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Mai/Juni 2020 Fr. 8.–

Zu Besuch in der Brauerei St. Johann Leben mit und nach Corona Gesangstalent Remo Forrer aus Hemberg


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orona dominiert noch immer unseren Alltag und die Schlagzeilen. Auch auf das Toggenburger Magazin hat das Virus seine Auswirkung: Das Magazin ist dünner als gewohnt. Diese Ausgabe zählt 32 statt 48 Seiten – die Rubriken Zuhause, En Guete sowie der Wandervorschlag fallen für ein Mal weg. Die Kolumne «Eine Prise Brisi» finden Sie ausnahmsweise hinten im Heft. In der nächsten Ausgabe soll aber alles wieder beim Alten sein. Aus aktuellem Anlass haben wir Toggenburgerinnen und Toggenburger verschiedener Altersgruppen zu ihren Eindrücken und Meinungen im Alltag mit und nach Corona befragt. Das Virus hatte auch Auswirkungen auf die Finalsendung von «The Voice of Switzerland». Statt vor Publikum musste Remo Forrer aus Hemberg seinen Song im heimischen Wohnzimmer zum Besten geben. Nach dem Sieg verspricht er: «Ihr werdet noch viel von mir hören.» Wir sind gespannt. Da die Restaurants geschlossen sind, schlägt die Brauerei St. Johann in Neu St. Johann vor, die Beizentour in den eigenen vier Wänden durchzuführen. Die #stayathome-Box enthält mehrere Flaschen, die beispielsweise in der Küche, im Wohnzimmer und im Schlafzimmer hingestellt und auf der Runde durchs Haus getrunken werden können. Ich habe mein Bier im Garten genossen – bei Sonnenschein, Vogelgezwitscher und Bienensummen. In dem Sinn: Prosit auf gute Gesundheit und die kleinen Glücksmomente im Alltag!

Prosit auf gute Gesundheit und kleine Glücksmomente!

Maria Kobler

Titelbild: Selina Büchel beim Joggen. Bild: Carmen Wueest. Herausgeber: Toggenburger Verlag, Schwellbrunn. Verleger: Marcel Steiner. Redaktion: Maria Kobler, Roger Fuchs, Katja Nideröst. Fotografie: Carmen Wueest, Katja Nideröst. Adresse: Toggenburger Magazin, Im Rank 83, CH-9103 Schwellbrunn, verlag@toggenburgerverlag.ch, www.toggenburgerverlag.ch. Verlagsservice/Abonnemente: Tel. 071 353 77 55, verlag@ toggenburgerverlag.ch. Preise: Einzelverkauf: Fr. 8.–, Jahresabonnement: Fr. 43.–, erscheint sechsmal pro Jahr. Gestaltung: Janine Durot, Daniela Saravo, Josef Scheuber. Anzeigenverkauf: Luca Giovanettoni, Tel. 071 353 77 42, luca.giovanettoni@toggenburgerverlag.ch.

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24.


INHALT 4 HEIMAT

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10 TALAUF TALAB

12 22 30 EINE PRISE BRISI 31 ZUHAUSE BLEIBEN 32 AUF DEM ROTEN STUHL Hanspeter Schumacher

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Siegreicher Sänger Remo Forrer aus Hemberg hat «The Voice of Switzerland» gewonnen. Mit der grossen Bühne wird es wegen Corona vorerst nichts. Er treibt seine Karriere im Netz voran.

Erfolgreiche Brauerei Die Brauerei St. Johann in Neu St. Johann setzt auf Spezialitäten – mit Erfolg. Ihre Biere sind bereits mehrfach mit Swiss Beer Awards ausgezeichnet worden.

Aussergewöhnliche Zeiten Clarisse Pellizzari ist eine von acht Personen aus dem Toggenburg, die wir zum Leben mit Corona befragt haben. Sie verbringt viel Zeit in ihrem Garten.


4

HEIMAT


HEIMAT

Der Frühling zeigt sich am Magdenauer Weiher in Wolfertswil, in der Nähe von Degersheim, von seiner besten Seite. In unmittelbarer Nähe des Weihers befindet sich das Kloster Magdenau. Im Bild ist das Restaurant Klosterhof Rössli zu erkennen. Carmen Wueest: Bild

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6 Remo Forrer


Remo Forrer 7

1500 Gesangstalente hat er hinter sich gelassen: Sportartikelverkäufer Remo Forrer aus Hemberg gewinnt die dritte Staffel «The Voice of Switzerland» und gilt als neuer Star der Musikszene. Und damit ist klar: Seine Zukunftspläne drehen sich um Musik. Gleichzeitig blickt er zurück auf eine Zeit, die ihm die eine oder andere Überraschung bescherte. Roger Fuchs: Text / Carmen Wueest: Bilder

Remo Forrer aus Hemberg ist mit einem grossen musikalischen Talent gesegnet.

ls wäre es ein Kinderspiel, singt sich der 18-jährige Remo Forrer bei «The Voice of Switzerland» an die Spitze. In der Livesendung, die wegen des Corona-Lockdowns nicht wie üblich aus einem Fernsehstudio, sondern aus dem Wohnzimmer der Finalisten kam, setzte sich das Toggenburger Talent gegen die verbliebenen sieben Konkurrentinnen und Konkurrenten durch. Die Zuschauer kürten ihn mittels Telefonvoting zum neuen Star. Sein Coach Noah Veraguth, Leadsänger der Schweizer Band Pegasus, überbringt ihm via Bildschirm die Erfolgsmeldung und Glückwünsche direkt nach Hause ins Wohnzimmer, wo er zuvor «Sign of the Times» von Harry Styles performte. Kaum zu glauben, dass ein solches Musiktalent nicht Noten lesen kann. «Ich mache alles über mein Gehör, das habe ich vermutlich von meinem Vater geerbt, auch er spielt nur nach Gehör», sagt Remo Forrer dazu. Und macht damit klar: Er stammt aus einer musikalischen

Familie. Präziser: aus einer volkstümlich musikalischen Familie. Vater und Bruder haben kürzlich die Formation «Hemberger Gruess» gegründet.

Kann den Sieg kaum fassen Remo Forrers Leidenschaft hingegen ist die Popmusik. «Geili Sieche» nennt er die Zuschauer in einer ersten Reaktion, als er von

«Ich kann keine Noten lesen und mache alles über mein Gehör.» seinem Sieg erfährt. Auch tags darauf kann er es kaum glauben. «Ich brauche noch ein paar Stunden, um es zu verdauen.» Gleichzeitig kann er die Enttäuschung darüber, ausgerechnet in der Coronazeit zu gewinnen, nicht ganz verbergen. Einige Medien behandeln den Sieger im Vergleich zu früheren Ausgaben eher


8 Remo Forrer

stiefmütterlich. Um beim Publikum präsent zu bleiben, wäre es wichtig, nun mit Auftritten zu überzeugen. «Ich werde stattdessen in den sozialen Medien Vollgas geben mit Posts und Videos», sagt Forrer, der dank seines Siegs einer Sache gewiss sein kann: Es winkt ein Vertrag des Musiklabes Universal Switzerland. Zwei Tage nach der Sendung konnte er bereits einen Siegersong produzieren, der am 17. April auf den Markt kam. Der Titel heisst «Home». Nicht ausgeschlossen, dass Remo Forrer angesichts dieser Lebensveränderung früher oder später sein berufliches Pensum reduziert. Vorerst steht jedoch an seinem Ausbildungsort Intersport Metzger in Wattwil die Lehrabschlussprüfung zum Sportartikelverkäufer an.

Alle Juroren begeistert Mit welch grossem Talent Remo Forrer gesegnet ist, verdeutlichen die verschiedenen Etappen auf dem Weg zum Sieg: Nach dem Bewerbungsverfahren überzeugte er bei «The Voice of Switzerland» in den sogenannten Blind Auditions. Dabei hören die Juroren nur die Stimme der Sängerin oder des Sängers. Gefällt sie ihnen, drücken sie einen roten Knopf. Tut dies niemand, scheidet der Kandidat aus. Remo Forrer begeisterte alle fünf Juroren, jeder wollte ihn in seinem Team haben. Der Toggenburger entschied sich für Noah Veraguth von Pegasus. Das war kein Zufall: «Ich habe zu seiner Musik die grösste Verbindung. Und er ist ein cooler Typ.» Bei sogenannten Battles werden in einer weiteren Phase Duette mit Sängerinnen oder Sängern aus dem gleichen Team bestritten. Übersteht man auch diese Hürde, ruft das Finale. Viele Fans hielten Remo Forrer von der ersten Sendung an die Treue und überschütteten ihn mit Lob. «Wunderbar gsunge. Und da vom Hemberg. S’Toggeburg isch musikalisch scho stark», war auf Facebook ebenso zu lesen wie «Du häsch nöd nur e Hammer Stimm, du stahsch au souverän uf de Bühne. Gratuliere». Was Remo Forrer selbst über sich sagt, glaubt man ihm aufs Wort: «Ich lebe für die Musik.» Sie gebe ihm Kraft und Energie. Auch wenn er einen schlechten oder stressigen Tag gehabt habe, lege er sich nicht einfach ins Bett, sondern sitze ans Klavier und könne dank der Musik herunterfahren und sich beruhigen.

Die Zusage kam im Europapark Doch wer hat ihn eigentlich zur Teilnahme angemeldet? «Ich selbst», sagt Forrer, der die-

Nach dem Sieg freut sich Remo Forrer über seine erste Single «Home».

sen Traum seit 2012 verfolgt. Damals schaute er die Sendung «Die grössten Schweizer Talente», aus der die Luzerner Sängerin und

«Ich lebe für die Musik. Sie gibt mir Kraft und Energie.» Pianistin Eliane Müller als Siegerin hervorging. Sie sei stets ein Riesenvorbild gewesen. Nebst einigen Konzertbesuchen habe er sie sogar persönlich kontaktiert, als er einen Vortrag über sie vorbereitete. Nach der Anmeldung im November 2018 dauerte es bis März 2019, bis Remo Forrer eine Bestätigung für seine Teilnahme bekam. Es folgten zwei Castings ohne Fernsehpublikum. Dass er danach wiederum lange nichts hörte,


Jede freie Minute macht er Musik – auch zu Hause. Sie hilft ihm, nach einem stressigen Tag herunterzufahren.

während andere schon längst Bescheid bekommen hatten, hatte einen Grund: Forrer sollte überrascht werden. «Eines Tages hat mich eine Kollegin in den Europapark eingeladen», erinnert er sich. Als sie sich für einen Moment ausklinkte, suchte sie allerdings nicht die Toilette auf, sondern wurde verkabelt. Sie wusste genau, wann sie mit Remo wo stehen musste. «Sie führte mich zu einem Umzug, der jeweils im Park stattfindet, obschon ich lieber Bahnen gefahren wäre», sagt der Toggenburger. Eine Euromaus mit einer Kiste in der Hand machte direkt vor ihm Halt und forderte ihn auf, diese zu öffnen. Darin lag die Botschaft, dass er es in die Sendung geschafft habe. So kam die Fernsehaufzeichnung der Blind Auditions immer näher. «Zum Glück habe ich die Gabe, in solchen Momenten nicht zu

nervös zu sein», sagt Remo Forrer. Er stand hinter der Bühne, liess sich erklären, was zu tun ist, und schon war er an der Reihe. Remo Forrer setzte auf einen Song mit grosser Botschaft: «Someone you loved». Das Lied handelt von der Liebe und davon, wenn auf einmal nichts mehr ist, wie es einmal war. Das junge Talent aus Hemberg konnte zum ersten Mal vor grossem Publikum seine aussergewöhnliche Stimme unter Beweis stellen – und das mit einem Lied, das in der Tonlage tief anfängt und hoch hinausgeht. «Someone you loved» hat ihm den Weg an die Spitze geebnet. Nun kann er sich Sieger von «The Voice of Switzerland 2020» nennen. Und mit dem Fazit von Coach Noah Veraguth guten Mutes in die Zukunft blicken: «Bei Remo stimmt das Gesamtpaket. Er kann gut singen und sieht gut aus.»


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TALAUF TALAB Ausgebuchte Begegnungsbox Georg Raguth, Leiter des Altersheims Risi, Wattwil, erheiterte seine Bewohnerinnen und Bewohner am Anfang der Coronakrise mit violett gefärbten Haaren. Dann hatte er den Einfall mit der «Bsuechsbox». Geschützt durch eine Trennwand aus Plexiglas, können sich die Senioren hier mit ihren Liebsten treffen. Die Begegnungsbox sei oft ausgebucht, die Treffen deshalb auf 45 Minuten beschränkt. Inspiriert zu seiner Idee haben den Heimleiter die Krimiszenen von Besuchen in Gefängnissen. Seine Erfindung wird bereits von Altersheimen im In- und Ausland kopiert. Georg Raguth freut das. Auf Anfrage veschickt er die Materialliste. Bild: Carmen Wueest

Lokales online einkaufen

«Rosengarten»-Pionierin geht

Heute online bestellen, morgen gratis nach Hause geliefert

Als sinnvolle Arbeit mit Gestaltungsfreiraum bezeichnet

bekommen: Der Verein Toggenburg digiTal lanciert mit tog-

Rosmarie Altenburger ihr langes Wirken in der Werkstatt

genburgshop.ch einen Internetladen. Gerade jetzt in der

Rosengarten in Ebnat-Kappel. Sie hat die Veränderungen

Coronakrise ist es damit möglich, lokale Kleinbetriebe zu

von der kleinen geschützten Werkstatt bis zum Betrieb mit

unterstützen. Nach dem Testbetrieb sollen Anbieter ihre

heute 100 Mitwirkenden geprägt. Nun wird sie pensioniert.

Produkte selbst erfassen können. Der Verein kümmert sich

Im Bild mit Daniel Bruttin, Geschäftsführer Verein Chup-

um Zahlungsabwicklung, Logistik und Auslieferung.

ferhammer. Bild: Katja Nideröst

Haus der Stille wieder eröffnet

Alle wieder gewählt Die Toggenburger Wählerschaft schickt die gleichen elf Personen in den Kantonsrat nach St. Gallen wie in der letz-

Das Haus der Stille in der Propstei St. Peterzell ist wieder

ten Legislatur: Mirco Gerig, SVP, Unterwasser; Ivan Louis,

offen. Vor zwei Jahren gingen die Menzinger Schwestern

SVP, Neu St. Johann; Christian Spoerlé, SVP, Ebnat-Kappel;

Paula Gasser und Vreni Büchel in Pension. Nun hat mit

Linus Thalmann, SVP, Kirchberg; Karl Brändle, CVP, Büt-

Brigitta Walpen (links) und Theresia Weyermann ein neues

schwil; Mathias Müller, CVP, Lichtensteig; Andreas Wid-

Gespann die Leitung übernommen. Als kleine Pension mit

mer, CVP, Mühlrüti; Kilian Looser, FDP, Nesslau; Imelda

spirituellem Charakter bezeichnet Brigitta Walpen den

Stadler, FDP, Lütisburg; Martin Sailer, SP, Unterwasser;

neuen Wirkungsort. Willkommen sind alle Menschen, die

Christoph Turnherr, SP, Ulisbach.

weg vom Alltag innerlich zur Ruhe kommen möchten. Bild: Urs M. Hemm

Rathaus für Kultur zieht erste Bilanz

Wattwiler Forschertalente Mit zwei Projekten ist die Kantonsschule Wattwil im Finale

Das Rathaus für Kultur in Lichtensteig kann seinen ersten

von «Schweizer Jugend forscht» vertreten. Timon Meyer

Geburtstag mit über hundert Gästen feiern. Das Team

und Louis Sikkema (von links) haben den Senkrechtstar-

nennt als Highlight des ersten Betriebsjahrs das Kinder-

ter, ein Fluggerät mit starren Flügeln, entwickelt. Timon

fest – eine lang vergessene Tradition, die man wieder zum

Mettler (rechts) darf am Finale mit einem selbstgebauten

Leben erweckt habe. Verbesserung versprach man bei den

Segway teilnehmen. Stolz auf ihre Schützlinge sind die Be-

Öffnungszeiten der Rathausstube, wo man auf mehr Re-

treuer Simon Schälli und Emil Müller (hinten). Bild: Dinah

gelmässigkeit setzen wolle.

Hauser


«Büro Mitenand» gegründet

Simon Ammann macht weiter Skispringer Simon Ammann verlängert seine Karriere um

In Bazenheid ensteht ein Coworking-Büro. Das «Büro Mi-

zwei Jahre. Zwar verlief die vergangene Saison für den

tenand» wird einen 345 Quadratmeter grossen Raum im

zweifachen Doppelolympiasieger mehr schlecht als recht.

Neubau des Energieversorgers Regionalwerk Toggenburg

Weil Grossanlässe bevorstehen und neues Material getes-

(RWT) an der Industriestrasse beziehen. Im Vorstand der

tet werden kann, will der 38-Jährige weitermachen. Nach

kürzlich gegründeten Genossenschaft sind (von links) Re-

Olympia 2022 werde er aber endgültig aufhören.

mo Sprecher, Peter Laudanski, Martina Köbel, Patrik Solis, Simon Seelhofer, Präsident, und Thomas Speck. Bild: Beat Lanzendorfer

Gemeinden senken Steuern Werner Bleiker pensioniert

In Wildhaus-Alt St. Johann, Ebnat-Kappel, Oberhelfenschwil, Kirchberg, Lütisburg, Lichtensteig, Bütschwil-

Schneeräumen im Winter, Wanderwege unterhalten im

Ganterschwil und Wattwil zahlen die Einwohnerinnen und

Sommer, das war, vereinfacht ausgedrückt, die Hauptver-

Einwohner dieses Jahr weniger Steuern. Das sind zwei

antwortung von Werner Bleiker, Werkdienstleiter der Ge-

Drittel aller Gemeinden des Toggenburgs.

meinde Wildhaus-Alt St. Johann. Im April hat er den roten Pick-up zum letzten Mal im Werkhof parkiert. Das Abschiedsfest zur Pensionierung wird wegen der Coronapan-

Beschäftigt mit Abfallsammeln

demie verschoben. Bild: zVg

Eine schöne Idee zum Nachahmen: Die Kinder der Familie

Ansturm auf vergünstigte E-Bikes

Mock aus Oberhelfenschwil vertreiben sich die Zeit während der Coronakrise mit Abfallsammeln. Bereits mehr-

Die Energiestadt Obertoggenburg fördert in einer Aktion

mals sind sie losgezogen und haben achtlos weggeworfe-

den Verkauf von 100 vergünstigten E-Bikes. Der Ansturm

nen Abfall in Säcke gesteckt. Im Bild: Lynn und Jeanne

auf die E-Bikes ist bei der Bevölkerung der drei Gemein-

Mock mit ihrem Cousin Nick und Hund Jordan (von links).

den Ebnat-Kappel, Nesslau und Wildhaus-Alt St. Johann

Bild: pd

so gross, dass die Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsaktion schon nach einem Monat ausgeschöpft ist.

Mit Herzblut für den Dorfladen Originelle Hygienehilfe

Der Volg-Dorfladen Brunnadern ist eine der jährlich fünf ausgezeichneten Volg-Verkaufsstellen der Schweiz. Im

Pascal Walther hat ein Greifwerkzeug entwickelt, dank

Bild: Andreas Müller, Regionaler Verkaufsleiter, Irene

dem während der Coronapandemie Türfallen und andere

Bösch, Monika Landolt, Stellvertretende Ladenleiterin,

Griffe nicht direkt angefasst werden müssen. Der junge

Jacqueline Bleiker, Ladenleiterin, Manuela Steiger, Clau-

Industriedesigner aus Wattwil will mit dem Werkzeug, das

dia Hügli und Samuel Huldi, Lernender im dritten Lehrjahr.

im 3-D-Druck hergestellt wird, auf humorvolle Art die Ein-

«Wir leben für unseren Laden und sind ein gutes Team»,

haltung der Hygienemassnahmen erleichtern.

sagt Jacqueline Bleiker. Bild: pd

Mosnanger punktet am meisten

Verkehrsreiche Umfahrung

Walter Wohlgensinger (rechts) aus Mosnang wird Wochensieger bei der Fernsehsendung «Mini Schwiiz, dini

An einigen Messpunkten in den Regionen Toggenburg und

Schwiiz». Der 62-Jährige setzt sich mit der Vorstellung

Wil-Fürstenland gab es letztes Jahr weniger Verkehr. Nicht

seiner Wohnregion gegen die Konkurrenz durch, unter an-

aber auf der Umfahrung Bazenheid. Sie ist die mit Abstand

deren Lichtensteig mit Susanne Weber. Sehr gefreut hat

meistbefahrene Strecke im Toggenburg. Rund 7,17 Millio-

er sich über mehr als 200 Reaktionen. Bild: pd

nen Fahrzeuge nutzten die Strasse 2019.


12 Brauerei St. Johann


Brauerei St. Johann 13

BIERSPEZIALITÄTEN AUS DEM TOGGENBURG

Zwingli, Dunkel, Tripel oder Märzen – so heissen Biere aus der Brauerei St. Johann in Neu St. Johann. «Wir leben von und für Spezialitäten», sagt Geschäftsleiterin Christine Meyer. Mit dieser Strategie ist das Unternehmen erfolgreich. Die Biere sind bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Maria Kobler: Text / Carmen Wueest: Bilder


14 Brauerei St. Johann

B

raumeister Christian Dierken geht zum Gärtank, dreht eine Spirale an den Zwickel – das ist der Probehahn – und lässt ein wenig Bier in ein Glas fliessen. «Es hat noch einen Jungbiergeschmack», sagt der Norddeutsche, nachdem er einen Schluck getrunken hat. Im Tank befindet sich das neue saisonale Bier Tripel, ein belgisches Starkbier. Nach der Gärung, die etwa zehn Tage dauert, wird der Sud auf minus ein Grad abgekühlt. Danach reift und lagert das Bier sechs bis acht Wochen, bis es einen ausgewogenen Geschmack erreicht hat.

Fünf bis sechs saisonale Biere Im Gär- und Lagerkeller stehen sieben Tanks, die insgesamt 12 000 Liter fassen. «Wir haben ein fixes Sortiment von vier Sorten», sagt Christian Dierken, der vor zwei Jahren von Berlin ins Toggenburg gezogen ist. Dazu kommen fünf bis sechs saisonale Biere pro Jahr – im Winter eher stärkere, im Sommer fruchtig-frische. Um neue Sorten zu kreieren, probiert Christian Dierken verschiedene Hopfensorten oder Bierstile aus. Er braute beispielsweise ein belgisches Witbier mit Koriandersamen und Orangenschalen. Für ein Scotch Ale verwendete er Malz, das über Torf geräuchert worden war, und für ein Imperial Stout griff er auf intensiv geröstetes Gerstenmalz zurück. Aktuell mag Christian Dierken das Zwinglibier und das IPA (India Pale Ale) am liebsten. Verleidet ist ihm Bier noch nie. Er braut auch in seiner Freizeit zu Hause. «Ich mache jeweils einen 20-Liter-Sud, um auszuprobieren. Dieses Mal habe ich eine neue Hopfensorte verwendet.» Bereits hat er eine Idee für den nächsten Sud: Er will einen tschechischen Hopfen testen. «Sorgfalt, Sauberkeit, Qualität der Rohstoffe und Zeit sind das Wichtigste, um ein gutes Bier zu brauen», sagt Christian Dierken. Die Geräte müssen sauber und funktionstüchtig sein, Lagerung und Reifung brauchen Zeit. Der Hopfen stammt grösstenteils aus der Schweiz. Für saisonale Biere wie das Ale wird amerikanischer, britischer oder deutscher Hopfen verwendet. Das Malz stammt aus dem deutschen Bamberg, da in der Schweiz nicht genügend produziert wird. Gebraut wird im kupfernen Braubottich, der direkt in der Brauereibar steht.

Bar und Biergarten vorübergehend geschlossen «Die Brauereibar ist der wichtigste Verkaufspunkt für unser Bier», sagt Geschäftsleiterin Christine Meyer. Für eine unbekannte Zeit fällt dieser weg, da der Bundesrat aufgrund der Coronapandemie die vorübergehende Schliessung aller Restaurants und Bars beschlossen hat. «Wir vertrauen auf die regionale Solidarität.» So wurde das Foyer der Brauereibar kurzerhand zum Verkaufslädeli umfunktioniert, wo täglich einige Kunden bedient werden können. Die Stühle für den Biergarten bleiben aber im Schopf – auch wenn man sich an diesem warmen Frühlingstag gut vorstellen kann, bei einem frischen Bier gemütlich im Garten zu sitzen. Aber die Pandemie ist nicht die einzige Herausforderung für die Brauerei. «Der gesamtschweizerische Biermarkt ist ziemlich gesättigt», sagt Christine Meyer. Für sie ist deshalb klar: «Wir leben von qualitativ hochwertigen Spezialitäten und der gelebten Bierkultur sowie der Gastfreundschaft vor Ort.»


Braumeister Christian Dierken und Geschäftsleiterin Christine Meyer.

Im Gär- und Lagerkeller stehen sieben Tanks.


Thomas und Marianne Stadelmann haben seit Kurzem einen BioBrie im Angebot.

Preisgekrönter Käse aus dem Toggenburg Der Käse von Thomas Stadelmann aus Unterwasser hat schon mehrere Preise gewonnen. Allein der Bloderkäse wurde an den Swiss Cheese Awards bereits dreimal ausgezeichnet. Im SeptemCAFÉ · CONDITOREI · HOTEL ber 2020 schickt Stadelmann den Bloderkäse erneut ins Rennen. «Das Rezept ist stets das gleiche, mit kleinen Anpassungen», sagt

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der Käser. Trotzdem schmeckt der Käse nie gleich: Die Milch ist immer wieder anders – je nach Jahreszeit und Futter. Einen Einfluss auf den Geschmack der Milch hat auch die Alpzeit. Die neueste Kreation der Käserei Stofel ist ein gefüllter Bio-Brie. Thomas Stadelmann stellt den Brie her und liefert diesen in die

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Käsekonditorei Chäswerkstatt in Gossau. Dort wird der Brie mit Chili, Trüffel oder Schnittlauch gefüllt. «Für uns wäre der Aufwand zu gross, den Brie zu füllen», erklärt Stadelmann die Zusammenarbeit mit der «Chäswerkstatt».

Gut verträgliche Joghurts

Neben dem Käse werden laktosefreie Joghurts immer gefragter. Bei vielen Menschen sei die Laktoseintoleranz angeboren, zudem trete sie oft im Alter auf. Für die laktosefreien Joghurts wird der Milchzucker mit dem Enzym Laktase in Glukose und Galaktose gespalten. «So sind die Joghurts gut verträglich für alle und nicht zu süss zum Zmorge», sagt er.

An neuen Kreationen tüfteln

Ein Bestseller ist der Heublumenkäse – ein Halbhartkäse, der nach rund sechs Monaten Reifezeit mit Heublumen eingerieben wird. Immer wieder tüftelt der Käsermeister an neuen Kreationen. «Meistens gibt eine scheinbar abwegige Idee den Ausschlag.» Aber auch von Kundenwünschen lässt er sich inspirieren. Da der Käse viel Zeit zum Reifen braucht, muss sich Stadelmann gedulden, bis er weiss, ob der Käse seinen Erwartungen entspricht. Einzig beim Frischkäse kann Stadelmann sofort probieren. Nicht alle Versuche gelingen. Die Käserei ist ein Siebentagebetrieb. Ferien braucht der Käser nicht. «Die Arbeit ist mein Ausgleich», sagt er. «Ich kann produzieren, liefern, Maschinen flicken – und wir wohnen in einem schönen Gebiet.»

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22 Coronakrise

d n u t i m n e b e L r e d h nac a n o r Co e i m e d n pa

Wir müssen zu Hause bleiben, Grosseltern dürfen ihre Enkelkinder nicht mehr hüten, Restaurants und zahlreiche Läden sind zu. Das Coronavirus hat unseren Alltag stark eingeschränkt. Wir haben Toggenburgerinnen und Toggenburger aus verschiedenen Altersklassen vor ein paar Wochen gefragt, wie sie die Veränderungen erleben und was sie sich für die Zukunft wünschen. Maria Kobler: Text / Carmen Wueest: Bilder

Leichtathletin Selina Büchel ist in Mosnang aufgewachsen und wohnt heute in Wil. Die 28-Jährige hat an den Halleneuropameisterschaften 2015 und 2017 jeweils Gold über 800 m gewonnen.

Selina Büchel Was macht Ihnen an der Coronakrise am meisten Angst? In der aktuellen Situation wird einem wieder bewusst, wie wichtig die Gesundheit ist und was im Leben wirklich zählt. Es ist etwas beängstigend, dass niemand die Situation genau abschätzen kann und wir nicht wissen, wie lange wir noch mit diesem Virus zu kämpfen haben. Wie erleben Sie in der Krise Solidarität? Helfen Sie selbst? Wird Ihnen geholfen? Ich spüre eine sehr grosse Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen. Auch ich selbst war schon für Personen, welche den Risikogruppen angehören, einkaufen und habe mich bei der Nachbarschaftshilfe angemeldet. Hat sich Ihre Einstellung zur Politik, zum Föderalismus, zur Armee, zur Wirtschaft, zur Globalisierung geändert? Im Grossen und Ganzen sind meine Werte und Einstellungen zu diesen Themen

noch gleich wie vorher. Ich denke aber, dass diese Erfahrung unser Bewusstsein für gewisse Themen stärkt. Durch die Pandemie wurde offensichtlich, wie stark alle Staaten dieser Welt miteinander verbunden sind und was für Abhängigkeiten untereinander bestehen. Welche wirtschaftlichen Auswirkungen diese Krise hat, finde ich schwierig abzuschätzen.

Ein Blick auf die Zeit nach Corona: Wird die Welt eine andere sein, und wird sich die überstandene Krise auf Ihr Handeln auswirken, beispielsweise bezüglich Mobilität, Umweltschutz und Konsum? Ich hoffe, dass wir diese Krise glimpflich und rasch überstehen werden und uns diese schwierige Zeit hilft, uns als Gesellschaft weiterzuentwickeln.


Coronakrise 23

Der 23-jährige Joel Müller aus Wattwil ist Mitglied der SP Toggenburg und setzt sich für einen konsequenten Klimaschutz ein. An der Fachhochschule St. Gallen absolviert er das Studium zum Sozialpädagogen.

Joel Müller

Was macht Ihnen an der Coronakrise am meisten Angst? Ich sorge mich um die Menschen, die der Risikogruppe angehören. Hinter den Zahlen zu erkrankten und verstorbenen Personen stehen Menschen und Schicksale, die sehr tragisch sind und mir leidtun. Weiter denke ich, dass eine solch einschneidende Krise weltweit gesellschaftliche und wirtschaftliche Dynamiken auslöst, die wir jetzt noch nicht abschätzen können. Das birgt Risiken, aber auch Chancen. Wie erleben Sie in der Krise Solidarität? Helfen Sie selbst? Wird Ihnen geholfen? Es freut mich, wie solidarisch die Gesellschaft ist, darauf dürfen wir wirklich stolz sein! Selbst bin ich Teil des Hilfsnetzwerks «Solidarität fürs Toggenburg». Hier helfen Freiwillige hilfsbedürftigen Personen beispielsweise beim Einkaufen. Auch in der Nachbarschaft habe ich, gemeinsam mit meiner Familie, den älteren Personen meine Hilfe angeboten. Was mir ebenfalls ein Anliegen ist: Ich rufe immer wieder meine Grosseltern und andere ältere Personen an, um ein wenig mit ihnen zu reden und ihnen zuzuhören. Hat sich Ihre Einstellung zur Politik, zum Föderalismus, zur Armee, zur Wirtschaft, zur Globalisierung geändert?

Nein, die Krise bestätigt eher meine Ansichten. Sie zeigt auf, dass wir einen solidarischen Staat und ein funktionierendes Gesundheitssystem brauchen. Heute steht leider viel zu oft die eigene finanzielle Bereicherung im Zentrum und nicht das Wohl der Allgemeinheit. Das müssen wir ändern. Ein Blick auf die Zeit nach Corona: Wird die Welt eine andere sein, und wird sich die überstandene Krise auf Ihr Handeln auswirken, beispielsweise bezüglich Mobilität, Umweltschutz und Konsum? Wie gesagt, die Krise bietet Chancen und Risiken. In schweren Wirtschaftskrisen hatten in der Geschichte immer wieder nationalistische Bewegungen Zulauf. Ich hoffe, dass die Menschen daraus ihre Lehren gezogen haben. Bezüglich Klimapolitik sehe ich Chancen. Die Coronakrise hat aufgezeigt, dass wir Schwierigkeiten haben mit solchen sich exponentiell entwickelnden Dynamiken wie dem Coronavirus – und vor allem, dass wir nicht zu spät reagieren dürfen. Die Klimaerwärmung ist genauso eine exponentielle Dynamik, und sie ist voll im Gange. Einfach mit dem Unterschied, dass wir hier von einem Zeitraum von Jahren beziehungsweise Jahrzehnten sprechen. Ich hoffe, dass bei dieser nicht weniger dramatischen Entwicklung endlich konsequent gehandelt wird.


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AUF DEM ROTEN STUHL Der Wattwiler Hanspeter Schumacher leitet den Botanischen Garten St. Gallen seit 35 Jahren.

Umzingelt von Grün

Das einzige Büro im Botanischen Garten St. Gallen gehört Hanspeter Schumacher. In den Regalen stapeln sich Bücher, und neben dem Computer liegen aufgeschlagene Lexika zur Pflanzenbestimmung. Der Gartenleiter bezeichnet und beschriftet sämtliche Pflanzen auf dem Gelände und in den Gewächshäusern selbst. Im Moment schaut er auch gern aus dem Fenster, wo neben dem Tropenhaus der neue Vortragssaal gebaut wird. Viele Jahre sammelte Hanspeter Schumacher mit dem Förderverein des Botanischen Gartens Geld, damit der alte, viel zu kleine Vortragsraum ersetzt werden kann. Die zweite Hälfte der Finanzierung mit öffentlichen Geldern bewilligte das Stadtparlament 2018. «Ich musste aber auf die Barrikaden steigen, damit der Bau nicht auf später verschoben wurde. Es macht einfach Sinn, dass ich das Projekt noch selbst abschliessen kann.» Die Eröffnung des Neubaus wird je nach Stand der Coronapandemie

im Rahmen des Jubiläumsfestes «75 Jahre Botanischer Garten» im Sommer gefeiert. Für den Wattwiler ist es ein Höhepunkt seiner Karriere. Bald darauf, im Januar 2021, wird er pensioniert. Es werde einen klaren Schnitt geben. Er freue sich auf die Zeit danach. Loslassen konnte er immer gut, seine vier erwachsenen Kinder ebenso wie die Jobs als Schulrat und später als Gemeinderat von Wattwil, oder noch früher, das Präsidentenamt der Genossenschaft Kino Passerelle. Sein ganzes Privatleben hat Hanspeter Schumacher in Wattwil verbracht. Was ihn selbst erstaunt, denn im Grunde sei er ein urban denkender Mensch. Einer, der sich als Bub in der Schule gelangweilt und dann eine Gärtnerlehre absolviert hat. In der Lehre erwachte sein wissenschaftliches Interesse für Pflanzen und Zusammenhänge zwischen Natur und Architektur. So bildete er sich an der Hochschule für Technik in Rapperswil (HSR) zum Landschaftsarchitekten weiter. Und bewarb sich 1986 für den Chefposten im Botanischen Garten. Aber erst, als die Stelle ein zweites Mal ausgeschrieben wurde. «Ich war baff, dass sie mich genommen haben.» Die ersten Jahre organisierte er rund 50 Gartenführungen, jetzt sind es jährlich 300. Rund 250 Veranstaltungen finden ganz oder teilweise im Vortragssaal statt. Tausende Klassen und Vereine hat Hanspeter Schumacher durch den Garten begleitet. Am liebsten sieht er es, wenn viele Besucher das Gelände beleben. Er will dem Publikum auch neue, spannende Pflanzen zeigen können. Die gibt es dank regem Samentausch mit anderen Botanischen Gärten. Ein Mitarbeiter verpackt gerade die Samen der Viktoriaseerose. «Wir wissen nicht, warum es der Wasserpflanze bei uns im Tropenhaus so gut gefällt. Aber sie ist beim Tauschen klar unser grösster Hit.» Schumachers Nachfolge wird ein BiologenEhepaar im Jobsharing übernehmen. «Das finde ich ein spannendes Modell», sagt der Wattwiler. Er plant für die Zeit nach der Pensionierung eine Reise: Mit gleichgesinnten Feldbotanikern soll es nach Südafrika gehen, wo besonders viele Kleinsukkulenten leben. «Fasziniert bin ich von Lebenden Steinen. Sie tarnen sich als Steine und werden so von gefrässigen Tieren verschont». Katja Nideröst: Text & Bild

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Toggenburger Magazin Mai/Juni  

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