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Typog raf ie Das Mass der Sprache ist die Verst채ndlichkeit. Das Mass der Typografie ist die Lesbarkeit!


Veronica Futterknecht, 9. April 2010


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Inhaltsverzeichnis – Lesbarkeit von Texten

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– Entwicklung der Schrift

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– Schriftklassifikation

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– Typografisches Grundwissen

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Lesbarkeit von Texten Die Aufnahme von Information beim Lesen erfolgt während der rund 250 ms dauernden Fixationen. Zwischenzeitlich rückt der Blickpunkt stetig weiter. Dabei wird etwa zwischen 7 bis 9 Buchstaben vorgerückt. Während einer Fixationen werden 3 Buchstaben links vom Blickpunkt und 14 Buchstaben rechts davon wahrgenommen. Im arabischen Sprachraum wird von rechts nach links geschrieben, in Bezug auf Fixation ändert sich nur die Richtung (3 Buchstaben von rechts und 14 Buchstaben links davon). Die Zeitdauer von Fixationen am Ende von Sätzen ist wesentlich länger. Der Grund liegt wohl darin, dass am Ende eines Satzes die Integration der aufgenommenen Informationen stattfindet. Fixationen sind stark verkürzt, wenn sich aufgrund des Kontextes ein Wort mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen lässt. Bei besonders seltenen Wörtern findet dagegen eine längere Fixation statt.


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Das Mass der Sprache ist die Verständlichkeit. Das Mass der Typografie ist die Lesbarkeit! Es sollte für die eine gute Lesbarkeit von Texten zwischen 60 und 70 Buchstaben pro Zeile angestrebt werden.

Lesen am Bildschirm Lesen auf Bildschirmen ist wesentlich anstrengender und weniger effizient als das Lesen vom Papier. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen dieses Statement und zeigen, dass die Performanz(Lernleistung) beim Lesen von Text auf Bildschirm schlechter ist, als beim Lesen von gedrucktem Text. Lange Texte sind prinzipiell ermüdend, die Leser verlieren schnell das Interesse. Ein klassisches Buch wird nach ganz anderen Kriterien typografisch gestaltet als eine Bildschirmoberfläche. Ein simples Übertragen von Text aus Printmedien auf Bildschirme ist nicht zweckmässig. Text muss für Bildschirme neu konzipiert werden. Am Bildschirm ist es einfacher, eine horizontale als eine vertikale Liste durchzusehen.


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Arten von Lesevorgängen Informierendes Lesen: Werden die Textblöcke dabei kurz, prägnant und entsprechend deutlich gegliedert, so können Information schnell gefunden und die benötigte Textstelle linear gelesen werden. Differenzierendes Lesen: Vor allem im wissenschaftlichen Bereich ist die Informationsaufnahme durch geübte Experten überfliegend. Schriftgrössen können dabei unterschiedlich sein. Gesetzte Auszeichnungen können dabei zur Orientierung dienen. Konsultierendes Lesen: Der Leser erwartet gezielte Information. (Lexika, Wörterbücher bzw. Nachschlagewerke) Selektierendes Lesen: Geführte Informationsaufnahme bei Anleitungen, Hinweise, Regeln usw. müssen eindeutig und schnell erfasst werden. Durch verschiedene Typografische Auszeichnungen (Schnitt, Grösse, Farbe usw.) wird eine Selektion ermöglicht. Das Wissen über die unterschiedlichen Lesevorgänge zieht bereits grundlegende Überlegungen für die typografische Gestaltung von Text nach sich.


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Entwicklung der Schrift Die Schrift hat sich in den Jahrtausenden ihrer Existenz ihr Material und ihre Form vielfach geändert. Deshalb scheint es sinnvoll zu sein, einen Überblick über die Entstehung der Schrift zu vermitteln. Die meisten vergleichbaren Versuche gehen von einem «Stammbaum» aus; dabei entsteht jedoch leicht der falsche Eindruck, als ob die Schriftenwicklung linear und zwingend folgerichtig vonstatten gegangen sei, als ob eine Schrift an die Stelle einer anderen getreten sei, sie abgelöst habe. In Wahrheit sind immer wieder neue Schriften hinzugekommen, während die «alten» Schriften parallel dazu weitergelebt und sich weiterentwickelt haben. Eine der gebräuchlichsten Schriften, die Garamond, ist 400 Jahre alt; in jüngster Zeit, im Grotesk- und Computerzeitalter waren ihre Formen Ausgangspunkt für mehrere heutige Renaissance-Antiqua Schriften. Die Formen der Versalien (Grossbuchstaben) die praktisch für alle Antiqua Schriften verbindliche Grundlage sind, sind 250 Jahre alt.


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Geschichtliche Entwicklung der Schrift Die Entstehung unserer Grossbuchstaben geht auf die Griechen zurück, die ihrerseits das Alphabet um 900 v. Chr. von den Phöniziern übernahmen. Die Römer übernahmen wiederum das griechische Alphabet. Etwa um 100 v. Chr. hatte sich die gemeisselte Capitalis Monumentalis zur Vollkommenheit entwickelt, eine Versalschrift, die noch heute Grundlage und Vorbild unserer Grossbuchstaben ist. Im Unterschied zur griechischen Schrift sind die Balken der Buchstaben nicht gleich breit (linear), sondern sie weisen Strichstärkenunterschiede auf. Ausserdem weist die Capitalis Monumentalis Serifen (Füsschen) auf. Die Capitalis ist zugleich Ausgangspunkt für die Entwicklung unserer Gemeinen (Kleinbuchstaben). Sie wurden durch die Verwendung verschiedener Schreibgeräte, durch immer grössere Schreibgeschwindigkeit und durch unterschiedliche Zwecke (von der Inschrift bis zur Notiz) verändert. Parallel zu dieser Entwicklung verläuft die Entwicklung der eigentlichen Schreibschriften, die in unserem Zusammenhang kaum berücksichtigt werden.


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Entwicklung der Kleinbuchstaben Die Grundlage unserer heutigen Schriften stellen nachstehende Entwicklungsstufen dar: Die Stufen von der Capitalis Quadrata, über die Rustika der Unziale, der Halbunziale zu den karolingischen und humanistischen Minuskeln waren jene Entwicklungsstufen, die zum heutigen Alphabet führten. Die Kombination von Capitalis Monumentalis und der aus der humanistischen Minuskel entstammenden Schriften ergibt unser Zwei-Buchstaben-Alphabet aus Gross- und Kleinbuchstaben. Dieses Alphabet durchläuft eine differenzierte formale Entwicklung, ohne die Substanz aufzugeben. Im ersten Viertel des 19. Jhd. beginnt eine Umformung, die den Kanon der Schriftformen erweitert. Einerseits kommt es zur Verstärkung und andererseits zum Wegfall der Serifen. Parallel zu der skizzierten Entwicklung zu den heute üblichen «lateinischen» Schriftformen (Antiqua) läuft die Entwicklung der «gebrochenen» Schriften, die in Deutschland bis zur Mitte unseres Jahrhunderts neben der Antiqua etabliert waren.


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Die Formen unserer Buchstaben Die Formen unserer Buchstaben sind nicht die Ergebnisse von Überlegungen, Konstruktionen oder Erfindungen, sie sind vielmehr gewachsen. Sie haben sich entwickelt und verändert, durch sich verändernde Schreibwerkzeuge und durch die Schreiber, die sich verändert haben in ihrem verändertem Umfeld; sie wurden ebenso verändert durch den Zweck oder die Art des Schreibens, von der flüchtigen Notiz zum «Schreiben» mit dem Meissel im Stein für die Ewigkeit. Dieser Ursprung und diese Entwicklung bestimmen auch heute die Schriftform. Schrift dient dem Zweck des Lesens. Was beim Lesen auffällt – sei es durch besondere Schönheit oder besondere Hässlichkeit – stört. Jedes Ausbrechen aus dem Formen-Kanon der Satzschriften fällt auf und stört beim Lesen. Das ist der Grund, warum die Gebrauchsschriften durch die Jahrhunderte hin einander so ähnlich sind.


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Schriftklassifikation 1962 wurde DIN-Systematisierung (DIN 16 518) vorgenommen, die sich zum Ziel setzte Schriften zu klassifizieren. Dabei geht es nicht um verbindliche Gesetze, sondern um eine Orientierungshilfe. Die Klassifizierung ist ohnehin nicht eindeutig und wird von verschiedenen Kreisen als nicht repräsentativ angesehen. Schriftklassifikation nach DIN 16 518: Gruppe I: Venezianische Renaissance Antiqua Gruppe II: FranzÜsische Renaissance Antiqua Gruppe III: Barock Antiqua Gruppe IV: Klassizistische Antiqua Gruppe V: Serifenbetonte Linear Antiqua Gruppe VI: Serifenlose Linear Antiqua Gruppe VII: Antiqua Varianten Gruppe VIII: Schreibschriften Gruppe IX: Handschriftliche Antiqua Gruppe X: Gebrochene Schriften


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Typografisches Grundwissen Begriffe wie Schriftarten, Schriftschnitte und Schriftgrössen, sowie Spationieren, Kerning und Ausrichtung sind unerlässlich im Zusammenhang mit Typografie zu nennen. Nachstehende Erläuterungen geben einen Einblick in die Vielfalt, wobei jedoch darauf hingewiesen werden soll, dass Typografie rein aus dem Reproduzieren (Druck) entstanden ist und erst in den letzten Jahren enorme Bedeutung für Multimediale Systeme bekommen hat. Vieles altbewährtes lässt sich auch für das Screendesign heranziehen. Es ist schwierig leserliche Texte am Monitor und vor allem im WEB zu produzieren. Alte Systeme sollen dabei uns helfen.

Schriftarten Jede Schrift lässt sich einer Schriftart zuordnen. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen: – Antiqua Schriften (mittlerer und rechter Ast der Schriftentwicklung) – Gebrochene Schriften (linker Ast der Schriftentwicklung) – und Effektschriften


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Antiqua Schriften werden vor allem in langen Texten eingesetzt. Antiqua Schriften werden weiter in: – Serifenschriften (klassische Antiqua) – Serifenlose Schriften (Groteske) – Schreibschriften Serifen verstärken die Textzeile und unterstützen die Augenführung. Auf Papier sind Serifenschriften besser lesbar. Am Bildschirm aber sind serifenlose Schriften (z.B.: Verdana, Tahoma) besser lesbar.

Schriftfamilienverhältnisse In der Frühzeit der Satzschrift gab es keine bewusst als Ganzes geplante Schrift-Familien. Es gab grössere und kleinere, geradestehende und kursive Schriften. Wenn man für Drucksachen unterschiedliche Schriften benötigte, dann wurden Schriften einfach zusammengesetzt, auch wenn sie nicht zusammen passten. Später wurden die geradestehenden Antiqua-Schriften (dazu zählten auch die Kapitälchen) und die Kursive als Geschwister geschnitten.


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Mit der Werbung kam der Wunsch nach «lauten» SchlagzeilenSchriften auf. Auch sie wurden als selbständige Schriften geschnitten und irgendwie mit den Brotschriften zusammengestellt. Zu Beginn des 20. Jhdt. bemühte man sich immer mehr um stilistische Zusammengehörigkeit der den verschiedenen Zwecken dienenden einzelnen Schnitte. Neue Varianten wurden bestehenden Formen so angepasst, dass man von Schriftfamilien mit mehreren Angehörigen sprechen kann, auch wenn sie nicht als Ganzes geplant waren. Die Wiederentdeckung der altbewährten historischen Schriften seit dem ersten Drittel des letzten Jahrhunderts brachte zugleich deren Erweiterung mit sich. Eine vollständige Schriftenfamilie bestand nunmehr in der Regel aus vier Gliedern (Ihnen wurde immer häufiger eine halbfette Kursive dazugestellt): – – – –

Geradestehenden (Regular Schnitt) Kapitälchen (KAPITÄLCHEN) Kursiven (Kursiver Schnitt) halbfetten Antiqua (Semibold Schnitt)


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Schrift-Sippen Bereits in den siebziger Jahren entstand das Bedürfnis, verschiedene Schriftfamilien – etwa eine serifenlose und eine AntiquaFamilie – so aufeinander bezogen zu konzipieren, dass sie bei gemeinsamer Verwendung besser harmonieren als einander «fremde» Schriften. Aus diesem Denkansatz entwickelten sich die heutigen SchriftSippen. Beispiel für solch eine Sippe ist die FF Thesis oder auch die Schrift Rotis. Die Thesis besteht aus drei Familien, der Serifenbetonten, der Serifenlosen und der Mix. 1996 wurde dann diese Sippe um die Thesis Monospace und die Thesis Typewriter erweitert.


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Die «Univers» von Adrian Frutiger Die erste von vorneherein als grosse Familie mit mehreren Zweigen geplante und produzierte Schrift ist die Univers aus dem Jahre 1957. Sie umfasste 21 Schnitte, die alle nach einem gemeinsamen Konzept gearbeitet sind. Dieses Konzept wurde zum Vorbild für zahlreiche Schriftfamilien verschiedener Art, die infolge immer differenzierterer Ansprüche und durch die in technischer Hinsicht immer einfachere Herstellung neuer Schriften immer feinere Stufen umfassen.

Die Kursive Wie bereits ausgeführt war die Kursive keine Variante der geradestehenden Antiqua, sondern eine eigenständige Schriftform, die sich parallel zur Antiqua entwickelt hat. Die Ableitung ihrer Form von der fliessenden Handschrift (currere=Laufen) ist offensichtlich. Erst im 17. Jhdt wurden Antiqua und Kursive zusammengeführt und im Laufe der Zeit immer mehr angeglichen. Eine elektronisch schräggestellte Antiqua ist keine Kursive. Nur wenn der Schriftenentwerfer bewusst die Form einer schräggestellten Antiqua gewählt hat, ist das legitim.


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Schriftmischen So problemlos Auszeichnungen sind, weil die Schriften innerhalb der Familie wechseln, so problematisch wird es, wenn Schriften verschiedener Familien zusammentreffen. Schriftmischungen sollen auf dem Papier harmonisch sein, dürfen jedoch nicht langweilig werden. Gegensätzlich soll der Charakter sein. So fordert eine starre oder statische Type einen schwungvollen oder bewegten Partner, eine runde Schrift eine gebrochene oder eckige als Pendant. Werden zweierlei Schriften in verschiedenen Farben gedruckt, wird das Auge durch die Farbe von der graphischen Qualität der Strichführung abgelenkt. Die Farbigkeit setzt also die graphischen Kriterien ausser Kraft. Auf Duktus und Schriftart braucht hier nicht geachtet zu werden. Schriften lassen sich somit nach folgenden Kriterien charakterisieren: – Linienstärke (Duktus) – Schriftbreite (Laufweite) – Schriftlage (normal und kursiv)


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Die Schriftgrösse Bei der Überlegung, in welcher Schriftgrösse ein Text gesetzt werden soll, spielen zwei Gesichtspunkte eine Rolle: In welcher Entfernung wird der Text gelesen, und wieviel Zeit beansprucht das Lesen des Textes? Der Leseabstand bei normaler Lektüre (Zeitung, Zeitschrift, Buch aber auch im WEB) beträgt in der Regel 30 cm. Ein Text, der aus der Ferne gelesen werden soll, muss so gross gesetzt werden, dass die durch den Abstand entstehende natürliche Verkleinerung die Schrift wieder etwa dreissig Zentimeter gross erscheinen lässt.

Gruppen von Schriftgrössen Geht man von der Lesezeit aus und kombiniert diese mit der Leseentfernung, kann man die Schriftgrössen in drei Gruppen gliedern:


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Konsultationsgrösse – von 4 pt bis 8 pt – ist für jene Texte gedacht, die nur kurz aufgesucht, oder besser, konsultiert (befragt) werden, wie in Lexika, in Fussnoten, Marginalien, lebende Kolumnentiteln, in Anhang und Registern. Es handelt sich also im wesentlichen um Texte, die kurz nachgeschlagen werden und wenig Zeit beanspruchen. Lesegrösse – von 9 pt bis 14 pt – fallen jene Schriftgrade, die eine längere Beschäftigung mit dem Text zulassen. Die Aufgabe liegt dabei darin, den Text leichter und schneller erfassbar zu machen. Das sind Texte in Zeitschriften und vor allem in Büchern. Zeitungen sind hier ausgenommen. Schon ihres Formates wegen sind sie selten bequem zu lesen. Die grösseren Schriftgrade werden für Kinderbücher oder für Literatur für ältere Menschen (auch im WEB) herangezogen. Schaugrösse – 15 pt und grösser – sind jene Schriftgrade aufzuführen, die entweder Wichtigeres mitzuteilen haben oder einen längeren Text auf eine grössere Entfernung lesbar machen müssen. Solche Schriftgrössen können also bei Überschriften und Titeln eingesetzt oder für Plakate, Buchumschläge, Anzeigen, Headlines in Multimedialen Systemen und dergleichen verwendet werden.


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Masssysteme für Schriftgrössen Fuss und Punkt Der typographische Punkt stützt sich auf ein Zwölfersystem. Fast dreihundert Jahre lang war der Punkt die Masseinheit im Satz und Schriftguss. Francois - Ambroise Didot /1730–1804) führte das Landesmass (Fuss) auf eine fixe Einheit zurück, welches dann von den deutschen Schriftgiessern übernommen wurde. 1 Fuss = 12 Zoll 1 Fuss = 864 p –> 1 Punkt (Didot-Punkt) 1 Didot-Punkt = 1/864 Fuss = 0,3760488 mm 1 Didot-Punkt = 0,375 mm (heute) Die Abkürzung ist das «p» Zoll und Point Der Zoll – der zehnte oder zwölfte Teil eines Fusses – ist in angelsächsischen Ländern noch in Gebrauch. Das Fussmass war vom menschlichen Fuss abgeleitet und konnte zwischen 25 und 30 cm lang sein. In den angelsächsischen Ländern lautet die Bezeichnung für Zoll Inch. Inch geht auf das lateinische Wort unica – ein Zwölftel – zurück. Der alte griechische oder römische Fuss war damals schon 30 cm lang, während der englische Foot 30,48 cm misst.


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1 Fuss = 12 Inch = 304,800 mm 1 Inch = 6 Pica = 25,4 mm 1 Pica = 12 Points = 4,233 mm 1 Point = 0,353 mm (Pica Point) Die Abkürzung ist «pt» Da unsere Computer vorwiegend nach amerikanischen Massen arbeiten, ist der Pica Punkt (pt) jene Masseinheit in der Schriftgrössen im DTP angegeben werden.

Verwendete Schriftformate Die Frage nach dem Format – PostScript oder TrueType – hängt vom Einsatzgebiet ab. Type 1 (PostScript Fonts): beschreiben Schriftzeichen mit Hilfe von Vektoren. Die Vektorbeschreibung wird dabei mit speziellen PostScript Befehlen umgesetzt. Deshalb eignen sich diese Schriften optimal für die Ausgabe auf PostScript Druckern oder Belichtern. Zur Verwaltung und zum «Rendern» der Schriften auf dem Monitor wird der Adobe TypeManager verwendet.


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TrueType Schriften beschreiben ebenfalls mit Hilfe von Vektoren. Genau wie PostScript Schriften können die Zeichen auf Bildschirm und Druckern in beliebiger Grössenstufen ausgegeben werden. Werden jedoch TrueType Schriften auf einem PostScript Gerät ausgegeben, dann müssen sie in PostScript Schriftzeichen übersetzt werden. Für die Druckvorstufe sollten immer PostScript Type 1 Schriften verwendet werden, da die Belichtungsausgabegeräte PostScript sprechen. Für das Büro oder zur Bildschirmdarstellung sind TrueType Schriften hervorragend zu verwenden, da keine weiteren «Renderer» für die Darstellung benötigt werden.

Laufweite Buchstabenabstände beeinflussen ganz erheblich die Lesbarkeit einer Schrift. Diesen von Buchstabe zu Buchstabe veränderbaren Abstand nennt man Laufweite. Bei der Wahl der geeigneten Laufweite orientieren sich Hersteller von Schriften an der Punzenbreite (Buchstabeninnenraum). Der Buchstabenabstand (Laufweite) muss in Zusammenhang mit der Breite der Punze gesehen werden.


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Eine alte Schriftgiesser-Regel lautet: «Je kleiner eine Schrift ist, desto lichter muss sie gehalten werden, wie umgekehrt, je grösser sie ist, desto enger. Diese Regel hat nichts von ihrer Gültigkeit eingebüsst. Sie hat im Gegenteil an Aktualität gewonnen. Das Austreiben nennt man auch Spationieren.»

Unterschneiden (Kerning) Im Bleisatz waren die Buchstaben Körper, die aneinandergereiht wurden. Das ergab, vor allem bei Versalien, manchmal Lücken im Wortbild. Der Setzer behalf sich, indem er bei Zeichenkombinationen mit Lücken die Buchstaben an einer Seite ausklinkte. Eine andere Art war das Unterschneiden. Dieser Vorgang wird seit dem Fotosatz auch «Kerning» genannt. Hier wird von der normalen Breite eines Zeichens eine bestimmte Anzahl von Einheiten abgezogen, so dass auch hier das folgende Zeichen nachrücken kann. Je nach Buchstabenbild können auch Interpunktionen den Wortabstand optisch vergrössern. Das gilt vor allem für den Punkt und das Komma. Zeichen wie Semikolon und Kolon sollten hingegen Abstand zu den vorhergehenden Buchstaben halten. Kerning ist in HTML nicht möglich. Falls doch spezielle Schriftsätze für das WEB benötigt werden,muss der jeweils entsprechende Text in ein Bild umgewandelt werden.


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Absätze und Ausrichtung Absätze Absätze dienen der gedanklichen Gliederung der Texte. Im Multimedia Design hat sich der Inverted Pyramid Style bewährt (Überschrift, Zusammenfassung (Abstract), Details). Durch gezielten Einsatz von Absätzen wird der Text inhaltlich und optisch gegliedert. Teile Texte in kleinen Einheiten auf, damit sie am Bildschirm gut lesbar sind (Multimedia Design) Ausrichtung Textzeilen können in unterschiedlicher Form ausgerichtet sein. Den B l o c k s a t z gibt es seit dem es den Buchdruck gab. Mit dem Winkelhacken konnten die Zeilen so manipuliert werden, dass sie eine einheitliche Länge bekamen. Dies geschah damals nicht dadurch, indem man Wortabstände veränderte, sondern indem man einzelne Buchstaben durch breite oder schmal Geschnittene ersetzte. Der R a u h s a t z ist eine Bezeichnung neueren Datums (1964). Mit dem Begriff umriss man jene Zeilenform, wie sie die Mönche anwandten. Der rechte Rand der Kolumne oder Spalte war


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nicht glatt. Der rechte Rand vermittelte einen rauhen Eindruck. Rauhsatz finden wir häufig dort, wo Zeilen nicht lang sind und der Anspruch an gute Trennung nicht gross ist. Der F l a t t e r s a t z linksbündig ist nicht das gleiche wie der Rauhsatz. Ähnlichkeiten besitzen beide nur in der linken glatten Satzkante. Bei der rechten Satzkante steht der Unterschied schon in der Bezeichnung geschrieben. Rauh heisst, dass die Zeilen in ihrer Länge keiner Regel unterworfen sind. Flattern heisst, dass eine Auf-ab-Bewegung stattfindet. Auf-ab bedeutet langkurz, lang-kurz. Der Satz ist also an eine Regel gebunden. Während der Blocksatz statisch wirkt, ist der Flattersatz eine Satzart im Profil, er blickt in eine Richtung. Der F l a t t e r s a t z rechtsbündig bereitet, nachdem unsere Schrift von rechts nach links gelesen wird, beim Lesen Schwierigkeiten. Jeder Zeilenanfang muss erst gesucht werden. Diese Satzart erfährt ihre Berechtigung nur dort, wo aus formalen Gründen rechts eine gerade Satzkante benötigt wird und Blocksatz ausgeschlossen wird. Generell sollte man mit dieser Satzart sparsam umgehen und auf sie ganz verzichten, wo die Zeilenzahl zu gross wird. Der F l a t t e r s a t z zentriert, der Setzer nennt ihn Mittelachsensatz, hat von der Sprache und der Technik ausgesehen keine


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Existenzberechtigung. Er wird aus rein optischen Erwägungen angewendet. Diese Satzart wirkt statisch und konventionell, da sie immer die Mitte betont. Der Flattersatz mit den Zeilen auf Mitte unterliegt den gleichen visuellen Kriterien, wie der Flattersatz allgemein. Alle angeführten Satzausrichtungen sind in HTML schwer realisierbar. Auch hier wird es für den Multimedia Designer schwierig die Vorzüge aus den Satzarten für das Screendesign zu Nutze zu machen.

Satzspiegel Im Bereich der Printmedien wird unter Satzspiegel die Festlegung einer Nutzfläche auf einem gewählten Papierformat verstanden. Da es im Multimedia Design kein festgelegtes Format gibt, kann als Ausgangspunkt die zu erwartende Monitorbreite für die Gestaltung zugrunde gelegt werden (sprich 17 Zoll Monitore = 1024 Pixel). Die konkrete Gestaltung eines Satzspiegels in einer Multimedia Anwendung sollte sich stets an der Aufmerksamkeitsverteilung am Bildschirm und der (je nach Kulturkreis unterschiedlichen) Informationsverarbeitung im Gedächtnis ausrichten.


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Begriffe in der Typografie Grundlinie: Linie auf der alle Gross- und Kleinbuchstaben stehen. X-Höhe: Wird auch als Mittellänge bezeichnet. Ist der Bereich zwischen Grundlinie und der Oberkante eines Kleinbuchstabens (am einfachsten beim x zu messen) Versalhöhe: Darunter versteht man den Bereich zwischen Grundlinie und der Oberkante der Grossbuchstaben (Versalien) Oberlänge: Darunter versteht man den Bereich zwischen x-Höhe und Oberkante des Kleinbuchstaben. Die eine über die x-Höhe hinausragende Form (z.B.: d – t – l – f) besitzen. Oberlängen können in manchen Schrifttypen (Schriftfamilien) über die Versalhöhe hinausragen. Unterlänge: Darunter versteht man den Bereich zwischen Grundlinie und der Unterkante eines Kleinbuchstabens (z.B.: g – j – y – p – q). Versalien: Sind Grossbuchstaben; manchmal auch Majuskel bezeichnet.


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Gemeine: Kleinbuchstaben; manchmal auch Minuskel bezeichnet Geviert: Eine Bezugsgrösse in der Typografie, welches die das «Quadrat zur Schriftgrösse» beschreibt. Dabei wird die Schriftgrösse auf die Horizontale umgelegt und in kleinere Einheiten unterteilt. Ein «Space» ist meistens 1/3 Geviert. En Space: Darunter versteht man einen Leerraum in der Breite eines Halbgeviertes EM Space: Darunter versteht man einen Leerraum in der Breite eines Geviertes Ligaturen: Darunter versteht man eine Buchstabenverbindung, die die Lesbarkeit eines Textes wesentlich erhöht. Beispiele für Buchstabenverbindungen sind bei den Buchstabenpaaren ff - fl - ft - Th udgl. zu finden. (Eine Notwendigkeit aus dem Bleisatz)


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Notizen:


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