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WERDENBERG STADT IM MITTELALTER

FormatOst Leseprobe

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WERDENBERG STADT IM MITTELALTER BÜRGER  · RECHTE · BAUTEN


Die Herausgabe dieses Buches wurde unterstützt von:

Stiftung Pro Werdenberg Politische Gemeinde Grabs

Herausgeber Kanton St. Gallen Amt für Kultur Denkmalpflege © 2020 Verlag FormatOst, CH-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verarbeitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wieder­gabe, Tonträger, elektronische Datenträger, auszugsweise Nachdrucken sind vorbehalten. Gestaltung: Brigitte Knöpfel Druckvorstufe: Verlagshaus Schwellbrunn Druck: Galledia Print AG, Flawil Bindung: Bubu AG, Mönchaltorf Gesetzt in Adobe Caslon Pro, Helvetica Neue LT Std Gedruckt auf LuxoArt Samt FSC, matt gestrichen, 135 g/m² ISBN 978-3-03895-022-6 www.verlagshaus-schwellbrunn.ch


INHALT

8 Moritz Flury-Rova

VORWORT

5 INHALT

10 Heinz Gabathuler

GRAFEN, VÖGTE UND BÜRGER

12 Einleitung 12 Von der Burg zur Residenz

Burg ohne Grafen  14

Stadt mit Schultheiss  15

Stadt als Residenz  17

19 Von Bürgern und Vögten

Stadt- und Landgemeinde  20

Bürger als Vögte  21

Bürger und ihre Häuser  23

Landfremde Vögte  25

Bürger und ihre Kapelle  26

Bürger als Grundbesitzer  27

Bürger als Ammänner  28

Bürgerinnen und Bastarde  31

Dienstadlige und Nichtbürger  32

34 Am Ende der Grafenzeit

Anmerkungen, Quellen- und Literaturverzeichnis  36

40 Sibylle Malamud

STADTWERDUNG, STADTSTATUS UND STÄDTISCHES RECHT

42 Einleitung 45 Stadtentstehung und Stadtwerdung 47 Stadtgründung durch Privilegierung?


49 Die Stadt Werdenberg und ihr Recht im Vergleich

Die Bürgergemeinde  51

Bürgerliche Rechte und Freiheiten  53

Verfassung, Verwaltung und Gericht  54

Wirtschaftliche und gewerbliche Züge  58

61 Ein kurzer Blick zurück auf die Stadt – Fazit

INHALT

6

Transkription Rechte der Bürgerschaft  63

Anmerkungen, Quellen- und Literaturverzeichnis  70

80 Carolin Krumm

VON DER BURG ZUR STADT – DIE BAULICHE ENTWICKLUNG

82 Einleitung

Warum eine Befunddokumentation? 82

1960 – ein Grossprojekt zum Erhalt und zur Erforschung des Städtchens Werdenberg startet  82

Das Städtchen Werdenberg als denkmal­pflegerisches Thema – Stand der

Bearbeitung bis 2011  83

Die Vorgehensweise bei der Neubearbeitung 2014 bis 2016  84

86 Die Lage von Burg und Stadt

Geologie und Geographie  86

Ein optimaler Bauplatz? Feuchtigkeit und Wasserversorgung  87

Garschella als Baumaterial  88

Schlussfolgerungen 89 89 Die Anfänge Werdenbergs – Die Burg und frühe vorstädtische Siedlungsstrukturen

Die Burg – Daten zu ihrer baulichen Entwicklung  89

Bauten und Befunde der frühen Siedlung  93

Städtli 14 – ein früher Bau abseits der Siedlung  98

· Rekonstruktion Bauphase I – ein Steinbau des Hochmittelalters  98

· Rekonstruktion Bauphase II – eine Einfriedung entsteht  101

· Rekonstruktion Bauphase III – ein Wiederaufbau aus der zweiten Hälfte

des 13. Jahrhunderts  104

· Schlussfolgerungen – Relevanz für die Stadtgeschichte  105

Städtli 5 – eine untergeordnete Parzelle  107

· Rekonstruktion Bauphase I – kleinere Bauten und Mauer des späten 13. Jahrhunderts  107

· Schlussfolgerungen – Relevanz für die Stadtgeschichte  109

Zusammenfassung und Interpretation der Bauten und Befunde der frühen Siedlung  109


110 Auf dem Weg zur Stadt – die Ausbauphase 1300 bis 1350 Bauten und Befunde  111 Städtli 35 – Teil einer Vorburg oder ein Burgmannensitz?  113

· Rekonstruktion Bauphase I – ein fester Hof von 1300/1311  113

· Schlussfolgerungen – Relevanz für die Stadtgeschichte  116

Städtli 3 – ein früher Wohn- oder Lagerbau in seiner Entwicklung zwischen 1300 und 1320  117

· Rekonstruktion Bauphase I – Mauer und Steinbau von etwa 1300  117

· Rekonstruktion Bauphase II – eine Bauerweiterung bis zur Stadtgasse  118

· Rekonstruktion Bauphase III – die Festlegung einer Bauflucht?  119

· Schlussfolgerungen – Relevanz für die Stadtgeschichte  121

7

Städtli 5 – ein steinernes Turmhaus von 1310  122

· Rekonstruktion Bauphase II  122

· Rekonstruktion Bauphase III – vom turmartigen Steinbau zum Stadthaus  125

INHALT

· Rekonstruktion Bauphase IV – Vorder- und Hinterhaus von 1342  127

· Schlussfolgerungen – Relevanz für die Stadtgeschichte  130

Zusammenfassung und Interpretation  130 131 Raumnot und Stadterweiterung ab 1370 Vorder- und Oberstädtchen: Bauten und Befunde  131

Städtli 35 – Wohnen im Oberstädtchen  135

· Rekonstruktion Bauphase II – ein Stadthaus von etwa 1390  135

· Schlussfolgerungen – Relevanz für die Stadtgeschichte  136

Städtli 3 – Verdichtung im Vorderstädtchen  137

· Bauphase IV – ein Bohlenständerbau von 1433  137

· Schlussfolgerungen – Relevanz für die Stadtgeschichte  138

Das Hinterstädtchen: Bauten und Befunde  138

Einzelbauten und Gelände  138

Die mutmassliche Stadtmauer  142

Zusammenfassung und Interpretation  144 145 Résumée – die Bauentwicklung Werdenbergs Die frühe Steinbauphase  145 Massive Neubauten und Erweiterungen in Holzbauweise ab 1350  146 Die Stadtstruktur in ihrer Entwicklung  149 Anmerkungen, Quellen- und Literaturverzeichnis  151

Maria Thaís Affonso und Philippe Rentzel 160 Naturwissenschaftliche Untersuchungen an historischen Mörteln aus Werdenberg Einleitung 160 Ergebnisse  161 Fazit 163 Tabelle der mikroskopischen Beobachtungen  164 Terminologie 174 Ausgewählte Literatur  175


VORWORT

VORWORT

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Seit der Schoggitaleraktion des Heimatschutzes 1960 ist das Städtli Werdenberg als exemplarisch erhaltene «mittelalterliche Holzbausiedlung» schweizweit bekannt. Bauarchäologische Forschungen durch Peter Albertin ab 1993 differenzierten das Bild und lenkten den Blick auch auf die steinernen Unter- und Kernbauten der Holzhäuser. Als im Zuge der Bearbeitung des Kunstdenkmälerbandes über die Region Werdenberg die Autorin Carolin Krumm sich mit dem Städtli auseinanderzusetzen begann, war die archäologisch geschulte Inventarisatorin sofort fasziniert von der reichhaltigen mittelalterlichen Bausubstanz, insbesondere in den Kellern und den gemauerten Erdgeschossbereichen der Häuser. Die systema­tische bauarchäologische Untersuchung dieser gemauerten Bauteile führte zu wesentlichen neuen Erkenntnissen zur Entstehung der Stadt Werdenberg. In den Kunstdenk­ mälerband flossen diese nur als Darstellung der Ergebnisse ein. Naturgemäss war dort nicht der Ort, archäologische Einzelbefunde und damit die Herleitung der neuen Baugeschichte des Städtlis darzustellen. Das Bedürfnis, diese zu veröffentlichen, sowohl im Sinne einer Legitimation und Beweisführung als auch als Basis für Weiterbearbeitungen und künftige archäologische und bauarchäologische Forschungen, führte zur Idee einer den Kunstdenkmälerband ergänzenden Publikation. Dass parallel zum Kunstdenkmälerband auch die Rechtsquellenstiftung des Schweize­ rischen Juristenvereins mit der Historikerin Sibylle Malamud die Herrschaft Werdenberg bearbeitete, war ein Zufall und Glücksfall. Die zwei Autorinnen konnten die in beiden Forschungsfeldern auftauchenden Fragen und Unklarheiten diskutieren. Insbesondere die Fragen, ob, ab wann und inwieweit Werdenberg als Stadt bezeichnet werden könne, trieb beide Forscherinnen um. Heinz Gabathuler begleitete die Entstehung des Kunstdenkmälerbands als Mitglied der kantonalen Steuergruppe; die Grafschaft Werdenberg ist seit langem einer seiner Forschungsschwerpunkte. Es lag daher nahe, die vorliegende Publikation durch Beiträge dieser beiden Wissenschaftler zu ergänzen. Die Präsentation des archäologischen und baugeschichtlichen Forschungsstands erhält dadurch eine zweifache historische Einbettung. Der Band enthält drei eigenständige Artikel. Heinz Gabathuler bietet eine möglichst umfassende, chronologische Darstellung der mit der Stadt Werdenberg in Verbindung stehenden Personen und Ereignisse von der ersten Nennung der Grafen von Werdenberg 1259/60 bis um 1500. Tabellarische Übersichten der für Burg und Stadt Werdenberg relevanten Grafen, Vögte, Ammänner und Bürger runden den Beitrag ab. Sibylle Malamud geht im Vergleich mit den benachbarten Städten Feldkirch, Bludenz, Sargans und Maienfeld der Frage nach den Eigenheiten und der Bedeutung der Stadt Werdenberg nach, die zwar seit der Mitte des 14. Jahrhunderts als solche bezeichnet wird, der aber einschlägige Dokumente wie Markt- oder verbriefte Stadtrechtsprivilegien fehlen. Zwei besonders wichtige Dokumente sind die beiden Aufzeichnungen von Stadtrechten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ihr Kontext und ihre Relevanz werden diskutiert, und sie sind im Anhang als Transkription und Foto wiedergegeben, die uns von der Rechtsquellenstiftung des Schweizerischen Juristenvereins freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. Carolin Krumm schliesslich stellt die Resultate ihrer bauarchäologischen Forschungen vertieft dar. Für die drei wichtigen Epochen der mittelalterlichen Siedlung werden einzelne,




Moritz Flury-Rova

9 MORITZ FLURY-ROVA

besonders aussagekräftige Bauten monographisch dargestellt und in 3D-Visualisierungen veranschaulicht, andere vergleichend beigezogen. Neben dem Mauerwerk wurden auch Mörtel naturwissenschaftlich untersucht und verglichen. Ein Anhang der Universität Basel gibt einen Einblick in diese Methodik. Naturgemäss geben in dieser frühen Zeit sowohl die schriftlichen wie die archäologischen Quellen nur bruchstückhafte Bilder wieder, die sich nicht immer decken. Die ältesten bau­ lichen Befunde von Burg und zugehöriger Siedlung gehen der ersten Nennung von Werdenberg 1259/60 deutlich voraus. Entgegen bisheriger Annahmen kann aber weder aufgrund der schriftlichen noch der archäologischen Quellen angenommen werden, dass um 1260 bereits eine Stadt entstand. Dieser Prozess, in welchem freistehende Einzelbauten sich zu einem städtischen Gefüge verdichten, ist im 14. Jahrhundert nachzuverfolgen. Und es zeigt sich ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch eine Korrelation zwischen der nun stärkeren Präsenz der Grafen in der Burg und der Entwicklung der Siedlung. Von den ab Ende des 13. Jahrhunderts allmählich fassbaren Bewohnern lassen sich zwar nur wenige konkreten Häusern zuordnen, doch zeichnet sich vor allem im 15. Jahrhundert eine Stadtgemeinschaft ab, die anderen Städten vergleichbare Rechte innehat und deren führende Bürgerfamilien wiederholt mit dem gräflichen Amt des Vogtes beziehungsweise Ammanns betraut wurden und sich in einem Fall sogar mit dem Stadtherrn verschwägerten. Auch wenn einiges offenbleibt – zum Beispiel ist für das Mittelalter kaum etwas über handwerkliche Tätigkeiten oder die Landwirtschaft der Bürger bekannt; auch weitergehende Aussagen zur Stadtmauer verhindern der durchgehende Verputz auf deren Aussenseite – so ergibt sich für das Ende des Mittelalters doch das Bild einer zwar kleinen, aber doch unzweifelhaft als Stadt zu bezeichnenden Siedlung am Fuss der Burg. Dass dieser Band zusammen mit den Rechtsquellen und dem Kunstdenkmälerband Ende 2020 der Öffentlichkeit übergeben werden kann, ist nicht selbstverständlich. Das grösste Verdienst liegt natürlich bei den Autoren. Carolin Krumm und Sibylle Malamud haben mit grossem Einsatz parallel zur Fertigstellung ihrer Hauptwerke diese vertiefende Zusatzpublikation zu Stande gebracht. Heinz Gabathuler hat über Jahre gesammeltes Wissen und unzählige Einzelbelege für dieses Buch geordnet und zusammengefasst. Einen grossen Dank verdienen die Institutionen, die das Buch finanziell ermöglicht haben. Den Löwenanteil verdanken wir dem Lotteriefonds des Kantons St. Gallen; sodann ein namhafter Beitrag der Stiftung Pro Werdenberg und weitere wertvolle Beiträge der politischen Gemeinde Grabs und dem Verein Südkultur. Die Kantonale Denkmalpflege hat Beiträge an die naturwissenschaftlichen Untersuchungen, die Planzeichnungen und die Fotografie geleistet. Thomas Gnägi, Leiter Schloss Werdenberg, hat das Konzept des Buches mitentwickelt. Dem Verlag schliesslich danken wir für die sorgfältige Gestaltung und Produktion des Bandes. Es wäre zu wünschen, dass der eingehenden Darstellung der mittelalterlichen Stadt Werden­ berg weitere Publikationen über die nachfolgenden Jahrhunderte folgen würden. Sowohl die Bausubstanz wie das historische Material verdienten eine eingehende Darstellung.


BAUTEN

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CAROLIN KRUMM

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HEINZ GABATHULER

GRAFEN, VÖGTE UND BÜRGER


EINLEITUNG

BÜRGER

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Die schriftlichen Quellen zur Geschichte der Grafen von Werdenberg-Heiligenberg sind vergleichsweise zahlreich und schon 1887 von Emil Krüger grundlegend ausgewertet worden.1 Hingegen ist die Quellenlage zur Geschichte der Grafschaft Werdenberg bis zur frühen Neuzeit vergleichsweise spärlich und dürftig geblieben. Trotz den neuen Bündner, St. Galler und Liechtensteinischen Urkundenbüchern bleiben Entstehung und Entwicklung von Stadt und Landschaft Werdenberg im 13./14. Jahrhundert weitgehend im Dunkeln. Nur wenige und vereinzelte familiäre oder kriegerische Ereignisse lassen sich mit Burg und Stadt Werdenberg in Verbindung bringen. Diese bruchstückhafte Überlieferung lässt sich damit erklären, dass die zwar namengebende, aber kleinräumige Grafschaft im gesamten Herrschaftsbereich der Werdenberger Grafen von geringer Bedeutung war. Ihre zeitweise führende Stellung im südschwäbisch-ostschweizerischen Hochadel hatten sie vor allem ihren Herrschaften am Bodensee zu verdanken. Für das 15. Jahrhundert häufen sich die Quellen, vor allem die Privat- und Gerichtsurkunden, doch lassen sich nur wenige Aussagen zur städtischen Gemeinschaft machen. Die Bürger erscheinen meistens als Käufer oder Verkäufer von Grundbesitz, als Schiedsrichter und Siegler in Rechtsgeschäften oder als Abgeordnete und Zeugen von Stadt und Landschaft. Immerhin lassen sich mehrere Einzelpersonen und einige Familien bestimmen, die auf der Burg residiert und geherrscht oder in der Stadt gewohnt und gearbeitet haben. Drei Bürgerfamilien erhalten eine besondere Bedeutung, weil sie von den Montforter Grafen als Vögte und als Ammänner in ihrer Grafschaft eingesetzt wurden. Mit den Grafen von Montfort-Werdenberg hat sich erst Karl Heinz Burmeister 1991 beschäftigt, 2 mit der Stadt und ihren Bürgern zur Grafen- und zur Glarnerzeit schon David Heinrich Hilty 1898. 3 Eine mittelalterliche Geschichte der Stadt Werdenberg ist als Monographie bisher noch nicht dargestellt worden; sie soll als chronologische Personen- und Ereignisgeschichte aufgrund sämtlicher schriftlichen Quellen bis um 1500 versucht werden.

VON DER BURG ZUR RESIDENZ Burg und Stadt Werdenberg verdanken ihren Namen den Brüdern Hugo und Hartmann, den Söhnen des Grafen Rudolf I. von Montfort. Nach dem frühen Tod ihres Vaters 1243/45 verbrachten sie ihre Jugendzeit bei der Familie ihrer Mutter Clementa, bei den Grafen von Kyburg, als deren Zeugen sie 1253–12574 erscheinen. Und erst nach dem Tod auch ihres Onkels Hugo II. von Montfort 1257 übernahmen sie um 1258 den südlichen Teil der Grafschaft Montfort mit den späteren Stammburgen Sargans und Werdenberg. 1259/605 nannten sich beide Montforter Brüder erstmals von Werdenberg (Werdenberch, Werdinberc):


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HEINZ GABATHULER

Hugo I. wurde zum Stammvater der Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, Hartmann I. zum Stammvater der Grafen von Werdenberg-Sargans.6 «Werdenberg» ist ein Zier- oder Prunkname und lässt sich vom mittelhochdeutschen Wort werde, wert für «herrlich, würdig» ableiten. Diesen Namen erhielt eine bereits bestehende Burganlage mit Bergfried, Ringmauer, Palas und Zwinger auf einem Felsrücken oberhalb der Landstrasse von Buchs nach Grabs.7 Schon Rudolf I. von Montfort hatte wahrscheinlich wegen seiner Heirat mit Clementa von Kyburg um 1228 begonnen, einen einfachen Wohnturm auf dem Burghügel zu einem gräflichen Wohnsitz auszubauen. Ein solcher Turm befand sich auch in Sargans, doch lässt sich nicht mehr klären, ob er ebenfalls schon um 1228 mit Wohnbauten versehen war.8 Deshalb lässt sich auch nicht entscheiden, ob Rudolf I. seinen Familiensitz in Werdenberg oder in Sargans einrichtete. Seine Witwe Clementa nannte sich zwar 12489 noch Gräfin von Sargans (Sanegans), muss aber nicht auf einer Burg, sondern kann in der seit 76510 bestehenden Siedlung Sargans (Senegaune) gewohnt haben, deren Kirche dem Bregenzer Kloster Mehrerau gehörte. Ihre beiden Söhne benannten sich jedoch nach der neuen Burg Werdenberg, auf der sie vielleicht ihre Kindheit verbracht hatten. Unterhalb der Burg befand sich eine kleine Siedlung mit mindestens zwei Steinbauten an den späteren Unter(Städtli 1) und Hintertoren (Städtli 14), die wohl von Dienstleuten der Montforter Grafen bewohnt wurden.11 Um 1217/22 besass das Kloster Einsiedeln einen Grosshof (curia) und vier Bauernhuben (mansus) in Grabs, nur zwei Huben in Buchs und die beiden Kirchen, die als Pfründen vergeben waren. Die Buchser Kirche hatte offenbar Hugo I. von Montfort, der 1235/37 verstorbene Grossvater der Werdenberger Brüder, an Einsiedeln übertragen.12 Er verfügte wahrscheinlich in Buchs und in Grabs über alle Leute und Güter, die keine Gotteshausleute und keine Klosterlehen waren. Und wahrscheinlich übernahm erst Hugo I. von Werdenberg-Heiligenberg auch den Klosterbesitz, denn noch 1259 und 126113 traten die Buchser und Grabser Pfarrherren als Einsiedler Zeugen am Zürichsee auf. Die Übernahme wurde möglich, als der Graf Rudolf von Rapperswil, der Vogt des Klosters Einsiedeln, 1262 starb. Diese Besitzverhältnisse können den Standort der Burganlage erklären, denn der Burghügel lag in der Montforter Dorfflur von Buchs nahe der Grenze bei Lims zur Einsiedler Dorfflur von Grabs; die Grenze bildete 105014 der Arga genannte Lognerbach. Für den Ausbau der Burg können aber «verkehrswirtschaftliche Kriterien» kaum eine Bedeutung haben: Werdenberg lag abseits der rechtsrheinischen Reichsstrasse und der talquerenden Landstrasse von Feldkirch über die Rheinfähre Gamprin-Salez zum Kloster St. Johann im Thurtal.15 Hugo I. beabsichtigte wohl, die Burg als Familiensitz und als Herrschaftszentrum zu übernehmen und kann auch einen Ausbau der Siedlung am Hügelfuss für seine Dienstleute begonnen oder zumindest geplant haben. Zur gleichen Zeit erweiterten auch die Grafen von Montfort ihre Stadt Feldkirch um die heutige Neustadt und verstärkten sie mit dem Wehrturm der Schattenburg.16 Der Neubau in Feldkirch und ein allfälliger Ausbau in Werdenberg haben eine fortifikatorische Bedeutung, denn die Montforter Teilung verlief nach 1258


RECHTE

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SIBYLLE MALAMUD

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SIBYLLE MALAMUD

STADTWERDUNG, STADTSTATUS UND STÄDTISCHES RECHT


EINLEITUNG

RECHTE

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«Was bleibt, wenn man einer Burgstadt die Burg, einer kleinen Residenzstadt das Schloss, einer Amtsstadt das Amt, einer kleinen Abteistadt das Kloster nimmt? Ein Dorf».1 Sehr kleine Städte, keine Städte? – auf den ersten Blick scheint die Aussage des Historikers Franz Irsigler auch für die kleine Stadt Werdenberg oder «das Stettli», wie sie im Volksmund häufiger liebevoll genannt wird, zuzutreffen: Werdenberg ist in der Tat sehr klein, hat sich über Jahrhunderte kaum entwickelt und hat als Stadt nie wirklich eine Rolle gespielt. Auch das Quellenmaterial fliesst sehr spärlich und weist kaum städtische Merkmale auf. Wie soll man die Siedlung von aussen betrachtet beschreiben? Als Vorburg, als Burgstädtchen, als ein Dorf mit Stadtmauer, als Zwerg- oder Kleinststadt, als Ackerbürgerstadt, als Minderstadt? Es scheint mir wenig sinnvoll, die Stadt aufgrund ihres Aussehens in ein bestimmtes Schema pressen zu wollen, das stark von unseren heutigen Vorstellungen geprägt ist. Während meiner Forschungsarbeit zu den Rechtsquellen der Region Werdenberg stellte ich fest, dass sich eine historische Auseinandersetzung mit ihr – trotz oder gerade wegen ihrer kleinen Grösse – komplex erweist. Wohl deshalb hat sich bisher kaum jemand eingehend mit ihrer Bedeutung und ihrer Bürgerschaft beschäftigt. Die bereits über hundertjährige Darstellung von David Heinrich Hilty ist bis heute das einzige Werk, das sich ausführlicher mit den Quellen und mit der Geschichte der Stadt befasst. 2 In der neueren Forschung wird nur vereinzelt und andeutungsweise auf die Entstehung und die Geschichte der Stadt verwiesen. 3 Auch Alois Niederstätter oder Karl Heinz Burmeister, die sich mit den Stadtgründungen der Tübinger, der Montforter und Werdenberger Grafen auseinandergesetzt haben, erwähnen Werdenberg nur am Rand.4 So verwundert es wenig, dass die Stadt pauschal als «Musterbeispiel einer fehlgeleiteten Gründung, hinter der von vorneherein keine wirtschaftlichen oder militärischen Beweggründe standen, sondern einzig und allein der Ehrgeiz eines kleinen Herrn» bezeichnet wird.5 Doch gerade solche Pauschalisierungen verhindern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Stadt – und sei sie noch so klein. Der Blick auf Fragen nach städtischen Qualitäten in Abgrenzung zum Siedlungstyp Dorf, nach lokalen oder regionalen Funktionen oder nach spezifischen Eigenheiten als Stadt wird dadurch versperrt.6 In den letzten Jahrzehnten hat sich die Stadtforschung vermehrt mit Klein- und Kleinststädten auseinandergesetzt.7 Sie verweist dabei nicht nur auf die unterschiedlichsten Formen und Typen von Klein- und Kleinststädten, sondern betont auch, dass besonders die Anfänge kleiner Städte anders zu qualifizieren seien als diejenigen grosser Städte. Viele Klein- und Kleinststädte, deren Anfänge vor allem in die spätere Stadtgründungswelle des 13. und 14. Jahrhunderts fallen, verdichten ein bereits bestehendes Netz älterer Städte oder Marktorte mit römischen oder bischöflichen Wurzeln. Die späteren Kleinstädte weisen deshalb häufig nur ein geringes Entwicklungspotenzial auf, spielen jedoch bei der Intensivierung und bei der Stabilisierung von Landesherrschaft eine wichtige Rolle.8 Den kleinstädtischen Bürgern kommt dabei eine wesentliche Bedeutung zu.9 In der Stadtgeschichtsforschung werden Klein- und Kleinststädte, die vielerorts weniger Rechte besitzen als grosse Städte und deren wirtschaftliche Position nur schwach ausgebildet ist, häufig unter dem umstrittenen Begriff der «Minderstädte» zusammengefasst. Der von


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Werdenberg in den Tableaux topographiques, pittoresques, physiques, historiques, moraux, politiques, littéraires, de la Suisse von Beat Fidel Zurlauben, Paris 1780 – 1786, pl. 159.

Heinz Stoob geprägte Begriff der «Minderstadt», der alle Siedlungsformen mit städtischen Qualitäten zwischen Stadt und Dorf umfasst, betont zwar den Bezug zur Stadt, auch wenn gewisse typische Merkmale einer Stadt fehlen, wie zum Beispiel eine Stadtmauer oder ein verbrieftes Stadtrecht.10 Der Begriff unterstellt jedoch eine wertende Hierarchie in der Siedlungstypologie, wodurch gewisse Siedlungstypen wie Marktflecken oder «Minderstädte» unterhalb der «bedeutungsvolleren», grösseren Städte mit umfassenden städtischen Rechten und «knapp über der agrarisch-dörflichen Ebene» eingeordnet werden.11 Die neuere Stadtgeschichtsforschung hat sich teilweise von diesem Begriff distanziert und plädiert für eine Definition einer Stadt aufgrund vielfältiger, variabler Merkmale nach einem sogenannten Kriterienbündel.12 Aufgrund der Vielfalt an städtischen Klein- und Kleinstformen erübrigt sich meines Erachtens ein solch definitorischer Ansatz; anstatt zu fragen, ob Werdenberg nun eine Stadt oder welchem Stadttyp sie zuzuordnen sei, wird im Folgenden mit den Worten der Städtehistorikerin Martina Stercken von «einer minimalen Bestimmung des Stadtstatus, nämlich der zeitgenössischen Wahrnehmung»,13das heisst vom Quellenterminus «statt» oder «stettli» ausgegangen: So erscheint Werdenberg erstmals 1259 als Namensbezeichnung von Hartmann I. und 1289 als Ausstellungsort einer Urkunde.14 Wenige Jahre später, 1294, ist unter der Bezeichnung Werdenberg klar die Siedlung zu verstehen: Dis gischach zi Werdinberg in Ŭlrichs hûs des Litscher.15 Die Bezeichnung Stadt wird in den Quellen erst 1352 verwendet, wo einerseits Ulrich Unrain als Schultheiss16 von Werdenberg bezeichnet wird und andererseits eine ausstehende Schuld «gen Veltkirch, gen Werdenberg oder gen Maigenvelt, in der [driger] stett aine» ge­ liefert werden soll.17 Unabhängig von seiner Entfaltung behält Werdenberg in den Quellen die

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CAROLIN KRUMM

VON DER BURG ZUR STADT – DIE BAULICHE ENTWICKLUNG


EINLEITUNG

Warum eine Befunddokumentation? BAUTEN

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Mit rund vierzig Hausnummern zählt das unmittelbar an der Gemeindegrenze Buchs/Grabs gelegene Städtchen Werdenberg zu den historischen Miniaturstädten der Schweiz – heute ist es Teil der Gemeinde Grabs SG. Der vorliegende Beitrag versteht sich als vertiefende Ergänzung zum annähernd gleichzeitig veröffentlichten Kunstdenkmälerband Region Werdenberg, der als 141. Band innerhalb der von der Schweizerischen Gesellschaft für Kunstgeschichte (GSK) seit 100 Jahren publizierten Reihe der Kunstdenkmäler der Schweiz erscheint. Er möchte dort, wo es im Rahmen des Kunstdenkmälerbands nicht möglich war, wesentliche Baubefunde im Detail diskutieren und Baustrukturen in Plänen für eine wissenschaftliche Weiterbearbeitung dokumentieren. Es ist absehbar, dass künftige Baumassnahmen unerwartete Einblicke in die Substanz ermöglichen und Neudiskussionen anstossen werden, sodass eine Präsentation der aktuellen Befundlage unumgänglich erscheint.

1960 – ein Grossprojekt zum Erhalt und zur Erforschung des Städtchens Werdenberg startet Bis 1959 hatte das Städtchen infrastrukturell die Jahrhunderte fast unverändert überstanden und präsentierte sich dem für den St. Galler Heimatschutz tätigen Architekten Walter Fietz ruinös-museal und unzeitgemäss, wie er zwischen 1957 und 1959 in verschiedenen Zustandsberichten beispielsweise zu hygienischen Missständen protokollierte.1 Die im Zuge der «Wiederentdeckung» des Städtchens und der öffentlichen Diskussion seiner hygienischen Umstände angestossene «Sanierung der Abwasserverhältnisse am Werdenbergsee 1959» wurde nach damaligen archäologischen Standards und Möglichkeiten begleitet. Bei Ausschachtungsarbeiten für die Abwasserleitungen und Revisionsschächte, die man über beide Strassenstränge des Städtchens und entlang der seeseitigen Häuserzeile seewärts führte, 2 wurden aus dem seit dem 13. Jahrhundert aufgelagerten Schichtenpaket «372 Ziegelfragmente, 245 Scherben von Gefässen, Ofenkacheln, Butzenscheiben, 491 Eisengegenstände […], Wurf­kugeln und Schleudersteine, ferner 9290 Knochen» geborgen – eine wissenschaftliche Auswertung steht noch aus. 3 Die 1960 vom Schweizerischen Heimatschutz angestossene Schoggitaler-Verkaufsaktion zur Rettung des «ältesten Holzbaustädtchens der Schweiz» ebnete diesem sprunghaft den Weg in das nationale Bewusstsein und förderte die öffentliche Sorge um dessen Zukunft, wobei es mit jeder durch eidgenössische Gelder subventionierten Restaurierung ein Gebäude unter dem «Denkmalschutz des Bundes» hinzugewann. Dies setzte allerdings voraus, «dass die Restauration im engeren Sinne nach der Praxis der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege zu erfolgen hatte».4


Das Städtchen Werdenberg als denkmal­p flegerisches Thema – Stand der Bearbeitung bis 2011 Der Werdenberger Lehrer und Historiker Leo Broder bot 1957 die erste Übersicht zu «Schloss und Städtchen Werdenberg», die als Schweizerischer Kunstführer der GSK erschien. Dieser Führer wurde 1969 vom kantonalen Denkmalpfleger Walter Fietz um wenige Seiten zur Re­ staurierung und zu herausragenden Bauten des Städtchens ergänzt, bevor der von der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege zuständige Fachexperte Albert Knoepfli 1972 seinen Kurzbericht «Das Holzstädtchen Werdenberg und seine Gesamtrestaurierung» publizierte. Ihm folgte 1976 die Darstellung zu «Schloss und Städtchen Werdenberg» von Walter Lendi, Leiter des Amts für Kultur des Kantons St. Gallen, und Erwin Burkhardt, dem damaligen Vorsitzenden der Stiftung Pro Werdenberg.9 Die umfassendste Darstellung verfasste der kantonale Kunstdenkmälerinventarisator Bernhard Anderes 1983. Seine 32-seitige Vorstellung von «Werdenberg. Schloss und Städtchen» war zweifellos eine profunde Bearbeitung mit inhaltlicher Konzentration auf das Schloss. Er beklagte, dass damals nach wie vor nur die massstabsgetreue Aufnahme der seeseitigen Fassadenabfolge im Städtchen vorlag.10 Offenbar gab dies den Anstoss für eine fotogrammetrische Gesamtaufnahme des Städtchens, die zwischen 1981 und 1984 im Auftrag des Kulturgüterschutzes erfolgte. Diese von Gerhard Kasper/Wil ausgeführten Vermessungen umfassten viele der zu den Stadt­

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Doch das öffentliche Interesse ebbte trotz der zeitgleich gegründeten Stiftung «Pro Werdenberg» wieder ab. So bedurfte es eines weiteren Anstosses, der als mahnender und erklärender Zwischenbericht 1963 in der Neuen Zürcher Zeitung und in abgewandelter Form in einer Broschüre erschien. Beide Artikel verwiesen mit Nachdruck auf die Masse der anstehenden Arbeiten und den Anspruch auf Sorgfalt.5 1962 begann die zeichnerische Erfassung der Werdenberger Fassaden durch den Grabser Architekten Hans-Ruedi Dietschi. Offenbar waren diese zeitaufwändigen Arbeiten zwischenzeitlich durch fotogrammetrische Aufnahmen des emeritierten Professors Max Zeller von der ETH Zürich ergänzt und insofern rationeller abgehandelt worden. Ob diese Arbeiten Zellers zum Abschluss kamen, ist unbekannt – die Aufnahmen fehlen bis heute.6 In einem Zwischenbericht geforderte «zusätzliche […] Detailzeichnungen» sowie die «fotografische Dokumentation von konstruktiven und materiellen Eigentümlichkeiten, zum Beispiel Ständerkonstruktion, Versteifungen, Mauerverbände, Baufugen, Verblendungen usf.» setzten den wissenschaftlichen Anspruch abermals weit über den damals üblichen Standard.7 Vermutlich wurde auch das formulierte Wunschziel der Dokumentation freigelegter Mauerwerke durch Fotografien, Zeichnungen und Pläne sowie der Entnahme von Materialproben von der rasant verlaufenden Restaurierungswelle überrollt und ausgebremst. Es blieb bei zahlreichen, nicht näher beschrifteten Detailfotografien von Mauerwerken, die 2014 bis 2020 – nach erfolgreicher Zuordnung – einen wesentlichen Beitrag zur Bearbeitung des Städtchens im Zuge der Manuskripterstellung des Kunstdenkmälerbandes bildeten.8


BAUTEN

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gassen orientierten Hausfassaden, wobei man aus Zeitgründen die fotogrammetrische Aufnahme von Mauerwerkstrukturen und hölzernen Konstruktionen auf einige Ausschnitte ­begrenzte.11 Während der Restaurierungswelle bis 1967 wurde zeitgemäss vieles, was lieber unterlassen worden wäre, umgesetzt. Kaum etwas davon wurde aber dokumentiert oder publiziert. Eine Ausnahme vertritt beispielsweise die Entfernung der Altputze und barocken Fensterrahmungen von Städtli 24/25, um dem vermeintlich gotischen Fachwerk der Fassade Geltung zu verschaffen, während man die irrigerweise als barock eingestufte Bemalung des «Roten Hauses» (Städtli 41) beliess. Eine erste vertiefte, fachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Bausubstanz begann mit den jüngeren Restaurierungen, die in fünf Fällen Bauuntersuchungen begleiteten. Im Zug dieser zwischen 1993 und 2013 von Peter Albertin (Winterthur) durchgeführten Untersuchungen wurde das Augenmerk erstmals auf eine frühe Massivbauphase gelenkt, wobei die Erkenntnisse zufällig und ausschnitthaft sein mussten.12

Die Vorgehensweise bei der Neubearbeitung 2014 bis 2016 Als 2014 die Bearbeitung des Städtchens für den Kunstdenkmälerband begann, lagen neben Altpublikationen fünf Bauuntersuchungen und ein publizierter Kurzbericht zu einer archä­ ologischen Sondage im Hinterstädtchen vor.13 Die Sachlage schien jedoch nach wenigen Baubegehungen komplex, die bisherigen Erkenntnisse diskussionswürdig. Es zeigte sich bald, dass es sich weniger um das älteste Holzbaustädtchen der Schweiz, als um eine deutlich ältere Massivbauansiedlung handelte, deren Entwicklung im frühen 13. Jahrhundert begonnen haben dürfte. Die fehlenden Dokumentationen der seit 1959/60 vorgenommenen Re­ staurierungen, Sondagen und Umbauten erschwerten die Ausgangslage der Neubearbeitung erheblich. Es war daher umso erfreulicher, dass zwei der in den 1960er-Jahren massgeblich beteiligten Personen befragt werden konnten: der verantwortliche Architekt Hans-Ruedi Dietschi und der damals bereits für Werdenberg engagierte, heutige Vorstand der Stiftung Pro Werdenberg, Peter Semadeni. Auch wenn es sich «nur» um mündliche Hinweise han­ delte, so schärfte dies doch den Blick für versetzte Holzteile, Laubenstützen und Nachbauten. Sie gehören heute zum Städtchen und sind längst mit der Historie und Originalsubstanz verschmolzen. Für die Bearbeitung des Städtchens war im Vorhinein ein Zeitaufwand von etwa einem Jahr bemessen worden, wobei die Intensität der Untersuchungen offenblieb. Offensichtliche Fehlinterpretationen im muralen Bestand liessen eine Neubearbeitung samt eigener Bauuntersuchungen zügig notwendig werden, sie erfolgte in drei Stufen. Eine Grundlage bildeten archäologische Befunde, die 2014/15, und damit parallel zum Start der Neubearbeitung des Städtchens im Zuge der Kunstdenkmälerinventarisation erhoben werden konnten. Den Anstoss gab der anstehende Bau einer Fernwärmeleitung im Verlauf der Stadtgassen, sodass baubegleitende archäologische Sondagen unumgänglich waren. Aufgrund der Ausschachtungsarbeiten von 1959 waren die Erwartungen jedoch gering. Die von der Kantonsarchäologie St. Gallen observierten und in einem Vorbericht zusammengetragenen Befunde wurden zur weiteren Ausarbeitung dankenswerterweise zur Verfügung gestellt – eine abschliessende Auswertung steht noch aus.14


2 Pläne in der Beilage

85 CAROLIN KRUMM

Um den gesetzten Zeitrahmen einzuhalten und möglichst zeitnah zu Ergebnissen zu gelangen, wurde auf eine zeichnerische Bestandsaufnahme der häufig verputzten oder verkleideten Fassaden komplett verzichtet und der Schwerpunkt auf eine weitgehend massstabsgetreue Aufnahme der untersten zwei Geschosse aller Stadtbauten gelegt. Diese Vorgehensweise erwies sich zum einen als sinnvoll, da die hölzernen Oberbauten durch die fünf Bauuntersuchungen Peter Albertins zumindest punktuell erfasst und datiert worden waren, sodass die Bearbeitung aller weiteren hölzernen Strukturen auf einer soliden Basis auf bauen konnten. Zum anderen stellte sich bald heraus, dass die unteren beiden Geschossebenen durchwegs bedeutende Bausubstanz bargen, deren Zusammengehörigkeit über Parzellengrenzen hinweg heute nicht mehr ablesbar ist. Wo unumgänglich, wurden Schnittzeichnungen erarbeitet. Die so binnen eines Jahres von der Autorin und sie unterstützenden Hochbauzeichnern erarbeitete Plangrundlage wurde in einem weiteren Jahr in separaten Begehungen und Studien zu Auf bau, Konstruktion, Material, Bauweise und vielen anderen baulichen Details verfeinert.15 Trotz der Masse der Befunde wurde offensichtlich, dass eine 3D basierte, als Arbeitsgrundlage dienende Darstellung der Stadtbauten ungleich komplexere Aussagen liefern würde, auch wenn moderne Bauteile oder Verkleidungen der Vorgehensweise deutliche Hürden setzen. Nur so wäre es aber möglich, die bestehenden und zu rekonstruierenden baulichen Strukturen mit jenen der Archäologie und der Geländeformation zu verbinden und verschiedene Varianten von Bauabfolgen auf ihre Plausibilität zu hinterfragen. Als Vorstudie zum vorliegenden Bericht wurde dieses ausgesprochen aufwendige Verfahren am Beispiel der Baugruppe Städtli 2/3 exemplarisch durchgespielt und innerhalb der Schweizer Archäologie vorgestellt.16 Da die Ergebnisse die Erwartungen übertrafen, wurde diese Darstellungsweise, die sich zudem zur Überprüfung von baugeschichtlichen Details eignet, als eine Grundlage dieser Baudokumentation gewählt. Wegen des immensen zeitlichen Aufwands blieb sie jedoch auf wenige Bauten und einzelne Baugruppen beschränkt, die im Folgenden für die Stadtbaugeschichte relevant erscheinen. Schon früh war abzusehen, dass im Stadtbereich unterschiedlichste Mörtel als Mauermörtel und Verputze Anwendung fanden. Dies ergab allein die optische Bewertung der Probenstücke, die im Verlauf der Untersuchungen 2014 bis 2016 entnommen wurden (im Folgenden benannt als Proben). Sie wurden zeitlich untergliedert und das mutmasslich älteste Material zur weiteren Analyse 2020 der Integrativen Prähistorischen und Naturwissenschaftlichen Archäolo­gie der Universität Basel übergeben. Die wissenschaftlichen Analysen übernahmen Maria Thaís Affon­so und Philippe Rentzel.

164 – 175


BAUTEN

118

164

Baustrukturen: Die Analyse der Mauerwerke ergab folgendes Bild: Seeseitig erhielt sich als ältester Teil eine Mauer unbestimmter Höhe, die – direkt auf den Fels gesetzt – seewärts an torfige Schichten und darüber liegende Schichten einer künstlichen Verlandungszone stiess.91 | 42 | Sie dürfte unmittelbar an die Feuchtzonen des Seeufers gestossen sein und den Übergang vom Felsgrund zu den Seichtzonen markiert und beides voneinander getrennt haben. Aufgrund vorhandener Verputze ist die Mauer nur partiell einsichtig, wobei sich ein lagig verlegtes Bruchsteinmauerwerk aus annähernd quaderförmiger Garschella in zuschlagreichem, aber ausgesprochen sauberem Mörtel abzeichnet (Probe 3–03).92 Die handwerkliche Sorgfalt, wie sie die seeseitigen Mauern in Städtli 5 und 14 aufweisen, wurde allerdings nicht erzielt, auch wenn hier plattige Ausgleichslagen eingeschoben wurden. An sie wurde ein auf annähernd quadratischer Grundfläche errichteter, zwei Geschosse hoch erhaltener Steinbau gesetzt, dessen ebenfalls verputztes Mauerwerk dem der Seemauer zu entsprechen scheint. Diese wird laut der 14C-Datierung eines organischen Mörtelzuschlags um 1275/1304 entstanden sein und damit kurz vor oder gleichzeitig mit dem zugehörigen Hausbau.93 Datiert wurde hier bislang allerdings nur das vermauerte Brett einer untergeschossigen Nische.94 Einen frühesten denkbaren Zeitpunkt für die Entstehung liefert jedoch die Entwicklung auf der Parzelle von Städtli 2, wo um 1310 ein vergleichbares Gebäude errichtet wurde, an das sich Städtli 3 – wohl ohne eigene Seitenwand – anlehnte.95 Städtli 3 war vermutlich seitlich erschlossen, was einen entsprechenden Freiraum zu Städtli 4 voraussetzt; erhalten blieb nur der obergeschossige Zugang mit Tuffsteinrahmung. Während der Umbaumassnahmen 2017 wurde eine ungewöhnlich robuste Bodenkon­ struktion aus fast fugenlos nebeneinander verlegten, 14 cm starken Kanthölzern im Erdgeschoss fotodokumentiert. Böden dieser Art sind für Wohnbauten bisher selten belegt, noch waren sie notwendig – als eine Art Schwerlastboden könnten sie der Lagerung gedient oder als tragender Boden schwerer Einrichtungen (Küche) fungiert haben. Rekonstruktion Bauphase II – eine Bauerweiterung bis zur Stadtgasse

Diesem ältesten Gebäude wurde in geringem zeitlichen Abstand ein massiver Anbau vorgelagert, der bis zur Vorderfront der heutigen Laube vorstiess. Er war etwas schmaler als der bestehende Bau, da er seitlich natürlichem Fels auswich. | 41 |

42 Städtli 3. Grundriss des Untergeschosses, aktueller Bestand. Massstab 1:200. Die obere Bildhälfte nimmt das primäre, massive Gebäude auf annähernd quadratischer Grundfläche ein, nach unten schliesst sich der spätere Vorbau an. Seine zwei Gewölbesignatu­ ren zeichnen seine ursprüngliche Grösse und die spätere Verkür­ zung nach. Rechts ist der sekundär vorgelegte und später verlän­ gerte Kellerhals sichtbar (ebenfalls zwei Gewölbesignaturen).

0

N

5m


44

43

Städtli 3. Blick in das Untergeschoss in Richtung Strasse. Im Bild­ hintergrund erhielt sich die ehemalige Strassenfassade mit einem hoch über dem einmündenden Rohr sitzenden Fenster. Zudem zeichnet eine schräg verlaufende, dunkle Fläche (rechts hinten) den hier ehemals anstehenden, zur Raumoptimierung abgebauten Fels nach, als man die primäre, hohe Flachdecke zugunsten des flachen Traggewölbes für die Laube aufgab. Nun wurde das Tageslicht über ein zweites Fensterchen (Bildmitte) in den Raum geführt.

Städtli 3. Die Mauerstruktur des zur Strasse orientierten Anbaus in einer Fotografie von 1963 (linke Bildhälfte). Klar erkennbar ist die rückseitige Fuge zum bestehenden, zweigeschossigen Gebäude von etwa 1310 und ein hori­z ontaler Mauerrücksprung, der eine spätere Aufstockung andeuten könnte. Dies ist anhand dieser Fotografie nicht zu entscheiden.

Baustrukturen: Sein ein- bis zweigeschossig erhaltenes Mauerwerk greift bis an die Grenze des heutigen Strassenraums vor. | 42, 43 | Der Vorbau endete dort, wo heute die Brüstungsmauer der Laube verläuft; die flache Laubensubstruktion ist nach wie vor Teil seiner Strassenfront und damit die letzte stehengebliebene Partie der Fassade. Abzulesen ist dies an einem direkt über der Gasse sitzenden Fensterchen in dieser Wandscheibe, das aber seine Funktion verlor und daher von aussen vermauert wurde. | 44 | Seine Lage dürfte in etwa die Höhe einer Balkendecke nachzeichnen, die später das bestehende Gewölbe ersetzte. Der Keller dürfte seinem Habitus, der fehlenden grosszügigen Durchfensterung und den russgeschwärzten, steinernen Lichtnischen nach als Lagerraum angelegt worden sein. Wann er errichtet wurde, bleibt offen. Aufgrund seines partiellen Abbruchs wohl deutlich vor 1380 (siehe Bauphase III) ist von einer entsprechend früheren Bauzeit um/vor Mitte des 14. Jahrhunderts auszugehen. Rekonstruktion Bauphase III – die Festlegung einer Bauflucht?

In dieser Bauphase wurde der Vorbau unbestimmter Höhe bis auf die Kellermauern und Teile seiner Seitenwände abgetragen und seine Strassenfront auf der Flucht des zwischenzeitlich bis zur Stadtgasse erweiterten Städtli 2 neu errichtet; nur sein Keller verlief unterhalb der Fassade noch einige Meter in den Strassenraum hinein. Da am Baubestand keine Brandspuren oder Einbrüche festzustellen sind, dürfte es bei diesem Teilrückbau um eine unumgängliche Massnahme, vielleicht die Regelung von Baulinien und -grenzen handeln. Zudem dürften sich beide Bauten mit diesen Vergrösserungen verstärkt zu Stadthäusern, also zu Wohn- und Handelshäusern entwickelt haben. | 45 |


45 Städtli 2 und 3, Rekonstruktion um 1320/40. Dargestellt ist der Rück- be­ ziehungsweise Umbau des strassen­ seitigen Hausteils von Städtli 3 (ver­ gleiche das Fenster knapp über dem Gehniveau im hellen Bauteil) und die mutmassliche Baugestalt von Städtli 2 zu annähernd gleicher Zeit. Seine Gliederung mit Steinfassade und ver­ längertem Kellerhals erhielt sich im Baubestand, die Deckenbalkenlage hingegen ist nur fotodokumentiert.

46 Städtli 3, Bestand 1962. Das Foto dokumentiert die sekundäre Überbauung des Ehgrabens zwischen Städtli 4 (rechts) und Nr. 3 (links), um damit Tragkonstruktionen für weitere Geschosse zu schaffen. Der Einbruch der Gewölbe in die Eckverbünde der Massivbauten ist klar ablesbar, ebenso das Aufsitzen der Aus­ senwand von Städtli 4 (rechts) im oberen Geschoss auf der Gewölbekonstruktion.

Baustrukturen: Den wichtigsten Hinweis auf diese schwer fassbare Bauetappe bietet das Gewölbe, das heute den Keller im einstigen Vorbau überzieht. Eine markante Baufuge grenzt eine zur Stadtgasse orientierte, niedrige überwölbte Kellerpartie von einer dahinter anschliessenden, höheren ab. Direkt über dieser Fuge verläuft heute die bestehende Strassenfassade von Städtli 3. | 44 | Ausser der Strassenfassade gehört die niedrige Gewölbepartie mit Sicherheit dieser Bauphase an;96 sie erstreckt sich in ihren Abmessungen direkt unter dem Laubengang, dient diesem als Substruktion und ragt mit ihrem Gewölbe in seine Lauffläche hinein. Um dem Raumverlust durch die Tieferlegung der Decke in dieser Fläche entgegenzuwirken, wurde der natürliche Fels entlang der Parzellengrenze zu Städtli 2 abgetragen und die Wände teilweise entsprechend zum Boden hin ergänzt. In dem sich hinter der neuen Fassade anschliessenden Kellerbereich liegt der Gewölbescheitel hingegen deutlich höher. Ein in der neuen Strassenfas­ sade und über dem Scheitel des flacheren Gewölbes eingesetztes zweites Fensterchen diente der Belichtung des vielleicht ursprünglich flach gedeckten Kellers.97 Weitere Aspekte dieser Phase sind unklar. Zum einen bleibt offen, ob zu dieser Zeit der zwischen Städtli 3 und 4 verlaufende Ehweg dem Hausinnern zugeschlagen wurde oder ob dies erst in einem zweiten, späteren Schritt geschah. | 47 | In jedem Fall wuchs Städtli 3 spätestens 1379 auf seine heutige Grösse an, indem man den Ehweg überwölbte, seine Fläche von


nun an als innen liegende Erschliessungszone des Obergeschosses nutzte und seeseitig ein weiteres, auf diesem Gewölbe ruhendes Geschoss erstellte; datiert wird dieser Vorgang durch Überbauten von Städtli 4.98 | 47 | Einen ähnlichen terminus ante quem liefert die Entwicklung auf der benachbarten Parzelle Städtli 2, wo eine massive Bauerweiterung bis zur Stadtgasse vorangetrieben, aber im Zuge einer dortigen Überbauung ebenfalls von etwa 1379 wieder aufgeben wurde.99 Sie stimmt mit ihrer Bauflucht mit jener von Städtli 3 überein. | 45, 47 | Die Festlegung der Bauflucht und der Rückbau von Städtli 3 dürften also deutlich vor 1379 erfolgt sein; denkbar wäre die Mitte des 14. Jahrhunderts oder früher. 121

Schlussfolgerungen – Relevanz für die Stadtgeschichte

Städtli 3 schliesst sich als ein um 1300 errichteter, steinerner Bau mit kurzem Kellerhals den bekannten Erkenntnissen an. Anders als bei Städtli 14 festzustellen war, dürfte die seeseitig verlaufende Mauer unmittelbar zuvor errichtet worden sein, wobei über diese – mangels Bewertbarkeit – kaum Konkretes ausgesagt werden kann; selbst die Frage nach ihrer Länge, dem Verlauf über die Parzellengrenzen hinweg, bleibt offen. Eindeutig ist hingegen, dass sich ihr Mauermörtel klar von anderen der Zeit unterscheidet. Das sich anlehnende Gebäude verfügte über einen Schwerlastboden im Erdgeschoss. Es wurde zu unbekannter Zeit in Richtung Stadtgasse vergrössert, wobei man diesen zumindest teilmassiven Anbau später auf eine neu festgesetzte Bauflucht zurückführte. Damit wird ein städtischer Aspekt fassbar, die Abgrenzung öffentlicher Flächen. 47 Städtli 3, Rekonstruktion. Die farbigen Strukturen zeigen den Zustand vor 1379, der helle Bohlenständerbau (Städtli 2) entstand in etwa zu der Zeit. Die Visu­a lisierung folgt dem Bestandsfoto Abbildung 46 und zeigt, dass eine Aufstockung der see­ seitigen Bauhälfte um ein weiteres Geschoss nicht ohne die Überwölbung des Ehgrabens gelingen konnte. Auf seinem unteren Gewölbe ruht die Aussenwand von Städtli 4 (rechts), die wiederum als Auflager für die Aufstockung dient.


Mörtelproben aus Werdenberg – mikroskopische Beobachtungen

Probe Bezeichnung

Bau

Mikroskopische Beschreibung

Verputz 1-01

Städtli 1 ∙ Gut verarbeiteter Kalkmörtel, mit relativ geringem Anteil und gut sortierten Zuschlägen; gute Kohäsion zwischen Bindemitttel und Zuschlag ∙ Lime lumps sind sehr häufig, normalerweise als karbonatische Zonen, die im Vergleich zum umgebenden Bindemittel eine unterschiedliche Struktur aufweisen ∙ Zuschläge hauptsächlich aus verschiedenen, meist fossilhaltigen Kalksteinen mit variablen Anteilen an Quarz/Chert (Silex); glaukonithaltige Gesteine sind untergeordnet ∙ Viele Fragmente aus anorganischen Schlacken sowie geschmolzenen Quarzkörnern ∙ Wenige, aber relevante Menge an Ziegelfragmenten, meist ohne Reaktionsrand ∙ Pflanzliche Komponenten sind selten, es gibt jedoch mehrere Holzkohlen ∙ Sinterschicht (oder Überzug?) und Russablagerung

Mauermörtel 3-03

Städtli 3 ∙ Sorgfältig verarbeiteter Kalkmörtel mit hohem Anteil an Zuschlägen, meist über 2 mm und überwiegend aus Kalksteinen mit verschiedenen Anteilen an Quarz/Chert; untergeordnet treten glaukonithaltige Sandsteine, Chert-Arenite und glimmerhaltige Gneise auf ∙ Viele Risse, dennoch gute Kohäsion zwischen Bindemittel und Zuschlag ∙ Wenige lime lumps und saubere Matrix mit wenigen Eisenausfällungen ∙ Sehr wenige Pflanzenreste, einige übergebrannte Körner aus quarzhaltigen Kalken

Mauermörtel 3-09

Städtli 3 ∙ Heterogen wirkender Kalkmörtel mit vielen unterschiedlich grossen Poren ∙ Die karbonatische Matrix enthält mehrere kleine Komponenten; mutmassliche Zugabe von Kalksteinmehl ∙ Relativ wenige lime lumps, jedoch deutlich mehr als 3-03 ∙ Zuschläge führen mehr kristalline Gesteine und sind relativ feiner als 3-03 ∙ Sehr wenige verschlackte Komponenten und niedriger Anteil an Pflanzenresten ∙ Wenige Ziegelstücke, zum Teil mit Reaktionssaum

Mauermörtel 5-01

Städtli 5 ∙ Heterogener, karbonatischer Mörtel mit vielen Beimischungen aus verschiedenen Komponenten sowie Korngrössen und einer verschmutzt wirkenden Matrix ∙ Sehr porös, hauptsächlich infolge der vielen Risse; schlechte Kohäsion zwischen Bindemittel und Zuschlag ∙ Viele lime lumps, zum Teil als deutliche Schwachbrände ∙ Zuschläge sind schlecht sortiert und vorwiegend aus Kalkareniten und Sandkalken, untergeordnet Sandsteinen mit Glaukoniten ∙ Vereinzelte Holzkohlen, einige Ziegelstücke; wenige pflanzliche Komponenten ∙ Wenige Fragmente aus anorganischen Schlacken und/oder übergebrannten Gesteinsfragmenten ∙ Viele Eisenausfällungen und Verwitterungsspuren an der Matrix und den Zuschlägen

BAUTEN

164


Foto Schnitt (verschiedene Massstäbe)

Mikrofoto, gekreuzte Nicols 25 x Vergrösserung (Breite: 5,5 mm)

AFFONSO / RENZEL

165

Breite: 2,8 cm

Breite: 4 cm

Breite: 4 cm

Breite: 4 cm

Profile for Verlagshaus Schwellbrunn

Werdenberg – Stadt im Mittelalter  

Werdenberg – Stadt im Mittelalter  

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