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OKTOBER 2021

GIPFELERLEBNIS AUF DEM HOHEN KASTEN «ALPSTEINMEITLI» MIT 10 000 FOLLOWERN IM PESTALOZZIDORF EINE HEIMAT GEFUNDEN CHF 9.–


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OKTOBER 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / EDITORIAL /

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Über dem Drehrestaurant der blaue Himmel, zu Füssen das Rheintal und rundherum der Weitblick über die drei Ketten des Alpsteins und die Hügel des Appenzellerlands bis in die Nachbarländer – das Gipfelerlebnis auf dem Hohen Kasten ist beeindruckend. Den Ausbau der Infrastruktur auf dem 1794 Meter über Meer liegenden Berg hat sich der Verwaltungsrat des Unternehmens in den vergangenen fünfzehn Jahren einiges kosten lassen; insgesamt über 23 Millionen Franken. Das neueste Projekt, der Tunnelaufgang mit Klang- und Lichtinstallation, wurde eben erst abgeschlossen. Und trotzdem ist die Aussicht getrübt. Die Coronapandemie mit weniger Passagieren in der Seilbahn und weniger Besuchern im Drehrestaurant lässt die Kassen nicht mehr so laut klingeln wie in den vergangenen Jahren. Jammern will man bei der Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG jedoch nicht. Man ist überzeugt: Um für Gipfelstürmer attraktiv zu bleiben, muss regelmässig investiert werden – auch in Krisenzeiten. Was in den letzten Jahren umgesetzt wurde, wo die aktuellen Herausforderungen liegen und was die Zukunft bringen soll? In diesem Heft erfahren Sie es. JOLANDA SPENGLER

TITELBILD: Carmen Wueest (Aussichtsplattform des Europa-Rundwegs auf dem Hohen Kasten) HERAUSGEBER: Appenzeller Verlag AG, Schwellbrunn, VERLEGER: Marcel Steiner. REDAKTION: Jolanda Spengler (jsp), jolanda.spengler@appenzellerverlag.ch (Leitung),

Katja Nideröst (kni), Roger Fuchs (rf), Christine König (ckö). FOTOGRAFIE: Carmen Wueest (caw), Jolanda Spengler, Katja Nideröst. ADRESSE: Appenzeller Magazin, Im Rank 83, 9103 Schwellbrunn, verlag@appenzellerverlag.ch, www.appenzellermagazin.ch. VERLAGSSERVICE/ABONNEMENTE: Tel. 071 353 77 55, verlag@appenzellerverlag.ch. PREISE: Einzelnummer Fr. 9.–, Jahresabonnement Fr. 88.–, erscheint monatlich, 25. Jahrgang. GESTALTUNG/PRODUKTION: Brigitte Knöpfel, Daniela Saravo, Josef Scheuber. ANZEIGENVERKAUF: Roger Fuchs und Susanne Born, Tel. 071 353 77 51, inserate@appenzellerverlag.ch.

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Das bernsteinfarbene Appenzeller Amber besticht mit seinem leicht nussigen, würzigen Geschmack.


OKTOBER 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / INHALT /

INHALT DEM ALPSTEIN VERFALLEN Bloggerin Claudia Strässle postet unter dem Pseudonym «Alpsteinmeitli» regelmässig Fotos aus dem Alpstein.

4 HEIMAT 6 KOMPAKT

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9 NOTIERT

13 EIN APPENZELLER NAMENS …

23 KURIOSES  24 WERKEN MIT KELLERS

30 HIESIGS

AUSSICHT IN DER KRISE Wie gehen die Bergbahnen mit dem schlechten Wetter und der Pandemie um? Ein Augenschein auf dem Hohen Kasten.

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31 EINST UND HEUTE 32 PREISVERLEIHUNG «DI GOLDIG BECHUE» 34 WANDERN 41 NATÜRLICH HEILEN 42 MENSCH UND RAUM 46 HÖCKLE OND GNÜÜSSE 47 DIVERSICUM 48 CHEERAB

NEUE HEIMAT GEFUNDEN Vor 75 Jahren wurde das Kinderdorf Pestalozzi gegründet. Das Waisenkind Leena Gemperle erzählt ihre Geschichte.

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HEIMAT / 4 / 5

… wer ein Meisterzüchter werden will. Der Nachwuchs präsentiert seine Jungtiere im Ring und sagt dazu ein passendes Sprüchlein auf. Gesehen an der diesjährigen Viehschau in Herisau. Bild CARMEN WUEEST


/ KOMPAKT / APPENZELLER MAGAZIN / OKTOBER 2021

APPENZELL Sie mussten doch nicht still

Bild: zVg

und leise von der Bühne abtreten: die acht Sänger des Engel-Chörlis Appenzell. Bereits 2020 wollte die Formation ihre Karriere beenden, doch Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Ende August nun konnte das Chörli in der Pfarrkirche St. Mauritius in Appenzell das seit Langem geplante Abschiedskonzert geben. Über vierzig Jahre standen die Sänger des schweizweit bekannten und beliebten Engel-Chörlis gemeinsam auf der Bühne.

BÜHLER Den Frauenverein Büh-

ler gibt es nicht mehr. Die 138. Hauptversammlung Mitte September war die letzte. Der Verein hat sich wegen Überalterung und fehlender Mitglieder aufgelöst. Das Vereinsvermögen wurde gespendet. APPENZELLERLAND Die Frau-

enzentrale Appenzellerland hat Mitte September den Prix Zora vergeben. Ausgezeichnet wurden: (von links) Sibylle Diem, Gais, Fussballtrainerin; Monika Baumberger und Laura Kunz, Herisau, Präsidentin und Mitarbeiterin Spitex Appenzellerland; Lea Campi, Trogen, ehemalige Geschäftsführerin Pro Juventute AR; sowie Vreni Schär, Stein, für ihr Engagement in diversen Vereinen und Or-

ganisationen. Auch Tabea Oberli, Urnäsch, unter anderem Initiantin der Chinderfiir, erhielt einen Prix Zora, fehlt aber auf dem Bild. rin Monika Gessler (Bild) ist neue Präsidentin der FDP AR. Sie wurde an der Delegiertenversammlung Ende August einstimmig gewählt und folgt auf Monika Bodenmann-Odermatt.

APPENZELL Premiere in Appenzell: Am 10. September wurde schweizweit das erste Elektroauto im Stil eines Londoner Taxis der Postauto AG in den regulären Betrieb aufgenommen. Den ganzen Monat konnte man in Appenzell eine Fahrt buchen. Seit Anfang Oktober ist das Taxi im Verzascatal im Einsatz. APPENZELL  Andreas Dobler (links) und Dano Waldburger von der Skimanufaktur Timbaer haben den Prix Montagne 2021 erhalten. Die Schreiner stellen Ski mit einem patentierten Holzkern her. Der mit 40 000 Franken dotierte Preis wird von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete und von der Schweizer Berghilfe vergeben.

Bild:zVg

AUSSERRHODEN Die Heidle-

Bild:zVg

APPENZELL  Mitte September hat die Stiftung Pro Innerrhoden ihr 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Dem offiziellen Festakt folgte ein öffentliches Programm. Höhepunkt war der Auftritt von Kabarettist Simon Enzler, der im Juni den Kulturpreis der Stiftung erhalten hat. Seit 1971 fördert die Stiftung Pro Innerrhoden das hiesige Kulturschaffen; sie führt auch das Museum Appenzell.

Bild: Monica Dörig

KOMPAKT

Bild: zVg

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Bild: zVg Bild: Carmen Wueest

APPENZELLERLAND  Ende August wurde in Teufen die GLP Appenzellerland gegründet. An der Versammlung waren dreissig Personen zugegen. Die Partei wird geführt von Tina Grosjean, Speicher, und Alexander Assmus, Teufen. Das Bild zeigt (von links) Samuel Fitzi (Organisation Gründungsanlass) sowie die Co-Präsidenten Tina Grosjean und Alexander Assmus. URNÄSCH  Anfang September teilte die Ausserrhoder Kantonspolizei mit, dass der Polizeiposten Urnäsch Ende Jahr schliesst, weil er kaum noch frequentiert wird. Ab dem kommenden Jahr wird es in Ausserrhoden nur noch drei regionale Polizeiposten geben: in Herisau, Teufen und Heiden.

Bild: Peter Eggenberger

WOLFHALDEN Zwischen Wolf-

halden und Walzenhausen wird derzeit die Durchgangsstrasse etappenweise saniert und dem höheren Verkehrsaufkommen angepasst. Unter anderem wird die Strasse im Bereich Bad Schönenbühl verbreitert und der Durchlass des Klusbachs verlängert. Die Bauarbeiten dauern bis nächstes Jahr.

Bild: zVg

Bild: zVg

INNERRHODEN Historiker und Lehrer Josef Küng hat Anfang September den 16. Anerkennungspreis der Stiftung Pro Innerrhoden erhalten. Der 78-Jährige ist Autor zahlreicher Publikationen, viele davon mit Innerrhodischem Inhalt. HERISAU Ende August wurde das Nebengebäude der evangelischen Kirche fertig eingekleidet. Rund 5200 Kupferschindeln verleihen ihm einen Glanz, der bald einer Patina weichen wird. Das Nebengebäude bietet künftig Platz für kleinere Veranstaltungen. APPENZELL Ein Traditionsverein gibt auf, denn dreizehn Sänger sind nicht genug, um proben und auftreten zu können. Ende Jahr wird der Männerchor Harmonie Appenzell nach 166 Jahren aufgelöst, das haben die Sänger nach intensiver Diskussion an ihrer Hauptversammlung beschlossen.

HERISAU Im Gebiet Nünegg soll sich die Natur entfalten können. Die Gemeinde Herisau und der Kanton Appenzell Ausserrhoden haben einen Vertrag für die Errichtung eines Waldreservats abgeschlossen. 5,3 Hektaren Wald werden künftig nicht mehr oder gezielt zum Nutzen der Artenvielfalt bewirtschaftet. VORDERLAND Martin Ruppaner ist neuer Präsident des Vereins Appenzellerland über dem Bodensee (AüB). Der Wolfhäldler sitzt seit 2019 für die Parteiunabhängigen im Kantonsrat und ist im Vorderland gut vernetzt. Der Verein AüB fördert die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden. TEUFEN Der Ausserrhoder Re-

gierungsrat hat die Leistungsvereinbarung mit der Sportlerschule in Teufen um weitere vier Jahre bis 2025 verlängert. Der Kanton setze damit ein wichtiges Zeichen in der Förderung der Vereinbarkeit von Ausbildung und Leistungssport von talentierten Jugendlichen, heisst es in der Medienmitteilung. Pro Jahr unterstützt der Kanton die Sportlerschule mit einem ProKopf-Beitrag sowie einem Pauschalbeitrag aus dem kantonalen Sportfonds; insgesamt rund 190 000 Franken.

HERISAU In stiller Wahl ist En-

de August Stefanie Danner in den Gemeinderat gewählt worden. Im ersten Wahlgang ging fast die Hälfte aller Stimmen an die Parteiunabhängige, ihre Konkurrenten Monika Baumberger (FDP) und Patrik Kobler (Gewerbe) hatten das Nachsehen. Beide zogen sich nach dem ersten Wahlgang zurück.

TEUFEN Das Covid-19-Testzentrum Appenzell Ausserrhoden hat Ende August vom Zeughaus Teufen auf das Areal Bächli gezügelt, weil die Gemeinde das Zeughausareal künftig wieder selbst benötigt. Auch die Telefonzentrale der Corona-Hotline und das Büro für die Zertifikatserteilung sollen ihren Standort künftig im Bächli haben.


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www.museen-im-appenzellerland.ch Für Museumsbesuche und -veranstaltungen ist ein Covid-Zertifikat nötig.

Museum Herisau

Museum Heiden

Dauerausstellung Verschiedene Aspekte der Ausser-

Dauerausstellung Kurortsgeschichte, Wohnkultur,

rhoder Kulturgeschichte Sonderausstellung «Ääs go züche – Wirtshäuser im Appenzellerland» (bis 30. Dez.) Aktuell So 31. Okt., 17 Uhr: «WWW – Wirtshäuseln mit Wein und Walser». Wirtshaus-Texte von Robert Walser und Weinprobe; So 7. Nov., 14-16 Uhr: Aussenstelle Schwänberg geöffnet

historische Lampensammlung

Sonderausstellungen «Ferne Welten – fremde Schätze.

Ethnografische Objekte und frühe Fotografien aus Niederländisch-Indien» (bis 31. Okt.); «René Gilsi. Karikaturen – aber keine leichte Kost» (bis 24. April 2022) Aktuell So 17. Okt., 14 Uhr: öffentl. Führung zu «René Gilsi»

Platz, PF 1221, 9102 Herisau, www.museumherisau.ch +41 (0)79 377 34 43, Mi-So 13-17 Uhr, Führungen für Gruppen jederzeit nach Vereinbarung

Kirchplatz 5, 9410 Heiden, Tel. +41 (0)79 654 90 67, www.museum-heiden.ch, Mi-So 14-17 Uhr

Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch

Henry-Dunant-Museum Heiden

Dauerausstellungen Silvesterchläus, Bauernmalerei,

Dauerausstellung Wegen Umbau bis 2022 geschlossen Ausstellung «Fair Play», von Philip Ullrich (im «Dunant

Sennenleben, Streichmusik, Sennenschmuck Sonderausstellung «Urnäscher Striichmusig» (bis 16. Jan.); «Intensive Zeiten – Frauen und Brauchtum» (bis 24. Okt.) Aktuell So 24. Okt., 14 Uhr: Finissage der Sonderausstellung «Intensive Zeiten»

Plaza», ehemals Hotel Krone, bis 24. Okt.)

Aktuell So 24. Okt., 14 Uhr: Finissage und Führung

durch die Ausstellung «Fair Play» (Dunant Plaza)

Dorfplatz, 9107 Urnäsch, +41 (0)71 364 23 22, www.museumurnaesch.ch; Mo-Sa 9-11.30 Uhr/13.30-17 Uhr, So 13.30-17 Uhr

Asylstrasse 2, 9410 Heiden, +41 (0)71 891 44 04, www.dunant-museum.ch, Mi-Fr 13-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr (nur Dunant Plaza offen)

Appenzeller Volkskunde-Museum Stein

Museum Wolfhalden

Dauerausstellung Bauernmalerei, Sennen-Kultur

Dauerausstellung Im Kurzenberger Bauernhaus mit Wirtsstube aus dem 17. Jh. wird das einstige einfache Leben der Bauern und Weber sichtbar. Sonderausstellung «Wolfhalden – Einheimische Autoren und ihre Werke» (bis 31. Okt.)

und textile Heimarbeit Sonderausstellung «Himmel und Erde – 300 Jahre Appenzeller Kalender» (bis 31. Okt.) Aktuell Fr 31. Okt., 14 Uhr: Finissage der Sonderausstellung «300 Jahre Appenzeller Kalender»; jeweils nachmittags: Vorführung Weben oder Sticken; jeweils Sa nachmittags: Käsen in der Alphütte

Kronenstrasse 61, 9427 Wolfhalden, +41 (0)71 891 21 42, www.museumwolfhalden.ch, So 10-12 Uhr

Zeughaus Teufen

Kunstmuseum Appenzell

Dauerausstellung Grubenmann-Museum und Bilder

Sonderausstellung «Unerkannt – Bekannt. Zeit-

von Hans Zeller Ausstellungen «Vent favorable» von Katrin Hotz; «Stimmenbild», von Katrin Keller (beide bis auf Weiteres) Aktuell So 10. Okt., 19 Uhr, Verein Mosaik zu Gast im Zeughaus: «Nipplejesus». Ein Theaterstück von Nick Hornby Zeughausplatz 1, 9053 Teufen, +41 (0)71 335 80 30, www.zeughausteufen.ch; Mi/Fr/Sa 14-17 Uhr, Do 14-19 Uhr, So 12-17 Uhr

genössische Kunst aus einer Ostschweizer Sammlung» (bis 13. März) Aktuell So 7. Nov., 14 Uhr: Führung durch die Ausstellung «Unerkannt – Bekannt» Unterrainstrasse 5, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 18 00, www.kunstmuseumappenzell.ch, Di-Fr 10-12/14-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr

Museum Gais

Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell

Dauerausstellung Gais in über 200 Ortsansichten

Sonderausstellung «Carl August Liner – Erfinder & Poli-

aus der Zeit Ende 18. bis Anfang 20. Jh.; einzigartige Sammlung von Federzeichnungen von Johann Ulrich Fitzi (1798–1855) Sonderausstellung «Ansichten. Ich mach mir ein Bild von Ort und Landschaft», mit Werken von Birgit Widmer, Sven Bösiger, Judit Villiger, Christian Schwager, Pascale Osterwalder, Katrin Hotz (bis 31. Dez.)

tiker» (bis 14. Nov.)

Aktuell So 10. Okt., 14 Uhr: Führung durch die Ausstel-

lung Carl August Liner

Ziegeleistrasse 14, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 18 60, www.kunsthalleziegelhuette.ch, Di-Fr 10-12/14-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr

Dorfplatz 2, 9056 Gais, +41 (0)71 791 80 81, www.gais.ch, So 14-17 Uhr

Museum für Lebensgeschichten Speicher

Museum Appenzell

Sonderausstellung «Ficht Tanner. Musiker. Zeichner.

Sonderausstellungen «Amalie, Josefa, Ottilia. Frauenportraits aus Appenzell Innerrhoden» (bis 31. Dez.); «Kinderglück. Spiele und Spielsachen aus dem 20. Jahrhundert» (bis 13. Feb.) Aktuell Mi 27. Okt., 19 Uhr: Führung durch die Ausstellung «Kinderglück»

Sticker» (bis 12. Dez.)

Hof Speicher, Zaun 5–7, 9042 Speicher, +41 (0)71 343 80 80, www.museumfuerlebensgeschichten.ch, täglich 9-17 Uhr

Hauptgasse 4, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 96 31, www.museum.ai.ch, Mo-Fr 10-12/13.30-17 Uhr, Sa/So/Feiertage 11-17 Uhr


OKTOBER 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / NOTIERT /

HEU RECHEN UND IMPFEN

Die Gedankenkette einer schlaflosen Nacht endet beim Verzicht auf Macht. Text

HANSPETER SPÖRRI

Eine Impfgegnerin bezeichnete mich kürzlich während eines heftigen Disputs als Diktator. Ich hatte ihr vorgeworfen, falsche Fakten und ungeprüfte Gerüchte zu verbreiten, in den sozialen Medien Inhalte aus fragwürdigen Quellen zu teilen. Wir gingen auseinander mit dem Vorsatz «einander leben zu lassen». Immerhin. Das ist Demokratie. «Allerdings nur eine halbe Demokratie», wie sie mir vorhielt: «Du bist als Journalist Teil jenes Systems, das uns mit falschen Wahrheiten über Viren und Impfungen beliefert. Ihr berichtet nur, was den Grosskonzernen passt.» «Und du glaubst jeden Quatsch», entgegnete ich: «Nur das nicht, was wissenschaftlicher Konsens ist.» Der Streit ging mir nach. Ich gestand mir selbst ein: Ja, ich bin ein Rechthaber. Allmählich fand ich Gefallen an der Vorstellung Diktator zu sein. Wach im Bett liegend, begann ich zu überlegen, was zu ändern wäre, wenn ich die Macht dazu hätte. Die Liste wurde lang. Anhand weniger Beispiele will ich Ihnen hier zeigen, unter welch schrecklichem Regime Sie zu leben hätten, wenn mir Entscheidungsgewalt zukäme. Beginnen wir bei etwas Banalem: dem Laubbläser. Das erste derartige Gerät sah, besser: hörte ich vor Jahrzehnten in der Stadt Bern. Es klang wie ein startender Kampfjet. Der Mann säuberte einen Park vom Herbstlaub – und erledigte nebenbei Tausende von Insekten. Bald darauf trat die Blasmaschine ihren Siegeszug in der Landwirtschaft an. Die wunderbar fliessende, fast meditative Bewegung des Heu rechens wird von Appenzeller Bauern seither immer seltener praktiziert. Dabei wäre sie doch vermutlich heilsam für Körper und Geist, eine Art rhythmisches Appenzeller Power-Yoga. Sie würde sogar mithelfen, das Immunsystem zu stärken, vermute ich als Anhänger der Naturheilkunde. Im Appenzellerland könnte man allenfalls

Rechkurse für gestresste Städter anbieten. Als Diktator würde ich die Blasgeräte nicht nur abschaffen – ich würde sie zurückerfinden. Es wäre dann, als hätte es sie nie gegeben. Die Ruhe wäre himmlisch. Der Fortschritt, stellte ich im Halbschlaf fest, ist mir zu lärmig und zu eintönig geworden. Zu viel Rasen, zu wenig Wildnis. Noch weitere Erfindungen würde ich deshalb ungeschehen machen. Zum Beispiel das Internet. Ich sitze täglich am Computer und nutze das World Wide Web. Häufig macht es mich nervös und unzufrieden. Nachdem ich ein Berufsleben lang geübt habe, seriöse von unseriösen Quellen zu unterscheiden, muss ich einsehen, dass dies heute keine Rolle mehr spielt. Wie stelle ich mir die Welt ohne Internet vor? Niemand «wüsste», dass die Kondensstreifen am Himmel dazu dienen, das Wetter und unsere Psyche zu manipulieren, dass uns mit Impfungen ein Chip eingepflanzt wird und die Amerikaner die Mondlandung nur vorgetäuscht haben. Die Welt wäre also ein Stück vernünftiger, sagte ich mir. Dann aber kam mir der Film «Alice et le Maire» (Alice und der Bürgermeister) in den Sinn, den die Lesegesellschaft Dorf kürzlich in Rehetobel gezeigt hat: Politische Macht führt dazu, dass man sich in tausend Widersprüchen verstrickt. Der Bürgermeister, der sich Hilfe bei einer jungen Frau mit Philosophiestudium holte, fand keine neuen politischen Wege, sondern verabschiedete sich aus Amt und Würde. Und so erschrak ich in dieser Nacht beim Gedanken, plötzlich an den Schalthebeln der Macht stehen zu müssen und beschloss, ein Rechthaber zu bleiben, aber ansonsten alle Ambitionen, Ihnen etwas vorzuschreiben, aufzugeben. Lassen wir uns leben, auch wenn wir gegenseitig unsere Meinungen für untragbar halten!

Bild: Carmen Wueest

Hanspeter Spörri, 1953 in Teufen geboren, ist freischaffender Journalist und Autor und befasst sich oft mit appenzellischen Themen. h.spoerri@bluewin.ch

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/ RUBRIK / APPENZELLER MAGAZIN / OKTOBER / ALPSTEINMEITLI / APPENZELLER MAGAZIN / OKTOBER 2021 2021

Rund 6500 Follower auf Facebook, gut 3500 auf Instagram: Unter dem Pseudonym «Alpsteinmeitli» postet die 41-jährige Claudia Strässle regelmässig Fotos aus dem Alpstein. Wer ist diese Frau, deren Liebe zum hiesigen Alpengebirge schier grenzenlos scheint? Text ROGER FUCHS // Bilder CARMEN WUEEST


OKTOBER 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / RUBRIK /

MORGENSTIMMUNGEN haben es «Alpstein-

meitli» Claudia Strässle besonders angetan.

Wenn Claudia Strässle aufbricht, darf eines nicht fehlen: ihr Maskottchen, ein Plüschsteinbock. Steinböcke waren auch der Auslöser für ihre heutige Freizeittätigkeit als Bloggerin. Immer wieder habe sie Bilder von diesen Tieren auf den sozialen Me­ dien gepostet und sei dabei auf ein positives Echo gestossen. Ei­ nes Sonntagmorgens kam ihr dann die Idee, dass sie sich selbst einen Namen geben und ein Logo kreieren könnte. Als eine, die mit Marketing vertraut ist und den Alpstein liebt, entschied sie sich für den Namen «Alpsteinmeitli». Das war vor gut zwei Jah­ ren. Inzwischen kann sie auf ihren Kanälen auf Tausende von Followern zählen, die ihre Impressionen gesposteter Sonnen­ aufgänge, Felswände, Kuhköpfe, Bergseen oder Alpenblumen lieben. Die Kommentare reichen von «Oh Gott, ist das schöön» über «Da bekommt man Lust, in die Berge zu fahren» bis hin zu «Leider han ich zBasel keini Berge» oder «Bravo Alpstämäätli». WER HINTER DEM PSEUDONYM eine waschechte Inner­

rhoderin oder Ausserrhoderin erwartet, muss enttäuscht wer­ den. In Tat und Wahrheit liegen die Wurzeln von Claudia Sträss­ le abseits des Appenzellerlands: Aufgewachsen in einer typi­ schen Schweizer Familie in Wil, die im Sommer das Wandern

und im Winter das Skifahren liebt, liess sie sich später zur Pri­ marlehrerin ausbilden. Nach etlichen Berufsjahren folgte die Weiterbildung zur Schulleiterin. Inzwischen hat sie das Berufs­ feld gewechselt. Die heute 41­Jährige leitet das Familienunter­ nehmen Strässle Immobilien im thurgauischen Wängi und hat sich dafür zusätzlich zur Immobilienbewerterin und ­bewirt­ schaferin ausbilden lassen. «Das Wandern ist der perfekte Aus­ gleich zu meiner Berufstätigkeit», sagt Claudia Strässle und klärt sogleich auf, dass sie einen 100­Prozent­Job habe und nicht, wie viele vermuten, täglich im Alpstein unterwegs sei. Ihre Bilder ver­ teilt sie gekonnt, sodass sie nahezu täglich ihre Fans beglücken kann. DEN ALPSTEIN LIEBT Claudia Strässle in mehrfacher Hin­

sicht: Ob gut oder weniger gut zu Fuss, die Region biete für alle etwas. Die visuellen Eindrücke seien dabei weit «mehr als nur nett». Besonders angetan haben es ihr die Morgenstimmungen mit der im Wasser der Bergseen spiegelnden Sonne. Für Tier­ fotos marschiert sie vorab Richtung Rotstein­ und Zwinglipass, in Sachen Aussicht erwähnt sie die Saxerlücke sowie den Säntis. «Und sollte das Wetter einmal nicht mitspielen, gibt es immer



HOHER KASTEN /

Die Pandemie und ein verregneter Sommer hinterlassen bei den Bergbahnen ein Loch in der Kasse. Statt zu jammern, hat die Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG die Flucht nach vorne ergriffen und investiert. Weshalb das Unternehmen optimistisch denkt und handelt – dazu eine Rückblende und Vorschau. Text JOLANDA SPENGLER // Bilder CARMEN WUEEST

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/ HOHER KASTEN / APPENZELLER MAGAZIN / OKTOBER 2021

Der Gipfel ruft. Der Kabinenbegleiter der Seilbahn begrüsst die Gäste in waschechtem Innerrhoder Dialekt und wünscht ihnen einen erlebnisreichen Aufenthalt auf dem Berg. Es ist an diesem Montag Mitte September die erste offizielle Morgenfahrt von der Talstation Brülisau auf den 1794 über Meer liegenden Hohen Kasten. Sie wird acht Minuten dauern und 857 Höhenmeter überwinden. Bereits eine halbe Stunde vorher wurde das Personal des Gipfelrestaurants auf den Berg gebracht. Mit einer Handvoll Ausflügler und Wanderer ist die Schwebebahn nur spärlich besetzt. Da bleibt genügend Platz für die mit Obst und Gemüse gefüllten Kisten. Bananen, Zitronen, Tomaten und Lauch lugen hervor. Wie jeden Morgen sorgt die Bahn für den Lebensmittelnachschub im Gipfelrestaurant. Und regelmässig wird in einem grossen Tank auch Wasser auf den Berg transportiert. Denn Trinkwasser gibt es dort oben keines. Regenwasser hingegen schon, es wird in separaten Tanks gesammelt und fliesst als Spülwasser durch die WC-Anlagen. Oder es kommt ins Löschwasserreservoir, das sich mit einem Fassungsvermögen von hundert Kubikmetern unter der Restaurantterrasse befindet. DASS DIE 8-UHR-BAHN nur von wenigen

Touristen genutzt wird, ist mit Blick auf den wolkenlosen Himmel erstaunlich. Schliesslich könnte das Wetter zum Wandern nicht besser sein. Ob die in der Vorwoche vom Bundesrat veranlasste Zertifikatspflicht in den Restaurants dafür verantwortlich ist? Emil Koller kann es nicht ausschliessen. Für den Verwaltungsratspräsidenten der Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG sind die Zeiten nicht einfach. «Die Leute sind vorsichtiger unterwegs und meiden grosse Ansammlungen, das hat sich schon den ganzen Sommer gezeigt.» Zudem habe er festgestellt, dass die Wanderer jünger werden. Und diese besteigen den Berg lieber auf Schusters Rappen, als dass sie die Bahn nehmen. Die Covid-19-Pandemie hat das letztjährige Geschäftsergebnis des Bergbahnunternehmens massiv beeinflusst. Koller spricht allein bei den Frequenzen von einem Rückgang von knapp vierzig Prozent, wobei die baubedingte Betriebsschliessungen im letzten und laufenden Jahr ebenfalls zu den

BEI EMIL KOLLER, Verwaltungsratspräsident der Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG, laufen seit achtzehn Jahren die Fäden zusammen.

«SOWOHL BEI der Bahn als

auch in der Gastronomie können wir von Zahlen träumen, wie sie vor Corona üblich waren.» EMIL KOLLER tieferen Zahlen beitragen. Und auch das laufende Jahr verleitet ihn nicht zu Luftsprüngen. «Sowohl bei der Bahn als auch in der Gastronomie können wir nur von Zahlen träumen, wie sie vor Corona üblich waren.» Konkret ausgedrückt sind das 130 000 Berg- oder Talfahrten statt 200 000, und im Restaurant gehen an Spitzentagen lediglich 700 Menüs statt 1500 über die Theke.


OKTOBER 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / HOHER KASTEN /

Statt zu hadern, entschied sich der Verwaltungsrat zur Flucht nach vorn. Er forcierte den für Herbst 2020 geplanten Ausbau des Tunnels zwischen Bergstation und Restaurant und nutzte den Lockdown im Frühling für die erste Bauetappe. Was bedeutete, dass die Bahn ihren Betrieb erst im Juli 2020 wieder aufnehmen konnte. Der Tunnelbau im knapp dreissig Meter langen Stollen mit dem Ausbruch von insgesamt 2250 Tonnen Felsmaterial folgte ab November. Die Konsequenz war ein mehrmonatiger Stillstand von Bahn und Gipfelrestaurant. In die Saison 2021 konnte deshalb erst verzögert Mitte Mai gestartet werden. AUF DIESEN NEU GESTALTETEN Tunnel ist Emil Koller stolz. Die Halle bei der Berg-

station wurde vergrössert, bei vollen Kabinen können die Ströme der ankommenden und abfahrenden Gäste getrennt geleitet werden. Der Einbau eines Schräglifts im seitlich erweiterten Stollen lässt Menschen im Rollstuhl die Steigung von 28 Prozent problemlos überwinden. Überraschend ist die Klang- und Lichtinstallation, die den Gast auf dem Weg durch den Tunnel hinauf zum Untergeschoss des Bergrestaurants begleitet. Sie ist das Werk einer Künstlergemeinschaft unter der Leitung der Rk Studios GmbH in Biel. Laut Emil Koller haben sie sich bei der Umsetzung von Thomas Manns Roman «Der Zauberberg» inspirieren lassen. Die moderne Inszenierung ist vom Verwaltungsrat gewollt. «Trachtenmädchen, Geissen, Kühe und Hackbrettspiel sind zwar schön, wir wollten

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/ WERKEN MIT KELLERS / APPENZELLER MAGAZIN / APRIL 2021

Gebrauchtgegenstände aufmöbeln, sie verschönern und einer neuen Nutzung zuführen, diese Philosophie verfolgen Helen und Franziska Keller mit ihrem «Kellerwerk» in Trogen. In der Serie «Werken mit Kellers» geben die beiden Frauen Handwerkertipps fürs individuelle Aufhübschen und Wiederverwerten von Möbelstücken und Accessoires. Dieses Mal entsteht eine Telleretagere. kellerwerk.ch

AUF DREI EBENEN SCHÖN ANGERICHTET War es nicht wunderschön, das Porzellangeschirr mit dem edlen Goldrand, das unsere Grossmutter nur dann aus dem Schrank holte, wenn Gäste zu Besuch kamen? Der Sonntagsbraten mit Kartoffelstock und Gemüse schmeckte darauf serviert gleich doppelt so gut. Und der selbstgebackene Kuchen … einfach herrlich. Schöne alte (und auch neuere) Teller findet man auf Flohmärkten und in Brockenstuben zuhauf: kunstvoll bemalte, geblümte, getüpfele, goldverzierte oder schlichte, formschöne. Zur dreistöckigen Etagere umfunktioniert, eignet sich der Tellerturm perfekt für Apérogebäck, Kekse, Obst oder pikante Leckereien. So kommt ausrangiertes Geschirr zu neuen Ehren. Wir zeigen, wie es geht.

MATERIALLISTE – Flache Teller in unterschiedlichen Grössen – Akkubohrmaschine – Spezialbohrer mit Diamantbohrkopf (Durchmessergrösse beachten) – Etagerenstangen-Set – Schraubenzieher – Wasserspritzer – Wasserfester Filzstift – Massstab – Klebeband – Möbelfilzli Um für alle Fälle gerüstet zu sein, lohnt es sich, zudem folgende Gegenstände griffbereit zu haben: – Unterlage, ein alter Molton oder ein Frottiertuch – Lappen oder Haushaltspapier


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und mit leichtem Druck den Teller durchbohren. Während des Bohrvorgangs regelmässig etwas Wasser auf Bohrkopf und Teller spritzen, um ein Überhitzen zu vermeiden. 4 Die Etagerenstangen durch die Teller «einfädeln». TIPP: Etagerenstangen gibt es mit Ring, Krone, Blume oder Knopf als Abschluss. Sie sind in verschiedenen Farben erhältlich, auch golden und silbern. 5 Die Teller an der Stange mit Schrauben und Zwischendichtungen befestigen. 6 Bei Bedarf am untersten Teller Möbelfilzli für eine bessere Stabilität der Etagere auf der Unterlage anbringen.

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Bilder: Carmen Wueest

SO WIRD ES GEMACHT Je nach Tellerkombination können Sie Ihr persönliches Unikat schaffen. Lassen Sie Ihrer Fantasie beim Zusammenstellen freien Lauf. 1 Die Teller an der Oberfläche mit einem Filzstift mittig markieren. Wenn kein Zentrierwinkel vorhanden ist, kann ganz einfach mit einem Massstab einmal horizontal und einmal vertikal die Mitte ausgemessen werden. 2 Bei Ton- oder Steinzeugtellern auf der Rückseite in der Mitte ein Klebeband anbringen. Damit lässt sich das Ausreissen des Materials um das Bohrloch verhindern. 3 Den Bohrer anfangs schräg ansetzen, dann gerade stellen


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/ STIFTUNG KINDERDORF PESTALOZZI / APPENZELLER MAGAZIN / OKTOBER 2021

LEENA GEMPERLE reiste im Mai 1948 als neunjähriges Waisenkind aus Finnland per Schiff und Zug bis nach Trogen.


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Dieses Jahr feiert die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi das 75-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass erzählt Leena Gemperle ihre Geschichte. Sie steht exemplarisch für jene vielen Waisenkinder, die nach dem Krieg in Trogen eine neue Heimat fanden. Text & Bild KATJA NIDERÖST

Tagelang dauerte die Reise der Kinder aus dem Europa der Nachkriegszeit bis ins Kinderdorf Pestalozzi. In St. Gallen mussten die Mädchen und Knaben nochmals umsteigen für die letzten Kilometer mit der Bahn. An der Endstation in Trogen erwartete sie ein unbekanntes neues Leben. Sie zogen in eines der 23 Häuser, meist mit anderen Kriegswaisen aus dem gleichen Ursprungsland, besuchten die Schule im Kinderdorf und lebten in einer bunten, internationalen Gemeinschaft. Andere Sprachen lernten sie buchstäblich spielend auf den grünen Wiesen zwischen den Häusern im Austausch mit ihren neuen Freunden. AUCH AM 24. MAI 1948 schlängelte sich die Bahn gemächlich

ruckelnd von St. Gallen den Hügel hinauf. Im Wagen sass Leena Marttila zusammen mit sechzehn anderen Kindern aus Finnland. Die heute 82-Jährige verlor im Zweiten Weltkrieg ihren Vater, und kurze Zeit später starb auch die Mutter. Sie und die drei älteren Geschwister blieben als Waisen zurück. Die Älteren konnten sich nicht um die Jüngeren kümmern, so hatte die neunjäh-

rige Leena keine andere Wahl, als man sie zusammen mit dem jüngsten Bruder Pertti in einen Zug steckte. Das Verlassen der Heimat fiel ihr schwer, und über das Ziel der Reise wusste sie so gut wie nichts. Mit dem Schiff ging es via Helsinki nach Stockholm, von dort per Bahn durch Deutschland bis nach Basel. Viele Erinnerungen sind verschwommen, aber es gibt Momente, die sich ins Gedächtnis der kleinen Leena eingebrannt haben. Sie erinnert sich an das Bild der völlig zerstörten Stadt Hamburg mit nur vereinzelt verschont gebliebenen Häusern. «Die Fahrt bis in die Schweiz dauerte vier Tage, und wir Kinder verschenkten aus dem Zugfenster unser Essen an die vielen Bettler an den Bahnhöfen.» Genau entsinnen kann sich die Finnin auch an den Augenblick der Ankunft mit dem Zug in Trogen. Die kleinen Blondschöpfe und ihre mitgereiste Lehrerin wurden von vielen Leuten am Bahnhof empfangen. Italienisch sprechende Buben – Kinder, die bereits im Kinderdorf lebten –, luden alles Gepäck auf Leiterwagen und spazierten mit den Ankömmlingen den viertelstündigen Weg hinauf ins Kinderdorf. Erst später erfuhr Leena Gem-


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UNTERWEGS IM GRENZGEBIET ZUM NECKERTAL


OBERWALD, Wald (Neckertal), mit Blick über die Neckertaler Hügel zum Speer. In der Ferne blinzeln die Glarner Alpen.

Auf den Hügeln von Chäseren und Aemissegg die Ruhe mit Aussicht und im tiefen Tobel des Tüfenbachs das Rauschen des Bachs – die Wanderung von Schönengrund nach St. Peterzell offenbart die Reize des Neckertals. Die Route führt über St. Galler Gebiet, die Ausserrhoder Gemeinde Schönengrund ist aber nah und bildet mit dem st. gallischen Wald eine grenzübergreifende Einheit. Dazwischen fliesst der Tüfenbach. Text & Bilder

JOLANDA SPENGLER


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GWONDRIG

TROUVAILLE

Bild: Carmen Wueest

Der 70-jährige Speicherer Mäddel Fuchs erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2021. Ausgezeichnet wird sein eng mit dem Appenzellerland verbundenes fotografisches Schaffen, das weit über den Kanton hinaus wirkt.

WO AUSSERHALB DES APPENZELLERLANDES WÜRDEN SIE GERNE LEBEN?

In Sevilla. WELCHER GEGENSTAND IST IHR TREUSTER BEGLEITER?

Meine Fotokameras, drei Leica M. WELCHE APPENZELLERIN ODER WELCHEN APPENZELLER WÜRDEN SIE GERNE KENNENLERNEN?

Die Mitarbeiterin des Roten Kreuzes Catharina Sturzenegger (1854 –1929) und Maschinenbauer John Krüsi (1843 – 1899).

Ficht Tanners Ahnenporträt Das Museum für Lebensgeschichten in Speicher bietet keine Dauerausstellung mit «handfesten» Gegenständen. Vielmehr werden in befristeten Ausstellungen Lebensgeschichten von Persön­ lichkeiten dokumentiert und dazu Vorträge und Gespräche angeboten. «Erinnerungen versi­ ckern im Dunkel der Vergangenheit, wenn sie nur in Köpfen aufbewahrt sind. Sie müssen weitererzählt werden, auf diese Weise unsere Gegenwart bereichern und so den Weg in die Zukunft finden», beschreiben die Museumsma­ cher um Präsidentin Hannelore Schärer die Idee. Die aktuelle Ausstellung ist dem Musiker, Zeichner und Sticker Ficht Tanner aus Trogen gewidmet. Eine Auswahl seiner grossflächigen, farbenfrohen Stickereien zieren die Wände, und in einer Broschüre hat Vorstandsmitglied Beat Keller das Leben des Trogener Künstlers in Wort und Bildern festgehalten. Nach seiner persön­ lichen Trouvaille in der Ausstellung befragt, überlegt Ficht Tanner lange. Schliesslich bleibt der 69­Jährige bei der Vitrine am Eingang ste­ hen, in der einige seiner vielen Skizzen­ und Ge­ dankenbücher zu sehen sind. «Ja, darin verbirgt sich so manche Trouvaille», sagt er und greift zum Buch, das ein lachendes Gesicht zeigt. Es sei ein «Ahnenporträt». Er sehe seinen Vetter Hannes darin, von der Arbeit gezeichnet und doch gesellig – ein Urappenzeller eben. jsp museumfuerlebensgeschichten.ch

WAS IST FÜR SIE TYPISCH APPENZELLISCH?

«Ond i sieh’s ase!» WELCHES BUCH HABEN SIE ZULETZT GELESEN?

«Poetenleben», Kurzgeschichten von Robert Walser. Ich bin noch nicht fertig. BEI WELCHER KULTURELLEN VERANSTALTUNG HAT MAN SIE ZULETZT ANGETROFFEN?

«Ich sitze da, als wäre ich nicht vorhanden», ein Anlass der Jahrestagung der Robert Walser­Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Festival Rümlingen. WELCHEN TRAUM HABEN SIE SICH NOCH NICHT ERFÜLLT?

Mit mir in Frieden zu leben.

MACHART

Mit Wasserfarben gemalt, entstanden 1992. BESONDERHEIT

Eine Illustration von Tausenden, die Ficht Tanner in seinen Notizbüchern festgehalten hat. Und eine der wenigen, die einen Titel tragen. STANDORT

Museum für Lebensgeschichten, Hof Speicher, aktuelle Ausstellung zu Ficht Tanner (bis 12. Dezember).