Page 1

Dynamik bei Desom

w

2010er Jahrgang zeigt Potenzial Von Romain Batya Desom-St Remy in Remich ist ein Winzerbetrieb, der nächstes Jahr sein 90. Firmenjubiläum feiern wird. Doch nicht nur deshalb stehen die Weichen bei den 1922 gegründeten Caves St Remy auf Expansionskurs. Dabei soll die ohnehin schon hohe Qualität der hauseigenen Weine noch weiter gesteigert werden.

Von links nach rechts: Albert, Georges und Marc Desom zusammen mit zwei Mitarbeitern des Hauses. (Foto: Romain Batya)

Ende April dieses Jahres lud Marc Desom, der in der Schweiz zum Weinbau-Ingenieur promovierte und seit Jahren zusammen mit seinem Vater Albert und seinem Onkel Georges Desom eine der größten Privatkellereien des Landes leitet – das im Ertrag stehende Weinbergsareal von Caves St Remy besteht aus 40 Hektar Weingärten zuverlässiger Vertragspartner und aus 12 Hektar Familienbesitz – zur Verkostung der 2010er Stillweine nach Remich ein. Die Kellerei Desom gehört zum L u xe m bu rg e r Ve r b a n d d e r We i n h ä n d l e r, d i e Verkaufspalette beinhaltet daher auch zugekaufte ausländische Weine. Seit fünf Jahren setzt der Betrieb organische Spritzmittel ein. Humus aus dem Laubschnitt und Begrünung zwischen den Rebzeilen sind längst Routine. Die Verwendung von 500-Liter-Eichenfässern zum Reifen verschiedener Cuvées und die niedrigen Erträge (teilweise weniger als 50 hl/ha) sind neue Wege der Weinbereitung. Desom ist auch daran gelegen, den Restzucker der hauseigenen Weine in Zukunft weiter zu senken.

Typischer Sommerwein: Pinot Noir Rosé von Desom. (Foto: Romain Batya)

Was den Jahrgang 2010 angeht, hatte die Kellerei Desom letzten Herbst mehr Arbeit und schlussendlich weniger Wein in den Maischetanks. Durch das Aussortieren des Leseguts per Hand sind frische Weine ausgebaut worden, die nicht den Ansatz von grünen Aromastoffen oder von unangenehmer Überreife zeigen. Verkostet wurden zuerst die Caves-Desom-Weine, die aus den zugekauften Trauben gekeltert werden, danach folgten die qualitativ


h ö h e re n D o m a i n e - D e s o m - We i n e a u s e i g e n e m Traubenmaterial. Fast alle verkosteten Weine stammen aus dem Jahrgang 2010, vereinzelt sind länger gelagerte Rieslinge dabei: Rivaner Remich Primerberg Vin Classé (11 g/l Restzucker, 6,5 g/ Säure, 11,4 ° Alkohol, 75 ° Öchsle) Nase schön fruchtig-aromatisch mit Anklängen von exotischer Frucht. Am Gaumen vollfruchtig mit guter Struktur und relativ ausgewogener Balance. Süffiger Wein mit langem Nachhall. O+ Auxerrois Remich Primerberg GPC (11,5 g /l Restzucker, 6,5 g/l Säure, 12,2 ° Alkohol, 76 ° Öchsle) Nase feinfruchtig und floral nach gelben Frühjahrsblumen. Am Gaumen Anklänge von eingelegter Ananas. Ausgeprägter Körper mit salzigem Abgang. Nachhall mittelang mit schöner Fruchtsäure. + Pinot Blanc Wintrange Felsberg GPC (10,5 g/l Restzucker, 7,0 g/l Säure, 12,3 ° Alkohol, 73 ° Öchsle) Bukett von Kernobst, gelben Äpfeln und eingekochten Birnen. Akzente von frischer Mandel. Am Gaumen schöne Frucht mit gut eingebundener Säure, gefolgt von einer deutlichen Mineralität und ausgeprägten Reifetönen. + Riesling Remich Primerberg GPC (9 g/l Restzucker, 8 g/l Säure, 12,4 ° Alkohol) Nase nach Agrumen und exotischen Früchten. Am Gaumen zuerst Anklänge an Mandarinen, dann folgen Aromen von gelbem Pfirsich und reifer Aprikose. O+ Riesling Schwebsange Kolteschberg GPC (10,5 g/l Restzucker, 8 g/l Säure, 12,4 ° Alkohol) In der verhaltenen Nase schwingen leicht mineralische Anklänge mit. Am Gaumen überwiegt eine frischgrünliche Säure. Wein mit einer mittleren Struktur und mentholischen Akzenten im mittellangen Nachhall. + Riesling Wormeldange Koeppchen GPC (9 g/l Restzucker, 8 g/l Säure, 12,3 ° Alkohol, die Reben wurden Ende der 70er Jahre gepflanzt)

Nase mineralisch mit kräuterwürzigen Akzenten, Anklänge an frische Mandeln und Nuancen von weißem Pfeffer. Am Gaumen gute Fülle mit schöner, cremiger Struktur. Mineralisch in der Mitte mit Aromen von Aprikosen. Angenehm im Abgang, sehr langer, leicht salziger Nachhall. ++ Pinot Gris Stadtbredimus Dieffert GPC (12 g/l Restzucker, 7 g/l Säure, 12,3 ° Alkohol) Nase exotische Frucht und leicht floralen Anklänge, sehr frisch und elegant. Gaumen zum Anfang mit süßlicher Fruchtsäure, dann folgen Aromen von gelbem Kernobst. Abgang frisch, Nachhall mittellang. (3. Platz unter den 4 Grauburgundern) O+ Pinot Gris Remich Primerberg GPC (11,5 g/l Restzucker, 7 g/l Säure, 12,4 ° Alkohol) Nase leicht verhalten mit mineralischer Unterstruktur. Gaumen ausgereift fruchtig, mit Aromen von gelbem Steinobst. Dann folgen mineralische Anklänge. Abgang rund und mittellang im Nachhall. (4. Platz unter den 4 Grauburgundern) O+ Pinot Gris Schwebsange Kolteschberg GPC (11.5 g/l Restzucker, 7 g/l Säure, 12,4 ° Alkohol) An der Nase leicht süßliches Bukett von eingelegten Zitrusfrüchten und Mirabellen-Kompott. Am Gaumen ausgeprägt aromatisch mit einer guten, säurebetonten Balance und einer ausgewogenen Struktur. Mineralischer Unterton im Abgang, warme, reife Frucht im Nachhall. Dabei leicht floral, etwas rauchig und lang. (2. Platz unter den 4 Grauburgundern) + Pinot Gris Wellenstein Foulschette GPC (11,5 g/l Restzucker, 7 g/l Säure, 12,4 ° Alkohol) Nase dezent und elegant, leicht vegetal zu Beginn, dann gefolgt von einem floralen Bukett. Gaumen ausgeprägt säurebetont mit vollendeter Struktur und guter Länge. Die Frische zeigt sich besonders deutlich im Abgang, der beerige Nachhall ist leicht floral und lang. (1. Platz unter den 4 Grauburgundern) ++ Pinot Blanc Remich Maateberg GPC (10 g/l Restzucker 7 g/l Säure, 12,5 ° Alkohol) An der Nase elegante, reife Noten von weißen Blüten und hellem Steinobst. Leicht würzig, erinnert an Guimauves. Am Gaumen Aromen von Agrumen. Ausgeprägte

Struktur, warm im Abgang mit Anklängen an süßen Lakritz. Säurebetonter, langer Nachhall. + Riesling Wormeldange Wousselt GPC (8 g/l Restzucker, 8 g/l Säure, 12,3 ° Alkohol, 88 ° Öchsle) An der Nase ausgeprägt floral zu Beginn, danach Akzente von Mandarinen und von Aprikosen-Sorbet. Sehr frisch. Am Gaumen markante Struktur mit guter Harmonie. Sehr junger Wein mit feiner Fruchtsäure. Fruchtige Aromen, gefolgt von klarer Säure und dezenter Mineralität. Vielschichtig und im Abgang sehr lang. Ein schöner Wein mit viel Potenzial. ++(+) Pinot Gris Remich Hôpertsbour GPC (9 g/l Restzucker, 7 g/l Säure, 12,3 ° Alkohol, 90 ° Öchsle) Nase dezent mineralisch zu Beginn, dann Bukett von gelbem Steinobst mit leichten Anklängen an Veilchen. Am Gaumen warme Fruchtfülle, gefolgt von Aromen von Pfirsich und gelben Äpfeln. Abgang mit warmen Fruchttönen, Nachhall angenehm und mittellang. + Riesling Charta Schengen 2009 (8 g/l Restzucker, 8 g/l Säure, 13 ° Alkohol, 90 ° Öchsle) Beim Bukett überwiegen die Haselnusstöne, gefolgt von leichtem Sous-Bois (Unterholz) und einer ausgereiften Säure. Feiner Unterton von Anissamen und Kardamom. Sehr elegant am Gaumen mit Aromen von OrangenMinze-Kompott. Konzentrierte Frucht mit vielschichtigen Akzenten. Lang im etwas alkohollastigen Nachhall. ++ Pinot Noir 2009 Bech-Kleinmacher Enschberg MN (13 ° Alkohol, Barriques von François Frères mit MToasting und M+-Toasting) Am Glas dunkles Rubinrot. An der Nase ausgeprägtes Bukett von Schwarzbeere und Schattenmorelle. Leicht vanillige Akzente und Anklänge von Rumtopf. Am Gaumen süßliche Aromen zu Beginn mit etwas zuviel Holztönen. In der Mitte ausgeprägte Fülle, im Abgang leichter Bitterton, Nachhall lang, doch etwas staubigtrocken durch das Holz. Schöne Säure, ein GastronomieWein in einigen Jahren. + Pinot Noir Rosé 2010 MN Caves Desom (3,5 g/l Restzucker, 5 g/l Säure, 12,8 ° Alkohol, 83 ° Öchsle) Ein Rosé de Saignée mit malolaktischer Gärung. Oeil-dePerdrix-farben am Glas. An der Nase angenehm frisch und leicht mineralisch. Am Gaumen Palette von roten


Waldfrüchten mit würzigen Akzenten. Aromen von Rhabarber-Kompott und gelber Grapefruit. Im Nachhall schöne Frische und angenehmen Länge. + +

Erdbeeren mit Sahne, danach folgen dezente Noten von roten Waldfrüchten. Abgang mit feinem Bitterton, Nachhall lang und frisch. +

Pinot Noir Rouge 2009 MN Caves Desom (100 % Malo, fast nur bebrauchte Fässer) An der Nase würzige Noten von blondem Tabak und Bourbon-Vanille. Am Gaumen frisch, mit mittlerer Struktur, doch sehr guter Harmonie. Etwas kurz im Nachhall, ein angenehm zu trinkender Spätburgunder. +

Crémant Desom Brut Rosé Non Dosé Farbe altrosa mit violettem Schimmer. Nase würzig mit Anklängen an Kräuter. Am Gaumen überwiegen die kräuterwürzigen Noten, danach folgt ein Reigen roter Fruchtaromen. Feiner Abgang und angenehm lang im säurebetonten Nachhall. ++

Crémant Desom Brut Tradition (55 % Riesling, 45 % Pinot Noir (Riesling 100 % Malo, 12,5 g/l Restzucker, 12 Monate Flaschengärung) An der Nase elegant-dezentes Bukett von weißem Steinobst mit Anklängen an Haselnuss. Am Gaumen frisch und cremig, auch hier sind die nussigen Aromen deutlich wahrnehmbar. Mittlere Struktur, relativ kurz im würzigen Nachhall. Ein Apéro-Crémant. O+

Gewürztraminer Bech-Kleinmacher Enschberg GPC 2010 (Ernte nur 30 % eines normalen Jahres. 2000 Flaschen produziert, 13,5 g/l Restzucker, 6,5 g/l Säure, 12,7 ° Alkohol, 101 ° Öchsle) An der Nase überwiegen zu Beginn Rosentöne, dann folgt ein exotisches Bukett mit Anklängen an Litchi und Rambutan. Am Gaumen auch exotische Aromen mit mineralischem Unterton. Abgang frisch, Nachhall lang mit aromatischer Frucht. +

Crémant Desom Brut Elégance (11,5 g/l Restzucker, 24 Monate auf der Hefe. Hauptsächlich Burgundersorten mit maximal 15 % Riesling) Rassiges, vollfruchtiges Bukett. Am Gaumen mittlere Struktur mit würzig-fruchtigen Aromen. Elegant im Abgang, mittellang im Nachhall. Als Essensbegleiter anzuraten. ++

Fazit: Die Caves Desom haben es durchaus geschafft, auch im Jahrgang 2010 elegante und frische Stillweine zu erzeugen. Die Crémants entsprechen den Kriterien moderner Luxemburger Qualitätsschaumweine und unterscheiden sich bewusst und deutlich von den Produkten aus Reims oder Epernay, was für unsere Mosel nur als positiv gewertet werden kann. Die Richtung weg vom Vergleich mit französischem Champagner ist stimmig und sollte wegweisend sein.

Crémant Desom Brut Millésime 2007 (10g/l Restzucker, und es wird weniger werden bei der nächsten Degorgierung) Ausgeprägte Fruchtigkeit und vielschichtiges Bukett. Am Gaumen sehr harmonischer Crémant mit guter Struktur und eleganten Aromen. Abgang angenehm nussig und cremig. Nachhall lang mit feiner Frucht. ++(+) Crémant Brut Millésimé 2007 (Non dosé, Brut Nature) Nase sehr nussig und außergewöhnlich frisch. Noten von frischem Toastbrot und Biskuit-Teig. Am Gaumen nussig und fruchtig. Fein mineralisch im Abgang mit Anklängen von frisch geerntetem Rhabarber, ein Zeichen für die feine Säurestruktur. + Crémant Desom Brut Rosé Saignée (Pinot Noir und etwas Auxerrois. 9 g/l Restzucker, 6 g/l Säure) Altrosa mit leicht violetten Akzenten. Ausgeprägte Perlage. Die Nase ist fruchtig-würzig mit leicht erdigen Akzenten und mineralischem Unterton. Am Gaumen Aromen von

Vinalu klärt auf Drei Fragen zum besinnlichen Grübeln bei einem Glas Wein: 1. Was war eher da, das Ei oder das Huhn? 2. Wie kann man die drei Ziffern 1, 1 und 1 addieren und auf die Summe 2 kommen? 3. Wie kann man die Zahl 12 halbieren und zweimal 7 erhalten?

Die Antworten gibt Vinalu in der nächsten Ausgabe Ende Juli 2011. Vinalu-Symbole für Weinbewertungen ── unzumutbar - undrinkable - inbuvable ─ schlecht - bad - mauvais  brauchbar - acceptable - acceptable  ordentlich - correct - correct  gut - good - bon () gut bis sehr gut - good to very good - bon à très bon  sehr gut - very good - très bon () fast perfekt - nearly perfect - presque parfait  überirdisch - supernatural - surnaturel


jkgh  

gkjdfvgdsfvsdfg

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you