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Traumlandschaft im Planungsnovember von Stephan Opitz Im November wird geplant. Spätestens für den nächsten Sommer. Am besten mit einer großen Landkarte auf dem Tisch und einem Tablet oder Notebook daneben. Und noch besser mit einer angemessenen Ladung dänischer kransekæges oder schwedischer Zimtschnecken oder norwegischer Kardamombrötchen samt Kaffee vor uns. Tee geht genauso gut. Denn es ist dunkel und kalt. Im besten Fall fällt der Regen nicht in horizontalen Strielen zum Boden sondern in senkrechten. Im allerbesten Fall flackert ein ruhiges Kaminfeuer im Hintergrund. Und wenn das alles stimmt, dann geht es los mit der Planerei – wohin fahren wir im richtigen Norden, wenn die Sonne wieder höher steigt? Winterurlaub geht bis tief in den März/April rein, Hüttenurlaub zum aktiven Abhängen geht ab April bis spät im September/Oktober.

Die schleswig-holsteinische Perspektive ist klar: Norwegen oder Schweden. Aber wohin? Dorthin, wohin nicht alle die Deutschen, die schon seit Jahren Cargohosen von Jack Wolfskin tragen, hinfahren. Ebenso erstaunlicher- wie komischerweise - rudeln Skandinavienurlauber aus Deutschland sich in ein paar, übrigens – kein Zweifel - wunderschönen, schwedischen und norwegischen Landschaften zusammen. Erstaunlicher - wie komischerweise deswegen, weil die alle sowieso ziemliche Individualurlauber sind. Aber was Schweden anlangt, sind sie in Småland, vor allem in dessen südwestlichem bis südöstlichen Teil, vermehrt zu finden. Dort haben auch viele Hütten gekauft. Der Boom lässt etwas nach, häufig finden sich inzwischen Verkaufsanzeigen von Deutschen, die ihre Schwedenhäuschen wieder verkaufen wollen. Ob das mit dem zunehmenden Alter der Hüttenbesitzer zu tun hat? Oder damit, dass sich doch nicht alles so pippilangstrumpfmäßig entwickelt hat an Ort und Stelle? Man weiß es nicht. Aber eine Hütte mieten ist ja auch ein guter Weg und man ist nicht so festgelegt. Värmland mit seiner langen Grenze nach Norwegen ist ein zweites Sehnsuchtsfleckchen vieler Deutscher – das kann nicht nur an Selma Lagerlöf und Nils Holgersson liegen. Und wenn Kanutouren anstehen, dann ist Dalsland zwischen Bohuslän und Värmland die allererste Adresse. Was zur Folge hat, dass der Ruhe suchende Kanupaddler mit Zelt ganz schön häufig nicht nur ruhige deutsche Jugendgruppen zu Gesicht und Gehör bekommt. Und

besser nach Dalarna umzieht oder sich den Kanälen im östlichen Bergslagen oder den Buchten des Mälaren anvertraut. In Norwegen zieht es die meisten in die Fjordlandschaften des südlichen bis mittleren Westens, während die ganze Westseite des Oslofjords mit der schönen Telemark im Zentrum eher im Wortsinn links liegen bleibt. Komisch – dabei ist der Vorteil des richtigen Nordens doch seine Größe. Wir können uns in aller Ruhe die einsamsten und schönsten Ecken aussuchen. Wer nach Schweden oder Norwegen will, hat es von München oder dem Ruhrgebiet aus verdammt weit und entsprechend teurer. Wir sind privilegiert – 1000 km von München führen einen nach Schleswig-Holstein, 1000 km von hier führen einen ohne Fähre schon nach Dalarna und damit ins wirklich wunderschöne Herz von Schweden. Aus der Mitte Schleswig-Holsteins ist man in gut 4 Stunden in Hirtshals und kann von da mit der Fähre direkt nach Bergen. Oder die schönste und komfortabelste aller Norwegenlinien: Kiel - Oslo (wer übrigens ins westliche Värmland will, der ist mit der Colorline verdammt flott da). Mit der STENA ab Kiel erschließen sich nach Ankunft in Göteborg mit nur 1-4 Stunden Autofahrt herrliche Gegenden: Die Westund Ostküste des riesigen Vänernsees (11x so groß wie der Bodensee), die tiefen Wälder zwischen Vänern und der Nordspitze des klaren Vättern (5x so groß wie der Bodensee) mit Askersund

24 l e b e n s a r t 11|2013

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Lebensart im Norden Flensburg November 2013  
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