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VIERTELVOR

das heft fürs nauwieser viertel

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08/05 kostenlos

Nauwieserfest-Programm im Innenteil


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Nauwieserviertel // CecilienstraĂ&#x;e 31 // 66111 SaarbrĂźcken // 06 81-3 55 33 Reklame


♠ Was Interessantes für Viertel-Nostalgiker: Das offizielle Programmheft vom Nauwieserviertel-Fest 1991 mit nicht mehr ganz taufrischen Namen wie „Steckdose“, „Pfeffermühle“, „Marquasid“, „Pickelhaube“, „Neufang“...

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„U

nser Bestreben ist es, ein Fest zum Kennenlernen und Miteinander Reden organisieren. Auf keinen Fall möchten wir ein Fest nur zum Essen und Trinken, also einen Biercharakter. Da viele Standbewerber das gleiche Warenangebot hatten und sich viele Profistände bewarben, waren wir gezwungen mehreren Bewerbern Absagen zu erteilen. Da sich hier im Viertel viele Gaststätten und Restaurants befinden, kamen wir leider um so manchen Kompromiß nicht herum. Bei der Künstlerauswahl haben wir die Schwerpunkte auf Straßentheater gesetzt (Nauwieserstraße – Cecilienstraße). Wir verkaufen Buttons à 3,- DM.“

Soweit der Auszug aus dem Vorwort des 91er Viertel-Fest-Programms. Man sieht, es hat sich seit diesem 3. Nauwieserfest einiges verändert und es ist nicht einfach, – ohne in große romantische ViertelNostalgie zu verfallen – den Grundcharakter des Festes trotz gestiegener Professionalität und immenser Besuchermassen einigermaßen zu erhalten. Auf jeden Fall wünschen wir uns allen viel Vergnügen beim Fest und euch bei der Lektüre der fünften Ausgabe von VIERTELVOR. Vielen Dank an Pino Pascale vom Salon Valente, der das alte Programm aufgetrieben hat und ebenso an Herrn Walter Schmidt für das Titelfoto. viel Spassss! Ralf Leis


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viertelvor 05 inhalt

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kurzes

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das viertel von hinten von > Ralf Leis

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nicht rauchen gefährdet ihre soziale kompetenz Interview mit Eva Eckert von > Mazze Gaspers und Ralf Leis

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dogs Fotografien von > André Mailänder

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programm nauwieserfest Auf ein Neues!

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zum schüchternen barbar Gasthäuser Klein und Nilles unter der Lupe von > Mazze Gaspers und Ralf Leis

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blut am arsch S t o r y v o n > V é r o n i q u e Ve r d e t m i t I l l u s t r a t i o n e n v o n > M a r c M i s m a n

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poesie von > B.B. Donner

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mein bester freund hiess johannes paul von > Markus Spohn

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zeitverlust D a s Vi e r t e l - S p i e l v o n > J a n i c e M i t c h e l l u n d R a l f L e i s

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impressum

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nachschlag von > Memet Demir / Orient Super Market

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kurzes

♠ Flyer de luxe

Also wenn diese Geschäftsidee nicht einschlägt, dann weiß ich auch nicht...

♠ Frage Ähem... irgendjemand, der uns das vielleicht kurz erklären könnte?!

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kurzes

♠ Nachruf „Alte Feuerwache“

Foto: Janice Mitchell

Die Räume in dem Anbau der Alten Feuerwache, ganz früher anheimelnd „Bezirkskommandantur“ genannt, könnten einen Abriss alternativer und linker Geschichte der letzten 20 Jahre in Saarbrücken erzählen. Sie beherbergten Initiativen wie die Frauen-Notrufgruppe, Netzwerk Saar, Fahrradinitiative, Antifa, Kurdischer Kulturverein, die Kinowerkstatt zeigte hier ihre ersten Filme... etc. Nach der Kündigung des Nutzungsvertrags durch die Stadt und der darauf folgenden Räumung darf man gespannt sein, in welche Richtung sich das Innenleben der Feuerwache entwickelt. Platz für linke Kulturvereine und fiesen Punkrock wird wohl keiner mehr sein...

Fotos: N19

♠ Glückwunsch N19! An dieser Stelle möchten wir dem Kulturund Werkhof Nauwieser 19 zum 15jährigen 1987 Jubiläum gratulieren! 1988 kaufte der Verein Nauwieser 19 e.V. die Gebäude in der Nauwieserstraße, anschließend wurde renoviert und umgebaut und im Sommer 1990 fand die offizielle Einweihung statt. Alle Handwerksbetriebe, Geschäfte und sozialen/kulturellen Einrichtungen sind Mitglieder im Trägerverein und verwalten den Hof gleichberechtigt und in eigener Regie. Dass das nicht immer reibungslos abläuft, kann man sich vorstellen; die geringe Fluktuation der Einrichtungen zeigt dabei allerdings die Beständigkeit dieses Projekts. Respekt!

Auch schon seit 15 Jahren dabei ist das Kino 8 1/2. Benannt nach „Achteinhalb“ von Frederico Fellini, begann der Spielbetrieb des Kinos im April 1990. Durch den ständigen Mangel an finanziellen Mitteln musste mit diesem Zustand über all die Jahre schöpferisch umgegangen werden . So konnte sich ein Kinoprogramm abseits vom Mainstream etablieren, das regelmäßig Filmklassiker enthält, neues Kino aus aller Welt zeigt, die Filme nach Möglichkeit in deutsch oder englisch untertitelter Originalfassung zeigt, dem Kurzfilm einmal im Monat huldigt, aber auch dem experimentellen Kino und dem Dokumentarfilm ein Forum bietet.

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24 Stunden – die Säulen des Viertels Martin-Luther-Straße 21

Reifen- und Reparaturservice rund ums Kfz vom Meisterbetrieb Holger Galgenmüller Tel. 3 98 444 Reklame


kurzes

♠ Showfenster der Saison

Zum „Showfenster der Saison“ möchten wir diesmal das ehemalige Marquasid küren. Kein Geschäft im eigentlichen Sinne, dennoch kann man sich an schicken Büchertiteln erfreuen und sich über die wunderbare Kampagne „Wir für Sie“ oder die „Absageagentur“ informieren .

♠ Das Viertel im Netz Auch wenn einige immer noch denken, das Internet wäre ein Strohfeuer, kann man sich damit doch hin und wieder recht gut informieren. Zum Beispiel übers Viertel auf www.UnserViertel.de. Dort gibt’s alles über unseren romantischen kleinen Mikrokosmos mit dem französischen Flair: von Veranstaltungen und Terminen, über ein Verzeichnis für Gastronomie, Geschäfte, Dienstleister sowie Viertel-Geschichte bis zu Online-Flash-Games zum Abreagieren.

♠ Das Viertel im Netz – Zwei

♠ Neues aus der

Blumenstraße Soll mal jemand sagen, im Viertel wär man nicht reinlich. Auch in der Blumenstraße laufen offensichtlich schon die Vorbereitungen aufs Viertelfest...

Ihr wisst alle, was ein Weblog ist? Gut, prima. Das gibt’s jetzt auch fürs Viertel pünktlich zum Nauwieserfest unter http://viertelblog.de Die Idee: Ein nichtkommerzielles Multiautoren-Blog mit einer Kernmannschaft und der Möglichkeit für andere zu schreiben. Inhaltlich geht's in Richtung Klatsch und Tratsch, Parties, Veranstaltungen, etc. Ähnlich einem Café: Man kennt sich, man tauscht sich aus. Falls ihr vorhin geflunkert habt, Infos zum Thema Blogs allgemein: http://de.wikipedia.org/wiki/Blog

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von > Ralf Leis

letreiv sad netnih nov

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n dieser Stelle widmen wir uns der Rückseite des Viertels. Wie sieht’s denn hinter den Kulissen aus? hm? Die ungeschminkte Wahrheit hinterm Vorhang? Durchaus interessante Perspektiven ergeben sich, wenn man mal ein wenig auf Entdeckungsreise geht. So gings auch uns und es ist erstaunlich, was das Viertel so alles auf den zweiten Blick zu bieten hat. Von hübsch, gepflegt, romantisch über spießig, lieblos, verbaut zu verranzt, hässlich, müllig ist alles dabei. ♠

Linke Seite: Blick auf die Nassauerstraße Rechte Seite: charmant, aber wirklich sehr abgerockt: Rotenberg 24 ♠


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ganz ordentlich von links nach rechts: ♠ Nassauerstraße ♠ Bruchwiesenstraße ♠ Rückseite Försterstraße ♠ Hinterhof Bruchwiesenstraße ♠ Hinterhof in der Försterstraße (ehemals Blattlaus-Druckerei) ♠ Innenhof des SOS-Mütterzentrums ♠ in der Kurzen Straße ♠ der freie Platz Ecke Nassauerstraße/Nauwieserstraße


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von links oben nach rechts unten: ♠ Nassauerstraße ♠ Rückseite Cecilienstraße/ Försterstraße ♠ hinter der Feuerwache ♠ Blick auf die Nauwieserstraße ♠ Hinterhof Studentenwohnheim in der Bruchwiesenstraße ♠ Hinterhof in der Kurzen Straße ♠ Innenhof in der Nauwieserstraße, uiuiui ♠ das Loch in der Nauwieserstraße von hinten ♠ Hinterhof vom Modelädchen „achtzehn“ ♠ Rückseite Nassauerstraße ♠ Ecke Nassauerstraße/Nauwieserstraße


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nicht rauchen gefährdet ihre soziale kompetenz viertel forward präsentiert: eva eckert, inhaberin von zeitschriften eckert von > Mazze Gaspers und Ralf Leis Fotos: > Ralf Leis

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estimmt erinnern sich noch viele an den Film „Smoke“ von Wayne Wang aus dem Jahr 1994: In Auggie Wrens (Harvey Keitel) Tabakladen laufen die Geschichten einer handvoll Menschen aus Brooklyn zusammen. Hier trifft man sich zum gemütlichen Plausch, die Zeit bleibt scheinbar stehen, jeder hört jedem zu und man hilft tatkräftig bei der Lösung der Alltagsprobleme. Sämtliche Personen 17 sind sympathisch und man fragt sich, ob man nicht auch wieder mit dem Rauchen anfangen sollte. Für den Lauf der Dinge in diesem Mikrokosmos gilt: „Halbe Kraft voraus...“. Guter Film. Im Viertel gibt es Ähnliches zu berichten von Zeitschriften Eckert in der Blumenstraße, besser bekannt unter: „beim Eva“. Den Part von Auggie Wren übernimmt hier Eva Eckert, und zwar schon seit 1988, als sie den Laden von ihrer Mutter übernahm. Und wie im Film gilt auch hier: Zeit ist relativ und Platz für ein Schwätzchen gibt’s immer. Für uns also Grund genug, sich auch mal an die Theke zu hängen und ein bisschen zu klönen...

Eva, du bist morgens ja immer sehr zeitig hier im Laden anzutreffen, wie sind deine Arbeitszeiten? „Morgens um 6 mach ich den Laden auf, bin allerdings auch schon früher hier und um 18 Uhr ist Feierabend. Wenn ich Glück habe, bin ich abends um halb sieben zu Hause. Nach einem 13-Stunden-Tag hab ich dann auch genug.“ Kann man verstehen. Morgens um 6 gibt’s doch bestimmt auch einiges zu erleben. Was passiert denn da so im Viertel? „Hm, vor einiger Zeit stand mal ein Spanner da vorn an der Ecke und hat mir jeden Morgen um 5 ewig beim Zeitungauspacken zuge-

schaut. Was der da dran hatte, weiß ich allerdings auch nicht. Früher war im Viertel morgens mehr los, es kam öfters vor, dass die direkt aus der Kneipe zu mir reinkamen und irgendwas wollten. Ich war dann immer froh, wenn die halbwegs nett waren und nicht irgendwie ausfallend. Hier gegenüber im Double-Dutch gings ja auch gern mal etwas länger, da gab’s auch schon mal Palaver bis um 10 Uhr morgens.“ Ich hab gehört, Eric Burdon sei mal im Double-Dutch zu Gast gewesen, vielleicht war er ja dabei!? „Tja, findet sich manches wieder hier im Viertel...“


Das Geschäft ist seit 1984 in Familienhand, da gibt’s doch bestimmt Veränderungen in der Viertelbevölkerung zu beobachten? „Sicher, es sterben so viele weg, neue 18 kommen dazu, es gibt ja viele Studenten hier, dann wechselt das Ganze stetig. Aber die Alteingesessenen aus der Blumen- oder Försterstraße sind ja noch ein bisschen da. Die ganzen Originale werden allerdings schon weniger. Die Tante Tilly z. B., die hat im Viertel hier jeder gekannt, ist vor ein paar Jahren gestorben.“ Gibt’s viele Stammkunden, die regelmäßig zur gleichen Zeit hier aufkreuzen und dann auch ihr Schwätzchen halten? „Sicher, sind schon viele, die gern kommen. Für viele Ältere ist das auch wichtig, weil ich vielleicht ihr einziger Ansprechpartner bin. Einige kommen auch nur zu einem kurzen Mopsbesuch hier rein, der freut sich dann auch immer drüber. Obwohl – am Anfang gab’s wirklich ein paar Leute, die dachten, Timmy wär ein Kampfhund, weil er ein bißchen breitbeinig rumstand. Gerade zu der Zeit, als es so viel Ärger mit den ganzen Pittbulls gab. Wenn’s mir zu dumm wurd, hab ich immer gesagt, das ist ein kubanischer Kampfhamster.“ Aber so richtig gefährlich kommt er ja jetzt nicht rüber...

„Jetzt ist er auch schon im Rentenalter, er arbeitet nur noch halbtags. Mittags hole ich ihn zu Hause ab. Der gehört halt zum Laden und im Viertel kennt den Timmy auch jeder, vor allem die Kinder.“ Du hast ein sehr persönliches Gefühl, was das Viertel betrifft? „Auf jeden Fall, sonst wären die 13 Stunden pro Tag irgendwie unnütz für mich. Ich bin ,e Saarbrigger Mäde’ und kenne die Leute hier ja schon ziemlich lange, auch weil ich im Viertel meine Lehre als Arzthelferin gemacht habe bis ich zu meiner Mutter in den Laden gegangen bin.“ Du hast dein ganzes Berufsleben also im Viertel verbracht? „Deswegen bin ich ja auch ,‘s Eva’, weil die meisten Älteren mich noch als Lehrmädchen kennen. Ja, es ist so. Ich kann nix dagegen machen; mit 80 werd ich wohl immer noch ,‘s Eva’ sein – wenn ich dann noch Lust habe, hier zu stehen.“ Was war denn bis jetzt der größte Lottogewinn hier? „Keine Ahnung, das ist anonym. Ab einem gewissen Auszahlungslimit erfahre ich nicht, wieviel der Kunde gewonnen hat. Ich


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weiß, dass es mal einen Sechser gab, aber nicht, wie hoch der Gewinn war. Ist ja auch gut so, dass es anonym ist, zum Schutz vom Kunden.“ Und wieviele Tippscheine sind schon vergessen worden – der Klassiker, jemand kommt mit weißem Gesicht hier an, weil er nen Sechser hatte? „Dass jemand seine Spielquittung nicht mehr hatte? Wenn sie die verlegt haben, kann ich auch nix dafür. Wenn die jemand vergisst und ich merke es, dann leg ich sie halt weg, meistens kenne ich sie ja. Aber dass jemand seine Quittung gebügelt hatte und damit einen Vierer eingebüßt hat, das kam schon mal vor. Sein Tippschein war verknittert und dann wollte er ihn glattbügeln. Das ist ja Thermo-Papier, das wird halt schwarz bei Hitze. Hinten konnte man nur noch SaarToto lesen. Seinen Vierer hat er nicht bekommen. Wie denn auch. Der tut mir heute noch leid, wenn ich den sehe.“ Gibt’s sonst ein besonderes Vorkommnis hier im Laden, das dir im Gedächtnis geblieben ist?

„Meine Mutter ist 1988 hier überfallen worden, das war recht übel. Ein junger Kerl, der erst 14 Tage vorher aus dem Gefängnis entlassen wurde. Der saß dort, weil er die Freundin seiner Mutter erschlagen hatte. Ich bin damals immer früher heim und meine Mutter hat den Rest erledigt und war dann allein im Laden. Der Kerl hatte vorher noch gerubbelt und hat sie dann einfach angegriffen. Der stand mit den Füßen in ihrem Gesicht und hat reingetreten, weil sie um Hilfe gerufen hatte. Das war kein Überfall, weil er Geld gebraucht hätte oder so. Reine Aggressivität. Seine Brgründung war, er könne Frauen über 60 nicht leiden!“ Das heißt, der wurde erwischt? „Ja, der hat im Gasthaus Schneider drüben gesessen. Er hatte seinen Pulli weggeschmissen, weil der voller Blut war und ist dort aufgefallen, weil er im Oktober im Unterhemd in der Kneipe saß. Das war damals eine frühzeitige Entlassung und für meine Mutter hat er nochmal 4 Jahre bekommen. Das war also ein Ereignis, an das ich mich noch sehr gut erinnern kann!“


Der teilweise dörfliche Charakter hier im Viertel produziert natürlich immer viel Tratsch. Da kriegst du doch bestimmt hier auch einiges mit... „Klar, aber da schalte ich meistens ab. Ich muss schon meine neutrale Position behalten. Als ich meinen ersten Urlaub hatte und der Laden geschlossen war, ging z. B. sofort das Gerücht um, dass ich schwanger wäre. Bin halt ein schnelles Mädchen – wofür andere 9 Monate brauchen, hab ich in 3 Wochen geschafft. Aber zu erzählen gibt’s natürlich immer was. Manche müssen auch immer ein bisschen zanken, wenn die nicht zanken, dann sind sie nicht wohlauf.“ Du musst ja auch bestimmt immer auf dem Laufenden sein, wenn neue Guzzjer rauskommen oder anderer Spielzeugkram? „Ja, das sagt mir immer mein Süßwarenhändler, was gerade angesagt ist. Der Renner ist gerade der Glotzer, ein Lutscher in Form von

Augäpfeln mit Iris und Blutäderchen, der so wackelt, wenn man ihn aus der Verpackung holt. Musste ich mich ein bisschen überwinden, als ich den das erste Mal gegessen hab.“ Verkaufst du auch noch viel linke Literatur, Konkret, Jungle World und so ? „Naja, in dieser Richtung läuft die Titanic wohl noch am besten...“ Der „Sexualbereich“ ist bei dir ja auch eher gemäßigt? „Bei mir hochgelegt, ja. Seit ich mitbekommen habe, dass die Sechsjährigen davorstehen... ,Mann, hat die geile Titten’... also, das will ich mir nicht anhören.“ Gibt’s eigentlich noch die guten alten Eckstein-Zigaretten? „Ja, ich hab noch zwei, drei Kunden, die sich zum Auffrischen immer noch die Eckstein holen.“

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Auf dem Weg zu Freifrau Schmidt nahm er noch was zu trinken mit. Reklame

Robert Gernhardt


Noch ein abschließendes Wort zum Viertel allgemein? „Wir haben hier Akademiker, Arbeitslose, Studenten, Omachen, Rentner und alle kommen friedlich miteinander hin, das find ich schön. Wir haben auch einen hohen Anteil an Ausländern und ich merke nicht, dass sich da irgendjemand nicht versteht. Das macht das Viertel aus, zumindest für mich. Das ist halt eine gewachsene Struktur. Ich hatte hier auch immer einige Prostituierten als Kundschaft, oder Zuhälter, die was für die Pferdchen eingepackt haben, mich stört das nicht. Damals nach dem Überfall wollte ein Zuhälter den Namen von dem Betreffenden wissen, ...dem polier ich mal die Fresse... hat er gesagt. Man versucht sich halt gegenseitig zu helfen, haha.“ Aber geht nicht gerade so ein bisschen ursprüngliches Lebensgefühl im Viertel verloren?

„Leider ist immer mehr Gewerbe weg, das find ich schade. Da vorne war mal ne Wäscherei, in der Blumenstraße eine Heißmangel, ein Antiquitätenladen, da vorne ein Comicladen, das Kawumm... Das Spar hat auch zugemacht und die alten Leutchen müssen jetzt sehen, wo sie Ihre Lebensmittel einkaufen, für viele ist das nicht einfach, wenn sie nicht mobil sind – und im Karstadt Lebensmittel einkaufen, ist ja auch nicht gerade günstig. Aber insgesamt fühle ich mich hier immer noch sehr wohl. Viele von den Gewerbetreibenden führen noch lange ihr Geschäft. Der Herr Schmidt ist schon ewig da, der Juwelier Stapf, die Tante Frida vom Gasthaus Klein, die watzt noch rum und bringt mir das Mittagessen. Wenn man denen ihre Aufgabe entreißen würde, die wären nicht mehr fröhlich! Ich hoffe, das bleibt noch lange so, denn das macht ja das Viertel aus. Das wird euch ja auch nicht anders gehen, wenn ihr so ein Heft macht!“ ♠

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Fotografien von >AndrÊ Mailänder


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programm freitag 29/07/05

samstag 30/07/05

hauptbühne max-ophüls-platz:

hauptbühne max-ophüls-platz:

die rote suzuki

one arm pilot

> 19.30 Uhr Grandioser Punkrock mit deutschen Texten aus Trier und dem Saarland

> 18.00 Uhr NU FUSION. Deutsch-französische Band irgendwo zwischen Jazz, Latin, Funk & Rock

for the day

tanzkapelle nauwies 02

> 20.30 Uhr Emotionaler Punkrock mit Reibeisenstimme aus Aachen

> 19.45 Uhr Eigenwillige Interpretationen von Disco-Schlagern der 70er und 80er Jahre im Dorfkapellenstil

steakknife

bernadette la hengst

> 21.45 Uhr Punkrock der Güteklasse A aus Saarbrücken, u.a. mit Spermbirds-Sänger Lee Hollis

> 21.30 Uhr Ex-Die Braut Haut Ins Auge. Pop und DiskoChansons mit einer der besten weiblichen Stimmen Deutschlands

bleistift, nauwieserstr: roxanne 34

> 19.00 Uhr Police-Coverband

bleistift, nauwieserstr: voodoo jack > 19.00 Uhr Ausgewählte Rockklassiker im Stil der 70er

karateklub meier, nassauerstr: die fahrt von holzminden nach oldenburg > 22.30 Uhr Trio-Coverband. Legendär & kultig!

kkm-dj-crew

karateklub meier, nassauerstr:

kkm-dj-crew > 22.00 Uhr Musikalische Unterhaltung vom Plattenteller

antiquitätenladen, nauwieserstr:

> 00.00 Uhr Musikalische Unterhaltung vom Plattenteller

jazz im hof

antiquitätenladen, nauwieserstr:

> 18.00 Uhr Live-Jazz

jazz im hof

festgelände, nauwieserstr:

> 18.00 Uhr Live-Jazz

samba o’leck!

festgelände, nauwieserstr:

Heiße Samba- und Reggae-Rhythmen mit der saarländischen Percussion-Combo

samba o’leck! Heiße Samba- und Reggae-Rhythmen mit der saarländischen Percussion-Combo, die über das Festgelände ziehen wird

von links: Die Rote Suzuki,


nauwieserfest sonntag 31/07/05 hauptbühne max-ophüls-platz:

sonstiges

windmachine

cd- und schallplattenbörse

> 12.30 Uhr Jazz-Frühschoppen mit der Big Band der Universität des Saarlandes unter der Leitung von Ro Gebhardt

Samstag und Sonntag jeweils ab 11.00 Uhr auf dem Max-Ophüls-Platz.

gewinner-band des potatosommer-stage-contest

Samstag ab 14.00 Uhr im Hinterhof des Buchladens in der Försterstrasse. Interessierte melden sich bitte bis zum 16. Juli unter 0681-31171 beim Buchladen an.

> 18.00 Uhr Die Gewinner werden in der POTATOAusgabe am 20. Juli bekanntgegeben

rescue the anne > 19.00 Uhr Gitarrenlastiger Alternative Pop / Rock aus Saarbrücken

loony > 20.15 Uhr Power Pop meets Hammond Rock

olli schulz & der hund marie > 21.30 Uhr Singer / Songwriter und gleichzeitig einer der größten Geschichtenerzähler unserer Zeit

kurze eck, nauwieserstr: space brothers > 18.00 Uhr Funky to Lounge

bleistift, nauwieserstr: crippled flower garden > 19.00 Uhr Elektrischer Gitarrenrock vom Feinsten

bücherflohmarkt

kinderprogramm Samstag und Sonntag abwechslungsreiches Kinderprogramm auf dem Spielplatz Nauwieser Platz mit Luftkissen, Schminken, usw...

jahrmarkt der gaukler und handwerker Das SOS Ausbildungs – und Beschäftigungszentrum lädt ein: Kinderbetreuung während des Nauwieserfestes > Sa 30.07. von 14 – 21 Uhr > So 31.07. von 11 – 19 Uhr Mini-Ritterspiele, Gestalten von Schilden und Schwertern, vielseitiges Handwerk, Fechtvorführungen, Gaukler…Während die Eltern über das Nauwieserfest schlendern, können die Kinder etwas tolles erleben: Ein Jahrmarkt zum Mitmachen rund um den Themenschwerpunkt Mittelalter. Außerdem natürlich wie jedes Jahr ein großes und abwechslungsreiches Angebot an Essens-, Getränke-, Schmuck- und sonstigen Ständen auf dem Max Ophüls Platz, in der gesamten Nauwieserstraße und einem Abschnitt der Cecilienstraße.

Die Fahrt von Holzminden nach Oldenburg, Crippled Flower Garden, Voodoo Jack, Windmachine

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programm nauwieserfest steakknife – The music we make is the music we listen to. And we do this exclusively for ourselves. – You should listen to our records constantly and then tell everyone you meet, how STEAKKNIFE changed your life. – You should buy a gun and use it to force people to spend their money on our new record. – You should start a religious cult and spend every waking moment praising the steak. – You should spread the word so that I don' t have to waste time writing shit like this. Fr, 21.45 Hauptbühne Max-Ophüls-Platz

for the day

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FOR THE DAY sind fest im Punkrock verwurzelt, auch wenn sie sich hier und dort gerne bei klassischem Rock bedienen und mit einem Bein im Emo Core, vor allem der älteren Schule stehen. So animiert die Aachener Band die Leute gerne, sie wennschon-denn-schon mit Bands wie JAWBREAKER, ALKALINE TRIO, LEATHERFACE, HOT WATER MUSIC, ALL, oder HÜSKER DÜ zu vergleichen. Fr, 20.30 Hauptbühne Max-Ophüls-Platz

bernadette la hengst Hallelujah, La Hengst hat’s: den Bogen raus, die Augen offen, die Füße auf dem Boden und den Kopf voller Flausen. Was immer du mit deinem Leben anfängst, etwas davon findest du in einem Lied von BERNADETTE LA HENGST. „Die Braut haut ins Auge“ war die Pop-Bühne, auf der La Hengst in den 90er Jahren für das Recht zu Rocken melodiös und lautstark eingetreten ist. Auf diesen Errungenschaften baut sie auf. Nun besinnt sich La Hengst auf sich selbst und zeigt, dass es dabei nicht nur viele verschiedene Seiten, sondern eine ganze Welt zu entdecken gibt. Sa, 21.30 Hauptbühne Max-Ophüls-Platz

tanzkapelle nauwies 02 In der Tradition der klassischen Dorfkapelle interpretiert die TANZKAPELLE NAUWIES 02 Diskoschlager der 70er und 80er Jahre auf ganz spezielle Art und Weise. So hört man Boney M.Klassiker im Tubasound und endlich erfährt man, wie es gewesen wäre, hätten die Bee Gees „Night Fever“ auf dem Akkordeon gespielt. Schießbudenmusik vom Feinsten! Sa, 19.45 Hauptbühne Max-Ophüls-Platz


olli schulz & der hund marie Das Große an Olli Schulz ist, dass er den Spagat zwischen einem norddeutschen, hysterischen Jürgen von Manger und einem älteren, trockenen Connor Oberst schafft. Und dazu von einer Band um den kongenialen Max Schröder, a.k.a. DER HUND MARIE unterstützt wird, der Schulzes Visionen in Sekunden begreift und den Klang der Wörter, die Essenz der Lyrik umsetzt in einer musikalischen Genauigkeit, die atemberaubend ist. Tragik küsst Komik von Lied zu Lied, von Leid zu Freude! So, 21.30 Hauptbühne Max-Ophüls-Platz

loony 5 Jungs, die immer auf und ab springen, die Energie des Rock 'n' Roll und clevere, zeitlose Popsongs im Gepäck. Mal hymnisch, mal sonnig, mal zickig und das Ganze kombiniert mit einer gehörigen Portion Charme und Nonchalance. Garage-Punk? Power-Pop? Hammond-Rock? The New Groove Sensation? Die LOONY-Songs stehen in der Tradition von Bands wie THE KINKS, THE JAM, THE LA’S, CHARLATANS oder BLUR. So, 20.15 Hauptbühne Max-Ophüls-Platz

rescue the anne Die saarländischen Helden des Post-Punk, NewWave und IndiePop rocken locker aus der Hüfte mit einem Schuss Melancholie. Pointierte Riffs und sympathische Leichtigkeit, derartigen Optimismus versprühten zuletzt die Housemartins. RESCUE THE ANNE wollen nicht cool klingen, und tun es gerade deshalb! So, 19.00 Hauptbühne Max-Ophüls-Platz

space brothers Die 6 SPACE BROTHERS (Git, Key, Dr, Perc, Sax, Gesang) sind im Saarland mit ihrer äußerst relaxten Mischung aus eigenen Songs und Coverimprovisationen mittlerweile bestens bekannt. Auch die letzjährige Session vorm Eck ist noch in guter Erinnerung. Funky to Lounge! So, 18.00 Kurze Eck

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von > Mazze Gaspers und Ralf Leis Fotos von > Ralf Leis

zum schüchternen barbar finden wir prima, dass es so viele schicke neue kneipen im viertel gibt. feinkost schmitt, makassar, barcode etc: man hat ja schon fast die qual der wahl, wenn man einen zischen will. was uns aber mal interessiert: wo gehen die alteingesessenen viertler denn so hin? oder: was ist das gegenteil von konzept-gastronomie?

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m dieser Frage nachzugehen, könnte man einige Kneipen im Viertel unter die Lupe nehmen, wir haben uns exemplarisch mal auf zwei beschränkt: Gasthaus Nilles, vormals Schneider und das altehrwürdige Gasthaus Klein in der Cecilienstraße. Unsere Mini-Kneipentour beginnen wir in der Blumenstraße „beim Nilles“. „Bisch du noch sauwer im Kneisje?“

Als wir die Kneipe betreten, werden wir erstmal unauffällig aber gründlich gemustert. Wenn Musik laufen würde, ginge sie wohl in diesem Moment aus. Als eindeutige Nicht-Stammgäste sofort entlarvt, werden wir von Chef Frank allerdings sogleich nett begrüßt und nach unseren Wünschen befragt. Bananen-Ingwer-Shake oder Espresso sorbetto wäre jetzt wohl nicht so angesagt, also entscheiden wir uns trotz nachmittäg-

licher Uhrzeit – es ist 17 Uhr – für ein gut gekühltes Flaschenbier. Ein kleiner Rundblick an der voll besetzten Theke zeigt uns, dass diese Wahl eigentlich die Richtige sein muss. Soweit sogut. Nach dem ersten großen Schluck Bier und der beruhigenden Feststellung, dass um uns herum die Gespräche wieder aufgenommen werden, entspannen wir uns und beginnen die Räumlichkeiten und anwesenden Gäste in Augenschein zu nehmen. Typische Kneipen-Emaille-Schilder, Becker-PilsLeuchtreklame, 50er-Jahre-Bosch-ZündkerzenWerbung bestimmen das Ambiente und vermitteln in Verbindung mit der niedrigen Decke und der allgemeinen Enge eine sehr rustikale Pilskneipen-Atmosphäre vom alten Schlag. Die Klientel ist entsprechend. Hier betreibt garantiert niemand großes Kneipen-Hopping. Wie uns Frank Nilles bestätigt, besteht die Kundschaft zu ca. 90% aus Stammgästen und Viertlern, die

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♠ Zu Gast im Gasthaus Klein: Hier gibt’s noch ein sogenanntes „Kneipekässje“ für die Stammgäste. Ein besonderes Detail ist das Nieren-Oberlicht. Sehr schön.

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hier ihr Feierabendbierchen kippen. Oder zwei. Oder auch fünf. Und Nichtraucher gibt’s offensichtlich keine. Auf die Frage nach der HauptGeschäftszeit antwortet Frank grinsend „vom 01. bis zum 15.“ Seit 2001 ist Frank nun Inhaber der Kneipe und führt somit die Familientradition fort, denn auch seinen Vater, den geschätzten „Bubi“ Nilles kennt man schon lange im Viertel aus „Bubi’s Kneipe“. So ganz haben sich die Eltern von Frank auch noch nicht zur Ruhe gesetzt, denn vormittags betreiben sie die Kneipe, die mit der sensationellen Öffnungszeit von sage und schreibe 9.00 Uhr aufwarten kann. Auch die Getränkepreise können sich sehen lassen. Stubbi für 1,50, Becker Pils aus der Dose für 1,- funktionieren hervorragend mit Rohesser, Wiener und Brot oder Frikadelle zu 1,20. Es geht rau aber herzlich zu im Gasthaus Nilles und Frank Nilles wirkt dabei wie der ruhende Pol, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und auch mal zur Ordnung ruft, wenn’s etwas zu rustikal zur Sache geht. Etwa bei der Auseinandersetzung von zwei Alpha-Männchen, die neben uns an der Theke stattfindet: „Bisch du noch sauwer im Kneisje?“ etc. Eine Ansage vom Chef

und alles beruhigt sich wieder. Irgendwie hat man das Gefühl, es läuft ok hier, weil absolut nix gekünstelt ist, gegenseitiger Respekt herrscht und man eindeutig weiß, woran man ist. Als „Fremder“ ist es kein Problem, sofort ein Schwätzchen zu bekommen. So ging’s auch uns bei unserem Besuch – wir haben uns sehr ausgiebig über Seifenkistenrennen, Baggerfahren, Praktikanten auf dem Bau unterhalten... und Bier getrunken.

Geheirate oder Plattgeschmelzte?

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eit 1921 existiert das Gasthaus Klein nun schon und besitzt damit wohl mit die längste Tradition im Viertel. Vor der jetzigen Besitzerin Therese Reitz und ihrer Schwester wurde das Wirtshaus von Herrn Klein geführt, der noch im gleichen Haus wohnt, der es wiederum von seinem Vater übernahm. Das Gasthaus Klein ist durchaus in der modernen Welt schon angekommen. Schicke Website (www.gasthausklein.de) mit fast aktuellem Speiseplan für das berühmte Stammessen und vor allem das legendäre Display im Fenster – das zu-


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♠ Chef im Ring: Frank Nilles hinterm Thresen. Asbach, Rohesser und „Nissjer“ gehören dazu.

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mindest bis vor kurzem informierte unter anderem über den Geburtstag von Karl-Heinz und die noch übrigen Minuten in diesem Jahr – zeugen vom deutlichen Bekenntnis zum Fortschritt. Auf der Großbildleinwand, die wirklich als GROSS bezeichnet werden darf, werden regelmäßig die aktuellen sportlichen Ereignisse wie Bundesliga, 2. Liga und natürlich Formel 1 gezeigt. Das sind im Gasthaus Klein aber nicht die zentralen Dinge. Herzstück im wahrsten Sinne ist Frida Fischer, Ur-Viertelbewohnerin und 84jährige Mutter der Inhaberin Therese Reitz, die Jahreinjahraus täglich „Kotelett mit Plattgeschmelzte“ oder „Geheirate mit Apfelmus“ zubereitet und das Stammessen zur Mittagszeit an eine stattliche Zahl von Viertelbewohnern höchstpersönlich in Ihrer Kittelschürze ausliefert. Tante Frida, wie sie im Viertel vertrauensvoll, aber auch respektvoll genannt wird, ist ihr Alter absolut nicht anzusehen und man merkt ihr an, dass sie sich in inmitten des Familienbetriebs wohl fühlt. Bei unserem Besuch sprudelt sie nur so Anek-

doten aus ihrem Leben im Viertel hervor (während sie nebenbei lässig eine Münze im Spielautomat versenkt): Dass ihr Vater eine Schreinerei in der Nauwieserstraße betrieben hat und nach dem Krieg für die Instandsetzung sämtlicher Fensterrahmen im Viertel verantwortlich war. Dass sie mit 15 Jahren in der Küche vom „Hotel Hubertus“ (im Gebäude vom jetzigen Futon Room) ihr erstes Geld verdient hat. Wie ihr Mann nach dem Krieg den Hahn auf der Johanniskirche installiert hat. Dass sie mittlerweile 23,5 Enkel und Ur-Enkel hat. Dass sie immer noch in ihrem Geburtshaus in der Nauwieserstraße zusammen mit ihren Töchtern wohnt. Dass ihr Sohn Franz-Dietrich einer der besten Ringer im Saarland war und „de Mattefuchs“ genannt wurde, dass sie die „Frühverlobte“ vom Walter Schmidt, unserem Weinhändler des Vertrauens war, etc. Das sind nicht besonders spektakuläre, aber schöne Geschichten und im Hinblick auf die dahinter stehende Tradition und der damit zusammenhängenden Verbundenheit mit dem Umfeld wird’s einem schon ein bisschen warm


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blut am arsch v o n > V é r o n i q u e Ve r d e t Illustrationen > Marc Misman

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chon wieder Blut am Arsch. Das tut weh. Peinliche Scheiße. Kein Bock dem Arzt seinen Arsch zu zeigen. Wenn das noch länger blutet, wird er wohl müssen. Die Mutter kommt gleich. Sie merkt bestimmt etwas. Wie immer. Sie holt die Wäsche ab. Dann macht er eben nicht auf. Geht nicht. Sie hat einen Schlüssel. Ihr den abnehmen. Warum denn? Wird sie fragen. Ist doch praktisch. Ist wirklich praktisch wenn sie sauber machen kommt oder 48 ihm Sachen bringt. Trotzdem. Kein Bock zum Arzt zu gehen. Tut bestimmt weh. Die Helferin lacht sich strack und die Mutter schimpft. Dann bleibt er halt im Bett. Warum? Wird die Mutter fragen. Er ist doch gar nicht krank. Wenn man krank ist, geht man zum Arzt. Wenn nicht, bleibt man nicht den ganzen Tag im Bett. Warum denn nicht? Das macht man nicht. Sie ist nie krank. Sie bleibt nie im Bett liegen. Das macht man nicht. Zeit genug, wenn man tot ist. Wann ist sie denn tot, die Mutter? Der Vater ist schon immer tot. Früh gefallen, hat die Mutter gesagt. Über ihn redet sie nicht. Über seine Wäsche schon. Über den Vater niemals. Die Oma auch nicht. Wenn er fragt, dann heult sie und die Mutter schimpft. Es blutet noch. So ein Scheiß. Vielleicht hat der Vater auch am Arsch geblutet. Wäre schön, die Mutter zu fragen. Traut er sich nicht. Trotzdem, wäre schön, die Mutter zu fragen. Dann heult sie bestimmt, wie die Oma. Nein. Sie heult nicht. Sie schlägt. Hart. Er traut sich nicht zurückzuschlagen. Warum eigentlich nicht? Sie ist doch ganz klein. So was tut man nicht, die eigene Mutter schlagen. Warum nicht?

Sie schlägt den eigenen Sohn. Bestimmt hat sie den Vater auch geschlagen. Der Furunkel ist geplatzt. Das tut weh. Würde gerne heulen. Ein Mann heult nicht, sagt die Mutter. Bestimmt hat der Vater geheult, als er gefallen ist. Er muss sich anziehen, die Wäsche zusammenlegen, die blutigen Slips ganz unten im Sack verstecken. Nützt nichts. Die Mutter nimmt alles unter die Lupe. Dann schmeißt er die einfach weg. Geht auch nicht. Die Mutter weiß, wie viele Slips er hat. Sie wird überall suchen. Sie wird sagen bei Hempels unterm Sofa sieht's genauso aus. Was macht die Mutter bei Hempels unterm Sofa? Er traut sich nicht zu fragen. Wenn er fragt, dann schreit sie, dass man das nur so sagt, dass er wie der Vater ist. Wie war denn der Vater? Hat er auch am Arsch geblutet, der Vater? Hat sie ihn auch eingesperrt, den Vater? Ihn hat sie eingesperrt. Früher. Jetzt nicht mehr. Jetzt ist die Oma eingesperrt. Das ist so das Beste, sagt die Mutter. Die Oma ist alt. Hat nicht mehr ihren ganzen Kopf. Ganz schräg. Keinen Unterkiefer mehr. Krebs. Davor hat die Mutter Angst. Krebs. Vielleicht hat er Arschkrebs. Kaffee kochen. Jetzt muss er Kaffee kochen. Dann bleibt sie nicht so lange, wenn der Kaffee schon fertig ist. Dann guckt sie nicht in der Dose, wie viel er schon verbraucht hat. Kaffee ist teuer. Oder denkt er, dass sie Gold scheißt? Tisch decken, Rollläden hochziehen, lüften. Hier kriegt man keine Luft, sagt sie immer. Stimmt. Wenn sie kommt, kriegt er keine Luft. Er kriegt Bauchweh und schwitzt. Sie merkt das und seufzt. Schweißränder kriegt man nicht so schnell raus. Vielleicht hat der Vater auch so


geschwitzt. Sie schwitzt nie. Nicht mal im Sommer. Schwitzen ist ordinär. Schwitzen ist Mangel an Hygiene. Er muss jetzt den Tisch fertig machen. Er lässt immer das Messer im Schwein stecken, sagt sie. Er würde gerne das Messer in ein Schwein stekken, traut sich aber nicht. Er ist ja kein Bauer. Das fehlte noch, sagt die Mutter. Er wäre gerne Bauer geworden. Sie wollte nicht. Bauern stinken und wühlen im Dreck. Sie hat nicht so geschuftet, damit der eigene Sohn im Dreck wühlt. Wie der Vater, hat sie zur Oma gesagt. War der Vater ein Bauer? Nein. Im Dreck hat er gewühlt der Vater, hat sie gesagt. Sonst hat sie nichts gesagt. Die Oma hat geheult. Er hat Prügel bekommen. Er hat bestimmt zuviel Kaffeepulver genommen. Die Mutter bekommt Herzrasen, wenn der Kaffee zu stark ist. Er wollte mal fühlen wie das ist, wenn ihr Herz rast. Sie hat ihn nicht an die Brust gelassen. Als er klein war auch nicht. Sie ist doch keine Milchkuh, hat sie zur Oma gesagt. Scheiß. Die Milch ist sauer. Er hat keine frische. Wenn die Mutter den Kaffee schwarz trinken muss, dann ist auch sie sauer. Warum kann er nicht einfach im Bett bleiben? Weil es Ärger gibt. Kein Bock auf Ärger. Reicht schon, dass es immer noch blutet. Der Furunkel tropft. Gelb. Er braucht nur ein bisschen Watte drauf zu tun. Sie wird schon nichts merken. Er hätte nicht die guten Tassen nehmen sollen. Die sind für sonntags. Er muss noch die Schonbezüge rausholen. Er muss immer schwitzen auf dem Plastikbezug. Das ist ihr egal. Sie schwitzt ja nie. Man muss sich unter Kontrolle haben. Er lässt sich immer gehen. Von ihr hat er das be-

stimmt nicht. Von wem denn dann Mutter? Er hat doch nur sie. Wo bleibt sie? Sie kommt nie zu spät. Vielleicht hat sie jemanden getroffen. Sie kennt aber niemanden, die Mutter. Er auch nicht. Wenn der Bus Verspätung hat, wird sie zornig sein. Bus fahren mit all dem Gesindel. Sie bleibt immer neben dem Fahrer stehen. Ihr Geld versteckt im Büstenhalter. Mit dem Fahrer redet sie nicht. Sie ist ja nicht so eine. Was ist sie denn für eine, die Mutter? Eine, die 49 vor gar nichts Angst hat. Wenn man nichts Falsches gemacht hat, braucht man keine Angst zu haben. Er macht immer alles falsch. Er hat immer Angst. Jetzt ist der Kaffee fertig. Sie ist noch nicht da. Dann kann er den Vogelkäfig ans Fenster stellen. Er hat doch schon einen, hat sie gesagt, als sie den Vogel gesehen hat. Den hat er gewonnen. Kann er doch gleich seine Frührente aus dem Fenster schmeißen, hat sie gesagt. Den Vogel hat er Goldblume getauft. Sie findet, das ist kein Name für einen Vogel. Die Mutter trägt ihren Mädchennamen. Was war sie für ein Mädchen gewesen, die Mutter? Wo bleibt sie? Noch einmal gucken. Sein Arsch blutet immer noch. Aber nicht mehr so viel. Das ist bestimmt kein Krebs. Das ist bestimmt, weil er soviel schwitzt nachts. Er kann nicht gut schlafen. Früher hat ihm die Oma Geschichten erzählt. Die Mutter wollte aber nicht, dass die Oma ihm Geschichten erzählt. Bringt das Kind nur durcheinander. Das versteht der Junge nicht. Alles Unfug, hat sie noch gesagt. Die Oma hat geheult, die Mutter geschimpft. Lange her. Oma erzählt nicht mehr viel. Ohne Unterkiefer. Sie


sitzt auf ihrem Plastikbezug und wartet auf das Essen. Dann macht sie unter sich und die Mutter schreit. Montags wird Oma gebadet, mittwochs kriegt sie das dünne graue Haar gewaschen und die Fingernägel geschnitten. So, jetzt schmeckt der Kaffee bestimmt nicht mehr. Abgestanden, wird sie sagen. Warum kauft sie überhaupt den besseren? Warum gibt sie sich soviel Mühe, wenn das der Dank ist. Der Dank für was, Mutter? Dafür, dass sie ihren Mäd50 chennamen in seine Unterwäsche stickt? Dafür, dass er keine Freunde nach Hause mitbringen durfte? Kinder machen Dreck und Dreck macht sie krank. Vielleicht ist sie krank geworden. Vielleicht kommt sie heute gar nicht. Das Stückchen Watte ist ganz nass von dem gelben Zeug. Besser ein größeres Stück nehmen. Das blutet fast nicht mehr. Nicht dran kratzen, das hat die Mutter immer gesagt wenn er mit seinen Wunden spielte. Da holt man sich eine Vergiftung, die geht ins Herz und man ist tot. Hat sich der Vater zu Tode gekratzt? Vielleicht hat er wirklich auch am Arsch geblutet. Wäre doch schön, die Mutter zu fragen. Neuen Kaffee machen. Dann bleibt allerdings nicht genug Pulver bis nächsten Freitag. Sein Magen knurrt. Noch einmal gucken. Kein Blut mehr. Eine kleine Kruste hat sich gebildet. Vorsichtig dran kratzen, die feine Haut in den Mund nehmen. Wie ein zweiter Gaumen. Er muss die Sonntagstassen wieder in den Schrank stellen. Die nasse gelbe Watte unter dem Kaffeesatz verstecken. Nicht zu viel Pulver nehmen. Dann kriegt sie kein Herzrasen und er hat genug bis Freitag. Genau. Vielleicht hat der Bus Verspätung, weil es regnet.

Die zweite Haut auf seinem Gaumen hat sich aufgelöst. Es blutet wieder. Scheiß. Kein Bock zum Arzt. Vor allem den jungen Mädchen will er seinen Arsch nicht zeigen. Peinlich. Die lachen immer, wenn er mit der Mutter kommt. Sie kommt ja auch mit rein. Der Kaffee ist fertig. Vorsichtig die guten Tassen wegräumen. Das Wachstischtuch mit einem Schwamm sauber machen. Bei einem Schmutzfink ist Wachstischtuch das beste, sagt die Mutter. Oma hat das gleiche. Jetzt kann sie kommen. Jetzt ist alles in Ordnung. Vielleicht das Radio anmachen, dann ist Musik im Raum, wenn die Mutter schweigt. Obwohl sie fast nie schweigt, die Mutter. Sie bleibt auch nie lange sitzen. Wer macht die ganze Arbeit, wenn sie das nicht selber macht, fragt sie. Wenn man gesund ist, dann sitzt man nicht den ganzen Tag rum. Gesund ist sie, die Mutter. Die Gesundheit ist ihr Kapital. Er war schon als Kind ungesund. Das Radio leiser stellen. So hört er, wenn sie die Treppe hochkommt. Wenn sie Bettzeug bringt, geht sie immer langsam und vorsichtig. Wäre gefährlich, wenn sie stolpern würde. Vielleicht ist sie zuhause auf der Kellertreppe gestolpert. Einmal ist er die ganze Kellertreppe runtergestürzt. Hat weh getan. Dunkel war's da unten. Aus dem Mund hat er geblutet. Aus dem Mund und aus der Nase. Ihm hat das geschmeckt, das warme Blut auf der Zunge. Besser als Sülze mit Essigsoße. Sie kauft immer komische Sachen, die Mutter. Wenn sie gestolpert ist, dann kann sie niemand hören. Die Oma ist ja oben eingesperrt. Ihn hat auch niemand gehört damals. Die Mutter war sauer wegen den ganzen Flecken. Wer hat ihn die Treppe runtergestoßen, Mutter?


Wenn er noch eine Tasse Kaffee trinkt, muss er aufs Klo. Das tut bestimmt weh. Lieber nicht. Es juckt am Arsch. Falls das doch Krebs ist, dann muss er ins Krankenhaus. Er hat Angst vorm Krankenhaus. Angsthase hat sie gesagt. Hat er sich selbst zuzuschreiben. Wäre er artig gewesen, hätte sie ihn nicht im Keller eingesperrt. Wenn man Unsinn macht, dann muss man in den sauren Apfel beißen. Im Leben kriegt man nichts geschenkt. Stimmt. Außer dem Vogel hat er noch nie was geschenkt gekriegt. Und den hat er eigentlich gewonnen. Auf dem Stadtfest mit Oma. Vielleicht hat sie die Oma heute nicht eingesperrt. Dann hört sie, wenn die Mutter auf der Kellertreppe liegt und flennt. Ob das warme Blut auf der Zunge ihr auch schmeckt? Es juckt. Vorsichtig dran kratzen. Vielleicht ein Stückchen feuchte Watte drauf tun. Und das andere Stück auswechseln. Ist schon wieder ganz gelb. Das Radio vorher ausmachen. Die Mutter soll ihn nicht im Bad erwischen. Es tut gut zu kratzen. Es kribbelt. Hände waschen. Das Blut unter den Fingernägel wegmachen. Die kühle Watte tut auch gut auf dem wunden Arsch. Die Mutter hat ihm früher den Mund mit Seife gewaschen, wenn er solche Wörter gesagt hat. Ein Scheiß. Er sollte besser sein Bett machen. Sonst kommt sie und regt sich auf. Wie kann man nur so faul sein? Den ganzen Tag im Bett rumliegen, Radio hören und Kaffee trinken. Das sollte sie sich mal erlauben. Zuerst die Decke ausschütteln, dann das Kissen. Das Laken glatt streichen, die Decke schön falten, das Kissen in die Mitte platzieren. Seinen Schlafanzug in den Wäschesack tun. So hat's die Mutter gerne.

Hunger hat er. Gestern nichts gegessen. Wenn er das Brot nass macht, und dann in den Backofen schiebt, schmeckt es wie frisch. Vielleicht soll er aber auf sie warten. Vielleicht bringt sie Brötchen mit. Das macht sie manchmal. Bei dem Wetter bestimmt nicht. Es regnet in Strömen. Mutter wird ganz schön sauer sein. Wenn die Wäsche nass wird, wenn ihre Frisur ruiniert ist, wenn sie mit dem stinkenden Gesindel fahren muss. Das Radio sagt, das Wetter bleibt so die ganze Woche. Was, wenn die Mutter die ganze 51 Woche nicht kommt? Der Vogelkäfig tropft auf den Boden. So ein schöner Holzboden. Den muss man pflegen. Am besten macht er gleich das ganze Zimmer. Obwohl. Muss er ausgerechnet jetzt die ganze Bude auf den Kopf stellen, wird sie sagen und, dass er nur Unsinn im Kopf hat und, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Am besten macht er nur da sauber, wo der Käfig getropft hat. Dann kann er dem Vogel frisches Wasser und ein paar Krümel geben. Die Mutter bringt nie Vogelfutter mit. Verschwendung sagt sie. Jetzt muss er aber aufs Klo. Zu viel Kaffee. Das Drücken tut richtig weh. Gut lüften. Sonst holt sie das Raumspray. Das mag er nicht. Dann riecht die ganze Wohnung nach Pinien. Er riecht sie ganz gerne, seine Scheiße. Lieber als die Pinien oder das Parfum von der Mutter. Sie nimmt immer viel Parfum, die Mutter. Ihm wird übel von dem Geruch. Einmal hat er in der Küche auf den Linoleumboden gekotzt. Seine Mutter hatte Grünkohl gemacht. Beim Saubermachen durfte die Oma ihm nicht helfen. Soll dem Junge eine Lehre sein. Jetzt ist ihm auch ein wenig übel. Wahrschein-


lich, weil er nichts gegessen hat. Wenn sie nicht gleich kommt, ist der zweite Kaffee auch pfutsch. Er macht aber keinen neuen. Sonst reicht sein Pulver wirklich nicht. Kann doch nichts dafür, wenn sie zu spät kommt. Hunger. Reis wäre nicht schlecht. Reis mit Tomatensoße. Das kann er gut. Zuerst ein wenig Öl in den kleinen Topf. Nach einer Minute kurz rein spucken. Macht Spaß. Das Öl wirft Blasen, die laut platzen. Dann Reis in den Topf, fertig. Genau. Weiße 52 Sachen sind lecker. Milchreis kann er auch gut, aber die Milch ist sauer. Sie wird sagen, das sei wohl kein Frühstück. Ist eh zu spät für Frühstück, Mutter. Die Tomatensoße ist alle. Scheiß. Sie soll endlich kommen und die Sachen bringen. Jetzt läuft ihr Spiel im Radio. Dann kommt sie erst nachmittags. Komisch. Sie kommt nur Sonntag nachmittags. Vielleicht ist was mit der Oma? Sie macht nicht mehr lange, sagt die Mutter. Wenn er Telefon hätte, würde er anrufen. Er würde fragen, was das soll. Er würde mit ihr schimpfen und sagen, sie braucht gar nicht zu kommen und, dass er was besseres zu tun hat, als den ganzen Tag zu warten. Nicht doch. Er hat sowieso nichts zu tun. Telefon kriegt er keins oder heißen sie Rockefellers? Würde gerne ein bisschen heulen. Ein richtiger Mann heult aber nicht. Was ist ein richtiger Mann, Mutter? Ein richtiger Mann hat keinen Kloß im Hals. Das haben Memmen und Weicheier. Er hat so 'nen Kloß. Vielleicht platzt er wie der Furunkel. Vielleicht geht's ihm dann aber besser. Der Reis ist fertig. Am besten im Stehen essen, so braucht er das Wachstischtuch nicht sauber ma-

chen. Der Reis drückt auf dem Kloß. Tut weh. Scheiß. Sein Arsch tut auch weh. Gleich noch einmal gucken, nach dem Essen. Nein. Erst den kleinen Topf, den Löffel und den Napf spülen, dann nachschauen. Wenn er den kleinen Spiegel nimmt, kann er bestimmt besser sehen. Das Spiel im Radio ist zu Ende. Also kriegt Oma gleich ihren Brei. Sie isst auch gerne weiße Sachen, macht Zeichnungen mit der Gabel. Mit seinem Essen spielt man nicht, schimpft die Mutter. Die Oma heult und macht unter sich. Die Mutter rollt mit den Augen und seufzt laut. Jetzt muss er ein dreckiges Tuch aus dem Wäschesack nehmen und den Napf abtrocknen. Wo ist der kleine Spiegel? Er benutzt den zum Mitesser drücken. Die Pickel drückt er am Fenster aus, neben dem Vogelkäfig. Das weiße Zeug sammelt er auf der Handfläche. Das hat er von der Mutter. Sie hockt morgens im Bad und drükkt Mitesser. Dann zupft sie ihre Augenbrauen. Dann parfümiert sie sich. Zu viel. Sie steht dafür sehr früh auf. Morgenstund hat Gold im Mund. Die Mutter hat viel Gold im Mund. Wenn sie schreit, kann man die gut sehen, die Kronen. Er hat schlechte Zähne. Angst vor dem Zahnarzt. Einmal hat er einen gebissen. Peinliche Scheiße. Besser ist es, im Bad nachzusehen. Da kann er das große Licht anmachen. Es blutet. Scheiße. Scheiße. Zwicken im Bauch. Angst ist das. Angst und der weiße Reis, der hochkommt. Jetzt müsste sie kommen und ihn sehen: Halbnackt vor dem Klo am kotzen. Das würde der Mutter nicht gefallen. Ihm gefällt das auch nicht. Jetzt kann er alles noch mal sauber machen. Wäre sie pünktlich gekommen, wäre das alles nicht passiert. Die Kloschüssel stinkt. Reis klebt am Rand.


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Ihm wird noch schlechter. In der Küche, unter der Spüle steht der Putzeimer. Er darf nicht vergessen, den Putzlappen richtig auszuspülen. Besser die Gummihandschuhe nehmen. Jetzt schwitzt er wie ein Schwein. Kalter Schweiß. Vielleicht sollte er eine Dusche nehmen. Aber wenn sie kommt und er steht unter der Dusche, gibt es auf jeden Fall Krach. So spät duscht man nicht. Und heiß schon gar nicht. Er duscht gerne heiß und lange. Für die Mutter ist das Ver54 schwendung. Als er noch klein war, hat sie das warme Wasser nach genau fünf Minuten abgestellt. Er soll ein Mann werden und keine Memme, hat sie gesagt. Ob der Vater auch so gerne heiß geduscht hat? Er könnte die Eieruhr stellen und eine kurze Dusche nehmen. Genau. Wenn die Mutter kommt, soll sie eben warten. Sie kommt ja zu spät. Sie lässt ihn die ganze Zeit warten. Vielleicht ist es sogar gut für seinen Arsch. Erst ein Handtuch aus dem Wäschesack holen. Das Wasser ist heiß. Die Seife brennt. Die Eieruhr steht auf dem Waschbecken. Fünf Minuten, wie früher. Aber heiß Mutter, ganz heiß. Das Handtuch riecht wirklich nicht mehr so frisch. Hätte er mehr Zeit, würde er sich die Fingernägel abschneiden. Den Dreck rauspulen, dann vorsichtig die Nägel mit der kleinen, rostigen Schere schneiden. Er versucht sie immer am Stück zu trennen, für seine Sammlung. Früher hat er auch die von der Oma gekriegt. Vielleicht sollte er ein wenig schlafen, im Wohnzimmer auf der neuen Couch. Dann geht die Zeit schneller rum. Der Plastikschonbezug knistert aber. Er tut den einfach weg. Braucht sie gar

nichts zu sagen. Sie kommt ja zu spät. Sie lässt ihn den ganzen Tag warten. Es muss was mit der Oma passiert sein. Er hat langsam die Nase voll. Ihm ist noch übel. Ein bisschen Angst hat er auch. Was wäre, wenn sie gar nicht mehr kommen würde? Er sollte wirklich ein wenig schlafen. Im Radio läuft ein Hörspiel. Das hat er gerne. Es ist ganz dunkel. Draußen und im Wohnzimmer auch. Ihm ist kalt. Sein linkes Bein ist eingeschlafen. Sie ist nicht gekommen, obwohl sie ganz genau weiß, dass er nichts mehr im Haus hat, dass er dringend seine Wäsche braucht. Und überhaupt. Jetzt muss er ins Bett. Am besten nimmt er ein paar Tabletten, aber vorher muss er den Vogelkäfig zudecken und die Wohnungstür absperren und das Licht im Flur ausmachen und den alten Pyjama aus dem Wäschesack rausholen und sich die Zähne putzen und aufs Klo gehen und nachschauen, ob er die Wohnungstür richtig abgeschlossen hat und seine Nachttischlampe anmachen, bevor er das Licht im Flur ausmacht, und den Schonbezug wieder auf die neue Couch legen und das Radio ausschalten. Obwohl. Das Radio kann er anlassen. Wie als er noch klein war und die Mutter und die Oma noch auf waren und sich im Wohnzimmer unterhielten und er immer versuchte wach zu bleiben um zuzuhören; und noch einmal nachschauen, ob sein Arsch noch blutet aber er spürt bereits, dass es noch blutet. Verdammte Scheiße. Wahrscheinlich kommt sie Morgen ganz früh und bringt ofenfrische Brötchen mit und sie frühstücken zusammen. Ja, morgen kommt die Mutter. Ganz bestimmt. Genau. ♠


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poesie

H

ier ein kleines Manuskript, das uns von einem unbekannten aufstrebenden Autor freundlicherweise zur VerfĂźgung gestellt wurde und wir damit die Ehre der ErstverĂśffentlichung haben. Interpretationen oder Text-Exegesen sind uns natĂźrlich willkommen.

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ok ok, wir haben in den vergangenen monaten nun wirklich alles über den neuen und vor allem über den alten papst erfahren. die allgemeine berichterstattung liess zu diesem thema nix zu wünschen übrig. wir hätten da nur noch eine klitzekleine letzte geschichte zu johannes paul ii. nämlich was damals am 25. april 1981 auf dem petersplatz zu rom nun wirklich passiert ist. mit dem beckerpilsbierfass, der bergkapelle st. ingbert, dem heiligen vater. ein dabeigewesener berichtet. und damit soll es dann auch gut sein.

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richtig

j


karol woytila revisited:

mein bester freund hiess johannes paul von > Markus Spohn Fotos von > Ernst H. Schneider

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iner meiner besten Schulfreunde hieß Johannes Paul. Als er 1978 plötzlich einen Namensvetter in Rom hatte war das Hallo natürlich groß, jeden Tag ließen wir „unseren“ Papst hochleben und die Namensverwandtschaft sorgte für willkommene Unterrichtsunterbrechungen. Nach einem Monat jedoch war der Spaß vorbei – ein kurzes Pontifikat. Umso größer die Überraschung, als einige Tage später ein weiterer Fan dieses Namens den Thron der Christenheit bestieg, was den Stellvertreter des Stellvertreters in unseren Reihen wieder rehabilitierte. Cut – Rom, Petersplatz, 25. April 1981, Samstag 10.00 Uhr. Audienz des Papstes verbunden mit einem Gottesdienst, 120000 crazy Christenpeople und mittendrin und verantwortlich für das musikalische Rahmenprogramm: die Berg-

kapelle aus St. Ingbert, bei der ich damals Trompete spielte. Wie sie das geschafft haben, weiß kein Mensch, musikalische Gründe können es jedenfalls nicht gewesen sein, selbst im Saarpfalzkreis waren wir damals nur zweite Liga. Durch Verbindungen zur Katholischen Akademie in München, zum Opus Dei, zur CIA oder doch nur durch die Bierbrauerei Becker aus St. Ingbert? Who knows. 16 Jahre vor Bob Dylan Jedenfalls waren wir da, Bergmannslieder und Choräle trötend, ganze 20m vom Papstsessel entfernt. „Ich beegriessee die Berchkappelle aus St.Ingbert“. Wow. Was soll ich sagen, ich war vierzehn, das Alter in dem man sich fragt, ob nun Jesus oder Karl Marx Recht hatte, und ich ten-


falsch

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♠ Und das Fass ist immer dabei. In diesem Fall vom Träger leider etwas ungeschickt ins Bild gerückt. Lag wohl an der Unerfahrenheit des Trägers mit dem richtigen Umgang von Product Placement (was zugegebenermaßen

60 zu dieser Zeit ja noch in den Kinderschuhen steckte).

dierte damals schon mehr zu dem Mann aus Trier, aber das hier war absolut unglaublich, ein früher (viel zu früher ?) Höhepunkt meiner jungen Künstlerkarriere. Bob Dylan spielte erst sechzehn Jahre später beim Papst. Wie sollte ich das verkraften? Den Rest meines Lebens nur noch rumhängen und Drogen nehmen? „Der Erfolg hat dich verändert, Spohni!“ Irgendwie, hmm…cool! Doch ich schweife ab. Die Audienz ging munter voran, es wurde gebetet, gesungen und geklatscht und wir bliesen was das Blech hergab. Product Placement beim Pontifex Schließlich kam der Papst im Rahmen seines Händeschüttelns und Segnens samt Gefolge zu uns, ganz Stellvertreter, ganz Charisma, ganz weiß. Und was wohl niemand beim Papst je ge-

schafft hat, gelang der Bergkapelle St.Ingbert in Verbindung mit der oben genannten Brauerei Bekker, nämlich Product Placement beim heiligen Vater, beim Pontifex Maximus, beim Menschenfischer, beim Herrscher über die Stadt und den Erdkreis, beim ääähh…. Die Brauerei, eine der Hauptsponsoren der St.Ingberter, hatte ein kleines Holzfass mit dem Wappen des Vatikan auf der einen und dem der Brauerei auf der anderen Seite in Handarbeit herstellen lassen, das nun dem Papst von einem Vereinsmitglied der Kapelle mit den Worten angetragen wurde, es jederzeit wieder mit Gerstensaft zu füllen, wenn es der heilige Vater wünsche!? Ein eigens von der Brauerei geschickter Fotograf war natürlich zugegen. Was für ein Coup! Killer!! Coca Cola, watch out!!! Doch wenn Karol Woytila eins nicht war, dann dumm. Ständig das Fass, das ihm hinterher ge-


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♠ Der Oberhirte spricht in Stein gemeißelte Sätze zu dem saarländischen Musikerjungvolk. Der Autor ist mit Pfeil gekennzeichnet.... aber ...wo ist das Fass?

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tragen wurde mit beiden Händen zurückweisend, ging er durch unsere Reihen, ließ von eifrigen Gehilfen Plastikrosenkränze verteilen, freute sich über die vielen Jugendlichen in der Kapelle, trug uns auf, die Menschen im Saarland zu grüßen und sinnierte gedankenverloren über den Bergbau, die schwarze Kohle und die schwere Arbeit. Hmm Erhitzte Diskussionen Schließlich gelang das gewünschte Foto: Papst, Petersplatz, Brauereiwappen, Bergkappelle, alles ein bisschen verkrampft aber immerhin! Wolf Feller und seine ARD waren auch noch anwesend und so konnten sich unsere Eltern und Omas noch am selben Tag im Aktuellen Bericht des SR anschauen, was die Buben und die Mädchen in Rom so trieben. Alle waren stolz wie

nix. In Rom hingegen gab es am Abend im Hotel erhitzte Diskussionen, warum die Kappelle über die Fassaktion vorher nicht ausreichend informiert worden war, ob man das überhaupt machen darf usw. usw. Vor allem bei der katholisch erzogenen Jugend war die moralische Entrüstung groß. Böser Kapitalismus gegen armen Petrusnachfolger! Riesenblamage! Vereinzelt wurde mit Austritt gedroht! Es musste noch einige Stunden schmutziges Wasser den Tiber und schwerer roter Wein die Kehlen hinunterfließen, bis sich die Wogen wieder glätteten! So war das! Hätte ich damals Enkelkinder gehabt, hätte ich mich sofort zur Ruhe gesetzt. Es gab nach Rom für mich nichts mehr Neues zu erleben oder zu erzählen. Außer vielleicht diese Sache mit Franz Josef Strauß und dem Konzert in seinem Garten….. ♠


zeitverlust

Frühstück im Ubu, es setzt sich jemand zu dir und erzählt dir seine spannende Lebensgeschichte. Aua. 1 x aussetzen!

das viertel-spiel von > Janice Mitchell und Ralf Leis

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Kippen und Zeitung kaufen bei Eva, das kostet Zeit, 1 Feld zurück!

Ein aufregender Tag beginnt im erstaunlichsten Viertel des Universums...

Du ließt die SZ. Es passiert: Nix!

Drittes Bier im Makassar. Danach verläufst du dich komischerweise an den Markt. Das darf nicht passieren, zurück auf Start!

Jetzt geht’s zum Rocken. Im Karateklub bleibst du allerdings mit starrem Blick am Fernseher hängen, schon wieder Hypnose. 3x aussetzen

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62 Du hast vergessen, wo du wohnst, außerdem deine Schlüssel bei den Damen vom City Love vergessen. Die Treppe vom Canapé ist also die letzte Übernachtungsmöglichkeit. Dort freundest du dich mit den schon vorhanden netten Menschen an und pfeifst aufs schlafen – Ist doch lustig hier! Die Nacht ist vorbei und ein neuer Tag beginnt im erstaunlichsten Viertel des Universums, zurück auf Start!

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Im Fleur hast du etwas Angst, dass dir der Himmel auf den Kopf fällt und kompensierst das durch ernsthaftes Trinken, 4 Felder zurück

Du kommst mit den Damen vom City-Love ins Gespräch. Ein inspiriernder, eloquenter Austausch findet statt und die Viertelstündchen verinnen nur so. Außerdem bist du schon wieder in Hundescheiße getreten, 6 Felder zurück!

In der Bauernschenke triffst du dann doch noch auf deinen Lieblingspsycho, bzw. er auf dich, 6 Felder zurück!

Oh Gott, mein LieblingsPsycho! Also unauffällig Straßenseite wechseln, 1 Feld zurück!


Die Frau mit dem „Wachturm“ in der Hand schaut dich irgendwie so durchdringend hypnotisch an. Du bist wie gelähmt und setzt 2 Runden aus!

Albert und Maria schnorren deine letzte Zigarette. Nett von dir, 1 Feld vor!

7

6 5 8 In der Blumenstraße in Hundescheiße getreten. Du musst jetzt erst mal schnell nach Hause und fluchen, 3 Felder zurück!

Eine brandneue Zeitung für den saarländischen Markt erscheint. Nach deren Lektüre bekommst du Kopfschmerzen, 4 Felder zurück!

9 Mist, schon wieder in Hundescheiße getreten, 4 Felder zurück!

10 Waschsalon, du vertreibst dir die Zeit im Rex Rotari, verlierst dich in den CD-Regalen, 1x aussetzen!

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11 18

Zeit fürs Mittagessen. Döner im Istanbul-Grill. Magendrücken ist die Folge, also erst mal hinlegen, 2 Felder zurück!

Bier im Kurzen Eck, du kickerst. Lange. Zu lange, 1x aussetzen!

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Im „Aufatmen“ findest du ein schönes Gipsfigürchen; feines Geschenk für Mama! Du atmest auf und gehst 2 Felder vor!

Hoppla, wieder Hundescheiße, 2 Felder zurück!

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Weinkauf bei Walter Schmidt. Oha, er ist in Erzähl-Laune, das kann dauern, 2x aussetzen!

Aufm Ophüls-Platz spielen Kulturviertler Boule. Nix wie weg, 4 Felder vor!

15 Erstes Bier im Bingert, Zittern lässt nach, 2 Felder vor

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Den Kulturviertlern fehlt noch ein Mitspieler, du kannst nicht ablehnen und musst dir Gespräche über das tolle französische Flair des Viertels anhören, 3 Feld zurück!


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impressum

♠ Herausgeber, Gestaltung, Redaktion:

Ralf Leis Schmollerstraße 5 66111 Saarbrücken > ralf@leis-kommunikation.de www.leis-kommunikation.de ♠ Konzept, Idee:

Ralf Leis und Frank Schilling ♠ Mitwirkende – danke, sie warn bezaubernd!

♠ Mazze Gaspers – zuständig für Interview und Kneipenhopping. ♠ André Mailänder – Hunde-Beauftragter.

♠ Marc Misman – Illustrations-Superintendent. ♠ Janice Mitchell – Spiele-Obfrau.

♠ Markus Spohn – Unser Mann im Vatikan.

♠ Veronique Verdet – Expertin für Körperflüssigkeit.


Fotos: Ralf Leis

♦ VIERTELVOR erscheint halbjährlich kostenlos, nächste Ausgabe Anfang Dezember 2005 zum

Jahreswechsel.

♦ Für Anzeigenschaltung fordern Sie bitte unsere Mediadaten an: 0681-965 23 28 oder

> info@leis-kommunikation.de. ♦ Die bereits erschienenen Ausgaben von VIERTELVOR sind kostenlos erhältlich im Buchladen in der Försterstraße und natürlich bei uns: info@leis-kommunikation.de ♦ Auflage: 10.000 Stck ♦ Druck: repa druck, Ensheim ♥ Danke für Feedback, Inspiration, Korrekturlesen, Geldeintreiben, Cheerleading, Stressglätten,

Transkripieren, Modelstehen, Mitdenken: Andrea, Anna, B.B. Donner, Frank Nilles, Frida Fischer, Therese Reitz, Pino, Ralf, Walter Schmidt sowie Kai und Andreas vom Nauwieserfest-Kommitee und den Hunden samt Frauchen und Herrchen. ♥ Ebenso bedanken wir uns bei unseren Anzeigenkunden, die dieses Projekt ermöglicht haben. ♦ Alle Rechte vorbehalten. Abdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autoren oder dem

Herausgeber.

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nachschlag

auberginen gefüllt mit hackfleisch für fünf Personen

D

iesmal wird der Nachschlag präsentiert vom netten Herrn Memet Demir vom Orient Super Market in der Nauwieserstraße. Da, wo die Männer mit den schwarzen Schnurrbärten und den kleinen Teetassen auf den Fahrradständern im Schatten unter der Markise zusammensitzen und klönen. Also, los geht’s:

5 Auberginen 2 große Zwiebeln 200 g Tomatenmark 350 g Hackfleisch 250 g Petersilie 66

schwarzer Pfeffer scharfes Paprikagewürz Kreuzkümmel Salz Olivenöl Peperoni

Die Auberginen waschen, den Stiel entfernen, im Streifenmuster schälen, der Länge nach halbieren, auf der Schnittseite einen ca. 1-2 cm tiefen Längsschnitt mit dem Messer einbringen, jedoch nicht ganz von Rand zu Rand durchziehen. Die so vorbereiteten Auberginenhälften mit Salz bestreuen (auch in die Schnittfurche) und ca. 20 Minuten ziehen lassen. In der Zwischenzeit für die Füllung das Hackfleisch mit den kleingeschnittenen Zwiebel anbraten, Tomatenmark hinzugeben und köcheln lassen. Salz, Pfeffer, Paprika und Kreuzkümmel je nach Bedarf und gewünschter Intensität zufügen. Die Auberginen waschen und mit einem Küchentuch abtrocknen. Reichlich Speiseöl in der Pfanne erhitzen und die Auberginen gleichmäßig auf allen Seiten anbraten. Die Schnittfurche mit der Rückseite eines Esslöffels ein wenig breitdrücken, so dass sich eine Kuhle ergibt, dann die Hackfleischfüllung in diese Kuhle hineingeben. Jeweils eine halbe Scheibe Tomate und eine Hälfte der Pepperoni auf die Hackfleischfüllungen der Auberginen legen. Dann das Ganze bei 250 Grad Celsius in den Backofen, solange bis die aufgelegte Tomate und die Pepperonihälfte angebraten sind. Guten Appetit!


Virtelvor Ausgabe 5  

Viertelvor – das Magazin für's Nauwieser Viertel – Ausgabe 5 vom August 2005

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