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MONAT 2013 / APPENZELLER MAGAZIN / RUBRIK / 1


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AUGUST 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / EDITORIAL /

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So schnell wie für den tierärztlichen Helikoptereinsatz im Alpstein rannte ich noch nie aus dem Büro. Zwanzig Minuten blieben mir nach dem Telefonanruf von der Tierklinik Appenzell, um Fotokamera und Schreibzeug einzupacken und von Schwellbrunn nach Wasserauen zu fahren. Und hätten nicht Nebelschwaden den Abflug leicht verzögert, wäre ich zu spät gekommen. Es pressierte: Auf der Altenalp war ein Rind in Not. Der Einstieg in die tierärztliche Reportage von den Alpen hätte spektakulärer nicht sein können, solche Noteinsätze sind aber die Ausnahme. Zu Kuh Wendy auf der Alp Hackbüel und zur Kalberkuh Dora auf Chli Gerstengschwend ging es weit geruhsamer mit dem Auto. Tierärztin Marie Bazant brachte so schnell nichts aus der Ruhe – auch nicht holprige und steile Kiesstrassen. Zudem erfahren Sie in diesem Magazin, was aus dem «Herisauer Modell» der Altersvorsorgesiedlung Obermoosberg geworden ist. Vor vierzig Jahren mit 82 Wohneinheiten erbaut, brachten die letzten Jahre einen Generationenwechsel. Langjährige Bewohnerinnen und Bewohner erzählen. JOLANDA SPENGLER

Jetzt wählen. Im Laden: TITELBILD: Charlotte Linsener (Tierärztin Marie Bazant) HERAUSGEBER: Appenzeller Verlag AG, Schwellbrunn. VERLEGER: Marcel Steiner. REDAKTION: Jolanda Spengler, E-Mail: jolanda.spengler@appenzellerverlag.ch

(Leitung), Christine König, Katja Nideröst, Charlotte Linsener.

FOTOGRAFIE: Carmen Wueest, Charlotte Linsener, Katja Nideröst, Jolanda Spengler. ADRESSE: Appenzeller Magazin, Im Rank 83, 9103 Schwellbrunn,

verlag@appenzellerverlag.ch, www.appenzellermagazin.ch.

VERLAGSSERVICE/ABONNEMENTE: Tel. 071 353 77 55,

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PREISE: Einzelnummer Fr. 9.–, Jahresabonnement Fr. 88.–, erscheint monatlich,

24. Jahrgang.

GESTALTUNG/PRODUKTION: Brigitte Knöpfel, Daniela Saravo, Josef Scheuber. ANZEIGENVERKAUF: Luca Giovanettoni, Tel. 071 353 77 42,

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AUGUST 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / INHALT /

INHALT HEIMAT 4 KOMPAKT 6 NOTIERT 9 LEBEN IN DER HERISAUER «BIENENHÄUSER-SIEDLUNG»  10

10

EIN APPENZELLER NAMENS … 17 WENN AUF DEN ALPEN TIERÄRZTLICHE HILFE NÖTIG IST  18 GLOSCHTIG OND GMÖGIG 28

30

DEN NEOPHYTEN DEN KAMPF ANGESAGT 30

HIESIGS 33 WANDERN 34

18

NATÜRLICH HEILEN 41 MENSCH UND RAUM 42

42

HÖCKLE OND GNÜÜSSE 46 DIVERSICUM 47 CHEERAB 48

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AUGUST 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / HEIMAT / 4 / 5

Etwa 120 Heuschreckenarten sind in der Schweiz bekannt, weltweit gibt es rund 20 000. Das Bild zeigt den Warzenbeisser (Decticus verrucivorus). Grashüpfer oder Heugümper, wie sie umgangssprachlich genannt werden, lieben extensiv bewirtschaftete Wiesen und Hecken an sonnigen Lagen. Sie sind ausserordentlich gute Springer und meistens auch Flieger. Viele Männchen locken die Weibchen mit Gesängen an. CHARLOTTE LINSENER Bild


APPENZELL Die Innerrhoder Standes­ kommission hat eine Kampagne lanciert, um Alpstein­Gäste für einen rücksichtsvollen und sorgsamen Umgang mit der Natur­ und Kulturlandschaft des Alpsteins zu sensibili­ sieren. Das Gebiet müsse als Lebens­ und Ar­ beitsraum der Bergbevölkerung sowie als Naturlandschaft und Lebensraum von Wild­ tieren uneingeschränkt erhalten bleiben. In den vergangenen Monaten zog es mehr und mehr Touristen in den Alpstein, und es kam zu mehr Problemen: Abfall blieb liegen, wilde Feuerstellen wurden eingerichtet, es wurde wild campiert und es gab Lärmbelästigungen.

Bild: Jolanda Spengler

/ KOMPAKT / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2020

AUSSERRHODEN Ende Juni hat der Regierungsrat den kanto­ nalen Finanzausgleich genehmigt. 2020 erhalten zwölf Gemeinden Gelder in Höhe von 10,3 Milli­ onen Franken. Finanziert werden diese Ausgleichszahlungen durch den Kantonsbeitrag von 4,9 Milli­ onen Franken, den Rest steuern acht Gebergemeinden bei: Gais, Heiden, Lutzenberg, Rehetobel, Speicher, Teufen, Walzenhausen sowie Wolfhalden. HERISAU Im Ausserrhoder Hauptort ist die Ortsgruppe He­ risau des Verkehrsclubs Schweiz (VCS) gegründet worden. Vor­ derhand setzt sich die Ortssektion für die Neugestaltung des Bahn­

hofs ein; ein Projekt mit Aus­ strahlung aufs Appenzellerland. Schwerpunkte sind der Langsam­ verkehr sowie – langfristig – ein autofreier Dorfkern. WALZENHAUSEN Das Vor­

derland ist seit Anfang Juli um einen Themenweg reicher: Der sieben Kilometer lange Aben­ teuerpfad führt von Walzenhau­ sen zur Burgruine Grimmenstein in St. Margrethen. Unterwegs gibt es eine Geschichte zu entdecken und Rätsel zu lösen. AUSSERRHODEN Das Amts­ blatt von Appenzell Ausserrho­ den erscheint seit Anfang Juli nur noch als digitale Publikation im Internet. In den 186 Jahren zuvor gab die Kantonskanzlei das Amts­ blatt gedruckt heraus. Zuletzt sank die Auflage der gedruckten Version stetig, gleichzeitig er­ freut sich die als PDF publizierte Fassung im Internet steigender Beliebtheit. Der Zugang zum E­ Amtsblatt ist gratis.

Bild:zVg

7. Juli keine Gegenvorschläge ein­ gingen, ist ein Grossteil der Inner­ rhoder Amtsträger in stiller Wahl wiedergewählt worden. Bestätigt wurden sechs Mitglieder der Standeskommission, zwölf des Kantonsgerichts sowie etliche Be­ zirksräte. Der Urnengang für die Ersatzwahlen (anstelle der Lands­ gemeinde) findet am 23. August statt. Dann geht es unter anderem um die Nachfolge von Frau Statt­ halter Antonia Fässler.

Bild: www.amtsblatt.ar.ch

INNERRHODEN Weil bis zum

Bild: Charlotte Linsener

KOMPAKT

REHETOBEL Das Hotel­Restau­

rant Dorfhus Rehetobel feierte am 17. Juli Eröffnung. Gastgeber ist Kay Mauretter, Küchenchef Pedro Ferreira. Besitzer ist Migg Eberle,

Bild: zVg

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Bild: zVg

dem auch das Gourmet­Restau­ rant Gupf gehört. APPENZELL Am 1. Juli hat Andy Huber die Leitung der Redaktion des Appenzeller Volksfreunds übernommen. Er folgt auf Rolf Rechsteiner, der nach zwanzig Jahren pensioniert wurde. Der 53­ jährige Huber ist am Zürichsee aufgewachsen und war zuvor vor allem als Sportreporter tätig.

Mitte Juli wurde von 19 Genossenschaf­ tern die IG Ackerbau Appenzel­ lerland gegründet. Zum Präsiden­ ten wurde Johann Hersche ge­ wählt. Das Projekt geht auf die Initiative der Brüder Alfred und Markus Sutter, Inhaber der Böhli Bäckerei AG, zurück. Hauptsäch­ lich wird Dinkel (12 Hektaren) angebaut, dazu je eine Hektare Emmer und Bergroggen.

Bild: Carmen Wueest

Bild: Charlotte Linsener

APPENZELLERLAND

AUSSERRHODEN Anfang Juli wurden sämtliche Vieh­ und Schafschauen wegen der Corona­ pandemie abgesagt. Die Schutz­ konzepte sowie die Aufteilung der Besucher in Sektoren würden ei­ nen kaum umsetzbaren Kontroll­ aufwand erfordern, teilten die Verantwortlichen mit. Die Schau­ en finden üblicherweise von Mitte September bis Mitte Oktober statt.

Bild: Carmen Wueest

Bild: zVg

HERISAU Die «dreischiibe» hat

mit der Anpassung der Träger­ schaft die Weichen für eine stabi­ le Organisation gestellt: Nach 36 Jahren wurde aus dem Verein eine Stiftung. Der bestehende Vor­ stand stellt den Stiftungsrat; an der Spitze steht Angela Tsering (im Bild mit Stiftungsrat Michael Friedli).

HEIDEN Adrian Höhener wird Geschäftsführer des genossen­ schaftlich geführten Hotels und Restaurants Linde in Heiden. Der 37­Jährige wirtete die letzten Jahre im Restaurant Bären in Hundwil. Die bisherigen Gastgeber, Kasia Balinska Thurnheer und Edi Thurnheer wechseln ins «Ur­ waldhaus» Rehetobel. APPENZELL Oliver Schultheiss, Zuckenriet, ist neuer Leiter der

Kriminalpolizei im Korps der Kantonspolizei Appenzell In­ nerrhoden. Der 44­Jährige arbei­ tete zuvor bei der Kantonspolizei und der Kriminalpolizei St. Gal­ len sowie als Ermittler für die Bundespolizei in Zürich. INNERRHODEN Appenzeller­

land Tourismus AI hat eine Weg­ weiser­App lanciert, mit der alle Wegweiser im inneren Landesteil samt Zeitangaben abgefragt wer­ den können. Die App soll Wande­ rern bei der Planung helfen. AUSSERRHODEN Die Stein­ egg­Stiftung mit Sitz in Herisau hat den Steinegg­Batzen ins Le­ ben gerufen. Empfänger dieses jährlichen finanziellen Zuschus­ ses soll jeweils eine sozial oder kulturell tätige Institution sein. Der erste Steinegg­Batzen geht ans Ostschweizer Kinderspital. Eine Million Franken hat es erhal­ ten, um im Neubau auf dem Areal des Kantonsspitals St. Gallen ein Gartenzimmer zu realisieren. APPENZELLERLAND Die Ap­ penzeller Bahnen (AB) blicken auf ein erfolgreiches Geschäfts­ jahr 2019 zurück. Die Nachfrage ist gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent gestiegen. 5,21 Millionen Fahrgäste wurden 2019 befördert. Der Unternehmenserfolg betrug knapp fünf Millionen Franken. SÄNTIS Michael Auer aus Spei­

cher ist neuer Verwaltungsrats­ präsident der Säntis­Schwebe­ bahn AG. Er wurde an der 86. Generalversammlung Ende Juni gewählt. Auer folgt auf Hansruedi Laich (Trogen), der nach sieben Jahren zurücktrat.

HERISAU Fabrice Mettler vom

TV Herisau wurde in Uster U20­ Schweizer Meister über 2000 m Steeple. Nach 6:18,20 Minuten überquerte er das Ziel.

OBEREGG Die Stimmbürger ha­ ben am 21. Juni Ja zum Baukredit für ein neues Schulhaus gesagt. Es kostet rund 7,4 Millionen Fran­ ken, der Bezirk zahlt 3,6 Millionen Franken. Der Grosse Rat hat den Kantonsbeitrag genehmigt.


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AUGUST 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / NOTIERT /

Bild: Charlotte Linsener

Hanspeter Spörri, 1953 in Teufen geboren, ist freischaffender Journalist und Autor und befasst sich oft mit appenzellischen Themen. h.spoerri@bluewin.ch

SEHNSUCHT NACH DEM FELSEN WIE ICH DANK HÖHENANGST hätte halten können.

eine 1.-August-Rede

HANSPETER SPÖRRI

Ich bin nicht schwindelfrei. Sie dürfen darüber lachen, wenn Sie zu den Berggängigen gehören. Es ist aber nicht lustig. Wenn ei­ nen das Schwindelgefühl packt, ist man blockiert. Ein Psycho­ loge erklärte mir das Phänomen einst als Angststörung, viel­ leicht als Angst vor der Angst, oder als Angst vor Kontrollverlust. Das klang für mich plausibel. Hilfreich war es nicht. Besonders störend war die Höhenangst bisher, weil ich eine gros­ se Sehnsucht nach den Bergen verspüre. Mich locken nicht nur ausgebaute Wanderwege wie jener zur Meglisalp, der für mich unproblematisch ist. Ein paarmal im Jahr möchte ich in den Bereich von Eis und Fels vorstossen. Von Kindsbeinen an wünschte ich, den Altmann zu erklimmen, den zweithöchsten Gipfel des Alpsteins. Bis zum Altmannsattel hatte ich es einmal geschafft. Aber da war Schluss: Der Berg mit seinen harmoni­ schen Rundungen blieb unerreichbar. Ich war schon über 60, als ich zusammen mit meiner Partnerin an einem Hüttentrecking in den Dolomiten teilnahm. Bergfüh­ rer Markus hatte es «für Wandersleute» ausgeschrieben. Zum Glück wusste ich nicht, worauf ich mich mit der Anmeldung einliess. Es war nicht einfach eine Wanderung (wenn Sie Berg­ steigerin sind, dürfen Sie wiederum mitleidig lächeln), es war eine üble Kraxelei über Abgründen. Am schlimmsten war die Besteigung des 2744 Meter hohen Paternkofels über einen Klet­ tersteig, den österreichische Truppen im Ersten Weltkrieg ange­ legt hatten. Mein historisches Interesse lenkte mich zum Glück

teilweise von den Schwindelgefühlen ab. Ohne den Bergführer und die Wanderfreunde hätte ich es aber nicht geschafft. Es war ein fantastisches Erlebnis. Ich weiss nicht, wie Markus es angestellt hat. Es gelang ihm irgendwie, meine Höhenangst auf ein erträgliches Mass zu reduzieren. Er machte daraus keine grosse Sache, verlor keine Worte. Und so fragte ich ihn, ob er mich, Anita und Susan auf den Altmann begleiten würde. «Si­ cher!», sagte er. «Aber nicht auf dem gewöhnlichen Weg. Das würde sich nicht lohnen.» Okay! Wir übernachteten auf dem Rotsteinpass. Am Morgen um sieben holte uns Markus ab. Erste Hürde: ein eisiges Schneefeld, das zwei vor uns gehende Frauen zur Umkehr zwang. Wir stiegen weiter Richtung Sattel auf und hinüber zum Einstieg in den Schaffhau­ ser Kamin. Was nur macht diese leichte Kletterei mit mir? Sie löst eine Euphorie aus, ein tiefes Glücksempfinden, ein Gefühl der Verbundenheit in der Seilschaft und mit dem Kosmos. Schwin­ delfreie müssten vermutlich die Eigernordwand durchsteigen, um zu einer vergleichbaren inneren Zufriedenheit zu finden. Ich habe keinen alpinistischen Ehrgeiz, scheue das Risiko, fürch­ te den Kontrollverlust, werde meine Höhenangst nie völlig ab­ legen. Aber ich weiss jetzt, mit wessen Hilfe ich sie überwinden kann. Eine Lehre ziehe ich für mich daraus auch: Alle Ziele, die ich je erreichte, habe ich immer nur mit Hilfe anderer erreicht. Mit dieser Einsicht hätte ich wohl glatt eine 1.­August­Rede zu­ sammenschustern können.

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/ SIEDLUNG OBERMOOSBERG / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2020

IN ZEITLUPENTEMPO fährt das Seilbähnli die Quartierbewohner nach Hause.


AUGUST 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / SIEDLUNG OBERMOOSBERG /

Vor gut vierzig Jahren wurde im Obermoosberg, im Osten von Herisau, eine Altersvorsorgesiedlung gebaut. Die ursprüngliche Idee hat nur halbwegs funktioniert, und ein Generationenwechsel sorgt aktuell für Heraus­ forderungen. Trotzdem leben die Menschen gern in den kleinen «Bienenhäusern». Dafür gibt es Gründe. KATJA NIDERÖST Text & Bilder

Ein älterer Herr mit Dächlikappe stellt die Einkaufstasche neben sich ab. Er wartet im offenen Parkhaus der Siedlung Obermoosberg auf das Seilbähnli. Sehr langsam fährt es in der Talstation ein. Der Mann steigt in die bunte Kabine und ruckelt den steilen Hang hinauf bis fast vor seine Haustüre. Das störungsanfällige Seilbähnli gilt als Herzstück der Siedlung, ein Heiligtum für die Leute. Es sorgt für entspannte Minuten auf den letzten Metern nach Hause. Die neue Siedlungspräsidentin Pascale Räss versucht erfolglos, eine Mehrheit für die sechsstellige Investition für eine neue Seilbahn zu gewinnen: «Bei der Eigentümerversammlung können wir eine Stunde lang über die braune oder graue Farbe für eine Gerätekiste diskutieren. Aber beim Thema Seilbahnersatz beisse

ich auf Granit», sagt sie und lacht trotzdem. Erst seit Oktober 2019 ist sie im Amt, und ihr sei klar, dass sie es nicht allen recht machen werde. Leben und leben lassen, so laute ihre Devise. Sie höre zu, versuche jedes Anliegen ernst zu nehmen und stelle dabei fest, dass manch älterer Mensch plötzlich Mühe habe, sich überhaupt für etwas zu entscheiden. Da erfahre sie viel Dankbarkeit, wenn sie mit Rat und Tat bei kleinen Problemen behilflich sein könne. DIE ÄSTHETIK DER verschachtelten Häusergruppen und die rudimentäre Bauweise der Siedlung Obermoosberg ist nicht jedermanns Sache. Fragt man die Bewohner, möchten sie nirgendwo sonst leben. Die Bushaltestelle ist vor der Tür, es ist ruhig in der Siedlung, die Aus-

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Wenn auf einer Alp im und rund um den Alpstein ein Rind kollabiert oder eine Kuh nach dem Kalben nicht mehr aufstehen will, ist schnelle Hilfe gefragt. Tierärztin Marie Bazant weiss Rat und packt an. Mit ihrem «Praxisauto» ist ihr kein Weg zu weit und keine Strasse zu steil. Und wenn’s pressiert, steigt sie in den Helikopter. JOLANDA SPENGLER Text // CHARLOTTE LINSENER, JOLANDA SPENGLER Bilder


AUGUST 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / TIERARZT IM ALPSTEIN /

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/ TIERARZT IM ALPSTEIN / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2020

Tierklinik Appenzell im Sommer: Katzen und Hunde werden in der Praxis an der Rütistrasse behandelt, und bei Problemen mit den Nutztieren rücken die Tierärzte auf die Höfe aus. Die Arbeit ist dieselbe wie immer. Und doch ist einiges anders. Wenn von Ende Mai bis Mitte September das Vieh auf den Alpen im und um den Alpstein weidet, bedeutet das für die Grosstierärzte einen deutlich längeren Anfahrtsweg – oft auf ruppigen und steilen bis sehr steilen Kieswegen. Die Mehrheit der Alpen sei mit dem Auto erreichbar, lediglich eine von zehn erfordere einen Anmarsch zu Fuss, sagt Tobias Fritsche, Geschäftsführer der Tierklinik Appenzell und zählt als besonders abgelegene Beispiele Gartenalp, Chlus, Meglisalp,

DIE MEHRHEIT DER ALPEN sind mit dem Auto

erreichbar, lediglich eine von zehn erfordert einen Anmarsch zu Fuss.

SEIT 27 JAHREN führt Tobias Fritsche gemeinsam mit seiner Frau Andrea die Tierklinik Appenzell.

Altenalp, Oberer Mesmer oder Mans auf. Der 56-Jährige kennt sich im Alpsteingebiet aus und wurde während seiner knapp dreissigjährigen Tätigkeit als Tierarzt in Appenzell bereits nahezu auf jede Alp gerufen. Zumindest auf jene, deren Bauern zu seinen Kunden gehören. 250 Landwirte zählen auf die Dienste der Tierklinik Appenzell. Und im Sommer kommen weitere dazu, die ihren Talbetrieb ausserhalb des Einzugsgebiets haben, aber ihr Vieh auf Innerrhoder Alpen sömmern. DAS TELEFON KLINGELT. Vom Älpler der

Altenalp kommt ein Notruf. Ein halbjähriges Rind liege kraftlos am Boden, unfähig sich zu bewegen, berichtet Älpler Bruno Neff. Er ist beunruhigt, weiss nicht mehr weiter. Versuche, das Tier zum Aufstehen zu bewegen, waren erfolglos. Für das Tierarztteam ist schnell klar: Hier pressiert’s. Mit der Bahn auf die Ebenalp zu fahren und von dort zu Fuss zur Altenalp zu wandern, dafür fehlt die Zeit. Die Rega wird kontaktiert und ein Helikopter geordert. Ganz so schnell geht es dann aber doch nicht, das Wetter behindert den Notfallein-


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satz: Nebelschwaden umhüllen Ebenalp, Schäfler und Steckenberg. Der Blick auf den Wetterradar stimmt allerdings optimistisch. In einer knappen Stunde soll sich der Nebel gelichtet haben. Tierärztin Marie Bazant ist auf Abruf und packt in den Rucksack, was sie zur Erstversorgung benötigt: Medikamente, Infusionen, Betäubungsmittel, Spritzen ... Tierärztliche Einsätze mit dem Helikopter sind im Alpstein die Ausnahme. Pro Jahr sind es zwei bis drei. In der Regel sind die «fliegenden Notfälle» Chefsache. Tobias Fritsche kann als passionierter Bergsteiger mit den Tücken des steilen und felsigen Geländes bestens umgehen. An besonders exponierten Lagen aus dem schwebenden Heli zu steigen oder gar zu springen, ist für ihn kein Problem. Diesen Sommer muss er allerdings darauf verzichten: Eine Operation am rechten Fuss hat ihn auf Wochen hinaus lahmgelegt. In der Praxis arbeitet der 56-Jährige nur stundenweise, die Nothilfe aus der Luft überlässt er seiner Mitarbeiterin Marie Bazant. Für sie ist es der zweite Helikoptereinsatz im Alpstein. Beim ersten habe sie ihren Chef begleitet. Heute trägt die

Dr. med. vet. die alleinige Verantwortung. Sie muss abwägen und entscheiden, ob der Transport des Tiers ins Tal Sinn macht. DER NEBEL LICHTET SICH. Der Helikop-

terpilot wagt den Flug und landet auf dem Kiesplatz in Wasserauen. Fast gleichzeitig trifft Marie Bazant ein und wird vom Flugbegleiter in die Kabine gelotst. Sofort hebt der Heli ab. Zwei Minuten später ist das Ziel, ein Schopf unterhalb der Altenalp, erreicht. Hier haben die Tiere Unterschlupf gesucht, als in der Nacht ein heftiges Gewitter über den Alpstein gezogen ist. Die Veterinärin untersucht das Rind, tastet die Beine ab. Gebrochen sei nichts, sagt sie und legt eine Infusion. Sie soll dem stark unterkühlten Tier zu Energie verhelfen. Der Erfolg ist mässig. Marie Bazant und Bruno Neff besprechen das weitere Vorgehen. Das


28 / 2 9 / GLOSCHTIG OND GMÖGIG / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2020

Seit 23 Jahren lebt Nina Sonderegger mit ihrem Mann Reto und den drei gemeinsamen Kindern in Speicher. Obwohl in St. Gallen aufgewachsen, sei sie nie ein Stadtkind gewesen. Schon immer habe sie die Nähe zur Natur gesucht. Das Appenzellerland ist ihre Wahlheimat, es sei immer wieder «es heicho». Neben ihrer Arbeit als Musikgrundschullehrerin in den Schulen Trogen, Wald und Rehetobel verbringt die 52-Jährige gerne Zeit in ihrem prächtigen Garten. Zur Selbstversorgung reiche es nicht, aber es sei ein toller Zustupf und schön zu wissen, wo die Produkte herkommen. Seit etwa sieben Jahren ist Nina Sonderegger bei den Landfrauen in Speicher im Vorstand tätig. Das, obwohl sie selbst keine Bäuerin ist. Der Landfrauenverein Speicher sei ein offener Verein, dem sowohl ländliche als auch nicht ländliche Frauen beitreten können. Es gehe um die Verwurzelung im Dorf und die Freude an dessen Traditionen, nicht darum, zwingend Bäuerin zu sein.

g i t h c s glod on gmö g i r e g g g e r e d n o S na

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So waren es auch die Landfrauen, die den Anstoss für die Schwedentorte lieferten: Da Sondereggers in den Ferien öfter nach Schweden reisen, wünschten sich ihre Vereinskolleginnen, eine von dort stammende Spezialität zu probieren. Nina Sonderegger backte daraufhin ihre erste Schwedentorte, eine typische Schichttorte, deren Füllung je nach Saison variieren kann. Die schwedische Küche sei der schweizerischen gar nicht so unähnlich, beide bedienen sich traditioneller Produkte aus der Landwirtschaft wie Rahm, Milch und Eier, «was auf den Höfen eben so selbst produziert wird». Die Schwedentorte hat den Landfrauen damals so gut geschmeckt, dass sie bei den regelmässigen Vereinsanlässen inzwischen zur Tradition geworden ist. Text & Bilder: cli

Landfrauen aus Appenzell Ausserrhoden offenbaren in der Serie «gloschtig ond gmögig» Geheimnisse aus ihren Rezeptbüchern. Sie kochen regional und saisonal, bevorzugt mit Produkten die vom eigenen Feld, Hof und Garten kommen. Freuen Sie sich auf Traditionelles, Kreatives, Überraschendes. Viel Spass beim Nachkochen.


Schwedentorte

Zu ta te n

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M eh l, M aize na un d Ba ck pu lver un te D en Te ig in rh eb en . di e Ba ck fo rm gi es se n. Au f de r un te re n Sc hi en e de s Ba ckof 30 M in uten en s zi rk a ba cken . Bi sk ui t ab kü hl en la ss en . Fü r di e Fü llu ng M ilc h, Ra hm , Ei ge lb , M aize na m is Zu cker un d ch en un d un te r st än di ge in ei ne r Pf an m Rü hren ne zu ei ne r Crèm e er w ba ld er ste Lu är m en . So ft bl as en au fstei ge n, Pf an ne vo n de r Ko ch stel le ne hm en .

7 8 9 10 11 12

G el atin e 5 M in uten in ka lte m Was se wei ch en . A r ei nns ch lie ss en d au s de m ne hm en un Was se r d in di e war m e Crèm e rü hren . Crèm e in Ei swas se r stel le n un d un te ka lt werde n r Rü hren la ss en . Ra hm m it Va ni llezu cker stei f sc hl ag un te r di e Cr en un d èm e he be n.

Bi skui t in dr ei gl ei ch di cke Te ile sc hn ei de n. A bwec hs el nd Bi skui tb od en un d Cr sc hi ch te n. èm e Fü r di e G ar ni tu r Ra hm stei f sc hl ag um de n Ra nd en un d un d au f de m D ec ke l de r ve rtei le n. To rt

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D as M ar zi pa n au srol le n un d al s D ec di e To rte le ke au f ge n. M it Pu de rz uc ke r be m it de r M ar st äu be n, zi pa nros e ve rzie re n. Ti pp Je na ch Sa is on ka nn di e Fü llu ng du rc od er Fr üc ht h Be eren e ergä nz t w erde n.


Seit vielen Jahren bekämpft der Kanton Appenzell Ausserrhoden invasive Neophyten im Appenzellerland – mit Erfolg. Das Wachstum vieler Problempflanzen konnte eingedämmt werden. Aber nicht überall. Probleme bereiten aktuell vor allem das Einjährige Berufkraut und das Schmalblättrige Greiskraut. CHRISTINE KÖNIG Text // CHARLOTTE LINSENER Illustrationen

NEOPHYTEN – GEBIETSFREMDE PFLANZEN Invasive Neophyten sind gebietsfremde Pflanzen, die Probleme verursachen, also üppig wachsen, sich schnell verbreiten, eine Gefahr für die einheimische Artenvielfalt und /oder die Gesundheit der Menschen darstellen, den Ertrag der Forst- und Landwirtschaft oder die Sicherheit der Infrastruktur gefährden.

Mit invasiven Neophyten ist das so eine Sache: Sie tarnen sich gut – manche sehen sogar ganz hübsch aus – und vermehren sich rasant. Man sieht ihnen in der Regel ohne entsprechende Kenntnisse nicht an, dass sie die heimische Artenvielfalt zu­ rückdrängen, die Gesundheit des Menschen gefährden oder mit ihren kräftigen Wurzeln Schäden an Strassen oder Mauern verursachen können. Im Appenzellerland sind deshalb Neo­ phyten­Bekämpfer unterwegs, die im Auftrag des Ausserrho­ der Amts für Umwelt und des Landwirtschaftsamts die öffent­ lichen Flächen – vor allem Bachtöbel, Strassensäume, Wald­ ränder – regelmässig nach invasiven Neophyten absuchen. AN DIESEM SCHÖNEN JULI-TAG sind zwei der drei Neo­

phyten­Bekämpfer im Einsatz: Philippe Joos sucht im Rüütiger Ortsteil Mohren nach Schmalblättrigem Greiskraut und Ein­ jährigem Berufkraut. Dabei handelt es sich um die beiden der­ zeit problematischsten und am weitesten verbreiteten invasiven Neophyten im Appenzellerland. «Diese Arten drängen massiv


AUGUST 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / NEOPHYTEN /

Schmalblättriges Greiskraut …

… stammt aus Südafrika, wächst gern entlang von Autobahnen und Bahnlinien, gelangt via Flugsamen von Ort zu Ort, ist giftig für Mensch und Tier, blüht von Juli bis Dezember.

Amerikanische Goldraute …

… stammt aus Nordamerika, verbreitet sich via Wind und Aushub, kommt in vielen Privatgärten vor, wächst sonst entlang von Verkehrswegen, an Waldrändern, an Böschungen und entlang von Gewässern, blüht von Juli bis September.

über die Verkehrswege vom Rheintal hinauf ins Appen­ zellerland», sagt René Glogger. Er ist beim Ausserrhoder Amt für Umwelt unter anderem für biologische Risiken und damit für die invasiven Neophyten zuständig. Auch Daniel Gantenbein ist auf der Jagd nach Greiskraut und Berufkraut. Auf dem Flachdach einer Garage in Herisau will er Greiskraut ausreissen. Ausserdem ist er in einer Mulde hinter dem ehemaligen Werkhof einem alten Bekannten begegnet: dem Japanknöterich. Eigentlich ist die Verbreitung der Staude im Appenzellerland dank der systematischen Arbeit der Bekämpfer längst unter Kontrolle. Auch dieses Exemplar hat Daniel Gantenbein bereits mit Herbizid behandelt. Das geht bei dieser Pflanze nicht anders, obwohl man zum Schutz der Umwelt lieber darauf verzichtet. Normalerweise ist die Bekämpfung von Neophyten anstrengende und minutiöse Handarbeit: Die Pflanzen müssen aus dem Boden gerissen, ihre Wurzeln herausgepickelt werden. Tun die Bekämpfer dies nicht sorgfältig, wuchern die Pflanzen nach einigen Wochen erneut.

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ÜBER BERGWEIDEN UND KALKSTEIN AUF DEN SÄNTIS


ALTENALPSATTEL, Schwende: imposante Bergkulisse mit unter anderem Marwees, Widderalpstöck, Altmann und Steckenberg (rechts).

Die Wanderung von der Ebenalp über Schäfler und Öhrligrueb auf den Säntis bringt wunderbare Aussichten auf Berge, Hügel und Seen. Wer den Weg mit mehreren steilen Aufstiegen unter die Füsse nehmen will, muss trittsicher und schwindelfrei sein. Auch konditionell stellt die Tour hohe Anforderungen. Auf gut acht Kilometern gilt es 1250 Höhenmeter zu überwinden. Hinunter schwebt man dann ganz leicht mit der Seilbahn. JOLANDA SPENGLER Text & Bilder


48 / CHEERAB / APPENZELLER MAGAZIN / AUGUST 2020

GWONDRIG

TROUVAILLE Glücksbringer

Bild: Charlotte Linsener

Silvan Eugster ist seit Mai als kantonaler Wildhüter für Appenzell Ausserrhoden zuständig. Der 34-Jährige wohnt in Sennwald, wird aber in Bälde nach Gais ziehen.

WELCHEN ORT IM APPENZELLERLAND ZEIGEN SIE EINEM GAST?

Den Säntis. WELCHER GEGENSTAND IST IHR TREUSTER BEGLEITER?

Mein Telefon, leider. WELCHE APPENZELLERIN ODER

Das hübsche Bonbondöschen entdeckte François Cauderay bei einer Hausräumung in Teufen in der Sattel-Werkzeugtasche eines rund hundertjährigen Damenvelos der Marke Peugeot. Darin fand der Gründer des Velomuseums Rehetobel einen Zettel mit dem unleserlichen Namen der Fahrradbesitzerin sowie einen Notgroschen ungarisch-deutscher Währung aus dem Jahr 1916. Wie viel diese Ein-Krone-Note zur damaligen Zeit wert war, weiss der Finder nicht. Aber das Blechdöschen gefiel ihm so gut, dass er es fortan als Glücksbringer bei sich trug und ebenfalls etwas Notgeld darin versorgte. Tatsächlich musste François Cauderay seine klein zusammengefaltete Fünfzigernote einmal zücken, als er im Restaurant beim Bezahlen realisierte, dass er das Portemonnaie zu Hause vergessen hat. Wie das Damenfahrrad, befindet sich nun auch der kleine Glücksbringer im Velomuseum. Das Pastillendöschen mit dem Motiv eines, wie damals üblich, uniformiert stilvoll gekleideten Velofahrers liegt jetzt zusammen mit anderen Fundstücken in einer Glasvitrine. velomuseum-rehetobel.ch

WELCHEN APPENZELLER WÜRDEN SIE GERNE KENNENLERNEN?

Das Schöne am Appenzellerland ist: Es ist so klein, man kennt jeden, den man kennen möchte. WAS IST FÜR SIE TYPISCH APPENZELLISCH?

Tüchtigkeit. WAS IST FÜR SIE LEBENSQUALITÄT?

Aus allem das Beste zu machen. WELCHES BUCH HABEN SIE ZULETZT GELESEN?

«Herausforderung Rotwild» von Hubert Zeiler. WAS BRINGT SIE AUF DIE PALME?

Schlechte Laune meiner Mitmenschen. WELCHEN TRAUM HABEN SIE SICH NOCH NICHT ERFÜLLT?

Bald werde ich mit meiner Traumfrau in mein Traumhaus ziehen. Was will ich mehr …? Vielleicht eine Eigenjagd im Tirol.

MACHART

Etwa hundertjährig, aus Blech BESONDERHEIT

Auf der Rückseite des Döschens finden sich Angaben zum ursprünglichen Inhalt: Pfeffermünz-Pastillen mit echt englischem Mitcham-Pfeffermünzöl, Marke Rooschüz, Bern. STANDORT

Vitrine Velomuseum Rehetobel

Profile for Verlagshaus Schwellbrunn

Appenzeller Magazin 08 2020  

Appenzeller Magazin 08 2020  

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