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TECHNIK

Die Kette – ein unterschätztes Meisterwerk Wie man die Antriebstechnik in Schuss bringt Geschätzte 80 Prozent aller Stahlrösser, die in eine Fahrradklinik gebracht werden, leiden unabhängig von den akuten Beschwerden immer auch an chronischem Kettenschmierstoffmangel. Obwohl die radelnotwendigen, stählernen Fahrradketten aus toter Materie bestehen, geben diese geschundenen, notleidenden Organe des Drahtesels dennoch zahlreiche Hilferufe ab, zum Beispiel Quietschen, Rasseln und Knarzen. Fahrradmechaniker Franz Koslar vom ADFC-Fördermitglied VeloCity in Bonn gibt Tipps für die richtige Kettenpflege. Der Grund für die mangelnde Pflege ist vor allem Unsicherheit: Welche Kettenschmierstoffe sind geeignet? Welche Schmier- und Pflegeintervalle sind richtig? Aber auch Bequemlichkeit spielt eine Rolle, wenn zum Beispiel die Ölflasche „ganz weit weg“ steht. Doch die Kettenpflege ist gar nicht so schwer wie gedacht.

Kleine Kettenkunde Fahrradketten leiten die Tretkräfte, die wir durch unsere Muskeln auf Pedale und Kurbelantrieb ausüben, an das Hinterrad weiter. Gemäß ISO Norm 9633 muss eine Kette Zugkräften von etwa 1.000

Schwerste Korrosionsschäden durch regelmäßige Radnutzung und fehlende Kettenpflege. 1. Hilfe: wenig Kriechöl, danach Kettenöl. Kette und Ritzel sollten unbedingt ersetzt werden!

Rückenwind 2/2009

Flugrost nach starkem Regen und einigen Tagen Pause. Pflegetipp: Nach Regenfahrt wenige Tropfen Öl auf Kette und Antrieb bringen und einige Umdrehungen machen. Alle Fotos:Franz Koslar

Kilogramm standhalten! Verschleiß infolge von Materialabnutzung und Rostschäden schwächt auch die hochwertigste Kette. Man sollte wissen, dass Risse durch solche Schwächungen Unfälle mit tödlichen Folgen verursachen können, besonders beim Antreten und Bergauffahren! Praxisnahe Vorgaben und Normen für Kettenhersteller sind daher wichtig, andererseits aber entbinden sie den Benutzer nicht von seiner Pflegepflicht – im eigenen Interesse. Die meisten Fahrradketten gehören zur Familie der Lagerkragenketten und bestehen aus vielen Kettengliedern. Jedes Kettenglied setzt sich aus zwei Außenlaschen mit zwei Kettennietstiften, zwei Innenlaschen mit je zwei Kragen und zwei Rollen zusammen. Zählt man alle Nietstifte zusammen, so kommt man im Durchschnitt auf 116 und damit 116 Kettengelenke. Innerhalb jedes Gelenks reiben mehrere Metalloberflächen aufeinander, so dass die entstehende Reibung unsere Tretkräfte „bremst“ – ein Vorgang, der natürlich gar nicht erstrebenswert ist. Wie alle Schmierstoffe haben auch Kettenschmierstoffe die Aufgabe, eine trennende Schicht zwischen diesen aufeinander reibenden Oberflächen auszubilden, damit das destruktive Reiben 23

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Rueckenwind2-2009  

FAHRRADMAGAZIN BONN

Rueckenwind2-2009  

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