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Fotos: Thomas Meyer, Wikipedia; Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Die Samen werden auf Filterpapier in Petrischalen gegeben, gewässert und der Keimerfolg in regelmäßigen Abständen kontrolliert

beziehungsweise der Artenvielfalt zu verzeichnen. Die größten Bedrohungen für die Artenvielfalt in Mitteleuropa sind Veränderungen des Lebensraumes – u.a. durch Landnutzungswandel oder Zersiedelung – sowie zunehmende Schadstoffbelastungen und die schwer absehbaren Auswirkungen des Klimawandels. Aufgrund der Gefahren für die bayerische Flora wurde im Oktober 2009 das Projekt »Genbank Bayern Arche« vom bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit ins Leben gerufen. Solche Exsitu-Sammlungen stellen für die betroffenen Pflanzenarten eine »Lebensversicherung« dar. Durch die Sicherung von Saatgut in einer Genbank kann der Verlust von genetischer Vielfalt vermieden werden. Bei der Genbank Bayern Arche werden dabei auch Pflanzenarten berücksichtigt, für die Bayern aufgrund seiner naturräumlichen Gegebenheiten innerhalb Deutschlands besondere Verantwortung trägt. Die Betreuung des Projektes durch Prof. Dr. Peter Poschlod, Prof. Dr. Christoph Reisch, Diplombiologe Martin Leipold und Diplombiologe Simone Tausch vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Regensburg ermöglicht es zudem, die vielfach noch unerforschte Keimungsbiologie und -ökologie der Arten genau zu untersuchen. Untersuchungen zur Ökologie von Samen, Röntgenanalysen zur Erfassung der Samenqualität und molekulare Untersuchungen

der genetischen Vielfalt von Saatgut sind Arbeitsschwerpunkte des Regensburger Teams.

Das fast vergessene Vergissmeinnicht

Kurzinfo Weitere Informationen zur »Genbank Bayern Arche« gibt es im Internet: www.genbank.ur.de www.facebook.de/ GenbankBayernArche www.google.de/+Genbank BayernArcheRegensburg

Fotos: Martin Leipold, Genbank Bayern Arche, Volker Wille

Manchmal gelingt den Wissenschaftlern eine Rettung in letzter Sekunde: Das blaue Bodensee-Vergissmeinnicht mit den zierlichen blauen Blüten wuchs ähnlich wie der Strahlen-Breitsamen an genau einer winzigen Stelle zwischen Steinen am Ufer des Bodensees – sonst nirgendwo in Bayern. Eines Tages waren die Blumen weg. Begraben unter einem Haufen Treibholz, das das Wasser ans Ufer getragen hatte. Das zuständige Umweltamt rief die Botaniker der Genbank an, die Wissenschaftler kamen innerhalb kürzester Zeit aus Regensburg. Sie durchgruben den Uferboden und suchten nach verbliebenen, lebensfähigen Samen des Vergissmeinnichts. Bei 17 davon gelang es ihnen, sie zum Keimen zu bringen und das Blümchen so zu vermehren. Nun wächst es an geeigneter Stelle im botanischen Garten in Regensburg. Auch am Ufer des Bodensees säten die Botaniker die seltene Pflanze wieder aus. Alexander Schlaak, Universität Regensburg/ve

In den markierten Gebieten der Allgäukarte wurden Samen seltener Pflanzen eingesammelt. Die Zahl im grünen Feld gibt an, wie viele unterschiedliche bedrohte Arten dort gefunden wurden. Markant: Die meisten stammen aus den Allgäuer Hochalpen

Keimfähig und feinsäuberlich beschriftet werden die Samen in solchen Gläsern in Regensburg eingelagert

In den bereits geöffneten Früchten der Alpen-Fetthenne (Sedum alpestre) sind schwarz die reifen Samen zu erkennen. Die seltene Pflanze wächst nur in den Allgäuer Alpen

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Frühjahresausgabe 2015 von ALLGÄU ALTERNATIV  
Frühjahresausgabe 2015 von ALLGÄU ALTERNATIV  

ALLGÄU ALTERNATIV ist die einzige Zeitschrift für das Allgäu, welche sich ausschließlich mit regionalen Themen zu Energiezukunft und Klimasc...

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