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ISBN 978-3-03743-108-5

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Verlag Fuchs

Einführung in die Volkswirtschaft Wirtschaftskreislauf und Preisbildung Wirtschaftsordnungen Geld und Konjunktur Beziehungen nach aussen Die Finanzkrise/Die Euro-Krise Verarbeitung von Informationen Vernetzungen Die grössten Wirtschaftsräume Weitere wirtschaftliche Begriffe

2013/14

– – – – – – – – – –

Die Volkswirtschaft

mit

Verlag Fuchs Esther Kessler Jakob Fuchs Claudio Caduff Roman Capaul

ler a t i g i d abe g s u A it und m p! Ap b e W

Die Volkswirtschaft Volkswirtschaftliches Grundwissen


Gebrauchsanweisung

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Gebrauchsanweisung Grundwissen – Das Grundwissen gliedert sich in 9 Kapitel. Jedem Kapitel ist eine eigene Farbe zugeordnet (siehe das gegenüberliegende Inhaltsverzeichnis). – Jedes Kapitel umfasst mehrere Unterkapitel, welche in der Regel dreigeteilt und klar strukturiert sind: a) Begriffe werden zuerst definiert. b) Dann werden sie erklärt und die Sachverhalte näher beschrieben. c) Das «Nice To Know» beinhaltet Informationen von zusätzlichem Interesse. www.verlag-fuchs.ch /vwl

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Sachwortregister Das Sachwortregister erleichtert die Suche nach bestimmten Begriffen und Inhalten. Alle Definitionen sind fett gedruckt, ebenso die Seitenzahlen, auf denen ein Inhalt hauptsächlich behandelt wird.

Einsatzmöglichkeiten Das Buch kann vielfältig eingesetzt werden: a) Im Selbststudium b) Als Nachschlagewerk c) Als Arbeitsbuch und Lehrmittel im Schulunterricht

Hinweis zur Sprache – Das Buch basiert auf der vom Duden (aktuelle Version, 25. Auflage) empfohlenen Schreibweise. – Es wurde darauf geachtet, möglichst einfache Formulierungen zu verwenden, damit die Inhalte gut verstanden werden. – Die Beispiele sollen nicht nur den Bezug von der Theorie zur Realität herstellen, sie ermöglichen auch ein leichteres Lernen der theoretischen Inhalte.

Zur Farbführung Zusammenhängende Inhalte (z.B. Wirtschaftskreislauf, Güterstrom, Geldstrom, Inflation, Deflation, Konjunkturzyklus) wurden aus didaktischen Gründen mit der gleichen Farbe versehen.

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Inhaltsverzeichnis

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Inhaltsverzeichnis 4.7

1. Einführung in die Volkswirtschaft 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5

Die Volkswirtschaftslehre 6 Bedürfnisse 8 Güter zur Bedürfnisbefriedigung 10 Das ökonomische Prinzip 11 Neun Grundsätze der Volkswirtschaftslehre 12

2.2

2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 2.10 2.11 2.12 2.13 2.14

Der Wirtschaftskreislauf – Der einfache Wirtschaftskreislauf – Der erweiterte Wirtschaftskreislauf Das Bruttoinlandprodukt – Das Wirtschaftswachstum – Das BIP im Vergleich – Wirtschaftswachstum und Wohlstand Das Volkseinkommen Die 4 Produktionsfaktoren Der Produktionsfaktor Boden Der Produktionsfaktor Arbeit Die Produktionsfaktoren Wissen/Kapital Der Wirtschaftsstandort Schweiz Die 3 Wirtschaftssektoren – Strukturwandel Der Markt – Die Preisbildung Wirtschaft und Umwelt Wirtschaftswachstum – Zielkonflikte Happy Planet Index Wohlstand – Wohlfahrt

16 16 18 20 23 24 25 26 28 29 30 36 38 40 42 44 50 56 60 62

3. Wirtschaftsordnungen 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5

Wirtschaftsordnungen Zwei Wirtschaftsmodelle Die soziale Marktwirtschaft – Marktversagen Ziele der staatlichen Wirtschaftspolitik – Magisches Sechseck Der Sozialstaat Schweiz – Die Finanzen der öffentlichen Hand – Die Finanzierung der AHV

64 65 67 68 70 71 73 74 78

4. Geld und Konjunktur 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 4.6

Das Geld 80 Die Börse 82 Der Landesindex der Konsumentenpreise 84 Die Banken 88 – Geldschöpfung 90 Die Geldpolitik der SNB 91 Geldwertstörungen 94 – Die Inflation 95 – Die Deflation 100 – Die Stagflation 103

104 105 108 110 112

5. Beziehungen nach aussen 5.1

2. Wirtschaftskreislauf und Preisbildung 2.1

4.8

Die Konjunktur – Der Konjunkturzyklus – Konjunkturindikatoren – Die Konjunkturpolitik Drei bedeutende Wirtschaftstheoretiker

5.2

5.3

5.4 5.5 5.6 5.7

5.8

Die Globalisierung – Chancen und Gefahren Die Zahlungsbilanz – Die Ertragsbilanz – Die Kapitalverkehrsbilanz – Die Bedeutung der Bilanz Wechselkurs: Währungen (Devisen) – Auf- und Abwertung einer Währung – Aufwertung: Vor- und Nachteile – Abwertung: Vor- und Nachteile Die WTO Der IWF Die Weltbank Die Europäische Union (EU) – Der EU-Binnenmarkt – Die Europäische Währungsunion – Der Einfluss des Euro auf die Schweiz Die bilateralen Abkommen Schweiz – EU

114 116 118 119 120 121 122 125 126 127 128 132 134 135 136 138 140 142

6. Die Finanzkrise/Die Euro-Krise 6.1 6.2

Die Finanzkrise 2008/2009 Die Euro-Krise ab Ende 2009

144 150

7. Verarbeitung von Informationen 7.1 7.2 7.3 7.4

Umgang mit Statistiken Die grafische Darstellung Die repräsentative Umfrage Lesen von Texten zur Wirtschaft

154 156 159 160

8. Vernetzungen 8.1 8.2 8.3 8.4

Vernetztes Denken Vier Schritte zur Erkennung komplexer Probleme Drei Vernetzungsbeispiele Systemisches Denken

162 168 170 176

9. Anhang 9.1 9.2 9.3

Die grössten Wirtschaftsräume der Welt Wirtschaft und Energie Weitere wirtschaftliche Begriffe

Sachwortregister

178 182 186

196


1. Einf端hrung in die Volkswirtschaft


1.1 Die Volkswirtschaftslehre

6

Die Volkswirtschaftslehre Volkswirtschaftslehre: Sie untersucht, a) wie ein Volk seine knappen Produktionsmittel (Boden, Arbeit, Kapital) verwendet, um Sachgüter und Dienstleistungen herzustellen und b) wie die hergestellten Sachgüter und Dienstleistungen verteilt werden. Die beiden Hauptbereiche der Wirtschaftswissenschaft sind die Volkswirtschaftslehre und die Betriebswirtschaftslehre.

Gegenstand der Volkswirtschaftslehre Die Volkswirtschaftslehre befasst sich mit den gesamtwirtschaftlichen Vorgängen und Zusammenhängen, mit: – Angebot und Nachfrage – Arbeitslosigkeit – Inflation – Konjunkturpolitik – Staatsdefiziten – Umweltverschmutzung – usw.

Aufgaben der Volkswirtschaftslehre Die Volkswirtschaftslehre versucht: 1. die wirtschaftlichen Vorgänge zu beschreiben (z.B. mit der Feststellung: Es gibt Arbeitslosigkeit.); 2. Erklärungsansätze zu finden (Warum gibt es Arbeitslosigkeit?); 3. Prognosen über den zukünftigen Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung aufzustellen (Wie wird sich die Arbeitslosigkeit entwickeln?); 4. Möglichkeiten der Beeinflussung der wirtschaftlichen Entwicklung aufzuzeigen (Wie kann man Arbeitslosigkeit bekämpfen?).


1.1 Die Volkswirtschaftslehre

7

Mikroökonomie und Makroökonomie Die Teilbereiche der Volkswirtschaftslehre können in Mikroökonomie und Makroökonomie aufgeteilt werden.

Mikroökonomie

Makroökonomie

(mikro = klein)

(makro = gross)

In der Mikroökonomie werden einzelne Elemente der Volkswirtschaft betrachtet, z.B. die Preisbildung.

In der Makroökonomie wird die Volkswirtschaft als Ganzes betrachtet, z.B. die Inflation, die Zahlungsbilanz, die Wechselkurse.

Die 10 Teilbereiche der Volkswirtschaftslehre Die Volkswirtschaftslehre kann anhand von zentralen Fragen beschrieben und in 10 Teilbereiche aufgeteilt werden. Die folgenden 4 Teilbereiche zählt man zur Mikroökonomie: 1. Haushaltstheorie Warum werden Sachgüter und Dienstleistungen und in welcher Menge nachgefragt? 2. Unternehmenstheorie Wieso werden Sachgüter und Dienstleistungen angeboten und welche Produktionsverfahren werden gewählt? 3. Preistheorie Zu welchen Preisen wird welche Menge auf dem Markt verkauft? 4. Verteilungstheorie Wie werden die produzierten Sachgüter und Dienstleistungen auf die Anbieter der Produktionsmittel (Arbeit, Boden, Kapital) verteilt?

Die nachstehenden 6 Teilbereiche gehören zur Makroökonomie: 5. Geldtheorie Welche Funktionen übernimmt das Geld? 6. Finanztheorie Welchen Einfluss hat die Staatstätigkeit auf die Volkswirtschaft? 7. Beschäftigungstheorie Welche Faktoren beeinflussen die Beschäftigung bzw. die Arbeitslosigkeit? 8. Konjunkturtheorie Wodurch werden die gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten wie z.B. die Produktion der Sachgüter und Dienstleistungen beeinflusst? 9. Wachstumstheorie Warum und unter welchen Bedingungen wächst eine Wirtschaft? 10. Aussenhandelstheorie Warum kommt es zu internationaler Arbeitsteilung (Spezialisierung einzelner Länder auf bestimmte Sachgüter und Dienstleistungen) und was sind die Folgen?

Es gibt aber auch Teilbereiche, die mikroökonomische und makroökonomische Aspekte haben (z.B. die Verteilungstheorie oder die Aussenhandelstheorie).


1.2 Bedürfnisse

8

Bedürfnisse Bedürfnisse: Verlangen des Menschen, einen Mangel zu beheben. Dem Menschen gelingt es nie, all seine Bedürfnisse zu befriedigen. Wir Menschen sind nicht vollkommen. Fortwährend fehlt uns etwas. Wir haben Hunger, verspüren Durst, wir frieren oder leiden unter Krankheiten, um nur einige wenige Mangelempfindungen zu nennen. Um uns wieder wohlzufühlen, haben wir stets das Bedürfnis, diese Mängel zu beseitigen.

Bedürfnisbefriedigung Bedürfnisbefriedigung: Beseitigung einer Mangelempfindung. Die Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung wird den meisten Menschen nicht einfach so in den Schoss gelegt. Wir müssen arbeiten, d.h. wirtschaftlich tätig werden, um ein Einkommen zu erzielen. Mithilfe des Geldes (Geld ist volkswirtschaftlich gesehen ein Hilfsmittel) sind wir in der Lage, zunächst lebensnotwendige Bedürfnisse zu befriedigen, um überhaupt existieren zu können. Bleibt dann noch Geld übrig, können wir wahlweise andere, nicht lebensnotwendige Bedürfnisse decken.

Bedürfnisarten 1. Individualbedürfnisse

Individualbedürfnisse sind Bedürfnisse, die der einzelne Mensch hat. Bei der Befriedigung dieser Bedürfnisse entsteht eine Rangfolge:

Grundbedürfnisse

Wahlbedürfnisse

(Existenzbedürfnisse) Die Grundbedürfnisse müssen zuerst befriedigt werden, damit der Mensch leben kann.

Aus einem breiten Angebot befriedigt der Mensch wahlweise weitere, nicht lebensnotwendige Bedürfnisse.

Mittel zur Bedürfnisbefriedigung: – Nahrung (Essen und Trinken) – Wohnung – Kleidung – ärztliche Versorgung

Mittel zur Bedürfnisbefriedigung: – Ferien – Auto – Schmuck – Bücher usw.

Der Mensch kann nie all seine Bedürfnisse befriedigen. Er muss eine Auswahl treffen. Diese Auswahl hängt von folgenden Faktoren ab: – Welche Schwerpunkte setzt der Einzelne? – Wie viel Einkommen steht dem Einzelnen zur Verfügung? – Wie sieht die Wirtschafts- und die Versorgungslage seines Landes aus? (Hat er überhaupt die Möglichkeit, sich mit genügend Gütern einzudecken?) N I C E

T O

K N O W

Das Nord-Süd-Gefälle Die wirtschaftliche Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert ist gekennzeichnet von einem steigenden Wohlstandsgefälle zwischen dem entwickelten Norden

und dem unterentwickelten Süden (Nord-Süd-Gefälle). Stehen den industrialisierten Ländern des Nordens Güter beinahe im Überfluss zur Verfügung, kämpfen die

bevölkerungsreichen Entwicklungsländer ums nackte Überleben. Es gelingt ihnen kaum, die Existenzbedürfnisse zu befriedigen, geschweige denn, Wahlbedürfnisse

abzudecken. Die Frage für die Zukunft lautet: Gelingt es uns, die Güter besser und gerechter zu verteilen?


1.2 Bedürfnisse

2. Kollektivbedürfnisse

9

Kollektivbedürfnisse sind Bedürfnisse, welche die Gesellschaft als Ganzes hat. Zwischen den Individual- und den Kollektivbedürfnissen besteht ein Zusammenhang. Im Folgenden werden die beiden Bedürfnisarten einander gegenübergestellt.

Individualbedürfnisse

Kollektivbedürfnisse

Der Einzelne allein entscheidet, welche Bedürfnisse wann und in welcher Reihenfolge er zu befriedigen gedenkt, wobei er zuerst immer die Existenzbedürfnisse abdeckt. Je mehr Einzelpersonen die gleichen Bedürfnisse befriedigen wollen, desto grösser werden die Probleme für die Gesellschaft. Es entstehen Kollektivbedürfnisse.

Durch die Vielzahl von Menschen mit gleichen Bedürfnissen entstehen neue Bedürfnisse, welche von der Einzelperson nicht mehr allein befriedigt werden können. Wenn die Einkommen steigen, können mehr und mehr Individualbedürfnisse befriedigt werden. Als Folge davon nehmen die Kollektivbedürfnisse zu.

Es gibt viele Individualbedürfnisse, die nur durch gesellschaftliche Anstrengungen befriedigt werden können. Beispiel: Das Bedürfnis des Individuums nach Mobilität führt zu Kollektivbedürfnissen wie dem Bau von Strassen, von Eisenbahnlinien, von Flughäfen usw. Viele Folgen der Bedürfnisbefriedigung hat die Gesellschaft zu tragen (z.B. Abfall, Umweltbelastung durch Verkehr). Aufgabe der Wirtschaft Es ist Aufgabe der Wirtschaft, eine möglichst grosse Bedürfnisbefriedigung zu ermöglichen, indem sie Güter bereitstellt.

Bedürfnispyramide nach Maslow Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow ordnet die menschlichen Bedürfnisse auf einer fünfstufigen Pyramide: 5

Selbstverwirklichung: Entwicklung der eigenen Persönlichkeit (ist von Person zu Person ganz verschieden)

4

Wertschätzungs- und Anerkennungsbedürfnisse: Stärke, Leistung, Kompetenz, Prestige, Status, Macht, Ruhm usw.

3

Soziale Bedürfnisse: Liebe, Zugehörigkeit zu Gruppen (Familie, Freunde) usw.

2

Sicherheitsbedürfnisse: Schutz, Sicherheit, Ordnung, Stabilität, Freiheit usw.

1

Grundbedürfnisse (physische Bedürfnisse): Essen, Trinken, Schlafen usw.

Grundsätzlich gilt: Erst wenn das untergeordnete Bedürfnis (z.B. das Grundbedürfnis) befriedigt ist, tritt das nächsthöhere Bedürfnis (z.B. das Sicherheitsbedürfnis) auf. Maslow bezeichnet die ersten vier Bedürfnisse als Defizitbedürfnisse. Werden sie nicht befriedigt, so entsteht ein Gefühl des Mangels. Menschen, die nach Befriedigung hoher Bedürfnisse (Wertschätzung und Anerkennung sowie Selbstverwirklichung) streben können, sind gesünder, schlafen besser und leben länger.


1.3 Güter

10

Güter zur Bedürfnisbefriedigung Güter: Sind Mittel, mit denen Bedürfnisse befriedigt werden. Wir unterscheiden zwischen freien Gütern und wirtschaftlichen Gütern.

Freie Güter Freie Güter: Sind Güter, die den Menschen in ausreichender Menge (weltweit gesehen) frei zur Verfügung stehen. Daraus folgt, dass sie unentgeltlich verfügbar sind. Beispiele: Luft, Sonnenlicht, Wind Der Raubbau an der Natur lässt aber z.B. saubere Luft dennoch immer knapper werden.

Wirtschaftliche Güter Wirtschaftliche Güter: Sind Güter, die beschränkt vorhanden sind, das heisst, sie reichen nicht aus, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Weil wirtschaftliche Güter knapp und beschränkt sind, erzielen sie einen Preis. Die wirtschaftlichen Güter unterteilt man in:

Investitionsgüter

Konsumgüter

(auch Produktions- oder Produktivgüter genannt) Mithilfe dieser Güter werden weitere Investitionsgüter und Konsumgüter hergestellt. Sie dienen der indirekten Bedürfnisbefriedigung. Beispiele: Baukran, Lastwagen, Maschinen, Taxi

Sie werden gebraucht oder verbraucht und dienen der direkten Bedürfnisbefriedigung.

Sachgüter

Dienstleistungen

Sachgüter sind materielle, d.h. körperliche Gegenstände.

Dienstleistungen sind immaterielle, d.h. nicht körperliche Gegenstände. Bei Dienstleistungen finden Herstellung und Verbrauch meistens gleichzeitig statt. Man kann Dienstleistungen nicht auf Vorrat produzieren.

Gebrauchsgüter

Verbrauchsgüter

Bei ihnen ist mehrfache Benützung möglich.

Sie können nur einmal verwendet werden. Nach dem Verbrauch existieren sie nicht mehr.

Beispiele: privates Auto, Computer, Möbelstück, Fernsehapparat, Bücher, Kleider, Ski, Schmuck

Beispiele: Nahrungsmittel, Benzin, Heizöl, elektrischer Strom

Beispiele: Dienste von Ärzten, Beamten, Lehrern, von Banken, Gaststätten, Versicherungen, Reisebüros, von öffentlichen Verkehrsmitteln


1.4 Das ökonomische Prinzip

11

Das ökonomische Prinzip Ökonomisches Prinzip: Regeln, nach denen sich die privaten Haushalte (Konsumenten) und die Unternehmen (Produzenten) im wirtschaftlichen Geschehen verhalten. Das ökonomische Prinzip setzt sich aus dem Minimum-, dem Maximum- und dem Optimumprinzip zusammen. Wir zeigten, dass einerseits die Mittel zur Bedürfnisbefriedigung beschränkt, anderseits die Bedürfnisse des Menschen unbegrenzt sind. Die Knappheit der Mittel verlangt, dass man diese sorgfältig und verantwortungsvoll einsetzt. Man muss sich stets nach dem Nutzen eines Mitteleinsatzes fragen.

Das Minimumprinzip Minimumprinzip: Es wird versucht, die vorhandenen Bedürfnisse mit möglichst geringem Mitteleinsatz zu erreichen (z.B. für ein bestimmtes Sachgut möglichst wenig bezahlen müssen). Beispiele – Jemand (privater Haushalt / Konsument) versucht eine ruhige, helle 4-ZimmerWohnung (gegebenes Bedürfnis) zu einem möglichst tiefen Mietzins (Mitteleinsatz) zu finden. – Die Autohersteller (Unternehmer / Produzenten) wollen den Sicherheitsaspekt (gegebenes Kundenbedürfnis) ihrer Autos verbessern. In jedem Auto sollen Seitenaufprallschutze integriert werden. Dies wollen die Autohersteller mit möglichst wenig Arbeitsstunden (Mitteleinsatz) erreichen.

Das Maximumprinzip Maximumprinzip: Mit den vorhandenen Mitteln wird versucht, möglichst viele Bedürfnisse zu befriedigen (z.B. für eine bestimmte Summe Geld möglichst viel erhalten). Beispiele – Jemand (privater Haushalt / Konsument) hat 1500 Franken (gegebene Mittel) für seine Ferien gespart. Er versucht mit seinem Geld sich möglichst viele Ferienwünsche (Bedürfnisse) zu erfüllen. – Ein Waschpulverhersteller (Unternehmer / Produzent) hat ein Budget von 2 Millionen Franken (gegebene Mittel) für sein Forscherteam aufgestellt. Die Forscher haben die Aufgabe, das Waschmittel zu verbessern, vor allem sollen dabei die Umweltfreundlichkeit und das Waschergebnis (Bedürfnisse) verbessert werden.

Das Optimumprinzip Optimumprinzip: Es wird ein möglichst gutes Verhältnis zwischen Mitteleinsatz (Aufwand) und grösstmöglichem Nutzen (Ertrag) angestrebt. Das Optimumprinzip ist eine Kombination aus dem Minimum- und dem Maximumprinzip. Beispiel Ein Musikfan versucht beim Kauf einer Stereoanlage das beste Preis-LeistungsVerhältnis zu erreichen.


2. Wirtschaftskreislauf und Preisbildung


2.1 Wirtschaftskreislauf

16

Der einfache Wirtschaftskreislauf Einfacher Wirtschaftskreislauf: Mithilfe eines Kreislaufs wird vereinfacht dargestellt, wie sich der Tausch von Sachgütern und Dienstleistungen gegen Geld zwischen den Unternehmen (Produzenten) und den privaten Haushalten (Konsumenten) abspielt. Um die Zusammenhänge besser erkennbar zu machen, werden beim einfachen Wirtschaftskreislauf nur zwei Gruppen von Wirtschaftsteilnehmern betrachtet, die privaten Haushalte (Konsumenten) und die Unternehmen (Produzenten). Sie bilden gleichsam zwei grosse «Pumpwerke», die den Güterstrom und den Geldstrom antreiben.

Geldstrom

Zahlung von Grundrenten, Löhnen, Zinsen

Bereitstellen der vier Produktionsfaktoren: Boden, Arbeit, Wissen, Kapital

Unternehmen (Produzenten)

Private Haushalte (Konsumenten) BIP Güterstrom

Herstellung von Sachgütern und Erbringung von Dienstleistungen

Kauf von Sachgütern und Erwerb von Dienstleistungen

Wir alle treiben täglich in unterschiedlichen Rollen in diesen Strömen mit (zum Beispiel als Konsument, als Arbeitnehmerin, als Arbeitgeber, als Produzent, als Steuerzahler, als Rentnerin, als Stipendienempfänger).


2.1 Wirtschaftskreislauf

17

Güterstrom (Gütermenge) Um Sachgüter herstellen und Dienste leisten zu können, braucht es 4 Produktionsfaktoren: Boden (siehe S. 29), Arbeit (siehe S. 30), Wissen (= Humankapital, siehe S. 36) und Kapital (= Sachkapital, siehe S. 36). Die privaten Haushalte stellen sie den Unternehmen zur Verfügung. Diese Produktionsfaktoren werden auch «Produktionsmittel» genannt. Mithilfe der 4 Produktionsfaktoren können die Unternehmen Sachgüter herstellen und Dienstleistungen erbringen, welche sie auf dem Markt anbieten. Man kann den Güterstrom messen, indem man sämtliche Sachgüter und Dienstleistungen zusammenzählt, die in einem Jahr in der Volkswirtschaft produziert worden sind. So erhält man das Bruttoinlandprodukt zum Produktionsansatz (siehe S. 20).

Geldstrom (Geldmenge) Um die von den Unternehmen hergestellten Sachgüter und erbrachten Dienstleistungen zu erwerben, benötigen die privaten Haushalte Geld. Die Unternehmen zahlen den privaten Haushalten für die Arbeit und das Wissen Löhne, für das Kapital Zinsen und für die Benützung des Bodens Grundrenten. (Das Wort «Grundrente» ist ein anderes Wort für Bodenzins. Damit keine Verwechslung mit dem Kapitalzins entsteht, wird die Entschädigung für die Benützung des Bodens «Grundrente» genannt.)

Gesetzmässigkeit Eine Volkswirtschaft befindet sich dann im Gleichgewicht, wenn der Geldstrom (die Geldmenge) gleich gross ist wie der Güterstrom (die Gütermenge). Dieses Gleichgewicht wird in der Realität praktisch nie erreicht. Daher entstehen häufig Störungen wie z.B. Inflation, Deflation (siehe S. 100 ff.).

Unternehmen / Produzenten Unternehmen werden auch Produzenten oder Hersteller genannt. Sie stellen für die Volkswirtschaft Sachgüter her oder erbringen Dienstleistungen. Jedes Unternehmen (jeder Produzent) ist gleichzeitig immer auch ein privater Haushalt (ein Konsument). Aber nicht jeder private Haushalt ist auch ein Unternehmen.

Private Haushalte / Konsumenten Die privaten Haushalte werden auch Konsumenten oder Verbraucher genannt. Der Begriff «private Haushalte (Konsumenten)» umfasst alle Wirtschaftssubjekte, die in der Volkswirtschaft Sachgüter und Dienstleistungen nachfragen.

Wirtschaftssubjekte Der Begriff Wirtschaftssubjekte umfasst – alle privaten Personen (die privaten Haushalte), – sämtliche Unternehmen (Produzenten) sowie – die öffentliche Hand (Bund, Kantone, Gemeinden).


2.1 Wirtschaftskreislauf

18

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf Erweiterter Wirtschaftskreislauf: Nebst den Unternehmen und den privaten Haushalten werden zusätzlich der Staat, die Banken und das Ausland mit in den Kreislauf einbezogen. Dadurch werden der Geld- und der Güterstrom erweitert. Der einfache Wirtschaftskreislauf allein genügt nicht, um die komplizierten Geldund Güterströme in ihrer Gesamtheit darzustellen. Bedeutende Rollen spielen der Staat, die Banken und das Ausland.

Steuern

Steuern

Staat

Öffentliche Aufträge, Subventionen

Löhne, Sozialleistungen Gewährung von Krediten

Unternehmen (Produzenten)

Private Haushalte (Konsumenten)

Zins für Kredite

Bezahlung von Zins

Banken und Versicherungen

Bildung von Ersparnissen Bezahlung von Zins

Gewährung von Krediten Kapitalimporte

Kapitalexporte

Geldströme Bezahlung der Importe

Güterströme Importe Exporte Bezahlung der Exporte

Ausland


2.1 Wirtschaftskreislauf

19

Der Staat Die öffentlichen Haushalte (das sind Bund, Kantone, Gemeinden) erhalten von den privaten Haushalten, den Unternehmen und den Banken Steuern, um damit die zahlreichen öffentlichen Aufgaben zu finanzieren. Ein Teil der Staatseinnahmen fliesst an die privaten Haushalte in Form von Löhnen (für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst) sowie als Kindergeld, Renten und Pensionen oder als Beiträge an die Krankenversicherung usw. zurück. Aber auch die Unternehmen erhalten Staatsgelder in Form von: – öffentlichen Aufträgen (z.B. für den Bau von Schulen, Spitälern, Altersheimen, Strassen) – Subventionen (Subventionen sind zweckgebundene staatliche Gelder, womit eine Organisation unterstützt wird, z.B. Bauernbetriebe, Holzindustrie, Frauenhäuser. Diese Gelder müssen nicht mehr zurückgezahlt werden.) – Direktzahlungen (Direktzahlungen sind ein Entgelt des Staates für Leistungen, die im Interesse der Allgemeinheit erbracht werden, z.B. für Bauern als Landschaftspfleger oder an Bio-Bauern für umweltgerechtes Produzieren.)

Die Banken und die Versicherungen Die Banken und die Versicherungen nehmen Spargelder entgegen und bezahlen dafür Zinsen bzw. Gewinnbeteiligungen. Diese Spargelder geben sie in Form von Krediten weiter an die Unternehmen und die privaten Haushalte, aber auch an den Staat. Von ihren Schuldnern verlangen die Banken und die Versicherungen ihrerseits Zinsen. Banken und Versicherungen kooperieren zunehmend miteinander, um die Kunden ganzheitlicher beraten zu können.

Das Ausland Jede Volkswirtschaft ist mit dem Ausland verflochten. So kaufen die Unternehmen Sachgüter im Ausland (Rohstoffe, Halbfertigfabrikate und Fertigfabrikate). Sie müssen an die ausländischen Lieferanten Zahlungen leisten (Importzahlungen). Die Unternehmen verkaufen aber auch Sachgüter und Dienstleistungen ins Ausland und werden dafür entschädigt (Exporterlöse). Geld- und Güterströme fliessen also auch ins Ausland und vom Ausland ins Inland.

Zentrale Gleichgewichtsbedingungen der Volkswirtschaft Aus dem erweiterten Wirtschaftskreislauf lassen sich vier zentrale Bedingungen ableiten, damit die Volkswirtschaft im Gleichgewicht ist: Güterstrom Sparen Staatseinnahmen Import

= = = =

Geldstrom (siehe S. 16 ff.) Investieren (siehe S. 37) Staatsausgaben (siehe S. 74 ff.) Export (siehe S. 118 ff.)

Diese Gleichungen sind stark vereinfachte Kernaussagen, die im Buch weiter hinten (siehe Querverweise) detaillierter ausgeführt werden.

Die Volkswirtschaft  

Volkswirtschaftliches Grundwissen 13. aktualisierte Auflage 2010/11 224 Seiten ISBN: 978–3–03743–105–4