POLITIK
VCS rettet Drittverkaufsstellen der SBB Es ist geschafft! Die Drittverkaufsstellen der SBB leben weiter. Das hat nach dem Nationalrat auch der Ständerat in seiner Herbstsession entschieden.
© SBB CFF FFS
Im Rahmen von Bauarbeiten an einem Eisenbahntunnel bei Rastatt (D) sackte das Bahntrassee plötzlich ab und wurde in der Folge für knapp zwei Monate für Züge unpassierbar. Ausweichrouten auf Bahnnebenstrecken sowie über die Rheinschifffahrt hatten nicht genügend Kapazität, um die Nachfrage nach Gütertransporten zu stillen. Viele Gütertransporte wurden in der Folge klimaschädlich über die Strasse abgewickelt. Das schienenbasierte Cargo-System der Schweiz verbucht gemäss Logistikern Umsatzeinbussen von rund 50 Millionen Franken. Genauso schlimm ist, dass damit die Verlässlichkeit der Bahn aufgrund ihrer offenkundigen Verletzlichkeit infrage gestellt wird. Damit die Rückverlagerung auf die Schiene funktioniert, müssen Kapazitätsengpässe des Bahnnetzes auf der gesamten Nord-SüdGüterverkehrsachse beseitigt und die Schiene mit kompensatorischen Massnahmen unterstützt werSeit dem 2. Oktober ist die Rheintal strecke endlich wieder offen. den. Solche Forderungen
4
VCS MAGAZIN 5/17
Der Entscheid des Parlaments rettet auch den Bahnhof Kreuzlingen Hafen.
richten sich vermehrt an die Netzgesellschaft der Deutschen Bahn, beispielsweise in der neuesten Interpellation der SP-Nationalrätin Martina Munz. Auch die Präsidentin des VCS, Evi Allemann, fordert, «dass die Stabilität des Gütertransports auf der Schiene gesichert sein muss. Hier ist die Politik gefordert.»
FLUX prämiert Bahnhof mit Schmalspurbahn PostAuto, der VCS und der Verband öffentlicher Verkehr VöV prämieren jedes Jahr gemeinsam einen Bahnhof, der aus Sicht der Kunden, der Gestaltung und des Betriebs besonders überzeugt. Die Jury des «FLUX – Goldener Verkehrsknoten» hat dieses Jahr touristische Umsteigeknoten mit «Meterspur» unter die Lupe genommen. Die schmalen Gleise eignen sich besonders für enge Kurven in Berggebieten. Von den 19 begutachteten Umsteigeknoten kommen drei in die engere Auswahl: Der Bahnhof Arosa (GR), Innertkirchen (BE) und Château-d’Oex (VD). Am 30. November gibt die Jury in Bern bekannt, welche Gemeinde den Preis «FLUX – Goldener Verkehrsknoten» und somit 5000 Franken erhält. © Philippe Gasser, Citec Ingénieurs Conseils © Philippe Gasser, Citec Ingénieurs Conseils
Nord-Süd-Güterverkehr: Anfällig für Gleisstörungen
© zVg
Mit dem Entscheid der beiden Räte sollen Beratung und Verkauf von ÖV-Tickets durch private Stationshalter, ausgewählte Avec-Shops, Migrolinos und Poststellen mindestens bis ins Jahr 2020 möglich sein. Der VCS hat sich stark für diese kostengünstige Form des Service public engagiert. Schliesslich ist dem VCS wichtig, dass der Zugang zum öffentlichen Verkehr für alle möglichst einfach funktioniert. Und der VCS war es auch, der das Stationshalter-Modell in Wipkingen vor ziemlich genau 20 Jahren mitbegründete. Damit konnte der Verband dazu beitragen, dass das Quartier wieder stärker belebt, die Verrohung gestoppt und der Service für den öffentlichen Verkehr verbessert werden konnte. Das Stationshalter-Modell hat sich in der Folge weiter ausgebreitet. Gemeinsam mit den Migrolino-, Avec-Shops und Poststellen machen diese insgesamt 50 Verkaufsstellen rund einen Viertel aller bedienten SBB-Verkaufsstellen aus. Warum also nicht auch in Zukunft neben dem Kaugummi ein Zugticket verkaufen? Dieses simple Argument hat vielen National- und Ständeräten eingeleuchtet. Denn sie wussten: Direkte Kosten für diesen Service haben weder die SBB noch der Steuerzahler. Das Modell läuft privatwirtschaftlich und ist beliebt. Das Parlament wollte diesen Service nicht ohne Not abschaffen. Der Entscheid der SBB, per Ende Jahr den Ver-
kauf von ÖV-Tickets in diesen 50 Verkaufsstellen zu schliessen, hat viele Menschen verärgert und entsprechend mobilisiert. Insgesamt 32 000 haben die Petition des VCS unterschrieben. Sie alle – und auch der VCS – wurden jetzt für ihr Engagement belohnt.
Der ÖV-Oscar geht dieses Jahr an einen «Meterspur»-Bahnhof.