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www.visavis.de • Ausgabe 1/2011

ECONOMY Krisenfest

Solide Investments Der deutsche Pfandbrief, eine der sichersten Geldanlagen, gewinnt weiter an Attraktivität

estandsaufnahme B ne Ei : ng hi as w Green

Potenzial ∙ Customer Care: Social Media punktet ∙ RFID: Eine Technologie wird erwachsen ∙ Fuhrpark: Sparen mit grünen Flotten ∙ E-Learning: Wissensmanagement im Netz

KMU Mittelstand – Keimzelle für Innovation und Transformation


EDITORIAL

Politikverdrossener Mittelstand? PERSPEKTIVEN Die tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft steht vor großen Herausforderungen.

S

ind die zahlreichen Versprechen der Parteien, Steuern zu senken, nur Ankündigungen ohne Terminvorgaben? Die Unternehmensbesteuerung oder Erbschaftsteuer wurde bisher nicht reformiert oder entschärft. Auch die Bürokratie lastet weiter auf den kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland. Im internationalen Vergleich hat sich die Situation deutscher Familienunternehmen nicht verbessert, eher verschlechtert. Und schon werden neue Ideen der Besteuerung ins Gespräch gebracht. Der Einfallsreichtum reicht von einer Sonnenbanksteuer bis zu einer Sexsteuer, gefolgt von der Windrad- und Bettensteuer, die den Gemeinden nach Verrechnung der Erhebungen kaum helfen können. Nachteilig für den Standort sind die Hebesätze der Gewerbesteuer allemal, die von zahlreichen Kommunen für die Unternehmen schmerzhaft angehoben wurden. Zusammen mit der Neubewertung der Grundvermögen sind das erhebliche Belastungen für die Unternehmen, die mit den Wahlversprechen nicht

übereinstimmen. Um bei den Immobilien die regionalen Unterschiede der Erbschaftsteuer zu prüfen, haben die Koalitionsparteien eine Arbeitsgruppe für Bund und Länder beschlossen. Hat diese Arbeitsgruppe jetzt ihre Arbeit schon aufgenommen? Die Erbschaftsteuer ist immer noch ein großes Problem der Familienunternehmen, weil ihnen dadurch Potential entzogen wird und damit die Wettbewerbsfähigkeit in Frage steht. Neue Gewinnermittlungsvorschriften sind schmerzhaft für den Mittelstand und ebenso die steigenden Preise für Treibstoff, die im Namen des Umweltschutzes erfolgen. Viele neue bürokratische Belastungen führen wohl auch bei den Unternehmerfamilien zu Verdrossenheit. Interessante Aspekte der Unternehmensnachfolge, der Zuwanderung ausländischer Mitarbeiter sowie auch der Finanzierung von mittelständischen Unternehmen hat unser Autor Udo Rettberg im Titelthema beschrieben. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 10. Ihr Wolfgang Haselbauer

Inhalt

FÜHRUNGSETAGE In mittelständischen Unternehmen sind die aktuellen Herausforderungen Chefsache.

Privatschulen 7 Der Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Schulen ist zugunsten der privaten entschieden.

Tagesgeld 32 Die sinnvolle Ergänzung der Investmentstrategie auf der Jagd nach Rendite.

Titelreportage 10 Nachwuchs nach vorn: Die neue junge Riege von Führungskräften in mittelständischen Unternehmen steht in der Verantwortung.

E-Learning 36 Von günstigen und modularen Systemen profitieren auch mittelständische Unternehmen.

Nachhaltigkeit 22 CSR-Strategien in Unternehmen sind modern. Doch sind sie ernst gemeint oder überwiegt der Marketinggedanke? Flottenmanagement 30 Die Reduzierung des Fuhrparks erspart Unternehmen Kosten und schont die Umwelt.

IMPRESSUM

Business Intelligence 38 Gut informiert ist halb gewonnen: BI-Systeme helfen, Unternehmensprozesse sinnvoll zu verzahnen. Customer Care 43 Social Media verändert das Kundenbeziehungsmanagement. Ob Unternehmen von dieser Entwicklung profitieren, bleibt offen.

Krankenkassen 48 Was bringt die neue Gesundheitsreform für Kassen und Versicherte? RFID 50 RFID-Projekte sollen Kosten sparen und Prozesse optimieren. Pfandbriefbanken 54 Eine der sichersten Geldanlagen gewinnt weiter an Attraktivität.

Verlag: VISAVIS Verlags GmbH; Marie-Curie-Str. 11-13, 53332 Bornheim; Tel.: 02227/ 9212 - 0, Fax: 02227/ 9212 - 10, Vanity: 07000 / visavis, E-Mail: visavis@visavis.de, www.visavis.de; Chefredaktion: Wolfgang Haselbauer; Schlussredaktion: Cornelia Hornschild; Geschäftsführer: Bernhard Haselbauer; Themen- und Projektleitung: Cornelia Hornschild, Oliver Hammel, Marcel Jansen, Petra Liening, Reinhard Krabbe, Dorothea Reinecke; Layout: Marcel Rohland, Michael Döhring, Andreas Schnittker; Bildmaterial: istockphoto.com, sxc.hu, Verbreitete Auflage: 134.000 Exemplare. 122.475 Exemplare liegen der Financial Times Deutschland bei; ISSN: 0942-8615; Konzeption und Marketing: newpublic communication Verwaltungsges. UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG; www.newpublic.org

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MAGAZIN

Aus dem Schatten treten Sie sind die starke Säule des deutschen Mittelstandes: Familienunternehmen. Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Mittelstandsforschung sind über 95 Prozent aller hier ansässigen Firmen in Familienbesitz, tragen mit rund 42 Prozent einen erheblichen Anteil zum Gesamtwirtschaftsumsatz bei und bieten sechs von zehn Arbeitnehmern einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Laut der Studie „Fels in der Brandung“ der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers, für die 2010 unter anderem 181 Familienunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden, sehen diese ihre Stärken besonders in starken Marken, Innovationsgeist und Technologieführerschaft. Doch wie sieht die Zukunft der Familienunternehmen aus? Bei knapp einem Viertel der in der DACH-Region ansässigen Familienunternehmen steht in den nächsten fünf Jahren ein altersbedingter Führungswechsel an. Und vielerorts ist die Nachfolge noch ungeklärt. Der Studie zufolge droht in vielen Unternehmen ein Führungsvakuum: Rund 30 Prozent der betroffenen Firmenver-

Organisation |

antwortlichen haben bislang keine Vorkehrungen für den Fall getroffen, das wichtige Entscheidungsträger unerwartet ausfallen. Die Generation der Erben wäre durchaus bereit, sich aktiv im Familienunternehmen zu bewähren, wie die Studie „Deutschlands nächste Unternehmergeneration“ des Magazins impulse, der Stiftung Familienunternehmen und der Zeppelin Universität zeigt. 55 Prozent der befragten Unternehmerkinder planen demnach die operative Nachfolge im Familienbetrieb. Die Eltern können stolz auf ihre Kinder sein, spüren doch nicht nur über 60 Prozent der Befragten eine große Verantwortung für ihr „Erbstück“, mehr als 85 Prozent sehen sich außerdem in der Pflicht, für eine positive Gestaltung der Gesellschaft zu sorgen. Auch der schnelle Erfolg steht nicht im Zentrum des Interesses, vielmehr liegt der Fokus auf einer nachhaltigen, auf langfristige Erfolge angelegten Unternehmensführung. Beste Voraussetzungen also für Unternehmer, die Verantwortung für ihren Familienbetrieb guten Gewissens in die Hände der nachfolgenden Generation zu legen.

Produktiver arbeiten

Laut Prognosen der Marktforschungsfirma IDC wird die Menge an digitalen Informationen bis 2020 um den Faktor 30 zunehmen. Für Managed Print Services sagt IDC ein weltweites Wachstum auf 42 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2014 voraus. Unter dem Begriff „Managed Document Services“ entwickeln Spezialisten für digitale Bürokommunikation nun Lösungen, die weit über die Steuerung der

Druckprozesse hinausgehen. „Sie umfassen nicht nur die Optimierung des gesamten Dokumentenmanagements und Workflows eines Unternehmens“, erklärt Thomas Pempelforth, Business Development Manager von Ricoh Deutschland, im Gespräch mit VISAVIS ECONOMY. „Die Bandbreite unserer Leistungen reicht von Beratung und Projektbegleitung bis hin zum Change Management. Dabei decken wir mit

unserem Angebot auch die Bereiche Business Solutions und Produktionsdruck ab.“ In Zukunft sollen auch IT-Beratung und -Dienstleistungen hinzukommen. Über einen Zeitraum von drei Jahren will das Unternehmen 300 Millionen US-Dollar in die globale Infrastruktur des MDS-Geschäftsbereichs investieren. Lesen Sie das vollständige RicohInterview auf unserer Website: www.visavis.de/interviews

INFORMATIONSLOGISTIK Pempelforth hat den Trend zur allgemeinen Digitalisierung der Arbeitsabläufe erkannt. VISAVIS ECONOMY

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MAGAZIN

Die feine englische Art Laut einer Analyse von Creditreform Wirtschaftsforschung hat sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent auf 32.100 Fälle (2009: 32.930 Fälle) verringert. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen dagegen stieg im gleichen Zeitraum um 10,9 Prozent auf 11.800 neue Fälle kräftig an. Nicht von ungefähr stößt das englische Insolvenzrecht mit der kurzen Frist von im Regelfall nur einem Jahr bis zur Entschuldung in Deutschland zunehmend auf Interesse. Denn während man hierzulande gezwungen ist, sich bei einer Privatinsolvenz für die Dauer von sechs Jahren mit dem Existenzminimum zu begnügen, ist man nach dem in England und Wales geltenden Recht bereits nach zwölf Monaten schuldenfrei. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man den „Mittelpunkt seiner Interessen“ in eine dieser Regionen verlegt. Manch ein Freiberufler oder geschäftsführender Gesellschafter in finanzieller Bedrängnis entdeckt folglich seine Liebe zum Union Jack, nimmt seinen ständigen Wohnsitz auf

Förderung |

NACHWUCHS Wer Auszubildende an das Unternehmen bindet, sichert sich die Kompetenzen für morgen.

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englischem Boden ein und lässt sich hinsichtlich einer Privatinsolvenz professionell beraten. Im Angebot sind ganze Servicepakete, die Wohnungssuche und Umzug beinhalten sowie die fachliche Beratung bei der Abwicklung der Insolvenz. Bereits in Deutschland kann man diskrete Vermittler ansprechen; ihren Kunden entstehen neben der Provision Aufwendungen in Höhe der Umzugs-, Miet- und Gerichtskosten in England. Oft beteiligen sich Personen aus dem sozialen Umfeld an diesen Kosten. Neue Schulden sind nach englischem Recht zu vermeiden. Außerdem muss ein ständiges Einkommen aus der Tätigkeit bei einem englischen Arbeitgeber nachgewiesen werden. Professionelle Betreuung ist trotz üppiger Honorare für die Vermittlung sinnvoll. Wenn nämlich das englische Gericht nach genauer Prüfung den Wohnsitzwechsel nicht anerkennt, gerät der Schuldner in den Verdacht illegaler Machenschaften. Nicht zuletzt droht auch die erfolgreiche Anfechtung der englischen Insolvenz durch die Gläubiger.

Mitarbeiter binden

Der Erfolg eines hoch spezialisierten Dienstleistungsunternehmens wie Toll Collect – dem Betreiber des deutschen Mautsystems für Lkw ab 12 Tonnen – hängt wesentlich von kompetenten, leistungsbereiten und motivierten Mitarbeitern ab. Sie sollten die Prinzipien des nachhaltigen Wirtschaftens aktiv unterstützen und langfristig dem Unternehmen verbunden bleiben. Dafür bietet Toll Collect seinen Arbeitnehmern viel: Sie haben eine spannende Aufgabe in einem innovativen Unternehmen mit spezifischem technischem Background, für die sie leistungsorientiert und marktgerecht entlohnt werden. Ihren Arbeitplatz mitten in Berlin erreichen sie umweltschonend mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dafür erhalten sie das Jobticket, das 86 Prozent der Mitarbeiter nutzen. Flexible Ar-

beitszeiten helfen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Toll Collect unterstützt seine Mitarbeiter: Ob bei der bedarfsgerechten Ausund Weiterbildung oder bei der Gesundheitsvorsorge. Für junge Familien steht bei Betreuungsnotfällen ein Eltern-Kind-Zimmer zur Verfügung. All diese Maßnahmen sorgen für ein positives Arbeitsumfeld und machen Toll Collect zu einem attraktiven Arbeitgeber. Im August 2010 wurde dies auch von der Hertie-Stiftung bestätigt. Sie zeichnete das Unternehmen mit dem Zertifikat „berufundfamilie“ aus. Toll Collect beschäftigt derzeit rund 500 Mitarbeiter aus 15 verschiedenen Nationen. Rund 40 Prozent davon sind Frauen. Toll Collect bildet Informatikkaufleute aus und bietet ein Duales Informatikstudium an. Infos unter: www.toll-collect.de

Wanted

Grüne Logistik Ressourcen- und Klimaschutz werden als Wettbewerbsfaktor für Unternehmen immer wichtiger – auch die Logistik-Branche wird hier von ihren Kunden aus der Konsumgüterindustrie und dem Einzelhandel künftig mehr in die Pflicht genommen. Das geht aus dem von der Steria Mummert Consulting AG und dem F.A.Z.-Institut herausgegebenen „Branchenkompass 2010“ hervor. So verlangt etwa jedes dritte der insgesamt 100 befragten Unternehmen von den Transporteuren ein effizientes Umweltmanagementsystem und emissionsarme Fuhrparks. Grüne Logistik hat also Potential – und wird laut Experten in den nächsten Jahren zur Wachstumsbranche. www.steria-mummert.de


MAGAZIN

> Ihr Partner im Web. Das Themenportal für Wirtschaft und IT

> Professor Johann Eekhoff über die Lage des Mittelstands. www. visavis.de/interviews > Geschäftsführer Noah Wild über seine Erfahrungen als junges Vorstandsmitglied. www.visavis.de/ interviews

Entwicklung |

Wie ein Fingerabdruck

Die Umwandlung von Klängen und Geräuschen in Bilder – diese Nische hat der bayerische Künstler Rainer Tautenhahn entdeckt. Der 45-jährige „tonale Weltenbummler“ beschreitet einen ungewöhnlichen Weg und sorgt nicht nur in der Kunstszene für Aufsehen, sondern verzeichnet auch immer mehr Nachfrage bei Unternehmern und Geschäftsleuten. Denn was ungewöhnlich ist, in besonderer Weise wahrgenommen wird und Kunstfreunde anlockt, sorgt auch für zusätzliches Kundenaufkommen und verschönert Sitzungsräume. Am Anfang von Tautenhahns Werken, seinen „SonicPictures“, stehen Tonaufnahmen, bei denen er Geräusche aus der Natur oder aus dem Alltagsleben mit hochsensiblen Mikrofonen einfängt. So entstehen „Unikate eines Mo-

ments“. Diese Töne werden anschließend am Computer in optische Signale umgesetzt, und aus dem Resultat entsteht ein hochwertiger und bunter Glasdruck. Der Künstler – eigentlich Journalist und Radiomoderator – macht lesbar und optisch sichtbar, was vom Menschen eigentlich nur akustisch aufgenommen wird, etwa das Geräusch eines Apfelbisses, ein Peitschenknall oder das Starten eines Sportwagens. Auf diese ungewöhnliche Weise können Unternehmen historische Worte ihrer Manager oder Geräusche, die mit ihren Produkten verbunden sind, für die Nachwelt konservieren und lassen sich das Kunstwerk mehrere tausend Euro kosten. Auch die Abbildung des Klanglogos wird immer häufiger nachgefragt. Infos: www.sonicpicture.de

PEITSCHENKNALL Mit seiner Kunstform hat Rainer Tautenhahn eine neue Nachfrage erzeugt.

Foto: © Rainer Tautenhahn, www.sonicpicture.de

Einmalig |

Ursachen des Aufschwungs

Deutschland profitiert derzeit von einem kräftigen Wirtschaftswachstum und hat aus dem konjunkturellen Tal herausgefunden. Dr. Jörg Zeuner, Chief Economist der VP Bank Gruppe in Liechtenstein, verweist auf die Faktoren, welche diese positive Entwicklung unterstützen. Demnach zeigen jetzt die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit aufgrund gesunkener Lohnstückkosten und die intensiven Handelsbeziehungen der Bundesrepublik mit den boomenden Schwellenländern ihre Vorteile. Klug sei es auch gewesen, während der konjunkturellen Schwäche auf Kurzarbeit zu setzen, wodurch man nach der Baisse die aufwändige Suche nach qualifizierten Arbeitskräften vermieden habe. Hinzu

kämen niedrige Kreditzinsen, der in Deutschland hohe Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt sowie generell die hohe Produktivität der deutschen Wirtschaft. Zeuner hebt den Spitzenwert von 3,6 Prozent beim ökonomischen Wachstum im Jahr 2010 hervor, womit Deutschland kraftvoll die Wirtschaftskrise des Vorjahres überwunden habe. Auch für das Jahr 2011 zeigt er sich optimistisch: Die Voraussetzungen für ein dynamisches Wachstum seien gege-

ben. Die VP Bank setzt wie andere Geldinstitute des Fürstentums auf den deutschen Markt und geht mit einer Tochtergesellschaft sowie mit maßgeschneiderten Anlagekonzepten auf die Wünsche ihrer Kunden ein. Die liechtensteinischen Institute genießen nicht zuletzt aufgrund der Tatsache viel Vertrauen, dass sie im Gegensatz zu einigen großen Schweizer Banken während der Finanzkrise keinerlei staatliche Hilfe beantragen mussten. www.vpbank.com

ZIELMARKT Die liechtensteinische VP Bank hat den Standort Deutschland im Blick und entdeckt viele positive Faktoren. VISAVIS ECONOMY

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MAGAZIN

Schnelles Internet über Funk Mit dem neuen Standard LTE soll nun endgültig der Durchbruch des mobilen Internets geschaffen werden. LTE steht für „Long Term Evolution“ und ermöglicht besonders schnelles Internet per Funk. Tatsächlich verspricht dieser Anschluss deutlich höhere Datenraten von 100 MBit/s und mehr. Ein weiterer Vorteil: Die Anfälligkeit gegenüber Störungen ist weitaus geringer, da die Funkzellen wesentlich mehr Verkehr verkraften. Das LTE-Verfahren nutzt als Frequenzbereich die sogenannte „digitale Dividende“, also Frequenzbereiche zwischen 790 und 862 MHz. Experten gehen davon aus, dass der neue Standard den Markt revolutionieren und sich der Markt für breitbandigen Mobilfunk rasch entwickelt wird. Aufgrund der günstigeren Lizenzen und Realisierung des neuen Netzes können sich die Nutzer des mobilen Internets über deutlich günstigere Preise freuen als beispielsweise die Preise für UMTS bei Einführung. LTE-Verbindungen können im Vergleich zu den vorherigen Mobilfunkgenerationen deutlich flexibler aufgebaut werden, da diese nicht an eine Frequenz gebun-

DATENÜBERTRAGUNG Der neue Standard LTE wird 2011 in großem Umfang für die digitale Datenübertragung eingeführt.

SAS |

Von hohem Wert

Der Wert der sozialen Medien tritt immer stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, doch erkennen ihn die für Marketing und Public Relations zuständigen Mitarbeiter

STUDIE Integration von Social Monitoring in andere Marketing-Lösungen

6% 41 % 5%

Durchführung von Kundenstimmungsanalysen aus den Social-Media-Kanälen

36 % 33 % 4%

Einsatz von Predictive Analytics

27 %

Messung des Effekts von Online-Kommunikation

4%

Pflege eines zentralen Speichers für Social-Media- bzw. Online-Diskussionen

4%

Socia-Media-Analyse über mehrere Sprachen hinweg Andere Lösung

26 %

18 % 2% 12 % heute in 2-3 Jahren

1% 10 %

Noch sind Social-Media-Analytics eine Randerscheinung. Aber die Unternehmen planen bereits den Einsatz auf breiter Front.

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Quelle: SAS, Harvard Business Review Analytic Services

8%

Einsatz einer Social-MediaMonitoring-Lösung

den sind. Zudem lässt sich die Technik über die bestehende Infrastruktur umsetzen. Vor allem ländliche Gebiete, die bisher nicht mit Breitband wie DSL versorgt werden konnten, profitieren von der Einführung des LTE-Netzes und können nun ohne weiteres an das Hochgeschwindigkeitsnetz angebunden werden. Bereits im letzten Jahr hatte die Bundesregierung mit der Versteigerung der zugehörigen Frequenzen den Weg für die flächendeckende Nutzung des neuen Standards geebnet. Doch bei aller Euphorie über die Möglichkeiten, die sich mit der neuen Technologie im Mobilfunkbereich ergeben, ist Vorsicht geboten. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) kommt zu der Einschätzungen, dass es bei der Umsetzung Probleme geben könnte. So darf die „digitale Dividende“ noch bis Ende 2015 durch Mikrofon- und In-Ear-Systeme genutzt werden und könnte so dazu führen, dass es also im Laufe der Zeit zu wachsenden Störungen durch Veranstaltungstechnik kommt. www.bitkom.org

von Unternehmen nur zögerlich. Dies zeigt die jüngste Studie des Softwareanbieters SAS. Viel zu wenige der Verantwortlichen setzen Social Media gezielt ein, beobachten die Diskussion über ihre Produkte und integrieren die sozialen Medien in ihre Marketingstrategie. In drei von vier Unternehmen zeigte man sich gar ratlos über die Netzwerke, in denen sich Kunden über sie äußern. Marktchancen werden vergeben, da man nicht prüft, wie Markenbotschaften oder Werbekonzepte bei den Kunden ankommen; die Möglichkeit, das Renommee des Unternehmens zu beeinflussen, bleibt ungenutzt. Dabei ist es, so die SAS-Studie, sehr sinnvoll, diese Meinungen von Kunden ernst zu nehmen, eine interaktive Kommunikation aufzubauen und die Bekanntheit sowohl der Firma als auch ihres Sortiments zu erhöhen. Infos unter: www.sas.com

Konsum 2020

Blick in die Zukunft Nachhaltiges Denken und Handeln, demografische Entwicklung und technologische Innovationen sind die Schlüsselfaktoren, die in der kommenden Dekade das Konsumverhalten von Verbrauchern bestimmen werden. Weitere Faktoren sind nicht zuletzt zu erwartende Umbrüche der Weltwirtschaft und die sich in diesem Zusammenhang entwickelnden neuen Käuferschichten. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Report „Consumer 2020“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Unternehmen müssen diese Trends nicht nur erkennen, sondern vor allem den Wandel zu einem globalen Nachhaltigkeitsbewusstsein aktiv vorantreiben – um auch zukünftig erfolgreich zu sein. www.deloitte.com/de


BILDUNG

PRIVATSCHULEN

Exklusive Förderung AUSBILDUNG Geht es nach dem Wunsch der meisten Eltern, so würden sie ihre Kinder auf eine Schule freier Trägerschaft schicken. Die Vorteile dieser Entscheidung liegen für sie klar auf der Hand.

E

igentlich muss man von einer regelrechten Erfolgsgeschichte sprechen. Auch wenn kein sogenannter Hype um die ganze Entwicklung gemacht wird. Doch die starke Zunahme von Privatschulen und der Run auf sie in Deutschland sind schon beeindruckend. Schaut man sich den Zeitraum 1999-2009 an, fällt auf, dass die Zahl der Schüler an allgemeinbildenden

Privatschulen um 25 Prozent auf 690.757 gewachsen ist. Im Schuljahr 2009/2010 stieg diese Zahl weiter auf 704.632 an, 7,9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen demnach eine Privatschule. Neben strukturellen Entwicklungen gibt es für den Zuwachs aber auch ganz praktische Gründe. Seit der ersten Pisa-Studie im Jahr 2000 ist das Vertrauen in staatliche

Schulen beschädigt. Seither nehmen immer mehr Eltern und Schüler ihr Recht auf eine freie Schulwahl wahr und suchen individuellere Angebote. Dr. Isabell van Ackeren, Professorin und Leiterin der Arbeitseinheit Bildungssystem- und Schulentwicklungsforschung an der Universität Duisburg-Essen, formuliert es so: „Für die zunehmende Beliebtheit sprechen: Mangelndes Vertrauen in die Qualität staatlicher Schulen, aber auch die angenommene Erhöhung von Bildungs- und Lebenschancen, versprechen bei Privatschulen eine höhere Exklusivität.“ Doch es dürften nicht nur die Versprechen und die damit verbundenen Hoffnungen der Eltern sein, Kindern die bestmögliche Schulausbildung bieten zu wollen und bei der Schulauswahl deswegen auf eine Privatschule zu setzen, es gibt handfeste und nachweisbare Vorteile der Privatschulen gegenüber den staatlichen Schulen. Anders als die staatlichen Schulen können sich

Kompetenz | Unabhängige Internatsberatung seit über 30 Jahren

Aufmachermotiv (oben): istockphoto.com

Wegweiser zu den besten Schulen Welche Begabungen hat mein Kind? In welcher Schule kann es sein Talent optimal entfalten? Im Dickicht der Angebote braucht man oft einen neutralen Berater: Über 30 Jahre Erfahrung machen die Euro-Internatsberatung zu Deutschlands renommiertester Bildungsberatungsstelle. Mit Kontakten zu rund 350 deutsch- und englischsprachigen Internaten unterstützt sie Eltern und Schüler kostenlos und unabhängig bei der Auswahl. Sie stellt den Kontakt zum Internat her und begleitet den Schüler von den Bewerbungsmodalitäten über Tests, Besuchstermine und Fächerauswahl bis hin zur Beratung bei

Schwierigkeiten während des Aufenthalts. Geschäftsführer Jürgen Grunwald: „Unser Team kennt die Häuser persönlich. Wir überprüfen die Schulen auf Übereinstimmungen mit den Begabungen und Interessen der Schüler und geben eine fundierte Empfehlung ab, die den Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnet.“ Ein Team von Pädagogen, Psychologen und Bildungsexperten steht Eltern und Schülern dabei zur Seite. Die Bandbreite der empfohlenen Einrichtungen reicht vom privaten über das kirchliche bis hin zum staatlichen Internat. Infos unter: 089/455555-0 oder www.internatsberatung.com

BEGABUNG „Wir helfen Eltern dabei, Talente, Interessen und Wünsche ihrer Kinder zu fördern“, so Jürgen Grunwald.

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BILDUNG

PRIVATSCHULEN

Das Internat als Chance BERATUNG Das britische Motto „Alles für die Bildung des Kindes“ findet auch in Deutschland Einzug. Doch wie finden Eltern die richtige Schule für ihre Kinder? Von Kindern und Jugendlichen wird heutzutage viel erwartet: Die besten schulischen Leistungen, aber auch soziale Kompetenz und emotionale Intelligenz sind notwendig, um in der globalen Berufswelt bestehen zu können. Im internationalen Bildungssystem sind Internate daher oft die beste und selbstverständliche Wahl. Bei den angelsächsischen Nachbarländern geht man klar davon aus, dass Schüler in Internaten am besten gefördert und gefordert werden. Nicht nur im schulischen, sondern auch im lebensbildenden Bereich. „Leider wissen viele Eltern in Deutschland noch zu wenig über die Möglichkeiten, die ein Aufenthalt im Internat ihrem Kind zu bieten hat“, erklärt Nina Janda, Leiterin der Internatsberatung der Qualitätsgemeinschaft der Internate im Verband der Deutschen Privatschulverbände. „Internate setzen wichtige pädagogische Impulse und sind mit innovativen Konzepten ge-

eignete Antworten auf die Bildungsherausforderungen unserer Zukunft.“ Doch wie findet man das richtige Internat? Kompetente und individuelle Ansprache hat sich auch die VDP-Internatsberatung auf die Fahne geschrieben. Im Gegensatz zu allen anderen Internatsberatungen vermittelt die VDP-Internatsberatung die Schüler provisionsfrei. „Daher haben wir die Freiheit, uns jedem Schüler individuell zu widmen und tatsächlich nach pädagogischen Aspekten zu entscheiden“, sagt Nina Janda. „Wir erläutern die oft schwierige Frage nach der Anerkennung von Abschlüssen, schildern die Unterschiedlichkeiten einzelner Schulen und raten, welche für ein bestimmtes Fächerprofil die optimale ist.“ Denn viele Wege führen zum Schulabschluss, und es ist für den Einzelnen nicht immer leicht, den richtigen für sich zu finden. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.internatswelten.de

Die Internate der Qualitätsgemeinschaft des Verbandes Deutscher Privatschulen

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Pädagogium Baden-Baden www.paeda.net

Krüger Internat und Schulen, Lotte/Wersen www.internat-krueger.de

Landschulheim Steinmühle, Marburg www.steinmuehle.de

Schloss Hagerhof, Bad Honnef www.hagerhof.de

Internatsschule Lucius, Echzell www.internat-lucius.de

Institut Schloss Wittgenstein, Bad Laasphe www.wittgenstein.de

Merz – Schule und Internat, Stuttgart www.merz-schule.de

Landschulheim Grovesmühle, Veckenstedt www.grovesmuehle.de

Pädagogium Bad Sachsa www.internats-gymnasium.de

Landschulheim Schloss Buldern, Dülmen www.landschulheim.de

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die Privatschulen ihre Lehrerschaft frei auswählen. Die pflegt dann in den meisten Fällen einen engeren Kontakt zu den Schülern und kann diese in einer Form fördern, die an staatlichen Schulen oft nicht möglich ist. Zum Beispiel an der Internatsschule Lucius im hessischen Forsthaus bei Echzell. Dort können die Lehrer bei Klassengrößen von maximal 20 Schülern pro Klasse optimal auf jeden Einzelnen eingehen. „Vergleichstests wie PISA zeigen, dass besonders das Schulklima und die innerschulische Dialogkultur an freien Schulen deutlich besser sind als an staatlichen Einrichtungen. Dies hat natürlich positive Effekte auf den Lernerfolg“, sagt Anja Eckert, Bundesgeschäftsführerin des Verbandes Deutscher Privatschulverbände (VDP). Zudem sind Privatschulen in der Regel spezialisiert. Sie haben ihre Schwerpunkte beispielsweise in Technik und Naturwissenschaften, im musischen oder sprachlichen Bereich. In ihren Spezialgebieten nehmen sie an Wettbewerben teil, initiieren Kooperationen zur Wirtschaft und wissenschaftlichen Einrichtungen. Außer der Spezialisierung auf Fachbereiche sind es zudem die vielfältigen pädagogischen Ansätze, die Eltern zu der Entscheidung gelangen lassen, ihre Kinder auf eine Privatschule zu schicken: Sei es nun der ihrer Meinung nach zu frühe Beginn mit Benotungen und das Splitten nach Schularten in staatlichen Schulen oder der Wunsch nach dem genauen Gegenteil dazu: die Suche nach dem Leistungsprinzip. Vielleicht liegt der Wunsch der Eltern aber auch darin, dass ihr Kind am Ende der Schulzeit einen international anerkannten Schulabschluss in der Tasche hat, zum Beispiel einen International Baccalaureate, und die Entscheidung deshalb für eine Privatschule fällt, die ein derartiges Zertifikat anbietet. Möglicherweise sogar bei einem Internatsbesuch in Großbritannien? Möglichkeiten


BILDUNG

PRIVATSCHULEN

BELIEBTHEIT Dr. Isabell van Ackeren, Universität Duisburg: „Die Erhöhung von Bildungs- und Lebenschancen macht den Vorteil der Privatschulen aus.“

gibt es viele und dadurch auch die Qual der Wahl, der Druck, die richtige und bestmögliche Entscheidung zu treffen. Beratungen helfen in solchen Fällen, sich in diesem Dschungel an Alternativen zurechtzufinden. Greift man etwa noch einmal das Beispiel Internat auf, kann man sich unter anderem an die unabhängige Euro-Internatsberatung wenden. Die berät nicht nur, sondern stellt zudem den Kontakt zum Internat her, begleitet den Schüler von den Bewerbungsmodalitäten über Tests, Besuchstermine und Fächerauswahl bis hin zur Betreuung bei Schwierigkeiten während des Aufenthalts. Nina Janda von der VDP-Internatsberatung erklärt ihr Beratungskonzept folgendermaßen: „Wir erläutern die oft schwierige Frage nach der Anerkennung von Abschlüssen, schildern die Unterschiedlichkeiten einzelner Schulen und raten, welche für ein bestimmtes Fächerprofil die optimale ist.“ Für die Wissenschaftlerin van Ackeren von der

Universität Duisburg-Essen kommen Privatschulen dann in Frage, wenn diese ein Lernangebot machen, das die Interessen und Fähigkeiten des Kindes ganz besonders anspricht, etwa bei besonderen Begabungen oder Defiziten. Außerdem lohne sich die Frage nach der Ausstattung von Schulen und der Blick auf zusätzliche Lern- und Bildungsangebote. Deutlich wird dabei, wie wichtig eine intensive Auseinandersetzung vor der Wahl der Schule ist. Zwar werden durch den Privatschulsektor die unterschiedlichsten Anforderungen abgedeckt, die passende Schule muss jedoch immer noch gefunden werden. Von unterschiedlichster Seite ist bestätigt, dass die Freien Schulen ein Gewinn für die Qualität des gesamten Bildungssystems und für den Wettbewerb um die besten Lernangebote und pädagogischen Konzepte sind. Durch die Experimentierfreudigkeit der Privatschulen – sie waren es zum Beispiel,

die die frühzeitige Entwicklung und Umsetzung von Ganztagsschulen vorangetrieben haben – sind auch die staatlichen Schulen gefordert, ihre Konzepte und Angebote zu überdenken, zu überarbeiten und den Bedürfnissen der Gesellschaft anzupassen. Aus einer von dem ifo-Wissenschaftler Professor Ludger Wößmann gemeinsam mit dem Harvard-Professor Martin West in der Fachzeitschrift Economic Journal veröffentlichten Studie geht hervor, dass Länder mit einem höheren Anteil von Schülern, die Privatschulen besuchen, im internationalen Vergleich bessere Bildungsleistungen erreichen. Zudem sorge die Konkurrenz für mehr Effizienz. Und: In einem funktionierenden Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Schulen würden die Länder von niedrigeren Bildungskosten profitieren.

Christoph Berger

Überzeugung | Individuelle Förderung während der Schulwoche

Ein Konzept, das mehr als Schule macht Für viele Internatsschüler und deren Eltern ist es wichtig, die Wochenenden zuhause bei ihren Familien und Freunden zu verbringen. „Genau dies ist bei uns möglich“, betont Vera Kissner, Leiterin des Oberstufeninternates der Internatsschule Institut Lucius. „Die Schule ist ein Wocheninternat, das heißt, alle Kinder fahren freitags nach der letzten Stunde ab 13.15 Uhr nach Hause und kommen erst am Sonntagabend wieder.“ Doch dies ist nicht der einzige Vorteil der Schule nahe Frankfurt am Main, die Platz für 150 Schülerinnen und Schüler bietet und in der sechsten Generation von der Familie Lucius geleitet wird. „Die individuelle Förderung unserer Schüler liegt uns ganz be-

sonders am Herzen“, betont Laura Lucius, Schul- und Internatsleiterin. Bei maximal 20 Schülern pro Klasse können die Lehrer optimal auf jeden Einzelnen eingehen. Stärken werden ausgebaut, Schwächen durch zusätzliche Unterstützung ausgeglichen. Neben den obligatorischen Unterrichtseinheiten stehen viele zusätzliche Angebote im musikalischkünstlerischen, sportlichen und medialen Bereich auf dem Programm. Ein durchgehender vierstündiger Sportunterricht bis zum Abitur, das wie an allen hessischen Gymnasien nach G8-Bestimmungen in zwölf Jahren abgelegt wird, sowie verpflichtender Kunst- und Musikunterricht bis zur achten Klasse unterstrei-

chen das umfassende Lehrangebot. „So werden wir unserer Überzeugung gerecht, dass diese zusätzlichen Aktivitäten jungen Menschen zu Erfolgserlebnissen verhelfen und dass Leben und Lernen innerhalb der Internatsgemeinschaft eine optimale Entwicklung der eigenen Persönlichkeit fördern“, erklärt Lucius. www.internat-lucius.de

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TITELTHEMA

NEUER MITTELSTAND

Gastbeitrag Dr. Ulrich Schürenkrämer Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden Deutschland und des Management Committee Deutschland, Deutsche Bank AG

Die unterschätzte Quelle CASH-MANAGEMENT Den Möglichkeiten der Liquiditätsoptimierung wird immer noch nicht genügend Beachtung geschenkt. Dabei ist das Potenzial der Cash-Management-Systeme groß.

Die Steuerung der Liquidität ist eine wichtige – bis heute jedoch unterschätzte – Aufgabe innerhalb eines Unternehmens. Cash Management gewinnt aber gerade im Zeitalter der Globalisierung an Bedeutung. Denn nur der, der einen ständigen Überblick über seinen Geldfluss hat, kann die Liquiditätsströme im Sinne der Ertragsoptimierung sinnvoll steuern. Nicht selten türmen sich auf manchen Konten riesige Überschüsse, während bei anderen teure kurzfristige Kredite an der Rendite nagen. Eine intelligente Liquiditätssteuerung beginnt also bereits dort, wo das Überziehen eines Firmenkontos vermieden werden kann, indem Überschüsse von einem Konto zeitnah auf das von der Überziehung bedrohte Konto transferiert werden. So lassen sich Zinslasten für Überziehungskredite vermeiden. Bisher wurde die Liquiditäts- und Ertragsquelle Cash Management in der Wirtschaft allerdings vernachlässigt. Denn gerade erfolgreiche Unternehmen stellen Wachstumsstrategien im Vertrieb oft in den Fokus und vernachlässigen zugleich das Cash Management. Doch die Steuerung der Liquiditätsströme – aller Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge – zählt zu den Aufgaben, denen sich der Finanzchef täglich stellen muss. Ein professionelles Cash Management verbessert die Finanzierungssituation von Unternehmen erheblich und verschlankt die Bilanz. Spätestens im Zuge

der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise haben Unternehmen begriffen: „In unsicheren Zeiten ist Cash King.“ Diese Erkenntnis gilt vor allem für global tätige Unternehmen, die einen ständigen Überblick über ihre globalen Bankkonten haben sollten. Denn dort, wo Liquidität keine Währungs- und Ländergrenzen kennt, ist die intelligente Steuerung des Cash Managements noch schwieriger. Für die Optimierung des Cash Managements gibt es inzwischen zahlreiche Lösungen – vom nationalen Cash Pooling, das inzwischen in zahlreichen Unternehmen verbreitet ist, über das europäische Cash Pooling, das durch die Einführung von SEPA zunehmend vereinfacht wird, bis hin zum internationalen Cash Pooling mit mehreren Währungen. Um die Liquiditätslage jederzeit sicher zu bestimmen, gilt vor allem die Maßgabe: Keep it simple. Cash Management bedeutet daher: Infos sammeln, Vereinfachung suchen, Zahlungsarten zusammenbringen und Zahlungen bündeln. Als Zukunftslösung gilt Payment Factory. Dabei steuert die Unternehmenszentrale nicht nur den gesamten Zahlungsverkehr von Tochtergesellschaften, sondern auch deren Konten vor Ort im eigenen Namen. All diese Maßnahmen zielen auf die Verbesserung des Liquiditätsmanagements und machen es schneller, effizienter und transparenter. Zinskosten und -erträge können optimiert und aufwändige unternehmensinterne Währungstransaktionen reduziert werden. Die Vorteile dieser Methode sind nicht nur in der Einsparung von Zinszahlungen zu sehen. Die Payment Factory spart auch Zeit und ist in der Lage, wichtige RatingKennzahlen von Unternehmen zu verbessern. Investitionen in Cash-Management-Systeme lohnen sich vor allem da, wo Tochtergesellschaften in einem Gesamtkonzern aktiv sind oder viele Rechnungen geschrieben und verwaltet werden, beispielsweise in Handelsunternehmen. Die global tätige Modegruppe Esprit soll hier als Beispiel für die Chancen des Cash Managements dienen: Es steht einerseits für die enormen Herausforderungen, andererseits auch für mögliche Lösungen. Esprit hat in den vergangenen 15 Jahren seinen Umsatz von 180 Millionen Euro auf rund 3,2 Milliarden Euro versechzehnfacht. Um diesen unternehmerischen Erfolg im Cash Management bewältigen zu können, mussten die Finanzexperten des Modehauses seit Mitte der 90er Jahre große Anstrengungen unternehmen. Nach verschiedenen Zwischenlösungen entschloss sich das Unternehmen im Jahr 2008 zum großen Befreiungsschlag: Das Kontenund Cash-Management-System wurde komplett umgestellt. Durch eine klare Strukturierung der Konten- und Bankverbindungen mit den Leadbanken Deutsche Bank und HSBC wird die Liquidität seither in der Zentrale gesteuert. www.firmenkunden.db.com


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Kontinuität und Wandel UNTERNEHMEN Der Mittelstand ist das Fundament der deutschen Volkswirtschaft. Maßgeblich für den weiteren Erfolg ist die Balance zwischen Altbewährtem und Innovation.

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ittelstand – wohl kaum ein anderer Begriff ringt internationalen Ökonomen bei Diskussionen über die deutsche Volkswirtschaft mehr Respekt ab. Als Herz der Marktwirtschaft und Wachstumsmotor sind die rund 4,5 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ein Erfolgsgarant des „Wirtschaftsmusterlandes Deutschland“. Der Mittelstand ist auch in der Weltwirtschaftskrise ein Fels in der Brandung gewesen. In Deutschland stellen KMU 70 Prozent aller Arbeitsplätze und 83 Prozent aller Ausbildungsplätze. Und immerhin erarbeitet der Mittelstand mehr als 47 Prozent der Nettowertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft. Doch das Fundament dieser Erfolgsstory gerät ins Wanken. Die Politik hat es zwar als eine der dringlichsten Aufgaben bezeichnet, die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen beispielsweise durch

attraktive steuerliche Regelungen – unter anderem die Erbschaftsteuer – so zu gestalten, dass das vorhandene Entwicklungsund Innovationspotenzial weiterhin voll entfaltet werden kann. Doch bei fast einem Viertel der Familienunternehmen steht in den kommenden fünf Jahren ein Eigentümerwechsel an. Das mittelständische Herz der deutschen Wirtschaft wird sich also grundlegend verändern. „Der Erfolg vieler mittelständischer Gesellschaften hängt zu mehr als 50 Prozent von der jeweiligen Unternehmerpersönlichkeit ab“, heißt es beim Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Wohl kaum etwas ist für ein mittelständisches Unternehmen daher so wichtig wie die frühzeitige Nachfolgeregelung. Dem Unternehmertum drohen vor allem deshalb Gefahren, weil es oft an willigen und noch häufiger an geeigneten Nachfolgern fehlt. Kleine und

mittelständische Unternehmen sind vergleichsweise gut durch die Weltwirtschaftskrise gekommen. Das geht aus einer Untersuchung des IfM hervor. Die KMU konnten wegen ihrer relativ stabilen finanziellen Verfassung vom Aufschwung der vergangenen Monate überdurchschnittlich stark profitieren. Vor dem Hintergrund dieser dramatischen Umwälzungen ist hierzulande bereits vom „Neuen Mittelstand“ die Rede, bei dem eine neue Führungsriege das Ruder übernimmt. Dabei werden Familienunternehmen nicht immer vererbt, sondern nicht selten auch veräußert. Deutsche-Bank-Manager Dr. Cornel Wisskirchen rät daher, das Thema Unternehmensnachfolge vorausschauend anzugehen: „Sobald sich abzeichnet, dass eine innerfamiliäre Übergabe mit der Einheit von Management und Eigentum nicht möglich sein wird, gibt es viele Optionen. Es ist VISAVIS ECONOMY

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Immobilienmanagement gefragt MITTELSTAND Eine aktuelle Studie belegt, dass die Werthaltigkeit von Immobilien noch nicht ins Bewusstsein vieler Mittelständler gedrungen ist – trotz eines Vermögenswerts von 4,2 Billionen Euro.

Mittelständische Unternehmen sind in Deutschland besonders erfolgreich. Vielleicht liegt es daran, dass hier aus Herausforderungen neue Dienstleistungen entstehen. So ist es auch bei der Famos Immobilien GmbH, einem Familienunternehmen aus dem niederrheinischen Korschenbroich. Das Problem, das Famos vor einigen Jahren hatte: Gesucht wurde ein Dienstleister, der den Wert der im Unternehmensbesitz gehaltenen Immobilien durch ordentliches Immobilienmanagement langfristig sichern sollte. Kein Einzelfall, sollte man meinen, denn satte 4,2 Billionen Euro sind die Immobilien wert, die in Deutschland in privaten Händen liegen und an den Mittelstand gebunden sind. Den Unternehmen ist allerdings oft nicht bewusst, dass sie aus ihren Immobilienwerten sehr viel mehr machen könnten. „Famos ist seit über 50 Jahren selber mit der Thematik befasst“, berichtet Famos-Geschäftsführer Reimund Schulz. Es wurde als Family Office der Unternehmerfamilie Otten gegründet, die mit Kauf und Revitalisierung von Wohnund Geschäftshäusern 1959 ihre Unterneh-

FORSCHUNG Famos-Geschäftsführer Reimund Schulz ließ das Immobilienmanagement in Familienunternehmen untersuchen.

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mertätigkeit startete, 1964 mit „Selgros“ den ersten Selbstbedienungsgroßhandel Deutschlands entwickelte und 1974 mit der allkauf Otten GmbH als größeres Franchiseunternehmen agierte. Die allkauf SBWarenhäuser wurden selbst entwickelt, gebaut und betrieben. Als 1999 allkauf an die Metro-Gruppe ging, waren die Immobilien und eine Menge Projektentwicklungs-Know-how vorhanden. Der Geschäftszweig wurde schließlich als Single Family Office weitergeführt. In der Projektentwicklung reihte sich über Jahre ein interessantes und erfolgreiches Projekt an das nächste. Als Famos für das Immobilienmanagement externe Partner suchte, war keiner in Sicht, der Tradition und Denkweise eines an langfristiger Werterhaltung und -sicherung interessierten Familienunternehmens auf die Assetklasse „Immobilie“ übertragen konnte. Famos machte aus der Not eine Tugend, ließ das Immobilienmanagement der eigenen Objekte im Unternehmen, baute diese Dienstleistung weiter aus und bot sie anderen familiengeführten Unternehmen in Deutschland an. „Im vergangenen Jahr ließ Famos bei der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht untersuchen, wie es um das Immobilienmanagement in mittelständischen Familienunternehmen bestellt ist“, so Schulz. „Fazit: Diese haben sich bislang kaum um professionelles Ma-

nagement ihrer Immobilien bemüht, die wirtschaftlichen Potenziale dieses Segments werden bei Weitem nicht ausgeschöpft.“ Die Immobilienverantwortlichen haben selten eine berufsspezifische Ausbildung, die Betreuung der Immobilien beruht nicht auf strategischen Entscheidungen. Die Studie stellt allerdings auch fest, dass sich diese Situation gerade ändert. Durch die derzeitige Inflationsangst steigt die Nachfrage nach Sachwerten – und damit vor allem nach Immobilien. Und die Sicherung und Steuerung des Immobilienvermögens als kapitalintensiver Bestandteil des Unternehmens wird stärker unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet. Das Interesse der mittelständischen Unternehmen an einer professionellen Bewertung und Bewirtschaftung ihrer Immobilien durch spezialisierte Dienstleister wie die Famos Immobilien GmbH wächst. Um Immobilienportfolios speziell von mittelständischen Unternehmen optimal managen und sichern zu können, hat Famos mit anderen Mittelständlern eine Allianz gegründet: Die Dienstleistungsplattform IMUN. Die IMUN-Partner unterstützen Immobilieneigentümer während jeder Lebensphase ihrer Immobilien vom Erwerb bis zum Verkauf. Weitere Informationen sowie die Studie finden Sie unter www. famos-immobilien.de und www.imun.org


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NEUER MITTELSTAND

EMPFEHLUNG Deutsche-BankManager Dr. Cornel Wisskirchen rät, das Thema Unternehmensnachfolge vorausschauend anzugehen und die verschiedenen Optionen zu prüfen.

wichtigste Kapital ihres Unternehmens darstellen. Denn Faktoren wie Geschäftskontakte, Erfahrung, Herrschaftswissen, aber auch Charisma und strategische Kompetenz des Unternehmers sind die eigentlichen Stärken von KMU. Fehlt der Mann (oder die Frau) an der Spitze dann jedoch plötzlich, können erhebliche Probleme auftauchen. Wenn es also nicht gelingt, Eigentumsverhältnisse und Kompetenz an der Unternehmensspitze beim Generationswechsel rechtzeitig zu klären, ist das häufig der Anfang vom Ende familiengeführter Unternehmen. Doch bekanntlich gibt es überall dort, wo Risiken lauern, auch Chancen. Die Wild Beauty AG hat diese Chancen erkannt und genutzt und ist daher ein positives Beispiel für eine gekonnte Nachfolgeregelung. Wegen der Erkrankung des Vaters musste Noah Wild bereits mit 19 Jahren als Geschäftsführer des Mittelständlers, der Haarpflegeprodukte der Marke Paul Mitchell vertreibt, Verantwortung übernehmen. Nach der Gesundung des Vaters stehen die beiden Unternehmertypen aus verschiedenen Gene-

rationen gemeinsam an der Spitze. Sie lernen voneinander und richten mit „Wir“Entscheidungen die Geschäftspolitik des Unternehmens erfolgreich aus. Dabei ziehen Junior und Senior an einem Strang. Sie kombinieren die Faktoren Erfahrung und Gelassenheit auf der einen Seite und technologie-affinen Vorwärtsdrang und Dynamik auf der anderen Seite. „Das Schöne für mich ist, dass sich mein Vater in den gemeinsam vorgenommenen Anpassungen innerhalb des Unternehmens selbst wiederfindet und diese genauso mit Herzblut vertritt wie ich“, betont Noah Wild den „Wir“Faktor des Unternehmens. Die Wild Beauty AG ist ein Beispiel für den „Neuen Mittelstand“ – also der ständig notwendigen Erneuerung der mittelständischen Wirtschaft. IfM-Präsident Johann Eekhoff definiert diesen Begriff des „Neuen Mittelstandes“ als wissensbasierte Firmengründungen im Dienstleistungssektor. Der an der Universität Köln lehrende Professor sieht diesen Prozess auch als Ausdruck der Transformation von der Industriegesell-

HERAUSFORDERUNG In der PWC-Studie „Fels in der Brandung?“ gaben die Befragten neben der Kostenkontrolle die Personalund Fachkräftenot als wichtige interne Herausforderung an. Angaben in Prozent.

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Personalknappheit

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Rohstoff- und Vorleistungspreise

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Liquiditäts- und Kostenkontrolle

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Renditeentwicklung

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Unternehmensorganisation

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Finanzierung

19 23

Kapazitätsauslastung Einkauf

19 3 7 10 11

Technologie weltweit

DACH

Nachfolge in Geschäftsführung

Quelle: PricewaterhouseCoopers, „Fels in der Brandung?“ Studie über Familienunternehmen 2010/11

entscheidend, möglichst früh die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema zu beginnen“, so Wisskirchen. „Es braucht in der Regel Zeit, herauszuarbeiten, ob schließlich etwa eine Stiftungslösung mit Fremdmanagement oder aber der Verkauf des Unternehmens an einen Investor die beste Lösung sind. Hier besitzen wir die Expertise, einen substanziellen Beitrag zur Entscheidungsfindung zu leisten und Lösungen individuell umzusetzen.“ In den vergangenen Jahren haben zum Beispiel große PrivateEquity-Unternehmen viel Kapital in den deutschen Mittelstand investiert, indem sie Familienunternehmen aufgekauft haben. Verdiente und weltweit geschätzte Unternehmerpersönlichkeiten ziehen sich dann zurück. Sie werden in Familienunternehmen entweder durch von außen kommende Fachleute oder aber – was in den vergangenen Jahrzehnten die Regel war – von Nachkommen aus dem Familienkreis ersetzt. Solche Nachfolger aus dem Familienumfeld sind dabei oft bemüht, das eigene Profil mit Ehrgeiz und Leidenschaft zu schärfen und so aus dem oftmals sehr langen Schatten der erfolgreichen Vätergenerationen herauszutreten. Das gelingt jedoch nicht immer. Es gibt nämlich keine Garantie dafür, dass der Generationswechsel innerhalb von Familienunternehmen reibungslos verläuft. Meist liegen die Gründe dann vor allem in allgemein menschlichen Schwächen wie dem üblichen Generationenkonflikt. Nicht immer sind Söhne oder Töchter in Vorbereitung auf eine Firmenübernahme willens und in der Lage, sich dem Diktat des erfolgreichen Vaters zu unterwerfen. In solchen Situationen sind Konflikte vorprogrammiert. Je kleiner Unternehmen sind, umso größer ist deren Abhängigkeit vom Mann oder der Frau an der Spitze. Oftmals unterschätzen selbst erfahrene Unternehmerpersönlichkeiten die Tatsache, dass sie selbst das

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„Wir müssen attraktiver werden!“ INTERVIEW Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle fordert im Gespräch mit VISAVIS ECONOMY die Einführung eines Punktesystems in der Zuwanderungspolitik. Herr Minister, was verbinden Sie mit dem Begriff „Neuer Mittelstand“? Viele Gründerinnen und Gründer tragen zur ständigen Erneuerung der mittelständischen Wirtschaft bei. Sie sind deswegen der „Neue Mittelstand“. Ob im wissensbasierten Bereich, bei den Freien Berufen oder im vermeintlich „klassischen“ Maschinenbau: An Neuem mangelt es im Mittelstand nicht! Welche Themen in der Mittelstandspolitik der Bundesregierung stehen im Jahre 2011 an erster Stelle? Ziel unserer Mittelstandspolitik ist es, den kleinen und mittleren Unternehmen gerade jetzt im Aufschwung zur Seite zur stehen. Wir wollen die Bürokratie weiter abbauen, den Gründergeist in Deutschland fördern, die Rohstoffversorgung sichern und die Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung weiter optimieren. Ein zentrales Thema ist zudem die Bekämpfung des drohenden Fachkräftemangels. Dieses Problem wird sich weiter verschärfen. Wir müssen hier gegensteuern, denn wir dürfen nicht zulassen, dass der deutsche Mittelstand Wachstumsmöglichkeiten ungenutzt lässt, weil es ihm an Fachkräften mangelt. Mit welchen Strategien wollen Sie Fachkräfte ins Land holen? Zum einen müssen wir das inländische Potenzial an Arbeitskräften besser nutzen, zum Beispiel durch die bessere Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt oder die Erschließung von besseren Perspektiven für ältere Menschen. Zum anderen wollen wir ausländische Fachkräfte durch eine kluge Zuwanderungspolitik gewinnen.

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Das erfordert, dass wir unsere Zuwanderungspolitik neu ausrichten. Die Attraktivität Deutschlands muss durch ein klares Signal im Zuwanderungsrecht verbessert werden. Ausländische Fachkräfte sollen sich bei uns stärker als bisher willkommen fühlen. Zu diesem Zweck prüfen wir neue Instrumente für eine bedarfsgerechte Fachkräftezuwanderung. Die Einführung eines Punktesystems kann dazu beitragen, hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland für Deutschland zu gewinnen. Wie definieren sich die Aufgaben des Kreditmediators? An den Kreditmediator können sich alle mittelständischen Unternehmen wenden, deren Finanzierungsbemühungen nicht im ersten Anlauf erfolgreich waren. Er eröffnet eine zweite Chance, eine Finanzierung zu erhalten. Über den konkreten Einzelfall hinaus ist wichtig, dass das unentgeltliche Angebot des Kreditmediators zu einer verstärkten Sensibilisierung der Kreditwirtschaft in den Kreditverhandlungen mit Unternehmen geführt hat. Davon profitiert letztlich der Mittelstand insgesamt. Welche steuerlichen Entlastungen für den Mittelstand haben Sie für das Jahr 2011 im Blick? Wir werden in diesem Jahr das Steuervereinfachungsgesetz auf den Weg bringen. Von vielen der darin geplanten Maßnahmen profitieren gerade mittelständische Unternehmen. Allein die vereinfachten Regelungen, die wir für die elektronische Rechnungsstellung beschlossen haben, werden die Unternehmen um vier Milliarden Euro an Bürokratiekosten entlasten.

schaft hin zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. Ein weiteres Unternehmen des „Neuen Mittelstandes“ ist die GauselmannGruppe, bei der der Unternehmensgeist über Generationsgrenzen hinweg gesichert wurde, weil die Familienmitglieder im Unternehmen sehr aktiv sind. Der rund 6.500 Mitarbeiter beschäftigende SpielautomatenHersteller hat sogar einen „Familienrat“ gegründet, der ein sehr wichtiges Gremium in der Struktur des Unternehmens darstellt. So wie bei Gauselmann ist im gesamten „Neuen Mittelstand“ das vorhandene Wissen die Keimzelle des Erfolgs. In dieser Beziehung darf sich die deutsche Wirtschaft keine Ruhepause gönnen und auf keinen Fall Schwächen zeigen. Denn der wachsende globale Wettbewerb wird auch künftig überall in der Wirtschaft – egal ob in freien Berufen, technologieintensiven Branchen oder vermeintlich „klassischen“ Industrien wie Ingenieurwesen und Maschinenbau – verstärktes Wissen erfordern und die Nachfrage nach Fachkräften kräftig steigen lassen. In der Tat betrachten zahlreiche Mittelständler in Deutschland und Österreich einer Analyse von PwC zufolge den Fachkräftemangel als eine der wichtigsten Herausforderungen. Entsprechende Warnungen aus der Wirtschaft haben die Politik wachgerüttelt. „Dieses Problem wird sich weiter verschärfen“, warnt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Die Politik dürfe nicht zulassen, dass der deutsche Mittelstand wegen des Mangels an Fachkräften Wachstumsmöglichkeiten ungenutzt lasse. Brüderle hat in diesem Zusammenhang angekündigt, das inländische Potenzial an Arbeitskräften besser auszuschöpfen und bessere Perspektiven für ältere Menschen zu erarbeiten. Der Minister fordert außerdem eine stärkere Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt. Darüber hinaus gelte es, ausländische Fachkräfte durch eine kluge Zuwande-


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NEUER MITTELSTAND

Die große Mehrheit der Nachfolgegeneration plant, die Geschicke des Unternehmens selbst in die Hand zu nehmen.

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operative Nachfolge noch unschlüssig

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Nachfolgefrage liegt nicht in der Entscheidungskompetenz

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operative Nachfolge im eigenen Unternehmen geplant operative Nachfolge nicht im eigenen Unternehmen geplant

rungspolitik zu gewinnen. „Das erfordert, dass wir unsere Zuwanderungspolitik neu ausrichten und die Attraktivität Deutschlands durch ein klares Signal im Zuwanderungsrecht verbessern“, so Brüderle. Ausländische Fachkräfte sollen sich in Deutschland künftig stärker als bisher willkommen fühlen. Das Wirtschaftsministerium prüft daher neue Instrumente für eine bedarfsgerechte Zuwanderung von Fachkräften. „Die Einführung eines Punktesystems kann dazu beitragen, hochqualifizierte Fachkräfte

aus dem Ausland für Deutschland zu gewinnen“, nennt der Minister im VISAVISInterview einen konkreten Lösungsansatz. Diese und ähnliche Botschaften der Politik hören sie im Mittelstand sehr gerne. Allein, oftmals fehlt ihnen der Glaube an die politische Umsetzung dieser und ähnlicher Pläne. Die Wirtschaft erwartet zum Beispiel, dass bei von Politikern demokratisch getroffenen rechtlichen Entscheidungen längerfristig mehr Rechtssicherheit und Verlässlichkeit für eigene Investitionsent-

Quelle: impulse in Zusammenarbeit mit Stiftung Familienunternehmen und der Zeppelin Universität, Dezember 2010

NÄCHSTE UNTERNEHMERGENERATION

scheidungen besteht. „Rechtmäßig getroffene politische Entscheidungen, an denen sich Unternehmen orientieren und an denen Planungen ausgerichtet werden, werden immer wieder in Frage gestellt“, kritisiert Reimund Schulz, Geschäftsführer der Famos Immobilien GmbH. In der Steuerpolitik werde zum Beispiel seit vielen Jahren nur noch „mit der heißen Nadel gestrickt“, sodass die geltenden Regeln innerhalb Europas zu permanenten Wettbewerbsverzerrungen führen. „Und dies meist zu Lasten

Advertorial

Liquide auf Achse Jan Bernert von Renault Trucks Financial Services nimmt Stellung zu Finanzstrategien für den Mittelstand. Herr Bernert, sind die Zeiten der Kreditklemme für den deutschen Mittelstand mittlerweile vorüber? Die Banken sind gezwungen, bedingt durch die Fehler der Vergangenheit, ihre Richtlinien zur Kreditvergabe zu verschärfen. Der Staat wirft den Banken einerseits vor, eine Kreditklemme zu verursachen, mahnt aber im Gegenzug, vorsichtiger zu sein. Das Rating des Mittelstands hat sich gerade in unserem Segment, begründet durch den überproportionalen Umsatzeinbruch, während der Krise eher verschlechtert. Hinzu kommt, dass Banken die Transportbranche seit jeher vergleichsweise zurückhaltend beurteilen. Hier kommen wir als herstellereigene Finanzierungsgesellschaft ins Spiel, denn wir sind der Branchenspezialist. Mit welchen Produkten von Renault Trucks Financial Services kann ein Mittelständler denn Liquidität schonen? Liquidität ist enorm wichtig, jedoch nicht das alleinige Heilmittel. Einigen Speditio-

nen hat die zu starke Fokussierung auf Liquidität, ohne die Bildung von Rücklagen zu berücksichtigen, in den Krisenzeiten große Probleme beschert. Eine Mischung aus liquiditätsschonenden Produkten, wie Leasing oder „Sale and Lease Back“, sowie wertbildenden Finanzierungsformen, wie beispielsweise Mietkauf, ist gerade für mittelständische Unternehmen empfehlenswert. Selbstverständlich gehören diese Vertragsarten zum Produktportfolio der Renault Trucks Financial Services. Inwieweit haben jüngste gesetzliche Regulierungen den Leasingmarkt geschwächt und welche Forderungen stellen Sie aktuell an die Wirtschaftspolitik? Die Regulierung des Leasingmarktes war nicht überraschend, auch wenn diese enorme Kosten und Arbeitsaufwand mit sich zieht. Nicht regulierte Märkte können irgendwann zu Blasen führen, ein daraus resultierender Vertrauensverlust in die Leasingbranche würde uns letztendlich

mehr kosten. Meine Forderung an die Wirtschaftspolitik ist verknüpft mit der Hoffnung, nicht in ein Extrem der Überregulierung zu geraten. www.renault-trucks.de

FINANZIERUNG Jan Bernert, Sales Director AdriAlps and Germany bei Renault Trucks Financial Services, weiß: Liquidität ist nicht alles. VISAVIS ECONOMY

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TANKSTELLEN Im Wandel: von der Kraftstoff- zur Rundumversorgung.

Wach, vital und nah ERFOLGSGESCHICHTE Mittelständler prägen seit Jahrzehnten die deutsche Wirtschaft. Die Chronik der Westfalen AG zeichnet ein gestern wie heute lebendiges Unternehmen nach.

Die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte eines mittelständischen Unternehmens – nämlich der Westfalen AG mit Sitz in Münster – beschreibt Armin Berninghaus in seinem Buch „Genutzte Chancen“. Die locker und teils recht humorvoll geschriebene Chronik nach 85-jährigem Bestehen des Unternehmens zeigt, dass die Grundlagen des Erfolgs Eigenschaften sind, die Ausländer oft voller Bewunderung als „typisch deutsch“ beschreiben. Den Querdenkern, Machern und motivierten Mitarbeitern des Energie-Unternehmens ist es über achteinhalb Dekaden hinweg gelungen, Ideen mit Wagemut zu kombinieren und diese dann in innovative Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Das Buch zeigt darüber hinaus eine weitere Stärke des Unternehmens auf – nämlich die ideenreiche Finanzierung von Investitionen in Sachanlagen. „All das haben wir aus eigener Stärke geschafft“, zitiert Berninghaus den aktuellen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Fritsch-Albert. Dass sich engagierte Mitarbeiter mit den Zielen des Unternehmens über die Jahrzehnte hinweg identifizieren, ist nicht zuletzt der mittelständisch – beinahe familiär – geprägten Kultur des im Münsterland heimlich, still und leise blühenden Unternehmens zu verdanken. Dem aufmerksamen Leser wird vielleicht jenes Bild im Buch auffallen, das fröhliche und lachende Mitarbeiter bei einem Betriebsausflug der Belegschaft auf die Dortmunder Hohensyburg im Jahr 1938 zeigt. Diese

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Atmosphäre menschlichen Miteinanders ist erhalten geblieben. In zahlreichen geschichtlichen Abrissen wird diese Entwicklung – mit zahlreichen alten SchwarzWeiß-Bildern illustriert – oftmals detailgetreu beschrieben. Die Konsequenz und Kontinuität in der Unternehmensführung haben sich auf dem langen Erfolgsweg ausgezahlt. Bei der Westfalen AG kann von „beständigem Wachstum“ trotz Gegenwind von Seiten internationaler Konzerne gesprochen werden. Wie die in „Genutzte Chancen“ geschilderten geschichtlichen Entwicklungen des inzwischen – höchst positiv – „aus den Fugen geratenen“ Mittelständlers zeigen, waren es neben den im Unternehmen (vor)gelebten Werten vor allem drei grundlegende Eigenschaften der Mitarbeiter, die den Erfolg ausmachten – wach, vital und nah. Daraus wiederum wurde der vom Management „Westfalen Way to Win“ getaufte Verhaltenskodex aufgestellt, der Kern der internen Kommunikation und des allgemeinen Handelns ist. Bei den Führungskräften bestehe ein heute nicht überall als selbstverständlich gesehener Anspruch, dass sie dem Unternehmen dienen und nicht schaden sollten, beschreibt der Autor als vormaliger kaufmännischer Vorstand die Arbeitsatmosphäre. Mit der Westfalen AG ist fest der Begriff Energie verbunden. Die von Wilhelm Albert im Jahr 1923 als Sauerstoffwerk AG gegründete Firma ist in den Geschäftsfeldern Technische Gase, Flüssiggas und

Tankstellen aktiv. Mit Erfolg, wie die Entwicklung des Umsatzes zeigt, der von umgerechnet 12,5 Millionen Euro im Jahr 1960 auf inzwischen 1,5 Milliarden Euro geklettert ist. Den Weg dorthin beschreibt der Autor in seiner fast 260 Seiten umfassenden „Chronik der anderen Art“. Daher ist dieses Werk auch eine Fundgrube für die Historie des deutschen Energieund Tankstellenmarktes sowie der Entwicklung des Automobils. Lesenswert sind vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Verfassung gerade auch die Darstellungen über die Weltwirtschaftskrise in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Darüber hinaus findet der Leser interessante Erkenntnisse darüber, wie mittelständische Unternehmen in der Zeit der Weimarer Republik agiert haben. Auch die Entwicklung des Unternehmens während des Dritten Reiches wird ausführlich dargelegt. Dass das westfälische Unternehmen besonders die industrielle Revolution in Deutschland für einen weiteren Wachstumssprung nutzte, war nicht zuletzt der Erkenntnis von Wilhelm Albert zuzuschreiben, dass nicht nur der Mineralölhandel, sondern auch das Tankstellengeschäft in Deutschland große Zukunft haben würde. Der Mann lag richtig – genauso wie seine Nachfolger, die dann unter anderem auch die Chancen im Flüssiggasgeschäft erkannten und nutzten. Weitere Informationen zur Chronik im Internet unter: www.westfalen-ag.de


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Wetterfest mit starkem Partner VERSICHERUNG Guido Stier, Leiter der Sachversicherung Industrie- und Firmenkunden bei AXA, spricht über den richtigen Versicherungsschutz vor Naturgefahren.

Deutschlands“, beklagt Wolfgang FritschAlbert von der Westfalen AG. Gerade in steuerlichen Fragen fordert der Mittelstand von den Politikern in Berlin und Brüssel wesentlich mehr Klarheit und Verlässlichkeit. Das von der Bundesregierung geplante Steuervereinfachungsgesetz soll dazu beitragen. „Von vielen der geplanten Maßnahmen profitieren gerade mittelständische Unternehmen“, versichert Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Allein die vereinfachten Regelungen, die für die elektronische Rechnungsstellung beschlossen wurden, sparen dem Mittelstand nach Angaben des Ministers rund vier Milliarden Euro an Bürokratiekosten. Festzustellen ist auch, dass die Besteuerung der Unternehmenssubstanz bereits deutlich entschärft wurde. Bei der Erbschaftsteuer hat die Regierung die Voraussetzung für eine steuerliche Verschonung des Betriebsvermögens verbessert. Die Frist, während der ein Unternehmen fortgeführt werden muss, wurde verkürzt. Zudem können Unternehmen im Erbfall jetzt leichter übertragen werden – in einigen Fällen ist dies sogar steuerfrei möglich. Damit ist die Gefahr eingedämmt, dass prosperierende Unternehmen durch Liquiditätsentzug bei zu hoher Erbschaftsteuer in existenzielle Not kommen. Eine weitere Verbesserung ist darin zu sehen, dass Geschwister im Erbrecht nicht mehr wie Fremde behandelt werden. Kapital ist gerade für mittelständische Unternehmen einer der wichtigen über unternehmerischen Erfolg entscheidenden Faktoren, denn ohne Kapital lässt sich kaum Wachstum generieren. Im Verlauf der globalen Finanzkrise hatte es der Mittelstand nicht immer leicht, sich das für Wachstum notwendige Eigen- oder Fremdkapital zu beschaffen. Denn obwohl die Kapitalmarktzinsen in Deutschland in den vergangenen Monaten historische Rekordtiefs erreicht hatten, stießen um Kapital buhlende KMU

Herr Stier, inwiefern sollten sich Unternehmer mit dem Risiko Naturgefahren auseinandersetzen? Unternehmer sollten die Kraft der Natur nicht unterschätzen: Die Schäden durch Naturereignisse belaufen sich in Deutschland insgesamt jährlich auf mehrere Millionen Euro. Dabei richten Stürme und heftige Hagelschauer sowie Starkregen und Überschwemmungen die meisten Schäden an. Sie können besonders für Unternehmen schwerwiegende wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen und somit die unternehmerische Existenz bedrohen. Denn oft entstehen nicht nur Kosten für Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Gebäude oder Maschinen sowie für die Wiederbeschaffung zerstörter Materialien. Muss der Unternehmer zum Beispiel infolge eines Sturmschadens die Produktion unterbrechen, bleibt der Umsatz aus. Das ist besonders für Mittelständler eine akute Bedrohung: Auch wenn der Betrieb stillsteht, sind Löhne und Gehälter, Miete und Zinsen weiter zu zahlen, ohne dass frisches Geld in die Kasse kommt. Wie können sich Unternehmer gegen die finanziellen Folgen von Naturereignissen absichern? Wichtig ist, dass Unternehmer sich und ihren Betrieb bedarfsgerecht absichern und Versicherungen wählen, die Elementar-

schäden einschließen. Im Rahmen einer sogenannten Einzelgefahrenversicherung sind sie nur gegen die finanziellen Folgen von Schäden durch Extremwetterereignisse wie Sturm, Überschwemmungen, Starkregen, Rückstau, Schneedruck, Erdbeben und andere Naturkatastrophen abgesichert, soweit die Mitversicherung derartiger Ereignisse ausdrücklich vereinbart wurde. Versicherungsschutz für zerstörte oder beschädigte Sachen durch alle genannten Naturereignisse bieten zum Beispiel eine Gebäude- und/oder eine Inhaltsversicherung oder auch sogenannte Allgefahren-Versicherungskonzepte. Auch eine Betriebsunterbrechungsversicherung ist ratsam. Hier muss darauf geachtet werden, dass der Versicherungsumfang zur Sachversicherung passt. Wieso sollten sich Unternehmer für eine Versicherung von AXA entscheiden? AXA ist einer der führenden Versicherer von Naturgefahren im deutschen Markt. Wir stehen unseren Kunden nicht nur mit umfangreichem Versicherungsschutz zur Seite, Unternehmer profitieren außerdem von der Expertise, Beratungskompetenz und Erfahrung der international agierenden AXA Gruppe. So kommen unsere Experten zum Beispiel aus verschiedenen Fachrichtungen: Von Schiffskapitänen über Geologen bis zu Schadenverhütungsingenieuren haben wir die unterschiedlichsten Spezialisten an Bord. Sie gewährleisten Verständnis für die individuellen Bedürfnisse von Unternehmen und bieten umfassende Beratung zu risikoadäquatem Versicherungsschutz aus einer Hand. Natürlich können wir Gewitter- und Hagelstürme nicht verhindern. Aber wir können unseren Kunden rasche Unterstützung und eine schnelle, unkomplizierte Schadenregulierung anbieten. Informationen unter: www.axa.de

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EXPERTISE Mitarbeiter der HDI-Gerling Industrie Versicherung AG sind immer dort, wo sie gebraucht werden, und sichern global operierende Unternehmen kompetent mit Versicherungslösungen ab.

International abgesichert RISIKOMANAGEMENT Immer mehr deutsche Mittelständler entschließen sich zum Gang ins Ausland. Mit individuellen, international rechtskonformen Versicherungslösungen sind sie dafür bestens gewappnet.

Der Mittelstand stellt historisch eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft dar. Als sogenannte „Hidden Champions“ sind mittelständische Unternehmen in verschiedenen Branchen zu marktbedeutenden Playern oder gar Weltmarktführern avanciert. Der Markterfolg begründet sich vor allem in der Innovationskraft, Flexibilität im Denken und Handeln sowie der Risikobereitschaft, auch ins Ausland zu wachsen. Mit einer Expansion und Erschließung neuer Märkte geht oftmals der Aufbau von Produktionsstätten oder Vertriebsbüros im Ausland einher. Neben der Analyse der Marktpotenziale und der möglicherweise erforderlichen Anpassung der Produkte an den lokalen Standard darf die Absicherung von Risiken nicht ins Hintertreffen geraten: Einer internationalen Aufstellung folgt die Anpassung des Versicherungsbedarfs. Hierbei ist zu beachten, dass nicht nur Produktion und Vertrieb länderspezifischen Randbedingungen folgen müssen, sondern auch der Versicherungsschutz. Für die Versicherungsbranche bedeutet das, sich professionell mit diesem Bedarf auseinanderzusetzen und Lösungen zu bieten – weltweit. Solche Lösungen umfassen bei der HDI-Gerling Industrie Versi-

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cherung AG weit mehr als reine Versicherungsprodukte. Im Zuge langjähriger Erfahrungen und des kontinuierlichen Austauschs mit den Kunden wurden zahlreiche individuelle Lösungen implementiert. So geht eine Analyse der Risikosituation der Entwicklung eines maßgeschneiderten Versicherungsschutzes voraus. Neben der reinen Absicherung des Risikos werden risikomindernde technische und organisatorische Maßnahmen gemeinsam mit den Kunden entwickelt und umgesetzt. Mit einem global agierenden Partner ist und bleibt der Mittelstand handlungsfähig, Versicherungslösungen folgen den Expansionsplänen der Unternehmen – und das aus „einer Hand“. Beim Gang ins Ausland stellen sich anspruchsvolle und komplexe Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich sprachlicher, kultureller und rechtlicher Unterschiede. Für ein mittelständisches Unternehmen liegt der Schwerpunkt seiner Aktivitäten auf der Weiterentwicklung eigener Kernkompetenzen; die Begleitung zu Versicherungsthemen sollte einem weltweit agierenden Partner anvertraut werden. Eine international in allen Belangen rechtskonforme und risikogerechte Absicherung kann im Schadenfall existentielle Bedeutung gewinnen.

Der Gang ins Ausland ist für den Mittelstand also längst zur Selbstverständlichkeit geworden – sei es, um neue Märkte in Asien zu erschließen oder Niederlassungen im europäischen Ausland aufzubauen. Länderspezifisch greifen lokale Vorschriften und gesetzliche Bestimmungen. So zum Beispiel eine von unzähligen Besonderheiten allein in unserem Nachbarland Frankreich: Der französische Staat hat auf die weltweiten Terrorattacken mit der Gründung eines Terrorismus-Pools (GAREAT) reagiert. Hierbei handelt es sich um eine lokale Pflichtversicherung. Die Experten der HDI-Gerling Industrie Versicherung AG kennen die diversen länderspezifischen Besonderheiten und sichern die bestehenden Unternehmensrisiken umfassend durch eigene Mitarbeiter oder Netzwerkpartner in über 130 Ländern ab. „Wir entwickeln gemeinsam mit unseren Kunden individuelle auf die Risikosituation zugeschnittene Versicherungslösungen“, erklärt Gerhard Heidbrink, Vertriebsvorstand HDI-Gerling Industrie Versicherung AG. „Darüber hinaus unterstützen wir weltweit mit sicherheitstechnischen Maßnahmen – dort, wo unsere Kunden sind.“ Weitere Informationen unter: www.hdi-gerling.de


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JUNGMANAGER Wild-Beauty-Geschäftsführer Noah Wild betont, dass sich auch sein Vater in den von ihm eingeleiteten Anpassungen im Unternehmen wiederfinden kann.

den sich bereits seit längerem im Bereich Factoring und Leasing wie bei Renault Trucks Deutschland. Daneben gründete die Börse Stuttgart das Segment „Bond M“, das mittelständischen Unternehmen Fremdkapital in Form von Anleihen zur Verfügung stellt. Eine in der Branche nicht unumstrittene Strategie, eignen sich doch Anleihen nicht für jeden Mittelständler. Wichtig sind der Kontakt zum Endverbraucher, ein tragfähiges Geschäftsmodell und eine gute Bonität. Die Anleger möchten gerne wissen, wofür das eingenommene Geld benötigt wird und wie es zurückgezahlt werden soll. Experten sind überzeugt, dass Anleihen nur in Ergänzung zu einem traditionellen Bankkredit in Betracht gezogen werden sollten, nicht jedoch, um Bankverbindlichkeiten zu tilgen. Die Zukunft mittelständischer Unternehmen – der Eckpfeiler der deutschen Volkswirtschaft - hängt neben der soliden Finanzierung ganz maßgeblich auch von den Faktoren Humankapital sowie Innovationsund Internationalisierungsbereitschaft ab. Und gerade auf diesen Gebieten hat Deutsch-

land bekanntlich eine Menge zu bieten. Um den deutschen Mittelstand muss einem daher auch deshalb nicht bange sein, weil sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politiker dessen riesige Bedeutung für den Wohlstand in diesem Land erkannt haben. Daher kann auch erwartet werden, dass der Mittelstand die Herausforderungen der kommenden Monate in Angriff nehmen und letztlich meistern wird. Diesbezügliche Risiken liegen in möglichen Belastungen aus weiteren Hilfsmaßnahmen für zahlungsschwache oder gar zahlungsunfähige EuroLänder, in heftigen Devisenkurs-Schwankungen, geopolitischen Spannungen und nicht zuletzt in möglicherweise weiter steigenden Rohstoffpreisen. Der deutsche Mittelstand wird die Weltwirtschaftskrise und die daraus resultierenden Umwälzungen nicht nur als Risiko, sondern vielmehr als Herausforderung und noch stärker als eine riesige Chance begreifen und weiterhin Nukleus für Wachstum und Wohlstand sein.

Udo Rettberg

ERBEN ODER BETEILIGEN? Die Studie der Zeppelin Universität befasste sich auch damit, wie Unternehmerkinder über Firmenbesitz, Einkommen und Vermögen denken. Angaben in Prozent.

Familienmitglieder können unterschiedliche Einkommensvereinbarungen haben.

76,4 Es sollte Kriterien geben, wie ein Familienmitglied das Unternehmen verlassen kann.

75,4 Familien- und Unternehmensbelange sollten klar getrennt bleiben.

65,6

Quelle: impulse in Zusammenarbeit mit Stiftung Familienunternehmen und der Zeppelin Universität, Dezember 2010

bei ihren Banken oftmals auf Widerstand. Dies nicht zuletzt deshalb, weil große Banken ihren regionalen Vertretungen vor Ort über einen langen Zeitraum hinweg eine erhöhte „Risikoscheu“ bei der Kreditvergabe vorgeschrieben hatten. Mittelständler beklagen in diesem Kontext einen grundsätzlichen Mangel an Nähe auf Seiten der Banken und eine viel zu geringe Berücksichtigung regionaler Aspekte. „Banker vor Ort sollten mit mehr Entscheidungsbefugnis ausgestattet werden“, fordert Famos-Geschäftsführer Schulz. Nicht nur die Finanzkrise im allgemeinen, sondern auch die für Banken seit Kurzem geltenden verschärften Eigenkapital-Vorschriften im Rahmen der Regelungen von Basel III haben das Umfeld für Finanzierungen drastisch verändert. Die Einschaltung eines Kreditmediators kann nach Meinung der Bundesregierung helfen: An diesen sollen sich alle mittelständischen Unternehmen wenden können, deren Finanzierungsbemühungen nicht im ersten Anlauf erfolgreich waren. Der Vermittler soll dem Unternehmen eine zweite Chance für eine erfolgreiche Finanzierung „erarbeiten“. Von Bedeutung ist, dass das kostenlose Angebot des Kreditmediators die Kreditwirtschaft sensibilisiert hat. „Davon profitiert letztlich der Mittelstand insgesamt“, sagt der Bundeswirtschaftsminister, der darauf hinweist, dass gerade innovative Gründer und junge Technologieunternehmen Wagniskapital zur Finanzierung ihres Wachstums brauchen. Auch auf diesem Gebiet hat die Regierung Initiativen verabschiedet. Denn mit dem HightechGründerfonds hat die Beteiligungsfinanzierung neu gegründeter technologieorientierter Unternehmen in der Vergangenheit bereits erhebliche Impulse erhalten. Diese Erfolge will Brüderle sichern, indem er nach Ablauf der Investitionsphase 2010/2011 einen Anschlussfonds auflegen will. Finanzierungslösungen abseits des Kredits fin-

Die Kinder sollten beim Eintritt Anteile am Unternehmen erhalten.

56,9 Das Unternehmen sollte für alle Familienmitglieder eine Rentenvorsorge treffen.

35,4 Bei Nicht-Eintritt sollten Kinder keine Anteile erhalten.

28,2 Die Kinder sollten gleiche Anteile am Unternehmen erhalten.

24,6 Erst nach dem Tod der Vorgängergeneration sollten die Kinder Anteile erhalten.

3,1

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TITELTHEMA

NEUER MITTELSTAND

Neue Spiele braucht das Land AUTOMATEN Innovativer Mittelständler gewinnt im Spiel um die Gunst der Spieler: Paul Gauselmann setzt dazu auf die nach deutschem Recht hergestellten und betriebenen Geldspielgeräte.

Am Anfang waren die Würfel, im Becher oder in der Hand geschüttelt. Man würfelte allein oder mit anderen. Wer allerdings den Reiz des Spiels erhöhen und um Geld spielen wollte, brauchte zwingend einen oder mehrere Spielpartner. Tausende Jahre später kamen Spielautomaten, bei denen rotierende Scheiben oder Walzen dem Zufall folgend über das Glück entschieden. Der Spielautomat war ein „stummer“ Spielpartner, der ganz nach Belieben für das Spielvergnügen zur Verfügung stand. Er sorgte sogar für den zusätzlichen Reiz des Geldgewinns – und zwar nach engen gesetzlichen Vorgaben. Der mechanische und später elektronische Spielautomat wurde durch Spielcomputer ergänzt, gegen dessen Programm man um Punkte, aber nicht um Geld spielen konnte. Durch das weltumspannende Internet ist eine neue Dimension des Spielens erschlossen worden. Jedes Spiel ist möglich, ob mit oder ohne Geld. Die grenzenlose

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Spielfreiheit birgt allerdings nicht nur die Möglichkeit, seiner Spiellust ungehemmt zu frönen, sie birgt auch Risiken. Natürlich ist das Risiko besonders für diejenigen ziemlich groß, die den Reiz des Geldeinsatzes beim Spielen mögen. Wer in einem Internet-Casino spielt oder wer im Internet an Sportwetten teilnimmt, hat es mit zwei Risiken zu tun. Zum einen mit dem Spielveranstalter, der irgendwo auf der Welt seinen Sitz hat und für die deutsche Justiz nicht greifbar ist. Hier besteht das Risiko, dass der Spieler sein Geld verliert, nicht weil er Pech gehabt hat, sondern weil er um seinen Gewinn betrogen wurde. Das zweite Risiko ist er selber. Allein und unkontrolliert vor dem Computer setzt er sein Geld elektronisch. Das heißt, man kann auf Kredit spielen. Wer in eine Pechsträhne geraten und fest entschlossen ist, sein Glück zu „zwingen“, steht in dem Risiko, viel mehr Geld auszugeben, als er sich eigentlich leis-

ten kann und will. In dieser Situation wurde der Bedarf an neuen Spielen geboren, die das Zufallsspiel mit Geldeinsatz, einem klar fixierten Risiko und hoher Manipulationssicherheit in sich vereinen. Es brauchte kein neues Spiel erfunden zu werden. Die gute alte „Daddelkiste“ wurde zu einem leistungsfähigen elektronischen Spielzeug hochgerüstet. Auf der einen Seite machen modernste Bildschirmtechnik und Computertechnologie anspruchsvolle Spielabläufe möglich, die sogar inzwischen erwachsen gewordenen Computer-Kids Freude machen. Damit der pure Spaß nicht verdorben wird, haben diese neuen Spielautomaten traditionelle Elemente. An ihnen kann nur mit Bargeld gespielt werden. Ist das selbst bestimmte Bargeld-Budget erschöpft, ist das Spielvergnügen beendet. Auf der anderen Seite braucht der Spieler nach einer Glückssträhne seinem Gewinn nicht entgegenzuzittern, denn anders als die Spielanbieter im Internet steht der Automat direkt vor ihm und spuckt den Gewinn aus. Computertechnologie und insbesondere das Internet haben das Innovationstempo explodieren lassen. Dadurch hat sich bei den Spielern eine Anspruchshaltung entwickelt, die in immer kürzeren Abständen nach neuen Spielen verlangt. Das können die Spieler übrigens sehr einfach durchsetzen. Wenn ihnen die Spiele zu langweilig werden, spielen sie nicht mehr. Der Anspruch der Spieler ist der Motor für die Spielentwicklung. Zurzeit sind in den modernen Unterhaltungsautomaten Spielepakete mit mehr als dreißig Spielen, die alle den Schutzregelungen der deutschen Spielverordnung unterworfen sind. Gegen den globalen Wettbewerb aus dem Internet konnten sich die Unterhaltungsautomaten nur behaupten, weil sie attraktiver, und vor allen Dingen, weil sie preiswerter geworden sind. Noch vor der jüngsten „Automatenrevolution“ sah das anders aus. Pro


TITELTHEMA

NEUER MITTELSTAND

ÜBERZEUGUNG „Wenn es unsere Branche nicht schon gäbe, müsste sie erfunden werden.“ In dieser Sache sind sich alle Mitglieder des Familienunternehmens Gauselmann einig: Michael, Karin, Karsten, Paul, Armin Gauselmann (v.l.n.r.).

Stunde gab ein Spieler rund 22 Euro am Gerät für sein Spiel aus. Im Vergleich mit den heutigen Geräten war die alte GeräteGeneration jedoch lahm und langweilig. Deswegen spielten die Spieler an mehreren Geräten gleichzeitig, durchschnittlich an 2,6 Geräten. Effektiv gaben sie pro Stunde 60 Euro für ihr Spielvergnügen aus. Heute beläuft sich der Spielaufwand am Gerät zwischen 5 und 15 Euro, im Durchschnitt also rund 11 Euro pro Stunde. Zwar gibt es immer noch einige, denen das Tempo eines Spielgerätes nicht hoch genug ist. Durchschnittlich wird an 1,4 Geräten gespielt. Pro Stunde und Spieler bedeutet dies einen Gesamtaufwand von heute nur noch 15 Euro. Als derartig preiswertes und sicheres Freizeitvergnügen mit staatlich kontrolliertem Nervenkitzel konnten sich die Geld-Gewinn-Spielgeräte gegen die starke Konkurrenz aus dem Internet behaupten. Mehr noch: Sie haben sogar deutlich zugelegt. Die Zahl der in Deutschland aufgestellten Geldspielgeräte hat zwar das Niveau vor Beginn des Internetbooms im Jahre 1995 noch nicht erreicht, aber trotzdem hat sich die Zahl der Freunde des Automatenspiels erhöht. Insbesondere Frauen haben diese Form der Spielfreude entdeckt. Es geht nicht um den Geldgewinn, sondern um den preiswerten Spielspaß mit einem leichten Nervenkitzel. Die Kugel beim Roulette läuft immer rund – egal in welchem Land auf dem Globus. Dies gilt im Prinzip auch für alle Spiele, die mit Glückssymbolen und Spielregeln arbeiten, die sich selbst erklären. Diese Spiele sprechen alle Sprachen der Welt. Den Erfolg eines Spiels macht aber nicht nur die Spielidee aus, sondern auch der Spielort. Moderne Entertainment-Center – wie die Merkur Casinos – sorgen für die von den Kunden gewünschte Spielatmosphäre und damit für den Erfolg. So wird aus dem Global Player ein Local Winner.

Die Spielemacher ERFOLGSGESCHICHTE Mit modernen Entertainment-Centern trifft das mittelständische Familienunternehmen den Nerv der Zeit.

Alles beginnt an einem Sonntag, genau am 26.8.1934. Paul Gauselmann wird als fünfter Sohn einer Handwerkerfamilie in Borghorst bei Münster geboren. Sonntagskindern sagt der Volksmund nach, dass ihnen das Glück mit in die Wiege gegeben sei. Bei Paul Gauselmann sieht es zunächst anders aus. Als er zwei Jahre alt ist, stirbt seine Mutter. Er kommt in die Familie seines Onkels nach Münster. Bald ist Krieg. Das Sonntagskind scheint wirklich nur Pech zu haben. Dies ändert sich erst, als er beginnt, selber „seines Glückes Schmied“ zu werden. Er will immer der Beste sein und wird es. Jahrgangsbester beim Schulabschluss. Ausbildungsabschluss zum Fernmeldetechniker mit Auszeichnung. Mit 21 Jahren ist er jüngster Revisor bei „Telefonund Normalzeit“ mit eigenem Dienstwagen. Als Servicetechniker beim Generalimporteur für Wurlitzer Musikboxen macht er gleich seine erste Eigenentwicklung – die Fernwahlbox für deutsche Musikboxen. Und wieder will er der Beste sein. Deswegen beginnt er mit 2000 DM in der Tasche 1957 die nebenberufliche Tätigkeit als Aufsteller für Musikautomaten. Und wieder geht es rasant aufwärts. Das Aufstellunternehmen für Automaten wird um ein Großhandelsunternehmen ergänzt. 1972 macht Gauselmann wieder einen Sprung hin zum Besten. Er gründet die adp Automaten GmbH (adp = aus der Praxis), die das erste eigene Geldspielgerät entwickelt. Zwei Jahre später kommt eine weitere bahnbrechen-

de Idee: Gauselmann eröffnet die erste Merkur Spielothek. Der große Durchbruch kommt 1976. Pünktlich zu Weihnachten kommt die Zulassung der PhysikalischTechnischen Bundesanstalt für das erste eigene Geldspielgerät. Nicht einmal sieben Jahre später kann die GauselmannGruppe einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent bei Geldspielgeräten vermelden. Tendenz kräftig steigend. Nur wenn es der gesamten Branche gut geht, kann es dem eigenen Unternehmen ebenso gut oder gar besser gehen. Deswegen hat Paul Gauselmann schon seit 1981 ununterbrochen als Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie die Branchenverantwortung übernommen, wie auch schon vorher jahrzehntelang in anderen Branchenverbänden. Die Gauselmann-Gruppe ist ein typisches mittelständisches Familienunternehmen. Die Familie arbeitet mit und sichert den Geist des Unternehmens über Generationsgrenzen hinweg. Der Familienrat ist eines der wichtigsten Gremien der Gruppe. Zur „erweiterten Familie“ gehören europaweit 6.500 Mitarbeiter, die in der Entwicklung, in der Fabrikation und im Vertrieb der Merkur-Produkte sowie in den rund 400 Merkur Spielotheken und Merkur Casinos – davon allein 200 in Deutschland – einen Gruppenumsatz von rund 1,5 Milliarden Euro erzielen. Das BesserseinWollen ist Tradition und gleichzeitig das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.gauselmannn.de

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NACHHALTIGKEIT

GREENWASHING

Standhaft bleiben EINSICHT Das Umweltbewusstsein ist gestiegen. Erneuerbare Energien oder niedriger Ressourcenverbrauch sind heute wichtige Themen für Unternehmen. Doch die guten Vorsätze werden nur selten umgesetzt.

Für knapp 70 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland ist das Thema „Nachhaltigkeit“ relevant, wie die Studie „Prognose 2011 – GreenIT und Konsolidierung im deutschen Mittelstand“ des Deutschen Forums für Hochverfügbarkeit belegt. Doch mehr als die Hälfte besitzt keine Strategie dafür und kann nichts unternehmen. Wie lässt sich dies ändern? Oliver Mark, bei Logica in Deutschland als Environmental Manager tätig, ist überzeugt: „Der Geschäftsführer trifft vor allem im Mittelstand alle strategischen Entscheidungen. Daher muss er den Startschuss geben und die Mitarbeiter in Fragen nachhaltigen Denkens und Wirtschaftens von Anfang an aktiv in die Umsetzung einbinden.“ Doch wie lassen sich die guten Vorsätze in die Tat umsetzen? Mark empfiehlt den Unternehmen, in kleinen Schritten vorzugehen. Zuerst sollten sie Ideen für konkrete Aktionen entwickeln, die eventuell Geschäftsziele unterstützen. Dazu gehören Aufräumak-

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ti tionen an Flüssen, Baumpflanzungen oder d die Nutzung sparsamer Firmenautos und E Elektroräder. Doch der Nachhaltigkeitsexp perte warnt: „Natürlich darf dies nicht durch aandere Aktivitäten konterkariert werden, w wie eine Ableitung giftiger Abwässer in die K Kanalisation oder den Luxus-Sportwagen d des Geschäftsführers.“ Die Umweltschutzaaktionen werden gemeinsam von Mitarbeite tern und Betriebsführung umgesetzt, mit E Einbindung der Presse und eigenen Veröffe fentlichungen auf der Firmen-Website oder ü über Social-Media-Kanäle. Im nächsten Schritt müssen Umweltvero ordnungen wie das Erneuerbare-EnergienG Gesetz berücksichtigt und Förderungen gen nutzt werden. Es folgt ein konkreter Nachh haltigkeitsplan mit regelmäßigen Maßnahm men zur Förderung von Mitarbeiterinform mation und -motivation. Schließlich wird d die Strategie der Öffentlichkeit vorgestellt, etwa durch einen Nachhaltigkeitsbericht, Zertifizierungen oder eine offensive Vermarktung der umweltfreundlichen Produkte. So lassen sich Märkte erschließen, Käufer gewinnen und die Kundenbindung intensivieren. Mark weiß, wovon er spricht. Schließlich sind die Umweltbestrebungen von Logica ISO 14001 zertifiziert und vom Carbon Disclosure Project ausgezeichnet. Damit nimmt das Unternehmen Platz fünf aller IT-Unternehmen weltweit ein. Um nachhaltige Gedanken umsetzen zu können, ist es wichtig, den Erfolg eines gesunkenen Strom-, Wasser- und Papierverbrauchs oder der Restmüllmenge genau zu dokumentieren. „Mittelständische Unternehmen erreichen hier im Vergleich zu Konzernen in absoluten Zahlen geringere Werte, doch relativ gesehen schneiden sie oft besser ab“, betont der 41-Jährige. Zudem ist die öffentliche Wahrnehmung solcher Maßnahmen nicht zu unterschätzen. Nicht nur potenzielle Käufer, sondern auch mögliche Mitarbeiter werden auf das Unternehmen

aufmerksam. „In Zeiten des Fachkräftemangels und der Konkurrenz durch Großunternehmen ist dies für den Mittelstand besonders wichtig, denn heute entscheiden sich viele Arbeitnehmer bewusst für umweltfreundliche Unternehmen“, erklärt Mark, der in seiner Funktion für die Definition und Umsetzung aller Aktivitäten rund um Energieeffizienz und Umweltschutz zuständig ist. Er rät den mittelständischen Unternehmen, sich Rat von außen zu holen. Externe Dienstleister können in allen Phasen der Strategiebildung und Umsetzung Unterstützung bieten. Sie kennen die zu berücksichtigenden Gesetze, haben ähnliche Projekte durchgeführt und bieten konkrete Lösungen. Dazu gehören beispielsweise Konzepte zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes von Fahrzeugen oder des Energieverbrauchs von Unternehmen. Auch eine Energieverbrauchsanalyse für IT-Systeme und -Standorte sowie die Erstellung eines CO2-Reduktionsplans helfen dabei, umweltfreundliche Maßnahmen Wirklichkeit werden zu lassen. www.logica.de

BEWUSSTSEIN Oliver Mark, Environmental Manager bei Logica, rät Unternehmen, bei nachhaltigen Projekten standhaft zu bleiben.


NACHHALTIGKEIT

GREENWASHING

Ein wenig geklärtes Phänomen GREENWASHING Ist jedes Unternehmensgrün farbecht? Meinen es Unternehmen ernst, wenn sie von nachhaltigen Plänen sprechen und diese offensiv bewerben? Eine Bestandsaufnahme.

Aufmachermotiv: Aleksandar Rodic

S

pätestens seitdem BP die größte Umweltkatastrophe unserer Geschichte zu verantworten hat, fragen sich Nachhaltigkeitsexperten: Was taugen all die Bewertungssysteme von Nachhaltigkeitsberichten, teuren Kampagnen und CSR-Programmen? Alles eine Greenwashing-Farce? BP hatte stets in allen Nachhaltigkeitsrankings die besten Noten für sein vorbildliches grünes Verhalten bekommen. Lob gab es auch für die Berichterstattung. Sie galt als offen und ehrlich. Der frühere Vorstandsvorsitzende Tony Hayward versprach bei seinem Antritt 2007, BP werde der sicherste Ölkonzern aller Zeiten sein. Die Umbenennung von British Petroleum zu Beyond Petroleum (Jenseits von Öl) sollte suggerieren, dass das Unternehmen zunehmend auf alternative Energien setzt. 2010 floss dann bekanntlich mehr als eine halbe Million Liter Öl in den Golf von Mexiko. Die Ursache steht im Bericht des United States Chemical Safety Board: Die Explosion wurde durch „Sicherheits- und Organisationsdefizite auf allen Ebenen von BP“ verursacht. An den Gesetzen und Geschäftspraktiken aber auch an den Bewertungen im Dow Jones Sustainability Index hatte das nichts geändert.

Erst kürzlich flog BP aus dem „Goldstandard“ derjenigen Unternehmen heraus, die sich offensiv zu Corporate Social Responsibility (CSR) – also der freiwilligen Verpflichtung, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen – bekennen. Sind alle Nachhaltigkeitsbemühungen doch nur eine Farce? Reine Lippenbekenntnisse? Viel Rauch um nichts? Hat das CSRKonzept versagt? Oder trägt die Kommunikationsbranche die Verantwortung für das Desaster? Es wird Zeit, ein schädigendes Phänomen sachlich zu betrachten. Als Greenwashing – zu Deutsch Grünwaschen – werden Werbekampagnen oder PR-Aktionen bezeichnet, die einzelne Produkte, Unternehmen oder politische Strategien unter ein „grünes“ Licht stellen. Es soll der Eindruck entstehen, die Akteure handeln entweder besonders umweltfreundlich oder ethisch korrekt und fair, tun es aber in Wahrheit nicht ausreichend. Bisher bestimmen primär Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oder kritische Journalisten die Diskussion, was glaubwürdige Kommunikation ist. Sie unterstellen, dass Unternehmen bewusst das „grüne Deckmäntelchen“ einsetzen, um unsoziale, unökologische Ge-

schäftspraktiken zu verschleiern. Greenwashing kann darüber hinaus zu Abmahnungen und juristischen Schritten führen. Dafür hat jüngst die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im Fall eines Automobilherstellers gesorgt. Der zu erwartende Schaden für das Unternehmen ist groß und scheint wie ein Paradoxon: Der „Lippenbekenner“, der sich über seine „grüne“ Werbung als besonders verantwortlich darstellt, verspielt genau das, was er mit seiner Darbietung über Verantwortung für Mensch und Natur erreichen will: Das Ansehen in die Marke, das Vertrauen in die Produkte und das Stärken seiner Reputation. Wie Greenwashing zu Kunden- beziehungsweise Auftragsverlusten führen kann, beweist der geplante Zusammenschluss von Lidl mit Basic. Lieferanten und Händler der Bio-Supermarktkette weigerten sich, im Falle einer Zusammenarbeit mit dem unliebsamen Discounter, der bereits negative Schlagzeilen wegen seiner Personalpolitik machte, weiterhin mit Basic zusammenzuarbeiten. Der Deal, der Geld für Expansionen in die Kassen spülen sollte, scheiterte an dem massiven Protest. Greenwashing birgt die Gefahr, den Verbraucher zu täuschen und entVISAVIS ECONOMY

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NACHHALTIGKEIT

GREENWASHING

Stimmen Sie folgender Aussage zu: „Grüne, klimafreundliche und verantwortungsvoll handelnde Unternehmen werden die Gewinner der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sein?“ Angaben in Prozent.

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täuschen und damit die Nachfrage nach umweltfreundlicheren oder sozial korrekteren Produkten zu unterlaufen. Greenwashing gefährdet so innovative Wirtschaftszweige, die schon heute trotz gesättigter, globaler Märkte hohe Umsatzzuwächse und neue Arbeitsplätze versprechen. Ob erneuerbare Energien, Biofood, Naturkosmetik, ethische Geldanlagen oder Passivhäuser: Diese Branchen sind nicht nur Hoffnungsträger für den Profit. Sie bieten auch Lösungen für Gesellschaft und Natur. Kaum ein

Unternehmen betreibt Greenwashing bewusst, um den Verbraucher in die Irre zu führen oder um vorsätzlich von unlauteren oder gesetzesuntreuen Geschäftspraktiken abzulenken. Greenwashing ist die Unwissenheit, unternehmerische Verantwortung so zu verorten und zu kommunizieren, dass sie ihrem Anspruch gerecht wird. Nachhaltigkeitskommunikation ist eine junge Disziplin, in Wissenschaft und Praxis kaum erforscht. Unternehmen kennen sich kaum mit dieser extrem komplexen Materie aus.

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Stimme eher zu Stimme eher nicht zu Stimme überhaupt nicht zu Stimme voll und ganz zu

Selbst Firmen, die bereits CSR betreiben, wissen oft nicht, wie wichtig es ist, ein CSRKonzept systematisch zu implementieren. Es herrscht Verwirrung. Allein für den überstrapazierten Begriff nachhaltige Entwicklung gibt es laut neuesten Angaben von Wissenschaftlern mehr als 70 Definitionen. Auch unterschätzen Unternehmen die Notwendigkeit von Experten auf dem Gebiet. Darüber hinaus sind sie rar. Wer aber so kommunizieren will, dass er glaubwürdig dasteht, sollte akzeptieren, dass Nachhal-

Dienstleister | Ehrgeizige Ziele im GoGreen-Programm

Alternative und modifizierte Fahrzeuge im Einsatz Als weltweit tätiger Post- und Logistikdienstleister hat sich die Deutsche Post DHL ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2020 will der Konzern die CO2-Effizienz jedes transportierten Briefs, jedes Pakets und jeder Tonne Fracht um 30 Prozent verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, bündelt das Unternehmen verschiedene Maßnahmen im konzernweiten GoGreen-Programm: konstante Optimierung des Transportnetzwerks, ideVerbesale Auslastung der Ladekapazitäten, Verbes serung der Energieeffizienz in Gebäuden und die Modernisierung der Fahrzeuge.

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Die Entwicklung von alternativen Antrieben im Nutzfahrzeugbereich spielt dabei eine wichtige Rolle: Bisher gibt es noch keine marktreifen Fahrzeuge, doch in Anbetracht der Endlichkeit von natürlichen Ressourcen wie Öl – und somit Kraftstoff – gewinnt ihre Weiterentwicklung an Bedeutung. Der Bonner Konzern arbeitet darum heute schon mit internationalen Automobilherstellern und -zulieferern zusammen und setzt Hybrid- und Elektrofahrzeuge ein. In der städtischen ZuDistanzen und einer hostellung mit kurzen D Start-Stop-Frequenz bieten Elektrofahrhen Start-Stop-Frequ Potenzial, um Geräuschzeuge ein großes Pot und CO2-Emissionen zu senken. die Deutsche Post DHL Insgesamt hat d derzeit rund 2.700 alternative und un modifizierte Fahrzeuge weltweit im Einsatz. Hierzu zählen neben Fahrzeugen mit Hybrid- oder Elektroan-

Quelle: Otto Group Trendstudie / Trendbüro 2009

UMFRAGE

trieben auch alternative Kraftstoffe wie Biooder Erdgas sowie Fahrzeuge mit motorelektronischen und aerodynamischen Modifikationen. Bei den jeweiligen Pilotprojekten verfolgt die Deutsche Post DHL unterschiedliche Schwerpunkte: reduzierter Verbrauch (Hybrid, Aerodynamik) und sauberer Verbrauch (Elektroantriebe und alternative Kraftstoffe). Konkrete Beispiele hierfür: Gemeinsam mit Mercedes-Benz testet man den Vito E-Cell in der Briefzustellung. Die 15 Elektrofahrzeuge mit einem Gewicht von 2,8 Tonnen fahren im Zustellbetrieb. In diesem Zeitraum werden Verbrauch und Reichweite der Pilotfahrzeuge erfasst und die Batterielaufzeit, Auslastung und Bedienung der Elektronik getestet. Um Elektrotechnik auch im Bereich der Paketzustellung einsetzen zu können, kommt der Autohersteller Iveco ins Spiel. Die europaweit ersten zehn Elektrofahrzeuge in der Gewichtsklasse von 3,5 Tonnen werden in Berlin, Bonn und Hamburg eingesetzt. www.dp-dhl.de


NACHHALTIGKEIT

GREENWASHING

MOTIVATION Voraussetzungen für nachhaltiges Konsumverhalten sind die richtigen Anreize und unterstützende Strukturen, weiß Prof. Dr. Lucia Reisch.

tigkeits- bzw. CSR-Kommunikation auf eigenen Prinzipien, Inhalten und Problemlösungen basiert. Diese eigenen Gesetze zu kennen, ist die unausweichliche Grundvoraussetzung gegen Greenwashing. Laut einer Erhebung des Wirtschaftsprüfers KPMG veröffentlichen 200 der 250 größten Organisationen weltweit einen Nachhaltigkeitsbericht. Darin geben sie über nichtfinanzielle Leistungsfaktoren, also über ihr gesellschaftliches oder ökologisches Engagement Auskunft. Circa 6.000 Berichte stehen der Öffentlichkeit insgesamt zur Verfügung. Der Mittelstand hält sich bisher recht bedeckt mit zuverlässigen Aussagen, obwohl auch er unter starker Beobachtung von Seiten der Öffentlichkeit steht. Unwissenheit und Angst vor Greenwashing-Vorwürfen lassen die Unternehmen vor Investitionen in Nachhaltigkeitskommunikation zurückschrecken. Schuld ist ein Dilemma: Auf der einen Seite fordern die Interessengruppen mehr denn je Rechenschaft von Unternehmen. Die Mutter will wissen, ob in der Babynahrung kein schädigendes Dioxin enthalten ist. Die Politik will wissen, ob das Unternehmen tatsächlich seine Klimaziele erreicht und den CO2-Ausstoß reduziert. Transparency International fragt, ob die Anti-Korruptionsbemühungen erfolgreich sind, und Frauenverbände hinterfragen, warum die Frauenförderung nicht zu mehr Frauen in Top-Positionen führt. Beginnen Organisationen dann über ihr Engagement zu sprechen, werden sie rasch kritisiert. Will man das als Unternehmen riskieren? Experten sind sich einig: Wer Vorteile, wie Zukunftssicherung, besseres Image, bessere Mitarbeiter, zufriedenere Kunden und Aktionäre, nutzen will, muss Kritik aushalten, gar fördern. Um CSR-Kommunikation kommt heute kein Unternehmen mehr herum. Auch wenn auf dem Kommunikationsgebiet noch vieles völlig ungeklärt ist: Ein CSR-Kom-

Sponsoring | Neue Stiftungsprofessur

Nachhaltig in Theorie und Praxis Über die Relevanz nachhaltigen Handelns herrscht heute weitestgehend Konsens. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen sehen Nachhaltigkeit als wichtigen Beitrag zur Zukunftsstabilisierung. Für den Energiesektor bedeutet dies vor allem ein Umdenken in Richtung regenerative Energiequellen und effiziente Technologien. Problematisch wird es allerdings, wenn zur Entwicklung der innovativen Technik kein adäquat ausgebildeter Nachwuchs nachrückt. Um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken und sich für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen, müssen Unternehmen daher bewusst neue Wege einschlagen. Die Frankfurter Mainova AG ist aus diesem Grund als bundesweit erster Energieversorger mit einer Fachhochschule eine Allianz zu den Themen „Energieeffizienz und Erneuerbare Energien“ eingegangen. Forschung, Lehre und bestens ausgebildete Nachwuchsingenieure sollen dabei die Basis für eine nachhaltige Zukunft bilden. Im Rahmen der Kooperation mit der Fachhochschule Frankfurt am Main finanziert die Mainova AG in den kommenden Jahren die Einrichtung eines neuen Lehrstuhls. Damit setzt das Unternehmen ein klares Zeichen. „Neue Herausforderungen verlangen neue Wege“, kommentiert MainovaVorstand Lothar Herbst die Stiftungsprofessur. „Noch fehlt es in diesem zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig ‚Erneuerbare Energien‘ an speziell qualifizierten Ingenieuren. Mit unserem Engagement investieren wir gemeinsam mit der FH Frankfurt daher in die Energiewirtschaft von morgen.“ Diese

zukünftige Energiewirtschaft wird sich auch mit vollkommen neuen Geschäftsfeldern befassen müssen – zum Beispiel mit nachhaltigen Mobilitätskonzepten. So rücken Elektromobile die Vision vom CO2-freien Individualverkehr in greifbare Nähe. Daher ist die Mainova AG gemeinsam mit der ABG Frankfurt Holding bereits daran beteiligt, den Verkehr in und um Frankfurt buchstäblich „unter Strom“ zu setzen. Ob Stiftungsprofessur oder Elektromobilität – das Thema Nachhaltigkeit wird unsere Zukunft unter anderem als relevanter Wirtschaftsfaktor maßgeblich prägen. Infos unter: www.mainova.de

E-MOBILITÄT Im Laufe des Jahres 2011 soll das Mainova Stromtankstellen-Netz auf 40 Stationen anwachsen.

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Umweltbewusstes Bürodesign ÖKOEFFEKTIVITÄT Als erster europäischer Teppichhersteller setzt die niederländische Desso Group das Cradle-to-Cradle-Prinzip in ihre Firmenrichtlinien um. Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit fällt oft auch der Begriff Cradle-to-Cradle („von der Wiege bis zur Wiege“). Dieser steht für das Schaffen kontinuierlicher Kreisläufe für biologische wie auch technische „Nährstoffe“. Cradle-to-Cradle-Produkte werden aus reinen Komponenten gefertigt, die entweder biologisch abbaubar sind oder sich problemlos trennen lassen, sodass sie später zu neuen Erzeugnissen weiter verarbeitet werden können (sogenanntes Up Cycling). Dieser ökoeffektive Ansatz wurde in dem 2002 erschienenen Buch „Cradle to Cradle“ des deutschen Chemikers Michael Braungart und des US-amerikanischen Architekten William McDonough geprägt. Unternehmen, die ihre Produktion nach diesen Prinzipien ausrichten, können einen wichtigen Beitrag für die Umwelt leisten und handeln gleichzeitig im Sinne der menschlichen Gesundheit. Unterstützt werden sie dabei von der Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA Internationale Umweltforschung GmbH), die 1987 von Braungart gegründet wurde. Das wissenschaftliche Beratungsinstitut hat zum Ziel, Materialien und Produkte umwelt- und gesundheitsfreundlich zu gestalten und gleichzeitig deren Ertragskraft und Kosteneffektivität sicherzustellen. Anfang 2008 entschied sich der Teppichbodenhersteller Desso für diesen alternativen Weg in Punkto Design und Produktion – was einen entscheidenden Schritt in Richtung Nachhaltigkeit bedeutete. „Wir beschlossen, unser gesamtes Unternehmen im Sinne der Cradle-to-Cradle-Prinzipien auszurichten, und unterschrieben eine Part-

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nerschaftsvereinbarung mit der EPEA“, berichtet Stef Kranendijk, CEO Desso. „Damit waren wir der erste europäische Teppichhersteller, der den Cradle-to-CradleGedanken in seine Firmenrichtlinien übernahm. Für uns war klar, dass die Umsetzung dieser Philosophie unseren Aktivitäten ökologische, gesellschaftliche und auch ökonomische Vorteile sichern würde. Und wir konnten unsere Aktionäre davon überzeugen, hier ein vielversprechendes Geschäftsmodell vorzulegen.“ So entstanden Teppichentwicklungen, die richtungweisend sind für Gebäudausstattungen im Sinne gesteigerter Gesundheit, Wellness und Wohlbefinden. Desso hat es sich beispielsweise zur Aufgabe gemacht, die Qualität der Innenraumluft zu verbessern. Immerhin verbringt der Mensch im Durchschnitt über 90 Prozent seiner Zeit in geschlossenen Räumen. Mit dem Desso AirMaster ist der Feinstaubgehalt in der Raumluft achtmal niedriger als bei Glattbelägen und viermal niedriger als bei herkömmlichen Teppichböden. Der richtige Bodenbelag kann zudem durch Lärmreduktion den Komfort maßgeblich erhöhen. Zu diesem Zweck hat Desso den SoundMaster entwickelt, der die Raumund Bauakustik deutlich verbessert. Der Teppichbodenhersteller hat die erklärte Absicht, seine gesamte Produktion bis zum Jahr 2020 nach den Cradle-to-CradleRichtlinien auszurichten. „Ein ambitioniertes Ziel, zugegeben, aber wir mögen es nun mal, unser Geschäft an hohen Vorgaben auszurichten“, sagt Kranendijk. Informationen unter: www.desso.com

munikationsmanagement aufzubauen, ist eine lohnende Investition. Und auch derEinsatz erfolgreicher CSR-Strategien lohnt sich, weiß Dr. Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer von econsense: „Über CSRStrategien können Unternehmen eine Reihe von Schlüssel- und Wettbewerbsfaktoren erschließen, von denen sie profitieren. Dazu gehören ein aktives Risikomanagement und die Entwicklung einer besseren Risikokultur, Steigerung der operativen Effizienz, verbesserte finanzielle Performance durch positive Ratings und die Bindung und Motivation von Mitarbeitern.“ Wer also das wichtige Feld der Nachhaltigkeitskommunikation in Zeiten von Globalisierung, demografischem Wandel und Erderwärmung dem kommunikativen Talent seiner PR-Abteilung überlässt, anstatt erst einmal seine Hausaufgaben zu machen, riskiert den „Grünwäscher Stempel“. Organisationen, die es ernst meinen mit Nachhaltigkeit, tun nicht nur Gutes, um darüber zu reden. Sie tun Gutes, um Lösungen für die drängenden Themen unserer Zeit zu finden. Seriöse CSR-Kommunikation ist mehr als Marketing. Sie ist der Beginn einer dauerhaften Verpflichtung. Unternehmens- und Markenkommunikation muss folglich Teil der unternehmerischen Verantwortung sein bzw. werden. Jedes Unternehmen muss sich fragen, mit welchen gelebten Inhalten es Glaubwürdigkeit, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Relevanz – Grundprinzipien einer seriösen Nachhaltigkeitskommunikation – schaffen kann. Das sind Postulate, die sich an den Grundsätzen ordnungsgemäßer Bilanzierung bzw. Finanzkommunikation anlehnen. Was auch immer eine Organisation nach außen verkündet: Sämtliche Maßnahmen im Rahmen der Nachhaltigkeitskommunikation sollten auf die vereinbarten und gelebten Werte eines Unternehmens, aber auch auf die Kerngeschäftstätigkeit und auf die Bedürfnisse


NACHHALTIGKEIT

GREENWASHING

APPELL „Nachhaltiger Konsum bedeutet bewusster Konsum“, so Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen. „Das bedeutet, genauer hinzuschauen und die eigene ‚Gesamtbilanz‘ im Auge zu haben.“

und Anregungen der wichtigen Stakeholder eingehen. Nur dann kann CSR-Kommunikation glaubwürdig sein und zur Aufbesserung des Markenwertes oder zur Reputationssteigerung genutzt werden und einen Return on Investment bringen. CSR-Kommunikation geht alle Abteilungen an. Jede Abteilung sollte die CSRStrategie verinnerlichen und entsprechende Ziele für ihren Bereich ableiten. Das ist der Garant für eine glaubwürdige und konsistente Kommunikation nach innen und

außen. Dafür braucht es einen CSR-Kommunikationskodex, den sich jedes Unternehmen individuell erarbeiten sollte. In der Diskussion um Greenwashing sind es vornehmlich die Unternehmen, die in der Kritik stehen. Wenn sie auch sicherlich in der Debatte eine herausragende Rolle einnehmen, stehen nicht sie alleine in der Pflicht, sozialverträglich und ökologisch zu handeln. Was fehlt, ist die überfällige Auseinandersetzung auch um die Eigenverantwortung der Verbraucher. Solange Verbrau-

cher am Wochenende mal eben nach Mallorca fliegen, um dem Stress zu entfliehen oder aus Bequemlichkeit trotz schönem Wetter nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren, müssen Unternehmen nicht besser sein als ihre Kunden. Die Notwendigkeit, im Einklang mit „People, Planet, Profit“ zu leben, gilt nicht nur für Hersteller, sondern auch für die Käufer der Waren. In diesem Zusammenhang betont Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen: „Nachhaltiger Konsum ist vor allem: bewusster Konsum.“

Wettbewerbsvorteil | Klimaneutrales Wirtschaften für Unternehmen

Aktiv Verantwortung übernehmen Der Energiebedarf von Unternehmen und Privatpersonen wächst – die Folge: massive CO2-Emissionen, da der größte Teil der benötigten Energie nach wie vor aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Doch Ökologie und Ökonomie müssen einander nicht ausschließen. Mit Hilfe des Konzeptes „Klimaneutrales Wirtschaften“ zeigt Entega maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen auf, die sowohl ökologisch nachhaltig als auch ökonomisch sinnvoll sind. Das Prinzip des nachhaltigen Denkens und Handelns wird bei immer mehr Kunden zum Kaufkriterium. Unternehmen, die sich dem Prinzip einer umwelt- und klimafreundlichen Handlungsweise verpflichtet fühlen, generieren so Wettbewerbsvorteile und können mit dem Prinzip „Vermeiden – Reduzieren – Kompensieren“ aktiv Verantwortung übernehmen. Doch wie kann ein Unternehmen effektiv und gleichzeitig nachhaltig wirtschaften? Die Umstellung auf klimaneutrale Energie ist die einfachste Möglichkeit, die CO2-Bilanz zu verbessern. Wichtig ist jedoch die „Qualität“

des Stroms: Wird der Strom zu 100 Prozent regenerativ erzeugt oder eine konventionelle Erzeugung nur über CO2-Zertifikate kompensiert? Entega bietet Unternehmen Ökostrom mit dem ok-power-Label sowie aus identifizierbaren Wasserkraftwerken in Deutschland an. Zudem sollten Unternehmen CO2 vermeiden, indem die benötigte Energie intelligent eingesetzt wird. Im Rahmen einer Energieeffizienz-Analyse identifizieren kompetente Energieberater energetische Schwachstellen und unterstützen außerdem bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen, beispielsweise in den Bereichen Beleuchtung, Heizung oder Klimatechnik. Nicht alle CO2-Emissionen lassen sich vermeiden. Unternehmen können diese jedoch durch Emissionszertifikate aus Forstprojekten kompensieren. Der sogenannte CO2-Fußabdruck eines Unternehmens gibt Aufschluss über die Höhe der verursachten Emissionen. Um Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, einzelne Produktionsaspekte, Produktionsstätten oder komplette Produktlinien CO2-neutral zu stellen, identifiziert,

entwickelt und finanziert Entegas Schwestergesellschaft Forest Carbon Group (FCG) Waldschutzprojekte. Emissionsgutschriften werden in Form von VERs (Verified oder Voluntary Emission Reductions) verbrieft. Weitere Inormationen finden Sie im Internet unter: www.entega.de/geschaeftskunden

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AUF DER ÜBERHOLSPUR Das Konsumpotenzial der chinesischen Bevölkerung wächst. Dies zeigt zum Beispiel die Entwicklung des Monatsgehalts für einen Einstiegsjob in einer Schuhfabrik.

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Yuan

Vorhersage

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Quelle: Deloitte Consulting GmbH

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Mobilität | Grüne Antriebslösungen

Fortschrittlicher Antrieb „Als einer der führenden Dienstleister für die internationale Fahrzeugindustrie ist es unser täglicher Job, umweltfreundliche Technologien für die Mobilität der Zukunft zu entwickeln“, erläutert Werner Kropsbauer, Sprecher der Geschäftsführung MBtech Group. Die Innovationskraft erwächst aus der einzigartigen Verbindung aus Engineering- und ConsultingKompetenzen. Berichten darf das Unternehmen darüber allerdings selten, denn die meisten Kundenprojekte sind streng geheim. „Nun aber haben wir unser Leistungsvermögen anhand des ‚Reporters’, der ersten von MBtech komplett eigenständig verwirklichten Studie, sichtbar gemacht“, so Kropsbauer. Weil nachhaltige Mobilität bei fortschrittlichen Antrieben beginnt, konzipierte MBtech für den „Reporter“ eine Vollhybrid-Lösung namens „DualX E-Drive“. Dessen Grundlage bilden ein 70 Kilowatt starker Elektromotor und ein erdgasbetriebener 1,2-Liter-Ottomotor, der 75 Kilowatt leistet. Damit erzielt die Pick-up-Studie eine errechnete Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und eine GePlug-In Lithium-Ionen Batterie

Automatisiertes 5-Gang-Schaltgetriebe

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E-Drive Elektromaschine

Gas-Einfüllstutzen

DualX 1,2-Liter-OttoMotor

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samtreichweite von über 300 Kilometern. Im reinen Elektromodus lassen sich bis zu 55 emissionsfreie Kilometer zurücklegen. Der E-Motor überträgt seine Kraft dabei auf die Hinterachse, der Vierzylinder wirkt auf die Vorderräder – folglich können die Aggregate absolut unabhängig voneinander, also entweder abwechselnd oder zeitgleich, arbeiten. Bei Bedarf lässt sich so auch ein intelligenter Allradantrieb verwirklichen. Zudem sind vom Cockpit aus drei Fahrprogramme wählbar: „eco“ für elektrisches Fahren in der Stadt, „4range“ für geringen Verbrauch und hohe Reichweite sowie „4dynamic“, um die Kraft beider Aggregate für maximalen Fahrspaß zu nutzen. Als i-Tüpfelchen entwickelte MBtech für den „Reporter“ ein abnehmbares „Solar-Top“, dessen Zellen sich auf dem Verdeck der Ladefläche befinden. Mit bis zu 266 Watt liefern sie genügend Leistung, um beispielweise in Pausen die Klimaanlage zu betreiben – oder um während der Fahrt das Bordnetz zu entlasten und so den Verbrauch abermals zu senken. www.mbtech-group.com

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UMWELTFREUNDLICH Mit der Pick-up-Studie „Reporter“ präsentiert die MBtech Group nachhaltige, bereits heute umsetzbare Antriebslösungen für leichte Nutzfahrzeuge.

Das Gros der Bevölkerung hat diesen Schritt noch nicht vollzogen. Solange das so bleibt, tragen wir alle eine Mitschuld an Deepwater Horizon und den Lebensmittelskandalen. Deshalb fordert Röttgen: „Die nachhaltige Wahl muss die richtige Wahl sein!“ Prof. Dr. Lucia Reisch von der Copenhagen Business School teilt die Ansicht und warnt zugleich: „Nachhaltiges Konsumverhalten wird so lange Sache einer engagierten Minderheit bleiben wie Anreize falsch gesetzt sind und Strukturen es nicht unterstützen.“ Neben den westlichen Industriestaaten wollen auch China, Indien und die übrigen aufstrebenden Nationen mehr Konsum und wachsende Mobilität, ohne Rücksicht auf die Folgen. Hiermit wären wir bei der Verantwortung der Politik. Auch sie kann sich ihrer wichtigen Rolle im Prozess hin zur nachhaltigen Entwicklung nicht entziehen. Wie sich der Prozess zur nachhaltigen Entwicklung optimieren lässt, zeigt die Verbrauchergruppe „Lohas“. Der Begriff steht für Lifestyle of Health and Sustainability, also ein Leben auf Grundlage von Gesundheit und Nachhaltigkeit. Dieser Gruppe, die möglichst fair, ökologisch korrekt kaufen will, gehören laut Studien bereits mehr als 70 Millionen Europäer an. In Deutschland wird dieser Lebensstil noch häufig als Erfindung des Marketings belächelt. Die kaufkraftstarken Ökohedonisten haben aber nicht findige Marketing-Profis entdeckt, sondern die US-Soziologie. Der Lohas verkörpert einen Wertewandel in unserer Gesellschaft. Und dieser nachdenkliche Bevölkerungstyp ist mittlerweile so präsent, dass Sinus – Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung – ihm seit 2010 ein eigenes Milieu widmet, das „sozial-ökologische Milieu“. Hohle Worthülsen durch konventionelles Marketing können nicht mehr überzeugen. Von Produkten wird Zusatznutzen wie z. B. Umweltverträglichkeit und menschenwürdige Entlohnung erwartet. Je-


NACHHALTIGKEIT

GREENWASHING

Geschäftsreisen im Wandel AUSWAHL Welche Parameter bestimmen die Entscheidung für oder gegen eine Dienstreise? Und wie sieht das Travel Management von morgen aus?

dem fünften Bürger in Deutschland ist bewusst, dass er über sein Konsumverhalten Greenwasher abstrafen und ein politisches Zeichen in Richtung nachhaltige Entwicklung setzen kann. Greenwashing verkörpert einen Marketingansatz, der für die Bewerbung von grünen Inhalten ausgedient hat. Im Zeitalter von Facebook, Twitter und Smartphones bleiben Unwahrheiten nicht mehr verborgen. Nachhaltigkeitsmarketing braucht eine neue Kommunikationsmaxime, die lautet: Profit mit Mensch und Planet zu versöhnen. Unbestritten – das ist eine der größten Herausforderungen für die Kommunikationsbranche. Es gibt aber Lösungen, z. B. in Form von in Partizipation und Mitgestaltung. Dahinter verbirgt sich eine neue Form der Dialogbereitschaft, die Gemeinschaften, Transparenz und Nachvollziehbarkeit schafft, den Austausch und das Zuhören mit den wichtigsten Anspruchsgruppen fördert. Für Unternehmen bedeutet es, offen für Kritik zu sein, über Stärken und Schwächen zu sprechen. Wenn die CSR-Ziele eines Unternehmens klar definiert sind, zum Kerngeschäft passen und mit der für das Unternehmen relevanten Öffentlichkeit abgestimmt werden, dann kann jede Organisation einem möglichen GreenwashingVorwurf selbstbewusst begegnen und sich glaubwürdig positionieren. CSR ist ein steter Veränderungsprozess. Die Kritik, die Greenwashing auslöst, zwingt die Unternehmensführung aus Lippenbekenntnissen „walk the talk“ werden zu lassen. Dem Phänomen Greenwashing darf man auch dankbar sein, denn es ist die Geburtsstunde der Nachhaltigkeitskommunikation. Ein Neugeborenes kann auch nicht von Anfang an laufen. Aber es ist auf dem besten Wege, es zu lernen.

Unser Mobilitätsverhalten unterliegt dem Wandel. Die Entscheidung für oder gegen eine Geschäftsreise wird künftig von deutlich mehr Parametern bestimmt als primär von Zeit und Geld. Trends wie die fortschreitende Globalisierung, der Klimawandel und das wachsende Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung sowie die zunehmende Urbanisierung und Vernetzung durch modernste Informations- und Telekommunikationstechnologien sind Einflussfaktoren, die sich auf die KostenNutzen-Analyse von Geschäftsreisen auswirken. Zu diesem Fazit kommt der Trend Report 2010 von HRG Germany. Dr. Mathias Warns, Deutschland-Geschäftsführer des in mehr als 120 Ländern aktiven Geschäftsreisedienstleisters, sagt außerdem voraus: Das verantwortungsbewusste Travel Management von Morgen wird Faktoren wie Umweltbelastung, Produktivitätsausfall und Lebensqualität stärker berücksichtigen müssen. Konzepte wie die „Balanced Scorecard“ (BSC) gewinnen an Bedeutung, um das Für und Wider von Dienstreisen besser abwägen zu können. Ob dienstlich gereist wird oder nicht, hängt auch von der Sicherheit des Mitarbeiters ab. Potenzielle Gefahren drohen z. B. durch den globalen Terrorismus. Ebenso sind Naturkatastrophen relevant, die mit der Klimaerwärmung immer wahrscheinlicher werden. Apropos Klimawandel. Der betrifft den Mobilitätssektor als einen wesentlichen Verursacher unmittelbar. Für HRG Germany steht deshalb fest: Firmen kommen nicht umhin, Umweltaspekte stärker in Betracht zu ziehen. Einen Vorteil können sich nicht nur Firmen davon erhoffen, die bereits CSR-Programme aufsetzen und für ihren Nachhaltigkeitsbericht stets auf glaubwürdige Strategien setzen. Jede Organisation profitiert von einem modernen

FLEXIBEL „Wir werden rund um das Thema Mobilität in den nächsten Jahren entscheidende Innovationen erleben“, betont Dr. Mathias Warns, Geschäftsführer HRG Germany.

Travel Management. Technologische Innovationen machen Unternehmen zukunftsfähiger. Umweltschonende Technologien werden im Zuge der fortschreitenden Globalisierung deshalb unerlässlich. Der unaufhaltsame wirtschaftliche Aufschwung in Asien und Südamerika wird dazu führen, dass das Verkehrsaufkommen wächst. Damit nehmen auch die CO2-Emissionen zu. „Nur technologische Neuerungen wie z. B. bei Antriebskonzepten können die Erderwärmung aufhalten“, betont Warns. Die Überalterung der Gesellschaft wird dazu führen, dass Arbeitnehmer auch jenseits der 60 länger arbeiten und reisen. Das verändert die Gesundheitsvorsorge von Unternehmen. HRG Germany weist darauf hin, dass auch mögliche Produktivitätsausfälle bei „Best Agern“ in Betracht kämen. Zukünftige Angebote für mehr Reisekomfort wie z. B. zusätzliche Gepäck- und Transferservices an Flughäfen oder Bahnhöfen werden die Entscheidung ebenso beeinflussen wie Verkehrsträger sowie Hotels und Kongresszentren, die sich auf eine altersgerechte Infrastruktur einstellen. www.hrgworldwide.com; http://de.hrgworldwide.com/docs/TR.pdf

Martina Hoffhaus VISAVIS ECONOMY

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MANAGEMENT

FUHRPARK

Grün und günstig FLOTTENMANAGEMENT Unternehmen können die Fuhrparkkosten drastisch senken und gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Doch beim Thema Dienstwagen hört für viele Mitarbeiter der Spaß auf.

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as Auto bleibt der Deutschen liebstes Kind. Das gilt auch für die Fahrer von Dienst- und Firmenwagen. Einen großen Wagen zu fahren, bedeutet für viele Manager und Beschäftigte soziales Prestige und sichtbaren Erfolg. Für das Flottenmanagement in den Unternehmen stellt dies eine Herausforderung dar, denn in wirtschaftlich turbulenten Zeiten kann

bei der Dienstwagenflotte erheblich gespart werden. Hinzu kommt der Umweltfaktor: Immer mehr Firmen geben an, „Nachhaltigkeit“ und Umweltverträglichkeit seien ihnen besonders wichtig. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bringt es auf den Punkt: Effizient, kostengünstig, umweltschonend und zukunftssicher müsse der Fuhrpark sein. Die Leipzi-

ger Verkehrsbetriebe (LVB) etwa setzen besonders umweltschonende Hybridgelenkbusse ein, die batteriebetrieben je nach Ladestand rein elektrisch fahren. Führende Lkw-Hersteller wie Mercedes-Benz und MAN haben Hybrid-Lkws auf den Markt gebracht und ermitteln in speziellen Flottenprojekten, wie die Technik optimiert werden kann. Die Umwelt im Blick hat der

Das Ganze im Blick: Toyota und die Umwelt OPTIMIERUNG Mit ehrgeizigen Zielen ist Toyota bereits 1992 in das Vorhaben Umweltschutz gestartet. Seitdem wird stetig daran gearbeitet, energiesparende Autos zu entwickeln und nachhaltig zu produzieren.

Das Handeln von Toyota wird nicht erst seit der gesetzlichen Festschreibung von CO2-Grenzwerten von dem Bestreben geprägt, den Kraftstoffverbrauch der Fahrzeugpalette und die Abhängigkeit von endlichen Energieressourcen zu verringern. Bereits 1992 hat sich das Unternehmen in der „Earth Charter“ dem Ziel verpflichtet, „saubere, sichere Automobile zu fertigen und sich für gesellschaftlichen Wohlstand und eine gesunde Umwelt einzusetzen“. Neben der Entwicklung alternativer Antriebe steigert Toyota daher kontinuierlich die Effizienz der benzin- und dieselbetriebenen Fahrzeuge, etwa durch neue Technologien, mechanische Verbesserungen und die permanente Optimierung des Verbrennungsprozesses. Die Ergebnisse dieser Bestrebungen werden mit dem Begriff Toyota Optimal Drive zusammengefasst – einem Maßnahmenpaket, das seit 2008 bei allen neuen und überarbeiteten Modellen eingesetzt wird. Eine aktuelle Studie der European Federation for Transport and

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Environment (T&E) bescheinigt Toyota zwischen 2008 und 2009 eine Reduzierung der CO2-Emissionen von zehn Prozent auf 132 g/km – der größte Rückgang aller in Europa vertretenen Automobilhersteller. Damit ist Toyota nur noch vier Prozent bzw. fünf g/km vom herstellerspezifischen Grenzwert für 2015 entfernt. Zahlreiche Modelle emittieren schon heute weniger als 120 g/km CO2: beispielsweise die Kleinwagen iQ, Aygo und Yaris sowie die Hybridfahrzeuge Prius und Auris Hybrid. Dank Toyota Optimal Drive nehmen auch das Mittelklassemodell Avensis, das Kompakt-SUV RAV4 oder der Urban Cruiser – als effizientester Allrader überhaupt – eine herausragende Stellung im Wettbewerb ein. Gleiches gilt für den neuen Verso-S, mit dem Toyota ab März 2011 in die Klasse der Minivans zurückkehrt. Die zentrale Schlüsseltechnologie für die Mobilität von Gegenwart und Zukunft ist der Hybridantrieb. Seit der Einführung des ersten Prius 1997 hat das Unternehmen

weltweit mehr als zwei Millionen Einheiten des Hybridfahrzeugs verkauft. Inzwischen arbeitet der Hersteller daran, die Antriebstechnik auf alle Modellreihen auszuweiten. Den Anfang machte Mitte 2010 der Auris Hybrid – das erste und bislang einzige Vollhybridfahrzeug in der Kompaktklasse.


MANAGEMENT

Automobilbauer Toyota: Bereits heute emittieren zahlreiche Modelle des japanischen Konzerns weniger als 120 Gramm CO2/km – so etwa die Kleinwagen iQ, Aygo und Yaris sowie die Hybridautos Prius und Auris Hybrid. Toyota setzt außerdem auf die Nachhaltigkeit des gesamten Produktzyklus. Auf die Herausforderung hat inzwischen auch Sixt mit dem Aufbau einer Elektro-

Jüngst wurde es vom ADAC als „Auto der Zukunft“ für seine hervorragenden Umwelteigenschaften mit dem Gelben Engel ausgezeichnet. Auf der Motor Show in Detroit zeigte Toyota im Januar 2011 zudem eine Familienversion des Prius mit Van-Charakter sowie einen Kleinwagen mit Hybridantrieb; beide Modelle werden künftig auch in Deutschland erhältlich sein. Einer der Vorteile des Hybridantriebs ist die problemlose Adaption: Er bildet die Basis für Benzin-Hybridmodelle wie den Prius, kann zu einem Plug-in-Hybridfahrzeug wie dem an den Steckdose aufladbaren Prius Plug-in Hybrid (ab 2012) ausge-

SPITZENPLATZ In Europa reduziert Toyota die CO2-Emissionen am effektivsten.

flotte reagiert – nachdem sich der Chef des Autovermieters wenige Monate zuvor noch skeptisch über Elektroautos geäußert hatte. Alle Unternehmen mit Fuhrparks sind zum Umdenken gezwungen. Ein Beispiel bietet die Telekom mit ihrem Fuhrpark DeTeFleetServices, der das Ziel verfolgt, bis 2015 nur noch Fahrzeuge einzusetzen, die im Durchschnitt 110 Gramm CO2/km ausstoßen. Der

baut werden, liefert die Grundlage für batteriebetriebene Elektroautos wie auch für die Brennstoffzellenfahrzeuge von Toyota. Nachhaltige Mobilität beschränkt sich nicht allein auf den Betrieb des Fahrzeugs in Kundenhand, sondern erstreckt sich über den gesamten Lebenszyklus. In der Fertigung genießen beispielsweise das japanische Tsutsumi-Werk, der britische Standort Burnaston oder das Yaris-Werk im französischen Valenciennes Vorbildcharakter. In den Werken konnten Wasserund Energieverbrauch sowie der in der Produktion anfallende Müll in erheblichem Maße gesenkt werden. In Burnaston wird bereits seit 2003 kein Müll mehr für Deponien erzeugt. Zudem bekennt sich Toyota mit dem Pilotprojekt „Nachhaltiges Autohaus“ maßgeblich zur Ressourcenschonung seiner Vertriebspartner. In einem der Pilotbetriebe, dem Autohaus Schultheiß in Weil am Rhein, wird die Warmwasserund Heizenergie über eine Erdwärmeanlage aufbereitet. Eine Photovoltaikanlage dient der Stromerzeugung, eine intelligente Heizungs- und Beleuchtungssteuerung trägt zur Energieeinsparung bei. Darüber hinaus macht die besondere Ausrichtung des Gebäudes nebst effizienter Isolierung eine Klimaanlage überflüssig. Derzeit gibt es rund 50 solcher Projekte in 13 europäischen Ländern. www.toyota.de

FUHRPARK

Fuhrpark, dessen Servicefahrzeuge durchschnittlich 7,1 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen, erhielt das Bluefleet-Zertifikat des TÜV Rheinland. Nach Auffassung von Jürgen Ewert von der Westfalen AG wird es in Zukunft „mehrere alternative Antriebsstoffe neben den herkömmlichen geben“. Seiner Ansicht nach gilt: „Welcher der richtige für den Fuhrpark ist, entscheidet jeder Fuhrparkmanager für sich selbst.“ Beim Flottenmanagement sind viele Großunternehmen Vorreiter, während der Mittelstand bisher eher konservativ denkt: So ist die Zahl der Firmen, die planen, ihren Spritverbrauch und ihren CO2-Konsum drastisch zu reduzieren, unter Mittelständlern deutlich niedriger als unter Großunternehmen. Schließlich ist der Dienstwagen im Autoland Deutschland für viele Mitarbeiter ein Motivationsfaktor. Behutsamkeit ist gefordert. Eine Möglichkeit ist das sogenannte „Downgrading“ von Poolfahrzeugen, also Autos, die nicht privat genutzt werden. Einige Unternehmen schaffen für ihren Pool nur noch deutlich kleinere Fahrzeuge an. Große Probleme mit dem „Downgrading“ haben vor allem Unternehmen, die ihre Fahrzeuge als Leistungsprämien einsetzen. Einige Unternehmen greifen auf das „Downsizing“ zurück, also auf den Umstieg auf kleinere Motoren, die weniger verbrauchen. Der Vorteil: Von außen sieht niemand den kleineren Motor unter der Kühlerhaube. Andere Firmen haben Spritsparprämien für diejenigen Mitarbeiter ausgelobt, die ihren Verbrauch deutlich senken konnten. Wiederum andere nutzen das Instrument des Totalkostenbudgets, mit dessen Hilfe der Verbrauch gesenkt werden kann. Die Beschäftigten können in diesem Fall wählen, ob sie eine bessere Ausstattung oder einen höheren Spritverbrauch bevorzugen.

Dr. Ralf Magagnoli VISAVIS ECONOMY

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FINANZEN

TAGESGELD

Gastbeitrag Torsten Zibell Geschäftsführer der Volkswagen Bank GmbH und Leiter des Geschäftsbereichs Direktbank

Tagesgeld – Sparform mit Zukunft RENTABEL Attraktive Guthabenverzinsung und tägliche Verfügbarkeit müssen einander nicht ausschließen. Tagesgeldkonten lohnen sich schon bei niedrigen Anlagebeträgen.

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise haben viele Privatanleger das Risiko spekulativer Anlageformen zu spüren bekommen, denn selbst einige der sogenannten „Flagschiff-Fonds“, also der Fonds mit den größten Volumina, haben die Segel streichen müssen. Immer mehr Anleger setzen seitdem verstärkt auf Sicherheit. Festgeld und Banksparpläne sind eine Alternative, allerdings ist der Sparer hier nicht flexibel. Da viele Anleger aber auch darauf großen Wert legen, wird Tagesgeld immer beliebter. Unter den vielen Anbietern sollten die Kunden jedoch auch auf die Konstanz der Angebote achten. Ein verlässlicher Partner ist die Volkswagen Bank direct, die ihren Sparern seit 20 Jahren solide und gut verzinste Anlageprodukte anbietet. Bei Geldanlagen gilt grundsätzlich: Je höher die Rendite, desto spekulativer die Anlageform und desto größer auch das Risiko. Der Trend beim Privatanleger geht nach den letzten Jahren mittlerweile wieder verstärkt in Richtung Sicherheit. Dass dies aber nicht zwangsläufig niedrige Zinsen und kaum Flexibilität heißen muss, zeigen die Angebote beim Tagesgeld. Denn im Vergleich zum Festgeld oder dem klassischen Sparkonto profitiert der Anleger in mehrfacher Hinsicht: Neben der Tatsache, dass Kunden täglich über ihr Geld verfügen können, also maximal flexibel sind, kommt die Sicherheit des Ersparten, denn deutsche Banken sind über die Einlagensicherung voll abgesichert. Außerdem stimmt die Rendite. Denn im Vergleich zum Sparbuch und zum Risiko gibt es attraktive Zinsen, die oftmals sogar über denen für Festgeld liegen. Bei der Auswahl des richtigen Tagesgeldkontos sollten Anleger aber in jedem Fall auf das Kleingedruckte achten. Viele Banken locken Neukunden mit einem hohen Zinssatz, dabei können die Zinsen beim Tagesgeld täglich angepasst werden. Bei solide wirtschaftenden Banken geschehen diese Zinsänderungen mit Weitsicht und Augenmaß nach adäquater Analyse des Zinsmarktes. Die Volkswagen Bank direct steht hier wie auch bei allen anderen Produkten für stabile Konditionen und Zinskontinuität. Als Geschäftsbereich der Volkswagen Bank ist die Volkswagen Bank direct ein elementarer Bestandteil der automobilen Finanzdienstleistungsstrategie der Volkswagen Financial Services AG. Durch den Verbund aus Bank, Hersteller und Händler erhal-

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ten Kunden gegenüber Universalbanken deutlich günstigere Konditionen und umfangreiche Serviceoptionen. Die Volkswagen Bank direct war mit ihrer Gründung 1990 die erste automobile Direktbank Deutschlands. Ihre Aufgabe: automobile Mobilität in finanzielle Mobilität übersetzen. Damals wie heute galt die Devise „Wie das Auto – so die Bank“. Die „Direktbank von Volkswagen“ hat sich von Beginn an als Innovationsführer in der Branche etabliert. Auch beim Sicherheitsstandard im Online-Banking setzte das Unternehmen neue Maßstäbe. Für ihre Produkte wurde die Direktbank in den vergangenen 20 Jahren immer wieder ausgezeichnet. Darunter mehrfach die attraktiven Tagesgeldangebote, die Ernennung zur besten Sparbriefbank 2009 oder zum besten Baufinanzierer unter den Direktbanken im Juni 2010. Die Volkswagen Bank direct hat ihr Produktportfolio sukzessive im Interesse ihrer Kunden ausgebaut und ist heute eine Spezialbank mit universellem Antritt. Nicht bei den Produkten, sondern auch beim Vertrieb geht die Direktbank immer neue Wege, um ihre Kunden zu erreichen. Das gilt auch für das Tagesgeld-Geschäft. Für zeitlich begrenzte Aktionszeiträume im November 2007, März 2008 und im Oktober 2008 konnten Kunden ihr Erspartes etwa auf dem „Tagesgeldkonto mit SuperZins“ bei den Kooperationspartnern Lidl und Kaufland anlegen. Nicht zuletzt der Erfolg dieser Aktionen hat die Kundennähe und das Vertrauen der Kunden in die Volkswagen Bank direct nachhaltig bewiesen. Dank monatlicher Zinsgutschrift profitieren Kunden zudem vom Zinseszins. Die Kontoführung ist gebührenfrei. Rund 60 Prozent der Kunden agieren transaktionsgebunden ausschließlich online, dennoch ist die Volkswagen Bank direct durch ihre Beratungs- und Servicequalität eine Bank zum Anfassen. Das gilt insbesondere für die Werksangehörigen des Volkswagen Konzerns. Für diese ist sie nicht zuletzt auch durch die Filialen an den Werksstandorten heute praktisch die „Hausbank“. Aber auch über den Konzern hinaus wächst das Unternehmen kontinuierlich. Eine Million Kunden und 20 Milliarden Euro Einlagevolumen sind ein Beleg dafür, dass das Unternehmen seinem Anspruch, für jede Lebensphase des Menschen maßgeschneiderte Finanzdienstleistungen anbieten zu können, gerecht wird. Weitere Informationen unter: www.vwfsag.de


FINANZEN

TAGESGELD

Lukrative Geldparkplätze ANLAGE Auf der Jagd nach Rendite können Tagesgeldkonten die Investmentstrategie sinnvoll ergänzen. Denn im harten Wettbewerb um Neukunden locken Banken zurzeit mit hohen Zinssätzen.

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ie Meinungen der Experten könnten kaum unterschiedlicher sein. „Tagesgeld ist eine wenig attraktive Kapitalanlage“, sagen die einen. „Besser 1,5 Prozent plus mit Tagesgeld als 15 Prozent Verlust mit Aktien oder Rohstoffen“, kontern die anderen. Und in der Tat: Wer heute sein Geld auf Geldmarktkonten parkt, handelt möglicherweise durchaus vernünftig. Denn andere Anlageklassen wie Aktien und Rohstoffe haben seit ihrem Tiefpunkt innerhalb dieser Krise seit dem Jahr 2009 Wertsteigerungen von nicht selten 100 Prozent und mehr erfahren und sind daher anfällig für Gewinnmitnahmen und Kursverluste. Wer Gewinne aus diesen Anlageklassen parken will, bis sich ihm neue Anlagemöglichkeiten bieten, kommt eigentlich an Geldmarktkonten nicht vorbei. Als GeldmarktInvestments gelten Investments in Tagesgeld, Monatsgeld (hier gilt der Eonia-Satz als Benchmark), Dreimonatsgeld, Sechsmonatsgeld und Jahresgeld. Die Zinsen am

Geldmarkt sind zuletzt bereits wieder stark gestiegen. Dies hat zum einen mit einem grundsätzlichen Vertrauensverlust der Anleger in Staatsanleihen zu tun – zum anderen aber auch mit zunehmenden Inflationsgefahren und zum Dritten mit der Erwartung, dass die Zentralbanken in den USA und in Europa irgendwann ihre Geldpolitik verschärfen müssen, was zu Kursverlusten bei Anleihen führt. Weshalb also nicht das Geld in kurzfristigen Anlagen parken? Der Tagesgeldsatz Eonia ist vom Tief bei 0,299 Prozent im Juli des Jahres 2009 inzwischen wieder auf über 1,00 Prozent gestiegen. Der Eonia (Euro OverNight Index Average) ist jener Zins, zu dem sich Banken in Europa Euro-Ausleihungen für einen Tag gewähren. Seit Mitte des Jahres 2008 bietet die Bundesrepublik Deutschland eine sogenannte Tagesanleihe, deren Zins sich am Eonia-Tagesgeldsatz orientiert. Diese Anleihe, die das AAA-Rating der Bundesrepublik Deutschland aufweist,

zielt vor allem auf das Direktgeschäft zwischen der Bundesbank und den Geschäftsbanken. Privaten Anlegern wird von den Geschäftsbanken derzeit nicht selten ein höherer Zinssatz als der Eonia angeboten. So offeriert beispielsweise die Bank of Scotland bei einer Anlagesumme von 25.000 Euro einen Tagesgeldzins von 2,20 Prozent, die Direktbanken ING Diba und 1822 Direkt offerieren ihren Kunden für Tagesgeldsätze 2,00 Prozent und die Wüstenrot Bank bringt es auf 1,33 Prozent. Wer sich für ein Tagesgeldkonto entscheidet, muss nicht nur auf das Bonitätsrisiko der Bank, sondern auch auf andere Haken und Ösen des jeweiligen Angebots achten. Einige Banken werben mit besonderen Botschaften. So vermarkten einige Banken ihre lukrativ erscheinenden Tagesgeld-Angebote auch damit, dass der Anleger mit seiner Einlage bei der Bank indirekt den deutschen Mittelstand fördert. Einen anderen Weg wählt die Umweltbank, die VISAVIS ECONOMY

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FINANZEN

TAGESGELD

Langfristiger Vermögensaufbau FINANZPLANUNG Viele Anbieter rühren derzeit für ihre Tagesgeldkonten die Werbetrommel. Allerdings empfiehlt Kai Friedrich, Deputy CEO Cortal Consors Deutschland, den Anlegern die Streuung ihres Kapitals.

Herr Friedrich, für welchen Anleger lohnt sich ein Tagesgeldkonto? Tagesgeld ist ein wichtiger Baustein bei der Geldanlage. Es ist jederzeit verfügbar und liefert regelmäßige Zinserträge. Somit ist es zunächst mal für jeden Sparer geeignet. Für den langfristigen Vermögensaufbau sollten Anleger aber zusätzlich auch auf andere Produkte setzen, zum Beispiel Fonds. Sie werben mit bis zu vier Prozent Zinsen für Ihr Tagesgeldkonto. Ja, hier handelt es sich aber um ein Angebot, das sich an Wertpapierbesitzer wendet. Wir nennen es daher auch „Depotwechselangebot“. Ein Kunde, der ein Depot bei einer anderen Bank schließt und Wertpapiere im Wert von mindestens 6.000 Euro zu uns überträgt, erhält dafür ein Jahr garantiert einen Tagesgeldzins von vier Prozent für bis zu 20.000 Euro. elangebot Ist das dann nicht ein Lockvogelangebot oten? – hohe Zinsen, aber viele Fußnoten? ngen sind Das finde ich nicht. Die Bedingungen n nicht im einfach verständlich und werden erdem erKleingedruckten versteckt. Außerdem ertpapiere halten Neukunden, die keine Wertpapiere h noch eeiiizu uns übertragen möchten, auch ar für ürr bis biss nen Zins von 2,1 Prozent – sogar and nd del et zu 25.000 Euro. Letztendlich handelt en n es sich bei diesen Sonderzinsen um Neukundenprämien, wie sie in vielen Branchen normal sind. Locken Sie damit auch die oft erwähnten Zinshopper an? Viele Anleger haben offenbar den sportlichen Ehrgeiz, immer das letzte Zehntel herauszuholen. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Ob sich der Aufwand lohnt, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Ein Zinsvorteil von 0,1 Prozent, also 10 Euro im Jahr bei einer Anlage von 10.000 Euro, ist

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aber oft schon allein durch die Fahrt zum Postamt wieder dahin, von der investierten Zeit ganz zu schweigen. Wie reagieren Sie auf dieses Phänomen? Wir müssen es schaffen, den Kunden von unseren Produkten und Services zu überzeugen. In der Werbung wenden wir uns daher hauptsächlich an Wertpapierbesitzer. Wir sind Spezialist für Brokerage und Vermögensaufbau und haben mehr zu bieten als nur ein gut verzinstes Tagesgeldkonto. Kunden, die bereits Aktien oder Fonds besitzen, beschäftigen sich logischerweise auch mehr mit diesem Thema. Die Chance, diese Kunden von uns zu überzeugen, ist also größer. Denn auch nach dem Auslauf eines Sonderzinses können Sie bei uns Ihre Rendite verbessern. Bei-

spielsweise bieten wir fast alle Fonds mit einem Rabatt auf die Ausgabegebühr an – über 1500 sogar mit 100 Prozent Rabatt. Sie sagen also, Tagesgeld alleine macht nicht glücklich? Nicht nach allen Regeln der Finanzplanung. Anleger sollten ihr Geld auf unterschiedliche Anlageklassen verteilen. In Anleihen und Aktien können sie beispielsweise in Form von Fonds oder ETFs investieren. Eine selbst genutzte Immobilie kann ebenfalls eine interessante Rendite bringen. Und für den Vermögensaufbau in kleinen Schritten kommt vielleicht ein Fondssparplan in Frage. Der Branchenverband BVI hat gerade eine Statistik veröffentlicht, die zeigt, dass Anleger, die in den letzten 30 Jahren monatlich 100 Euro in einen deutschen Aktienfonds investiert haben haben, damit eine jährliche Rendite von 7,5 Pr Prozent erzielen konnten. Trotz aller Schw Schwankungen an den Märkten. Und w wenn ich mich durch das große Angebot überfordert fühle? Dann lassen Sie sich beraten – zum Beispiel b bei Cortal Consors. Als eine der wen ni g n Banken in Deutschland bieten wir ge nigen aauch au uch ch Honorarberatung ohne zusätzliche Ge G eb Gebühren an. Alle Produktprovisionen und Gebühren gehen an den Kunden – und nicht an die Bank. Wichtige Frage zum Schluss: Wie sicher ist denn mein Geld bei Ihnen? Die gesetzliche Einlagensicherung sichert EU-weit bis zu 100.000 Euro ab. Darüber hinaus sind wir freiwilliges Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Über diesen Fonds sind bis zu 45 Millionen Euro pro Kunde abgesichert. Weitere Informationen im Internet: www.cortalconsors.de


FINANZEN

TAGESGELD

MONATLICHE ENTWICKLUNG DES EURIBOR

Tagesgeld

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Wochengeld Monatsgeld Dreimonatsgeld Sechsmonatsgeld Neunmonatsgeld

an das grüne Gewissen der Anleger appelliert und zum Beispiel mit ihrer eindeutigen Nachhaltigkeits-Orientierung argumentiert. „Die Zahl der sich für nachhaltige Bankprodukte interessierenden Verbraucher wird inzwischen auf über sechs Millionen geschätzt“, weist Horst P. Popp von der Umweltbank auf das „grüne Gewissen“ der deutschen Sparer hin. Das als Direktbank aufgestellte Institut gibt die aus dieser Tatsache resultierenden Kostenvorteile beim „UmweltPluskonto“ direkt an seine Kunden weiter und finanziert darüber hinaus nur Umweltprojekte. Da Direktbanken nur bestimmte Bereiche des Bankgeschäfts abdecken und in der Regel nicht über kostenintensive Filialnetze verfügen, sind sie in der Lage, wesentlich wirtschaftlicher zu arbeiten. Dass unbekannte Banken oft mit extrem hohen Zinsen locken, sollte Anleger nachdenklich stimmen. „Nichts ist umsonst“, wird in diesem Kontext eine alte Börsenweisheit zitiert. Die Beispiele der isländischen Kaupthing Bank oder der Noa Bank mahnen zur Vorsicht; denn beide in finanzielle Nöte geratene Banken existieren heute nicht mehr. Allerdings sind hohe Zinsen nicht immer ein Indiz dafür, dass eine Bank unseriös wirtschaftet. Anleger müssen zudem wissen, dass die von Banken gebotenen hohen Zinsen nicht selten nur für neue Kunden gelten. Das verlockende Angebot wird zudem im Rahmen einer Marketing-Kampagne oft nur für einen bestimmten Zeitraum und/oder für eine bestimmte nach oben begrenzte Anlagesumme aufrecht erhalten. Zudem sollten Anleger genau hinschauen, ob das Tagesgeld-Investment bei ihrer Bank unter die Einlagensicherung fällt. Denn wie jede Kapitalanlage so unterliegen auch Einlagen bei Banken einem grundsätzlichen Ausfallrisiko, also der Gefahr, dass die Bank die geleistete Einlage nicht an den Anleger zurückzahlen kann. Die Einlagensicherung reduziert diese Gefahr, verhindert sie aller-

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Quelle: 2011 direktbankvergleich.de

Seit dem Zinstief im Juli 2009 sind die Zinsen bei Festgeldkonten für verschiedene Laufzeiten wieder leicht gestiegen. Angaben in Prozent.

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dings nicht vollständig. In der EU sind Einlagen nach einem entsprechenden Vorstoß der EU-Kommission in Brüssel (wie bereits zuvor in Österreich und den Niederlanden) jetzt bis zu 100.000 Euro pro Person (bisher in Deutschland 50.000 Euro, in Frankreich 70.000 Euro und in Großbritannien 50.000 Pfund Sterling) voll geschützt. In Deutschland war die Situation in der Vergangenheit jedoch bereits recht komfortabel. Denn hier sicherten fast alle Kreditinstitute Kundenguthaben über den bisher bis 50.000 Euro betragenden gesetzlichen Mindestrahmen hinaus ab. Viele deutsche Institute haben sich nämlich dem 1976 geschaffenen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) unterworfen. Dieser schützt Guthaben einschließlich Zinsen jedes einzelnen Kunden nach BdB-Angaben bis zu einer Höhe von 30 Prozent des maßgeblich haftenden Eigenkapitals der Bank. Selbst bei kleinen Banken mit haftendem Eigenkapi-

TAGESGELD RANKING Aktuelle Angebote im Vergleich, sortiert nach Zinshöhe. Anbieter

Zinsen

Zinsgutschrift

Bank of Scotland

2,20 %

Jährlich

Cortal Consors

2,10 %

Vierteljährlich

DAB Bank

2,10 %

Vierteljährlich

Volkswagen Bank

2,00 %

Monatlich

1822direkt

2,00 %

Jährlich

Postbank

1,80 %

Jährlich

Datenquelle: tagesgeld.org, aktuelle Zinssätze vom 6.2.2011

06/2008

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06/2010

12/2010

tal von fünf Millionen Euro sind Guthaben jedes Anlegers also bis zu einer Höhe von 1,5 Millionen Euro vollständig geschützt. Die neue durch die EU-Kommission erarbeitete Regelung bringt noch weitere Vorteile für den Anleger. Denn bisher mussten Kundengelder bei einer Bankpleite innerhalb von drei Monaten an den Sparer ausgezahlt werden. Ab Januar 2011 wurde diese Auszahlungsfrist auf maximal 30 Tage verkürzt. Dass einige Geschäftsbanken vergleichsweise hohe Tagesgeldzinsen bieten, hat seine Ursachen vor allem in der Refinanzierungsstrategie der Institute. So wie sich zahlreiche Banken seit Jahren Fremdkapital von ihren Kunden über die Ausgabe von Zertifikaten oder Aktienanleihen beschaffen, so greifen andere Banken auf das Einsammeln von Geld über für Kunden attraktiv erscheinende Tagesgeldkonten als Refinanzierungsquelle zurück. Gerade während der Finanzkrise machten Banken die Erfahrung, dass ihre Versorgung mit Liquidität über Nacht stark schwankte; denn ihre traditionelle Refinanzierungsquelle – der Interbankenmarkt, auf dem sich die Institute gegenseitig Geld leihen – reagierte sehr sensibel auf geschäftliche Entwicklungen einzelner Banken. So wurden Nachrichten über Probleme einzelner Banken rasch in der Herabstufung der Kreditwürdigkeit und einer Verteuerung der Refinanzierung sichtbar. Seitdem wissen Banken private Kunden wieder stärker zu schätzen. Diese sind eine deutlich stabilere und verlässlichere Geldquelle. Dies auch, weil sie sich auf der Jagd nach Rendite vor allem auf die Einlagensicherung verlassen. Fazit: Flexible Anleger beziehen ihre Tagesgeldkonten in ihre gesamte Investmentstrategie ein, indem sie in anderen Anlageformen freigewordenes Kapital kurzfristig am Geldmarkt parken.

Udo G. Rettberg VISAVIS ECONOMY

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WEITERBILDUNG

E-LEARNING

Wissen für alle QUALIFIZIERUNG E-Learning-Lösungen sind nicht nur großen Unternehmen vorbehalten. Günstige modulare Systeme sind speziell auf die Bedürfnisse des Mittelstands ausgerichtet.

W

er kauft sich schon einen Lkw, wenn er nur einen Kleinwagen braucht? Niemand. Beim Lernen ist das nicht anders. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wollen kein kompliziertes Lernmanagementsystem (LMS) mit Tausenden von Funktionen, mit deren Konfiguration selbst E-Learning-Experten wochenlang beschäftigt sind. Sondern sie wollen schnell, günstig und praxisnah die Wissenslücken ihrer Mitarbeiter schließen. Das Problem: „Diese Unternehmen haben in vielen Fällen keine Weiterbildungstradition“, betont Professor Dr. Peter A. Henning, wissenschaftlicher Leiter der E-Learning-Kongressmesse Learntec. Daher gab es dort am 2. Februar 2011 eine spezielle Sektion für den Mittelstand. Learning-on-the-job ist leicht realisierbar, sofern man ein paar Regeln beachtet: Die Lerneinheiten sollten in kleine Module eingeteilt sein, die man zwischen-

durch absolvieren kann. Das kann ein FünfMinuten-Update zum Wiederholen von englischen Fachbegriffen sein oder eine abgeschlossene Lerneinheit von 15 oder 30 Minuten zur Vorgehensweise bei Reklamationen. Bewährt hat sich eine Kombination aus flexiblem, selbstständigem Lernen und der Betreuung durch einen Tutor. Präsenzseminare sind deshalb aber noch nicht obsolet. Viele Inhalte wie zum Beispiel Vertriebstrainings lassen sich nicht allein theoretisch vermitteln. Jedoch kann man Kundengespräche auch in virtuellen Klassenzimmern üben. Auf diese Weise können Unternehmen Zeit und Kosten für Präsenztrainings reduzieren, denn auch Online-Räume kann man mieten. Optimal ist Blended Learning: „Reine Computerkurse sind den Menschen fremd und wirken demotivierend – und traditionelles Lernen ist in einer Wissensgesellschaft nicht mehr imstande, mit

der Entwicklung Schritt zu halten“, so Henning. „Die Zukunft liegt daher in einer sinnvollen Synthese der beiden Ansätze.“ Auch außerhalb der vereinbarten OnlineMeetings muss Lernen die Möglichkeit zum Social Networking bieten. Im realen Arbeitsalltag tauschen die Mitarbeiter wichtige Informationen in der Kantine, Teeküche oder auf dem Flur aus. Deshalb gilt es, den Mitarbeitern einen geschützten Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sie die unternehmenskritischen Details besprechen können – quasi ein digitaler Flurfunk. Geschützt heißt aber auch: Der Chef darf nicht mitlesen. Sonst kommt dort keine offene und ehrliche Diskussion zustande. Welches Lernmanagementsystem (LMS) eingesetzt wird, ist nicht nur eine Frage der Philosophie, sondern auch der eigenen ITKompetenzen. Open-Source-Plattformen wie etwa Ilias oder Moodle sind zwar kostenlos,

Virtuell | Online-Meetings steigern die Effizienz

Höhere Produktivität durch Kommunikation im Netz Naturereignisse wie die gigantische Aschewolke des Vulkanausbruchs auf Island im April letzten Jahres erzeugen erhebliche Mobilitäts- und somit auch Kommunikationsund Businessprobleme, welche beachtliche Kosten nach sich ziehen. Web Communication Tools lösen diese Probleme zeitgemäß: Sie ermöglichen effiziente Kommunikation – unabhängig davon, wo sich die Gesprächspartner gerade befinden – und senken durch den Wegfall von Reisekosten die Unternehmensausgaben deutlich. Auch im geschäftlichen Alltag verbessern und erleichtern sie die in- und externe Unterneh-

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menskommunikation. Meeting und Schulungen können ideal an zeitliche Abläufe angepasst und Teilnehmer spontan hinzugezogen werden, Inhalte sind mit wenigen Mausklicks für alle visualisierbar und lassen sich gemeinsam bearbeiten. Unternehmen wie BASF, Konica Minolta oder Bilfinger Berger vertrauen dabei auf eine Software, die aus intensiver Fraunhofer Forschung hervorging: Der virtual team room vitero ermöglicht professionelle Onlinekommunikation, die ausgefeilte Technik mit benutzerfreundlicher Ergonomie vereint und über die für strukturierte Meetings und Schulungen erforderlichen Moderations-

und Feedbackwerkzeuge verfügt. So wird nicht nur der Firmengeldbeutel geschont, sondern gleichzeitig die Kommunikationsqualität und damit die Produktivität des Unternehmens verbessert. www.vitero.de


WEITERBILDUNG

E-LEARNING

EINSCHÄTZUNG „Die KMU sind die tragende Säule unserer Wirtschaft, nur mit Weiterbildung können sie für die Zukunft fit gehalten werden“, betont Prof. Dr. Peter A. Henning.

dafür muss man sich intern mehr damit befassen, was die Implementierung, Anpassung an die betrieblichen Prozesse, Schulungen und den Support angeht. Zahlreiche Fachleute aus den Communities bieten Support an. Anders als die Plattform selbst ist der allerdings kostenpflichtig. Wenn er wegfällt, kann man den Quellcode selbst bearbeiten. „Open-Source-Plattformen entwickeln sich schnell weiter und machen den meisten kommerziellen Systemen ernsthaft Konkurrenz“, findet Henning. Mittelständler ohne eigene IT-Abteilung sind mit der kommerziellen Lösung vielleicht besser bedient, denn die Wartung und Updates übernimmt der Anbieter. Je nach Vertrag laufen die Programme auf dem Server des Anbieters und werden nutzungsabhängig abgerechnet. Natürlich sollte sichergestellt sein, dass die Inhalte und Lernerdaten über eine sichere Verbindung übertragen werden. Und selbstredend müssen die Lerninhalte auf allen mobilen Endgeräten laufen – sei es ein Notebook, Smartphone, Blackberry oder Tablet-PC. Nicht nur für Digital Natives, die ihre Freizeit mit Online-Spielen verbringen, sind Serious Games (Lernspiele) eine geeignete Form, Wissen zu erwerben. Auch die ältere Generation kommt zunehmend auf den Geschmack. Inhaltlich kann ein Benimmtraining zur Vorbereitung auf eine Asienreise ebenso abgebildet werden wie eine vollständige BWL-Schulung. „Der Mensch spielt schon seit Millionen von Jahren – und immer haben Spiele dem Erlernen ernster Techniken gedient“, erklärt Henning. Man dürfe zwar die Gefahren nicht ignorieren, „aber wir wissen, dass beim Lernen viel Freiheit notwendig ist und wir daher strikte Lernansätze mit vorgeschriebenen Lernwegen ad acta legen müssen.“

Leistungsnachweis | Elektronische Examina verbessern die Lehr- und Prüfungskultur

E-Prüfung – mit Sicherheit gut Die Studierenden der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) legen seit der Einführung des Modellstudiengangs Medizin, HannibaL (Hannoversche integrierte berufs orientierte adaptive Lehre), 2005 jährlich rund 20.000 elektronische Klausuren ab. „Um die große Anzahl an Prüfungen zu bewältigen, hat die MHH gemeinsam mit der Firma Codiplan aus Bergisch Gladbach das elektronische Prüfungssystem Q[kju:]-Exam entwickelt und etabliert“, erklärt Professor Dr. Ingo Just, stellvertretender Studiendekan und Dozent für Pharmakologie und Toxikologie. Das System besteht aus Laptops, die über WLAN mit einem geschützten, mobilen Server verbunden sind. Damit kann die Prüfung in jedem Hörsaal stattfinden. Ein weiterer Vorteil: Multimediale Elemente wie hochauflösendes Bildmaterial, Audiodateien (zum Beispiel Herztöne) sowie Animationen, Simulationen, Videodateien und PatientenFallstudien können als Prüfungsinhalte eingebunden werden. Die Studierenden schätzen das System, wie eine Umfrage der Studentenorganisation AStA zeigte. Sie sehen die E-Prüfung als gerecht – weil objektiv bewertet – an. Positiv sei auch die schnelle Rückmeldung und die zeitnahe Qualitätsanalyse der Fragen durch den Vergleich mit früheren Klausuren. Durchschnittlich nutzen 90 Prozent der Studierenden die elektronische Evaluation der Lehrveranstaltungen. Zudem werden alle wichtigen Prozesse, zum Beispiel die Terminierung und statistische Auswertung der Prüfungen, über diese Plattform gesteuert. Auch die Lehrenden profitieren von den elektronischen

LEHRPRAXIS Mit E-Prüfungen setzt die Medizinische Hochschule Hannover auf kontinuierliche Leistungsüberprüfung.

Prüfungen: „Sie schaffen Transparenz und geben den Dozenten Rückmeldungen zur Qualität ihrer Lehre“, erklärt Daniel Möbs, Projektverantwortlicher bei Codiplan. Weitere Vorteile für die Dozenten sind der datenbankbasierte Fragenpool, die Archivierungsfunktion sowie eine automatisierte Korrektur und Aufbereitung der E-Klausuren. Die computergestützten Leistungsnachweise sind in der Prüfungsordnung der MHH eindeutig geregelt und damit rechtssicher. „Wir wollen fähige Ärztinnen und Ärzte an der MHH ausbilden. Nur eine qualitativ hochwertige Prüfung zeigt die im Studium erworbenen Kompetenzen der angehenden Mediziner“, betont Professor Just, „daher sollen auch nationale Staatsexamina in der Medizin und Zahnmedizin auf E-Prüfungen umgestellt werden.“ Informationen unter: www.mh-hannover.de

Kirsten Seegmüller VISAVIS ECONOMY

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MANAGEMENT

BUSINESS INTELLIGENCE

Dauerhaft erfolgreich ANALYSE Erfolgreiche Business Intelligence (BI) orientiert sich am Bedarf der Anwender. Aber wie setzt man eine BI-Lösung auf, wie findet man die passende Software und wie verankert man sie im Unternehmen?

FUNKTIONALITÄT Fachanwenderfreundliche Software ermöglicht die einfache und schnelle Analyse von wichtigen Kennzahlen und gibt höchste Effektivität für Entscheidungen.

Beim Aufsetzen einer BI-Lösung ist zuallererst an die strukturierte Aufnahme und Definition von Anforderungen und Rahmenbedingungen zu denken. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedarfe der künftigen Nutzer: Welche Informationen werden von wem benötigt, wer soll Berichte erzeugen, gestalten und empfangen? Wo ist Automatisierung notwendig, welche Ad-hoc-Techniken sind gewünscht? Soll geplant werden oder nicht, und wie viele Anwender müssen parallel, dezentral oder auch mobil mit welchen Berichtssprachen arbeiten? Ebenso wichtig ist, sich von Anfang an mit der Datenbewirtschaftung zu beschäftigen: Also welche Vorsysteme sollen eingebunden sein, wie unterschiedlich sind diese strukturiert, welche können noch hinzukommen? „Denn auf heterogene Daten direkt zuzugreifen, ohne sich vorher Gedanken über Konzept, Aufbau, Abgleich und Modellierung gemacht zu haben, kann zu bösem Erwachen führen, sobald anspruchsvollere Analysen gefordert werden oder Daten aus verschiedenartigen Systemen zusammenzuführen sind“, warnt Hermann Hebben, Geschäftsführer der Cubeware GmbH. Von den Enterprise-Plattformen der

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großen Häuser wie Microsoft, IBM, SAP und Oracle über die fachabteilungsorientierte Software von Anbietern wie Cubeware bis hin zu kommerziellen Open-Source-Produkten gibt es die unterschiedlichsten BIAngebote. Um nun die passende Software zu finden, empfehlen sich Workshops oder ein Proof-of-Concept. Hier zeigen Anbieter, wie sie die konkreten Fach-Anforderungen umsetzen, wie das Thema Datenbewirtschaftung gelöst wird, wie lange eine Installation dauert und wie das Lizenzmodell aussieht. Worauf man in jedem Fall achten sollte, ist, dass die BI-Software leicht einzuführen, intuitiv zu bedienen und einfach zu administrieren ist – und zwar sowohl das BI-Frontend als auch das Datenmodellierungs- und ETL-Tool. Denn zu beweisen hat sich die Software dort, wo sie benötigt wird: bei den Anwendern und damit am Arbeitsplatz von Controllern, Managern und in der Fachabteilung. Ein sehr schönes Beispiel für Anwenderfreundlichkeit ist hier das BI-Frontend Cubeware Cockpit V6pro, das Analysen, Planungen, Reporting und Dashboarding in einem Tool vereint. Gleiches gilt für den Cubeware Importer, der die Datenmodel-

lierung und den ETL-Prozess (also das Überführen der Daten und Strukturen aus den meist relationalen Vorsystemen in die analytische Welt) ermöglicht und speziell zu SAP eine leistungsstarke, zertifizierte Schnittstelle bietet. Ist die passende Software gefunden und das Projekt aufgesetzt, sollte man nach drei bis sechs Monaten operativ starten und von da an die Lösung selbstständig im Unternehmen weiterentwickeln können. Dafür ist es wichtig, zeitnah im Unternehmen das notwendige Lösungs- und ToolKnow-how aufzubauen, besser noch ein BI-Competence-Team zu installieren. „Denn ein BI-Projekt kennt kein wirkliches Ende – und am erfolgreichsten sind gerade diejenigen, die im Unternehmen gelebt und flexibel von den Fachanwendern weiterentwickelt werden“, weiß Hermann Hebben aus Erfahrung. Weitere Informationen im Internet unter: www.cubeware.de

FOKUS Hermann Hebben, Geschäftsführer der Cubeware GmbH, setzt bei BI-Lösungen auf Anwenderfreundlichkeit und Bedarfsorientierung.


MANAGEMENT

End-to-End

BI

Erfassung

Frühwarnsysteme

Analyse

Dokumentation Reporting Validität Integration

Transparenz

Entscheidung

Funktionalität

Warehouse Controlling

Key-Performance

Balanced Scorecard

Data

Inte Validität gra Endtion to-End

End-to-End

Dashboard

Perfomance

Datenqualität Soll-Ist-Vergleich

Effektivität

BUSINESS INTELLIGENCE

Geschäftsprozesse verzahnen INFORMATION Wer wollte das nicht: jederzeit wissen, wo das Unternehmen steht, stets in der Lage sein, steuernd einzugreifen – und dazu noch langfristige Strategien auf der Basis harter Fakten entwickeln?

W

elche Produktgruppen verursachen aktuell die höchsten Lagerkosten?“ Die Antwort auf eine solche Frage kostet Björn Lange, Projektleiter bei Volkswagen Zubehör, nur wenige Mausklicks. Das war nicht immer so. In der Vergangenheit mussten alle Daten per Hand aus den SAP-Modulen extrahiert und in Excel aufbereitet werden. Bis sich das Unternehmen zur Einführung einer modernen Business-Intelligence-Lösung entschloss. Business Intelligence (BI)? Die Informationstechnologie-Branche ist bekannt dafür, sich ständig neue Begriffe – und Akronyme dafür – auszudenken. So hat auch BI längst Nachfolger: IBM Cognos und SAS, zwei der großen Anbieter von Software für BI, sprechen neuerdings gerne von „Business Analytics“. Aber auch als Business Process Management (BPM) wird in der Szene etwas bezeichnet, was letztlich immer wieder aufs Gleiche hinausläuft: in der Lage zu sein, auf Basis belastbarer Fakten Strategien zu entwickeln. Das bedeutet: seine Geschäftsprozesse möglichst genau verstehen und alle Schräubchen kennen, an denen man drehen muss, um sie zu optimieren. So auch bei Volkswagen Zubehör: Heute stehen dort sämtliche Kennzahlen in Sekundenschnelle bereit. Die ehemals ma-

nuell bearbeiteten Daten werden mittlerweile vollautomatisch extrahiert, aufgeschlüsselt und aufbereitet. „Eine gute BIPlattform versorgt alle Unternehmensteile schnell, zuverlässig und übersichtlich mit den entscheidungsrelevanten Daten. Dies ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Denn nur wer seine Daten kennt, kann kurzfristig und effektiv auf das Marktgeschehen reagieren“, so Mark Zimmermann, Geschäftsführer der Infomotion GmbH. Aber wie setzt man eine BI-Lösung auf, wie findet man die passende Software und wie verankert man sie im Unternehmen? Oder konkret: Welche Informationen werden von wem benötigt, wer soll Berichte erzeugen, gestalten und empfangen? Wo ist Automatisierung notwendig, welche Ad-hocTechniken sind gewünscht? Soll geplant werden oder nicht, und wie viele Anwender müssen parallel, dezentral oder auch mobil, mit welchen Berichtssprachen arbeiten? Hermann Hebben, Geschäftsführer der Cubeware GmbH, weiß, dass die Antworten auf diese Fragen Ausgangspunkt für die erfolgreiche Etablierung von BI sind. So sollte die angebotene Software zum Beispiel in einer konkreten Machbarkeitsstudie beweisen, dass sie Lösungen initiiert, und zwar genau dort, wo sie benötigt werden:

bei den Anwendern und damit am Arbeitsplatz von Controllern, Managern und in der Fachabteilung. Ein Beispiel für Anwenderfreundlichkeit ist das BI-Frontend „Cubeware Cockpit V6pro“, das Analysen, Planungen, Reporting und Dashboarding in einem Werkzeug vereint. Gleiches gilt für den „Cubeware Importer“. Er ermöglicht die Datenmodellierung und den ETL-Prozess, also das Überführen der Daten und Strukturen aus den meist relationalen Vorsystemen in die analytische Welt, und bietet speziell zu SAP eine leistungsstarke, zertifizierte Schnittstelle. Merke: ohne Daten keine Analyse. Und Daten gibt es ja in jedem Unternehmen genug, auch in mittelständischen. „Lohnt sich die Investition in eine Datenbank auch für Mittelständler?“, fragt Steffen Weissbarth, CEO von Exasol. Und hält mit der Antwort nicht hinterm Berg: „Der Einsatz einer Hochleistungsdatenbank ist unabhängig von Größe oder Branche eines Unternehmens. Sie alle sehen sich mit einer stetig wachsenden Datenmenge konfrontiert. Sobald daraus präzise Informationen zum Beispiel für Ad-hoc-Reportings oder Analysen gewonnen werden sollen, macht sich die Investition schnell bezahlt.“ Denn der Manager muss seine Prozesse VISAVIS ECONOMY

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Controlling und Rechnungswesen sind weiterhin diejenigen Unternehmensbereiche, die am stärksten BI-StandardSoftware einsetzen und nachfragen.

35,3

Controlling / Rechnungswesen

30

Risikomanagement

10

13,3 12,5

Unternehmenssteuerung

11,5 10

Vertrieb IT / Prozesssteuerung

Mittelwert Median

5,2 0

n = 15

5 2,5

Produktion / Fertigung Anteil am Umsatz (in Prozent) 0

kennen, sonst kann er sie nicht steuern. Das Erfolgsrezept für Geschäftsprozessmanagement (GPM oder Business Process Management, BPM) ist dabei im Kern simpel: „Man muss die Erfolgsfaktoren des Miteinanders identifizieren“, sagt Jürgen Pillasch, Managementberater und Partner der ViCon GmbH, Hannover. Und er verweist darauf, dass der Wandel im Unternehmen gelebt sein will. „Die Einführung neuer Strukturen ist vor allem Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer Veränderun-

13,4

10

20

30

40

Quelle: Lünendonk Marktstichprobe 2010 „BI als Kernkompetenz“

BEDARF

gen, die mit bearbeitet werden müssen, beispielsweise Verhaltensänderungen der in den Strukturen arbeitenden Menschen.“ Entscheidende Erfolgsfaktoren in der wirksamen Umsetzung des Prozessmanagements sind Klarheit der Aufgabenstellung, stärkere Ausrichtung auf den Kunden, das Schnittstellenmanagement, die Art der Zusammenarbeit, ein höheres Maß an Selbstverantwortung aller Beteiligten und ein geändertes Führungsverständnis. BI ist nur etwas für Experten? Beileibe

nicht: „InfoZoom“ zum Beispiel unterstützt den Anwender dabei, in modernen BI-Prozessen selbst immer größer werdende Datenmengen bewältigen zu können. InfoZoom setzt an zwei Stellen innerhalb dieser Prozesse an: Beim Data Profiling, welches eine schnelle und präzise Diagnose der Quelldaten ermöglicht, sowie im Frontend als ein intuitiv bedienbares Adhoc-Analyse- und Reporting-Tool. „Für beide Anwendungsbereiche sind keine Programmierkenntnisse oder sonstiges Exper-

Datenanalyse | Transparenz auf Knopfdruck

Unterstützung für den Fachanwender Business Intelligence hat sich als eigenständige Disziplin in Unternehmen etabliert, und BI-Projekte können heute auf mehrjährige Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis

INFOZOOM-PRINZIP Verdichtung der Daten

Beliebige Datenquellen

Intuitive Navigation im gesamten Datenbestand

Beliebig große Datenmengen im Überblick verdichtet auf einem Bildschirm.

40

VISAVIS ECONOMY

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aufbauen. Dabei haben sich folgende wesentliche Erfolgsfaktoren herauskristallisiert: Das vielfältige Software-Angebot reicht inzwischen von umfassenden BI-Suiten für die klassischen Controlling-Aufgaben bis zu unterschiedlichsten Spezialtools. Am Anfang jedes BI-Projektes steht daher eine genaue Anforderungsanalyse mit der Frage, welche entscheidungsunterstützenden Informationen für welchen Nutzerkreis benötigt werden. Gerade für mittelständische Unternehmen lohnt es sich zu eruieren, ob die Investition in eine umfassende BI-Plattform zweckmäßig ist, die z. B. multinationales Konzern-Reporting unterstützt. Falls die schnelle Ad-hocAnalyse großer Datenmengen, beispielsweise zur Zielgruppenselektion bei Marketingkampagnen oder zur Identifikation und Auswertung von Missständen bei der Qualitätssicherung im Vordergrund stehen, können speziell dafür enwickelte Produkte die günstigere und besser geeignete Alternative

sein. Zum erfolgskritischen Faktor für analytische Systeme entwickeln sich zudem die Menge und die Heterogenität der Daten, die täglich in den operativen Systemen der Unternehmen anfallen. Analytische Systeme sind nur so gut wie ihre Datenbasis, und die Qualitätssicherung wird bei wachsenden Datenfluten immer schwieriger. Die Datenhoheit und das Qualitätsmanagement verlagern sich daher zunehmend in die Fachabteilungen, denn der Fachanwender als kompetenter Data Owner ist der beste Garant für eine nachhaltig hohe Datenqualität. Ein flexibles Werkzeug zur schnellen Selektion von Massendaten ist InfoZoom. Durch die visuelle Datenanalyse bringt die Software auf einen Blick Transparenz in große Datenbestände und verleiht dem Fachanwender damit die angestrebte Datenkontrolle und Analysekompetenz. InfoZoom wird als Integrationstechnologie und als Produkt für Endanwender angeboten. www.infozoom.com


MANAGEMENT

BUSINESS INTELLIGENCE

Großes Potenzial sehen wir in der unternehmensübergreifenden Integration und Nutzung von Business Intelligence Services: auf der Daten-, Modell- und Visualisierungsebene. – Prof. Dr. Andreas Seufert, FH Ludwigshafen

tenwissen nötig“, betont Leo Ernst, Mitglied der Geschäftsführung der humanIT Software GmbH, Bonn. So weit, so gut. Wer das Problem erkannt hat, zieht los: Was soll ich machen, was soll ich kaufen? Am Markt gibt es viele Lösungen, zum Beispiel solche von der Stange oder gar „Open Source“ mit der Verheißung, nichts zu kosten. „Insgesamt sind in Deutschland mehr als 250 Anbieter aktiv – mit wachsender Tendenz“, weiß Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer des Business Application Research Center in Würzburg (BARC). „Trotzdem gibt es eine langsam zunehmende Konzentration auf die großen fünf Anbieter SAP, Oracle, IBM, Microsoft und SAS.“ Laut Bange wird Open-SourceSoftware für BI seit der Wirtschaftskrise vermehrt nachgefragt. „Wir sehen insbesondere Einsatzbereiche als Ergänzungskomponente zu anderen Softwareentwicklungen. Anwendungsgebiete, die abgedeckt werden, umfassen vor allem Standardberichtswesen, Datenintegration und Data Mining. BI-as-a-Service und BI in der Cloud sind ganz neue Themen, die allmählich angegangen werden.“ Open-Source-Lösungen zeichnen sich dadurch aus, dass die Softwareentwicklung auf einer offenen Internet-Plattform von vielen vorangetrieben wird. Beispiele in BI sind Jedox oder Pentaho. „Ein Vorteil von Open Source ist außer der Einsparung bei den Lizenzkosten die Innovationskraft“, gibt Dr. Ingo Mierswa, CEO der Rapid-I GmbH, zu bedenken. „Dadurch, dass eine Vielzahl an Entwicklern kontinuierlich Input bringt, kann eine Lösung schnell an neue Erfordernisse angepasst werden. Dagegen stellt die Integration mit proprietären Lösungen immer noch eine gewisse Herausforderung dar.“ Doch eines sollten die Anwender im Auge haben: Zwar mag das Programm nichts kosten, wohl aber der Support. Immerhin: „Sowohl Anbieter

Change Management | Mittels Prozessmodellierung zu mehr Transparenz

Strategische Unternehmensführung Jürgen Pillasch, Managementberater, über die erfolgreiche Umsetzung von Geschäftsprozessmanagement (GPM) als strategisches Instrument der Unternehmensführung. Wie lassen sich Geschäftsprozesse erfolgreich gestalten? Es gibt zwei verschiedene Ansätze, GPM im Unternehmen umzusetzen. Zum einen im Konzept des „Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (Kaizen)“, in dem Veränderungen schrittweise in bestehenden Strukturen erfolgen, zum anderen mittels „Business Process Re-Engineering“, in dem Veränderungen radikal umgesetzt werden. Diese Konzepte müssen nicht losgelöst voneinander betrachtet, sondern können ergänzend eingesetzt werden. Gibt es denn ein Erfolgsrezept für GPM? Man muss die Erfolgsfaktoren des Miteinanders identifizieren. Die Einführung neuer Strukturen ist vor allem Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer Veränderungen, die mit bearbeitet werden müssen, beispielsweise Verhaltensänderungen der in den Strukturen arbeitenden Menschen. Entscheidende Erfolgsfaktoren in der wirksamen Umsetzung des GPM sind Klarheit der Aufgabenstellung, stärkere Ausrichtung auf den Kunden, das Schnittstellenmanagement, die Art der Zusammenarbeit, ein höheres Maß an Selbstverantwortung aller Beteiligten und ein geändertes Führungsverständnis. Wie sieht das Vorgehensmodell aus? Die Einführung von Geschäftsprozessen folgt idealerweise einem systematischen Vorgehensmodell mit den Phasen Prozessdefinition

und -modellierung, Prozessimplementierung, Prozessmonitoring bzw. -controlling und die kontinuierliche Prozessoptimierung. Ganz wichtig ist hier, die am Prozess Beteiligten über alle Phasen einzubinden. Ist der Einsatz einer ProzessmodellierungsSoftware sinnvoll? Es ist hilfreich und wichtig, die einzelnen Phasen im Vorgehen toolgestützt vorzunehmen. Hier sollte ein Tool ausgewählt werden, was die Einbeziehung der im Prozess Beteiligten durch einfache Bedienung und transparenten Aufbau sowie Identifizierung und Bearbeitung von Verbesserungspotenzialen in hohem Maße unterstützt. Das Prozess-Modellierungstool ViFlow erfüllt genau diese Anforderungen. Mit ViFlow lassen sich innerhalb kürzester Zeit die relevanten Prozesse modellieren und kommunizieren, die ein erfolgreiches Change Management benötigt. www.viflow.de

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10,7

2010 Zeitraum

Laut der LünendonkMarktstichprobe 2010 „BI als Kernkompetenz“ rechnen die befragten Unternehmen in der aktuellen Dekade mit jährlich beinahe zweistelligen Zuwachsraten beim Bedarf an Business Intelligence.

8

2010-2015 p.a.

10

11,4

9,7 8,5

2015-2020 p.a.

0

10

20

n = 14 Erwartetes Marktwachstum (in Prozent)

als auch Anwender sehen das Potential, die Umsetzung wird in den nächsten Jahren daher sicherlich zunehmen“, sagt Bange. Und Software-as-a-Service (SaaS) beziehungsweise Cloud Computing sind die nächsten Schlagworte der IT-Szene. Damit ist gemeint, dass man sich ein Programm nicht etwa kauft, sondern eine konkrete Anwendung, etwa für Business Analytics, einfach im Internet mietet. Gerade Platzhirsch Microsoft ist hier in den vergangenen Wochen ziemlich vorgeprescht und macht

Mittelwert Median

Quelle: Lünendonk Marktstichprobe 2010 „BI als Kernkompetenz“

NACHFRAGE

unter anderem mit großen Anzeigen auf seine Cloud-Lösungen aufmerksam. Quo vadis BI? Hat sich Business Intelligence erst einmal im Unternehmen etabliert, dann will das Management quasi immer wissen, was läuft. BI wird mobil. Das ist heutzutage kein Problem mehr, etwa auf tragbaren Endgeräten wie Smartphones, Tablet-PCs, iPhone/iPad und Konsorten. „‚Operational BI‘ im Sinne einer analytischen Unterstützung der Geschäftsprozesse wird von vielen Experten zudem als eines

der Zukunftsthemen im BI-Bereich gesehen“, erklärt der BI-Experte Dr. Andreas Seufert, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Informationsmanagement, am Fachbereich Management und Controlling an der FH Ludwigshafen. „Großes Potenzial sehen wir perspektivisch zudem in der unternehmensübergreifenden Integration und Nutzung von BI-Services.“

Ulrich Schmitz

Performance | Präzise Analysen dank Hochleistungsdatenbank

Das Maximum für den Mittelstand Kurze Reaktionszeiten und präzise Datenanalysen ermöglichen zeitnahe und risikoarme Entscheidungen, die Wettbewerbsvorteile bringen. Steffen Weissbarth, CEO von Exasol, erklärt den Nutzen von Hochleistungsdatenbanken für die Datenauswertung. Lohnt sich die Investition in eine Hochleistungsdatenbank auch für Mittelständler? Der Einsatz einer Hochleistungsdatenbank ist unabhängig von Größe oder Branche eines Unternehmens. Sie alle sehen sich mit einer stetig wachsenden Datenmenge konfrontiert. Sobald daraus präzise Informationen zum Beispiel für Ad-hoc-Reportings oder Analysen gewonnen werden sollen, macht sich die Investition schnell bezahlt. Welche Chancen eröffnen die DatenbankManagement-Systeme? Hochleistungsdatenbanken wie ExaSolution reduzieren die Komplexität der Data-Warehouse-Architektur und unterstützten Unter-

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nehmen dabei, ihre Geschäftsprozesse zu optimieren und ihre TCO gering zu halten. Mit einer Hochleistungsdatenbank werden Analysen bis zu 100fach beschleunigt und die Betriebskosten können bis zu 85 Prozent gesenkt werden. Worauf sollte Ihrer Meinung nach bei der Anschaffung geachtet werden? Das Datenbank-Management-System sollte sich schnell und einfach in bestehende ITInfrastrukturen integrieren lassen und mit möglichst vielen Hard- und Softwarelösungen kompatibel sein. Optimal ist ein niedriger Administrationsaufwand bei geringen Investitions- und Betriebskosten – so hat man diese im Griff. Besonders wichtig ist die Skalierbarkeit: Eine problemlose Erweiterung sollte sowohl physisch als auch mittels SoftwareUpdates möglich sein. Besonders sicher sind Lösungen mit intelligenten Failover-Mechanismen, die die Verfügbarkeit der Daten garantieren. Wer außerdem auf führende Technik

INTERAKTION „Die beste BI-Strategie fruchtet nicht, solange keine Datenbank mit der entsprechenden Performance dahintersteht.“

setzen will, liegt mit einem auf In-MemoryTechnologie basierenden relationalen Datenbank-Management-System wie ExaSolution genau richtig. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.exasol.de


UNTERNEHMEN

CUSTOMER CARE

Die richtige Botschaft senden DIALOG Social Media wird das Kundenbeziehungsmanagement drastisch verändern. Inwieweit die Unternehmen von diesen Veränderungen profitieren können, ist noch nicht abzuschätzen.

V

orbei die Zeiten, in denen das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) aus zusammengefrickelten Karteikärtchen für Vertriebsleute bestand. Kundenbeziehungsmanagement ist eine hochkomplexe Aufgabe – und wird immer komplexer. Immer stärker setzt sich in Unternehmen der Ansatz durch, nicht nur einzelne Produkte oder Dienste zu verbessern, sondern die Gesamtleistung so zu optimieren, dass sie für die Kunden attraktiv und möglichst einzigartig ist. Ziel des sogenannten „Total Customer Care“-Ansatzes ist der „nachhaltig zufriedene Kunde“. Somit wird das Kundenbeziehungsmanagement zu der zentralen Aufgabe im Unternehmen. Das Management der Kundenbeziehungen, in die alle Abteilungen des Unternehmens vom Vertrieb über das Marketing bis hin zum Produktmanagement einzubinden sind, gestaltet sich gerade in Zeiten Sozialer Netzwerke wie Twitter, Facebook oder Youtube schwierig. Die Kunden sind anspruchsvoller geworden; sie tauschen sich in den Netzwerken über Erfahrungen mit Produkten und Dienstleistungen aus und scheuen sich nicht, schlechte Erfahrungen publik zu machen. Manchmal haben Veröffentlichungen in Foren einen deutlichen Imageschaden für ein Unternehmen zur Folge, der in keinem Verhältnis zum ursprünglichen Sachverhalt steht. Für die Unternehmen bedeutet dies einerseits einen Kontrollverlust, da sich das Kundenverhalten sehr viel weniger als früher steuern lässt. Andererseits wachsen die Anforderungen an eine professionelle „Multi-Channel-Kommunikation“, indem an die Stelle des Monologs ein Dialog mit dem Kunden tritt. Eine Studie der Unternehmensberatung Detecon in Zusammenarbeit mit der Munich Business School bringt es auf den Punkt: Befragt wurden Fachleute aus den Bereichen Kundenservice, CRM, Marketing und Unternehmensfüh-

rung. 86 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass eine Neuausrichtung des Kundenservice zu den Trends der Zukunft zählt; 85 Prozent nannten eine höhere Automatisierung und einen steigenden Anteil sogenannter Self Services. Für 70 Prozent der Befragten stellen Social Media einen wichtigen Servicekanal der Zukunft dar. Sowohl B2B- als auch B2C-Unternehmen müssen auf die Herausforderung durch Social Media reagieren. John Kembel, Vice Pesident RightNow Social bei RightNow Technologies: „Die wichtigste Aufgabe besteht darin, die Konversationen im Social Web, bei Twitter, Facebook oder Youtube, zu verfolgen und darauf zu antworten. Da mehr Zeit für soziale Netzwerke aufgewendet wird als für E-Mails oder sogar Google, ist es erfolgsentscheidend, in diesen Netzwerken vertreten zu sein.“ Ob die sozialen Netzwerke für die Unternehmen ein Vorteil sind, lässt sich nicht abschätzen. Wahrscheinlich bringt der Kon-

trollverlust eher Nachteile mit sich; Unternehmen, die frühzeitig Strategien entwickeln, um den Kontrollverlust abzufedern, können aber gegenüber weniger beweglichen Wettbewerbern Vorteile erzielen. Zudem eröffnet die Beobachtung der Netzwerke die Möglichkeit, das Kundenverhalten besser einzuschätzen und damit Produkte, Dienstleistungen und Ansprache entsprechend zu verändern. Noch befinden sich viele Strategien in der Erprobungsphase, doch das Thema Social Media ist in den Unternehmen angekommen, wie CRMBerater Christoph Busch betont. Busch einschränkend: „Allerdings fühlen sich bei rund 50 Prozent der Befragten die Marketingabteilungen, zu rund 25 Prozent die Unternehmensleitung und lediglich zu 14 Prozent der Bereich Kundenservice zuständig. Nur der Vertrieb schneidet mit rund elf Prozent noch schlechter ab.“ Auch Gabriele Grossecker, Vorstandsvorsitzende der Teleperformance Deutschland, prognostiziert eiVISAVIS ECONOMY

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UNTERNEHMEN

CUSTOMER CARE

Gastbeitrag Jürgen Signer Geschäftsführer der Aastra Deutschland GmbH

Integration von Kommunikationsmedien KONVERGENZ Unified Communications steht für modernste Technologie. Die Branchenmesse CallCenterWorld zeigt, dass die Bedeutung von UC auch für Contact Center zunimmt.

Mit der CallCenterWorld in Berlin steht das wichtigste Branchentreffen in Deutschland bevor. Vom 21. bis 24. Februar 2011 präsentieren mehr als 250 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen. Es geht um Themen wie Kundenservice, Automatisierung und Qualitätsmanagement. Nach wie vor ein Dauerbrenner ist auch das Thema Unified Communications (UC) für Contact Center. Hinter diesem Begriff steckt modernste Technik, mit der einst getrennte Kommunikationsmittel wie E-Mail, Fax, SMS sowie Echtzeitmedien wie Telefonie, Instant Messaging, Präsenzmanagement und Webkonferenzen miteinander verknüpft und in ein zentrales System integriert werden. Alle Medien können so in UC-Umgebungen zentral vom PC oder Telefon abgerufen werden. Die wachsende Bedeutung von Unified Communications unterstreicht eine Studie, die Frost & Sullivan gemeinsam mit dem ITKSpezialisten Aastra erstellt hat. In einer Umfrage unter ITK-Profis wie Systemintegratoren, Service Providern, Consultern, Distributoren und Resellern gaben 65 Prozent an, dass die Nachfrage nach kompletten UC-Paketen oder einzelnen Diensten in den kommenden Monaten signifikant steigen werde. Den einzelnen Diensten,

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die unter dem Begriff Unified Communications zusammengefasst werden, messen die Umfrageteilnehmer unterschiedliche Vermarktungschancen bei. Zu den Topthemen gehören auch Contact-Center-Lösungen: Knapp ein Drittel der Befragten erwartet eine höhere Nachfrage nach diesen Produkten. Vor allem im Bereich der Großunternehmen identifiziert die Umfrage einen starken Bedarf. Für die Call-Center-Branche wird es also Zeit, sich mit dem Thema UC noch intensiver auseinanderzusetzen. Die Vorteile von Unified Communications für Call-CenterAgenten liegen auf der Hand. Egal ob Telefonie, E-Mail, Instant Messaging oder Fax: Alle Kommunikationsformen werden in ein zentrales System integriert und können dadurch leichter bedient werden. Die Abläufe in Contact Centern werden gestrafft. Unabhängig davon, über welchen Kommunikationsweg die Anfragen, Bestellungen oder Reklamationen hereinkommen, leitet ein Multimedia-Router alle Kontakte binnen Sekunden automatisch an die jeweils kompetentesten Mitarbeiter weiter. Das System erkennt Anrufer anhand ihrer Telefonnummer und kann so Kundeninformationen noch vor dem Gesprächsstart auf dem Bildschirm des Agenten anzeigen. Das schließt Fehler bei der Erfassung aus, reduziert die Wartezeiten der Kunden und bedeutet auch für die Agenten eine große Zeitersparnis. Allein die Suche nach einer Kundennummer dauert in etwa 20 Sekunden. Rechnet man alle Anrufe auf das Jahr hoch, bedeutet das einen enormen Zeitgewinn – und damit verbunden natürlich auch eine Reduzierung der Kosten. Zudem können die Agenten alle Anrufer persönlich begrüßen. Rufen Kunden mehrfach an, routet das System sie automatisch stets zu den gleichen Agenten. UC-Lösungen verfügen auch über eine Präsenzfunktion, mit der Contact-Center-Agenten erkennen können, welcher ihrer Kollegen gerade anwesend ist und für ein Gespräch bereitsteht. Ergeben sich in einem Telefonat spezielle Fragen, lassen sich die Anrufer zielgerichteter weitervermitteln. Dabei können nicht nur Kollegen im Contact Center, sondern auch Experten im gesamten Unternehmen einbezogen werden. Für Contact Center gibt es demnach mehrere Gründe, auf Unified Communications zu setzen. Zum einen wird mit dieser Technologie die Produktivität der Agenten gesteigert und gleichzeitig werden die Kosten reduziert. Zum anderen kann sie zu der Verbesserung von Abläufen und damit zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit beitragen. Bei der Kontaktsuche ist der erste Eindruck oft entscheidend. Entsprechend wichtig ist der Service im Contact Center. Mit Aastra Smart Center und Solidus eCare zeigt Aastra auf der diesjährigen CallCenterWorld zwei aktuelle Contact-Center-Lösungen. Weitere Informationen im Internet: www.aastra.de bzw. auf der CallCenterWorld, Stand 4B12A.


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CUSTOMER CARE

ERKENNTNIS „Mit der Integration einer durchdachten Social MediaStrategie in die gewohnten CRM-Konzepte lassen sich Trends früher erkennen“, rät Janice Köser.

ne Konsolidierung der Call-Center-Branche, für die ihr Unternehmen bestens gewappnet scheint. Teleperformance zählt zu den führenden Dienstleistern für Customer Care, Technischen Support und User Help Desk Support. Der Dienstleister setzt ganz auf eine Strategie, die „gezielt auf die Herausforderungen in den einzelnen Branchen und den damit verbundenen individuellen Anforderungen ihrer Kunden eingeht.“ Überhaupt spielen Call Center in der Kundenkommunikation eine entscheidende Rolle. Dabei wird es das „perfekte Call Center“, über das auf der CallCenterWorld 2011 diskutiert wird, vermutlich nicht geben – wohl aber deutliche Verbesserungsmöglichkeiten. Unter dem Motto „Wir sind Kundenservice“ zeigt die Messe vom 21. bis 24. Februar im Estrel Congress Center in Berlin auch neue Wege der Kundenkommunikation im Zeitalter von Twitter und Facebook. Zahlreiche Best-Practice-Ansätze zu Wertschöpfungsinstrumenten, Qualitätsmanagement und Controlling sollen verdeutlichen, dass ein guter Service nicht teuer sein muss. Schließlich geht es auch um die Frage, wie viel Service heute überhaupt kosten darf. Virtualisierung und Apps dürften zu den beherrschenden Branchentrends zählen. Beim Thema Virtualisierung geht es dabei weniger um den „Virtuellen Agenten“, der von seinem eigenen Büro aus für ein Call Center telefoniert. Virtualisierung bedeutet vor allem „virtuelle ACD-Lösungen“ (Automatic Call Distribution), also Anwendungen, mit denen Anfragen „intelligent“ verteilt und rechtzeitig bearbeitet werden können. Dies geschieht über Routingmechanismen, Endzeit-Monitoring und umfassende Statistiken zum angestrebten Serviceniveau. Zu den Apps hat die CallCenterWorld einen eigenen Themenschwerpunkt geschaffen. Es handelt sich nach Einschätzung der Kongressmanagerin Janice Köser um eine besonders „zukunftsträchtige Er-

gänzung“: „Apps sind ein idealer Weg moderner Kommunikation, zu jeder Zeit und überall verfügbar zu sein.“ Erfolgsentscheidend seien nicht nur die „rein technischen Lösungen und das Vorhandesein einer App“, sondern auch der „sensible Umgang mit Kommunikationsinhalten und auch gewonnene Nutzeraktionen“. Ein Beispiel für den Einsatz mobiler Applikationen in Call Centern liefert die App

des Anbieters Nuance. Mit Nuance Mobile Care können Dienstleister ihren Kunden helfen, Wartezeiten und Telefonkosten zu vermeiden. Wählt ein Kunde die Nummer des Kundenservice, wird er über einen Datenkanal mit dem entsprechenden Dienst auf dem Mobiltelefon verbunden. Er erhält die Möglichkeit, per Navigation seine Anfrage sofort zu starten, ohne dass er mit einem Service-Mitarbeiter telefoniert. Neben

Kontaktmanagement | Differenzierte Kundenbilder aus der Datenbank

Den Kundenwert kennen Auf Bedürfnisse von Kunden eingehen: Das leistet effektives CRM. Aber welche Kunden rechtfertigen welche Maßnahmen zur Kundengewinnung und -pflege? Kurzum: Wie viel Ressourcenaufwand lohnt sich überhaupt bei welchem Kunden? Heute ist der Kundenwert eine wichtige Größe beim Kontaktmanagement. Faktoren wie Kaufdatum, Dauer der Kundenbeziehung, Reklamationen, aber auch das Potenzial zur Weiterempfehlung von Produkten oder Dienstleistungen bestimmen ihn. Ein besonders differenziertes Kundenbild entsteht durch das Anreichern mit externen Zusatzdaten wie Kaufkraft, Wohnsituation, Konsumverhalten bei B2CKunden oder beispielsweise Umsatzgröße und Messeteil-

nahme bei B2B-Kunden. Über solche spezialisierten Daten verfügt die Schober Group mit der Datenbank Consumer TargetBase. Sie enthält flächendeckende Haushaltsdateien mit über 50 Millionen Privatadressen und jeweils 300 Zusatzmerkmalen. Die Business TargetBase liefert neben Firmenadressen eine Vielzahl an Daten, darunter Betriebsgröße und Entschei-

der sowie die Einordnung in 20.000 Einzelbranchen. So lassen sich Kundensegmente differenzieren und bedarfsgerecht sowie kosteneffektiv bearbeiten. Das Resultat: Wertorientiertes Kundenmanagement, das wertvolle Kunden erkennt und bindet, die Abwanderung rentabler Kunden verhindert und verlorene Kunden zurückgewinnt. Infos unter: www.schober.de

SEGMENTIERUNG Aus der Segmentierung nach Kundenwert und Loyalität ergeben sich wichtige Informationen für das Kundenbeziehungsmanagement. Kundenwert Treue und zufriedene Kunden

Gelegenheitskäufer Loyalität Unauffällige Durchschnittskunden Kritische Kunden Schlechtzahler

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CUSTOMER CARE

Mehr Qualität im Kundenservice OUTSOURCING Die Umsetzung ganzheitlicher und integrierter Servicestrategien trägt den veränderten Kundenerwartungen Rechnung und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit.

Die weltweite Wirtschaftskrise hat in vielen Branchen zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt. Ruinöse Margen und zahlreiche Insolvenzen waren die logische Konsequenz in fast allen Branchen, auf die viele Unternehmen nicht vorbereitet waren. „Der von einem zusätzlichen Preisverfall bei Produkten und Dienstleistungen gekennzeichnete Wettbewerb in zahlreichen vertikalen Märkten hat eins gezeigt: Der Kundenbindung und dem Kundenmanagement kommt angesichts der Notwendigkeit von Kosteneinsparungen mehr denn je ein überlebenswichtiger Stellenwert im Unternehmen zu“, erklärt Gabriele Grossecker, CEO von Teleperformance Deutschland, dem weltweit größten OutsourcingDienstleister für Customer Relationship Management (CRM) Services. „Vielen Unternehmen fehlt es an kreativen Ideen, Best-Practice-Methoden und innovativen Tools zur Umsetzung von ganzheitlichen und integrierten Servicestrategien“, so Grossecker weiter. 2011 will sie mit Teleperformance in Deutschland branchenorientiert und zielgerichtet Unternehmen der Finanz-, Energie- und Telekommunikationsbranche neue Lösungen in den Bereichen Customer Care, Technical Support und User Help Desk aufzeigen. Der Verlust von Kunden und der Rückgang von Umsätzen, so Grossecker, liege auch

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darin begründet, dass sich Kundenerwartungen und -verhalten in den letzten Jahren stark verändert hätten. Die Rolle des Kundenservice im Unternehmen habe sich gewandelt und müsse sich dort, wo es noch nicht der Fall ist, in den nächsten Jahren stärker strategisch ausrichten. Teleperformance setzt bei ihrer Outsourcing-Strategie auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die gezielt auf die Herausforderungen in den einzelnen Branchen und die damit verbundenen individuellen Anforderungen ihrer Kunden professionell und lösungsorientiert eingeht.

Gabriele Grossecker möchte mit innovativen CRM-Ansätzen Wettbewerbsvorteile sichern.

„Unsere Muttergesellschaft gibt uns die finanzielle Stabilität, gemeinsam mit unseren Kunden auf stabiler Basis zu wachsen“, erklärt Grossecker. „Die regionale Nähe zu unseren Kunden und unser deutsches Management geben uns die Flexibilität, schnell und kompetent im Sinne unserer Kunden zu agieren, ganz gemäß unserem Motto: Think global, act local.“ Im globalen Qualitätsmanagement sieht Grossecker den Schlüssel zu langfristigem Erfolg: „Wir setzen weltweit auf bewährte Standards und Tools wie beispielsweise TOPS – Teleperformance Operational Processes and Standards – oder den ‚Baseline Enterprise Standard for Teleperformance‘ (BEST).“ Dass Prozesse und Tools allein nicht den Ausschlag für unternehmerischen Erfolg und die Zufriedenheit ihrer Auftraggeber geben, weiß auch Grossecker. „Soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und die Nachhaltigkeit unserer Kundenbeziehungen nehmen einen hohen Stellenwert ein“, betont sie. „Die Meinungen unserer Mitarbeiter, ihre geballte Kompetenz und ihre Ideen sind uns wichtig. Denn nur mit motivierten und zufriedenen Mitarbeitern gelingt es uns, unsere Auftraggeber und deren Kunden, die wir bedienen, tagtäglich immer wieder positiv zu überraschen. Insofern sehen wir uns nicht als Dienstleister, sondern als Partner, der sich den Qualitätsansprüchen unserer Aufraggeber verpflichtet, sowie als kompetenter Berater.“ Ein ganzheitlich betrachtetes, in die Unternehmenswertschöpfungskette integriertes CRM trägt dazu bei, Chancen im Bestandskundengeschäft zur Realisierung von Cross- und Upselling-Potenzialen zu nutzen, fasst Grossecker zusammen. Unternehmen, die auf einen derartigen Lösungsansatz setzen, gehen gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervor. Weitere Informationen unter: www.teleperformance.com


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CUSTOMER CARE

KRITIK Die Call-Center-Branche muss sich stärker mit dem Thema Social Media auseinandersetzen, fordert CRM-Berater Christoph Busch.

Virtualisierung und Apps bleiben Unified Communications (UC) ein Dauerbrenner. UC steht für die Verknüpfung und Integration unterschiedlichster Kommunikationsmittel von E-Mail über Fax und SMS bis zu Telefonie in ein zentrales System, von dem sie per PC, iPad oder Telefon aus abgerufen werden können. Analysten wie Frost & Sullivan sehen in dem Thema UC gewaltiges Zukunftspotenzial. Eine Studie zusammen mit dem Unternehmen Aastra, einem der führenden Anbieter für Informations- und Telekommunikationsprodukte, unter ITKSpezialisten ergab, dass 65 Prozent der Befragten mit einem drastischen Anstieg nach kompletten UC-Paketen oder einzelnen Dienstleistungen in den kommenden Monaten rechnen. Aus gutem Grund: UC-Systeme tragen zu einer erheblichen Zeit- und damit Kostenersparnis bei. Kann ein System die Kundeninformationen gleich zu Ge-

sprächsbeginn anzeigen, bedeutet dies für den Call-Center-Agenten eine Zeitersparnis von mindestens 20 Sekunden, die ansonsten allein für die Suche nach einer Kundennummer verwendet werden müsste. Auch die Qualität der Kundendaten bleibt weiterhin ein wesentlicher Faktor. Unternehmen wie die Schober Group haben sich auf die Bereitstellung von Kundendaten spezialisiert. Die Unternehmensdatenbank Consumer TargetBase liefert flächendeckende Haushaltsdaten mit mehr als 50 Millionen Privatadressen und jeweils 300 Zusatzmerkmalen. Mithilfe vieler Kriterien lassen sich Kundensegmente differenziert aufschlüsseln. Somit sind bedarfsgerechte Prognosen über das Kaufverhalten bestimmter Kundenkreise möglich. Aktivitäten in sozialen Netzwerken, der Aufbau eigener Communities, eine stärker dialogische als monologische Kommunika-

tion und eine Verbesserung der Servicequalität von Call Centern über Unified Communications, Apps, gezielte Kundensegmentierung und Virtualisierung scheinen die Antworten der Unternehmen auf die Herausforderungen der Zeit zu sein. Eines ist dabei klar: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Oder um es mit Janice Köser von der CallCenterWorld zu sagen: „Wer als Unternehmen glaubt, Social Media mit den gleichen Regeln wie klassische Werbung und Direktmarketing betreiben zu können, der irrt. Monologe, Einseitenkommunikation und Verkaufen um jeden Preis werden von den Kunden gestraft. Wer nicht zuhört, sich nicht mit Anregungen und Ratschlägen einbringt, wird ausgeschlossen – oder schlimmer – an den Pranger gestellt.“

Dr. Ralf Magagnoli

Effizienz | Kundenkommunikation wird mobil

Self-Service-Lösungen für Call Center Anrufe in Call Centern zählen nicht zu den beliebtesten Telefonaten, sind sie doch oft mit hohen Wartezeiten und entsprechenden Telefonkosten verbunden. Abhilfe schaffen mobile Self-Service-Lösungen, mit denen der Kunde jederzeit von seinem mobilen Endgerät aus auf Services zugreifen kann. Kommen mobile Applikationen wie Nuance Mobile Care zum Einsatz, wählt der Kunde wie gewohnt die Nummer des Kundenservice. Doch anstatt direkt mit

einem Agenten verbunden zu werden, öffnet sich ein Datenkanal, der den entsprechenden Dienst direkt auf dem Mobiltelefon bereitstellt. Ähnlich einer Webapplikation kann der Kunde navigieren und per Sprachbefehl die Serviceanfrage sofort durchführen, mit entsprechender Anzeige auf dem Display und ohne Anruf bei einem Kundendienstmitarbeiter. Was bisher vor allem bei Netzbetreibern in der Kundenbetreuung zum Einsatz kam, um bei-

spielsweise die Prepaid-Karte aufzuladen, eröffnet jetzt auch generell Unternehmen mit Call Centern neue Möglichkeiten: Ihren Kunden innovative Services zur Verfügung zu stellen, kann beispielsweise den telefonischen Support von Fluglinien entlasten. Das reduziert die Zahl der Anrufe im Call Center, verringert die Länge von Warteschleifen, steigert die Kundenzufriedenheit und spart langfristig Kunden und Unternehmen Geld. www.nuance.de

INNOVATIV Mobile Applikationen ergänzen den klassischen Kundenservice.

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GESUNDHEITSWIRTSCHAFT

KRANKENKASSEN

Stürmische Zeiten GESUNDHEITSREFORM Das deutsche Gesundheitssystem befindet sich einmal mehr im Umbruch. 2010 wurde die Finanzierung geordnet. Welche Konsequenzen hat das für Kassen und Versicherte?

N

ach der Krise haben sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt erholt. Das bringt im Allgemeinen gute Nachrichten für die Sozialkassen. Auch der Gesundheitsfonds, aus dem die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) finanziert wird, hatte im Jahr 2010 nach ersten Schätzungen rund 0,3 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen. Im Jahr 2011 werden die Einnahmen laut Bundesversicherungsamt ebenfalls um circa 0,5 Milliarden höher ausfallen als erwartet. Die Versicherten haben jedoch zunächst nichts davon. Das zusätzliche Geld wandert in den Aufbau der Liquiditätsreserve des Fonds. Die Zuweisungen an die Kassen bleiben unverändert bei 178,9 Milliarden Euro. Die Ausgaben werden mit 178,7 Milliarden Euro geschätzt. Das klingt besser, als es ist, denn die Finanzlage der rund 150 Kassen sieht ganz unterschiedlich aus: Nach einer Umfrage des Nachrichtenmagazins FOCUS geht es sieben Krankenkassen mit ihren Zuweisungen finanziell so gut, dass sie an ihre Kunden sogar Prämien zwischen 30 und 142 Euro im Jahr ausschütten können. 13 Kassen kommen jedoch mit den Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds nicht aus und müssen einen monatlichen Zusatzbeitrag von bis zu fünfzehn Euro erheben.Der Zusatzbeitrag hat bittere Konsequenzen. Die

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Kassen, die bereits im letzten Jahr zu diesem Mittel greifen mussten, haben empfindliche Mitgliederverluste erlitten. Denn im Wettbewerb um die Versicherten haben besonders die Kassen die Nase vorn, die nicht nur auf den Zusatzbeitrag verzichten, sondern zudem den begrenzten Spielraum der nicht gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen optimal ausnutzen. Die BKK vor Ort beispielsweise bietet diverse Gesundheitskurse und belohnt ein aktives Gesundheitsbewusstsein mit attraktiven Prämien. Dabei garantiert die Kasse ihren Versicherten trotzdem, bis mindestens Ende 2012 auf Zusatzbeiträge zu verzichten. Um Kosten zu sparen haben die Kassen nur begrenzte Möglichkeiten. Eine davon ist der Abschluss von Rabattverträgen für Arzneimittel. Hier bekommt der Produzent, der die wirkstoffgleichen Präparate am günstigsten anbietet, den Zuschlag. Dann erhalten die Mitglieder der Kasse mit ihrem Rezept nur noch das Medikament der ausgewählten Firma. Mit diesem System haben die Krankenkassen im vergangenen Jahr über eine Milliarde Euro gespart. Für die Versicherten ist es jedoch oft mit Ärger verbunden, denn alle zwei Jahre muss neu ausgeschrieben werden. Wenn der ausgewählte Hersteller wechselt, kommt es oft zu

Irritationen der Versicherten in der Apotheke, wo ihnen ein bisher unbekanntes Präparat ausgehändigt wird. Durch die letzte Gesundheitsreform ist das System noch komplizierter geworden. Mit der sogenannten Mehrkostenregelung wollte die Bundesregierung den Patienten mehr Wahlmöglichkeiten geben. Der Patient kann danach von dem Rabattvertrags-Präparat abweichen und ein anderes wirkstoffgleiches Mittel wählen. Allerdings muss er dann die Mehrkosten aus eigener Tasche bezahlen. Die Kostenerstattungsregel unterminiert die Funktion der Rabattverträge, weil die Kasse den Pharmaherstellern bei der Ausschreibung die Nachfragemengen nicht mehr garantieren kann. Überhaupt könnte die Kostenerstattung, die die Bundesregierung fördert und in Zukunft auf weitere Leistungsbereiche erstrecken will, das bisherige Steuerungsprinzip der GKV ad absurdum führen. Bisher haben die Krankenkassen mit den Ärzten, den Krankenhäusern und anderen Leistungserbringern kollektive Verträge geschlossen. Die Versicherten bekommen ihre Behandlung als „Sachleistung“ und die Abrechnung erfolgt im Hintergrund. Die Patienten müssen nur eine recht geringe Selbstbeteiligung tragen, wie etwa die Praxisgebühr. Nun will die Bundesregierung die schon vorhandenen Möglichkeiten, Kostenerstattung zu wählen, weiter ausdehnen. Die Patienten sollen damit angeblich mehr Transparenz und Kontrollmöglichkeiten gegenüber den Leistungserbringern bekommen. Sicher ist dabei nur, dass die Patienten die Leistungen der Ärzte nach der teureren privatärztlichen Gebührenordnung zahlen müssen. Außerdem müssen sie in Vorleistung treten und die Kasse verliert die Möglichkeit, die Kosten über Pauschalen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu steuern. Außerdem fürchten Kritiker, dass das den Einstieg in eine Drei-Klassen-Medizin bedeutet. Nicht nur die Patienten der privaten


GESUNDHEITSWIRTSCHAFT

KRANKENKASSEN

AUTOR Dr. Robert Paquet ist freier Journalist und Berater im Bereich der Gesundheitswirtschaft.

Krankenversicherung (PKV) würden dann in der Arztpraxis privilegiert. Auch bei den GKV-Patienten könnte sich eine Gruppe herausbilden, denen die Ärzte bei „Vorkasse“ und späterer Kostenerstattung schnellere Termine und eine angeblich bevorzugte Behandlung anbieten. „Kostenerstattung erlaubt den Ärzten den direkten Griff ins Portemonnaie der Versicherten“, sagt Florian Lanz als Sprecher des GKV-Spitzenverbandes und unterstreicht: „Das Sachleistungsprinzip ist das Herzstück der GKV und darf nicht gefährdet werden.“ Die Bundesregierung tendiert jedoch dazu, immer mehr PKV-Elemente für die GKV zu übernehmen. Eine verhängnisvolle Tendenz, denn die Kosten sind in der PKV in den letzten Jahren fast doppelt so schnell gestiegen wie in der GKV. Die Privaten kämpfen daher im Moment dafür, ähnliche Steuerungsmöglichkeiten durch Verträge zu bekommen wie die GKV. Bei der anstehenden Reform der privatärztlichen Gebührenordnung wollen sie eine „Öffnungsklausel“. Sie soll ihnen günstigere Verträge mit den Ärzten erlauben, in denen von den offiziellen Sätzen abgewichen werden kann. Die Krankenversicherung steuert damit auf einen weiter verschärften Wettbewerb zu. Die Vermeidung von Zusatzbeiträgen ist das alles beherrschende Thema. Das Bundesversicherungsamt hat prognostiziert, dass weitere Kassen das Jahr 2011 nicht ohne Zusatzbeiträge überstehen werden. Experten sprechen zudem davon, dass vor allem das Verhältnis von GKV und PKV einer grundsätzlichen Neuregelung bedarf. So betont Rolf-Ulrich Schlenker, Vizechef der Barmer GEK: „Es wird viel von der Konvergenz beider Systeme geredet. Die Frage ist jedoch, in welche Richtung diese Konvergenz schließlich geht.“

Zusatzleistungen | Gesundheit, Familie und Wahltarife

Belohnung mit Prämie Seit dem 1.1.2011 ist der allgemeine Beitragssatz von 15,5 Prozent bei allen gesetzlichen Krankenkassen gleich – 95 Prozent der Leistungen auch. Trotzdem lohnt sich die Frage: Sind Sie bestmöglich krankenversichert? Bei den verbliebenen fünf Prozent der Leistungen, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, haben die Krankenkassen nämlich einen gewissen Spielraum. Ein Vergleich ist durchaus angebracht. Die BKK vor Ort, mit rund 620.000 Versicherten die sechstgrößte Betriebskrankenkasse in Deutschland, nutzt ihren Gestaltungsspielraum voll aus und bietet eine Vielzahl von Angeboten: im Service und in der Beratung, in der Vorsorge und in der medizinischen Versorgung oder auch bei geldwerten Bonus-Systemen und Wahltarifen. Zugleich erhebt die BKK vor Ort für 2011 und sogar für 2012 keinen Zusatzbeitrag, auch dies gilt es bei einem Krankenkassenvergleich zu beachten, denn hier können mehrere 100 Euro im Jahr gespart werden. Zu den wichtigsten Zusatzleistungen zählen die Bereiche Gesundheit, Familie und Wahltarife. Wer aktiv etwas für seine Gesundheit tun möchte, hat dazu dank diverser Angebote, wie zum Beispiel Gesundheitskursen, die Möglichkeit und wird mittlerweile von vielen Krankenkassen in finanzieller Hinsicht belohnt. Bei der BKK vor Ort heißt das Gesundheitspaket „Provita“, das ihre Versicherten mit einer Prämie von bis zu 300 Euro belohnt. Kündigt sich ein neues Familienmitglied an, ist es gut zu wissen, dass die Krankenkasse Unterstützung bietet. Mit „Hallo Baby“ hat die BKK vor Ort ein gezieltes Vorsorgeprogramm

BONUSZAHLUNGEN Keine bittere Pille – die Teilnahme an Präventionsangeboten beschert Versicherten der BKK vor Ort Geldprämien.

für das ungeborene Kind im Angebot. Neben der kostenlosen Familienversicherung gibt es nach der Geburt weitere wichtige Untersuchungen, wie z.B. das Neugeborenen-Screening. Seit 2009 dürfen die Krankenkassen ihren Versicherten Wahltarife anbieten. Mit den Tarifen lässt sich bares Geld sparen. Die BKK vor Ort bietet diverse Wahltarife an, wie z. B. den Tarif „Kerngesund“, hier ist durch die Nichtinanspruchnahme von Leistungen eine Erstattung bis zu 300 Euro möglich. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.bkkvorort.de

Dr. Robert Paquet VISAVIS ECONOMY

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TECHNOLOGIE

RFID

Geschlossene Prozessketten TECHNOLOGIE Dietmar Harting, persönlich haftender Gesellschafter der Harting Technologiegruppe, setzt bei RFID-Lösungen auf die vollständige Integration in die Unternehmensprozesse.

Warum RFID? Nur ein neues Schlagwort oder eine notwendige technologische Entwicklung? RFID gehört zu den wichtigsten Schnittstellen in industriellen Prozessen, die derzeit diskutiert werden. Und das aus gutem Grund: Alle Prozessschritte, die nicht zwingend zur Wertschöpfung notwendig sind, stehen im Zuge von Rationalisierungs- und Optimierungsbestrebungen auf dem Prüfstand. Manuelle Eingaben, Handzettel etc. kosten Zeit und Geld, von der Fehleranfälligkeit ganz zu schweigen. Die Logistik und die Fertigung sind damit von der Schnelligkeit und Zuverlässigkeit von Menschen abhängig, deren Aufgabe eigentlich die Betreuung von Prozessen sein sollte. Stattdessen der berühmte Papierkram! Das galt

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und gilt es zu verändern, und zwar zum Vorteil der konkreten Anwender vor Ort, des Unternehmens und der Kunden. Seit sechs Jahren beschäftigt sich Harting mit RFID-Technologien. Warum? Für uns ist RFID eine logische und notwendige Erweiterung der Produktportfolios. Wir entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für die Energie- und Datenübertragung in industriellen Umgebungen, etwa im Maschinenbau oder in der Bahntechnologie. Aus unseren Produkten werden damit intelligente Infrastrukturen zur Integration von Geräten und Softwaresystemen. RFID ist dabei die logische Ergänzung zur engeren Verzahnung der Welt der Daten mit der echten Welt in den Unternehmen. In welcher Umgebung setzen Sie Ihre RFID-Komponenten ein? RFID-Technologie wird in der Regel dort eingesetzt, wo Daten von mobilen Objekten wie Transportfahrzeugen unter rauen Umgebungsbedingungen zuverlässig erfasst und verarbeitet werden sollen. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, dass nicht einmal eine Sichtverbindung zu den Objekten bestehen muss und auch mehrere auf einmal erfasst werden können. Welche Lösungen sehen Sie dafür? In Fabrikhallen oder auf Transportgleisen geht es nicht immer sauber zu: Da ist es heiß, extrem feucht oder trocken, sandig oder staubig. Stöße, Vibrationen und Druck sind alltägliche Einflüsse, auch auf die RFID-Transponder. Die Fahrzeuge, die identifiziert werden sollen, sind oft verdreckt. Schmutz darf aber Geschäftsprozesse nicht aufhalten. Genau deshalb setzen wir belastbare RFID-Lösungen ein. Ähnlich sieht es beim Auslesen von Daten aus, die mittels RFID von vorbeifahrenden Fahrzeugen ermittelt werden. Arbeiten Sie hier mit Menschen, müssten Sie die Fahrzeuge anhalten, der Produktionsprozess müsste unterbrochen werden. Arbeiten Sie hier mit Lö-

sungen, die versagen, hilft Ihnen das auch nicht weiter: Verlässlichkeit der Systeme und Sicherheit der gewonnenen Daten haben deshalb für uns oberste Priorität. Welche Lösungen setzt Harting hinter der RFID-Architektur ein? In der Regel haben industrielle Unternehmen heute eine leistungsfähige Netzwerkstruktur aufgebaut. Wenn sie RFID einführen, verschieben sie damit nur die Schnittstelle vom händischen Übertrag auf eine automatisierte Verarbeitung. Um das effektiv leisten zu können, brauchen sie eine leistungsstarke intelligente Infrastruktur und eine modulare skalierbare Softwarearchitektur, um RFID-Daten zuverlässig in ihre Geschäftsprozesse integrieren zu können. Wir unterstützen Unternehmen dabei, eine solche offene und leistungsfähige Struktur zu implementieren – auch um auf spätere Entwicklungen und auf die weitere Integration von Teilprozessen vorbereitet zu sein. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.harting.de

INTEGRATION „Die durchgängige und integrierte Gesamtlösung ist unser Ziel“, macht Dietmar Harting deutlich.


TECHNOLOGIE

RFID

Technik für mehr Transparenz AUSGEREIFT Die Zeit der kleinen RFID-Pilotprojekte ist vorbei. Die Branche ist den Kinderschuhen entwachsen und überzeugt mit Kosteneinsparungen und Prozessoptimierungen.

Aufmachermotiv (oben): © IdentPro

D

er RFID-Hype, der vor etwa fünf Jahren von Projekten des Handels ausgelöst wurde, hat sich inzwischen weitestgehend gelegt. So ist es beispielsweise im Supermarkt bis heute nicht möglich, alle Produkte mit RFID-Tags zu versehen und so eine fast 100-prozentige Lesesicherheit am Point of Sale zu erreichen. Diese Lesesicherheit ist aber notwendig, da ansonsten die Lesefehler die ohnehin geringe Profit-Marge des Handels aufzehren. Gleichwohl breitet sich RFID weiter aus, jedoch in kleinteiligeren Anwendungsgebieten. Die RFID-Lieferanten unter den Mitgliedsunternehmen des Industrieverbandes für Automatische Identifikation (AutoID), Datenerfassung und Mobile Datenkommunikation, AIM, berichten übereinstimmend von einem Umsatzzuwachs von 10 bis 30 Prozent pro Jahr. „Oft liegen diese Anwendungen in Unternehmensbereichen, die über den Erfolg des RFID-Einsatzes nicht öffentlich sprechen, weil sie nicht die Wettbewerber auf ihre Produktivitätsfortschritte hinweisen wollen“, sagt Wolf-Ruediger Hansen, Geschäftsführer AIM-D e.V. Deutschland, Österreich, Schweiz. Wesentliche Merkmale der Technologie: Mit RFID-Systemen können Objekte berührungs- und drahtlos sowie ohne Sichtverbindung per Funk identifiziert werden. Das Speichermedium ist ein aus digitalen und analogen Schaltkreisen bestehender Transponder, auch Tag genannt, dessen Daten über eine Antenne ein- oder aus-

gelesen werden. Beim Smart Label sind die beschriebenen Tags in einem Etikett integriert, auf dem zusätzlich die variablen Informationen im Klartext oder Barcode aufgedruckt sind. Grundsätzlich kann RFID die Transparenz und Dokumentation der Warenströme innerhalb der Supply-Chain erheblich verbessern und dazu beitragen, Prozessqualität und Prozesssicherheit sowie Informationstransparenz zu optimieren, und damit Geschäftsprozesse effizienter gestalten. In der Automobilindustrie wird die Technologie seit Jahren genutzt, unter anderem um Transportbehälter von Zulieferern mit RFID-Tags zu kennzeichnen und diese so während des Produktionsablaufs eindeutig nachvollziehen und in der Lieferkette automatisch steuern zu können. Relevant ist auch die automatische Erfassung von Montagedaten. Denn der Gesetzgeber verlangt die Dokumentation bestimmter Produktionsschritte von sicherheitsrelevanten Teilen wie Verschraubungen. So soll sichergestellt werden, dass diese Bauteile auch wirklich eingebaut wurden. Durch die Verbindung aus einer mit einem Tag versehenen Karosserie, einem Werkzeug und der Identifizierung des jeweiligen Mitarbeiters, können Schraubdaten vom jeweiligen Werker automatisch erfasst werden. In der Logistikbranche können die Transparenz und Effizienz mit RFID erheblich verbessert werden. So lassen sich durch den effizienten Einsatz der Technologie viele durch

manuelle Tätigkeiten entstehende Fehler erheblich verringern und im Vergleich zu einem Barcodesystem pro Schicht und Gabelstapler zusätzliche Transportzeiten gewinnen. Mit RFID lassen sich jedoch nicht nur Waren erfassen und Transportwege zurückverfolgen. Tags sind heute auch in der Lage, komplexe Materialflusssysteme zu steuern. Der Tag dient dabei als Informationsträger, der die Waren mehr oder weniger vollautomatisch durch ein Intralogistiksystem steuert. Synonym hierfür ist das am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML), Dortmund entwickelte „Internet der Dinge“. Weitere sinnvolle Einsatzmöglichkeiten bieten die Schnittstellen zwischen Produktion und externem Transport. Bei der Auslieferung des Ford Fiesta wird mit dem „RFID Truck Gate“ von 7iD Technologies GmbH die vorhandene RFID-Kennzeichnung der Fahrzeuge zur Überprüfung der Lkw-Verladung genutzt. Das System erfasst im Vorbeifahren die geladenen Pkw und gleicht das Ergebnis mit der Ladeliste ab. Die Lesequote beträgt 100 Prozent. Zudem konnten die Arbeitsabläufe erheblich beschleunigt werden. „Wir sehen uns hier als Innovator, denn wir entwickeln Lösungen und Funktionalitäten, die den Einsatz von RFID erleichtern und wirtschaftlich und technisch effektiver machen“, erläutert der Geschäftsführer Wolfgang Essl. Ein großes Potenzial bietet die Technologie ferner als Schutzmaßnahme gegen die VISAVIS ECONOMY

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RFID

Foto: © 7iD

ÜBERPRÜFUNG Nach dem Beladen erfolgt am RFID TruckGate das Auslesen von Fracht und Ladeliste.

weiter zunehmende Produktpiraterie. Um Fälschungssicherheit und Markenschutz zu gewährleisten, ist hier der Einsatz von RFID-Labeln mit Seriennummern denkbar. Anhand dieser Nummern lässt sich später feststellen, ob es sich um ein Originalbauteil handelt. Je nach Anwendung gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Verarbeitung der Etiketten, vom RFID-Tischdrucker bis zu vollautomatischen RFID-Druckspendesystemen, die die Etiketten bedrucken, programmieren, prüfen und aufbringen, wie sie beispielsweise von Bluhm Systeme angeboten werden. Einerseits lassen sich so Haftungsrisiken minimieren. Anderseits kann die gesamte Wertschöpfungskette lückenlos kontrolliert werden. Besonders bei Arzneimitteln beziehungsweise Pharma-Verpackungen könnte mit gedruckten Labels die Fälschung von Arzneimitteln zumindest eingeschränkt werden. Im öffentlichen Bereich

bestehen Einsatzgebiete bei Eintrittskarten, Fahrkarten oder auch Sicherheitsdokumenten wie Pass oder Führerschein. Auch die Modebranche hat inzwischen die Vorteile der Technologie erkannt. Durch die bei der Produktion in die Kleidungsstücke eingenähten Tags lassen sich Waren nach dem Bulk-Reading-Verfahren, das heißt mit nur einem Lesevorgang, im Karton oder auf einer Palette erfassen, beispielsweise bei der Auslieferung oder Warenannahme des Empfängers, ferner bei der Erfassung der verkauften Ware an der Kasse. Auch die sonst übliche Warensicherung in den Verkaufsräumen kann entfallen. Zu beachten ist hier jedoch, dass auch Systeme, die nicht unmittelbar zur Verarbeitung personenbezogener Daten genutzt werden sollen, in die Persönlichkeitsrechte eingreifen können. Ein Personenbezug lässt sich herstellen, wenn die Identität der Per-

son, die RFID-markierte Waren bei sich trägt, durch Auslesen personenbezogener Daten etwa aus einer Kreditkarte bestimmt werden kann. Werden die aus RFID-Tags ausgelesenen Daten in zentralen Datenbanken gespeichert, lassen sich Bewegungs-, Nutzungs- und letztlich auch Persönlichkeitsprofile erstellen, deren Zustandekommen für den Betroffenen intransparent ist und auf deren Entstehen er keinen Einfluss hat. Notwendig ist deshalb eine frühzeitige Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Anforderungen auch bei solchen Anwendungen, die nur auf die Verarbeitung nichtpersonenbezogener Daten gerichtet sind. Aktuell wird die Technologie für die Lebensmittelindustrie immer wichtiger. Hier zeigt der aktuelle Dioxin-Vorfall, wie wichtig bei der Futtermittelherstellung eine genaue Dokumentation der Daten beziehungsweise die Rückverfolgbarkeit der ein-

Wirtschaftlichkeit | Moderne und verlässliche Kundenlösungen

RFID auf höchstem Niveau Mit technischem Expertenwissen in den Bereichen Physik, Funkwellenausbreitung und RFID-Infrastruktur entwickelt die 7iD Technologies GmbH mit Firmensitz in Graz RFID-Systeme im passiven UHF-Bereich, die sich durch höchste Effizienz und Verlässlichkeit auszeichnen. Dieser Qualitätsunterschied wird bei Projekten offensichtlich, die unter schwierigsten Voraussetzungen – etwa bei enormen Geschwindigkeiten, in metallischen Umgebungen oder unter rauen physikalischen Bedingungen – hundertprozentig funktionieren müssen. Alle diese Systeme lösen die typischen Probleme passiver RFIDTechnologie wie Reflexionen, unerwünschte

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Falschlesungen und Erkennung der Bewegungsrichtung und sind zugleich rasch und einfach implementiert. 7iD Technologies hat sich damit innerhalb weniger Jahre als führender Systemintegrator und Systemprovider am RFID-Markt etabliert. Umfangreiche Installationen in den Branchen Automobil, Eisenbahn und Logistik bestätigen die hohe Zuverlässigkeit. Beispielsweise haben die Ford Motor Company und TS Transport Service eine gemeinsame Umsetzung in der Supply Chain in Betrieb genommen. Thales, ein weltweit führender Technologiekonzern, setzt die RFID-Highspeed-Lösung im Rahmen des North South

Rail Projects auf 2400 km Gleis quer durch die Wüste Saudi Arabiens ein. Mehr als 70 RFID-Anlagen, die für Geschwindigkeiten bis mindestens 250 km/h ausreichen, werden als Teil des Thales CheckPoints betrieben. Weitere erfolgreiche Beispiele sind das Container Management, die RFID-CaptureLösung, mit deren Hilfe Bestandsbewegungen im Konsignationslager lückenlos erfasst werden, das Asset Management der österreichischen Autobahngesellschaft (Asfinag) sowie das RFID-Erkennungssystem im DHL Innovation Center (DHL Solutions & Innovations DSI). Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.7iD.com


Foto: ©Fraunhofer IML, Dortmund

TECHNOLOGIE

zelnen Verarbeitungsstationen ist. Die Fachgruppe RFID des Bundesverbandes ITMittelstand e.V. appelliert deshalb an alle Unternehmen, Lösungen anzuwenden, die eine schnelle Aussage zu Inhaltsstoffen ermöglichen. So könnten bereits im Wareneingang, spätestens jedoch bei der Rezepturverarbeitung entsprechende Warnmeldungen erfolgen. Damit auch in der Lieferkette eine Transparenz auf Knopfdruck gegeben ist, können Informationen von Produkten und Chargen sowie deren Beschaffenheit an zentrale Portale gesendet werden. Dort könne jeder Partner zusätzliche Informationen abrufen. Hinsichtlich unternehmensübergreifender Verarbeitung relevanter Daten besteht jedoch bislang noch Nachholbedarf und auch im Kampf gegen kriminelle Machenschaften, wie eine falsche Deklaration von Zutaten, reicht der Einsatz von RFID-Technologien für eine effektive Rückverfolgbarkeit allein nicht aus. Die möglichen RFID-Anwendungen lassen sich nahezu beliebig fortsetzen. Für Krankenhäuser könnte die Technologie beispielsweise interessant werden, um vorhandene Ressourcen besser zu nutzen, effektiver zu arbeiten und langfristig Kosten zu reduzieren. Auch der Buchhandel und Büchereien oder öffentliche Verwaltungen setzen zur Kennzeichnung von Büchern und Dokumenten zunehmend auf die kleinen Chips. Schwierig ist der RFID-Einsatz nach wie vor in metallischen Umfeldern, weil diese oft zu Reflektionen und Abschirmungen führen, was die Lesesicherheit beeinträchtigt. Hier bieten die Hersteller aber zunehmend speziell darauf abgestimmte RFIDTags an. Damit sich Unternehmen auch angesichts von Umwelteinflüssen oder alltäglichen Gegebenheiten in der Industrie auf die Technologie verlassen können, bietet beispielsweise die Harting Technologiegruppe besonders belastbare Lösungen, die den Arbeitsalltag in industriellen Umgebungen er-

RFID

PROZESSKONTROLLE Mit RFID kann die gesamte Lieferkette automatisch überwacht werden.

heblich effizienter gestalten – und dabei sowohl verlässliche Ergebnisse liefern, als auch die unbedingte Sicherheit der gewonnenen Daten garantieren können. Der Markt für RFID-Anwendungen wird sich voraussichtlich ähnlich entwickeln wie bei der Barcode-Technologie. RFID wird aber den Barcode nicht grundsätzlich ablösen. Alle Kennzeichnungstechnologien haben Potenzial. Kunden erwarten zuneh-

mend standardisierte „Plug & Play“-Lösungen, die rasch umgesetzt werden können. Auch die Entwicklung zweidimensionaler Codes, die immer häufiger auf Werbeanzeigen, auf Bahn- und Veranstaltungstickets und in elektronischer Form auf dem Mobiltelefon zu finden sind, bleibt spannend.

Armin Hille

Kennzeichnung | Alle Informationen auf einen Blick

Potenzial noch nicht ausgeschöpft Bisher wurde das Schlagwort RFID überwiegend mit Handelskonzernen in Verbindung gebracht. Dort arbeitet man daran, von Lieferanten und Herstellern künftig mit einem „intelligenten RFID-Etikett“ – dem Smart Label – bestückte Paletten und Kartons zu erhalten. Beim Smart Label sind die beschriebenen Transponder in einem Etikett integriert, auf dem zusätzlich die variablen Informationen im Klartext oder Barcode aufgedruckt sind. Doch der Einsatz von RFID beschränkt sich nicht nur auf den Handel: Automobilzulieferer nutzen die Technik zur Fertigungssteuerung und zur späteren Rückverfolgung von Stoßfängern. Geht es um Fälschungssicherheit und Markenschutz, ist auch der Einsatz von RFID-Labels mit Serien-

nummern denkbar. Anhand dieser Nummern lässt sich später feststellen, ob es sich um ein Originalbauteil handelt. Je nach Anwendung gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Verarbeitung der Etiketten – vom RFIDTischdrucker bis hin zu vollautomatischen RFID-Druckspendesystemen, die die Etiketten bedrucken, program-

mieren, prüfen und aufbringen. Doch das Potenzial von RFID kann nur genutzt werden, wenn man alle Auto-IDTechnologien im Auge behält. Unterschiede gibt es im Preis, in der Beständigkeit, Sicherheit und Lesbarkeit. Häufig werden RFID, Barcode und Datamatrixcode sogar parallel eingesetzt. www.bluhmsysteme.com

KOMBINATION Zusammen mit anderen Auto-ID-Technologien entfaltet sich das komplette Potenzial von RFID.

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FINANZEN

PFANDBRIEFE

Volle Deckung ROBUST Der deutsche Pfandbrief zählt zu den sichersten Geldanlagen. Während der Wirtschafts- und Finanzkrise hat das Finanzprodukt weiter an Attraktivität gewonnen.

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Elementen des Finanzsystems existieren jedoch auch Institutionen und Finanzinstrumente, die sich während der Krise als solide erwiesen. Die organisierten und kontrollierten Kassa- und Terminbörsen zählen ebenso dazu wie der deutsche Pfandbrief, der eine lange und weitgehend makellose Kreditgeschichte aufweist. In einer Zeit, in der verbriefte Immobilienkredite in Form von „Covered Bonds“ zum Beispiel in den USA, in Großbritannien und in Spanien in Verruf gerieten, hat der deutsche Pfandbrief, der seinen Ursprung im Jahr 1769 hat, sein positives Image noch deutlich verbessert. Gerade die von den USA ausgehende Finanzkrise hat deutsche Tugenden aufgezeigt. Denn als Ende 2008 bis Anfang 2009 der US-Markt für komplexe und kompliziert erscheinende forderungsbesicherte Bondprodukte wie CDO, CLO und MBS – besser bekannt unter dem Oberbegriff Asset Backed Securities (ABS) – kollabierte, zeigte sich der Pfandbriefmarkt in Deutschland über weite

Aufmachermotiv (oben): Verband deutscher Pfandbriefbanken e.V.

fandbriefe sind hinsichtlich des Sicherheitsfaktors durchaus mit Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland vergleichbar. Sie gelten daher auch in unruhigen Zeiten als ein solides Investment. Durch eine Gesetzesnovelle soll dieses Finanzierungs- und Anlageinstrument in Zukunft noch wesentlich sicherer und damit für Investoren im In- und Ausland noch attraktiver werden. Der neue Rechtsrahmen zielt auf eine Präzisierung der Deckungsmasse und den Zugang des Sachverwalters zur Liquidität der Banken ab. „Durch die vorgeschlagenen Regelungen wird die Sicherheit des Pfandbriefs weiter gestärkt, was Pfandbrief-Investoren unmittelbar zugutekommt“, kommentiert Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken. Die Finanzkrise hat zahlreiche Opfer gefordert und das bis dahin stabil erscheinende Gerüst der Weltwirtschaft ins Wanken gebracht. Neben den unzähligen fragilen

Strecken der Krise erstaunlich stabil. Wohl erst dadurch wurden sich Banken und Anleger bewusst, welches „Asset“ der Finanzplatz Deutschland mit diesem Anlagevehikel in den Händen hielt und noch immer hält. Für den Anleger im In- und Ausland schätzen die verzinslichen Wertpapiere als relativ sichere Kapitalanlage, zumal sie in der Regel einen Renditeaufschlag gegenüber als vergleichbar sicher geltenden deutschen Staatsanleihen aufweisen. Pfandbriefe ausgebende Banken – in der Regel Pfandbriefbanken – können auch in turbulenten Börsenzeiten zu relativ günstigen Zinssätzen Kapital am Markt aufnehmen. „Pfandbriefe sind volkswirtschaftlich betrachtet bedeutende Instrumente zur Finanzierung des Wohnungsbaus“, betont Thomas Grosse, Vorstand der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank. Nicht zuletzt, da die letzte Insolvenz einer deutschen Pfandbriefbank auf das Jahr 1901 zurückgeht. Erfreulicherweise hat die Krise das Bewusstsein für die vor einer Investition notwendigen Entscheidungsprozesse geschärft. Die Argumente, die zu einer Anlageentscheidung von Covered Bonds – und damit auch von Pfandbriefen – führen, haben sich im Zuge der Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten massiv gewandelt. Ein Grund ist darin zu sehen, dass sich Anleger vor der Krise meist auf die AAA-Bewertung der globalen Ratingagenturen verlassen und keine eigene Analyse mehr durchgeführt haben. Heute werden auch bei Pfandbriefen deutlich mehr Fragen im Hinblick auf die Zusammensetzung der Deckungsstöcke gestellt. Und vor diesem Hintergrund reicht weder der Pfandbrief-Branche noch dem Gesetzgeber das bisher um den Pfandbrief herum geknüpfte rechtliche Sicherheitsnetz. Eine Gesetzesnovelle soll den Pfandbrief unter den verzinslichen Anlageprodukten zum „Fels in der Brandung“ machen. Im Fokus der Novelle stehen Klar-


FINANZEN

PFANDBRIEFE

SICHERHEIT Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des VdP, hält Pfandbriefe für das richtige Finanzierungsinstrument von Immobiliendarlehen.

Pfandbriefbanken | Flexibel und zuverlässig

Starke Vorsorgekompetenz Pfandbriefe sind hinsichtlich des Sicherheitsfaktors mit Bundesanleihen vergleichbar. Als festverzinsliche Wertpapiere sind sie somit auch in unruhigen Zeiten ein solides Investment. Emittent der Pfandbriefe im Konzern Wüstenrot & Württembergische AG (W&W) ist die Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank. Sie bietet als schlanke Universalbank für Privatkunden neben der Immobilienfinanzierung auch Girokonten und Geldanlageprodukte an. „Unsere Pfandbriefe sind fast ausschließlich mit Hypotheken von Privatkunden bestückt, deshalb haben sie ein hervorragendes Risikoprofil“, so Dennis Bach, Leiter des Treasury der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank und der Wüstenrot Bausparkasse AG. Die Ratings geben ihm Recht: Sowohl die Hypothekenpfandbriefe als auch die öffentlichen Pfandbriefe sind mit „AAA“ bewertet. Dank ihres Emissionsprivilegs haben Pfandbriefbanken einen zuverlässigen Kapitalmarktzugang und können so auch in Krisenzeiten die nötigen langfristigen Refinanzierungsmittel beschaffen. Neben dem zuverlässigen und kostengünstigen Kapitalmarktzugang verfügt eine Universalbank mit Pfandbrieflizenz zudem über eine deutlich höhere Flexibilität im Vergleich zu anderen Instituten. Davon profitiert sie bei der Ausgestaltung ihres Produktspektrums, aber auch im Rahmen der Aktiv-/Passivsteuerung und des Liquiditätsmanagements. So bietet die Bank dem Vorsorge-Konzern zwei wesentliche Vorteile: W&W-Kunden haben Zugriff auf attraktive klassische Bankprodukte für die Vermögensbildung wie Sparkonten, Tages-

und Termingelder sowie Investmentfonds. Und der Konzern kann seine Wertschöpfung hinsichtlich Liquiditätsmanagement, Zahlungsverkehr, Wertpapierhandel und Finanzierung flexibel ausweiten und optimieren. „Volkswirtschaftlich betrachtet sind Pfandbriefe ein bedeutendes Instrument zur Finanzierung des Wohnungsbaus“, erklärt Thomas Grosse, Vorstand der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank. „Sie verschaffen dem Vorsorge-Spezialisten W&W eine solide Ausgangsposition für die Immobilienfinanzierung und die Refinanzierung der gesamten Unternehmensgruppe.“ Weitere Informationen finden Sie unter: www.ww-ag.com

Quelle: MEV

stellungen zur Verbesserung der Pfandbriefqualität. Der Gesetzesrahmen sieht vor, dass einer Deckungsmasse als nicht insolventer Teilbank der insolventen Pfandbriefbank die Stellung eines Kreditinstituts zukommt. Damit kann der Sachwalter als Leiter eines Kreditinstitutes gegenüber der Deutschen Bundesbank auftreten und auch Pfandbriefe emittieren. Zudem werden die Haftungsregelungen für Treuhänder überarbeitet. Besonders wichtig erscheint in diesem Kontext jedoch die Frage, wie sich künftig ein Sachwalter in einem eventuellen Insolvenzfall einer Pfandbriefbank mit Liquidität versorgen kann. In der geplanten neuen Gesetzesnovelle zeigt sich nach Meinung ausländischer Beobachter die Umsetzung des deutschen Sprichworts, wonach Vorsicht schließlich die Mutter der Porzellankiste ist. Denn bisher war es nie zuvor seit Existenz des Pfandbriefmarktes erforderlich, einen Sachwalter zu bestellen. Doch seit Beginn der Finanzkrise sind sowohl die Anleger als auch die Banken und nicht zuletzt die Politiker in Berlin und Brüssel in Fragen der Finanzmarktsicherheit wesentlich vorsichtiger geworden. Der deutsche Pfandbrief ist einer der wenigen Exportschlager des Finanzplatzes Deutschland. Bei ausländischen Investoren begehrt und beliebt, bemühen sich auch andere Länder darum, bei verbrieften Immobilienkrediten das hohe Sicherheitsniveau des deutschen Pfandbriefs zu erreichen und das Image des eigenen Finanzplatzes zu verbessern. Derweil kann der deutsche Pfandbriefmarkt auf seinen eigenen Stärken weiter aufbauen. „Anleger werden künftig wohl eine noch größere Auswahl an Investmentmöglichkeiten am deutschen Pfandbriefmarkt haben“, erwartet Verbandssprecher Jens Tolckmitt.

FLEXIBILITÄT Zahlreiche Finanzierungsmodelle können auf individuelle Kundenbedürfnisse zugeschnitten werden.

Udo Rettberg VISAVIS ECONOMY

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