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Geschichte / Politik

Das Dozentenporträt

Das Kaisertum Ludwigs des Bayern

Joachim Willeitner

und das Problem der Identität Bayerns im Mittelalter

Joachim Willeitner hat Ägyptologie, Vorderasiatische Archäologie, Provinzialrömische Archäologie und Hethitologie studiert. Seit 1980 führen ihn regelmäßige Reisen in den Nahen Osten. Von 19901995 war er verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift „Antike Welt“, seither ist Joachim Willeitner freiberuflicher Redakteur und Autor.

Das osmanische Reich: Niedergang und Zerschlagung Auch wenn im christlichen Westen, spätestens durch die erste Belagerung von Wien 1529 unter Süleyman I., das osmanische Reich vor allem als Bedrohung gesehen wurde, gab es dennoch rege politisch-diplomatische Kontakte und vor allem einen intensiven kulturellen Austausch zwischen den Rivalen, was in der ausgehenden Barockzeit in Europa eine regelrechte Orientbegeisterung auslöste. Süleymans Sohn Selim II. konnte noch im Osten Gebiete hinzugewinnen, doch damit war der Zenit des Osmanischen Reiches überschritten. Zunächst verlor es nach der verheerenden Niederlage in der Seeschlacht von Lepanto 1571 seine Rolle als führende Seemacht im Mittelmeer, dann kam es zu zunehmenden Territorialverlusten gegenüber dem christlichen Westen und dem orthodoxen Zarenreich im Osten. Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Osmanische Reich, zuletzt als „Kranker Mann am Bosporus“ verspottet, von den Siegermächten England und Frankreich zerschlagen. Gebühr wird an der Abendkasse bezahlt.

Die Kaiserkrönung Ludwigs des Bayern 1328 in Rom ist eines der schwierigsten und umstrittensten Ereignisse der mittelalterlichen Kaisergeschichte. Es ist bezeichnend, dass es bis heute zu keiner einheitlichen Deutung des Vorgangs in der Wissenschaft gekommen ist. Das ist umso folgenreicher, weil der Vorgang – immer wieder entsprechend medialisiert und instrumentalisiert – in die Erinnerungskultur breiten Eingang gefunden hat und – in Ausstellungen und dem enstprechenden Beiwerk – entsprechend vermarktet wird. Doch lässt sich Identität so einfach von einem solchen Ereignis ableiten? Dieser spannenden Frage will der Vortrag nachgehen. Jörg Schwarz ist apl. Professor in der Abteilung Mittelalterliche Geschichte des Historischen Seminars der LMU- München. Gebühr wird an der Abendkasse bezahlt. Kurs-Nr. N1008K, Ismaning vhs im Kultur- u. Bildungszentrum, Mühlenstr. 15 Montag, 10.12.18, 19.30 Uhr Prof. Jörg Schwarz EUR 7,00

Lex Baioariorum: Das Recht der Bayern Die Lex Baioariorum aus dem frühen Mittelalter ist die erste und für Jahrhunderte einzige umfassende Aufzeichnung des bayerischen Rechts. Sie ist der älteste in Bayern verfasste Text, der bis heute erhalten ist, und wegen der in ihr enthaltenen volkssprachigen Wörter zugleich das älteste Zeugnis für die bairische Sprache. Die Lex Baioariorum ist Straf-, Zivil- und Prozessrecht in einem. Neben Bestimmungen aus dem fränkischen Recht überliefert sie auch Gebräuche, etwa die Sitte, dass Zeugen vor Gericht am Ohr gezupft wurden. Schon daraus ist zu ersehen, welch faszinierende Einsichten in die frühmittelalterliche Gesellschaft diese Paragrafen eröffnen. Ausführlich werden Stellung und Recht des Herzogs, seiner Familie, des Klerus und des Hochadels festgeschrieben. Eigene Abschnitte befassen sich mit den Freien, den Freigelassenen und den Knechten.

Detailliert wird beschrieben, welche Bußen für diverse Körperverletzungen zu leisten waren, wobei die Bußen für Freie, Freigelassene und Sklaven klar gestaffelt waren. Der Vortrag wird insbesondere die Wirkungsgeschichte der Lex Baioariorum bis ins 13. Jh. behandeln und diskutieren, ob und wie sie in der Rechtspraxis überhaupt angewendet wurde. Roman Deutinger ist Mitarbeiter beim Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Gebühr wird an der Abendkasse bezahlt. Kurs-Nr. N1009K, Ismaning vhs im Kultur- u. Bildungszentrum, Mühlenstr. 15 Montag, 14.01.19, 19.30 Uhr Dr. Roman Deutinger EUR 7,00

Rom – Stadt der Fremden Fremdengemeinschaften in Rom, ihre Identität(en) und ihre Kunst zwischen Mittelalter und Neuzeit „Eine aus Fremden zusammengeflickte Stadt, wo jeder lebt wie bei sich zuhause“. Mit diesen Worten bezeichnete der berühmte französische Jurist Michel de Montaigne in seinem Reisetagebuch von 1580 die Stadt Rom. Im Mittelalter und Früher Neuzeit zog die Ewige Stadt eine große Anzahl von Fremden an. Sie kamen als Pilger, Handwerker oder Bedienstete zum Papsthof und siedelten sich dort an, für kurze oder längere Zeit. Um sich fern von ihren Ursprungsorten gegenseitige Hilfestellung leisten zu können, schlossen sich Gruppen von Fremden gleicher Herkunft zu Gemeinschaften zusammen. Sie gründeten Pilgerhospize, Bruderschaften, Oratorien und Kirchen, die teils prachtvolle Bauten waren. Dem Leben, dem Selbstverständnis und der Kunst der Fremden in Rom nachzuspüren, ist Gegenstand dieses Vortrags. Gebühr wird an der Abendkasse bezahlt. Kurs-Nr. N1010K, Ismaning vhs im Kultur- u. Bildungszentrum, Mühlenstr. 15 Montag, 28.01.19, 19.30 Uhr Dr. Tobias Daniels EUR 7,00

Kurs-Nr. N1005-2K, Unterschleißheim vhs-Zentrum, Landshuter Str. 20-22 Donnerstag, 24.01.19, 19.30 Uhr Joachim Willeitner EUR 7,00

Jörg Schwarz

Roman Deutinger ©Werner Maleczek

Info & Anmeldung: ( 089/550517-0 oder direkt über www.vhs-nord.de

Tobias Daniels ©Enrico Fontolan

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Vhs Nord, Programmheft Herbst/Winter 2018/19  

Programmheft Herbst/Winter 2018/19. Volkshochschule im Norden des Landkreises München e.V.

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