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DIE ZEILE Nr. 3 / 2020

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Appenzeller Verlag

Toggenburger Verlag

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Esther Ferrari erzählt Weihnachtsgeschichten Walter Hehli sammelt Texte über die Regionen rund um den Alpstein Judith Giger lässt zehn kleine Bauernkinder herumwirbeln


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Inhalt

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Wer liest da? Luca Giovanettoni Bücher, Fussball, Sozialarbeit Esther Ferrari «Weihnachten hat mit Erinnerungen zu tun» Walter Hehli Von hene und dene geprägt David Aragai Appenzeller Kalender: Gebrauchsgegenstand und Dekoration Judith Giger Gereimte Abenteuerlust von «10 chliine Puurechind» Samuel Gossweiler Viele, bislang unausgewertete Quellen zu Willy Fries erforscht Gret Zellweger 75 Bilder für 75 Jahre

Auch über den Alpstein führen Wege Mächtig steht er da, der Alpstein, zwischen dem Appenzellerland, dem Werdenberg und dem Toggenburg. Er trennt die Regionen, verbindet sie aber auch. Und genau zu dieser Kontroverse hat der pensionierte Pfarrer Walter Hehli, der alle Seiten bestens kennt, Texte gesammelt. Sein Buch «Hene und dene» ist Teil unseres abwechslungsreichen Herbst- und Winterprogramms, das wir Ihnen in dieser «Zeile» vorstellen. In der Weihnachtszeit liegt uns das Verbindende näher als das Trennende. Dieses Jahr wird es wegen der Coronapandemie herausfordernder, Verbindungen aufrecht zu erhalten. Herausfordernd heisst aber nicht unmöglich. Auch über den Alpstein führen Wege. In diesem Sinn wünschen wir vom Verlagshaus Schwellbrunn Ihnen eine besinnliche und fröhliche Advents- und Weihnachtszeit.

Christine König

Historisch-Heimatkundliche Vereinigung der Region Werdenberg «Zum Diskurs anregen darf es gern» Yiğit Topkaya Die Aussicht von Rehetobel bleibt für Yiğit Topkaya unvergessen Heinz Gabathuler, Carolin Krumm, Sibylle Malamud Geschichtsträchtiges Städtli Werdenberg

DIE ZEILE

Notizen aus dem Verlagshaus

Wer liest da? – Auflösung

© 2020, Appenzeller Verlag AG Im Rank 83, CH-9103 Schwellbrunn Tel. +41 71 353 77 55 verlag@appenzellerverlag.ch www.verlagshaus-schwellbrunn.ch DIE ZEILE ist das Kundenmagazin des Verlagshauses Schwellbrunn. Redaktion Christine König, Roger Fuchs, Katja Nideröst, Jolanda Spengler, Carmen Wueest, Charlotte Linsener Gedruckt auf Terra Print, 70g/m2 Titelbild: Esther Ferrari Bild: Carmen Wueest


Kulturland Appenzellerland

Standardwerk über den Alpstein

Appenzeller Bräuche und Traditionen im Jahreslauf

128 Seiten, ill., Fr. 28.– ISBN 978-3-85882-809-5

Die ursprüngliche Form der Landwirtschaft

364 Seiten, ill., Fr. 89.– ISBN 978-3-85882-700-5

Ein ausführliches Porträt aller 130 Alpen im Kanton Appenzell Ausserrhoden

136 Seiten, ill., Fr. 34.– ISBN 978-3-85882-737-1

Erste umfassende Darstellung der Fossilienwelt des Alpsteins

376 Seiten, ill., Fr. 89.– ISBN 978-3-85882-790-6

392 Seiten, ill., Fr. 48.– ISBN 978-3-85882-724-1


Bild: caw

Kunst ist Arbeit ist Kunst Was für ein inspirierendes Arbeitsinstrument ist dieses Büchergestell! In vielen Bänden stecken Zettel drin, manche Dokumente, auch ein paar Nonbooks, wirken wie eben erst weggelegt, sie werden wohl bald wieder benutzt. Ein Graus für Leute, die das Rechtwinklige, Propere lieben. Für mich eine Freude, lebe ich doch auch mit flexiblen Ordnungsprinzipien, den jeweiligen kreativen Prozessen angepasst. Auffällig viele Kunstbände, genauer Kunst vermittelnde Bücher sind da, etwa der Titel «Malmaterial» in 15. Auflage:

Wer liest da? Bücher prägen den Menschen, Bücher im Regal können etwas über uns aussagen. In unserer Rubrik «Wer liest da?» schicken wir Autorin Gabriele Barbey, langjährige Leiterin der Bibliothek Herisau, kommentarlos ein Foto eines Bücherregals per Mail. Sie kann das Foto am Computer vergrössern, um Details besser zu sehen – mehr aber nicht. Sie analysiert, interpretiert und vermutet vom heimischen Schreibtisch aus, wem das Regal gehören könnte. Die Auflösungen finden Sie weiter hinten in diesem Heft.

Soviel breites und praktisches Kunstwissen, zum Beispiel aus dem Taschenverlag oder viele Nummern des Kunstmagazins Art – das sieht nach Kunstpädagogik aus. Ein paar Titel beziehen sich auf Basel, möglich, dass man oder frau in Basel studiert hat. Daher die «Ethnologischen Kostbarkeiten»; sie könnten mich auf eine Innerrhoder Spur führen. Aber da sehe ich diesen Biedermeier-Band, welcher mich eher ins ausserrhodische Heiden weist – eine weitere Spur. Musizieren, illustrieren, maskieren?

Die Musikanlage ist nicht neu, die Marke Pioneer stehe aber für Leute mit Qualitätsansprüchen (sagt mein Mann), die vermutlich selber musizieren. Sie ist platziert auf einer Kommode mit geräumigen Schubladen – praktisch zum Aufbewahren von Musiknoten. Oder zum Lagern von grossformatigen Papieren aller Art, womit wir wieder beim bildnerischen Wirken sind. Und nun nehme ich den schmalen Teil des Regals unter die Lupe, wo Kindlers Malerei-Lexikon rot leuchtet. Noch aufschlussreicher jedoch könnten die weis-

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sen Bände im Regal darüber sein: die Jahresberichte der Kantonsschule Trogen KST und ihres Vereins KVT. Sind dies «Schlüsselobjekte»? Sie führen zu einer Persönlichkeit, die ich vor vielen, vielen Jahren, an einem verregneten Silvester im Ausserrhoder Dorf Stein getroffen habe; ich erinnere mich vage an … nein, nicht an eine gängige Chlausenlarve, sondern eine Tiermaske. Da steht doch im Gestell auch das Buch «Masken und Meditationen» … Ein anderer Titel fällt mir ein, obwohl ich ihn in diesem Büchergestell nicht sehe: «Masken, Tänze, Schellenklang», erschienen 2010 im Appenzeller Verlag. Geschrieben von Hanspeter Spörri, mit Bildern, samtgrünen, von Werner Meier, Lehrer für Bildnerisches Gestalten an der Kantonsschule Trogen (bis im Sommer 2020). Da letzterer auch Geige spielt, war er als Illustrator genau der Richtige für das Appenzeller Liederbuch von 2018, ein Gemeinschaftswerk der beiden Halbkantone. Lauter Assoziationen – haben sie mich in die Irre geführt? … Gabriele Barbey Auflösung auf Seite 31


Luca Giovanettoni. Bild: caw

Bücher, Fussball, Sozialarbeit Das Verlagshaus Schwellbrunn stellt sich vor: Diesmal Luca Giovanettoni, für den die Arbeit im Verlag eine reizvolle Station auf seinem Weg zum Sozialarbeiter ist.

Luca Giovanettoni arbeitet seit Anfang 2019 im Verlagshaus Schwellbrunn und ist zuständig für den Verkauf von Inseraten und für den Leserservice. Da ist er zwangsläufig viel am Telefon. Dass er dabei seinen Namen oft zweimal sagen oder gar buchstabieren muss, daran ist er sich gewohnt: «Gio – va – ne – tto – ni», sagt er dann gelassen und schmunzelt über die

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Eigenkreationen seiner Gesprächspartner: «Von Toni, wenn sie nur den Schluss mitnehmen, bis Trapattoni oder Panettoni – alles schon gehört», sagt der 28-Jährige. Der Familienname stammt aus dem italienischen Chiavenna, dem Ort zwischen Graubünden und Tessin. Luca Giovanettonis Urgrossvater ist vor 110 Jahren nach Wil ausgewandert, wo er eine Hüh-


Vom einfachen Leben der Weberbauern

226 Seiten, Fr. 38.– ISBN 978-3-85882-807-1

nerfarm übernehmen konnte. Die Obere Mühle gibt es noch heute, allerdings ist es keine Hühnerfarm mehr, sondern ein Jugendzentrum. Und hier könnte sich der Kreis der Familiengeschichte schliessen: Luca Giovanettoni will nämlich Sozialarbeiter werden. Wird er vielleicht dereinst am selben Ort wirken wie vor über hundert Jahren sein Urgrossvater?

er demnächst in der Tasche, und ab kommendem Frühjahr will er Sozialarbeit an der Fachhochschule St. Gallen studieren. Besitzer eines Fussballvereins

Seine Freizeit verbringt Luca Giovanettoni mit Lesen und Fussballspielen. Die Arbeit im Verlagshaus habe ihn deshalb gereizt, weil er das Buch als Medium seit seiner Kindheit liebe. Als Jugendlicher hat er Kurzgeschichten geschrieben und «Ohne Zivildienst sogar zwei davon im kleinen hätte ich diesen Bereich Verlag seines Onkels veröffentlicht. nie kennengelernt. Das Fussballspielen findet Das war die beste seit seinem Kreuzbandriss Erfahrung meines Lebens.» 2014 eher im Kopf statt als auf dem Rasen oder in der Halle. Als Teenager wechselte Luca Giovanettoni vom FC Wil in den Hobbyverein eines Bekannten. Prägende Erfahrungen im Mittlerweile gehört ihm dieser Verein. Sozialbereich «Ich bin noch nicht sicher, ob ich später Und eigentlich möchten er und die andelieber mit Erwachsenen oder Jugendli- ren Spieler wieder wöchentlich auf dem chen arbeiten möchte», sagt Luca Giova- Platz stehen. Die Schwierigkeit besteht nettoni. Erfahrungen habe er bisweilen derzeit darin, eine Halle zu finden. Bis es nur mit Erwachsenen gemacht, und zwar soweit ist, hält er sich mit Badminton, sehr prägende. Er absolvierte seinen ge- Squash und Bouldern fit. Und dann ist da noch seine Familie. samten Zivildienst in sozialen Institutionen. «Ohne Zivildienst hätte ich diesen Luca Giovanettoni hat mütterlicherseits Bereich nie kennengelernt. Das war die eine ältere Halbschwester und väterlicherbeste Erfahrung meines Lebens», sagt er. seits vier jüngere Halbgeschwister. Da Ursprünglich ist der Wiler gelernter Kauf- sind also noch ein paar Kameraden, die mann. Nun arbeitet er auf sein Berufsziel ihn bei der Verbreitung des nicht ganz Sozialarbeiter hin. Die Berufsmatura hat einfachen Nachnamens unterstützen. ckö

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Die Reporterin und die Wölfe von Engelberg

242 Seiten, Fr. 34.– ISBN 978-3-85830-276-2

Eine Puschlaver Familiensaga

412 Seiten, ill., Fr. 38.– ISBN 978-3-85830-240-3

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«Weihnachten hat mit Erinnerungen zu tun» Die Urnäscherin Esther Ferrari liebt es, Geschichten zu erzählen. Diesmal sind es Weihnachtsgeschichten. Sie basieren auf Erlebtem, auf Ereignissen in der eigenen Familie und auf Gehörtem. Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Geschichten? Esther Ferrari: Ich muss die Geschichten nicht suchen, sie begegnen mir im Alltag, steigen hervor aus meinen Erinnerungen. Manchmal setze ich Erlebtes wie ein Puzzle zusammen. Meine Mutter und mein Vater haben mir vieles aus ihrer Jugend erzählt. Alle Geschichten haben einen wahren Hintergrund. Die Geschichten sind im Hinterländer Dialekt geschrieben. Aber aufgewachsen sind Sie im Wartauischen Azmoos … In meiner Kindheit haben wir zu Hause ausschliesslich Appenzeller Dialekt gesprochen. Meine Mutter war aus dem Ausserrhodischen Speicher. Ich hatte fast in jedem Ausserrhoder Dorf irgend­ welche Verwandte mütterlicherseits, die grossen Wert auf den Appenzeller Dialekt legten. Während meiner Schulzeit in Az-

moos, wo die Wartauer Mundart gängig war, wechselten meine Geschwister und ich unter der Haustür den Dialekt. Ich hatte einen Lehrer, der schrieb Bücher im Wartauer Dialekt. Er machte uns auf die Unterschiede der Dialekte aufmerksam. Mich liess er regelmässig Gedichte von Julius Amman rezitieren. Ich wusste viele auswendig. Meine Mutter lehrte uns viele Gedichte und Appenzeller Lieder. Sie war ein Genie im Auswendiglernen. Während ich mit ihr strickte – das mussten damals die meisten Mädchen täglich daheim –, rezitierte sie Gedichte oder erzählte Geschichten. Wir hatten kein Radio oder Fernseher, und Handys gab es noch nicht. Im Buch sind die Geschichten auch auf Hochdeutsch übersetzt. Wie gehen Sie dabei vor? Ich habe viele Notizen in Mundart. Die Geschichten oder Gedichte schreibe ich

Bewegender Heimatroman

Originelle Geschichten über originelle Menschen

192 Seiten, Fr. 28.– ISBN 978-3-85830-195-6

176 Seiten, Fr. 28.– ISBN 978-3-85882-770-8


am eint ber h c Ers ovem  N 26. 2020

Esther Ferrari möchte in ihren Geschichten den Glauben an das Gute vermitteln. Bild: caw

meistens auf Schriftdeutsch. Nicht alle ­lesen gern Mundart. Deshalb habe ich eine Fassung in Schriftdeutsch gemacht. Für mich ist es kein Problem, spontan einen schriftdeutschen Text in Mundart vorzulesen. Umgekehrt ist es etwas schwieriger wegen der vielen Wörter, die dem genauen Sinn nach kaum übersetzbar sind. Es gibt so viele schöne, träfe Mundartausdrücke, die kurz und bündig den Nagel auf den Kopf treffen. Leider geraten viele langsam in Vergessenheit. Das finde ich schade. Ich möchte einige von ihnen bewahren. Diesmal haben Sie Weihnachtsgeschichten geschrieben. Brauchen diese eine besondere Aussage? Für mich nicht. Ich habe erlebt, dass viele Menschen während dieser Zeit sensibler sind. Manche trauern alten Traditionen nach, andere sind mit dem Stress

überfordert, streiten oder flüchten sich in ein Stück heile Welt. Der Gedanke an das Kind im Stall, der Wunsch nach Wärme und Geborgenheit, nach einer Göttlichkeit, die sich im Kleinen offenbart, scheint immer präsent zu sein. Weihnachten hat auch mit Kindheitserinnerungen zu tun, mit Heimkommen. Vielleicht ist es der Glaube an das Gute, den ich transportieren möchte. Der Glaube, dass in jedem Menschen ein Licht brennt. Was bedeutet Ihnen Weihnachten und wie feiern Sie? Ich stelle die Krippe auf und ein Bäumchen. Als Kind ging ich mit meinem ­Vater zur Mitternachtsmesse. Mit un­ seren Kindern feierten mein Mann und ich immer im Wald, ehe die Kerzen am Bäumchen in der Stube angezündet wurden. ckö

Die Appenzellerin Esther Ferrari erzählt in lebendiger und packender Art Weihnachtsgeschichten aus dem Appenzellerland. Die Hauptrollen in den fünf Geschichten spielen ein zerzauster Engel auf der Suche nach dem Sinn seines Daseins, eine junge Frau, die an Weihnachten nach Hause findet, ein Mann, der seine Einsamkeit und Schüchternheit überwindet, Engelstränen, die sich in Sterne verwandeln, und eine Kuh, die ein Weihnachtskalb auf die Welt bringt. Geschichten für die ganze Familie, geschrieben in Urnäscher Mundart und übersetzt in die Schriftsprache, illustriert von Katja Nideröst.

Esther Ferrari Appenzeller Weihnachtsgeschichten Appenzeller Verlag 112 Seiten, ill., Fr. 24.– ISBN 978-3-85882-839-2

lage

2. Auf

360 Seiten, Fr. 38.– ISBN 978-3-85830-253-3


Eine Wesensbestimmung des Appenzellers

144 Seiten, Fr. 28.– ISBN 978-3-85882-805-7

Ein besonderer Adventskalender

200 Seiten, ill., Fr. 38.– ISBN 978-3-908166-64-1

Heilerin, Forscherin, Visionärin – ein bewegender biographischer Roman

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4. Au

228 Seiten, Fr. 34.– ISBN 978-3-85882-473-8

Von hene und dene geprägt In Sennwald ist er aufgewachsen, in Appenzell heimatberechtigt und im Toggenburg hat er Wurzeln geschlagen. Im Buch «Hene und dene» bringt Walter Hehli seine drei Heimaten zusammen. Es handelt von Landschaften und Menschen, von Glauben und Gerechtigkeit, von Krieg und Frieden, von Berg und Tal – und vom Leben und Tod, vom Diesseits und Jenseits. Den Sennwalder hört man Walter Hehli nicht mehr an. Den Dialekt seiner Kindheit hat der 80-Jährige längst abgelegt und sich sprachlich dem Toggenburg zugewandt. Was aber nicht heisst, dass alles vergessen ist. Trifft er sich mit Verwandten aus dem Werdenbergischen, sind die Wörter wieder da. Entsprechend ging ihm auch die Geschichte «Baarfuess uf de Chaschte», die er für sein neustes Buch im Sennwalder Dialekt verfasst hat, leicht von der Feder. Die Sprache ist nur eines von vielen Themen, die Walter Hehli in seinem Buch «Hene und dene» aufgegriffen hat. Dabei dreht sich alles um die Südostecke des Alpsteins mit dem Werdenberg, dem Toggenburg und Appenzell Innerrhoden. Dieses Dreieck ist Walter Hehlis Heimat. Insofern sei das Buch die Zusammenfassung seiner Lebensgeschichte – eine Liebeserklärung an seine Heimat und insbesondere an die südlichste Kette des Alpsteins. Von Weitsicht und Offenheit

Mit der Bergkette vom Hohen Kasten über Stauberenkanzel bis zu den Kreuzbergen ist Walter Hehli bestens vertraut.

Schon als Kind hat es ihn hinaufgezogen. Hinauf auf die Gipfel, die ihm Weitsicht auf die Bündner, Liechtensteiner und Vorarlberger Berge boten. Schon bald reizte ihn die Ferne. Nicht, weil es ihm im Dorf am Fuss des Hohen Kastens zu eng wurde, sondern der Ausbildung wegen. In Basel studierte er Theologie und freute sich am offenen Geist der Menschen in der Grossstadt. Freiheit und Offenheit prägten auch sein letztes Studienjahr, das er im niederländischen Utrecht verbringen durfte. Seine Welt wurde grösser, sein Horizont weiter. Und die Beschäftigung mit der Bibel spannte den Bogen zwischen einst und heute. Zurück in der Schweiz, trat er in Brunnadern sein erstes Pfarramt an. Später wechselte er nach Wattwil, wo er bis zu seiner Pensionierung als evangelisch-reformierter Pfarrer wirkte. Texte, Gebete und Gedichte von hene und dene

In «Hene und dene» bringt Walter Hehli die Vergangenheit und Gegenwart zusammen. Dabei erklärt er seine Heimat auch mit Texten, Gedichten und Gebeten von Persönlichkeiten, die das Werdenberg, das


Toggenburg und Appenzell Innerrhoden geprägt haben oder heute noch prägen: Ulrich Bräker, Ulrich Zwingli, Carl Hilty, Willy Fries, Peter Roth, Hans Boesch, Elsbeth Maag, Raymond Broger, Carlo Schmid, Roland Inauen … «Ich könnte die Besonderheiten von Land und Leuten nicht besser ausdrücken als sie», sagt Hehli. Die Vergangenheit hat die Menschen hene und dene unterschiedlich geprägt: Hier die unterdrückten Untertanen, dort die freien Landleute. Hüben der beschwerliche Ackerbau, drüben die reiche Sennenkultur. Diesseits der nüchterne Protestantismus, jenseits der barocke Katholizismus. Und dazwischen die südlichste Kette des Alpsteins als imposante Verbindung. Die Schönheit des Alpsteins begeistert Walter Hehli immer wieder. Es gibt kaum einen Weg, den er nicht erwandert hat. Beim Klettern hingegen musste er passen. «Leider», wie er betont. So werden die Kreuzberge sein Sehnsuchtsort bleiben, deren Zacken er aus der Distanz betrachten muss. Das Glück des Wanderns findet der rüstige Pensionär inzwischen auch im Kleinen. Es muss nicht mehr der Alpstein sein. Und auch nicht der Jakobsweg, den er in vier Etappen bis nach Santiago de Compostela gegangen ist. Mit seiner Frau Evi zieht es ihn oft auf den Salomonstempel ins Grenzgebiet von ­Ebnat-Kappel und Hemberg. An einen Ort, in dessen Umgebung gleiche mehrere prägende Politpersönlichkeiten leben. Wer sie sind? In «Hene und dene» erfahren Sie es. jsp

Der pensionierte Pfarrer Walter Hehli kennt die Regionen um den Alpstein bestens. Bild: caw

m eint a r Ersch be ovem 26. N 2020

Das Appenzellerland, das Toggenburg und Werdenberg haben mit dem Alpstein eine imposante Verbindung. Und trotzdem trennt der Berggrat zwischen Hohem Kasten und Kreuzbergen mehr als er vereint. Die Regionen unterscheiden sich sprachlich, geschichtlich, kulturell und konfessionell. Walter Hehli ist mit dem Alpstein hüben wie drüben vertraut. Seine Wurzeln greifen beiderorts tief. Mit einer Textsammlung zu Land und Leuten zeigt er die Unterschiede und lässt in die Ver-

gangenheit blicken – auf ein Hene und Dene, ein Diesseits und Jenseits, eine Innen- und Aussenseite der Wirklichkeit im Erleben der Menschen dieser Regionen. Walter Hehli Hene und dene Verlag FormatOst 240 Seiten, ill., brosch., Fr. 38.– ISBN 978-3-03895-023-3


Unsere Kalender fürs neue Jahr

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700 x 500 mm, Fr. 76.– ISBN 978-3-85882-829-3

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328 x 233 mm, Fr. 29.90 ISBN 978-3-03895-016-5

DER KLEINE POETISCHE JAHRESBEGLEITER

256 Seiten, ill., Fr. 18.– ISBN 978-3-85830-265-6

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FÜR MEHR ERFOLG IM GARTEN

64 Seiten, Fr. 18.50 ISBN 978-3-85882-831-6 Die Zeile, November 2020  13


ZEITREISE DURCH DIE GESCHICHTE DER NATURÄRZTE VEREINIGUNG SCHWEIZ

272 Seiten, ill., Fr. 44.– ISBN 978-3-85882-835-4

PETER K. WEHRLIS UNÜBLICHE ART DER WAHRNEHMUNG

376 Seiten, Fr. 28.– ISBN 978-3-85830-264-9

Eine Liebesbeziehung zweier Menschen am Lebensabend

Appenzeller Kalender: Gebrauchsgegenstand und Dekoration Der Appenzeller Kalender ist im Sommer zum dreihundertsten Mal erschienen. Der Oberegger Historiker David Aragai hat sich intensiv mit der Geschichte des ältesten Appenzeller Druckerzeugnisses befasst.

Sie haben die Geschichte des Appenzeller Kalenders aufgearbeitet. Was hat Sie dabei am meisten beeindruckt oder überrascht? David Aragai: Während der rund hundert ersten Jahre seines Bestehens war der Kalender das einzige Medium, welches im Appenzellerland produziert wurde. Zeitungen im heutigen Sinn gab es im 18. Jahrhundert hierzulande noch nicht. Deshalb war der Kalender neben religiösen Schriften wohl lange das einzige Schriftgut in den Appenzeller Haushalten. Man kann also annehmen, dass der Inhalt des Kalenders das Weltbild der Lesenden zu einem nicht unwesentlichen Teil mitprägte, vor allem, da im Kalender auch Nachrichten aus aller Welt inklusive Bebilderung abgedruckt waren. Mich hat nun überrascht, wie fortschrittlich und weltläufig für die Zeit diese Geschichten vielfach waren. Zum Beispiel wenn es darum ging, naturwissenschaftliche Phänomene wie Vulkane zu erklären, fremde Völker, von den Inuit bis zu den Pazifikinsulanern, vorzustellen oder damals neue Technologien wie Flugballone zu beschreiben. Von wem wurde der Appenzeller Kalender gekauft, gelesen und gebraucht und welchen Stellenwert genoss er in den Haushalten?

116 Seiten, Fr. 28.– ISBN 978-3-85830-263-2

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Das Publikum war von Anfang an die breite Landbevölkerung. Der Preis des Kalenders war denn auch immer recht tief. Dabei ist es interessant, dass der Kalender seit dem 18. Jahrhundert sowohl in Innerrhoden wie auch in Ausserrhoden gebraucht und gelesen wurde; hier scheint die Konfession für einmal keine Rolle gespielt zu haben. Und genauso wie auch auswärtige Kalender im Appenzellerland gebraucht wurden, wurde der Appenzeller Kalender auswärts gelesen. In den dreihundert Jahren seines Bestehens hatte der Appenzeller Kalender Zeit, zu einem festen Bestandteil des Appenzeller Haushalts zu werden, und zwar in der Stube aufgehängt in einem Holzrahmen, dem sogenannten Brattigtäfeli oder Brattigfueter. Diese häufig kunstvoll gestalteten Rahmen waren regelmässig auch ein Hochzeitsgeschenk für die Gründung eines neuen Haushalts. Der zentrale Platz im klassischen Appenzeller Haushalt zeigt den Stellenwert des Kalenders im Alltag. Wer braucht den Appenzeller Kalender heute? Geniesst er immer noch hohes Ansehen? Jedes Jahr werden rund 15 000 Stück des Kalenders gedruckt und verkauft. Das ist


Der Appenzeller Kalender feiert Jubiläum: Er erscheint 2020 zum 300. Mal. Erfolgreich geworden – und geblieben – ist der Appenzeller Kalender wegen seines praktischen Nutzens. Und weil er von der starken Marke Appenzell profitiert. Der Oberegger Historiker David Aragai hat die Geschichte des ersten periodisch erscheinenden Mediums des Appenzellerlands aufgearbeitet. Sein Artikel bildet den Schwerpunkt in der aktuellen Ausgabe des Appenzeller Kalenders auf das Jahr 2021. Daneben gibt es eine bewegende Reportage über eine Hausgeburt sowie das Porträt von Appenzeller-Kalender-Verkäuferin Mar­ grit Scherrer zu lesen. Nicht fehlen dürfen das bewährte und beliebte Kalendarium mit vielen praktischen Hinweisen, Fruchtbarkeitskalender und Marktverzeichnis, Ratgeber und Anleitungen sowie die Rückblicke auf die Geschehnisse in der Welt, der Schweiz und im Appenzellerland. Historiker David Aragai hat die Geschichte des Appenzeller Kalenders aufgearbeitet. Bild: cli

zwar lange nicht mehr so viel wie noch vor hundert Jahren, aber nichtsdestotrotz eine beachtliche Zahl: Die Leserschaft ist also vorhanden. Das Ansehen des Kalenders generiert sich meiner ­Meinung nach vor allem daraus, dass der Kalender zu einem jener Gegenstände geworden ist, die als typisch Appenzellisch wahrgenommen werden. Deshalb ist der Kalender an der Stubenwand heute auch vielfach eine Dekoration, die ein appenzellisches Flair verbreitet. Manchmal werden auch bewusst alte Kalender aufgehängt. Für viele Menschen ist der Appenzeller Kalender aber auch heute noch ein Gebrauchsgegenstand, in den Termine eingetragen und die Angaben konsultiert werden. Wie vor dreihundert Jahren werden das Marktverzeichnis und die astronomischen Angaben noch heute genutzt.

Christine König Appenzeller Kalender 2021 Appenzeller Verlag 160 Seiten, Fr. 13.80 ISBN 978-3-85882-830-9

Hat ein Printprodukt wie der Appenzeller Kalender in der heutigen Zeit überhaupt noch Berechtigung? Klar, wieso nicht? Sie finden heute übrigens auch alle Ausgaben des Appenzeller Kalenders vollständig digitalisiert auf der Internetseite e-periodica.ch. Das Tolle daran ist, dass man die Ausgaben auch nach Stichworten durchsuchen kann und so Artikel zu einem gewünschten Thema schnell findet. Den Sprung ins digitale Zeitalter hat der Appenzeller Kalender also geschafft. Aber wie hat es der Appenzeller Kalender geschafft, dreihundert Jahre lang beliebt zu bleiben und sogar über die Kantonsgrenze hinaus bekannt zu werden? Bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Kalender ein Grundbedürfnis, genauso wie wir heute unsere Agenda auf dem Smartphone brauchen. Die Nachfrage für

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den Appenzeller Kalender und auch alle anderen Kalender war damals also gesichert. Nun hat es der Appenzeller Kalender geschafft, zu einem jener Gegenstände zu werden, die für das Appenzellerland stehen und auch deshalb gekauft und gebraucht werden. Der Kalender ist sozusagen mehr als ein Kalender. Andere, auswärtige Kalender haben das häufig nicht geschafft, und deshalb gibt es sie wohl auch nicht mehr. ckö

Im Appenzeller Volkskundemuseum in Stein ist derzeit die Sonderausstellung «Himmel und Erde – 300 Jahre Appenzeller Kalender» zu sehen. Beleuchtet wird vor allem die Frühzeit des schweizeit auflagenstärksten Kalenders.


Gereimte Abenteuerlust von «10 chliine Puurechind» Zehn Kinder wirbeln in der Tracht des Toggenburgs durch den bäuerlichen Alltag, und mit jedem Abenteuer verabschiedet sich eines mehr. Die Ebnat-Kapplerin Judith Giger bringt in einem Erzählbuch mit Reimen und lustig-listigen Zeichnungen «10 chliini Puurechind» in die Kinderzimmer.

Der bald zweijährige Andres war der Auslöser. Er bewegte Judith Giger dazu, ihr Bücherregal nach Erzählgeschichten für ihren Enkel zu durchstöbern. Dabei ist sie auf das Buch «Zehn kleine Negerlein» gestossen. Die Geschichten der unternehmungslustigen Kinder begleiteten die 56-Jährige durch die eigene Kinderzeit, und später las sie Sohn und Tochter aus dem Büchlein vor. Im Kontext von «Black Lives Matter» möchte sie es aber nicht mehr nutzen. Warum also nicht eigene Abenteuer erfinden und sie mit eigenen Bildern illustrieren? Als sie im Februar wegen eines gebrochenen Fingers handicapiert war, nahm die Idee Formen an und sie sinnierte an Reimen. Dann kam Corona. Und damit zusätzliche freie Zeit. Judith Giger griff zu Farbstiften und gab den Versen Bilder – mit Bauernkindern in Tracht als Akteure.

Ihr Enkel hat Judith Giger zum Reimen inspiriert. Bild: caw

Erinnerungen an die Jugend

Die Verse hat Judith Giger im Toggenburger Dialekt verfasst, im Dialekt ihrer Heimat. Mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof in Ebnat-Kappel aufgewachsen, konnte sie auf viele lustige Erlebnisse zurückgreifen. Den Streich des «versteckten Melchstuhls» hat sie dem Vater einst selbst gespielt. Und beim Mädchen, das dem stinkenden Geissbock «flattiert», handelt es sich um ihre Tochter. Das eine oder andere Sujet lieferte das Familienalbum; jenes des Buben beispielsweise, der mit einem Holzstock in der Hand den Luftsprung übt. Bei der Umsetzung des Erzählbuchs konnte Judith Giger von ihren vielseitigen Fähigkeiten profitieren. Die Primarlehrerin mit Zusatzausbildung zur Schulischen Heilpädagogin zeichnet und malt leidenschaftlich gern. Während ihrer Oberstu-

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fenzeit besuchte sie Kurse beim Rickner Kunstmaler Val Rixen. Von ihm lernte sie, genau hinzuschauen. «Du musst das malen, was du siehst, und nicht das, was du denkst.» Dieser Satz hat sich bei ihr eingeprägt, er leitete sie beim Illustrieren der «Puurechind»-Geschichten an. Ijental, Speermürli, Speer und Stockberg bilden auf den Bildern die Kulisse. Die Berge sind ihr vertraut. Sie ist gern in der Natur unterwegs, im Sommer wandernd und im Winter skifahrend. Volksmusik, Gesang und Tracht

Judith Giger ist einer musikalischen Familie gross geworden. Ihr Vater sang und tanzte fürs Leben gern, spielte als Volksmusikant Mundharmonika und Bass. Die Begeisterung für die Volksmusik hat er an seine Kinder weitergegeben. Den Reimen von «10 chliini Puurechind» eine


EIN JAHR VIELER JUBILÄEN IM TOGGENBURG

Zehn Kinder wirbeln in der Tracht des Toggenburgs durch den bäuerlichen Alltag, und mit jedem Abenteuer verabschiedet sich eines von ihnen. Ein Bub schläft beim Tanzen «vor Müedi» ein, ein Mädchen «flattiert» beim Eintreiben der Ziegen dem Geissbock und bleibt stinkend zurück, ein nächstes verliebt sich in den Ferien, und ein Bub «gheit» beim Spielen am Bach ins Wasser … In lustig-listigen Zeichnungen zeigt Judith Giger mit farbenfrohen Bildern das Leben der «Puurechind» im Toggenburg. Ijental, Speermürli, Speer und Stockberg bilden die Kulisse. Selbst auf einem Bauernhof in Ebnat-Kappel aufgewachsen, ist die Autorin mit Land, Leuten und Traditionen vertraut. «10 chliini Puurechind» ist ein methodisch-didaktisches Erzählbuch im gut verständlichen Toggenburger Dialekt. Es richtet sich in Reimform an Kinder im Vorschulalter, die spielerisch zum Zählen von 1 bis 10 beziehungsweise von 10 bis 1 animiert werden.

Judith Giger 10 chliini Puurechind Toggenburger Verlag 32 Seiten, geb., ill., Fr. 29.80

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Historischer Roman aus dem Toggenburg nach einer wahren Begebenheit

ISBN 978-3-908166-92-4

Melodie zu geben, erschien ihr deshalb logisch. Ihr Neffe, der bekannte Volksmusiker Simon Lüthi jun., hat den Text vertont, gesungen werden die Verse von Nichte Claudia Scheuber-Lüthi und deren Töchter. Und dann ist da das Brauchtum, das Judith Giger ebenfalls geprägt hat. Mit Stolz trägt sie die Toggenburger Tracht. Wenn die Mutter Trachten genäht und die Tante Fichus gestrickt hat, hat die kleine Judith genau hingeschaut und später selbst zu Nähmaschine, Faden, Strickna-

deln und Garn gegriffen. Das Handarbeiten war jedoch in den letzten Jahren in den Hintergrund gerückt. Mit der Geburt von Andres hat sie sich aber wieder daran erinnert und im Kleinformat Brusttuch, Hemd und Hose angefertigt. Diesen Sommer kam ein Mini-Werktagsträchtli für das im Mai geborene Enkeltöchterchen Liara dazu. Den zwei Enkelkindern ist denn auch das entstandene Kinderbuch gewidmet. Wenn die Grossmutter aus «10 chliini Puurechind» vorliest, werden sie zwei Augenpaare anstrahlen. jsp

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200 Seiten, Fr. 28.– ISBN 978-3-85830-242-7


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Emanzipierte Künstlerinnen aus dem 19. Jahrhundert

Viele, bislang unausgewertete Quellen zu Willy Fries erforscht Von Anfang an war für Samuel Gossweiler aus Wattwil klar, dass seine Maturaarbeit keine halbbatzige Sache werden soll. Nicht im Traum hätte er jedoch daran gedacht, diese nach ­mehreren Auszeichnungen sogar als Buch in den Händen zu halten.

240 Seiten, ill., Fr. 38.– ISBN 978-3-03895-024-0

Einzigartige Volkskunst: Entwicklung und zeitliche Einordnung der Bauernmalerei

Im dritten Jahr an der Kantonsschule war der Name Willy Fries für Samuel Gossweiler noch kein Begriff. Inzwischen hat er sich mit dem aus Wattwil stammenden Kunstmaler so stark beschäftigt, dass der mittlerweile Zwanzigjährige als profunder Kenner des Künstlers bezeichnet werden kann. Mit seiner Maturaarbeit zu Willy Fries holte er nicht nur die Note sechs, er wurde auch mit einer Auszeichnung bei «Schweizer Jugend forscht» beehrt. «Die Krönung ist nun das Buch», sagt Samuel Gossweiler, der hofft, dass Willy Fries damit neu entdeckt und verstanden werden kann. Willy Fries (1907–1980) gilt als Provokateur seiner Zeit. Sein bekanntestes Werk ist der Bilderzyklus «Die Passion». Auf 18 Bildtafeln stellt er den Leidensweg Jesu Christi, wie er in den Evangelien beschrieben ist, im Toggenburg dar. Mit den Bildsujets kritisiert er indirekt das Mitläufertum der Schweiz gegenüber der Judenfeindlichkeit im Dritten Reich. Stundenlang in Archiv verbracht

64 Seiten, ill., Fr. 24.– ISBN 978-3-85882-225-3

In seiner Maturaarbeit hat sich Samuel Gossweiler unter anderem darauf konzentriert, Reaktionen zu diesem Bilder­ zyklus auszuwerten. Fündig wurde er im Archiv der Willy-Fries-Stiftung unweit

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seines eigenen Zuhauses. Auf unzählige, unausgewertete Quellen sei er gestossen, sagt Gossweiler. Alles sei so gelagert gewesen, wie es Willy Fries einst deponiert habe. Weil der Künstler ein Medienbeobachtungsunternehmen beauftragt hatte, kann gemäss Gossweiler davon ausgegangen werden, dass das Sammelsurium von Presseartikeln und Reaktionen zum Bilderzyklus ziemlich vollständig ist. Wie viele Stunden er im Archiv verbrachte, könne er nicht beziffern. Vier Wochen sei er jedoch fast Tag und Nacht dort gewesen. Das Bild, das Samuel Gossweiler von Willy Fries gewonnen hat, umschreibt er so: «Willy Fries war ein Wattwiler durch und durch, suchte jedoch gleichzeitig auch auf internationaler Ebene stets die Nähe zu wichtigen Personen. Er sah sich selbst als zeitkritischen Maler mit internationalen Beziehungen und folglich nicht als Normalbürger.» Menschen, die ihn noch persönlich gekannt haben, würden ihn als gradlinige Person beschreiben, die mit der eigenen Meinung auch aneckte. Per Zufall auf das Thema gestossen

Dass Samuel Gossweiler überhaupt auf Willy Fries stiess, ist einem Zufall zu verdanken. Bei der Suche nach einem Thema


Samuel Gossweiler gilt mittlerweile als Fries-Kenner. Bild: caw

für die Maturaarbeit war für ihn klar, dass es etwas an der Schnittstelle von Geschichte, Kunstgeschichte und Religionswissenschaften sein sollte. Sein Geschichtslehrer machte ihn auf die «Bekennende Kirche», eine Widerstandsbewegung im Dritten Reich, aufmerksam. Auch der Theologe Dietrich Bonhoeffer gehörte zu ihr. Auf der Suche nach möglichen Verbindungen zur Schweiz fand Samuel Gossweiler in einem Buch über die Flüchtlingsnot und die Haltung der St.  Galler Kirche zum Kirchenkampf in Deutschland eine Passage, in der Willy Fries erwähnt wurde. Von da an wusste er: «Dieser Mann wird mein Maturathema.» Völlig verständlich, dass Samuel Gossweiler zwischenzeitlich für ein Engage-

ment im Stiftungsrat der Willy Fries-Stiftung angefragt wurde. Er habe zwar zugesagt, könne jedoch nicht sagen, wie langfristig dieser Einsatz sein werde. Im Sommer 2021 will er mit einem Studium in Geschichte und Politikwissenschaften oder Internationalen Beziehungen beginnen. Aktuell macht er ein Zwischenjahr. Im Winter nimmt er in Frankreich an der theologischen Ausbildung einer internationalen christlichen Organisation teil. Nicht, weil er später als Theologe tätig sein will, sondern weil es ihn interessiert. Ein typisches Charakteristikum von Samuel Gossweiler: Wenn er die Chance hat, ein Thema zu verfolgen, macht er es. Bei Willy Fries resultiert daraus ein Buch. rf

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Er gehört zu den umstrittenen Schweizer Malern des 20. Jahrhunderts: der Wattwiler Kunstmaler Willy Fries (1908 –1980). Sein wohl wichtigstes Werk, der Bilderzyklus «Die Passion», besteht aus 18 Bildtafeln. Darauf stellt er den Leidensweg Jesu Christi, wie er in den Evangelien beschrieben ist, in seiner Heimat, dem Toggenburg, dar. Damit kritisiert er indirekt das Mitläufertum und die Gleichgültigkeit der Schweiz gegenüber der Judenfeindlichkeit im Dritten Reich. Fries hatte den Aufstieg des Nationalsozialismus von 1929 bis 1934 in Berlin miterlebt. Samuel Gossweiler ging im Rahmen seiner Maturaarbeit der Frage nach, wie das Werk von Willy Fries entstanden ist und welche Reaktionen es in der Nachkriegszeit ausgelöst hat. Für seine Arbeit wurde der Wattwiler von der Stiftung «Schweizer Jugend forscht» ausgezeichnet. Es gelingt ihm mit seinem Werk, einen neuen Zugang zu Willy Fries zu schaffen. Samuel Gossweiler Willy Fries – Künstler, Zeitkritiker und Staatsfeind Toggenburger Verlag 96 Seiten, ill., Fr. 24.– ISBN 978-3-908166-91-7


Gret Zellweger schenkt sich zum Geburtstag eine Ausstellung und einen Katalog. Bild: caw

75 Bilder für 75 Jahre In den Museen in Appenzell, Stein, Urnäsch – schon vielerorts im Appenzellerland hat Gret Zellweger ihre Kunstwerke ausgestellt, aber noch nie in ihrer Heimatgemeinde Teufen. Mit 75 Jahren ist es höchste Zeit, das nachzuholen.

Gret Zellwegers Geburtstag im April fiel mitten in den Lockdown der Coronakrise. Sie nutzte die Zeit allein im Atelier für eine 75-teilige Serienarbeit, die seit dem 27. September im Zeughaus Teufen zu sehen ist. Zu diesem kleinen Jubiläumsprojekt ermuntert wurde sie von Kurator Ueli Vogt. Vermutlich werde das «öppe» ihre letzte Ausstellung sein, meint Gret Zellweger. Sie spricht dabei ihr fortgeschrittenes Alter an, nicht etwa, dass die Lust an der Arbeit verschwunden wäre. In den Händen hält sie einen schmalen Stapel brauner Büttenpapiere. Es sind jene A4-formatigen Monotypien, die es nicht in die Auswahl fürs Jubiläumsbuch geschafft haben, die aber womöglich auf der schwarzgemalten Museumswand

besser ins Gesamtbild passen. Den heimatverbundenen Motiven, den Bergen, Kühen, Ziegen, Sennen, ist Gret Zellweger auch im aktuellen Projekt treu geblieben. Das Landleben und die Berge gehören zur Teufnerin. Sie ist mit drei Schwestern und einem Bruder auf einem Bauernhof im Farnbüel aufgewachsen. Und studiert man ihren Lebenslauf, gab es immer zwei Stränge: einerseits den praktischen Beruf in der Landwirtschaft, in der Postverwaltung oder bei der Säntisbahn, und daneben die Kunst mit berufsbegleitenden Ausbildungen. Seit vierzig Jahren lebt Gret Zellweger von ihrer Kunst. Insgesamt zwei Jahre verbrachte sie in Amerika. In den 1980erJahren präsidierte sie den Teufner Ge-

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werbeverein, war fast zwanzig Jahre Mitglied im Vorstand des Ausserrhoder Gewerbevereins und fast ebenso lange Präsidentin der Freizeitarbeitenausstellung der Lehrlinge beider Appenzell. Reine Handarbeit

Das Praktische liegt der Künstlerin. So will sie über den Inhalt des Jubiläumsbuchs zur Ausstellung im Zeughaus Teufen nicht zu viel verraten, ein bisschen Überraschung soll bleiben. Umso grosszügiger und offener gewährt Gret Zellweger Einblick in die Arbeitstechnik für die Monotypien. Sie erklärt, wie Acrylfarbe mit Kreidepulver und anderem vermischt auf einer kleinen Platte aufgetragen wird. Dann wird das Büttenpapier vorsichtig


DAS RORSCHACHER KOCHBUCH LÄDT ZUM ENTDECKEN UND GENIESSEN EIN Seit vierzig Jahren verdient Gret Zellweger ihren Lebensunterhalt als Kunstschaffende, malt Bilder, gestaltet Holzschnitte, Kalligrafien und Objekte aus Metall. Anlässlich ihres 75. Geburtstags stellt sie – zum ersten Mal – in ihrer Heimatgemeinde Teufen aus. Zur Ausstellung im Zeughaus erscheint dieser Katalog mit 75 Monotypien – für jedes Lebensjahr eine. Auf farbigem Hintergrund arrangiert sie handgeschnittene Tier-, Bergoder Mensch-Schablonen, kombiniert diese zu Brauchtums- und Bergsportszenen und spielt gekonnt mit Kontrasten. Das Ergebnis sind Monotypien so einzigartig und authentisch wie ihre Macherin.

Gret Zellweger

PERSÖNLICHE NOTIZEN ÜBER EINEN SOMMER IN DER HUNDSTEINHÜTTE

Appenzeller Verlag 164 Seiten, ill., brosch., Fr. 48.– ISBN 978-3-85882-838-5

auf die nasse Farbe gelegt und mit einer Hand festgedrückt. Auf dem farbigen Hintergrund arrangiert sie anschliessend ihre handgeschnittenen Tier-, Berg- oder Mensch-Schablonen und kombiniert diese zu lebendigen Brauchtums- und Berg­ sportszenen. Gekonnt spielt die Künstlerin mit Hell-Dunkel-Kontrasten. Nebst eigenen Ideen verwirklicht Gret Zellweger auch Auftragsarbeiten. «Ich durfte jüngst wieder sehr schöne Sachen machen», sagt sie und zeigt die Fotos einer kalligrafischen Arbeit, die sie auf einen Holzkoffer für einen Landsgemeindedegen gemalt hat. Wenn Gret Zellweger von ihrer Arbeit erzählt, leuchten ihre Augen. Sie steht im hauseigenen Atelier zwischen hunderten Bildern, überquel-

lenden Zeichnungsmappen, Farbtuben und Pinseln. Eine Reihe jungfräulich anmutender Pinsel warten in einem grossen Konfitürenglas auf ihren Einsatz. Zum Teil hat sie diese vor zwei Jahren aus Polen mitgebracht. 2018 gewann Gret Zellweger einen Preis der Ausserrhoder Kulturstiftung, was sie übrigens nie im Leben erwartet hätte, und verbrachte bei diesem Artist-in-Residence-Stipendium vier Monate in der polnischen Stadt Zakopane. Das Atelier sei hell und gosszügig gewesen, die Betreuung und die sprachliche Verständigung leider minimal. So blieb ihr auch in Polen viel Zeit zum Arbeiten. Und für ausgedehnte Wanderungen, für einmal im Tatra-Gebirge statt im geliebten heimischen Alpstein. kni

Die Zeile, November 2020 

152 Seiten, ill., Fr. 38.– ISBN 978-3-03895-021-9

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Die Zeile, September 2020


Oberau, Weite, Wartau. Bild: WJB 2020

«Zum Diskurs anregen darf es gern» Zum 33. Mal erscheint das Werdenberger Jahrbuch – diesmal mit einem emotio­ nalen Thema: Baukultur. Das 33. Werdenberger Jahrbuch rückt ein Thema ins Zentrum, das im Alltag für Gesprächsstoff und manchmal sogar für Zündstoff sorgen kann: die Baukultur ­sowie die Aspekte von Architektur und Siedlungsentwicklung und -gestaltung in der Region Werdenberg. «Wir finden, dass man eine Region gut begreifen kann, wenn man ihre Bauten, Plätze und Siedlungen anschaut. Sie können uns Geschichten erzählen», schreibt das Redaktionsteam, bestehend aus Sarah Mehrmann, Claudia Finkele und Clara Müller, im Vorwort der aktuellen Ausgabe. Entweder persönlich oder wissenschaftlich

Dreizehn Autorinnen und Autoren steuern interessante Texte zum Thema bei. Das Redaktionsteam hat ihnen viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Beiträge gelassen. «Wir haben Vertrauen in unsere Autorinnen und Autoren. Gerade die Siedlungsentwicklung ist ein emotionales Thema. Wir haben versucht, das Augen-

merk entweder auf subjektive Inhalte zu legen oder auf objektive, wissenschaft­ liche Herangehensweisen», sagt Sarah Mehrmann. Offensichtlich strittige, geplante Bauprojekte habe man absichtlich nicht thematisiert. «Und trotzdem bin ich sicher, dass sich die eine oder andere Aussage im Buch finden wird, die diskutiert werden möchte. Zum Diskurs anregen darf es gern.» Gedächtnis der Region

Sarah Mehrmann und Claudia Finkele gestalten das Werdenberger Jahrbuch seit 2017 mit, Clara Müller stiess zwei Jahre später dazu. Mit dem jungen Team versucht die Historisch-Heimatkundliche Vereinigung der Region Werdenberg (HHVW) das Jahrbuch attraktiver zu gestalten. Jahrbücher sind das Gedächtnis einer Region, dennoch verliert auch das Werdenberger Jahrbuch, wie viele andere vergleichbare Publikationen, stetig an Leserinnen und Lesern. «Wichtig ist uns, die Leserschaft einzubeziehen, sie zu einem Teil des Jahrbuchs zu machen», sagt Sarah Mehrmann. So ist in jeder Ausgabe ein Wettbewerb oder eine andere Art der Mitwirkung geplant. «Wir sind und bleiben zuversichtlich, dass das Jahrbuch weiterhin geschätzt wird.» ckö

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Baukultur, in unserem Alltag immer gegenwärtig, steht im Fokus des Werdenberger Jahrbuchs 2020. 13 Autorinnen und Autoren, darunter Architekten, Siedlungsexperten und Kunstschaffende, widmen sich mit unterschiedlichen Fragestellungen und Herangehensweisen der Architektur und Baukultur im Werdenberg. Es gibt eine Bildreportage zu speziellen Hausbauten und ein Porträt des Architekten Werner Gantenbein. Andere Beiträge widmen sich eingestürzten Alphütten, Bauernhäusern und einstigen Stickerhäusern. Nicht zu vergessen ein geschichtlicher Abriss über regionale Baugenossenschaften und Themen der Siedlungsentwicklung und des Ortsbildschutzes. Auch die Rubriken «Objekt des Jahres» und «Werdenberger Kulturschaffen» haben ihren Platz. Abschliessend wird in der Chronik an Geschehnisse des vergangenen Jahres in den Werdenberger Gemeinden erinnert. Längst ist das Werdenberger Jahrbuch zu einem Liebhaberbuch geworden.

Historisch-Heimatkundliche Vereinigung der Region Werdenberg Werdenberger Jahrbuch 2020 Verlag FormatOst 256 Seiten, geb., ill., Fr. 45.– ISBN 978-3-03895-025-7


Bekanntes und unbekanntes im Appenzellerland entdecken

Die Aussicht von Rehetobel bleibt für Yiğit Topkaya unvergessen 2019 feierte Rehetobel das 350-jährige Bestehen als selbstständige Gemeinde. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat sich das Dorf stark gewandelt. Vom Tourismus nicht überrollt, ist es heute primär ein Wohndorf. Zur Aufarbeitung der jüngeren Geschichte konnte der Basler Historiker Yiğit Topkaya gewonnen werden.

304 Seiten, Fr. 38.– ISBN 978-3-85882-808-8

Die Karte mit Kultstatus für Wanderprofis

Als Yiğit Topkaya 2018 mit seiner Familie im Alpstein auf Wandertour war, ahnte er noch nicht, dass ihn ein Dorf im Appenzellerland bald intensiv beschäftigen würde: Rehetobel. In den letzten Monaten hat er zusammen mit drei weiteren Autorinnen und Autoren die Gemeindegeschichte seit 1969 aufgearbeitet und dabei manch ein Interview mit Einheimischen und Zugezogenen geführt. Topkayas erster Eindruck des Ausserrhoder Dorfs im Appenzeller Vorderland bleibt unvergessen: die Aussicht vom Restaurant Gupf. «Sie war prägend. Auf der einen Seite das Appenzellerland mit dem Alpstein, auf der anderen Seite das Kontrastprogramm mit dem Bodensee.» Mit dem einmaligen Rundum-Weitblick steigt Yiğit Topkaya denn auch ins Buch ein. Vom Textildorf zur Wohngemeinde

Der 43-Jährige ist freischaffender Historiker und arbeitet im Stellwerk in Basel, wo sich viele weitere Freischaffende in einem Co-Working-Space zusammengefunden haben. Als er erstmals mit dem Projekt der Gemeindegeschichte in Rehetobel in Berührung kam, hatte er eine Assistenzstelle an der Universität Zürich inne. Über Historiker Luregn Fr. 38.– ISBN 978-3-85882-821-7

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Lenggenhager aus Rehetobel erfuhr er vom Projekt, welches zum damaligen Zeitpunkt allerdings schon fortgeschritten war. Dennoch erlebte Yiğit Topkaya eine grosse Offenheit und konnte seine Ideen einbringen. Dabei stellte er eine Frage ins Zentrum: Wie kann sich ein Dorf, das jahrhundertelang als Textildorf überlebt hat, zu einer Wohngemeinde wandeln? Eine der interessantesten Antworten habe er von Renate Bieg, der stellvertretenden Leiterin des Ausserrhoder Staatsarchivs, erhalten. Sie machte Yiğit Topkaya darauf aufmerksam, die Schweizer Raumplanung genauer anzuschauen. Dieses auch für den Historiker neue und interessante Gebiet öffnete den Blick für zahlreiche Entwicklungen. Ob sich Rehetobel auch künftig als Wohnort etablieren kann, muss offengelassen werden. «Das hängt vom Urbanisierungsprozess in den nächsten Jahrzehnten ab», sagt Yiğit Topkaya. Seit der Coronapandemie, welche das Gefühl von Enge und Dichte noch sichtbarer machte, habe in verschiedenen Ländern eine Bewegung eingesetzt, wonach Einwohner, die es sich leisten können, aufs Land ziehen würden. Fraglich bleibe, wie nachhaltig dieser Prozess sei.


«An Weitblick mangelt es in Rehetobel nicht.» 1969 noch ein Textildorf, präsentiert sich dieser Ort im ­Appenzeller Vorderland heute als attraktive Wohngemeinde. Von diesem Wandel handelt die neue Gemeindegeschichte, verfasst von einem vierköpfigen Autorenteam. Neben dem historischen Teil schildern Zeitzeugen in Interviews ihren Bezug zum Dorf und wie sie die Veränderungen der letzten Jahre erlebt haben. Nicht alle von ihnen sind in Rehetobel aufgewachsen, doch sie alle haben ihre Gründe, weshalb sie hierherkamen. In unterschiedlichen Funktionen und durch verschiedene Engagements haben sie die Dorfentwicklung mitgeprägt. Zahlreiche Fotos dokumentieren die Veränderungen bildlich. Es ist eine moderne und lebendige Dorfgeschichte entstanden, die den Wandel und das Fortdauernde in den Blick nimmt: die Vereine, das Ortsbild mit den Zeugnissen der ehemaligen Textilindustrie, das Heimwesen, die Dorfkirche, die Gasthäuser, die Raumplanung und die Dorfbevölkerung.

Yiğit Topkaya Ein Textildorf im neuen Gewand – Rehetobel 1969–2019 Appenzeller Verlag 180 Seiten, geb., ill., Fr. 42.– ISBN 978-3-85882-820-0

Historiker Yiğit Topkaya hat sich vor allem mit Rehetobels Wandlung vom Textildorf zur Wohngemeinde beschäftigt. Bild: caw

Dass sich Yiğit Topkaya überhaupt auf das Buchprojekt in Rehetobel einliess, hat verschiedene Gründe. In den Jahren 2017/18 absolvierte er eine Weiterbildung im Bereich Wissenschaftsjournalismus mit dem Ziel, sich ein Handwerk und eine Sprache anzueignen, um breite Bevölkerungskreise zu erreichen. Überdies hatte er sich bereits während seines Studiums mit der Entwicklung ländlicher Gemeinden befasst. Das Buch über Rehetobel zeige exemplarisch anhand einer Gemeinde

auf, welche Entwicklungen die letzten Jahrzehnte prägten. Yiğit Topkaya ist überzeugt, dass viele andere ländliche Gemeinden Ähnliches durchgemacht haben. Authentische Zeitzeugen

Lesenswert ist das Buch auch deshalb, weil es nebst dem fachlich-historischen Teil diverse Interviews mit Zeitzeugen gibt. Authentisch geben sie wieder, wie sie die Veränderung im Dorf erlebt haben und wie sie selbst durch das Dorf geprägt

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wurden. In sogenannten Spotlights werden Firmen, Infrastrukturprojekte oder die Gastronomie und Krankenpflege in den Fokus gerückt. Nicht auf alle Themen wäre er selbst gekommen, sagt Yiğit Topkaya. Die Vielseitigkeit dieser Gemeindegeschichte sei auch dem Umstand geschuldet, dass nebst ihm drei weitere Autorinnen und Autoren zum Gelingen des Projekts beigetragen haben: Monika Golay-Boller, Anita Kast und Hanspeter Spörri. rf


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Geschichtsträchtiges Städtli Werdenberg Werdenberg ist mehr als eine Postkartenkulisse. Erstmalig beleuchtet ein neues Standardwerk die Gründung und Entwicklung des Städtlis im Mittelalter. Das Städli Werdenberg sei ein schönes Touristenziel, findet Denkmalpfleger Moritz Flury-Rova. Bild: caw

Für den St. Galler Denkmalpfleger Moritz Flury-Rova ist Werdenberg ein Glücksfall. Über die Jahrhunderte praktisch unverändert geblieben, sei es heute ein kleines, feines Touristenziel mit einer Burg, wunderschönen Häusern und sogar einem Ortsmuseum im sogenannten Schlangenhaus. Dabei wurde Werdenberg im Mittelalter nicht als Stadt gebaut. Im Jahr 1260 gab es nur ein paar verstreute Häuser, eine Stadtmauer fehlte. Bemerkenswert findet Moritz Flury-Rova auch, dass die einstigen Grafen, die als Stadtherren regierten, Leute aus der Bevölkerung als Vögte einsetzten. «Einheimische in dieser Rolle, das war damals sicher ungewöhnlich», erklärt er. Der Denkmalpfleger hat für das Standardwerk «Werdenberg – Stadt im Mittelalter» nicht selbst recherchiert, wohl aber die involvierten Historikerinnen und den Historiker sowie die Buchentstehung begleitet. Die Autoren Caroline Krumm, Sibylle Malamud und Heinz Gabathuler näherten sich dem idyllischen Ort und seinen Menschen auf ganz unterschied­ liche Weise an. «Für ihre Forschungen kroch Caroline Krumm zwei Jahre lang durch Häuserkeller», erklärt Moritz Flury-Rova. Ihre archäologischen Erkenntnisse der bislang wenig erforschten Altstadt fasste sie auf fünfzig Seiten zusammen für einen neuen Band in der Reihe «Die Kunstdenkmäler der Schweiz».

Als mittelalterliche Stadt, die in ihrer Gründungsphase «steckenblieb», offenbaren Werdenbergs Bauten anschaulich den Prozess der Stadtwerdung. Bauforscherin Carolin Krumm zeichnet die Bauentwicklung Werdenbergs anhand bauarchäologischer Analysen von ausgewählten Häusern nach. Historiker Heinz Gabathuler stellt Menschen vor, die im Mittelalter das Städtli bewohnten. Inwiefern Werdenberg bereits im Mittelalter als Stadt galt, untersuchte die Rechtsquellenforscherin Sibylle Malamud. Heinz Gabathuler, Carolin Krumm, Sibylle Malamud Werdenberg – Stadt im Mittelalter FormatOst 160 Seiten, geb., ill., Fr. 48.– ISBN 978-3-03895-022-6

Das Kapitel bot aber viel zu wenig Platz für alle neuen Erkenntnisse rund um das Städtli. Darum entstand die separate, umfangreiche Publikation. Das freut Moritz Flury-Rova. Nun habe man aus denkmalpflegerischer Sicht erstmals ein brauchbares Arbeitsinstrument für weitere Forschungen im Städtli. Gedacht ist das Fachbuch nicht nur als Arbeitshilfe für die Denkmalpflege im Kanton St. Gallen. Historisch Interessierte, Baufachleute, Einwohner in der Region, kurzum alle, die sich für Werdenberg interessieren, erfahren viel Wissens-

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wertes, das bislang nirgends nachgelesen werden konnte. Und wie lebt es sich in Werdenberg heute? In den rund drei Dutzend Häusern im Städtli Werdenberg wohnen laut Moritz Flury-Rova Einheimische und Zweitwohnungsbesitzer. In derart alten Häusern mit viel Charme, aber auch einigen Einschränkungen zu leben, das müsse man wollen. Dass das Städtli nach wie vor bewohnt und nicht nur eine Touristenkulisse ist, freut den einst aus Biel in die Ostschweiz übersiedelten Moritz Flury-Rova besonders. kni


Rezepte aus aller Welt

Schmökern und stöbern in unserem Verlagsladen Im Verlagsladen Schwellbrunn finden Sie Unmengen von Büchern, Kalendern, Zeitschriften und Grusskarten – also alles, was aus unseren fünf Belletristik- und Sachbuchverlagen noch lieferbar ist. Jährlich geben wir um die dreissig Neuerscheinungen heraus, die Backlist umfasst über siebenhundert Titel. Von Anthologien über Biografien, Romane und Krimis bis hin zu Sach-, Mundart- oder Kinderbüchern – da ist bestimmt für jeden und jede etwas dabei. Kommen Sie vorbei und schmökern Sie in unserem grossen Sortiment. Unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln ist das problemlos möglich.

In der Kleberei Rorschach wurde Anfang September das Buch «Rorschach kocht» vorgestellt. Es nimmt sich des Essens und der kulinarischen Besonderheiten am See an. Hinter dem Projekt steht eine Gruppe kochbegeisterter Seniorinnen und Senioren. Unter den knapp fünfzig Gästen weilte auch Stadtpräsident Robert Raths. Den musikalischen Rahmen besorgten Töbi Tobler (Hackbrett) und Patrick Sommer (Bass). Nicht nur historische Rezepte wurden vorgestellt, sondern auch Rezepte aus aller Welt.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr.

Gratisparkplätze vor dem Haus.

NOTIZ AUS D EN VERLA EM GS HAUS Philipp Probst präsentiert seine Romane

Teamanlass im «Hirschen» Wer täglich miteinander arbeitet, soll es sich auch einmal gut gehen lassen: In diesem Jahr lud das Verlegerpaar Marcel und Yvonne Steiner das Verlagshaus-Team ins Restaurant Hirschen in Schwellbrunn ein. Kulinarische Köstlichkeiten prägten den Abend ebenso wie die Geselligkeit und die eine oder andere Runde am «Töggelikasten». Zusammen mit den Partnerinnen und Partnern haben wir den Abend abseits des Geschäftsalltags genossen.

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Grosser Auftritt für Philipp Probst: Am 19. Oktober hat er seine beiden Romane «Alpsegen» und «Wölfe» im Rahmen einer Doppelvernissage bei Orell Füssli in Basel vorgestellt. Im Gespräch mit Roger Fuchs vom Verlagshaus Schwellbrunn verriet er, weshalb seine Hauptfigur eine Frau und dazu noch Reporterin ist. Schreiben sei eine einsame Angelegenheit, deshalb freue er sich, endlich seine Bücher dem Publikum präsentieren zu können, sagte Philipp Probst. Angesichts der wieder steigenden Coronafälle trugen sämtliche 60 Anwesende Gesichtsmasken. Philipp Probst machte mit einigen Ausschnitten aus den Büchern Lust auf mehr, entsprechend lang war anschliessend die Schlange an der Kasse. In einem zwanzigminütigen Gespräch begründete er seine Wandlung vom Krimischreiber zum Soap-Autor. Zudem hielt er fest, dass er sich bewusst für eine weibliche Hauptfigur entschieden habe. Doch wie denkt man sich als Mann in eine solche hinein? «Man schaut Rosamunde Pilcher», so Philipp Probst lachend. Dass die Hauptfigur Reporterin ist, hängt mit Probst eigener Vergangenheit als Journalist zusammen.

Die Zeile, November 2020


Bücher – Objekte zum Brauchen Kunst und Musik – diese zwei Spuren haben Gabriele Barbey richtig geleitet. Das Bücherregal auf Seite 5 gehört Werner Meier aus Trogen, Grafiker, ehemaliger Lehrer für Bildnerisches Gestalten, Geigenspieler und einstiger Silvesterchlaus.

Werner Meier erinnert sich ebenfalls an die von «Wer liest da?»-Autorin Gabriele Barbey beschriebene Begegnung: «Was sie angetroffen hat, war unser Schuppel in Kuh-Kostümen aus echten Kuhfellen. Ich ging als Bläss hinterher, die Kopfmaske präpariert aus einem echten Blässfell, das einmal als Bettvorlage gedient hat.» Zwanzig Jahre lang chlauste der heute 64-Jährige als Noerolli; üblicherweise in einem Schuppel schöner Silvesterchläuse in Stein, wo er auch aufgewachsen ist. Die Tierkostüme waren eher eine Ausnahme, ausdrucksstark und wetterfest. Aufräumen nach getaner Arbeit

Das Foto auf Seite 5 zeigt den Hauptteil des Bücherregals von Werner Meier. Es sei gewachsen mit seiner Biografie, seinen privaten und beruflichen Interessen. Bücher sind für ihn schöne Objekte, aber auch Zeitdokumente – und zum Brauchen da, wie Gabriele Barbey richtig bemerkt hat. «Die Zettel zeugen vom Gebrauch für die Schule. Das Buch diente mir als Nachschlagewerk oder Kopiervor-

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Kunst oder Musik? Und!

lage. Ich habe auch schon Bücher zerschnitten, natürlich nicht die kostbarsten, um Text und Bild in Ergänzung zum digitalen, flüchtig Projizierten einsetzen zu können.» Werner Meier unterrichtete fast vierzig Jahre lang Bildnerisches Gestalten an der Kantonsschule Trogen; diesen Sommer wurde er pensioniert. Das Bücherregal hat er in den letzten Wochen gesichtet und ausgedünnt. «Aufräumen tut gut nach getaner Arbeit: Platz schaffen, befreien.»

Kunst oder Musik? Vor dieser Frage stand Werner Meier als Jugendlicher. Als Geigenspieler sei er nahe an der Ausbildung an einem Konservatorium gewesen, habe sich dann aber doch für das Bildnerische entschieden. Musik begleitete ihn dennoch ein Leben lang. Er spielt im Appenzeller Kammerorchester, ab und zu in einer Streichmusik, improvisiert mit anderen Musikern. Und die Musikanlage Pioneer bringt auf angenehme Weise den Konzertsaal ins Atelier beziehungsweise in die Arbeitsstube mit diversen Musik­ stilen von Bob Dylan bis Brahms. ckö

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Werner Meier. Bild: caw

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Der Dichtung ist mit unserem Verstand nicht beizukommen, sie reisst ihn mit sich fort und wirft ihn um. Michel de Montaigne

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Der Ort für Poesie und Prosa mit Schwerpunktthema, Hinweisen auf Bücher und Veranstaltungen und einer Galerie voller Poesie

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Dienstag, 3. November, bis Sonntag, 22. November 2020 14 – 19 Uhr

Umständehalber kann dieses Jahr die Herbstausstellung «Feiern & Lesen» nicht wie gewohnt stattfinden. An ihre Stelle tritt ein 20-tägiger Sonderverkauf mit stets gleich attraktivem Angebot. Das sind weihnachtliche Gestaltungen, Wohnaccessoires und natürlich Bücher und Kalender. Wir freuen uns, Sie in einem kleineren, persönlicheren Rahmen begrüssen zu dürfen. Aufgrund der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln kann es zu kurzen Wartezeiten kommen. Walter Zellweger Meisterflorist und Gestalter Egg 81, 9103 Schwellbrunn walter-zellweger.ch

Richtung Herisau Richtung Degersheim

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DIE ZEILE 03 2020