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Gute b端cher verbrecher verlaG vorschau herbst 2016 www.verbrecherei.de


2 Verbrecher Verlag

VERBRECHER VERLAG Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns, mit Manuel Karasek und Jens Kirschneck zwei bewährte Debütanten präsentieren zu können, begrüßen Ralph Hammerthaler mit einem neuen Roman bei uns, freuen uns auf Pop-Literatur von der Gruppe Ja, Panik und von Markus Binder, sind beeindruckt von Milo Raus »Kongo Tribunal«, suchen mit Erika Tophoven nach Beckett in Balzacs Werk, diskutieren Fremdheit mit Aras Ören, wewelsflethen mit Peter Wawerzinek und Thilo Bock, lassen die Künstlerin Lisa Kränzler hervortreten, gratulieren Erasmus Schöfer und Peter Weiss mit Novitäten, führen die Geissler- und die Mühsam-Ausgaben fort, bereiten eine Schernikau-Werkausgabe vor und begrüßen den 1. Band von J. J. Voskuils »Das Büro« in unserem Programm, der passend zum Niederlande-Schwerpunkt der Buchmesse bei uns erscheint. Betonen möchten wir an dieser Stelle auch, dass wir die Literaturzeitschrift metamorphosen vertreiben. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Kristine Listau, siehe Adressen. Ein schönes Lesen wünschen Ihnen Die VerbrecherInnen

Verlag

Verlagsvertretung Deutschland

Verbrecher Verlag Listau & Sundermeier GbR Gneisenaustraße 2a 10961 Berlin tel 030/28 38 59 54 fax 030/28 38 59 55 info@verbrecherei.de www.verbrecherei.de

Büro indiebook Bothmerstr. 21 80634 München tel 089 / 12 28 47 04 fax 089 / 12 28 47 05 www.buero-indiebook.de

Vertrieb Kristine Listau tel 030/28 38 59 54 fax 030/28 38 59 55 kristine.listau@verbrecherei.de

Presse & Lesungen Kulturagentur Rahm Evelyn Rahm Gneisenaustraße 2a 10961 Berlin tel 030/39 37 51 29 fax 030/28 38 59 55 evelyn.rahm@verbrecherei.de info@kulturagentur-rahm.de

Rechte & Lizenzen Herbach & Haase Literarische Agentur info@herbach-haase.de

Filmrechte Diadik GmbH Roland Schmidt mail@diadik-lizenzen.de

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Auslieferung Deutschland / Österreich LKG Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft mbH An der Südspitze 1–12 04579 Espenhain tel +49 (0)3 42 06 65 - 124 fax +49 (0)3 42 06 65 -17 56 kwolf@lkg-service.de

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Konditionen für den Buchhandel Wir würden uns freuen, wenn Sie einen oder mehrere der hier vorgestellten Titel in Ihr Sortiment aufnehmen. Reiserabatt 40 %, Partien 11/10 sind selbstverständlich. Unsere Bücher sind auch über die Barsortimente Umbreit, KNV und LIBRI zu beziehen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Kristine Listau.

Der Verbrecher Verlag unterstützt die Arbeit der Kurt Wolff Stiftung, Leipzig.

Verbrecher Versammlungen Jeden zweiten Dienstag im Monat ruft der Verbrecher Verlag ab 20:30 Uhr zur Verbrecher Versammlung in der Fahimi-Bar in der Skalitzer Straße 133 in 10999 Berlin-Kreuzberg. Dort wird gelesen, gehört, gesehen und diskutiert. Das jeweilige Programm finden Sie auf unserer Webseite. Lesungen Unsere Autorinnen und Autoren stehen gerne für Lesungen zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an Evelyn Rahm. Weitere Informationen zu unserem Verlagsprogramm und den Autorinnen und Autoren finden Sie unter www.verbrecherei.de


100. Geburtstag von Peter Weiss am 8. November 2016

Belletristik 3

Peter Weiss

Dem unerreichbaren auF Der sPur essays und aufsätze »In Jahnns Werk wird die Suche nach dem Unerreichbaren mit wissenschaftlicher Präzision beschrieben«, schreibt der 38-jährige Peter Weiss in seiner auf Schwedisch verfassten Rezension »Dem Unerreichbaren auf der Spur« 1954. Die in Deutschland bisher unbekannten schwedischen Essays und Aufsätze des Autors entstanden in einem Zeitraum von drei Jahrzehnten, von 1950 bis 1980. Der in dieser Edition präsentierte Textkorpus wirft neues Licht auf das Gesamtwerk des Autors, indem er Weiss’ lebenslange Identitätssuche dokumentiert.

erstmals in deutscher übersetzung: essays über literatur, Film und Politik von Peter Weiss

Um das Verhältnis von Sagen und Zeigen, Wort und Bild, Mitteilbarkeit und Verstummen kreist die erzählerische, essayistische, dramatische und filmische Selbstverständigung und Wirklichkeitsaneignung des Autors. Gerade der Essay erschien ihm dabei als geeignetes Medium, in dem er dieses Spannungsverhältnis reflektierend aufarbeiten konnte.

Peter Weiss, geboren am 8. November 1916, musste 1933 aus Deutschland emigrieren. Er war einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur. Seinen ersten internationalen Erfolg erzielte er mit dem Stück »Marat/Sade«, auch sein Oratorium »Die Ermittlung« war ein Welterfolg. Sein Hauptwerk ist der dreibändige Roman »Die Ästhetik des Widerstands«. Zudem reüssierte Weiss als Maler und experimenteller Filmregisseur. Zeitlebens begleitete er sein Werk und seine Zeit mit kritischen Essays. Peter Weiss starb 1982 in Stockholm.

PETER WEISS

DEM UNERREICHBAREN AUF DER SPUR ESSAYS UND AUFSÄTZE

Peter Weiss DEM UNERREIcHBAREN AUF DER SPUR Schwedische Essays und Aufsätze Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Gustav Landgren Hardcover ca. 300 Seiten, 24 Euro ISBN 978-3-95732-199-2 Erscheint im Juli 2016


4 Verbrecher Verlag

»ich lese voskuil wahnsinnig gern, und zugleich wird mir schwindlig bei der vorstellung, ich müsste selbst ein solches Werk schreiben. es ist eine fast übermenschliche leistung – mein Kompliment!« Gerbrand bakker

Johannes Jacobus Voskuil, geboren 1926 in Den Haag, war ein niederländischer Volkskundler. Bereits 1963 veröffentlichte er seinen ersten Roman, doch zur Berühmtheit der niederländischen Literatur wurde er erst mit dem Romanwerk »Das Büro«, dessen erster Teil 1996 und dessen letzter 2000 erschien. Er wurde 1997 mit dem Ferdinand Bordewijk Prijs und 1998 mit dem Libris Prize ausgezeichnet. 2008 starb Voskuil in Amsterdam.

nieDerlanDe Gastland der Frankfurter buchmesse 2016

DETLEV VAN HEEST

JUNGLAUB JAHRE IN JAPAN ROMAN

Im Verbrecher Verlag ist in diesem Jahr auch der 5. Band der »Büro«-Reihe erschienen.

J. J. VOSKUIL

UND AUCH WEHMÜTIGKEIT DAS BÜRO 5

Detlev van Heest JUNGLAUB. JAHRE IN JAPAN Roman Aus dem Niederländischen von Gerd Busse und Ulrich Faure Hardcover 600 Seiten, 24 € ISBN 978-3-95732-158-9 Erschienen im Mai 2016 Auch als E-Book erhältlich

J. J. Voskuil UND AUcH WEHMüTIGKEIT DAS BüRO 5 Roman Aus dem Niederländischen von Gerd Busse Leinen mit Leseband ca. 1200 Seiten, 32 € ISBN 978-3-95732-010-0 Erscheint im Juni 2016 Auch als E-Book erhältlich


Belletristik 5

endlich bei uns erhältlich: band 1 des siebenteiligen Kultromans!

J. J. vosKuil

Das büro 1. banD: DireKtor beerta 1957. Maarten Kooning, ein etwas schüchterner Akademiker, heuert in einem Institut zur Erforschung niederländischer Volkskultur in Amsterdam an, ebenjenem »Büro«, das von Direktor Beerta geleitet wird. »Ich werde meine Sache so gut machen, wie es mir möglich ist. So wie ein Tischler einen Schrank macht«, versichert Maarten, doch eigentlich ödet ihn die Arbeit schnell an. Trotzdem erstellt er mit Akribie Landkarten, auf denen verzeichnet wird, in welcher Region man welchem Aberglauben anhängt. Zugleich schildert Voskuil mit großer Detailfreude den Büroalltag, in dem nach

Herzenslust gemobbt und gefaulenzt wird. Daheim erwartet ihn seine Frau Nicolien, die nicht verstehen kann, warum man sein Leben mit Erwerbsarbeit verschwendet. Maartens Leben ist eine einzige Sinnkrise, er verzweifelt an seinem Tun – und kehrt dennoch Tag um Tag ins Büro zurück. Ein Lesevergnügen! Der Romanzyklus »Das Büro« (»Het Bureau«) war in den Niederlanden mit über 400.000 verkauften Exemplaren ein Riesenerfolg. Am Erstverkaufstag der Bände standen in Amsterdam Schlangen vor den Buchläden.

DAS BüRO — Editionsplan Das Büro 1. Direktor Beerta – 978-3-95732-006-3 (September 2016) Das Büro 2. Schmutzige Hände – 978-3-95732-007-0 (2014) Das Büro 3. Plankton – 978-3-95732-008-7 (2015) Das Büro 4. Das A. P. Beerta-Institut – 978-3-95732-009-4 (2015) Das Büro 5. Und auch Wehmütigkeit – 978-3-95732-010-0 (Juni 2016) Das Büro 6. Abgang – 978-3-95732-011-7 (Frühjahr 2017) Das Büro 7. Der Tod des Maarten Koning – 978-3-95732-012-4 (Herbst 2017) Alle erschienenen Bände sind auch als E-Book erhältlich.

J. J. VOSKUIL

DIREKTOR BEERTA DAS BÜRO 1

J. J. Voskuil DIREKTOR BEERTA DAS BüRO 1 Roman Aus dem Niederländischen von Gerd Busse Leinen mit Leseband ca. 640 Seiten, 29 € ISBN 978-3-95732-006-3 Erscheint im September 2016


6 Verbrecher Verlag

TEXTAUSZUG

Mirabel brachte aus Venezuela Gewohnheiten mit, die man im Deutschland der späten Fünfzigerjahre eher mit Mannequins oder Filmstars in Verbindung brachte. Sie rasierte sich die Achsel- und Beinhaare. Sie duschte zweimal am Tag. Kleenex, cremes, Schminke, Puder gehörten zu ihrer Standardausrüstung. Dass die Deutschen schmutzig waren, wollte sie selbst nicht glauben. Aber im Laufe der Zeit vermutete sie einen Zusammenhang zwischen dem politischen Dreck, der schnell unter den Teppich gekehrt worden war, und der hiesigen Hygienekultur. Das erschien Mirabel schlüssig, da sie zu einer Zeit nach Deutschland kam, in der so gut wie keine Ausländer und Immigranten im Stadtbild sichtbar waren. Der eiserne Vorhang verhinderte den Zufluss aus Osteuropa, und im Westen hatte sich noch nicht wirklich herumgesprochen, welch reiches Land die BRD war.

In Siegen vermietete eine Witwe die ungenutzten Räume ihres Hauses an die Sprachschüler des Institutes. Es gab eine Gemeinschaftsdusche. Aus dem Duschkopf kam, als Mirabel ihn testete, nur kaltes Wasser. Noch am selben Tag vernahm Mirabels Vertraute, Frau Kran, am Telefon ihre weinerliche Stimme und sprach daraufhin mit der Vermieterin. »Fräulein Mendoza kommt aus Venezuela«, so begann Frau Kran das Gespräch, doch die Witwe ließ sich nicht beirren. »Warmes Wasser kostet extra«, bestimmte sie. »Dann kostet es eben extra«, erwiderte Frau Kran. Immerhin gab es nun warmes Wasser für Mirabel. Nach einem Jahr Pause hatte sie plötzlich wieder Schulalltag – mit allen widersprüchlichen Empfindungen. Das Aufstehen zur frühen Morgenstunde, das leichte Lampenfieber angesichts der unbekannten sozialen Bühne, die Illusion der Lernbereitschaft, die aufregenden Nebeneffekte von Kommunikation und Kontakt.

Die wenigen Ausländer, die Deutsch im Goethe-Institut in Siegen büffelten, kamen aus eher vermögenden Verhältnissen. Mirabel lernte gleich ein paar Mexikaner aus gutem Hause kennen und war erleichtert, auch Spanisch sprechen zu können. Ein junger Engländer, dessen Vater entweder mit Schafswolle aus Neuseeland oder Öl aus Nigeria ein Vermögen gescheffelt hatte (Mirabel hatte das nicht so genau verstanden), brachte ihr jeden Tag eine Rose mit. Süß, dachte sie. Sie bedauerte, dass der Brite, der sie mit schüchternen großen Augen anblickte, so unmännlich wirkte wie die meisten deutschen Männer.


Belletristik 7

manuel KaraseK

mirabels entscheiDunG Der junge Javier Torzek steht gemeinsam mit seiner Mutter Mirabel im Winter 1978 im Hamburger Hafen. Beide werden mit einem alten Frachter nach Venezuela fahren. In ein Land, dem Mirabel vor zwanzig Jahren unfreiwillig den Rücken kehrte, um in Deutschland einen wichtigen Punkt im Familienplan zu erfüllen – sich einen wohlhabenden Mann zu angeln. Stattdessen heiratete sie den mittellosen Deutschlehrer und Journalisten Hanns Torzek. Ihre chaotische Beziehung ist der Kern der Narration in Manuel Karaseks Roman »Mirabels Entscheidung«. Denn ihre Ehe erweist sich

als ein Spiegel der Wünsche von Individuen in modernen Gesellschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beide versuchen, auf unterschiedliche Weise das grundlegende Gefühl von Fremdheit abzulegen und im Zuordnungssystem des Sozialen ihren Platz zu finden. Hintergrund dieses Prozesses bildet die Geschichte der BRD und Venezuelas. Hier das wohlhabende, hochmoderne Industrieland, in dem Hanns Karriere machen wird. Dort eine junge lateinamerikanische Gesellschaft, die das unerwartete Geschenk ihres Erdölreichtums allmählich als Fluch begreift.

Manuel Karasek wurde 1967 in Stuttgart geboren. Er wuchs in Hamburg und caracas auf, 1988 machte er das Abitur auf der Jahn-Gesamtschule Hamburg. 1995 veröffentlichte er den Erzählband »El Tigre«. Für diesen erhielt er den Förderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung. 1998 erhielt er ein Stipendium des Landes Baden-Würtemberg, 1999 eines des Literarischen colloquiums Berlin. Seit 2000 lebt Manuel Karasek in Berlin. »Mirabels Entscheidung« ist sein erster Roman.

MANUEL KARASEK

MIRABELS ENTSCHEIDUNG ROMAN

Manuel Karasek MIRABELS ENTScHEIDUNG Roman Hardcover ca. 260 Seiten, 24 Euro ISBN 978-3-95732-193-0 Erscheint im Oktober 2016


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TEXTAUSZUG

Damals waren ihre Eltern arbeitslos. Meistens saßen sie nebeneinander auf dem Sofa und sahen fern, wenigstens der Vater, während die Mutter in einer Zeitschrift blätterte. Anna behauptete, dass sich mit der Zeit ihre Konturen auf den Polstern abzeichneten, ganz so, als hätten sie jedes Mal dieselbe Stellung eingenommen. Als wären sie jedes Mal wieder in die Mulden gesunken. Doch das hielt ich für übertrieben. Beide rauchten viel, Aldi-Zigaretten, wobei sie Tee dazu tranken, den ganzen Tag Tee. Alkohol gab es nur am Wochenende, dann aber ausgiebig, sodass Editionsplan sich Anna und ihre ein Jahr ältere Schwester in die Zimmer zurückzogen. Wenn sie gerufen wurden, stellten sie sich taub. Später brüllte der Vater, und die Mutter schluchzte eher, als dass sie weinte. Polternd schlug ein Stuhl auf. Anna steckte Kopfhörer in die Ohren.

Das Schlimmste zu Hause war aber ihre Schwester. »Eines Tages wird die für alles büßen«, sagte Anna. Ihre Schwester sah genauso aus wie sie, nur in brünett. Eifersüchtig wachte sie darüber, dass die Jüngere nicht bevorzugt wurde. Sie tat alles, um sich mit den Eltern gut zu stellen, und nutzte jede Gelegenheit, Anna anzuschwärzen. Da Anna sich die Vorwürfe nicht gefallen ließ, stritten die Schwestern häufig. Spucken war noch das Wenigste. Sie schlugen aufeinander ein, zogen sich an den Haaren, und hatten sie sich beim Raufen verhakt, kratzten und bissen sie, bis sie nicht mehr konnten. Kaum je griffen die Eltern ein. Der Vater sagte: gut, dass es blutet. Hass muss ausbluten. Ich wartete vor der Schule, dass Anna herauskam. Erstaunlich, wie die jungen Dinger aussehen. Ich erkannte sie sofort, weil Frau Simonis sie mir von fern gezeigt hatte.

Mein charmantestes Lächeln im Gesicht ging ich auf sie zu und fragte, ob ich sie in die Eisdiele einladen dürfe. Bist du ein Streetworker? Später hielt sie mir das alles vor. Dass ich wie ein Spanner vor der Schule stand und sie unverschämt ansprach, obendrein vor den Augen ihrer Mitschülerinnen, die sie deswegen aufzogen. Sie war drauf und dran, mich abblitzen zu lassen. Bloß weil sie mich mit Frau Simonis, ihrer Englischlehrerin, gesehen hatte, wie wir uns umdrehten und sie anblickten, besann sie sich eines Besseren. Zugegeben, sie war auch neugierig.


Belletristik 9

ralPh hammerthaler

Kurzer roman über ein verbrechen Die Englischlehrerin Frau Simonis hat ein Verhältnis mit dem Erzähler in diesem Roman. Es begann, als er noch ihr Schüler war. Weist sie ihn ab, streift er allein durch die Kleinstadt nahe Berlin, in der sie nun arbeitet. So trifft er auf Til, den Nazi, und auf Arben aus dem Kosovo, auf die Schwestern Lore und Mirka und auch auf Anna, die Außenseiterin. Bald drehen sie Pornos im unbewohnten Haus von Tils Großmutter, schließlich stößt Gerhard zu ihnen, denn sie brauchen einen älteren Mann, um ihre Ware

besser vermarkten zu können. Und ihre Filmchen verkaufen sich mit wachsendem Erfolg – daher wagen sie sich an immer drastischere Szenen heran … RALPH HAMMERTHALER

Ralph Hammerthaler beschreibt in »Kurzer Roman über ein Verbrechen« sehr eindringlich, wie Jugendliche in strukturschwachen Regionen ohne Jugendzentren und mangels Zukunftsaussichten immer weiter auf Abwege geraten, obwohl sie eigentlich etwas ganz anderes wollen.

Ralph Hammerthaler wurde 1965 in Wasserburg am Inn geboren. Er studierte in München, Berlin und Jena und schrieb in Soziologie eine Dissertation über »Politische Öffentlichkeit«. 2000 bis 2002 war er Kulturredakteur der Süddeutschen Zeitung in Berlin. Er veröffentlichte einige Sachbücher, zuletzt »Der Bolschewist: Michael Tschesno-Hell und seine DEFA-Filme«. Zudem schreibt er Stücke und Opernlibretti. Er war Stadtschreiber in Dresden (2011), Rheinsberg (2012), Split (2014) und Priština (2014). 2002 erschien sein Debütroman »Alles bestens«, es folgten die Romane »Aber das ist ein anderes Kapitel« (2007) und »Der Sturz des Friedrich Voss« (2010).

KURZER ROMAN ÜBER EIN VERBRECHEN ROMAN

Ralph Hammerthaler KURZER ROMAN üBER EIN VERBREcHEN Hardcover ca. 160 Seiten, 19 Euro ISBN 978-3-95732-194-7 Erscheint im September 2016


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TEXTAUSZUG

Da war der Heimweg im Morgengrauen. Der Schlachthof. Der Wagen mit den Schweinen. Das Geschrei. Und ein Mann mit einer Mission. »Befreie sie!«, rief die innere Stimme. Wie? Keine Ahnung. Ohne Know-how aber ist schlecht Schweine befreien. Weshalb der Mann mit einer Mission den perspektivlosen Viechern noch einmal Mut zusprach und als Ausdruck seines Protestes mit der Faust gegen das Gitter hieb, was wohl die Uhr ruinierte. Aber das ist gar nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist, dass er jetzt endlich weiß, was ihn die ganze Zeit so beunruhigt hat. Etwas, das er im Transporter zwischen den Schweinen gesehen hat. Ein Mensch in schlechter Verfassung, möglicherweise tot. Volker Wunsch. Der Volker Wunsch, Sportdirektor des Fc Teutonia.

»Scheiße!«, ruft Grabowski ein drittes Mal und trinkt den Rest des Bieres in einem Zug aus. Nun erinnert er sich an alles. Doch erinnert er sich richtig? Ein paar Minuten noch steht er am Fenster, dann nimmt er die letzte Dose Bier aus dem Kühlschrank und geht damit zurück ins Bett. Er hat rasende Kopfschmerzen, aber er muss nachdenken. Das ist doch totaler Quatsch! Muss einfach Quatsch sein. Vielleicht sollte er sich weniger um den Manager des örtlichen Zweitligaklubs sorgen als um sich selbst. Doch die Bilder bleiben, kaum dass sie einmal da sind, erschreckend real. Wunsch hat auf dem Boden des Schweinetransporters gelegen, die Augen geschlossen, und eines der Schweine hat an ihm geschnuppert. Oder genagt? Grabowski hat schreien wollen, doch im selben Moment hat sich der Transporter in Bewegung gesetzt und ist auf den Innenhof des Schlachthofs gefahren; und noch

bevor sein von zu viel Tequila benebeltes Hirn das Gesehene vernünftig abspeichern konnte, haben sich die Rolltore geschlossen, und der Lastwagen ist aus seinem Blickfeld verschwunden. Vielleicht war ja LSD in dem Schnaps, denkt er und rekapituliert, was er nach seinem Kurzauftritt als militanter Tierschützer getan hat: Er ist zum 24-StundenGriechen am Bahnhof gegangen und hat eine currywurst gegessen.


Belletristik 11

Jens KirschnecK

schWeine beFreien Grabowski, 35, Teilzeitjournalist und semiprofessioneller Trübsalbläser, hat ein Problem. Nein, einen Sack voller Probleme! Ist er im Suff versehentlich Zeuge eines perfiden Verbrechens geworden? Oder ist es jetzt schon so weit, dass er sich ins Delirium getrunken hat? Und warum taucht an jeder Ecke seine Exfreundin mit diesem furchtbaren Künstler auf? Und woher kommen die Schmerzen? Bei seinem Versuch, zumindest dem vermeintlichen Verbrechen auf den Grund zu gehen, stößt er auf merkwürdige Vorgänge beim örtlichen Fußballklub. Etwas stimmt nicht beim Fc Teutonia. Volker Wunsch, der stets joviale

Manager, wirkt plötzlich sehr angespannt, Machtkämpfe toben auf allen Ebenen, und woher kommen nur die ganzen exjugoslawischen Spieler? Die Spur führt bis nach Kroatien, wo die Dinge endgültig aus dem Ruder laufen. Grabowski muss lernen, dass im Fußballgeschäft manches anders ist, als er sich das vorgestellt hat. Er entdeckt Zusammenhänge, die bis in die Zeit des jugoslawischen Bürgerkriegs zurückreichen. Und dann kommt es, weit weg in Amerika, zu einem Ereignis, nach dem die Welt sowieso nicht mehr dieselbe ist.

Jens Kirschneck, geboren 1966 in Minden, ist Journalist seit den frühen 90ern, zuerst bei der Wochenzeitung Bielefelder StadtBlatt, später für die Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau und andere. Parallel sammelte er langjährige Erfahrungen als Lesebühnenautor und ist seit 2005 Redakteur beim Magazin  Freunde. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zum Thema Fussball. Im Verbrecher Verlag erschienen 2006 seine Glossen »Tragik im Alltag«.

JENS KIRSCHNECK

SCHWEINE BEFREIEN ROMAN

Jens Kirschneck ScHWEINE BEFREIEN Roman Broschur ca. 260 Seiten, 14 Euro ISBN 978-3-95732-197-8 Erscheint im September 2016


12 Verbrecher Verlag

TEXTAUSZUG

Der Mann, der Europa veränderte

Der Mann, der Europa veränderte er spuckte keine Töne ballte die Faust nicht zum Gruß ließ sich auch nicht von schönen Worten verführen grub nur die Hände in die Taschen. Im Knopfloch steckte ihm lediglich eine rote Nelke verwelkt, überbleibsel von einem ersten Mai zahllose seiner Schreie, an die Mauer geklebt kleben noch immer daran. Einen weiten Weg war er gekommen, nächtelang schlaflos ein Bild in seinem Rahmen zusammengesetzt aus unausgegorenen Elementen wer weiß, wer es malte. Auf diesem Bild, das ihm überhaupt nicht ähnelte trug er einen lächelnden Optimismus zu Schau der ihn selbst und jeden Betrachter täuschte und sein Arbeitsanzug war fettig.


Belletristik 13

aras Ören

Wir neuen euroPäer »Einwanderern wie Aras Ören«, schreibt Hans Magnus Enzensberger, mache man es hierzulande schwer: »Stillschweigend und auf seine Weise folgt der literarische Betrieb den Spielregeln der Ausländerbehörde.« Dabei kommen Fremde seit Jahrtausenden nach Europa und werden hier heimisch. »Ohne die Neuen und ihr Gepäck wäre die Welt nicht die von heute«, weiß Ören. Dennoch sehen sich die, die herkommen, immer wieder Anfeindungen aus-

gesetzt. Und sie selbst müssen sich verändern, denn die fremde Kultur konfrontiert sie mit neuartigen Gebräuchen und Sitten. Aras Ören hat sich mit diesem Konflikt immer wieder auseinandergesetzt, in Romanen, Gedichten und Reden. Dieses Lesebuch präsentiert einen Querschnitt durch sein reiches Werk, in dem seit den Sechzigerjahren immer wieder festgestellt wird: »Die Fremde ist auch ein Haus.«

Aras Ören wurde 1939 in Istanbul geboren. Seit 1969 lebt er in Berlin. Er war Redakteur des SFB und Leiter der türkischen Redaktion von Radio Multikulti des RBB. 1985 wurde Aras Ören mit dem Adelbert-von-chamisso-Preis ausgezeichnet, 1999 hatte er eine Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen inne. Seit 2012 ist er Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Ören schreibt auf Türkisch und arbeitet bei der übersetzung seiner Werke mit. Werke u. a.: »Was will Niyazi in der Naunynstraße« (1973), »Deutschland. Ein türkisches Märchen« (1978), »Bitte nix Polizei« (1981), »Berlin-Savignyplatz« (1995) und »Sehnsucht nach Hollywood« (1999). Im Verbrecher Verlag erschien 2014 der Erzählungsband »Kopfstand« mit Illustrationen von Wolfgang Neumann.

ARAS ÖREN

WIR NEUEN EUROPÄER EIN LESEBUCH

Aras Ören WIR NEUEN EUROPÄER Ein Lesebuch Herausgegeben von Sophie Fahrenholz Broschur ca. 260 Seiten, 16 Euro ISBN 978-3-95732-191-6 Erscheint im Oktober 2016


14 Verbrecher Verlag

marKus binDer

teilzeitrevue TEILZEITREVUE MARKUS BINDER

Markus Binder TEILZEITREVUE Broschur ca. 200 Seiten, 16 Euro ISBN 978-3-95732-190-9 Erscheint im November 2016

Dieses Buch widmet sich in 568 Einzeltexten einem Pärchen und seinen Beobachtungen. Innerhalb eines Zeitraums von 36 Stunden fliegen die beiden von Mexiko nach Europa, fahren mit dem Zug in die nächste Stadt, besuchen Klubs, gehen nach Hause, schlafen, sind drinnen, gehen nach draußen, laufen herum und landen schließlich in der Schlafzimmerabteilung eines Möbelhauses.

ORF/FM4 begeisterte sich bei Markus Binders Buch »Testsiegerstraße« für die »sprunghaft wechselnden Momentaufnahmen, die vor allem von Binders spezifischer Sprachstilistik leben.«

Markus Binder, Musiker und Autor, betreibt mit H. P. Falkner seit 1990 das sehr erfolgreiche österreichische Duo Attwenger, zahlreiche Alben, zuletzt im Jahr 2015 die cD »Spot«. Markus Binder ist auch als Solokünstler tätig, 2004 erschien seine cD »photos 01«, zudem hatte er Hauptrollen in den beiden abendfüllenden Produktionen »Attwengerfilm« (1994) und »Attwenger Adventure« (2006). Im Verbrecher Verlag erschien 2005 das Buch »Testsiegerstraße«.


Belletristik 15

Die GruPPe Ja, PaniK

Futur ii Ja, Panik, die mittlerweile in Berlin ansässige österreichische Gruppe, feiert im Herbst dieses Jahres ihren 10. Geburtstag. Aus diesem Anlass werden sich die Mitglieder in einem einmonatigen Experiment gegenseitig ihre Version der Bandgeschichte erzählen. Während die Mitglieder Janata, Landergott und Papst in den Ja, Panik-Archiven in Berlin, Wien und Gols versuchen, eine chronologie der Ereignisse seit 2006 herzustellen, verbringt Songwriter Spechtl seine Zeit in einer unbekannten Stadt am Rande Europas. Im täglichen Austausch werden verloren geglaubte Demo-Aufnahmen, vergessene Songskizzen, alte Fotos und Videos wiedergefunden und einer strengen Prüfung unterzogen. Aus dem E-Mail-Verkehr entsteht eine Geschichte der Gruppe, die Geschichte einer vollendeten Zukunft, in der am Ende nicht Ja, Panik im Mittelpunkt stehen wird, sondern die Erinnerung selbst.

Zwischen dem luftigen Gitarrenpop auf ihrem noch im Wiener Umland eingespielten Erstling und den mit Dreampop, Funk und Wave liebäugelnden Stücken auf ihrem jüngsten Album »Libertatia«, haben Ja, Panik einen Stil kultiviert, der trotz Facettenreichtums stets eine ganz eigene, auf eben diese Band zurückzuführende Ästhetik aufweist. Die Art, mit der Andreas Spechtl, Stefan Pabst und Sebastian Janata als Kern der Band souverän vom Burgenland über Wien nach Berlin drifteten und sich innerhalb kürzester Zeit mit Alben wie »The Taste and the Money«, »The Angst and the Money« und nicht zuletzt dem bedeutungsschwangeren »DMD KIU LIDT« zu einer der intelligentesten wie auch spannendsten deutschsprachigen Bands mauserten, war und ist erschreckend locker. Die Spex bezeichnete schon ihr zweites Album nicht umsonst als die »wichtigste deutschsprachige Platte seit Blumfelds ›L’Etat Et Moi‹«.

DIE GRUPPE JA, PANIK

FUTUR II Die Gruppe Ja, Panik FUTUR II Broschur ca. 260 Seiten, 16 Euro ISBN 978-3-95732-192-3 Erscheint im Oktober 2016


16 Verbrecher Verlag

honoré De balzac unD eriKa toPhoven

mercaDet oDer Warten auF GoDeau MERCADET O D E R WA RT E N AUF GODEAU HONORÉ DE BALZAC ERIKA TOPHOVEN

Honoré de Balzac und Erika Tophoven MERcADET ODER WARTEN AUF GODEAU Theaterstück Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort von Erika Tophoven Broschur ca. 160 Seiten, 16 Euro ISBN 978-3-95732-196-1 Erscheint im September 2016

Honoré de Balzac beendete 1840 die Arbeit an dieser Komödie, die bis heute aktuell ist: Mercadet und seine Frau Adeline versuchen, ihre Tochter Julie zu verheiraten. Das geht nicht ohne Verwicklungen vonstatten – der hochverschuldete Mercadet versucht zudem, mit geliehenem Geld Geschäfte zu machen, obwohl er weiß: »Gleichheit ist und bleibt ein leeres Wort! Es wird immer zwei Kasten geben: die Schuldner und die Gläubiger. Da hilft kein Spekulieren!« Einzig Herr Godeau kann ihm noch aus

der Patsche helfen, doch »Godeau ist ein Mythos! Ein Märchen! Godeau ist ein Phantom.« Erika Tophoven erläutert in ihrem Nachwort, warum diese schnelle Komödie noch immer aktuell ist, warum das Stück in Deutschland trotz vieler Aufführungen kaum bekannt ist und inwieweit Samuel Beckett von dem Stück beeinflusst war, als er sein bekanntestes Werk »Warten auf Godot« schrieb.

Honoré de Balzac wurde 1799 in Tours geboren. Nach einem Jurastudium begann er zu schreiben, mit dem unvollendeten Romanzyklus »comédie Humaine« wurde er zum Klassiker. Er starb 1850 in Paris. Erika Tophoven-Schöningh, geboren in Dessau, hat vierzig Jahre lang, teilweise zusammen mit ihrem Mann Elmar Tophoven, Romane, Theaterstücke und Hörspiele aus dem Englischen und Französischen übersetzt, vorwiegend Werke von Samuel Beckett und Nathalie Sarraute. Ihr Hauptinteresse gilt Becketts Verhältnis zu Deutschland. Von ihr erschienen die Bücher »Becketts Berlin« (2005) und »Glückliche Jahre – übersetzerleben in Paris« (2011). Der Verbrecher Verlag veröffentlichte 2015 ihr Buch »Godot hinter Gittern. Eine Hochstaplergeschichte«.


Sachbuch 17

milo rau

Das KonGo tribunal Seit über 20 Jahren verwandelt ein Bürgerkrieg ein Gebiet von der Größe Westeuropas in die Hölle auf Erden: Der Kongokrieg ist seit dem Zweiten Weltkrieg der opferreichste Konflikt überhaupt. Längst geht es nicht mehr um ethnische Gegensätze, sondern vor allem um die Kontrolle über Rohstoffe. Die Toten gehen in die Millionen, die Täter bleiben straffrei. Im Sommer 2015 realisierte Milo Rau mit seinem Team »das ambitionierteste politische Theaterprojekt, das je auf die Bühne kam« (The Guardian). Er lud im Kriegsgebiet Opfer, Milizionäre, Regierungsvertreter, Oppositionelle, Unternehmer und Vertreter internationaler Organisationen zum »Kongo Tribunal«.

Dieser Band bietet einen umfassenden überblick zum »größenwahnsinnigsten Kunstprojekt unserer Zeit« (Radio France Internationale). Im Buch versammelt sind die wichtigsten Zeugenaussagen, Statements der internationalen Jury (u. a. der Afrika-Korrespondentin colette Braeckman, der Menschenrechtlerin Saran Kaba Jones, des Snowden-Anwalts Wolfgang Kaleck, der Soziologin Saskia Sassen, des Politikers und Künstlers Marc-Antoine Vumilia und des Gewaltforschers Harald Welzer), Reden, Interviews und Rechercheberichte von Milo Rau, die Plädoyers der Richter sowie die wichtigsten Analysen und Presseberichte.

Milo Rau, geboren 1977 in Bern, arbeitet als Regisseur, Autor und sozialer Plastiker. 2007 gründete er das IIPM-International Institute of Political Murder. Er gilt als einer der wichtigsten Theatermacher seiner Zeit. 2013 veröffentlichte Rau »Was tun? Kritik der postmodernen Vernunft«. Im Verbrecher Verlag erschienen die Bände »Die letzten Tage der ceausescus« (2009), »Hate Radio« (2014) und »Die Moskauer Prozesse/Die Zürcher Prozesse« (2014). 2015 erschien seine Essaysammlung »Althussers Hände«.

DAS KONGO TRIBUNAL MILO RAU

Milo Rau DAS KONGO TRIBUNAL Herausgegeben von Mirjam Knapp und Rolf Bossart Broschur ca. 280 Seiten, 18 Euro ISBN 978-3-95732-198-5 Erscheint im September 2016


18 Verbrecher Verlag

erasmus schÖFer

KalenDerGeschichten Des rheinischen WiDerstanDsForschers

ERASMUS SCHÖFER

KALENDERGESCHICHTEN DES RHEINISCHEN WIDERSTANDSFORSCHERS

Erasmus Schöfer KALENDERGEScHIcHTEN DES RHEINIScHEN WIDERSTANDSFORScHERS Broschur ca. 140 Seiten, 14 Euro ISBN 978-3-95732-189-3 Erscheint im Mai 2016

Da soll eine schwarze Frau einem weißen Mann Platz machen im Bus – und steht nicht auf. Da soll ein Richter ein Gesinnungsurteil fällen – und kann es nicht. Da soll ein Soldat seinem Land absolut loyal dienen – und veröffentlicht doch Dokumente über die staatlich angeordneten Verbrechen. Erasmus Schöfer geht in seinem Erzählungen bekannten und unbekannten Widerstandsgeschichten nach,

Widerstand von einzelnen Unzufriedenen, der manchmal Großes bewirken kann. Schöfer präsentiert sie als Kalendergeschichten mit überzeitlicher Wirkung – so ist dieses Buch ein wirkliches Vademekum für alle, die sich in diesem Zeitalter der Selbstoptimierung und überanpassung unwohl fühlen.

Erasmus Schöfer, am 4. Juni 1931 bei Berlin geboren, lebt in Köln. Er war Mitbegründer und Vorsitzender des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt und ist Mitglied des Deutschen P.E.N.-Zentrums. Seit seiner Promotion über »Die Sprache Heideggers« (1962) veröffentlichte er zahlreiche literarische und publizistische Arbeiten. Für seine hochgelobte Romantetralogie »Die Kinder des Sisyfos« erhielt Erasmus Schöfer im Jahr 2008 den Gustav-Regler-Preis. Zuletzt erschienen: »Diesseits von Gut und Böse. Beiträge fürs Feuilleton« (2011), »Na hörn Sie mal! Sechs ausgewählte Fundstücke« (2012) und »Schriftsteller im Kollektiv. Texte und Briefe zum Werkkreis Literatur der Arbeitswelt« (2014).

85. Geburtstag schöfers am 4. Juni 2016!


Belletristik 19

thilo bocK unD Peter WaWerzineK

Das auFFälliG unauFFälliGe leben Der haushälterin hannelore Keyn in Der villa Grassimo zu WeWelsFleth Seit 30 Jahren ist das Alfred-DöblinHaus in Wewelsfleth in SchleswigHolstein eine Institution. Stipendiatinnen und Stipendiaten der Berliner Akademie der Künste und der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten kommen, um sich ganz ihrer schriftstellerischen Arbeit hingeben zu können – so hat es Günter Grass verfügt, der sein früheres Wohnhaus, ein denkmalgeschütztes Haus aus dem 17. Jahrhundert, in eine Stiftung einbrachte. Auch Peter Wawerzinek und Thilo Bock zählten zu den Glücklichen – und trafen dort auf die

inzwischen verstorbene Frau Keyn, die sich liebevoll um ihre Schützlinge kümmerte. Dieses Buch mit realen und fiktiven Geschichten ist ihr gewidmet und erzählt zugleich eine Geschichte der jüngeren deutschen Literatur. Mit Originalbeiträgen von KarenSusan Fessel, Gerd Gedig, Ralph Hammerthaler, Volker Kaminski, Hans-Gerd Pyka, Guido Rademacher & Hedi Schulitz. Das Buch entsteht in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste, Berlin.

Peter Wawerzinek ist Romancier und Essayist und lebt in Berlin. Sein Roman »Rabenliebe« stand auf der Shortlist des deutschen Buchpreises 2010. Zuletzt erschienen der Roman »Schluckspecht« (2014) und das Buch über Dylan Thomas: »Ich Dylan Ich« (2015). Thilo Bock ist Romancier und Germanist und lebt in Berlin. Er ist langjähriger Aktivist der Berliner Lesebühnenszene. 2014 erschien sein Freiluftroman »Tempelhofer Feld«. Im Verbrecher Verlag erschien 2016 die Studie »›Eine lebendige Zeitschrift gewissermaassen.‹ Hugo Ball und die literarische Bühne«.

PETER WAWERZINEK THILO BOCK

DAS AUFFÄLLIG UNAUFFÄLLIGE LEBEN DER HAUSHÄLTERIN HANNELORE KEYN IN DER VILLA GRASSIMO ZU WEWELSFLETH Geistergeschichten

Peter Wawerzinek und Thilo Bock DAS AUFFÄLLIG UNAUFFÄLLIGE LEBEN DER HAUSHÄLTERIN HANNELORE KEyN IN DER VILLA GRASSIMO ZU WEWELSFLETH Geistergeschichten. Mit Fotografien von Susanne Bax und einem Nachwort von Jörg Feßmann Hardcover ca. 160 Seiten, durchgehend vierfarbig, 24 Euro ISBN 978-3-95732-195-4 Erscheint im September 2016


20 Verbrecher Verlag

erich mühsam

taGebücher banD 11 – 1922 Erich Mühsam TAGEBücHER Band 11 – 1922 Herausgegeben von chris Hirte und conrad Piens Leinen mit Leseband ca. 450 Seiten, 32 Euro ISBN: 978-3-940426-86-4 Erscheint im November 2016

Die historisch-kritische Ausgabe der »Tagebücher« wird von chris Hirte und conrad Piens herausgegeben. Sie erscheint in 15 Bänden im Verbrecher Verlag und zugleich als Online-Edition mit einem umfassenden Anmerkungsapparat unter www.muehsam-tagebuch.de. Zudem erscheinen die »Tagebücher in Einzelheften« auch als E-Book-Edition.

Juli bis Oktober 1922: Seit mehr als drei Jahren ist Mühsam inhaftiert, abgeschnitten vom Leben und auf Zeitungen angewiesen, wenn er das politische Geschehen verfolgen will. Doch die Inflation macht sich auch in der Haft bemerkbar, das Erstarken rechtsradikaler Gruppierungen in Bayern erleben die Gefangenen in Gestalt von Morddrohungen und Nazidemos vor dem Gefängnis. Mühsam hat

jedoch gelernt, Widrigkeiten standzuhalten, die Stärke seiner überzeugungen und seines charakters trägt ihn über alle Anfeindungen und Schikanen hinweg. Obwohl am Rande seiner Kräfte und gesundheitlich zermürbt, ist er im Tagebuch hellwach: Jeder Satz dient der Deutung der Zeitzeichen und dem Aufbau einer zukunftsgewissen Gegenposition.

Erich Mühsam, geboren 1878 in Berlin, war Dichter, Anarchist und politischer Publizist. Seit 1909 lebte er in München. Als zentrale Figur der Schwabinger Boheme war er befreundet mit Heinrich Mann, Frank Wedekind, Lion Feuchtwanger, Fanny zu Reventlow und vielen anderen. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wofür er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. 1933 wurde er verhaftet und 1934 im KZ Oranienburg ermordet.

ERIcH MüHSAM: TAGEBücHER — Editionsplan Band 1 Band 2 Band 3 Band 4 Band 5 Band 6 Band 7 Band 8

– 1910–1911: – 1911–1912: – 1912–1914: – 1915: – 1915–1916: – 1919: – 1919–1921: – 1921:

erschienen 2011 erschienen März 2012 erschienen Dezember 2012 erschienen Mai 2013 erschienen November 2013 erschienen Mai 2014 erschienen November 2014 erschienen Juni 2015

Band 9 – 1921: Band 10 – 1922: Band 11 – 1922: Band 12 – 1922–1923: Band 13 – 1923: Band 14 – 1923–1924: Band 15 – 1924:

erschienen März 2016 erscheint Juni 2016 erscheint November 2016 erscheint Frühjahr 2017 erscheint Herbst 2017 erscheint Frühjahr 2018 erscheint Herbst 2018


Belletristik 21

christian Geissler

Das brot mit Der Feile Jan Ahlers ist 17. Er lebt bei seiner Großmutter in Hamburg, malocht auf dem Bau, ist nicht zufrieden mit sich und der Welt. »Alles bloß immer Hund!« ist einer seiner Lieblingssprüche. Die Handlung beginnt 1960, und ein breit angelegtes Milieu fächert sich auf: Bundeswehrsoldaten, ein Sozialarbeiter, ein Franzose, Kommunisten, ein Gangsterboss, ein Arzt, ein NDRJournalist … »Dieser Roman ist die erste komplexe erzählerische Realisation des Widerstands, des Protests, des Veränderungswillen, wie sie in den sechziger Jahren in der Bundesrepublik aufkamen.« (Heinrich Vormweg)

In »Kalte Zeiten« (1965) erzählte christian Geissler einen Tag im Leben von Jan Ahlers. Mit »Das Brot mit der Feile« (1973) ändern sich die Perspektiven und der Tonfall in Geisslers Prosa. Ahlers gerät mitten hinein in den politischen Aufbruch. Das Nachwort von Ingo Meyer setzt das literarästhetische Profil des Romans in Bezug zu den Debatten um eine linke Ästhetik und arbeitet die Spezifik von Geisslers »Poetik des Widerstands« heraus.

im oktober 2016 findet unter dem titel »literatur als Grenzüberschreitung« eine tagung zu christian Geissler statt. literaturforum im brecht-haus in berlin Programm: http://christian-geissler.net

Christian Geissler wurde am 25. Dezember 1928 in Hamburg geboren. Ab 1956 arbeitete er als freier Schriftsteller. Geissler filmte beim NDR, war Mitherausgeber der linken Literaturzeitschrift Kürbiskern, Dokumentarfilmer und Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Er publizierte zahlreiche Romane, Hörspiele, Drehbücher und Gedichte, u. a. »Anfrage« (1960) und »kamalatta« (1988). Im Verbrecher Verlag erschienen im Rahmen einer Werkausgabe, die in Zusammenarbeit mit der Hamburger christian Geissler Gesellschaft entsteht, bislang die Bände »Wird Zeit, dass wir leben« und »Kalte Zeiten / Schlachtvieh«.

christian Geissler DAS BROT MIT DER FEILE Roman Mit einem Nachwort von Ingo Meyer Leinen mit Leseband, ca. 400 Seiten, 24 Euro ISBN 978-3-95732-201-2 Erscheint im September 2016


22 Verbrecher Verlag 25. Todestag von Ronald M. Schernikau am 20. Oktober 2016

helmut Peitsch unD helen thein (hrsG.)

lieben, Was es nicht Gibt literatur, Pop und Politik bei ronald m. schernikau

HELMUT PEITSCH UND HELEN THEIN (HRSG.)

LIEBEN, WAS ES NICHT GIBT Literatur, Pop und Politik bei Ronald M. Schernikau

Helmut Peitsch und Helen Thein (Hrsg.) LIEBEN, WAS ES NIcHT GIBT Literatur, Pop und Politik bei Ronald M. Schernikau lfb Texte 4 Broschur ca. 300 Seiten, 24 Euro ISBN 978-3-95732-200-5 Erscheint im Oktober 2016

Ronald M. Schernikau (1960–1991) veröffentlichte sein Debüt »Kleinstadtnovelle« noch vor dem Abitur. Da hatte er schon Erlebnisse für mehr als einen Roman gesammelt: In der DDR geboren, von der Mutter in den Westen geschmuggelt, zu einem Vater, der längst eine neue Familie hatte. Schwul zu sein, war eine weitere Facette dieses Andersseins, das sich als Mittendrin verstand. Nach einem Studium am Literaturinstitut in Leipzig ließ er sich 1989 in die DDR rückeinbürgern. An seinem letzten Buch, der »legende«, schrieb er acht Jahre lang, bis zu seinem Tod. 2017 soll

das Buch wieder lieferbar sein, als erster von drei Bänden einer Werkausgabe, die im Verbrecher Verlag erscheinen wird. In Vorbereitung dieser Schernikau-Werkausgabe wurde im Jahr 2015 aus Perspektiven des Verlagswesens, der Literatur und Wissenschaft, des Journalismus und der Popkultur auf die Relevanz und das Wirken dieses Autors geblickt. Dieser Band dokumentiert die Tagung im Literaturforum im Brecht-Haus und erscheint in der Schriftenreihe lfbTexte.

Mit Beiträgen von Dietmar Dath, Jens Friebe, Georg Fülberth, christine Künzel, Ursula Püschel, Stefan Ripplinger, Margrid Bircken, Birgit Dahlke, Marlies Janz und vielen mehr.


Kunst 23

lisa Kränzler

Kränzler, lisa Die Malerin und Schriftstellerin Lisa Kränzler fertigt seit Jahren neben großformatigen Lackbildern auch sogenannte Zeichnungen an, Arbeiten auf Papier, die mit Schreibmaschine, Stift, Lack und hineincollagiertem Material entstehen und sich mit der Reibung zwischen Leben und Kunst, zwischen Anpassungsdruck und Radikalität auseinandersetzen. Ihre Zeichnungen sind zugleich ironisch und mit Vehemenz erstellt. Und wie die Kunst ist auch das Buch – ein Katalog im Kinderbuchformat. So folgt die Präsentationsform der Kunst der ungewöhnlichen Art der Zeichnungen. Der Katalog erscheint anlässlich Kränzlers Ausstellung »Fetzen« im Literaturmuseum Karlsruhe.

Lisa Kränzler, geboren 1983, war 2014 Literaturstipendiatin des Landes Baden-Württemberg, sie erhielt für einen Auszug aus dem Roman »Nachhinein« 2013 den 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb. Im gleichen Jahr war sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und wurde mit dem Reinhold-Schneider-Preis der Stadt Freiburg ausgezeichnet. 2014 wurde ihr das Märkische Stipendium für Literatur verliehen. 2014 veröffentlichte sie ihren Roman »Lichtfang«. Im Verbrecher Verlag erschienen ihre beiden ersten Romane »Export A« (2012) und »Nachhinein« (2013).

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Lisa Kränzler KRÄNZLER, LISA Katalog Pappbuch 26 Seiten, durchgehend vierfarbig, 19 Euro ISBN 978-3-95732-183-1 Erscheint im Mai 2016

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24 Verbrecher Verlag in den Medien

»Im Erzählen öffnet David Wagner sein anekdotenreiches Lesetagebuch – und uns eine wahre Schatzkiste.« D AV I D WA G N E R

SICH VERLIEBEN HILFT

Bettina Hesse / WDR 5 Bücher David Wagner: sich verlieben hilft. über bücher und serien leineneinband, 144 seiten, 19 €, isbn 978-3-9-5732-157-2

ÜBER BÜCHER UND SERIEN

»Erika Tophoven, selbst renommierte Beckett-Übersetzerin, ist der Lebensgeschichte dieses für gewitzte Gaunereien und Trickbetrug, Heiratsschwindel, Diebstahl und leere Versprechungen so begabten Menschen nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer Recherche hat sie zu einer großartig konstruierten und immer wieder verblüffenden Hochstaplerbiografie zusammengetragen.« Jorghi Poll / Buchkultur erika tophoven: Godot hinter Gittern. eine hochstaplergeschichte hardcover, 144 seiten, mit abbildungen, 21 €, isbn: 978-3-95732-124-4

»Karsten Krampitz schildert die Ereignisse des Jahres 1976 und ordnet sie historisch ein. Er kann glaubhaft machen, dass sie wesentlich dazu beigetragen haben, dass die DDR dreizehn Jahre danach in sich zusammenfiel.« Urs Meier / Journal 21 Karsten Krampitz: 1976. Die DDr in der Krise broschur, 176 seiten, 18 €, isbn 978-3-95732-145-9

»Eine Verteidigung der Karikatur gegen jene, die sie politisch nutzbar und dadurch aus ihr einen Witz machen.« Andreas Platthaus / Frankfurter Allgemeine Zeitung Philipp stadelmaier: Die mittleren regionen. über terror und meinung broschur, 144 seiten, 13 €, isbn 978-395732-155-8

»Keine sachliche Analyse der Musikszene, sondern ein ganz persönlicher Rückblick, an dem Almut Klotz bis zu ihrem viel zu frühen Tod im Jahr 2013 arbeitete.« Anna Seidel / Missy Magazin almut Klotz: Fotzenfenderschweine hardcover, 144 seiten, 19 €, isbn 978-3-95732-165-7

Verbrecher Verlag Vorschau Herbst 2016  

Verbrecher Verlag Vorschau Herbst 2016 - mit Peter Weiss; J.J. Voskuil; Detlev van Heest; Manuel Karasek; Ralph Hammerthaler; Jens Kirschnec...

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