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UNVERWUNBAR

ÜBERSINNLICH

RABIAT

SONDERAUSGABE

DER

SOMMERTREND

2008


-ANZEIGE-


von Wertmann sagt: Geneigte Leserschaft, was für ein Sommer! Trotz seiner vielen Regentage und so manch stürmischen Stunden hielt dieser Sommer doch eine große Überraschung für uns parat. Ein unglaubliches Comeback der Dekadenz und purer Freude an der Destruktion des Lebens. Für uns ein Grund für diese Sonderausgabe. Denn ein solches Geschehen muss reflektiert werden und darf nicht spurlos an uns vorbeilaufen. Besonders in einer Zeit wie dieser, wo Hunger und Armut gegen Völlerei und Langeweile gesetzt werden und unserer Gesellschaft der Wegfall aller ethischen Werte ein willkommenes Geschenk ist. Diese Vergnügung ist allerdings nicht nur bei den oberen 10000 zu beobachten, nein, auch Menschen wie du und ich lassen sich auf der Suche nach dem besonderen Kick, dem Hunger nach Adrenalin, kurz: Abwechslung im sonst so geregelten Leben, auf dieses waghalsige Vergnügen ein. Für ein wenig Ablenkung riskieren sie Kopf und Kragen. Da stellt sich doch die Frage: Was läuft faul in unserer Welt, damit man sich zu solch unnützen Dingen hinreßen läßt? Sind wir unserer Existenz kollektiv überdrüßig geworden? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leser, erbauende Minuten bei der Lektüre unserer Sonderausgabe. Herzlichst, ihr


KABOOM!


Eine neue Virulenz greift um sich. An den Stränden und den Yachtclubs von Welt lässt man‘s kräftig krachen. Je lauter, desto größer. Wer hip ist, sprengt sein Boot ins Abendrot. Bevorzugt Schlauchboote (die knallen so schön, Anm. d. Red.) im trendigem Gewand: Knallrot, dichtgefolgt vom unbefleckten Weiß, und natürlich darf auch die Farbe des Herbstes, ein schimmerndes Purpur, nicht fehlen. Eine wahnwitzige Art der Zerstreuung, die immer mehr Anhänger findet. Auch diverse Unfälle wie der im Bild unten können echte Fans nicht vom Bashen abhalten. Schliesslich ist das Motto: Das einzige, was zählt, ist der Moment. Und der darf nicht von schlechten Eltern sein.

Wer hip ist, sprengt sein Boot ins Abendrot


HÖHER-HEISSER-PENG das innere verlangen

Höher, Heißer, Peng – so muss ein guter Knall sein. Der sportliche Trend des Sommers geht eindeutig hin zur Fulminanz. Nicht kleckern, sondern Klotzen lautet das Motto. Das macht ein dickes Autsche. Ein besonders prominenter Vertreter erklärt den schönen Strand von Malle zur Boat-Basher-Zone. Unser Diether ganz verschmitzt:

“Na das ist halt schon so Fun, den kann sich Lieschen Müller nicht erlauben.”

Geschlaucht aber glücklich watet der Gummibootkönig zurück zum warmen Ufer.


Nun dient ja eine solch lustige Seefahrt heutzutage nicht primär der Beförderung von Dingen und Personen, nein, ein Schlauchboot, teuer wie ein Ferrari, besiegelt das Ende seines Daseins mit einem lauten “Puff” und gleitet kreuz und quer am Strand vor Malle seiner Wege. Der Profi gewährt uns einen Blick in seine Trickkiste: Fein geschliffene Fingernägel. Lang und Spitz. Und schärfer als eine Rasierklinge. Der Rest ist einfach. Rein ins Schlauchboot, Vollgas geben, harte Kurve fahren und die wohl geschliffenen Nägel der Damen seiner Wahl bohren sich tief ins Gummi. Bohlen ist sichtlich verzaubert.

“Ja, mit dem Mark da wär das nicht passiert. Aber ist ja eh Waschbär.” schmunzelt Bohlen. Nun gönnt der Pöbel einem ja bekanntlich Nichts, und auch die Nachbarschaft gluckst voller Argwohn. So ist es nicht verwunderlich, dass allenthalben keiner mehr ein explodierend Boot oder Ähnliche Dinge vor seiner Haustür dulden mag. Puff Diddy dazu trocken:

“Das juckt mich ja mal gar nicht. Mein Pool ist groß genug, dann mach ichs eben da.”


Der saubere Herr Prinz von Windsor wurde mitten während eines Einkaufsbummels von Beamten angesprochen. Auf Diskretion verzichtend, wurde Durchlaucht folgendes zur Last gelegt:

Vorgetäuschter Handel und illegale Ausfuhr von Sprengbooten. Das einfach wegzuwischen wird ihm schwerfallen. Schallen ihm seit geraumer Zeit doch immer schärfere Proteste über seine Leidenschaft zur See zu Ohr. Nun muß man entgegnen, das fordert das Gebot des Wiederspruchs, um der anderen Seite zuzuwenden. Beispielhaft ist des Prinzgemahls Einsatz für die Jagd. Sie ist ein Brauchtum, deshalb braucht man sie. Punkt zwei, Die Hunde brauchen Auslauf und das edle Wild soll seine Hufen öfters mal besudeln. Die Trägheit überall nimmt zu. Nicht die des Prinzens, der niemals der der Herzen, sondern der von Wales zu sein behauptet. Nicht müde lässt er Pomp in Würde und altehrwürdiger Regenten würdig walten. Die Seeschlacht - als Jahrhundertknaller neugeboren. Nur unter maritim anmutenden Gesichtspunkten.


„Das Knallen fährt einem in Mark und Bein. Fast dreht sich mal der Magen rum.“ weiß der Vollbärtige zu berichten. Der Boden bebt, jeder Spanten knarzt auf Deck des Wilden Eber. Das Flakschiff seiner Majestät rollt unbeirrt durch das gefrorene Meer. Es klirrt bei jeder Meile. Dann ist auf einmal Schluss. Rettungsballons und Schlitten bergen die kostbare Fracht und die Speisen. Die erlesene Runde macht es sich bequem bei Kuchen und Kakao. Dann bricht sich das Inferno in den schroffen, wohlgeformten Klippen. Bruttoregister detonieren tonnenhaft im gleißenden Licht der Atome. Die hellblau mattgrauen Kolosse zerspringen wie tanzende Wale. Ein Gespinst von Zunder, ein scharfes Knistern. Magma legt sich als gieriger Teppich auf die brodelnde Flut. Die Menge tobt. Ein ganzer Küstenstrich mit der Fläche von Pamir wird Zeuge der ruhmreichen Vernichtungsschlacht. Nur zersprengen sich Trafalgars neue Flotten ganz von selbst - für die nach Bashing gierende Bevölkerung.

„Das bringt uns ständig neue Materialerkenntnis. Der Prestigewert ist enorm! Und das Volk will Knallerei.„ erklärt Karl das Spektakel. Unvergesslich allemal für die erlesene Gästeschaft der Krone. Den verwöhnten Augen fliegt so richtig schön das Blech weg. Charlies platzende Wale- ein Vermächtnis- symptomatisch letzte Bilder einer verbogenen Dynastie? Mitnichten. Der umtriebige Sprössling, von engsten Freunden Bash Boat Harry genannt, nimmt Kurs auf die Hoheitsgewässer der seefahrenden Welt. Als wohlerzogener Windsor setzt er in die internationalen Hochburgen des Bashings angemessen fulminante Marken. Die alten, die den königlichen Glanz in strahlenden Produkten in der Welt verkündeten, gehören ihm nicht mehr, die Krone und das Vermächtnis hoheitlicher Etikette noch sehr wohl. Das kauende Auge des Volkes wird des Monarchen Regentschaft weiter auf Tauglichkeit prüfen.


„Ich finde es wichtig, wach auszusehen“

Onkel Schorsch haut auf die Pauke Der Kronprinz ruft zum Bash Royal. Genervt von all den Anfängern und Trittbrettfahrern lässt der Meister des Glamours souverän die Muskeln spielen. Mit dem Hubschrauber hinaus aufs offene Meer, hinein in den noch so rot glühenden Abendhimmel. Das Geheimnis seines Erfolges? „Ich finde es wichtig wach auszusehen“ berichtet er mit treuherzigem Augenaufschlag. „Die hab ich mir erst neu machen lassen.“ verkündet der erfahrene Silberlöwe und begibt sich aus dem Akte des Geschehens. Denn er weiß, warum.


Das Publikum erfährt´s mit Nachdruck. Der Puls tanzt Tango, die Nerven liegen blank. Der rote Blitz brennt sich ins Mark, die Sehapparate erlahmen. Die Druckwelle schlägt ein wie Lewis Linke, ein Feuerball bestäubt die erlesene Gesellschaft sanft auf deren Häuptern. Der Luftraum ist wie leergefegt, die Schweine laufen Sturm. Mühsam befreit das Personal die feinen Leute aus Staub, Gebein und Trümmern. Unterdessen, Georgie, tadellos wie immer,hat keinen Schmutz auf seiner frischen sauberen Hose. Da blitzt die weltläufige Gewandheit und Eloquenz des Connaisseurs in brilliantem Lichte auf. Das Pfefferminz des weisen Mannes in seinem Tee der Eitelkeiten. Vom Inferno völlig unberührt, entspannt Sir George beim Kreuzworträtsel. Bis sein Heli ihn zu angemessener Zeit zum Lachsschaum-Diner bringt.


Hurra, wieder einer überzeugt!

Säubert die Meere, entfernt eure Boote! Nun ist es soweit! Die Aktivisten der Meere haben die Zerstörung von Booten ihrerseits als ideale PR-Maßnahme erkannt. Ihre Argumentation: Weniger Boote – Mehr Meer! In friedlichen Aktionen fordern sie die Besatzung von diversen Schiffen auf, eben dieses freiwillig als ein Zeichen im Sinne der Zukunft zu zestören. Ihre Erfolgsquote ist dabei gar nicht so schlecht, wenn man mal davon absieht, dass die meisten riesige Monsterschiffe voll mit giftigem Zeug sind, die nur mitmachen, um unsere tapferen Aktivisten zu ärgern.


Boatbashing auch bei der Jugend immer beliebter!

Kaum zu glauben. Setzt sich doch der Extremtrendsport des Sommers nicht nur bei der normalen Bevölkerung durch, nein, auch die Jugend von heute kann sich diesem Faszinosum nicht länger entziehen. Macht es doch einen Riesenspass, die Boote anderer Leute mir nichts, dir nichts in die Luft zu katapultieren.

Franz Josef, unser schwarzer Kini, erlebte jüngst auf seiner Reise in den Mongo ein Bashing sondergleichen. Extra für ihn, dem Missionar der Handwirtschaft und Wächter des Zweitgewerbes, der neue Hoffnungsträger für Mongos Volk, hergerichtet und geprobt, gab er sich völlig unbedrückt. „Des hoam mer oa dohoam, den oiden ofm“ quillt es läßig aus ihm raus. Die Menschen Mongos waren einmal mehr von ihrem Babba schwer beieindruckt.


Rette sich, wer es noch kann. Die Welt unserer Tage ist schon eine sonderbare. Immer verücktere Verrücktheiten platzieren sich in unserem Alltag und zwingen uns ein Stirne runzeln mitten ins Gesicht. Wir haben schon fast alles gesehen: bezahlter Arbeitsurlaub, Extremurlaub in der Gewalt von Geiselgangstern und sogar das Naherholungsgebiet auf dem Mond vermag uns kaum noch zu schocken. Doch hier bietet sich ein besonders bizarrer Auswuchs: Der Zusammenschluss von Tourismusbranche, Unterhaltungsindustrie und gesellschaftlichem Rudelverhalten. Für eine Mordssumme sein Leben zu riskieren, nur um mitreden zu können, ist das so erstrebenswert? Für viele scheinbar ja, ist es doch zumeist die einzige Möglichkeit, legitimiert aus dem Korsett der Masse herauszubrechen ohne das hart erarbeitete gesellschaftliche Ansehen verlieren zu müssen. Jedoch: Allein in einer solchen Tat manifestiert sich schlicht der Schrei nach Individualität, allerdings bleibt er oft unerhört. Und so verhält es sich auch mit dem Drang nach Selbstdarstellung.


Im Lichterglanz des Sonnenkönigs Mon Dieu! Was für ein Gaudi! mitten in schönster Lage vor so tradierter Kulisse ist es schon eine besondere Traute, an solchem Ort gezielte Destruierung zu verüben. Eine Schande. Und doch so populär. Seine Herrlichkeit, der Sonnenkaiser, hielt den Hofstaat gut bei Laune, versteht er es doch am besten, was es heißt, ein Fest zu feiern. Bis in die frühen Morgenstunden ward Spektakel bald Routine. Das Feuerwerk nur noch ein Häuflein Funken und der Perlwein hat eben das letzte Restlein Sprudel aufgegeben. Die Anwesenden sind sich jedoch voll einig: Ein wundervolles Stelldichein der Volksverschwendung.

Der Sonnenkönig im Kreise seiner Lieben


Lichtenschein

im Trendfieber

Boat-Bashing bleibt ungetrübt im Aufwärtswind. Nun hat sich auch die königliche Superfamilie von und zu Lichtenschein dem neuen Trendsport voll verschrieben. Leider muss Vatter Berro den feierlichen Vorgängen auf seinem Boot fernbleiben. Denn, wer hätte es gedacht: Es gehört ihm nun einmal nicht mehr. Und so hat seine Ex-Gattin Murje zur festlich-feierlichen Tafel anläßlich der gelungenen Abnabelung ihres Mannes all dessen Freunde auf sein geliebtes Boot „Contenancy“ geladen, nur ihn eben nicht. Wovon keiner der Gäste auch nur träumen konnte: Das Boot sollte als Höhepunkt während des Desserts, es gab Feigwarzen im eigenen Saft serviert im Krug, mit Donnerknall und Funkenschweif Richtung Himmel bewegt werden, sehr zur Freude der Anwesenden. Doch Vatter Berro voll entrüstet:

„Die Kuh, die blöde. Immer nur ihr´s, ihr´s, ihr´s. Immer macht die so n Zeuch, und ich kann wieder nicht hingehen.“


Vatter Berro ist ganz allein auf seinem alten Boot, Murje ignoriert ihn völlig.

Die Frage nach dem Warum beantwortet Frau von Lichtenschein verklärt lächelnd: „Ach, es hat mich einfach zu sehr an ihn erinnert. Dieser Mief, das musste einfach fort.“

Murje mit Druckwelle

Zum Höhepunkt der feierlichen Scheidung bittet die Dame des Hauses noch zum Fototermin. Ein Porträt in Front einer imposanten Druckwelle konnte sich eben keiner der Gäste entgehen lassen, egal wie sehr mit Vatter Berro einst im Bunde. Ein fulminantes Fest und ein spektakulären Sieg neigt sich dem Ende. Die letzten Wogen glätten sich. Für alle eine ausdrückliche Erfahrung mit riesengroßem Knalleffekt. Ein fettes Autschi. Allein: die Murje wünscht sich eine Regelmäßigkeit. Soll doch das hempeleske Festival fester Bestand im Liechtenscheiner Kultur und Tourismusprogramm werden. Na dann: Da freuen wir uns doch schon auf das nächste Jahr!


STURM AUF VENEDIG That´s the way i mag it, yeah!

Rainer, ich brauch more. I am so gelangweilt.


Got them!

Hi, Hi, Hi. Sckocker!

Das kracht mal richtig!

Schnell umziehen und weiter geht´s Good job.


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Verlogene Scheisse Spezial