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MONAT 2013 / APPENZELLER MAGAZIN / RUBRIK / 1

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MAI.2020/SORGEN UND CHANCEN DER CORONAKRISE TROGNERIN ILLUSTRIERT FUSSBALLER MIT HUND ÜBER STOCK UND STEIN


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Appenzell sagt HOI zu Afrika In «HOI» verschmelzen quöllfrisches Appenzeller Bier mit exotischen Früchten der Côte d’Ivoire zu einem erfrischend-fruchtigen Genuss. Passt nicht? Hoi, hast du eine Ahnung! «HOI» ist spritzig und keck wie die Appenzeller, gespickt mit der Wärme und Herzlichkeit Westafrikas. Geniesse dein eisgekühltes HOI in entspannter Gesellschaft!

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MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / EDITORIAL /

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Die Coronakrise prägt unseren Alltag privat wie beruflich. Auch wir bleiben zu Hause und arbeiten im Homeoffice. Hintergrundgeschichten zu (abgesagten) Anlässen im Appenzellerland erübrigen sich, wandern soll man nur ums Haus, die Restaurants sind geschlossen und die Neugier, die uns in aussergewöhnliche Wohnbauten führt, müssen wir wegen konsequentem Social Distancing ebenfalls zügeln. Entsprechend kommt die vorliegende Ausgabe dünner daher als gewohnt. Dass auch wir der aktuellen Coronasituation gebührenden Platz einräumen, versteht sich von selbst. Schliesslich beeinflusst Covid-19 unser aller Denken und Handeln. So verraten uns vier Appenzellerinnen und vier Appenzeller im Interview, wie sie mit der Krise umgehen, wo sie helfen, wer sie unterstützt, was sie beeindruckt und wie sie sich die Zeit nach der Krise vorstellen. Und dann sind da die junge Herisauerin Joy Schlanser und die Trognerin Nicole Blattmann. Erstere strebt mit Canicross einem sportlichen und mit der Lehrabschlussprüfung einem beruflichen Ziel entgegen, und zweitere gehört zu den Illustratorinnen des Tschutti-Heftli. Auch sie wurden von Corona «ausgebremst». Wie, erfahren Sie in diesem Heft. JOLANDA SPENGLER

Jetzt wählen. Im Laden: TITELBILD: Carmen Wueest (Michael Bless) HERAUSGEBER: Appenzeller Verlag AG, Schwellbrunn. VERLEGER: Marcel Steiner. REDAKTION: Jolanda Spengler, E-Mail: jolanda.spengler@appenzellerverlag.ch

(Leitung), Katja Nideröst, Christine König, Roger Fuchs.

FOTOGRAFIE: Carmen Wueest. ADRESSE: Appenzeller Magazin, Im Rank 83, 9103 Schwellbrunn,

verlag@appenzellerverlag.ch, www.appenzellermagazin.ch.

VERLAGSSERVICE/ABONNEMENTE: Tel. 071 353 77 55,

verlag@appenzellerverlag.ch.

PREISE: Einzelnummer Fr. 8.–, Jahresabonnement Fr. 84.–, erscheint monatlich,

24. Jahrgang.

GESTALTUNG/PRODUKTION: Janine Durot, Daniela Saravo, Josef Scheuber. ANZEIGENVERKAUF: Luca Giovanettoni, Tel. 071 353 77 42,

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MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / INHALT /

INHALT HEIMAT 4 KOMPAKT 6 NOTIERT 9 TSCHUTTI-HEFTLI BLEIBT FÜR EIN JAHR UNTER VERSCHLUSS 10 EIN APPENZELLER NAMENS … 13 MIT SOLIDARITÄT UND OPTIMISMUS DURCH DIE CORONAKRISE  14 GLOSCHTIG OND GMÖGIG 24 JOY SCHLANSER SPRINTET IM SCHLEPPTAU IHRES HUNDES  26 HIESIGS 29 NATÜRLICH HEILEN 31 CHEERAB 32

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/ HEIMAT / APPENZELLER MAGAZIN / MONAT 2020


MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / HEIMAT / 4 / 5

Ungewissheit Gerüstet wäre das Organisationskomitee des Eidgenössischen Jubiläumsschwingfests. Seit über einem Jahr arbeitet es daran, den Freunden des Schwingsports ein eindrückliches Fest zu bieten. Ob die besten Schwinger des Landes am 30. August wie geplant zusammengreifen können, ist allerdings wegen der Coronakrise fraglich. «Bei der Arbeit» im Sägemehl einen Mundschutz zu tragen, wie es die Skulpturen im Rank-Kreisel in Appenzell zeigen, ist für die Bösen nämlich keine Option. Entsprechend hat das OK einen Plan B entwickelt – nämlich die Verschiebung des Anlasses um ein Jahr. CARMEN WUEEST Bild


/ KOMPAKT / APPENZELLER MAGAZIN / MAI 2020

liche Kirchgemeinden zeichnen Predigten wegen der Coronapandemie auf Video auf. Über Ostern kommen so die Teufner Pfarrerinnen Verena Hubmann (im Bild) und Andrea Anker den Menschen in ihren Videoandachten nahe. Damian Imhof (links), Filmproduzent aus Speicher, sorgt für die technische Umsetzung und die Bereitstellung der Aufzeichnungen für den Youtube-Kanal. Mit den ebenfalls neu eingerichteten Instagram- und Facebook-Auftritten nutzt die evangelische Kirchgemeinde Teufen moderne Möglichkeiten der Kommunikation. ref-teufen.ch

Bild: zVg

TEUFEN Nicht nur städtische, auch länd-

wegen der Coronapandemie den Aktionsplan «KMU» ins Leben gerufen. Darin wird an die Solidarität mit dem Herisauer Gewerbe appelliert. Mit dem Kauf von Gutscheinen in Restaurants, Läden und Betrieben soll den Gewerblern geholfen werden, den eingebrochenen Umsätzen entgegenzuwirken. Bei der Talstation der Luftseilbahn Jakobsbad-Kronberg AG entsteht für zwei Millionen Franken ein Erlebnispark mit Kletterkrone, Sandkiste und Wasserbereich. Die Baubewilligung für das Projekt ist eingetroffen. Die Bauzusage für das zweite Projekt bei der Talstation, ein Zipline-Parcours, wird erwartet.

GONTEN

Nicht alle halten sich an den öffentlichen Aufruf, auf Wanderausflüge ins Alpsteingebiet zu verzichten. Als Massnahme gegen den zu grossen Andrang wird seit Ostern die Zufahrt zu Parkplätzen rund um Wasserauen eingeschränkt.

INNERRHODEN

HERISAU Der Gemeinderat hat Kathrin Weber zur neuen Abteilungsleiterin Sport und damit

zur Geschäftsführerin des Sportzentrums Herisau gewählt. Die 48-Jährige tritt die Nachfolge von Fredy Bechtiger am 1. August 2020 an. REGION Familien sind in der Zeit der Coronakrise besonders gefordert. Der Verein Chindernetz AI lanciert auf seiner Website eine Art Börse, auf der Eltern sinnvolle Ideen für den Zeitvertreib mit Kindern finden. Auch das Einbringen eigener Vorschläge ist erwünscht. «Wir hoffen, dass sich dadurch eine breite Sammlung von Beiträgen ergibt», sagt Vereinspräsident Luzius Gruber.

Bild: Giulio Donati

HERISAU Der Gemeinderat hat

Bild: zVg

KOMPAKT

APPENZELL Im Zentrum von Appenzell wird das fast fünfzig Jahre alte Hallenbad abgebrochen. Es war seit 2014 geschlossen, diente aber der Feuerwehr als Ausbildungsplatz. In Vorbereitung ist nun der 21 Millionen teure Hallenbadneubau. Die Baubewilligung liegt auf dem Tisch. HERISAU Die Abstimmung zum

Baukredit «Bahnhofplatz mit Bushof» vom 17. Mai kann nicht stattfinden. Nächste mögliche Abstimmungstermine sind am 27. September oder 29. November.

Bild: Carmen Wueest

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Bild: zVg

Bild: Katja Nideröst

Bild: zVg

APPENZELL Der Stiftungsrat

der Stiftung Pro Innerrhoden hat Birgit Langenegger (links) und Martina Obrecht (rechts) als neue Co-Leiterinnen des Museums Appenzell gewählt. Birgit Langenegger ist seit 2007 als Kuratorin für das Museum tätig. Martina Obrecht arbeitet seit 2014 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum. Die beiden Frauen treten gemeinsam die Nachfolge des altershalber zurücktretenden Museumsleiters Roland Inauen an.

AUSSERRHODEN Die Freizeitarbeitenausstellung der Lernenden konnte nicht wie geplant in Urnäsch stattfinden. Durchgeführt wird sie indirekt dennoch. Über 160 Ausstellerinnen und Aussteller, die teils Hunderte Stunden in ihre Projekte investiert hatten, konnten Dokumente zu ihren Arbeiten auf freizeitarbeiten.ch hochladen. Nach dem 18. April waren die Resultate zwei Wochen lang virtuell zu sehen und konnten mittels Online-Voting bewertet werden. AUSSERRHODEN Der Regierungsrat Appenzell Ausserrhoden hat Angela Koller per 1. Oktober 2020 zur neuen Departementssekretärin im Departement Gesundheit und Soziales gewählt. Sie tritt die Nachfolge von Patrik Riebli an. Sie ist Mitglied des Kaders, seit Januar 2016 stellvertretende Departementssekretärin und engagiert sich auch in überdepartementalen Projekten. INNERRHODEN Manche Un-

Bild: zVg

ternehmen kämpfen aktuell mit Personalengpässen, während andere Unternehmen mit Personalüberhängen konfrontiert sind. Das Innerrhoder Amt für Wirtschaft hat darum einen Leitfaden (ai.ch/wirtschaft) erarbeitet. Er soll Unterstützung bieten, damit Unternehmen mit Unterbeschäftigung ihre freien Mitarbeiter einem überlasteten Unternehmen überlassen können.

HEIDEN Per 1. April übernimmt Oliver Bucher (rechts) die Leitung der Werkstatt Heiden der Appenzeller Bahnen. Zur Werkstatt gehört auch die AB-AutoGarage Heiden. Der bisherige Leiter, Gün-

ther Raggenbass (links), geht nach 29 Jahren bei der Rorschach-Heiden-Bahn und den Appenzeller Bahnen in Pension. Günther Raggenbass hat den Bau der Werkstatt am heutigen Standort sowie die Zusammenarbeit mit der PostAuto Schweiz AG stark geprägt. AUSSERRHODEN Zusammen mit Stiftungen hat der Ausserrhoder Regierungsrat einen «CoronaNothilfefonds» geschaffen. Es können Kredite von zehn Millionen Franken gewährt werden. Zwar haben rund 300 Ausserrhoder Firmen Gesuche für einen Bundeskredit eingereicht. Die Ausserrhoder Regierung geht aber davon aus, dass rund ein Drittel der Firmen noch weitere Kredite benötigen. Der neue Nothilfefonds kann zudem «A-fonds-perdu»-Beiträge von maximal 10 000 Franken in Härtefällen auszahlen. URNÄSCH/APPENZELL Normalerweise produziert die Appenzeller Edelbrand AG Gin und Obstbrände in kleinen Chargen. Doch mit der Coronakrise hat die Brennerei umgestellt und nutzt ihre Infrastruktur zur Herstellung von Desinfektionsmitteln. Auch die Brauerei Locher AG in Appenzell stellt statt Whisky überall benötigte Desinfektionsmittel her. AUSSERRHODEN Die Jungen Grünen Appenzellerland gründen ihre Partei über das Videokonferenzportal Zoom, gemäss Medienmitteilung ein schweizweit einmaliger Vorgang. REGION In Appenzell Ausserrhoden wurden diesen Winter bis Anfang April 870 Tonnen Streusalz verbraucht, in Innerrhoden 400 Tonnen. Der durchschnittliche Salzverbrauch über zwanzig Jahre gerechnet, liegt in Appenzell Ausserrhoden bei 2011 Tonnen. AUSSERRHODEN Per 1. April treten Änderungen der Bauverordnung in Kraft. Eingezogene Loggien werden nicht mehr zur Baumasse gezählt, und neu sind Dachgeschosse mit Aufbauten wie Flachdachgauben bis zur Hälfte der Fassadenlänge möglich.


Wiedereröffnung der Museen ab 8. Juni. Folgen Sie uns unterdessen auf Facebook.

Besucherzentrum Kinderdorf Pestalozzi Trogen Dauerausstellung Bilder und Zeitdokumente zeigen die 70-jährige Geschichte des Kinderdorfes Pestalozzi und die Entwicklung zum internationalen Hilfswerk. Sonderausstellung «Tansania 360˚»: GESCHLOSSEN Kinderdorfstrasse 20, 9043 Trogen, +41 (0)71 343 73 12, www.pestalozzi.ch/besucherzentrum

www.museen-im-appenzellerland.ch

Museum Herisau

Museum Heiden

Dauerausstellung Vielfältige Einblicke in die Kultur-

Dauerausstellung Kurortsgeschichte, Wohnkultur

geschichte des Kantons Appenzell Ausserrhoden: GESCHLOSSEN Sonderausstellung «Karl und Robert Walser – Arbeitsund Lebensorte. Fotografiert von Dominique Uldry» (ab 8. Mai): ABGESAGT

des gehobenen Bürgertums; bemalte Truhen, Schränke und Hausorgel, histor. Lampensammlung; Karikaturist Carl Böckli; zoologische, ethnologische und mineralogische Sammlungen: GESCHLOSSEN

Kirchplatz 5, 9410 Heiden, www.museum.heiden.ch

Platz, PF 1221, 9102 Herisau, www.museumherisau.ch +41 (0)79 377 34 43

Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch

Henry-Dunant-Museum Heiden

Dauerausstellung Silvesterchläus, Bauernmalerei,

Dauerausstellung «Henry Dunant»: Leben, Werk und Wirken des Gründers des «Roten Kreuzes»: GESCHLOSSEN Sonderausstellungen «Der Preis für den Frieden. Alfred Nobels Auszeichnung – von Henry Dunant bis Abiy Ahmed Ali»: GESCHLOSSEN

Sennenleben, Streichmusik, Sennenschmuck: GESCHLOSSEN Sonderausstellung «Mystisch – Fotografien von Mäddel Fuchs» (bis 17. Jan. 2021): GESCHLOSSEN Dorfplatz, 9107 Urnäsch, +41 (0)71 364 23 22, www.museumurnaesch.ch

Asylstrasse 2, 9410 Heiden, +41 (0)71 891 44 04, www.dunant-museum.ch

Appenzeller Volkskunde-Museum Stein

Museum Wolfhalden

Dauerausstellung Bauernmalerei, Sennen-Kultur

Dauerausstellung Im Kurzenberger Bauernhaus mit Wirtsstube aus dem 17. Jh. wird das einstige einfache Leben der Bauern und Weber sichtbar: GESCHLOSSEN Sonderausstellung «Wolfhalden – Einheimische Autoren» (bis 5. Oktober): GESCHLOSSEN

und textile Heimarbeit: GESCHLOSSEN Sonderausstellung «Gut ist was hilft – Appenzeller Tradition des Heilens» (bis 1. Juni): GESCHLOSSEN Dorf, 9063 Stein AR, +41 (0)71 368 50 56, www.appenzellermuseum.ch

Kronenstrasse 61, 9427 Wolfhalden, +41 (0)71 891 21 42, www.museumwolfhalden.ch

Zeughaus Teufen

Kunstmuseum Appenzell

Dauerausstellung Grubenmann-Museum und Bilder

Sonderausstellungen «Selim Abdullah – Mediterran»

von Hans Zeller: GESCHLOSSEN Ausstellungen «Apropos. Flüchtige Blicke»; «Salon Niggli». Die Bücher aus dem ehemals in Teufen beheimateten Verlag: GESCHLOSSEN

(ab 9. Juni)

Unterrainstrasse 5, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 18 00, www.kunstmuseumappenzell.ch

Zeughausplatz 1, 9053 Teufen, +41 (0)71 335 80 30, www.zeughausteufen.ch

Museum am Dorfplatz Gais

Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell

Dauerausstellung Gais in über 200 Ortsansichten

Sonderausstellung «Emma Kunz und Gegenwartskunst.

aus der Zeit Ende 18. bis Anfang 20. Jh.; einzigartige Sammlung von Federzeichnungen von Johann Ulrich Fitzi (1798–1855): GESCHLOSSEN

Zahl, Rhythmus, Wandlung» (ab 9. Juni)

Ziegeleistrasse 14, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 18 60, www.kunsthalleziegelhuette.ch

Dorfplatz 2, 9056 Gais, +41 (0)71 791 80 81, www.gais.ch

Museum für Lebensgeschichten Speicher

Museum Appenzell

Sonderausstellung «200 Jahre Sonnengesellschaft

Sonderausstellung «Schaut her! Portrait-Fotografie

Hof Speicher, Zaun 5–7, 9042 Speicher, +41 (0)71 343 80 80, www.museumfuerlebensgeschichten.ch

Hauptgasse 4, 9050 Appenzell, +41 (0)71 788 96 31, www.museum.ai.ch, museumappenzell

Speicher» (bis 21. Nov.): GESCHLOSSEN

1900 bis 1930» (bis 1. Juni): GESCHLOSSEN


MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / NOTIERT /

BEQUEME INNERRHODER? FALSCHE ZUSCHREIBUNG LÖST ÄRGER AUS HANSPETER SPÖRRI

Dank Lockdown verbrachte ich mehr Zeit als üblich mit Büchern, auch mit solchen, die sonst nur dekorativ im Regal stehen. So kam mir beispielsweise der erste Band des 15 Bände umfassenden Brockhaus Conversations-Lexikons aus dem Jahr 1875 in die Hände. Die Ausgabe hat mir kürzlich jemand geschenkt, der weiss, dass ich eine derart platzraubende Gabe nicht zurückweisen kann. Ich begann beim ersten Eintrag zu lesen: «A ist der reinste und vollste Laut in der menschlichen Sprache, der gewichtigste der drei Grundvocale a, i, u. Er herrscht in den ältesten Sprachen (zum Beispiel dem Sanskrit) als Grundton vor und gibt der Rede die Fülle und Kraft.» Natürlich – a wie Appenzell! Ich blätterte den Band durch, bis ich auf einer der letzten Seiten den Eintrag fand: «Appenzell»: Ausserrhoden gehöre mit seinen 48 734 Einwohnern zu den «dichtbevölkertsten Ländergebieten Europas»: «Der prot. Ausserrhödler ist sehr thätig, wohlhabend und liebt den Luxus. Fast jedes Haus hat seinen Webstuhl und seine Stickerinnen, welche die ausgezeichnetsten Arbeiten, besonders für St. Galler Kaufleute liefern.» «In Innerrhoden, dessen katholische Bewohner conservativer, bequemer, aber auch minder wohlhabend sind, ist Landwirtschaft, namentlich Viehzucht, das Hauptgewerbe. Der Innerrhoder lebt im Sommer auf der Alm, im Winter hilft er bei der Holzarbeit oder beim Sticken.» Ausserrhoder lieben den Luxus! Innerrhoder sind bequemer! Ob das damals in unserem zweigeteilten Land zu reden gab, habe ich nicht herausgefunden. Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder die andere sich darüber ärgerte. Eigentlich müsste man

die Brockhausredaktion tadeln. Sie publizierte pauschale Beurteilungen – wenn auch relativ harmlose. Individuen werden in ein Kollektiv gepresst, in welchem sie sich vielleicht gar nicht wohlfühlen. Korrekt ist das nicht. Unwillkürlich kommt mir Kübra Gümüşay in den Sinn. Die deutsche Journalistin sprach an einem März-Sonntag im Jahr 2018 in der Kirche Wolfhalden. Vor einigen Monaten ist ihr Buch «Sprache und Sein» erschienen und hat sich lange auf der «Spiegel»-Bestsellerliste gehalten. In schlichten, präzisen Worten schildert sie, wie verletzend sprachliche Zuschreibungen und Pauschalisierungen sind. Als Muslima, die sich in der Öffentlichkeit mit Kopftuch zeigt, hat sie entsprechende Erfahrungen gemacht. Wer beispielsweise die Juden kritisiert, äussert keine legitime Meinung zur israelischen Politik, sondern zeigt ein antisemitisches Vorurteil. Und nein, die Innerrhoder sind nicht bequem. Und sie lebten schon 1875 nicht alle im Sommer auf der Alm. Die meisten Ausserrhoder leb(t)en höchstens in bescheidenem Luxus – es sei denn, man bezeichne die dörfliche Idylle, die selbst im Lockdown täglich ausgedehnte Spaziergänge erlaubt, als Luxus. Nochmals der Brockhaus von 1875 zu Appenzell: «Die Bewohner beider Teile sind lebenslustig, die muntersten aller Schweizer. Roth ist die vorherrschende Farbe in der Nationaltracht. Die Appenzeller lieben die körperlichen Übungen, besonders das Schwingen (…) und das Werfen mit grossen Steinen.» Tatsächlich, manchmal verspüre ich auch Lust, einen grossen Stein zu werfen.

Bild: Carmen Wueest

Hanspeter Spörri, 1953 in Teufen geboren, ist freischaffender Journalist und Autor und befasst sich oft mit appenzellischen Themen. h.spoerri@bluewin.ch

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/ TSCHUTTI HEFTLI / APPENZELLER MAGAZIN / MAI 2020

NICOLE BLATTMANN: Mit ihrer Illustration von Jürgen Klopp hat sie die Jury des Tschutti-Heftli überzeugt.


MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / TSCHUTTI-HEFTLI /

Die Freude bei Nicole Blattmann ist getrübt, sie muss sich ein Jahr gedulden. Wie die Fussball-Europameisterschaft wurde das Erscheinen des Tschutti-Heftli auf 2021 verschoben. Und damit der Zeitpunkt, an dem sie ihre Fussballerporträts öffentlich ausstellen darf. Die Trognerin hat als Illustratorin am Sammelalbum mitgewirkt. JOLANDA SPENGLER Text // CARMEN WUEEST Bilder

Seit Wochen hat sich Nicole Blattmann auf den ersten Freitag im April gefreut. Im Luzerner Neubad hätte sie gemeinsam mit Vertretern aller europäischen Länder in Vorfreude auf die Fussball-EM von Juni/Juli auf die Lancierung des Tschutti-Heftli 2020 angestossen. Sie würde im druckfrischen Tschutti-Heftli blättern, sich an den Zeichnungen freuen und mit Experten über Kunst und Fussball fachsimpeln. Und dieser Tage wären die Heftli und Stickertüten in den Verkauf gekommen. Hätte, würde, wäre: Die Coronakrise kam dazwischen. Stattdessen sitzt die 34-Jährige im Wohnzimmer ihres Zuhauses im Zellwegerschen Steinpalast am Landsgemeindeplatz in Trogen. Die Europameisterschaft ist um ein Jahr verschoben, und damit wurde auch das Sammelalbum hinfällig. «Etwas traurig bin ich schon, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben», sagt Nicole Blattmann. Denn inzwischen hat sie Gewissheit, dass ihre Arbeit nicht umsonst war: Das Tschutti-Heftli 2020 wird genauso, wie es geplant war, zum Tschutti-Heftli 2021. NICOLE BLATTMANN IST eine von 24 Künstlerinnen und

Künstlern, die von einer Jury für die Gestaltung der Spielerporträts ausgewählt wurden. Dabei habe sie mit Fussball überhaupt nichts am Hut, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Und trotzdem zeichnet sie Fussballer? Die Sozialpädagogin lacht und

nennt ihre Vorliebe fürs Zeichnen als Grund. Und einen guten Freund, der sie im letzten Sommer motivierte, am Wettbewerb für das Tschutti-Heftli mitzumachen. Als leidenschaftlicher Fussballfan kannte er das Heftli, in das man wie ins bekannte Panini-Heft Sammelbilder einkleben kann. Die Spieler werden aber nicht fotografiert, sondern illustriert. Jedes Porträt ist ein Kunstwerk. 2008 erschien das erste Tschutti-Heftli, das vom gleichnamigen Verein mit Sitz in Luzern herausgegeben wird. Die Ausgabe zur EM 2020 beziehungsweise 2021 ist die siebte. Inzwischen hat es als künstlerische Alternative zu Panini Kultstatus erreicht und bringt es auf eine Auflage von drei Millionen. Am Wettbewerb habe sie nur aus Spass teilgenommen, sagt Nicole Blattmann. Dass sie mit ihrem Porträt von Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, in die Kränze kommen würde, hat sie nicht im Traum erwartet. In der Ausschreibung explizit gefordert war ein persönlicher Stil. Ihre Begeisterung für Tiere brachte sie auf die Idee, Klopps Konterfei mit einem Vogel zu ergänzen, der auf der roten Liste steht und damit vom Aussterben bedroht ist. Sozusagen als Aufruf zum Schutz der Natur und ihrer Artenvielfalt. Sie wählte den Blauhäher. Die Illustration fand bei der Jury gefallen. «Ich konnte es nicht fassen und habe drei Nächte kaum geschlafen», sagt die Trognerin.

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/ CORONAKRISE / APPENZELLER MAGAZIN / MAI 2020

CORONA – UND JETZT? Da hat ein Virus unser aller Leben komplett auf den Kopf gestellt. Wie die Coronapandemie ihren Alltag verändert und welche Chancen sie für die Zukunft sehen, dazu haben wir vier Frauen und vier Männer aus verschiedenen Generationen befragt. JOLANDA SPENGLER Text // CARMEN WUEEST Bilder


MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / CORONAKRISE /

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Judith Bischofberger führt mit ihrem Mann in Büriswilen im Appenzeller Vorderland – der Weiler gehört zum Innerrhoder Bezirk Oberegg – einen Biobauernhof, den «Sunnehof». Die 52-jährige Bäuerin ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Die Produkte vom Hof und die hausgemachten Spezialitäten aus der Hofbackstube verkaufen Bischofbergers am St. Galler Bauernmarkt.

Natur bekommt höheren Stellenwert Was macht Ihnen an der Coronakrise am meisten Angst? Die Coronakrise macht mir keine Angst. Natürlich stimmen mich die Bilder in den Nachrichten nachdenklich, und die Einzelschicksale vieler direkt Betroffener berühren mich. Trotzdem erachte ich diese Krise auch als Chance. Ich glaube, dass das «Immer mehr», «Immer schneller» und «Alles zu jeder Zeit» seinen Höchststand erreicht hat. Viele bekommen durch diese Krise eine andere Sichtweise. Wie erleben Sie in der Krise Solidarität? Helfen Sie selbst? Wird Ihnen geholfen? Da wir momentan unseren Verkaufsstand am Bauernmarkt in St. Gallen nicht aufstellen dürfen, haben wir auf Anregung einiger Kunden kurzerhand einen Hauslieferdienst aufgebaut. Wir schätzen es sehr, dass dieses spontane Angebot viele Bestellungen ausgelöst hat und wir dadurch in der Selbstvermarktung unserer Hofprodukte unterstützt werden.

Hat sich Ihre Einstellung zur Politik, zum Föderalismus, zur Armee, zur Wirtschaft, zur Globalisierung geändert? Wir leben in einem gut organisierten Staat. Wichtig ist vor allem, dass jeder seine Eigenverantwortung wahrnimmt. Ein Blick auf die Zeit nach Corona: Wird die Welt eine andere sein, und wird sich die überstandene Krise auf Ihr Handeln auswirken, beispielsweise bezüglich Mobilität, Umweltschutz und Konsum? Wir werden weiterhin überzeugt unseren Weg gehen. Wir bewirtschaften unseren Hof seit dreissig Jahren biologisch. Biodiversität und Produktion haben einen hohen Stellenwert. Da meine letzte und einzige Flugreise gut zwanzig Jahre zurückliegt, werde ich auch bezüglich Mobilität kaum etwas verändern. Selbstverständlich sind auch wir bei der Arbeit auf das Auto und auf Maschinen angewiesen. Da wir eher etwas abgelegen wohnen, stehe ich weniger unter gesellschaftlichem Druck. Damit meine ich, dass ich unabhängiger in der Freizeit- und Feriengestaltung bin. Ich habe selten Gelegenheit für Shoppingtouren und arbeite lieber im Garten. Wird die Welt eine andere sein? Einerseits wünscht man sich das «alte» Leben zurück, andererseits hoffe ich, dass aus dieser Krise einiges hängen bleibt. Ich denke, dass viele Leute ein anderes Verhältnis zur Arbeit entwickeln werden. Und die Natur bekommt einen höheren Stellenwert.


MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / CORONAKRISE /

Daniel Ziegler wohnt in Herisau. Der Musiker und Kabarettist musste seine Auftritte wegen Covid-19 bis auf Weiteres absagen. Müssiggang kennt der 46-Jährige trotzdem nicht: Er übt regelmässig im Studio und gibt als Lehrer an der Musikschule in St. Gallen sein musikalisches Wissen an junge Menschen weiter.

«Social Distancing» darf nicht zu «Emotional Distancing» werden Was macht Ihnen an der Coronakrise am meisten Angst? Am meisten Sorgen bereitet mir die Zeit danach: Einerseits befürchte ich, dass die Einschränkungen für Veranstaltungen − verständlicherweise − als Letztes gelockert werden, was für meinen Beruf Konsequenzen nach sich zöge. Andererseits hoffe ich sehr, dass die Leute nicht kapitulieren und sich das einverleibte «Social Distancing» nach der Krise nicht in eine Art «Emotional Distancing» wandelt. Wie erleben Sie in der Krise Solidarität? Helfen Sie selbst? Wird Ihnen geholfen? Die Solidarität erlebe ich sehr positiv. Es gilt jetzt, seine eigenen Bequemlichkeiten etwas hintanzustellen und Hilfe anzubieten, wo möglich. Ich persönlich gehöre nicht zur Risikogruppe und helfe in der Nachbarschaft mit Einkäufen. Zudem versuche ich weiterhin mit meinen Schülern in Kontakt zu bleiben und unterrichte sie via Videotelefonie − den meisten ist jetzt sowieso langweilig, und da schadet ein wenig Abwechslung und Weiterbildung nicht. Hat sich Ihre Einstellung zur Politik, zum Föderalismus, zur Armee, zur Wirtschaft, zur Globalisierung geändert? Grundsätzlich hat sich meine Meinung nicht geändert, und ich bin froh, dass unser Staat funktioniert. Das ist ein Privileg, das wir nicht vergessen sollten. Natürlich fordert eine Krise dieses Ausmasses enorm viel, und gescheiter ist man im Nachhinein

sicherlich auch. Dass der Föderalismus manchmal hinderlich sein kann, wenn es gilt, schnelle Entscheidungen für die gesamte Bevölkerung und Wirtschaft zu beschliessen, haben wir alle gesehen. Das ist für mich aber kein Grund, diesen in Frage zu stellen. Wichtig scheint mir, dass man genau abwägt, wie die Kompetenzen in solchen Krisen in Zukunft verteilt werden, damit man unter Zeitdruck möglichst schnell die nötigen Resultate erreichen kann. Dass die Armee in einer solch extremen Situation unterstützt, werte ich als sehr positiv und hoffe, dass die Ausrichtung der Ausbildung vermehrt in Richtung Krisenbewältigung gehen wird. Ein Blick auf die Zeit nach Corona: Wird die Welt eine andere sein, und wird sich die überstandene Krise auf Ihr Handeln auswirken, beispielsweise bezüglich Mobilität, Umweltschutz und Konsum? Die Welt wird sich ändern. Ob zum Guten oder Schlechten hängt von uns allen ab. Gehen wir wieder vermehrt aufeinander zu oder schottet man sich nach dem Erlebten erst recht ab? Ich persönlich werde meinen Konsum noch mehr auf Regionalität ausrichten und genauer hinschauen, woher etwas stammt. Wir haben wunderbare Hoflädeli in unserer Region, und ich kann nur jeder und jedem empfehlen, diese auch zu nutzen: Sie bieten frische Produkte zu fairen Preisen, und ich kaufe Eier ehrlich gesagt viel lieber, wenn ich zuvor das Huhn draussen noch kurz grüssen kann.

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/ CANICROSS / APPENZELLER MAGAZIN / MAI 2020

EIN SCHNELLES TEAM: Joy Schlanser mit ihrer Riesenschnauzerhündin Naeli.


MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / CANICROSS / 26 / 27

Die Herisauerin Joy Schlanser liebt Hunde. Mit Riesenschnauzerhündin Naeli hält sie sich fit. Canicross nennt sich die Hundsportdisziplin, in der sie vor viereinhalb Jahren zu Meisterehren gekommen ist. Den Schweizermeistertitel hat die 18-Jährige ein weiteres Mal im Visier – und rennt dafür mehrmals pro Woche im Schlepptau von Naeli hügelauf und -ab. JOLANDA SPENGLER Text // CARMEN WUEEST Bilder

«Go, go, go», ruft Joy Schlanser. Ihre Hündin Naeli pariert sofort und setzt zum Spurt über die Wiese an. Auch sie beschleunigt und folgt dem Riesenschnauzer mit drei Meter Abstand. Die beiden sind mit einer Leine verbunden, die am Bauchgurt beziehungsweise am Hundegeschirr festgemacht ist. Nach hundert Metern bremst das Duo ab. «Schhhh, langsam», weist die junge Frau die Hündin an. Für die Fotografin wird die Szene wiederholt, ein zweites, ein drittes und ein viertes Mal. Dann wird Naeli ungeduldig und bellt. Das stetige «stop and go» beginnt sie zu nerven. Lieber schnappt sie nach dem gelben Ball und wälzt sich im Gras. Die 18-Jährige lässt die Hündin gewähren. «Mit vier Jahren ist sie noch jung und der Spieltrieb ausgeprägt», sagt sie und krault Naeli liebevoll die Kopfhaare. DIE BEGEISTERUNG FÜR HUNDE begleitet Joy Schlanser von klein auf. Ein Vierbeiner gehörte immer zur Familie, die abseits von Herisau im Weiler Mösli zu Hause ist. «Meine Mutter ist im Hundesportclub Rhein in St. Margrethen aktiv und hat mich immer mitgenommen, wenn sie dort Kurse gab oder mit unserer Hündin trainierte», sagt Joy Schlanser. Inzwischen ist

sie selbst Mitglied, fährt fürs Training zweimal pro Woche ins Rheintal und gibt als Ausbildnerin für «Jugend+Hund» auch Kurse. Allerdings nur von April bis Oktober, im Winter ruht der Betrieb. Dieses Jahr ruht er noch länger, weil das Coronavirus den Saisonstart bis auf Weiteres verzögert. Für die junge Frau ist dieser Aufschub nur bedingt ärgerlich. Sie steht im dritten Jahr ihrer kaufmännischen Ausbildung bei der kantonalen Verwaltung von Appenzell Ausserrhoden und büffelt derzeit für die Lehrabschlussprüfung. Da muss das Hundetraining hintanstehen. Trotzdem nimmt sie sich jeden Abend Zeit für einen Spaziergang mit Naeli und arbeitet mit ihr an Koordination, Fitness und Ausdauer. Neben dem Lehrabschluss hat Joy Schlanser dieses Jahr noch ein zweites Ziel: einen Podestplatz an den Schweizermeisterschaften im Canicross. Bis zu den Titelkämpfen im Oktober möchte sie mit Naeli fit sein. CANICROSS IST EINE HUNDESPORTART, ein gemeinsa-

mer Geländelauf von Mensch und Hund. Mit einer flexiblen Leine verbunden, absolviert das Duo eine Strecke mit natürlichen und künstlichen Hindernissen – möglichst schnell und


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MAI 2020 / APPENZELLER MAGAZIN / NATÜRLICH HEILEN /

EINJÄHRIGER BEIFUSS GEGEN ZELLALTERUNG UND BAKTERIEN ROLAND VONTOBEL ist diplomierter Drogist und kantonal approbierter Naturarzt. In Teufen führt er seit 1998 die Praxis Tannenhof.

ROLAND VONTOBEL Text // WERNER MEIER Illustration

Der Einjährige Beifuss (Artemisia annua) gehört zur Familie der Korbblütler. Weitere Mitglieder dieser Pflanzenfamilie sind Wermut, Raute, Estragon und einheimischer Beifuss (Artemisia vulgaris). Die Artemisia annua kann zwischen 40 Zentimeter und zwei Meter hoch werden, in der Heilkunde werden die Pflanzenblätter verwendet. Beheimatet ist sie in den sommerwarmen Regengebieten Asiens. Mittlerweile hat sich die Pflanze nach Europa ausgebreitet und wird auch in der Schweiz angebaut. In den 1970er-Jahren hat der Einjährige Beifuss vor allem durch seine spektakuläre Wirkung bei Malaria Aufmerksamkeit erlangt. Damals, im Vietnamkrieg, rafften die Malariaparasiten Tausende Vietkongsoldaten dahin. Vietnam und China fanden in alten Schriften Hinweise für die Wirkung gegen Malaria und setzten den Beifuss mit grossem Erfolg ein. Doch diese Heilpflanze kann weit mehr: In China wird sie seit Hunderten von Jahren gegen Parasiten, Bakterien, Viren und Pilze sowie zur Stabilisierung des Immunsystems eingesetzt. Neueste Studien weisen nun darauf hin, dass Artemisia annua sogar bei Diabetes und Krebs vielversprechende Wirkung zeigt. Da Malaria hierzulande selten ist, konzentrieren wir uns auf andere Heilwirkungen des Beifusses. In der Pflanze wurde auch ein extrem hoher ORAC-Wert, also ein Schutzwert gegen freie Radi-

kale, von 72 000 Punkten ermittelt. Zum Vergleich: Die vielgerühmte Heidelbeere kommt auf einen Wert von 2630 Punkten. Freie Radikale fördern die Zellalterung und damit den Alterungsprozess. Besonders anfällig hierfür ist das Gehirn. Erinnerungsverluste und Lerndefizite konnten bei Laborversuchen mit Beifuss an alten Mäusen rückgängig gemacht werden. Die Wirkstoffe töten auch Bakterien und Pilze ab, beispielsweise bei Durchfallerkrankungen, Infektionen oder antibiotikaresistenten Bakterienstämmen. Ebenfalls wirksam sind sie bei Candida albicans (Hefepilz) oder bei Krankenhauskeimen. Bei der Malariabehandlung bemerkte der Arzt Thomas Efferth vom deutschen Krebsforschungszentrum die Wirksamkeit der Artemisia gegen Krebszellen. Bei Leukämie, Dickdarmkrebs, Melanomen, Brustkrebs, Eierstock- und Prostatakrebs beispielsweise stellte er fest, dass der Beifuss nach einigen Stunden eine vernichtende Wirkung auf die Krebszellen hatte und die gesunden Zellen nicht angriff. Auch in der Diabetesforschung erwies sich Artemisia annua als wirksame Unterstützung bei Typ 1 und 2, indem die insulinbildenden Zellen aktiviert und die Insulinmenge erhöht wurden. Den Einjährigen Beifuss setze ich in Pulverform als Kapseln ein – eine wunderbare Heilpflanze für viele Gelegenheiten.

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32 / CHEERAB / APPENZELLER MAGAZIN / MAI 2020

HANS HÜRLEMANN ÜBER ... Laari, Pfoodi ond Chleechue

GWONDRIG

Bild: Carmen Wueest

Franz Bach leitet seit dem 1. April das Ausserrhoder Amt für Gesundheit und ist derzeit mit der Coronakrise stark gefordert. Der 41-jährige Betriebsökonom wohnt mit seiner Familie in Speicher.

WELCHEN ORT IM APPENZELLERLAND ZEIGEN SIE EINEM GAST?

Den Blick über das Appenzellerland auf den Alpstein bei einem Spaziergang von Speicher Richtung Waldegg. WELCHE APPENZELLERIN ODER WELCHEN APPENZELLER WÜRDEN SIE GERNE KENNENLERNEN?

Hans Rudolf Merz. WAS BESTELLEN SIE IM RESTAURANT?

Wenn ich es geniessen kann, gerne ein gutes Stück Fleisch. WAS IST FÜR SIE LEBENSQUALITÄT?

Mit meiner Familie Zeit im Freien oder in den Bergen zu verbringen. SONNTAGS UM 13 UHR BIN ICH...

… beim Abwaschen. Am Wochenende gehört die Küche mir. WELCHES BUCH HABEN SIE ZULETZT GELESEN?

«Komm ich erzähl dir eine Geschichte» von Jorge Bucay. BEI WELCHER KULTURELLEN VERANSTALTUNG HAT MAN SIE ZULETZT ANGETROFFEN?

An der Fasnacht in Speicher (kurz vor Corona) mit dem Motto Grasskilift. WAS BRINGT SIE AUF DIE PALME?

Eine Warteschlange beim Anstehen.

Besonders reichhaltig ist das Angebot von Bezeichnungen für Einfaltspinsel, Charakterlumpen und Taugenichtse. Als Oberbegriff nennt man diese Sorte «Hagwaar» oder «Rösel», was auch für minderwertiges Zeug oder Abfall verwendet wird. Der «Laari» oder «Gaggelaari» ist ein «Schlampi», der in den Tag hineinlebt und nichts Gescheites auf die Reihe bringt. Die weiblichen Exemplare bezeichnet man als «Baabeseefe», «Baabescheese», «Chleechue», «Chuebaabe» oder «Chleefe». Wenn es sich um eine harmlose Dummheit handelt, heisst es nachsichtiger: «Aber nei au, bisch du e Chüechli.» Wenn eine die Fürsorge übertreibt, vergleicht man sie mit einer Bruthenne, einer «Gluggere». «E Lootsch», mit offenem «oo», ist eine liederliche Schlampe, und «e Habergääss» ist brandmager. Ein Schwätzer oder Prahlhans ist «en Bläderi» oder «Bloderi», nicht zu verwechseln mit dem «Blooteri», «Blööterler» oder «Pfoodi», denn das ist ein zimperlicher Angsthase und Schwächling. «En alte Gääferi» oder «Glöschtler» ist ein Lustmolch, und «en grosse Gääggi» ist ein langes Elend, «e n uufgschtellti Packschnuer». Ursprünglich war ein «Siech» ein Aussätziger oder Kranker mit einem hässlichen Ausschlag. Heute gibt es eine grosse Zahl von Kombinationen mit «Siech», die bösartige, gefährliche oder hinterlistige Menschen bezeichnen: «en Galgesiech», «Galizisiech», «Himmelsiech», «en Bleisiech», «en gschiide, tomme, truurige, schlaue, glatte, starche Siech», und einer der alles kann, ist «en Sibesiech». h.huerlemann@bluewin.ch

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Appenzeller Magazin Mai 2020  

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