Page 1

die spekulationsblase

端ber die existenz der Seele no1


die spekulationsblase


7 19

farbassoziationen

Kulturelle HintergrĂźnde // China // japan // Ă„gypten

// indien // schamanismus

39

Die spurensuche

59

Philosophische Ansichten // epikur // stoiker // platon

67

definition des unfassbaren // das etwas

73

// aristoteles // descartes

// klartext

Die spekulationsblase


Intro

6


7

Wir wissen nicht was es ist, aber bezeichnen es als Seele. Aber wieso benutzen wir das Wort dann? Ist es um etwas Großes zu beschreiben das man empfindet oder in sich trägt? Ist es Etwas das eine Farbe hat und die Emotionen beschreibt die vielleicht auf Frühling, Sommer, Herbst und Winter zurückzuführen sind? Kann man dieses Ding, das anscheinend jeder mit der Seele beschreibt noch enger definieren, sodass es eine Form annimmt? Oder kann man es mit einem Gegenstand identifizieren? Wissen wir eigentlich wovon wir reden, wenn wir sagen dass sich unsere «Seele» gerade nicht gut fühlt? Wissen wir von ihr überhaupt irgendetwas? Haben wir uns schon einmal darüber Gedanken gemacht was sie sein soll? Steht sie vielleicht im Zusammenhang mit der Psyche oder dem Geist? Aber was ist eigentlich die Psyche, was ist der Geist, was ist die Seele? Was ist das das uns umgibt? Ist das die Wirklichkeit, die Realität? Oder ist alles nur ein Sammelsurium von wissenschaftlichen Ergebnissen die im Geschichtsbuch stehen? Wahrscheinlich ist es für jeden etwas anderes...


Farbassoziationen

8


10

Indigo « Unendlichkeit » Indigo steht für eine empfindsame, friedvolle und ruhige Persönlichkeit. Klares, strahlendes Indigo zeigt tiefe Gefühle und eine starke Intuition. Man kommuniziert auf einer präzisen und zugleich liebevollen Art. Indigo steht auch für Selbstvertrauen, Disziplin und Ehrlichkeit. Sie ist die Farbe des Vertrauens, der Intuition und der Tiefe. Man assoziiert es auch mit Freiheit, Ruhe und Unendlichkeit. Indigo bringt tiefe Beruhigung und wirkt auch desinfizierend. Dunkles, leicht schmutziges Blau weist auch auf Energiemangel, Gefühle von Einsamkeit, Depressionen und Melancholie hin. Es kann sich auch um Isolierung oder ein Verlassenheitsgefühl handeln. Die Farbe Indigo ist vorallem den Ohren, Augen, Nase und Stirnhöhlen zugeordnet.


11

Violett « Die Mystik » Violett gehört wie Blau zu den kalten Farben. Es wirkt auf das zentrale Nervensystem, gleicht aus und fördert den Schlaf. Violett hilft bei der Meditation, es wirkt dämpfend, entspannend und fast ein wenig hypnotisch. Seelisch–geistig wirkt es erhebend und befreiend. Sie ist eine mystische Farbe, die Spiritualität und Barmherzigkeit in sich trägt. Sie ist mit dem Bedürfnis nach Bewusstseinserweiterung und Opferbereitschaft verbunden. Violett hilft Menschen im Prozess des Sterbens, da es hilft, loszulassen und die Seele ins Jenseits hinüberzubegleiten. Menschen, die Würde und Weisheit ausstrahlen, bevorzugen Violett in Ihrer Bekleidung. Dunkles, unreines Violett symbolisiert Suchtverhalten, der Suche nach mystischen, beinahe unrealistischen Lösungen.


12

Blau « Schlafspender » Blau repräsentiert die Ruhe, Weite und Tiefe. Es kühlt und lindert alle entzündlichen Prozesse. Blau schenkt Erholung, Entspannung und Schlaf. Mit Blau werden vor allem die Nerven, die Haut, das Gehirn und die Augen behandelt. Seelisch–geistig hilft Blau, Distanz zu gewinnen. Es ist die Farbe des Friedens, führt ins Unendliche und bringt uns der Wahrheit näher. Schmutziges, dunkles Blau zeigt Unsicherheit und Unglücklichkeit. Die Energie ist gering und man wirkt introvertiert. Nichts scheint richtig zu laufen, man fällt leicht in Depressionen.


13

transparent ÂŤ Farblos Âť Farblos ist wie der Name schon sagt keine Farbe. Manchmal kann sie aber einen leichten Grau oder Blauton haben. Am besten kann man es mit der Luft oder dem Wind beschreiben, der auch keine wirkliche Farbe hat. Es hat keinen Inhalt und ist somit auch undefinierbar. Die Transparenz ist etwas feinstoffliches, das jeder anders interpretiert.


14

Rot « Entscheidungsdränger » Rot wirkt mit seiner Bedeutung von Feuer, Aktivität und Bewegung anregend auf alle Körperfunktionen. Es spricht in erster Linie das Herz, die Herzgefäße, die Nieren, das Bindegewebe und die Muskulatur an. Rot ist durchblutungsfördernd, entstauend und antreibend. Es macht schmerzempfindlicher. Auf der seelisch–geistigen Ebene fördert Rot die Standhaftigkeit bei Auseinandersetzungen. Es setzt den Impuls zur Veränderung und zur Bewegung. Es wirkt erhitzend und drängt zur Entscheidung. Die Farbe Rot ist mit dem Geist des Lebens verbunden und verhilft zu mehr Durchsetzung und Selbstbewusstsein. Es schenkt Mut und Kraft sich in mühsamen Situationen zu behaupten. Helles Rot steht für Erotik und Lust. Dunkles Rot für Zorn, Aggressionen und starken Energiemangel.


15

Dunkelrot « Stressfaktor » Dunkelrot stellt die ursprüngliche Lebensenergie dar. Mit Dunkelrot erforscht man die Welt mit allen Sinnen und bringt die eigene starke physische Energie zum Ausdruck. Klares Dunkelrot weist auf eine dynamische körperliche Energie und Vitalität hin. Mattes schmutziges Dunkelrot weist auf Überlebenskämpfe, emotionale Herausforderungen und körperlichen Stress hin. Dunkelrot beeinflusst die Geschlechtsorgane, Beine, Skelettsystem, Durchblutung und Herz.


16

Grün « Die Sicherheit » Grün, die Farbe der Mitte, symbolisiert den Neubeginn und Wachstum. Es fördert Harmonie und Stabilität. Die Farbe Grün kommt in der Natur sehr oft vor, weil unser Körper diese Information vorallem zur Regeneration und zum Aufbau benötigt. Grün wirkt ausgleichend und hilft, die Mitte zu finden. Grün ist neben Orange die Farbe, die den Zustand der Gesundheit am besten zu erreichen und zu erhalten hilft. Es hat eine ausgleichende und besänftigende Wirkung. Seelisch-geistig schenkt Grün Hoffnung, Vertrauen und lässt in uns Geborgenheit und Sicherheit aufkeimen. Auf diesem Boden kann Frohmut und Lebensfülle entstehen.


17

Dunkelgrün « Die Bodenständigkeit » Dunkelgrün ist die Farbe des Wachstums, der Kommunikation und des Ausdrucks. Dunkles Grün zeigt eine starke Verbundenheit zur Natur und der materiellen Welt an. Dunkelgrün hilft in Harmonie und Balance zu leben. Es spiegelt Bodenständigkeit und Unbeweglichkeit wieder. Strahlendes Grün weist auf die Fähigkeit zum Heilen und auf Nächstenliebe hin, in Verbindung mit einer mitfühlenden Seele. Mattes, schmutziges Dunkelgrün zeigt eine heilungsbedürftige, erdgebundene starre Persönlichkeit. Dunkelgrün beeinflusst Lungen, Immunsystem und den Atem.


18

Gelb « Die Erkenntnis » Gelb bedeutet Leichtigkeit, bringt ein Gefühl von Schwerelosigkeit und Heiterkeit. Gelb schenkt Behaglichkeit und Wärme. Es hat eine ausgleichende Wirkung und dringt tief ein. Gelb wirkt vor allem auf Magen, Leber und Bronchien. Die Drüsentätigkeit wird angeregt und der Körper kann sich besser entgiften. Seelisch wirkt Gelb aufheiternd und erhellend. Geistig verhilft es zu Klarheit, Einsicht, Verständnis und schnellerem Denkvermögen. Die Kommunikation und die gedankliche Konfrontation wird durch Gelb gefördert. Gelb ist die Farbe der Weisheit und der Erkenntnis. Helles Gelb spricht von sonnigem Gemüt und fröhlichen Erkenntnissen, trübes Gelb von geistiger Anstrengung, mentale Kontrolle und egoistischem Denken, graues Gelb von Schlauheit.


19

Orange « Die Sinnlichkeit » Orange symbolisiert Optimismus und Lebensfreude und wirkt aufbauend, kräftigend und in jeder Weise gesundheitsfördernd. Es fordert uns auf, den Moment zu leben. Der Appetit wird gefördert und die Verdauung angeregt. Auf der seelisch-geistigen Ebene fördert Orange das Vertrauen und die Lust am Leben. Die Sinne können sich entfalten, Aufgeschlossenheit und Zusammenhalt stellen sich ein. Orange hilft, das Bedürfnis nach Genuss und Sinnlichkeit anzunehmen und zu leben. Orange ist die Farbe der Kinder und aller, die sich jugendlich und vital fühlen. Helles Orange bedeutet Fröhlichkeit, Kreativität. Dunkles Orange, weist auf Überforderung, Stress, innere Müdigkeit, ungesunden Ehrgeiz, Gier, psychische- oder physische Leiden oder Konsum von Medikamenten hin.


Kulturelle Hintergr端nde

20


FĂźrchte nicht, dass der KĂśrper, sondern nur, dass die Seele altert. Chinesisches Sprichwort


22

china

Die Chinesen hatten verschiedene Ausdrücke für die Seelen in einem Individuum. Sie nahmen zwei separate Teile im Menschen an, eine Körperseele «Po» und eine Hauchseele «Hun».

Seperate Teile Die Po- Seele—Geist des Lebens—ist für die Aufrechterhaltung lebensnotwendiger Funktionen, den Überlebensinstinkt und die körperliche Entfaltung zuständig. Sie verbleibt nach dem Tod im Körper und begleitet den Verstorbenen ins Grab. Hier sollen Grabbeigaben für das Wohlergehen der Po- Seele sorgen. Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. nahm man an, dass die Po- Seele des Verstorbenen in den Bereich der gelben Quellen—Unterwelt—gelangen kann, an dem es ihr schlimm ergeht. Die Po-Seele ist dem dunklen, weiblichen Yin-Prinzip und der Erde zugeordnet, sie entsteht zugleich mit dem Embryo. Die Hauchseele ist für das Bewusstsein und den Verstand verantwortlich. Sie ist eine Freiseele und Exkursionsseele, die den Körper schon zu Lebzeiten verlassen kann und sich bei seinem Tod endgültig von ihm ablöst. Die Hun- Seele ist dem männlichen, hellen YangPrinzip und dem Himmel zugeordnet. Sie entsteht wenn der Mensch geboren wird und kann sich bei einem natürlichen Tod ins Jenseits oder in den Himmel begeben.


23

Der Mensch nimmt mit der Nahrung feinstoffliche Materie «ching» auf die von beiden Seelen zur Kräftigung benötigt wird. Somit sind sie nicht als immateriell gedacht. Man nimmt an, dass bei einem gewaltsamen Tod, beide Seelen im sozialen Umfeld des Verstorben bleiben um dort als Rache- und Giergeister ihr Unwesen zu treiben. Eine dem Menschen innewohnende und seinen Körper überlebende geistige Entität wurde als «shen» bezeichnet. Der früh entwickelte Ahnenkult zeigt die Ausdehnung der Vorstellung, dass die Seelen der Toten die gleichen Bedürfnisse haben wie Lebende. Und das sie störend in das Leben der Hinterbliebenen eingreifen können. Eine philosophisches Disput zur Frage der Seele folgte zur Zeit der Han- Dynastie als der Buddhismus sich auszubreiten begann. An der Diskussion beteiligten sich Skeptiker und Materialisten, die gegen die Vorstellung einer existierenden Seele argumentierten. Für die Skeptiker waren die Buddhisten das Problem, da sie als Anhänger der Unsterblichkeitsidee betrachtet wurden. Die Buddhisten lehnten zwar die Idee der Unsterblichkeit der Seele ab, doch in China wurden sie oft durch volkstümliche Gedanken abgewandelt, die auf beständige Seelen der Wiedergeburt hinausliefen.


ÂŤ Die Augen sind der Spiegel der Seele Âť Japanisches Sprichwort


26

Japan

In Japan hängen die traditionellen Seelenvorstellungen eng mit dem verbreiteten Ahnenkult zusammen. Sie sind von den japanischen Ausprägungen des Mahayana- Buddhismus beeinflusst.

Gleichstellung der Seelen Verschiedene Varianten des Volksglaubens besagten, dass die Seelen Verstorbener entweder in der Unterwelt, in einem himmlischen Reich oder in einem Totenreich jenseits des Ozeans leben. Man hatte angenommen, dass die Toten die irdische Welt aufsuchen und unter den Menschen weilen. Nachdem der japanische Buddhismus ab dem 9. Jahrhundert Einfluss auf religiöse Bräuche bekam, nahm man zur Beruhigung der Seelen von Feierlichkeiten Abstand. Außerdem baute man Seelenschreine für Verstorbene deren zu Lebzeiten Unrecht geschehen war und deren Seelen bereinigt werden sollten. Einer anderen Ansicht zufolge wohnen die Totenseelen auf hohen Bergen.


27

Der Höhepunkt des Seelenkultes wurde schon seit dem 7. Jahrhundert mit dem buddhistischen Obon-Fest gefeiert. Bei diesem Fest wurden Rituale zum Wohlergehen der Totenseelen vollzogen, die zu dem Anlass zu ihren lebenden Angehörigen zurückkehren sollten. Die Seele wurde als tama oder mitama—kostbar, wunderbar, geheimnisvoll—bezeichnet. Der eine Seelenteil des tama ist mild und glückselig und kümmert sich um das Wohl des Menschen. Der andere Teil ist leidenschaftlich und wild und setzt dem Menschen Gefahren aus. Verbreitet ist die Überzeugung, dass die Seelen Lebender als Exkursionsseelen den Körper verlassen.


28


« Du stirbst, dass du lebst » Ägyptische Weisheit


30

Ägypten

Für die Ägypter war der Tod erst der Anfang. Der Tod war das Ende eines begrenzten Lebens und der Neubeginn eines ewigen Dasein.

Die sechs Seelenteile Doch dieser Weg war nicht einfach. Nach dem Tod entflohen die Seelen Ba und Ka aus dem Körper. Von da an begann eine gefährliche Reise durch die Unterwelt, die der Tote meistern musste, bis er vor dem Totengericht des Osiris stand. Ihn musste man davon überzeugen, ein gutes Leben geführt zu haben. Wenn der Tote die Reise durch die Unterwelt überstand, musste weiterhin für ihn gesorgt werden. Nur mit magischen Texten und Kultopfern konnten seine Seelen in den Körper zurückkehren und als vergöttlichtes Ach-Wesen ein Leben im Reich des Gottes Osiris genießen. Nach ägyptischer Vorstellung lebten die Toten im Jenseits so wie zu Lebzeiten. Viele Grabstätten lassen erkennen, wie ernst die Ägypter es mit dem Leben nach dem Tod hielten. Damit der Tote den Komfort des Diesseits genießen konnte, wurden ihm Unmengen an Alltagsgegenständen mitgegeben. Nach altägyptischen Totenglauben muss der Körper des Toten gut erhalten bleiben, damit die BaSeele seinen «Besitzer» wiederfindet. Sie glaubten an 6 Elemente die den Menschen von Geburt bis nach dem Tod begleiteten. Drei von ihnen spielten eine besondere Rolle: Die Ka-, die Ba- und die Ach-Seele. Wenn eines dieser Elemente nach dem Tod ausgelöscht wurde, starb er den zweiten und endgültigen Tod. Auch wenn sie die Gefahren während der Reise durch die Unterwelt, nicht heil überstanden. Kein Wunder also, dass die Ägypter sich mit allerlei Hilfsmitteln für ihr Leben nach dem Tod ausrüsteten.Osiris genießen.


31

/ / Ka Man stellte sich unter dem Ka einen Schutzgeist vor, der Lebenskraft spendet, den Menschen auf seinem Lebensweg begleitet und ihm auch nach seinem Tod Kraft gibt. Durch seine Anwesenheit ist der Mensch beseelt. Nach dem Tod kehrt er immer wieder in das Grab zurück und ernährt sich von den Opfergaben der Lebenden. Dargestellt wird der Ka durch zwei abgewinkelt erhobene Arme auf dem Kopf der zu beschützenden Person.

/ / Ba Es verkörpert die unverwechselbaren Charaktereigenschaften des Menschen. Oft wurde dieses Seele als Vogel mit Menschenkopf oder als Widder dargestellt, der beim Tode den Körper verlassen konnte um frei herum zu fliegen. Ihr war es stetig möglich, wieder in den Leichnam zurückzukehren. Dies ging aber nur, wenn der Körper nach dem Tod gut erhalten blieb. Aus diesem Glauben heraus entwickelte sich der Mumienkult.

/ / Ach Sie versinnbildlichte die enge Verbundenheit des Menschen mit dem Jenseits. Nach dem Tod wacht sie über das Grab, den guten Ruf des Toten und gilt als Rachegeist, wenn jemand die Totenruhe stört. Magische Fähigkeiten wurden ihm zugeschrieben. Dargestellt wurde die Ach-Seele in der Gestalt des Schopfibis mit dunkel glänzendem Gefieder.

/ / Ren Ren bezeichnet den Namen, ohne den der Tote nicht identifiziert werden konnte. Ohne das Aussprechen des Namens erreichten die Kultrituale und magische Formeln, die für das ewige Leben waren, nicht den entsprechenden Empfänger. Wessen Name dagegen aus den Inschriften getilgt wurde, der sollte am Weiterleben im Jenseits gehindert werden.

/ / Chet Chet bezeichnet den Leib, der den materiellen Wesensbestandteil des Menschen ausmacht und für das Weiterleben in der Unterwelt gut mumifiziert werden muss, damit er weiter als Wohnsitz für Ka und Ba dienen kann.

/ / Schut Schut ist der Schatten, ein weiterer Wesensbestandteil des Menschen, der ebenfalls für das Überleben wichtig ist, um den Menschen vor Übel zu schützen. Er blieb auch nach dem Tod am Körper gebunden.

/ / Sah Wenn der Chet nach dem Tod eine gute Mumifizierung genoss, verwandelte er sich in den Sah. Er diente als Wohnstätte für die Seelen.

/ / Ib Das Ib ist das Herz, die große Quelle menschlicher Weisheit und das Zentrum der Gefühle. Es wurde im Jenseits vom Totengericht gewogen.


32


ÂŤ Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann.

Indisches Sprichwort


34

Indien

Die philosophischen Konzepte indischen Ursprungs fußen teilweise auf der verdischen Religion, aus der sich einzelne Strömungen des Hinduismus entwickelt haben. Einige dieser Lehren stehen kontrovers zur Autorität der vedischen Schriften: Buddhismus, Sikhismus und Jainismus. Jedoch ist ein wesentliches Merkmal aller Traditionen, dass die menschlichen Seelen und die Seelen anderer Lebensformen gleichgestellt sind.

Gleichstellung der seelen Die alten indischen Lehren — außer der Buddhismus — gehen davon aus, dass der Körper eine Vitalseele—Jiva—hat, die zugleich Träger des Selbstbewusstseins—Ich- Seele—ist. Jede Vitalseele kann jeden anderen Lebenskörper bewohnen. Bei der Wiedergeburt verbindet sie sich mit menschlichen, tierischen und pflanzlichen Körpern. Die Seele hat also immer Priorität vor dem Körper und bleibt nach dem Tod erhalten. Im Buddhismus gilt das für die Gesamtheit aller mentalen Faktoren eines Individuums. Bei dem Tod trennen sich die Mentalfaktoren von dem Körper. Für den Buddhismus ist somit die Ich- Seele auch eine Freiseele. Der wichtigste Unterschied zu westlichen Seelenauffassungen ist, dass die Seele nicht als ewig betrachtet wird. Damit die Abgrenzung zum gängigen westlichen Seelnbegriff deutlicher wird, wird bewusst in traditionellen Übersetzungen von Texten auf den Begriff Seele verzichtet.


35

/ / Hinduismus Für Hinduisten ist die Seele unsterblich und lebt in einer neuen Form weiter. Sie sprechen von dem Kreislauf der Wiedergeburt. Als was man wiedergeboren wird, hängt davon ab, ob man Gutes oder Schlechtes getan hat. Es existieren zwei Hauptrichtungen: Vedanta und Samkhya. Ihrerseits teilt sich die Philosophie des Vedanta in den Monismus und Dualismus auf, eine monistische Lehre, die eine Vielheit innerhalb der Einheit annimmt. Die Anhänger des Monismus akzeptieren nur eine einzige metaphysische Realität. Sie halten den Dualismus für eine Scheinwirklichkeit, die sich auflöst, wenn sie durchschaut wird. Demnach existieren die individuellen Seelen nicht eigenständig, sondern sind illusionäre Bestandteile einer bedeutungslosen Scheinwelt der vergänglichen Einzeldinge. Das Gegenteil ist der Dualismus, bei dem eine reale und individuelle Unsterblichkeit der Seele befürwortet wird. Das Ziel ist das endgültige Ausscheiden aus dem Lauf der Seelenwanderung und der Eintritt in eine jenseitige Welt, in der die Seele dauerhaft verbleiben kann.

/ / Jainismus Im Jainismus ist die individuelle Seele—Jiva—unvergänglich. Sie kann sich durch Askese reinigen, von der materiellen Existenzform lösen und in das Jenseits wechseln, in der sie dauerhaft ohne der materiellen Welt verbleibt. Da die Jainas als Atheisten an keinen Gott glauben, muss sich die Seele aus eigener Kraft erlösen.

/ / Buddhismus Vom Buddhismus wird die Anatta- Lehre vertreten. Der Buddhismus bestreitet die Existenz der Seele und einer über den Tod beständigen Realität. Aus buddhistischer Sicht wird der Kreislauf der Wiedergeburt von mentalen Faktoren in Gang gehalten, hinter dem kein Personenkern als eigenständige Substanz steckt. Dieser Bereich löst sich früher oder später in seine Bestandteile auf, indem er sich schrittweise umwandelt. Dabei scheiden Teile aus und andere kommen dazu. Somit ist die Seele inhaltlos, da kein stetiger Inhalt vorhanden ist.

/ / Ajivikas Sie gingen von einer aus Atomen bestehenden, materiellen und unsterblichen Seele aus. Ihrer Ansicht nach, vollzieht sich das Schicksal der Seele nach einer vorgegebenen Notwendigkeit.

/ / Sikhismus Im Sikhismus werden die Welt und die Seelen in ihr als real betrachtet, aber nicht der Ewigkeit zugesprochen. Sie sind durch Emanation aus Gott hervorgegangen und werden in ihn zurückkehren.

/ /

Altindischer Materialismus

Im altindischen Materialismus werden nur vier sinnlich wahrnehmbare Elemente als real akzeptiert. Darauf basierend leugneten sie die Existenz einer externen Seele sowie die von Göttern und einer moralischen Weltordnung.


36


Nicht der Glaube ist notwendig, nur die Erfahrung z채hlt... Schamanisches Zitat


38

Schamanismus

Schamanismus in Korea Der Schamanismus in Korea hat noch heute einen wichtigen Stellenwert und wird weltweit, mit denselben Methoden wie vor Tausenden von Jahren praktiziert. Aktuell hat er sich allerdings mit vielen buddhistischen Traditionen vermischt. Die Koreaner glauben daran, dass die Seele im Gegensatz zum Körper unvergänglich ist. Die Seele flaniert durch die Welten von Erde, Himmel und dämonischen Unterwelten, und dabei spielt Raum und Zeit keine Rolle. Der Schamanismus ist vergleichbar mit indianischen Traditionen aus Nordamerika, dessen Glauben sich in der lebendigen Natur wiederfindet. Wind, Baum, Stein und Wasser sowie die Erde selbst; sie alle haben eine Seele. So gibt es auch viele personifizierte Formen der Natur wie z.B. als Berg- oder Steingeister. Diese Wesen stehen im ständigen Einfluss auf das Leben aller Menschen und selten auch im Konflikt. Die Aufgabe der Schamanen ist es sie mit Opfergaben zu besänftigen. Sie dienen praktisch als Vermittler zu diesen Seelen und göttlichen Sphären und können dabei helfen die Harmonie zwischen den Toten und Lebenden wiederherzustellen.


39

Seelenrückholung Schon die uralten Schamanen-Kulturen glaubten, dass jeder Mensch eine Seele hat. Ebenso glaubt man, dass ein Mensch seine Seele verlieren kann und die Seele einen Menschen verlassen kann. Darum gibt es in allen schamanischen Traditionen die Seelenrückholung. Dabei versucht der Schamane, nachdem er sich in Trance gebracht hat, die verlorene Seele auf einer schamanischen Reise zu finden und zum Menschen zurückzubringen. Der Schamane bedient sich dabei seiner Hilfsgeister und Krafttiere, die ihn leiten und schützen. Er ist in der Lage, in das Energiefeld eines Menschen einzutreten, Botschaften zu übermitteln, Ursachen zu erkennen sowie Kräfte und Energien zu stärken. Im Erfolgsfall besteht also berechtigte Hoffnung, dass der Betroffene wieder seine ursprüngliche Vitalität erlangt. Der Schamane bringt dem Menschen seine Seele zurück, wobei es verschiedene Methoden gibt. Beispielsweise bläst er die gefundene Seele dem Betroffenen wieder ein, was meistens über den Scheitel geschieht.


Die Spurensuche

40

Auf der Suche nach einer Antwort, die Seele zu definieren, habe ich mich in das Reich ihrer Materie begeben. Viele der folgenden Aufnahmen sind nur Teile von dem was das GroĂ&#x;e wahrscheinlich ist. In diesem Teil wird versucht dem Unbeschreiblichen eine Form zu geben.


42

ein hauch Die form im schatten Wenn ich an die Seele denke ist sie f체r mich ein Hauch. Ungef채hr so wie der Atem im Winter durch die K채lte sichtbar wird. Aber auch der Atem, dieser Hauch, hat eine Form. Ich denke, dass auch das Teil unserer Seele ist. Dieser geht nicht, sondern ist best채ndig um uns herum. Allein durch seine feinstoffliche Beschaffenheit ist er transparent und hat ab und an auch eine Farbe.


43


44


45


46


47


48


49


50

tanz der Molekßle Der Materie–Teil Die Seele ist nicht nur ein Hauch, sondern besteht meiner Meinung nach auch aus einer Art von Materie, aus vielen kleinen Partikeln. Diese umgeben uns täglich in verschiedenen Formen und Farben. Manchmal kann man sogar bekannte Dinge wiedererkennen


51


52


53


54


55


56


57


58


59


Philosophische Ansichten

60


62

Epikur Die atomare Seele Für Epikur bestand alles aus Atomen, auch die Seele wurde konsequent als materieller Bestandteil des Organismus angesehen. Er hielt sie für einen Körper innerhalb des Körpers. Er verglich die Seelenmaterie mit Wind und Hitze und war der Meinung, dass sie sich über den gesamten Körper verteilt. Die seelische Materie unterscheidet sich von der grobstofflichen durch ihre feinere Beschaffenheit. Sie wird als eine Zusammensetzung von wärme-, luft- und windartigen Atomen beschrieben sowie einer vierten Atomart, welche die Sinneswahrnehmungen an den Verstand übermittelt. Diese Atome sind glatt, rund und sehr klein und daher beweglicher. Das erklärt die Geschwindigkeit der Gedanken. Als den Ort der psychischen Aktivität bezeichnete Lukrez die Brust. Wenn der Tod eintritt, löst sich nach der epikureischen Lehre die Seele auf, da ihre atomaren Bestandteile sich schnell zerstreuen. Der Zusammenhalt der Seelenmaterie ist nur durch deren Anwesenheit im Körper möglich.


63

Stoiker Die Stoische Lehre Die Stoa, eine im späten 4.Jahrhundert gegründete Philosophenschule, entwickelte ihre Seelenvorstellung von einem materialistischen Ansatz aus. Sie betrachten die Seele als feinstofflich. Nach ihrer Lehre, ist die ganze Welt der sinnlichen Materie von einer feuerartigen Substanz, dem Pneuma, durchzogen. Die Seele eines Lebewesens—Psyche—ist in ihrem Gesamtbild die Erscheinungsform des Pneuma. Die Einzelseele von Menschen und Tieren entwickelt sich während der Trächtigkeit und schließt mit der Geburt ab, indem sich das dichte Pneuma in die feine Substanz der Psyche umwandelt. Nach der stoischen Lehre, durchdringt die Seele den ganzen Körper und trennt sich beim Tod von ihm. Bei manchen Menschen überlebt sie die Trennung, ist aber nicht unsterblich und löst sich irgendwann auf. Eine sogenannte Unterwelt gibt es nicht, da die Seele aufgrund ihrer Leichtigkeit nur emporsteigen kann. Nach der Mehrheitsmeinung der Stoiker wird die Seele im Herzen lokalisiert. Sie hat einen herrschenden Teil und sieben untergeordnete Funktionen; die fünf Sinne, das Sprach- und das Fortpflanzungsvermögen. Die frühen Stoiker verwarfen die platonische Idee verschiedenartiger Seelenteile. Sie waren davon überzeugt, dass der herrschende intellektuelle Teil der Seele alle Entscheidungen fällt. Komische, unerwünschte Empfindungen wurden als Fehlfunktion erklärt. Dadurch wurde das gesamte Gefühlsleben auf rationale Vorgänge der Seele abgeleitet. In der jüngeren Stoa war man sich nicht sicher was beim Tod aus der Seele wird. Allerdings stand auch für sie fest, dass die Existenz einer körperlosen Seele zeitlich begrenzt sein muss und die Unsterblichkeit auszuschließen ist.


64

Platon

Für Platon ist die Seele immateriell und existiert unabhängig vom Körper, und schon vor dessen Entstehung. Sie ist das Prinzip des Lebens und unsterblich. Hierbei unterscheidet er zwischen der Weltseele und der Einzelseele. Prinzipiell geht er dabei von einer Analogie zwischen Mensch und Kosmos aus: Der Körper des Menschen wird durch die Seele belebt und die Materie des Kosmos durch die Weltseele. Zwischen beiden Seelen besteht eine Wesensgleichheit.

Die Weltseele Der Kosmos besteht aus Materie und wird von der Weltseele umgeben und durchdrungen. Die Vernunft des Kosmos hat ihren Sitz in der Weltseele. Die Weltseele ist von den Weltschöpfer durch eine gute Mischung gebildet worden. Diese Mischung aus einer unteilbaren, gleichbleibenden Existenz und einem teilbaren, veränderlichen Sein wurde in die Welt gepflanzt, um die Vernunft in die Welt zu bringen und sie so vollkommener zu machen. Die Weltseele ist die Kraft die sich selbst und alles andere bewegt. Sie ist auf der ganzen Welt verbreitet und wirkt in der Sphäre der Fixsterne und Planeten. Sie ist aber auch die Ursache aller Erkenntnisse.


65

Die Menschliche Seele Das Wesen des Menschen verlegt Platon in die Seele. Sie ist geistig und göttlich und wie auch die Weltseele unsterblich. Die Einzelseele ist das belebende Prinzip des Körpers. Sie leitet sich von der Weltseele ab und ist wesensverwandt mit den Ideen des Wahren, Guten und Schönen. Platon schreibt der Seele drei Teile zu, das Begehrende —Begierde, das im Unterleib sitzt, das Mutartige—Aggressionstrieb, das in der Brust sitzt, und das Denkende —Vernunft, das im Kopf sitzt. Er vertritt die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, indem er für sie sowohl eine Präexistenz, aus der gefolgert wird, dass das Wissen Erinnerung ist, als auch eine Postexistenz mit Wanderung durch verschiedene Leiber und Versetzung in den Fixsternhimmel annimmt. Diese Seelenteile sind nur in einer guten Ordnung, wenn die Begierde und der Aggressionstrieb durch die Vernunft gelenkt werden. Ihnen werden drei Tugenden zugeteilt: die Besonnenheit der Begierde, die Tapferkeit dem Aggressionstrieb und die Weisheit der Vernunft. Gerechtigkeit und Harmonie herrscht dort, wo jeder Seelenteil seine Aufgabe ausübt. Die Seele ist demzufolge also primär nicht ein Verhältnis zu anderen, sondern zu sich selbst. Die Gerechtigkeit wird so zur geordneten «Einheit» in der «Vielheit» der drei Tugenden.

Die Wiedergeburt Der Leib ist das Gefängnis und das Grab der Seele. Die Seele bindet sich an den Körper, weil die niederen Seelenteile die höheren überwiegen. Durch Wiedergeburten wird sie reifer und vereinigt sich mit dem Göttlichen. Vor der Geburt existiert die Seele an einem überhimmlischen Ort, der den Bereich des sinnlich wahrnehmbaren übersteigt. Wie es der Seele nach dem Tod ergeht, richtet sich nach dem Verhalten des Menschen. Die Einzelseele existiert nach dem Tod getrennt vom Körper weiter. Nach einem Mythos erwartet die Seelen in der Unterwelt ein Gericht. Die Einzelseelen, die sich am Materiellen orientiert hatten, werden in dem Abbild ihres Körpers, wiedergeboren. Die Seelen, die sich am Ideellen orientiert hatten, werden mit dem Göttlichen vereinigt. Die These von der Unsterblichkeit soll die Menschen zu Vernunft und Sittlichkeit bringen.


66

Aristoteles Der geist Nous Aristoteles erörtert und kritisiert die Auffassungen früherer Philosophen, insbesondere diejenige Platons. Er beschreibt die Seele als «die erste Entelechie»; die Verwirklichung, Vollendung «eines natürlichen Körpers, der potentiell Leben hat». Solch ein Körper ist für ihn «organisch». Die Feststellung, dass der Körper potentielles Leben in sich trägt, besagt, dass er zum Belebtsein geeignet ist. Diese Belebung wird durch die Seele verwirklicht. Sie kann nicht unabhängig vom Körper existieren, denn sie ist seine Form und nicht von ihm trennbar. Mit der ersten Wirklichkeit der Seele spricht Aristoteles ihre Grundtätigkeit an, die auch im Schlaf vollzogen wird. Diese Tätigkeit hält den Organismus zusammen sodass er nicht zerfällt. Die Seele unterscheidet sich von den Tätigkeiten anderer seelischer Aspekte, die verschiedenen Seelenkräften entsprechen. Nach deren Vorkommen klassifizierte Aristoteles das Leben. Die Besonderheit des Menschen, seine für die Denktätigkeit zuständige Instanz, ist der Geist—Nous. Der Nous ist in der Seele angelegt, ist jedoch eine vom Körper und Seele unabhängige Substanz. Hieraus leitet er die menschliche Denkseele ab. Sie kann alle Formen aufnehmen und gewinnt ihre Erkenntnisse nicht wie bei Platon durch Erinnerung, sondern aus Objekten der Sinneswahrnehmung. Die Sinneswahrnehmungen und die Emotionen sind Phänomene der «Sinnenseele». Für Aristoteles ist die Seele ein immaterielles Formprinzip der Lebewesen. Sie ist die Ursache der Bewegung, aber selbst unbeweglich. Er lokalisiert sie bei Menschen und Tieren im Herz. Dort steuert sie alle Lebensvorgänge und wird durch die Zeugung an die Nachkommen weitergegeben. Die Existenz von Körper und Seele — auch die des möglichen Intellekts— endet für Aristoteles mit dem Tod. Der Intellekt ist und bleibt vom physischen Organismus getrennt und geht nicht in den Tod über; er ist sozusagen unvergänglich. Daraus leitet er aber keine individuelle Unsterblichkeit ab.


67

Descartes Eigenständige Instanzen Im Zuge der Neuzeit des 16.Jahrhunderts, bekam die Frage nach der Existenz der Seele neue Impulse mit Descartes. Nach ihm unterschied man streng zwischen einer ausgedehnten Materie—res extenda—und einer denkenden Seele—res cogitas. Der Körper, zudem auch die irrationalen Lebensakte zählen, ist ein Teil der Materie. Die denkende Seele ist immateriell und entzieht sich der empirischen Forschung. Aufgrund dieser Aufteilung werden Tiere als seelenlos betrachtet und sind maschinenähnlich. Bis heute wird Descartes Argument für die dualistische Position in der Philosophie, mit einigen Abwandlungen, stark diskutiert. Daraus geht vor, dass man sich vorstellen kann, dass die seelischen Vorgänge wie das Denken unabhängig vom Körper stattfinden können. Alles was man sich vorstellt wäre also rein theoretisch möglich, da es von Gott entsprechend konstruiert wurde. Wenn es also theoretisch möglich ist, dass Seele und Körper unabhängig voneinander existieren können, müssen sie auch eigenständige Instanzen sein. Ein weiteres Argument besagt, dass Fähigkeiten wie Intelligenz und Sprache sich nicht nach physischen Naturgesetzen erklären lassen. Sie sind vielmehr etwas Nichtphysisches, das man durchaus Seele nennen könnte. Nach Descartes dualistischer Konzeption ist die Seele weder im Körper noch an einem anderen Ort lokalisierbar. Jedoch gibt es wohl eine Art von Kommunikation zwischen der Seele und ihrem Körper, dessen Ort auffindbar wäre. Er vermutete, dass dieser Ort die Epiphyse sei. Diese Hypothese wurde allerdings recht bald von der epirischen Forschung widerlegt. Durch die Kritik an dieser Theorie entstanden weitere Hypothesen über den Ort des Seelenorgans.


Definition des Unfassbaren

68


« Das artige Wesen, das entzückt, sich selbst und andre gern beglückt, das möcht ich Seele nennen. »

Johann Wolfgang von Goethe


70

das etwas

Der unbeschreibliche unsinn Wenn wir von der Seele sprechen, meinen wir damit etwas, das jeder Mensch in sich hat. «Seele» wird dieses je eigene, innerliche Etwas genannt. Damit ist aber nichts organisches gemeint oder etwas den Innereien Ähnliches. Mit «Seele» meinen wir gar nichts körperliches oder jedenfalls etwas vom Körper Verschiedenes, wenn auch eng mit ihm Zusammenhängendes. Wir lokalisieren die Seele im Körper, in der Gegend des Herzens vielleicht oder zwischen Herz und Bauch. Dem Satz wie «Die Seele befindet sich zwischen der 3. und 4. Rippe von oben» könnten wir aber nicht zustimmen. Solche Ortsangaben sind zu präzise für unsere diesbezüglich eher vagen Intuitionen. Jedoch verwenden wir manchmal den Ausdruck «Herz» anstelle von «Seele». So reden wir etwa vom «Herzschmerz»; wir meinen damit aber nicht, dass unser Blut pumpendes Organ verletzt ist. Ebenso wenig ist es ein medizinischer Befund, von jemandem zu sagen, er habe «das Herz am rechten Fleck». Auch wenn wir uns «etwas zu Herzen nehmen» oder «herzhaft lachen», reden wir damit von seelischen Belangen und machen keine Feststellungen über körperliche Aktivitäten. Neben den Aspekten der Unkörperlichkeit und Innerlichkeit wird unser Begriff der Seele grundlegend geprägt von der Auffassung, dass dieses seelische Etwas nichts ist, das man verlieren, vergessen oder links liegen lassen könne. Wir meinen mit «Seele» etwas, das unabtrennbar zu jedem Menschen gehört, sofern wir überhaupt davon ausgehen, dass Menschen Seelen haben. Eigentlich gibt es in dieser Hinsicht keine Unklarheiten. Was wir uns selbst zuschreiben,


71

schreiben wir auch allen anderen Menschen zu. Nach unserer Meinung verlässt die Seele beim Tod den Menschen, der nunmehr eine Leiche ist, ein «entseelter» menschlicher Körper. Wir schreiben also nur lebendigen Menschen eine Seele zu. Zudem sind wir unschlüssig darüber, ob nicht auch andere, nicht menschliche Lebewesen beseelt sind. Ein rein seelisches, unkörperliches Wesen bezeichnen wir nicht als «Mensch», sondern als «Geist» oder «Engel»; ein menschlicher Körper, der seelenlos ist, ist entweder nicht mehr lebendig oder würde von uns nicht «Mensch» genannt werden. Lebendig und beseelt zu sein, bedeutet Empfindungen zu haben, Totes und Entseeltes halten wir demgegenüber für empfindungslos. Diese Auffassungen äußern sich vor allem in unseren Handlungen. Denn nur unter der Voraussetzung, dass Tote nichts mehr spüren, können wir sie beruhigt verbrennen und begraben, ohne befürchten zu müssen, dass die Seele mit dem Körper, unter der Erde mit vermodert. Die Vorstellung, als lebendige Seele in einem toten Körper eingeschlossen zu sein, ist unerträglich. Demzufolge muss die Seele beim Tod verschwinden, ganz und gar oder wenigstens aus diesem bewegungsunfähigen Körper. Was mit der menschlichen Seele nach der Trennung vom Körper geschieht, stellt— wie jede die Seele betreffende Frage — einen weiteren Bereich von Vermutungen dar, da natürlich niemand je erlebt hat, was auf den Tod folgt. Über das Leben nach dem Tod bestehen viele religiöse Ansichten.

Die Ungewissheit, die diese spekulativen Äußerungen über Ort, Art und Fortbestehen der Seele anhaften, sind nicht zufällig sondern ein weiterer Aspekt des Begriffs der Seele. Denn abgesehen von der Innerlichkeit, der Unkörperlichkeit, der Wesentlichkeit und der Unsterblichkeit ist auch die Unfassbarkeit ein charakteristisches Merkmal dessen was wir «Seele» nennen. Die Seele kann so wenig ergriffen werden, wie sie begriffen werden kann, und die Unbegreifbarkeit gründet in der Ungreifbarkeit: Wir sehen die Seele nicht, können sie nicht ertasten, schmecken oder hören. Man könnte sich fragen, was unser Gerede überhaupt soll. Wie kommen wir dazu, über etwas nicht sinnlich Erfahrbares, Unfassbares derart vielseitig und scheinbar kennerhaft zu reden? Wie ist es zu verstehen, dass wie unsere Seele als tief oder leicht bezeichnen, wenn wir sagen, dass sie bebt oder zittert? Wie soll etwas beben, das nicht körperlich ist? Von etwas Unkörperlichem zu sagen, es habe körperliche Eigenschaften, ist ein eigentlich unverständlicher Unsinn. Wir meinen es zwar, dass sie weich oder aufgewühlt sei, aber wir meinen es metaphorisch. Ist die Seele eine Bezeichnung, ein Name, ein Ausdruck, der dazu verwendet wird, einen besonderen, nämlich einen ungegenständlichen Gegenstand zu benennen? Die Vergegenständlichung ist nur eine metaphorische, sie dient dazu, das über das sinnlich und begrifflich Unfassbare überhaupt erst gesprochen werden kann.


72

Klartext

Seit Beginn der Menschheit gibt es unzählige Versuche einen allgemeinen Unterschied zwischen Geist und Seele zu finden. In vielen Religionen wird der Geist als Teil der menschlichen Hülle gesehen, welcher mit dem Tod abgelegt wird und die Seele dann empor steigen kann. Der bewusste Teil unseres Daseins, also der Geist, dient dazu sich im Leben zurecht zu finden. Er ist etwas gedankliches oder spirituelles, dass man der Aura zuordnen könnte. Sie wiederum, ist das Energiefeld das uns umgibt und in Farben ausdrückt wie wir uns fühlen. Sie besteht aus vier Teilen; dem Ätherleid, welcher nach dem Tod zerfällt, dem Emotionalkörper, Mentalkörper und Kausalkörper. Die Seele hat eine engere Bedeutung und bezeichnet etwas, das mit einem einzelnen Menschen verbunden ist: sein Inneres, seine Persönlichkeit, seine Person, das unvergängliche Etwas, das den Tod überdauert. Sie ist die Quelle, das wahre Ich, der Kern unter den ganzen Zwiebelschichten. Man erahnt sie, doch ist sie nur verschwommen wahrnehmbar. Sie scheint nicht auffindbar zu sein, doch muss man lediglich nur lernen sie zu erkennen.


73

Unser heutiges Verständnis von Seele ist stark von der Psychologie beeinflusst. Wir neigen dazu, Seele auf das zu beschränken, was wir in unserem Innern spüren, was vom Psychologen erforscht und vom Psychiater behandelt wird—Wahrnehmung, Wille, Emotion, Intellekt, Bewusstsein. Dies wird allerdings Psyche genannt und wird auf die Funktionen unseres Nervensystems und Auswirkungen unserer Hormone reduziert. All das kann den Körper nicht überleben, weil es an den Körper gebunden und von ihm abhängig ist. Was die Alten mit der «unsterblichen Seele» meinten, ist etwas ganz anderes: der Kern unserer Persönlichkeit. Nach einer Informationshypothese besteht Geist aus Information und kann in Bit gemessen werden. Da die Seele eine Sonderform von Geist ist, besteht auch sie aus Information: alles, was sich über einen Menschen sagen lässt, über seinen Körper, seinen Charakter, sein Leben, seine Anlagen und das, was er und andere daraus gemacht haben. Um das darzustellen, braucht man kein Lexikon. Die wesentlichen Daten lassen sich auf wenigen Seiten, ergänzt mit ein paar Photos, zusammenfassen, extrem komprimiert sogar auf den Namen.


Die Spekulationsblase

74

//

Wie w端rdest du deine Seele beschreiben?

//

Welche Farbe hat sie?

//

Wo w端rdest du sie lokalisieren?

//

Wie bewegt sie sich?

//

Mit was setzt du sie in Verbindung?


Crystalized w

76

//

Es ist nicht möglich die Seele mit Worten zu beschreiben, da unsere Sinnesorgane zu beschränkt sind um so etwas wie die Seele zu erfassen. Außerdem lässt sich die Seele nicht den Maßstäben von Raum und Zeit zuordnen. Wenn ich sie einem Material zuordnen müsste, dann wäre sie ein Kristall­— türkisblau und kristallklar. Ich denke, sie ist da wo meine Endorphine, meine Emotionen und Gefühle sich bemerkbar machen. Lokalisieren würde ich sie unterhalb des Herzens und oberhalb des Bauches. Sie bewegt sich nicht, aber sie wächst und schrumpft ab und an.


Eis, eiskalt

w

78

//

Meine Seele hat keine Farbe und keine Form, aber ich glaube sie umhüllt uns wie Luft. Die Seele ist meiner Meinung nach der Charakter des Menschen und ist immer überall. Manchmal höre ich sie nachts laufen und es wird dann eiskalt. Als ob eine Präsenz im Raum ist die mich von der Standuhr anstarrt, aber nichts macht.


Feinstaub w

80

//

Meine Seele ist feinstofflich und glitzert wie ein Diamant. Sie ist hellblau wie der Himmel und gleichzeitig pastellig wie ganz feiner Staub. Ich glaube sie sitzt in meinem Oberkörper im Brustbereich und bewegt sich meistens etwas versetzt von mir. Die Seele verbinde ich mit dem Meer und einem Heiligenschein, wie bei der Aura die uns umgibt—Ist das überhaupt die Seele?


Crocovamp m

82

//

Sie ist ultra laut, hat schwarze Haare und trägt weiße Croco–Schuhe. Allgemein ist sie weiß und innen ziemlich dunkel. Sie steht immer neben mir und arbeitet synchron zu mir. Meine Seele lebt in meiner Gretsch Gitarre und in meinem großen Orange Amp. Manchmal ist sie aber auch in einem Tastengerät.


Der Geist

w

84

//

Meine Seele ist manchmal zerbrechlich, manchmal stark. Sie hält mich zusammen und wenn sie nicht funktioniert, fühle ich mich leer und traurig. Sie ist mal Löwe, mal Maus oder auch ein anderes Tier. Das kommt immer drauf an, ob ich mich stark oder schwach fühle. Sie ist aber auch wie eine Art Geist nur greifbarer. Ich denke meine Seele besteht aus warmen, erdigen Farben. Sie sitzt im Brustbereich, immer in der Nähe vom Herzen. Manchmal verlässt sie mich kurz und steht direkt neben mir. Ich glaube nicht wirklich an übernatürliche Dinge, aber ich merke sie besonders wenn ich in der Nähe von Pferden bin. Wenn die Seele «kaputt» ist, verbinde ich auch Krankheiten mit ihr.


Das eckige Ei

m

86

//

Meine Seele sieht aus wie ein eckiges Ei und hat eine klumpige Konsistenz. Sie ist in der Mitte grau und ist irgendwo hinter meinem Herzen. Oft ist es so als ob sie nach etwas von mir greift, als ob sie mich vor etwas bewahren will. Ich glaube sie will mich vor etwas besch端tzen. Sie ist 端berall und verfolgt mich, weil sie mein Wesen ist.


Undefinierbar w

88

//

Ich denke meine Seele ist in und um mich herum, da gibt es keine definierbare Form. Sie ist mal hell, mal dunkel und sitzt in meinem Kopf, Herz und Bauch. Manchmal ist es so als würde sie mich von jemand anderem aus ansehen. Ich glaube sie existiert sowohl im Leben, als auch nach dem Tod. Denn sie ist das was uns ausmacht, unser «Sein». Eigentlich ist sie gar nicht greifbar, fast so wie die Luft. Sie ist frei und nicht an meinen Körper oder einen bestimmten Ort gebunden.


90


91

Nunmehr kann man sagen, dass das Thema subjektiv zu betrachten ist. Es ist jedem selbst überlassen was er von dem Etwas hält oder wie er es interpretiert. Nur wir selbst wissen was die Seele sein soll. Aber wie kann man sie beschreiben? Wahrscheinlich wenn man sich darüber Gedanken macht, wer man eigentlich ist und was man eigentlich tut. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun was die Intuition, das Bauchgefühl, einem sagt. Manchmal sollte man genau auf dieses Gefühl hören. Wahrscheinlich ist genau das—dieses Etwas— die Seele. Die Seele zu beschreiben ist für Jeden beinahe unmöglich. Jeder weiß, dass es in ihnen etwas gibt, dass sie als Seele empfinden, aber kaum beschreiben können. Allein das ist schon die Beschreibung der Seele—Sie ist unbeschreiblich.


Das unbeschreibliche Etwas

Copyright © 2012 2012, erste Ausgabe

Text: Franceska Voigt Photography: Franceska Voigt Graphic Design: Franceska Voigt

Alle Rechte vorbehalten. Die Vervielfältigung, Veröffentlichung und die Übertragung im jeglichen Sinne; elektronisch oder mechanisch, einschließlich Fotokopien oder das Speichern von Informationen, ist ohne die ausdrücklich geschriebene Genehmigung des Urhebers nicht gestattet.


Für viele scheint die Seele ein fester Bestandteil des Sprachgebrauchs zu sein, denn sie ist weder unverständlich noch fragwürdig. Für den Einen ist die Bedeutung albern, für den Anderen ist es die Antwort auf alles. Für wieder Andere ist der Begriff der Seele der Ursprung für großartige und absurde Spekulationen. Auch in diesem Buch wird das Geheimnis der Seele nicht gelüftet, doch wird experimentell nach einer erkennlichen Form und den möglichen Ursprüngen gesucht.

Die Spekulationsblase  

Über die Existenz der Seele No.1

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you