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Hermann Hungerbühler

Mosaik der Wunder-Welten

edition punktuell Leseprobe

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. © edition punktuell www.editionpunktuell.ch


Hermann Hungerbühler

Mosaik der WunderWelten Ausgewählte Phänomene und Personen verschiedener Zeiten und Weltanschauungen

edition punktuell


Autor und Verlag danken den Autorinnen und Autoren beziehungsweise deren Vertretern für die Abdruckrechte der zitierten Textausschnitte. Trotz intensiver Bemühungen konnten in einzelnen Fällen die Rechteinhaber nicht ermittelt werden. Sie werden gebeten, sich mit dem Verlag in Verbindung zu setzen.

© 2020 by edition punktuell, ch-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten. Umschlaggestaltung: Janine Durot Gesetzt in Minion Pro Regular, Aldo the Apach und Helvetica Neue Herstellung: Verlagshaus Schwellbrunn Druck: Cavelti AG, Gossau SG isbn 978-3-905724-67-7 www.editionpunktuell.ch


Inhaltsverzeichnis

Geleitwort  7 Wunder-Welten am oberen Zürichsee  9 Wunder-Welten bei den Menschen der Steinzeit und danach  19 Wunder-Welten im Judentum  33 Wunder-Welten im Christentum  45 Wunder-Welten im Islam  87 Wunder-Welten im Hinduismus  95 Wunder-Welten im Buddhismus  103 Wunder-Welten im Daoismus  109 Wunder-Welten bei den glaubenden Atheisten  117 Wunder-Welten im Bild  127 Erläuterungen  161 [→] Dieses Zeichen weist auf zusätzliche Informationen im Kapitel Erläuterungen hin. Register   241 Quellen und Literatur  249 Schlusswort  254 Autor  256

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Geleitwort

Noch hielt mich die Arbeit in der Doppelpfarrei Niederbüren-Oberbüren fest, obwohl ich das offizielle Pensionierungsalter überschritten hatte. Von Zeit zu Zeit spürte ich mehr als früher eigene Unzulänglichkeiten, sodass Gedanken an einen Ortswechsel hin und wieder im Kopf herumschwirrten. Ich träumte von einem geruhsameren Leben mit weniger Hektik und öffentlicher Verantwortung gegenüber dem Kirchenvolk und meinen Vorgesetzten. Ich wünschte mir für den letzten Lebensabschnitt vermehrt mein eigener Herr und Meister zu sein. Es hatte keine Eile, und ich liess mir Zeit, eine passende Gelegenheit abzuwarten. Was dann auch eintraf. Bei der Verabschiedung eines Priesterkollegen kam die Rede auf das leerstehende Pfarrhaus in Bollingen [→170]. Dort wäre ein Platz frei für einen mitarbeitenden Seelsorger mit reduziertem Arbeitspensum. Etwas skeptisch hinsichtlich der Abgeschiedenheit des Dorfes, verlockt jedoch durch die herrliche Umgebung am oberen Zürichsee, war mir diese Gegend bekannt. Besuchte ich dort hin und wieder meinen ehemaligen Andwiler Kaplan Beat Pfau [→215], der inzwischen auch zu meinem Geistlicher Vater [→183] geworden ist. So entschloss ich mich ohne längeres Sinnieren für das Angebot. Bischof Dr. Ivo Fürer [→182] gab seine Einwilligung und das Abschiedsprozedere in der Doppelpfarrei nahm seinen Lauf. Eigenartig, am neuen Wohnort erschien mir die erste Zeit wie aneinander gereihte Ferientage. Aber das kann es ja auch nicht sein – Arbeit ist ja des Menschen Zierde. Und ein länger dauerndes Ferienparadies bescherte dem ersten Menschenpaar der Bibel auch nicht jene Glückseligkeit, die ewig dauerte. Bald kam mir der Spruch meines Lateinlehrers in den Sinn: hic Rhodos, hic salta! was auf meine Situation angewendet hiess: hier ist Bollingen, da kannst du jetzt tanzen! Gartenarbeit lag mir im Blut; Blumenkulturen pflegen und bewundern nahmen meine Aufmerksamkeit vermehrt in Anspruch; Kletterpflanzen entlang der Hausmauer verrieten mir, dass sie auch ohne Augen einen Draht erfühlten und sich daran festhalten konnten. Übliche Seel7


sorge, kulturelle Interessen und Mussestunden füllten von nun an den Alltag. Tage und Monate zogen dahin; kaum einmal etwas Spektakuläres. Bis dann eines Morgens ein Student aus Prag an meiner Haustür klingelte und wissen wollte, wo denn der berühmte Professor gelebt hätte. Ein deutliches Zeichen, dass ich den bisher unbeachteten Winkel in meiner unmittelbaren Nähe nicht mehr länger ignorieren sollte. Dieses Versteck war nichts weniger als das Refugium des Carl Gustav Jung [→194]. Es sollte sich als eine Welt voller Wunder am oberen Zürichsee herausstellen. Ich lebte in einer Landschaft mit ihren Menschen, Wiesen, Rebhängen, Gewässern, Bergen, Tieren, Pflanzen und dem edlen Sandstein: das kleine Dorf, die uralte Siedlung und über ihr nur das Himmelsgewölbe. Ein Arkadien [→165], eine Welt voller Wunder, eingebettet zwischen Schmerikon und Jona. Mit dem Dank an alle, die zur Veröffentlichung dieser Wunder-Welten beigetragen haben, verbinde ich den Wunsch für mehr Innehalten und aus der Vergangenheit das mitzunehmen, was auch in Zukunft seinen Wert behält.

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Wunder-Welten am oberen Zürichsee

Nicht ohne Grund dürfte der Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie Carl Gustav Jung [→194] diesen Ort ausgewählt haben, um sich hier sein Arkadien [→165] aufzubauen. Verborgen hinter viel Tannengehölz und dunkelrot ausladendem Buchengeäst kann dieses Refugium nur nach genauem Hinsehen lokalisiert und beschrieben werden. Hier wurden während vieler Sommermonate die Erfahrungen verarbeitet, geordnet und in unzähligen Schriften festgehalten, die der Pfarrerssohn in seiner Praxis an der Seestrasse 228 in Küsnacht am Zürichsee (heute Museum) gesammelt hatte und nun in heilsame Distanz bringen wollte. Denn dort, so klagte er einmal, fressen mich die Patienten auf. Seine Reisen zu den Tiefen des Geistes und den Geheimnissen der eigenen Seele fielen ihm wohl bei Handarbeit und Musse leichter. Bald entstand mit zwei ortsansässigen Helfern ein mittelalterlich anmutendes Turmhaus als zeitloses Symbol für Veranlagungen und Fähigkeiten: In Bollingen bin ich in meinem eigentlichsten Wesen, in dem, was mir entspricht. Hier bin ich sozusagen der uralte Sohn der Mutter, so seine spätere Aufzeichnung. Zeitlebens kämpfte der Seelenforscher um eine Verknüpfung zwischen dem, was im Christentum und in den sogenannten heidnischen Wertvorstellungen als eigentlicher Kern erscheint. Vor allem suchte Jung die biblische Gestalt Marias als Jungfrau- und Mutterfigur zu ergründen, die seiner Ansicht nach besonders in der katholischen Kirche des Westens einen hohen Stellenwert einnimmt. Pater Victor Francis White [→235], Dominikaner aus Oxford und interessiert an Jungs Schriften, unterstützte den Psychiater dabei nach Kräften. Übereinstimmung in vielen Ansichten, aber auch unlösbare Widersprüche prägten jahrelang diese Beziehung. Für Jung war klar, dass alle Religionen und das sogenannte Heidentum von Erzählungen, Mythen, Legenden und Sagen leben, indem sie in bestimmten Zeitabständen durch Wiederholung und weitere Ausschmückung im Gedächtnis haften blieben. In Bollingen erfuhr er lebensnah, was dort während Jahrhunderten 9


Albert Sutter.

gewachsen und abgestorben war oder auf neue Weise zur Blüte gebracht wurde. Persönliche Kontakte mit der Dorfbevölkerung, besonders mit dem theologisch gebildeten, volksnahen Dorfpfarrer Albert Sutter [→229] boten dem Seelenforscher praktische Anschauungen. Durch ihn fand Jung Lösungen für manches Rätsel. Als Beispiel diene hier sein Interesse am Weihnachtsspiel der Kinder, das alljährlich im Dorfschulhaus aufgeführt wurde. Unter der Regie des Pfarrers, der zugleich als Präsident der Schulgemeinde amtete, wurde lebendig vor Augen geführt, was allen doch schon längst bekannt war und immer wieder wie neu erzählt wird: Die angstvolle Suche nach einer Unterkunft für die junge Frau Maria und ihren Verlobten Josef. Beide sehen dem freudigen Ereignis in keineswegs freundlicher Umgebung entgegen: kein Platz für das Paar in Bethlehem [→168], dem Herkunftsort der Vorfahren Josefs (Luk 2,4–7). Und dann liegt das neugeborene Kind – eine Puppe in Windeln gewickelt in der Futterkrippe eines Stalls, umgeben von Ochs und Esel. Engelchöre jubilieren und verkünden den Hirten [→191] der Umgebung die Geburt des Messias, was diese als Staunende an den Ort des Geschehens zieht. Nicht fehlen durften die Weisen aus dem Morgenland in ihren prächtigen Gewändern samt buntfarbigem Gefolge. Die Flucht nach dem weit entfernten Ägypten wegen des bösen Herodes bildet wie immer den Schlussakkord auf der Bühne. Und als Dank für ihre mit vollem Herzblut gespielten Rollen oder als aufmerksame Zuschauer erhielten alle Kinder ein kleines 10


Geschenk, offeriert vom Herrn Professor und angefertigt von der Pfarrhaushälterin Magdalena Brülis­auer. Nach den Erzählungen von Frau Marilie Gartmann und von Herrn Bernhard Fürer trugen jene Kinder, die nicht an der Aufführung beschäftigt waren, ein kleines Gedicht vor versammeltem Publikum als Zugabe vor. Eigentlich eine altbekannte Geschichte, doch immer wiederholt und neu erlebt. Was verbirgt sich da wohl dahinter? Eine entsprechende Antwort findet seit einiger Zeit auch für mich immer mehr Zustimmung: Die Autoren der Bibel beschreiben Geschehenes und Erfahrenes bildhaft, wobei in diesen bildhaften Geschichten auch schon immer die Deutung des beschriebenen Geschehens aus der Optik des Glaubens enthalten ist. Mit Genugtuung konnte ich später die beiden Kenner dieses Geschehens mit ihrer Literatur zur Kenntnis nehmen: H. R. Stadelmann: Im Herzen der Materie und Hubertus Halbfas mit seiner Streitschrift Kurskorrektur. Diese Ausgangslage hat C. G. Jung als Archetyp beschrieben, der im Prinzip jeder menschlichen Seele innewohnt und zu allen Zeiten eigen ist. Mythen und Legenden der Bibel wollen also gar nicht wortwörtlich geglaubt, vielmehr erlebt, das heisst unbewusst erfahren werden. Als Beispiel dafür dient mir die Verkündigung von Maria Himmelfahrt [→204] im Jahr 1950 durch Papst Pius XII. als ein zu glaubendes Dogma der katholischen Kirche. Nun, ein Dogma ist keine ewige Wahrheit, vielmehr soll es wie ein Laternenpfahl gesehen werden, der an einer gewissen Stelle hoch aufragt inmitten einer Landschaft und als Wegweiser dient. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist jedem selber überlassen, ob er sich an diesem Pfahl den Kopf zerbeult oder ihn als Ausdruck der jeweiligen Zeit anerkennt. Diese Deutung habe nicht ich erfunden, sondern hörte sie anlässlich einer Vorlesung des von mir geschätzten Theologen Karl Rahner [→218] SJ an der Universität Innsbruck. C. G. Jung fand seine Ahnungen im Hinblick auf uralte Vorstellungen bestätigt und scheute sich nicht, zum Beispiel die Dogmatisierung von Maria Himmelfahrt (mit Leib und Seele) öffentlich zu würdigen. Dass dabei der Seelenforscher nicht allen Glaubensgeschwistern seiner Konfession aus dem Herzen gesprochen hatte, kann ich nachvollziehen. Eine nachträgliche Unterstützung dieser Annahme konnte ich in der bemerkenswerten Schrift Das Tagebuch der Menschheit finden. Dort ist zu lesen: Streng monotheistisch sind im Grunde nur das Judentum und der ­Islam … und das Christentum wäre ja mit drei übernatürlichen Liebesob11


jekten ausgestattet, mit Gott, Christus und Maria … Dem christlichen Gott stünden eine grosse Schar übernatürlicher Akteure zur Seite wie Jesus und Maria, Tausende von Heiligen und Engeln, Teufel und Dämonen. Da sei für jede Lebenslage das Passende dabei. Eine besondere Reverenz an Carl Gustav Jung (1875–1961) stellt auch der Kulturbaukasten [→199] unter der Eisenbahnbrücke in Bollingen dar. Der Leser erfährt hier, dass die Yale University, New Haven, Connecticut, seit 1948 jährlich den bedeutenden Literaturpreis The Bollingen Prize for Poetry vergibt. – Ob sich das kleine Dorf bewusst ist, dass es sogar in den Vereinigten Staaten von Amerika kein Nobody ist? Wunder-Welten können nicht nur bei Personen beobachtet werden, die in einschlägigen Kreisen beinahe weltbekannt sind, auch einheimisches Schaffen am Obersee halte ich für wertvoll, festgehalten zu werden. Zu diesem zähle ich das Werk des feinfühlenden Gestalters und Malers Karl Bischof aus Schlins im Vorarlberg. Dort wurde er am 16. August 1942 geboren und wuchs in einer 14-köpfigen Bauernfamilie auf. Seine Vorfahren stammen aus der Gemeinde Sonntag im Grosswalsertal [→189]. Andere Verwandte kamen aus dem Südtirol in diese Gegend und brachten eine gesunde Mischung in die Nachkommenschaft. Dass sich in unmittelbarer Nähe die Probstei Sankt Gerold [→223] befindet, dürfte nicht ohne Einfluss auf die Bevölkerung ihrer Umgebung und auch auf ihn geblieben sein. Der gelernte Maurer liess sich in Feldkirch zum Polier und Hochbauzeichner weiterbilden, wobei er seine Kenntnisse auch in der eigenen Familie bei den verschiedenen Geschwistern, die bereits eigene Unternehmen führten, nutzbringend einsetzen konnte. Mit 27 Jahren streckte Karl seine Fühler nach St. Gallen aus, worauf er auf Anhieb eine Stelle beim Hochbauamt erhielt. Stets darauf bedacht, sich neue Fertigkeiten anzueignen, arbeitete Karl einige Zeit in einem Architekturbüro für Wohnbauten in Rapperswil. Sein definitiver Wohnsitz war 1973 in Jona, nachdem Anny Konrad aus Eschenbach seine Ehefrau geworden war und zwei Söhne und eine Tochter die elterliche Wohnung belebten. Nebst seiner Arbeit im Büro besuchte Karl während zwei Jahren die Kunstgewerbeschule in Zürich und lernte dort unter anderem das Freihandzeichnen und die Kunst der Aquarell-, Holzschnitt- und Acryltechnik. Dank hervorragender Lehrmeister konnte der Künstler immer neue Varianten ausprobieren und seinen eigenen Stil entwickeln. Als Höhe12


punkte seines künstlerischen Schaffens dürfen die Ausstellungen im St. Josefsheim in Schmerikon gelten, wo ausdrucksstarke Bilder seiner subtilen Wahrnehmung präsentiert wurden. Dabei riefen bei mir besonders Aquarelle vom Dorf Bollingen, die Kirche Sankt Pankraz [→213] und die Kapelle Sankt Meinrad [→208], Bewun­derung hervor. Ebenso feinfühlig zeigen sich Landschaftsbilder der Umgebung sowie im Engadin: Schafherden mit Begleitung in einer kargen Winterlandschaft. Heute lebt das Ehepaar in Eschenbach, und das Kunsthandwerk des ehemaligen Bauernsohns ist noch keineswegs erlahmt. Unterstützt durch seine Gattin Anny kann der begabte Künstler Karl auf ein Lebenswerk zurückschauen, das nach meiner Ansicht einzigartig ist. Bollingen, und damit auch Jona und Rapperswil, sind offenes Gelände am Wasser, und ihre Bewohner sind geneigt, sich nach grösseren Zentren auszurichten. Die Stadt Zürich ist ein eindrückliches Beispiel dafür. So führte mich eine zufällig aufgelesene Anzeige an einen Ort, wo ich mich sofort wohl fühlte: Auf einer Anhöhe liegt ein herrschaftliches Gebäude, eingebettet in einer lebendigen Natur mit ausgesuchten Bäumen und Pflanzen, das Museum Rietberg mit der Ausstellung Mystik – Die Sehnsucht nach dem Absoluten. Ihr Reichtum an Bildern und Texten von Personen westlicher und östlicher Religionen liess mich erstaunen und löste spontan eine Kaskade weiterer Fragen und zögerliche Antworten aus. Woher kommen wir und wohin steuern wir? Und was bedeutet es, wenn plötzlich Wunder-Welten in einen gewöhnlichen Alltag hereinbrechen? Dankbar, weil begeistert und bereichert durch so viele Neuigkeiten, drängte es mich, diesen Schatz nicht allein für mich zu behalten, ihn vielmehr einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Pfarreizentrum an der Friedhofstrasse in Jona bot sich die Gelegenheit, eine Zusammenfassung meiner Eindrücke in Wort und Bild vorzutragen. Dass davon einiges auf fruchtbaren Boden gefallen ist oder auch das Gegenteil bewirkte, nahm der Vortragende staunend oder verwundert zur Kenntnis. Doch eine Frau mit schneeweissen Haaren, funkelnden Augen und eleganter Kleidung konnte wegen ihren klugen Fragen nicht übersehen werden: Frau Hildegard Zuppiger-Schlumpf [→237]. Bei privaten Gesprächen in ihrer hübschen Wohnstube, die eine nicht alltägliche Bibliothek aufwies, sass mir eine hochbetagte und weise Frau gegenüber. Die Unterhaltung drehte sich vor allem um die Literatur der schweizweit bekannten 13


Benediktinerin und Mystikerin Silja Walter [→235] im Kloster Fahr [→197]. Woher hat denn Frau Zuppiger, habe ich mich gefragt, ein solch literarisches Wissen, mir haushoch überlegen? Eine Antwort darauf habe ich erst später bekommen, vor allem durch ihre Notizen zur Vorbereitung des vierten Stadttalks «Freitags in der Fabrik». Aus einfachen Verhältnissen kommend verstand es Hildegard Zuppiger immer wieder, sich neues Wissen durch Besuche von Kursen und Weiterbildungen anzueignen. Sie notierte zu ihrem ersten Lebensabschnitt: Halbtagesschule in Wagen, nur ein Lehrer, 3 Mädchen und 4 Knaben. Ich wollte eigentlich in einem Büro arbeiten, jedoch die Mutter hatte sich dafür eingesetzt, dass jedes ihrer Kinder einen Beruf erlernen konnte. Mit 15 Lehrbeginn als Damenschneiderin und Besuch der beruflichen Fortbildungsschule und mit wenig Schulbildung ohne Mühe mit den Rapperswilern durchgehalten. Mit dem Velo, bei jedem Wetter, Dreck spritzte an die Beine, Störarbeit in der ganzen Umgebung. Mappe mit Schere, Winkelmass, Fingerhut, Centimeter, Bleistift, Papier und Modejournal, Massnehmen, Muster zeichnen, zuschneiden und ohne Pause bis Mittag nähen, zum Znüni Brot und etwas drauf; sofort nach dem Mittagessen weiter nähen bis abends sieben Uhr (für 4 Franken Lohn pro Tag). Die Eltern waren auf meinen kleinen Verdienst angewiesen. Daheim kleidete ich meine Schwestern in schöne Kleider. (Büsser, Barbara: Grossmutter und Enkelin erzählen in der Fabrik, Südostschweiz, 1.9.2014.) Als erste Frau bestand Frau Zuppiger mit anderen Kolleginnen in Winterthur die Meisterprüfung im Schneiderberuf, denn bis anhin war sie eine Domäne der Männer. Dieser einigermassen friedliche Alltag wurde anfangs September 1939 durch die militärische Mobilmachung unterbrochen. Hildegard notierte dazu: Frauen müssen zum Teil Arbeiten der Männer verrichten. Alles wurde knapper. Man arbeitete Kleider um, weil es nur wenig neuen Stoff gab. Wut über den Maler Hitler und den Maurer Mussolini, Angst von Deutschland überrollt zu werden. Allgemein ist bekannt, dass sich Adolf Schicklgruber (später Hitler genannt) anfänglich auch als Maler versuchte und der Maurer Benito Mussolini eine Zeitlang bei der Baufirma Froidevaux & Co. im Fischermätteliquartier arbeitete und an der Cäcilienstrasse 20 wohnte (Wälti, Simon in der Zeitung Der Bund am 25.3.2010). Es drängte die unternehmungslustige junge Damenschneiderin aus der Ostschweiz in den Westen, in bisher unbekannte Gegenden. Von da an war ihr Arbeitsort ein Haute Couture Atelier in Bern. Hier ent14


Hildegard Zuppiger-Schlumpf.

deckte sie eine neue Welt und begegnete auch sehr anspruchsvollen Kundinnen. Bundesratsfrauen und Künstlerinnen gaben einander die Türklinken in die Hand und erforderten volle Aufmerksamkeit. An den freien Tagen zog es die Land Lady immer wieder nach Hause. Weil die Bahn für sie zu teuer war, fuhr sie mit dem Fahrrad früh morgens um vier Uhr ab, durchs Emmental, und am Abend konnte sie wieder im eigenen Bett schlafen. Den Wunsch, die französische Sprache zu erlernen, realisierte sie als Au-pair in Carouge, von wo aus sie das Theater in Genf besuchte, natürlich mit dem Velo. Unermüdlich hielt die lernfreudige Bauerntochter Ausschau nach neuen Herausforderungen, wobei auch Enttäuschungen nicht ausblieben: Ich wurde ausgenützt, mit den Kindern musste ich den Tag verbringen, spazieren am Genfersee, zu Hause alles für die Kinder tun. Die Kinder waren frech, die Meistersleute auch nicht nett. Nein, das wollte ich auch nicht länger. Zurück in der alten Heimat konnte Hildegard ihre Freude an der Arbeit täglich leben. Hin und wieder nahm sie ihre Geschwister mit nach Zürich und brachte ihnen die Schönheiten dieser Stadt nahe. Bis dann die entscheidende Wende eintrat und der wohl schon lang gehegte Wunsch in Erfüllung ging: Im Jahr 1950 gab ich die Stelle auf und heiratete am 31. Juli meinen geliebten Josef. Wir liessen uns in Jona nieder … ich gab Nähkurse etc. Es war eine harte Zeit für uns beide … krampfen, krampfen, hiess es. Doch wir freuten uns an unseren Kindern und waren glücklich. 15


Aus dem Gedenkbild dieser weisen Frau spricht ein erfülltes Leben: Hildegard Maria Sophie Zuppiger-Schlumpf, 7. Februar 1919 bis 25. Januar 2016. Ich bin fest überzeugt – Ja! An dieser Stelle taucht bei mir die Frage auf, wo und wie WunderWelten einzuordnen sind? Sind sie ein Geschenk oder ein Störfaktor? Beides, denn solche Phänomene erlebt jeder Mensch, wurde mir immer mehr zur Gewissheit. Es muss ja nicht immer eine landesweit bekannte Ausstellung oder ein journalistisch brisantes Thema sein, damit eine neue Farbe im Mosaik erscheint. Auch jener kleine Fresszettel, der eines Tags auf dem Tisch der Sakristei lag, hat meinem Leben eine neue Richtung gegeben. Da wurde mir auf einer Zeile bestätigt, dass eine Taufe stattgefunden hat. Punkt! Enttäuscht wegen der fehlenden Daten, die später als amtliches Dokument für Erstkommunion, Firmung oder kirchliche Eheschliessung dienen sollten, begann die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Zum Glück war der Verursacher bald gefunden und aus dem kleinen Ärger hat sich ein neuer Horizont für den Metropoliten [→209] von Bollingen aufgetan. Denn im Anschluss an diese Lappalie besuchte dieser in seiner reich bemessenen Freizeit Vorlesungen an der Theologischen Hochschule in Chur und erfuhr dort eine Menge Neues an Einsichten und Zusammenhänge. Am Schluss durfte der Schreibende aus den Händen von Bischof Amédée Grab [→187], Grosskanzler der Hochschule, das Lizentiatsdiplom in Kirchengeschichte nach Hause mitnehmen. War das vorauszusehen? Sicher nicht, aber umso erfreulicher für ihn. Im Gegensatz zu meinem ersten Einstieg in die Gotteswissenschaft (Theologie) vor 60 Jahren in Mailand und Innsbruck überraschte mich doch die Art und Weise, wie dieses Studium heute in Chur betrieben wird. Und als Frucht dieses Abstechers ins bündnerische Zentrum habe ich zusätzlich eine Zusammenschau meines bisherigen Lebens im Doppelband Erinnern [→179] festgehalten und mein Erstaunen darin in Anlehnung an Psalm 18 geschrieben: Du hast mich hinausgeführt ins Weite und deine Wunder mich schauen lassen. Nun wieder zurück zur Ausstellung im Museum Rietberg. Entsprechend meiner Neigung, gewisse Beobachtungen nicht im stillen Kämmerlein für mich zu behalten, entstand der Vorsatz, meine Erfahrungen von Wunder-Welten in Buchform zusammenzufassen. Damit kann ich eine 16


breitere Öffentlichkeit Anteil nehmen lassen und sie vielleicht dafür auch begeistern. In diesem Zusammenhang stiess ich auf einen wohlwollend-kritischen Artikel der damaligen Rektorin und Professorin an der Theologischen Hochschule in Chur, Dr. Eva-Maria Faber [→180]. Sie stellte fest, dass Menschen der Neuzeit, die unter dem Wort Mystik einzureihen wären, in der Ausstellung im Rietbergmuseum vollständig fehlten. Von den Organisatoren wurde diese Lücke damit begründet, dass wegen der Überfülle an Material und der Vielfalt der modernen Lehrmeinungen zur Mystik eine Ausweitung bis in die Gegenwart unterlassen wurde. Frau Faber spornte mich an, auch Personen der jüngsten Vergangenheit in meine Sammlung aufzunehmen. Dankbar für den Hinweis und ihre hilfreichen Beispiele zog ich auch Personen und Phänomene in Betracht, die nicht unter das Stichwort Mystik fallen, auch Lyrik sollte einen breiten Platz bekommen. Auf der anderen Seite fragte ich mich, wo und wann die Menschen anfingen, Phänomene der von mir bezeichneten Wunder-Welten bildlich oder sprachlich auszudrücken. Bei diesen Überlegungen kamen mir spontan jene geheimnisvollen Bilder ins Gedächtnis, die ich als Jugendlicher beim Buchklub Ex Libris [→180] erwarb und die mich bis zu den Höhlenbewohnern der Steinzeit führten. – Was sollen oder wollen die rätselhaften Zeichnungen an Decken und Wänden aussagen, die im 19. Jahrhundert im südeuropäischen Raum entdeckt wurden? Eine mögliche Antwort darauf im nächsten Kapitel.

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Wunder-Welten bei den Menschen der Steinzeit und danach

Sie hatten mich damals in meiner Fantasie mehr blockiert als begeistert: die farbigen Höhlenzeichnungen von Altamira [→162] und Lascaux [→199], angepriesen vom Buchklub Ex Libris [→180] in Zürich. Als 17-jähriger Jugendlicher konnte ich damit nicht viel anfangen und habe mich damit getröstet, dass die Profis mehr wüssten als ich. Als solchen betrachtete ich mit Sympathie den Wirtschaftsmann und Politiker Gottlieb Duttweiler [→177], der dem Buchklub seinen Anfangsschub gab. Dafür bin ich heute noch dankbar, und das ist lange her. Nun sind mir die damaligen Bilder plötzlich wichtig geworden. Und so zog ich den Schluss: Höhlen müssen als Ort eines Neubeginns, als Ausgangspunkt einer Entwicklung gesehen werden, die mit Kultur im weitesten Sinn in Zusammenhang steht. Wenn dann weiter gefragt wird, was im geschützten Unterschlupf über das Alltägliche hinaus in der menschlichen Fantasie entstand und schliesslich in eine wie auch immer gearteten Religion mündete, dürfte der Schluss naheliegend sein: Die Höhle ist ein Ort der Geborgenheit, der Besinnung wie auch des Neuanfangs. Dazu gibt es viele Beispiele. Personen der Bibel wie der Prophet Elija, Jesus aus Nazareth, aber auch Zarathustra [→237], Mohammed [→211], Ignatius von Loyola, Benedikt von Nursia und noch viele andere sollen eine Zeit ihres Lebens in Höhlen zugebracht und anschliessend als veränderte, neue Menschen an die Öffentlichkeit getreten sein. Kommt noch die Nervenkrankheit Epilepsie [→178] hinzu, sprudeln Schilderungen in diesem Zustand zum Erstaunen ihrer Umgebung in nie geahnter Weise. Der wohl berühmteste Epileptiker des 19. Jahrhunderts war Fjodor Dostojewski (1821–1881). Für ihn konnten epileptische Anfälle sehr inspirierend und von erhabener emotionaler Subjektivität sein, in der sogar die Zeit stillsteht. So lässt er in seinem Roman Der Idiot den Hauptdarsteller Fürst Myschkin von transzendentalen Erfahrungen berichten. Als in einer Osternacht ein alter Freund Dostojewski in seinem sibirischen Exil besuchte, beschrieb der Verbannte während eines epileptischen Anfalls eine prophetische Vision mit folgenden 19


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Wunder-Welten im Bild

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Magischer «Weiler mit Schafe» in einer Bündner Winterlandschaft. Motiv auf Büttenpapier aquarelliert von Karl Bischof, 2014.

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Die idyllische Pankratiuskirche Bollingen am oberen ZĂźrichsee im Winterkleid. Auf BĂźtten aquarelliert von Karl Bischof, 2010, Privatbesitz.

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Kapelle Sankt Meinrad, Oberbollingen. Zwischen Winter und FrĂźhling, Karl Bischof, 2009, Privatbesitz.

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Erläuterungen

Ägypten

Die Geschichte des Alten Ägypten reicht von der Zeit der frühesten bisher bekannten Besiedlungen im vierten Jahrtausend vor Christus bis zum Jahr 395 nach Christus, dem Ende der griechisch-römischen Zeit. Aleidis von Cambrai

Aleidis wurde der Nachwelt vor allem durch ihren Tod am 17. Februar 1236 auf dem Scheiterhaufen bekannt, den der fanatische päpstliche Inquisitor Robert [→219] der Bulgare veranlasst hatte. Alexamenos

Im Jahr 1856 machten Forscher auf dem Hügel Palatin in Rom eine interessante Entdeckung. Als sie den Trümmerschutt einer alten römischen Kadettenanstalt entfernt hatten, fanden sie an der Wand ein Kreuz. Es war mit einem Nagel oder einem Messer in den Wandverputz eingeritzt. Ein Junge erhebt grüssend und betend seine Hand zum Kreuz hin. Am Kreuz hängt ein Mann. Aber sein Kopf ist ein Eselskopf. Darunter steht in ungelenken Buchstaben: Alexamenos sebete theon – Alexamenos betet (seinen) Gott an! Eine Karikatur, ein Spott-Kruzifix. Die Forscher datieren die Entstehung auf die Zeit von 123 bis 126 nach Christus. Damit ist dieses Bild eines Gekreuzigten eines der frühesten in der christlichen Zeitrechnung. – Gott am Kreuz? Dieser Gott ist ein Esel, und wer ihn anbetet, ist es auch! Algarve

Das arabische Wort al-gharb bedeutet auf Deutsch der Westen. Damit ist die Gegend westlich von Andalusien gemeint, die während Jahrhunderten unter muslimischer Herrschaft stand.

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Altamira

bei Santander in Spanien. Dort wurden 1879 die ersten Höhlenmalereien aus der Altsteinzeit entdeckt. Diese dürften vor 16 000 Jahren entstanden sein. Ambrosius

Bischof von Mailand, 337–397. Ambrosius stammte aus einer vornehmen Familie der römischen Senatsaristokratie. Sein Vater Aurelius Ambrosius war Präfekt der Gallia Narbonensis mit Sitz in Trier, wo Ambrosius auch geboren wurde. Nach dem frühen Tod seines Vaters lebte Ambrosius in Rom und erhielt eine juristische Ausbildung für eine spätere Beamtenlaufbahn. An der Stelle, an der er der Überlieferung nach mit seiner Schwester, der heiligen Marcellina, damals gelebt haben soll, steht heute die Kirche Sant’Ambrogio della Massima [→207]. Im Jahr 365 erlangte er eine der begehrten Zulassungen als Anwalt bei Gericht und diente schliesslich in Sirmium unter dem Prätorianerpräfekten Sextus Petronius Probus. Ambrosius vertrat seine Rechtsfälle so geschickt, dass ihn Probus 370 zu seinem Beisitzer berief. Etwa 372/73 wurde ihm die Präfektur der Provinzen Ämilien und Ligurien anvertraut, worauf Ambrosius Wohnsitz in Mailand nahm. Die lombardische Metropole wie auch Trier waren damals Kaiserresidenzen. Das Bistum Mailand (ungefähr um 200 zusammen mit Brescia gegründet) war wie die übrige damalige Kirche tief zerstritten. Als 374 nach dem Tod des Arianers Auxentius eine Bischofswahl anstand, ging der allseits beliebte und geachtete Präfekt Ambrosius in die Basilika, um einen Aufruhr in dieser Krisensituation zu verhindern. Seine Ansprache wurde der Überlieferung nach durch den Zwischenruf eines Kindes: «Ambrosius episcopus!» (Ambrosius soll Bischof werden!) unterbrochen, worauf er einstimmig gewählt wurde. Er war in keiner Weise auf ein solches Amt vorbereitet. Gemäss Paulinus und Rufinus nahm Ambrosius erst nach einer schriftlichen Rücksprache mit Kaiser Valentinian I. (364–375) die Wahl an; schliesslich befand er sich ja im kaiserlichen Dienst. Innerhalb einer Woche empfing er die Taufe, die Weihe zum Diakon und zum Priester, so dass seiner Bischofsweihe nichts mehr im Weg stand. Ambrosius erwarb sich theologische Grundlagen, studierte die Bibel und griechische Autoren wie Philo, Origenes, Athanasius und Basilius von Caesa162


rea, mit dem er auch im Briefwechsel stand. Das neu erworbene Wissen wandte er als Prediger an, wobei er insbesondere das Alte Testament auslegte. Dabei waren ihm seine früher erworbenen Kenntnisse in Rhetorik von grossem Nutzen. In der Liturgie führte der neue Bischof anscheinend den nach ihm benannten Ambrosianischen Gesang ein, einen Wechselgesang von zwei Chören. Das Vorbild dürfte Ambrosius bei den griechischen Tragödien im Amphitheater erlebt haben. Seinen Charakter, seine Predigten und Bibelauslegungen beeindruckten den Rhetoriker Augustinus so sehr, dass er sich an Ostern 387 von ihm taufen liess. Ein eigenständiger liturgischer Ritus wird nach Ambrosius genannt, der heute im grössten Teil der Kirchenprovinz Mailand, in einigen angrenzenden Gebieten und in ungefähr fünfzig Pfarreien des Bistums Lugano (Schweiz) noch neben dem Römischen Ritus verwendet wird. Amme

Damit bezeichnet man eine Frau, die nach einer eigenen Schwangerschaft durch den Milcheinschuss in ihre Brüste stillfähig ist und zusätzlich zum Stillen des eigenen Kindes oder aufgrund der fortdauernden Milcherzeugung nach dem Verlust des eigenen Kindes bereit ist, ein fremdes Kind zu stillen. Im ursprünglichen Sinn des Wortes ist jede stillende Frau eine Amme, so dass der Begriff Amme für Frauen, die ein fremdes Kind gegen Entlöhnung an die Brust legen, eigentlich eine spezielle Bedeutung des Wortes ist. Das Stillen von Kindern durch Lohnammen ist bereits im Altertum belegt. Aus dem alten Orient ist die Verehrung hethitisch-hurritischer Ammen als Geburtshelfer- und Hebammen-Göttinnen bekannt. Das babylonische Gesetzbuch des Hammurapi (ungefähr 1780 vor Christus) enthielt einen eigenen Paragrafen für Ammen. Im Alten Ägypten hatten sie oftmals eine hohe Stellung in den Familien und am Hof inne. Das Alte Testament (Gen 24,59 und 35,8) berichtet über den Tod Deboras und erwähnt dabei die Amme Rebekka. In der römischen Mythologie erscheint eine Wölfin als Amme der als Säuglinge ausgesetzten späteren Gründer Roms, Romulus und Remus. Das Einstellen fremder Ammen ist schon früh kritisiert worden. Die Gesundheit der Amme konnte nicht sicher festgestellt werden, und man nahm an, dass Krankheiten über die Milch auf das Kind übergehen könnten. Ab dem 19. Jahrhun163

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