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Als der Weihnachtsmann Urlaub machte von Ute Back


Als der Weihnachtsmann Urlaub machte Eines Tages, es war fünf Tage vor Weihnachten, da packte der Weihnachtsmann seinen Koffer und beschloss in Urlaub zu fliegen. Jedes Jahr hatte er Dienst, wenn andere Leute feiern, und auch ein Weihnachtsmann braucht einmal Urlaub. Bevor er sein Weihnachtsmannhaus verließ schrieb er einen gelben Zettel und klebte ihn an die Türe. „Mache Urlaub! Wer diese Zeilen liest, muss mich vertreten!“

Der Weihnachtsmann Er fütterte noch schnell seine Rentiere und war weg. Er sagte auch nicht, wo er im Notfall zu erreichen ist. Daran dachte er nicht, da er ja noch niemals in Urlaub war und nicht wußte, dass eine Vertretung manchmal auch eine Frage hat. In der Gegend in der der Weihnachtsmann lebt, hoppelt des öfteren der Osterhase vorbei, wenn ihm langweilig ist und er jemanden besuchen möchte. Dann schaut er kurz beim Weihnachtsmann vorbei, hält ein kleines Schwätzchen und bringt ihm die neue Kinderliste. Denn der Osterhase hoppelt ganz unbemerkt in der Welt herum und lauscht und hört alle Neuigkeiten. So war es auch der Osterhase, der als Erster den gelben Zettel des Weihnachtsmannes las. Er war so verwundert und schüttelte ganz heftig den Kopf bis sich fast seine Ohren verknotet hätten. „Was mach ich nur? Was mach ich jetzt? Wem sag ich nun Bescheid?“ Plötzlich hatte der Osterhase eine prima Idee. Er hoppelte ein paar Kilometer nördlich ganz tief in den Wald zur Hütte vom Nikolaus. Normalerweise ist der Nikolaus sehr verfroren, er hat seinen Ofen an und aus dem Schornstein steigt Rauch. Diesmal sah der Osterhase keinen Rauch aus dem Schornstein aufsteigen und er hatte eine schlimme Ahnung. Er klopfte sechsmal an die Hüttentür, das war nämlich das Klopfzeichen beim Nikolaus. Doch der Nikolaus rief nicht mit tiefer Stimme „Wer klopft um diese Zeit an meine Tür?“


Und er hörte ihn auch nicht an die Türe schlurfen und die Türe wurde nicht geöffnet. Da wusste der Osterhase, dass der Nikolaus ebenfalls nicht zu Hause ist. Ganz enttäuscht und mit hängenden Ohren hoppelte der Osterhase weg und jammerte: „Was mach ich nur? Was mach ich jetzt? Wem sag ich nun Bescheid?“ Und weil der Osterhase sich hilflos fühlte, tat er etwas, das er noch niemals in seinem Leben gemacht hatte, er weinte. Er dachte an all die Kinder, die nun an Weihnachten keine Geschenke bekommen, weil der Weihnachtsmann in Urlaub ist und der Nikolaus verschwunden ist. Plötzlich fiel dem Osterhasen ein, dass der Nikolaus ja manchmal einen Gehilfen hat, den Knecht Ruprecht. Zugegeben vor Knecht Ruprecht hatte selbst ein gewiefter Osterhase etwas Angst, da dieser ja immer gerne die Rute schwingt. „Ich bin ein erwachsener, selbstständiger Osterhase und brauche keine Angst vor Knecht Ruprecht zu haben!“, sagte er sich daher laut vor bis er mutig genug war, nach Knecht Ruprecht zu suchen. Der Osterhase musste noch kurz in sein Notizbuch schauen, da er sich nicht merken konnte, wo dieser schlechtgelaunte Knecht Ruprecht wohnt. Es war gar nicht so weit vom Nikolaus entfernt, nur noch tiefer im Wald und zwar im dichten Tannenwald, wo sich auch gerne Wildschweine herumtreiben. Vor den Wildschweinen hatte der Osterhase noch mehr Angst als vor Knecht Ruprecht und deshalb hoppelte er im Osterhasen-Eiltempo zu der dicken hohlen Tanne, in der Knecht Ruprecht wohnte. Es war eine ganz moderne hohle Tanne mit einer Fahrradklingel. Der Osterhase hatte heftiges Herzklopfen als er klingelte. Rrring, rrring. „Wer stört?“, hörte der Osterhase die tiefe, mürrische Stimme von Knecht Ruprecht. „I-i-i-ich b-b-in es,d-d-d-der O-o-sterh-h-hase!“, stotterte dieser ganz ängstlich. Verwundert öffnete Knecht Ruprecht die Tannentür um nachzuschauen und grinste den Osterhasen an. „Stimmt ja tatsächlich! Du bist der Osterhase! Und? Hast du ein paar Eier für mich?? Hahaha. Oder willst du, dass ich die Rute schwinge? Hahaha.“ „Äh, nein, nein! Ich muss dringend mir dir reden. Wir haben ein Problem!“, antwortete ihm der Osterhase. „Na dann! Komm rein, bevor dich noch ein Wildschwein anknabbert! Hahaha!“ Als der Osterhase das hörte, erschrak er sehr und


hüpfte mit einem großen Satz hinein. In der Tannenwohnung war es sehr gemütlich. Knecht Ruprecht hatte überall kuschelige Engelshaardecken, ein paar dicke Honigkerzen zur Beleuchtung und einen alten Ofen mit einem Teekessel. „Lass uns einen Tannenzapfentee trinken und dabei kannst du mir von dem Problem berichten.“ Der Osterhase nickte, trank aus der Wurzeltasse den Tannenzapfentee und erzählte Knecht Ruprecht vom Weihnachtsmann, der in Urlaub ist und vom Nikolaus, der nicht zu Hause war und von dem großen Problem, wer nun an Weihnachten den lieben Kindern ihre Geschenke bringt. „Hmm! Ahja! Soso! Hmmhmm!“, kommentierte Knecht Ruprecht. „Und? Was nun?“, der Osterhase war wirklich ungeduldig, immerhin war es bereits zwei Tage vor Weihnachten. „DU!“ knurrte Knecht Ruprecht nur. „HÄ?“, fragte der Hase, denn er war so ungeduldig und hatte vergessen, dass man ja „Wie bitte?“ fragen soll. „DU! DU musst ihn vertreten! DU hast den gelben Zettel gelesen! Da stand es ja drauf!“, erwiderte Knecht Ruprecht nun schlechtgelaunt. „Oh, oh. Auweia!“, dem Osterhasen wurde ganz flau im Bauch und seine Ohren begannen mächtig zu wackeln. Knecht Ruprecht lachte. „Wir haben kein Problem! DU hast das Problem! Hahaha. Erstens: Deine Ohren passen überhaupt nicht unter die Mütze des Weihnachtsmanns. Zweitens: Der Sack ist viel zu groß für dich, mindestens zehnmal größer als deine Eierkörbchen. Drittens: Du hoppelst, das macht kein Weihnachtsmann. Viertens: Du hast keinen Bart. Du hast überall Fell! Du bist der Osterhase und niemals ein Weihnachtsmann.“ Ganz kleinlaut sagte der Osterhase plötzlich „DU!“ Knecht Ruprecht schaute ganz verdutzt. „Du hast einen Bart! Du kannst den Sack tragen! Dir passt die Mütze! DU vertrittst den Weihnachtsmann!“ Knecht Ruprecht war ganz still. Er schien zu überlegen. „Das, das wäre ja quasi eine Beförderung!“ Und das war das erste Mal, dass Knecht Ruprecht lächelte. Er hörte auch gleich wieder damit auf. „Fein!“, meinte der Osterhase. „Das Problem wäre nun gelöst!“ „Moment noch! Ich kann mir nichts merken und ich habe keine Liste! Könntest du..?“, damit schaute Knecht Ruprecht mit großen Augen den Osterhasen bittend an. Der Osterhase überlegte und wenn er das tut schaut er immer einmal nach oben zu seinen Ohren und einmal nach unten zu


seinen Hasenpfoten. Dann sagte er laut und deutlich „Okay!“. Um keine Zeit zu verlieren liefen die beiden, Knecht Ruprecht stapfte und der Osterhase hoppelte, zum Haus vom Weihnachtsmann und erreichten es gerade noch rechtzeitig am Weihnachtsmorgen. Knecht Ruprecht sah nun auch den gelben Zettel. Sie öffneten sie Türe mit dem Schlüssel, der immer unter der Fußmatte lag und fanden drinnen alles was sie für Weihnachten brauchten. Knecht Ruprecht zog den Mantel, die Stiefel, den Gürtel und die Mütze vom Weihnachtsmann an, packte den großen Sack mit Geschenken. Der Osterhase wickelte sich noch hurtig ein Engelshaarfell um, das machte ihn nämlich unsichtbar. Die Rentiere warteten bereits auf Futter und ihren weihnachtlichen Flugeinsatz. Sie fütterten die Tiere, schnallten den Schlitten an und los ging es. Knecht Ruprecht war nun der Weihnachtsmann und der Osterhase las die Weihnachtsmannliste und flüsterte Knecht Ruprecht alle Adressen, die Namen der Kinder und ihre Geschenke zu. So kam es, dass an diesem Weihnachtsfest Knecht Ruprecht und der Osterhase im Team arbeiteten und die braven Kinder bescherten. Keiner hat es bemerkt, nur der Weihnachtsmann. Er kam früher aus dem Urlaub zurück, denn er hatte ein schlechtes Gewissen bekommen. An seiner Türe klebte noch sein gelber Zettel, doch darauf stand:

Frohe Weihnachten wünschen Knecht Ruprecht und Osterhase Der Weihnachtsmann schmunzelte und ist seitdem nie mehr an Weihnachten in Urlaub gegangen.


Copyright: Ute Back – www.ute-back.de


Als der Weihnachtsmann Urlaub machte