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TRANSFORM THE LEGO ART ISSUE

NATHAN SAWAYA

DESIGN IN STEIN

LEGO KÜNSTLER AUS NEW YORK

AUSSTELLUNG VON RENÈ HOFFMEISTER

CHRISTOPH NIEMANN

DAS BAUEXPERIMENT

SEIN BUCH »I LEGO NY«

DER LEGO SELBSTTEST


EDITORIAL

Kunst – das ist so eine Sache mit der Kunst. Sie tritt in so vielen Formen auf und spaltet die Meinungen ihrer Betrachter wie kein anderes Thema. Denn wie definiert man sie überhaupt? Für ganz Korrekte, muss etwas schon fast antik sein, bevor es sich Kunst nennen darf, Mütter sehen sie in den Kritzeleien ihrer Kinder und für einige ist sie ein Graffitti an der Straßenecke. Letztendlich verhält es sich dabei wie beim Geschmack: Streiten ist zwecklos. In dieser Ausgabe des TRANSFORM Magazins befassen wir uns mit einer anderen speziellen Art von Kunst, der LEGO Kunst. Wenn man LEGO hört, denkt man zuerst an Kinder oder seine eigene Kindheit, denn fast jeder hat einmal damit gespielt. Seine Vielseitigkeit macht es zum perfekten Spielzeug. Man kann alles bauen was man will und wenn es einem nicht gefällt, zerlegt man eswieder in seine Einzelteile. Genau das macht auch den Reiz für Künstler wie Nathan Sawaya aus. Es sind nicht mehr kleine Häuschen die gebaut werden sondern meterhohe Skulpturen von Menschen, Tieren und berühmten Kunstwerken. Die Verwendungsmöglichkeiten sind endlos. Aber auch mit kleinen Dingen kann man großes erreichen wie Christoph Niemann beweist. Wer dieser Kunstform skeptisch gegenüber steht, sollte ihr zumindest eine Chance geben. Die bunten Steine versetzten einen zurück in die Kindheit und erwecken den eigenen Spieltrieb aufs neue. Und war als Kind nicht sowieso alles besser?


Einleitung

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Inhalt

INHALT


10 19 NATHAN SAWAYA Seit mehr als 10 Jahren fasziniert der New Yorker Künstler Kinder und Erwachsene mit seinen detailreichen, lebensgroßen LEGO Skulpturen.

20 27 CHRISTOPH NIEMANN Der Berliner Illustrator, zeigt und in seinem Buch »I LEGO NY« die kantigen Seiten der Metropole.

MIT DEM HERZEN DABEI

KLEINE STEINE, GROSSE AUGEN

Ein kurzer Einblick in die Hobbywelt der LEGO Fangemeinde.

In Mannheim präsentiert der deutsche LEGO Profi René Hoffmeister seine Arbeiten in der Ausstellung »Design in Stein«.

40 43 NATHAN SAWAYA

SAMMELSURIUM Fundstücke und kreative Verwendungsmöglichkeiten, rund um die bunten Steine.

44 59 DAS BAUEXPERIMENT Fünf Unerfahrene stellen sich der Herausforderung und versuchen sich für einen Tag als LEGO Künstler.

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Einleitung

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Inhalt

AUSSTELLUNG »DESIGN IN STEIN«


LEGO Artist 10

Nathan Sawaya


LEGO Artist

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Nathan Sawaya

NATHAN SAWAYA


LEGO Artist

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Nathan Sawaya

THE REBIRTH OF NEW ORLEANS


Nathan Sawaya 13 LEGO Artist

NATHAN SAWAYA IST EIN KÜNSTLER AUS NEW YORK, DER SICH AUSSCHLIESSLICH MIT DEN KLEINEN STEINEN BEFASST. IN SEINEM ATELIER BEFINDEN SICH MEHR ALS 1,5 MILLIONEN DAVON. 2001 KÜNDIGTE ER SEINEN JOB ALS ANWALT, UM SICH SEINEM HOBBY ZU WIDMEN, MIT DEM ER MITTLERWEILE DURCH GANZ NORDAMERIKA TOURT. IN EINEM INTERVIEW ERZÄHLT ER VON SEINEM BERUF, UM DEN IHN BESTIMMT EINIGE BENEIDEN.


LEGO Artist

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Nathan Sawaya


DU HAST SCHON ALS KIND MIT LEGO GESPIELT. WANN HAST DU DEIN ERSTES SET BEKOMMEN UND WAS WAR DEINE LIEBSTE THEMENWELT?

» ES WURDE ZEIT DIE

NATHAN SAWAYA: Es war an Weihnachten 1978, als ich von meinen Großeltern, meine ersten LEGO Stei-

ne bekommen habe. Ich erinnere mich, dass ich die Packung geöffnet und sofort ein Haus gebaut habe. Den restlichen Weihnachtsmorgen habe ich nichts anderes gemacht. Mir kommt es vor, als hätte ich seit diesem Tag immer mit LEGO gebaut. Heutzutage sind meine Modelle natürlich größer, als ein Spielzeughaus. Mit LEGO aufzuwachsen gab mir die Möglichkeit alles zu bauen, was ich wollte. Es hat meiner Vorstellungskraft, freie Bahn gelassen. Wollte ich ein Rockstar sein, baute ich mir eine Gitarre. Wenn ich ein Astronaut sein wollte, eine Rakete. Es war das perfekte Mittel um mich in mein jetziges Leben als Künstler zu führen, in dem ich alles gestalten kann was ich will. Und das Beste ist, dass ich auch noch dafür bezahlt werde!

HAST DU DAMALS SCHON DEINE EIGENEN SKULPTUREN GEBAUT?

SAWAYA: Ich war als Corporate Anwalt in New York

SAWAYA: Irgendwann wollte ich einen Hund haben.

Als ich meine Eltern fragte und sie es mir verboten, baute ich mir einfach einen lebensgroßen Hund aus LEGO. Es war wahrscheinlich mein erster Aha Moment, als ich feststellte, dass ich mit diesem Spielzeug alles bauen konnte was ich wollte. Das war der Ursprung von dem, was ich heute tue: Große Skulpturen bauen.

» WOLLTE ICH EIN ROCKSTAR SEIN, BAUTE ICH MIR EINE GITARRE «

BEVOR DU ALS KÜNSTLER ERFOLGREICH WURDEST HAST DU ALS ANWALT GEARBEITET. WARUM HAST DU DEINEN JOB AUFGEGEBEN? HATTEST DU AUCH SCHON VORHER ERFOLG MIT DEINER KUNST?

Nathan Sawaya

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»Stadt« war mein Lieblingsthema als ich aufwuchs. Meine Eltern unterstützten Kreativität in vielen Formen, und eine Möglichkeit, sie zu entdecken, war LEGO. Tatsächlich haben sie mich einmal eine 28 qm große LEGO Stadt im Wohnzimmer bauen lassen.

KANZLEI ZU VERLASSEN UND EIN VOLLZEIT KÜNSTLER ZU WERDEN «

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tätig. Nach den langen Tagen in der Kanzlei kam ich heim und baute etwas mit LEGO. Es war fast therapeutisch für mich. Nach Hause zu kommen und etwas zu erschaffen war Therapie für meinen Geist. Vor ein paar Jahren habe ich mir die Aufgabe gestellt eine größere Skulptur aus LEGO zu bauen. Nach ein paar positiven Reaktionen habe ich begonnen, weitere große Figuren zu bauen und Fotos davon auf meine Webseite, www.brickartist.com, zu stellen. Kurz danach bekam ich Aufträge aus der ganzen Welt und mir wurde klar, dass ich lieber ein Künstler als ein Anwalt wäre. Wie bei so vielen kleinen Unternehmen wurde, das was als Hobby begann, zu einem Vollzeitjob. Als ich eines Tages so viele Besucher auf meiner Seite hatte, dass sie zusammenbrach, wusste ich, dass ich eine existenzfähige Sache am laufen hatte. Es wurde Zeit die Kanzlei zu verlassen und ein Vollzeit-Künstler zu werden. Wie sie vielleicht wissen, arbeiten New Yorker Anwälte mehr als 80 Stunden die Woche. Zur Zeit arbeite ich mehr Stunden, habe aber auch mehr Spaß.

WENN DU EINE NEUE ARBEIT BEGINNST, WIE GEHST DU VOR? ERSTELLST DU DIR EINEN PLAN ODER EINE SKIZZE? SAWAYA: Beides, das hängt von der Skulptur ab.

Ich trage immer ein kleines Skizzenbuch bei mir damit ich mir Ideen notieren kann. Normalerweise versuche ich mir die fertige Arbeit in meinem Kopf vorzustellen, bevor ich den ersten Stein setze.

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KLEBST DU DIE STEINE SOFORT ZUSAMMEN? UND WAS PASSIERT WENN DIR EIN FEHLER UNTERLÄUFT? SAWAYA: Ich habe gemerkt, dass Kunstgallerien

es nicht sehr mögen, wenn sie eine Kiste öffnen, um eine Skulptur heraus zu holen und stattdessen nur lose Steine vorfinden. Um sicher zu stellen, dass meine Werke die Verschickung in die ganze Welt überleben, klebe ich die Steine zusammen. Falls ich einen Fehler machen sollte, bin ich ziemlich gut mit Hammer und Meißel.

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WAS WAR DEINE GRÖSSTE FIGUR, DIE DU IN DEN 10 JAHREN DEINER KARRIERE GESCHAFFEN HAST? WIE VIEL STUNDEN UND STEINE HAST DU DAFÜR BENÖTIGT? SAWAYA: Ich habe einmal eine Werbetafel von 17m Länge und 4,5m Breite gemacht. Über 500.000 Einzelteile wurden verbraucht. Eine der größten 3D Skulp-

turen war das Skelett eines Tyrannosaurus Rex mit der Länge von 6m. Das hat mich den ganzen Sommer gekostet.

Nathan Sawaya

» ETWAS ZU ERSCHAFFEN,

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WAR THERAPIE FÜR MEINEN GEIST «

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GIBT ES EINE SKULPTUR DIE DU BESONDERS MAGST?

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ARBEITEST DU AUCH MANCHMAL MIT IHNEN?

SAWAYA: Immer die nächste Skulptur. Ich freue

SAWAYA: Von Zeit zu Zeit beauftragen sie

mich auf jede neue Herausforderung.

mich, verschiedene Arbeiten für sie zu machen. Für das Legoland in Kalifornien habe ich schon einige Sachen gemacht.

MITTLERWEILE BIST DU EIN BEKANNTER KÜNSTLER UND WURDEST SOGAR VON LEGO ZUM »LEGO CERTIFIED PROFESSIONAL« ERNANNT. ZIEHST DU EINEN NUTZEN AUS DIESEM TITEL? SAWAYA: LEGO nahm Kontakt zu mir auf und fragte ob ich ein »LEGO Certified Professional«

werden will. Es ist eine gute Möglichkeit um eine Verbindung mit dem Unternehmen herzustellen. Außerdem erhalte ich einen kleinen Rabatt auf meine Bestellungen. Es rufen ja nicht oft Leute an und verlangen 10.000 Steine einer Form und einer Farbe.

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BEKOMMST DU AUCH VIELE AUFTRÄGE VON PRIVATPERSONEN ODER FÜR KOMMERZIELLE ZWECKE? SAWAYA: Ich bekomme von beidem viele

Aufträge. Es gibt eine wachsende Zahl von Sammlern meiner Werke, aber ich erstelle auch öffentliche Installationen wie Lobby Art. Ich glaube einer der besten Teile meines Jobs ist es, meine E-Mails zu öffnen und lauter Anfragen aus der ganzen Welt zu lesen.


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Nathan Sawaya

RED

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FOTO: NATHAN SAWAYA

IM MOMENT TOURST DU MIT EINER GROSSEN AUSSTELLUNG DURCH NORDAMERIKA. WIE FÜHLT ES SICH AN ZU SEHEN, WIE SO VIELE MENSCHEN DEINE KUNST BEWUNDERN? SAWAYA: Ich liebe es zu sehen, wie Leute auf meine Stücke reagieren.

Wenn sie meine Skupturen sehen, können sie sich damit identifizieren, weil sie auch einmal mit LEGO gespielt haben. Sie sind vertraut damit und fühlen sich mit der Kunst verbunden. Außerdem ist sie für ein breiteres Puplikum zugänglich. Es ist fast irreal wie meine Arbeit Menschen der Kunst nähergebracht hat, die vorher nie in einem Museum waren, aber von meinen Werken angezogen werden.

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PLANST DU FÜR DIE ZUKUNFT AUCH AUSSTELLUNGEN IN EUROPA? SAWAYA: Geplant ist noch nichts,

aber ich hoffe sehr, dass das irgendwann möglich ist!


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» ES IST FAST IRREAL, WIE MEINE ARBEIT MENSCHEN DER KUNST NÄHERGEBRACHT HAT «


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Nathan Sawaya

YELLOW


Christoph Niemann

20 I LEGO NY


Christoph Niemann

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CHRISTOPH NIEMANN


DER DEUTSCHE ILLUSTRATOR CHRISTOPH

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NIEMANN MACHT DEM BIG APPLE EINE STEINIGE LIEBESERKLÄRUNG. IN SEINEM

Christoph Niemann

I LEGO NY

CHRISTOPH NIEMANN LOVES NEW YORK NEUEN BUCH »I LEGO NY« ZEIGT ER AUF EINFACHE WEISE DIE WAHRZEICHEN DER METROPOLE. New York wurde nicht an einem Tag erbaut – genau so wenig wie die Freiheitsstatue. Denkt man. Christoph Niemann, der deutsche Illustrator von Kinderbüchern und Magazinen, schafft das in Sekunden. Zauberei ist hier nicht nötig, nur ein paar grüne und gelbe LEGO Steine. Für einen Sonnenuntergang über dem Hudson River sogar noch weniger. Das sind nur zwei von vielen liebevoll gebauten Szenarien, die in Niemanns aktuellem Buch »I LEGO NY« zu finden sind. Spielerisch erweckt er das Lebensgefühl seiner ehemahligen Wahlheimat und lässt dabei hintergründig immer etwas Humor mitschwingen. Schon während seines Studiums an der Akademie der Künste in Stuttgart, reiste Niemann zwei mal nach New York, um bei Paul Davis und Pentagram Praktika zu absolvieren. Nach seinem Diplom entschied er sich 1997 ganz in den Big Apple umzusiedeln. Schnell fasste er dort Fuß als Illustrator, wobei dieser Begriff nur einen Teil seiner Fähigkeiten beschreibt. Er ist genauso ein scharfer Beobachter, Zyniker und Karikaturist des Alltäglichen. Vor allem bei Arbeiten für das »New York Times Magazine«, für

das er viele Cover gestaltete, stellt er das unter Beweis. 2008 bekam er dort mit »Abstract City« seinen eigenen Blog, wo er unterhaltsame Geschichten aus seinem Leben illustriert. Mit seiner Rückkehr nach Deutschland, im Jahr 2011, wurde aus »Abstract City«, »Abstract Sunday«. Dafür entstanden die ersten Arbeiten für das Buch. An einem kalten Wintertag in Berlin, spielte er mit seinen Söhnen in deren Kinderzimmer. Dort sah er das ganze Spielzeug verstreut auf dem Boden liegen und dachte zurück an die Zeit in seiner alten Heimat.Auf seinem Blog veröffentlichte er schließlich die New Yorker Wahrzeichen aus LEGO. Die Begeisterung war groß, vor allem die New Yorker selbst liebten das Abbild ihrer Stadt. Zufrieden über die vielen positiven Reaktionen, entschloss er sich kurzer Hand, ein komplettes Buch daraus zu machen. Eigentlich wirkt es mit seinen dicken Seiten, wie ein Bilderbuch für Kinder, der Humor spricht aber vor allem Erwachsene an. Das frisch gezapfte Bier mit zu viel Schaum oder Marilyn Monroe mit flatterndem Rock über dem U-Bahn Schacht, bringt einen immer wieder zum Schmunzeln.


Christoph Niemann

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I LEGO NY

AUSZÜGE AUS DEM BUCH » I LEGO NY«


Christoph Niemann

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Christoph Niemann

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I LEGO NY


LINKS

Eine Filmszene aus dem Klassiker »Taxi Driver« aus den 80ern. Darin spielt Robert de Niro einen Taxi Fahrer aus New York. UNTEN

Christoph Niemann

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I LEGO NY

Typisch New York. Die Mützen der zwei Baseballteams »Mets« und »Yankees«, die die Stadt in zwei Lager teilt.


Christoph Niemann

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I LEGO NY


Mit dem Herzen dabei 28

LEGO als Hobby


AUF JEDEN LEGO PROFI KOMMEN WOHL TAUSENDE LEIDENSCHAFTLICHE HOBBY BASTLER, DIE IN EINEM DER VIELEN INTERNETFOREN UNTERWEGS SIND. WARUM, ERZÄHLEN SIE HIER.

LEGO als Hobby

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Mit dem Herzen dabei

MIT DEM HERZEN DABEI


LEGO BEGEISTERT DIE MENSCHEN, EGAL WELCHES ALTER, OB MANN ODER FRAU. MANCHE HABEN EINE EIGENE WERKSTATT MIT TAUSENDEN VON STEINEN, ANDERE SITZEN AUF DEM BODEN, BIS IHNEN ALLES WEHTUT. DOCH DAS EINZIGE AUF DAS ES ANKOMMT, IST DER SPASS, UND DEN HABEN SIE ALLE. AUF DER VON LEGO PROFI, RENÉ HOFFMEISTER, GEGRÜNDETEN SEITE »1000STEINE.DE« TAUSCHEN SICH DEUTSCHE FANS AUS, BESTREITEN WETTBEWERBE UND HELFEN SICH GEGENSEITIG. EIN PAAR VON IHNEN ERZÄHLEN IN EINEM KURZEN INTERVIEW, WAS FÜR SIE DEN REIZ DARAN AUSMACHT.

01 LEGO als Hobby

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WAS WAR BISHER DEIN BESTES MOC* ODER AUF WELCHES BIST DU BESONDERS STOLZ?

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Mit dem Herzen dabei

WAS FASZINIERT DICH SO AN LEGO?

WANN HAST DU ANGEFANGEN DAMIT ZU BAUEN?

BENEDIKT, 22

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Durch LEGO habe ich die Möglichkeit, meine Fantasie und Kreativität auszuleben. Ausserdem schaffe ich es beim Bauen, am besten vom Alltags-und Arsbeitsstress abzuschalten. Und ich kann immer wieder was anderes entwerfen und bauen und nicht so sehr eingeschränkt.

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Auf meine Kathedrale, die ich zusammen mit meiner Freundin gebaut habe, bin ich besonders stolz.

Das ist schwer zu sagen. Etwa seit ich 3 bin oder so.

TIM, 14

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»FISCHE WERDEN NUR SO GROSS WIE IHR AQUARIUM, ABER ICH SEHE DIE GLAS WÄNDE JAHR FÜR JAHR NÄHERKOMMEN .«

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Die Möglichkeit, seine Fantasien auszuleben, und einfach alles bauen zu können, wonach einem der Sinn steht.

Mein schönstes MOC ist meiner Meinung nach eine Nachbildung eines schwarzen »Hummer H2«. Besonders stolz bin ich auf ein Modell meines Vaters, ein fast 2 Meter langes Kriegsschiff.

Als meine Finger genug Feinmotorik entwickelt hatten, um zwei Steine aufeinander zu setzen, vor etwa 13 1/2 Jahren.

* Erklärungen zu diesem und anderen Begriffen befinden sich rechts in der Box.


RENÉ, 31

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ANDREAS, 48

VALENTIN, 23

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Ganz praktisch gesehen: Dass ich Herr sein kann über die Atomisierung (Zerlegen von Modellen), ebenso, wie über den Zusammenbau von Dingen aus LEGO Steinen, grade wie es mir gefällt. Also dieses Oszillieren zwischen der Ver- und der Ent-Dinglichung. Philosophischer gesehen: Dass die theoretisch unbegrenzte Erweiterbarkeit des Bestandes, zugleich auch eine theoretische Glücksmöglichkeit enthält: Den letzten Stein erstehen können und es unterlassen. Daneben bei jedem Bauexperiment die Zuspitzung der Endlichkeitserfahrung: Reichen die Steine? Sie reichen nicht. Und schließlich, davon abgeleitet und mathematisch ausgedrückt, als Formel: Steinebedarf = Steinbestand minus 1.

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Eigentlich schon mein Leben lang. 1982 bekam ich meine ersten Duplo Steine. Im Kindergarten ging es dann mit den kleinen LEGO Steinen weiter. Inzwischen sind es fast 30 Jahre LEGO.

Die Kreativität, das Meditative, die unendlichen Möglichkeiten!

Mein erstes MOC, mit dem ich auch einen Preis gewonnen hab. Eine Piratenfestung auf einer kleinen Insel.

Seit ich ein Jahr alt bin für mich selbst. Und seit etwa 2009, weltweit im Internet. ABKÜRZUNGEN

Ob es das Beste war, entscheidet das Publikum, aber das mir liebste, war das Rampengebäude für die Monorail Bahn. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich das Dach an die »natürliche« Biegung schmiegt, sowie die Vielzahl an technischen Spezialitäten bei der Umsetzung, gefällt mir noch heute.

Meine ersten Erinnerungen an bestimmte Buchstabensteine, Bäume, Zäune und Verkehrsschilder setzen um das Jahr 1968 ein. »Sets« wie im heutigen Sinne, gab es noch nicht. Kürzlich habe ich in einem aussortierten Haufen, einen 1x2-Stein gefunden, den ich im Alter von sechs Jahren eigenhändig zerkratzt und innen mit einer bis heute erhaltenen gräulichen Knetgummimasse versehen haben muss. Das rührt natürlich, wenn ein inzwischen 48 Jahre alter Sack, sowas in Händen hält und irgendwie extra hinlegt und aufhebt. Es folgten die hinreichend bekannten, Dunklen Jahre »ohne«, was jedoch bereits mit ca. 23 Jahren, ein helles Ende fand. 2005 besuchte ich mein erstes 1000 Steine Land und fand, dass ich im Vergleich zu den Anderen, deren Werke ich bestaunen durfte, ein recht kleiner Fisch bin. Inzwischen bin ich etwas gewachsen. Fische werden zwar nur so groß, wie ihr Aquarium, aber ich sehe die Glaswände Jahr für Jahr näherkommen. Bedrohlich ist das noch nicht.

Besonders stolz bin ich auf meinen Sockel für den Creator Leuchtturm.

AFOL

Adult Fan Of LEGO

LUG

LEGO User Group

MdJ

MOC des Jahres

MOC

My Own Creation

TLC / TLG The LEGO Company / Group TSL

1000Steine Land, zentrale Ausstellung der 1000Steine

Fangemeinschaft DUNKLE JAHRE

Die Zeit im Leben in der man nicht mit LEGO gebaut hat

SHREDDERN Das Zerlegen von LEGO Bauten

LEGO als Hobby

DIE KREATIVITÄT, SONDERN MAN KANN AUCH TECHNISCHE ABLÄUFE UND ZUSAMMENHÄNGE LERNEN. «

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»LEGO FÖRDERT NICHT NUR

Einfach die Möglichkeiten. Die sind geradezu unendlich. Man hat wirklich jeden Tag ein neues Spielzeug. Lego fördert nicht nur die Kreativität, sondern man kann auch technische Abläufe und Zusammenhänge lernen. Stichwort Lego Technic.

Mit dem Herzen dabei

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Design in Stein 32 Kleine Steine große Augen

IN DER AUSSTELLUNG »DESIGN IN STEIN« IN MANNHEIM ZEIGT RENÉ HOFFMEISTER, DEUTSCHLANDS EINZIGER »LEGO CERTIFIED PROFESSIONAL«, SEINE RIESIGEN ARBEITEN UND BEGEISTERT TAUSENDE BESUCHER.


Kleine Steine große Augen

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Design in Stein

KLEINE STEINE GROSSE AUGEN


AUCH DEUTSCHLAND HAT EINIGE LEGO FANS ZU BIETEN, DIE IHR HOBBY ZUM BERUF GEMACHT HABEN. EINER DAVON IST RENÉ HOFFMEISTER,

Kleine Steine große Augen

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Design in Stein

EIN 32 JÄHRIGER KÜNSTLER DER ZULETZT IN WIESBADEN UND MANNHEIM AUSTSTELLTE.

»Design in Stein« nennt sich die LEGO Ausstellung des deutschen Künstlers René Hoffmeister. Schon im letzten Jahr fand sie in Wiesbaden statt und zog tausende Fans der Steine an. Besucht man die »Alte Seilerei« in Mannheim, in der sie dieses Jahr für drei Monate stattfindet, betritt man einen düsteren, langen Saal, dessen Wände mit blauem und violettem Licht ausgeleuchtet sind. In der Mitte reiht sich eine Vitrine an die Andere und lenkt den Besucher auf diese Weise in einem Kreis durch den Raum. Laut ist es, und immer wieder kann man ein »Ah« und »Oh« heraushören. Am Eingang wird man direkt von einem 3 Meter langen Containerschiff empfangen, um das sich eine von vielen Menschenansammlungen gebildet hat. Das kleine Licht im Führerhaus des Schiffs sendet munter seine Signale. Geht man jedoch einige Schritte weiter, wird dieses von dem riesigen Leuchtturm überschattet, der mit seinen 250.000 weißen und roten Steinen fast schon an der Decke kratzt. Dabei handelt es sich um die Nachahmung des Leuchtturms »Roter Sand«, der an der Nordseeküste zu finden ist. Von Exponat zu Exponat gerät man mehr ins Staunen und fühlt sich wie die kleinen Besucher, die sich mit ihren Eltern in der Halle tummeln und vor Begeisterung ihre Münder nicht mehr zubekommen und große Augen machen. So kann es schon mal vorkommen, dass es kleinere Zusammenstöße gibt, da die Blicke stets nach oben gerichtet sind. Nichtweniger faszinierend sind die Nachbildungen einiger berühmter Kunstwerke, die nicht nur durch Größe, sondern auch Detailreichtum auf-

fallen. Darunter befinden sich die »Geburt der Venus« von Boticelli und die »Mona Lisa« von da Vinci, die auch trotz der LEGO Steine ihr bekanntes lächeln nicht verloren hat. Direkt daneben erstreckt sich auf einem ca. 8 Meter breiten und 2 Meter hohen Bogen eines der größten Stücke der Ausstellung, ein Bild des Berliner Gendarmenmarktes. Alles in Grautönen gehalten. Wer denkt, nur Kunst- und Historikfans kommen hier auf ihre Kosten, der irrt. Für Film- und Fernsehbegeisterte ist auch jede Menge dabei. In den Vitrinen kann man Charaktere aus »Star Wars« bestaunen. Wie zum Beispiel den Bösewicht »Darth Maul«, dessen orangene Augen einen böse anfunkeln. Gleich daneben befindet sich natürlich der »Todesstern«. Wer es etwas fröhlicher mag, kann ein paar Kästen weiter die Welt von »Spongebob Schwammkopf« erkunden, die Hoffmeister mit viel Liebe erschaffen hat. So findet hier jeder letzten Endes sein Lieblingswerk. Ist man erst einmal am Ende des Rundgangs angelangt, kann man sich zwischen einigen anderen Angeboten entscheiden. Die Ausstellung ist nicht nur dazu da professionelle Arbeiten zu zeigen, sondern auch einen Anstoß für eigene LEGO Werke zu geben. So gibt es einen Bereich, in dem während der gesamten 3 Monate eine kleine LEGO Stadt entsteht, zu der jeder Häuser, Autos oder Personen beitragen kann. Riesige Kisten mit Bausteinen bieten dafür genug Möglichkeiten. Damit auch die allerkleinsten mitmachen können, die manchmal einen kleinen bunten Stein für einen leckeren Snack halten, gibt es eine Spielecke,


DARTH MAUL


Kleine Steine große Augen

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Design in Stein

in der die größeren Duplo Steine zu Verfügung stehen. Hier schießt ein Turm nach dem anderen aus dem Boden, von denen die meisten die Köpfe ihrer Erbauer überragen. Für Technikfans ist auch gesorgt: An einer anderen Station können sie ihre eigenen Züge bauen und diese auf zwei nebeneinander liegenden Gleisen Wettrennen fahren lassen. Und wer eine Pause von dem Trubel braucht, kann sich in einem seperaten Raum einen Kurzfilm anschauen, der mit LEGO Figuren inszeniert wurde. Im Großen und Ganzen also eine runde bzw. eckige Sache, die es sich lohnt, anzusehen.

RENÉ HOFFMEISTER Seitdem der 34-jährige vor 20 Jahren das erste mal mit LEGO in Berührung kam, hat ihn diese Faszination nicht mehr losgelassen. »Man kann seinen Ideen und Fantasien freien Lauf lassen und immer wieder etwas Neues entdecken.« Um seine Leidenschaft mit Gleichgesinnten zu teilen, gründete er 2000 »1000Steine.de«, eine Fanseite, die sich zur größten Deutschlands entwickelt hat. Dort können sich Hobbybastler über ihre neuesten Projekte austauschen und Inspiration sammeln. Seit nunmehr 10 Jahren verdient er sein Geld mit der Kunst der Steine und ist seit 2007 erster und einziger deutscher »LEGO Certified Professional«. Neben vielen eigenen Ausstellungen organisiert er seit 2002 jährlich das »1000Steineland« in seiner Geburtsstadt Berlin, wo LEGO Bauer aus ganz Europa ihre Arbeiten zeigen.


MONA LISA Kleine Steine groĂ&#x;e Augen

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Design in Stein


Kleine Steine große Augen

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Design in Stein

WETTRENNEN MIT DEN LEGO ZÜGEN


Kleine Steine große Augen

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Design in Stein

DIE KLEINE STADT WÄCHST UND WÄCHST. AUF DER BAUSTELLE WERDEN HÄUSER UND MENSCHEN GEBAUT.


SAMMEL

Sammelsurium

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Fundstücke

SURIUM WIE SCHON BEWIESEN WURDE, KANN MAN DIE STEINCHEN VIELSEITIG VERWENDEN. ABER SIE KÖNNEN NOCH MEHR ALS IN AUSSTELLUNGEN SCHÖN AUSZUSEHEN. PRAKTISCH SIND SIE AUCH, WIE Z.B. BEIM MÖBELBAU, WÄNDE FLICKEN ODER BUCHSTABEN DRUCKEN. DAS EINZIGE WAS MAN NICHT SO SCHNELL FINDEN WIRD, SIND DIE GRENZEN DER KREATIVITÄT.


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TISCH Konferenztisch des irischen Designb端ros abgc.

BUCHSTABENPRESSE Alte Methode neu aufgelegt. Die einzelnen Steine lassen unendlich viel Spielraum zum Zusammensetzten.

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Fundst端cke 41

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Sammelsurium

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MAUERKUNST Seit 2007 repariert der K端nstler Jan Vormann Weltweit besch辰digte Fassaden mit den Steinen


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LEGO KÜCHE Die zwei französischen Designer Simon Pillard und Philippe Rosetti funktionierten eben mal ein IKEA Küche mit 20.000 Steinen um.

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Sammelsurium

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Fundstücke

ALLTÄGLICHES Die Arbeiten von Bruve Lowell sind Alltagsobjekte und -szenen.

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BADASS LEGO GUNS Martin Hundepohls Buch, das Anleitungen für selbstgebaute LEGO Waffen gibt, soll diese nicht verherrlichen, sondern technisches Wissen und Kreativität vermitteln.

07 ALBEN COVER Der Amerikaner Aaron Savage baut berühmte Albencover mit Steinen und Figuren nach, die den Originalen Konkurrenz machen können.

THE SMITHS _ MEAT IS MURDER

THE STROKES _ IS THIS IT

NIRVANA _ NEVERMIND

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Sammelsurium

DAVID BOWIE _ ALADDIN SANE

Fundstücke

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Das Bauexperiment

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Der Selbsttest


DAS BAUEX PERIMENT Das Bauexperiment

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Der Selbsttest

DAS BAUEX PERIMENT


Das Bauexperiment

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Die Kandidaten

DAS BAUEXPERIMENT ALS KIND HAT JEDER LEGO GELIEBT, ABER WIE SIEHT ES JETZT AUS? DIE ÄLTEREN FANS DER STEINE BEWEISEN, DASS ES EINIGE NOCH TUN. KÖNNEN AUCH DIEJENIGEN, DIE SEIT JAHREN KEINEN GEDANKEN MEHR DARAN VERSCHWENDET HABEN, SPASS DAMIT HABEN? GENAU DAS HABEN WIR AUSPROBIERT.

DIE KANDIDATEN Fünf Studenten stellten sich einen Nachmittag der Aufgabe, sich an einem Tisch voller LEGO Steine auszutoben und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Bis dahin hatten alle seit mindestens 10 Jahren nicht mehr mit LEGO gespielt. Auf die Anfrage bei diesem Experiment mitzumachen, reagierten die meisten zuerst zögerlich, willigten schließlich aber doch ein. Dass LEGO nicht nur ein Kinderspielzeug ist, war ihnen neu und die Tatsache, dass erwachsene Menschen damit ihre Freizeit verbringen, fanden sie merkwürdig. Von Künstlern, die damit ihr Geld verdienen, ganz zu schweigen.Trotzdem wollten sie es selbst ausprobieren und waren überrascht, dass der Tag ganz anders verlief als sie dachten.


01

JOHANNES STELLTE

WAS VERBINDEST DU MIT LEGO BZW. WAS FÜR KINDHEITSERINNERUNGEN HAST DU DARAN?

SICH DARÜBER HINAUS

Ich verbinde LEGO auch heute noch in erster Linie mit Kindern. Höre ich von einer erwachsenen Person, dass sie noch LEGO sammelt, habe ich oft Vorurteile im Kopf. Natürlich ist mir klar, dass nicht jeder, der sich als Hobby noch mit LEGO beschäftigt, ein dicker verschwitzter Mann ist, der zu lange (oder immernoch) bei seiner Mutter gelebt hat. Ich hege bestimmt auch nostalgische Gefühle für etwas, das andere überhaupt nicht nachvollziehen können, bzw dem andere ebenso mit Vorurteilen begegnet. Inzwischen habe ich auch schon einige beeindruckende LEGO Werke gesehen und bewundere die Leute für ihre Kreativität und Geduld. Kindheitserinnerungen habe ich selbst nichtmehr so wirklich. Ich habe damals noch mit anderen artverwandten Bausystemen gespielt, und kann nichtmehr alles einordnen. Aber ich erinnere mich noch daran, dass in den ausgehöhlten Steinchen teilweise getrockneter Joghurt klebte.

FÜR EIN INTERVIEW ZUR VERFÜGUNG.

02 BIS WANN HAST DU MIT LEGO GESPIELT?

Definitiv, ja. Ich stelle mir das vor allem super vor, wenn man einen unerschöpflichen Vorrat an Steinen hat, in genau der Variante und Farbe, wie man sie benötigt. Ich hätte gerne noch mehr und vor allem größere Sachen gebaut. Es macht Spaß sich auszudenken, wie man etwas am besten mit den Steinchen zusammenbauen könnte. Auf längere Sicht, also sich annähernd jeden Tag damit zu beschäftigen, kann ich mir auch sehr monoton vorstellen. Eventuell geht der Spaß mit zunehmender Routine auch ein Stück weit verloren, falls man sich nicht immer neue Herausforderungen stellt. NAME: JOHANNES LEMKE ALTER: 23 STUDIENGANG: INTERACTIVE MEDIA DESIGN LEGOERFAHRUNG BIS: 10

»INZWISCHEN HABE ICH AUCH SCHON EINIGE BEEINDRUCKENDE LEGO WERKE GESEHEN UND BEWUNDERE DIE LEUTE FÜR IHRE KREATIVITÄT UND GEDULD.« JOHANNES

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KANNST DU NACH HEUTE, DIE FASZINATION DER HOBBY BASTLER NACHVOLLZIEHEN?

Das Bauexperiment

03

Die Kandidaten

Schwer zu sagen. Ich kann da kein genaues Alter sagen. Aber ich würde mal schätzen, dass ich ab der 5. Klasse bestimmt nichtmehr damit gespielt habe.


»MITTLERWEILE BAUE ICH BESSERE RAUMSCHIFFE ALS DAMALS MIT 10, WÄRE JA AUCH PEINLICH WENN NICHT.« Die Kandidaten

ROBIN

NAME: ROBIN ACKER

Das Bauexperiment

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ALTER: 25 STUDIENGANG: INFORMATIK LEGOERFAHRUNG BIS: 14

NAME: THORSTEN FUGMANN ALTER: 27 STUDIENGANG: INFORMATIK LEGOERFAHRUNG BIS: 13

»LEGO HAT MICH MEINE KOM PLETTE KINDHEIT BEGLEITET.« THORSTEN


»ICH HATTE SPASS AM HÄUSER BAUEN, AN MEHR ERINNERE ICH MICH NICHT.« VERA

NAME: VERA HARWATH

LEGOERFAHRUNG BIS: 10

NAME: JOHANNES DESCH ALTER: 25 STUDIENGANG: ELEKTROTECHNIK LEGOERFAHRUNG BIS: 16

»ICH HABE TATSÄCHLICH BIS 16 MIT LEGO GEBAUT, ABER NATÜRLICH LEGO TECHNIC. DAS WAR SCHON ANSPRUCHS VOLLER.« JOHANNES

Das Bauexperiment

STUDIENGANG: ARCHITEKTUR

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Die Kandidaten

ALTER: 22


Das Bauexperiment

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Die Bauphase

DIE BAUPHASE

ES IST 14.00 UHR AN EINEM KALTEN SONNTAG IM FEBRUAR. WIR BEFINDEN UNS IM UNIVERSITÄTSGEBÄUDE DER TU DARMSTADT. FÜNF STUDENTEN SITZEN SICH AN EINEM WEISSEN TISCH GEGENÜBER.


Das Bauexperiment

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Die Bauphase

Darauf befindet sich ein bunter Haufen aus LEGO Steinen. Die Gesichter der Teilnehmer sehen auf Grund der Aufgabe, die ihnen bevorsteht, noch etwas skeptisch aus. Niemand will den ersten Stein setzen und die Frage kommt auf, was sie überhaupt bauen sollen. Nach kurzer Grübelei beginnt das Wühlen im LEGO Berg. Steine werden nach Farben sortiert, begutachtet und wieder zurückgeworfen, wenn sie nicht den Anforderungen entsprechen. Langsam wird jeder wieder warm mit dem Spielzeug und beginnt in Erinnerungen von damals zu Schwelgen. »So einen Stein gab es früher aber noch nicht«, schreit der nostalgische Teil in manchen, als sie die Teile durchstöbern. Bei der Steinesammlung handelt es sich um Zusammengetragenes der Kandidaten, und so lassen sich auch Überbleibsel aus ihrer Kindheit


dort finden. Robin entdeckt sein altes Raumschiff, das nach über einem Jahrzehnt immernoch recht passabel aussieht. Begeistert fängt er an, es zu drehen und zu wenden. »Guckt mal, man kann hier die Klappe aufmachen und die Laserwaffe ausfahren.« meint er und führt es den anderen vor. Stein um Stein wird weitergebaut und allmählich kann man erkennen was da entsteht. Die Methoden wie gebaut wird sind so unterschiedlich wie die Menschen am Tisch. Johannes L., der einen Vorrat an schwarzen und weißen Steinen gehortet hat, setzt schon das vierte Bein irgendeines Tieres zusammen, wobei jeder Schritt genauestens überdacht wird. Landet ein Stein doch mal an der falschen Stelle, müssen die Zähne als Abrissbirne herhalten. Vera dagegen pickt sich wahllos Klötzchen heraus und baut ein skurriles und doch sympathisches Monster nach dem anderen. Hauptsache die Arme sind zu lang oder der Kopf zu groß. Nicht weniger produktiv ist Thorsten. Bei seinem »A-Team Van« mit original roten Rennstreifen an der Seite gibt es Unstimmigkeiten was die Höhe anbelangt. »Der muss doch höher gelegt


OBEN: Thorsten ist mit voller Konzentration dabei.

werden.« wird von nebenan bemängelt. »Wo? Hier?« »Nein, da!« »Aber da ist doch vorne.« »Aber der muss hinten höher sein.« Nachdem diese Angelegenheit geklärt ist, macht er sich an ein Männchen, das zum Missfallen seinerseits alle anderen an eine bekannte Persönlichkeit mit Bart erinnert. Von neuem bricht eine Diskussion los. Währenddessen hat sich Robin ein »Remake« seines Raumschiffes zum Ziel gesetzt und zerlegt dafür schweren Herzens sein Altes. »Man baut etwas aus LEGO und macht es danach wieder kaputt. Das ist doch das Prinzip.« erwidert er gegen Proteste der anderen. Die Steine werden weniger und die Suche nach dem Richtigen immer schwieriger. »Gib mal den da.« fordert Johannes D.. »Welchen?« »Na den da vorne!« »Da sind überall Steine« Das Gespräch zieht sich noch eine Weile bis der Steineeinforderer selbst danach greift. Was bei ihm zunächst wie ein weiteres Raumschiff aussah, hat sich zu einem Marienkäfer transformiert. Nach langer Präzisionsarbeit ist auch Johannes L. mit seinem ersten Werk fertig. Stolz präsentiert er seine lieblings Hunderasse, den Mops. Darauf folgen einige flache Witze über Möpse.

RECHTS: Robin ist schon fast am Aufgeben bei der Suche

nach dem passenden Gegenstück.

Das Bauexperiment

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Die Bauphase

OBEN: Ein Relikt aus der Kindheit. Das 15 Jahre alte Raumschiff das aus den alten LEGO Beständen ausgegraben wurde.


Das Bauexperiment

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Die Bauphase

Die Zeit vergeht schnell und irgendwann ist der LEGO Berg zu einem kümmerlichen Häufchen geschrumpft. Um bloß keine Steine zu verschwenden, werden auch noch die Letzten zusammengetragen. Daraus bauen sich alle mit letztem Antrieb ein Namensschild und kommen auf »die« Idee, es sich mit einer Kette um den Hals zu hängen. Man sollte allerdings darauf achten, dass die Konstruktion das Gewicht aushält. Bei Robins ersten Versuch bricht sie auseinander und zerschellt am Boden. Also auf ein Neues. Am Ende hält jeder seinen Namen in Händen, die Kette hält, die Steine sind leer und alle sind froh, dass sie mitgemacht haben.


DAS ERGEBNIS DREI STUNDEN UND 1.400 LEGO STEINE SPÄTER, HABEN SIE ES GESCHAFFT. FAST ALLE TEILE WURDEN VERBAUT, EGAL WIE. DARAUS WURDEN EINIGE MAL MEHR, MAL WENIGER GUTE SACHEN, MAL TECHNISCH, MAL LUSTIG. WAS DAS BESTE IST KANN JEDER FÜR

Das Bauexperiment

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Das Ergebnis

SICH ENTSCHEIDEN.

Aber die Werke können sich sehen lassen. Typische Konstruktionen aus der Kindheit, wie Raumschiffe und Autos, reihen sich neben Monstern, Tieren und anderen Kuriositäten ein. Der Konkurrenzkampf, der während des Bauens entstand, trieb alle zu Höchstleistungen an. Kleine Sticheleien blieben da nicht aus. Doch am Ende hatte jeder seinen Spaß bei der Wiederbelebung vergangener Jahre. Manche Dinge ändern sich eben nie. Leider auch nicht die Probleme von damals. Immernoch findet man diesen einen verflixten Stein nicht, den man gerade sucht und die Standfestigkeit mancher Figuren lässt zu Wünschen übrig. Am Ende des Tage sind aber alle stolz auf das, was sie geschaffen haben und vielleicht wurde ja bei dem einen oder anderen der Funke entfacht, sich bald neuen Bauherausforderungen zu stellen.

NAME: JOHANNES LEMKE

NAME: VERA HARWATH

OBJEKT NR.: 03

OBJEKT NR.: 01 + 04 + 07 + 12

NAME: ROBIN ACKER

NAME: JOHANNES DESCH

OBJEKT NR.: 10

OBJEKT NR.: 02 + 05

NAME: THORSTEN FUGMANN OBJEKT NR.: 06 + 08 + 09


01

BILD 02

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Da kam der LEGO Technic Fan durch. Der Marienk채fer hat bewegliche Fl체gel und F체hler.

BILD 03

Das zweite Tier der Runde: Der Mops. Es kam sogar noch ein Kleiner dazu.

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07 BILD 06

Ein Szenario mit viel Interpretationsspielraum. So etwas h채tte es vor 15 Jahren noch nicht gegeben. BILD 09

Der A-Team Van. Dem Original zum Verwechseln 채hnlich. Nur an Mr. T, der an der Seite h채ngt, m체sste noch gearbeitet werden.

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BILD 09

Robins Raumschiffversion von 2012 ist etwas weiter entwickelter als das Modell aus dem Jahr 1997 (S. 49). Der Spaßfaktor beim Bauen blieb gleich.

10

BILD 10

Vera bleibt ihrem Stil für merkwürdige Monster treu.

Das Ergebnis

09

Das Bauexperiment

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IMPRESSUM

REDAKTIONELLES Laura-Marie Acker Matrikelnummer 966487 HSRM Wiesbaden WS 2011/2012

PROJEKT UND BETREUUNG Interdisziplinärer Entwurf Prof. Christine Wagner Dipl.-Designer Philipp Boettcher Prof. Dr. Cornelia Freitag-Schubert QUELLEN Fotos auf Seite 12/17/19 Nathan Sawaya Fotos auf Seite 41/42/43 Internet DRUCK M. J. Raak GmbH Berner Straße 38 60437 Frankfurt am Main COPYRIGHT Laura-Marie Acker Wiesbaden 2012


Transform  

Ein Magazin über LEGO Kunst.

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