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In Pulsen Gedichte Cornelia Schmerle


adam–eva–plot

ein tausendtastender schnabel auf dem geschlechtschronos, unter dem ein und ein seelenverschnitt sprünge üben, hoffen, bald nicht mehr farce zu sein, aufschneider allen saumgeschlagenen stoffs; ein regenverwaschenes täubchen unterm okular einer wärmsten hingabe zum eid, neben rosen tulpen nelken gemüt in herzdekor; bis dahin: poesie, gesprenkelte aphrodite. ein stück schönster gehirnwindung am äußersten lid eines fasans. bis weiter: synchronität im surreal meiner lippen deiner ureigenen version.

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Posen

Wir haben uns hingerichtet, um den Kuss der Auferstehung einzuholen; in der Menge steht, was stehen kann; Pappnasen und turmhohe Hüte; ein Muskel zuckt. Du schläfst dort, wo man dich erlegte am friedlichsten, am lebendigsten. Du lachst, du fasst, du streust dem Sandmann dein Licht, vergisst nicht die Türen zu schließen, die Räume zu falten, zu verstauen — sie abzutragen wie den Stoff, der uns macht. Das ist ein Gehen auf der Naht, der Gratgrund, der unsere Gesichter blasst und die Laken süß riechen lässt, bis wir weinen und ineinander fallen wie Kinder, oder Karten, oder die Pfeiler eines Hauses, die nichts trugen außer ihr Geheimnis.

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senkkörper

intimität ist nicht haut heutzutage; gliederstumpf ausschließlich der vogelsang, mitsamt allem pathos, hockt als leergut im wägelchen, wird nachgezogen wie ein kaputtes bein; (man schämt sich etwas) eine gebrochne ansicht. jetzt, jetzt schmeck ich stoff, salznass.

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schließlich alles ist, und hinter dem versteck dem rückzug des tentakelwesens : berichtigte atmung. nun läuft der zuschnitt aus dem schritt. ein denkstreif erinnert den regen, das pflaster, (asphalten) die räderchen, die vor allem, an ein vermutetes zuhause.

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atlantische nähen, atlantische fernen

fast bewegst du dich lautlos, auf sohlen, barfüßig, (und auch solchem gesicht) in mich, hinein, es geht wohl tiefer als ich dachte, (und mit mir ans ende) anfangs, an den urgrund, den vereinsamten, bislang recht ungeteilten, oder: nur gestreiften; (ich weiß nun wirklich nicht, ob ich zu worten komm, mir das zutraue: ein dunkler liebeston, der sein müsste, jetzt) das flattrige geschehn um uns, eingefasst mit dieser pupille, die so nötig blick schwemmt, fortschwemmt, meint sie sich ausgesetzt in einem wald, den wir anderntags zu unserm gebiet erklärn und unsre stimme hochkriechen lassen an stämmen, in wipfel legen, drauf vertraun, dass es so schon gut ist, und dass sich drum gekümmert wird, um wagnis. (was es leicht macht, dadurch schwer zu er tragen ist) • 16 •


und dass ich selbst nur mir geliehen bin, und dir — und du mir also auch, in logisch umgekehrter folge, nichts versprechen kannst; was die angstamsel auf den plan ruft, den dumm eigenen, auf den wipfel jagt wo — du weißt es: alles von uns gelassene liegt und einzusammeln sucht mit ihren sängen, denen wir späteren tags staunend lauschen, weil gerade fremdheit wieder zwischen uns herrscht, obwohl wir der keine krone aufsetzen, nachts rücken im bett, ihr platz verschaffen, (weil doch, weil doch die amsel so hübsch und unverständlich singt) den atlantik uns ins zimmer also holen, der uns am morgen, im erwachen, maßlos stört, im übrigen, und da er maßlos ist; sodass wir uns in die ahnung kleiden, dass sie leicht ist, so sehr, die liebe, und dadurch schwer zu er tragen. • 17 •


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