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2010-10 Heike - hEFt 22

Ob man Links- oder Rechtserzählt er mit Schmunzeln ob man Links- oder Rechtsträger sei sei man immer im Herrenausstatter zur Zeit als auf Maß noch billiger war als von der Stange gefragt worden damit der Scheider die neue maßangefertigte Hose vorsichtig am jeweils andern Bein hochzuppeln konnte bis Anschlag und der Bruder selbst ungleich zärter und ich, tief beeindruckt mit welch höfischer Würde unser Erzeuger schon 1961 behandelt wurde

zeit für manchesterhosen

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Heike Fröhlich

Fabriken arbeiteten; die Kraft, die von diesen Fabriken gebraucht wurde, war 33.000 Pferde Dampfkraft und 11.000 Pferde Wasserkraft. Der Hauptsitz dieser Industrie ist Lancashire, von wo sie auch ausging; sie hat diese Grafschaft durch und durch revolutioniert, aus einem obskuren, schlecht bebauten Sumpf in eine belebte, arbeitsame Gegend umgeschaffen, ihre


2011-01 Steve - Akrützel 290

(DRUCKERSPR. [EINEN ABSATZ BESCHLIESSENDE] EINZELZEILE AM ANFANG EINER NEUEN SEITE ODER

SPALTE)

If only Eleanor Wood is sitting in her old, fleecy, darkbrown wing chair. Deep winkles decorate her face and tell their own stories. Her snow-white hair is accurately tied up in a topknot but some strands fall down to her shoulders and frame her face. Heavy curtains in front of grand windows almost hide the view of autumn-coloured leaves and a sunny sky. To Eleanor that doesn’t matter. The birds outside enjoy the last warming shafts of sunlight and give an agitated tweeting concert. But Eleanor Wood could only imagine that sound. Just the ticking of the antique cuckoo clock pierces the silence. It seems like the whole world is standing still, nothing moves. Her hands folded in her lap, Eleanor is reasoning. Every minute she has to push back her thick-lensed glasses onto her nose, even though she cannot see very well anyway. This morning, her daughter came by to help her with the weekly shopping, but to Eleanor it’s nothing but strenous. All she needs is time, more time than any-

one else around her. In her daughters eyes, things can’t be done fast enough. Eleanor cannot get it all. She hates being old as the hills, she hates being unable to move normally, she hates being patronized and misunderstood. In those moments she wishes back the days of her youth, when she met her husband, raised her children and simply enjoyed life. Everything was so easygoing, without any sorrows. It had been almost thirteen years now since Eleanor’s husband had died. He had left the apartment for her and every piece of furniture reminds her of happier times. She loves sitting in his wing chair, it gives her a feeling of comfiness. Every Tuesday afternoon she meets her best friend Martha Brown, her last living friend. They have known each other since they had been sitting next to each other in school. Those Tuesday afternoons are the only glimmers of hope in Eleanors life. Martha is the only person who really understands her sorrows and

Kinder der Nacht

Am besten bei 3° C

Sie vertreiben die einsamen Nächte gerüstet in Spelunken mit Branntwein und Met, bis der Rundgang der Welt die Spelunken entmistet und auf Erden das Tageslicht dreht.

Zwei Unbekannte mittleren Alters in Pelzmützen und knielangen Steppjacken öffneten in Bachmaiers mitternächtlichem Garten den dort abgestellten Wohnwagen sehr diskret mit einem Brecheisen und ließen die anschließende Minute in Reglosigkeit verstreichen. Nach Ablauf der Frist betätigte der dünnere der beiden leise den Schalter der nach unten gerichteten Taschenlampe, während sein Begleiter die Scharniere der Wohnwagentüre ölte. Der Dünnere betrat den Wohnwagen und entnahm dem Kühlschrank zwei Flaschen Diätcola. Moritz Gause

Denn dann speien die Kneipen die Trunkenen sündig und entseelt, wie die Nacht sie erschuf, in den Tageslauf aus und sie suchen entmündigt ihren Platz in der Welt und sie werden nicht fündig, bis sie abends die Nacht zu sich ruft.

Dann gelangen sie heimwärts und lecken die Wunden, die verschwiegenen Kinder der Nacht! Doch sie wünschen nicht Heilung, nicht Mitleidbekunden, nur den Tagen ein Ende gemacht. Steve Kußin

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knows to listen. Today, however, Eleanor keeps waiting. Usually, it’s not Martha’s manner to be late for tea and a talk. Eleanor set the table and put on water about an hour ago. The pie from the pastry shop next door is already attracting the house flies and once again Eleanor becomes aware of how fast time is getting on. Suddenly the ringing of the phone startles her. Cumbrously she rises out of the wing chair and grabs her walking stick. She shuffles over to the phone hurriedly and picks up the receiver. The longer she listens to the opposite voice the more confusion appears on her face. She drops the phone and moves back to her chair carefully. She takes her seat, her face still inscrutable. A woolen blanket spread over her legs, she leans back. It’s cold in here, she’s freezing. With a deep-drawn sigh, Eleanor closes her eyes. If she simply did not have to wake up again, if she just did not have to be the last. Viktoria Lebwohl

Rollkragen in der Diskothek Beschützer: Dort stehen sie! Sie sollen nicht rein, sie wollen nicht raus. Dort!, sehen Sie: Sie sehen nicht ein, sie sehen nicht aus. Besitzer: Ach, nutzen Sie ihr Können doch aus bei den Banausen, und putzen Sie die beiden heraus oder nach draußen! Steve Kußin


2011-01 Steve - hEFt 23 Auszug "Sein Humor" aus Episodengeschichte "Reigen"

das passieren der dinge.

(Auszug)

Von Steve Kußin

Doch sie mußten es gemerkt haben, sie alle, und auch er mußte es gemerkt haben, so dumm konnte man doch nicht sein, dachte die Frau. Er mußte doch merken, wie unangenehm es ihr war, wenn er sie berührte. Wie unangenehm es ihr schon war, wenn er sich bloß in ihrer Nähe befand. Sie hatte es zwar nie direkt gesagt, aber so etwas mußte man doch merken! Darum mußte sie ihn umbringen. Es gab gar keine andere Möglichkeit. Er hatte ihre Ehe zerstört und sie

fene AIDS hatte, und außerdem, weil sie ein guter Mensch war, daß Gott sich seiner erbarmen möge. Im übrigen hatte die Frau guten Grund ihren Mann zu hassen. Nein, er hatte sie nicht geschlagen. Nein, er war ihr nicht untreu gewesen. Er hatte ihr auch keine Kinder oder Auslandskonten verschwiegen. Der Grund war schlicht und einfach der, daß sie ihn nicht mehr liebte und ihm die Schuld daran gab. Denn an ihr konnte es nicht liegen, schließlich war sie streng gläubig und nahm das »Bis daß der Tod euch scheide« außerordentlich ernst. Sie war weiterhin gewissenhaft erzogen worden, man könnte auch sagen, daß ihre Erziehung, in der sehr viel Wert auf die Vermittlung von Verantwortungsbewußtsein und Treue gelegt worden war, allein den Gedanken absurd erscheinen ließ, sie hätte von sich aus aufhören können, ihn zu lieben. Doch hätte man diese Frau gefragt, was genau sie an ihrem Mann störe, sie hätte keine richtige Antwort geben können. Er war liebevoll wie sonst, zuvorkommend, aufmerksam, witzig – oh, wie sie es haßte, seine Witze mit anhören zu müssen. Wie peinlich es ihr immer war, wenn sie beide in Gesellschaft waren und ihr Mann sich witzig gab, und die Anwesenden mehr aus Verlegenheit ihre schiefen Lächeln lächelten und die arme Frau, die an der Seite dieses Idioten stand, mitleidig anschauten. Dann fürchtete sie immer, von ihren Kolleginnen und Freundinnen angesprochen zu werden, warum ihr Mann so komisch sei; doch nie kam eine und sagte etwas, stattdessen standen sie in ihren kleinen Grüppchen und wurden ganz schweigsam, wenn man sich dazustellte und fingen dann gleich immer an, von etwas ganz anderem zu reden.

durfte ihren Ruf und den ihrer Familie nicht gefährden, indem sie die Scheidung einreichte und damit an allem schuld gewesen sein soll. Es ging ihr gar nicht mehr darum, glücklich zu werden, diese Hoffnung hatte sie vor acht Jahren aufgegeben – sie wollte nur noch Rache. Auch wenn sie dabei das Risiko eingehen mußte, sich selbst anzustecken. Aber dann wäre er der Schuldige, sie alle würden ihn des Fremdgehens bezichtigen und wenn die Beschuldigungen nur lange genug anhielten, dann würde auch er irgendwann daran glauben! Sie selbst aber wäre die arme, von Liebe geblendete, unschuldige Betrogene, die ihren untreuen Ehemann, der früher stürbe, bis zum Tode pflegen und unter Tränen am Totenbett auf seine Frage antworten würde: »Ich habe dir schon längst verziehen!« Ja, das war eine Rolle, die ihr besser stünde als die jetzige. Dann, in einem Moment höchster Erregung, so wie sie nur phantasiereiche Menschen kennen, die ausgehen, jemanden umzubringen, stach sie sich, als sie allzu sehr mit der Spritze herumfuchtelte, die Nadel in die linke Hand. Sie ließ die Spritze sofort los, doch die Nadel hing weiter in der Hand und hatte sie sogar durchbohrt. Die Frau schrie auf, als sie sah, was sie angerichtet hatte, zog sich die Spritze aus der Hand, warf sie davon, verfluchte ihren Mann umso mehr, der schuld daran war, denn seinetwegen war sie hierher gekommen, und lief zur nächsten Haltestelle. Als sie in der Notaufnahme saß und darauf wartete, behandelt zu werden, betete sie zum lieben Herrgott, den Leidgeprüften in der Gasse wenigstens vor schlimmen Krankheiten bewahrt zu haben.

Sandalen dar. Der Boden einer Sandale ist für gewöhnlich flach, kann aber ebenso mehrere Zentimeter stark sein (Plateausandale/-sandalette; Beispiel: orientalische Kapkap). Anhand der Bodenhöhe kann in einigen Kulturen Afrikas der soziale Rang des Trägers erkannt werden. Bei den Ledersandalen westlich geprägter Kulturen ist auffällig, daß sie keine Verzierungen im

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Die Frau, die ihren Mann haßte und umbringen wollte, trat aus ihrem Versteck und zog dem weggetretenen Junkie die Spritze aus dem Arm. Das Blut klebte an der gebogenen Nadel und die Frau strahlte über das ganze Gesicht, als sie an das langsame und qualvolle Dahinscheiden ihres Gatten dachte. Natürlich würde sie ihn mit dieser Methode länger als nötig um sich haben, aber seinem Verfall beiwohnen zu dürfen, dachte sie, war alle weiteren Mühen wert. So verließ sie die Gasse und hoffte, daß der Verwor-


2011-07 Steve - hEFt 25 aus der Reihe "Menschen wie du und ich"

der schauspieler. Von Steve Kußin

Der Schauspieler geht immer mit guten Vorsätzen ins Bett, doch er steht nie mit ihnen auf. Das weiß er, auch wenn er anderes vorspielt: Er ist ein Schauspieler, das macht er eben so. Und selten hat er eine Partnerin, meistens fragt er sich, wieso, später dann: Wieso immer noch? Das begreift er nicht, wahrscheinlich, vermutet er, liegt es an seinem Spiel: Denn er ist Schauspieler, das kann er halt am besten. Häufig steht er früher auf als seine Partnerin, dann

falscher hase

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kann er das Frühstück machen und vielleicht noch schnell abwaschen oder frische Brötchen vom Bäcker holen. Dann weckt er sie ganz sanft, mit Musik manchmal oder mit Kaffeegeruch, den er ihr ins Gesicht pustet. Er weiß, daß er das aus der Werbung geklaut hat, und weiß, daß sie ihn längst bemerkt hat, längst, bevor er ans Bett getreten ist und ihr den Kaffee ins Gesicht blies. Aber sie tut dennoch so, als erwache sie erst jetzt und durch den herrlichen Duft des Kaffees: Doch sie ist keine Schauspielerin, sie macht das und weiß, daß es ein Spiel ist, von dem beide wissen. Wenn sie aus dem Haus ist, wartet er noch eine Viertelstunde ab, ob sie nicht gleich wieder zurückkommt, weil sie vielleicht ein Buch oder ihren USB-Stick vergessen hat. Manchmal blättert er dabei in einem Buch oder hört bei irgendwelchen Radionachrichten weg. Dann fährt er den Rechner hoch, will nur mal eben seine E-Mails abrufen, vielleicht ein paar beantworten, wenn etwas Wichtiges dabei ist. Zwei Stunden vergehen. Irgendein Pop-up-Fenster hat ihm Lust auf pornhub. com oder kino.to gemacht, also wichst er oder schaut sich einen Film an, meistens erst das erste und dann zur Entspannung das zweite. Dazwischen lüftet er, man

kann nie wissen. Die Jalousien bleiben dann zu, es ist komisch, wenn man die Jalousien tagsüber für 20 Minuten runterläßt, was sollen da die Leute auf der anderen Straßenseite denken? Er duscht sich oder verwendet zumindest einen Achselspray. Dann spielt er Computer, Ego-Shooter, aber online, mit anderen, er ist schließlich kein Nerd. Er braucht das, echte soziale Kontakte, und außerdem trainiert er dabei gleich sein Englisch. Er überlegt sich ein paar Alibisachen, die er seiner Partnerin später zur Antwort geben will. Er erledigt auch noch ein paar offensichtliche Dinge, wäscht ab oder kauft ein oder saugt durch. Er versucht, beschäftigt oder nicht zu Hause zu sein, wenn sie zurückkommt – er hatte ja so viel zu tun, hauptsächlich Organisatorisches, wie doch die Zeit vergeht, viel zu viel zu tun und viel zu wenig Zeit und dann hatte er auch noch einem Kumpel helfen müssen, ziemlich kurzfristig das Ganze und den gesamten Tagesplan verwerfend. Er könne eigentlich nicht genau sagen, was er den ganzen Tag über gemacht hat, irgendwie alles, aber alles nur ein bißchen, und – das sagt er ihr aber nicht – eigentlich nichts. Sie kommt nach Hause. Er antwortet, während er das Essen für beide macht. Sie sagt, wie lieb er sei. Er schlägt vor, zum Ausklang des Tages einen Film zu schauen, mal abschalten, wie sie es jeden Abend machen. Sie wird irgendwann müde, geht schon mal ins Bett vor, er will noch ein paar Orga-Mails schreiben oder für die Hausarbeit recherchieren, will gleich nachkommen, schaut noch zwei Stunden fern. Dann geht er ins Bett und sagt sich, daß morgen alles anders wird. Er ist Schauspieler, er sagt so etwas eben.

der faschierten Masse zu einem Oval auslegen, gekochte Eier darauf legen und mit dem restlichen Faschierten abdecken und den Braten zu einem ovalen Laib formen. Zwiebelringe in einer Pfanne mit Öl dünsten. Tomatenmark und Suppe unterrühren. Den Braten in die Pfanne geben und im vorgeheizten Rohr bei 200°C 45 Minuten garen. Danach Gehacktes


2011-10 Uschi - hEFt 26

freivogel. Von Uschi Schmidt

du dich mal wieder mit Jack Daniel oder Jim Beam verbrüdert hattest und daß ihr zusammen LynyrdSkynyrd-Songs gegrölt habt, nachts um vier im frostigen Finnland, und euch »Brüder gehen vor Bräute« geschworen habt. Du hältst dich also für Freebird, der der Liebe Lebewohl sagt und dann frei in die Welt fliegt, den man nicht ändern oder aufhalten kann, und ich denke mir nur: Verdammt noch mal, das ist doch die Hymne der Männer, die sich nachts heimlich davonmachen wie streunende Köter, dabei angeblich nur Zigaretten holen, die mit der Verwandtschaft zerstritten sind und staunen, wenn an ihrem Geburtstag das Telefon schweigt, die Hymne jener feigen Hunde, die kalte Füße kriegen vorm Standesamt, die nicht da sind bei der Geburt ihres ersten Kindes. Und ich denke mir, daß so ein Vogelfreier sich doch darüber klar sein muß, daß man nicht durch die Welt fliegen und gleichzeitig zwei Helden großziehen kann, daß seine Jungs, bei deren Geburt er nicht dabei sein wird, weder die Menschen führen noch ins All fliegen werden, und daß die so schöne Tochter weinen wird, wenn ihr Geliebter vorm Standesamt kalte Füße kriegt, sie wird weinen und sich sagen, daß sie alle gleich sind, die Davonläufer und der Vater, den sie nicht kannte, der nicht da war, um diesen Hasenfuß mit einem Stock zu vertreiben.

armer ritter

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Du fragtest mich, was ich will, und ich wußte nicht: Meintest du in Bezug auf dich oder vom Leben oder allgemein, und habe nur »einen Kaffee« gesagt. Du hast mir die Falle gestellt. So wie dieser Satz im Nichts hing, hätte ich alles sagen können und alles wäre doch falsch gewesen, weil es eben deine Falle war, damit es aussieht, als wüßte ich nicht, was ich will. Dann fragte ich dich, was du willst, und du wußtest genau: Ich meinte in Bezug auf mich, doch du tatest, als dächtest du, ich meinte vom Leben und allgemein, und du hast geantwortet – nackt auf dem Bett mit dem schartigen Rücken zu mir hast du geantwortet: Drei Kinder, zwei Söhne, einer, der die Menschen anführt, und einer, der ins All fliegt, und eine Tochter, so schön, daß man die Verehrer mit einem Stock von ihr fern halten muß. Da war ich stumm und dachte, daß das doch wie aus einem kitschigen Countrysong ist oder Schlimmeres, und dachte, was das soll, daß das Mädchen nur schön sein müsse und sonst nichts, und warum nicht auch, verdammt noch mal, das Mädchen die Menschen anführen oder ins All fliegen kann, warum? Sehr viel später schriebst du für alle lesbar mitten in die Welt ein paar Zeilen und ich wußte, daß es Freebird war, der Song, und nicht deine eigenen Gedanken. Obwohl es alle lesen konnten, ahnte ich doch, daß es nur an mich gerichtet war, mehr noch, daß

Milch durch gewürzten Rotwein ersetzt wird. Eine weitere Variante ist der Blinde Fisch, der eher deftig zubereitet wird. Ähnlich sind auch der vor allem in Österreich und dem südlichen Bayern bekannte Scheiterhaufen und der im Südwesten Deutschlands sogenannte Ofenschlupfer. (Quelle: Wikipedia)


2012-01 Heike - parsimonie 5

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die trägheit des herzens.

Ich weiß, das Leben ist lang, aber Kopf hoch: Es geht vorbei. Es ge-eht vorbei. Es geht vorbei. Irgendwie muß ich darüber eingeschlafen sein, und als ich wieder aufwachte, war sie weg. Da hatte ich Lust, mal wieder aufzustehen, und mußte außerdem pinkeln, was der eigentliche Grund war. Ich habe noch eine Futterdose verdrückt und bin dann nach draußen, um mal zu schauen, was die Uni so macht, aber ich bin gleich noch mal nach oben gegangen und hab mir lange Sachen angezogen, weil der Schnee überall hüfthoch lag. Auf dem Campus hab ich dann irgend jemanden gefragt: »Wie spät ist es eigentlich?«, und er hat mir gesagt, daß es »genau 12 nach 12« sei, und ich hab gesagt: »Was, kacke, so früh und ich bin schon auf den Beinen?« Und da hat er mich gefragt,

»wann ich denn normalerweise aufstehen würde«, und ich hab geantwortet: »Mittwochs.« Anschließend bin ich direkt zum Prüfungsamt hingegangen und wollte mich anmelden, aber die haben mir gesagt, »daß ich ein Jahr zu spät und darum, weil ich mich auch nicht auf die Schreiben gemeldet habe, bereits exmatrikuliert sei. Da gebe es auch keine Möglichkeit, die Prüfungen nachzuholen, immerhin habe ich längst die zulässige Semesterhöchstzahl überschritten und damit auch keinen Anspruch auf eine sachgemäße Beendigung meines Studiums. Aber ich könne ein anderes Studium aufnehmen und darin abschließen, doch sei …« Doch mein Gehirn hörte schon gar nicht mehr richtig hin, denn mir trat wieder das uralte Lied von Opa Hugo in die Ohren: Ich weiß, das Leben ist lang, aber Kopf hoch: Es geht vorbei. Es ge-eht vorbei. Es geht vorbei. Irgendwie bin ich dann wieder in meinem Bett aufgewacht. Ich bin dann erst mal zur Bank und wollte schauen, wieviel Geld ich noch auf dem Konto habe, aber ich hatte kein Konto mehr. Darum habe ich mich auf den Bürgersteig gesetzt, weil ich Hunger hatte, und habe so getan, als hätte ich kein Geld und brauchte welches, was ja auch stimmte. Meine Exfreundin kam dann mit ihrem Neuen vorbeigelaufen und er sah tatsächlich sehr schwermütig aus, das muß ich schon zugeben, und hat auch immer gedankenvoll zu Boden geschaut. Meine Ex hat uns einander vorgestellt, »er sei also ihr neuer Freund, der Künstler, ich wisse schon, von dem sie erzählt habe, ein Genie, ein wahres Genie sei er, doch die Welt zu dumm, um es zu erkennen. Wie das eben so sei. Und sie hätten sich jetzt eine Einbauwohnung in Berlin besorgt, wo sie hingezogen seien und wo es ganz toll sei.« Und dann sagte sie zu ihm, »er solle auch einmal etwas sagen, etwas so ganz Geistreiches und Erfrischendes solle er sagen, etwas voller Esprit«, und da hat er zum ersten Mal aufgeschaut und ich konnte seine melancholischen Augen sehen, und er sagte im unerwartet feinen Timbre: »Die Welt«, ja, das war, was er sagte, »Die Welt«, hat er gesagt und das war’s dann, aber er hatte es wirklich sehr künstlerisch und weltschmerzend

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Es war ein schamlos ehrlicher Montag – und ich mochte Montage noch nie leiden, sie erinnerten mich an gute Vorsätze. Meine Freundin trat ans Bett und sagte, »daß sie jemanden kennengelernt habe und deswegen die letzte Woche nicht nach Hause gekommen sei, wenn man das noch ein Zuhause nennen dürfe, und daß ich wenigstens hätte anrufen können, damit sie wüßte, daß sie mir fehlte«, aber ich ließ mich davon nicht beirren und erwiderte ganz cool: »Sorry, ist mir entgangen, hab geschlafen, war ziemlich fertig – ist schon wieder Juni?« »Es ist Montag«, antwortete sie daraufhin. »Na, das hilft mir jetzt weiter«, sagte ich und drehte mich auf die andere Seite. Da fing sie wieder zu quatschen an, »daß sie nämlich jemanden kennengelernt habe, wie sie schon gesagt habe, und daß der ein Künstler sei, und zwar ein richtiger, der auch mal Künstlerisches mache, und daß seine Schwermut viel attraktiver sei als mein Gleichmut und daß sie deswegen jetzt zu ihm gehen werde und ich nicht auf sie warten brauche, weil sie nie mehr zurückkommen wolle, und daß ich ein Loser sei und daß …« Und dann redete sie vermutlich noch unendlich lange weiter und stand wie abwartend in der Tür – liebte mich wohl immer noch und hatte nur Probleme, es richtig auszudrücken –, aber da kramte sich in meinem Gehirn ein uraltes Lied zu Tage, das Opa Hugo immer im Garten gesungen hatte:

2012-01 Steve - hEFt 27 Preisträgertext beim Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb 2011

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Von Steve Kußin

Jury-Hauptpreis


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gesagt, da verstand ich, warum sie ihn mir vorgezogen hatte. Und wir haben uns dann noch ein Weilchen unterhalten und es war ganz nett, aber dann bat ich mir zehn Sekunden Stille aus und atmete sehr tief ein und aus und ein und machte dann eine sehr künstlerische Geste mit dem rechten Arm und sagte dann sehr gehaltvoll, wie ich finde, »Der Mensch«, und da haben sie nur mit dem Kopf geschüttelt und sind wortlos weitergegangen und meine Ex hat noch zurückgerufen: »Das mußte ja jetzt sein. Ob ich wohl gar keinen Anstand besäße, ob ich das wohl auch noch witzig fände, wann ich denn endlich erwachsen werde, da wär …« Da war wie von selbst das Lied von Opa Hugo mir ins Gehirn gestiegen und ich konnte es singen und sang es auch laut und stundenlang und so vertieft, daß ich gar nicht merkte, wie sich alles Geleut umher darüber echauffierte und manch einer mit Gehstock oder Faust auf mich einhieb und manch eine mit Schimpfwort und Verwünschung auf mich einhieb und fünf Emos mich zu Boden knüppelten, weil ich sie zu sehr deprimieren würde, wodurch ich meine linke Niere verlor und zwei Jahre an der Dialyse hing, und wie mir eine Krankenschwester und wohl, weil sie glaubte, daß ich bald sterben würde, das Ja-Wort abrang und mich zum Altar führte und ihre große Liebe nannte und zwei Jahre darauf die Scheidung einreichte und mich den größten Fehler ihres Lebens nannte und mit dem Kind fortging: Ich weiß, das Leben ist lang, aber Kopf hoch: Es geht vorbei. Es ge-eht vorbei. Es ge-eht.


Die ersten, noch leeren Seiten eines neubegonnenen Tagebuches haben etwas Einschüchterndes. Selbst bei diesem achten Tagebuch fühle ich wieder, also zum achten Mal, die Schuld, dieses reinweiße Papier zu beflecken. Die ersten Seiten sollten makellos sein. Am besten, man ließe sie leer. Da das nicht möglich ist, sollten sie zumindest mit etwas Besonderem gefüllt werden. Der eigene Anspruch, das ist es, was sie so bedrohlich macht. Man wünscht sich die Einleitung zu diesem Lebensabschnitt, wie die Ouvertüre einer Sinfonie, die Ahnung von etwas Großem, das noch folgen wird und schon in Motiven erkennbar ist. Man will also beginnen, die Füllerkappe ist gezogen, man zögert, dann zögert man noch etwas länger, die Tinte trocknet bereits und dann ist es zu spät, der erste Strich ist getan und man weiß genau: schon habe ich das Material, das alles hätte werden können, verdorben. Es ist geschehen und die Einleitung dieser Chronik des aktuellen Lebensabschnitts wird gestellt durch eine Einleitung über Einleitungen. Wäre dies also nicht mein Tagebuch, das achte und letzte Tagebuch einer Vatersöhnin, dann wäre es vielleicht das frühe Skizzenbuch eines später berühmten Künstlers oder zumindest noch gut zum Blumen pressen. Ich bin mir vollkommen sicher, daß dieses achte Tagebuch auch mein letztes sein wird, denn ich fühle mich sehr krank und tue nichts, diesen Umstand zu ändern. Vielmehr habe ich ihn wohl erst durch meinen Lebensstil bewirkt, dann gefestigt und verschlimmert, und arbeite nun hartnäckig, ihn beizubehalten. Es ist eine alltägliche Sache, die vielleicht jeder kennt: Man weiß, daß die Flut kommt, daß einem bald das Wasser bis zum Hals stehen wird, aber man bewegt sich dennoch nicht, völlig gleichgültig gegenüber dem eigenen Untergang, selbst wenn dieser gewiß ist. Die Panik kommt erst in der Sekunde vor dem Schicksal, etwa der Diagnose von Lungenkrebs oder Leberzirrhose, und bis dahin lebt und genießt man. Die Antwort auf alle Vernunftgründe lautet stets, daß man rauchend auch achtzig Jahre alt werden kann, während einer, der auf seine Gesundheit acht gibt, morgen beim Fahrradfahren unter die Räder eines LKW kommt. Das Ergebnis ist Sorglosigkeit angesichts einer vermeintlich ungewissen Zukunft, die eigentlich Gewißheit ist. Doch es sollte eigentlich anders sein: Die Aussicht eines möglicherweise fernen, aber möglicherweise auch unmittel-

2012-01 Uschi - hEFt 27 Preisträgertext beim Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb 2011

bar nahen Endes sollte nicht größtmögliche Lässigkeit sein, sondern größtmögliche Panik. Ich bin mir dessen also vollkommen bewußt, bin mir meiner Trägheit, der entsetzlichen, typisch menschlichen Trägheit bewußt, und da bin ich, die Außenseiterin, doch wieder wie alle anderen und bewege mich nicht, obwohl mir das Wasser bis zum Hals steht. Sprichwörtlich, denn ich liege schon wieder den halben Tag in der Badewanne. Ja, ich kann sogar noch die Komik an der Situation sehen: Das Wasser steht mir bis zum Hals. Galgenhumor. Schon als Kind empfand ich mein Leben als eine Art Tragikkomödie, weil für alle Beobachter und deshalb auch für mich so komisch ist, was eigentlich traurig sein sollte, und dann, wenn man eigentlich betroffen zu Boden blicken sollte, weil es eine fast nicht ganz unansehnliche Frau schon in jungen Jahren dahinrafft, da lacht das Publikum in meinem Fall nur, weil es mir im Abgang von der Bühne noch gelingt, den fallenden Vorhang abzureißen. Immer öfter habe ich Kopfschmerzen. Ein Tier lebt in meinem Kopf. Es ist eingeschlossen, will raus, kratzt verzweifelt gegen die vordere Schädeldecke. Ich kann es nicht loswerden. Nur manchmal, da schläft es, dann ist alles gut. Es hat allerdings einen leichten Schlaf. Ich kann es nicht loswerden. Es stirbt nicht, es wird jedenfalls nicht verhungern, es frißt an meinem Hirn, fast wie bei Prometheus der Adler, und ich werde dümmer, stündlich. Ich habe meine Medizin gefunden, und wie die meisten bekämpft sie nur die Symptome, nicht die Ursache. Wie denn auch, liegt diese doch Jahre zurück. Die Medizin heißt Hennessy Extra Old Cognac und ich brauche sie täglich, und täglich mehr. Sie legt das Tier schlafen. Mein Leben verbringe ich zum Großteil in der Badewanne, nein, nicht gefüllt mit Cognac, doch steht ein Glas auf dem Rand, daneben ein Aschenbecher, doch eigentlich asche ich immer ins Wasser. Es ist keine Neuigkeit, daß Trunkenheit ungeschickt macht. Beim Baden schreibe ich Tagebuch, seit kurzem mit wasserfestem Stift. Trotzdem eine schreckliche Sauerei. Ich bin vielleicht der einzige Mensch, der dreckiger aus der Wanne steigt, als hinein. Dann klebe ich von Asche, Haarstoppeln und Cognac. Der Alkohol und die Wärme machen müde, doch an der Schwelle zum Schlaf kommen oft die besten Gedanken, die ich festhalte. Bei nochmaligem

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Aus dem Tagebuch einer Vatersöhnin. Von Uschi Schmidt

Jury-Hauptpreis

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cognac.


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Lesen ein paar Tage später wirkt trotzdem immer alles, wie das Gefasel einer Irren. Die letzte Nacht verbrachte ich in meiner Bar. Zwar gehört sie nicht mir, aber so oft und lange, wie ich dort sitze, ist sie doch wieder mein Besitz – daher kommt auch das Wort: Wenn man die Nacht über auf einem Stück Land saß, hat man es besessen. Jedenfalls saß ich letzte Nacht in dieser Bar und da kam so ein Kerl zu mir. Ein besseres Wort gibt es nicht, es war ein Kerl. Er sah aus, als hätte ihn ein Künstler aus Bewunderung und Hingabe an die natürliche Häßlichkeit, welche dem Menschen so eigen ist, aus Sülze aufgetürmt. Der Sülzkopf mit der schwülstigen Lippe – ich sah das, als er trank, und mir wurde fast schlecht –, der setzte sich einfach neben mich, glotzte aus seinen Schweinsaugen wie von einer Fleischertheke herab und fragte mich dann: »Na, Kleine, wie heißt du?« Da tat ich, als wäre ich der Sprache nicht mächtig – welche Sprache sollte das auch sein? die vom Planeten Hackepeter? – und sagte nur »Cognac!« Zu meinem Unglück faßte er dies als Aufforderung auf, mir etwas zu trinken auszugeben, und bestellte – und hier entschied er, daß ich nicht mündig war, mir etwas auszusuchen, entschied also, was ich trinken würde –, er bestellte mir ein Glas Rotwein. Er hielt sich dabei sicher für sehr stilvoll, obwohl er selbst nur Bier trank. Ich sah dann dem Barmann lange in die Augen, ohne Ausdruck, der sah zurück, ohne Ausdruck, und sagte dann: »Ein Cognac also.« Da fiel mir auf, daß »Cognac« das einzige Wort ist, das ich je in dieser Bar gesprochen hatte. Ich trank stumm, wollte den Preßkopf neben mir vergessen, doch er ließ mich nicht, lehnte sich nach vorn, schob sich gleich über die Theke und in mein äußeres Gesichtsfeld, da lag er fast vor mir, wie ein Tablett Aufschnitt, und mir war so schlecht. Wenn du schon, dachte ich, so verdammt dünner werdendes Haar hast, warum mußt du es dann noch so verdammt kurz rasieren? Du siehst aus wie ein schlecht gerupftes Huhn! Alles an ihm war so fleischig, so real. Das Tier war wach. Die Szene erinnerte mich daran, daß ich als Kind bei dem Anblick und bei dem Wort »Eisbein« fast erbrochen hätte, weil es wirklich so aussah, als wäre es das Bein von einem Tier und eiskalt. Wie man nur eiskaltes Bein essen kann, fragte ich mich. Daran war so eine glasige, durchsichtige Fettschicht, die zitterte, während

man das Fleisch schnitt. Ich weigerte mich, es zu essen, und mein Vater bekam einen seiner häufigen Anfälle, warf den Teller – samt allem, was ich vielleicht noch hätte essen wollen, Sauerkraut und Kartoffeln – auf den Küchenboden neben den Mülleimer und es war an mir zu putzen. Bei anderer Gelegenheit fanden sechs Tagebücher ihren Weg ins Kaminfeuer. Übertroffen nur von dem Tag, als das Tier geboren wurde, das verdammte Tier, in dem Moment, als die Wucht eines Schlages mich gegen die schwere Kommode warf. Als ich mich so erinnerte, entging mir, daß Sülze neben mir die ganze Zeit geredet hatte, gerade wohl etwas gefragt hatte und mich nun erwartungsvoll ansah. Die Frage hatte ich nicht gehört, und selbst wenn, hätte ich nichts geantwortet außer vielleicht »Cognac«, doch er mißverstand mein Schweigen als Schüchternheit und legte mir, wohl vertrauenerweckend gemeint, aber doch nur ekelerregend intim, die schweißnasse Hand auf den nackten Unterarm. Da verblaßte plötzlich sein öliges Lächeln. Er sah auf seine Hand und merkte wohl, wie sehr mein Arm klebte, als wäre ich mit Honig bestrichen. Er löste seine Hand – meine Haut zog er mit sich, wie beim Pflasterabreißen – und roch daran. Da verzog er die Mundwinkel und ihm entwich ein langgezogenes »Widerlich!« Ich wußte natürlich, was er meinte, denn ich stank nach Alkohol und Zigaretten, wie ein Obdachloser. Daß ihm das erst jetzt auffiel. Den Rest des Abends verbrachte ich allein. Es ist ja nicht so, daß ich insbesondere Männer nicht mag, ich mag Menschen allgemein nicht. Behauptet das nicht jeder? Bei mir liegt der Fall anders, weil ich so androgyn aussehe, wie mir immer wieder versichert wird, weil ich beim zweiten Hinschauen dann aussehe wie eine Lesbe, wegen meiner Annie-LennoxFrisur und meines Kleidungsstils – das Hemd in die Jeans gesteckt, flache dunkle Lederschuhe –, und aus irgendeinem Grund glaubt die Allgemeinheit, daß man, wenn man Männer nicht ausstehen kann, automatisch auf Frauen stehen müßte, aber die kann ich genauso wenig leiden. Ich habe sie mir angesehen und fand nicht eine, die ich gern berührt hätte oder irgendetwas sonst. Rein äußerlich hat mich etwas am Menschen an sich immer enttäuscht, so unvollkommen und improvisiert. Vom Charakter gar nicht zu reden. Als ich mich später in meine Wanne zurückzog und David Bowie hörte, dem ich übrigens auch sehr


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te mich, glaubte wirklich, ertrinken zu müssen, immer panischer, immer schneller. Es hörte erst auf, als ich den Duschvorhang zu fassen bekam und mich daran aus der Wanne zog. Dann fiel ich wie ein Fisch auf den kalten Boden und hustete lange neben den Scherben des Cognacglases. Es ist mir völlig klar, daß ich mein Leben ändern muß. Nicht mehr in der Badewanne übernachten, kein Cognac mehr, vielleicht sogar das Rauchen aufgeben. Bis jetzt habe ich allerdings nur die Duschvorhangstange entfernt.

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ähnlich sehen soll, kehrte dieser Abend wie ein übler Geschmack zurück und verdarb mir meine Zigarette. Ich lag lang ausgestreckt, trieb auf dem Wasser, die Arme über der Brust gekreuzt, wie ein Pharao im Sarkophag. Während ich also an die Decke starrte und ganz Mumie war, fiel mir auf, daß ich schon Wochen, vielleicht Monate mit keinem Menschen mehr gesprochen hatte, außer mit dem Barkeeper, und daß ich kein Wort gesagt hatte außer »Cognac«. Das Telefon schwieg schon seit bald einem Jahr. Früher hatten mich Freunde oft angerufen, manchmal sogar Postkarten geschrieben. Vorne zusammengewürfelte Felsen und Gras an Irlands Küste, schwarz-weiß, hinten die Information über das bestandene Diplom oder die baldige Heirat. Und ich antwortete nie, auch gab es von mir nichts Neues zu berichten – außer daß ich mittlerweile dreiunddreißig war, oder auch nur irgendwas, das neben diesen tollen Neuigkeiten nicht vollkommen erbärmlich hätte wirken müssen. Viel erlebte ich nicht in dieser Badewanne mit meinem einzigen Geliebten Hennessy. Irgendwann im Laufe meines Schweigens wurden die Anrufe und Karten seltener und blieben irgendwann völlig aus. Das war vor vielleicht zwei Jahren. Ich habe also keinen Kontakt mehr zu allen Menschen, die mich kannten, keiner weiß, was ich gerade tue – nichts – und wie es mir geht – bestens – und ich weiß nichts von anderen. Es ist, als wäre ich aus der Welt herausgefallen, und als gäbe es nur noch mich allein, oder nur noch mich und Hennessy. Ich existiere allein im sozialen Vakuum der Badewanne. Mein Gott, ich könnte genauso gut tot sein. Während ich das dachte und in der Mumienhaltung trieb, fiel mir auf, wie sehr der längliche Umriß, den die Duschvorhangstange und der obere Rand der Fliesen bildeten, einem Grab ähnlich sah, in dem ich lag und nach oben zur Rasenkante aufschaute. Die Wanne, der Sarg. Die Wände, das Grab. Ich bekam plötzlich Atemnot, zuckte zusammen, als hätte jemand einen laufenden Föhn in die Wanne geschmissen, und mir gingen ein paar Volt durch den Leib, ich wollte mich aufrichten und konnte nicht, weil der Rand so glitschig war, und strampelte stattdessen sinnlos herum, wie ein ertrinkendes Tier, verschluck-


Titel

2012-02 Sarah & Tobi im Akrützel 305

i.

Dumme Fragen

Es sagt jetzt du zu Dir Es tut es jetzt schon Es versucht es einfach mal

Stellen oder nicht stellen? Wie soll ich eine Entscheidung fällen? Würd’ ich damit den Befragten verprellen? Sind sie nicht nur Bagatellen? Und soll ich nun die Fragen stellen?!

Du kannst es siezen Du kannst es probieren Du wirst du bleiben & Du bist erst der Anfang Es wird uns alle kennen Alle werden wir du sein vor ihm Tobi Krone

Perlgrau Ich spüre es – sie beobachten mich! Ihre Köpfe rucken, der Blick schief von unten herauf. Stundenlanges Trippeln und Gurren. Sie hoffen auf Reste, gieren nach Abfall. Speckig sehen sie aus, verkrüppelt die Füße. Fett und aufdringlich lauern sie, weichen schnellen Schritten nicht aus. Die Folgen sind rote Batzen auf Straßen und Gassen. Gestern wagte eine von ihnen, direkt vor meinen Augen zu verrecken, im Gebüsch auf dem Heimweg. Dreist verspotten sie die Städter, sind ihnen längst überlegen. „Kreisler hatte recht!“, denke ich und fluche laut, als ich das Klecksen auf meiner Schulter spüre. Dann fällt mein Blick auf den Asphalt vor mir. Da liegt etwas, der Wind spielt damit. Filigran und wunderschön. Makellos vom Kiel zur Spitze. Perlgrau. Sarah Teicher

FOTO: FLICKR.COM/JOACHIM S. MÜLLER

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Natürlich fragst du jetzt, dann hast du deine Ruh. Die Antwort hättest du, wenn du jetzt fragst, im Nu. Nichts hast du zu verlier’n, nichts zu verlier’n hast du. Nun frag doch einfach los – dann lass ich dich in Ruh. Überlege gründlich: Willst du dich blamieren, dumme Fragen stellen, schräge Blicke spüren, die von allen Seiten schamlos dich berühren? Dich verurteilt fühlen – willst du das riskieren? Geht aus meinen Ohren raus und steigt von meinen Schultern runter – Hilfreichtum sieht anders aus! Nun ist das Chaos noch mal bunter. Mir scheint ja, ich kann nur verlieren; eine Entscheidung zu forcieren bereu’ ich schon im Vorhinein. Und eh’ ich jene Tat bereu’, bin lieber ich prinzipientreu: Ich mache einfach nichts. Ich schweige. Zwar wenn ich ohne Antwort bleibe, komm ich wohl nicht auf grüne Zweige, doch weise seh’ ich jenes ein: Statt einfach jämmerlich zu sein, bin ich doch lieber feige. Christiane Matthieu


2012-04 Sarah - hEFt 28

die jägerin. Von Sarah Teicher

Großstadtwilde sucht Großstadtwild. Äußerlich wirkt sie teilnahmslos, tatsächlich sind all ihre Sinne geschärft. Angespannt ist sie im Inneren und schnuppert, die Finger beben in der Manteltasche. Zähne knabbern auf Lippenstift. Ihre Augen ruhelos, ihr Schritt greift weit aus, mit langen Beinen. Ihre Pirsch beginnt in der Dämmerung. Die beste Zeit, um loszustöckeln. Den Rocksaum nach oben gezupft: auf zur Jagd – Samstagabend ist die beste Zeit. *

* Sonne läßt sich erahnen, als sie den Heimweg antritt. Allein. Ihre Füße patschen auf den Asphalt – am liebsten läuft sie doch barfuß. Der Lippenstift ist abgehaucht, der Rock umspielt ihre Knie. Doch ihre Manteltaschen – die sind schwer. Müde die letzten Stufen hinauf, der Gesang einer Amsel dringt durchs Fenster der Küche. Auf den großen Tisch dort packt sie den Inhalt ihres Mantelfutters. Wenige Minuten später füllt es den Raum: Das schallende Gelächter der Jägerin. Ihr Glück ist die Beute. Und ich, ich sehe die ledernen Geldbörsen, fünf waren es heute, und denke so bei mir: Gut gesammelt, Jägerin!

goldfinger

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Sie wittert und späht, und kurz darauf sieht sie ihr erstes Ziel. Männer, die warten, und es geschieht: Köpfe wenden sich ihr zu – die Jägerin im Visier, männliche Blicke, die erst sich suchen und schließlich den weiblichen finden. Gemurmel, Gegröle, ein Pfiff; es ist so weit. Die Jägerin hat Blut geleckt. Sie pirscht sich heran. Tänzerisch, langsam, aber bestimmt. Atem trifft Atem – alle sind stumm. Der Bruchteil einer Sekunde bringt die erhoffte Berührung. Brust an Brust.

Doch nur sie merkt, daß ihre Hand kurz in seine Hose gleitet. Nur sie spürt es, das Leder. Ein erster Erfolg. Die Nacht dauert an.

ihm der Tod durch Hunger oder Durst. Deshalb bat er den Gott, die Gabe zurückzunehmen. Dionysos riet ihm, im Fluss Paktolos zu baden, auf den dann die Gabe überging, so daß er zum goldreichsten Fluss Kleinasiens wurde. Am Paktolos-Fluss lag die antike Stadt Sardes, in der der sagenhaft reiche letzte lydische König Krösus residierte. Nach


2012-04 Uschi - hEFt 28

gold. Von Uschi Schmidt

Abbild war ihr Mund verborgen vom Weinglas, doch ihre Augen lächelten, klug und durchtrieben. Sie mußte auch nichts erzählen, wußte er doch längst alles über sie. Goldie war der Name, den ein früherer Liebhaber ihr wegen ihres goldblonden Haares gegeben hatte, sie sog Komplimente ein wie diesen Wein, gut dosiert, aber doch einen ganzen Mundvoll im Laufe eines Abends, sie war perfekt vorbereitet für jede Form der Anbetung, die Beine perfekt, die Figur, das Gesicht, perfekt, perfekt. Neben ihr wurde er noch verbrauchter, verschlissener, verlebter, noch älter, rauher und borstiger. Das machte ihn zornig. Neben ihr saß er und glühte vor Zorn, von der Stirn bis in den Schwanz. Er würde es ihr zeigen. Vorsicht, Falle! Vielleicht war genau das ihr Plan? Vielleicht sah sie deshalb aus, wie die Frau für eine Nacht. Perfekt für nur eine Nacht und keine Minute länger. Es konnte jedoch auch sein, daß sie noch weniger fair spielte, ihn nicht verführen wollte, sondern mehr wollte, alles, um es zu nehmen und dann fortzuwerfen, sein Herz brechen, von dem er nicht wußte, ob er es besaß. Es würde ihr nicht gelingen. Da war ein leerer Raum in seiner Brust, den er mit Schnaps zu füllen versuchte, das war ihm sehr bewußt, und aus dieser Leere heraus konnte er nichts geben. Dann hatte er sein letztes Glas geleert und sie, sicher beabsichtigt, gleichzeitig ihren Wein. Er stand auf, packte ihren Arm und zog sie vom Barhocker, zog sie an sich. Weiter schweigend gingen sie nebeneinander über den feuchten Asphalt, wo ihre Absätze klangen wie Hammerschläge. In seiner Wohnung, die alle Zeichen von Verwahrlosung trug, zog er sie ins Schlafzimmer und löste erst dort seinen Griff um ihren Arm, nur um gleich an anderer Stelle zuzupacken. In dem engen Kleid sah sie aus wie eine Frucht, die man geschält hatte, und unter der weißen Schale war das blutrote saftige Fleisch zum Vorschein gekommen. Nun schälte er auch dieses ab und enthüllte den weißen Leib, der nicht lange mehr rein sein würde, weil er es gar nicht erwarten konnte, ihn mit Spuren seiner schmutzigen Hände zu bedecken. Am nächsten Morgen

nur wegen Homer, sondern auch wegen ihrer Bestattungsweise in Tumuli wurde als Urheimat der Phryger Thrakien angenommen. Mindestens zwei antike Quellen berichten, daß die Phryger vor ihrer Auswanderung aus dem Balkan noch den Namen »Bryger« gehabt hätten. Julius Pokorny etymologisiert dies urindogermanisch als »aus den Bergen

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Goldie. Sie sagt, ihr Name sei Goldie. Irgendwoher kam ihm das bekannt vor. Diese Frau jedoch war so völlig unbekannt. Sie konnte sich ohne Frage nur verlaufen haben, war in der Bar aufgetaucht wie eine Fata Morgana, und jetzt war sie hier, um diesen armen verdammten Seelen den Mund wässrig und das Hirn weich mit Hoffnungen zu machen. Wozu sonst diese Aufmachung? Es war sicher alles genau kalkuliert: das rote Kleid, das Make-up, die Frisur und das Parfum, das selbst den Mix aus Bier, Kippen und Schweiß in diesem Schuppen überlagerte. Er verdächtigte sie vom ersten Augenblick an. Das Problem war nicht, daß sie nicht gut genug war, sie war im Gegenteil zu gut. Für diese Bar, wo stets nur Live-Übertragungen von bedeutenden und bedeutungslosen Sportereignissen liefen, und wo es zig verschiedene Whiskysorten gab, aber keinen einzigen bunten Cocktail. Und sie war zu gut für die ölverschmierten Mechaniker und Konsorten, die hier herumlungerten, die Hände rauh wie Beton, die Bärte borstig, die Zähne schwarz von Kaffee und Nikotin. Sie streifte in dieser verqualmten Bude umher wie in einem verdammten Geschäft und besah sich die Ware, und kaum einer wagte, sie offen anzusehen, doch im Vorbeigehen folgte ihr jeder Blick, und er konnte die verzweifelte Sehnsucht in den Augen der versammelten Verlierer sehen. Es konnte nicht anders sein, sie war nur aus einem einzigen Grund hier: um ihnen zu zeigen, daß sie sie wollten und nicht haben konnten. Doch er würde nicht der arme Trottel sein, den sie an diesem Abend abblitzen ließ. Und dann, zu seinem Erstaunen und Entsetzen, sprach sie ihn an. Goldie. Sie sagt, ihr Name sei Goldie. So saß sie unversehens neben ihm und trank ein Glas Rotwein, das er nicht spendiert hatte. Sie nippte und schwieg, und er schwieg ebenfalls, und sicher, ganz sicher, wartete sie, daß er unbeholfen ein Gespräch begann, die üblichen Floskeln gebrauchte. Was sie mache und ob sie neu in der Stadt sei und was sie hier her verschlüge. Doch er blieb still und sie blieb still, und sie sah ihn aus dem schmutzigen Spiegel hinter der Bar an. In dem


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war sie fort. So sollte es sein, wollte er denken, doch es fühlte sich falsch an, ganz als würde er bedauern, sie nicht neben sich liegen zu sehen. So unterschied diesen Tag nichts von anderen Tagen, außer der Nacht. Nur eine Nacht und keine Minute länger. Und wie jeden Tag ging er zur Arbeit, wo ihn Schmutz und Maschinenlärm empfingen, und der Geruch von Sägespänen, Lacken, Ölen. Nur für ihn wahrnehmbar lag über allem ein Parfum – er hatte sich nicht gewaschen, wie sowieso selten – und jetzt war sie hier. Seine Arbeit begann, er sägte einige Bretter, oder vielmehr sägte sein Körper, doch seine Gedanken streichelten Goldie. Es ging alles so schnell. Er fragte sich, wem es gelungen war, ihn auf das Rollbett zu hieven, während er auf dem Rücken lag und zusah, wie die Decke des Krankenhausflures vorbei flog wie Wolken an einem stürmischen Himmel, in dem grelle Blitze ihn blendeten. Er hob den rechten Arm, der so unverständlich schmerzte und sah für einen kurzen Moment das blutige Chaos seiner rechten Hand in Verbänden. Schmerzen ließen ihn zusammenfahren, ließen ihn den Kopf in den Nacken werfen und den Körper sich aufbäumen. Und spiegelverkehrt und auf dem Kopf stand das Wort Notaufnahme. Das letzte, woran er sich erinnerte, bevor er in die Narkose sank, war ein Gesicht, das sich über ihn beugte. Das Gesicht einer Ärztin, das Haar verborgen, der Mund hinter grünem Mundschutz. Doch er wußte, daß sie lächelte, denn ihre Augen lächelten, klug und durchtrieben. Goldie. Sie sagt, ihr Name sei Goldie. Sie würde ihn wieder zusammenflicken. Sie würde ihn wieder hinkriegen.

Hervorbrechende«. »Phryger« wäre also nur die Gräkisierung dieses Eigennamens. Die Ilias berichtet außerdem, daß an ihrer nördlichen Grenze in Paphlagonien, also nahe dem Schwarzen Meer, aber südlich des Küstengebirges, (V)enetoi, also Veneter ansässig waren. Wenn beide Völker gemeinsam um 1200 v. Chr. nach Anatolien eingewandert


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