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Magazin für Medienmacher

19 / 03 / 10

Mit vielen bunten Bildern

muuuh Das Bayerische landwirtschaftliche wochenblatt war das erste social network für bauern. vor 200 jahren erschien es zum ersten mal – als Zeitschriften noch die neuen medien waren

! R E H C A M U H SC

Kollegen im Berliner Politikbetrieb, das ist Trottmasse, die jedem Trend hinterherhechelt, Westerwelle hochschreibt und ansonsten ab. So differenziert urteilt Tom Schimmeck in einem schonungslosen Enthüllungsbuch über Medienmacht. Der altersgrimmige Autor, der seit Jahren auf dem Land lebt, hat sogar vor Ort recherchiert, 2005, bei einer Pressekonferenz von Paul Kirchhof. Und er nennt Namen, STERN-Jörges und HANDELSBLATT-Steingart. Ersterer ist alles, aber kein Mitläufer; und Letzterer war zuletzt kaum in Berlin, dafür ist er jetzt in Düsseldorf. Egal. Hauptsache, der Pop-Journalismus ist an allem schuld. Stimmt aber leider auch nicht. Benjamin von Stuckrad-Barre versammelt in seinem Buch „Auch Deutsche unter den Opfern“ großartige politische Reportagen, die journalistische Kriterien erfüllen: recherchiert, geistreich, unvoreingenommen, witzig. Der gutmeinende Investigator kann beim gutmachenden Pop-Poeten ja mal nachschlagen, wie ordentliche Geschichten gehen.


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Mit 200 Jahren ist das BAYERISCHE LANDWIRTSCHAFTLICHE WOCHENBLATT Deutschlands ältestes Agrarfachmagazin. Als es 1811 zum ersten Mal erschien, waren Zeitschriften die Neuen Medien in einer revolutionären Zeit. Chefredakteur Johannes Urban beschäftigen heute noch die gleichen Themen wie seine Kollegen damals. Herr Urban, als vor 200 Jahren das WOCHENBLATT des „landwirtschaftlichen Vereins in Baiern“ zum ersten Mal erschien, konnten Bauer da überhaupt lesen? Im Prinzip schon, aber es war sicher nicht ihre unbedingte Stärke, unter anderem auch deshalb, weil Gedrucktes damals, anders als heute, schon aus Kostengründen nicht beliebig verfügbar war. Die Zeitschrift wurde nicht an Bauern verschickt, sondern es war erst einmal das interne Mitteilungsblatt des Vereins. Das waren Gutsbesitzer, Beamte, Adlige und vor allem auch die Dorfpfarrer, die in so genannten Landwirtschaftspredigten die Themen des

WOCHENBLATTS verbreiteten. Worum ging es? In dem kleinen Infoblatt – 11 auf 17,5 Zentimeter – wurde einmal aus dem Vereinsleben berichtet und zum anderen über neue Produktionstechniken diskutiert. Es ging um Erfahrungsaustausch. Ein Landwirt berichtet da zum Beispiel, sein Weizen wachse nach Raps auf einmal höher und habe ein besser ausgebildetes Korn. Einige Ausgaben später teilen andere Leser ihre Erfahrungen mit. Es handelte sich also zum Teil um eine Art User Generated Content. Das funktionierte ähnlich wie Facebook, nur sehr viel langsamer. Zeitschriften waren also damals die Neuen Medien? Absolut. Als ich mich wegen des Jubiläums mit den ersten Ausgaben und mit dieser Zeit beschäftig habe,

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Johannes Urban war ich berührt von der unglaublichen Aufbruchstimmung, in der die Landwirte damals waren. Das W O C H E N B L AT T entstand unter dem Eindruck schnellen gesellschaftlichen und vor allem technischen Fortschritts. Von der „gemütlichen, guten alten Zeit“ war damals wenig zu spüren. So ähnlich ist es heute wieder: Noch vor fast 50 Jahren standen die Bauern mit ihren Pferden auf dem Acker. Heute können großdimensionierte Maschinen per GPS die Felder bearbeiten, ohne dass ein Mensch hinterm Lenkrad sitzt. Worin bestand der Fortschritt damals? Gut 60 Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges gab es auch in Bayern einen starken Aufschwung, da die Bevölkerungszahl wieder

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deutlich angestiegen war. Dazu kamen dann die Aufklärung und ihre politischen Folgen: Die Bauernbefreiung vor allem, die der mittelalterlichen Grundherrschaft mit der Leibeigenschaft ein Ende bereitete. Der Frondienst wurde abgeschafft, die Abgaben in Zinszahlungen umgewandelt. Aus bedrückender Unfreiheit wurden freie Bauern. Und die bäuerlichen Familien machten damals in Bayern 80 Prozent der Bevölkerung aus. Damals entstand unglaublich viel Neues: die mineralische Düngung wurde eingeführt, die Fruchtfolge verbreitete sich, der Viehwirtschaft stand mehr und besseres Futter zur Verfügung, ständig wurden neue Technologien erfunden. Aus dem Sendungsbewusstsein, dieses neue Wissen zu verbreiten, entstand das WOCHENBLATT. Hat Ihr Blatt heute etwas mit dem WOCHENBLATT von damals gemeinsam? Der Auftrag ist immer noch der gleiche. Damals wie heute ist die Verbesserung der Produktion unser Thema wie auch die Marktberichterstattung. Heute kommt allerdings

noch die Agrarpolitik dazu, die damals noch kein Thema war. Außerdem finden Sie bei uns viele Themen für die Bäuerin – über Küche, Garten, Kindererziehung, bis hin zu ihrer Arbeit als Bürofachfrau am Betrieb. Denn die Frauen sind längst Mitunternehmerinnen und kümmern sich meist auch um die Papiere.

offenbar ein Bedürfnis und ein Lebensgefühl gerade der Frauen auf dem Land. Fürchten Sie, Leser ans Internet zu verlieren? Im Moment beobachten wir noch kein Abwandern der Leser ins Internet – das hat auch mit der Altersstruktur unserer Leserschaft zu tun. Die Jungen sind natürlich sehr vertraut mit dem Netz. Ich glaube aber, dass unsere Themen in ihrer Tiefe und ihrem Umfang auch in Zukunft in einer gedruckten Zeitschrift am besten aufgehoben sind.

Die Zeitschrift LANDLUST ist zur Zeit ein riesiger Erfolg. Wie erklären Sie das? Wir als WOCHENBLATT kümmern uns vor allem um die praktischen Probleme der Landwirte und wie man sie löst. LANDLUST dagegen ist vollkommen problemfrei. Es ist eine Zeitschrift für das gute Gefühl, zum Schwelgen auf dem Sofa mit dem Blick in den Garten. Das trifft Interview: Sebastian Esser

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JOBWECHSEL DER WOCHE

ineken e h g n a L a t t u J rtena G d n u n ti ist Journalis rdem e ß u a , in r bauingenieu hefreC n e u e n i e eine von zw azins g a M s e d n dakteurinne ndere a ie D . N E GARTENED nd ist u r e b ö L a n heißt Marti lanerin. p m u a ir e r F te gelern

Johanna Klum war bisher bei VIVA und moderierte ein paar dieser Sendungen aus derStefan-Raab-Fabrik, bei denen man am nächsten Tag vergessen hat, wer alles dabei war. Nun geht sie zum WDR und moderiert das tägliche Regionalmagazin „Lokalzeit Ruhr“. Glück auf!

Moritz von Uslar sollte eigen tlich als R edakteur zum SZ-M AGAZIN z urückkehren, wo er mit „100 Fr agen an“ bekannt w urde. Dara us wird nichts – sta ttdessen ge ht er zum ZEIT MAG AZIN und schreibt auch für‘s F euilleton de r Zeitung.

Daniel S te hört als U il nt BILD M erhaltungschef v itte des on Jahres Das mel a det KRE SS.DE. S uf. Stellvert ei reterin Kristiane ne ehls ist a Pouch scho n weg.

scht u e r D h e a in Hans M L-Mann gibt e ichischen rre RT e t x s E ö r Ls e A e D F d s e n i b gaz sga a u A m t d e er n b m r la m u e o t p G Se und m I n i e . W raus e h be. a F g F s A u T A S erste e i d t komm CKER+++ TICK ER +++ TICKER +++ TI +++ Werner Grav e heißt der neue Leiter der Redaktion „Religion und Kirc he“ beim NDR Ferns ehen. Sein Vorgä nger Uwe Michelsen w echselt die Seiten : Er ist Vize-EKD-Rats vorsitzender +++ Magnus Kastner ist n un Senior Vice Pre sident und Genera l Man ager von D iscovery Networks (d iese Titel! Wahns inn). Dazu gehören Knaller-Sender wie DMAX und ANIM AL PLANET +++

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DIE MEDIENWOCHE Thierry Chervel, weil er seit zehn Jahren unter erheblichem Mobbing seiner festangestellten Feuilleton-Kollegen den PERLENTAUCHER unterhält und so mehr erreicht als der Kulturstaatsminister.

  Das Medientagebuch  Freitag: Lena Meyer-Landrut gewinnt Stefan Raabs PRO7/ ARD-Grand-Prix-Wettbewerb. Daraufhin belegen ihre drei Songs in den Download-Charts die Plätze 1, 2 und 3. dienstag: Toyota wirbt künftig exklusiv in den Magazinen von Gruner+Jahr. Wir freuen uns schon auf die nächsten kritischen Berichte über den Autobauer zum Beispiel im STERN – Anlässe gäbe es ja genug.

donnerstag: Nominiert für das Lead-Magazin des Jahres beim Lead-Award nächste Woche sind 11FREUNDE, SPIEGEL und VOGUE. Mehr: bitte weiterblättern.

Verlierer

MITTWOCH: Der neue CondéNast-Chef Moritz von Laffert kündigt für 2011 ein neues Edel-Magazin an und dementiert nicht, dass es VANITY FAIR heißen könnte.

Gewinner

Liebling der Woche Lieber Frank-Walter Steinmeier! Diese neue Brille? Ein Volltreffer. Statt wie Gerds Kofferträger und 23-ProzentKandidat sehen Sie nun aus wie ein Kunst-Auktionator aus New York. Schwarzes Horn in Kombination mit weißem Haar hat so was Hip-Intellektuelles. Sie sehen aus wie der Mann aus dem Pixar-Film „Up“. Slick, sehr slick.

Martin Lohmann, ExJournalist und selbsternannter Sprecher der CDU-Katholiken, ruft zum Protest auf, weil ihm eine FriedmanSendung nicht passte. Spinnt der Mann?

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DIE MEDIENWOCHE

Geheimnisse des Internets WIKILEAKS ist eine reiche Quelle geheimer Dokumente, die auf Auswertung warten. Das passt dem Pentagon offenbar nicht Die Liste der Social Networks, die das Pentagon als potentiell feindlich einstuft, ist um eine Internetplattform reicher: WIKILEAKS.ORG. Die nach dem Wikipedia-Prinzip aufgebaute Nonprofit-Organisation veröffentlicht Informationen, Analysen und Berichte aus allen Teilen der Welt, die vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden sollen und wurde dafür im vergangenen Jahr mit dem Amnesty International’s New Media Award ausgezeichnet. Sie gilt als unzensierbar und ist mit ihren mehr als einer Million Doku-

menten ein hervorragendes Recherchewerkzeug für Journalisten. Das Pentagon nahm nun Anstoß daran, dass WIKILEAKS einen Bericht publizierte, den es im Jahr 2008 über die Organisation anfertigen ließ. Darin stuft das US-amerikanische Verteidigungsministerium die Internetplattform als langen Arm der CIA ein, sehr zum Amüsement von WIKILEAKS-Herausgeber Julian Assange, der in der NEW YORK TIMES sagte, er würde sich wünschen, dass das Pentagon diesem Verdacht nachgehen würde.

And the Spectra goes to ... wait a minute – Spectra? Dass dieses goldene Ding auf der BUNTEN kein Oscar ist, fiel erst auf, als das Heft schon am Kiosk lag. Abgebildet war stattdessen die „Goldene Spectra“, ein „Award“, den das Blatt selbst wöchentlich vergibt. Sowas passiert. Also kein Grund zum Spott, bloß zum Lächeln.

kollegen im Knast Taoufik Ben Brik ist in Tunesien als lautstarker Kritiker des Präsidenten Zine El-Abidine Ben Ali bekannt. Immer wieder geriet der Journalist deswegen in Bedrängnis. Zuletzt wurde er am 29. Oktober, wenige Tage nach der Wiederwahl des Präsidenten, verhaftet und zu sechs Monaten Haft verurteilt. Er habe eine Frau angegriffen und ihr Auto beschädigt, lautete der Vorwurf. Alles spricht dafür, dass die Behörden diesen Fall erfunden haben. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein kritischer Journalist in Tunesien juristisch verfolgt wird. Reporter ohne Grenzen ist besorgt um den Gesundheitszustand von Ben Brik, der unter dem seltenen Cushing-Syndrom leidet. Auf Forderungen nach einer umgehenden Freilassung reagierten die tunesischen Behörden nicht.

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Andi Cortellini und Ursula Sprecher, Bild zum Artikel „Mein Verein“, CHRISMON

Am kommenden Donnerstag werden die LeadAwards verliehen. Schon jetzt zeigen die Deichtorhallen bis zum 11. April die Arbeit der Nominierten – die „VisualLeader 2010 – Das Beste aus deutschen Zeitschriften und Internet“.

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  ausstellung  Visual leader 2010, hamburg


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Armin Smailovic, Bild zum Artikel „Er hat überlebt“, ZEIT MAGAZIN; Mohammed Sheikh Nor „Islamische Hinrichtung“ , STERN; Pete Souza, Bild zum Artikel „Die Obamas“, GALA


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Erwin Wurm, Bild zum Artikel „Kunstpausen“, VOGUE


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Peter Lindbergh, Bild zum Artikel „Liebe, Hass, Wahnsinn“, VOGUE; Olaf Unverzart, Bild zum Artikel „Deutsche Szenen“ ZEIT MAGAZIN; Nan Goldin, „Lemons Never Forget“ KID‘S WEAR; Axel Hoedt, Bild zum Artikel „Furchtbar komisch“ ZEIT MAGAZIN


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Infografik der woche Nach Berechnungen der Analytiker von Hitwise hat Facebook Google als größte Webseite in den USA überholt: 7,07 Prozent aller Visits gehen auf das Konto des Sozalen Netzwerks, während der Suchmaschinengigant nur 7,03 Prozent der Besucher anzieht.

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info@visdp.de Herausgeber Dr. Hajo Schumacher Chefredakteur Sebastian Esser Stellvertreter des Chefredakteurs Wendelin Hübner Stellvertretende Chefredakteurin Susan Mücke Leitender Re-

dakteur Patrick Weisbrod Leiterin Lektorat Carla Mönig Zentrale V.i.S.d.P., Lietzenburger Straße 51, 10789 Berlin Telefon: 030 2196 2728 7

der tipp Uns erreichte gestern eine Pressemitteilung, die wir dem geschätzen Leser nicht vorenthalten dürfen. Es handelte sich um ein Angebot der Geschenkbox GmbH, die „originelle Geschenke, die in Erinnerung bleiben“ vertreibt. Im konkreten Fall bietet sie eine Fußmatte an, über die auch ihr Designer nur Gutes zu sagen hat. Zitat: „Die Fußmatte ist in vielen Wohnbereichen wie z. B. Eingangsbereich, Vorraum, Küche, Terrasse, Garderobe usw. einsetzbar und eignet sich daher besonders als Geschenk für Freunde und Verwandte‘, sagt Tobias Mauermann, Creative Director der Geschenkbox GmbH.“ Die Fußmatte „Arsch der Welt“ kostet 28,95. FOTOS: S.1: Frank Weidemann; S.4: VIVA, KiWI, RTL, Springer, Garteneden; S.5: Condé Nast, marco-urban.de, Perlentaucher, Domradio; S.6: RoG. S.7-10: Lead Academy.

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