Page 1

Magazin für Medienmacher

exklusiv

stefan austs geheime mannschaft wer beim mysteriösen magazinprojekt dabei ist und was der der mann überhaupt vorhat

Endlich mal wieder mit Thomas Leif

06 / 11 / 09

! R E H C A M U H SC

Sieben Milliarden Euro bekommen die Öffentlich-Rechtlichen jedes Jahr. Dafür gelingen bisweilen Highlights wie „Schabowskis Zettel“, die zeigen, was Kerngeschäft des gebührenfinanzierten Fernsehens ist: Qualität. „Das kleine Fernsehspiel“ vom ZDF müht sich seit 1963 um neue, hochwertige Filme. Bei aller branchentypischen Blasiertheit sorgt die Redaktion zuverlässig für TV-Avantgarde. Warum zum Quotenzähler versteckt das ZDF seine raren Perlen derart gut, dass das Publikum sie kaum findet? Montags um 0.10 Uhr wird die Qualität versendet, wenn Deutschland zuverlässig im Bett liegt. Für wie bescheuert muss man den Zuschauer halten, wenn man ihm Qualität absichtsvoll vorenthält? Und wie behämmert muss sich ein Autor fühlen, wenn sein Werk hochgelobt, aber im Programm schamvoll versteckt wird? Die Ökonomie kennt den First Mover Advanage, jenen Vorsprung desjenigen, der zuerst etwas Neues wagt.


Magazin für Medienmacher

Anzeige

AUFMACHER

Es gilt oberste Geheimhaltungsstufe in dem exklusiven Loft am Hamburger Fischmarkt. Keine Fahne, kein Text verlässt die Räumlichkeiten. Eine mittelgroße Redaktion bastelt dort mit Blick auf die Elbe im Auftrag des Essener WAZ-Konzerns an einem neuen Magazin. Ihr Chef: Stefan Aust, Starjournalist, Bestsellerautor, legendärer SPIEGELMacher. Keiner der Beteiligten darf das Projekt eine Zeitschrift nennen; ein „neues mediales Produkt“ entwickle man, so ist die offizielle Sprachregelung. Dabei haben sie in diesen Tagen bereits die zweite DummyAusgabe fertiggestellt. Es herrsche viel Aufbruch, man habe viele Ideen, alles sei noch sehr chaotisch, flüstern Austs Männer, die sich in ihren Verträgen zu Verschwiegenheit verpflichtet haben. Andernfalls drohen die üblichen drakonisch angesetzten Strafzahlungen. Tatsächlich hält Austs Mannschaft wacker den Mund. V.i.S.d.P. ist es

trotzdem gelungen, erstmals die komplette Besetzung des „medialen Produkts“ herauszufinden. Zusammen mit anderen Fakten, die schon bekannt sind, ergibt sich allmählich ein Bild des neuen Magazins. Bereits seit dem Sommer sind die Namen der beiden Redaktionsleiter bekannt: Thomas Amman, ein alter Weggefährte Austs bei SPIEGEL TV, und Christian Krug, der letzte Chef der im Januar 2008 eingestellten Zeitschrift MAX. Aust hatte Krug in den 90ern beim STERN abgeworben und zu SPIEGEL TV geholt. Art-Director ist Uwe C. Beyer, ehemaliger SPIEGEL-AD und Schaffer der SPIEGEL-ONLINE-Logos. Die auffällige Zweiteilung in Gedrucktes und Film ist dem WAZAuftrag geschuldet, der vorsieht, dass Aust Print-, Online- und TVFormate entwickelt. Austs Firma Agenda Media (beteiligt ist auch SPIEGEL-TV-Manager Thorsten Pollfuß) übernahm dazu erst vor Kurzem die Mehrheit der Saeculum Archivgesellschaft, die die Rechte an 4.000 Filmen zur deutschen Ge-

schichte mit einer Gesamtlänge von mehr als 800 Stunden besitzt. Andererseits könnte auch das Magazin mit Filmen ausgestattet werden. Aust hatte das bei einem Vortrag in London wohl angedeutet, dementierte eine Meldung der GUARDIAN-Schreiberin Mercedes Bunz aber. Die bleibt auf V.i.S.d.P.-Nachfrage allerdings bei ihrer Version. Die Idee liegt nahe: SPIEGEL-Ausgaben mit DVD verkaufen sich dramatisch besser als reguläre, das weiß Aust. Auch die erfolglose VANITY FAIR nutzte dieses Marke-


Magazin für Medienmacher

Anzeige

AUFMACHER

Krug, Eckert, Herwig, Fuchs, Gaede, Geiges, Taubert, Krücken tinginstrument, um die Auflage in Schwung zu bringen. Mit Daniel Bäumler, Charlotte Krüger und Recherche-Spezialist Detlev Konnerth hat Aust nun gleich drei ehemalige SPIEGEL-TV-Leute als Redakteure verpflichtet. Auch dem Print-SPIEGEL hat er gute Leute abgeworben: Malte Herwig und Caroline Schmidt, außerdem die jungen Talente Jochen Brenner, Nicolas Büchse, Christian Fuchs und Lars Gaede. Vom STERN kommt dessen ehemaliger ChinaKorrespondent Adrian Geiges, Severin Mevissen berichtet, wie schon für Krugs MAX, aus New York. Außerdem in der Redaktion: ExTAZ-Chefredakteur Max Thomas Mehr, Buchautor Guido Eckert, Stefan Krücken, Stephan Seiler, Benjamin Reuter und zwei Freie von der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG: Volker Stollorz und Jungautorin Greta Taubert.

Aust schwärmt von den Qualitäten des FAS-Journalismus und hatte schon als SPIEGEL-Chef versucht, dort einen neuen Kulturchef abzuwerben. „Vertiefende Information, die Analyse, die Hintergrundberichterstattung ist in Zeitschriften

dern ein unterhaltsames Blatt, eine Mischung aus MAX und SPIEGEL, wie seine Macher. Es ist noch viel zu tun, heißt es aus der Redaktion, aber trotzdem scheint ein schneller Start – vielleicht schon zum zweiten Quartal? – möglich.

» 2010 wird Aust versuchen, dem Titel „Medien-Mann des Jahres“ gerecht zu werden « nach wie vor sehr gut aufgehoben“, sagte er kürzlich dem TAGESSPIEGEL. Auch der GUARDIAN, der sich weitgehend vom aktuellen Newsgeschäft verabschiedet hat, soll ein Vorbild sein. So deutet das 20-köpfige, mehrheitlich junge und damit günstige Team auf eine schlanke Wochenzeitschrift hin, kein Nachrichtenmagazin, son-

Stefan Aust ließ sich am Dienstag in München als GQ-MedienMann 2009 feiern. Wofür, war nicht ganz klar. 2010 wird er versuchen, dem Titel gerecht zu werden. Text: Sebastian Esser Eine Liste der Aust-Redaktion finden Sie, liebe Leser, auf www.visdp.de


Magazin für Medienmacher

Anzeige

JOBWECHSEL DER WOCHE

ki Martin Bialec Leiter r e g n lä r h e ist nicht m DPA n o v s o r ü tb d des Hauptsta Geie d t a h n r e d n in Berlin, so entur g A R P r e d g schäftsleitun übern o ti a ik n u m Plato Kom h gute c li d n e r e d ir nommen. W en? tz e s h c r u d e tz PR-Leadsä

Fill r von e n r a h i t ü f s i s Chr häft c s oe p r G o r C e u wird ne kom, Burdas essen Yu . D m r A Burda g ck in e h b s n i l e b s u d Ha e rate-P r f n a dem M s r u e a d n m Grü urze K en. r g o o v z e h c g rück u hat si z n e ehm Untern

Markus Hurek wird Übergangs-CICERO-Chefredakteur, sobald Wolfram Weimer zu FOCUS wechselt. Derweil deutet sich an, dass die Zusammenarbeit Markwort-Weimer noch unterhaltsam werden könnte: Burdas Erster Journalist plant, sein Heft vor seinem Abtritt noch zu relaunchen. Auch sein Editorial will Markwort weiter schreiben: „Die Leute lieben mein Tagebuch“, behauptet er in W&V.

 Dirk Metz Der einflu ssreiche S precher d hessischen er Landesregie rung und berüchtigte Schalke-Fa n wird Do zent an der Uni Darmst a d t richtet „Ver änderungen . Er unterder Medien landschaft und Medien n u t sowas kann zung“. Ja, man studie ren.

  Monica Lierha us ist die beliebtes te Sportmoderato rin, obwohl sie gar n icht moderiert – sagt der Moderatoren monitor 2009.

l lied“ e g t i k c i M s H rte ut   Helm ehr „assoziie AINPOSTM tm ist nich edaktion der d. Hoffentlie efr der Ch sondern Mitg to. n o K , e m Grupp t er‘s auf de rk lich me


Magazin für Medienmacher

Anzeige

DIE MEDIENWOCHE

  Das Medientagebuch 

Mathias Döpfner nimmt endlich die „Büroräume zu vermieten“Schilder aus den Fenstern: DPA zieht in den fünften Stock des SpringerGebäudes. Aber wer spült das Geschirr?

MONTAG: Eigentlich wollte Henryk M. Broder doch Präsident des Zentralrats der Juden werden. Stimmt gar nicht, schreibt er im SPIEGEL. Sollte das witzig sein? DIENSTAG: „Nach ViSdP-Informationen müssen bis zu zwei Drittel der Festangestellten der MÜNCHNER ABENDZEITUNG vor Weihnachten mit Kündigung rechnen“, twittern wir. Der Verlag dementiert. Wir bleiben dabei.

DOnnerstag: Die Telekom spioniert Journalisten aus, der NDR nimmt Blutproben – was ist hier eigentlich los?

Verlierer

DIENSTAG: Die Staatsanwaltschaft ermittelt: Die SWMH, Verlegerin unter anderem der SÜDDEUTSCHEN, soll jahrelang Steuern hinterzogen haben. Außerdem muss sie sich 90 Millionen pumpen.

Gewinner

Liebling der Woche Boris Becker. Der als öffentlichkeitsscheu bekannte erdbeerblonde Poker-König zweifelt in SPORTBILD daran, „ob Andre richtig beraten war, seine Biografie in dieser Offenheit herauszubringen“ – bei Agassi kamen Drogen vor. An die eigenen Memoiren kann er sich offenbar nicht erinnern: War da nicht was mit Tabletten und Whisky?

Johannes B. Kerner ist mit seiner ersten Sendung bei SAT.1 schwer abgeschmiert. Sein Geschmuse mit Mario Barth fand nur 1,83 Millionen Zuschauer.


Magazin für Medienmacher

Anzeige

DIE MEDIENWOCHE

»SChweigen, lügen und vertuschen« Gibt es den kritischen Journalismus noch? Es gibt ihn, aber bestimmt nicht bei Thomas Leifs Mainzer Medien Disput Von den vielen verlogenen EthikOpern, die die Branche aufführt, startet nächste Woche wieder einmal die bombastischste: der Mainzer Medien Disput (MMD), die Scala des Journalismus mit Dr. Thomas Leif als genussfülligem Buffo. Unter dem Investigation vortäuschenden Titel „Schweigen, Lügen und Vertuschen“ wird auch dieses Jahr wieder die altbekannte Problembeschreibung gepflegt: alles immer schlimmer und alles alte Bekannte. Zugleich wird zwei Tage lang über Ertrag des MMD und dessen Verwendung geschwiegen, gelogen und vertuscht. Öffentlich subventio-

niert wird der Disput durch die Bereitstellung von Konferenzräumen durch SWR und ZDF, die professionelle Vermarktung durch MGS Mar-

keting (Opel, AOK, Arcor, Bitburger, Daimler, Telekom, Bahn), Spezialgebiet Verkaufsförderung. Leider wird die Bilanz des MMD auch dieses Jahr nicht offen gelegt: Aber wo bleibt das Geld? Keine Antwort. Ist das schon Vertuschen oder nur Schweigen? Transparenz ist es jedenfalls nicht. Die aber wäre dringend nötig, bei einem MitVeranstalter Leif, nebenbei Chef des Netzwerks Recherche (NR), der NRJobs gern mal auf dem kurzen Weg ins private Umfeld weiterreicht. MGS-Chef wird im NR-Newsletter praktischerweise auch gleich als Geschäftsführer des MMD genannt, wo Interessierte sich anmelden können. Mit der seit Jahren gewohnten Grobheit werden schon in der Einladung auch 2009 wieder „die Medien“ geprügelt: Sie hätten „gefehlt“, als es in der Bankenkrise darum ging, zu kritisieren und zu kontrollieren. Da hat wohl jemand ein Jahr lang keine Zeitungen oder Magazine gelesen.

Dr. Thomas Leif Oder wollte die fragende These nicht kaputt machen: Gibt es den kritischen Journalismus noch? Es gibt ihn, aber bestimmt nicht beim Mainzer Medien Disput. Denn zu den großzügigen Sponsoren zählt nicht nur die ING Diba, die 10 Milliarden Euro Stütze vom niederländischen Staat bekam, weil sie sich verzockt hat, sondern auch die Rheinland-Pfalz Bank, Tochter der baden-württembergischen LBBW, wohl der toxischsten aller Landesbanken. Wer sponsert noch? Die AOK in Zeiten der Gesundheitskrise, die Bahn, ein Sumpfunternehmen namens Lotto und eine Bausparkasse. Mit welch empörter Enthüller-Pose würde NR-Chef Leif wohl über Veranstaltungen berichten, die Kritik am System vorgeben, aber die Kritisierten bezahlen lassen? „Wir leben in einer PR-Gesellschaft“ heißt es im Einladungstext. Stimmt. Im Mainz sogar mit dem Gütesiegel von Netzwerk Recherche, von SWR und ZDF.

DIE MEDIENWOCHE


Magazin für Medienmacher

Die Zeitungen waren zwei Tage zu spät Am 9. November vor 20 Jahren fiel die Mauer. Da war es aber schon zu spät für die die meisten Zeitungen des nächsten Tages. Wir zeigen darum einige Titelseiten vom 11.11.1989.

Anzeige

INFOGRAFIK DER WOCHE


Magazin für Medienmacher

Heute mal was für Sie, sehr verehrte Damen. Auf dieser Seite abgebildet sind die Männer des Jahres 2009, ausgewählt und ausgezichnet von der Männerzeitschrift GQ, und zwar am Welt-Männertag. Sogar Designer Tom Ford war gekommen und Til Schweiger und Florian Langenscheidt und Stefan Aust. Sehen sie nicht gut aus?

Anzeige

  DIENSTAG  GQ Mann des Jahres, münchen

STELLENANZEIGEN

Alle streichen Stellen, Achim Achilles stellt ein. Für das Online-Portal Achim-Achilles.de sucht der Laufgott eine/n

OnlineRedakteur/in Aust, Ford, nochmal Ford, Gerard Butler, Schweiger, Langenscheidt, Sonya Kraus, Sylvie van der Vaart

Stellenanzeigen bei V.i.S.d.P.. Für nur 140 Euro die ganze Branche erreichen – Erfolg garantiert. info@visdp.de


Anzeige

! E ND E N E H C WO Magazin für Medienmacher

Freileser Seit einem Jahr gibt es Freischreiber, den Berufsverband freier Journalisten. Nun ziehen die Kollegen mit einer Lesetour durch die Republik. Schauspieler Max von Pufendorf liest ausgwählte Texte freier Autoren, Kai Schächtele führt durch den Abend. Am Sonntag startet die Tour im Berliner Frannz Club. Beginn 20 Uhr, Eintritt 7 Euro. Weitere Stationen: München, Köln, Hamburg. www.freischreiber.de

wenn sie uns bitte Folgen wollen

Twitter

Facebook

 Langeweile? 

IMPRESSUM

Dann lesen Sie doch ein paar der besten Reportagen des Jahres. Das Reporter-Forum, eine Art Club für ausgezeichnete Autoren, hat für seinen Reporterpreis vorsortiert und bietet die ausgewählten Texte netterweise auf seiner Homepage an. reporter-forum.de V.i.S.d.P. c/o Textmanufaktur Berlin Lietzenburger Straße 51 10789 Berlin Telefon: 030 2196 2728 7 info@visdp.de

RSS

ZU HALLOWEEN ALS GÜNTER WALLRAFF „Natürlich habe ich an diesem Abend einige wichtige soziologisch hoch- und tiefenrelevante Erfahrungen gemacht, die ich auf Nachfragen bzw Vertriebs-, Verleih- und Verlagsdeal gerne gegen gut fünfstellige Vorschüsse mit der Öffentlichkeit teile“, schreibt die Moderatorin und Musikerin Noah Sow in ihrem Blog. www.noahsow.de/blog

FOTOS: S.1: Archiv; S.2: Quadriga; S.3: Burda, Solibro, WJS, n-fuchs. de, DJS, Piper, BSP, ankerherz; S.4: CICERO, Plato, BurdaYukom, PR, ARD Screenshot; S.5: Archiv, PREMIERE, Springer ZDF; S.6: SWR/ Marco Urban; S.8: Condé Nast; S.9: noahsow.de, X-Filme.

Redaktion Sebastian Esser (verantwortlich) Wendelin Hübner Susan Mücke Patrick Weisbrod

Kolumnist Dr. Hajo Schumacher Anzeigen anzeigen@visdp.de

ViSdP_138_vollbild  

Magazin für Medienmacher

Advertisement