Page 1

Gret Zellweger

Appenzeller Verlag Leseprobe

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. © Appenzeller Verlag www.appenzellerverlag.ch

1


2


3


© 2020 by Appenzeller Verlag, CH-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten. Illustrationen: Gret Zellweger Gesetzt in Minion Pro Regular Gedruckt auf Kamiko shira, naturweiss, 1,5 Vol, 150 g/m2 und 300 g/m2 Herstellung: Verlagshaus Schwellbrunn ISBN: 978-3-85882-838-5 www.appenzellerverlag.ch


Eine Appenzellerin durch und durch Eine Appenzellerin durch und durch. Und das schon 75 Jahre lang. Das ist Gret Zellweger. Ihre Arbeit und ihre Herkunft haben sie geprägt. Gret Zellweger ist in einfachen Verhältnissen auf einem Bauernhof in Teufen aufgewachsen. Nach der Lehre bei der Post in Appenzell arbeitete sie viele Jahre auf der Schwägalp als Posthalterin und Seilbahnangestellte bei der Säntisbahn. Mehrmals reiste sie für längere Zeit in die USA. Schon in der Volksschule zeigte sich ihr gestalterisches Talent. Damals kamen Poesiealben in Mode. Es war ein Privileg, sich mit einer Zeichnung oder einem Spruch darin zu verewigen. Ein Motiv von Mitschülerin Zellweger durfte in keinem Album fehlen. Als Bewegungsmensch und passionierte Berggängerin hat Gret Zellweger ihre Liebe und Leidenschaft fürs Appenzellerland und zu den Menschen, Tieren und Pflanzen in der Region kontinuierlich gepflegt und ausgebaut. Ihre Lust zur künstlerischen Verarbeitung und Darstellung von vielem, was sie erlebte und beobachtete, nahm im Laufe der Jahre mehr und mehr Raum und Zeit in Anspruch.

5


Ein Schlüsselerlebnis war für sie der Besuch der Heimatwerkschule in Richterswil im Rahmen der landwirtschaftlichen Ausbildung. Da blieb sie hängen, wie man im Dialekt so schön sagt. Viele Jahre lang investierte sie jeden Frühling etwa einen Monat in ihre Aus-und Weiterbildung, immer in Richterswil und in unterschiedlichen Fachgebieten. Ornamentik oder das Erlernen der Reduktionstechnik waren dabei wichtige Kernthemen. Zuerst als Teilnehmerin, schnell auch als Leiterin und Ausbildnerin, bewies sie ihr Talent. Ihre ausgeprägten Fähigkeiten hat Gret Zellweger auch autodidaktisch weiterentwickelt. Dies insbesondere im Bereich der Gegenwartskunst. Als sichtbares Ergebnis formte sie nach und nach ihr eigenes Profil als Kunstschaffende. Sie beherrscht das Handwerk, zu gestalten und Materialien vielfältig und ausdrucksstark zu verarbeiten. So entstand nach und nach das Unverwechselbare, die eigene Handschrift, der Stil Gret Zellweger. Motive und Inhalte haben ihren Ursprung grossmehrheitlich in den appenzellischen Traditionen und in der Landschaft. Die bevorzugten Materialien Holz, Blech, Papier und Leinwand verarbeitet die Künstlerin zu Werken von exzellenter Ausdrucksstärke und Klarheit. Die Reduktionstechnik setzt sie dabei in vielen Werken konsequent um. Die Volkskunst steht im Zentrum der Arbeit von Gret Zellweger. Sie hat davon eine klare Vorstellung und dabei wörtlich formuliert: «Volkskunst soll lebendig bleiben und muss darum heute nicht kopiert, sondern anders umgesetzt werden als im letzten Jahrhundert.»

6


Im Jahr 1980 wagte sie den Schritt in die Selbständigkeit als Künstlerin und Kulturschaffende. Kurz darauf hat sie ihre eigene Kunstwerkstatt im Ort ihrer Kindheit und Jugend realisiert. Gret Zellweger ist tief in der Gesellschaft verankert. Als unabhängige Politikerin im Kantonsrat und engagierte Gewerblerin und Unternehmerin hat sie insbesondere in der Jugendförderung der Berufsbildung tiefe Spuren hinterlassen. Im Jahr 2018 erhielt Gret Zellweger ein Kulturstipendium Artist in Residence von der Ausserrhoder Kulturstiftung. Dies nutzte sie für einen Intensivaufenthalt von vier Monaten in Polen. Sie gewann dabei viele neue Erkenntnisse und Inspirationen für ihre weiteren Arbeiten. 75 Jahre Gret Zellweger. Sie ist für Ausserhoden, ja, für das ganze Appenzellerland eine wertvolle Botschafterin. Das wird kantonsintern und auch gegen aussen immer wieder sichtbar, spürbar und erlebbar. Dieses Buch ist ein weiteres Beispiel ihrer ungebrochenen Schaffenskraft. Als Regierungsrat und Vorsteher des Departementes Bildung und Kultur von Appenzell Ausserhoden gratuliere ich Gret Zellweger zu ihrem neuesten Werk. Alfred Stricker Landammann Appenzell Ausserrhoden

7


8


9


10


11


122


123


124


125


Die Lust am Machen Ist das Kunst, was Gret Zellweger da macht? Diese Frage führt ins Leere. Denn Gret macht, was sie interessiert und wovon sie sich verspricht, andere damit anstecken zu können. Manchmal motiviert sie einfach ihre Unabhängigkeit und Freiheit. Ihre Interessen und ihr Handeln gehen aber auch vom Machen und vom Machbaren aus. So gesehen ist Gret eine Art Gesamtkunstwerk, ganz praktisch, stets emsig und fantasievoll, in unterschiedlichsten Techniken und Materialien agierend. Sie übernimmt Aufträge, ist sich für Werbeaufträge nicht zu schade und gestaltet Bieretiketten und Tischsets. In ihren Kreationen verarbeitet sie Gesehenes, Alltägliches und Überliefertes, nutzt daraus Motive und lotet so die Welt aus ihrer Sicht aus. Und sie lässt uns teilhaben an ihrem Suchen und Versuchen. Es wird immer ein unverkennbares Gret-Werk. Was macht ein solches aus und wie lässt sich das beschreiben? Es hat immer mit Zuneigung zum Motiv zu tun, gefolgt von einem handwerklichen ForscherinnenAntrieb und einem sicheren Gespür für Formen. Das alles legt sie uns vertrauensvoll und ungefiltert zur Begutachtung vor. Das macht Grets Arbeiten so zugänglich, denn wir sind Teil ihrer Auslegeordnungen.

160


Rollenweib Bronzevollguss 33 × 20 cm, 6,5 kg Schelli Bronzevollguss 24 × 13 cm, 5,5 kg

Gret macht kein Aufheben um ihre Person. Wir haben es verpasst ihren halbrunden Geburtstag zu feiern. Sie bietet uns nun eine wunderbare Gelegenheit, sie dennoch verdient zu würdigen: Bis zu ihrem nächsten Geburtstag ist ihr und ihren Werken im Zeughaus Teufen eine Wand gewidmet. Dort hängen derzeit Schablonen-Zeichnungen, ganz leichtfüssig und unprätentiös entstandene Blätter, die einen grossen Teil ihrer Bildwelt repräsentieren. In Versuchsreihen kombiniert sie immer wieder neue Motive in unterschiedlichen Farben auf Varianten von Papieren. Oft ist ein liebevolles Augenzwinkern dabei, immer wieder auch eine wohltemperierte Portion Kühnheit. Unter ihren Händen entsteht ein reichhaltiges Panop­ tikum unserer Welt. Vielen Dank, liebe Gret! Ulrich Vogt Kurator Zeughaus Teufen

161


Gret Zellweger Gret (Margrit) Zellweger, *12. April 1945, in Teufen Aufgewachsen mit drei Schwestern und einem Bruder auf dem Bauernhof Fahrnbühl in Teufen Primar- und Sekundarschule in Teufen Landwirtschaftliches Lehrjahr Custerhof Rheineck Landwirtschaftliches Praktikum im Welschland (Grossbetrieb in ­Cossonay) Verwaltungslehre bei der Post (St. Gallen – Appenzell – Gais) Berufsbegleitend mehrere Jahre Kursbesuche an der Schweizer Heimatwerkschule in Richterswil (­ Ornamentik/­Möbelmalerei), anschliessend auch selbst Kurse geleitet in Wiesen GR, T ­ eufen und U ­ rnäsch Ab Mai 1967 Post- und Säntisbahnjob auf der Schwäg­alp bis Ende 1980. In dieser Zeit ein Jahr und zweimal ein halbes Jahr Aufenthalt in Amerika. B ­ esuch Abendkurse Druckgrafik an der Silvermine School of Arts in Connecticut Seit 1. Januar 1981 selbstständig mit Kunstwerkstatt in Teufen 1987 Sommerakademie Salzburg, Malerei Johannes Grützke Abendkurse GBS St. Gallen, Aktmalerei Fredy K ­ obelt und Karl Führer 2011, 2014 und 2016 Kurse Kunstakademie Bad R ­ eichenhall 2018 Artist in Residence in Zakopane, Polen 1984 – 1993 Präsidentin Gewerbeverein Teufen 1992 – 2011 Mitglied Vorstand Gewerbeverein AR

162


1994 – 2012 Präsidentin Freizeitarbeitenausstellung der Lehrlinge beider Appenzell 1996 – 2009 Kantonsrätin (parteiunabhängig) Mitglied von Hochbaukommission, Berufsbildungskommission und Stipendienkommission Präsidium parlamentarische Kommission Baugesetz Präsidium parlamentarische Kommission Berufsbildungsgesetz Mitglied parlamentarische Kommission Umfahrung Herisau Mitglied parlamentarische Kommission Kulturförderungsgesetz In dieser Zeit zehn Jahre Jurymitglied KMU-Primus St. Galler Kantonal­bank im Auftrag des Gewerbeverbands AR In dieser Zeit VR-Mitglied Genossenschaft OLMA im Auftrag des Gewerbeverbands AR 2002 Preisträgerin der Hans-Huber-Stiftung 2012 Auszeichnung Tüüfner Bär 2010 Ausstellung Museum Appenzell 2015/2016 Ausstellung Museum Stein und weitere Ausstellungen in Zug und Zürich 2019 Ausstellung in Urnäsch ständige Ausstellung in der eigenen Remise Hobbies: Skitouren, skifahren, bergsteigen, Reisen, Natur und ­Kultur, Haus und Garten

163