Page 1


Journal 2013

5

Journal

Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden

6

Gesellschaftliches Engagement

13

Mit unseren Kunden im Gespr채ch

25


14

Journal. Gesellschaftliches Engagement.

AUSDAUERND AUS LEIDENSCHAFT: METRO GROUP Marathon Düsseldorf Gepflegtes Chaos herrscht in der Zentrale vom METRO GROUP Marathon Düsseldorf. Kartons voller T-Shirts, Startunterlagen und Medaillen türmen sich, der Weg ins Büro von Jan Henning Winschermann wird zum Hindernisparcours. Was nach viel Arbeit aussieht, täuscht nicht: Marathon erfordert Ausdauer – von den Läufern und den Veranstaltern.

»Race Director« Jan Henning Winschermann kam im

sehr beliebt ist. Eine kleine nderung des Strecken-

Alter von Anfang 20 zur langen Distanz. Seitdem hat er

verlaufs machte den Marathon etwas schneller – ein

etliche Marathons »gefinished«, etwa in New York, Ber-

Anreiz gerade für die Spitzenläufer. Jetzt entspricht

lin und Peking. Der Lauf an sich ist schon eine Heraus-

die Route den internationalen Bestimmungen des

forderung, noch mehr aber die Organisation eines

Leichtathletik-Weltverbands.

so großen Sportevents. Jede Veranstaltung erfordert ungeheuer viel Engagement, Stehvermögen und

Werbetrommel international schlagen

Leidensfähigkeit von Winschermann und seinen sechs

Doch für Winschermann ist noch Luft nach oben:

Mitarbeitern. »Damit uns langfristig nicht die Puste aus-

»Wir hätten gerne 5.000 reine Marathonis und noch

geht, brauchen wir zuverlässige Partner. Wir arbeiten

mehr ausländischer Läufer. Der Anteil liegt bei rund

mit einem Gesamtbudget von rund 1, Millionen Euro.

15 Prozent, mittelfristig sollten es 20 Prozent sein.«

Davon fließen etwa 250.000 Euro in Startgelder. Zum

Um das Ziel von 1.000 internationalen Teilnehmern zu

Vergleich: Berlin gibt rund 1 Million Euro allein für die

erreichen, ist er ständig im Ausland unterwegs, wirbt

Verpflichtung bekannter Laufgrößen aus. Doch wir sind

in den USA oder Japan insbesondere auf Marathon-

froh, dass uns als Hauptsponsor die Stadtsparkasse Düs-

Messen für den Lauf und die Stadt. »Viele Amerikaner

seldorf unterstützt – neben dem Flughafen Düsseldorf,

und Japaner kennen Düsseldorf nicht. Die kommen

Titelsponsor METRO GROUP und der Stadt, die uns mit

auch nicht nur für einen Marathon hierher, sondern

Sachleistungen hilft«, erklärt Winschermann.

wollen das immer mit einem Familienurlaub verbinden. Doch wenn ich von unserem Flughafen mit der

Die Stadtsparkasse Düsseldorf ist auch Namensgebe-

täglichen Flugverbindung New York-Düsseldorf erzähle

rin des parallel zum Marathon laufenden Düsseldorf

und erwähne, dass es nur ein Katzensprung nach

Kids Cups für Kinder zwischen acht und 17 Jahren.

London, Paris, Rom, Madrid oder auch Berlin ist, dann

Damit will man den Nachwuchs für den Marathon

überzeugt das«, lautet seine Erfahrung. Dieses Jahr

begeistern und junge Talente finden. Außerdem stellt

gab es erstmalig ein Begleitprogramm für die Läufer

die Stadtsparkasse in der Berliner Allee ihr Foyer für

aus den USA und Japan sowie deren Familien, und alle

die Startnummernausgabe und als »Infobereich« zur

waren von Düsseldorf und seinen Highlights begeistert.

Verfügung. Bei der Marathonveranstaltung sind rund

Dass die US-Amerikanerin Annie Bersagel mit 2:2 :5

100 Mitarbeiter aktiv vor Ort, etwa bei den beliebten

Stunden siegte, war das I-Tüpfelchen in Sachen

Straßenpartys mit Samba-Gruppen oder als ehrenamt-

guter Promotion.

liche Helfer am Streckenrand. Einige laufen sogar mit. Winschermann ist überzeugt, dass auch die Stadt

Neue Route lockt Spitzenläufer

profitiert: »Der Marathon ist inzwischen die größte

Inzwischen gehört Düsseldorf neben Berlin und Frank-

Sportveranstaltung Düsseldorfs mit knapp 00.000

furt zu den großen Stadtmarathons in Deutschland:

Zuschauern. Die geben ordentlich Geld aus an dem Tag,

Dieses Jahr liefen rund 16.000 Hobby- und Profiläufer

ob für Verpflegung oder Unterkunft, und viele besuchen

aus über 70 Nationen mit, rund .000 davon gingen

unsere Stadt wieder«. Er ist etwas irritiert, dass so

die volle Distanz von 2,1 5 km an. Die anderen Läufer

wenige Hotels spezielle bernachtungsangebote rund

teilten sich die Strecke als Viererteam im Staffel-Wett-

um den Marathon offerieren. »Dadurch würde die Ver-

bewerb, der bei Unternehmen und deren Mitarbeitern

anstaltung für internationale Teilnehmer attraktiver.«


15

Herumkommen in der Welt

schon seit Jahren als Finanzpartner. Was treibt ihn

Finanziell profitiert Winschermann vom Marathon

dann an? »Marathon ist leidenschaftlich und hoch

nicht. Seine Software-Firma entwickelt mobile Daten-

emotional, ob für Läufer, Publikum oder uns als Orga-

geräte für die kommunale Verkehrsüberwachung.

nisatoren. Ich wollte schon einige Male hinschmeißen,

Auch hier vertraut er der Stadtsparkasse Düsseldorf

aber es hat mich immer wieder gepackt.«


16

Journal. Gesellschaftliches Engagement.

ANSTIFTUNG ZUR KULTUR: Stiftung Schloss und Park Benrath Die historischen Kulturschätze von Schloss und Park bewahren und ein breites, jüngeres Publikum begeistern – das ist die Berufung von Stefan Schweizer und Nicolas Maas. Die beiden Stiftungsvorstände haben viel vor und gehen dafür neue Wege.

Im Innenhof des Naturkundemuseums von Schloss Benrath sprießt zartes Grün. Nicht auf dem Boden des Hofes, sondern in 60 mobilen Hochbeeten, die aussehen wie eine Kunstinstallation. Keine seltenen Zierpflanzen strecken ihre Triebe der Sonne entgegen, sondern regionale, historische Gemüsesorten, die fast in Vergessenheit geraten sind: Rheinprinzessin, Neckargold, weiße Küttinger, rote Riesen, Lerchenzungen und Bonner Advent – Bohnen-, Möhren- und Kohlsorten, die man im Supermarkt vergebens sucht. »Elisabeths Garten ist ein Urban Gardening-Projekt, das wir an drei weiteren Standorten zeigen werden. Damit holen wir Gemüse aus der Region wieder in die Stadt. Gleichzeitig sind alle Besucher – ob Erwachsene, Jugendliche oder Kinder – eingeladen, aktiv mitzumachen, zu erleben, zu entdecken«, erklärt Stefan Schweizer. Seit 1. November 2012 bestimmt das Führungsduo Dr. Stefan Schweizer (wissenschaftlicher Vorstand) und Nicolas Maas (kaufmännischer Vorstand) die Marschroute für die Neuausrichtung der Stiftung Schloss und Park Benrath. »Wir wollen unser Profil durch attraktive, moderne Angebote schärfen, mehr Vielfalt bieten und damit vor allem eine junge Zielgruppe ansprechen«, erklärt Schweizer. Der Kunsthistoriker war im Zuge einer Stiftungsprofessur sieben Jahre Juniorprofessor an der Heinrich-Heine-Universität, bevor das Kuratorium ihn gemeinsam mit Maas in den Vorstand berief.

Breites Publikum begeistern Partizipation insbesondere nach dem Vorbild amerikanischer und englischer Museen spielt für Schweizer eine große Rolle. »Wir wollen uns öffnen, die Besucher einbeziehen und unser Angebot modernisieren. Mit einem Publikum, das nur aus Bildungsbürgern besteht, können wir langfristig nicht bestehen. Wir sprechen alle Bevölkerungs- und Altersgruppen an, gerade auch Menschen mit Migrationshintergrund«, sagt Schweizer deutlich. Daher sei auch geplant, Familienführungen, etwa auf türkisch, polnisch und bald auch auf japanisch und chinesisch anzubieten. »Unser Vorteil ist, über 61 Hektar Park zu verfügen, der sich als Gesamtkunstwerk bespielen lässt, aber auch ein idealer Veranstaltungsort ist. Das Barockfest hat an zwei Tagen 25.000 Zuschauer in den Park gezogen«, freut sich Nicolas Maas über den unerwarteten Erfolg und ergänzt: »Unsere Rock- und Hiphop-Konzerte zur Nacht der Museen kamen gerade bei den Jugendlichen sehr gut an.« Der Volljurist kümmert sich um die Vermögensverwaltung und die Sponsorenakquise für die Stiftung, zu deren Gründungsstiftern auch die Stadtsparkasse Düsseldorf gehört. »Von deren KompetenzCenter Stiftungen sind wir sehr gut beraten worden. Auch in Zukunft werden wir uns dorthin wenden, etwa wenn wir Hilfestellung benötigen bei der Suche nach Mit-Stiftern oder deren Einbindung«, sagt Maas.


17

Zeiten verändern sich

Josef Pallenberg, ist aber in die Jahre gekommen.

Stefan Schweizer ist bewusst, »dass man mit dem

»Mit unserer neuen Kustodin erarbeiten wir gerade ein

Schloss und den dazugehörigen drei Museen Hoch-

Konzept. Auch das soll sich wieder an alle Besucher

kultur verbindet. Doch der Bauherr Karl Theodor

richten und diese einbeziehen«, erläutert Nicolas Maas.

hätte heute auch nicht mehr Mozart gehört. Die Zeiten

Geplant sind der Neubau der Bibliothek, ein Porzellan-

verändern sich.« Folgerichtig gibt es Führungen mit

Kabinett und im Herbst die Publikumsausstellung zu

iPad und Musikvideo, Social Media-Aktivitäten, und im

den Staatsbesuchen auf Schloss Benrath zwischen

Kuppelsaal des Schlosses Klassikmusik des 20. Jahr-

1945 und 1989. »Der Stiftungs-Ansatz ist das Bewahren.

hunderts. »Außerdem versuchen wir, Schüler durch

Doch wir werden auch ganz neue Reize setzen«, ergänzt

das Angebot attraktiver unterrichtsbegleitender Inhalte

Stefan Schweizer. Dafür braucht es Ausdauer, über

anzusprechen. Der Gang ins Museum zum Biologie-,

die beide Vorstände als leidenschaftliche Läufer

Kunst-, Literatur- oder Musikunterricht soll zur

ausreichend verfügen dürften.

Normalität werden«, wünscht sich Schweizer.

Weitere Pläne Als nächstes widmen sich die beiden Vorstände der Modernisierung des Naturkundemuseums. Das beeindruckt zwar mit seiner umfangreichen Sammlung von Raubvögeln und den Tierplastiken des Künstlers


18


Journal. Gesellschaftliches Engagement.

19

KUNST SINNLICH ERFAHREN: Das Labor in der Kunstsammlung NRW Voller Staunen durchschreitet der Betrachter den weitläufigen dunklen Raum im K20: Mit Hilfe einer rotierenden Projektion von Licht durch einen prismatischen Acrylring und farbige Filter entsteht die Illusion von Sonne, Planet, Licht, Schatten und Unendlichkeit. Das kleine Universum von Olafur Eliasson hat etwas Magisches, das eine große innere Ruhe auslöst.

Besonderer Ort für Kunst

Solide Partnerschaft

In Reaktion auf die Ausstellung »Kandinsky, Malewitsch,

Auch wenn die Kunstsammlung NRW finanziell vom

Mondrian – Der weiße Abgrund Unendlichkeit«

Land NRW unterstützt wird, hält Julia Hagenberg die

entwickelte der in Berlin lebende dänische-isländische

Förderung durch Sponsoren für unerlässlich – um

Künstler Olafur Eliasson ein besonderes Projekt für das

langfristig qualitätsvolle Ausstellungen sicherzustellen.

»Labor«, den Ausstellungsraum der Abteilung Bildung:

Beispielsweise fördern die Sparkassen-Kulturstiftung

Die raumgreifende Lichtinstallation in Kombination

Rheinland und die Stadtsparkasse Düsseldorf das

mit einer digitalen App vermittelt dem Besucher einen

Labor seit 2013 über drei Jahre hinweg in fünfstelliger

neuen Erfahrungsraum und ein frisches Erlebnis von

Größenordnung. »Gestartet ist unsere Kooperation

Kunst. Bislang hat das K20 zehn Künstler eingeladen,

gleich mit einem tollen Projekt: »Dingfest« – tastbare

das Labor mit einer speziellen Ausstellung zu bespielen.

Skulpturen. Die Besucher durften ausgewählte Skulpturen von Künstlern wie Tony Cragg, Ewald Mataré,

»Zur Wiedereröffnung des K20 am Grabbeplatz im

Leunora Salihu oder Hede Bühl anfassen, um sie

Sommer 2010 wollten wir einen anderen Ort für Kunst

optisch und sinnlich zu begreifen.« Die Ausstellung

schaffen. Wir überlegten: Wie geht der Besucher mit

wurde damit auch dem Aspekt der Inklusion gerecht,

dem Konzept des Meisterwerks um? Und wie können

da auch der Landesverband für Blinden- und

wir ihn aktivieren und dazu bewegen, auch die eigene

Sehbehindertenpädagogik e.V. Nordrhein-Westfalen

Rolle zu reflektieren, wenn er sich die Sammlung

einbezogen wurde.

anschaut?«, erklärt Julia Hagenberg, Leiterin der Abteilung Bildung. Respekt für Kunst und die Meisterwerke

Gespür für Qualität

der Sammlung, wie etwa Klee, Picasso, Miró, Mondrian

K20 und K21 wollen Menschen jeden Alters für Kunst

oder Beuys hält Hagenberg zwar für wichtig. Doch sei

begeistern. Besonders bei Kindern und Jugendlichen

zu viel Ehrfurcht eher abträglich: »Im Labor können die

gefragt ist die Medienwerkstatt, die ihnen einen neuen

Besucher selbst aktiv werden, Kunst ganz neu erleben

Zugang zu zeitgenössischer Fotografie und Videokunst

und manchmal in den Dialog mit den Künstlern treten.«

vermittelt. »Eine eigene Zielgruppe, die es besonders zu umwerben gilt, sind Kinder aber nicht. So ist das La-

Publikum und Künstler zusammenbringen

bor nicht explizit für sie konzipiert. Wir machen keine

Dass die Idee zündet, zeigte sich schon beim Auftakt

Unterschiede, weil ein Museum selbstverständlich ein

bei Karin Sanders Projekt der 3-D-Bodyscans lebender

Ort für Kinder ist, den sie ganz frei für sich entdecken

Personen. Die Besucher waren begeistert, sich einscannen

und erobern sollen«, erklärt Julia Hagenberg. »Das

und als Gipsfigur ausdrucken zu lassen, und so Teil

war sicher auch ausschlaggebend für die Förderung

eines Gesamtkunstwerks zu werden. Es ergaben sich

von Seiten der Stadtsparkasse Düsseldorf. Dort besteht

sogar spontane Gruppierungen oder Familien-Scans.

ein echtes Interesse an Kunst, viel Engagement und

»Der Ansturm war so groß, dass gar nicht alle Scans

ein großes Gespür für Qualität. Stets soll etwas Gutes

umgesetzt werden konnten. Schön war auch, dass viele

entstehen – und daher freue ich mich auf die weitere

Besucher erneut in die Ausstellung kamen, um sich

Entwicklung vom Labor.«

selbst als Skulptur in der Installation zu sehen. Unsere Mission, Publikum und Kunst zusammenzubringen, ist gelungen«, freut sich Julia Hagenberg.


30

Journal. Mit unseren Kunden im Gespräch.

DIE BRANDVERHINDERER: BPK Fire Safety Consultants GmbH & Co. KG. Besser vorbeugen statt löschen – das ist die Mission von BPK Fire Safety Consultants. Deren Expertise ist sehr gefragt, auch international.

»Vorbeugender Brandschutz rettet Leben«, ist Cemalettin Demirel überzeugt. Daher setzen der Brandschutzexperte und seine Mitarbeiter alles daran, dass Großbrände wie am Düsseldorfer Flughafen erst gar nicht auftreten. Die Tragödie von 1996 kostete 17 Menschen das Leben und war ein Wendepunkt – für Demirel ebenso wie für die Brandschutzverordnungen in Deutschland: »Standards und gesetzliche Auflagen in Deutschland wurden in Folge des Flughafenbrandes und der Terroranschläge vom 11. September 2001 erheblich erweitert. Denn diese sollen verhindern, dass ein Brand überhaupt erst auftritt oder sich im Gebäude verbreiten kann und gleichzeitig die Rettung von Personen und das Löschen ermöglichen«, erklärt Demirel.

Brandschutzkonzept wird zum Gesellenstück Demirel gehörte zu den ersten, die die Brandstelle am Flughafen inspiziert haben. »Die Bilder werde ich nicht mehr los.« So traurig das Ereignis auch war, begründete es seine Karriere. Damals wurde die BPK Brandschutz Planung Klingsch GmbH beauftragt, ein Brandschutzkonzept inklusive Evakuierungsplanung für den Düsseldorfer Flughafen zu entwickeln. »Damit haben wir den Grundstein für die Fachplanung Brandschutz am Flughafen gelegt. Für mich war das sozusagen mein Gesellenstück«, erinnert sich Demirel. Bis dato war der Bauingenieur wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Baustofftechnologie und Brandschutz der Universität Wuppertal. Dessen Leiter Prof. Dr.-Ing. Wolfram Klingsch gründete BPK 1997 mit Standorten in Düsseldorf, Frankfurt und einem Projektbüro in Berlin. 2012 machte er Demirel das Angebot, das Büro in Eigenregie zu übernehmen. Das passte, denn seit 2002 war Demirel Prokurist und inzwischen auch staatlich anerkannter Sachverständiger für Brandschutzprüfungen.

Businessplan überzeugte Die Düsseldorfer Niederlassung wurde wirtschaftlich und organisatorisch im Dezember 2012 in eine neue Gesellschaftsform überführt: die BPK Fire Safety Consultants GmbH & Co. KG. »Ganz ohne Schwierigkeiten verlief die Umstrukturierung nicht ab, denn die Privatbanken sahen darin keine Umstrukturierung, sondern eine Neugründung. Ihnen war das Risiko einer Finanzierung zu groß, zumal wir über keinen großen Maschinenpark und somit über keine Sicherheiten verfügen. Unser Kapital sind unsere Reputation, die Mitarbeiter und deren Expertise«, erklärt Cemalettin Demirel. Die Stadtsparkasse Düsseldorf hatte das verstanden: Sie überzeugten Businessplan und Tauglichkeit des Geschäftsmodells, und so bewilligte sie die Finanzierung. Ohnehin war die Stadtsparkasse die erste Empfehlung der Wirtschaftsprüfer, die Demirel im Zuge der Umstrukturierung beraten hatten. »Die Stadtsparkasse Düsseldorf hat die Relevanz von Brandschutz erkannt«, sagt Demirel. Auch im Ausland ist Brandschutz ein großes Thema, insbesondere seit den Terroranschlägen. Daher ist die Expertise der »Fire Safety Consultants« international gefragt, etwa in Luxemburg, der Schweiz oder Saudi Arabien.


31

Für die dem Londoner Big Ben nachempfundene Turmuhr des 600 Meter hohen Makkah Royal Clock Tower in Mekka erstellen die Düsseldorfer seit 2007 die gesamte Brandschutzplanung.

Bodenständig bleiben Inzwischen teilt sich Demirel die Geschäftsführung mit seiner Frau. »Kennen und lieben gelernt haben wir uns hier in der Firma. Und es ist schön, dass wir Beruf und Privates verbinden können«, freut sich Demirel. Was ihn an seiner Tätigkeit besonders reizt, ist der Wechsel zwischen Theorie und Praxis: »Ich liebe es, wissenschaftlich zu arbeiten, Brandschutzkonzepte zu entwerfen und Gutachten zu schreiben. Doch genauso spannend ist ein Besuch vor Ort auf der Baustelle: Dort geht es bisweilen ruppig zu, da heißt es, Ärmel hochkrempeln! Dieser Wechsel ist einfach spannend.« Bodenständigkeit, Teamwork und Feeling für Menschen sind gefragt, findet Demirel und dass »Arroganz fehl am Platz ist«. Daher haben sich seine Frau und er auch aus ganzem Herzen der Mitarbeitermotivation verschrieben und Teamworkshops, Mitarbeitergespräche oder »Infoveranstaltungen« eingeführt. »Unsere Mitarbeiter und deren Know-how sind unser Kapital und das pflegen wir.«


36

Journal. Mit unseren Kunden im Gespräch.

UND WEG DER FLECK: Altstadt Reinigung Mit der Adresse Hohe Straße 6 verbinden die Düsseldorfer schon seit 1957 erstklassige Textilpflege. Mitte der 70er machte die Wächtler & Matern Gbr. die Altstadt Reinigung in Carlstadt zur Marke. 200 übernahm Konstantin Papathanassiou das Steuer – und musste einige Hindernisse umfahren.

Manchmal schlägt das Leben kuriose Kapriolen, denn der Deutsch-Grieche arbeitete bis 1

bei

Investitionen erforderlich Von da an lief es rund für ihn und seine fünf

der Düsseldorfer Rheinbahn als Schlosser. Nach

Mitarbeiterinnen – darunter seine Frau. Ein

dem tragischen Unfalltod seines Vaters wollte sich

Grund dafür war auch, dass Konstantin Papa-

Papathanassiou neu orientieren und schnupperte

thanassiou gleich in den Betrieb investierte.

in den Reinigungsbetrieb vom Vater eines Freun-

»Die Reinigung war noch auf dem Stand von

des rein. Das Metier gefiel ihm auf Anhieb. Und so

vor 0 Jahren, ich wollte unbedingt moder-

übernahmen sein Freund und er die Reinigung in

nisieren. Außerdem brauchten wir neue

Düsseldorf Holthausen und bauten ihr Geschäft

Maschinen.« Die Finanzierung realisierte die

innerhalb der nächsten zehn Jahre auf vier

Stadtsparkasse Düsseldorf, nachdem ihm

Filialen mit insgesamt 15 Mitarbeitern aus. Doch

zuvor seine damalige Hausbank nur Steine

Papathanassiou wollte sein eigener Herr sein, und

in den Weg gelegt hatte. Was ihn am meisten

als ihm ein Vertreter aus der Reinigungsbranche

davon überzeugt hatte, bei der Stadtsparkasse

steckte, dass die Altstadt Reinigung einen Nach-

Düsseldorf »goldrichtig« zu sein, war deren

folger suchte, schlug er zu.

Flexibilität: Nach etwa vier Jahren fiel der

Manschetten gehabt

Reinigung unmöglich ist. Papathanassiou

Dampferzeuger aus, ohne den der Betrieb einer Dieses Erbe anzutreten, war nicht leicht: »Die

hatte zwar einen Anbieter gefunden, der sofort

Übernahme barg eine große Chance, gleichzeitig

Ersatz liefern konnte, doch dieser forderte eine

aber auch ein Risiko«, erinnert er sich. Seine Vor-

prompte Entscheidung. »Immerhin ging es

gänger hatten einen sehr guten Ruf als Experten

um 0.000 Euro, gleichzeitig lief aber meine

für die Reinigung hochwertiger Bekleidung und

Finanzierung der Renovierung. Ich rief meinen

genossen das Vertrauen renommierter Kunden,

Berater bei der Stadtsparkasse Düsseldorf

wie etwa Chanel, Louis Vuitton, Eickhoff oder

an und innerhalb von fünf Minuten hatte ich

Burberry. Zwar verfügte der damals 5-Jährige

seine Zusage. Das werde ich nie vergessen«,

auch über zehn Jahre Erfahrung in dem Metier,

begeistert er sich. Zwei Tage später wurde

trotzdem hatte er »anfangs schon Bammel«, gibt

der neue Dampferzeuger geliefert.

Papathanassiou zu. »Die Bekleidung der Kunden hier ist anspruchsvoller, hat viele Applikationen,

Warten mit nacktem Oberkörper

wie Leder oder Pailletten. Diese bedürfen eines

Konstantin Papathanassiou liebt seine Arbeit:

besonderen Schutzes und anderer Zusatzmittel im

»Es macht mir viel Spaß, ich bin hier sehr

Vergleich zur herkömmlichen Garderobe.« Und

glücklich. Ich liebe es, mit Garderobe und

damit kannte er sich noch nicht aus. Doch nach

Mode zu arbeiten. Jedes Teil bearbeite ich so,

mehreren Textilseminaren sowie Detachier- und

als wäre es mein persönliches Lieblingsstück.

Bügelkursen hatte er die nötige Expertise, um das

Und wenn man liebt, was man tut, hat man

Ruder endgültig zu übernehmen. Die bergabe

auch Erfolg.« Dass trotz dieser Professionalität

verlief bestmöglich, da ihn seine Vorgänger im

»auch mal etwas in die Hose geht, bleibt nicht

ersten Monat im Betrieb begleiteten und allen

aus«, bekennt er. Unlängst hat er einem Kun-

Kunden vorstellten.

den die falsche Krawatte ausgehändigt, doch


37

der nahm das gelassen. Sein »schrägstes« Erlebnis

Der begeisterte Bouzouki-Spieler ist mit dem tra-

war ein Schweizer, der einen wichtigen Termin

ditionellen Zupfinstrument und seiner Band jah-

in Düsseldorf und vorher Kaffee auf sein Hemd

relang erfolgreich durch Deutschland und Europa

verschüttet hatte. Der bat um sofortige Reinigung,

getourt, jetzt spielt er nur noch zum Spaß.

zog sich dafür gleich im Laden aus und wartete mit

Seine Heimatstadt Düsseldorf liebt er über alles

nacktem Oberkörper auf sein Hemd. »Gut gebaut

und würde niemals weggehen – und wenn doch,

wie der Herr war, war er die Sensation des Tages«,

dann höchstens zur Stippvisite nach Rom oder an

erinnert sich Papathanassiou.

die Strände Griechenlands.

Profile for Ute Latzke

Journal ssk duesseldorf gb2013  

Journal aus dem Geschäftsbericht 2013 der Stadtsparkasse Düsseldorf, Interviews und Text als Koautor Ute Latzke.

Journal ssk duesseldorf gb2013  

Journal aus dem Geschäftsbericht 2013 der Stadtsparkasse Düsseldorf, Interviews und Text als Koautor Ute Latzke.

Profile for utelatzke
Advertisement