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1 / RUBRIK / APPENZELLER MAGAZIN / MONAT 2013

NR. 8 CHF 9.–

AUGUST.2021/SCHULWEG DER BERGWIRTEKINDER

DIE TOCHTER ALS LEHRMEISTERIN STIFTUNG PRO INNERRHODEN JUBILIERT


Bündner Bauern bauen in hohen Lagen Bio-Braugerste für Gran Alpin an. Daraus entsteht ein naturtrübes Bier mit der vollen Kraft der Bündner Berge: aussergewöhnlich, lebendig und mit heftigem Charakter.

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AUGUST 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / EDITORIAL /

Bücher aus fünf Verlagen orte FormatOst Appenzeller Verlag Toggenburger Verlag edition punktuell Zeitschriften Appenzeller Magazin Toggenburger Magazin orte Literaturzeitschrift

Öffnungszeiten Montag bis Freitag 8–12 Uhr / 14–17 Uhr Verlagshaus Schwellbrunn Im Rank 83 | 9103 Schwellbrunn Tel. 071 353 77 55 verlag@appenzellerverlag.ch www.verlagshaus-schwellbrunn.ch

Von Brülisau durchs steile Brüeltobel und über stotzige Alpwege hinauf auf die Bollenwees oder vom Säntis über die ausgesetzten Felszacken des Lisengrats zum Rotsteinpass und wieder zurück – für Bergwanderer sind das in der Regel Tagestouren. Nicht so für die Kinder der Bergwirte, für die dieser Weg als Schulweg zum Sommer gehört. Sie kennen es nicht anders. Damit sie die Abende – oder zumindest die Wochenenden – bei ihren Eltern verbringen können, sind unkonventionelle Lösungen gefragt. So nehmen Monika und Thomas Manser von der Bollenwees fürs Zusammensein der Familie den täglichen Aufwand des Fahrdienstes für Riana, Silvan und Silja über holprige Wege mit steilen Passagen gern in Kauf. Derweil Anita und Albert Wyss vom Rotsteinpass ihre Söhne Albert und Levin an den Schultagen von den Grosseltern im Tal betreuen lassen und die Kinder nur an den Wochenenden bei sich haben. Wo die Tücken des Pendelns zwischen Schule und Berggasthaus liegen und wie die Kinder damit umgehen? Sie erfahren es in diesem Magazin. JOLANDA SPENGLER

Parkplätze beim Laden

Schwellbrunn Richtung Herisau Richtung Degersheim

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HERAUSGEBER: Appenzeller Verlag AG, Schwellbrunn, VERLEGER: Marcel Steiner. REDAKTION: Jolanda Spengler (jsp), jolanda.spengler@appenzellerverlag.ch (Leitung),

«Ochsen»

Gästehaus Kreuz

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TITELBILD: Carmen Wueest (Der Wirt des «Rotsteinpasses» Albert Wyss mit seinen Söhnen Albert und Levin östlich des Lisengrats)

Richtung Dicken/Schönengrund

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Richtung Waldstatt

Katja Nideröst (kni), Roger Fuchs (rf), Christine König (ckö) Charlotte Linsener (cli). FOTOGRAFIE: Carmen Wueest (caw), Jolanda Spengler, Katja Nideröst, Charlotte Linsener. ADRESSE: Appenzeller Magazin, Im Rank 83, 9103 Schwellbrunn, verlag@appenzellerverlag.ch, www.appenzellermagazin.ch. VERLAGSSERVICE/ABONNEMENTE: Tel. 071 353 77 55, verlag@appenzellerverlag.ch. PREISE: Einzelnummer Fr. 9.–, Jahresabonnement Fr. 88.–, erscheint monatlich, 25. Jahrgang. GESTALTUNG/PRODUKTION: Brigitte Knöpfel, Daniela Saravo, Josef Scheuber. ANZEIGENVERKAUF: Roger Fuchs und Susanne Born, Tel. 071 353 77 51, inserate@appenzellerverlag.ch.

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Textvorlage: Esther Ferrari

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Inszenierung: Freitag, Christa Furrer

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Textvorlage: Esther Ferrari Inszenierung: Christa Furrer

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AUGUST 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / INHALT /

INHALT 4 HEIMAT 6 KOMPAKT  9 NOTIERT  Hanspeter Spörri über Misstrauen und Vertrauen

SCHÖNE FÜSSE Monika Signer lässt sich zur Podologin ausbilden. Ihre Lehrmeisterin ist Tochter Carole.

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13 EIN APPENZELLER NAMENS … 

24 HIESIGS  Appenzeller Wachteleier-Teigwaren Gret Zellwegers ABC-Memory 25 KURIOSES Der grösste Kopf der Welt 26 WERKEN MIT KELLERS  Puzzlen für einen Mosaiktisch

ZUR SCHULE INS TAL Wie die Bergwirtefamilien den Schulalltag ihrer Kinder im Sommer organisieren.

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32 AUF DEN SPUREN VON …  Marlies Schoch 34 WANDERN Aussichtsreich auf den Hohen Hirschberg 41 NATÜRLICH HEILEN Roland Vontobels Gesundheitstipp 42 MENSCH UND RAUM Wohnen, wo einst Stickereimaschinen ratterten 46 HÖCKLE OND GNÜÜSSE Berggasthaus Ahorn 47 DIVERSICUM 48 CHEERAB Gwondrig: Andreas Pargätzi Trouvaille: Appenzeller Trachtengruppen

GELD FÜR DIE KULTUR Seit fünfzig Jahren fördert die Stiftung Pro Innerrhoden das Kulturschaffen des Kantons.

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/ HEIMAT / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2021

Wenn einen der Gwonder sticht! Auch auf der Furgglenalp bleibt zwischen Kühe melken und Wäsche waschen Zeit für die Lektüre der Lokalzeitung. Albert Räss ist gern informiert. Bild CARMEN WUEEST


WALZENHAUSEN Anfang Juli wurde das 125-jährige Bestehen der Rheineck-Walzenhausen-Bergbahn gefeiert. Sie gehört zum festen Bestandteil des Appenzeller Vorderlands und wird liebevoll «s Walzehuuserli», «s Bähnli» oder auch «TGV – Train de grande Vibration» genannt. Seit dem Jahr 1896 verbindet die Bahn die Bodenseeregion mit dem Appenzellerland. Die Lockerungen rund um die Coronapandemie liessen kurzfristig eine Feier im kleinen Rahmen zu. Verschiedene Redner betonten die Bedeutung der Bahnverbindung.

Bilder: zVg

/ KOMPAKT / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2021

TEUFEN Ende Juni hat Leichtathletin Miryam Mazenauer (TV Teufen) in Langenthal ihren Schweizer Meistertitel im Kugelstossen verteidigt: Sie gewann mit 15,34 Metern die Schweizer Meisterschaften der Elite. APPENZELL Der Ökohof kann

für 650 000 Franken erweitert werden. Das Ausbauprojekt sieht mehr gedeckten Lagerraum und mehr Platz für die Verarbeitung von Materialien vor, ausserdem sollen eine Werkstatt, ein Pausenund Aufenthaltsraum sowie sanitäre Anlagen samt Garderoben für das Personal erstellt werden.

TEUFEN In der zweiten Junihälfte

hat in Teufen das Appenzellische Kantonalturnfest stattgefunden. Durchgeführt wurden Wettkämp-

fe für die Jahrgänge 2001 und jünger. Das zweite Festwochenende wurde coronabedingt gestrichen. Das OK zeigte sich trotz kleinerem Rahmen zufrieden. SCHWELLBRUNN Die Fabrikantenvilla im Dorf 31 soll saniert und touristisch genutzt werden. Das denkmalgeschützte Haus aus dem 18. Jahrhundert wurde Ende 2020 von einer Stiftung gekauft. Sie plant, einen Teil des Hauses für «Ferien im Baudenkmal» herzurichten und die unteren Etagen samt Garten der Öffentlichkeit für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Mit dem «Steinegg-Batzen» beteiligt sich die Herisauer Steinegg-Stiftung mit einer Million Franken an den Sanierungskosten. AUSSERRHODEN Der Regie-

rungsrat hat Michael Friedli zum neuen leitenden Staatsanwalt gewählt. Er wird seine Aufgabe am 1. August 2022 von Christian Bötschi übernehmen. Michael Friedli leitet seit dreizehn Jahren die Jugendanwaltschaft, seit 2016 ist er Stellvertreter des Leitenden Staatsanwalts.

HERISAU Rückschlag bei der

Neugestaltung des Obstmarkts: Die Einfahrt der Tiefgarage kann

Bild:Jolanda Spengler

gemeinden Schlatt und Haslen haben Ende Juni dem Fusionsvertrag zugestimmt. Die Zusammenarbeit ist nicht neu, arbeiten die beiden Schulgemeinden doch seit zwölf Jahren zusammen. Die fusionierte Schulgemeinde Schlatt-Haslen wird – sofern auch der Grosse Rat zustimmt – am 1. Januar 2022 in Kraft treten.

Bild:zVg

SCHLATT/HASLEN Die Schul-

Bild:zVg

KOMPAKT

Bild:zVg

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Bild: Carmen Wueest

Bild: zVg

nicht verlegt werden; die Eigentümerin ist dagegen. Für die Gemeinde heisst das: Sie muss neue Lösungen im Zuge der Sanierung und Neugestaltung suchen. APPENZELLERLAND Martina Tapernoux-Tanner übernimmt das Präsidium der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell. Die 47-Jährige lebt in Trogen und arbeitet als Pfarrerin in Heiden und beim Gehörlosenpfarramt St. Gallen. Sie folgt auf Koni Bruderer, Heiden. HEIDEN Ende Juli wurde der stationäre Bereich des Spitals Heiden geschlossen. Als Grund für die vorzeitige Schliessung – eigentlich wäre sie erst auf Ende Jahr geplant gewesen – nennt der Ausserrhoder Spitalverbund die dynamische Personalsituation sowie sinkende Patientenzahlen.

Bild: zVg

Bild: Carmen Wueest

APPENZELL Das Kloster Maria

der Engel in Appenzell soll saniert werden, damit es weiterhin als einfache Herberge, als Rückzugsort der Stille und Einkehr sowie als Begegnungsort dienen kann. Zur Beschaffung der rund acht Millionen Franken wurde eine Projektgruppe mit alt Landammann und alt Ständerat Carlo Schmid-Sutter an der Spitze eingesetzt.

CHAMMHALDEN Seit dieser Saison kann in der Chammhalde nahe der Schwägalp nicht mehr eingekehrt werden. Der Gastronomiebetrieb wurde eingestellt. Der Vorstand hat entschieden, die Hütte nur noch als Clubhütte für SACMitglieder und Gäste zu nutzen.

Bild: Carmen Wueest

APPENZELL Start aufwendiger

Bauarbeiten am Viadukt in Appenzell: Anfang Juli wurde die Überführung der Appenzeller Bahnen über die Weissbadstrasse abmontiert und durch eine Hilfsbrücke ersetzt. Die weiteren Arbeiten werden in den nächsten zwei bis drei Jahren ausgeführt. Unter anderem soll die grosse Brücke über die Sitter vor Ort sandgestrahlt und restauriert werden. Die Kosten trägt das Bundesamt für Verkehr. Das Viadukt gilt als erhaltenswertes Baudenkmal.

APPENZELL Die

Durchfahrt durch den Dorfkern von Appenzell bleibt bis zum 31. Oktober beschränkt: Die Standeskommission hat alle Rekurse abgewiesen. Fünfzehn Unternehmen und Einzelpersonen, die im Dorfzentrum Geschäfte betreiben oder Geschäftsräumlichkeiten vermieten, hatten Rekurs eingelegt; sie befürchten vor allem Umsatzeinbussen infolge der erschwerten Zufahrt. Die kurzen Umwege seien für den motorisierten Verkehr zumutbar, konterte die Standeskommission.

HERISAU Im Herisauer Indus-

triegebiet Hölzli will Unternehmer Peter Kern eine Kletterhalle, ein Imax-Kino mit 300 Plätzen und Restaurant sowie einen «Heavy Metal Garden» bauen. Dabei handelt es sich um eine permanente Ausstellung von grossen Baumaschinen. Die Kletterhalle befindet sich bereits im Bau. Alles in allem sollen 15 Millionen Franken investiert werden. HERISAU/TEUFEN Ab Herbst

werden Fahrprüfungen durch die Appenzeller Strassenverkehrsämter in Herisau durchgeführt. Das Provisorium in Teufen ist wegen Einsprachen gescheitert. Langfristig sollen alle Fahr- und Fahrzeugprüfungen vom Standort Gmünden in Niederteufen aus durchgeführt werden. Das Projekt für ein Strassenverkehrsamt mit Prüfhalle läuft. Die Eröffnung ist für 2027 geplant. Für den Bau wird das Bieler Architekturbüro Sollberger Bögli besorgt sein. Sie haben den Projektwettbewerb gewonnen, der auch die Erneuerung der Gefängnisse in Gmünden sowie die Erstellung von Räumen für die Regional- und Verkehrspolizei umfasst.

WEISSBAD Anfang August starteten die Bauarbeiten für die Sanierung der Ufermauer des Schwendebachs bei der Loosmühle. Die Mauern befinden sich in schlechtem Zustand. Gleichzeitig wird der Schwendebach revitalisiert und das Trottoir an der Schwendetalstrasse verbreitert. Die Arbeiten dauern etwa ein Jahr.


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Kinderdorfstrasse 20, 9043 Trogen, +41 (0)71 343 73 12, www.pestalozzi.ch/besucherzentrum, Mo-Fr 8-12/13-17 Uhr, So 10-16.30 Uhr; für Gruppenführungen auch ausserhalb der Öffnungszeiten info@pestalozzi.ch oder 071 343 73 73

www.museen-im-appenzellerland.ch Alle Angaben ohne Gewähr und vorbehältlich neuer Corona-Regeln

Museum Herisau

Museum Heiden

Dauerausstellung Verschiedene Aspekte der Ausser-

Sonderausstellungen «Ferne Welten – fremde Schätze. Ethnografische Objekte und frühe Fotografien aus Niederländisch-Indien» (bis 31. Okt.); «René Gilsi. Karikaturen – aber keine leichte Kost» (bis 24. April 2022) Aktuell Mi 11. Aug.: «Luege Lose Laufe – in Heiden» (für Familien mit Kindern von 6–10 Jahren, Anmeldung erforderlich); So 22. Aug, 14 Uhr: öffentl. Führung zu «René Gilsi», mit Dr. Daniel Studer

Platz, PF 1221, 9102 Herisau, www.museumherisau.ch +41 (0)79 377 34 43, Mi-So 13-17 Uhr, Führungen für Gruppen jederzeit nach Vereinbarung

Kirchplatz 5, 9410 Heiden, Tel. +41 (0)79 654 90 67, www.museum-heiden.ch, Mi-So 14-17 Uhr

Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch

Henry-Dunant-Museum Heiden

Dauerausstellungen Silvesterchläus, Bauernmalerei,

Dauerausstellung Wegen Umbau bis 2022 geschlossen Ausstellung «Fair Play», von Philip Ullrich (im «Dunant

rhoder Kulturgeschichte Sonderausstellung «Ääs go züche – Wirtshäuser im Appenzellerland» (bis 30. Dez.) Aktuell So 8. Aug., 11 Uhr: Führung in der Sonderausstellung «Ääs go züche»; Sa 28. Aug., 17 Uhr: Szenische Lesung «Wir müssen reden. Robert Walser und Carl Seelig unterhalten sich nochmal» (im Gemeinderatsaal Herisau)

Sennenleben, Streichmusik, Sennenschmuck Sonderausstellung «Urnäscher Striichmusig» (bis 16. Jan.); «Intensive Zeiten – Frauen und Brauchtum» (bis 24. Okt.) Aktuell Mi 11. Aug., 19 Uhr: «Musik und Reisen. Hansueli und Walter Alder erzählen von ihren Erlebnissen»; Mi 25. Aug., 14 Uhr: «Judith Eugster erzählt von den speziellen Brauchtumstagen» (Anmeldung erforderlich) Dorfplatz, 9107 Urnäsch, +41 (0)71 364 23 22, www.museumurnaesch.ch; Mo-Sa 9-11.30 Uhr/13.30-17 Uhr, So 13.30-17 Uhr

Plaza», ehemals Hotel Krone, bis 24. Okt.)

Aktuell Mo 9. Aug., «Peace Bell» Gedenkfeier (beim

Museum); Mi 18. Aug., 18 Uhr: öffentl. Führung durch die Ausstellung «Fair Play» (Dunant Plaza)

Asylstrasse 2, 9410 Heiden, +41 (0)71 891 44 04, www.dunant-museum.ch, Mi-Fr 13-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr (nur Dunant Plaza offen)

Appenzeller Volkskunde-Museum Stein

Museum Wolfhalden

Dauerausstellung Bauernmalerei, Sennen-Kultur

Dauerausstellung Im Kurzenberger Bauernhaus mit Wirtsstube aus dem 17. Jh. wird das einstige einfache Leben der Bauern und Weber sichtbar. Sonderausstellung «Wolfhalden – Einheimische Autoren und ihre Werke» (bis 31. Okt.)

und textile Heimarbeit Sonderausstellung «Himmel und Erde – 300 Jahre Appenzeller Kalender» (bis 31. Okt.) Aktuell So 29. Aug., 14 Uhr: Führung durch die Ausstellung «Himmel und Erde – 300 Jahre Appenzeller Kalender»

Kronenstrasse 61, 9427 Wolfhalden, +41 (0)71 891 21 42, www.museumwolfhalden.ch, So 10-12 Uhr

Dorf, 9063 Stein AR, +41 (0)71 368 50 56, www.appenzellermuseum.ch; Di-So 10-17 Uhr

Zeughaus Teufen

Kunstmuseum Appenzell

Dauerausstellung Grubenmann-Museum und Bilder

Sonderausstellung «Die Steidl-Buchkultur. Zaubern

von Hans Zeller Ausstellungen «Vent favorable» von Katrin Hotz; «Stimmenbild», von Katrin Keller (beide bis auf Weiteres) Aktuell So 8. Aug., 14–17 Uhr: «Gemeinsam eine Brücke bauen» (für Familien mit Kindern von 6–10 Jahren); So 29. Aug., 14 Uhr: Gespräch der Frauenzentrale AR mit der Künstlerin Katrin Keller

auf weissem Papier» (bis 19. Sept.)

Aktuell So 5. Sept., 14 Uhr: öffentliche Führung durch

die Ausstellung «Die Steidl-Buchkultur»

Unterrainstrasse 5, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 18 00, www.kunstmuseumappenzell.ch, Di-Fr 10-12/14-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr

Zeughausplatz 1, 9053 Teufen, +41 (0)71 335 80 30, www.zeughausteufen.ch; Mi/Fr/Sa 14-17 Uhr, Do 14-19 Uhr, So 12-17 Uhr

Museum Gais

Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell

Dauerausstellung Gais in über 200 Ortsansichten

Sonderausstellung «Carl August Liner – Erfinder & Poli-

aus der Zeit Ende 18. bis Anfang 20. Jh.; einzigartige Sammlung von Federzeichnungen von Johann Ulrich Fitzi (1798–1855) Sonderausstellung «Ansichten. Ich mach mir ein Bild von Ort und Landschaft», mit Werken von Birgit Widmer, Sven Bösiger, Judit Villiger, Christian Schwager, Pascale Osterwalder, Katrin Hotz (bis 31. Dez.)

tiker» (bis 14. Nov.); «Ty. Climate Paintings» (bis 19. Sept.)

Aktuell Fr 6. Aug., 20 Uhr: Konzert Katica Illenyi, Sarik

Trio; So 8. Aug., 14 Uhr: öffentl. Führung in den Ausstellungen, mit Kurator Roland Scotti; Mi 11./18. Aug., jeweils 14-17 Uhr: «Farben entdecken, selbst herstellen und experimentieren» (für Familien mit Kindern von 4–12 Jahren).

Dorfplatz 2, 9056 Gais, +41 (0)71 791 80 81, www.gais.ch, So 14-17 Uhr

Ziegeleistrasse 14, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 18 60, www.kunsthalleziegelhuette.ch, Di-Fr 10-12/14-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr

Museum für Lebensgeschichten Speicher

Museum Appenzell

Sonderausstellung «Ficht Tanner. Musiker. Zeichner.

Sonderausstellungen «Amalie, Josefa, Ottilia. Frauenportraits aus Appenzell Innerrhoden» (bis 31. Dez.); «Kinderglück. Spiele und Spielsachen aus dem 20. Jahrhundert» (bis 13. Feb.) Aktuell Mi 25. Aug., 18.30 Uhr: Kurzführung «Vom Besonderen zum Alltäglichen», mit Roland Inauen. Im Rahmen des Jubiläums «50 Jahre Stiftung pro Innerrhoden»

Sticker» (bis 12. Dez.) Aktuell Di 7. Sep., 19 Uhr: Führung durch die Ausstellung «Ficht Tanner», mit dem Künstler Hof Speicher, Zaun 5–7, 9042 Speicher, +41 (0)71 343 80 80, www.museumfuerlebensgeschichten.ch, täglich 9-17 Uhr

Hauptgasse 4, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 96 31, www.museum.ai.ch, Mo-Fr 10-12/13.30-17 Uhr, Sa/So/Feiertage 11-17 Uhr


AUGUST 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / NOTIERT /

RUHE UND EIN SCHLECHTES GEWISSEN GROSSES MISSTRAUEN

und grosses Vertrauen in die Chemie.

HANSPETER SPÖRRI

Laut den im Juni in der Appenzeller Zeitung veröffentlichten Ergebnissen einer Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo wollen sich in Innerrhoden 36,6 Prozent der Bevölkerung nicht gegen Covid-19 impfen lassen – der zweithöchste Wert aller Kantone. In Ausserrhoden gaben 28,2 Prozent an, sie würden sich nicht impfen lassen. Am grössten ist die Impfbereitschaft im Kanton Schaffhausen, wo nur 14,5 Prozent eine Impfung ablehnen. Überrascht hat mich das nicht: Immer wieder höre ich hierzulande Sätze wie: «Wir leben halt näher bei der Natur! Wir vertrauen den Naturkräften mehr als der Chemie, hören auf den eigenen Körper, stärken das Immunsystem.» Ebenfalls nicht überrascht hat mich das Abstimmungsergebnis der beiden Agrarinitiativen. Innerrhoden weist bei der Pestizidinitiative mit 73,97 Prozent den zweithöchsten Nein-StimmenAnteil der Schweizer Kantone aus, Ausserrhoden verwirft sie mit 60,78 Prozent Nein ebenfalls deutlich. Nun müssen Sie mir helfen: Ist das ein Widerspruch? Auch über die Agrarinitiativen habe ich häufig diskutiert. Niemand sagte mir: «Wir vertrauen den Naturkräften mehr als der Chemie.» Ein Bauer, von dem ich weiss, dass er politische Themen sorgfältig durchdenkt, bevor er sich entscheidet, sagte mir: Er habe zwar Sympathie für Naturschützer, aber ganz ohne Pestizide gehe es heute einfach nicht mehr. Im privaten Bereich versuche ich immerhin, ohne Gift auszukommen. Lieber überlasse ich einen Anteil meiner Salate den Schnecken, die Rosen den Blattläusen und die Blattläuse den

Marienkäfern. Einigermassen ist die Sache in der Balance. Die Rosen blühten wunderbar. Vom Salat erhielt ich einen fairen Anteil. Und ich muss ja nicht vom Garten leben. Beim Gärtnern und Haushalten orientiere ich mich an Hans-Dietrich Reckhaus. Der aus Deutschland stammende Unternehmer führt vom Appenzellerland aus ein Familienunternehmen, das Pestizide für Privathaushalte herstellt, sich aber in einem Transformationsprozess befindet: «Was kann man für Insekten tun?», fragt Reckhaus: «Insekten sind äusserst wertvoll und dramatisch bedroht.» Seinen Weg vom Insektentöter zum Insektenretter beschreibt Reckhaus in seinem neusten Buch «Fliegen lassen». Unter dem Einfluss dieser Lektüre erscheinen mir nicht mehr die beiden Agrarinitiativen als extrem. Für extrem halte ich im Gegenteil den Einsatz von Pestiziden – in der globalisierten Landwirtschaft, aber auch durch Hobbygärtner. Irgendetwas stimmt nicht mehr in unserem Verhältnis zur Natur. Allerdings muss ich gestehen: Meine konsequente Umstellung auf pestizidfreies Haushalten und Gärtnern ist nur zum Teil geglückt. Als kürzlich Ameisen von meiner Küche Besitz ergriffen, den Honig und andere Vorräte beschlagnahmten, versuchte ich es zwar mit biologischen und psychologischen Methoden, las bei Reckhaus nach, was man tun könnte. Doch die Ameisen waren erfolgreicher als ich – bis ich eines von Reckhaus’ ungeliebten Pestiziden erwarb. Es tötete – wie auf der Packung versprochen – wertvolle Insekten. Seither habe ich Ruhe und ein schlechtes Gewissen.

Bild: Carmen Wueest

Hanspeter Spörri, 1953 in Teufen geboren, ist freischaffender Journalist und Autor und befasst sich oft mit appenzellischen Themen. h.spoerri@bluewin.ch

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/ PODOLOGIE / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2021

SETZEN AUF STARKEN TEAMGEIST:

Monika und Carole Signer.


AUGUST 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / PODOLOGIE /

Mit 51 Jahren hat Monika Signer in Appenzell eine Ausbildung zur Podologin begonnen, bei der eigenen Tochter als Lehrmeisterin. Nach einem Jahr erzählen die Beiden, wie sie mit der aussergewöhnlichen Rollenverteilung umgehen. Text & Bilder

KATJA NIDERÖST

CAROLE SIGNER, PODOLOGIN UND LEHRLINGSAUSBILDNERIN, 27 JAHRE Meine Tage im Geschäft dauern meistens von 7 bis 20 Uhr. Ich arbeite rund fünfzig Stunden in der Woche. Manche Termine finden auswärts, zum Beispiel im Altersheim, statt. Ich liebe mei­ nen Beruf und habe mich nach der Lehre zur Podologin noch drei Jahre weitergebildet und die höhere Fachschule absolviert. Als Angestellte im Fürstentum Lichtenstein durfte ich bereits die ersten Lernenden ausbilden. In meinem eigenen Geschäft, der «Fuessete» in Appenzell, ist meine Mutter die erste Lehrtochter. Auch sie hat die Nagelzange am Anfang nicht richtig in die Fin­ ger genommen. Schön ist, wie rasch man durch viel Üben Fort­ schritte sieht. Aus der Schule bringt meine Mutter gute Tipps mit. Manches habe ich nämlich vergessen, und dank ihr bleibe ich am Ball, was die aktuelle Entwicklung in unserem Beruf angeht. Ich bin ehrgeizig und habe klar das Ziel, dass wir für sie einen guten Lehrabschluss erreichen. Es war übrigens meine Mutter, die mich in der Jugend auf die Idee brachte, Podologin zu werden. ALS TEAM KÖNNEN WIR UNS hundertprozentig aufeinan­

der verlassen. Gut ist, dass meine Mutter weniger schnell die Nerven verliert und mehr Ordnungssinn hat als ich. Ich bin ein­ deutig chaotischer. Dafür kann ich am Telefon besser Nein sa­ gen, wenn der Terminkalender schon übervoll ist. Meine Mutter hat Mitgefühl mit den Leuten und versucht immer, für alle noch

ein Zeitfenster zu finden. Aber da muss man aufpassen. Ich ken­ ne mehrere Podologinnen, die als Vierzigjährige völlig ausge­ brannt sind und Rückenprobleme haben. Es ist wichtig, sich vor Überarbeitung zu schützen. Unser Geschäft läuft so gut, dass wir bald ausbauen könnten. Das möchte ich vermeiden. Denn das Handwerk auszuüben, ist für mich das Wichtigste. Ich möchte nicht zur Managerin mit vielen administrativen und personellen Aufgaben werden. FÜR MICH GIBT ES keine schönen oder hässlichen Füsse, sie

gehören zu einem Menschen wie alles andere auch. Über die Füsse kommt man den Menschen sehr nahe. Und trotzdem sind die Begegnungen mit dem Gegenüber weniger intim als bei der Arbeit einer Pflegefachperson im Spital. Für mich stimmt das

«AUS DER SCHULE

bringt meine Mutter gute Tipps mit. Dank ihr bleibe ich am Ball, was die aktuelle Entwicklung in unserem Beruf angeht.» CAROLE SIGNER

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AUGUST 2021 / BERGWIRTEKINDER /

Sommerleben zwischen Berg und Schule

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Der Schulalltag der Bergwirtekinder ist im Sommer aussergewöhnlich. Während sich das Leben der Eltern hauptsächlich im Gasthaus am oder auf dem Berg abspielt, pendeln die Kinder zwischen Schulhaus im Tal und der Bollenwees beziehungsweise dem Rotsteinpass hin und her. Text

JOLANDA SPENGLER //

Bilder

CARMEN WUEEST


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/ BERGWIRTEKINDER / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2021

Um sieben Uhr ist bei Albert und Cäcilia WyssRäss in Schwende Tagwache. Dann wecken sie ihre Enkel, den zehnjährigen Albert und den achtjährigen Levin. Um acht Uhr beginnt für die beiden Knaben der Schulunterricht in Schwende. Cäcilia Wyss macht Brot, Butter, Konfi und Schokoladenmilch parat, und die Buben setzen sich noch etwas verschlafen an den Tisch. Das gemeinsame Morgenessen gehört seit vier Jahren zum Ritual. Allerdings nur

im Sommer – und nur während der Schulzeit. In diesen Wochen leben Albert und Levin bei den Grosseltern, derweil die Eltern Albert und Anita Wyss-Rusch das Berggasthaus auf dem 2124 Meter über Meer liegenden Rotsteinpass führen. Es hat von Juni bis Ende Oktober geöffnet. Vater, Mutter und Kinder sehen sich während der Schulwochen nur am Wochenende. Jeweils am Freitagabend oder am Samstagmorgen fährt der Grossvater mit den Enkeln von Schwende nach Wildhaus und wandert mit ihnen von der Alp Langenbüel über den Schafboden hinauf auf den Pass zwischen Säntis und Altmann. Am Sonntagabend geht es auf demselben Weg zurück. DIESES PENDELN ZWISCHEN Berg und

Tal, von einem zum anderen Haushalt, wird bei der Bergwirtefamilie Wyss seit drei Generationen gelebt. Eine andere Möglichkeit gibt es für den Besuch der Schule nicht, der Zugang zum Gasthaus ist nur zu Fuss möglich. Eine gute Stunde muss man dafür rechnen. Der schnellste Weg führt vom Säntis über den Lisengrat mit steilen Passagen um Felswände und über Felszacken. Dafür muss man konditionell fit, trittsicher und schwindelfrei sein. Einfacher ist der Zugang von der Wildhauser Seite. Er ist mit zwei Stunden Wanderzeit aber auch deutlich länger. Albert war sechs Jahre alt, als er den Sommer erstmals bei den Grosseltern in der Schwende verbrachte. Levin war fünf. Was für seinen Vater ein logischer Schritt war, bereitete Anita Wyss-

ZWISCHEN BERG und

Tal zu pendeln, gehört bei den Kindern der Bergwirtefamilie Wyss seit drei Generationen zum Sommer.

CÄCILIA WYSS schickt ihre Enkel Albert und Levin

von ihrem Zuhause in der Schwende in die Schule.


AUGUST 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / BERGWIRTEKINDER /

AN DEN WOCHENENDEN und in den Ferien ist die Familie auf dem Rotsteinpass vereint: Anita und Albert Wyss-Rusch mit den beiden Söhnen Levin (links) und Albert.

Rusch anfänglich Mühe. Zwar wusste sie die Söhne bei den Schwiegereltern in guten Händen. «Aber man lässt eben nicht gern los.» Inzwischen hat sich das Hin und Her eingespielt, und die Buben fühlen sich beiderorts wohl. Im Tal geniessen sie die Zeit mit Kollegen. Sie sind in der Jugi aktiv und gehen zum Schwimmen in die Badi. Sich im Schwingclub mit anderen Buben zu messen, würde Albert ebenfalls reizen. Da die Buebeschwinget an Wochenenden stattfinden, lässt er es bleiben. Das Zusammensein mit den Eltern auf dem Rotsteinpass ist ihm wichtiger. ZWEI WOCHEN SPÄTER besuchen wir die

Familie Wyss auf dem Rotsteinpass. Die Sommerferien haben begonnen, und Albert und

Levin freuen sich auf unbeschwerte Wochen. Rund ums Gasthaus steht ihnen ein Abenteuerland mit vielen Spielmöglichkeiten zur Verfügung. In welchem Rayon sie sich bewegen dürfen, haben die Eltern klar definiert. Das Schneefeld am Nordhang beispielsweise ist tabu – und die beiden Knaben halten sich strikt daran. «Wenn wir die Terrasse und Gaststube voll besetzt haben, müssen wir uns auf sie verlassen können», sagt Anita Wyss. Wobei die 36-Jährige anfügt, dass sie die Kinder eigentlich immer im Augenwinkel habe. Die Geröllhalde am Fuss der Fliswand ist bei Albert und Levin besonders beliebt. Was sich nicht alles mit Steinen bauen lässt? Sie staune immer wieder über die Fantasie ihrer Enkel, sagt Cäcilia Wyss, die mit ihrem Mann einige

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26 / 2 6 / WERKEN MIT KELLERS / APPENZELLER MAGAZIN / APRIL 2021

Gebrauchtgegenstände aufmöbeln, sie verschönern und einer neuen Nutzung zuführen, diese Philosophie verfolgen Helen und Franziska Keller mit ihrem «Kellerwerk» in Trogen. In der Serie «Werken mit Kellers» geben die beiden Frauen Handwerkertipps fürs individuelle Aufhübschen und Wiederverwerten von Möbelstücken und Accessoires. Beim Gestalten eines Mosaiktischs kann man der Fantasie freien Lauf lassen. kellerwerk.ch

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MATERIALLISTE Tisch Fliessenkleber Mosaikstücke aus Glas, Porzellan, Plättli oder Spiegel Fugenspachtelmasse in der gewünschten Farbe Mischgefäss Spachtel zum Rühren Hammer Handtuch oder Molton Schleifpapier weicher Spachtel Schwamm Wasser

Um für alle Fälle gerüstet zu sein, lohnt es sich, zudem folgende Gegenstände griffbereit zu haben: – Unterlage – Handschuhe, Schutzbrille – Lappen oder Haushaltpapier

MIT MOSAIKSTEINEN KREATIV PUZZLEN Wer hat nicht irgendwo im Estrich oder im Keller Platten verstaut, die beim «Plätteln» des Badezimmers übrig geblieben sind? Als Vorrat für alle Fälle gedacht, bleiben sie meist ungenutzt und verstauben – aus den Augen und aus dem Sinn – in der Ecke. So stösst man Jahre später beim Ausmisten auf manch schöne Platte, mit denen sich, zu Mosaiken verkleinert, ein origineller Beistelltisch gestalten lässt. Die Technik ist simpel und das Resultat ein echter Hingucker. Gewusst wie, entsteht durch kreatives Puzzlen eine farbenfrohe und individuell gemusterte Tischplatte. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Als Accessoire auf dem Balkon oder im Garten lassen sich auf dem Tisch erfrischende Getränke samt Gläser abstellen. Jetzt fehlen für eine gesellige Runde nur noch interessante Leute …


AUGUST 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / WERKEN MIT KELLERS / 26 / 27

SO WIRD ES GEMACHT 1 Die Oberfläche des Metalltischs mit grobem Schleifpapier

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anschleifen. Das ist wichtig, weil der Fliessenkleber die Mosaikteilchen auf angerauter Fläche besser haften lässt. Plättli, Glas- oder Spiegelteile in einem Molton oder Handtuch mit dem Hammer zerkleinern. Fliessenkleber nach Anleitung auf der Verpackung mit Wasser anrühren. Den Kleber mit dem Spachtel etappenweise auf die Tischfläche und auf grosse Mosaikstücke auftragen. Die Mosaikstücke in die gewünschte Form legen, leicht in den Fliessenkleber drücken. Tipp: Das Muster des Mosaiks kann auch vorgezeichnet werden. Für passende Formen werden die Mosaiksteine mit einer speziellen Zange «zugeschnitten».

6 Die Schritte 4 und 5 wiederholen, bis die ganze Fläche ge-

legt ist. Danach trocknen lassen. 7 Fugenmasse nach Anleitung des Herstellers anrühren, mit

weichem Spachtel auf die gesamte Mosaikfläche auftragen und in die Zwischenräume streichen. Wichtig: Die Masse erst mit dem Spachtel flach abziehen, wenn die Zwischenräume vollständig gefüllt sind. 8 Mit einem feuchten Schwamm die restliche Masse wegwischen. Dazu den Schwamm immer wieder auswaschen und ausdrücken, damit die Oberfläche nicht zu nass wird. 9 Nach dem vollständigen Abtrocknen der Fugenmasse nochmals mit einem feuchten Lappen kräftig über die Mosaikfläche wischen, um allfällige matte Stellen (Grauschleier) von den Teilchen zu entfernen.

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/ STIFTUNG PRO INNERRHODEN / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2021

STEFAN SUTTER UND MARTINA OBRECHT, im Hintergrund die Wand

mit fünfzig ausgewählten Objekten aus der Sammlung des Museums Appenzell.


AUGUST 2021 / APPENZELLER MAGAZIN / STIFTUNG PRO INNERRHODEN / 28 / 2 9

Seit 1971 fördert die Stiftung Pro Innerrhoden das Kulturschaffen des Kantons Appenzell Innerrhoden. Einige Aufgaben fielen im Verlauf der Zeit weg, andere kamen dazu: Seit 1999 betreibt die Stiftung auch das Museum Appenzell. Dieses zeigt anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Stiftung fünfzig ausgewählte Objekte aus seiner umfangreichen Sammlung. Text ROGER FUCHS // Bilder

CARMEN WUEEST, MUSEUM APPENZELL

Ohne die Stiftung Pro Innerrhoden gäbe es weniger Veranstaltungen. Diese Überzeugung vertritt der seit 2018 amtierende Stiftungspräsident Stefan Sutter: «Seit ihrer Gründung unterstützt die Stiftung das kulturelle Leben im Kanton. Ebenso sichert sie seit 22 Jahren den Betrieb des Museums Appenzell.» Während viele Kulturschaffende die Stiftung kennen, ist sie der breiten Bevölkerung kaum bekannt. Das Jubiläumsjahr soll deshalb genutzt werden, um mit verschiedenen Anlässen in Erscheinung zu treten. Dazu wollte man auch das Museum einbeziehen. Zum ersten Mal sieht Stefan Sutter in diesem Moment die entsprechende Jubiläumsschau. Vor einer blaugrünen Wand werden fünfzig Objekte aus der umfangreichen Museumssammlung präsentiert, die einen Einblick in die facettenreiche Alltagskultur von Appenzell Innerrhoden geben. Sofort springt Stefan Sutter ein altes Wäscheseil aus der Zeit um 1950 ins Auge: «Dieses ist mir aus meiner Kindheit noch bestens bekannt.» «Die Objekte zeigen, was wir im Museum alles sammeln», sagt Co-Leiterin Martina Obrecht. Insgesamt würden in den vier Depots 33 000 Objekte und Fotografien lagern. Unter anderem hervorgeholt hat man für die Jubiläumsschau einen antiken An-

sichtskartenständer. «Eines meiner Lieblingsobjekte», sagt Obrecht. «Der Ständer stammt von 1930 und stand einst, als die Ansichtskarten noch ein Massenprodukt und guter Nebenerwerb für die Gastwirte waren, vor dem Gasthaus Plattenbödeli.» Andere Objekte sind beispielsweise ein Fusswärmer, ein früheres Tourismusplakat, ein Zylinder der ehemaligen Hutfabrik Speck oder ein Fatschenkindli, das Jesuskind in einem Glasschrein. Für Martina Obrecht steht ausser Zweifel: «Unsere Sammeltätigkeit ist nur dank der Stiftung möglich. Jährlich kommen rund 800 Objekte dazu.» DIE STIFTUNG PRO INNERRHODEN investiert pro Jahr

knapp 260 000 Franken in den Betrieb des Museums; gemäss Stefan Sutter der höchste Ausgabenposten. An den vier bis fünf Sitzungen des Stiftungsrats werden überdies jeweils die Beitragsgesuche der Kulturschaffenden besprochen, was unter dem Strich pro Jahr rund 70 000 Franken ausmacht. Das Stiftungskapital liegt bei rund 6,2 Millionen Franken. Gegründet wurde die Stiftung Pro Innerrhoden an der Landsgemeinde 1971 anlässlich des 900-jährigen Bestehens von Ap-


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AUSSICHTSREICH AUF DEN HOHEN HIRSCHBERG


STRAHLHÜTTEN, Appenzell Rüte, mit Blick auf den Alpstein mit Ebenalp, Schäfler und Säntis.

Die Routenwahl zu Beginn der Wanderung wäre einfacher möglich. Doch der Umweg über den Gaiser Aussichtspunkt Hohegg lohnt sich. Aussicht ist ohnehin das Thema dieser Wanderung: Vom Hohen Hirschberg ist das Alpsteinpanorama prächtig. Der Weg führt abwechslungsreich an Ried und Moorgebieten vorbei, geht im Schachenwald über Wurzelwerk und in Strahlhütten und Mendle über saftige Wiesen. Text & Bilder JOLANDA SPENGLER


48 / CHEERAB / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2021

GWONDRIG

TROUVAILLE

Bild: Carmen Wueest

Der neue Gemeindepräsident von Grub AR heisst Andreas Pargätzi. Der 37-jährige FDP-Politiker ist Inhaber eines Sanitärund Generalunternehmens. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

WELCHEN ORT IM APPENZELLERLAND ZEIGEN SIE EINEM GAST?

Natürlich Grub, da «einfach schön». WELCHER GEGENSTAND IST IHR TREUSTER BEGLEITER?

Mein elektronischer Kalender. WELCHE APPENZELLERIN ODER WELCHEN APPENZELLER WÜRDEN SIE GERNE KENNENLERNEN?

Simon Enzler. WAS IST FÜR SIE TYPISCH APPENZELLISCH?

Die Architektur: alte, schöne Bauern­ häuser mit tiefen Zimmerdecken.

Appenzeller Trachtenpuppen Puppen, wohin das Auge reicht: Im appenzelli­ schen Wald befindet sich die private Spielzeug­ sammlung Waldfee. Angefangen hat es mit Souvenirs, die Museumsbesitzerin Gabriele Müller Gloor von ihren Reisen mitbrachte. «Puppen sagen viel über ein Volk aus, denn sie widerspiegeln in den Materialien und Mach­ arten seine Traditionen und Eigenheiten», be­ gründet die 66­Jährige den Ursprung ihrer Sammlung. Heute beherbergt das Museum rund 15 000 Exponate. Der Eintritt ist frei, fi­ nanziert wird der Betrieb durch Spenden und den kleinen Verkaufsladen im Untergeschoss. Es fällt nicht leicht, sich für ein Exponat aus der Sammlung zu entscheiden. Jedes der Stücke hat seine eigene Geschichte. Letztlich wählt Ga­ briele Müller Gloor drei Appenzeller Trachten­ puppen und liefert dazu eine spannende Ent­ stehungsgeschichte. Der Gaiser Zahnarzt Karl Glunk bemerkte, dass man aus Zahnprothesen­ masse auch andere Gegenstände formen kann und begann mit der Herstellung von Puppen. Für das Nähen der Schweizer Trachten musste seine Frau Anna Glunk bald einheimische Frauen zu Hilfe holen. Die berühmte Schweizer Puppenmacherin Sasha Morgenthaler brachte vermehrt Korrekturen bei den Gesichtern an, damit die Puppen in ihren Augen tauglich für den Verkauf im Schweizer Heimatwerk wa­ ren. cli puppenmuseum.ch

WAS IST FÜR SIE LEBENSQUALITÄT?

Meine Zeit frei einteilen zu können. SONNTAGS UM 13 UHR BIN ICH ...

… in der Familienzeit. WELCHES BUCH HABEN SIE ZULETZT GELESEN?

«Der Weg zum persönlichen Erfolg» von Napoleon Hill. WAS BRINGT SIE AUF DIE PALME?

Menschen, die dumme Dinge tun. WELCHEN TRAUM HABEN SIE SICH NOCH NICHT ERFÜLLT?

Das Eigenheim.

MACHART

Gliedmassen und Kopf aus Kunststoff gegossen, Körper aus Draht und Stoff. Handarbeit. Hergestellt in Gais. Herstellungsjahr zwischen 1950 und 1960. Grösse zirka 15 Zentimeter. Damaliger Verkaufspreis: 31.50 Franken. BESONDERHEIT

Die Figuren sind aus Zahnprothesenmasse hergestellt. STANDORT

Spielzeugsammlung Waldfee, Wald AR

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Appenzeller Magazin August 2021  

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