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Das Museum der Sprache

Das Museum der Sprache

Museum menschlichen Kultur | Hohle Fels Museumderder menschlichen Kultur | Hohle Fels Michaela Rymer | Verena Jehle |Jehle Masterprojekt III | 2017 Michaela Rymer | Verena | Masterprojekt III


Prolog

Die Sprache als Domäne des Menschen, ohne die die Kultur undenkbar wäre. In unserer heutigen Zeit stellen wir uns dem Verlust der menschlichen Sprache durch technische Einflüsse. Der Computer trifft keine Wertung zwischen Begriffen wie „Liebe“ und „Finanzmarkt“, weil er nicht wie Menschen einen Körper besitzt mit dem er Wörter spüren kann. Denn mit jedem Wort verbinden wir Menschen Bedeutungsinhalte, die wir auch körperlich wahrnehmen. Gerade diese Bedeutungsinhalte mit ihren Unschärfen oder kreativen Impulse sind unverzichtbar für eine sprachgeschichtliche Entwicklung und damit auch der gesellschaftlichen Entwicklung. Fortschritt durch Interpretation, Diskussion und Meinungsaustausch. Die Sprache als Mittel Informationen über Raum und Zeit verfügbar zu machen. Wenn der Mensch Tatsachen benennt deren Sinn er sich nicht bewusst ist, kann er auch deren weiteren Zusammenhang nicht erkennen. Ohne diese weiteren Bedeutungsinhalte sind Interpretationen unmöglich. Gerade diese Unschärfen sind Bausteine von Kreativität ohne die nicht nur die Werke der Kunst, Musik und Literatur unmöglich sind, sondern auch die menschliche Kultur.

„Wo der Mensch wurde... Vor der Sprache gab es die

objektive Kommunikation und den intensiveren Gebrauch der Sinne. Gebärden wurden zu Gestiken und Mimiken, aus der Gestik entwickelte sich die Lautsprache. Die Sprache als Mittel der Kommunikation, als Werkzeug und Ausdruckmittel. Durch die verschiedenen sprachlichen Äußerungen wie ‚Verstummen‘ ‚Schweigen‘ und der ‚Verlautbarung der Sprache‘ wertet der Mensch Informationen aus, die über den Austausch von Signalen weit herausgehen. Jedes Objekt ist eine Nachricht, jede Nachricht verfügt über eine eigene Quelle. Wir sprechen in der frühen Kindheit, weil wir uns zu einem ganzheitlichen Organ der Sprache entwickeln. Alles was wir nennen, erkennen oder Wissen ist in einer Sprache formuliert, die bereits vorliegt, was aber ist der Maßgebende Grund dieser und jeder Sprache?

Sprachentwicklung „Alle Sprachen der Erde haben ihren Ursprung in der einen Sprache im Menschen.“

Das Sprechen ist dem Menschen natürlich, er hat den eigentlichen Aufenthalt seines Da-Seins in der Sprache im Unterschied zu anderen Lebewesen. Die erste Rede des Menschen ist die ontische Rede vor dem eigentlichen Bewusstsein.

Bedingung

Raum bildet Sprache, durch Gebärde und Gestik wird Rede Räumlich, durch den Rhythmus der Aneinanderreihung wird Sprache Zeitlich.

Bedingende

Sprachliche Mittel zur Äußerung. Wir sprechen stets- im Wachen und im Traum, in jeglicher Weise. Bevor es die Sprache als Äußerung gab, haben die Menschen ihre Aussagen über Objekte festgelegt. Heute entstehen durch die Äußerungen der Sprache viele Unklarheiten.

Bedingtes

Objekte werden durch die Sprache Bedingt. Wissen wird Bedingt durch Sprache, die Fähigkeit der Herstellung und Benutzung von Werkzeug wurde durch Gestik vermittelt und über Generationen getragen.

Konzept Sprache


„Die Sprache ist das Haus des Seins“

EINGANG

ONTISCHER RAUM

KULTUR

ORT

Wir sprechen in der frühen Kindheit, weil wir uns zu einem ganzheitlichen Organ der Sprache entwickeln.

GEMEINSCHAFT

Entwurfskonzept

WECHSELAUSSTELLUNG


„Raum bildet Sprache“ Der Ort der Höhle Hohle Fels zeichnet sich durch eine landschaftliche Vielschichtigkeit aus. Wie fanden die Menschen vor tausenden von Jahren an dem Ort vor der Höhle zu einer Kultur, bedingt durch Sprache zusammen? „Gesellschaft wird nicht nur durch Kommunikation aufrecht erhalten, sondern existiert erst durch Kommunikation.“ – John Dewey Die Landschaft gibt räumliche Bedingungen vor, die der Mensch mit seinen Sinnen bewusst und unbewusst wahrnimmt. Die Höhle ist Schutzraum, der Hang gibt dem Menschen das Gefühl der Geborgenheit. Die umgebende Bewaldung als Ressource und natürliche Inspirationsquelle, das Tal bietet einen Fernblick, Weite und das Element des Wassers.

„Jeder Erkenntnis geht eine Urkenntnis vorweg.“

Resonanzräume Mit der Konzeption unseres Museums wollen wir einen Ort der Sprache schaffen, der das Medium der Sprache kontextuell in den Vordergrund stellt und so Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft verknüpft. Die Kubatur unseres Museums wirkt monolithisch, die Innenräume der Ausstellung bilden Schutzräume und grenzen sich räumlich klar gegen Außen ab, um die Sinne der Besucher zu schärfen. Um die Kultur vor Ort, als auch die kulturellen Fundstücken dem Besucher immateriell zu übermitteln wählen wird das Medium der Sprache sowie die sprachlichen Ausdrucksmittel. Die Höhle lehrt den Besucher den Ort der Entstehung der Sprache, das Museum lehrt den Besucher zu verstummen und zu schweigen um auf dem Platz der Kommunikation neue Eindrücke zu verlautbaren. Das Wasser in Form des Brunnens gilt für uns hier symbolisch gesehen als Zugang zu einer anderen Welt. Der Brunnen ist zugleich Übergang und Grenze zwischen Bewusstsein und Unbewusstem.

Konzept Museum

Per Definition verstärken Resonanzräume Klänge und Töne. Unser Museum lehrt den Besucher räumlich die Entstehung der Sprache, die Wertschätzung und die sprachlichen Ausdrucksmittel. Auf das Medium der Schrift wird innerhalb der Ausstellungsdidaktik voll verzichtet, der Besucher wird geführt durch ein auditives Gerät, welches die einzelnen Räume und Entstehungssequenzen der Sprache erläutert und den Besucher anhand der Architektur bewusst durch das Museum führt.

„Mit der Sprache eine Erfahrung machen heißt sie durchleben.“


Schwarzplan M 1.2500

N


Entwurfsdiagramme

N


AuĂ&#x;enraumperspektive


Isometrie Raumprogramm


Perspektive Eingangssituation


Isometrie Erdgeschoss


Verwaltung

1. Rede

Bibliothek Schriftraum

Garderobe

Empfang und Auftakt

Kommunikations Ort

Wechselausstellung

CafĂŠ und Shop Zubereitung

Lager

Werkstatt

Technik und Lager

Reflektions Ort

Hang Lichtraum

Wald Ebenenraum

Tal Ausblick

Erdgeschoss | M 1.350

N


Isometrie Untergeschoss


Nebenräume

Ontischer Raum

Höhle Schutz Raum

Venus Kultur Raum

Flöte Musik Raum

EDV

Untergeschoss | M 1.350

N


Schnitt Museum | M 1.200


Schnitt Öffentliche Räume | M 1.200


Tal Ortraum


Hang Lichtraum


Die niedrige Raumhöhe der Höhle, die verschiedenen Nischen und die Haptik der Oberflächen suggerieren Geborgenheit. Über einen schmalen engen Gang gelangt der Besucher auf eine höhere Ebene, das introvertierte Museum öffnet sich bewusst mit einem breiten Rahmen der Natur und gibt dem Besucher einen Blick auf das Tal frei, ein Steg mit schmalen Oberlicht führt den Besucher weg von dem „Gemälde der Natur“ an einer sicheren geraden Wand quer durch den Raum des Orts und der Kultur. Die Situation wird räumlich mit den darunterliegenden Ausstellungszonen verbunden. Das Licht fließt scheinbar an der schrägen Wand von außen in den tiefen Unterraum.

Der Ebenen wechsel geschieht an der räumlichen Installation des Waldes. Die Vollholzkonstruktion vermittelt haptisch, visuell und olfaktorisch die Eigenschaften des Waldes, die Vielschichtigkeit wird durch den räumlichen Versatz erlebbar gemacht. Am Ende der Installation erlebt der Besucher wie die akustischen Reize der Natur scheinbar fließend in die Klänge der Musik übergehen. Die Flöten werden greifbar ausgestellt und akustisch unterstützt. Schlussbildend steht ein hoher Raum über zwei Geschosse, in dessen Mitte die Venus aus dem Eis ausgestellt wird.

Ausstellungskonzept

Sinnbildlich für die Ideologien der Sprache steht die Venus inmitten eines Auditoriums und wird durch ein natürliches Oberlicht belichtet. Der Besucher schweigt, lauscht und wird Zeuge des kulturellen Wandels an einem Ort, der Geschichte und Kultur verbindet.


Venus Kulturraum


Aussenfassade

Innenfassade

Platzgestaltung

Das Gebäudeensemble besteht aus einem massiven Sichtbetonbau. Die Aussenfassade besteht aus großformatigen Betonfertigteilen mit einer eigens angefertigten Betonmischung. Die Gesteinskörnung für den Beton stammt aus der Region um das Blautal. Die raue Textur korrespondiert mit der rauen und natürlichen Umgebung. Um die gewünschte Textur zu erhalten, wird der Beton mittels des Hochdruckwasserstrahlverfahrens, durch eine Abtragung von 15-20 mm der massiven Außenwände nachbearbeitet. Abschließend wird eine farblose Hydrophobierung aufgebracht.

Im Innenraum des Museums dominiert eine glatte Sichtbetonoptik. Nur für bestimmte Themenbereiche wird diese einheitliche Gestaltung durch andere Materialien unterbrochen, die bewusst die Museumsgestaltung unterstützen. Die einheitliche Materialwahl verdeutlicht die kontextuelle „Verankerung“ mit der Umgebung und stellt eine dauerhafte Monumentalität dar. Die Materialien Licht und Beton gehen ineinander über und unterscheiden sich je nach Wetterlage und Lichteinfall kaum oder sehr stark. Durch Licht als Material werden die Innenräume zum Leben erweckt und setzen die Exponate ganz natürlich in Szene.

Der Platz dient als Verbindungsstück zwischen den einzelnen Gebäuden und der Umgebung und gliedert sich in drei Ebenen, dem Vorplatz, dem Hauptplatz und dem Eingangsplatz. Durch die Anordnung der Gebäude weitet und verjüngt sich der Platz. Es entstehen Spannungen die sich dann wieder entladen. Der Platz besteht aus sandgestrahlten Betonplatten. Diese finden sich auch in der Wechselausstellung, dem Cafe und dem Eingang wieder. So entsteht ein fließender Übergang zwischen Innen und Außen und das Gebäude verankert sich stark mit der Umgebung.

Materialität Immaterialität


Masterprojekt | Museum der Sprache – Museum der menschlichen Kultur  

Alles was wir nennen, erkennen oder Wissen ist in einer Sprache formuliert die bereits vorliegt, was aber ist der Maßgebende Grund dieser un...

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