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Magazin für Medienmacher

Mit BioPenissen

ich lese nicht nur den sportteil Oliver Welke über gefälschte nachrichten, politischen zorn und die möglichkeit von Kritik im zdf

22 / 01 / 10

! R E H C A M U H SC

Das Gruseligste an den Bildern aus Haiti ist der gelegentliche Eindruck, dass manche Fotografen oder Kameraleute ganz offenbar lieber menschliches Leid festhalten, als einfach mal eine helfende Hand zu reichen und einen Verletzten aus den Trümmern zu ziehen. Die Kamerakünstler entgegnen, dass nicht humanitäre Hilfe ihre Aufgabe sei, sondern das Abbilden des Elends, auf dass die ganze Welt davon erfahre und großzügig spende. Das Bild als gute Tat gewissermaßen. Dennoch ist die Vorstellung eigenartig, dass angesichts hunderttausendfachen Sterbens manchem Kollegen die Aussicht auf den World Press Award bisweilen wichtiger zu sein scheint als der Reflex, einem Mitmenschen aus höchster Not zu helfen. Es ist ja nicht so, dass es einen Mangel gäbe an dramatischem Bildmaterial aus Port-au-Prince. Aber es gibt einen Mangel an Helfern. Manchmal ist ein einzelnes Schicksal womöglich wichtiger als das Interesse der Weltöffentlichkeit.


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Ab heute Abend um 22:30 Uhr läuft im ZDF jeden Freitag die „Heute Show“. Nach ein paar erfolgreichen Versuchen im vergangenen Jahr moderiert Comedy-Routinier Oliver Welke nun wöchentlich seine satirische Nachrichtensendung nach amerikanischem Vorbild – die völlig wider Erwarten lustig, schnell und in ihren besten Momenten böse ist. Und das im ZDF!

Sie sicher, dass das klappt mit der politischen Comedy? Ich habe auch schon vor der Arbeit mit der „heute show“ morgens mehr als den Sportteil gelesen, falls Sie das meinen. Deshalb war ich sehr zuverHerr Welke, als wir im vergangenen sichtlich. Oliver Welke Jahr von Ihrem Plan hörten, im ZDF eine Art „Daily Show“ zu machen, Wie oft schauen hatten wir starke Zweifel. Sie auch? Sie die amerikaAls Sie davon gehört haben, hat- nische „Daily Show“ im Internet an? ten wir ja längst den Piloten produ- Immer mal zwischendurch. Aber ziert. Und nachdem der sehr schön nicht, um was über das Format zu geworden war, waren meine Rest- lernen, sondern schlicht aus Spaß. zweifel beseitigt. Natürlich hängt Die Show ist bei aller politischen die Messlatte mit der „Daily Show“ Haltung nicht zuletzt ganz großes nach wie vor extrem hoch. Anderer- Unterhaltungsfernsehen. seits haben die US-Kollegen auch viele Jahre Zeit gehabt, sich dahin Jon Stewart wirkt oft persönlich emzu entwickeln, wo sie heute sind. pört. Seine Sendung profitiert davon. Sind Sie zu politisch motiviertem Sie waren bis dahin nicht als poli- Zorn fähig? tischer Komiker aufgefallen. Waren Stewart war ja über Jahre der „Anti-

Bush“, der heimliche Oppositionsführer. Mit Obama im Weißen Haus kann er die Rolle auch nicht mehr so ausfüllen. Ich selber kann mich auch durchaus aufregen. Neulich bei dieser Hotelspende für die FDP zum Beispiel. Legal, aber sehr anrüchig, frech geradezu. Harald Schmidts neues Konzept äh-


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nelt manchmal Ihrem, aber die Quoten sind schlechter. Was macht er falsch? Gar nichts. Quoten sagen über die Qualität von Sendungen prinzipiell sehr wenig aus. Wir hatten einfach das Glück, bislang hinter „Neues aus der Anstalt“ laufen zu dürfen. Da saßen die Satire-Freunde schon vor dem Schirm. Auf dem neuen Platz wird es sehr viel schwerer.

Ich schreibe meine Moderationen und einen Teil der Reporterschalten zusammen mit unserem Chefautor Morten Kühne.

dem chinesischen Botschafter gegenüber. Fanden Sie das richtig? Ich vermute einfach mal, er hatte keine echten Alternativen. Die ZDFKollegen in Peking wollen ja auch vernünftig weiterarbeiten. Leider hatten chinesische Medien vergessen zu kolportieren, dass es sich bei der „heute show“ eben nicht um eine echte Nachrichtensendung, sondern um Comedy handelt.

Wie schaffen Sie es, trotz Wochenrhythmus noch Fußball bei Sat.1 zu moderieren? Das passiert ja zum Glück nicht jede Woche. Ende Februar startet die Europa League aus der Winterpause. Fragen Sie mich am besten Ihre Sendung ist für ZDF-Verhält- im April noch mal. Erst der China-Skandal, jetzt komnisse wahnsinnig schnell. ZDF-Zumen Sie wöchentlich. Wen müssen schauer gelten als herzinfarktge- Die letzte Pointe im vergangenen Sie noch alles beleidigen, bis Sie fährdet. Schalten Sie der Zielgruppe Jahr ging auf Kosten des ZDF-Chef- täglich auf Sendung dürfen? zuliebe in Zukunft einen Gang zurück? Niemals. Die können das ab. Und Tempo ist unser Markenzeichen.

» Die Daily Show ist bei aller politischen Haltung nicht zuletzt ganz großes Unterhaltungsfernsehen «

Was sagen die Quoten-Analysten: Wer schaut die Heute Show? Alle möglichen Leute. Bei den jüngeren haben wir noch etwas Luft redakteurschaos. Wie tolerant ist der nach oben. Kommt schon noch. Sender bei solchen Dingen? Sehr. Da wurde nicht mal gehustet. Die Show scheint aufwendig produziert. Wie groß ist Ihr Anteil an den Aber Intendant Schächter bedauTexten? erte einen Ihrer Sonneborn-Beiträge

Dann beleidige ich lieber gar keinen mehr, sende weiter wöchentlich und sehe zwischendurch noch mal meine Frau und meine Kinder. Interview: Sebastian Esser


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JOBWECHSEL DER WOCHE

Julia Möhn n von fi e h C e iz V wird neue oment M Im . G IN IV HEALTHY L R SIE, Ü F i e b h c o n arbeitet sie Vore r Ih . A R G E L davor bei AL t erst is e d o B n ti s r gängerin Ke daktie fr e h C ie d in im Oktober t. on aufgerück

Charlotte Roche hat bei der Bremer Talkshow „3 nach 9“ nach wenigen Ausgaben die Brocken hingeworfen. Giovanni di Lorenzo muss sich eine neue CoModeratorin suchen. Die Häme war groß. „Der Sprung von der Sex-Autorin zur Talkshow-Dame war dann doch ein bisschen ein zu großer“, schreibt ein Herr bei MEEDIA und beweist, dass er offenbar keine Ahnung hat – weder von Roche, noch vom Fernsehen, noch überhaupt.

Inga Gröm minger arbeitet wie der als Klat schreporterin für die B.Z. Von d ort war die gut vern etzte Schre iberin vor zwei Jahre n zu VANI TY FAIR und dann z ur letzten B ILD-Seite gewechselt . Beides wo hl irgendwie nicht so toll.

Andreas N Der Che ölting f vo GAZIN O n MANAGER M AN Mancher LINE muss geh en. der etwa 20 Mitar ter solle bein bei S P IEGEL O LINE we itermach Nen.

e rieg. k k r n u t u n h e c Zs im Ag n e t  Peter n andso l r s F u A e i d d lt un wechse hefredakteur r des e t i e L C et als h e g Der Viz A. D P P D A r D u z lt es Chef d ssorts Netzwe e neuen R CKER+++ TICK ER +++ TICKER +++ TI +++ Die FOCUS-S oap: Weimer fäng t im März als „Entwic klungschef“ an, M arkwort bleibt bis O ktober +++ Alexa nder Mayerhöfer, Vize -Chef von IMPUL SE, muss gehen +++ Dieter Schulz, C hefredakteur der LAUSITZER RU NDSCHAU, wechse lt zur SCHWERIN ER VOLKSZEITUNG +++ Anke Plättn er ist neue Korrespo ndentin für die NR WLandesprogramm e in Berlin+++


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DIE MEDIENWOCHE

  Das Medientagebuch  Freitag: Das Magazin LANDLUST verkaufte im vierten Quartal 2009 648.866 Exemplare – mehr als FOCUS.

Staatsrat Nikolaus Hill, Hamburgs Vertreter in der öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Kommission. Er wird einen schlauen dritten Weg zur Gebührenreform vorlegen.

Sonntag: Springer stellt alle seine Artikel von 1968 über die Studentenbewegung ins Internet, um zu beweisen, dass die Hetze nicht so schlimm war.

Gewinner

Verlierer

Montag: Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG heuerte einen Dienstleister an, der bei Bloggern positive Berichte über die neue SZApp kauft. Lob gegen Geld? Die Medienseite musste in eigener Sache aufklären. Mittwoch: Die NEW YORK TIMES kündigt an, für ihre Webseite bald unter bestimmten Bedingungen wieder Geld zu nehmen. Die Debatte um Paid Content erreicht einen neuen Höhepunkt.

Liebling der Woche Lieber Karl Heinz Schreiber! Wie gut es tut, Ihr freundliches Gesicht wieder täglich in den Nachrichten zu sehen! Wie vertraut klingt Ihre herbe Waffenhändler-Stimme, wie sympathisch Ihr herzlich-verleumderisches Lachen, wie gut sitzen Ihre Nudelmaschinenerfinder-Anzüge! Lieber guter Herr Schreiber, willkommen in Deutschland!

Rupert Murdoch, weil er immer noch an den Sender glaubt, der mal PREMIERE hieß. Das kostet nochmal 110 Millionen Euro für ein paar Prozent mehr. Viel Glück damit!


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DIE MEDIENWOCHE

  jetzt auch mit ethik 

  grüner googeln 

Ein neues Magazin! Im März erscheint zum ersten Mal ENORM, eine Wirtschaftszeitschrift, die soziale Verantwortung propagiert. Das Blatt soll vier Mal im Jahr erscheinen, 80.000 Exemplare werden gedruckt. Der neue Herausgeber nennt sich konsequenterweise „Social Publish Verlag“. Das Layout vermischt MONOPOL-Retro mit BRAND-EINS-Klarheit, die Autoren sind meist etablierte freie Journalisten. Ob‘s was wird? Keine Ahnung, kann man sich ja mal anschauen – ab 18. März im Zeitungsladen.

Wenn wir nach „Kopenhagen“ googeln wird so viel Energie verbraucht, wie für‘s Teekochen, hat ein Physiker errechnet. Christian Kroll hat deshalb einen Suchdienst entwickelt, der das Klima-Gewissen beruhigt: ECOSIA arbeitet mit Ökostrom und rettet mit jeder Suche zwei Quadratmeter Regenwald. Finanziert wird die Maschine durch Werbung, 80 Prozent der Einnahmen gehen an den WWF.

» (Queer-)theoretisch

kann das Wort ‚Ficken‘ geschlechtslos gedacht werden, da für die sexuelle Praxis der Penetration keine vergeschlechtlichten körperlichen Voraussetzungen (wie zum Beispiel ‚BioSchwänze‘, also natürliche Penisse) notwendig sind. « Aus QUER, einer Uni-Zeitschrift für Ge-

schlechterfragen. Gefunden im HohlSPIEGEL


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die DIE gesten kerner  GESTENdes DES johannes JOHANNES B. b. KERNER

So, jetzt malzu zu Ihnen So, jetzt mal Ihnen

Ich bin so Ohr

Hm, ich jetzt Hm, was was sollsoll ich jetzt davon halten? davon halten?

Ich weiß, das ist kompliziert, aber ich versteh’s

Ich weiß, das ist kompliziert, aber ich versteh’s

Das möchte ich jetzt aber mal genau wissen

Das möchte ich jetzt aber mal genau wissen

ist ja interessant. Erzählen Sie mehr Ach, Ach, dasdasist ja interessant. Erzählen Sie mehr

Quelle: Eigene Recherchen

Ich bin so Ohr

Ich bin skeptisch und beweise Haltung Ich bin skeptisch und beweise Haltung

Jetzt aber mal Punkt Punkt Jetzt aber malfürPunkt für Punkt

Sagen Sie mir alles,

Sagen Sie mirSiealles, Sie können mir vertrauen können mir vertrauen

muss ich aber mal einhaken DaDa muss ichjetzt aber jetzt mal einhaken

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Mit freundlicher Genehmigung entnommen dem Buch „Die große Jahresschau: Alles, was 2010 wichtig ist“ der ZEIT-MAGAZIN-Kollegen Neuerdings moderiert Johannes B. Kerner wieder für Sat1 und nicht mehr für das ZDF. Seine Posen wird er sicher beibehalten Matthias Stolz und Ole Häntzschel


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  montag   HORIZONT Award, frankfurt „Zu Euren guten Vorsätzen sage ich: Oh bitte doch: weiterhin Party-Fotos! Und unbedingt wie bisher wenig journalistisch betextet. Vielleicht weniger Party-Bilder, aber bitte keinesfalls seltener“, schreibt uns Hartmut Nolte. Also gut! Unten die Herrschaften schlafen nicht, später wurde es noch total wild beim HORIZONT AWARD. Gesprächsthema des Abends war ein SZ-Artikel von HansJürgen Jakobs, der Helmut Markwort unterstellte, er klebe an seinem Stuhl. Unverschämt!

RTL-Boss Anke Schäferkordt, G+J-Boss Buchholz, Julia Jäkel

Riekel und ihr Gestalkter


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» Und dann wünsch ich dem Helmut Markwort noch viel Spaß beim Staubsaugen zu Hause. «

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Diekmann

Die Sopranos

» Der Markwort, der wird gestalkt, schon gehört? Vom Uli Bauer! «

Winterkorn, Markwort

Wiele, Kofler

» Erstens: Was soll ich allein zu Hause? Zweitens: Jakobs ist ein Stalker, ein hundsgemeiner. Ein Stalker!! «


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IMPRESSUM

Aus CICERO: „Der jüngste Clou von Raubtier Koch, die Erlegung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender, führte, von Koch selbst verharmlost, zu einem Aufschrei unter Journalisten und Medienrechtlern. Der Journalist Hajo Schumacher [eigentlich war der Autor Sebastian Esser, d.Red.] beschrieb das Schauspiel um die BrenderPersonalie im V.i.S.d.P.-Magazin als Kasperletheater. In den Rollen: Ministerpräsident Beck als Kasperle, Brender als Gretel, Intendant Schächter als Seppl und, kaum verwunderlich, Koch als hemmungsloses Krokodil.“ Dirk Benninghoff bemerkt völlig korrekt: „Die Hamburger Morgenpost ist mitnichten ein Springer-Blatt. Diese Bezeichnung dürfte dort für einigen Unmut sorgen, schließlich hat man sich auch ideologisch stets als scharfe Konkurrenz zu Springer verstanden, was schon damit zusammenhängt, dass die Morgenpost einmal der SPD gehörte. Nach kurzer Zugehörigkeit zu Montgomerys Desaster-Ansammlung hat DuMont das Blatt übernommen. Als Dampfer würde man die Morgenpost aber wohl nicht einmal dort bezeichnen.“ Das Schwarzbuch Bahn haben gewonnen: Peter Kirch, Helmut Basler und Andrea Schüßler. Herausgeber Dr. Hajo Schumacher Chefredakteur Sebastian Esser Stellvertreter des Chefredakteurs Wendelin Hübner Stellvertretende Chefredakteurin Susan Mücke Leitender Redakteur

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fünf mal noch schlafen Sind Sie auch schon aufgeregt? Am Mittwoch stellt Apple in Kalifornien seinen TabletComputer vor und die Hysterie kennt schon heute keine Grenzen mehr. Wie sieht er aus, was kann er, was kostet er und was soll das Ganze? Ist der „iSlate“ die Rettung der Zeitungen und Magazine, wie V.i.S.d.P. schon im Dezember behauptet hat? Oder sind die Erwartungen so absurd, dass eigentlich nur eine Enttäuschung folgen kann? Fünf Mal noch schlafen!

FOTOS: S.1/2: ZDF; S.4: Radio Bremen, G+J, Condé Nast, DPA, SPIEGEL VERLAG; S.5:News Corp, Springer, Hamburg; S.6: ENORM, S.7: Droemer Knaur S.8/9 Horizont / Frankfurt a. M.

Patrick Weisbrod Leiterin Lektorat Carla Mönig Zentrale V.i.S.d.P., Lietzenburger Straße 51, 10789 Berlin Telefon: 030 2196 2728 7 info@visdp.de

Anzeigen Elke Barbara Hofsäß, Telefon: 0170 2056 401 hofsaess@visdp.de

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