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27. Mai 2011

200 Ausgaben ROLLING STONE

Im Auftrag des


Kolumne

V.i.S.d.P.-Herausgeber Hajo Schumacher über Sigmar Gabriels Pläne für mehr Bürgerbeteiligung bei der SPD

Kanzlerkandidat per Facebook Es ist zum Verzweifeln. Während der zu alter Form auflaufende Lobo auf SPIEGEL.DE vor der neuen Volksseuche „Meinerei“ warnt und selbst mittelkluge Menschen ihren Glauben an die Schwarmintelligenz überdenken, da kommt die SPD und will die Deutschen plötzlich beteiligen an der Meinungs- und Willensbildung, die laut Grundgesetz den Parteien vorbehalten ist. Denkfehler, Herr Gabriel: Bevor Schnupper-Mitglieder und SPD-to-goKonsumenten noch mehr herummeinen, sollte die Welt doch erstmal wissen, worüber.

Klar, es ist lästig, wenn ein Häuflein Freizeitfunktionäre von Willy und der guten alten Zeit sentimentalisieren. Andererseits haben die verbliebenen Genossen auch echte Probleme, den dauernden Chef-Wechsel zu ertragen oder in Verein, Kantine und Familie die Sarrazin-Strategie erklären zu müssen. Mit einem Dauer-TED, an dem erfahrungsgemäß ohnehin vor allem schlechtlaunige Scheißefinder mitmachen, werden die letzten Treuen auch noch verjagt. So setzt sich an der Basis jener Erosionsprozess fort, den auch die CDU erlebt: Altkräfte werden verprellt, die Neuen kommen aber trotzdem nicht.


Schumacher!

Wer heute was bewegen will, der braucht schon lange keine Partei mehr. Zum Beispiel die Berliner Flugrouten-Gegner: Professionelles Marketing läuft über das Internet, bei aggressiver Medienarbeit sind Parteiapparate eher hinderlich, Interessen und Fähigkeiten werden schnell und ohne viel Gremien gebündelt. Klassische Volksvertreter werden eher als Gegner wahrgenommen. Wenn sich Bürger engagieren, dann in Projekten, die zur Lebensphase passen und deren Ende absehbar ist: der Kinderspielplatz um die Ecke, ein Mittagstisch für Bedürftige, die Bürgerinitiative für oder gegen irgendwelche Bauvorhaben. Den Parteifunktionären, die die aktuelle Politik verteidigen müssen, bleibt die Bremserrolle. Angesichts leerer Kassen müssen die ehrenamtlichen Vertreter von SPD oder CDU in ihren Bekanntenkreisen immer häufiger erklären, warum wegen Geldmangels etwas nicht geht: Partei bedeutet heute weniger Gestalten als vielmehr Mangel verwalten. Anstatt sich dem sozialdemokratischen Lieblingssport hinzugeben und an Strukturen zu schrauben, sollte es SPD-Chef

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Gabriel mit Inhalten versuchen. Dass die SPD aus der anhaltenden Krise von Kanzlerin und Koalition keinerlei Gewinn zieht, liegt bestimmt nicht an zu wenig Bürgerbeteiligung. Was die SPD braucht, ist erstens ein Programm, das länger hält als bis zur nächsten Umfrage, und zweitens ein Team, das das Führungsvakuum mit Vielfalt füllt und die politische Debatte mit Gegenentwürfen zu Regierungspolitik und grünem Wellness-Klimbim versorgt. Mit Steinmeier, Steinbrück, Wowereit, Kraft, Schwesig, Scholz und Schmid hat die Partei ja durchaus eine bunte Truppe zu bieten. Nur müsste der Vorsitzende die Größe haben, sich in den Dienst dieses Teams zu stellen. Wenn die einsame Kanzlerin etwas fürchtet, dann eine geschlossene Mannschaftsleistung der SPD. Und wenn Gabriel ehrlich wissen will, welchen Kanzlerkandidaten das Volk will: einfach auf Facebook abstimmen lassen.


Update

Das Tagebuch FREITAG: Aldi, wichtigster Anzeigenkunde der der deutschen Zeitungsbranche, zieht sich aus mehr und mehr Regionalblättern zurück, nun auch im Osten Deutschlands.

SAMSTAG: ARD und ZDF kaufen die Rechte für die Übertragung der Fußball-Länderspiele bis zur Saison 2015/16. Über den Preis wurde – wie rücksichtsvoll – Stillschweigen vereinbart. Die Privatsender protestieren noch drastischer als traditionell üblich. DIENSTAG: Die kriselnde Münchner ABENDZEITUNG kündigt DPA und verlässt sich in Zukunft allein auf die billigere Agentur DAPD.

MITTWOCH: Die Staatsanwaltschaft München durchsucht mehrere Wohnungen, darunter die von Georg Kofler, um dem Verdacht nachzugehen, PREMIERE, das heutige SKY, habe systematisch seine Abonnentenzahlen frisiert.

Frage eines SAT.1-Halbzeitpausen-Gewinnspiels

59 Kilo

oder 40,52 Prozent seines Körpergewichts, nahm ein Mensch aus Neuss in der KABEL1Sendung “The Biggest Loser” ab. Der ehemalige Koch wiegt jetzt 98 Kilo und arbeitet als Fitnesstrainer. Fotos: KABEL EINS, DuMont, DFB

MITTWOCH: Konstantin Neven DuMont sagt dem TAGESSPIEGEL, er habe bereits 200.000 Euro in eine medienkritische Seite namens KNDM investiert – also das V.i.S.d.P.-Budget der vergangenen 400 Jahre.

„Wer ist portugiesischer Meister? a) FC Porto b) SC Versandkostenfrei“


Update

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Gewinner

Hans-J. Brogsitter weil der Gastronom das ge-

schafft hat, wovon Tausende seiner Kollegen träumen: Er hat den FEINSCHMECKER verklagt und gewonnen. Das Magazin habe nicht “neutral, sachkundig und im Bemühen um Richtigkeit” berichtet.

Verlierer

Fotos: Brainpool/Guido Engels, Katholische Kirche Bonn

Liebling der Woche Liebe Wochenshow, eine einzige Er-

kenntnis war beruhigend an Eurer Comeback-Sendung: Früher war nicht alles schlecht. Und so schlecht schon gar nicht. Schlitzaugen-Witze, wiederverwertete Witze und Witze ohne Witz, sowas habt Ihr Euch in den 90ern nicht getraut.

Freundin weil diese Tussi in Zeitschriften-Form die coolen Fußball-Damen von 11FREUNDINNEN verklagt hat – das 11FREUNDE-Schwestermagazin hat sich irgendwelche Marken geschützt, die die Burda-Zeitschrift für desperate Hausfrauen auch gern hätte. Zicke.


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Die wechsel der Woche

Hendrik Groth (2) wird neuer Chefredakteur der SCHWÄBISCHEN ZEITUNG. Der Nachfolger von Ralf Geisenhanslüke war unter anderem Vizechef bei der WAZ. Jürgen von der Lippe (3) moderiert ab dem Sommer bei SAT.1 das Prominenten-

Quiz „Ich liebe Deutschland“. Geplant sind sechs Folgen. TAZ-Inlandschef Ulrich Schulte (4) wird Leiter des Parlamentsbüros. Sein Ressort übernehmen gemeinsam Hanna Gersmann und Ulrike Winkelmann (5), die vom FREITAG zurückkehrt. Martin Woelke (6) wechselt sich künftig wöchentlich mit Susanne Schwarzenberger bei HR1 in der Radio-Morgensendung „Start“ ab.

Fotos: NDR, Schwäbische Zeitung, taz (2), HR

Andreas Hummelmeier (1) wird neuer Redaktionsleiter von TAGESSCHAU.DE. Er tritt die Nachfolge von Jörg Sadrozinski an, der als Leiter der Deutschen Journalistenschule (DJS) nach München geht.


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Bewerbt Euch Der geplante Bezahl-Sport-Nachrichtensender SKY SPORT NEWS stellt bis zum Winter 50 Sportjournalisten ein. „Head-Anchor“ (wahrscheinlich so was wie Klassensprecherin) wird Kate Abdo, bisher Sportmoderatorin bei CNN INTERNATIONAL.


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Alle Fotos: (cc) Jonas Fischer/re:publica


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„Die blödesten RockKlischees aller Zeiten“

Die erste Ausgabe des deutschen ROLLING STONE 1994


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Bob Dylan ist am Dienstag 70 geworden, und gestern erschien die 200. Ausgabe der deutschen Ausgabe des Rock-Leitmediums ROLLING STONE. Chefredakteur Rainer Schmidt, Roman-Autor, Rugby-Veteran und einer der erfahrensten Blattmacher Deutschlands, ließ sich vom V.i.S.d.P.-Interview zur nächsten Titelgeschichte inspirieren: “Die blödesten RockKlischees aller Zeiten”. Herr Schmidt, Sie haben sich sicher noch einmal durch alle 199 Ausgaben gewühlt. Was haben Sie über Ihr Magazin gelernt? Dass selbst der ROLLING STONE nicht immer richtig liegt: 1995 kam ein Mitarbeiter zu dem harten und vielleicht doch etwas verfrühten Urteil, die Band Radiohead sei bereits völlig am Ende. Auf dem ersten Cover war ein goldener Elvis-Anzug zu sehen – ist klassischer Rock‘n‘Roll nach all den Jahren immer noch die Kernkompetenz des deutschen Rolling Stone? Eine unserer Kernkompetenzen ist gute Musik, die nicht nach nur einer Saison wieder im Tal der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Klassischer Rock‘n‘Roll ist ein kleiner Teil davon.

Wie viele Alben besaßen Sie vor Ihrer RSZeit von: Oasis, U2, John Lennon? Von U2 sieben (Rattle and Hum, Zooropa, The Joshua Tree, Pop, War, Under a Blood Red Sky, October), von Oasis fünf ((What´s the story) Morning Glory, Definitely Maybe, Heathen Chemistry, Dig Out Your Soul, Standing on the Shoulder of Giants) und von John Lennon drei (Working Class Hero – The Definitive Lennon, Plastic Ono Band, Imagine). Sie kennen sich in der Techno-Bewegung gut aus. Wie nah sind Ihnen die Themen Dylan, Stones, Springsteen? Und wie haben Sie sich eingearbeitet? Ich habe eine ältere Schwester, durch die ich zwangsweise schon sehr früh sehr intensiv mit den alten Helden in Berührung kam, bevor ich Punk und New Wave für mich entdeckte. Davor war Metal ein großes Thema,


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“Im SPIEGEL wird ja auch anders über Politik geschrieben als in der BRAVO.” später lange Zeit House und Elektro. Und wenn ich irgendwo Lücken haben sollte, frage ich einfach meinen Kollegen Arne Willander, der weiß alles, und damit meine ich tatsächlich: ALLES! Seit Ihrem Amtsantritt meint man einige Elemente der deutschen VANITY-FAIRAusgabe im Heft zu entdecken, wo Sie zuvor gearbeitet hatten. Welche Zutaten konnten Sie beim ROLLING-STONE-Machen gebrauchen? So banal es klingen mag: Die Zutaten, die man in jedem hochwertigen Magazin braucht, also außergewöhnliche Bilder und Strecken von erstklassigen Fotografen, namhafte Autoren und hervorragende Texte. Ihre Leser gelten als Rock-Traditionalisten, um nicht zu sagen -Fundamentalisten.

Wie waren die Reaktionen auf mehr Lifestyle, Wirtschaft, Kunst im Blatt? Unsere Leser sind im Gegenteil sehr offen und experimentierfreudig – solange die Substanz stimmt. Insbesondere Kultur- und Gesellschafsthemen kommen gut an. Sehr schöne Reaktionen hatten wir auf das gemalte Neo-Rauch-Cover und unseren Drogenreport, nicht sehr angetan waren die Leser dagegen von Michael Ballack, der passte ihnen als Typ nicht. Im ROLLING STONE finden sich aber auch immer noch Beispiele für die deutsche Spezialität des sprachlich über-akademisierten Rock-Feuilletons, bei dem man sich manchmal fragt, was der Kollege eigentlich genau sagen will. Ist das ein Problem oder wollen die Leser das eben so?


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“Beim Sound gibt es überhaupt keine Probleme.“ Wann haben Sie den STONE zuletzt wirklich gelesen? Ich hoffe, davon finden Sie nicht zu viele. Unser Ziel ist es, jedes Geschwurbel zu vermeiden. Andererseits erwarten unsere erwachsenen Leser von uns auch zu Recht komplexere Kritiken als etwa in einer Jugendzeitschrift – im SPIEGEL wird ja auch anders über Politik geschrieben als in der BRAVO. Das amerikanische Mutterblatt unterscheidet sich jedenfalls im Sound von der deutschen Ausgabe. Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Übersetzen amerikanischer Geschichten gemacht? Wann funktioniert das, wann nicht? Wenn das Thema passt, übernehmen wir gerne besondere Geschichten, etwa die Reportage über das sogenannte „Kill-Team“ in Afghanistan oder das Adele-Porträt in unserer aktuellen Nummer. Beim Sound gibt es überhaupt keine Probleme.

Musik und Popkultur vermittelt sich inzwischen zum großen Teil über das Internet. Wie überzeugen Sie junge Leser von der Notwendigkeit einer gedruckten Musik-Zeitschrift? Auch jüngere Leser sind froh, wenn Sie einen zuverlässigen, unbestechlichen und kompetenten Freund finden, der ihnen hilft, den Überblick zu behalten – im Heft und online. Wir bieten Hintergründe und Qualität, die es in dem Bereich so nur bei uns gibt. Wieviel Rock‘n‘Roll steckt in Ihrer Redaktion? Werden die Kollegen zur Jubiläumsfeier Fernseher eintreten, Möbelstücke durch die Bürofenster werfen und Haschisch spritzen? Genau in dieser Reihenfolge. Und danach bereiten wir sofort den nächsten Titel vor: „Die blödesten Rock-Klischees aller Zeiten“.


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Die aktuelle Ausgabe


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Fotos für die-

++London ++September 2010 ++Julian Assange Pressetermin ++Foto: Seamus Murphy VII Network

Das Bild wurde beim World Press Photo Award in der Kategorie „ People in the News “ mit dem zweiten Platz ausgezeichnet.


Pressefreiheit

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Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlicht auch in diesem Jahr einen neuen Band aus der Reihe „Fotos für die Pressefreiheit“. Der rund hundert-seitige Fotoband dokumentiert in Bildern und Texten Ereignisse des Jahres 2010. Zu den Fotografen des Bandes gehören Paolo Pellegrin, Andrej Ljankewitsch und Massimo Berruti. Unter den Autoren sind der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, Michael Ludwig und Ingo Petz. Alle haben ihre Bilder und Texte unentgeltlich zur Verfügung gestellt.


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Fotos f체r die-

++Minsk ++Dezember 2010 ++Foto: ddp images /AP / Sergei Grits

Minsk im Dezember 2010: Hundertschaften von Polizisten sichern mit Schildern bewehrt das Regierungsgeb채ude gegen Demonstranten.


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Fotos f체r die-

++Irak ++M채rz 2009 ++Foto: Richard Mosse / INSTITUTE

US-Soldaten am Pool des fr체heren Palastes von Saddam Husseins Sohn Udai.


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Fotos f체r die-

++Kirgistan ++Foto: William Daniels Panos Pictures

Das Vertrauen der Menschen in ihre n채chsten Nachbarn ist seit den Unruhen dahin.


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Fotos für die-

++Kuba Minsk ++Foto: Dezember Alessandro 2010 Scotti / ++Agentur Foto: ddpFocus images /AP / Sergei Grits

Kuba: Yoani Sanchez, Jahrgang 1975, betreibt seit 2007 den Minsk im Dezember von Polizisten Blog Generación Y, in2010: dem Hundertschaften die in Havanna lebende Joursichern dasseinen Regierungsgebäude genalistin mit vomSchildern Leben aufbewehrt Kuba und Beschränkungen gen Demonstranten. erzählt.


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Fotos f端r die-

++Karachi ++Foto: Massimo Berruti / Agence VU/ laif

Neues vom Aktienindex f端r ein von Armut und Krisen gesch端tteltes Land: Ein Wirtschaftsreporter berichtet von der B旦rse in Karachi.


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++Abuja ++Dezember 2010 ++Foto: Christian Lutz / Agence VU / laif

Im Firmensitz der Nigerian National Petroleum Corporation

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Fotos für die-

++China ++Dezember 2010 ++Zheng Jiang, 56, Geschäftsmann ++Foto: Tommaso Bonaventura / Contrasto / lai

„Fotos für die Pressefreiheit“, 104 Seiten, für 12 Euro im Buchhandel oder über: www.reporter-ohne-grenzen.de

Bei einem Ausflug zur früheren Militärbasis der Partei wollten alle Touristen ein Foto mit ihm, seither ist er Mao-Darsteller im Hauptberuf.


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INBOX

Verdacht und Verurteilung „Mir scheint das Problem der medialen Vorverurteilung mittlerweile erkannt und vielfach wie hier von Hajo Schumacher beschrieben. Eine Idee für die Lösung müsste m. E. mal von den Journalisten kommen. Wie kann Zurückhaltung bei Bildern, die Vorverurteilungen bringen, aussehen - ohne den Berichterstattungsauftrag zu verletzen?“ Dominik Hoech per Facebook Man darf also keine Meinung (oder Vermutung) haben, wenn man nicht das große Staatsexamen hat? Ich finde es auch scheußlich, wie schnell sich die Gesellschaft gegen einen der ihren stellen kann, aber das gilt vom Knasti, der seine Strafe verbüßt hat, bis zum beschuldigten IWF-Chef für jeden. „deal withit“ per Kommentar Wenn ich so einen Mist lese, kommts mir hoch. Genau diese Sinneshaltung wird hier kritisiert. Und dann muß ich lesen: deal with it. Komm gefälligst damit klar. Es geht nicht um Fachkompetenz in Form eines Staatsexamens (das über Fachkompetenz bekanntlich auch nichts aussagt), sondern um die Vorabverurteilung eines Delinquenten noch bevor überhaupt die Faktenlage klar wäre. Im aktuellen Fall hat ein Zimmer-

mädchen behauptet, vergewaltigt worden zu sein. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe vehement. Da ist es angebracht, bei der Berichterstattung, bei den Fakten zu bleiben. Es mag jedem Leser freistehen, sich aufgrund der berichteten Fakten eine eigene Meinung zu bilden. Aber es ist nicht Aufgabe einer seriösen Berichterstattung dem Leser diese Meinung vorzugeben oder sie durch selektive Berichterstattung zu nähren. Wie bei Kachelmann und Moderator X blieb es insbesondere bei einer ganz bestimmten Zeitung nicht bei der Information des Lesers. In meinungsmachender Absicht wurde da schon ein Urteil gesprochen, und damit wurden die Rechte des Angeklagten insbesondere auf einen fairen Prozess mit Füßen getreten, bevor überhaupt mal die Sachlage als solche geklärt war. Wenn die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, dann wird schon was dran sein. Thema erledigt. Warum prozessieren wir dann überhaupt noch? Eben: weil der Angeklagte bis zu seiner Verurteilung als unschuldig gilt. „oetzli“ per Kommentar Was mir wirklich unangenehm auffällt ist die formulierung in diesem hypothetischen absatz: „Wenige Stunden nach der Verhaftung auf dem New Yor-


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ker Flughafen wurde bekannt, dass Frankreichs First Lady Carla Bruni Nachwuchs erwartet. Seht her: Der Präsident macht Liebe, das Untier will Sex. Das muss alles nichts bedeuten.“ das, was dem mann vorgeworfen wird, kann man wohl kaum als „sex wollen“ bezeichnen. das ist doch eine ziemlich ekelhafte verharmlosung. „Schwadroneuse“ per Kommentar Will ja nicht kleinlich wirken in diesem Zusammenhang - aber „die Medien“ haben auch eine Vorbildfunktion in Sachen Sprache. Und „die ein oder andere Ungereimtheit“ ist schlicht falsch - auch wenn es immer mehr (leider auch) Journalisten sagen und schreiben. Ein Ungereimtheit gibt es nicht... Andrea Hansen per Facebook

Der Abenteurer in Dir Wow. Tolles Interview. Meinetwegen hätte es doppelt so lang sein können. Hätte weitergelesen. Benedikt Bentler per Kommentar Ich finde besonders den Aspekt wichtig, dass im Detail die entscheidenden Unterschiede zu finden sind. Roland Rickelmann per Kommentar Schön, dass es solche Leute gibt! Authen-

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tizität ist das Stichwort. Falls ich das Buch nicht gewinne, werde ich es mir kaufen. Tobi Mandt, per Kommentar Kernpunkt ist tatsächlich die eigene, unvoreingenommene Recherche. Ich erinnere mich, daß ich als damaliger Südasien-Korrespondent im Herbst 2001 fassungslos vor den Agentur- und anderen Berichten saß, die eine unmittelbar bevorstehende Machtübernahme der Islamisten in Pakistan ankündigten. Als Augenzeuge der damaligen Demonstrationen in Peshawar war mir völlig klar, daß hier eine zwar wort- und bildgewaltige, letztlich aber noch kleine und weitgehend machtunfähige Bewegung zur massiven Bedrohung für das Regime Musharraf ‚hochgejazzt‘ wurde. Ich hatte trotzdem erhebliche Schwierigkeiten, meine Heimatredaktionen von der Realität vor Ort zu überzeugen. „Radioreporter“ per Kommentar Jeweils ein Exemplar des Buchs „Bruttoglobaltournee: In 25 Stationen um die moderne Welt “ von Gerhard Waldherr haben gewonnen: Dominik Berg, Gesine Denker und Markus Peters. Sagen Sie uns Ihre Meinung per Mail (post@visdp.de), Facebook-Kommentar, Tweet oder kommentieren sie direkt auf unserer Seite.


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Im Auftrag des Rock: 200 Ausgaben Rolling Stone

Schumacher

Kanzlerkandidat per Facebook

Update

Das Tagebuch Liebling der Woche, Zitat der Woche, Zahl der Woche, Gewinner/Verlierer

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V.i.S.d.P. – Magazin für Medienmacher

Chefredakteur: Sebastian Esser Herausgeber: Dr. Hajo Schumacher Design: Markus Nowak, Supermarkt Studio Redaktion: Till Schröder, Wendelin Hübner, Susan Mücke, Frank Joung, Patrick Weisbrod Lektorat: Carla Mönig Anzeigen: anzeigen@visdp.de Mediadaten: http://www.visdp.de/magazin/mediadaten/ Adresse: Lietzenburger Straße 51, 10789 Berlin Telefon: 030 2196 27287 E-Mail: info@visdp.de Facebook: http://www.facebook.com/visdp Twitter: http://www.twitter.com/visdp


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