zeit (und nicht aus den Jahren der TalibanHerrschaft) rührt der größte Teil der Zerstörung von Kabul. Erst 2006, nach der Flucht vor den Taliban und iranischem Exil, erschien dem Autor die Zeit reif, um mit dem aufwühlenden Bildmaterial an die afghanische Öffentlichkeit zu gehen. Ein durchaus gewagter Schritt, denn auch heute sind politische Führer von damals in Kabul an der Macht. Ein Grund, warum der Film in Afghanistan bisher nicht vollständig gezeigt wurde. Leipzig erlebt deshalb die Weltpremiere der ungeschnittenen Originalversion. Der Regisseur und sein Kameramann sind bei ihren Arbeiten immer wieder buchstäblich in die Schusslinie geraten. Im Mittelpunkt der Aufnahmen steht das Viertel Gozar Gah in Kabul, im Bürgerkrieg ein Nadelöhr zwischen sich bekämpfenden militärischen Gruppierungen. Mord, Plünderungen, Migration vermitteln sich dem Zuschauer als ein Dreiklang des Schreckens und als das Machwerk von Warlords und Milizenchefs, von denen ein Teil heute gewendet und legitimiert durch die internationale Staatengemeinschaft im afghanischen Parlament sitzt. Die Frage drängt sich auf, wann von dem derzeitigen bewaffneten Konflikt in Afghanistan ein ähnlich ungeschminktes Bild zu erwarten ist.

Abdul Hussain Danesh, geboren 1970 in Kabul. Studium der Filmwissenschaften in Teheran (Firdausi Garden Filmmaking Training Center). Berater für „The Hum of Buddha“ (2004) des iranischen Regisseurs Ghasemi Jami. Autor zahlreicher Szenarios, die aufgrund von Krieg und der politischen Verhältnisse abgebrochen wurden oder nicht umgesetzt werden konnten. „Gozar Gah“ ist Sieger des Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmfests 2006 in Kabul.

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Kabul man My Kabul

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Afghanistan 2006

Das Konzept, einen Film während einer Taxifahrt zu drehen, ist eben so bekannt wie wirksam und wird von Spiel- wie Dokumentarfilmregisseuren immer wieder erfolgreich praktiziert. Einfacher gesagt: Die Wahrheit liegt auf der Straße. Geschichten, die Taxifahrer erzählen, gehören zu den Dingen, die der Reisende bereitwillig aufsaugt, wenn er an fremden Orten auftaucht. In Kabul sind die Taxis gelb, klapprig und alt – nicht selten 25 Jahre, und meist sitzen die Fahrgäste dicht an dicht. Jamal ist nicht gerade einer der gesprächigsten Fahrer, aber er gibt die richtigen Stichworte für seine Fahrgäste. Während draußen Bilder der teils zerstörten, teils im Wiederaufbau befindlichen Hauptstadt vorbeiziehen, erzählen die Taxi-Insassen ebenso persönliche wie typische Geschichten über Leid und Zerstörung, Hoffen und Ernüchterung. Die US-Amerikaner als vermeintliche Retter des neuen Afghanistan bekommen ebenso ihr Fett weg wie die afghanischen Machthaber, die von der Bevölkerung überwiegend als korrupt und wenig vertrauenswürdig wahrgenommen werden. Eine minimalistisch angelegte, aber gleichwohl treffende Momentaufnahme der Stimmung in der Bevölkerung, deren ‚hearts and minds’ ausländische Militärs und Politiker mehr denn je erobern wollen.

The idea of shooting a film during a taxi ride is as well-known as it is effective and has been practised by feature film and documentary filmmakers alike with equal success. To put it more simply: the truth lies in the street. Stories told by taxi-drivers are among the things travellers soak up greedily when they arrive in foreign places. In Kabul, taxis are yellow, rickety and old – often 25 years old – and usually crammed with passengers. Jamal may not be the most talkative driver, but he delivers the right cues to his passengers. While the images of the capital, partly destroyed, partly under reconstruction, pass by outside, his passengers tell stories of suffering and destruction, hope and disillusionment that are as personal as they are typical. The US-Americans, alleged saviours of the new Afghanistan, get what they deserve, as do the Afghan powers, which are mostly regarded as corrupt and untrustworthy by the population. A minimalist but precise snapshot of the mood of a population whose ’hearts and minds’ the foreign military and politicians want to win over more than ever.

Beta SP (PAL), Farbe, 21 min. Regie, Buch, Kamera: Wahid Nazir Produktion: Ateliers Varan Kontakt: Ateliers Varan, 6 Impasse Mont-Louis, 75011 Paris, Frankreich, contact@ateliersvaran.com

Wahid Nazir, 43. Nach dem Abitur Studium der Filmwissenschaft an der Universität Kabul. Der Krieg zwingt ihn zu einem zweijährigen Militärdienst. Es folgen zehn Jahre Exil im Iran. Rückkehr nach Kabul 2002, wo er heute für die staatliche Filmgesellschaft „Afghan Film“ arbeitet. Autor eines Dokumentarund eines Kurzspielfilms.

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Moral Crimes Moral Crimes Afghanistan 2007

There are half a dozen women in the prison of Mazar-i-Sharif whose “crime” was to marry the man they wanted on their own initiative. Betrayed by their own families, they were put behind bars for this. The film shows the psychological sufferings of detention and the lack of perspective for the children, some of whom were born behind bars. Islamic jurists and Afghan feminists speak. Their dilemma: the new constitution has the difficult task of straddling the divide between Sharia and modern civil law, which is why living tradition is often resorted to. Paradoxically, some of the women feel safer in prison than outside, where they fear retribution from their own families.

Beta SP (PAL), Farbe, 17 min. Regie: Manija Gardizi, Karim Amin Buch: Manija Gardizi Kamera, Schnitt: Karim Amin Produktion: La Famille Production Kontakt: Karim Amin, kaarimo@gmail.com

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Im Gefängnis von Mazar-i-Sharif sitzen ein halbes Dutzend Frauen mit Kindern ihre Haftstrafe ab. Ihr ‚Verbrechen‘: Sie haben auf eigene Faust den Mann ihrer Wahl geheiratet. Verraten von der eigenen Familie, hat sie das hinter Gitter gebracht. Der Film zeigt die psychischen Leiden, die mit der Haft einhergehen, und die Perspektivlosigkeit der Kinder, die zum Teil hinter Gittern geboren sind. Islamische Rechtsgelehrte und afghanische Frauenrechtlerinnen kommen zu Wort. Ihr Dilemma: Die neue Verfassung tut sich schwer im Zwiespalt von Sharia und modernem bürgerlichen Recht, weshalb häufig gelebte Tradition Anwendung findet. Paradoxerweise fühlen sich die Frauen im Gefängnis zum Teil sicherer als in Freiheit: Dort fürchten sie Repressalien der eigenen Familie.

Die Politikwissenschaftlerin Manija Gardizi wurde in Kabul geboren und promoviert an der Freien Universität Berlin über State-Building und Local Governance in Afghanistan. Sie hat insgesamt zwei Jahre in Afghanistan geforscht und war unter anderem als Beraterin für die deutsche Regierung tätig. Karim Amin, geboren 1979, stammt aus dem Panjshir-Tal. Arbeitet als Autor, Kameramann und Cutter bei „Awaz“, einem afghanischen Produktionsstudio in Kabul. Studium für Film und Regie am National Institute of Image and Sound (INIS) in Montreal, Canada, sowie an der School of Audio Engineering, London. Filmauswahl (Kurzfilme): Hip Hop à Kabul (2007), Hadji Baba (2008), Princesses d’un jour (2008)

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Afghanistan – Innenansichten Special Programmes Documentary Film: Afghanistan – From Inside

Roja roshani Dream of Light

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Afghanistan 2006

Am Beginn stehen Bilder aus einer afghanischen Wochenschau: Zum 50. Unabhängigkeitstag Afghanistans 1969 erstrahlt das nächtliche Kabul in funkelndem Weiß. Die ganze Stadt ist ein einziges Lichtermeer, mit beleuchteten Brücken und einem Feuerwerk als Zugabe. Die Archivaufnahmen vermitteln eine Ahnung davon, dass Afghanistan bis in die 1970er Jahre hinein auch eine Erfolgsgeschichte hatte, ein Land mit einer modernen Verfassung war, mit urbanem Flair und einem funktionierenden Stromsystem. Das Erwachen im Hier und Heute ist ernüchternd: Strom ist auch sieben Jahre nach Ankunft unzähliger ausländischer Helfer und Beraterfirmen weiterhin Mangelware. Während die besseren Viertel der Hauptstadt immerhin mittels Generatoren mit Elektrizität versorgt werden, sind die Bewohner der weniger privilegierten Quartiere froh, wenn sie für ein paar Stunden am Tag Strom haben. In einem dieser Viertel, Char Qala-e-Wazirabad, verwalten Sediq und Yousuf ein kleines E-Werk und bestreiten einen alltäglichen Kampf gegen ein scheinbar hoffnungslos veraltetes Wirrwarr aus Leitungen und Stromkästen. In ihrem Büro, einer kleinen dunklen Kammer, finden sich verschiedenste Anwohner mit ihren Anliegen ein. Mit stoischer Gelassenheit bemühen sich die beiden um Antwort und Rat. Immerhin gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Die afghanische Regierung hat den Bürgern von Kabul für kommendes Jahr eine lückenlose Stromversorgung versprochen.

The film opens with images from an Afghan newsreel: On the night of the 50th anniversary of Afghan independence in 1969, Kabul was radiant in glittering white. The whole city was an ocean of light, with illuminated bridges and fireworks to boot. This archive material gives us an inkling of the fact that up until the 1970s, Afghanistan had a success story, too: a country with a modern constitution, an urban flair and a working power supply. Waking up in the here and now is sobering: seven years after the arrival of countless foreign helpers and consulting firms, power is still scarce. Electricity for the wealthier districts of the capital is supplied by generators, while the inhabitants of the less privileged quarters are happy if they have power for a few hours a day. Sediq and Yousuf run a small electric utility in one of these quarters, Char Qala-e-Wazirabad, struggling daily with an apparently hopelessly outdated mesh of wires and electrical panels. Various inhabitants come to their small, dark office with requests. With stoic composure, the two try to find answers and give advice. After all, there is a silver lining on the horizon: The Afghan government has promised the citizens of Kabul uninterrupted power supply for next year.

Farbe, 23 min. Regie, Buch, Kamera: Ibrahim Bamiani Produktion: Ateliers Varan Kontakt: Ateliers Varan, 6 Impasse Mont-Louis, 75011 Paris, Frankreich, contact@ateliersvaran.com

Ibrahim Bamiani, 35, Exil und Abitur im Iran, später Metallarbeiter und Rückkehr nach Kabul 2003. Arbeitet für den privaten Fernsehsender Tamadon TV. Autor vor allem von pädagogischen Kurzfilmen für Bildungssendungen.

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Sahar javani qalin baf Sahar, the Young Carpet Maker Afghanistan 2008

Though only 14, Sahar is essential to her family’s survival, managing their homebased carpet-production together with her father. She is intelligent, patient, unfailingly polite and one of the best students in her class. In addition, she oversees two of their little carpet manufacture employees and helps her brothers with household chores. Her father discovered a market niche, making carpets based on photos. They mostly weave portraits, which brings in good money. Her father wants Sahar to step into his shoes and take over the family business. That’s unusual for Afghanistan. “The film shows the drama of Afghan carpet production, whose victims are children and adolescents”, says the director. The example of Sahar’s family also shows that there is an opportunity in this double burden. Here is an Afghan father who promotes his daughter’s emancipation and education – and a traditional workshop where the past and the modern age are cleverly combined.

Beta SP (PAL), Farbe, 26 min. Regie, Buch, Kamera: Taj Mohammad Bakhtari Schnitt: Claude Mercier, Youssef Charifi Produktion: Ateliers Varan Kontakt: Ateliers Varan, 6 Impasse Mont-Louis, 75011 Paris, Frankreich, contact@ateliersvaran.com

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Sahar ist, obwohl erst 14-jährig, unentbehrlich für ihre Familie. Mit ihrem Vater leitet sie die heimische Teppichproduktion. Sie ist intelligent, geduldig, immer zuvorkommend und eine der besten Schülerinnen in ihrer Klasse. Außerdem beaufsichtigt sie zwei Angestellte der Teppichmanufaktur und hilft ihren Brüdern im Haushalt. Ihr Vater hat eine Marktlücke entdeckt. Er fertigt Teppiche nach fotografischen Vorlagen. Gewebt werden vor allem Porträts, deren Verkauf gutes Geld bringt. Sahar, so der Wille des Vaters, soll einmal seine Nachfolge antreten und das Familiengeschäft übernehmen. Das ist ungewöhnlich für afghanische Verhältnisse. „Der Film zeigt das Drama der afghanischen Teppichproduktion, deren Opfer Kinder und Jugendliche sind“, sagt der Regisseur. Am Beispiel von Sahars Familie wird zugleich deutlich, dass in der Doppelbelastung auch eine Chance liegt. Hier ist ein afghanischer Vater, der für Emanzipation und Bildung seiner Tochter eintritt – und eine traditionelle Werkstatt, die Vergangenheit und Moderne clever verbindet.

Taj Mohammad Bakhtari, geboren 1971 in der Provinz Kunduz. Nach Abitur und Militärdienst Studium der Sozialwissenschaften. Zunächst Angestellter in der Landesregierung von Kunduz, nach 2001 Wechsel in das HotellerieGewerbe. Der Film ist das Ergebnis eines mehrmonatigen Workshops mit der französischen Filminitiative Ateliers Varan 2007–2008 in Kabul.

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Afghanistan – Innenansichten Special Programmes Documentary Film: Afghanistan – From Inside

Shelter Shelter

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Afghanistan 2006

2.600 Zeichnungen liegen der Arbeit des Autors zugrunde, der über die Malerei zu diesem filmischen Genre fand. Hossainis eigene Erlebnisse von Flucht und Migration sind die Grundlage der Erzählung. „Teil einer kriegerischen Wirklichkeit zu sein, gehört zur Lebenswirklichkeit so gut wie aller Afghanen“, sagt der Autor. „‚Shelter‘ ist die Summe vieler Geschichten, die ich selbst erlebt oder von denen ich gehört habe.“ Die Story des Films: Ein kleiner Junge lebt in einem Holzkarren. Nur ein Vogel zwitschert ihm zu. Die beiden werden voneinander getrennt, als ihr Unterschlupf durch Waffengewalt zerstört wird. Alles Leben scheint erloschen. Der Junge ist gezeichnet, verwundet, mutlos. Aber ausgerechnet das Vöglein weckt neues Leben in ihm.

The work is based on 2.600 drawings by the filmmaker who came to this genre through painting. Hossaini’s own experiences of flight and migration form the basis of the narrative. “Being part of a warlike reality is part of practically every Afghan’s life”, says the filmmaker. “’Shelter’ is the sum of many stories I experienced or heard myself.” The plot: a small boy lives in a wooden cart. There is only a bird which sings to him. The two are separated when their hideaway is destroyed. All life seems extinct. The boy is marked, wounded, and despondent. But the little bird awakens new life in him.

Beta SP (PAL), 6 min. Regie, Buch, Animation, Produktion, Koproduktion: Sayed Mohsen Hossaini Technik: Zeichenanimation, 2D-Computeranimation Kontakt: Sayed Mohsen Hossaini, smohsen@hotmail.com

Sayed Mohsen Hossaini, geboren 1977, emigrierte zunächst nach der russischen Invasion und später nach der Machtergreifung der Taliban in den Iran. Studium der Filmwissenschaft an der Radio- und Fernseh-Hochschule in Teheran (IRIB). Er lebt als Trickfilmautor und Kameramann in Kabul und Teheran.

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Tar-e-tu, pud-e-man Mesh Afghanistan 2008

Ask the media and politicians in the West about the burqa, and it’s the first thing that has to go before women in Afghanistan can be free again. Since the fall of the Taliban regime burqas are not compulsory any more, but strong social pressure is brought to bear on some of the women to wear it anyway. Many Afghan women, however, claim that there are more important things than the burqa when it comes to freedom and everyday rights. Who should listen to whom then? In her debut film, 23 year old filmmaker Aarzoo Burhani explores the question why Afghan women wear this full body veil at all. At last, an Afghan filmmaker has tackled the subject. It is a sobering work, especially since, as the filmmaker discovers, nothing about the burqa can be found in Kabul’s history books. Her reportage style film brings together the whole range of views on a garment which is represented as a seemingly unalterable symbol of this country by the foreign press. By staging herself, the director also uncovers a rift between the younger and the older generation. The film comes to the conclusion that wearing the burqa is not a symbol of Islam per se, but a result of cultural influences reinforced by war and isolation.

Mini-DV PAL, Farbe, 25 min. Regie, Buch, Kamera, Produktion: Aarzoo Burhani Kontakt: Aarzoo Burhani, aarzoo_burhani@yahoo.com

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Befragt man Medien und Politiker im Westen nach der Burka, ist sie das Erste, was verschwinden muss, damit die Frauen in Afghanistan wieder frei sind. Seit dem Sturz der Taliban nicht mehr gesetzliche Pflicht, gibt es dennoch einen starken sozialen Druck auf einen Teil der Frauen, sie nach wie vor zu tragen. Viele Afghaninnen bekunden allerdings, die Burka sei nicht das Wichtigste, wenn es um mehr Freiheit und Rechte in ihrem Alltag geht. Wer also sollte hier wem zuhören? Die 23-jährige Regisseurin Aarzoo Burhani geht in ihrem Erstlingsfilm der Frage nach, warum afghanische Frauen überhaupt den Ganzkörperschleier tragen. Endlich hat sich auch eine afghanische Autorin an dieses Thema gemacht. Eine ernüchternde Arbeit, zumal, wie die Filmemacherin entdeckt, in den Geschichtsbüchern von Kabul nichts über die Burka zu finden ist. In ihrem reportage-artigen Film trifft das ganze Spektrum der Ansichten über ein Kleidungsstück aufeinander, das ausländische Gazetten für das Land als vermeintlich unabänderlich darstellen. Indem die Regisseurin sich selbst in Szene setzt, kommt zugleich ein Bruch mit der älteren Generation zum Vorschein. Am Ende steht die Erkenntnis, dass das Tragen der Burka nicht für den Islam steht, sondern Ergebnis kultureller Einflüsse und Eigenarten ist und sich durch Krieg und Isolation verfestigt hat.

Aarzoo Burhani, 23, gestaltet das Drehbuch der einzigen Soap Opera im afghanischen Fernsehen („Raz Hai en Khana“) auf Tolo TV mit und arbeitet für das „Sib New Media Center“ in Kabul. Davor lebte sie mit ihrer Familie zeitweilig im Iran. Verschiedene Filmworkshops, unter anderem mit J.F. Lawton, Hollywood-Drehbuchautor und Regisseur von „Pretty Woman“.

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Afghanistan – Innenansichten Special Programmes Documentary Film: Afghanistan – From Inside

Va Man Zani Tanhaa Dar Astaneye Fasli Sard Behold Alone Woman at the Beginning of a Cold Season

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Afghanistan 2006

Gleich mit der schwierigsten aller Übungen, dem Selbstporträt, hat sich die Autorin zu Beginn ihres Werdegangs als Regisseurin auseinandergesetzt. Sie feiert ihren 23. Geburtstag. Aber keiner ist da, um mit ihr die Kerzen auszublasen. So diktiert sie ihrem Tagebuch und der Kamera ihre Nöte, Einsamkeit und Wünsche in der neuen Wahlheimat Europa. Es fehlen die Eltern, Wärme, ein Zuhause. In ihrem Kopf dröhnen Bilder aus der Heimat, in der einmal mehr Krieg herrscht. Die Filmemacherin durchmisst Augenblicke ihrer doppelten Identität und inszeniert eine Körperlichkeit, die von Verhüllung bis Nacktheit reicht. Im Vergleich zu dem Leben, das sie hinter sich gelassen hat, erscheint der Alltag in ihrer neuen Heimat eindimensional. Eine Geschichte über Emigration und ihren Schmerz.

The filmmaker has tackled the most difficult task of all, a self-portrait, at the start of her career as a director. She is celebrating her 23rd birthday, but no one is there to blow out the candles with her. So she dictates her sorrows, loneliness and wishes in her new European home to her diary and the camera. In her head images of home, where war is raging once again, roar. The filmmaker measures out her double identity and plays out a physicality in which she frees herself from the burqa. Compared to the life she left behind, day-to-day life in her new home seems one-dimensional. A story about the pain of emigration.

Beta SP (PAL), Farbe, 11 min. Regie, Buch: Sahraa Karimi Animation: Simon Matrka Kamera: Martin Ziarah Musik: Farhad Farochdini, Emam Ali Schnitt: Simone Vallovicova Produktion: Veronika Vrabcová FTF VSMU, Bratislava Kontakt: Sahraa Karimi, sahraakarimi@yahoo.com

Sahraa Karimi, 1981 in Kabul geboren. 2001 machte sie ihr Architektur-Diplom an der polytechnischen Fakultät der Shahid Chamran Universität im Iran. Sie emigriert mit 19 in die Slowakei, wo sie seit 2003 an der Akademie für Musik und Künste in Bratislava Film und Fernsehen studiert. In mehreren Filmen stand sie seit 1999 als Schauspielerin vor der Kamera. Zur Zeit arbeitet sie an einem Film über afghanische Frauen am Steuer. An der Kabuler Universität hat sie im Sommer 2008 ein Semester Grundlagen des Films unterrichtet. Bereits 2005 war sie mit „Searching for a Dream“ bei DOK Leipzig zu Gast.

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Dar dhakataye ka nagesol aglam medanand Half Value Life Afghanistan 2008

Even without the background of a classic film education, young director Alka Sadat’s works demonstrate a sure sense of the possibilities of the medium and a distinctly original style. The young filmmaker, who just finished school, stays extraordinarily close to her material with her camera and is unerring in her choice of protagonists: Mariya Bashir is the first and only public prosecutor in Herat – a near impossible task, for the city is not just known for its beautiful buildings and monuments, but also for its fairly typical morass of corruption, booming kidnapping industry and, above all, domestic violence committed by men against women. The people Mariya Bashir is fighting for are sometimes mere children, married against their will and the law. How can a single woman enforce the law in this patriarchal society of threats and coercion? Mariya Bashir pays a high price for her office. The double role of mother and investigator has left its marks on her and her family. She has already survived one attack on her life. In this film it’s the looks and close-ups that speak louder than words: a gripping thriller, if it wasn’t the naked truth. At the end the public prosecutor who by virtue of her office can occasionally take the liberty of scolding the men, encourages other women to leave their fear behind and bring charges against injustice.

Der Film läuft auch im Internationalen Nachwuchswettbewerb Generation DOK.

The film will also be screened in the International Young Talent Competition – Generation DOK.

Mini-DV PAL, Farbe, 25 min. Regie, Buch, Kamera: Alka Sadat Schnitt: Mujtaba Seyar Ghayoor Produktion, Vertrieb: Roya Sadat, Roya Film Hose Kontakt: Alka Sadat, alka_sadat@yahoo.com

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Ohne den Hintergrund einer klassischen Filmausbildung zeugen die Arbeiten der Regisseurin Alka Sadat von einem sicheren Gespür für die Möglichkeiten des Mediums und tragen unübersehbar eine eigene Handschrift. Die junge Autorin, die erst kürzlich die Schule beendet hat, ist mit ihrer Kamera ungewöhnlich nah am Erzählstoff und treffsicher bei der Wahl ihrer Protagonisten: Mariya Bashir ist die erste und einzige Staatsanwältin in Herat – eine nahezu unmögliche Herausforderung. Denn neben ihren herrlichen Bauten und Denkmälern kennzeichnet diese Stadt ein nicht untypischer Sumpf an Korruption, ein blühendes Entführungsgeschäft und vor allem häusliche Gewalt von Männern gegen Frauen. Jene, für deren Rechte Mariya Bashir kämpft, sind manchmal noch Kinder und gegen ihren Willen sowie das Gesetz verheiratet. Wie kann eine einzelne Frau in dieser patriarchalisch geprägten Gesellschaft aus Drohung und Nötigung dem Recht zum Durchbruch verhelfen? Mariya Bashir zahlt einen hohen Preis für ihr Amt. Die Doppelrolle als Mutter und Ermittlerin geht nicht spurlos an ihr und ihrer Familie vorüber. Einen Anschlag auf ihr Leben hat sie bereits überlebt. Es sind die Blicke und Großaufnahmen, die in diesem Film oft mehr als Worte sagen. Ein eindrucksvoller Krimi, wäre es nicht die nackte Wahrheit. Am Ende ermuntert die Staatsanwältin, die es sich qua Amt erlauben kann, Männern gelegentlich heftige Worte an den Kopf zu werfen, andere Frauen, ihre Furcht abzulegen und das Unrecht anzuklagen.

Alka Sadat, 27, Schulabschluss in Herat, macht seit 2004 Dokumentarfilme. Als Autorin, Regisseurin und Kamerafrau ist sie Autodidaktin. 2005 besuchte sie einen Regie-Workshop am Goethe-Institut in Kabul. Sie erhielt bereits diverse Preise und Einladungen zu nationalen und internationalen Filmfestivals, darunter Trevignano (2007), Almaty (2007) sowie Kabul (2007 und 2008).

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Afghanistan – Innenansichten Special Programmes Documentary Film: Afghanistan – From Inside

Zakia Did Stand up Zakia Did Stand up

Sonderprogramme Dokumentarfilm Afghanistan

Afghanistan 2008

Shakiba Adils Film ist eine Recherche über Zakia Zaki, Frauenrechtlerin und Gründerin eines unabhängigen Radiosenders für Frauen, der noch zu Zeiten der Taliban ins Leben gerufen wurde. Vergangenes Jahr wurde die Familienmutter in ihrem Haus unter mysteriösen Umständen erschossen. Zakia Zakis Tod markierte 2007 einen vorübergehenden Höhepunkt in einer Reihe von Morden an afghanischen Journalistinnen im Land. Wenige haben es bisher gewagt, den Hintergründen an dem Mord nachzugehen. Der Film ist auch eine Chronologie darüber, dass jede Recherche eine Reihe von Risiken birgt. Symptomatisch scheint nicht nur in diesem Fall, dass afghanische Behörden wegschauen oder selbst an der Verwischung von Spuren beteiligt sind. Die zaghaften Proteste internationaler Akteure bleiben bisher ebenfalls meist ergebnislos. Die Autorin Shakiba Adil hat trotz zunehmender Einschüchterungsversuche an ihrem Vorhaben festgehalten, am Tatort in Jabul Saraj, rund 75 Kilometer nördlich von Kabul, Stimmen einzufangen und Motive zu ergründen.

Shakiba Adil’s film is a research project about Zakia Zaki, a women’s rights activist and founder of an independent radio station for women that was established under the Taliban. Last year the mother of a family was shot under mysterious circumstances in front of her home. Zakia Zaki’s death in 2007 marked a preliminary climax in a series of murders of Afghan female journalists in the country. Until today, few dared to investigate the background of this murder. The film is also a chronology of the risks inherent in every research. It seems symptomatic not only of this case that Afghan authorities look the other way or are even actively involved in cover-ups. The timid protests of international agents brought no results either. Despite increasing attempts at intimidation, filmmaker Shakiba Adil stuck to her plan of capturing opinions and exploring motives at the scene of the crime in Jabul Saraj, about 50 kilometres north of Kabul.

Mini-DV PAL, Farbe, 19 min. Regie: Shakiba Adil Kontakt: Shakiba Adil, shakiba.adil@gmail.com

Shakiba Adil, 23, Abschluss der Malalai-Schule in Kabul. Nach 2001 moderierte sie eine Kindersendung im afghanischen Fernsehen und lernte Kamerafrau und Videojournalismus bei der Medienorganisation „Aina“. 2004 emigrierte sie nach Finnland, wo sie eine Ausbildung im multikulturellen Programm Basaari des Fernsehsenders YLE absolvierte. Derzeit studiert sie Radio-, Fernseh- und Dokumentarfilmproduktion am North Carelian College in Outokumpou.

Unfinished Business – Afghanistan aus dem Blick des Anderen Eine Ausstellung im Rahmen des Sonderprogramms „Afghanistan – Innenansichten“ mit Fotos von David Bathgate, Farzana Wahidy, Massoud Hossaini und Martin Gerner. Vernissage: 28.10.2008, 11 Uhr, Untergeschoss des Museums der bildenden Künste Leipzig

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Smoking(No)Smoking – Vom Ende der Raucher Special Programmes Documentary Film: Smoking(No)Smoking – The End of a Species

Smoking(No)Smoking Vom Ende der Raucher The End of a Species

Deutschland und die Deutschen bewegt – folgt man den Medien – nur ein wirklich quälendes Problem: Wir dürfen nicht mehr rauchen. Das Schmelzen der Polkappen oder das Sterben des Waldes, Hungersnöte in Afrika, Kinderarmut oder Massenarbeitslosigkeit – nichts beschäftigt uns so sehr wie das gesetzlich verordnete Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen, in Zügen und auf Bahnhöfen, in den meisten Bundesländern auch in Gaststätten oder Diskotheken. Während erste Langzeitstudien aus Staaten, die das Rauchen schon länger reglementiert haben, die messbare Verbesserung des Gesundheitszustands der Bevölkerung vermelden, ziehen in Deutschland Gastwirte mit wechselndem Erfolg durch die juristischen Instanzen. Widerstand, sonst nicht Sache der Deutschen, formiert sich auf allen Ebenen. Die schnöde Sucht scheint dabei nur ein, zudem marginaler, Aspekt zu sein. Niemand, auch kein bis dato glücklicher Nichtraucher, kommt heute umhin, sich mit existentiellen Fragen auseinanderzusetzen: Wie weit reicht die Freiheit des Individuums und wie korrespondiert sie mit der Verantwortung dem Gemeinwohl gegenüber? Inwiefern muss, wann darf ein Staat in sie eingreifen? Was sind die Konsequenzen? Ist das Rauchverbot Teil eines seit 9/11 immer weiter um sich greifenden und weitgehend gesellschaftlich legitimierten neo-totalitären, staatlich verankerten Überwachungs- und Repressionsapparates? Oder im Gegenteil ein Umdenken in die richtige Richtung: zum Schutz jener, die keine Lobby haben, beispielsweise passiv mitrauchender Kinder oder zum Rauchen animierter Jugendlicher? In Zeiten ungebremster neoliberaler Ausbreitung von Märkten ein notwendiges Korrektiv der Politik? Oder sind es am Ende gar nicht die Konzerne, die auf der Strecke bleiben? Die in dem diskursiv angelegten Programm versammelten Filme zeigen, dass Rauchen kein künstlich gehyptes Modethema ist, sondern als Phänomen der Massengesellschaft auch

If you believe the media, there is only one real and agonizing problem Germany and the Germans are facing today: we’re not allowed to smoke any more. Melting polar caps or dying forests, starvation in Africa, child poverty or mass unemployment – none of these come even close to garnering the kind of attention we devote to the legal ban on smoking in public institutions, in trains and at stations, and – in most federal states – in pubs and clubs. While the first long-term studies from countries in which smoking has been regulated for some time report measurable improvements in the population’s health, pub owners in Germany take to the legal courts, with varying success. Resistance, not exactly a German speciality, is forming on all levels. Base addiction seems to be only one, even marginal aspect of the problem. Nobody, not even a hitherto happy non-smoker, can escape the existential questions today: how far does the freedom of the individual extend, and how does it correlate with one’s responsibility towards the common welfare? To what extent must, when may the state intervene? What are the consequences? Is the ban on smoking part of a growing and to a large extent socially authorized neo-totalitarian public surveillance and repression machine set in motion by 9/11? Or, on the contrary, is it re-thinking in the right direction: protecting those who have no lobby, for example children exposed to secondhand smoke or adolescents tempted to start smoking? A necessary political corrective in an age of unchecked neoliberal market expansion? Or will it not be the corporations after all who will fall by the wayside in the long run? The films compiled in this discoursive programme show that smoking is not an artificially hyped fashionable issue but a phenomenon of our mass society and as such a re-

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Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Texte: Grit Lemke, Kuratorin


Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Sonderprogramme Dokumentarfilm: Smoking(No)Smoking – Vom Ende der Raucher Special Programmes Documentary Film: Smoking(No)Smoking – The End of a Species

deren Konflikte und Probleme reflektiert – bis hin zur von Georg Seeßlen formulierten Frage, ob mit dem Rauchen auch die Moderne verschwinde. Ein Film aus den Zwanzigern führt in deren Anfänge, als durch industrielle Fertigungsmethoden massenhafter Zugriff auf die Droge Nikotin möglich wurde. Zugleich erwuchs mit der stets gehetzten, nervösen und von Konkurrenz in allen Lebensbereichen geprägten Großstadtgesellschaft das Bedürfnis nach Ruhe und individueller Entspannung. Wofür die von ebendieser Gesellschaft produzierte Zigarette wie gerufen schien und von der sich etablierenden Werbung schnell in dieser Richtung aufgebaut wurde. Wie die hier gezeigten, teilweise künstlerisch avantgardistischen Beispiele von Zigarettenwerbung aus den 1930er Jahren zeigen, galt Rauchen nicht erst seit dem HB-Männchen – der sicher bekanntesten Werbefigur bundesdeutscher Geschichte – als Stressbewältigungshilfe schlechthin. Zudem machen sie – ebenso wie ein bulgarischer Film aus den Fünfzigern – sichtbar, wie Rauchen, die Produktion und Konsumtion von Zigaretten, jeweils ideologisch vereinnahmt wurden. Als weitere Konstante zieht sich die Konstruktion von geschlechtstypischen Stereotypen durch alles, was mit Rauchen zu tun hat. Über das Rauchen kann man offensichtlich nur in Dichotomien nachdenken: Verheißung absoluten Glücks und tödliche Verdammnis begegnen sich bei kaum einem anderen Thema so leidenschaftlich – entsprechend auch in jedem der Programmblöcke. Die Langfilme erzählen auf künstlerisch sehr unterschiedliche Art von der Qual oder den Vorzügen des Rauchentzugs, den verheerenden Folgen der Tabakproduktion für die Dritte Welt, dem Raucherraum als Phänomen einer sterbenden Arbeitsgesellschaft oder schwadronieren einfach über die Freuden des Paffens an sich. Mit dem entspannten Zurücklehnen ist es jedoch vorbei, wenn DDR-Gesundheitsaufklärungsfilme unter Zuhilfenahme abschreckender Bilder, hochwissenschaftlicher Erläuterungen oder possierlicher Comicfiguren Gefahr für Leib, Leben und Gesellschaft annoncieren. Womit wir wieder am Ausgangspunkt und bei der Frage nach persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung wären. Inwiefern man die Verpflichtung einer sozialistischen Brigade zum Nichtrauchen mit einem Gesetz zum Schutz der Nichtraucher vergleichen kann, darüber kann man diskutieren. Zum Beispiel in Leipzig. In Kooperation mit in cooperation with Bundesarchiv-Filmarchiv

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flection of its conflicts and problems – culminating in the question formulated by Georg Seeßlen, whether modernity will vanish along with smoking. A film from the 1920s takes us back to the beginnings of the age, when industrial manufacturing made mass access to the drug nicotine possible. At the same time, the rise of the urban society, rushed, nervous and marked by competition in all areas of life, created a growing need for calm and individual recreation – for which purpose the cigarette, produced by that very society and pushed in this direction by the nascent advertising industry, seemed just the thing. As the sometimes artistic and avant-garde cigarette commercials from the 1930s screened here show, smoking was regarded as the perfect means of stress-relief, and not just since the first appearance of the HB-manikin – doubtless one of the most popular advertising characters in West German history. In addition, they illustrate – like a Bulgarian film from the 1950s – how smoking, the production and consumption of cigarettes, was appropriated by the various ideologies. Another constant which pervades everything to do with smoking is the construction of gender-specific stereotypes. It seems that we can only think about smoking in dichotomies: there is no other subject where promises of absolute bliss and fatal doom clash so passionately – as every single programme section will demonstrate. The feature-length films talk in very diverse artistic styles of the agonies and advantages of quitting, the devastating consequences of tobacco production for the Third World, the smoking room as a phenomenon of a dying labour society, or simply rave about the joys of puffing away. Relaxed enjoyment, however, is over when GDR health education films, using deterring images, scientific explanations or cute comic-strip characters, decry the risks to one’s body, life and society. Which brings us back to the starting point and the question of personal freedom and social responsibility. The question whether the voluntary non-smoking agreement of a socialist workers’ brigade can be compared to a law for the protection of non-smokers remains open to discussion – perhaps in Leipzig.


Programmreihen Programmes Programm 1

Dieser frühe Stummfilm verdeutlicht, wie das Rauchen von einem individuellen Vergnügen zum Phänomen von Industrialisierung und Masse wird: Von der Ankunft des „orientalischen Tabaks“ bis zur Auslieferung des fertigen Endprodukts wird der Weg der Zigarette bei „Waldorf-Astoria“ verfolgt, Akkordarbeit an Fließbändern, massenhafte Produktion für massenhaften Genuss. Während Frauen bei der Ausführung unglaublich schneller Handarbeiten gezeigt werden, erscheint der Mann als genießender Raucher, Herr über Maschinen und Chef des Ganzen. Den Abschluss bilden Belege für die sozialen Aktivitäten der Fabrik, unter anderem die Gründung der ersten freien Waldorf-Schule.

This early silent film demonstrates how smoking is turning from an individual pleasure to a phenomenon of industrialization and mass. From the arrival of “oriental tobacco” to the delivery of the finished product, the film follows the path of a “Waldorf-Astoria” cigarette: piecework at the assembly lines, mass production for mass enjoyment. While women are shown doing incredibly fast handiwork, the man is presented as the smoking bon vivant, lord of the machines and master of everything. The film ends with some evidence of the company’s social activities, including the establishment of the first free Waldorf School.

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Die Anfertigung einer Zigarette The Manufacture of a Cigarette Deutschland 1921 35 mm, s/w, 12 min. Regie: unbekannt Kontakt: Bundesarchiv-Filmarchiv, Fehrbelliner Platz 3, 10707 Berlin, Deutschland, +49-30-1 87 77 00, filmarchiv@barch.bund.de

Die Schönste von allen The Most Beautiful of Them All Werbung im Dienste nationalsozialistischer Ideologie, die Zigarette als Ausdruck deutschen Herrenmenschentums: Erst durch „deutschen Geist“ vereinen sich die exotischen weiblichen Schönheiten aus dem Orient zu einem harmonischen Ganzen – so wie sich bulgarischer und mazedonischer Tabak erst in der deutschen Zigarette voll entfalten können. Den in UFA-Manier inszenierten Spot beschließt das Idealbild der „deutschen Frau“.

Advertising in the service of the nationalsocialist ideology, the cigarette as a manifestation of the German master-race idea: Only the “German spirit” will unite the exotic female beauties from the orient into a harmonious whole – just as Bulgarian and Macedonian tobaccos will only come into full bloom in a German cigarette. This UFAstyle commercial ends with an idealized image of the “German woman”.

Deutschland 1933 35 mm, s/w, 3 min. Regie: Wolfgang Kaskeline Kamera: Konrad Wienecke Musik: Clemens Schmalstich Produktion: Universum-Film AG Berlin (Ufa) Kontakt: Bundesarchiv-Filmarchiv, Fehrbelliner Platz 3, 10707 Berlin, Deutschland, +49-30-1 87 77 00, filmarchiv@barch.bund.de

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Smoking(No)Smoking – Vom Ende der Raucher Special Programmes Documentary Film: Smoking(No)Smoking – The End of a Species

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Der lange Weg der Zigarette The Long Way of the Cigarette Tabakanbau und Zigarettenherstellung als Garanten der Wirtschaftskraft des Sozialismus: „Eine ganze Armee von Arbeitern unterstützt freudig den Wirtschaftsplan“. Die Vorzüge des bulgarischen Tabaks – eines der wichtigsten Exportprodukte des Landes – werden geschildert sowie die hervorragenden Methoden der Genossenschaftsbauern, ihn anzupflanzen und zu ernten. Im Gegensatz zum heroischen Kommentar sprechen die Bilder eine eigene Sprache und zeigen, dass sich an der geschlechtsspezifischen Rollenzuteilung im Vergleich zu den kapitalistischen 1920er Jahren nichts geändert hat: Frauen sieht man bei der schweren Arbeit auf den trockenen Feldern, immer in gebückter Haltung, oder im Akkord am Fließband. Der Mann hält die Laterne, wenn die Frauen nachts ernten, oder bedient im weißen Kittel die Maschine. Der Name der Zigarette: Femina.

The cultivation of tobacco and the manufacture of cigarettes as guarantees of the economic power of socialism: “A whole army of workers joyfully support the economic plan.” The advantages of Bulgarian tobacco – one of the country’s most important export products – are described, as well as the cooperative farmers’ excellent methods of cultivating and harvesting it. The images speak a language of their own, contrasting with the heroic commentary and demonstrating that the gender-specific allocation of roles hasn’t changed much since the capitalist 1920s: women are seen hard at work in the dry fields, always bending down or doing piecework at the assembly line. The man holds the lantern while the women are harvesting at night, or works the machine, clad in a white coat. The name of the cigarette: Femina.

Bulgarien, DDR 1951

Where does the tobacco Europeans consume in such large quantities actually come from? Peter Heller meticulously and relentlessly exposes global connections, in the best tradition of investigative journalism. Now that the zeitgeist in Europe and the United States is working against the tobacco industry, it shifts production and consumption to Africa in a massive Southern offensive. While cigarette advertisements promise the shiny and bright wellness-lifestyle of the First World, targeting above all potential female customers, the downward spiral of the Third world continues inexorably. Larger and larger areas of local subsistence farming are surrendered to tobacco monocultures that serve a steadily growing market and are destined only for export. This film shows more than the ecological and social consequences of this development, it enters deep into a political-industrial complex. The road from Africa leads straight into the headquarters of European politics and, finally, of the Reemtsma group, where African journalist John Waluye is looking for answers. But at the end, an old question is waiting, which will have to be raised with every cigarette in the future: Cui bono?

Deutschland 2003

35 mm, s/w, 17 min. Regie: Bontscho Karastojanoff Kontakt: Bundesarchiv-Filmarchiv, Fehrbelliner Platz 3, 10707 Berlin, Deutschland, +49-30-1 87 77 00, filmarchiv@barch.bund.de

Rauchopfer Smoke Sacrifice Wo kommt eigentlich der Tabak her, der in Europa massenhaft konsumiert wird? Akribisch und schonungslos in der besten Tradition des investigativen Journalismus deckt Peter Heller globale Zusammenhänge auf. Nachdem der Zeitgeist in Europa und den Vereinigten Staaten gegen die Tabakindustrie arbeitet, verlagert sie in einer gigantischen Süd-Offensive Produktion und Konsumtion nach Afrika. Während die Zigarettenwerbung das glänzend bunte Wellness-Lebensgefühl der ersten Welt verheißt und damit gerade auf eine weibliche potentielle Käuferschaft zielt, bewegt sich die Abwärtsspirale der Dritten Welt unaufhaltsam weiter. Für einen stetig wachsenden Markt werden immer größere Flächen einheimischer Subsistenzwirtschaft zugunsten von Tabakmonokulturen aufgegeben, die allein für den Export bestimmt sind. Der Film zeigt nicht nur die ökologischen und sozialen Folgen dieser Entwicklung auf, sondern dringt tief vor in ein Geflecht aus Wirtschaft und Politik. Von Afrika führt der Weg direkt in die Zentralen der europäischen Politik und schließlich des Reemtsma-Konzerns, wo der afrikanische Journalist John Waluye nach Antworten sucht. Am Ende steht jedoch eine alte Frage, die sich künftig bei jeder Zigarette stellt: Cui Bono? 162

Digibeta, Farbe, 58 min. Regie, Buch: Peter Heller Kamera: Klaus Lautenbacher, Jan Bethe, Peter Heller, Mohamed Kisoki, Lupo Weyer Musik: Laye Mansa Schnitt: Wolfgang Grimmeisen Produktion: Filmkraft Peter Heller Filmproduktion: ZDF/arte Kontakt: Peter Heller, Filmkraft Peter Heller Filmproduktion, Dantestraße 27, 80637 München, Deutschland, +49-89-17 42 90, filmkraft@t-online.de


Programm 2

In den 1960er Jahren ließ das Deutsche Hygiene-Museum eine Puppentrickserie produzieren, die gesundheitliche Risiken benannte und Verhaltensänderungen anmahnte. Einige dieser Arbeiten zeichnen sich durch originelle Kombinationen verschiedener Filmtechniken aus. In diesem vom Altmeister des DEFA-Trickfilms Kurt Weiler liebevoll gestalteten Werk zieht der militante Nikotinteufel „Auf in den Kampf“ gegen die Nichtraucher. „Ersticken oder mitpaffen“ heißt es, wenn Zigaretten zu Kanonen werden – aber mit Hilfe der Betriebssportgemeinschaft wird zum jazzigen Ende alles gut.

In the 1960s, the Deutsches Hygiene-Museum commissioned a series of puppet animations addressing health risks and calling for changes of behaviour. Some of these works show a very inventive combination of different cinematic techniques. In this film, lovingly designed by the grand old man of DEFA animation, Kurt Weiler, the militant nicotine devil goes “Auf in den Kampf” (Go in and win!) to war against non-smokers. “Suffocate or smoke” is the war-cry when cigarettes turn into guns – but, with some help from the company sport club and a jazzy tune, all ends well.

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Antiraucher Anti-Smoker DDR 1964 DVD, Farbe, 2:05 min. Regie, Buch: Kurt Weiler Technik: Puppenanimation Produktion: DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme Kontakt: Deutsches HygieneMuseum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Deutschland, +49-351-4 84 60, info@dhmd.de

25 Ways to Quit Smoking 25 Ways to Quit Smoking Seine Inspiration nimmt dieser bizarre Kurzfilm von einem geplanten Buch des Regisseurs mit dem Titel „101 Ways to Quit Smoking“. Das Buch wurde zwar niemals verkauft, dafür entpuppte sich der Film als großer Verkaufsschlager. Zu den vorgeschlagenen „Heilmitteln“ für Raucher gehört unter anderem: einen Hut mit hitzeempfindlichen Raketen zu tragen, einen Sumo-Ringer zu engagieren, der einem auf den Kopf hüpft, oder einen Flammenwerfer als Feuerzeug zu benutzen. Bill Plympton behauptet, dass seine Mutter, 40 Jahre lang Raucherin, nach dem Film damit aufgehört hat. (Text: Otto Alder)

This crazy short was inspired by a book proposal of Bill’s entitled “101 Ways to Quit Smoking” and although the book never sold, this film has gone on to be his biggest money-maker. A few of the demonstrated smoking “cures” – wear a heat-seeking missile hat, hire a sumo wrestler to jump on your head, and use a flamethrower as a lighter. Bill Plympton claims that his mother, who smoked for 40 years, quit after seeing this film. (Text: Otto Alder)

USA 1989 35 mm, Farbe, 5 min. Regie, Buch: Bill Plympton Technik: Zeichenanimation Kontakt: Bill Plympton, Plymptoons, 153 West 27th St. #1005, 10001 New York, USA, +1-212-7 41 03 22, plymptoons@aol.com

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Smoking(No)Smoking – Vom Ende der Raucher Special Programmes Documentary Film: Smoking(No)Smoking – The End of a Species

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Rauch der uns nicht kalt lässt Smoke That Makes a Difference Die in den Jahren 1977 bis 1981 vom privat geführten „Dresdner Filmkollektiv“ im Auftrag des Deutschen Hygienemuseums produzierte Reihe „Werbung auf Sender“ arbeitet mit journalistischen Mitteln, animierten Titelgrafiken und dynamischer Musik, es werden Experten und Durchschnittsbürger befragt, Demonstrationstests vorgeführt. Die Produktion wurde auf Grund von Differenzen mit dem Deutschen Fernsehen, das offensichtlich die Platzierung des DHM-Logos ablehnte, eingestellt. „Nikotina, dieses Weibsstück, lässt uns alle nicht mehr los“, singt ein Liedermacher zu Beginn dieses drastischen Films, und zu Recht wird darauf verwiesen, dass nur Zuschauer mit „starken Nerven“ sich die Konsequenzen starken Rauchens ansehen sollten. Es folgen Bilder von der Amputation eines Raucherbeins und einer Venenoperation sowie Kommentare eines strengen Mediziners, der auf die Kosten der Behandlungen für die Gesellschaft hinweist und mit der Frage endet, ob man so weitermachen wolle.

The „Werbung auf Sender“ (broadcast advertising) series, produced between 1977 and 1981 by the privately managed “Dresdner Filmkollektiv” and commissioned by the Deutsches Hygienemuseum, uses journalistic tools, animated title graphics and dynamic music, questioning experts and average citizens, demonstrating tests. Production was discontinued due to disagreements with the Deutsches Fernsehen, which appears to have objected to the display of the DHM logo. “Nikotina, that bitch who won’t let go of any of us”, a songwriter sings at the beginning of this drastic film, which rightly warns the audience that only persons with “strong nerves” should watch the consequences of heavy smoking. What follows are images of the amputation of a smoker’s leg and a venous operation, plus comments by a stern MD who points out the cost of these treatments to society, finishing with the question whether people really want to continue like this.

DDR 1980 DVD, Farbe, 6 min. Regie: Gottfried Stejskal Produktion: Filmkollektiv Dresden Kontakt: Deutsches Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Deutschland, +49-351-4 84 60, info@dhmd.de

Hans im Glück – Drei Versuche, das Rauchen loszuwerden Lucky Jack – Three Attempts to Stop Smoking „Seit das Rauchen kein Problem mehr ist, wird mir das Denken zum Problem. Kaum hör’ ich auf mit dem Rauchen, fang’ ich schon an mit dem Denken. Wo früher das Denken gewissermaßen limitiert war, da denk’ ich heute völlig ungebremst drauflos. Das bedeutet nicht größere Denkschärfe oder Denktiefe, vielmehr ist es eine Art gedankliches Hyperventilieren. Schon gegen Mittag hat sich mein Denken im Grunde erschöpft bei dieser Gedankenraserei – dann geht’s aber den ganzen Tag noch weiter.“ (Peter Liechti) Die Geschichte von einem, der auszog, das Rauchen aufzugeben. Essayistisches Roadmovie einer rituellen Wanderung.

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“Ever since smoking has ceased to be the problem, thinking has become one. The moment I stop smoking I start to think. Where thinking was limited, in a way, I now think with no restraints at all. This doesn’t mean my thinking has become sharper or more profound; it’s more like a kind of intellectual hyperventilation. As early as noon, my thinking has basically exhausted itself in this furore – but then it still goes on for the rest of the day.” (Peter Liechti) The story of a man who went forth to quit smoking. Road movie essay about a spiritual migration.

Schweiz 2003 35 mm, Farbe, 90 min. Regie, Buch, Kamera, Produktion: Peter Liechti Schnitt: Tania Stöcklin Koproduktion: Schweizer Fernsehen DRS, Paul Riniker, Madeleine Hirsiger Kontakt: Peter Liechti, Liechti Filmproduktion, Birmensdorferstraße 51, 8004 Zürich, Schweiz, +41-1-242 61 09, info@ peterliechti.ch


Programm 3

Dieser erste Film einer groß angelegten „Muratti“-Kampagne wurde seinerzeit vom Publikum mit Beifallsstürmen aufgenommen, die Presse feierte das restlose Verschmelzen von Fabel und Musik. Aus der Zigarette eines im „Herrensessel“ genüsslich paffenden Mannes entschweben graziöse Tänzerinnen, die sich zu Walzerklängen in einem beschwingten Ballett vereinen und schließlich einen Schriftzug bilden.

This first instalment of a large-scale „Muratti“ campain was a great success with audiences at the time, while the press celebrated its perfect fusion of fable and music. Graceful dancers emerge from the cigarette of a man enjoying his smoke in an easy chair, moving together in a lively ballet to the tunes of a waltz and finally forming a word.

Deutschland 1933

Today we might call the scenes in this film, compiled from the „Werbung auf Sender“ (broadcast advertising) series and narrated by a host who represents the voice of moral authority, comedy. Ironically overdrawn situations in restaurants, at work, at the club or in the family all revolve around the same thing: “non-smokers’ misbehaviour”.

DDR 1980

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Schall und Rauch Up in Smoke 35 mm, s/w, 2:11 min. Regie: Hans Fischerkösen Technik: Realfilm, Zeichenanimation Kontakt: Bundesarchiv-Filmarchiv, Fehrbelliner Platz 3, 10707 Berlin, Deutschland, +49-30-1 87 77 00, filmarchiv@barch.bund.de

Flegeleien Boorishnesses Die in diesem Film aus der Reihe „Werbung auf Sender“ zusammengestellten Spielszenen – kommentiert von einem die moralische Instanz vertretenden Moderator – würde man heute als Comedy bezeichnen. In ironisch überzeichneten Situationen im Restaurant, bei der Arbeit, im Verein oder in der Familie geht es vor allem um eines: das „Fehlverhalten der Nichtraucher“.

DVD, Farbe, 5:15 min. Regie: Gottfried Stejskal Produktion: Filmkollektiv Dresden Kontakt: Deutsches HygieneMuseum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Deutschland, +49-351-4 84 60, info@dhmd.de

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Smoking(No)Smoking – Vom Ende der Raucher Special Programmes Documentary Film: Smoking(No)Smoking – The End of a Species

The Last Cigarette The Last Cigarette

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

In einem amüsanten Turbodurchlauf bündelt der Film nahezu alle Debatten und Argumente zum Thema Rauchen. In der als Rahmenhandlung wirkenden Anhörung vor einem US-Gericht zur Grundsatzfrage, ob Rauchen schädlich und gesetzeswidrig oder individuelles Grundrecht sei, äußern sich Vertreter der Zigarettenindustrie und gesellschaftlicher Gruppen wie Kinder und Jugendliche. Ist Rauchen in der Öffentlichkeit verbrecherische Körperverletzung oder wird hier Hysterie geschürt? Rasant montierte Ausschnitte aus Werbe-, Spiel- und Aufklärungsfilmen führen durch die Kulturgeschichte des Rauchens und zeigen, wie in ihr geschlechtsspezifische Stereotype konstruiert oder dekonstruiert wurden, wie tief die universelle Sprache des Rauchens in unseren Kulturen verankert ist und – was Rauchen mit Sex zu tun hat.

The film bundles nearly all debates and arguments on smoking in one entertaining fast-paced run-through. The frame story is a US court hearing on the fundamental issue of whether smoking is harmful and illegal or a basic individual right, in which representatives of the cigarette industry and social groups like children and adolescents speak up. Does smoking in public constitute a criminal assault or is this just a way of fuelling hysteria? A rapid montage of excerpts from commercials, feature and education films leads us through the cultural history of smoking and shows how gender-specific stereotypes are constructed or deconstructed in the process, how deeply the universal language of smoking is rooted in our cultures – and what smoking has to do with sex.

USA, Deutschland 1999

The first animation drawn through lung: based on 122 cigarette filters of the legendary Russian Belomorkanal brand, smoked by the director himself.

Schweiz, Deutschland 2006

Farbe, 83 min. Regie: Kevin Rafferty, Frank Keraudren Schnitt: Frank Keraudren Produktion: Gerd Hecker, Steve Hendel, Kevin Rafferty Kontakt: Telepool GmbH, Sonnenstraße 21, 80331 München, Deutschland, +49-89-55 87 60, telepool@telepool.de

Papirossy Papirossy Der erste durch die Lunge gezeichnete Animationsfilm. Basierend auf 122 Zigarettenfiltern der legendären russischen Zigarette Belomorkanal, geraucht vom Regisseur persönlich.

35 mm, Farbe, 1:53 min. Regie: Otto Alder Animation: Lukas Huber Musik: Carla Hitz, Georg Bleikolm Technik: 2D-Computeranimation, animierte Objekte, Sprache: ohne Kontakt: Otto Alder, animadoc, c/o Rees, Carmenstraße 45, 8032 Zürich, Schweiz, thaumatrope@gmx.net

Nikotinmissbrauch I + II Nicotine Abuse I + II Die im DEFA-Studio für Trickfilme Dresden gestalteten Zeichentrickfilme richten sich in comicartigen Bildern und stark elliptischer Erzählweise jeweils dezidiert an eine männliche und eine weibliche Zielgruppe. Dabei werden geschlechtsspezifische Attribute sarkastisch persifliert, und die moritatenhaft erzählten Raucherbiografien enden unweigerlich tragisch.

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The cartoon-like images and elliptical narratives of these animations, made at the Dresden DEFA Animation Film Studio, are geared towards specifically male and female target groups. They deliver a sarcastic parody of gender-specific attributes while the smokers’ biographies narrated in streetballad style inevitably end in tragedy.

DDR 1980 DVD, Farbe, 3:30 min. Regie: Christian Biermann Kontakt: Deutsches HygieneMuseum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Deutschland, +49-351-4 84 60, info@dhmd.de


Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Programm 4

Das blaue Wunder Amazing Smoke Freitag der 13., eine schwarze Katze oder eine Pechsträhne mit Schulden und Zahlungsbefehlen – der blaue Rauch des einer Schachtel „Muratti privat“ entstiegenen Zigarettenmännchens vermag alle Boten des Unglücks in ihr Gegenteil zu verwandeln. Durch Rauchen wird alles leicht und schön, zumindest in diesem verspielten visualisierten Glücklichkeitsversprechen.

Friday the 13th, a black cat and a streak of bad luck bringing debts and default summons – the blue smoke of the cigarette manikin emerging from a box of “Muratti privat” will transform all harbingers of doom into their opposite. Smoking makes everything easy and pleasant, at least in this playful visualized promise of bliss.

Deutschland 1935 35 mm, Farbe, 2:26 min. Regie: Hans Fischerkösen Technik: Realfilm, Zeichenanimation Kontakt: Bundesarchiv-Filmarchiv, Fehrbelliner Platz 3, 10707 Berlin, Deutschland, +49-30-1 87 77 00, filmarchiv@barch.bund.de

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Smoking(No)Smoking – Vom Ende der Raucher Special Programmes Documentary Film: Smoking(No)Smoking – The End of a Species

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Tabakmissbrauch Tobacco Abuse Die im DEFA-Studio für Dokumentarfilme von 1974 bis 1984 produzierten fünf- bis achtminütigen Filme der Reihe „Wegweiser Gesundheit“ waren für die Ausstrahlung im Fernsehen der DDR zwischen 18 und 19 Uhr konzipiert und verbanden medizinisch-wissenschaftliche Unterweisungen mit konkreten Anleitungen und Appellen zum persönlichen Verhalten. Sie arbeiteten mit inszenierten oder dokumentarischen Realszenen, animierten Grafiken, besonderen wissenschaftlichen Aufnahmetechniken und schließlich der Erklärung des allwissenden ärztlichen Experten. Dieser Beitrag untersucht die Vorbildwirkung sozialer Gruppen und die Verantwortung von Erwachsenen in Bezug auf das Rauchen. Neben negativen werden positive Beispiele wie die Sportler des 1. FC Union oder die per Selbstverpflichtung nichtrauchenden Lehrausbilder einer Baustelle des Wohnungsbaukombinates angeführt. Wie jeder Film der Reihe endet auch dieser mit dem Slogan: „Sei klug – lebe bewusst“.

These five- to eight-minute films, produced at the DEFA Studio of Documentary Film between 1974 and 1984 as parts of the series “Wegweiser Gesundheit” (Health Guide), were made to be broadcast on GDR television between 6 and 7 pm, combining medical and scientific instruction with concrete guidelines and appeals concerning individual behaviour. They worked with staged or documentary live-action scenes, animated charts, special scientific recording techniques and, last but not least, the explanations of the omniscient medical experts. This contribution examines the role model effect of social groups and adult responsibilities about smoking. Negative examples are contrasted with positive ones such as the athletes of the 1. FC Union or the apprentices’ instructors at the building lot of a housing construction combine who don’t smoke by voluntary agreement. Like every film in the series, this one also ends with the slogan “Be smart – live sensibly”.

DDR 1976 DVD, s/w, 6:40 min. Regie: Wolfgang Heyer Produktion: DEFA-Studio für Kurzfilme, Gruppe Spektrum Kontakt: Deutsches HygieneMuseum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Deutschland, +49-351-4 84 60, info@dhmd.de

L’Idole aux Mille Reproches (Mahdessi) Idol with a Thousand Reproaches Die erste Zigarette öffnet die Tür in die gestörte Welt der Raucher – unheimlich, beklemmend, dunkel.

The first cigarette opens the door to the deranged world of smokers – sinister, oppressive, dark.

Frankreich 2007 Beta SP (PAL), Farbe, 5:33 min. Regie, Buch, Schnitt: Jérémie Guneau Animation: Jérémie Guneau, Christophe Alenda, Laureline Lavandier Musik: Hugo Ribondin, Jean-Luc Navette Technik: 2D-Computeranimation Produktion, Vertrieb: École Émile Cohl Kontakt: École Émile Cohl, 232, rue Paul Bert, 69003 Lyon, Frankreich, festivals@cohl.fr

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Tupakkahuone The Smoking Room Smoking is a social act, which makes smokers’ corners the catalysts of uninhibited communication, informal exchanges of information, casual confessions. The smoking rooms shot by Jukka Kärkkäinen become places of lonely reflection for people who find themselves at the margins of or left behind by the labour society. The monologues in the train, at the nursing home, in a factory just before it is shut down, in a workshop or a therapeutic facility come together in a melancholy swan song for a society where everyone had their place. What’s left are empty rooms and factory floors. The redundant people sit in the “smoking room” – smoking.

Finnland 2006 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 58 min. Regie: Jukka Kärkkäinen Buch: Jukka Kärkkäinen, Jetta Huttunen Kamera: Jarkko T. Laine, Jani Kumpulainen Musik: Jonas Bohlin Schnitt: Mervi Junkkonen, Timo Peltola Produktion: Joonas Berghäll, OktoberOy, Helsinki Vertrieb: Deckert Distribution Kontakt: Deckert Distribution, Peterssteinweg 13, 04107 Leipzig, Deutschland, +49-341-2 15 66 38, info@deckert-distribution.com

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Rauchen verbindet, Raucherecken sind gemeinhin Katalysatoren der ungehemmten Kommunikation, des informellen Informationsaustauschs, der beiläufigen Beichte. Die Raucherräume, die Jukka Kärkkäinen filmt, werden zu Orten einsamer Reflexion von Menschen, die sich am Rand der Arbeitsgesellschaft befinden oder von ihr zurückgelassen wurden. Die Monologe im Zug, im Altersheim, in einer Fabrik kurz vor ihrer Schließung, in einer Werkstatt und in einer Therapieeinrichtung bilden einen melancholischen Abgesang auf eine Gesellschaft, in der jeder seinen Platz hatte. Es bleiben leere Räume und Fabrikhallen. Im „Smoking Room“ sitzen die freigesetzten Menschen und rauchen.

Programm 5 Zwei Farben Two Colours Erstmals löst sich Wolfgang Kaskeline hier vom konkreten Gegenstand der Werbung und gestaltet – in Anlehnung an die Werke seines Kollegen Oskar Fischinger – die „zwei Farben“ der „Muratti“-Kampagne als abstrakten Film. Die Zigarettenfirma, deren Werbefilme zuvor von lustigen Comic-Figuren oder vermenschlichten Zigaretten bevölkert waren, zeigte sich vom Ergebnis zunächst nicht überzeugt und musste von der UFA-Werbeabteilung zur Annahme überredet werden. Publikum und Presse jedoch reagierten begeistert und feierten den Formenund Bewegungsrausch zu wagnerischen Klängen als Werk der Avantgarde.

For the first time, Wolfgang Kaskeline moves away from the concrete object of advertising here, designing – inspired by his colleague Oskar Fischinger’s works – the “two colours” of the “Muratti” campaign as an abstract film. The cigarette company, whose commercials had been populated by funny comic-strip characters or humanized cigarettes until then, found the results less than convincing and had to be persuaded to accept by the UFA advertising department. The audience and the press were enthusiastic, though, celebrating this rage of shapes and movements set to Wagner-like tunes as an avant-garde work.

Deutschland 1933 16 mm, Farbe, 2:33 min. Regie: Wolfgang Kaskeline Musik: Richard Wagner Technik: Zeichenanimation Produktion: Universum-Film AG Berlin (Ufa) Kontakt: Bundesarchiv-Filmarchiv, Fehrbelliner Platz 3, 10707 Berlin, Deutschland, +49-30-1 87 77 00, filmarchiv@barch.bund.de

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Smoking(No)Smoking – Vom Ende der Raucher Special Programmes Documentary Film: Smoking(No)Smoking – The End of a Species

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Nico & Tina Nico & Tina „Smoking, I wait for the man I love (…) and while I smoke I don’t waste my life / because I inhale the smoke ...“ Dieser Tango erklingt, während sich die liebestollen und kettenrauchenden Füße Nico und Tina auf ihr Date vorbereiten. Zu dumm nur, dass sich die zwei schier unstillbaren Leidenschaften – die Liebe und das Rauchen – zunächst gegenseitig behindern, bis sich nach dramatischen Ereignissen alles in dampfender Ekstase vereint.

“Smoking, I wait for the man I love (…) and while I smoke I don’t waste my life / because I inhale the smoke ...” This is the tango we hear while the lovesick and chain smoking feet Nico and Tina prepare for their date. What a nuisance, though, that their two unquenchable passions – love and smoking – get into each other’s way at first until, after some dramatic mishaps, everything is united in steaming ecstasy.

Spanien 2007 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 8 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Rodolfo Pastor, Musik: Emiliano Pastor, Technik: Knetanimation, Kontakt: Petra Steinmeyer, Estudio Rodolfo Pastor, Marqués de Barberá 1, 08001 Barcelona, Spanien, +34-93-3 18 03 14, petra.st@estudiorodolfopastor.com.es

Blue in the Face Blue in the Face In dem Follow-up zu Wangs Film „Smoke“ fabulieren unter anderem Harvey Keitel, Madonna, Giancarlo Esposito, Roseanne Barr, Michael J. Fox, Lou Reed und Jim Jarmusch in und vor dem Tabakladen über Nikotinsucht, geben Geschichten und Lebensweisheiten zum Besten. Ein Puzzle aus Szenen, die trotz ihres Charmes keinen Platz im dramaturgischen Gerüst des Vorgängerfilms fanden – aus Improvisiertem, authentischen Videotakes von Brooklyner Passanten sowie ein wenig found footage.

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In this follow-up to Wang’s film „Smoke“, Harvey Keitel, Madonna, Giancarlo Esposito, Roseanne Barr, Michael J. Fox, Lou Reed and Jim Jarmusch talk about nicotine addiction in and in front of the tobacco shop, telling stories and sharing their worldly wisdom. A puzzle of scenes which, despite their charm, found no room in the dramatic structure of its predecessor – combined with improvised, authentic video takes of Brooklyn passers-by and some found footage.

USA 1995 35 mm, Farbe, 85 min. Regie, Buch: Wayne Wang, Paul Auster Kamera: Adam Holender Schnitt: Christopher Tellefsen Kontakt: Kinowelt GmbH, Karl-Tauchnitz-Straße 10, 04107 Leipzig, Deutschland, +49-341-35 59 60, info@kinowelt.de


„Feuer, bitte“ – Lesung zum Sonderprogramm Smoke(No)Smoke – Vom Ende der Raucher „Do You Have a Light?“– Reading in Addition to the Special Programme Smoking(No)Smoking – The End of a Species When asked whether he would rather leave his wife or give up smoking, Groucho Marx answered: “We would always be good friends.” Cristina Peri Rossi, looking back: “I had to decide between cigarettes and life. But I often think I made the wrong choice.” Authors of the newly released book “Smoke Smoke Smoke that Cigarette!” (Edition Tiamat) read and discuss the glamour of, addiction to and desire for smoking, which by now has been banned almost everywhere.

Donnerstag, 30.Oktober 2008, 22 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Thursday, 30 October 2008, 10 p.m., Cinémathèque in der naTo

Sonderprogramme Dokumentarfilm Smoking(No)Smoking

Gefragt, ob er lieber seine Ehefrau verlassen oder das Rauchen aufgeben würde, antwortete Groucho Marx: “Wir würden gute Freunde bleiben”. Cristina Peri Rossi bilanzierte: “Ich mußte mich zwischen der Zigarette und dem Leben entscheiden. Aber oft denke ich, ich habe einen Fehler gemacht”. Es lesen und diskutieren Autoren des neuen Buches „Smoke Smoke Smoke that Cigarette!” (Edition Tiamat). Über Glamour, Sucht und Sehnsucht des mittlerweile fast überall verbotenen Rauchens.

mit with Christof Meueler und and Ambros Waibel

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Doc Alliance Special Programmes Documentary Film: Doc Alliance

Doc Alliance Neue Perspektiven für den abendfüllenden Dokumentarfilm The New Deal for Feature Documentaries Text: Claas Danielsen

Sonderprogramme Dokumentarfilm Doc Alliance

In diesem Jahr hat sich DOK Leipzig mit vier der wichtigsten europäischen Dokumentarfilmfestivals zusammengeschlossen, um eine neue Dokumentarfilminitiative namens „Doc Alliance“ ins Leben zu rufen. DOK Leipzig, CPH:DOX in Kopenhagen (DK), das Internationale Dokumentarfilmfestival Jihlava (CZ), Planete Doc Review in Warschau (PL) und Visions du Réel in Nyon (CH) wählen jeweils einen herausragenden langen Dokumentarfilm aus, der sich durch eine originelle und innovative Erzählweise und Autorenperspektive auszeichnet. Alle fünf Filme werden auf allen teilnehmenden Festivals gezeigt. Am Ende des Jahres entscheidet eine internationale Jury, welcher der fünf nominierten Dokumentarfilme den Doc Alliance Award bekommt. Die Auswahl der Doc Alliance zeigt die faszinierende Vielfalt der Genres im künstlerischen Autorendokumentarfilm. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Filmemachern der jungen Generation, die sich dem langen Kinodokumentarfilm verschrieben haben. Die Produktionen kommen aus kleinen, unabhängigen Strukturen mit einer Leidenschaft für das „wirkliche Kino“. Die Doc Alliance hat sich die Förderung dieser Dokumentarfilme und ihres nationalen und internationalen Vertriebs auf die Fahnen geschrieben. Alle teilnehmenden Festivals sind für ihre anspruchsvollen Filmprogramme bekannt und bieten innovative und effiziente Märkte für die Dokumentarfilmindustrie an. Sie wecken bei nationalen und internationalen Einkäufern, Verleihern, Kinobetreibern, Kulturschaffenden und anderen Institutionen Interesse an diesen Filmen, um den Vertrieb der Filme nachhaltig zu befördern – bis hinein ins Web.

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This year, DOK Leipzig joined forces with four key European documentary film festivals and launched a new documentary film initiative called Doc Alliance. DOK Leipzig, CPH:DOX in Copenhagen (DK), the Jihlava International Documentary Film Festival (CZ), Planete Doc Review in Warsaw (PL) and Visions du Réel in Nyon (CH) each select an excellent feature-length documentary film that stands out because of its original and innovative narrative style and point of view. All five films are then shown at the participating festivals. At the end of the year, an international jury decides about the Doc Alliance Award for the best of the five nominated documentaries. The Doc Alliance selection demonstrates the fascinating diversity of genres in artistic, author-driven documentary. The focus lies on filmmakers of the new generation with a vocation to make creative feature documentaries for the big screen. The productions are born out of small, independent structures with a passion for “real cinema”. The mission of the Doc Alliance is to promote these documentaries and to support their national and international distribution. All participating festivals are renowned for their high-class film programme and offer innovative and efficient market places for the documentary industry. They invite buyers, distributors, exhibitors, cultural organisers and other institutions in their own countries and abroad to take an interest in these films, in order to promote and distribute them as widely as possible, including the web potential.


The five Doc Alliance films are also presented at festivals in other countries and continents. In addition, the Doc Alliance will invite festivals in Asia, South or North America and Africa as “special guests”.

Die Doc Alliance-Filme 2008: „Obcˇan Havel“ „Comeback“ „Alt er relativt“ „Istnienie“ „La mère“

The Doc Alliance Films 2008: “Citizen Havel” “Comeback” “Everything is Relative” “The Existence” “The Mother”

Der Film „La mère“ von Antoine Cattin und Pavel Kustomarow lief im internationalen Dokumentarfilmwettbewerb von DOK Leipzig 2007 und wird daher in diesem Jahr nicht noch einmal gezeigt. Der Film steht im digitalen DOK Markt zur Verfügung.

The documentary “The Mother” by Antoine Cattin and Pavel Kustomarov has taken part in the International Documentary Competition of DOK Leipzig 2007 and is therefore not screened again this year. The film is available in the digital DOK Market.

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Sonderprogramme Dokumentarfilm Doc Alliance

Die fünf Doc Alliance-Filme werden darüber hinaus auf Festivals in anderen Ländern und Kontinenten gezeigt. Außerdem lädt die Doc Alliance Festivals aus Asien, Süd- oder Nordamerika und Afrika als „Special Guests“ ein.


Sonderprogramme Dokumentarfilm: Doc Alliance Special Programmes Documentary Film: Doc Alliance

Alt er relativ Everything Is Relative

Sonderprogramme Dokumentarfilm Doc Alliance

Dänemark 2008

Hegen wir alle die gleichen Gefühle von Kummer, Glück, Wut oder Liebe? Ist der Weg zum Glück immer gleich verschlungen oder direkt? Lieben und hassen wir mit der gleichen Inbrunst? Fühlt eine junge Frau mit Brustkrebs den gleichen Schmerz wie eine Familie aus Mosambik, die ihr Haus bei einer Überschwemmung verliert? Spürt ein moderner Sklave aus Bangladesch, der in Dubai arbeitet, die gleiche Angst wie ein US-Soldat auf dem Weg in den Irak? Sind unsere Werte, Träume und Hoffnungen im Grunde gleich und spiegeln nur unsere verschiedenen Lebensweisen? „Alt er relativt“ ist eine kaleidoskopische Verschmelzung von dokumentarischen Sequenzen, Archivmaterial und menschlichen Tableaus. Der Film versucht zu zeigen, wie unsere Reaktionen auf die Herausforderungen des Lebens von den Umständen abhängen, die unser Leben als Individuum prägen. Ein Film über die Verschiedenartigkeit und Relativität menschlicher Gefühle, der in Großstädten auf der ganzen Welt gedreht wurde, darunter Maputo, Tokio, Dubai, Dallas und Kopenhagen.

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Do we all harbour the same feelings of sorrow, happiness, anger and love? Is the road to happiness always equally winding or straight? Do we love and hate with the same zeal? Does a young woman with breast cancer feel the same pain as a family from Mozambique loosing their home in a flood? Does a modern slave from Bangladesh working in Dubai feel the same fear as a US soldier going to Iraq? Are our values, dreams and hopes basically the same, merely mirroring our different lifestyles? “Everything is Relative” is a kaleidoscopic fusion of documentary sequences, archive material and tableaus of human beings. It seeks to portray how our reactions to challenges in life are relative to the conditions that guide our individual lives. A film about the diversity and relativity of human emotions, shot in major cities around the world including Maputo, Tokyo, Dubai, Dallas and Copenhagen.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 75 min. Regie: Mikala Krogh Buch: Mogens Rukov Kamera: Manuel Alberto Claro, Adam Philp Musik: Joachim Holbek Schnitt: Theis Schmidt Produktion: Christian Rank, SF Film Production ApS Vertrieb: SF Film Production ApS Kontakt: SF Film Production ApS, Tobaksfabrikken, Halfdansgade 10, 2300 Kopenhagen, Dänemark, +45-35-27 00 80, info@sf-filmproduction.dk


Comeback Comeback Deutschland 2007

There is a touch of Hollywood about this man’s story. Jürgen “The Rock” Hartenstein, professional boxer and German Champion of 1998, one of the best fighters in his weight class for a short while, got practically no opportunities to become immortal after the first great victory. Suddenly the offers dried up, the managers’ interest, too, and after a few lost matches and three years out of the ring the boxing world had forgotten its hero. But Jürgen Hartenstein has a dream, the triumphant comeback, and director Maximilian Plettau dreams with him. It begins in Hartenstein’s gym, a cold and dusty garret in Munich, and may lead him to the United States yet, to the profitable professional contracts and big name opponents – at best, if all goes well. At least “The Rock” adamantly believes in his chance, even if hardly anyone apart from his coach Markus Krone shares his hopes. In his debut film, Plettau accompanies Hartenstein over a period of one year, through his disciplined, uncompromisingly goal-oriented daily routine, approaching his passion for boxing and his unshakeable idealism in authentic, almost intimate images. An authentic portrait of a fighter who can take a punch arises from the empathy between the protagonist and the filmmaker.

35 mm, Farbe, 79 min. Regie, Buch, Kamera: Maximilan Plettau Musik: Dominik Schauer Schnitt: Jörg Adolph, Maximilan Plettau Produktion: Loopfilm GmbH Koproduktion: Bayerischer Rundfunk, HFF München Vertrieb: Nominal Film GbR Kontakt: Nominal Film GbR,

Sonderprogramme Dokumentarfilm Doc Alliance

Die Geschichte dieses Mannes atmet einen Hauch von Hollywood. Jürgen „The Rock“ Hartenstein, Profi-Boxer und Deutscher Meister von 1998, für kurze Zeit einer der besten Kämpfer seiner Gewichtsklasse, bekam nach dem einen großen Sieg kaum noch Gelegenheiten, sich unsterblich zu machen. Schlagartig blieben die Angebote aus, das Interesse der Manager auch, und schon nach einigen verlorenen Fights und drei Jahren Ringabstinenz hatte die Boxwelt ihren Helden wieder vergessen. Doch Jürgen Hartenstein hat einen Traum, den vom siegreichen Comeback, und Regisseur Maximilian Plettau träumt ihn mit. Er beginnt auf dem Hartensteinschen Trainingsplatz, einem kahlen, staubigen Dachboden in München, und wird vielleicht nach Amerika führen, zu den lukrativen Profi-Verträgen und namhaften Gegnern – im besten Fall, wenn alles klappt. Zumindest glaubt „The Rock“ felsenfest an seine Chance, wenn auch außer Trainer Markus Kone kaum jemand seine Hoffnungen teilt. Über den Zeitraum eines Jahres hinweg begleitet Plettaus Debütfilm Hartenstein durch einen disziplinierten, kompromisslos am großen Ziel ausgerichteten Alltag, nähert sich seiner Leidenschaft für den Boxsport und seinem unerschütterlichen Idealismus in authentischen, fast schon intimen Bildern. Aus der Nähe zwischen Protagonist und Regisseur erwächst das authentische Porträt eines Kämpfers mit Nehmerqualitäten.

Infanteriestraße 19, Haus 1 b, 80797 München, Deutschland, +49-89-30 76 89 05, info@nominalfilm.com

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Doc Alliance Special Programmes Documentary Film: Doc Alliance

Istnienie The Existence

Sonderprogramme Dokumentarfilm Doc Alliance

Polen 2007

Jerzy Nowak, ein bekannter 84-jähriger polnischer Schauspieler, der in Filmen von Andrzej Wajda und in Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ zu sehen war, beschloss, seinen Körper nach seinem Tod der Wissenschaft zu vermachen. Dieser sehr persönliche Dokumentarfilm begleitet Herrn Nowak bei dieser höchst privaten und endgültigen Entscheidung, beoachtet die Schwierigkeiten dabei und reflektiert seine Gedanken zum Tod. Als Schauspieler spielt Jerzy hier seine letzte Rolle, gleichzeitig die erste Hauptrolle seines Lebens. Persönlich, ironisch und oft positiv erklärt er mit Leidenschaft seine Gründe für diesen Entschluss.

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Jerzy Nowak, a renowned 84 year old Polish actor who has appeared in Andrzej Wajda’s films as well as Steven Spielberg’s “Schindler’s List”, decided that after death, his body should be used for the benefit of science. This intimate documentary follows Mr. Nowak as he makes this most personal and final decision and reveals his own dilemmas and thoughts about death. As an actor, Jerzy is playing his last role, while at the same time the first leading role of his life. Personal, ironic and often times positive, he passionately explains the reasons for this decision.

35 mm, Farbe, 69 min. Regie, Buch, Kamera: Marcin Koszalka Musik: Zygmunt Konieczny Schnitt: Anna Wagner Produktion: Krysztof Rak, HBO Poland Koproduktion: Slawomir Boniecki, Studio Filmowe OTO Vertrieb: Katarzyna Wilk, Krakow Film Foundation Kontakt: Katarzyna Wilk, Krakow Film Foundation, ul. Morawskiego 5 p.434, 30-102 Krakau, Polen, +48-12-2 94 69 45, katarzyna@kff.com.pl


Obcˇ an Havel Citizen Havel Tschechische Republik 2008

After the split of Czechoslovakia in 1992, former political dissident, leader of the Velvet Revolution, playwright and essayist Vaclav Havel became the first president of a new country, the Czech Republic. Thus it came to pass that a former enemy of the state was actually given the popular mandate to transform that state and its institutions. Such events are not commonplace so, from day one, he permitted his friend, filmmaker Pavel Koutecký, to be with him, to capture as much of it as possible, whether in the Prague Castle or around the world. The result is “Citizen Havel”, a feature-length documentary of neverbefore-seen footage that provides an intimate look at a man thrust into the spotlight of international politics and celebrity, trying to maintain a balance between public and personal life while bringing his nation out of its communist past and into a free, democratic future.

35 mm, Farbe, 120 min. Regie: Pavel Koutecký, Miroslav Janek Kamera: Stano Slusný Schnitt: Tonicˇ ka Janková Produktion: Film a Socilogie Foundation, Prag Koproduktion: Negativ Film Productions, Prag Vertrieb: John Riley, Negativ Film Productions, Prag Kontakt: John Riley, Negativ Film Productions, Ostrovni 30, 11000 Prag 1, Tschechische Republik, +420-60-6 65 97 25, john@negativ.cz

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Sonderprogramme Dokumentarfilm Doc Alliance

Nach der Teilung der Tschechoslowakei im Jahre 1992 wurde der frühere Dissident, Anführer der samtenen Revolution, Dramatiker und Essayist Vaclav Havel der erste Präsident eines neuen Landes: der Tschechischen Republik. Und so kam es, dass ein früherer Staatsfeind tatsächlich mit dem Auftrag gewählt wurde, den Staat und seine Institutionen zu ändern. So etwas passiert nicht alle Tage, also erlaubte Havel vom ersten Tag an seinem Freund, dem Filmemacher Pavel Koutecký, ihn zu begleiten und so viel wie möglich zu filmen, ob in der Prager Burg oder auf Auslandsreisen. Das Ergebnis ist „Obcˇan Havel“, ein langer Dokumentarfilm aus bislang unveröffentlichtem Material, der einen intimen Blick auf einen Mann wirft, der ins Scheinwerferlicht internationaler Politik und Berühmtheit gestellt wurde; der versucht, das Gleichgewicht zwischen seinem öffentlichen und privaten Leben zu bewahren, während er gleichzeitig sein Land aus der kommunistischen Vergangenheit in eine freie und demokratische Zukunft führt.


Sonderprogramme Dokumentarfilm: Best of TV – Filmredaktion 3sat Special Programmes Documentary Film: Best of TV – 3sat Film Department

Filmredaktion 3sat Mutig und konsequent für den Dokumentarfilm Steadfast and Courageous for Documentary Films

Sonderprogramme Dokumentarfilm Best of TV: 3sat

Text: Claas Danielsen

„Sie setzt sich mutig und konsequent für den Autorenfilm ein und gewährt ungeachtet aller Zwänge ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit. Sie entscheidet schnell, verbindlich, fair und zuverlässig und setzt damit Maßstäbe für das Verhältnis zwischen einer Fernsehredaktion und ‚ihren‘ Autoren, Regisseuren und Produzenten.“ Mit diesen Worten ehrte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm Thomas Frickel im letzten Jahr die Filmredaktion des deutschsprachigen Kultursenders 3sat im Rahmen von DOK Leipzig. Die über 700 Mitglieder des Berufsverbands konnten erstmals die beste, couragierteste und fachkundigste Dokumentarfilm-Redaktion in Deutschland wählen und entschieden sich für die Filmredaktion von 3sat, die eines der letzten Refugien für den abendfüllenden Autorendokumentarfilm im deutschen Fernsehen verantwortet. Als Lohn gab es das „Dicke Fell“ und 5.000 Euro zur Stoffentwicklung eines neuen Dokumentarfilmprojektes. Ein Jahr später widmet DOK Leipzig der Filmredaktion 3sat sein „Best of TV“-Programm, in dem eine kleine Auswahl hervorragender Dokumentarfilme präsentiert wird, die ohne die Unterstützung der Filmredaktion nicht hätten entstehen können. Seit Jahren sind Inge Classen und ihre Kolleginnen und Kollegen bei 3sat kundige, kritische und engagierte Wegbegleiter wichtiger Regisseure aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wie Jörg Adolph, Thomas Arslan, Eric Bergkraut, Harun Farocki, Nikolaus Geyrhalter, Karin Jurschick, Andrzej Klamt, Rainer Komers, Elfi Mikesch, Peter Nestler, Rosa von Praunheim, Stefan Schwietert, Heidi Specogna, Monika Treut, Andreas Voigt oder Klaus Wildenhahn. Zugleich unterstützen sie talentierte Nachwuchsregisseure, die auf den Sendeplätzen „Mädchengeschichten“ und „Fremde Kinder“ Erfahrungen mit dem Fernsehen sammeln können, bevor sie abendfüllende Dokumentarfilme für die sonntägliche „Dokumentarfilmzeit“ produzieren. 178

“They fight steadfastly and courageously for author-directors’ films and grant a high degree of artistic freedom despite all constraints. They take decisions quickly and stick to them, are fair and reliable and set standards for the relationship between television editors and ’their’ authors, directors and producers.” These were the words chosen by the chairman of the German Documentary Association, Thomas Frickel, to honour the film commissioning department of the German-language cultural network 3sat at DOK Leipzig last year. For the first time, the more than 700 members of the Association had the opportunity to vote for the best, most courageous and knowledgeable documentary film commissioning department in Germany. The winner was 3sat film commissioning, which is one of the last havens of feature-length authors’ documentaries in German television. Their prize was the “Dickes Fell” (Thick Skin) and 5.000 euros to develop a new documentary film project. A year later, DOK Leipzig devotes its “Best of TV” programme to the 3sat film commissioning department. A small selection of outstanding documentary films that could not have been produced without their support will be screened. For years, Inge Classen and her colleagues at 3sat have been the expert, critical and dedicated fellow travellers of important filmmakers in Germany, Austria and Switzerland, such as Jörg Adolph, Thomas Arslan, Eric Bergkraut, Harun Farocki, Nikolaus Geyrhalter, Karin Jurschick, Andrzej Klamt, Rainer Komers, Elfi Mikesch, Peter Nestler, Rosa von Praunheim, Stefan Schwietert, Heidi Specogna, Monika Treut, Andreas Voigt or Klaus Wildenhahn. At the same time they support talented young directors who get the chance to pick up some experience with television in slots like “Mädchengeschichten” (“Girls’ Stories”) and


“Fremde Kinder” (“Children From Abroad”), before they go on to produce feature-length documentaries for the “Dokumentarfilmzeit” (“Time for Documentaries”) Sunday slot. In 2007, 3sat and DOK Leipzig started a joint call for entries for documentaries on the subject “Mein Leben in Sicherheit” (“My Life in a Safe Place”). From more than 200 submissions, the partners chose four documentary film projects that will be produced with support from 3sat and premiered at DOK Leipzig. The results of the call will be presented at DOK Leipzig:

Präsentation der Ergebnisse der Ausschreibung „Mein Leben in Sicherheit“ am

Presentation of the results of the call for entries “My Life in a Safe Place” on

Donnerstag, 30. Oktober 2008, um 16:00 Uhr im CineStar-Kino 7

Thursday, 30 October 2008, 4 p.m. at the CineStar-Kino 7

Während sich drei Projekte noch in der Vorbereitungsphase befinden, hat ein Altmeister des deutschen Dokumentarfilms sein Werk bereits fertiggestellt.

While three of the projects are still in pre-production, one of the legends of German documentary film has already completed his work:

Hans-Dieter Grabes neuer Film „Geschichten vom Essen“

Hans-Dieter Grabe’s new Film „Stories of Food and Eating“

wird im Rahmen der Präsentation uraufgeführt und am Samstag, dem 1. Oktober 2008, um 11 Uhr im Universum wiederholt.

will premier during the presentation and will be repeated on Saturday, 1 November 2008, 11 a.m. at the Universum.

Late Submission Deadline: 30 NOVEMBER 2008 SUBMIT YOUR FILM TO THE 11TH ANNUAL

PRAGUE ∑ CZECH REPUBLIC ∑ 11 ñ 19 MARCH 2009

One World People in Need Sokolska 18 120 00 Prague 2 Czech Republic WWW.ONEWORLD.CZ PROGRAM@ONEWORLD.CZ

Sonderprogramme Dokumentarfilm Best of TV: 3sat

3sat und DOK Leipzig starteten im Jahr 2007 eine gemeinsame Dokumentarfilmausschreibung zum Thema „Mein Leben in Sicherheit“. Aus über 200 Einreichungen wählten die Partner vier Dokumentarfilmprojekte aus, die mit Unterstützung von 3sat realisiert und bei DOK Leipzig uraufgeführt werden. Die Ergebnisse der Ausschreibung werden im Rahmen von DOK Leipzig vorgestellt:


Sonderprogramme Dokumentarfilm: Best of TV – Filmredaktion 3sat Special Programmes Documentary Film: Best of TV – 3sat Film Department

Aus der Ferne From Far away

Sonderprogramme Dokumentarfilm Best of TV: 3sat

Deutschland 2006

„Aus der Ferne“ beschreibt eine Reise durch die Türkei. Der namhafte Spielfilmregisseur Thomas Arslan, der 1962 als Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters in Braunschweig geboren wurde, hat einige Jahre seiner Kindheit in Ankara verbracht. Bis zur Recherche für diesen ersten langen Dokumentarfilm war er über 20 Jahre nicht mehr in der Türkei gewesen. Mit dem besonderen Blick eines Fremden, der zugleich mit der Türkei familiengeschichtlich verbunden ist, reist Thomas Arslan von West nach Ost, von Istanbul und Ankara in den Südosten des Landes nach Gaziantep, von dort weiter nach Osten über Diyarbakir und Van bis nach Dogubayazit nahe der iranischen Grenze und dem Berg Ararat. Sowohl in den großen Städten als auch in den entlegenen Regionen beobachtet er Menschen und ihr Zusammenleben, dokumentiert die gesellschaftlichen Veränderungen, die überall sichtbar werden. „Okzident, Orient, Abendland, Morgenland – ich kann damit nichts Reales verbinden. Der Ausgangspunkt für diesen Film ist einfach, dass man überhaupt mal ein Bild kriegt, das nicht sofort einer Theorie zuzuschlagen oder die bloße Illustration von etwas Vorgewusstem ist. Ich wollte meinen Blick öffnen für einfache, konkrete Dinge, das tägliche Leben in diesem Land.“ (Thomas Arslan)

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“Aus der Ferne” describes a journey through Turkey. Renowned feature film director Thomas Arslan, born in Braunschweig in 1962 to a German mother and a Turkish father, spent a few years of his childhood in Ankara. When he started to research his first feature-length documentary, he hadn’t returned to Turkey for more than 20 years. With the eye of a foreigner who is, at the same time, connected to Turkey by family history, Arslan travels from the west to the east, from Istanbul and Ankara in the southeast to Gaziantep and further east through Diyarbakir and Van to Dogubeyazit near the Iranian border and the Ararat Mountain. He observes the people and their life, both in the big cities and the remote regions, documenting the social changes that are becoming apparent everywhere. “Orient, occident – that’s simply not real to me. The starting point of this film is the simple wish to form one’s own picture, one that isn’t immediately filed away under some theory or illustrates something one already knows. I wanted to open my eyes to the simple, concrete things, to the everyday life of this country.” (Thomas Arslan)

35 mm, Farbe, 89 min. Regie, Buch, Kamera: Thomas Arslan Schnitt: Bettina Blickwede Produktion: Thomas Arslan, Pickpocket Filmproduktion Koproduktion: ZDF/3sat Kontakt: Pickpocket Filmproduktion, Muskauerstraße 10, 10997 Berlin, Deutschland, +49-30-69 51 86 01, pickpocket@gmx.de


Die Akkordeonspielerin Macedonian Dream – A Girl and Her Accordion Deutschland 2006

17-year-old Macedonian Emilija Obradova is a passionate and talented accordion player who dreams of becoming a professional musician one day. To avoid having to earn a living by playing in pubs when she’s older, she practises daily and doggedly for a national music competition. Her chances of winning this contest are slim, since her instrument is old and defective. Emilija’s parents, who each have several jobs to make a living, support their daughter and do everything in their power to raise the money for the much longed for new accordion. Emilija and the filmmaker, who lives in Berlin, are cousins – a family connection which allows natural and intimate insights into Emilija’s family life. Biljana Garvanlieva and renowned camerawoman Susan Schüle followed Emilija for a few months, documenting the tense but hopeful efforts of practising and raising money up to the all-important competition. “Die Akkordeonschülerin” is part of “Mädchengeschichten” (Girls’ Stories), a series of documentary portraits of 17-yearold girls from different countries. The films are all directed by women, most of who come from the girls’ countries of origin. So these girls’ stories are not only examples of young women’s different ideas of life, but also of different narrative styles in the documentary.

Digibeta, Farbe, 30 min. Regie, Buch: Biljana Garvanlieva Kamera: Susan Schüle Schnitt: André Nier Produktion: Gebrüder Beetz Filmproduktion Kontakt: Maria Wischnewski, Gebrüder Beetz Filmproduktion, Heinrich-Roller-Straße 15,

Sonderprogramme Dokumentarfilm Best of TV: 3sat

Die 17-jährige Makedonierin Emilija Obradova ist eine leidenschaftliche und talentierte Akkordeonspielerin mit dem Traum, Berufsmusikerin zu werden. Um nicht später als Kneipenmusikerin ihr Geld verdienen zu müssen, übt Emilija täglich mit großer Ausdauer für einen nationalen Musikwettbewerb. Mit ihrem alten und fehlerhaften Instrument stehen ihre Chancen, den Wettbewerb zu gewinnen, jedoch nicht allzu gut. Emilijas Eltern, die ihren Lebensunterhalt durch mehrere Jobs verdienen müssen, unterstützen ihre Tochter und versuchen mit allen Kräften, das Geld für das ersehnte neue Akkordeon aufzutreiben. Emilija und die in Berlin lebende Autorin Biljana Garvanlieva sind Cousinen. Die familiäre Verbundenheit ermöglicht einen unbefangenen und intimen Einblick in Emilijas Familie. Gemeinsam mit der renommierten Kamerafrau Susan Schüle hat Biljana Garvanlieva Emilija über mehrere Monate hinweg begleitet und die bangen, aber auch hoffnungsvollen Anstrengungen des Übens und Geldbeschaffens bis zum entscheidenden Wettbewerb dokumentiert. „Die Akkordeonspielerin“ ist ein Beitrag der Dokumentarfilmreihe „Mädchengeschichten“, in der 17-jährige Mädchen aus verschiedenen Ländern der Welt porträtiert werden. Regie führen ausschließlich Frauen, von denen die meisten aus den Herkunftsländern der Mädchen stammen. So stehen die Mädchengeschichten nicht nur für verschiedene Lebensentwürfe junger Frauen, sondern auch für unterschiedliche dokumentarische Erzählweisen.

10405 Berlin, Deutschland, +49-30-69 56 69 14, m.wischnewski@gebrueder-beetz.de

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Best of TV – Filmredaktion 3sat Special Programmes Documentary Film: Best of TV – 3sat Film Department

Houwelandt Houwelandt

Sonderprogramme Dokumentarfilm Best of TV: 3sat

Deutschland 2005

Ein Dokumentarfilm über die Entstehung eines Romans: Der Schriftsteller John von Düffel, bekannt geworden durch sein erfolgreiches Debüt „Vom Wasser“ (1998), schreibt sein neues Buch und begibt sich damit auf eine Reise durch den deutschen Literaturbetrieb. Im Stil des Direct Cinema beobachtet Jörg Adolph über einen Zeitraum von 15 Monaten den Produktionsprozess von Literatur am Beispiel des Romans „Houwelandt“. Dabei war ihm John von Düffel ein idealer Protagonist. Denn Schreiben ist für John von Düffel Handwerk und lebensdurchdringender Prozess, eigentlich eine körperliche Tätigkeit wie sein Ausdauersport als Langstreckenläufer und -schwimmer. Der Filmemacher begegnet dem etwa gleichaltrigen John von Düffel auf Augenhöhe und begleitet die verschiedenen Stadien der Entstehung und Verwandlung des Textes, die Treffen mit dem Verleger, die intensive Auseinandersetzung mit dem Lektor, die werbestrategischen Besprechungen im Verlag und schließlich die Veröffentlichung und Vermarktung des fertigen Buches. „Houwelandt – Ein Roman entsteht“ hatte 2005 auf dem Filmfest München in der Reihe „Neue deutsche Kinofilme“ Premiere und wurde vom renommierten Filmkritiker Rainer Gansera als „der stilistisch reifste, durch seine hartnäckige Wahrheitssuche spannendste deutsche Film des Festivals“ gelobt. (Süddeutsche Zeitung, 25./26. Juni 2005)

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A documentary about the writing of a novel: John von Düffel, whose successful debut “Vom Wasser“ (1988) made him famous, writes his new book and takes it on a journey through the German literary business. In Direct Cinema style, Jörg Adolph observes the process of literary production as exemplified by the novel “Houwelandt” over a period of 15 months. John von Düffel was his ideal protagonist, because writing is both a craft and an all-encompassing process to him, to all intents and purposes a physical activity like his preferred endurance sports of long distance running and swimming. The filmmaker meets John von Düffel, who is about his age, on equal terms. He follows the different stages of text creation and transformation, meetings with the publisher, intense discussions with the editor, marketing strategy meetings at the publishers’ and at last the publication and promotion of the finished book. “Houwelandt – Ein Roman entsteht” premiered at the Munich Film Festival 2005 in the “Neue deutsche Kinofilme” (New German Cinema) section and was praised by noted film critic Rainer Gansera as ’the stylistically most mature German film of the festival, whose persistent search for the truth also makes it the most exciting” (25/26 June 2005, Süddeutsche Zeitung).

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 103 min. Regie, Buch: Jörg Adolph Kamera: Jörg Adolph, Luigi Falorni, John von Düffel Musik: Console Schnitt: Anja Pohl Produktion: Caligari Film- und Fernsehproduktions GmbH Koproduktion: ZDF/3sat Kontakt: Caligari Film- und Fernsehproduktions GmbH, Reisingerstraße 5, 80337 München, Deutschland, +49-89-5 48 09 50, info@caligari-film.de


Ma’rib Ma’rib Deutschland 2008

The ancient and modern worlds meet in the southern Arabian oasis and desert city of Ma’rib, former capital of the kingdom of Sheba. Both ages are manifest in the great dam of Ma’rib – the old construction, that was built in classical antiquity and counted among the Seven Wonders of the Ancient World, and a new dam, built as part of an oil funded boom, which supplies water to the country today. A giant cone of rubble from the ancient city, crowned by the ruins of modern “Old-Ma’rib” which was destroyed by civil war and earthquakes in the 1960s, reminds people of the decline and decay of ancient Ma’rib. Following “Kobe”, “Ma’rib” is Rainer Komers’ second in a series of films about cities that were devastated by war or natural disasters in the course of their history. While water is predominant in “Kobe”, “Ma’rib” shows how everyday life in a desert landscape is linked to the element earth. Rainer Komers has made a film which, like “Kobe” and his German Short Film Award winner of 2004, “Nome Road System”, paints a meticulous portrait in a strong visual language of life in a social and geographical system alien to us, and displays unusual views. Again he follows his successful recording and editing principles of condensing images and sound in a composition that renounces all dialogue or commentary.

35 mm, Farbe, 30 min. Regie, Buch, Kamera: Rainer Komers Schnitt: Bert Schmidt Produktion, Vertrieb: Rainer Komers, Rainer Komers Filmproduktion Koproduktion: ZDF/3sat Kontakt: Rainer Komers, Rainer Komers Filmproduktion, Moritzstraße 102,

Sonderprogramme Dokumentarfilm Best of TV: 3sat

In der Südarabischen Oase und Wüstenstadt Ma’rib, der früheren Hauptstadt des Königreichs von Saba, treffen Antike und Moderne aufeinander. Beide Zeitalter manifestieren sich im großen Staudamm von Ma’rib – dem alten, in der Antike errichteten, zu den Weltwundern zählenden Bauwerk und einem im Zuge wirtschaftlichen Aufschwungs durch Ölfunde neu errichteten Damm, der heute das Land mit Wasser versorgt. An Niedergang und Zerfall des antiken Ma’rib mahnt ein gewaltiger Schuttkegel aus den Überresten der antiken Stadt, gekrönt von den Ruinen des neuzeitlichen „Alt-Ma’rib“, das Anfang der 1960er Jahre durch Bürgerkrieg und Erdbeben zerstört wurde. „Ma’rib“ ist nach „Kobe“ Rainer Komers zweiter Film einer Serie über Städte, die in ihrer Geschichte von Zerstörung durch Krieg und Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Während in „Kobe“ das Wasser eine prägende Rolle spielte, zeigt „Ma’rib“, wie das Leben und der Alltag in einer Wüstenlandschaft mit dem Element Erde verbunden ist. Ähnlich wie in „Kobe“ und seinem 2004 mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichneten Dokumentarfilm „Nome Road System“ hat Rainer Komers einen Film realisiert, der minutiös das Leben in einem uns fremden sozialen und geographischen System durch eine starke visuelle Sprache porträtiert und ungewöhnliche Ansichten offenbart. Dazu folgt er seinem bewährten Aufnahme- und Montage-Prinzip, das unter Verzicht auf Dialoge und Kommentar Bilder und Töne zu einer Komposition verdichtet.

45476 Mülheim an der Ruhr, Deutschland, +49-208-77 94 38, r.komers@t-online.de

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: Best of TV – Filmredaktion 3sat Special Programmes Documentary Film: Best of TV – 3sat Film Department

Tarifa Traffic Tarifa Traffic

Sonderprogramme Dokumentarfilm Best of TV: 3sat

Deutschland, Schweiz 2003

Tarifa in Südspanien am frühen Morgen. Während die ersten Badegäste ihre Plätze am Strand einnehmen, wird nur einen Steinwurf entfernt ein toter Körper an Land gespült. Dieses Szenario wiederholt sich hier immer wieder, am südlichsten Punkt Europas, nur knapp 20 Kilometer Luftlinie von der marokkanischen Küste entfernt. Flüchtlinge aus verschiedenen afrikanischen Ländern, Pakistan oder den Philippinen legen auf der Flucht vor Hunger oder Krieg ihr Leben in die Hände illegaler Schlepperbanden, die sie in Gummibooten über die Meerenge von Gibraltar von Marokko nach Europa schleusen. Dieses gefährliche Unterfangen bezahlen viele mit ihrem Leben. Nach der Entdeckung ihrer Leichen in Tarifa und Umgebung folgt ein routinierter Ablauf: Der Staatsanwalt, das Rote Kreuz und das örtliche Beerdigungsinstitut werden benachrichtigt. Der Gerichtsmediziner stellt „Tod durch Ertrinken“ fest und notiert, dass ein weiterer illegaler Immigrant sein Leben verloren hat. Joakim Demmer widmet sich einem schwierigen und oft verdrängten Aspekt der viel diskutierten Themen Globalisierung und Migration. Mit Offenheit und Sensibilität, ohne Voyeurismus oder belehrenden Kommentar nähert er sich dem Schicksal der tragisch gescheiterten Flüchtlinge und verfolgt auch die Arbeit derjenigen, die die „Festung Europa“ bewachen. „Tarifa Traffic“ erhielt 2003 auf dem Dokumentarfilm-Festival „Visions du Réel“ den „Prix Suisse“ und im gleichen Jahr den Publikumspreis auf der Duisburger Filmwoche 2003. 2004 folgte die Auszeichnung mit dem RobertGeisendörfer-Preis.

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Tarifa, Southern Spain, the early morning. While the first tourists are choosing their spots on the beach, a dead body is washed ashore only a stone’s throw away. This scenario is played out again and again at the southernmost tip of Europe, only about 20 kilometres from the Moroccan coast, as the crow flies. Refugees from various African countries, Pakistan or the Philippines, escaping from hunger or war, put their lives into the hands of illegal smugglers’ gangs who take them across the Straits of Gibraltar from Morocco to Europe in rubber boats. Many of them pay with their lives for this risky venture. When the bodies are discovered in and around Tarifa, a well-established routine follows: the public prosecutor, the Red Cross and the local funeral parlour are informed. The coroner declares “death by drowning” and notes down that another illegal immigrant has lost his life. Joakim Demmer tackles a difficult and often repressed aspect of the much discussed topics of globalisation and migration. Open and sensitive, without voyeurism or instructive commentary, he approaches the fate of the doomed refugees and follows the work of those who guard the “fortress Europe”. “Tarifa Traffic” was awarded the “Prix Suisse” at the documentary film festival “Visions du Réel” and the audience award at the Duisburger Filmwoche in 2003. In 2004, it won the Robert Geisendörfer Prize.

Beta SP (PAL), Farbe, 60 min. Regie, Buch: Joakim Demmer Kamera: Hoyte van Hoytema Schnitt: Ingrid Landmesser, Joakim Demmer, Natali Barrey Produktion: Dschoint Ventschr Koproduktion: ZDF/3sat Kontakt: Dschoint Ventschr Filmproduktion, Zentralstraße 156, 8003 Zürich, Schweiz, +41-1-4 56 30 20, dvfilm@dschointventschr.ch


Sonderprogramme Dokumentarfilm: Best of TV – Filmredaktion 3sat Special Programmes Documentary Film: Best of TV – 3sat Film Department

Zeit ohne Eltern Time Without Parents Deutschland 2005

This film tells the family history of Jana Birner and Franziska Kriebisch, who both grew up in the GDR. They didn’t know each other, but they share the traumatic experience of being separated from their parents when the latter were arrested by the ’Stasi’ (Ministry for State Security). While Jana’s parents risked everything in an attempt to escape with their children across the green border from Thuringia in 1982 and were caught, Franziska’s parents were arrested in their Schwerin flat in 1984 because they had applied for an exit permit. Both women were 10 years old at the time. Jana and her brother were taken to a children’s home, Franziska and her brother were handed over to her grandparents. After a few years, their parents were released, but a normal family life had become impossible. Neither parents nor daughters ever mentioned what they had lived through. In a straightforward film, both on the narrative and visual level, Celia Rothmund depicts the events of the day of separation and demonstrates how they changed the children’s lives forever. The author works without archive material and relies completely on gentle and intense conversations that make the painful process of remembrance comprehensible, and shots of the places that were important to the stories. During her research, the filmmaker talked to 20 families torn apart following attempts to leave the country.

35 mm, Farbe, 65 min. Regie, Buch: Celia Rothmund Kamera: Justyna Feicht, Yoliswa Gärtig Schnitt: Fabienne Westhoff, Celia Rothmund Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln Koproduktion: ZDF/3sat Kontakt: Kunsthochschule für

Sonderprogramme Dokumentarfilm Best of TV: 3sat

Der Film erzählt die Familiengeschichte von Jana Birner und von Franziska Kriebisch, die in der DDR aufgewachsen sind. Sie kannten sich nicht, teilen jedoch die traumatische Erfahrung, von ihren Eltern getrennt worden zu sein, als diese von der Stasi verhaftet wurden. Während Janas Eltern 1982 mit den Kindern von Thüringen aus einen Fluchtversuch über die grüne Grenze wagten und gefasst wurden, wurden Franziskas Eltern 1984 in ihrer Wohnung in Schwerin verhaftet, weil sie einen Ausreisantrag gestellt hatten. Beide Frauen waren damals 10 Jahre alt. Jana kam mit ihrem Bruder in ein Kinderheim. Franziska wurde mit ihrem Bruder den Großeltern übergeben. Nach mehreren Jahren wurden die Eltern zwar aus der Haft entlassen, doch ein normales Familienleben war nicht mehr möglich. Das jeweils Erlebte kam zwischen Eltern und Töchtern nie zur Sprache. Celia Rothmund zeichnet in ihrem dramaturgisch wie visuell schnörkellosen Film die Ereignisse des Tages der Trennung nach, und macht deutlich, wie sie das Leben der Kinder für immer veränderte. Dabei verzichtet die Autorin auf Archivmaterial und vertraut ganz auf behutsame und intensive Gespräche, in denen der schmerzhafte Prozess der Erinnerung nachvollziehbar wird, sowie auf Aufnahmen von Orten, die für die Geschichten wichtig waren. Bei ihrer Recherche sprach die Autorin mit 20 Familien, die wegen eines Ausreiseversuchs auseinandergerissen wurden.

Medien Köln, Peter-Welter-Platz 2, 50676 Köln, Deutschland, +49-221-20 18 90

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Sonderprogramme Dokumentarfilm: MDR Premieren Special Programmes Documentary Film: MDR Premiers

8 mm Liebe Our Private Love

Sonderprogramme Dokumentarfilm MDR-Premieren

Deutschland 2008

„8 mm Liebe“ geht der Frage nach, wie sich die Liebe filmisch einfangen lässt. Zwölf Amateurfilmer aus Deutschland, Österreich, Tschechien und Frankreich gewähren uns einen Einblick in ihr privates Archiv und erzählen uns, mit welcher Zielsetzung sie ihre Liebe auf Celluloid gebannt haben. Wann fingen sie an, die Liebe ihres Lebens zu filmen, wann und warum hörten sie auf? Spiegeln ihre Filme die Beziehung wider oder erscheinen sie aus der Retrospektive als ein verklärtes Zerrbild der Wirklichkeit? Die Studenten Liza und Sebastian aus Stuttgart filmten sich gegenseitig auf 8 mm, um die Entwicklung ihrer Liebe festzuhalten und sie zu analysieren, während Carmen und Andreas aus der DDR ihre Liebe vor der Kamera zelebrierten, in der Hoffnung, damit die Welt zu verändern. Für Johannes aus Wien bot die Filmkamera einen neuen, reizvollen Blickwinkel der Liebe und des Liebesaktes. Das deutschmarokkanische Ehepaar Tina und Samo aus Berlin hingegen fand in der Videokamera und der Webcam eine einzigartige Möglichkeit, die Kommunikation zwischen Deutschland und Marokko aufrecht zu erhalten. Zum Ende der Dokumentation bleibt die Frage: Lässt sich der schönste Moment des Liebeslebens filmisch festhalten?

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“8 mm Liebe” investigates how love can be captured on film. Twelve amateur filmmakers from Germany, Austria, the Czech Republic and France open their private archives and tell us what they wanted to achieve by recording their love on celluloid. When did they start to film the love of their life, when and why did they stop? Do their films reflect their relationships or do they seem, in retrospect, like a glorified distortion of reality? The students Liza and Sebastian from Stuttgart filmed each other on 8 mm in order to record and analyse the development of their love, whereas Carmen and Andreas from the GDR celebrated their love on camera, hoping to change the world by it. To Johannes from Vienna, the film camera offered a new and alluring perspective on love and the act of love. The German-Moroccan couple from Berlin, Tina and Samo, however, found a unique way of keeping communications between Germany and Morocco alive by video camera and webcam. At the end of the documentary, the question remains: can the happiest moment of one’s love life be captured on film?

Beta DIGITAL (PAL), Farbe Autoren: Friederike Schlumbom, Dr. Adama Ulrich Kamera: Clarissa Crasemann Schnitt: Gaby Eglau Produktion: Kristian Kähler, Stefan Pannen, Fernsehbüro GmbH Berlin Kontakt: Dr. Katja Wildermuth, MDR Fernsehen, Redaktion Geschichte und Gesellschaft, Kantstraße 71–75, 04275 Leipzig, Deutschland, +49-341-3 00 72 08


Sonderprogramme Dokumentarfilm: MDR Premieren Special Programmes Documentary Film: MDR Premiers

Brüder Brothers Deutschland 2008

I didn’t know much about my uncle Bernd before we first met in 1994. After an attempt to escape in 1979, Bernd, my father’s younger brother, was ransomed by the FRG in the same year. Nothing but a picture on my granny’s living room shelf reminded us of him. For 15 years, my parents kept up a story which had uncle Bernd transformed into a sailor to explain to us children why he was never there. When Bernd unexpectedly showed up at our door in Halle in 1994, the story fell to pieces, leaving many unanswered questions. But there was not enough time to get to know my uncle, for in the same year he was sentenced to 12 years and six months imprisonment for aggravated arson. His release offers me the first opportunity to talk about the fragile past with my father and uncle together, and more: they have never really talked about their childhood nor the reasons why they drifted apart either. The film tells the two brothers Volker and Bernd Schuster’s contrasting life stories. In spite of everything, they see themselves as brothers and feel and treat each other accordingly even today. (Falko Schuster)

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 70 min. Regie, Buch: Falko Schuster Kamera: Niels Bolbrinker Musik: Martin Steiner, Patrick Niebel (Duo Zweckfrei) Schnitt: Andreas Baltschun Produktion: Jörg Rothe, Alexander Ris, Neue Mediopolis Filmproduktion GmbH Leipzig Koproduktion: Jürgen Kleinig Kontakt: Dr. Beate Schönfeldt, MDR Fernsehen, Redaktion Geschichte und Gesellschaft, Kantstraße 71–75, 04275 Leipzig, Deutschland, +49-341-3 00 72 87

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Sonderprogramme Dokumentarfilm MDR-Premieren

Bis zu unserer ersten Begegnung 1994 wusste ich nicht viel über meinen Onkel Bernd. Bernd, der jüngere Bruder meines Vaters, wurde nach einem Fluchtversuch 1979 noch im selben Jahr von der damaligen Bundesrepublik Deutschland frei gekauft. Außer einem Foto auf der Wohnzimmerschrankwand meiner Oma erinnerte nichts an ihn. Fünfzehn Jahre lang hielten meine Eltern eine Geschichte aufrecht, in der mein Onkel Bernd zum Seemann stilisiert wurde, um uns Kindern zu erklären, warum er nie da war. Als Bernd 1994 völlig unerwartet vor unserer Haustür in Halle stand, zerbrach diese Geschichte und übrig blieben viele unbeantwortete Fragen. Doch die Zeit war zu kurz, meinen Onkel näher kennenzulernen, denn im selben Jahr wurde er wegen schwerer Brandstiftung zu zwölf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Mit der Entlassung bietet sich nicht nur für mich erstmals die Möglichkeit, mit meinem Vater und meinem Onkel gemeinsam über ihre brüchige Vergangenheit zu sprechen. Beide haben nie wirklich miteinander über ihre gemeinsame Kindheit und die Gründe ihres Auseinanderlebens geredet. Der Film erzählt die konträren Lebenswege der beiden Brüder Volker und Bernd Schuster, die sich auch heute noch, trotz allem, in ihrem Selbstverständnis als Brüder sehen, empfinden und behandeln. (Falko Schuster)


Sonderprogramme Dokumentarfilm: MDR Premieren Special Programmes Documentary Film: MDR Premiers

Das Verschwinden der Zeit The Disappearance of Time

Sonderprogramme Dokumentarfilm MDR-Premieren

Deutschland 2008

Als ich 16 war und die großen Ferien begannen, stieß mir etwas Unvergleichliches zu: Meine erste große Liebe! Sie war so groß, weil ich davor noch nichts erlebt hatte, woran sich diese Liebe messen ließ. Sie war einzig und nur um ihrer selbst Willen da. Er schrieb mir damals: „Nun sind schon wieder ein paar Tage ins Land gegangen seit unserem verlängerten, verrückten Wochenende. Denke immer daran, dass ich verheiratet bin. Du musst wegen mir keine Dummheiten machen. Sei ganz lieb umarmt.“ Und er ging mit den Worten „Lass die Zeit vergehen und lass dich eine Frau werden, dann werden wir uns eines Tages wiedersehen.“ Im Sommer 1987 in meiner Heimatstadt Freiberg in der DDR. Ich bin zurückgekehrt zu den Orten meiner Erinnerung. Ich hatte ihn angerufen. Seine Stimme klang jung am Telefon. Ich wollte herausfinden, was geblieben war, und plötzlich stand er als Westernhagen-Double vor mir. Das alte Stadtbad, in dem er mir den ersten Kuss gab, ist durch eine neue Badelandschaft mit Rutschen und Whirlpool ersetzt. Aus früheren Jugendclubs sind Einkaufshallen geworden, und auf grünen Wiesen stehen Drogeriemärkte, Sonderpostenläden und Tankstellen. Wie schwer ist es, an solchen Orten seine Erinnerungen zu finden? Ist die Vergangenheit noch auffindbar? (Ina Borrmann)

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When I was 16 and the summer holidays began, something incomparable happened to me: my first love! It was so strong because I had never experienced anything before by which this love could be measured: it was unique and an end in itself. At the time he wrote to me: “Another couple of days have now passed since our long crazy weekend. Always remember that I’m married. Don’t do anything stupid on my account. A very big hug.” And he left with the words: “Let time pass and wait till you become a woman, then we will see each other again one day.” That was in the summer of 1987, in my hometown of Freiberg in the GDR. I returned to the places of my past memories. I had called him. His voice sounded young over the phone. I wanted to find out what was left, and suddenly he stood before me, the spitting image of Marius Müller-Westernhagen. The old municipal pool where he gave me my first kiss has been replaced by a waterpark with slides and a whirlpool. Former youth centres have been turned into supermarkets. Drugstores, discount stores and gas stations stand on the once green meadows. How hard is it to find one’s memories in such places? Can the past still be found? (Ina Borrmann)

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 75 min. Regie, Buch: Ina Borrmann Kamera: Sebastian Hattop, Susan Gluth, Johannes Kaltenhauser, Ina Borrmann Musik: Simon Stockhausen Schnitt: Florian Köhler, Georg Söring Produktion: Ina Borrmann, Filmproduktion Koproduktion: MDR Kontakt: Dr. Katja Wildermuth, MDR Fernsehen, Redaktion Geschichte und Gesellschaft, Kantstraße 71–75, 04275 Leipzig, Deutschland, +49-341-3 00 72 08


Liebesgrüße nach Moskau To Russia with Love Deutschland 2008

The history of the Cold War would have been different without Radio Free Europe. At first secretly financed by the CIA, later officially by the United States administration, from 1951 onwards the “voice of freedom and democracy” – as RFE put it – broadcast to Poland, Hungary, Romania, Bulgaria and Czechoslovakia in the respective national languages. RFE was probably the most extraordinary and most successful weapon the United States had in the Cold War. “Liebesgrüße nach Moskau” shows the radio station’s successes and failures and to what lengths the Eastern European regimes went to prevent their population from receiving RFE. It was a cat-and-mouse-game at the highest technical level in which the listeners actively participated. They in turn lived in constant fear of being discovered. There were rumours that cars drove through the streets at night, equipped with loop aerials which enabled them to detect which radios were tuned to Western stations. The film uses documents and unusual archive material from the Cold War, interviews with listeners and employees to show how Radio Free Europe started out as an instrument of psychological warfare but turned into a reliable source of information for the people in the East.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 90 min. Regie, Buch: Christian Bauer Kamera: Rainer Hartmann, Heinz-Albert Staubitz, Jakub Bejnarowicz, Gerardo José Milsztein, Isabel Theiler Musik: Xander Zimmermann Schnitt: Alina Teodorescu Produktion: Christian Bauer, Dagmar Biller, Tangram – Christian Bauer Filmproduktion München Kontakt: Dr. Katja Wildermuth, MDR Fernsehen, Redaktion Geschichte und Gesellschaft, Kantstraße 71–75, 04275 Leipzig, Deutschland, +49-341-3 00 72 08

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Sonderprogramme Dokumentarfilm MDR-Premieren

Ohne Radio Freies Europa wäre die Geschichte des Kalten Krieges anders verlaufen. Zunächst heimlich von der CIA finanziert, später dann offiziell durch die amerikanische Regierung, sendete „die Stimme der Freiheit und Demokratie“ – so RFE über sich selbst – von 1951 an in den jeweiligen Landessprachen nach Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und in die Tschechoslowakei. RFE war die wohl ungewöhnlichste und dabei erfolgreichste Waffe der USA im Kalten Krieg. „Liebesgrüße nach Moskau“ zeigt die Erfolge und Fehlschläge des Senders, und welchen Aufwand die Regimes in Osteuropa betrieben, um die Bevölkerung am Empfang von RFE zu hindern. Ein Katz-und-Maus-Spiel auf höchstem technischen Niveau, an dem die Hörer aktiv teilnahmen. Sie ihrerseits lebten in ständiger Angst, entdeckt zu werden. Denn es hieß, dass Autos des Nachts durch die Straßen fuhren, mit Peilantennen durch die Radiogeräte aufgespürt werden konnten, die auf den Westsender eingestellt waren. Mit Dokumenten und ungewöhnlichem Archivmaterial aus dem Kalten Krieg, durch Gespräche mit Hörern und Mitarbeitern wird gezeigt, wie Radio Freies Europa als Instrument der psychologischen Kriegsführung begann, dann aber zu einer verlässlichen Informationsquelle der Menschen im Osten wurde.


Wir freuen uns auf gute Filme und tragen die auch weiter *

* culturtraeger ist Partner des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- ind Animationsfilm. Für jeden Standort und jede Zielgruppe haben wir die passenden Präsentationsformen. So sind Postkarten, Flyer, Programme, Magazine und Plakate immer optimal vertreten. •

0341 - 14 16 50

www.culturtraeger.de


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

International Competition Animated Film


Der Animationsfilm 2008 in Leipzig Animated Film 2008 in Leipzig

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Text: Jaqueline Zeitz

Eine Menge neuer Filme gab es seit dem letzten Jahr auf den Festivals rund um die Welt zu sehen und zunächst schien es, als gäbe es nicht viele Entdeckungen. Doch nach der intensiven Sichtungszeit und am Ende der Auswahl steht nun fest – auch in diesem Jahr können wir ein spannendes Animationsfilmprogramm präsentieren. Aus gut 600 Einreichungen zeigen wir 114 Filme aus 29 Ländern. Wie in den vergangenen Jahren sind es vor allem Frankreich, Großbritannien und Russland, gefolgt von Deutschland, Japan, der Schweiz und den USA, die mit qualitativ hochwertigen und interessanten Filmen präsent sind. Erstaunlich wenige Filme gibt es in diesem Jahr aus Kanada, dafür Überraschendes wie zum Beispiel „Muto“ und „Hezurbeltzak, una fosa común“ aus Italien und Spanien. Der im letzten Jahr zu beobachtende Trend, dass sich die Filmemacher in ernster Manier mit gesellschaftlichen und persönlichen Themen auseinandersetzen, wird in diesem Jahr oftmals augenzwinkernd, und sei es nur beiläufig, durchbrochen. Herzstück unseres Programms ist wie immer der Internationale Wettbewerb. In vier Programmen zeigen wir 36 Filme aus 19 Ländern, unter anderem von so bekannten Vertretern des Genres wie Dennis Tupicoff, Steven Woloshen, Georges Schwizgebel, Theodore Ushev, Dmitri Geller, Matthew Walker, Izabela Plucinska, Koji Yamamura, Bill Plympton oder Run Wrake. Einige von ihnen haben schon Tauben in Leipzig gewonnen. Zu den Neulingen oder den mit ihren Arbeiten bisher noch nicht ausgewählten Filmemachern gehören Andy und Carolyn London, Veljko Popovic, Benjamin Sanders und Izibene Oñederra. Auch in diesem Jahr versammelt der Wettbewerb Europa- und Deutschlandpremieren und mit „Germania Wurst“ von Volker Schlecht sowie „Wie war denn das, Veronika“ von Ralf Kukula überdies zwei Weltpremieren. Das Internationale Panorama zeigt in drei Programmen Interessantes und Innovatives aus aller Welt. Auch hier sind schon bekannte Filmemacher wie Simon Bogojevic-Narath, Rodolfo Pastor und Ülo Pikkov mit neuen Arbeiten vertreten, und ebenso gibt es bisher unbekannte Namen und Handschriften zu entdecken wie beispielsweise die von Anete Melece.

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A lot of new films have been screened at festivals across the globe since last year, and it seemed at first as if there weren’t many new discoveries left to make. But now that an intense preview period is over and the selection is complete, we are quite certain that once again we will be able to present an exciting animation programme this year. We are screening 114 films from 29 countries, selected from some 600 submissions. Once more, France, Great Britain and Russia are represented by the highest number of artistically outstanding and exciting films, followed by Germany, Japan, Switzerland and the United States. There are remarkably few Canadian productions this year, made up for by surprises such as “Muto” and “Hezurbeltzak, una fosa común” from Italy and Spain. A serious approach to social and personal issues was a notable trend last year which, this year, is often undercut by an, albeit sometimes casual, touch of humour. As usual, the International Competition is at the heart of our programme. 36 films from 19 countries are presented in four programmes, including works by such well-known representatives of the genre as Dennis Tupicoff, Steven Woloshen, Georges Schwizgebel, Theodore Ushev, Dmitri Geller, Matthew Walker, Izabela Plucinska, Koji Yamamura, Bill Plympton or Run Wrake, some of whom already won Doves at Leipzig before. Among the newcomers or filmmakers whose works were never selected before are Andy and Carolyn London, Veljko Popovic, Benjamin Sanders and Izibene Oñederra. This year’s competition features European and German premieres and even two world premieres: “Germania Wurst” by Volker Schlecht and “Veronika, How Was it After All” by Ralf Kukula. Interesting and innovative films from all over the world are collected in the three programmes of the International Panorama. Again, well-known filmmakers such as Simon Bogojevic-Narath, Rodolfo Pastor and Ülo Pikkov are showing new works here, next to yet to be discovered names and styles like Anete Melece’s.


We have presented a special focus on New German Animation since 1997 and have seen this decision confirmed by the growing presence of German productions at international festivals. A prize in this section has been long overdue at DOK Leipzig and will be awarded for the first time this year. The International Jury will not just name the winners of the Golden and Silver Dove, but also of the Prize for the Best German Animation. There were around 100 animated documentaries among this year’s submissions, three of which were selected for the International Young Talent Documentary Competition – Generation DOK. Once more DOK Leipzig shows its strong support of the former sub-genre animadoc which has had a platform of its own in Leipzig since 1997. Under the title “Animadoc – More than just reality?” we are looking back at three decades of animated documentaries in four thematic programmes. The film screenings will be complemented by a DOK Summit panel discussion with experts and filmmakers. The Anima for Kids series presents three programmes of exciting children’s films this year, including “Nocki”, a feature-length production which takes its young audience behind the scenes of an animation film studio. Bill Plympton has produced a new feature-length film that we don’t want to keep from the Leipzig audiences. “Idiots and Angels” is a dark comedy about the struggle of good and evil, in which a pair of angel’s wings with a mind of their own play a central part. A Special Screening is dedicated to Alexander Shiryaev. As a choreographer at the St. Petersburg Ballet, Shiryaev used cartoon and puppet animation techniques to prepare for his dancing and teaching activities. Though Starevich has traditionally been regarded as the father of puppet animation, this discovery proves that Shiryaev created the first puppet films. We have been compiling special programmes for the night of young film for a few years now: bold, unusual, spirited and ironical, they have been known as the Pink Elephants for the past three years – and are easily recognizabled by the pink peanut. Our relatively young tradition of Master Classes is also continued this year. Frank and Caroline Mouris from New York will talk about their work which encompasses both animation and documentary films. Frank Mouris won an Academy Award for his unusual and innovative “Frank Film” in 1974, Caroline Mouris presented “Frankly Caroline” in Leipzig in 1999. There is a strong and varied programme waiting for friends and fans of the animation film in 2008. I wish all festival guests many inspiring encounters with and around our animation films!

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Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Seit 1997 gilt dem Neuen Deutschen Animationsfilm unsere besondere Aufmerksamkeit und die wachsende Präsenz deutscher Produktionen auf internationalen Festivals bestätigt diesen Fokus. Ein Preis in dieser Sektion war bei DOK Leipzig schon seit einiger Zeit überfällig. In diesem Jahr wird er zum ersten Mal vergeben. Die Internationale Jury benennt also nicht nur die Gewinner der Goldenen und Silbernen Taube, sondern entscheidet auch über die Vergabe des Preises für den Besten Deutschen Animationsfilm. Unter den diesjährigen Einreichungen waren etwa 100 animierte Dokumentarfilme, von denen drei für den Internationalen Nachwuchswettbewerb Generation DOK ausgewählt wurden. Einmal mehr setzt DOK Leipzig ein deutliches Zeichen für das ehemalige Subgenre Animadok, das hier in Leipzig seit 1997 eine eigene Plattform hat. Unter dem Titel „Animierter Dokumentarfilm – Mehr als nur die Wirklichkeit?“ schauen wir in vier thematisch gegliederten Programmen zurück auf über drei Jahrzehnte Geschichte des animierten Dokumentarfilms. Ergänzend gibt es eine DOK-Summit-Podiumsdiskussion mit Experten und Filmemachern. In der Reihe Anima für Kids zeigen wir in diesem Jahr gleich drei Programme mit spannenden Kinderfilmen, darunter „Nocki“, eine Langproduktion, die das junge Publikum in die Kulissen der Trickfilmateliers führt. Bill Plympton hat einen neuen Langfilm gemacht, den wir dem Leipziger Publikum nicht vorenthalten wollen. „Idiots and Angels“ ist eine dunkle Komödie über den Kampf von Gut und Böse, in der eigenwillige Engelsflügel eine zentrale Rolle spielen. Ein Special Screening ist Alexander Schirjajew gewidmet. Als Choreograph am St. Petersburger Ballett nutzte Schirjajew die Techniken der Zeichen- und Puppenanimation für die Vorbereitung seiner Tänze und seine Lehrtätigkeit. Galt Starewicz bisher als Vater der Puppenanimation, beweist diese Entdeckung, dass Shirjajew die ersten Puppenfilme geschaffen hat. Für die nacht des jungen films stellen wir seit mehreren Jahren ein besonderes Programm zusammen: frech, ungewöhnlich, mit viel Esprit und Ironie, seit drei Jahren bekannt unter dem Namen Pink Elephants – und gut zu erkennen an der rosafarbenen Erdnuss. Unsere noch junge Tradition einer Meisterklasse pflegen wir auch in diesem Jahr. Frank und Caroline Mouris aus New York werden über ihre Arbeit berichten, die Animations- und Dokumentarfilm gleichermaßen umfasst. Für seinen ungewöhnlich innovativen „Frank Film“ erhielt Frank Mouris 1974 einen Oscar. Caroline Mouris war bereits 1999 mit „Frankly Caroline“ in Leipzig. Ein starkes und vielfältiges Programm erwartet auch 2008 die Freunde und Fans des Animationsfilms. Ich wünsche allen Gästen des Festivals viele gute Begegnungen mit und rund um den Animationsfilm!


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 01 International Competition Animated Film 01

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 01 Beta SP (PAL), s/w, 3:55 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Alex Budovsky Musik: Stephen Coates Technik: 2D-Computeranimation Sprache: englisch / Produktion: Alex Budovsky, Figli Migli Productions Kontakt: Alex Budovsky, Figli Migli

Last Time in Clerkenwell Last Time in Clerkenwell

Productions, 1975 83rd Street A10, 11214 Brooklyn, NY, USA, +1-917-5 47 41 74,

USA 2007

budovskiy@yahoo.com

Dieser Film zeigt, wie es mit der Royal Legion of Birds aus „Bathtime in Clerkenwell“ weitergeht, nachdem sie London erobert und die Macht übernommen haben. Das Reich der Vögel erstreckt sich über die Grenzen der Erde hinaus und geht unter unerwarteten Umständen zugrunde.

This film shows what happened to the Royal Legion of Birds from “Bathtime in Clerkenwell” after they took over London and came to power. The Bird Empire expands beyond the Earth boundaries and falls under unexpected circumstances.

Beta SP (PAL), Farbe, 6:45 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Animation, Produktion: Blu Musik: Andrea Martignoni Technik: Wandmalerei / Sprache: ohne Vertrieb: Mercurio Film Cinematografica Kontakt: Blu, c/o Martignoni, Via Rialto 20, 40124 Bologna, Italien,

Muto Muto

+39-51-5 87 55 04, andrea_martignoni@fastwebnet.it

Italien 2008

Eine mehrdeutige surrealistische Animation, die auf öffentliche Mauern gemalt wurde, in Baden innen, in Buenos Aires außen.

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An ambiguous surrealistic animation painted on public walls, indoors in Baden, outdoors in Buenos Aires.


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 01 International Competition Animated Film 01

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 3:20 min. Regie, Buch, Animation: Sally Arthur Musik: Ollie Davis / Schnitt: Amy Meyer Technik: 2D-Computeranimation Sprache: englisch / Produktion: Katie Daniels, Arthur Cox

A–Z A–Z

Vertrieb: Candi Smith, Arthur Cox Kontakt: Sally Arthur, Arthur Cox, 16 Whitehouse St., BS3 4AY Bristol,

Vereinigtes Königreich 2007

Vereinigtes Königreich,

Frau P. ist die Erfinderin des Londoner A–ZStadtplans, der heute eine Institution ist und für Londoner ebenso wie für Touristen eine unentbehrliche Hilfe bei der Navigation durch die Hauptstadt. Dieser kurze Blick auf ihre enorme Leistung feiert ihre Kreativität und Entschlossenheit.

Mrs P is the creator of the A–Z map of London – which is now an institution and an essential part of navigating around the capital, for Londoners and tourists alike. Her creativity and determination are cele­ brated in this short glimpse of the huge feat she accomplished.

info@worldofarthurcox.co.uk

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 6:40 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Veljko Popovic / Animation: Marin Kovacic Musik: Hrvoje Stefotic / Technik: 3DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: Ivan Ratkovic, Kenges

Ona koja mjeri She Who Measures

Vertrieb: Vanja Andrijevic, Kenges Kontakt: Vanja Andrijevic, Kenges, Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Poljana Zdenka Mikine 10,

Kroatien 2008

10000 Zagreb, Kroatien,

Sind wir wirklich frei? Sind unsere Wünsche wirklich unsere eigenen oder nur die uns von außen aufgedrückten Produkte der Gesellschaft, in der wir leben? Der Film stellt folgende Frage: Sind wir Sklaven der Kultur und Gesellschaft, in die wir geboren werden, oder gibt es doch einen Weg, dem zu entkommen?

Are we truly free? Are our desires truly our own or merely imposed products of the society we live in? The question this film is asking is this: are we slaves to the culture and society we were born in or is there a way to escape after all?

+385-1-3 75 52 81, kenges@kenges.hr

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 1:30 min. Regie: Frank Budgen, Darren Walsh Animation: Darren Walsh, David Scanlon, Julia Peguet / Buch: Juan Cabral Kamera: Frank Budgen / Schnitt: Ted Guard, Paul Watts at The Quarry

Sony Bravia – Play-Doh Sony Bravia – Play-Doh

Technik: Stop-Motion-Animation, Computeranimation / Sprache: englisch Produktion: Belinda Blacklock,

Vereinigtes Königreich 2007

Passion Pictures / Vertrieb: Sian Rees,

Hunderte von Knethäschen erobern New York.

Hundreds of plasticine bunnies take over New York.

Passion Pictures / Kontakt: Kim Strobl, Passion Pictures, 33–34 Rathbone Place, W1T 1JN London, Vereinigtes Königreich, kims@passion-pictures.com

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Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 01 International Competition Animated Film 01

35 mm, Farbe, 4:46 min. Regie, Animation: Theodore Ushev Musik: Alexandre Mossolov Technik: Mischtechnik / Sprache: ohne Produktion: Marc Bertrand, National Film Board of Canada / Vertrieb:

Drux Flux Drux Flux

Johanne St-Arnauld, National Film Board of Canada / Kontakt: Madeleine Bélisle, National Film

Kanada 2008

Board of Canada, 3155 Côte-de-Liesse,

Theodore Ushev befasst sich weiter mit den Verbindungen zwischen Künstlern und moderner politischer Theorie. Während „Tower Bawher“ einen ironischen Blick auf die enge Verbindung zwischen der Kunst und konstruktivistischen russischen Ideologien warf, zeigt „Drux Flux“ Herbert Marcuses eindimensionalen Menschen: In den Industriegesellschaften wird das eigentliche Bewusstsein des Menschen manipuliert.

Theodore Ushev continues to examine the links between the artist and modern political thought. While “Tower Bawher” took an ironic look at art co-habiting with Russian constructivist ideologies, “Drux Flux” features one-dimensional man as seen by Herbert Marcuse: in industrial societies, the actual consciousness of the individual is manipulated.

H4N 2N4 Saint-Laurent, Quebec, Kanada, +1-514-2 83 98 05, festivals@nfb.ca

35 mm, Farbe, 6:30 min. / Regie, Buch: Bruno Collet / Animation: Julien Leconte Kamera: Fabrice Richard / Musik: Olivier Mellano / Schnitt: Mathieu Courtois

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Technik: Knetanimation / Sprache: ohne Produktion, Vertrieb: Jean-François

Le jour de gloire The Day of Glory

Le Corre, Vivement Lundi! / Kontakt: Marie Larcher, Vivement Lundi!, 11 rue Denis Papin, 35000 Rennes,

Frankreich 2007

Frankreich, +33-2-99 65 00 74,

Tief in den Gräben des ersten Weltkriegs erscheint ein Soldat, um seinen Platz in der Geschichte einzunehmen.

Deep in the trenches of World War I, a soldier emerges to take his place in history.

vivement-lundi@wanadoo.fr

35 mm, Farbe, 11 min. / Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Volker Schlecht / Musik: Matthias Petsche Technik: Zeichenanimation Sprache: ohne / Produktion: Kathyna Ternes, HFF „Konrad Wolf“

Germania Wurst Germania Sausage

Vertrieb: Cristina Marx, HFF „Konrad Wolf“ / Kontakt: Volker Schlecht, Drushba Pankow, Bötzowstraße 33,

Deutschland 2008

10407 Berlin, Deutschland,

Ein Schnelldurchlauf durch die deutsche, beziehungsweise germanische „Nationalgeschichte“, beginnend mit dem antiken römischen Reich, endend mit der deutschen „Wiedervereinigung“ und der Gegenwart.

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A rapid rundown of German or rather Germanic „national history“, starting with the ancient Roman empire and ending in the German “reunification” and the present day.

+49-30-42 80 62 42, schlecht@drushbapankow.de www.germaniawurst.com


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 01 International Competition Animated Film 01

35 mm, Farbe, 11 min. Regie, Buch, Animation: Luc Perez Technik: Acryl auf Papier, 2DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: Marie Bro, Dansk Tegnefilm 2 ApS, Farid Rezkallah, 24 Images

Shaman Shaman

Vertrieb und Kontakt: Marie Bro, Dansk Tegnefilm 2 ApS, Suomisvej 2, 2, 1927 Frederiksberg C,

Dänemark, Frankreich 2008

Dänemark, +45-33-93 09 88,

Ein junger Inuit wird zum Schamanen, um in einer rauen und unversöhnlichen Umwelt zu überleben.

A young Inuit becomes a shaman in order to survive in a harsh, unforgiving environment.

marie@tegnefilm.com

35 mm, Farbe, 6:30 min. Regie: Matthew Talbot-Kelly Animation: Andy Clarke, Ronan Coyle, Erik Ellefesen, Jim Fleming, Matthew Talbot-Kelly / Buch: Neil Leyden Kamera: Nico Vermeulen,

Blind Man’s Eye Blind Man’s Eye

Matthew Talbot-Kelly, Cormac Duffy Musik: Oliver Schroer / Schnitt: Matthew Talbot-Kelly, Glimpse Digital

Irland 2007

Technik: Mischtechnik / Sprache: ohne

The film presents a deceptively simple story of a blind old man sitting by a river, on a favourite bench, under his favourite tree. The sun is shining. Evocative sounds play around him. He drifts into a reverie … On the surface of things, nothing really happens in “Blind Man’s Eye” – it’s a journey into an old man’s memories and aspirations.

Produktion: Michael Algar, Matthew Talbot-Kelly, Glimpse Digital Vertrieb, Kontakt: Matthew Talbot-Kelly, Glimpse Digital Ltd., Duncairn Mews, Victoria Road, Co Wicklow Greystones, Irland, +353-1-1 54 18 13, mtk537@mac.com www.glimpsedigital.com

35 mm, Farbe, 5:50 min. Regie, Buch: Bill Plympton Animation, Schnitt: Biljana Labovic Kamera: Kerri Allegretta Musik: Corey Jackson / Technik: Zeichenanimation / Sprache: ohne

Hot Dog Hot Dog

Produktion: Biljana Labovic, Plymptoons Vertrieb: Sydney Neter, SND Films Kontakt: Bill Plympton, Plymptoons,

USA 2008

153 West 27th St. #1005,

Dies ist der dritte Teil der Dog-Serie. In dieser Episode wird unser tapferer Held Feuerwehrmann, um die Welt vor Hausbränden zu retten und die Zuneigung zu bekommen, die er so reichlich verdient. Natürlich läuft nichts nach Plan.

This is the third in the Dog series. In this episode our plucky hero joins the fire company to save the world from house fires and gain the affection he so richly deserves. Typically, the results never turn out the way he planned.

10001 New York, USA, +1-212-7 41 03 22, plymptoons@aol.com

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Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Der Film zeigt eine täuschend einfache Geschichte von einem blinden alten Mann, der auf seiner Lieblingsbank unter seinem Lieblingsbaum am Fluss sitzt. Die Sonne scheint. Um ihn herum erklingen Geräusche, die Erinnerungen wecken. Er gleitet in einen Traum … Oberflächlich gesehen passiert in „Blind Man’s Eye“ nicht viel – es ist eine Reise in die Erinnerungen und Hoffnungen eines alten Mannes.


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 02 International Competition Animated Film 02

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 02 Beta SP (PAL), Farbe, 4:20 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Itai Froumin / Musik: Itai Froumin, Jonathan Albalak Technik: Öl auf Glas / Sprache: ohne Produktion: Itai Froumin, Animation unit, Bezalel Academy of Art & Design Vertrieb: Paz Drimer, Animation unit, Bezalel Academy of Art & Design

Meorot Illuminations

Kontakt: Itai Froumin, Animation unit, Bezalel Academy of Art & Design, Mount Scopus campus,

Israel 2007

P.O. Box 24046, 91240 Jerusalem,

Die Choreographie nach einer eigens geschriebenen Musik stellt einen Dialog zwischen dem Bildlichen und dem Abstrakten dar. Sie versucht, eine gemeinsame Bedeutung und Übereinstimmung zwischen ihnen zu finden, während sie gleichzeitig ihre Gegensätzlichkeit betont.

A choreography based on an original musical score illustrating a dialogue between the figurative and the abstract, attempting to find a common meaning and an affinity between them, while also emphasising their polarity.

Israel, +972-2-5 89 33 40, festivals-liaison@bezalel.ac.il

35 mm, Farbe, 5:08 min. Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Koji Yamamura / Musik: Sergei Prokofiev / Technik: Zeichenanimation Sprache: ohne / Produktion: Koji Yamamura, Yamamura Animation, Inc. Vertrieb: Takeya Ito, Shochiku Co., Ltd. Kontakt: Koji Yamamura, Yamamura Animation, Inc.,

Kodomo no Keijijogaku A Child’s Metaphysics

4-14-4-205 Kasuya, Setagaya-ku, 157-0063 Tokyo, Japan, +81-3-33 09 71 01,

Japan 2007

info@yamamura-animation.jp

Ein Kind, dessen Kopf aus Zahlen besteht, ein Kind, das sein eigenes Gesicht aufwickelt und unter dem Arm trägt. Ein Kind mit Fischaugen, ein Kind, das nichts sagen kann, weil ein Reißverschluss ihm den Mund verschließt. Kindliche Ökologie und Philosophie, dargestellt voller Traurigkeit und Humor.

198

A child whose head is made of numbers, a child who winds up his own face and carries it under his arm. A child with fish eyes, a child who cannot say anything because of a zipper across his mouth. The ecology and philosophy of children, presented with sadness and humour.


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 02 International Competition Animated Film 02

Beta SP (PAL), Farbe, 9:23 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Taku Kimura / Animation: Koichi Yamagishi / Musik: Karin Nakano Technik: 3D-Computeranimation Sprache: ohne / Produktion, Vertrieb: Takashi Fukumoto, Links DigiWorks Inc. Kontakt: Takashi Fukumoto, Links DigiWorks Inc.,

Kudan Kudan

2-14-1 Higashi-Gotanda, Shinagawa-ku, 141-0022 Tokyo, Japan, +81-3-54 20 61 38,

Japan 2008

kudan@linksdw.imagica.co.jp

Das ist die Geschichte eines Mannes, der zufällig in einen Kudan verwandelt wird. Eines Tages bekommt der Mann, der nicht mit seinem Sohn spricht, per Post eine Schachtel mit einem seltsamen Helm. Wenn er diesen trägt, verwandelt er sich in einen Kudan. Der Helm ist ein Tor zu einer anderen Welt, in der die Geister der Menschen, auch der seines Sohnes, die Gestalt von gigantischen baumartigen Wesen haben.

This story is about a man who is accidentally transformed into a Kudan. One day the man, who doesn’t communicate with his son, receives a box by mail and finds a strange helmet in it. He is transformed into a Kudan when he wears it. Although his body stays in this world, his head is in another world, growing out of a cow’s body. The helmet is a door to this other world where spirits of human beings, including the spirit of his son, form giant creatures like big trees.

www.linksdw.com/kudan

Beta SP (PAL), Farbe, 2 min. Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Aleksei Aleksejew / Technik: 2DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: András Erkel, Studio Baestarts Ltd. Kontakt: Dominika Szarka, Studio Baestarts Ltd., Színház u. 5–9., 1014 Budapest, Ungarn,

KJFG No. 5 KJFG No. 5

dominika.szarka@studiobaestarts.com

Ungarn 2007

Drei „professionelle“ Musiker, der Bär, der Hase und der Wolf, spielen im Wald, doch plötzlich taucht der Jäger auf.

Three “professional” musicians, the bear, the rabbit and the wolf, are practising their art in the forest but suddenly the hunter turns up.

199


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 02 International Competition Animated Film 02

Beta SP (PAL), Farbe und s/w, 20:45 min. / Regie, Buch, Kamera, Animation: Mariusz Wilczynski Musik: Franek Kozlowski Schnitt: Krzysztof Szczesniak Technik: Zeichenanimation Sprache: ohne / Produktion: Krzysztof

Kizi Mizi Kizi Mizi

Koehler, TVP Kultura / Vertrieb: Joanna Skierska, TVP SA / Kontakt: Aleksandra Biernacka, TVP SA,

Polen 2007

17, J.P. Woronicza str, 00-999 Warsaw,

Selbst wenn wir das Glück haben, zu lieben und geliebt zu werden, fühlen wir uns im Innersten immer ein bisschen einsam. In „Kizi Mizi“ geht es darum, dass wir für unsere Unfähigkeit, mit dieser Einsamkeit fertig zu werden, teuer bezahlen, und um die Notwendigkeit, mit der Liebe sehr behutsam umzugehen, denn die Rückkehr zu unseren Liebsten könnte sich als unmöglich erweisen. Ein zerbrochener Diamant kann nicht wieder zusammengeklebt werden …

Even if we are lucky to love and be loved, deep inside we always feel a bit lonely. “Kizi Mizi” is about how we have to pay through the nose for being unable to handle that loneliness and the need to take very good care of love, since a return to the nearest and dearest may turn out to be impossible. A broken diamond cannot be glued together ...

Polen, +48-22-5 47 67 74, festivals@tvp.pl

Beta SP (PAL), Farbe, 2:45 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation, Produktion, Vertrieb:

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Steven Woloshen / Musik: TI-Blanc Richard / Technik: Gekratzt auf Film Sprache: ohne / Kontakt: Steven Woloshen, 5787 Rue Cartier,

Optical Itzak Optical Itzak

H2G 2V1 Montreal, Kanada, +1-514-2 70 35 63, swoloshen@hotmail.com

Kanada 2008

Mein Sohn schaut sich die Dinge gerne an. Hier ist meine Vorstellung davon, was er sieht.

My son loves to look at things. This is the sort of thing I think he’s seeing.

Beta SP (PAL), s/w, 7 min. Regie, Buch, Schnitt, Animation: Thierry Onillon, Matthieu Buchalski, Jean-Michel Drechsler / Kamera: Nicolas Legal / Musik: Olivier Slabiak Technik: 3D-Computer-Animation, Live-Action / Sprache: französisch

Camera Obscura Camera Obscura

Produktion: Marie Anne Fontenier, Supinfocom / Vertrieb: Annabel Sebag, Premium Films / Kontakt:

Frankreich 2007

Thierry Onillon, 42 Rue de Chabrol,

Der Blinde war da. Wir setzten ihm einen Helm auf, um das, was er nicht sehen konnte, besser in Augenschein nehmen zu können.

200

The blind man was there. We put a helmet on his head to get a better look at what he couldn’t see.

75010 Paris, Frankreich, +33-6-15 78 88 79, onillon.thierry@gmail.com


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 02 International Competition Animated Film 02

Beta SP (PAL), Farbe, 16:02 min. Regie: Dmitri Geller / Animation: Anna Karpowa, Dmitri Geller / Buch: Oleg Bogajew, Dmitri Geller / Kamera: Anna Karpowa / Musik: John Zorn / Schnitt: Dmitri Geller, Ljudmila Putjatina Technik: Cut-Out-Animation,

Maltschik Boy

Zeichen­animation / Sprache: ohne Produktion, Vertrieb: Valentina Khignjakova, Studio A-Film

Russische Föderation 2008

Kontakt: Dmitri Geller, Studio A-Film,

Das Leben des alten Pferdes geht zu Ende. Aber das Schicksal gewährt ihm vor seinem Tod noch eine letzte wundervolle Vision. Eine Vision, die ihm eine Welt ewigen Lebens und endloser Liebe eröffnet.

The life of the old horse is ending. But fate presents him with a last fantastic vision before death. This vision opens a world of endless life and love to him.

50’zh’Lienina str., 620075 Jekaterinburg, Russische Föderation, +7-3433-50 16 38, a-film@sky.ru

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 1:50 min. Regie, Buch, Schnitt, Animation: Matthew Walker / Technik: 2DComputeranimation / Sprache: englisch Produktion: Matthew Walker, Skillset Screen Academy Wales / Kontakt: Candi Smith, Arthur Cox,

Operator Operator

16 Whitehouse St., BS3 4AY Bristol, Vereinigtes Königreich,

Ein gelangweilter Mann greift an einem regnerischen Sonntagnachmittag zum Telefon. Er ist sehr überrascht, als Er abnimmt. Wenn ihm nur eine gute Frage an Ihn einfiele.

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

info@worldofarthurcox.co.uk

Vereinigtes Königreich 2007

Bored on a rainy Sunday afternoon a man makes a phone call. He is very surprised when He answers – if only he had a decent question to ask Him.

35 mm, Farbe, 7:30 min. / Regie, Kamera, Animation: Izabela Plucinska Buch: Izabela Plucinska, Justyna Celeda Musik: Marcin Oles / Schnitt: Daniela Kinateder / Technik: Knetanimation Sprache: ohne / Produktion, Vertrieb: Jamila Wenske, Claytraces / Kontakt:

7 More Minutes 7 More Minutes

Izabela Plucinska, Claytraces, Gabriel-Max-Str. 13, 10245 Berlin, Deutschland, +49-30-26 94 89 55,

Deutschland 2008

izaplucinska@yahoo.de

Ein Zugunglück! Vier Passagiere erwachen am Strand wieder. Es ist sonnig, warm, der Himmel ist blau und die Möwen kreischen. Warum nicht schwimmen gehen? … oder treiben sie vom Hier und Jetzt ins Jenseits?

A train accident! Four of the passengers awake on a beach. It’s sunny, warm, the sky is blue and the seagulls are screaming. Why not take a bath in the sea? ... or do they drift from the here and now to the hereafter?

201


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 03 International Competition Animated Film 03

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 03 35 mm, Farbe, 8:36 min. / Regie: Carolyn London, Andy London / Animation, Buch: Andy London / Kamera: Sonya Rokes / Musik: Douglas Mullins / Schnitt: Carolyn London / Technik: Rotoskopie / Sprache: englisch / Produktion: Carolyn London, London Squared Productions / Kontakt: Carolyn

A Letter to Colleen A Letter to Colleen

London, London Squared Productions, 327 St Nicholas Ave apt 3J, 10027 New York, USA, +1-212-66 53 34,

USA 2007

andyandcarolyn@mac.com

Seit Jahren quält Andy die Erinnerung an das, was an seinem 18. Geburtstag geschehen ist. In einem Brief an Colleen versucht er, mit den Dämonen seiner Teenagerjahre abzuschließen. Diese animierte Eruption des Bedauerns und der Wiedergutmachung spart nicht an Angst und linkischem Humor.

Andy has been haunted by the events of his 18th birthday for years. In a letter to Colleen, he tries to put his teenage demons to rest. Angst and awkward comedy flow freely in this animated outpouring of regret and amends.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 9:20 min. Regie, Buch: Benjamin Sanders Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Animation: Benjamin Sanders, Taborita Ildiko / Kamera: Kate Reid / Musik: Natalie Holt / Schnitt: James Moss Technik: Zeichenanimation, 2DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: Ania Nakov / Vertrieb:

Our Footsteps in the Leaves Our Footsteps in the Leaves

Hemant Sharda, National Film & Television School / Kontakt: Hemant Sharda, National Film &

Vereinigtes Königreich 2007

Television School, Station Road,

Wir brachen zu diesem langsamen, stillen Gang auf und der Wind trug uns ein paar Blätter von dem Beet nach

202

We struck out on that slow silent walk And the wind carried with us A few leaves from the bed

HP9 1LG Beaconsfield, Vereinigtes Königreich, +44-1494-73 14 52, hsharda@nfts.co.uk


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 03 International Competition Animated Film 03

Beta SP (PAL), Farbe, 16 min. Regie, Buch: Darina Schmidt Animation: Darina Schmidt, Marina Saripowa, Gleb Djomin, Wiktorija Gnedysch, Tatjana Gorbuschina, Anton Rudin / Musik: Maksim Koschewarow Technik: Cut-Out-Animation / Sprache:

Malenkaja Wassilissa Vasilisa

russisch / Produktion: Aleksandr Bojarski, Melnitsa Animation Studio Kontakt: Elisaweta Wladimirowa,

Russische Föderation 2007

Melnitsa Animation Studio,

Ein kollektives Märchen über das Mädchen Wassilissa. Sie ist zu klein, um mit den Schwierigkeiten des Lebens allein fertig zu werden. Glücklicherweise trifft sie auf ihrem Weg immer Menschen, die ihr helfen können. Eine aus Stoffresten genähte Animation.

A collective fairy tale about the girl Vasilisa. She is too small to cope with the difficulties of life all alone. Fortunately, on her way she always meets the people who can help her overcome them. Artistically, the film is based on the technique of scrappy sewing.

Melnitscgnaja ul., 4, 192019 St. Petersburg, Russische Föderation, +7-812-5 67 15 52, Elizaveta_Vladimirova@melnitsa.com

Beta SP (PAL), s/w, 4:30 min. Regie, Buch, Animation: Izibene Oñederra / Kamera, Schnitt: Eduardo Elosegi / Musik: Xabier Erkizia Technik: Zeichenanimation / Sprache: ohne / Produktion: Pello Gutiérrez, T(arte)an / Vertrieb: Txema Muñoz, Kimuak – Filmoteca Vasca / Kontakt: Txema Muñoz, Kimuak – Filmoteca

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Hezurbeltzak, una fosa común Hezurbeltzak, a Common Grave

Vasca, Avda. Sancho el sabio 17,

Spanien 2007

trasera, 20010 San Sebastián,

„Hezurbeltzak“, was so viel bedeutet wie „Schwarze Knochen“, ist ein baskisches Wort, das in keinem Wörterbuch steht. Es bezeichnet Personengruppen am Rande der Gesellschaft, Ausgeschlossene. Sobald sie ausgeschlossen werden, verschwinden sie.

The Basque word hezurbeltzak does not appear in dictionaries. It is a non-existing word used to describe socially invisible groups. Its literal translation would be “black bones”.

Spanien, +34-943-11 55 11, kimuak@filmotecavasca.com

Beta SP (PAL), Farbe, 11 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Gerlando Infuso Musik: Carole Meyer / Technik: Puppenanimation, Stop-MotionAnimation / Sprache: französisch Produktion: École Nationale Supérieure

Margot Margot

des Arts Visuels La Cambre (ENSAV) Kontakt: Gerlando Infuso, Avenue des pagodes 11/2, 1020 Brussel, Belgien,

Belgien 2008

gerl.ando@hotmail.com

Nach dem Tod ihres Geliebten, den sie mehr liebte als alles andere, wird Margot langsam verrückt. Ihr ist kalt …

Margot starts to go insane after the death of her lover, who she loved more than anything. She is cold ...

203


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 03 International Competition Animated Film 03

Beta SP (PAL), Farbe, 2:27 min. Regie: Julien Bocabeille, FrançoisXavier Chanioux, Olivier Delabarre, Thierry Marchand, Emud Mokhberi, Quentin Marmier / Animation, Buch, Schnitt: Julien Bocabeille, François-

Oktapodi Oktapodi

Xavier Chanioux, Olivier Delabarre, Thierry Marchand, Emud Mokhberi, Quentin Marmier / Technik: 3D-

Frankreich 2007

Computeranimation / Sprache: ohne

Zwei Oktopusse helfen einander auf ihrer Slapstick-Flucht vor den Fängen eines hartnäckigen Restaurantkochs. Doch nicht einmal nachdem sie unüberwindliche Hindernisse besiegt haben, um wieder zusammen zu sein, ist ihr Kampf ums Zusammenbleiben vorbei.

Two octopuses help each other in their slapstick escape from the grasps of a stubborn restaurant cook. However, even after overcoming insurmountable odds to reunite, their fight to stay together is not over.

Produktion: Marie-France Zumofen, Gobelins l’école de l’image Kontakt: Sylvain Chivot, Talantis Films, 36, Rue Milton, 75009 Paris, Frankreich, +33-1-45 26 13 02, digital@talantisfilms.com

35 mm, Farbe, 43:44 min. Regie, Buch, Schnitt: Priit Pärn, Olga Pärn / Animation, Produktion, Vertrieb: Eesti Joonisfilm Musik: Erki-Sven Tüür Technik: Zeichenanimation

Elu ilma Gabriella Ferrita Life Without Gabriella Ferri

Sprache: ohne / Kontakt: Kalev Tamm, Eesti Joonisfilm, Roo T. 9, 10611 Tallinn, Estland, +372-6-77 63 60,

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Estland 2008

info@joonisfilm.ee

Eine dramatische Geschichte von Liebe, verschlossenen Türen, einem gesichtslosen Dieb, einem verletzten Storch, einem verlorenen Laptop und virtuellen Prostituierten … Es gibt keine Gabrielle Ferri, aber es gibt fast ein Happy End.

A dramatic story about love, locked doors, a faceless thief, a wounded stork, a lost laptop and virtual prostitutes ... There is no Gabriella Ferri, but there is almost a happy end.

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 04 Beta SP (PAL), Farbe, 4:09 min. Regie, Buch, Kamera: Benjamin Renner Schnitt: Emmanuelle Pencalet Technik: 2D-Computeranimation, Cut-Out-Animation / Sprache: französisch Produktion: Annick Teninge,

La queue de la souris A Mouse’s Tale

La Poudrière / Kontakt: Annick Teninge, La Poudrière, 12, rue Jean Bertin, 26000 Valence, Frankreich,

Frankreich 2007

+33-4-75 82 08 08,

In einem Wald fängt ein Löwe eine Maus und droht, sie aufzufressen. Aber die Maus schlägt einen Handel vor.

204

In a forest, a lion captures a mouse and threatens to eat it up. But the mouse suggests a deal.

contact@poudriere.eu


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 04 International Competition Animated Film 04

35 mm, Farbe und s/w, 24:10 min. Regie, Buch: Dennis Tupicoff Animation, Musik: Various Kamera, Schnitt: Zbigniew Friedrich Technik: Rotoskopie / Sprache: englisch Produktion, Vertrieb: Fiona Cochrane,

Chainsaw Chainsaw

Jungle Pictures / Kontakt: Fiona Cochrane, Jungle Pictures, 112 Wellington St., St Kilda,

Australien 2007

3182 Melbourne, Australien,

Man sollte nicht mit den Gefühlen eines Ehemanns spielen. Oder mit Kettensägen, wenn wir schon dabei sind. Männer, Frauen, Kettensägen, Stierkämpfer und Cowboys wirbeln in diesem atemberaubend animierten Spektakel von Liebe und Rache umeinander.

You shouldn’t toy with a husband’s emotions. Or chainsaws, for that matter. Men, women, chainsaws, bullfighters, and cowboys all swirl together in this stunningly animated spectacle of love and revenge.

+61-3-95 10 18 80, info@junglepictures.com.au

35 mm, Farbe, 6 min. Regie: Georges Schwizgebel Technik: Gemalt auf Papier Sprache: ohne / Produktion: Georges Schwizgebel, Studio GDS Koproduktion: Marc Bertrand, NFB

Retouches Retouch

Vertrieb: Johanne St-Arnauld, National Film Board of Canada National Film Board of Canada,

Animations-Filmemacher Georges Schwizgebel hypnotisiert mit visueller Akrobatik. Zwischen dem Wellenschlag an der Küste und dem Atmen eines Schläfers verändert er das Gleichgewicht der Formen in dieser Welt und spielt mit der Wahrnehmung, um die flüchtige Bewegung unserer Leben festzuhalten. „Retouches“ ist eine Serie flüchtiger Visionen immerwährender Bewegung.

Animation filmmaker Georges Schwizgebel mesmerizes with visual acrobatics. Between waves on a shore and a sleeper breathing, he alters the balance of shapes in the world and plays with perception to grasp the fleeting movement of our lives. “Retouches” is a series of passing visions of perpetual motion.

3155 Côte-de-Liesse RD, H4N 2N4 St-Laurent, Quebec, Kanada, festivals@nfb.ca

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 5:30 min. Regie, Animation: Kristian Andrews Technik: Zeichenanimation, 2D-Com­ puteranimation / Sprache: englisch Produktion: Royal College of Art, Animation Department / Kontakt:

Rabbit Punch Rabbit Punch

Jane Colling, Royal College of Art, Animation Department, Kensington Gore, SW7 2EU London, Vereinigtes

Vereinigtes Königreich 2008

Königreich, +44-207-5 90 45 12,

Wo wir wohnen, passiert nie etwas, also führen wir Sondereinsätze durch.

Nothing happens where we live so we do special ops.

jane.colling@rca.ac.uk

205

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Kontakt: Madeleine Bélisle,

Schweiz, Kanada 2008


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 04 International Competition Animated Film 04

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 8 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Egmont Mayer / Animation: Egmont Mayer, Michael Schulz, Wolfram Kampffmeyer, Sonja Kumbarji / Musik: Chris Bremus Technik: 3D-Computeranimation Sprache: ohne / Produktion: Flora Grolitsch, Filmakademie Baden-

Red Rabbit Red Rabbit

Württemberg / Vertrieb: Sabine Hirtes, Filmakademie Baden-Württemberg Kontakt: Sabine Hirtes,

Deutschland 2007

Filmakademie Baden-Württemberg,

Ein Mann lebt allein in seiner kleinen Wohnung. Sein Kontakt nach Außen hat sich stark reduziert, seitdem der Hase aufgetaucht ist. Jeder Versuch, den Hasen aus seinem Wohnzimmer zu bekommen, ist gescheitert, und da er sich nicht sicher ist, ob das Halten von Haustieren überhaupt gestattet ist, vermeidet er es, Fremde in seine Wohnung zu lassen.

The man lives alone in a small apartment. The little contact he had with other people has dropped to zero since the rabbit appeared. Every attempt to get the rabbit out of his apartment has failed and since he is not sure whether or not pets are allowed in the building, he does not let anybody enter his apartment.

Mathildenstraße 20, 71638 Ludwigsburg, Deutschland, +49-7141-96 98 06, animationsinstitut@filmakademie.de

35 mm, Farbe, 11:30 min. Regie, Buch: Yann J / Schnitt: Guillaume Hassan / Technik: 3D-Computer­animation / Sprache:

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

ohne / Produktion: Geoffroy De Créçy, Dummy Production / Vertrieb: Christine Gicquel, Autour de minuit Kontakt: Christine Gicquel,

Berni’s Doll Berni’s Doll

Autour de minuit, 21 rue Henri monnier, 75009 Paris, Frankreich, Festivals@autourdeminuit.com

Frankreich 2008

Der einfache Fabrikarbeiter Berni will seine Einsamkeit überwinden, indem er eine Frau kauft, die aus Ersatzteilen aus den Entwicklungsländern gefertigt wurde.

206

Lowly factory employee Berni attempts to overcome his loneliness by buying a woman made up of spare parts from developing countries.


Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 04 International Competition Animated Film 04

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 6:45 min. Regie, Schnitt: Run Wrake Animation: Run Wrake, Martin Morris Musik: Daniel Morgan / Technik: 2DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: Run Wrake, Sclah Films Koproduktion: Sheldon Popiel, Veer Inc. Vertrieb: Tracy Gauson, Veer Inc.

The Control Master The Control Master

Kontakt: Run Wrake, Sclah Films, Hornbrook Cottage, TN26 3TJ Woodchurch,

Vereinigtes Königreich 2008

Vereinigtes Königreich,

Halftone City, USA. Eine friedliche Metropole der Familienwerte und Weltraumträume. Die wohlerzogene blonde Dorothy Gayne beschützt heimlich ihre Bürger. Aber überall gibt es gefährliche neue Technologien. Was passiert, wenn ein machtvolles neues Gerät in die Hände des bösen Wissenschaftlers Dr. Moire fällt? Wer wird Halftone City vor diesem überdimensionalen Scheusal retten?

Halftone City, USA. A peaceful metropolis of family values and space-age dreams. Mild-mannered blonde Dorothy Gayne secretly protects its citizens from harm. But dangerous new technologies abound. What happens when a powerful device falls into the hands of scientist-turned-villain Doctor Moire? Who will rescue Halftone City from this oversized creep?

+44-1233-86 08 42, info@runwrake.com

35 mm, Farbe, 13:35 min. Regie, Schnitt: Jérémy Clapin Animation: Jérémy Clapin, Peggy Portal, Stéphane Piera / Musik: Nicolas Martin Technik: 3D-, 2D-Computeranimation Sprache: französisch / Produktion, Vertrieb: Wendy Griffiths, Dark Prince

Skhizein Skhizein

Kontakt: Wendy Griffiths, Dark Prince, 5 Passage Piver, 75011 Paris, Frankreich, +33-6-13 04 62 80,

Frankreich 2008

darkprince@darkprince.fr

Nachdem ihn ein 150 Tonnen schwerer Meteorit getroffen hat, muss sich Henry daran gewöhnen, genau 91 Zentimeter neben sich zu leben … Wenn er eine Tür öffnen, auf einem Stuhl sitzen oder das Telefon abnehmen will, muss er es von jetzt an eben aus einer Entfernung von 91 Zentimetern tun.

Having been struck by a 150-ton meteorite, Henry has to adapt to living precisely 91 centimetres from himself ... If he wants to open a door, sit on a chair, or pick up the phone, from now on he just has to do so from 91 centimetres away.

www.skhizein.fr

207

Internationaler Wettbewerb Animationsfilm

Stéphane Piera / Buch: Jérémy Clapin,


die linke auf den punkt gebracht.

im abo. im internet. am kiosk. P ro b e a b o Ja, ich will die Tageszeitung junge Welt drei Wochen unverbindlich testen. Das Testabo endet automatisch.

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O Ich habe das Probeabo empfohlen: __________________________________ Name/Vorname __________________________________ PLZ/Ort __________________________________ Telefon __________________________________ E-Mail __________________________________ Datum/Unterschrift Bitte beachten Sie beim Testabo, daß eine optimale Bearbeitung nur möglich ist, wenn Ihre Telefonnummer (und gegebenenfalls auch Ihre E-Mail-Adresse) angegeben ist. Wir garantieren, daß die Daten ausschließlich zur Kundenbetreuung genutzt werden. Belieferung beginnt ab Montag, den: ____________

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Internationales Programm Animationsfilm

Internationales Programm Animationsfilm

International Programme Animated Film


Internationales Panorama Animationsfilm 1 International Panorama Animated Film 1

Internationales Panorama Animationsfilm 1 Beta SP (PAL), Farbe, 15:40 min. Regie, Buch, Animation, Koproduktion: Ivana Sebestova / Kamera: Leevi Lehtinen / Musik: Marek Piacek Schnitt: Matej Benes / Technik: CutOut-Animation / Sprache: slowakisch Produktion: Ivana Zajacova, feel me

Styri Four

film / Kontakt: Ivana Zajacova, feel me film, Vihorlatska 12, 83104 Bratislava, Slowakei, +421-90-5 74 56 67,

Slowakei 2007

vava@feelmefilm.com

Eine Geschichte von Liebe, Tod und Schicksal, durch die Augen von vier Frauen gesehen.

A story about love, death and destiny, seen through the eyes of four women.

www.styri.sk

Beta DIGITAL (PAL), Farbe und s/w, 6:20 min. / Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Johan Pollefoort Technik: Mischtechnik / Sprache: ohne Produktion: Gilot Vincent, Atelier de production de la Cambre ASBL Kontakt: Johan Pollefoort,

Le voyageur s’exclame alors The Traveller

34, Rue Pasteur, 59223 Roncq, Frankreich, +33-6-59 30 27 34, johan.pollefoort@gmail.com

Internationales Programm Animationsfilm

Belgien 2007

Bitter ist das Wissen, das wir aus Reisen gewinnen! Heute, morgen, gestern, die Welt zeigt, was wir sehen, monoton und armselig, während unser Abbild ruft, eine Oase des Horrors in einer Wüste des Überdrusses!

Bitter the knowledge we get from travelling! Today, tomorrow, yesterday, the world shows what we see, monotonous and mean, our image beckoning, an oasis of horror, in a desert of ennui!

Beta SP (PAL), Farbe, 6 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Agata Gorzadek / Musik: Jan Parczewski / Technik: Zeichenanimation Sprache: ohne / Produktion: Andrzej Bednarek, Polish National Film, Television and Theatre School Lodz

Epizod Episode

Kontakt: Agata Gorzadek, Siewierska 11/11, 02-360 Warschau, Polen, +48-50-1 09 20 39,

Polen 2007

gorzadek@wp.pl

Dieser Film erzählt die Geschichte eines Schizophrenen, seiner Besessenheit, Therapie und schließlich des Rückfalls in die Krankheit.

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This film tells the story of a person suffering from schizophrenia, about his possession, treatment and, eventually, the recurrence of the illness.


Beta SP (PAL), Farbe, 6:45 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Rémy Schaepman Technik: Digitale Cut-Out-Animation Sprache: ohne / Produktion: Georges Nawrocki, Institut Sainte Geneviève Kontakt: Rémy Schaepman, 23 Rue

Quidam dégomme A Sheep on the Roof

Beaunier, 75014 Paris, Frankreich, rsquidamdegomme@gmail.com

Frankreich 2007

Ein Mann sieht sich mit einer Veränderung seines täglichen Lebens konfrontiert, nachdem ein Schaf auf dem Dach des Hauses gegenüber landet.

A man is confronted with a change in his day-to-day existence after a sheep lands on the roof of the house opposite.

Beta SP (PAL), Farbe, 5:33 min. Regie, Buch: Olga Tschernowa Animation: Jelena Bucharina Musik: Sunny Swan / Schnitt: Aleksei Karajew / Technik: Zeichenanimation, 2D-Computeranimation / Sprache: russisch / Produktion, Vertrieb, Kontakt:

Myschonok i Lis The Little Mouse and the Fox

Dmitri Worobjow, The 29-th February Company, Lunatscharskowo, 620026 Jekaterinburg,

Russische Föderation 2007

Russische Föderation,

This film is about the everyday feats of a little creature and its unbendable will to live.

+7-343-2 57 51 52, dvoro@mail.ru, 29f@matl.ru

Beta SP (PAL), Farbe, 9:30 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Asya Lukin / Musik: Thomas Gregory / Technik: Knetanimation Sprache: englisch / Produktion: Jane Colling, Royal College of Art Vertrieb: Asya Lukin, Royal College

Pecatum Parvum Pecatum Parvum

of Art / Kontakt: Asya Lukin, Royal College of Art, 22a/9 Bruria Str., 93184 Jerusalem, Israel,

Vereinigtes Königreich 2007

+972-2-56 09 13,

Ein Tag – ein Leben in Sankt Petersburg. Basierend auf den absurden Schriften und der Biografie des russischen Dichters Daniil Charms (1905–1942). Ein animierter Versuch, den dokumentarischen Stil mit dem des konstruktivistischen Theaters zu verbinden und damit Charms’ Lebensauffassung zu illustrieren.

One day – one life in St Petersburg. Based on the writings and biography of Russian absurdist poet Daniil Kharms (1905–1942), this film is an animated attempt to combine the styles of documentary cinema and constructivist theatre in order to illustrate Kharms’s vision of life.

asya.lukin@gmail.com

211

Internationales Programm Animationsfilm

In diesem Film geht es um die alltäglichen Leistungen eines kleinen Wesens und um seinen unbändigen Willen zu leben.


Internationales Panorama Animationsfilm 1 International Panorama Animated Film 1

Beta SP (PAL), Farbe, 2:22 min. Regie, Animation: Santiago Caicedo de Roux / Musik: Adriana García Galán Technik: 2D-, 3D-Computeranimation Produktion: École nationale supérieure des arts décoratifs / Vertrieb:

Moving Still Moving Still

Christine Gicquel, Autour de Minuit Kontakt: Christine Gicquel, Autour de Minuit, 21, Rue Henry Monier,

Frankreich 2007

75009 Paris, Frankreich,

Die Routine der täglichen Zugfahrt, mit dem gleichen Abfahrtsort, dem gleichen Ankunftsort, der gleichen Strecke ohne Überraschungen ... Die Monotonie eines zu oft gefahrenen Wegs, diese nie endenden Hin- und Rückfahrten. Der Kopf gegen die Scheibe gelehnt, Bilder gleiten draußen vorüber. Welchen Rhythmus wählen wir, welchen geben wir vor? Nachdenken darüber, ob wir unser Leben ändern würden, wenn wir könnten. Und die Frage ob wir uns überhaupt noch wünschen, das Gleis zu wechseln.

The routine of the daily train, with the same point of departure, same point of arrival, same route without surprise ... the monotony of a road too often taken, those incessant round trips. The head against the window, images that pass by outside. Which rhythm do we choose, or beat to follow? Wondering, if we could change our lives, would we? And wondering, whether we still even wish to change tracks.

+33-1-42 81 17 28, christine@autourdeminuit.com

Beta SP (PAL), Farbe, 13 min. Regie: Oksana Cholodowa / Animation: Natalija Bogomolowa / Buch: Natalja Rjabinina / Musik: Timur Abrassuilow Technik: Zeichenanimation / Sprache: russisch / Produktion: Aleksandr

Rumpelschtilzchen Rumpelstilskin

Gerassimow, Fund Social Cultural Programmes „Gubernija“ / Kontakt: Oksana Cholodowa, Fund Social

Internationales Programm Animationsfilm

Russische Föderation 2008

Cultural Programmes „Gubernija“,

Eine Geschichte über die Müllerstochter und Rumpelstilzchen.

A tale about the miller’s daughter and Rumpelstiltskin.

ul. Druschinnikowskaja, 15, 123243 Moskau, Russische Föderation, +7-495-2 55 96 84, natalie_v9@mail.ru

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 7 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Jacquet Nicolas / Technik: Cut-OutAnimation / Sprache: ohne Produktion: Jacquet Nicolas, Joseph Kontakt: Jacquet Nicolas, Joseph,

Le vol du poisson The Falling Star

6 Rue des Beliers, 53000 Laval, Frankreich, nic.jac@free.fr

Frankreich 2007

Nachts versucht ein Fisch, gefangen im Teich, die am Himmel schimmernden Sterne zu verschlucken.

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At night, a fish, prisoner in a pond, tries to swallow the stars, shining in the sky.


Internationales Panorama Animationsfilm 2 International Panorama Animated Film 2

Internationales Panorama Animationsfilm 2 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 7:55 min. Regie: Gergely Cziraki / Animation: Gergely Cziraki, Laszlo Sebo, Gyorgy Fabos, Djuric Hozelito / Buch: Edit Blaumann, Andras Gerevich / Kamera: Keidrych Wasley / Musik: Miguel

Immeasurable Immeasurable

D’Oliveira / Schnitt: Daniel Greenway Technik: Mischtechnik / Sprache: englisch / Produktion, Vertrieb: Natio-

Vereinigtes Königreich 2007

nal Film and TV School / Koproduktion:

Eine Traumsequenz über einen Menschen in einem Raum, der ganz allein nach Antworten sucht. Aber alles, was er findet, ist ein Käfer.

This is a dream sequence about a guy in a room, looking for answers all alone. But a bug is all he finds.

Inforg Studio / Kontakt: Gergely Cziraki, Julianus Barat u. 12., H1044 Budapest, Ungarn, +36-20-4 10 26 83, cezeee@gmail.com Beta SP (PAL), Farbe, 5:07 min. Regie: Mike Roush / Animation: Mike Roush, Allison Craig, David Vandervoort Kamera: Mike Roush, Steve Kellener, Richard Pose / Schnitt: Felipe Salazar

The Hidden Life of the Burrowing Owl The Hidden Life of the Burrowing Owl

Technik: Mischtechnik / Sprache: englisch / Produktion: Chris Prynoski, Shannon Prynoski / Kontakt: Mike Roush, Titmouse, Inc.,

USA 2008

6616 Lexington Ave.,

A story of love lost and survival, seen through the lens of a wildlife documentary. Meet the Burrowing Owl who has recently lost his mate to a large predator that is hunting in his neck of the woods.

CA 90038 Hollywood, USA, owl@titmouse.net

Internationales Programm Animationsfilm

Eine Geschichte über verlorene Liebe und Überleben, gesehen durch das Objektiv eines Tierdokumentarfilms. Dieser handelt von einem Kaninchenkauz, der vor kurzem seine Gefährtin an ein großes, in diesem Teil des Waldes jagendes Raubtier verloren hat.

Beta SP (PAL), Farbe, 12:04 min. Regie, Kamera, Schnitt, Animation: Kunio Kato / Buch: Kenya Hirata Technik: 2D-Computeranimation Sprache: ohne / Produktion: Masanori Kusakabe, Robot Communications Inc.

La maison en petit cubes The House of Small Cubes

Kontakt: Miho Ohshima, Robot Communications Inc., 3-9-7, Ebisu-minami, Shibuya-ku, 1500022 Tokyo, Japan,

Japan 2008

+81-3-37 60 12 47, ohshima@robot.co.jp

Das Haus ist fast wie ein Baukastenhaus. Ein Großvater, der dort lebte, hat immer ein Haus auf das andere gebaut, während das Wasser stieg. Dies ist die Geschichte seiner Erinnerungen an seine Familie.

The house looks almost like toy blocks. A grandfather who lived in this house has been constantly building houses on top, as the water level rose. This is a story about his memories of his family.

www.robot.co.jp/tsumiki/

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Internationales Panorama Animationsfilm 2 International Panorama Animated Film 2

Beta SP (PAL), Farbe, 5:06 min. Regie, Buch: Pawel „Chichus“ Suchich Animation, Kamera: Konstantin Komardin / Musik: Pjotr Tichonow Schnitt: Aleksei Melnikow / Technik: Zeichenanimation / Sprache: russisch

Tschelowek s wetrom w golowe A True Story of Fan Man

Produktion: Ljubow Gaidukowa, Animation Cinema Directing School – Studio „SHAR“ / Vertrieb: Animation Cinema

Russische Föderation 2007

Directing School – Studio „SHAR“

Leicht surreale, philosophische Geschichte über jemanden, der ein nutzloses Leben führt. Er schafft es nicht einmal im Moment des größten Triumphes, irgendetwas an seinem Schicksal zu ändern. Gleichzeitig ein Film über das Thema der Menge, die sich selbst falsche Idole schafft.

Slightly surrealistic, philosophical story about a character who lived a useless life. Even at the moment of glory, he failed to change anything about his destiny. At the same time, a film about the theme of a crowd creating fake idols for themselves.

Kontakt: Animation Cinema Directing School – Studio „SHAR“, Leningradski Prospekt 21, 125040 Moskau, Russische Föderation, +7-495-6 12 10 19, info@sharstudio.com

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 8 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Rodolfo Pastor / Musik: Emiliano Pastor / Schnitt: Cesc Muñoz / Technik: Knetanimation / Sprache: spanisch Produktion, Vertrieb: Petra Steinmeyer,

Nico & Tina Nico & Tina

Estudio Rodolfo Pastor / Kontakt: Petra Steinmeyer, Estudio Rodolfo Pastor, Marqués de Barberá 1,

Spanien 2007

Internationales Programm Animationsfilm

08001 Barcelona, Spanien,

Nico und Tina, beide eingefleischte Kettenraucher, machen sich für ihr Rendezvous fein, während uns der Tango „Smoking Waiting“ von den sinnlichen Freuden des Tabaks erzählt. Aber ihre Abhängigkeit vom Nikotin lässt ihr Stelldichein zum Alptraum werden.

Nico and Tina, both hardened chain-smokers, dress up for their rendezvous while the tango “Smoking Waiting” tells us about the sensual pleasures tobacco brings. But their dependence upon nicotine turns their date into a nightmare.

+34-93-3 18 03 14, petra.st@estudiorodolfopastor.com.es

35 mm, Farbe, 5 min. / Regie, Buch, Kamera, Musik, Animation: Ülo Pikkov Schnitt: Heilika Vosu / Technik: Gemalt auf Film / Sprache: ohne / Produktion: Kalev Tamm, Eesti Joonisfilm Kontakt: Ülo Pikkov, Eesti Joonisfilm,

Dialogos Dialogues

Roo 9, 10612 Tallinn, Estland, ylo@joonisfilm.ee

Estland 2008

„Dialogos“ ist eine experimentelle Animation, in der alle Bilder direkt auf den Film gezeichnet wurden. Ihre Grundlage ist absurder Humor. Das Thema des Films ist eine moderne Hi-TechGesellschaft mit zu vielen Zeichensystemen.

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“Dialogos” is an experimental animation film where all the visual material was drawn directly on the film stock. It is based on absurd humour. The subject of the film is a modern hi-tech society that has too many sign systems.


Mini-DV PAL, Farbe, 1:35 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Musik, Animation, Produktion: Hiroshi Matsumoto / Technik: 2D-, 3DComputeranimation / Sprache: ohne Kontakt: Hiroshi Matsumoto,

Fishing Fishing

3-11-3-807 Asagaya-minami, Suginami-ku, 166-0004 Tokyo, Japan, +81-3-33 93 36 84,

Japan 2007

bonz@pop06.odn.ne.jp

Ich lasse meine Gedanken langsam durch die Angelschnur ins Wasser gleiten. Heute angle ich wieder … Ein weiteres Beispiel für Hiroshi Matsumotos besondere Verwendung von Animation zur Darstellung von Bewusstseinsströmen.

I allow my mind to go slowly into the water through the fishing line. Today I fish again ... Another example of director Hiroshi Matsumoto’s special use of animation to depict streams of consciousness.

Beta SP (PAL), Farbe, 5:40 min. Regie, Kamera, Schnitt, Animation, Produktion: Katie Steed / Buch: Charlie Fish, Katie Steed / Musik: Verbal Vigilante Music / Technik: Zeichen­animation / Sprache: englisch

Death by Scrabble Death by Scrabble

Kontakt: Katie Steed, 5 Rothamsted Court, AL5 2BZ Harpenden, Herts, Vereinigtes Königreich,

Vereinigtes Königreich 2007

+44-1582-76 31 05,

Ein enttäuschter Ehemann drückt seine Wut durch Scrabble aus.

A disillusioned husband expresses his rage through scrabble.

info@katiesteed.co.uk

Regie, Animation: Jelena Tschernowa Buch: Aleksandr Tatarski, Eduard Nasarow / Musik: Wil Galejew Technik: Puppenanimation / Sprache: russisch / Produktion: Igor Gelaschwili,

Sajaz-Sluga Hare the Servant

Irina Kaplitschnaja, „Pilot“ Moscow Animation Studio / Koproduktion: Federal Agency for Culture and

Russische Föderation 2007

Cinematography, Moskau / Kontakt:

Eine Geschichte über den erfinderischen und hart arbeitenden Hakim.

A story about the resourceful and hardworking Hakim.

Olga Schurawljowa, „Pilot“ Moscow Animation Studio, Karamyschewskaja nab., 44, 123423 Moskau, Russische Föderation, +7-499-1 99 76 31, festival@pilot-film.com

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Internationales Programm Animationsfilm

Beta SP (PAL), Farbe, 13 min.


Internationales Panorama Animationsfilm 2 International Panorama Animated Film 2

Beta SP (PAL), Farbe, 4 min. Regie, Buch: Grigoris Leontiades Animation: Grigoris Leontiades, Matt Abbiss, Malika Whitaker / Musik: Gillian Wood / Schnitt: Tony Fish / Technik: 2DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: Dominic Buttimore Kontakt: Grigoris Leontiades,

Grrr Grrr

47b Prince Of Wales Mansion, Prince Of Wales Drive, SW11 4BH London, Vereinigtes Königreich,

Vereinigtes Königreich 2007

bokaister@gmail.com

Ein Film über die Mischung von Faszination und Neid, die ein Junge seinem Vater gegenüber empfindet, und die Schuldgefühle, die sich einstellen, als er versucht, dessen Platz einzunehmen und so zu tun, als sei er genau wie er, wenn nicht besser.

A film about a child’s mixed feelings of fascination and envy with his dad, and the subsequent guilt he feels when he tries to take his place and pretend he is just like him, if not better.

Beta SP (PAL), Farbe, 5 min. Regie: Brent Dawes / Animation: Brad Stilwell / Buch: Nic Smal / Kamera: Mark Chittenden / Musik: George Phiri Schnitt: Matthew Gair / Technik: 3D-Computeranimation / Sprache: ohne / Produktion: Phil Cunningham, Sunrise Productions / Vertrieb: Andrew

Because You’re Gorgeous Because You’re Gorgeous

Fitzpatrick, Monster Distributes Kontakt: Rita Mbanga, Sunrise Productions, 927 Nowita Place,

Südafrika 2007

Internationales Programm Animationsfilm

90291 Venice, USA, +1-310-7 40 61 19,

Warzenschwein ist stolz auf seine löwenartige Mähne. Er stolziert so lang herum, bis eine Locke aus der Fasson gerät. Das geht natürlich nicht, aber das störrische Haar will einfach nicht wieder dahin, wo es hingehört. Warzenschwein tut alles, um sein makelloses Aussehen wiederherzustellen, aber je mehr er versucht, desto schlimmer wird es.

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Warthog is proud of his lion-like head of hair. He struts around proudly until one lock of hair springs out of place. This simply will not do but the stubborn hair refuses to fall back in place. Warthog does all he can to regain his pristine looks but the more he tries the worse it gets!

rita@sunrise.co.za


Internationales Panorama Animationsfilm 3 International Panorama Animated Film 3

Internationales Panorama Animationsfilm 3 Beta SP (PAL), Farbe, 3:16 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Johanna Bessiere, Cecile Dubois Herry, Simon Rouby, Nicolas Chauvelot, Olivier Clert Yvon Jardel / Musik: Bob Barratt, Colin Frechter, Jean-Marc

Blind Spot Blind Spot

Andres / Technik: 3D-Computeranimation Sprache: ohne / Produktion: MarieFrance Zumofen, Gobelins l’école

Frankreich 2007

de l’image / Vertrieb: Sylvain Chivot,

Eine Großmutter kauft in einem Laden ein, als dieser überfallen wird, merkt aber nichts davon. Die Beweise sprechen allerdings eine andere Sprache.

During a convenience store stick up a grandmother is shopping, unaware of what’s taking place. The evidence tells a different story.

Talantis Films / Kontakt: Sylvain Chivot, Talantis Films, 36, Rue Milton, 75009 Paris, Frankreich, +33-1-45 26 13 02, digital@talantisfilms.com

Beta SP (PAL), Farbe, 7 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Olga Titowa / Animation: Natalja Surik, Tatjana Jazyna, Waleri Koslow, Andrei Sidorow, Olga Kurschakewitsch, Wiktoria Bratischko, Aleksandr

Kascha dlja samojeda Breakfast for Tundra-Boy

Mironowitsch / Musik: Aleksandr Gusew Technik: Zeichenanimation / Sprache: russisch / Produktion, Vertrieb, Kontakt:

Russische Föderation 2007

Animation Cinema Directing School –

In the Soviet Union all the children dreamed of growing up to be cosmonauts, as did this one Tundra tribe boy. There was one Tundra grandmother who had her own secret way of making porridge.

Studio „SHAR“,Leningradski Prospekt 21, 125040 Moskau, Russische Föderation, +7-495-6 12 10 19, info@sharstudio.com

Beta SP (PAL), Farbe, 6:19 min. Regie: Santiago „Bou“ Grasso Animation, Kamera, Schnitt: Santiago „Bou“ Grasso, Patricio Gabriel Plaza Buch, Produktion, Vertrieb: Patricio Gabriel Plaza / Technik: Zeichen-

El Empleo The Employment

animation / Sprache: ohne Kontakt: Santiago „Bou“ Grasso, Opusbou, Roberto Arlt 4776, 8400

Argentinien 2008

San Carlos de Bariloche, Rio Negro,

Ein Mann auf seinem gewohnten Weg zur Arbeit, restlos aufgegangen in einem System, in dem es zum Alltag gehört, Menschen wie Gegenstände zu benutzen.

A man on his usual trip to work, immersed in a system in which the use of people as objects is part of everyday life.

Argentinien, +54-2944-44 12 25, opusbou@yahoo.com.ar

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Internationales Programm Animationsfilm

In der Sowjetunion träumten alle Kinder davon, Kosmonauten zu werden, genau wie dieser kleine Junge aus einem Tundra-Stamm. Es gab eine Tundra-Großmutter, die ihr eigenes, geheimes Rezept für Haferbrei hatte.


Internationales Panorama Animationsfilm 3 International Panorama Animated Film 3

Beta SP (PAL), Farbe, 8:30 min. Regie, Kamera, Schnitt, Animation, Produktion: Anete Melece / Buch: Anete Melece, Gatis Arents, Baiba Saurina Technik: Zeichenanimation, Collage Sprache: lettisch / Vertrieb: Inga

Sodien Vilma nestrada Vilma Doesn’t Work Today

Uldrike, Culture and Art project NOASS Kontakt: Inga Uldrike, Culture and Art project NOASS, 11. novembra

Lettland 2007

krastmala, 1050 Riga, Lettland,

Erzählt wird vom giftgrünen Tränensackträger Varis und seiner alten, Kaugummi spuckenden Lunge, von der Sauerrahm- und Fernbedienungs­ verkäuferin Mirdza sowie von einem Wesen namens Megapixel, das langsam aber sicher die Welt digitalisiert.

A tale of the lurid green tear-sac porter Varis and his old, chewing-gum spitting lungs, of the sour cream and remote control saleslady Mirdza and of a creature called Megapixel that digitises the word slowly but surely.

+371-37-67 70 32 40, inga_uldrike@inbox.lv

35 mm, Farbe, 12:30 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Simon Bogojevic-Narath / Animation: Kristijan Dulic / Musik: Hrvoje Stefotic Technik: 3D-Computeranimation Sprache: ohne / Produktion: Ivan

Morana Morana

Ratkovic, Kenges / Kontakt: Vanja Andrijevic, Kenges, Poljana Zdenka Mikine 10, 10000 Zagreb, Kroatien,

Kroatien, Frankreich 2008

Internationales Programm Animationsfilm

+385-1-3 75 52 81, kenges@kenges.hr

Ein einsamer Jäger rennt durch eine trostlose Landschaft und verbringt dann eine Nacht in einer Hütte. Er träumt … In einer verwüsteten Megastadt rennt ein Geschäftsmann zu einem Bunker. Auf einer Bank im verrauchten Vorraum bemerkt er eine faszinierende Rothaarige. Haben der Jäger und der Geschäftsmann irgendetwas gemeinsam?

After running through a desolate landscape, a solitary hunter spends a night in a shelter. He dreams ... In a destroyed megalopolis, a business man runs to a shelter. Sitting on a bench in a smoke-filled hallway, he notices an intriguing red-haired woman. Do the hunter and the business man have something in common?

Beta SP (PAL), Farbe, 1:50 min. Regie: Sheldon Lieberman, Igor Coric Animation, Schnitt: Igor Coric Buch, Musik: Sheldon Lieberman Technik: 2D-Computeranimation Sprache: englisch / Kontakt:

Global Warming Global Warming

Bigfish.TV, 221 Bonney Ave, Clayfield, 4011 Brisbane, Australien, +61-3-2 56 01 00, mail@bigfish.tv

Australien, Serbien 2007

Das Fernsehen ist voll davon, die Zeitungen auch, kaum einer spricht von etwas anderem. Ja, ja, ja, globale Erwärmung. Aber wer glaubt schon an sowas, wenn er so grün und musikalisch ist, wie der Star dieses Films?

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Television is full of it, so are the papers, people hardly talk of anything else. Oh well, global warming. But who believes in such things when they are as green and musical as the star of this film?


Beta SP (PAL), Farbe, 2 min. Regie, Buch: Sarah Cox / Animation: Sarah Cox, Candi Smith / Kamera: Suzie Little / Schnitt: Ben Lole Technik: Stop-Motion-Animation, 2D-Computeranimation / Sprache:

Don’t Let It All Unravel Don’t Let It All Unravel

ohne / Produktion: Sarah Jex, Aardman Kontakt: Sarah Cox, Arthur Cox, 16 Whitehouse St, BS3 4AY Bristol,

Vereinigtes Königreich 2007

Vereinigtes Königreich,

Diese eindrucksvolle Animation zeigt die Welt als Strickerei, die sich langsam zu nichts aufribbelt.

This striking animated film depicts the world as knitting which slowly unravels to nothing.

+44-117-9 53 97 88, info@worldofarthurcox.co.uk

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 8 min. Regie, Kamera, Animation: Håkan Wennström / Buch: Håkan Wennström, nach einem Gedicht von Thomas Tidholm / Musik: Tuomo Haapala Schnitt: Adam Marko-Nord, Karl

Friluftsliv Outdoor Life

Sandzén / Technik: Zeichenanimation, Collage / Sprache: schwedisch Produktion: Håkan Wennström, Casa

Schweden 2008

Nova Film Company AB / Vertrieb:

“A shame, really, that more real people don’t find this place, there is plenty of room after all. Many more could roam here aimlessly, and it could grow into a national sport.” A poem by Thomas Tidholm, artistically and colourfully visualized by Håkan Wennström.

Andreas Fock, Swedish Film Institute Kontakt: Andreas Fock, Swedish Film Institute, P.O. Box 27126, 10252 Stockholm, Schweden, andreas.fock@sfi.se

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 5:43 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Musik, Animation: pecoraped / Technik: CutOut-Animation, 2D-Computeranimation Sprache: japanisch / Produktion:

Meisou Akazukin Straying Little Red Riding Hood

pecoraped (Ikue Sugidono, Miyako Nishio) / Kontakt: pecoraped , 3-25-26-201 Omachi-higashi Asaminami-ku, 7310124 Hiroshima,

Japan 2007

Japan, +81-80-19 13 20 83,

Diese Arbeit erkundet die sechste Dimension. Zum Beispiel flitzt eine kleine rote Figur von einem Buch zum andern.

This work explores the sixth dimension. For example, a little red character dashes from one book to another.

pecoraped@yahoo.co.jp

219

Internationales Programm Animationsfilm

„Wirklich eine Schande, dass nicht mehr echte Menschen diesen Ort finden, hier ist doch viel Platz. Viel mehr könnten hier ziellos herum­ wandern, und es könnte sich zum Nationalsport entwickeln.“ Ein Gedicht von Thomas Tidholm, künstlerisch und farbenfroh illustriert von Håkan Wennström.


Internationales Panorama Animationsfilm 3 International Panorama Animated Film 3

Beta SP (PAL), Farbe, 13 min. / Regie, Buch: Natalja Beresowaja / Animation: Tatjana Podgorskaja, Sergei Mironow Kamera: Ljudmila Gorbunowa / Musik: Trio „Fandir“ / Technik: Zeichen- und 2D-Computeranimation / Sprache:

Gordy Mysch Proud Mouse

russisch / Produktion: „Pilot“ Moscow Animation Studio / Koproduktion: Federal Agency for Culture and

Russische Föderation 2008

Cinema, Moskau / Kontakt: Olga

Zeichenanimation nach einem ossetischen Märchen über einen äußerst anspruchsvollen Mäuserich auf Brautschau.

Cartoon animation based on an Ossetian fairy-tale about an extremely picky mouse looking for a wife.

Schurawljowa, „Pilot“ Moscow Anima­tion Studio, Karamyschewskaja nab., 44, 123423 Moskau, Russische Föderation, +7-499-1 99 76 31, festival@pilot-film.com

Beta SP (PAL), Farbe, 7:25 min. Regie: Joana Toste / Animation: André Ferrão, André Marques, Joana Toste, Nuno Lacerda, Pedro Moura, Victor Lopes / Musik: José Peixoto / Technik: Zeichenanimation / Sprache: ohne

Cães Marinheiros Sailor Dogs

Produktion: Abi Feijó, António Costa Valente, Júlia Rocha / Kontakt: Salette Ramalho, AGENCIA –

Portugal 2007

Portuguese Short Film Agency,

When a couple of dogs have a sailor to look after the garden, they must keep it at any cost. That is why they have to be far from the sea. And life must go on.

Internationales Programm Animationsfilm

Ein paar Hunde heuern einen Matrosen an, um ihren Garten zu bewachen, und möchten ihn um jeden Preis halten. Doch die Entfernung von der See fordert ihren Tribut.

Auditorio Municipal, Pr Republica, 4480-715 Vila do Conde, Portugal, +351-252-64 66 83, agencia@curtas.pt

35 mm, Farbe, 3:30 min. Regie, Buch, Animation: Matthew Walker / Schnitt: Ben Lole Technik: 2D-, 3D-Computeranimation Sprache: englisch Produktion: Sarah Cox, Arthur Cox Ltd.

John and Karen John and Karen

Vertrieb: Candi Smith, Arthur Cox Ltd. Kontakt: Sarah Cox, Arthur Cox Ltd., 16 Whitehouse St, BS3 4AY Bristol,

Vereinigtes Königreich 2007

Vereinigtes Königreich,

Der Eisbär John entschuldigt sich bei Karen, dem Pinguin. Nach dem Streit von gestern Abend ist sie sehr schlechter Laune und John balanciert wie auf rohen Eiern. Es wäre nett, sich hinzusetzen und eine Tasse Tee zu trinken. Aber Karen gibt nur widerstrebend nach.

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John the polar bear apologises to Karen the penguin. Their argument last night has put her in a very bad mood and John is on egg shells. A cup of tea and a sit down would be good. Karen reluctantly obliges.

info@worldofarthurcox.co.uk


Animadok Animadoc

Animadok Beta SP (PAL), Farbe, 8:42 min. Regie, Buch, Animation: Akile Nazli Kaya / Kamera, Schnitt: Lukás Machácek / Technik: Pixilation Sprache: tschechisch / Produktion: David Skaunic, Film School Zlin Kontakt: Jiri Kralik, Film School Zlin, Filmova 174, 761 79 Zlin,

Zlínská polévka Zlin Soup

Tschechische Republik, +420-577-5 92 16 02 94, jirka.kralik@seznam.cz

Tschechische Republik 2007

Wer herausfinden will, warum das mährische Industriezentrum Zlín, ehemals Gottwaldov, so merkwürdig ist, wird hier bestens informiert. Ein ungewöhnliches, assoziatives Stadtporträt aus animierten Bildern, Dokumenten und Realfilmsequenzen.

Anyone who wants to find out why the Moravian industrial centre of Zlín – formerly Gottwaldov – is so strange need look no further. An unusual, associative portrait of a city that combines animated images, documents and live-action sequences.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 6:30 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Emily Bissland / Musik: Darren Conaughty / Schnitt: Al McInnes Technik: Cut-Out-Animation, 2DComputeranimation / Sprache: englisch Produktion: Jeremy Parker / Kontakt: Emily Bissland, 24 Thames str.,

In the Same Boat In the Same Boat

+61-427-75 53 35, emilybissland@hotmail.com

Australien 2007

In einem Klima globaler Angst schaffen zwei gewöhnliche Menschen etwas, was Regierungen nicht zu gelingen scheint: durch Verständnis und Freundschaft Furcht und Rassenvorurteile zu überwinden. Dieser Film dokumentiert die Geschichte eines von Ausländerhass erfüllten australischen Vietnamkriegsveteranen mit posttraumatischem Stresssyndrom, dessen Leben sich durch die Begegnung mit einem jungen irakischen Flüchtling in einem Krankenhaus in Australien verändert. Der Film kombiniert Interviewmaterial mit symbolischen animierten Bildern.

Internationales Programm Animationsfilm

3070 Northcote, Australien,

In a climate of global fear, two unlikely men prove that normal people can do what governments cannot: overcome fear and racial prejudice with understanding and friendship. This film documents the story of an Australian Vietnam War Veteran with PTSD and a hatred of foreigners whose life is changed when he meets a young Iraqi refugee in an Australian hospital. The film combines interview material with symbolic animated imagery.

221


Animadok Animadoc

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 4:43 min. Regie: Karsten Kiilerich Animation: Meelis Arulepp Musik: Gregory Magee Technik: Zeichenanimation, 2DComputeranimation / Sprache: deutsch

Die Sendung mit der Maus: Was denkst Du über Liebe? The Show with the Mouse – Things You Think: Love

Produktion: Fee Zingler, Westdeutscher Rundfunk / Kopro­duktion: Anders Mastrup, A. Film / Vertrieb: Eva Pfaudler, Bavaria Media Television

Dänemark, Irland, Deutschland 2007

Kontakt: Fee Zingler, Westdeutscher

Wenn Kinder, wie hier, über ihre Gedanken zur Liebe befragt werden, kann das schon mal zu gewagten geschmacklichen Vergleichen mit einer Thunfischpizza führen. Karsten Kiilerichs Animationsfilms gibt Auskunft über Schmetterlinge in Bäuchen, Kopfherzen und Omas, die nicht mehr knutschen können.

When children are asked what they think about love, as this film does, the result may well be bold comparisons with the taste of, say, a tuna pizza. Karsten Kiilerich’s animation shows us butterflies in stomachs, head-hearts and grandmothers who can’t snog any more.

Rundfunk, Appellhofplatz 1, 50667 Köln, Deutschland, +49-221-2 20 44 81, fee.zingler@wdr.de

35 mm, Farbe, 8 min. Regie, Buch: Peque Varela Animation: Peque Varela, R. Vetusto, Kaori Hamilton / Kamera: Neus Olle-Soronellas / Musik: Natalie Holt Schnitt: Fiona DeSouza / Technik: Mischtechnik / Sprache: ohne

1977 1977

Produktion: Gavin Humphries, Quarkfilms / Kontakt: Peque Varela, Quarkfilms, 37 Bedford House,

Vereinigtes Königreich, Spanien 2007

Internationales Programm Animationsfilm

SW4 7NS London, Vereinigtes

Eine kleine Stadt, ein wachsender Knoten und ein Mädchen auf der Suche nach seiner Identität.

A small town, a growing knot and a girl searching for her identity.

Königreich, +44-798-5 31 88 88, peque_varela@yahoo.co.uk

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 8:30 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Sebastian Danta / Musik: Miles Nicholas, Jonathan Nix / Schnitt: Nick Meyers, Sebastian Danta / Technik: 2D- und 3D-Computeranimation Sprache: englisch / Produktion,

Father Father

Vertrieb: Samantha Jennings, Second Sight Productions / Kontakt: Samantha Jennings, Second Sight Productions,

Australien 2008

11 Park Rd Five Dock NSW,

Ein Junge versucht, seinen sonderbaren, schweigsamen Vater zu verstehen – einen Immigranten, der in seinem eigenen Heim zum emotionalen Flüchtling geworden ist.

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A boy struggles to understand his strange, silent father – an immigrant who has become an emotional refugee in his own home.

2046 Sydney, Australien, +61-2-97 05 05 27, sjssite@optusnet.com.au


Beta SP (PAL), Farbe und s/w, 22:30 min. / Regie: Edmunds Jansons Animation: Martins Dumins, Oskars Poikans / Buch: Nora Ikstena / Musik: Girts Biss / Technik: Zeichenanimation Sprache: litauisch / Produktion: Bruno Ascuks, Studija Centrums

Ciza acim Little Bird’s Diary

Kontakt: Bruno Ascuks, Studija Centrums, Alberta iela 7–8, 1010 Riga, Lettland, +371-67-33 30 43,

Lettland 2007

bruno.ascuks@studijacentrums.lv

Irina Pilke ist achtzig Jahre alt und hat in ihrem Leben einige beeindruckende historische, soziale und künstlerische Dokumente geschaffen: Notizbücher voller Zeichnungen des sowjetischen Alltags in den 1920er Jahren. Irinas Zeichnungen des täglichen Lebens sind lebendige, ein bisschen ironische und unglaublich natürliche Bilder dieser Zeit.

Irina Pilke is eighty years old and has created some impressive historical, social and artistic documents during her life: her notebooks with drawings that reflect Soviet life in the 1920s. The observations of everyday life in Irina’s drawings are vital, slightly ironical and incredibly natural pictures of the time.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 4:29 min. / Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Kristian Andrews Technik: Zeichenanimation, 2DComputeranimation / Sprache: englisch Produktion: Kristian Andrews, Royal College of Art / Vertrieb: Melissa Venet,

Bald Dad Bald Dad

Picasso Pictures / Kontakt: Melissa Venet, Picasso Pictures, 9 –11 Broadwick Street, W1F 0DB London,

Vereinigtes Königreich 2007

Vereinigtes Königreich,

Memories of a father-son relationship examining the mountains children make of molehills. A non-story about Pepsi licking cow-pats, druids, being licked by a cow and loosing the dog.

+44-207-4 37 98 88,

Internationales Programm Animationsfilm

Erinnerungen an eine Vater-Sohn-Beziehung und eine Untersuchung der Elefanten, die Kinder oft aus Mücken machen. Eine NichtGeschichte über Pepsi schlürfende Kuhfladen, Druiden und darüber, wie es ist, von einer Kuh abgeleckt zu werden und den Hund zu verlieren.

melissa@picassopictures.com

223


Animadok Animadoc

35 mm, Farbe, 13 min. Regie, Schnitt: Jonas Odell Animation: Per Helin, Marcus Krupa, David Rylander, Arvid Steen, Jonas Odell, Fredrik Persson Musik: Martin Landquist Technik: Mischtechnik Sprache: schwedisch Produktion: Linda Hambäck,

Lögner Lies

FilmTecknarna F. Animation AB Kontakt: Filmtecknarna F. Animation AB, Renstiernas gata 12, 116 28 Stockholm,

Schweden 2008

Schweden, +46-8-4 42 73 00

Drei absolut wahre Geschichten über das Lügen. In drei auf dokumentarischen Interviews basierenden Episoden lernen wir den Einbrecher kennen, der behauptet, ein schwarz arbeitender Buchhalter zu sein, den Jungen, der sich dabei ertappt, wie er ein Verbrechen gesteht, das er nicht begangen hat, und die Frau, deren ganzes Leben eine einzige Kette von Lügen war.

Three perfectly true stories about lying. In three episodes based on documentary interviews we meet the burglar who, when found out, claims to be a moonlighting accountant, the boy who finds himself lying and confessing to a crime he didn’t commit and the woman whose whole life has been a chain of lies.

Beta SP (PAL), Farbe, 5 min. Regie, Schnitt: Joris Clerté, Anne Morin Animation: Joris Clerté Buch: based on the story of Jean-Luc Technik: 2D-Computeranimation Sprache: französisch Produktion, Vertrieb: Maryline

Internationales Programm Animationsfilm

Charrier, Senso Films

C’est toujours la même histoire It’s Always the Same Story

Koproduktion: Virginie Giachino, Doncvoilà Kontakt: Maryline Charrier, Senso Films, 24, Rue du Capitaine

Frankreich 2007

Ferber, 75020 Paris, Frankreich,

Mit 16 sah Jean-Luc im Kino einen Film, der die Art, wie er seinen Vater sah, für immer verändern sollte.

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At the age of 16, Jean-Luc went to the cinema and saw a movie that would forever change the way he looked at his father.

+33-1-53 80 07 80, senso.films@wanadoo.fr


Neue Deutsche Animation 1 New German Animation 1

Neue Deutsche Animation 1 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 12:30 min. Regie, Buch, Schnitt: Katrin Rothe Animation: Stefani Sahgri, Andreas Dihm, Claudia Wipfler / Kamera: Michael Schmacke / Musik: Sascha Moser / Technik: Cut-Out-Animation Sprache: deutsch / Produktion: Katrin Rothe, Katrin Rothe Film und Fernseh-

Was tust du eigentlich ...? (Folge 1–5) What Do You Do? (Episodes 1–5)

produktion / Kontakt: Katrin Rothe, Bergstr. 62, 10115 Berlin, Deutschland, +49-30-3 00 75 72, info@karotoons.de

Deutschland 2008

What were your plans for 2008? In which film do you want to be the hero? What will do you do at elections? What do you do against climate change? How do you get your information about the world? Saving the world in two and a half minutes – a single question, evoking a whole universe of hopes and dreams, wishes and fears, opinions and plans. At the same time, making people think, making them smile and, at best, making them act, because the world can’t be saved by one person only.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 0:35 min. Regie, Buch, Schnitt: Johannes Kuemmel / Animation: Thomas Hinke Kamera: Ralf Noack / Musik: David Christiansen / Technik: 3D-Computeranimation, Live-Action / Sprache: deutsch / Produktion: Max Penk, Filmakademie Baden-Württemberg Vertrieb: Sabine Hirtes, Filmakademie

Greenpeace Rainbow Warrior Greenpeace Rainbow Warrior

Baden-Württemberg / Kontakt: Sabine Hirtes, Filmakademie BadenWürttemberg, Mathildenstraße 20,

Deutschland 2007

71638 Ludwigsburg, Deutschland,

Greenpeace Meeresverteidigungs-Aktivist zu sein, ist ein harter Job und nicht für jeden geeignet. Aber jeder kann etwas spenden.

Being a Greenpeace ocean defender activist is a tough job not made for everybody. But anybody can donate.

+49-7141-96 98 06, animationsinstitut@filmakademie.de

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Internationales Programm Animationsfilm

Was hast du dir für 2008 vorgenommen? In welchem Film willst du der Held sein? Was machst du, wenn Wahl ist? Was machst du gegen den Klimawandel? Wie informierst du dich über die Welt? In zweieinhalb Minuten die Welt retten, in zweieinhalb Minuten mit einer einzigen Frage ein ganzes Universum von Hoffnungen und Träumen, von Wünschen und Ängsten, von Meinungen und Plänen heraufbeschwören. Dabei zum Nachdenken ermutigen, zum Schmunzeln ermuntern und, im besten Fall, zum Handeln bewegen, denn die Welt rettet nicht ein Mensch allein.


Neue Deutsche Animation 1 New German Animation 1

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 2:18 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Anima­ tion, Produktion: Kristian Labusga Musik: Florian Gubba / Technik: 2D-, 3D-Computeranimation / Sprache: englisch / Kontakt: Kristian Labusga,

Rebel with a Cause Rebel with a Cause

Landhausstr. 1, 70182 Stuttgart, Deutschland, +49-179-9 06 08 98, k.labusga@web.de

Deutschland 2008

www.rebel-with-a-cause.de

Dieser Kurzfilm zeigt in groben Zügen, welche Wirkung die Jagd nach den neuesten Modetrends auf die Umwelt hat.

This short outlines the socio-environmental impact of chasing the newest fashion trends.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 4 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Onni Pohl / Musik: Dada-Inn / Schnitt: Elizabeth Raßbach / Technik: 2D-, 3D-Computeranimation / Sprache: ohne / Produktion: Linda Krämer,

Frequenz Morphogenese Frequency Morphogenesis

Filmakademie Baden-Württemberg Vertrieb: Sabine Hirtes, Filmakademie Baden-Württemberg / Kontakt:

Deutschland 2007

Internationales Programm Animationsfilm

Sabine Hirtes, Filmakademie Baden-

Im formlosen Bereich reiner Gedanken zeigte sich zum ersten Mal ein goldener Embryo des Klangs. Es war ein Laut, der durch das Nichts hinausschwang und auf sich selbst zurückkehrte. Als sich die Tonwellen kreuzten, entstanden Wasser und Wind, die miteinander spielend den nebelartigen Leib der Welt zu weben begannen. Eine musikalische Visualisierung der Gestaltungskraft von Frequenzen.

In the shapeless space of pure thought there appeared for the first time a golden embryo of sound. It was a sound vibrating through the void, returning to itself. At the crossing of the waves of sound water and wind emerged, playing with each other, weaving the foggy body of the world. A musical visualisation of the creative power of audio frequencies.

Württemberg, Mathildenstraße 20, 71638 Ludwigsburg, Deutschland, +49-7141-96 98 06, animationsinstitut@filmakademie.de

Beta SP (PAL), Farbe, 1:20 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Tobias Bilgeri Technik: 3D-Computeranimation Sprache: englisch / Produktion:

About Love, Hate and the Other One About Love, Hate and the Other One

Tobias Bilgeri, Kunsthochschule Kassel Kontakt: Tobias Bilgeri, Frankfurterstr. 76, 34121 Kassel, Deutschland, +49-175-9 28 08 80,

Deutschland 2007

info@bilgeri.eu

LIEBE und HASS treffen sich auf einem Hügel. Wird LIEBE die Liebe HASSES erringen, oder wird LIEBE hassen lernen?

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LOVE and HATE meet each other on a hill. Will LOVE win the love of HATE, or will LOVE learn to hate?


35 mm, Farbe, 5:40 min. Regie, Buch, Schnitt: Moonjoo Lee Animation: Moonjoo Lee, Raphael Wahl Musik: André Standke / Technik: Zeichenanimation, 2D-Computeranimation / Sprache: ohne / Produktion:

My Rusty Dusty Head My Rusty Dusty Head

Moonjoo Lee, Kunsthochschule Kassel Kontakt: Moonjoo Lee, Heckerstr. 75, 34121 Kassel, Deutschland,

Deutschland, Republik Korea 2008

+82-10-32 65 90 54,

Was passiert, wenn ein Mann lebenslang all seine Gedanken in seinem Kopf aufbewahrt? Der Protagonist dieses Films kann sein Denken weder abschalten noch auslöschen. Dadurch wird sein Kopf immer größer ...

What happens when a man stores all the thoughts he ever had in his life in his head? The character in this film can neither stop thinking nor erase his thoughts, which makes his head grow bigger and bigger ...

aasee@naver.com

35 mm, Farbe, 5:20 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Franziska Bachmaier / Musik: Florian Marquardt / Schnitt: Franziska Bachmaier, Martin Reimers Technik: Sandanimation / Sprache:

Footprints Footprints

ohne / Produktion: Holger Lochau, HFF „Konrad Wolf“ / Kontakt: Franziska Bachmaier, Raumerstr. 29,

Deutschland 2007

10437 Berlin, Deutschland,

A girl tries to get away from the shadows of the past. During her odyssey, she becomes more and more a shadow of her former self. She finally reaches the point, when there is no escape and finds something, that had been lost a long time ago.

+49-30-44 73 69 87, f.bachmaier@hff-potsdam.de

Internationales Programm Animationsfilm

Ein Mädchen versucht, den Schatten der Vergangenheit zu entfliehen und wird dabei mehr und mehr zum Schatten ihrer selbst. Schließlich gelangt sie an einen Punkt, an dem es kein Entkommen mehr gibt und findet etwas, das lange verloren schien.

35 mm, Farbe, 4:23 min. Regie: Ralf Kukula / Animation: Olaf Ulbricht, Jörg Halsema, Theresa Strozyk Buch: Gerda Raidt / Kamera: Eric Hoffmann / Musik: Delirium / Schnitt:

Wie war denn das, Veronika? Veronika, How Was it After All?

Stefan Urlaß / Technik: Zeichenanimation, 2D-Computeranimation / Sprache: deutsch / Produktion, Vertrieb: Grit Wißkirchen, Balance Film GmbH

Deutschland 2008

Kontakt: Grit Wißkirchen,

Nachkriegszeit in Deutschland. Eine junge Frau geht aus zum Tanzen. Ihr Freund erwartet sie sehnsüchtig zu Hause und steigert sich in Eifer­ suchtsphantasien hinein. War am Ende alles Einbildung und der vermeintliche Liebhaber nur das Schwesterlein?

Postwar period in Germany. A young woman goes out for dancing. Here friend is impatient waiting for here at home. A story about love, jealousy and misunderstandings.

Balance Film GmbH, Friedrichstr. 14, 01067 Dresden, Deutschland, +49-351-4 90 37 80, info@balancefilm.de

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Neue Deutsche Animation 1 New German Animation 1

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 14 min. Regie, Buch: Heiko van der Scherm Animation: Goro Fujita, Felix Graf Kamera: Holger Schönberger / Musik: Vladimir Martinka / Schnitt: Carsten Egert / Technik: 3D-Computeranimation Sprache: englisch / Produktion: Maria Severine Pazoukhine, Filmakade-

Nachkommen Descendants

mie Baden-Württemberg / Vertrieb und Kontakt: Sabine Hirtes, Filmakademie Baden-Württemberg, Mathildenstr. 20,

Deutschland 2007

71638 Ludwigsburg, Deutschland,

„Nachkommen“ ist ein Film über den Wunsch etwas Unmögliches zu vollbringen und darüber, dass aus etwas Bösem etwas Gutes entstehen kann.

“Descendants” is a 3D animated film about the dream of reaching the unreachable and about the fact that something good can evolve from something evil.

+49-7141-96 98 06, animationsinstitut@filmakademie.de

Beta DIGITAL (PAL), s/w, 8 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Derek Roczen / Musik: Frank Schreiber / Technik: 2DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: Julia Maier, Filmakademie Baden-Württemberg / Vertrieb und Kontakt: Sabine Hirtes, Filmakademie

Bärenbraut Bärenbraut

Baden-Württemberg, Mathildenstr. 20, 71638 Ludwigsburg, Deutschland, +49-7141-96 98 06,

Deutschland 2007

Internationales Programm Animationsfilm

animationsinstitut@filmakademie.de

Eine Frau und ein kleiner Bär leben in einem Wald. Aber der Bär wächst, und was eben noch klein und süß war, kann bald groß und erdrückend sein. Wird ihre Beziehung den heraufziehenden Winter überstehen?

A woman and a bear live peacefully in the woods. But a cub will grow and what was nice and cuddly today might become a menace tomorrow as sure as seasons will change. A film about disportionate love.

35 mm, Farbe, 5:18 min. Regie, Schnitt: Kathrin Albers, Jim Lacy Animation: Kathrin Albers / Buch, Kamera: Jim Lacy / Musik: Ed Harris Technik: Stop-Motion-Animation Sprache: deutsch / Produktion: Kathrin Albers, Jim Lacy, Stoptrick / Vertrieb: Kurzfilmagentur Hamburg / Kontakt:

Peters Prinzip Peter’s Principle

Jim Lacy, Kathrin Albers, Stoptrick, Schleswiger Str. 9, 22761 Hamburg, Deutschland, +49-40-8 99 14 73,

Deutschland 2007

info@stoptrick.com

Du musst nicht schneller als ein Krokodil schwimmen können, um einen Angriff zu überleben. Du musst nur schneller schwimmen können als dein Kollege neben dir. 228

You don’t have to swim faster than a crocodile to survive an attack. You just have to swim faster than the guy next to you.


Neue Deutsche Animation 2 New German Animation 2

Neue Deutsche Animation 2 Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 12:30 min. Regie, Buch, Schnitt: Katrin Rothe Animation: Stefani Sahgri, Andreas Dihm, Claudia Wipfler / Kamera: Michael Schmacke / Musik: Sascha Moser / Technik: Cut-Out-Animation Sprache: deutsch / Produktion: Katrin

Was tust du eigentlich ...? (Teil 6–10) What Do You Do? (Episodes 6–10)

produktion / Kontakt: Katrin Rothe, Bergstr. 62, 10115 Berlin, Deutschland, +49-30-3 00 75 72, info@karotoons.de

Deutschland 2008

Was machst du gegen Gewalt? Wie schützt du dich vor Terroranschlägen? Wofür kämpfst du? Was machst du für deine Gesundheit? Was machst du für deine Rente? In zweieinhalb Minuten die Welt retten, in zweieinhalb Minuten mit einer einzigen Frage ein ganzes Universum von Hoffnungen und Träumen, von Wünschen und Ängsten, von Meinungen und Plänen heraufbeschwören. Dabei zum Nachdenken ermutigen, zum Schmunzeln ermuntern und, im besten Fall, zum Handeln bewegen, denn die Welt rettet nicht ein Mensch alleine.

Rothe, Katrin Rothe Film und Fernseh-

What do you do against violence? How do you protect yourself from terrorist attacks? What do you fight for? What do you do for your health? What are you doing for your pension plan? Saving the world in two and a half minutes – a single question, evoking a whole universe of hopes and dreams, wishes and fears, opinions and plans. At the same time, making people think, making them smile and, at best, making them act, because the world can’t be saved by one person only.

Regie, Buch, Animation: René Lange Musik: Daniel Regenberg, Michal Krajczok / Technik: 2D-, 3DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: Holger Lochau, HFF „Konrad Wolf“

Samsa – Hommage an Franz Kafka Samsa – Homage to Franz Kafka

Vertrieb: HFF „Konrad Wolf“ Kontakt: René Lange, Lottumstraße 21, 10119 Berlin, Deutschland, +49-30-44 04 49 53,

Deutschland 2008

langerene@hotmail.com

Eine kurze, alptraumhafte Sequenz, die Kafka beim Schreiben zeigt und in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion anfangen zu verschwimmen.

A brief nightmarish sequence depicting Kafka in the process of writing, where the boundaries between reality and fiction are beginning to blur.

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Internationales Programm Animationsfilm

35 mm, s/w, 4 min.


Neue Deutsche Animation 2 New German Animation 2

35 mm, Farbe, 15 min. Regie: Jörg Weidner, Anke Späth Animation: Anke Späth, Jörg Weidner Buch, Kamera, Schnitt, Produktion: Jörg Weidner / Technik: Puppen­ animation / Sprache: deutsch Kontakt: Jörg Weidner, Arnoldstr. 26, 22765 Hamburg, Deutschland,

Dionysos Dionysos

+49-177-4 67 73 70, jw@sublunarewelt.de

Deutschland 2007

Hineingeworfen in eine Welt voller Düsternis und Ekstase, ständiger Wandlungen und Ambivalenz, gestorben und wiedergeboren, wird Dionysos zum Verkünder des Rausches, zum Gott der Masken.

Thrown into a world of darkness and ecstasy, constant changes and ambivalence, death and rebirth, Dionysos becomes the bringer of inebriation, the god of masks.

Beta SP (PAL), s/w, 5 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Jan Lachauer, Max Lang Musik: Elena Maier, Christian Heck Technik: 2D-Computeranimation Sprache: englisch / Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg Kontakt: Jan Lachauer,

Sápmi Sápmi

Augustenstraße 123, 70197 Stuttgart, Deutschland, +49-176-24 24 74 89, delaque@gmx.de

Internationales Programm Animationsfilm

Deutschland 2008

Dieser skandinavische Mythos erklärt, wie die Dunkelheit in die Welt gekommen ist.

This Scandinavian myth explains how darkness came into the world.

35 mm, Farbe, 5 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Tomer Eshed Musik: Stefan Maria Schneider Technik: 3D-Computeranimation Sprache: englisch / Produktion: HFF „Konrad Wolf“ / Vertrieb: Cristina Marx, HFF „Konrad Wolf“ / Kontakt: Tomer

Our Wonderful Nature Our Wonderful Nature

Eshed, Eberswalder Str. 19, 10437 Berlin, Deutschland, +49-30-41 71 70 07, tomereshed@hotmail.com

Deutschland 2008

Die Paarungsgewohnheiten der Wasserspitzmaus, wie sie noch nie gezeigt wurden.

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The mating habits of the water shrew as never seen before.


35 mm, s/w, 3:30 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Ulrike Schulz / Musik: Marian Mentrup Schnitt: Wiebke Grundler / Technik: Zeichenanimation / Sprache: ohne Produktion: Holger Lochau, HFF „Konrad Wolf“ / Vertrieb: Cristina Marx, HFF „Konrad Wolf“

Tsuribashi Tsuribashi

Kontakt: Ulrike Schulz, Schillerstr. 1, 14471 Potsdam, Deutschland, +49-162-6 70 81 67,

Deutschland 2008

u.schulz@hff-potsdam.de

Zwei Samurai auf Reisen. Lange verfolgt man ihren Weg, bis sie schließlich aufeinander treffen. Werden sie es beide schaffen, ungehindert an ihr Ziel zu kommen?

Two travelling samurai. After having followed their route for some time, they finally meet. Will they manage to reach their respective goals unimpeded?

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 5 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Izabela Plucinska, Spela Cadez Musik: Max Knoth / Schnitt: Daniela Kinateder / Technik: Knetanimation Sprache: ohne / Produktion, Vertrieb: Nico Grein, Grein/Leutner Filmproduktion / Koproduktion:

Marathon Marathon

Jamila Wenske, Claytraces G Kontakt: Nico Grein, Grein/Leutner Filmproduktion, Königsallee 43,

Deutschland 2008

71638 Ludwigsburg, Deutschland,

Many ordinary but different people take part in a small-town marathon. Suddenly a fog rises and the mist gets denser and denser. The people are losing orientation. Because they cannot stop running, they disappear in the milky fog.

+49-151-54 63 54 76, nico.grein@web.de Internationales Programm Animationsfilm

Viele verschiedene, ganz normale Menschen nehmen an einem Marathon in einer kleinen Stadt teil. Plötzlich kommt Nebel auf, der immer dichter wird. Die Menschen verlieren die Orientierung. Da sie nicht aufhören können zu laufen, verschwinden sie im milchigen Nebel.

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Neue Deutsche Animation 2 New German Animation 2

Beta SP (PAL), Farbe, 13:20 min. Regie: Christian Asmussen, Matthias Bruhn / Animation: Olaf Kamin, Rey Sommerkamp / Musik: Alex Flucht Technik: 2D-Computeranimation Sprache: ohne / Produktion, Vertrieb: Richard Lutterbeck, TrickStudio Lutterbeck GmbH

POST! POST!

Kontakt: Richard Lutterbeck, TrickStudio Lutterbeck GmbH, Neusser Straße 476, 50733 Köln, Deutschland,

Deutschland 2008

+49-221-21 64 27, info@trickstudio.de

In einem kleinen Dorf am Ende der Welt arbeitet ein Postbote mit einer ganz besonderen Berufsauffassung: Die Post, die er austragen soll, ersetzt er lieber durch selbstgeschriebene Briefe. Die Dorfbewohner lieben diese Briefe, denn sie bringen alle zum Lachen, vom Clochard bis zum Polizisten, von der dicken Dame bis zum Pfarrer, und selbst dem grummeligen Wirt gefällt diese Post. Doch dann erfährt die Oberpostdirektion von der Sache …

In a tiny village at the end of the world a postman has a completely original approach to his job. He substitutes the mail he is supposed to deliver with letters he himself has written. The villagers love these missives because they make everyone laugh – from tramp to policeman, from large lady to vicar, even the grumpy publican – his letters delight them all. But then the regional post office gets wind of the affair …

Beta SP (PAL), Farbe und s/w, 3 min. Regie, Buch: Ged Haney, Andreas Hykade Technik: 3D-Computeranimation Sprache: englisch / Produktion: Thomas Meyer-Hermann, StudioFilmBilder Kontakt: Thomas Meyer-Hermann,

Internationales Programm Animationsfilm

StudioFilmBilder, Ostendstr. 108, 70188 Stuttgart, Deutschland,

The Bunjies The Bunjies

+49-711-48 10 27, studio@filmbilder.de www.bunjies.com

Deutschland 2007

Die Bunjies sind die größte, die beste und die lauteste Rockband der Welt ... obwohl sie noch nicht einmal mit der Schule fertig sind.

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The Bunjies are the biggest, greatest, loudest Rock and Roll band in the World ... although they are not yet out of junior school.


Anima für Kinder 1 Anima for Kids 1

präsentiert von presented by

Anima für Kinder 1 35 mm, Farbe, 56 min. Regie, Buch: Manfred Schreyer Animation: Eberhard Klotzsche, Volkmar Funke, Käte Beckert, Karla Wintermann, Roswitha Reimann, Marcella von Jan, Carmen Paulenz, Walter Später Kamera: Siegfried Jung, Wolfgang Bergner, Manfred Schreyer Musik: Karl-Ernst Sasse Schnitt: Eva d’Bomba

Nocki Nocki

Technik: Mischtechnik Produktion: DEFA – Studio für Trickfilme Kontakt: Deutsches Institut für

DDR 1984

Animationsfilm (DIAF) e.V.,

There’s trouble in the puppet workshop – the prince has disappeared and shooting must be interrupted. The magician wants to fill in for the prince, but the director rejects the idea, when Nocki, one of the puppets, comes forward. The director is willing to try him and so his adventures begin. Nocki’s curiosity, but also the tricks of the magician who wants to prevent Nocki from playing the prince’s part, take him through all the animation workshops and to the props department. The fairy godmother wants to foil the magician’s plans and all ends well. The real prince is found and Nocki is still a member of the puppet company.

Königstraße 15, 01097 Dresden, Deutschland, +49-351-3 11 90 41, kontakt@diaf.de

Internationales Programm Animationsfilm

Im Handpuppenatelier gibt es Ärger – der Prinz ist verschwunden, und die Dreharbeiten müssen unterbrochen werden. Der Zauberer will einspringen, aber der Regisseur lehnt ab. Da meldet sich Nocki, eine Marionettenpuppe. Der Regisseur will es mit ihr versuchen, und so beginnen Nockis Abenteuer. Nicht nur seine Neugier, auch die Tricks des Zauberers, der verhindern will, dass Nocki die Rolle des Prinzen spielt, führen ihn durch die TrickfilmAteliers und in die Requisite. Die Wunschfee will die Pläne des Zauberers durchkreuzen, und am Ende wird alles gut. Der richtige Prinz wird gefunden, und Nocki bleibt im Ensemble der Puppen.

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Anima für Kinder 2 Anima for Kids 2

Anima für Kinder 2 Beta SP (PAL), Farbe, 5 min. Regie: Priit Tender / Animation: Marili Sokk, Andres Tenusaar, Märt Kivi Buch: Leelo Tungal, Peep Pedmanson Kamera: Ragnar Neljandi Musik: Märt-Matis Lill, Tiit Kikas

Miriami Teatriseiklus Miriam’s Theatre

Technik: Puppenanimation / Sprache: ohne / Produktion: Arvo Nuut, Nukufilm Kontakt: Maret Reismann, Nukufilm,

Estland 2007

Niine 11, 10414 Tallinn, Estland,

Miriam, die Henne und der Kleine Bruder schauen sich eine Vorstellung von „Rotkäppchen“ an. Sie sind mit ganzem Herzen dabei und besonders fürchten sie das Auftreten des Wolfes.

Miriam, the Hen and Little Brother watch a performance of Little Red Riding Hood. They are emotionally involved in everything, fearing the appearance of the wolf especially.

+372-6-41 43 07, nukufilm@nukufilm.ee

35 mm, Farbe, 5 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Jadwiga Kowalska / Musik: Louis Crelier Schnitt: Marina Rosset / Technik: Digitale Cut-Out-Animation Sprache: ohne / Produktion, Vertrieb:

Tôt ou tard Tôt ou tard

Gerd Gockell, Hochschule Luzern Koproduktion: Peter Schranz, Stadt & Kanton Bern (Berner Filmförderung)

Schweiz 2007

Internationales Programm Animationsfilm

Kontakt: Jadwiga Kowalska,

Eichhörnchen und Fledermaus. Welten und Tageszeiten treffen aufeinander. Das Räderwerk in der Unterwelt steuert Tag, Nacht und noch einiges mehr. Durch einen Zufall gerät dieser geregelte Alltag ins Stocken.

Squirrel and bat. The convergence of different worlds and times of day. Forces in the underground govern night and day – and much more. By accident, this regulated everyday life has ground to a halt.

Hochschule Luzern – Design & Kunst, 6003 Luzern, Schweiz, jadwiga.kowalska@hslu.ch

Beta SP (PAL), Farbe, 2 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Aleksei Aleksejew / Technik: 2DComputeranimation / Sprache: ohne Produktion: András Erkel, Studio Baestarts Ltd. / Kontakt:

HUHU – Pole Hole HUHU – Pole Hole

Dominika Szarka, Studio Baestarts Ltd., Színház u. 5–9., 1014 Budapest, Ungarn,

Ungarn 2007

dominika.szarka@studiobaestarts.com

Der Film zeigt ein paar Eulen, die zufällig in der Arktis landen und dort ein neues Leben beginnen. Ihre Haupteigenschaft ist Dummheit, gepaart mit einem fehlenden Langzeitgedächtnis. Sie lernen nie aus ihren Fehlern und entdecken die Dinge jedesmal, als wäre es das erste Mal. 234

The film features some owls that happen to land in the Arctic and start a new life there. Their main attribute is stupidity, combined with a lack of long-term memory. They never learn from their failures and discover things as if it was the first time.


präsentiert von presented by

Beta SP (PAL), Farbe, 7:50 min. Regie, Buch, Animation: Jun Nito Kamera: Jan Hruška / Musik: Jirí Novotny / Schnitt: Lukáš Šereš Technik: Puppenanimation / Sprache: ohne / Produktion: David Skaunic,

Jiro a Miu Jiro and Miu

Film School Zlin / Kontakt: Jiri Králík, Film School Zlin, Filmova 174, 761 79 Zlin, Tschechische Republik,

Tschechische Republik 2007

+420-602-70 46 20,

Jiro und Miu sind Nilpferde, die friedlich vor sich hinleben … bis sie vom Fliegen träumen.

Jiro and Miu are hippos living a peaceful life ... until they dream of flying.

jirka.kralik@seznam.cz

Beta SP (PAL), Farbe, 1:34 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Nadan Pines / Musik: Oded Davidov Technik: 2D-Computeranimation Sprache: ohne / Vertrieb: Paz Drimer, Animation unit, Bezalel Academy of

Afuy lemechetza Half Baked

Art & Design / Produktion und Kontakt: Nadan Pines, Animation unit, Bezalel Academy of Art & Design,

Israel 2007

Mount Scopus campus,

Ein Küchenchef und ein Kellner tun sich zusammen, um etwas an der düsteren Zukunft ihrer gebackenen Enten zu ändern.

A chef and a waiter join forces in order to change the bleak future of their baked ducks.

P.O. Box 24046, 91240 Jerusalem, Israel, +972-2-5 89 33 40, festivals-liaison@bezalel.ac.il

Beta SP (PAL), Farbe, 5 min. Brad Stilwell / Buch: Nic Smal Kamera: Mark Chittenden / Musik: George Phiri / Schnitt: Matthew Gair Technik: 3D-Computeranimation

Because You’re Gorgeous Because You’re Gorgeous

Sprache: ohne / Produktion: Phil Cunningham, Sunrise Productions Vertrieb: Andrew Fitzpatrick,

Südafrika 2007

Monster Distributes

Warzenschwein ist stolz auf seine löwenartige Mähne. Er stolziert so lang herum, bis eine Locke aus der Fasson gerät. Das geht natürlich nicht, aber das störrische Haar will einfach nicht wieder dahin, wo es hingehört. Warzenschwein tut alles, um sein makelloses Aussehen wiederherzustellen, aber je mehr er versucht, desto schlimmer wird es.

Warthog is proud of his lion-like head of hair. He struts around proudly until one lock of hair springs out of place. This simply will not do but the stubborn hair refuses to fall back in place. Warthog does all he can to regain his pristine looks but the more he tries the worse it gets!

Kontakt: Rita Mbanga, Sunrise Productions, 927 Nowita Place, 90291 Venice, USA, +1-310-7 40 61 19, rita@sunrise.co.za

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Internationales Programm Animationsfilm

Regie: Brent Dawes / Animation:


Anima für Kinder 2 Anima for Kids 2

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 29:30 min. Regie: Sandra Schießl / Animation: Carolin Hamann, Fritz Penzlin, Oliver Throm, Tine Kluth / Buch: Marcus Sauermann / Kamera: Mikolaj Jeroszewicz / Musik: Jens Fischer Schnitt: Andreas Fette, Kerstin Spenger

Tomte Tummetott und der Fuchs Tomte Tummetott and the Fox

Technik: Puppenanimation / Sprache: deutsch / Produktion: Jan Weitendorf, Ogglies Film Productions / Vertrieb: Ulrike Düwert, Oetinger Media GmbH

Deutschland 2007

Kontakt: Marion Heinssen, Trikk17

Es ist Weihnachten! Die Sterne am Himmel funkeln, es ist bitterkalt und die Welt liegt friedlich und glitzernd unter einer tiefen Schneedecke. Alles ist ruhig, bis Mikkel, der hungrige Fuchs, die Stille durchbricht. Er hat einen Hof entdeckt und wittert fette Beute. Doch auf diesem Hof lebt Tomte Tummetott. Der schwedische Weihnachtswichtel mit dem weißen, langen Bart und der roten Zipfelmütze wacht im Verborgenen über Mensch und Tier. Ob es ihm gelingt, Kinder, Hühner und Schafe zu beschützen?

It’s Christmas day! The stars are shining in the sky, it’s freezing cold and the world lies peaceful and glittering under a blanket of deep snow. All is quiet, until Mikkel, the hungry fox, breaks the silence. He has discovered a farm and smells fat prey. But it’s Tomte Tummetott who lives on the farm, the Swedish Christmas gnome with the long white beard and the red pointed cap who secretly watches over humans and animals. Will he manage to protect the children, chicken and sheep?

Animationsraum GmbH & Co. KG, Trommelstr. 7, 20359 Hamburg, Deutschland, +49-40-3 80 37 91 17, info@trikk17.de

Anima für Kinder 3 Beta SP (PAL), Farbe, 9:35 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Internationales Programm Animationsfilm

Animation: Sergei Rjabow / Musik: P. I. Tschaikowski, M. Ravel, J. Brahms Technik: Cut-Out-Animation Sprache: ohne / Produktion: Irina Kirakosyan, Soyuzmultfilm Kontakt: Sergei Rjabow,

Rybka The Tiny Fish

Nedelina Str., Bld. 22, Apt. 93, 141100 Schtschjolkowo, Russische Föderation, +7-916-1 47 14 26,

Russische Föderation 2007

sergei_ryabov@mail.ru

Die Welt des Kleinkindes ist voller Wunder und furchtbar kompliziert. Ein scheinbar unwichtiger Vorfall kann in seinem Leben zu einer tragischen Katastrophe führen. Andererseits kann die Freundlichkeit der Kinderseele Wunder wirken. Und sogar den kleinen Fisch lebendig machen.

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The small child’s world is wonderful and extremely complex. A seemingly unimportant event can lead to tragic disaster in the child’s life. On the other hand, the kindness of the young soul is capable of working miracles. It can even animate the tiny fish.


Anima für Kinder 3 Anima for Kids 3

präsentiert von presented by

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 6 min. Regie, Kamera, Schnitt, Animation: Ellen Hoffmann / Buch: Ellen Hoffmann, Johann Stuttmann / Musik: Frank Schreiber / Technik: 3D-Computeranimation / Sprache: deutsch Produktion: Julia Maier, Filmakademie Baden-Württemberg / Vertrieb und

Kieselstein Pebble Stone

Kontakt: Sabine Hirtes, Filmakademie Baden-Württemberg, Mathildenstraße 20, 71638 Ludwigs-

Deutschland 2007

burg, Deutschland, +49-7141-96 98 06,

Die kleine Lisa baut sich beim Spielen im Hof aus herumstehenden Gegenständen einen Spielgefährten. Doch als ihre Mutter sie auffordert aufzuräumen und zum Essen zu kommen, steht Lisa vor einem Problem. Ihr Freund hat keine Lust aufger��umt zu werden.

While playing outside the house little Lisa builds together her own playfellow from various objects. But when her mother asks her to tidy up and come to dinner Lisa has a problem. Her new friend is not willing to be cleaned up.

animationsinstitut@filmakademie.de

35 mm, Farbe, 3:16 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Produktion: Martinus Klemet Musik: Ants Andreas / Technik: 3DComputeranimation / Sprache: ohne Kontakt: Martinus Klemet, Haldjas 4a, 75401 Harjumaa, Estland, +372-50-5 82 56, helgiheitjad@hot.ee

Light My Fire Light My Fire Estland 2007

The journey of a little matchstick that inspires and destroys what it encounters.

Internationales Programm Animationsfilm

Die Reise eines kleinen Streichholzes, das seine Gegenüber inspiriert und zerstört.

Beta SP (PAL), Farbe, 5:12 min. Regie, Buch, Animation, Produktion: Manu Molin / Kamera: Naoko Jonori, Dzmitry Kruhlov, Manu Molin, Asako Ishino / Musik: Moritz Wallmüller, Imre Lichtenberger-Bozoki / Schnitt: Petr Smelik / Technik: Puppenanimation Sprache: deutsch / Kontakt:

Emily Winter Emily Winter

Manu Molin, Peter-Eichert-Str. 10/312, 71634 Ludwigsburg-Eglosheim, Deutschland, +49-175-7 05 34 70,

Österreich, Tschechische Republik 2007

manu_molin@gmx.net

Emily Winter hütet, wie so viele Kinder, ein Geheimnis, von dem niemand etwas erfahren darf. Sie möchte aus ihrer Stadt ausbrechen und glaubt fest daran, dass sie es schaffen wird. Sie lässt nichts unversucht.

Emily Winter guards, just as many children, a secret that no one must know. She wants to break out of her city. She truly believes that she can make it.

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Anima für Kinder 3 Anima for Kids 3

Beta SP (PAL), Farbe, 2 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Aleksei Aleksejew / Technik: 2D-Computeranimation / Sprache: ohne / Produktion: András Erkel, Studio Baestarts Ltd. Kontakt: Dominika Szarka,

KJFG No. 5 KJFG No. 5

Studio Baestarts Ltd., Színház u. 5–9., 1014 Budapest, Ungarn, dominika.szarka@studiobaestarts.com

Ungarn 2007

Drei „professionelle“ Musiker, der Bär, der Hase und der Wolf, spielen im Wald, doch plötzlich taucht der Jäger auf.

Three “professional” musicians, the bear, the rabbit and the wolf, are practising their art in the forest but suddenly the hunter turns up.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 3 min. Regie, Buch, Schnitt: Liza Skvortsova Animation: Alexey Nekrasov / Technik: Digitale Cut-Out-Animation / Sprache: ohne / Produktion: Arsen Gottlieb, Metronome Films / Vertrieb, Kontakt:

Polish Lullaby Polish Lullaby

Natalia Gorokhovik, Metronome Films, S. Eisenstein Str., 129226 Moscow, Russische Föderation,

Russische Föderation 2007

+7-495-1 81 05 84,

Der Film zeigt, wie man kleine Skelette macht.

The film demonstrates how to create little skeletons.

metronomefilms1@rambler.ru, www.lull.ru

35 mm, Farbe, 10 min. Regie, Buch: Danny De Vent Internationales Programm Animationsfilm

Animation: Danny De Vent, Vincent Bierrewaerts / Musik: Johan Derycke Technik: Digitale Cut-Out-Animation Sprache: ohne / Produktion: Annemie

De zwemles The Swimming Lesson

DeGryse, Arnaud Demuynck Kontakt: Ursula van den Heuvel, Netherlands Institute for Animation

Belgien 2008

Film, St. Josephstraat 135,

Ein kleiner Junge betritt eine neue Welt. Der vierjährige Jonas wird von seiner Mutter zur ersten Schwimmstunde gebracht. Jonas hat Angst und will nach Hause. Bei seinem Fluchtversuch fällt er ins tiefe Becken und niemand bemerkt es. Von seinen Schwimmflügeln über Wasser gehalten, muss er versuchen, sich selbst zu retten.

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A little boy steps into a new world. Fouryear-old Jonas’s mother takes him to his first swimming lesson. Jonas is scared and wants to go home. When he tries to escape, he falls into the deep pool and nobody notices him. Kept afloat by his armbands he has to try to rescue himself.

5017 GG Tilburg, Niederlande, +31-13-532 40 70, heuvel@niaf.nl


präsentiert von presented by

35 mm, Farbe, 7:30 min. Regie: Cédric Louis, Claude Barras Animation: Elie Chapuis, Françoise Grumeau, Louis André Fortin / Buch: Cédric Louis / Musik: Pierre-Yves Drapeau / Schnitt: David Monti

Sainte Barbe Sainte Barbe

Technik: Knetanimation / Sprache: ohne Produktion: Claude Barras, Michael Fukushima, Benoît Dreyer, Hélium Films,

Schweiz, Kanada 2007

National Film Board of Canada, Ciné-

Kann die Zuneigung zwischen einem kahlköpfigen kleinen Jungen und seinem bärtigen Großvater den Tod überleben? Ja, besonders, wenn der Junge sich vom rebellischen Geist des alten Mannes anstecken lässt.

Can the affection between a bald little boy and his bearded grandfather survive death? Yes, it can, especially if the boy is inspired by the old man’s rebellious spirit.

magination, TSR / Vertrieb und Kontakt: Madeleine Bélisle, National Film Board of Canada, 3155 Côte-de-Liesse, H4N 2N4 Saint-Laurent, Kanada, +1-514-2 83 98 05 06, festivals@nfb.ca

Beta DIGITAL (PAL), s/w, 8:42 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation, Produktion: Wendy Dettmann Musik: Alexander Rutz Technik: 2D-Computeranimation Sprache: ohne

Patrouille Patrouille

Kontakt: Wendy Dettmann, Geschwister-Scholl-Straße 1, 99423 Weimar, Deutschland,

Deutschland 2008

+49-3643-74 14 44,

The old night watchman is tired. Unexpected help comes from a sleepless girl who by means of juvenile cunning and ingeniousness first takes over his duties and then his office.

wendy@animaux.de

Internationales Programm Animationsfilm

Der alte Nachtwächter ist müde. Unerwartete Hilfe erhält er von einem schlaflosen Mädchen, das mit jugendlicher List und Einfallsreichtum zuerst die Aufgaben und schließlich auch das Amt des Mannes übernimmt.

35 mm, Farbe, 4:27 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Marina Rosset / Musik: Louis Crelier Schnitt: Jadwiga Kowalska / Technik: Zeichenanimation, 2D-Computeranimation / Sprache: französisch

La Main de l’Ours The Bear’s Hand

Produktion: Marina Rosset, Gerd Gockell, Hochschule Luzern Kontakt: Marina Rosset,

Schweiz 2008

Ruchonnet 27, 1003 Lausanne,

Drei Brüder leben auf einer einsamen Waldlichtung. Als der Jüngste eines Tages in den Wald gehen muss, hat er so viel Angst, dass er die Augen zu macht und über einen Bären stolpert.

Three brothers live in a remote forest glade. One day, when the youngest of the three has to go into the forest, his fear is so great that he keeps his eyes closed and trips over a bear.

Schweiz, +41-76-4 37 24 18, marina.rosset@gmail.com

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Pink Elephants – Young Animation Scene Pink Elephants – Young Animation Scene

Pink Elephants – Young Animation Scene In diesem Programm laufen folgende Filme aus anderen Programmen des Festivals. Detailierte Informationen zu den Filmen finden Sie auf den angegeben Seiten:

The following films from other sections of the festival will be shown in this programme. For detailed information, please look for the pages:

She Who Measures > S. 195 Veljko Popovic, Kroatien 2008, 6:40 min.

Last Time in Clerkenwell > S. 194 Alex Budovsky, USA 2007, 3:55 min.

Margot > S. 203 Gerlando Infuso, B 2008, 11 min.

A Sheep on the Roof > S. 211 Rémy Schaepman, F 2007, 6:45 min.

Bald Dad > S. 223 Kristian Andrews, UK 2007, 4:29 min.

Global Warming > S. 218 Sheldon Lieberman, Igor Coric, Australien, Serbien 2007, 1:50 min.

Muto > S. 194 Blu, Italien 2008, 6:45 min.

A Letter to Colleen > S. 202 Internationales Programm Animationsfilm

Carolyn London, Andy London, USA 2007, 8:36 min.

Episode > S. 210 Agata Gorzadek, Polen 2007, 6 min.

Moving Still > S. 212 Santiago Caicedo de Roux, F 2007, 2:22 min.

Camera Obscura > S. 200 Thierry Onillon, Matthieu Buchalski, Jean-Michel Drechsler, F 2007, 7 min.

7 More Minutes > S. 201 Izabela Plucinska, D 2008, 7:30 min.

Oktapodi > S. 204 Julien Bocabeille, François-Xavier Chanioux, Olivier Delabarre, Thierry Marchand, Emud Mokhberi, Quentin Marmier, F 2007, 2:27 min.

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Special Screening Animation Special Screening Animation

Special Screening Animation: Bill Plympton – Idiots and Angels

Idiots and Angels Idiots and Angels USA 2008

It’s quite amazing how quickly Bill Plympton – one of America’s “Independent Animation Filmmakers” – follows up one film with the next. “Hot Dog”, the third Dog-sequel by now, will be screened in competition this year. But Bill Plympton also likes to surprise his audience with feature-length films. This time it’s “Idiots and Angels”, a “dark comedy about a man and the struggle for his soul”. It wouldn’t be a Plympton-film if any expectation of seeing a simple hero’s story was met. Its main character is a nameless businessman who spends his days in a lonely, dark bar, waiting for customers, chainsmoking, downing various drinks, clobbering anyone who gets in his way; a man who lusts after his neighbour’s wife every now and then, at least in his imagination. One morning the incredible happens: he sprouts angel’s wings. As these wings start to develop a life of their own and force him to do good deeds, he must get rid of them – no matter the cost. This quietly narrated story of good and evil works with few characters and no dialogue. The film is set to a spherical soundtrack, including tracks by Tom Waits, Pink Martini and Moby. The concise animation and dark colours lend it a special touch. Plympton himself says: “The film is very Eastern European – the way Jan Svankmajer would have done it, or David Lynch, if he ever made an animation – very dark and surreal.” JZ

35 mm, Farbe, 78 min. Regie, Buch, Animation: Bill Plympton Kamera: Biljana Labovic, Kerri Allegretta, Lisa LaBracio Schnitt: Kevin Palmer Technik: Zeichenanimation, 2D-Computeranimation Sprache: ohne Produktion: Biljana Labovic, Plymptoons Koproduktion: Bill Plympton, Plymptoons Vertrieb: Catherine Branscome, Branscome International Kontakt: Bill Plympton, Plymptoons, 153 West 27th St. #1005, 10001 New York, USA, +1-212-7 41 03 22,

Internationales Programm Animationsfilm

Es ist schon erstaunlich, in welch rascher Folge Bill Plympton – einer der „Independent Animation Filmmaker“ in Amerika – einen Film nach dem anderen herausbringt. Im Wettbewerb läuft in diesem Jahr „Hot Dog“, das inzwischen dritte Dog-Sequel. Auch bei den Langfilmen überrascht Plympton sein Publikum immer wieder. Diesmal mit „Idiots and Angels“, einer „schwarzen Komödie über einen Mann und den Kampf um seine Seele“. Es wäre kein typischer Plympton-Film, wollte man hier eine simple Helden-Geschichte vermuten und bestätigt finden. Hauptfigur ist ein namenloser Geschäftsmann, der seine Tage auf Kunden wartend in einer einsamen, dunklen Bar verbringt, dabei unablässig raucht, diverse Drinks in sich hineinschüttet, anderen ordentlich eins auf die Mütze gibt, wenn sie ihm in die Quere kommen; und der auch schon mal die Frau seines Nächsten begehrt, wenigstens in Gedanken. Eines Morgens geschieht das Unglaubliche: ihm wachsen engelsgleiche Flügel. Weil diese zunehmend ein Eigenleben entwickeln und ihn zu guten Taten zwingen, muß er sie wieder loswerden – koste es, was es wolle. Die eher ruhig erzählte Geschichte um Gut und Böse kommt mit nur wenigen Charakteren aus und verzichtet auf jeden Dialog. Unterlegt ist der Film mit einem sphärischen Sound, u.a. mit Musik von Tom Waits, Pink Martini und Moby. Die reduzierte Animation und dunkle Farben geben ihm das besondere Etwas. Plympton selbst sagt: „Der Film ist sehr osteuropäisch – etwas in der Art wie Jan Svankmajer es gemacht hätte, oder David Lynch, wenn er einen Animationsfilm drehen würde – sehr dunkel und surreal.“ JZ

plymptoons@aol.com www.idiotsandangels.com

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Meet us at the

GERMAN SCREENINGS

November 30 - December 4, 2008 in Hamburg


Sonderprogramme Animationsfilm

Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Special Programmes Animated Film


Sonderprogramm: Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Special Programme: Animadoc – More than Just Reality?

Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Animadoc – More than Just Reality?

Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Text: Annegret Richter, Kuratorin

Die besten animierten Dokumentarfilme aus mehr als drei Jahrzehnten

The Best Animated Documentaries of More than Three Decades

In den letzten Jahren sind animierte Dokumentarfilme immer mehr in das Bewusstsein von Filmemachern, Festivals und Publikum ge­rückt. Diese Filme faszinieren durch ihre bewusste Verbindung von dokumentarischen Inhalten mit den künstlerischen und technischen Möglichkeiten der Animation. Besonders bei Themen, für die es kein Bildmaterial gibt oder dieses an Aussagefähigkeit verloren hat, bietet die Animation eine neue Ebene der Umsetzung. Seit 1997 gibt es bei DOK Leipzig die Programmreihe „Animadok“. Jährlich werden hier die besten animierten Dokumentarfilme gezeigt. Leipzig ist weltweit das einzige Festival, das diesem künstlerisch spannenden Subgenre seit zwölf Jahren eine Plattform bietet und damit gleichsam eine Schnittstelle zwischen dem dokumentarischen Programm des Festivals und dem der Animation findet. Die diesjährige retrospektive Sonderreihe „Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit“ versammelt die besten und interessantesten Arbeiten aus den letzten 30 Jahren. Die Mehrheit der insgesamt 29 Filme stammt aus den USA, Kanada, Australien und Großbritannien. Aber auch Frankreich, Belgien und Schweden sind als Produktionsländer vertreten. Fast alle Filme haben auf internationalen Festivals Preise gewonnen. So wurde z.B. „Never Like the First Time“ von Jonas Odell mit dem Goldenen Bären der Berlinale 2006 ausgezeichnet. Mit „Frank Film“ von Frank Mouris, „Ryan“ von Chris Landreth und „The Moon and the Son“ von John Canemaker sind überdies drei Oscar-prämierte Werke im Programm. „Ryan“, 2005 mit dem Oscar ausgezeichnet, hatte bei DOK Leipzig bereits im Jahr 2004 die Goldene Taube Animationsfilm gewonnen. Die Gesamtreihe ist in vier Programmblöcke gegliedert, die jeweils Filme zu einer bestimmten gesellschaftlichen oder sozialen Problematik versammeln. Damit soll ein Zusammenhang aufgezeigt werden– trotz oder gerade wegen der sehr unterschiedlichen Herangehensweisen der Filmemacher und der verschiedenen Animationstechniken. Im ersten Programm „Was ist schon normal?“ dreht sich alles um Themen wie Krankheit und Behinderung oder unterschiedlichen Lebensauffassungen. So ist Tim Webbs Film autistischen Kindern gewidmet („A is for Autism“) und „John and Michael“

In the past few years, filmmakers, festivals and audiences have become more and more aware of animated documentaries. These films fascinate by their deliberate combination of documentary content with the artistic and technical possibilities of animation. Animation offers a new level of visualisation, especially for subjects where there is no visual material or where the material has lost some of its power. At DOK Leipzig, the programme series “Animadoc”, an annual screening of the best animated documentaries, was established in 1997. Leipzig is the only festival in the world that has offered this artistic and exciting sub-genre a platform for the past twelve years and, in the process, found an interface between the festival’s documentary and animation programmes. This year’s retrospective “Animadoc – More Than Just Reality” features the best and most exciting works from the past 30 years. The majority of the 29 films come from the United States, Canada, Australia and Great Britain. France, Belgium and Sweden are also represented as countries of production. Almost all the films have won prizes at international festivals. “Never Like the First Time” by Jonas Odell, for example, won the Golden Bear at the 2006 Berlinale. The programme boasts three Academy Award winners: “Frank Film” by Frank Mouris, “Ryan” by Chris Landreth and “The Moon and the Son” by John Canemaker. “Ryan”, which won the Academy Award in 2005, had already been awarded the Golden Dove at DOK Leipzig 2004. The programme is divided into four sections, each of them dedicated to films dealing with a specific social issue, in order to reveal connections – in spite or precisely because of the filmmakers’ very different approaches and the various animation techniques. The first section, “What’s Normal Again?”, will revolve around disease and handicaps or different philosophies of life. Tim Webb’s film, for example, deals with autistic children (“A Is for Autism”), while Shira Avni’s “John and

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von Shira Avni erzählt die Geschichte eines behinderten Liebespaares. Bei aller Schwere geht es in diesem Programmteil auch humorvoll zu – in „Abductees“ von Paul Vester berichten Menschen unter Hypnose von ihren Erlebnissen als Entführte von Außerirdischen. Im Programm „Ich, meins und die anderen“ stehen persönliche Lebensgeschichten im Mittelpunkt. Weit entfernt von Langeweile ist „Frank Film“ von Frank Mouris, obwohl der Filmemacher im Grunde Monologe über sein Leben hält. Auch autobiographisch und ebenso überraschend ist „The Moon and the Son“ von John Canemaker, der einen imaginären Dialog mit seinem Vater führt. Louise Wilde dagegen wendet sich in „My Friend Marjorie“ einer alten Dame zu, die auf ihr Leben zurückblickt. Jonas Odells Beitrag schließlich ist irritierend und gleichermaßen aufschlussreich – in „Never Like the First Time“ berichten Menschen unterschiedlichsten Alters von ihrem „ersten Mal“. Krieg und Traumata sind Hauptthemen des Programms „Geschichten vom Überleben“. Hier kommen Filmemacher zu Wort, die eigene Erlebnisse oder die enger Angehöriger verarbeitet haben. Irra Verbitsky zum Beispiel erzählt in zwei Filmen unter dem Titel „Flashbacks from My Past“ aus ihrer Kindheit im Krieg und Sheila Sofian befragte für „A Conversation with Haris“ einen kleinen bosnischen Jungen zu seinen Kriegserinnerungen. „Gestohlenes Leben“ schließlich ist Frauen gewidmet, die in ihrem Leben schwere Krisen zu bewältigen haben. In den Filmen geht es um sexuellen Missbrauch in der Familie („Daddy’s Little Bit of Dresden China“) oder um Misshandlung, beispielsweise in der Ehe („Repetition Compulsion“). In diesen Filmen kommt ein Vorteil animierter Dokumentarfilme besonders zum Tragen: die Animation ermöglicht den Frauen, offen über die Brutalität des Erlittenen zu reden – ohne ihre Identität zu verraten.

Michael” tells the story of a handicapped couple. Despite the weighty subject matter, there is some humour, too – in Paul Vester’s “Abductees”, people under hypnosis talk about the experience of being kidnapped by space aliens. Personal life stories are at the heart of the second section, “Me, Myself and the Others”. “Frank Film” by Frank Mouris, though basically a filmmaker’s monologue about his life, is very far from boring. Another autobiographical film, and just as surprising, is John Canemaker’s “The Moon and the Son”, in which the filmmaker enters into an imaginary dialogue with his father, while Louise Wilde in “My Friend Marjorie” turns her attention to an old lady who looks back on her life. Jonas Odell’s contribution is both irritating and revealing – in “Never Like the First Time”, people of different ages talk about their “first time”. War and trauma are the main subjects of section “Stories of Survival”. In this programme, filmmakers who get to grips with their own or near relatives’ experiences speak up. Irra Verbitsky, for example, talks about her war childhood in two films entitled “Flashbacks from My Past”, while Sheila Sofian interviewed a young Bosnian boy about his war memories in “A Conversation with Haris”. The last section, “Stolen Lives”, is dedicated to women who have to cope with serious crises in their lives. The films are about sexual abuse in the family (“Daddy’s Little Bit of Dresden China”) or violent abuse, for example in marriage (“Repetition Compulsion”). These films are striking examples of one advantage of animated documentaries: animation enables the women to talk openly about the brutality they suffered – without giving away their identities.

Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Animadok 1: Was ist schon normal? What’s Normal Again? 16 mm, Farbe, 11:15 min. Regie: Tim Webb Animation: Ron MacRae, Daniel Sellers, Tim Webb Schnitt: Matthew Dennis Technik: Zeichenanimation

A Is for Autism A Is for Autism

Produktion: A Finetake Production Kontakt: Tim Webb, tim.webb@rca.ac.uk

Vereinigtes Königreich 1992

Selbst gemalte Zeichnungen von autistischen Kindern dienen als Grundlage für die Animation des Films. Zusammen mit den Interviews gelingt ein kleiner Einblick in ihre Wahrnehmungswelt.

Drawings by autistic children supply the basis for the animation of this film. Combined with interviews, they give us some insight into their perception of the world.

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Sonderprogramm: Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Special Programme: Animadoc – More than Just Reality?

Beta SP (PAL), Farbe, 10:28 min. Regie, Animation: Shira Avni Musik: Daniel Littleton, Karla Schickele Technik: Illuminierte Knetanimation auf Glas Produktion: Shira Avni/ National Film Board of Canada Kontakt: Madeleine Bélisle,

John and Michael John and Michael

National Film Board of Canada, 3155 Côte-de-Liesse RD, H4N 2N4 St-Laurent,

Kanada 2004

Quebec, Kanada,

Zwei Männer mit Down-Syndrom finden gemeinsam die Liebe und genießen das große Glück in einer kleinen Welt.

Two men with Down’s syndrome find love together and enjoy great happiness in a small world.

festivals@nfb.ca

Beta SP (PAL), Farbe, 3 min. Regie: Andy Glynne Technik: Mischtechnik Kontakt: Jenny Saunders, Mosaic Films, 4th Floor, Shacklewell Studios, 28 Shacklewell Lane, E8 2EZ London, Vereinigtes Königreich, +44-20-79 23 29 94,

Fish on a Hook Fish on a Hook

info@mosaicfilms.com

Vereinigtes Königreich 2003

Für Mike ist Einkaufen eine Qual, denn er muss dafür das Haus verlassen. Er beschreibt detailliert seine Agoraphobie und die daraus resultierenden Panikattacken.

Shopping is torture to Mike, since he is forced to leave the house to do it. He describes his agoraphobia and the resulting panic attacks in detail.

35 mm, Farbe, 13:50 min. Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Regie: Chris Landreth Produktion: Copper Heart Entertainment/National Film Board of Canada Kontakt: Madeleine Bélisle, National Film Board of Canada, 3155 Côte-de-Liesse RD, H4N 2N4 St-Laurent, Quebec, Kanada,

Ryan Ryan

festivals@nfb.ca

Kanada 2004

Von Angesicht zu Angesicht: Filmemacher Chris Landreth trifft sich zum Interview mit Ryan Larkin, einem der wichtigsten kanadischen Animationskünstler, dessen Leben von Drogen und Alkohol zerstört wurde.

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Face to face: filmmaker Chris Landreth interviews Ryan Larkin – one of the most important Canadian animation artists, whose life was ruined by drugs and alcohol.


35 mm, Farbe, 6 min. Regie, Buch, Animation: Vivienne Jones Kamera: Jeremy Moorshead, Isabelle Perrichon Musik: Alistair Roberts Schnitt: Tony Fish

Touch Wood Touch Wood

Technik: Zeichenanimation Produktion: Orly Yadin, Gillian Lacey Kontakt: Orly Yadin,

Vereinigtes Königreich 1996

Yadin Productions,

Auf Grundlage von Themen, die in echten Interviews angesprochen wurden, untersucht „Touch Wood“ die Natur der Zwangsneurose. Die Handlung spielt sich in einer Nacht ab, in der wir einem Mann und seinen Vorbereitungen zum Schlafengehen zusehen. Der Film erforscht das prekäre Gleichgewicht zwischen dem Wunsch des Mannes, sein Leben unter Kontrolle zu haben, und den Zwängen, die von ihm Besitz ergreifen wollen.

Based on themes arising from real life interviews, “Touch Wood” looks at the nature of Obsessive Compulsive Disorder. The action takes place over one night where we see a man preparing for bed. The film explores the uneasy balance between the man’s desire to control his life and the compulsions that try to possess him.

Flat 28, 12–16 Fitzroy St, WIT 4BL London, Vereinigtes Königreich, +44-20-76 31 37 73, orly@yadinproductions.com

35 mm, Farbe, 11 min. Regie: Paul Vester Kamera: Begonia Tamarit Musik: Steve Parsons Technik: Mischtechnik Produktion: Irene Kotlarz Kontakt: Paul Vester, paulvester@verizon.net

Abductees Abductees Vereinigtes Königreich 1996

The film is based on interviews, hypnotic regressions and drawings from five people who have been abducted by space aliens. Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Der Film basiert auf Interviews, Aufnahmen aus der Hypnose und Zeichnungen von fünf Menschen, die angeben, von Außerirdischen entführt worden zu sein.

Beta SP (PAL), Farbe, 4:15 min. Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Animation: Johnny Kelly Technik: Mischtechnik Produktion: Royal College of Art, London

Procrastination Procrastination

Kontakt: Alice Wigley, Nexus Productions Ltd., 113–114 Shoreditch High Street,

Vereinigtes Königreich 2007

E1 6JN London, Vereinigtes Königreich,

Mittlerweile ist das Aufschieben von unliebsamen Projekten auch als Krankheit diagnostizierbar. Hier entsteht bei einem „schweren Fall“ ganz nebenbei ein schöner Film über das Problem.

Today, procrastination is a diagnosable disease. Here, a “serious case” incidentally generates a delightful film about the problem.

+44-207-749 45 00, alice@nexusproductions.com

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Sonderprogramm: Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Special Programme: Animadoc – More than Just Reality?

Animadok 2: Ich, meins und die anderen Me, Myself and the Others Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 28 min. Regie, Animation, Produktion, Vertrieb: John Canemaker Buch: John Canemaker, Joseph Kennedy, Peggy Stern Kamera: Gary Becker Musik: Ronald Sadoff Technik: 2D-Zeichenanimation

The Moon and the Son The Moon and the Son

Kontakt: John Canemaker, John Canemaker Productions, 120 West 70 Street,

USA 2004

10023 New York, NY, USA,

Der Filmemacher reflektiert über die schwierige Beziehung zu seinem mittlerweile verstorbenen italienischen Vater. Anhand von Kindheitserinnerungen und mit Archivmaterial erzählt er von der Kehrseite des amerikanischen Traums.

The filmmaker reflects on his difficult relationship with his deceased Italian father. Using childhood memories and archive material, he talks about the downside of the American Dream.

+1-212-8 74 74 62, john.canemaker@nyu.edu

35 mm, Farbe, 9 min. Regie: Frank Mouris, Caroline Mouris Musik: Tony Schwartz Technik: Fotocollage Produktion: Frank Mouris Kontakt: Frank Mouris, Mouris Squared, 273 Hanley Road, 12123-9407 Nassau, USA, +1-518-7 66 45 87,

Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

cmouris@aol.com

Frank Film Frank Film USA 1973

Ein etwas anderer Lebenslauf. Frank Mouris setzt sich selbst in Beziehung zu gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA und dazugehörigen Konsumprodukten. Ein visuelles Freudenfest und eine akustische Herausforderung.

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A résumé of a slightly different kind: Frank Mouris uses social developments in the United States and the consumer products they brought as a frame of reference for his own life – a visual feast and an acoustic challenge.


35 mm, Farbe und s/w, 15 min. Regie, Buch, Schnitt: Jonas Odell Animation: Per Helin, Stefan Ljungberg, Jonas Odell, Arvid Steen, Aron Hagerman, Riina Kütt, Audrone Brasiskyte, Neringa Rackyte, Rita Anskaitiene, Jessica Laurén, Kamera: Per Helin / Musik: Krister Linder / Technik: Mischtechnik

Aldrig som första gangen! Never Like the First Time!

Produktion: Susanne Granlöff, Filmtecknarna F. Animation AB Koproduktion: Nordic Film & TV Fund,

Schweden 2005

Swedish Film Institute

Vier Personen, vier unterschiedliche Geschichten vom „ersten Mal“. Komisch, tragisch oder eher ernüchternd, hier wird jede Erzählung mit einer eigenen Animationsästhetik illustriert.

Four characters, four different stories of “the first time”. Funny, tragic or rather sobering, each narrative is illustrated using different animation aesthetics.

Kontakt: Swedish Film Institute, Filmhuset, Borgvägen 1–5, 102 52 Stockholm, Schweden

Beta SP (PAL), Farbe, 6:05 min. Regie, Schnitt, Animation, Produktion: Samantha Moore Musik: Adam Goddard Technik: 2D-Computeranimation Kontakt: Samantha Moore,

Doubled Up Doubled Up

84 Wenlock Road, SY2 6JT Shrewsbury, Shropshire, Vereinigtes Königreich, +44-1743-24 40 24,

Vereinigtes Königreich 2004

sam@samanthamoore.co.uk

Schön, wenn man ein Kind erwartet, doch was, wenn es unverhofft zwei werden? Der Film erzählt von den Freuden und Leiden einer Zwillingsmutter.

It’s nice to be expecting a baby, but what if it turns out to be two? The films talks about the joys and sorrows of a mother of twins.

35 mm, Farbe, 9 min. Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Regie: Caroline Mouris, Frank Mouris Musik: Kevin Bartlett Technik: Fotocollage Produktion: Caroline Mouris Kontakt: Frank Mouris,

Frankly Caroline Frankly Caroline

Mouris Squared, 273 Hanley Road, 12123-9407 Nassau, USA, +1-518-7 66 45 87,

USA 1998

cmouris@aol.com

Caroline Mouris versucht, ihr Leben so zu erzählen, wie ihr Mann Frank in „Frank Film“. Bald mischt er sich ein, und es entsteht ein aufschlussreicher Dialog. Ein wunderbarer Film über eine wunderbare Künstlerbeziehung.

Caroline Mouris tries to narrate her life the way her husband Frank does in “Frank Film”. He soon begins to interfere and a revealing dialogue ensues: a wonderful film about a wonderful relationship between two artists.

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Sonderprogramm: Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Special Programme: Animadoc – More than Just Reality?

Beta SP (PAL), Farbe, 4 min. Regie: Louise Wilde Technik: Mischtechnik Kontakt: Louise Wilde, louisethewilder@hotmail.com

My Friend Marjorie My Friend Marjorie Vereinigtes Königreich 2006

Die 89-jährige Marjorie zieht Bilanz. Sie hatte ein aufregendes Leben, doch einige ihrer Entscheidungen bereut sie.

89-year-old Marjorie takes stock. She had an exciting life, though she regrets some of her decisions.

Animadok 3: Geschichten vom Überleben Stories of Survival Beta SP (PAL), Farbe, 3:42 min. Regie, Buch, Animation, Produktion, Vertrieb: Irra Verbitsky Technik: Malerei Kontakt: Irra Verbitsky, Polestar Films,

Flashbacks from My Past: Starry Night Flashbacks from My Past: Starry Night

10014 New York, USA, +1-212-352 13 75, irrav@aol.com

USA 2003

Der Himmel ist voller Sterne. Für das kleine Mädchen ist die nächtliche Flucht ein großes Abenteuer. Erst später wird sie die Schrecken von Babi Jar verstehen. Die Filmemacherin arbeitet mit diesem Film Kindheitserinnerungen auf.

421 Hudson Street #510,

The sky is full of stars. To the little girl, the nocturnal flight seems like a great adventure. She will not understand the terrors of Babi Jar until later. With this film, the filmmaker tries to come to terms with childhood memories.

Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Beta SP (PAL), Farbe und s/w, 6:22 min. Regie, Buch, Schnitt, Animation: Maryam Mohajer Musik: Tanera Dawkins Technik: 2D-Computeranimation Produktion: Maryam Mohajer,

And Life Went on And Life Went on

Royal College of Art, London Koproduktion: Joan Ashworth, Royal College of Art, London

Vereinigtes Königreich 2007

Vertrieb: Jane Colling,

Die Sirenen heulen. Die Nachbarschaft strömt in die Luftschutzkeller. Alltag in Teheran während des Krieges 1985, denn das Leben geht auch im Keller weiter. Das kleine Mädchen sammelt die etwas anderen Kindheitserlebnisse.

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The sirens are wailing. The neighbours flock to the air-raid shelters – everyday life in Tehran during the war of 1985, because life continues even in the shelters. The little girl collects childhood experiences of a different kind.

Royal College of Art, London Kontakt: Maryam Mohajer, 39, River Court, Portsmouth Rd., KT6 4EY Surbiton, Vereinigtes Königreich, +44-20-85 47 02 93, mmplondon@yahoo.co.uk


35 mm, Farbe, 12:55 min. Regie, Buch, Kamera, Animation: Eric Ledune Musik: Christian Leroy Schnitt: Eric Ledune, Yves Van Herstraeten Technik: Mischtechnik Produktion: Eric Ledune, Got! Oh my Got Koproduktion: Christine Pireaux, Wallonie Image Production Kontakt: Eric Ledune,

Do-It-Yourself Do-It-Yourself

Got! Oh my Got, Rue du commerce 133, 7370 Elouges, Belgien, +32-65-66 44 61,

Belgien 2007

ploumploum@skynet.be

Dieser Film basiert auf einem Handbuch der CIA aus den 70er Jahren zur Folterung von Kriegsgefangenen. Die didaktische Form wird durch sarkastische Animationen unterstützt. Willkommen in den Abgründen des menschlichen Verhaltens!

This film is based on a 1970s CIA manual about torturing prisoners of war. The didactic form is supported by sarcastic animation. Welcome to the abysmal depths of human behaviour!

16 mm, Farbe, 6 min. Regie, Animation: Sheila M. Sofian Musik: Googe Technik: Malerei auf Glas Kontakt: Sheila M. Sofian, John C. Hench Division of Animation and Digital Arts, School of Cinematic Arts, University of Southern California, MC 2211 Cinema, 850 West 34th Street,

A Conversation with Haris A Conversation with Haris

90089-2211 Los Angeles, CA, USA,

Haris ist elf und wohnt in den USA, doch eigentlich kommt er aus Bosnien. Dort hat er den Krieg miterlebt. Mit einfühlsamen Bildern auf Glas gemalt, visualisiert die Filmemacherin seine Erinnerungen.

Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

+1-213-7 40 75 95, ssofian@cinema.usc.edu

USA 2001

Haris is eleven years old and lives in the United States, but originally he’s from Bosnia, where he lived through the war. The filmmaker visualizes his memories by means of empathetic pictures painted on glass.

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Sonderprogramm: Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Special Programme: Animadoc – More than Just Reality?

Beta SP (PAL), Farbe, 4:52 min. Regie, Buch, Animation, Produktion, Vertrieb: Irra Verbitsky Kamera: Stieg Retlin Musik: Nik Phelps Technik: Malerei Kontakt: Irra Verbitsky, Polestar Films, 421 Hudson Street #510, 10014 New York, USA, +1-212-352 13 75, irrav@aol.com

Flashbacks from My Past: Departure Flashbacks from My Past: Departure USA 2005

Basierend auf ihren Kindheitserinnerungen und inspiriert durch die Gemälde ihres Vaters und Großvaters erzählt die Filmemacherin vom 2. Weltkrieg und vom Verlust ihres Bruders und ihrer Heimat.

Based on her childhood memories and inspired by her father’s and grandfather’s paintings, the filmmaker talks about WW II and losing her brother and her home.

35 mm, Farbe, 8:29 min. Regie, Buch, Kamera: Nadine Buss Animation: Eric Montchaud, Pierre-Luc Granjon Musik: Stéphane Delicq Schnitt: Gwen Maliauran Technik: Puppenanimation Produktion: Strapontin Vertrieb: Euromed Café Kontakt: Sylvie Martin, Strapontin, 6, rue Henri Feulard, Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

75010 Paris, Frankreich, +33-1-42 08 07 07,

À l‘époque In Those Days

sylviemartin@strapontin.com

Frankreich 2005

Die Filmemacherin erzählt die Geschichte ihres Vaters, der als kleiner Junge mit seiner Familie aus Deutschland nach Frankreich floh, dort aber in ständiger Angst lebte, als Deutscher enttarnt zu werden.

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The filmmaker tells the story of her father, who, as a small boy, fled from Germany to France with his family, but once there, lived in constant fear of being exposed as a German.


35 mm, Farbe und s/w, 10:45 min. Regie: Sylvie Bringas, Orly Yadin Animation: Tim Webb, Ruth Lingford, Ron MacRea Kamera: Begonia Tamarit Musik: Noa Ain Schnitt: Tony Fish

Silence Silence

Technik: Mischtechnik Produktion: Orly Yadin, Sylvie Bringas Koproduktion: Rockfilm, Stockholm

Vereinigtes Königreich 1998

Kontakt: Orly Yadin,

Als kleines Mädchen entkommt Tana Ross knapp dem Schrecken des Holocaust in Deutschland. Diese Erlebnisse machen sie sprachlos und zur Außenseiterin in ihrer neuen Heimat Schweden. Ihre Familie wird sie nie wieder sehen.

As a little girl, Tana Ross narrowly escapes the horrors of the holocaust in Germany. These events make her speechless and turn her into an outsider in her new homecountry of Sweden. She will never see her family again.

Yadin Productions, Flat 28, 12–16 Fitzroy St, WIT 4BL London, Vereinigtes Königreich, +44-20-76 31 37 73, orly@yadinproductions.com

16 mm, Farbe und s/w, 8:49 min. Regie, Buch, Animation: Ann Shenfield Technik: Zeichenanimation, Sandanimation Kontakt: Ann Shenfield,

A Saucer of Water for the Birds A Saucer of Water for the Birds

3068 Nth Fitzroy, Vic, Australien, +61-3-94812158, annshenfield@yahoo.com

Australien 1993

Die Filmemacherin erinnert sich an ihre polnische Großmutter, an ihre schönen Geschichten, ihr seltsames Verhalten und an die Nächte, in denen die Großmutter schreiend aufwachte.

10 Bundara St,

The filmmaker remembers her Polish grandmother, her amazing stories and strange behaviour, and the nights when her grandmother woke up screaming.

35 mm, Farbe und s/w, 10 min. Musik: Current 93 Technik: Fotocollage Produktion: Frédéric Dubreuil, Yves Le Yaouanq, Guillaume Desmartin, Envie de Tempête Production Vertrieb: Heure Exquise

Nijuman no borei 200,000 Phantoms

Kontakt: Jean-Gabriel Périot, 2 rue Parmentier, 37000 Tours, France,

Frankreich 2007

+33-6-60 24 40 37,

Das Gebäude ragt aus der Ansicht von Hiroshima heraus. In über 600 Fotografien von 1914 bis 2006 zeigt uns der Filmemacher die Beständigkeit dieses Hauses – während der Rest der Stadt durch Kriege und die Atombombe zerstört wird.

This building stands out in the views of Hiroshima. Using more than 600 photos dated from 1914 to 2006, the filmmaker demonstrates the durability of this house – while the rest of the city is destroyed by war and the bomb.

jgperiot@free.fr

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Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Regie: Jean-Gabriel Périot


Sonderprogramm: Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Special Programme: Animadoc – More than Just Reality?

Animadok 4: Gestohlenes Leben Stolen Lives 16 mm, Farbe, 9 min. Regie: Marjut Rimminen Technik: Zeichenanimation Produktion: Orly Yadin, Footage Farm Kontakt: Orly Yadin, Yadin Productions, Flat 28, 12–16 Fitzroy St, WIT 4BL London, Vereinigtes Königreich, +44-20-76 31 37 73, orly@yadinproductions.com

Some Protection Some Protection Vereinigtes Königreich 1987

Josie O‘Dwyer war bereits als Teenager in Erziehungsanstalten und im Gefängnis. Die Erfahrungen dort haben sie kaputt gemacht, aber es ist die einzige Welt, die sie kennt und die ihr Sicherheit gibt. Ein starker Film über eine gebrochene Frau.

Josie O’Dwyer spent much of her teenage years in reformatories and prisons. Her experiences there broke her, but it is the only world she knows and feels safe in: a strong film about a broken woman.

Beta DIGITAL (PAL), Farbe, 6 min. Regie, Kamera, Schnitt, Animation: Samantha Moore Buch: Joshka Wessels, Samantha Moore Musik: George Beasley Technik: Mischtechnik Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Produktion, Vertrieb: Joshka Wessels, Sapiens Productions Kontakt: Joshka Wessels, Sapiens Productions, Observantenweg 25,

The Beloved Ones The Beloved Ones

6212 EN Maastricht, Niederlande, +49-341-043 3101919, joshka@sapiensproductions.com

Vereinigtes Königreich 2007

Maureen ist 16 und muss sich allein um ihre Schwester kümmern. Ihre Eltern sind an AIDS gestorben. Anna ist 42 und ihre fünf Kinder werden bald Waisen sein. Aber beide Frauen erzählen ihre Geschichte, als eine Geschichte vom Leben.

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Maureen is 16 and must take care of her sister alone. Her parents died of AIDS. Anna is 42 and her five children will soon be orphans. But both women tell their stories – stories of life.


35 mm, Farbe, 14:30 min. Regie, Schnitt, Animation, Produktion: Dennis Tupicoff Musik: Burkhard Dallwitz Technik: Rotoskopie, Mischtechnik Kontakt: Dennis Tupicoff, 16 Burnett St , 3182 St Kilda, Australien, +61-3-95 37 17 27, tupicoff@bigpond.net.au

His Mother’s Voice His Mother’s Voice Australien 1997

Am 25. April 1995 wurde der 16-jährige Matthew Easdale in Brisbane erschossen. Einige Wochen später wird seine Mutter interviewt. Der Filmemacher nutzt diese Aufzeichnung und visualisiert ihre Geschichte auf unterschiedliche Weise. Die traurige Stimme aber bleibt omnipräsent.

On 25 April 1995, 16-year-old Matthew Easdale was shot in Brisbane. Some weeks later his mother is interviewed. The filmmaker uses the recording to visualize her story in different ways. Her sad voice, though, is always there.

16 mm, Farbe, 8:30 min. Regie, Buch: Karen Watson Technik: Mischtechnik Kontakt: National Film and Television School, Beaconsfield Studios, Station Road, HP9 1LG Beaconsfield, Vereinigtes Königreich, info@nfts.co.uk

Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Daddy’s Little Bit of Dresden China Daddy’s Little Bit of Dresden China Vereinigtes Königreich 1988

Die Geschichte von Papas kleinem Mädchen ist überhaupt nicht gut. In vielfältigen Animationstechniken erzählt die Filmemacherin autobiographisch von ihrem Missbrauch, der Macht des Vaters, den kaputten Familienstrukturen und von einer Mutter, die nichts sehen wollte. Ein intensiver und wichtiger Film.

The story of daddy’s little girl is not a good story at all. Using a wealth of animation techniques, the filmmaker tells an autobiographical story of abuse, her father’s power, dysfunctional family structures, and of a mother who refused to see anything – an intense and important film.

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Sonderprogramm: Animadok – Mehr als nur die Wirklichkeit? Special Programme: Animadoc – More than Just Reality?

35 mm, Farbe, 16:10 min. Regie, Animation: Sheila M. Sofian Musik: Caleb Sampson Technik: Zeichenanimation Kontakt: Sheila M. Sofian, John C. Hench

Survivors Survivors

Division of Animation and Digital Arts, School of Cinematic Arts, University of Southern California,

USA 1997

MC 2211 Cinema,

Erst war es Liebe, dann kam die Gewalt. Der Film lässt Frauen zu Wort kommen, die von ihren Männern misshandelt werden, aber nicht loslassen können. Sie erzählen von fehlendem Mut, von Hoffnung und von vielen Ängsten. Auch die Männer versuchen, etwas zu erklären. Das erschütternde Bild bleibt.

First it was love, and then came the violence. This film lets women speak who were abused by their partners but can’t let go. They talk about lack of courage, hope, and many fears. The men, too, try to explain something. The devastating image remains.

850 West 34th Street, CA 90089-2211 Los Angeles, USA, +1-213-7 40 75 95, ssofian@cinema.usc.edu

35 mm, Farbe, 6:30 min. Regie, Kamera, Schnitt, Produktion: Ellie Lee Animation: Nneka Bennett, Ellie Lee, Naima Workman

Repetition Compulsion Repetition Compulsion

Musik: Christopher Libertino Technik: Kohlezeichnung Kontakt: Ellie Lee,

USA 1997

ellie@salamanderfilms.com

They’ve escaped marriage hell and now live on the streets. With no self-esteem, no possessions, no strength – again, women falling victim to male violence. The filmmaker interviewed homeless women and captured their crippling pain in charcoal drawings.

Sonderprogramm Animationsfilm: Animadok

Sie sind der Ehehölle entkommen und leben jetzt auf der Straße. Ohne Selbstwertgefühl, ohne Besitz, ohne Kraft. Auch hier werden die Frauen wieder Opfer von Männergewalt. Die Filmemacherin hat einige obdachlose Frauen interviewt und ihren lähmenden Schmerz in Bildern mit Kohlezeichnungen eingefangen.

35 mm, Farbe, 7:44 min. Regie, Buch: Klara Swantesson Technik: Mischtechnik Kontakt: Uzi Geffenblad, Zigzag Animation, Kammakargatan 41,

Tillväxtsjukan Radicalized

11124 Stockholm, Schweden, +46-8-6 15 08 82, animation@zigzag.se

Schweden 2006

Ein Interview mit der Mutter der Filmemacherin, die nach 33 Jahren als Lehrerin am BurnoutSyndrom erkrankt und nicht mehr arbeiten kann. Sie erklärt anhand ihres Lebens, wie viel absurder Druck heutzutage auf alleinerziehenden berufstätigen Frauen lastet. 256

An interview with the filmmaker’s mother who, after 33 years as a teacher, gets burnout syndrome and can’t work any more. She uses her life as an example to explain how much absurd pressure single working mothers are exposed to nowadays.


Sonderprogramm: Animationsfilm Special Programme: Animated Film

Fast ein Jahrhundert lang waren die Filme Aleksandr Schirjajews